Skip to main content

Full text of "Militärischer Maria Theresien-Orden"

See other formats


»XV.yv 


Militärischer 

Maria  Theresien-orden 

J.  Lukes,  Jaromir  Hirtenfeld 


Goos 


A  Digitized  by  Google^, 


Digitized  by  Google 


i 


) 

■ 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


MILITÄRISCHER 


MARIA  THERESIEIS -OR  DEN. 

 o  

I  BER  AUTORISATION  DES  ORDENS  NACH  AUTHENTISCHEN  QUELLEN 

VERFASST  UND  ANGEORDNET 

VON 

j.  lukeS 

ÜITTKK  HKS  KK\NZ  JOSEPH  ORDENS,  BESITZER  DEM  MILITÄR-VERDIENSTMEDAILLE  „SIONI'M  LAUDIS"  AM  BANDE  DES 

MIl.lTAR.VERDIENSTKRErZKS,  DER  KRIEGS -MEDAILLE  KTC. 

 O  

MIT  U  BILDNISSEN. 

NACH  ORIGINAL- AUFNAHMbN  IN  KUHFKK  GESTOCHEN  VON  J.  KLAUS. 
AKADEMISCHER  KTPKERDRl'CK  VON  K.  KAROL  IN  WIEN. 


i 


ALLE  RECHTE  VORBEHALTEN. 


WIEN. 

AUS  DER  KAISEHLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 

1890. 


DigitizÄJ  by  Google 


Lg 


tiotl,  Man«  Tbeieiia  und  ihren  HitUrn  zur  KU»' 
D«u  TAI'FERN  und  KLUGtN  der  Zukunft  aU  Uhr 
'in  Kaisers  und  König«,  iu  V«t«rl«nd»  Wehr! 


Digitized  by  Google 


> 


Neue  Folge  der  Ordens-Geschichte. 


(Dritte  Abtheilung-  1850  bis  1890  —  zugleich  Fortsetzung 
des  Werkes:  „Der  Militär- Maria-Theresien- Orden  und  seine 

Mitglieder".      Wien  1857.) 


Digitized  by  Google 


Das  Bildnis  Seiner  Majestät  des  regierenden  Kaisers  und  Königs  FRANZ  JOSE  IUI  I. 
als  Erhabenen  Großmeisters  des  Militärischen  Maria  Theresien-  Ordens  und  das 
Monumental-Bildnis  der  Glorreichen  Stifteriri  des  Ordens,  weiland  Ihrer  Majestät 
der  Kaiserin  und  Königin  MARIA  THERESIA,  nach  dem  Allerhöchslderselben 
durch  Seine  Majestät  errichteten  Denkmal,  erscheinen  als  Titel-Kupfer  an  der 


Spitze  des  Werkes. 


Digitized  by  Google 


Inhalt. 


Von  Jen  im  »Inhalt4  mit  Sternchen  (*)  bezeichneten  Ordensmilgliedern  sind  Bild- 
nisse den  betreffenden  Lebensläufen  beigegeben. 

Die  wirklich.- Rangordnung  der  Ordensmitglieder  der  Promotionen  CLX  VI  bis  CLXVI1I 
und  CLXX  ist  auf  Seite  Tr2~  und       zu  entnehmen. 

Die  Namen  uunirnniischer  OnPnmtilglieder  rrschcinai  in  liegender  Schrift. 

S«'il<> 

Vorwort                                                                                ..........  IX 

Oer  Militärische  Maria  Thereslen  Orden  von  1757  bis  1890    1 

Entstehen  des  Ordens    .   J 

Wesentliche  Ordenssulzungen   :i 

I  islebentrcten  der  Commaiideur-Classe   •*» 

Promotion  ausländischer  Ordensmitglieder                                                      .  .  <i 

Farster  Statulen-Xachtr.ig  vom  Jahre  1810  

Fünfzigjähriges  Jubiläum  des  Cro  f. kreuze«  Erzherzog  Carl   7 

Brate  Säcular-Feier  des  Ordens     s 

Status  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  Sändar-Feier  sammt  nachgefolgtem  Lebenslaufe 

der  damaligen  Ordensmitglieder                                    .   ■   I* 

CLVIII.  bis  CLXX.  Promotion  des  Mari;«  Thei esien-Ordens  in  den  Kämpfen  von  1S59 

bis  187S   4<i 

Zweiter  Statuten-Nachtrag  vom  Jahre  1S78   17 

Dritter  Statutcn-Xachtrag  vom  Jahre  1S8R   IX 

Kanzler  und  Schatzmeister  des  Ordens   II» 

Enthüllung  des  Maria  ThereeienDenkmales                                                  ...  49 

CL  VIII.  und  CLIX.  Promotion.  -  Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859  ....  51 

*  Commandern1  Ludwig  Kitter  von  Itened  ek   ot 

*  Mitter  Anton  Kitter  von  Prockosch   71 

*  Ritter  Leopold  Freiherr  von  Edels heim  Oyulai  ■    80 

*  Kitter  Joseph  Freiherr  Dormus  von  Kilianshausen   8S 

*  Kitter  Wilhelm  Herzog  von  Wü  rt  temberg   91 

*  Ritter  Joseph  Freiherr  von  Döpfner     1"4 

Ritter  Friedrirh  Freiherr  von  Kleine  rt   llo 

*  Ritter  Philipp  Graf  von  Stadio  u- Warthause:i  und  Thannhausen   11", 

*  Ritter  Alexander  Prinz  von  Hessen  und  bei  Rhein   IlT» 

*  Ritter  Anton  Freiherr  Dobrzensky  von  Dobiienitz   I 

'  Kitter  Eduard  Freiherr  von  Litz  elho fe  n  -  •  L17 

*  Kitter  Adolph  Freiherr  von  Catt  y   MI 

"  Kitter  Johann  Freiherr  von  A  ppel   •                               ...  II» 

'  Ritter  David  Freiherr  !J  rs;  de  Margina     ...    LVJ 

*  Ritter  Custav  Adolph  Freiherr  von  Neubauer   1;»/ 

'  Ritler  Ceza  Freiherr  Fejerv.uy  de  Kömlös  Keres/.le,   IW 


Digitized  by  Google 


VI 


CLX.  Promotion.  —  Während  der  Kriegsereignis»e  im  Königreiche  beider  Sicilien  im  Jahre  1860/61  108 

Ritter  .Seine  Majestät  Franz  II.  König  beider  Sicilien  168 

Kitter  Seine  königliche  Hoh.it  Ludwig  Graf  von  Trani.  Prinz  beider  Sicilien  ....  109 
Hilter  Seine  königliche  Hoheit  Alphons  Graf  von  Caserta,  Prinz  beider  Sicilien  .  .  160 
Hiller  Seine  königliche  Hoheit  Franz  de  Paula  Graf  von  Trapani,  Prinz  beider  Sicilien  169 


CLXI.  bis  CLXIH.  Promolion.  -  Im  Kriege  gegen  Danemark  in  Schleswig  und  JUtland  1864  .  .  .  170 

*  Commandeur  Ludwig  Freiherr  von  (Ja b  1  e» z   1*2 

*  Hitler  Leopold  Graf  Gondrecourt   191 

Commandeur  königl.  preußischer  GFM.  Friedrich  Graf  von  Wränget   197 

Commandeur  Seine  königl.  Hoheit  Prinz  Friedl  ich  Carl  von  Preußen   198 

Hilter  Seine  könijrl.  Hoheit  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preußen  (nachmals 

Friedrich  III.,  deutscher  Kaiser  und  König  von  Preußen)    203 

Ritter  königl.  preußischer  GL.  Carl  Eberhard  Herw  trth  ton  Kittenfehl   20+ 

Hitler  königl.  preußischer  GL.  Albrecht  Khrenreich  Gustav  von  M<in*tcin   208 

CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion   —  Im  Kriege  gegen  PreuOen  und  Italien  im  Jahre  1866       .  .  213 

In  den  Kämpfen  in  Deutschland   216 

Commandeur  Seine  Majestät  Georg   V.,  König  von  Hannover  und  Ritter  Seine 
königl.  Hoheit  Ernst  August,  Kronprinz  von  Hannover  (nachmals  Herzog 

von  Cmnl.erland.  Herzog  um  Braunschweig  und  zu  Lüneburg!   219 

Im  Kriege  gegen  Italien   221 

*  Großkreuz  Seine  k.  und  k.  Hoheit  FM.  Kr/herzog  AI  brecht  Friedrich  Rudolph    .  .  .  23+ 

*  Commandeur  Joseph  Freiherr  Maroici.  di  Madonna  del  Monte    ...    252 

*  Commandeur  Franz  Freiherr  von  John   260 

'  Ritter  Ernst  Härtung   270 

*  Ritler  Gabriel  Freiherr  von  Rodich   280 

*  Ritter  Eugen  Freiherr  Piret  de  Rihain   292 

*  Ritter  Ludwig  Freiherr  von  Pulz    29S 

*  Ritter  Ludwig  Freiherr  von  Fielst  ick  er   306 

*  Ritler  Anton  Freiherr  von  Bechtolsheim   315 

Im  Kriege  gegen  Preußen   323 

'  Ritter  Alberl  Freiherr  Knebel  von  Treuenschwert   336 

*  Hilter  Rudolph  Freiherr  Wagner  von  Wehrborn   3+1 

'  Hilter  Moritz  Ritler  von  Lehmann    3+5* 

Ritter  Sein»;  königl.  Hoheit  Albert.  Kronprinz  (nachmals  König)  von  Sachsen    .   .  350 

*  Hitter  August  von  der  Groeben   359 

Bei  der  Ycrtheidigung  Tirols   301 

*  Commandeur  Franz  Freiherr  Kuhn  von  Kuhnenfeld   370 

*  Ritler  Ludwig  Freiherr  von  Gredler   3S5 

*  Ritter  Bruno  Freiherr  von  M o n tl u i s an t   3S9 

'  Hitler  Moritz  Freiherr  Manfroni  von  Manfort   392 

Im  Kampfe  auf  dem  A  d  ri  a  t  i  sc  h  e  n  .Meere    .  ....  399 

*  Commandern-  Wilhelm  von  l  eget!  hol  t    +05 

*  Hilter  Anton  Freiherr  von  Pelz   423 

'  Hilter  Maximilian  Freiherr  Daublebsky  von  St  er  neck  zu  Ein  >  nstein   133 


Digitized  by  Google 


VII 


CLXIX.  Promotion:  Seine  Majestät  AI  f. rauher  lt.  Kaiser  von  Russland    W3 

CLXX.  Promotion.  -  Bei  Bekämpfung  des  Aufstandes  in  Süddalmatien  1869  und  bei  der  Occupation 

Bosniens  und  der  Hercegovina  1878    t-14 

Bei  Bekämpfung  des  Aulstandes  in  Süddalmaticn  ISo'J    ....  ilt 

*  Hitler  1I<  tnrich  Freiherr  von  Pittel   1 1 ö 

bei  <lor  Oeeupation  Bosniens  um)  der  Hercegovina  im  Jahre  1S78  .  .  15J 

'  Connnandcur  Joseph  Freiherr  Philippovic  von  Philippsberg   4<»1 

•  Biü<-r  Stephan  Freiherr  von  Jovannvir   472 

•  Bitter  Ladislaus  <5raf  Szapäry   4SI 

*  Bitter  Joseph  Freiherr  Vecsey  de  Vecse  et  Boröllyö  Isagfa     .   -.  -fs« 


Schlussbemerkungen  493 

A  n  h  a  n  g  : 

Status  des  Mililfiris«  In  ti  Maria  Theresien-Ordens  hei  der  Feier  der  Enthüllung  de- 
Maria Theresien-Denkmals  —  13.  Mai  ISSN  —  beziehungsweise  bei  Ah.-ehluss 
der  vorliegenden  HI.  Abtheilunf:  der  Orden-  Geschichte  (Oi  tober  IS'JO)    .   .   .  \'M 

Promotionen  des  Militärischen  Maria  Theresien-Ordens  sei»  der  Stiftung  bin  auf  die 

Gegenwart,  I  bis  CLXN  5t»> 

Statistische  Übersicht  der  Promotionen  des  Mllitii.isclieii  Manu  Theresien-Ordens  und 
«los  Status  desselben  in  den  Proniotions-Jahren  seit  der  Stillung  im  Jahre  1757 
bis  1871»,  beziehungsweise  ISMO  530 

Alphabetisches  Namens  -  Register  zur  \orliegenden  111.   Al-thtilniiy   der  Ordens 

Geschichte  und  zu  den  Promotionen  I  bis  Cl.XX  5:i7 


Digitized  by  Google 


igitized  by  Google 


Digitized  by  VjOOQlc 


Y orwo  r t. 


Die  Errichtung  des  Denkmals  weiland  Ihrer  Majestät  der  Kaiserin-Königin 
Maria  Theresia  durch  Seine  k.  und  k.  Apostolische  Majestät  Kaiser  und  König 
Franz  Joseph  1.  bildet  einen  der  erhebendsten  Momente  der  vaterländischen 
Geschichte. 

Am  hunderteinundsiebzigsten  Jahrestage  der  Geburt  Maria  Theresias 
stattete  der  Neubegründerin  der  Monarchie  Deren  ritterlicher  Urenkel  namens 
des  Vaterlandes  unvergänglichen  Tribut  der  Dankbarkeit  und  Verehrung  ab. 
Seit  dem  13.  Mai  1888  —  dem  Tage  der  weihevollen  Enthüllung  —  ist  die  glor- 
reiche Herrscherin  wiedererstanden  in  einem  der  herrlichsten  Denkmale.  Als 
strahlender  Inbegriff1  Ihrer  an  Großthaten  überreichen  Epoche  thront  min  Maria 
Theresias  majestätische  Erzgestalt  angesichts  der  altehrwürdigen  Kaiserburg 
der  Habsburger  in  unser  Aller  Mitte,  der  Gegenwart  wie  nachkommenden 
Geschlechtern  ein  leuchtend  Symbol  der  Regenten-Tugend  und  des  Herrscher- 
Genie:  fortan  ein  Palladium  für  ganz  Österreich- Ungarn! 

Maria  Theresias  Denkmal  hat  aber  außer  dieser  erhebenden  patriotischen, 
für  den  Maria  Theres ien-Or den  noch  eine  besondere,  stolze  Bedeutung. 

Die  erhabene  große  Monarchin  ist  ja  die  weise  Stifterin  dieses  Ihren 
hehren  Namen  tragenden  Krieger-Ordens.  Ihres  Denkmals  Abglanz  verklärt  gleich- 
zeitig auch  den  Maria  Theresien-Orden  als  eine  Ihrer  genialsten  Schöpfungen. 
Durch  Maria  Theresias  Denkmal  werden  dank  der  huldreichen  Großherzigkeit 
Kaiser  Kranz  Josephs  I..  von  den  Leuchten  und  ruhmreichen  Stützen  der 
Theresianischen  Herrscherzeit  acht  der  hervorragendsten  Helden  und  unter  diesen 
nicht  weniger  als  fünf  der  ältesten  Maria  Theresien-Ri tter  in  Erz  und 
Marmor  mit  verewigt. 

Es  sind  dies  außer  den  Feldmarschällen  und  Koryphäen  des  österreichischen 
Erbfolgekrieges  Khevenh üller ,  Traun  und  Wenzel  Liechtenstein,  die 
Feldmarschälle  und  aus  dem  siebenjährigen  Kriege  hervorgegangenen  ältesten 
Maria  Theresien-Ordens-Ritter  Daun.  Hadik.  Nädasdy,  Loudon  und  Lacy. 


i. 


Digitized  by  Google 


X 


Vorwort. 


In  jedem  derselben  verkörpert  sieh  ein  Stück  vaterländischer  Geschichte,  die 
glänzende  kriegerische  Epoche  aus  Maina  Theresias  glorreicher  Herrscherzeit. 

DAUN,  Leopold  Josef  Maria  Graf,  Fürst  von  Thiano,  errang  als  Feld- 
tiiarschull  durch  die  Schlacht  bei  Kolin  am  18.  Juni  1757,  „dem  Geburtslage 
der  Monarchie*,  wie  Maria  Theresia  ihm  gegenüber  diesen  glorreichen  Tag 
nannte,  über  den  bis  dahin  unbesiegten  König  Friedrich  von  Preußen  jenen 
glänzenden  Sieg,  mit  welchem  bekanntlich  die  Stiftung  dieses  Ordens  ins 
Leben  trat,  und  infolge  dessen  Daun  der  allererste  —  nach  dem  Herzog  von 
Lothringen  der  Zweitälteste  —  Großkreuz  des  Marin  Theresien-Ordens  wurde. 

NÄDASDY  auf  Fogaras,  Franz  Graf,  entschied  als  General  der  Oavallerie  auf 
dem  rechten  Flügel  Dauns  durch  seinen  siebenten  Angriff  in  die  linke  Flanke  der 
Preußen  den  Sieg  bei  Kolin  und  schwang  sich  dadurch  zum  drittältesten 
Großkreuz  des  Ordens  empor. 

HAÜIK  von  Futak,  Andreas  Reichsgraf,  schon  im  Erbfolgekriege  als  kühner 
Reiterführer  hervorragend,  unternahm  als  Feldmarschall-Lieutenant  im  Jahre  1 757 
seinen  berühmten  Zug  nach  Berlin  und  ward  durch  diese  Waffenthat  ak 
Großkreuz  der  vierte  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens. 

LOUDON  Gideon  Ernst  Freiherr  von,  schon  als  Oberst  seit  der  Schlacht  bei 
Prag  1757  Ritter,  sodann  als  Generalmajor  Großkreuz  seit  1758,  ward  er  der 
kühne  und  unternehmende,  zu  jedem  Wagestücke  bereite  Held  von  Kunnersdorf, 
der  Sieger  bei  Landshut,  der  Eroberer  von  Glatz  und  Schweidnitz,  der 
Bezwinger  von  Belgrad. 

LACY  Franz  Moritz  Graf,  als  Feldmarschall-Lieutenant  und  Dauns  General- 
Ouartiermeister  Großkreuz  seit  Hochkirch  und  Maxen  1759,  ward  überdies 
als  vertrautester  Rathgeber  Maria  Theresias  der  Reorganisator  des  öster- 
reichischen Heerwesens  jener  Zeit. 

Diese  Heldengestalten  sind  es,  denen  Kaiser  Franz  Joseph  I.  aus  der  Reihe 
der  Ordens-Mitglieder  einen  Ehrenplatz  am  Denkmal  anwies:  gleichsam  einer  Ehren- 
wacht von  Erz  und  Stein  an  den  Stufen  des  Marmortlirons  Maria  Theresias! 

Durch  diese  Ritter  erscheint  auch  der  Orden  selbst  auf 
dem  Denkmal  seiner  erlauchten  Stifterin  unzertrennlich  mit 
verherrlicht. 

Und  darum  hat  Maria  Theresias  Denkmal  außer  der  hehren  allgemein 
patriotisch  en,  für  den  Orden  auch  noch  eine  besondere,  stolze  Bedeutung.  Darum 
wird  dessen  Errichtung  durch  Kaiser  Franz  Joseph  I.  stets  auch  eines  der  denk- 
würdigsten Ereignisse  in  den  Annalen  des  Maria  Theresien-Ordens  bleiben.  Daher 
auch  der  Impuls  zur  Fortsetzung  «ler  mit  der  ersten  Säcular-Feier  des  Maria 
Theresien-Ordens  im  Jahre  1857  abgeschlossenen  Ordensgeschichte. 


Digitized  by  Google 


Vorwort . 


XI 


Uber  Antrag  des  Ordens-Kanzlers  FZM.  Frli.  von  K  u  hu  geruhte  Seine  Majestät 
Kaiser  Franz  Joseph  I.  im  Juni  1888  allergnädigst  zu  genehmigen,  dass  die 
Geschichte  des  Ordens  bis  auf  die  Gegenwart  fortgeführt  werde.  Durch  diese 
Allerhöchste  Entschließung  wurde  die  vorliegende  neue  Folge  der  Ordcns- 
Ge schichte  ins  Leben  gerufen. 

Diese  Fortsetzung  musste  nicht  allein  der  veranlassenden  Ursache  —  der 
Errichtung  des  Maria  Theresien-Denkmals  —  sondern  auch  der  Allerhöchsten 
Genehmigung  des  Unternehmens  würdig,  überdies  aber  nicht  minder  den  vielseitig 
vorgeschrittenen  Zeitverhältnissen  angemessen  ausgeführt  werden. 

Durch  die  großartige  Entwicklung  der  Wehreinrichtungen  innerhalb  der 
letzten  vier  Decennien  hat  sich  aus  unserem  ehemals  verhältnismäßig  kleinen 
Berufsheer  eine  geradezu  ungeheure  Streitermasse  entwickelt,  welche  aus  Millionen 
von  Wehrfähigen,  aus  dem  „Volk  in  Waffen"  selbst  besteht.  Dadurch  haben  sieh 
auch  unsere  Officiers-Elemente  nahezu  verdreifacht.  Außer  dem  Officier  von 
Beruf  ahnen  aber  wohl  die  Wenigsten  die  verborgene  Größe  und  hohe  moralische 
Macht  des  Militärischen  Maria  Theresien-Ordens.  Die  Wenigsten  wissen,  dass  der- 
selbe eine  der  weisesten,  eigenartigsten,  für  die  vaterländische  Wehrmacht  und 
dadurch  auch  für  das  Vaterland  segenvollsten  Schöpfungen  der  großen,  unsterb- 
lichen Herrscherin  Maria  Theresia  ist.  Die  Wenigsten  kennen  die  außerordent- 
lichen kriegerischen  Leistungen  näher,  welche  unmittelbar  nach  Enthüllung  des 
Maria  Theresien-Monumentes  Seine  Majestät  veranlassten,  nicht  nur  die  Nach- 
kommen der  auf  dem  Denkmal  Verewigten,  sondern  auch  jeden  der  anwesenden 
Maria  Theresien-Ritter  selbst,  vom  ältesten  bis  zum  jüngsten,  durch  huldvolle 
Ansprache  vor  allem  Volke  zu  ehren.  Mit  kurzen  Worten:  Unser  „Volk  in  Waffen" 
muss  seine  Helden,  unsere  zu  dem  Ehrendienste  des  Oftkiers  berufenen  Söhne 
des  Volkes  müssen  unsere  edelste  militärische  Einrichtung,  unseren  Militärischen 
Maria  Theresien-Orden  kennen,  schätzen,  lieben  lernen! 

Da  gilt  es  denn  im  Geiste  der  allgemeinen  Wehrpflicht,  nicht  bloßden  Berufs- 
Uffieier  in  der  Geschichte  des  Ordens  auf  dem  Laufenden  zu  erhalten,  sondern 
all'  den  verschiedenen  Officiers-Elementen  des  Heeres  und  der  Kriegsmarine, 
wie  nicht  minder  der  Landwehren  und  des  Landsturmes,  ja  der  gesammten 
waffenberufenen  Intelligenz  Einblick  zu  erschließen  in  diese  ureigenste  militärische 
Institution  der  österreichisch-ungarischen  Monarchie,  umsomehr,  als  durdh  diese 
weise  und  geniale  Schöpfung  Maria  Theresias  wiederholt  die  Geschicke  des  Vater- 
landes, soweit  dies  durch  außerordentliche  Waff'enthaten  überhaupt  geschehen 
kann,  mitbestimmt  wurden  und  auch  in  der  Zukunft  mitentschieden  werden 
dürften. 

Jeder  Officier.  gleich  allen  jenen,  so  zu  der  Ehrenstelle  eines  solchen  berufen 
sind  -  der  Heer-  und  Truppenführer  jeden  Grades,  wie  der  jüngste  Berufs-, 


Digitized  t>y  Google 


XII 


Vorwort. 


Reserve-,  Landwehr-  und  Landsturm-Ofticier,  ja  schon  der  Gadet  und  Einjährig- 
Freiwillige,  wie  der  Zögling  der  Militär-Bildungsinstitute  und  die  studierende 
Jugend  überhaupt  —  sie  alle  sollen  sich  an  den  oft  geradezu  wunderbaren  Thaten 
unserer  Maria  Theresien-Ritter  zu  jener  patriotischen  Begeisterung  entflammen 
können,  welche  dazu  anspornt,  im  Frieden  mit  Einsatz  aller  physischen,  moralischen 
und  geistigen  Kräfte  sich  auch  militärisch  immer  mehr  zu  vervollkommnen,  — 
welche  dazu  befähigt,  in  künftigen  Kämpfen  gleiche  Thaten  heldenmütiger 
Tapferkeit  und  überragender  Kriegerklugheit  zu  vollbringen.  —  welche  die  Weihe 
verleiht,  durch  solche  siegbringende  Waflenthaten  die  großen,  weltgeschichtlichen 
Aufgaben  der  Monarchie  unter  der  Ägide  unserer  glorreichen  Dynastie  fördern 
zu  helfen. 

Es  gilt  aber  zugleich  auch  die  Maria  Theresien-Ritter  der  jüngsten  Kriegs- 
und Kampf-Perioden,  nicht  nur  durch  Wort  sondern  auch  durch  Bild,  im  Geiste 
der  Mit-  und  Nachwelt  um  jenes  erhabene  Denkmal  von  Erz  und  Marmor,  um 
jenes  Palladium  der  gesammten  Monarchie  scharen,  auf  dass  auch  den  jüngsten 
Paladinen  Maria  Theresias  der  gebärende  Zoll  an  Dank  und  Ehre  werde. 

Daruni  sind  in  diesem  patriotischen  Werke,  auf  dass  es  seine  Bestimmung 
nach  allen  Richtungen  noch  besser  erfüllen  könne,  durch  künstlerisch  ausgeführte 
Kupferstich-Bildnisse  verewigt:  Seine  k.  und  k.  Apostolische  Majestät  der  regierende 
Kaiser  und  König  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  des  Militärischen 
Maria  Theresien-Ordens.  —  dessen  Glorreiche  Stiflerin,  die  große  Kaiserin- 
Königin  Maria  Theresia,  wie  Sie  nunmehr  auf  dem  Denkmal  für  Mit-  und 
Nachwelt  monumental  verewigt  thront,  —  sodann  Seine  k.  und  k.  Hoheit  der 
durchlauchtigste  Feldmarschall  Erzherzog  Albrecht  als  Sieger  von  Custozza. 
endlich  dieMaria  Theresien-Ritter  der  Promotionen  CLVII1  bisCLXX  aus  den 
Kämpfen  seit  1859  bis  1.S7H,  u.  zw.  durchgehend»  lebensgetreu  aus  der  Zeit 
ihrer  ordenswürdigen  Thaten 

Solchermaßen  ausgeführt  und  ausgestattet,  möge  diese  neue  Folge  der 
Geschichte  des  Militärischen  Maria  Theresien-Ordens  als  huldigendes  Complement 
des  Maria  Theresien-Denkmals  nicht  allein  für  die  gesammte  k.  und  k.  Wehrmacht, 
sondern  auch  für  die  waflVnberufene  Intelligenz  wie  für  alle  patriotischen  Kreise 
der  militärische  Plutarch  der  Monarchie  aus  jüngster  Vergangenheit  sein: 

Gott,  Maria  Theresia  und  ihren  Rittern  zur  Ehr* 
Den  TAl'FKRN  und  K LIT, EN  der  Zukunft  als  Lehr 
Zu  Kaisers  und  Königs,  zu  Vaterlands  Wehr! 


Digitized  by  Google 


Der  Militärische  Maria  Theresien-Orden 

von 

1757  bis  1890. 


Der  Militärische  Maria  Theresien-Orden  vollendete  zur  Zeit  der  Enthüllung 
des  Maria  Theresien-Denkmals  im  Jahre  1888  das  131.,  beziehungsweise  bei 
Abschluss  der  vorliegenden  III.  Abtheilung  der  Ordensgeschichte  im  Jahre  1890 
das  133.  Jahr  seines  ruhmvollen  Bestandes. 

Das  Entstehen  und  die  Stiftung  des  Ordens,  die  Geschehnisse,  welche  sich  im 
Schöße  desselben  im  ersten  Jahrhundert  seines  Bestehens  vollzogen,  die  Thaten. 
welche  seine  Mitglieder  aus  den  Promotionen  IbisCLVH  in  der  Zeit  seit  1757  bis 
1849  vollbrachten:  alles  dies  findet  sich  in  der  I.  und  II.  Abtheilung  der  Ordens- 
geschichte verzeichnet,  welche  im  Jahre  1857  erschienen  sind. 

Auf  den  Blättern  dieser  neuen  Folge  und  zugleich  III.  Abtheilung  sind  vor- 
nehmlich die  Thaten  und  der  Lebenslauf  der  Mitglieder  der  Promotionen 
GLVIII  bis  CLXX  aus  den  Kämpfen  der  Monarchie  seit  1859  aufgezeichnet. 

Die  Geschichte  des  Ordens  bedarf  jedoch,  um  nicht  lückenhaft  zu  sein,  auch 
nach  anderer  Richtung  einer  Vervollständigung.  Und  zwar  zählen  dazu  die 
abschließenden  Ergänzungen  des  Lebenslaufes  jener  Mitglieder,  welche  nach  dem 
Erscheinen  der  I.  und  II.  Abtheilung  noch  gelebt  und  zum  Theile  im  Allerhöchsten 
activen  Dienste  auch  weiter  gewirkt  haben. 

Nicht  minder  heißt  es  aller  den  Orden  als  Ganzes  betreffenden  Vorkommnisse 
seit  jenem  Zeitpunkte  zu  gedenken.  Hiezu  zählen  hauptsächlich  einzelne  Ordens- 
feste, sowie  aus  besonderen  patriotischen  Anlässen  begangene  allgemeine  Feierlich- 
keiten, zu  welchen  der  Orden  in  innigerer  Beziehung  stand.  Derlei  Solennitäten 
vollzogen  sich  stets  unter  den  Auspicien  des  erhabenen  Großmeisters,  bei  Anwesen- 
heit aller  Ordensmitglieder  und  unter  Antheiluahme  der  Armee,  j;i  der  Bevölkerung 
selbst.  Schon  um  desswillen  dürfen  diese  Feierlichkeiten  in  der  Geschichte  des 
Ordens  nicht  fehlen. 

Vor  allem  aber  erschien  es,  nachdem  die  vor  mehr  als  drei  Decennien  erschie- 
nenen beiden  ersten  Abtheilungen  der  Ordensgesclüchte  nur  melu  vereinzelt  in 
Bibliotheken  zugänglich,  sonst  aber  aus  der  Öffentlichkeit  entschwunden  sind. 

MiliUn*ch«r  JUna  Tti«r«»ien-Ordcu.  1 


Digitized  by  Google 


Der  Militärisch»»  Maria  Theresit-n  Ordcn  vou  1757  bis  1*00. 


dringend  geboten,  gleich  an  der  Spitze  dieser  III.  Abtheilung  wenigstens  einen 
flüchtigen  Rückblick  auf  wesentliche  und  denkwürdige  Momente  der  Gesehichte 
des  Ordens  während  des  ersten  Jahrhunderts  seines  Bestandes  zu  werfen. 

Entstehen  des  Ordens. 

Die  Stiftung  des  Ordens  entsprang  dem  unablässigen  Bestreben  der  glor- 
reichen Kaiserin  und  Königin  Maria  Theresia,  die  Thatkraft  des  Heeres  in  jeder 
erdenklichen  Weise  zu  heben.  Nachdem  sich  die  große  Monarchin,  welcher  seit 
dem  österreichischen  Erbfolgekriege  in  dankbarer  Anerkennung  ihrer  thatkräftigen 
Wohlgeneigtheit  für  das  Militär  der  Beiname  .Mutter  der  Heere*  (Mater 
Castrorum)  beigelegt  worden,  schon  längere  Zeit  hindurch  mit  dem  Vorhaben 
getragen  hatte,  einen  militärischen  Verdienst -Orden  zu  stiften,  wurde  dieser 
Gedanke  bei  Ausbruch  des  siebenjährigen  Krieges,  dank  der  warmen  Unterstützimg 
durch  den  erlauchten  Gemahl  Maria  Theresias,  Kaiser  Franz,  zur  That. 

Die  Kaiserin  gedachte  ursprünglich,  den  aus  den  Berathungen  und  Vor- 
schlägen der  Conferenz-Minister  hervorgegangenen  Entwurf  der  Orden s-Bestim- 
mungeri  durch  den  Oberbefehlshaber  der  kaiserlichen  Heere.  Herzog  Carl  von 
Lothringen,  am  13.  Mai  1757  bei  der  Armee  verlautbaren  zu  lassen.  In  Wirk- 
lichkeit geschah  dies  erst  fünf  Wochen  später,  und  zwar  aus  Anlass  des  ruhm- 
vollen Sieges  bei  Kolin,  indem  die  Kaiserin  an  den  Feldmarschall  Grafen 
Daun  als  Sieger  ein  huldvolles  Cabim  tsschreiben  dd.  Wien,  22.  Juni  1757,  rich- 
tete, welches  folgendermaßen  anhub: 

.Lieber  Graf  von  Daun!  „Die  Zuneigung  und  das  Wohlwollen,  so  ich  für 
Mein  Militare  trage,  hat  Mich  schon  seit  einigen  Jahren  auf  den  Vorschlag 
geführt,  einen  neuen  Militär-Orden  zu  errichten,  und  demselben  einen  sicheren 
Fundum  zur  Bestreitung  der  dafür  gewidmeten  Pensionen  zu  verschallen,  damit 
die  vorzüglichen  Verdienste  Meiner  Officiers  sowohl  durcli  ein  öffentliches 
Ehrenzeichen  distinguiret,  als  auch  ihnen  ein  besseres  Auskommen  und  ein 
Zufluss  zu  ihren  Gagen  verschafft  werde. 

„Die  wirkliche  Ausführung  dieser  Absicht  hat  seithero  an  dem  Abgang 
einer  dem  Vorhaben  gemäßen  Veranlassung  gehaftet.  Nachdem  aber  solche 
nunmehr  durch  den  von  euch  und  euerer  unterhabenden  Armee  ertbchtenen 
herrlichen  Sieg  verschaffet  worden,  und  Ich  euch  die  Ehre  bei  der  späten  Nach- 
kommenschaft mit  Freuden  gönne,  dass  der  Orden  seinen  Anfang  dem  erwähnten 
Siege  zu  verdanken  habe;  so  will  ich  nicht  länger  verziehen  Mein  Vorhaben  in 
das  Werck  zu  stellen,  und  andurch  dem  Militari  eine  neue  Probe  Meiner  Gnade 
und  danknehmigen  Wohlwollens  zu  geben." 

Am  Schlüsse  des  Cabinetsschreibens  waren  folgende  eigenhändige  Zeilen  der 
Kaiserin  beigesetzt: 

»Ihr  habt  eure  Ordensproben  vor  den  Augen  der  ganzen  Armee  schon 
abgelegt,  ihr  seid  also  als  der  erste  Großkrenz  aufgenommen.» 


Digitized  by  Google 


Entstehen  des  Ordens.  — 


Wesentliche  Ordens -bittzunireii. 


Der  Siegestag  von  Kolin  —  der  18.  Juni  1757  —  ist  also  der 
durch  Maria  Theresia  bestimmte  Stiftungstag  des  Ordens. 

Gleichzeitig  mit  dem  Feldmarschall  Grafen  Daun  wurde  auch  der  Herzog 
von  Lothringen  zum  Großkreuz  ernannt. 

Außerdem  enthielt  das  Cabinetsschreiben  eine  Reihe  von  vorläufigen 
Bestimmungen,  welche  durch  die  am  12.  December  1758  verlautbarten  Ordens- 
Statuten  völlig  ausgestaltet,  in  Kraft  und  Geltung  traten. 

Die  erste  jener  Bestimmungen  lautete,  dass  der  Orden  nach  dem  Namen 
der  glorreichen  Stifterin  Militärischer  Maria  Theresien-Orden  genannt 
werden  soll. 

Zum  bleibenden  Andenken  an  die  Stiftung  des  Ordens  wurde  eine 
Stiftungs-Medaille  geprägt.  Die  Vorderseite  dieser  Medaille  zeigt  die  Brust- 
bilder des  Kaisers  Franz  und  der  Kaiserin  Maria  Theresia  mit  der  gebräuch- 
lichen Umschrift,  während  die  Kehrseite  einen  mit  kriegerischen  Rüstungen 
umgebenen  Genius  vorstellt,  welcher  in  der  rechten  Hand  das  Ordensband  mit 
dem  daran  hängenden  Kreuze,  in  der  Linken  aber  einen  Palmzweig  hält.  Die 
Umschrift  lautet:  „Praemio  virtuti  bellico  constituto"  und  im  Abschnitte 
ist  das  Datum  der  Stiftung  zu  lesen:  „MDCCLVII.  D.  XVIII.  lVN.k 

Zur  Feier  des  Andenkens  an  die  Stiftung  wurde  überdies  alljährlich  am 
15.  October.  als  dem  Tage  der  heiligen  Theresia,  das  Ordens-  oder  Titular- 
Kest  begangen,  doch  kam  es  im  Verlauf  der  Zeit  von  diesem  Feste  ab. 

Nachdem,  wie  erwähnt,  die  Kaiserin-Königin  schon  am  22.  Juni  1757  zwei 
Ordens-Großkreuze  ernannt  hatte,  fand  auf  Grund  der  vorläufigen  Bestimmungen 
die  1.  Promotion  von  2  Großkreuzen  und  14  Rittern  am  7.  März  1758  und 
deren  »Solenne  Reception*  durch  den  hiezu  bevollmächtigten  Feldmarschall 
Grafen  Daun  im  Hauptquartier  zu  Skalitz  am  23.  April  1758  mit  besonderer 
Feierlichkeit  statt.  Aus  diesen  Mitgliedern  wurden  die  ersten  Gapitel  für  die 
nächstfolgenden  Promotionen  gebildet. 

Der  erste  Erhabene  GROSZMEISTER  war  Seine  Majestät  Kaiser  FRANZ. 


Wesentliche  Ordens-Satzungen. 

Laut  der  unter  hervorragender  Mitwirkung  des  Feldmarschalls  Grafen  Daun 
und  des  Staatskanzlers,  Grafen,  später  Fürsten  Kaunitz  abgefassten  Statuten 
vom  12.  December  1758  kann  der  Orden  —  mit  Ausnahme  des  Großmeisterthum*. 
welches  „jederzeit  dem  Regierer  des  Erzhauses  Österreich  und  Beherrscher  dessen 
sämmtlieher  Erbkönigreichen  und  Länder  eigen  seyn  und  verbleiben"  soll  —  nur 
auf  Grund  besonders  tapferer  und  kluger,  vor  dem  Feinde  verrichteter  Thaten 
erworben  werden.  *) 

*)  Die  betreffende  Bestimmung  der  Statuten  lautet: 

.3tcn4  Setzen  Wir  zur  unverbrüchlichen  Grundregel,  dn  -s  niemand,  wer  der  auch  sey,  wogen 
«einer  hohen  Geburt,  langwierigen  Dienste,  vor  dem  Feind  überkommenen  Blessuren,  oder  wegen 
vorhergehender  Verdienste,  noch  viel  weniger  aber  aus  bloßer  Gnade,  und  auf  das  Vurwort 

1* 


Digitized  by  Google 


1 


Der  Militärische  Maria  Theresien-Ürden  von  1757  bis  180(1. 


Zur  Untersuchung  solcher  Thaten  —  nach  genau  bestimmten  Vorschriften  — 
sind  die  Ordens capitel  berufen,  welche  in  der  Regel  nach  jedem  Keldzuge 
aus  den  vorhandenen  Ordensmitgliedern  —  deren  Zahl  jedoch  nicht  weniger  als 
sieben  betragen  soll  —  eingesetzt  werden,  und  den  Capitel -Vorschlag  über  die 
ordenswürdigen  Gandidaten  dem  Allerhöchsten  Großmeister,  welchem  allein  die 
Kntscheidung  und  Verleihung  zusteht,  vorlegen. 

Fünfunddreißig  solcher  Ordenscapitel  wurden  seit  der  Ordensgründung 
abgehalten  und  durch  dieselben  im  Laufe  von  132  Jahren  713  von  3320  sich  um 
den  Orden  bewerbenden  Candidaten  den  das  Großmeisterthum  in  ununter- 
brochener Folge  bekleidenden  Allerhöchsten  Regenten  des  Kaiserstaats  zur 
Bestätigung  vorgeschlagen  und  kraft  der  I.  bis  CLXX.  Promotion  in  den  Orden 
aufgenommen.*) 

Der  höchste  Stand  des  Ordens  betrug  im  Jahre  1815  340  inländische, 
127  ausländische  Mitglieder,  verminderte  sich  bis  zum  Jahre  1848  auf  71  Inländer 
und  51  Ausländer,  hob  sich  im  Jahre  1850  auf  133  Inländer  und  54  Ausländer  und 
besteht  im  Jahre  1890  bei  dem  Abschlüsse  dieser  Abtheilung  der  Ordensgeschichte 
in  23  Inländern  und  6  Ausländern. 

Zum  ersten  Ordenskanzler  wurde  im  Jahre  1757  der  Staatskanzler  Graf 
Kaunitz  ernannt,  welcher  diese  Würde  bis  zu  seinem  Tode  im  Jahre  1794 
bekleidete. 

Durch  die  Statuten  vom  12.  December  1758  wurden  als  Pensionen  für  die 
Ordens-Mitglieder  festgesetzt: 


Zur  Bestreitung  dieser  Pensionen  wurde  im  Jahre  1763  ein  Capital  von 
2,255.000  fl.  in  der  Wiener-Bank  hinterlegt  und  hierüber  von  der  Kaiserin-Königin 
ein  eigener  Stiflbrief  ausgefertigt,  durch  welchen  bestimmt  ist,  dass  dieses  Capital 
als  ein  beständig  vinculirles  mit  5  pro  cento  jährlich  zu  verzinsendes  Stiftungsgut 
ungeschmälert  für  alle  Zeiten  zu  belassen  sei  und  der  jeweilige  Ordens-Schatz- 
meister die  Interessen  zu  erheben,  getreulich  zu  verrechnen  und  die  jeweiligen 
Ersparnisse  in  den  öffentlichen  Fundis  als  Capitals-Zuwachs  wieder  verzinslich 
anzulegen  und  damit  insolange  fortzufahren  habe,  bis  die  zur  vollständigen 


anderer,  sondern  einzig  und  uliein  diejenigen  in  den  Orden  aufgenommen  werden  sollen,  welche 
nicht  nur  nach  Ehre  und  Pflichten  ihrer  Schuldigkeit  ein  völliges  Genüge  geleistet,  sondern  sich 
noch  über  da»  durch  eine  besondere  herzhafte  That  hervorgethan,  oder  kluge,  und  für  Unseren 
Militärdienst  ersprießliche  Rathschläge  nicht  nur  an  Hand  gegeben,  sondern  auch  solche  mit  vor- 
züglicher Tapferkeit  ausführen  geholfen  haben. 

Von  dieser  Regel  soll  niemals  abgewichen,  noch  in  Ansehung  derselben  eine  Ausnahme 
gestattet  werden,  so  dass  Wir  selbst  Uns  hieriuueii  die  Hände  zu  binden  gnädigst  erschlossen  sind.* 

*)  Näheres  hierüber  in  der  „ Statistischen  Übersicht*  der  Promotionen  im  Anhange. 


für  20  Großkreuze  ä  1.500  fl. 
„  100  Ritter  ä  Ü00  . 
,  100  Ritter        ä     400  , 


30.000  fl. 
60.000  , 
40.000  „ 


130.000  fl. 


Digitized  by  Google 


Inslebentreteu  der  Commandeur-Clusse. 


5 


Dotierung  der  Ordenscasse  erforderliche  Summe  von  150.000  fl.  jährlicher  Einkünfte 
im  Capitale  erreicht  sein  werde. 

Außer  den  Pensionen  wurden  den  Ordensmitgliedem  durch  die  §§.  35  bis  37 
der  Statuten  noch  besondere  Prärogative  bezüglich  des  Eintritts  bei  Hofe  und 
allen  der  Ritterstand  ,eo  ipso',  der  Freiherrnstand  aber  jenen,  welche 
darum  ansuchen,  eingeräumt. 

Die  Witwen  der  Ordensmitglieder  haben  die  Hälfte  der  von  ihren 
verstorbenen  Gatten  bezogenen  Ordenspension  auf  Lebensdauer  zu  genießen. 

Inslebentreten  der  Oommandeur-Olasse. 

Im  Jahre  1765  errichtete  Kaiserin  Maria  Theresia  über  Initiative  des: 
Mitregenten  Kaiser  Josephs  II.  zu  den  ursprünglich  festgesetzten  zwei  Classen 
von  Ordensmitgliedern  (Großkreuze  und  Ritter  )  nach  dem  Vorbilde  anderer  Orden, 
die  Zwischen-Classe  der  Commandeure.  Dieselben  hatten  das  Ordenszeichen 
am  Bande  um  den  Hals,  —  die  Großkreuze,  wie  bis  dahin,  am  Bande  von  der 
rechten  Schulter  zur  linken  Seite,  außerdem  aber  einen  Ordensstern  auf  der  linken 
Brust  zu  tragen. 

Infolge  dieser  neuen  Bestimmung  wurden  gelegentlich  des  Titular-Festes 
am  15.  October  1765,  welches  in  besonders  feierlicher  Weise  begangen  wurde, 
durch  Promotion  X  zum  erstenmale  Commandeure  promoviert,  indem  9  Ritter, 
welche  im  Verlaufe  des  siebenjährigen  Krieges  auf  Grund  vollbrachter  Waffenthaten 
sich  um  das  Großkreuz  beworben,  dasselbe  aber  nicht  zuerkannt  erhalten  hatten, 
in  die  Commandeur-Glasse  erhoben  wurden. 

Die  Promotions-Feierlichkeit  wurde  von  Seiner  Majestät  Kaiser  Joseph  II. 
als  Großmeister  in  der  Feldmarschalls-Uniform,  mit  dem  Maria  Theresien-Ordens- 
Sterne  in  Brillanten,  unter  dem  Throne  vollzogen.  Hiebei  hielt  der  Ordenskanzler 
Fürst  Kaunitz  von  seinem  links  neben  dem  Throne  befindlichen  Platze,  in 
Gegenwart  der  ersten  Würdenträger,  der  Minister,  der  Geheimen  Räthe,  der 
Generalität  und  der  Ordensmitglieder  eine  dem  feierlichen  Anlasse  gemäße 
Ansprache.  Er  nannte  die  neun  zur  Aufnahme  bestimmten  Candidaten,  deren 
einer  nach  dem  andern  sich  Seiner  Majestät  dem  Großmeister  näherte  und  aus 
dessen  Händen  die  Decoration  empfieng.  Hierauf  verfügten  sich  Seine  Majestät, 
von  den  Versammelten  begleitet,  zur  Anhörung  der  heiligen  Messe  in  die  Hof- 
Kapelle.  Nach  Beendigung  derselben  gieng  der  Zug  in  der  nämlichen  Ordnung  in 
die  kaiserlichen  Appartements  zurück  und  dann  in  den  großen  Saal,  wo  Seine 
Majestät  unter  dem  Baldachin  öffentlich  speisten.  In  demselben  Saale  bei  einer 
etwas  entfernteren  Tafel  war  für  7  Großkreuze,  und  in  einem  anderen  Saale 
für  9  Commandeure  und  23  Ritter  die  Tafel  gedeckt.  Mit  diesem  Mahle  schloss 
das  Fest. 

Für  die  Commandeure  wurde  keine  neue  Dotation  bestimmt  und  es 
verblieben  dieselben  bis  zum  Jahre  1810  im  Bezüge  der  höheren  Ritter-Pension 
per  600  Gulden. 


Digitized  by  C^pogle 


6 


Der  Militärische  Maria  Theresien-Orden  von  1757  bis  1890. 


Promotion  ausländischer  Ordensmitglieder. 

Obwohl  die  Verleihung  dos  Ordens  an  Officiere  fremder  Mächte  in  den  Sta- 
tuten nicht  in  Aussicht  genommen  war,  so  wurde  hievon  doch  schon  im  letzten 
Jahrzehnt  des  vorigen  Jahrhunderts  Umgang  genommen  und  der  Orden,  welcher 
bald  ein  hohes  Ansehen  erlangt  hatte,  durch  die  dem  Allerhöchsten  Großmeister 
stets  zukommende  Machtvollkommenheit  an  einige  Officiere  der  an  der  Seite 
Österreichs  kämpfenden  Mächte  verliehen,  so  dass,  insbesondere  durch  die  großen 
Promotionen  in  den  Kriegen  1813  bis  1815,  im  ganzen  seit  der  Gründung  103 
Ausländer  mit  dem  Orden  betheilt  wurden. 

Dieselben  hatten  und  haben  jedoch  weder  Anspruch  auf  Pensionen,  noch 
auf  die  den  inländischen  Ordensmitgliederu  statutenmäßig  zustehenden  Vorrechte. 

Erster  Statuten-Nachtrag  vom  Jahre  1810. 

Am  12.  December  1810  erließ  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  einen  Nachtrag 
zu  den  Theresianischen  Statuten. 

Derselbe  enthielt: 

1.  Erläuternde  Bestimmungen  über  die  Ordenswürdigkeit,  über  die  Art  der 
Bewerbung  und  den  Vorgang  bei  den  Ordenscapiteln. 

2.  Die  Wiederherstellung  der  Ordenseinkünfte,  welche,  schon  durch  den  bei 
der  Gründung  errichteten  Fond  für  den  vollen  Staud  der  festgesetzten  Mitglieder 
kaum  ausreichend,  durch  die  Interessen-Keduction  im  Jahre  1706  und  die  Witwen- 
Pensionen  derart  geschmälert  worden  waren,  dass  bereits  im  Jahre  1794  eine  theil- 
weise  Suspension  der  Pensionszahlungen  an  die  im  letzten  Jahrzehnt  des  XVI11. 
und  im  Anfange  des  XIX.  Jahrhunderts  in  stets  steigender  Zahl  promovierten 
Ordensmitglieder  eintreten  musste,  welche  bis  zum  Jahre  1810  dauerte.  Als 
Dotation  und  Maximalzahl  der  zu  pensionierenden  Mitglieder  wurden  nunmehr  fest- 
gesetzt: 

8  Großkreuze  .   .   .  .  a  1500  II.  =  12.000  11. 
16  Commandeurs    .  .  a   800  ,  =  12.800  . 

100  Ritter  ä   600  ,      60.000  . 

100  Ritter  a   400  ,  =  40.000  , 

~T2TS00  fl. 

Auch  über  diese  neue  Dotation  wurde  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  ein 
Stiftbrief  ausgefertigt. 

Infolge  des  Patents  vom  20.  Februar  1811  wurden  die  Ordenseinkünfte 
neuerdings  erheblich  vermindert,  so  dass  Seine  Majestät  sieh  veranlasst  sah.  in 
steter  Fürsorge  für  den  Orden  einen  neuen  außerordentlichen  Zuschuss  zu  bewil- 
ligen, welcher  es  ermöglichte,  die  festgesetzten  Pensionen  an  die  berechtigten  Mit- 
glieder im  vollen  Retrage,  jedoch  in  der  damals  geltenden  Valuta  der  Einlösungs- 
seheine, zu  bezahlen. 


Digitized  by  Google 


Fünfzisjj&hriges  Jubiläum  des  Großkreuzes  Erzherzog  Carl. 


7 


Fünfzigjähriges  Jubiläum  des  Großkreuzes  Erzherzog  Carl. 

Am  5.  April  1843  beging  der  Orden  die  fünfzigjährige  Jubelfeier  des  Erzherzogs 
Carl  als  Großkreuz  des  Maria  Theresion-Ordens,  welches  er  durch  seine  Tapferkeit 
und  Klugheit  in  dem  Gefechte  bei  Aldenhoven  am  1.  März  1702  und  in  der  Schlacht 
bei  Neerwindcn  am  18.  März  1793  errungen  hatte  und  das  ihm  durch  Promotion 
XXVI  vom  1.  April  1793  verliehen  worden  war. 

Am  Vorabend  des  Jubelfestes.  4.  April,  wurde  vor  dem  Palaste  des  Erzher- 
zogs von  vier  Regiments-Musikbanden  und  100  Tambours  vereint,  bei  Fackelschein 
die  Retiaite  begonnen.  Hiebei  führten  20  Tambours  und  20  Pfeifer  den  altöster- 
reichischen  Zapfenstreich  auf,  wie  er  einst  an  den  Abenden  von  Aldenhoven  und 
Xeerwinden  vor  dem  erlauchten  Jubilar  ertönt.  Dann  zogen  die  Reg'uuentsbanden 
und  Spielleute  auf  den  äußeren  Burgplatz  vor  die  Fenster  des  Kaisers,  endlich  auf 
den  Hof  vor  den  Hofkriegsrath  (das  nachmalige  Kriegsministerium). 

Am  5.  früh  fand  auf  dem  Glacis.  zwischen  dem  Burg-  und  Schottenthore  eine 
große  Militärparade  statt,  zu  welcher  die  gesammte  Garnison,  eine  Abtheilung 
von  Invaliden  und  die  Zöglinge  der  Ingenieur-Akademie,  sowie  auch  vier  Vete- 
ranen, Ghevaux-legers  von  Windisch-Grätz,  die  bei  Aldenhoven  und 
Neer winden  mitgekämpft  hatten,  ausrückten,  überdies  infolge  Allerhöchster  Ein- 
ladung 59  von  den  100  lebenden  inländischen  Ordensmitgliedern,  die  Generalität, 
die  Leibgarden  und  der  Hof  und  endlich  das  gesammle  Kaiserhaus  erschienen. 

Nachdem  Seine  Majestät  Kaiser  Ferdinand  zu  Pferde,  von  der  Kaiserin  zu 
Wagen  begleitet,  die  Truppen  besichtigt  hatte  und  die  Feldmesse  gelesen  worden 
war,  übergab  der  Kaiser  dem  Erzherzog  feierlich  die  Insignien  des  Großkreuzes 
des  Maria  Theresien-Ordens  in  Brillanten  und  ertheilte  demselben  die 
Accolade. 

Darauf  empfing  Erzherzog  Ca  rl  die  Glückwünsche  des  Kaiserhauses,  nahm 
auch  außerdem  durch  den  ältesten  Großkreuz  nach  dem  Erzherzog  Carl,  durch 
Erzherzog  Johann,  die  Beglückwünschung  namens  des  Maria  Theresien-Ordens 
entgegen. 

Zum  Schlüsse  ließ  der  Kaiser  die  Truppen  defilieren. 

Nachmittags  fand  in  dem  zu  dieser  Jubelfeier  zu  Ehren  des  Erzherzogs  Carl 
mitTrophäen  aus  seinerHeldenlaufbahn  und  sonst  historisch  bedeutsam  doeorierten 
Cerernoniensaale  der  Hofburg,  eine  Familientafel  statt,  bei  welcher  der  Kaiser 
unter  dem  Donner  der  Kanonen  einen  Toast  auf  den  Er/herzog  Carl  und  einen 
zweiten  auf  die  „Ordensgelährten  des  hochgefeierten  Jubilars*  ausbrachte,  namens 
welcher,  sowie  namens  der  Armee,  wieder  Erzherzog  Carl  Seiner  Majestät  einen 
Toast  darbrachte. 

Zur  Erinnerung  an  diese  Jubelfeier  wurde  eine  Medaille,  mit  dem  Brustbilde 
des  erlauchten  Jubilars,  sowie  der  Legende  und  den  entsprechenden  Inschriften, 
geprägt  und  an  sämmtliche  Ordensmitglieder  vertheilt. 

Am  Tage  dieser  Jubelfeier  erließ  femer  Kaiser  Ferdinand  an  den  ordens- 
kanzler  Fürst  Metternich  das  folgende  Handschreiben: 


Digitized  by  Google 


Der  Militärische  Maria  Theresen  Orden  von  1757  bi*  1890. 


„Lieber  Fürst  Metternich!  Ich  finde  an  dem  Tage,  an  welchem  Mein 
vielgeliebter  und  verehrter  Herr  Oheim,  der  Erzherzog  Carl  Liebden  das  fünfzig- 
jährige Jubiläum  des  auf  dem  Schlachtfclde  ruhmvoll  erworbenen  Maria 
Theresien-Ordens-Großkreuzes  begeht,  eine  Meinem  Herzen  erfreuliche  Ver- 
anlassung, hiemit  anzuordnen:  dass  die  Auszahlung  der  Maria  Theresien-Ordens- 
Pensionen,  welche  infolge  der  Zeitumstände  neuerlich  einige  Veränderung  erlitten 
hatten,  von  dem  gegenwärtigen  Verwaltungsjahre  angefangen,  wieder  nach 
ihrem  vollen  Betrage  in  Conventions-Münze  stattfinde.  Sie  haben  in  Ihrer  Eigen- 
schaft als  Ordenskanzler  Sorge  zu  tragen,  dass  diese  Meine  Verfügung  sämmt- 
lichen  Ordensmitgliedern  bekannt  gemacht  werde,  sowie  auch  die  zu  deren 
Vollzug  erforderlichen  Einleitungen  zu  treffen. 

Wien,  am  5.  April  1843. 

Ferdinand  m.  p." 

Erste  S&cular-Feier  des  Ordens. 

Am  18.  Juni  1857  waren  es  hundert  Jahre,  seit  der  Militärische  Maria 
Theresien-Orden,  an  Ruhm  und  Ehren  überreich,  bestand.  Unter  Seiner  Majestät 
dem  Kaiser  und  König  Franz  Joseph  I.,  dem  Erhabenen  Großmeister,  begieng  an 
diesem  Tage  der  Orden  seine  erste  Säcular-Feier  in  einer  alle  früheren  Ordens- 
feierlichkeiten überragenden,  großartigen  Weise.  Dieselbe  fand  in  Gemäßhcit  der 
diesfalls  Allerhöchst  genehmigten  Anordnungen  in  der  Haupt-  und  Residenzstadt 
Wien  statt.  Es  war  eines  der  denkwürdigsten  und  imposantesten  militärischen 
Feste,  die  seit  langer  Zeit  ihre  Pracht  vor  den  Augen  der  Welt  entfalteten,  —  ein 
Fest,  getragen  von  einem  erhabenen,  die  Geister  mächtig  anregenden  Grund- 
gedanken militärischer  Kraft  und  Größe. 

Die  Klänge  eines  großen  militärischen  Zapfenstreiches  leiteten  am 
Vorabende,  den  17.  Juni,  die  Säcular-Feier  des  Maria  Theresien-Ordens  bei  herr- 
lichem Wetter  ein.  Derselbe  wurde  von  den  gesammlen  Infanterie-,  Jäger-  und 
Gavallerie-Musiken  der  Garnison  —  acht  an  der  Zahl  —  mit  Zuziehung  sämmt- 
licher  Tambours,  unter  der  Leitung  des  k.  k.  Armee-Kapellmeisters  ausgeführt. 
Zunächst  spielten  diese  Musiken,  in  ein  einziges  Riesen-Orchester  vereinigt  und 
von  unabsehbaren  Massen  umgeben,  drei  Stücke  in  der  k.  k.  Hofburg  auf  dem 
Franzensplatze.  Das  erste  dieser  Stücke  hatte  historischen  Charakter;  es  war  der 
»Große  Zapfenstreich*,  mit  Benützung  der  Motive  des  alten  Zapfenstreiches  und 
Grenadier-Marsches  der  Pfeifer  —  mit  Introduction  und  Finale  —  componiert  von 
dem  Armee-Kapellmeister  A.  Leonhardt.  Aus  der  Hofburg  begab  sich  der  Zug 
zu  den  Wohnungen  der  in  Wien  anwesenden  Großkreuze  vom  Maria  Theresien- 
Orden,  des  Erzherzogs  Johann  und  des  Feldmarschalls  Fürsten  zu  WTindisch- 
Grätz,  dann  vor  das  Generalcommando  auf  der  Freiung.  als  der  Wohnung  des 
Commandanten  der  ersten  Armee,  FZM.  Grafen  von  Wimpffen,  endlich  auf  die 
Hauptwache  Am  Hof,  überall  ein  Musikstück  abspielend. 


Digitized  by  Google 


Hrste  Sflcular-Feier  des  Ordens. 


'.» 


Der  Donner  von  101  Kanonenschüssen  und  eine  schon  um  fünf  Uhr 
morgens  des  18.  abgehaltene  Tages-Reveille  entboten  die  Bewohner  der  Haupt- 
und  Residenzstadt  zu  dem  hehren  Fest.  Eine  Musikbande  mit  den  Tambours  eines 
Regiments  begann  dieselbe  am  Franzensplatze,  durchzog  ohne  Halt  zu  machen, 
einige  Straßen  und  Plätze  der  inneren  Stadt  und  sehloss  am  Hofe  vor  der  Haupt- 
wache. Die  Musikbanden,  Trompeter  und  Tambours  der  übrigen  Regimenter  und 
Jüger-Bataillone  führten  die  Tages-Reveille  in  den  Kasernen  und  der  nächsten 
Umgebung  derselben  aus. 

Um  neun  Uhr  vormittags  fand  auf  demGlacis  die  militärische  Kirchenfeier 
in  voller  Parade  statt.  Seine  Majestät  erschien  zu  derselben  in  Feldmarschalls- 
Parade-Uniform,  mit  den  Insignien  des  Großkreuzes  des  Maria  Theresien-Ordens. 

Für  Seine  Majestät  und  die  Allerhöchsten  Herrschaften  war  ein  prachtvolles, 
mit  dem  kaiserlichen  Adler  geschmücktes  und  in  reichem  Fahnenschmuck  pran- 
gendes Zelt  errichtet  worden.  Neben  demselben  erhoben  sich  zur  rechten  und  zur 
linken  Seite  im  Halbkreise  zwei  ebenfalls  glänzend  decorierte  Zelte  für  die  Ordens- 
mitglieder, dann  für  die  Generalität  und  die  hohen  Gäste  aus  allen  Zweigen  des 
Staatsdienstes  und  aus  der  Elite  der  Gesellschaft.  Gegenüber  dem  kaiserlichen 
befand  sich  das  Kapellen-Zelt. 

Rundum  waren  von  dreiSeiten  dieTruppen  in  concentrierter  Aufstellung  mit 
eingeschwenkten  Flügeln  aulgestellt,  zunächst  die  Arcieren-Leibgarde  (zu  Pferde), 
die  Trabanten-Leibgarde,  die  Garde-Gendarmerie  und  die  Hofburgwache.  Ferner 
waren  ausgerückt:  die  sämmtliehen  Truppen  der  Garnison  Wien,  die  im  Lager 
stehenden  Brigaden,  die  auf  dem  flachen  Lande  im  Kronlande  Niederösterreich 
disiocierten  beiden  Gavallerie-Regimenter.  die  Jäger-Bataillone  aus  der  Umgebung, 
ein  Pionnier-Bataillon  von  Klosterncuburg,  ein  Genie-Bataillon  von  Krems,  ein 
aus  den  Repräsentanten  sämmtlicher  Fußtruppen  der  Armee,  dann  der  Flotte,  der 
Gendarmerie-Regimenter  und  des  Matrosen-Corps,  der  Grenz-Regimenter,  des 
Fuhrwesens  und  der  Wiener  Militär-Polizeiwache  combiniertes  Bataillon,  eine  aus 
Repräsentanten  der  gesammten  Cavallerie  ebenso  zusammengesetzte  Escadron 
zu  Fuß,  sämmtliche  bespannte  Raketen-Batterien  aus  Wiener-Neustadt;  sodann 
die  Militär-B ildungs- Anstalten  und  zwar  theils  auf  vollem  Stande,  theils  durch  je 
zwei  der  vorzüglichsten  Zöglinge  aus  jedem  Jahrgange  repräsentiert;  endlich  eine 
Abtheilung  von  Invaliden.  Die  ausgerückten  Truppen  formierten  31  Bataillone, 
10  Gompagnien,  31V*  Escadrons,  38  Geschütze. 

Zu  der  Messe  verlugten  sieh  die  mit  der  Truppe  ausgerückten  Mitglieder 
des  Maria  Theresien-Ordens  in  das  für  sie  bestimmte  Zelt.  Nach  der  Messe 
traten  dieselben  wieder  in  Reih'  und  Glied  ein. 

Nach  beendigtem  Gottesdienste  erfolgte  die  Defilierung,  und  zwar  bei  der 
Infanterie  in  halben  Divisionen,  bei  der  Cavallerie  in  halben  Schwadronen,  bei  der 
Artillerie  in  ganzen  Batterien. 

Eine  berittene  Suite  von  mehreren  Hundert  Generalen  und  Officiercn  der 
kaiserlichen  Armee,  darunter  auch  jene  fremder  Heere,  bildete  in  glänzendein 
Waffenschmuck  die  imposante  Begleitung  Seiner  Majestät. 


Digitized  Google 


10 


Der  Militärische  Maria  There«icnOrden  von  1757  bis  1890. 


Von  den  Ordensmitgliedern  auswärtiger  Staaten,  die  sämmtlich 
von  der  Feier  in  Kenntnis  gesetzt  worden,  wohnten  dem  Feste  mehrere  bei,  und 
zwar  der  großbritannische  Viceadmiral  Moresby-Fairfax,  Seine  königliche  Hoheit 
Prinz  Carl  von  Bayern,  der  großbritannische  General  Lord  John  Seaton  und 
der  kaiserlich-russische  General,  Armee-Commandant  und  Gouverneur.  General- 
adjutant Seiner  Majestät  des  Kaisers  von  Russland,  Nikolaus  von  Paniutine. 

'Von  allen  anderen  ausländischen  Rittern  des  Ordens  waren  Schreiben  ein- 
gegangen, welche  mit  innigstem  Bedauern,  zu  der  Feier  sich  nicht  einfinden  zu 
können,  die  wärmste  Sympathie  für  das  Fest  und  die  herzlichsten  Glückwünsche 
für  den  Orden  ausdrückten.  Zwei  Ordensmitglieder  waren  auf  der  Reise  nach 
Wien  erkrankt  und  deshalb  gezwungen  zurückzubleiben,  der  königliche  neapoli- 
tanische General-Lieutenant  und  General-Adjutant  Seiner  Majestät  des  Königs, 
Carlo  Fi langi er i.  Principe  di  Satriano,  und  der  kaiserlich  russische  General, 
General -Adjutant  Seiner  Majestät  des  Kaisers  von  Russland  etc.  etc.  von 
Soukhozanett. 

Die  österreichischen  Ordensmitglieder  waren  fast  vollständig  ver- 
sammelt. Zu  den  wenigen,  die  durch  Krankheit  am  Erscheinen  verhindert  wurden, 
zählte  auch  Feldmarschall  Graf  Radetzky,  der  Zweitälteste  Großkreuz  des 
Ordens. 

Unabsehbare,  dichtgedrängte  Volksmassen  wohnten  diesem  großartigen 
militärischen  Feste  bei,  welches  von  dem  herrlichsten  Wetter  begünstigt  wurde, 
und  die  wiederholten  jubelnden  Ovationen  der  Bevölkerung  beim  Ansichtigwerden 
Seiner  Majestät,  sowie  während  der  Defilierung  bezeugten,  dass  da  zugleich 
eine  Nationalfeier  im  edelsten  Sinne  des  Wortes  begangen  wurde,  welche  das 
Volk  in  patriotischem  Hochgefühle  mitfeierte. 

Um  drei  Uhr  nachmittags  fand  in  Schönbrunn  das  Festbanket  statt. 
In  der  großen  Gallerie  des  Sommerpalastes  war  eine  Tafel  für  120  Personen 
gedeckt. 

Unter  dem  reichen  Schmucke  dieser  weiten,  welthistorisch  berühmten 
Räumlichkeit  fiel  zuerst  die  Statue  der  großen  Kaiserin  Maria  Theresia  ins 
Auge,  welche  von  Laxenburg  liieher  gebracht,  an  jene  Epoche  schwerer  Prüfungen 
und  siegreichen  Bestehens  erinnerte,  deren  Früchte  dankbare  Enkel,  der  unver- 
gesslichen  Ahnfrau  in  tiefer  Rührung  gedenkend,  zu  ernten  berufen  waren. 

An  den  Wänden  des  Saales  prangten  überdies  große,  in  breite  Goldrahmen 
gefasste  Tafeln,  auf  welchen  mit  goldenen  Lettern  auf  weißem  Grunde  die 
Namen  sämmtlicher  Ritter  des  Maria  Theresien -Ordens  seit  dessen 
Stiftung  verzeichnet  waren. 

An  der  Tafel  in  der  großen  Gallerie  nahmen  Platz:  die  Allerhöchsten  Herr- 
schaften, die  Ordensritter  nach  ihrem  Ordensrange  ohne  Rücksicht  auf  Charge, 
die  Obersten  Hof  Chargen,  die  Minister  und  Militur-Notabilitäten.  dann  je  ein 
Großkreuz,  ein  Commandern*  und  ein  Ritter  des  St.  Stephan-,  des  österreichi- 
schen Leopold-,  des  Ordens  der  Eisernen  Krone  und  des  Franz  Joseph -Ordens, 
ferner  der  Kanzler  und  die  höheren  Beamten  des  Maria  Theresien -Ordens. 


Digitized  by  Google 


Erste  Sflculnr-Fcier  de»  Ordens. 


11 


Eine  zweite  Tafel  von  50  Gedecken  versammelte  die  in  der  großen  Gallerie 
nicht  untergebrachten  Gäste  in  einem  anderen  Festraume. 

Im  Momente  der  Ausbringung  der  Toaste  wurden  von  einer  nächst  der 
Gloriette  aufgestellten  Batterie  Salven  gelöst,  während  zwei  auf  dem  Parterre 
nächst  des  Palastes  aufgestellte  Musikbanden  abwechselnd  Musikstücke,  nach  den 
Toasten  aber  die  Volkshymne  spielten. 

Bei  dem  Banket  geruhte  Seine  k.  und  k.  Apostolische  Majestät  der  Kaiser 
nachfolgenden  Toast  auszubringen: 

.Mit  gerechter  Zuversicht  begrüße  Ich  den  Tag.  der  ein  Jahrhunderl  des 
Ruhmes  und  kriegerischer  Ehren  für  Mein  Heer  abschließt,  als  den  Wieder- 
beginn eines  neuen  Jahrhunderts  von  Ruhm  und  kriegerischen  Ehren  für  Öster- 
reich und  seine  Kriegsmacht. 

„Ich  genüge  dem  Bedürfnisse  Meines  Herzens,  indem  Ich  die  Feier  dieses 
Tages  benütze,  um  den  Rittern  Meines  Maria  Theresien-Ordens  den  Dank  ihres 
Monarchen,  Meinem  tapferen  Heere  die  freudige  Anerkennung  seines  Kaisers 
und  Kriegsherrn  auszusprechen. 

„Mit  warmer  Theilnahme  gedenke  Ich  der  Abwesenden,  in  tiefer  Rührung 
der  Dahingeschiedenen ! 

.Dem  Andenken  der  erhabenen  Stifterin  des  Ordens,  der 
Kaiserin  Maria  Theresia!  —  Den  Rittern  Meines  Maria  Theresien- 
Ordens!  —  Meiner  tapferen  Armee  und  ihren  Führern!" 

Vom  Krankenlager  aus  gedachte  der  Hekienmarschall  Graf  Radetzky  mit 
lebhafter  Theilnahme  der  Feier;  bei  dem  Banket  gelangte  an  Seine  k.  k.  Hoheit 
den  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzog  Johann  als  ältesten  Großkreuz  aus  Verona 
die  telegraphische  Bitte,  den  Waffenbrüdern  die  herzlichsten  Grüße  und  den 
Schmerz,  nicht  in  ihrer  Mitte  weilen  zu  können,  kundzugeben. 

Ein  wenn  auch  nicht  so  glänzendes  und  feierliches,  so  doch  nicht  weniger 
freudig  bewegtes  Bild  als  das  Banket  in  der  Gallerie  bot  das  Parterre  nächst 
dem  Palaste.  Parallel  mit  der  dem  Parke  zugewendeten  Facade  waren  dort  zur 
Bewirtung  der  Officiere,  sodann  in  den  drei  zum  Neptun-Bassin  führenden 
breiten  Wegen  für  alle  mit  Tapferkeits-Medaillen  Decorierten.  sowie  für  Mann- 
schaft und  Zöglinge  als  Repräsentanten  der  Armee  und  der  Bildungs- 
Institute  Tafeln  in  mehreren  Reihen  aufgestellt. 

Das  Parterre  mit  den  unmittelbar  angrenzenden  Gartenpartien,  welche  von 
ersterem  durch  Jagdgarne  abgetheilt  waren,  bot  völlig  das  Bild  eines  Feldlagers. 
In  einer  Reihe  von  Feldküchen,  aus  Ziegelsteinen  aufgefühlt,  wurde  für  die  Mann- 
schaft und  die  Zöglinge  von  Köchen  der  Garnison  «las  Mahl  bereitet,  welches  dann 
durch  Soldaten  aufgetragen  und  von  den  Gästen  frohgemuth  und  jubelnd  verzehrt 
wurde. 

Auch  zu  dieser  Festlichkeit  hatten  sich  in  den  frei  gelassenen  Theilen  des 
Gartens,  welche  theilweise  durch  Burgwachen  und  Infanterie-Posten  besetzt  waren, 
Zuschauer  aus  allen  Ständen  massenhaft  eingefunden. 


Digitized  by  Google 


12 


Der  Militärische  Maria  Theresen  Orden  von  1757  bis  1890. 


Nach  dem  Banket  geruhte  Seine  Majestät  sich  in  das  Parterre  zu  begeben, 
dort  in  huldvollster  Weise  die  meisten  der  Officiere  anzusprechen  und  auch  an 
eine  große  Anzahl  der  Mannschaft  Worte  voll  Leutseligkeit  zu  richten,  etwa 
anderthalb  Stunden  unter  den  (Meieren  und  Soldaten  verweilend.  Ein  Sturm  der 
Begeisterung  brauste  in  donnerndem  Jubelruf  empor  und  die  Höhen  hallten  wider 
von  dem  Enthusiasmus,  womit  die  Anwesenheit  des  Obersten  Kriegsherrn  unter 
seinen  Kriegern  dankbaren  Herzens  bejubelt  wurde. 

Um  yt7  Uhr  abends  fand  eine  Festvorstellung  im  Hof-Operntheater 
nächst  dem  Kärnthnerthore  statt.  Dieser  Theil  der  Feier  war  von  dem  Director 
des  k.  k.  Hof-Burgtheaters  Dr.  Laube  in  Scene  gesetzt  und  wurde  von  Mitgliedern 
des  k.  k.  Hof-Burgtheaters  und  den  musikalischen  Kräften  des  k.  k.  Hof-Opern- 
theaters aufgeführt.  Die  ganze  Festvorstellung  war  mit  der  auserlesensten  Pracht 
ausgestattet,  mit  größter  Sorgfalt  vorbereitet  und  gieng  bewundernswert  in  Scene. 

Die  erste  Abtheilung  bestand  aus  drei  historisch-allegorischen 
Tableaux,  künstlerisch  entworfen  und  angeordnet  von  Professor  Geiger.  Den- 
selben gieng  eine  trefflich  ausgeführte  Fest-Ouverture  voran,  von  Carl  Eckert, 
Kapellmeister  am  k.  k.  Hof-Opern theater,  componiert  aus  einem  feierlichen  Andante 
religioso,  Schlachtmusik  und  reich  instrumentierter  Hymne. 

Unter  deren  letzten  Rhythmen  flog  der  Vorhang  in  die  Höhe;  man  erblickte, 
von  der  Pyramide  der  »Spinnerin  am  Kreuze"  aus  gesehen,  Wien  und  die  von 
der  Donau  umsäumte  Ebene  des  Marchfeldes,  gemalt  von  Lehmann;  links  an 
die  Pyramide  selbst  gelehnt,  die  Austria,  in  den  Farben  Österreichs  gekleidet, 
die  Mauerkrone  und  den  Kranz  von  Weinlaub  auf  dem  Haupte,  mit  Österreichs 
Wappenschild  vor  sich,  während  von  ferne  Kanonendonner  und  kriegerische 
Musik  erschallte. 

Als  die  letzten  Klänge  der  Ouvertüre  verhallten,  trat  Austria  (Darstellerin 
Frau  Rettich)  von  den  Stufen  herab  und  sprach  von  dem  durch  Eligius  Freiherrn 
von  Münch-Bellinghausen  (Friedrich  Halm)  für  die  Säcularfeier  gedichteten 
Poem,  nachfolgenden 

PROLOG: 

Zuruf  und  Jubel  brausen  um  mich  her! 

Von  WaiTenklang  und  vom  Gestampf  der  Pferde, 

Vom  Donner  der  Geschütze  dröhnt  die  Erde, 

Von  festlicher  Musik  der  Lütte  Meer; 

Und  Trommeln  wirbeln  und  Gewehre  klirren, 

Und  wogend  drängt  der  Menge  dichter  Schwall 

Kings  froh  bewegt  dein  kriegerischen  Schalt, 

Den  Fahnen,  die  im  Winde  rauschend  schwirren. 

Dem  Kaiser  nach,  ura  dessen  Brust  rothweiß 

Das  Band  sich  schlingt,  des  Tages  Glanz  und  Preis 

Wohl  ziemt  es,  solche  Feier  zu  begehen, 

Und  lange  harr'  ich  freudig  ihrer  schon. 

Die  heut  versammelt  um  des  Kaisers  Thron, 

Als  Söhne  ihrer  Thaten  ihn  umstehen! 


Digitized  by  Google 


Er^le  Sttrular  Feier  de?  Ordens. 


13 


Doch  nicht  dem  Glanz  »lor  Gegenwart  allein 

Bewundernd  frommt's  die  blicke  zuzuwenden; 

Mich  drängt  das  Herz,  auch  rückwärts  sie  zu  senden, 

Denn  treu  gedenken,  nur  heißt  dankbar  sein! 

Auch  sie,  Theresia,  da  vor  hundert  Jahren 

In  Ihrer  Seele  der  Entschluss  erwacht, 

Verdienst  durch  äuß'rer  Zeichen  Glanz  und  Pracht 

Heim  ersten  Blick  der  Welt  zu  offenbaren. 

Theresia  auch  die  große  Kaiserin, 

Gedachte  nicht  bloß  dieses  einen  Tages, 

Nicht  eines  Sieges  bloß  und  eines  Schlages, 

Wie  hilfreich  auch  ihr  sein  Erfolg  erschien. 

Nein,  aller  Schlachten,  die  ihr  Heer  geschlagen. 

Und  aller  Siege,  die  ihr  Volk  errang, 

Und  all  der  Helden,  die  in  Kampfes  Drang 

Der  Ehre  Bahn  den  Doppelaar  gelragen. 

Der  aller  dachte  sie  und  dankbar  schwoll 

Ihr  großes  Herz  von  freudigem  Entzücken, 

Das  »  Österreich  so  hoher  Ehre  voll, 

Dass  solche  Lorbeern  seine  Fahnen  schmücken; 

Und  vor  den  Kaiser  tritt  sie  hin  und  spricht:  — 

Wie  lebend  tritt  das  Bild  mir  vor  die  Seele  — 

„Die  Tapfern,  Herr,  auf  deren  Arm  ich  zähle. 

Bedürfen,  weiß  ich,  nur  den  Sporn  der  Pflicht, 

Nicht  andern  Antrieb,  dass  sie  Thatkraft  stähle; 

Doch  uns'rer  Hoheit  würdig  scheint  es  mir, 

Die  Rittersinn  bewährt  im  Drang  der  Schlachten. 

Die  Kitter  sind,  als  Ritter  auch  zu  achten; 

Und  so  vergönn',  dass  meiner  Farben  Zier, 

Dass  meinen  Namen  jene  Edlen  tragen, 

Die  Sieg  gewonnen  uns  durch  kühnes  Wagen, 

Sie,  deren  Arm  uns  heute  Hilfe  beut. 

Wie  jene,  die  der  Sühne  Recht  verfechten. 

Dass  ewig  sich  der  Heldenkranz  erneut. 

Den  strahlend  wir  um  uns're  Krone  flechten ; 

Dass,  rauschen  auch  Jahrhunderte  daliin. 

Kein  treu  Soldatenherz  in  Ostreich  schlage. 

Das  eingeprägt  nicht  meinen  Namen  trage, 

Das  nicht  gedenkend  seiner  Kaiserin 

Das  Lehen  froh  für  jeden  Herrscher  wage 

Des  Kaiserhauses,  dein  ich  Mutler  bin!" 

Während  dieses  Prologs  hatten  leichte  Wolken  den  Hintergrund  verhüllt: 
nun  flogen  sie  empor  und  in  goldenem  Rahmen  bot  sich  als 

ERSTES  TABLEAU: 
Die  Stiftung  des  Maria  ThereBien-Ordens. 

In  einem  Gemach  der  Hofburg  weist  Kaiserin  Maria  Theresia  ihrem 
Gemahl  Kaiser  Franz  die  Insignien  und  die  Urkunde  des  neu  zu  stiftenden 
Ordens,  —  nächst  des  Kaisers  Erzherzog  Joseph,  —  sodann  die  Kaiserfamilie 


Digitized  by  Google 


14 


Der  .Militärische  Muria  Theresien  Orden  von  1707  bU  1?*90. 


umgebend,  die  hervorragendsten  Persönlichkeiten  aus  Maria  Theresiens  Zeit,  die 
beiden  ersten  Ordensritter  Herzog  Carl  von  Lothringen,  Graf  Daun,  sodann 
Kaunitz,  Lucy,  Loudon  und  andere.  —  Austria  fährt  fort: 

Erfüllung  ward  dem  kaiserlichen  Wort; 

Theresiens  Ritter  tragen  ihre  Farben, 

Den  Schmuck,  den  ihres  Thrones  Schirm  und  Hort 

In  heißen  Schlachten  blutend  sie  erwarben ; 

Denn  Rang  nicht,  war  der  Kaiserin  Geheiß, 

Und  nicht  Geburt  verleihen  solchen  Preis; 

L)a  will  es  mehr  als  treu  geübte  Pflicht  — 

Denn  wer  in  Ostreichs  Heer  erfüllt  sie  nicht?  — 

Da  gibt's  freiwill'gen  Drang,  ein  freudig  Streben 

Nach  Sieg  und  Ehre,  kost'  es  Blut  und  Leben. 

Da  gilt's  Trotz  bieten  nachtendem  Geschick, 

Da  gilt  es  festen  Muth  und  rasches  Handeln. 

Da  braucht  es  Geistesgröße,  Feldherrnblick. 

Die  zauberhaft  Gefahr  in  Sieg  verwandeln, 

Da  braucht's  Verdienst,  nicht  trüg'risch  eitlen  Schein ; 

Die  Kampfgenossen  müssen  zeugend  sagen: 

.Der  hat  dein  Kreuz  verdieut,  der  soll  es  tragen, 

Theresia,  der  soll  dein  Ritter  sein!1- 

Dann  erst  schmückt  lohnend  seines  Kaisers  Hand 

Die  Brust  des  Tapfern  mit  Theresiens  Band !  - 

U  hoher  Preis,  erwirbst  du  dich  auch  schwer. 

Du  hast  ihr  stolzes  Hoffen  nicht  betrogen, 

Denn  Feldherrn  hast  du  <  »sterreich  erzogen, 

Und  Helden  ihm  erweckt  in  seinem  Heer; 

Erkor  sie  dich,  Verdienst  mit  Ruhm  zu  krönen. 

O  edler  Schmuck,  wie  schön  vergaltst  du  ihr! 

Wie  wohl  verdient  umgab  nicht  deine  Zier 

So  viele  schon  von  ihres  Blutes  Söhnen; 

Vor  allen  ihn.  dess'  edle  Züge  mir. 

Als  dürfte  dieses  Fest  sein  nicht  entbehren, 

Aus  fernen  Tagen  dämmernd  wiederkehren!  — 

Und  so  den  Zeiten  und  Kämpfen,  welche  Österreich  seit  der  Mitte  des 
vorigen  Jahrhunderts  bestanden  und  geschlagen,  folgend,  sieht  Austria  der  ver- 
dientesten Ordensritter  einen  vor  ihr  Auge  treten  —  den  Einzigen,  welcher  so 
lange  allein  dein  gewaltigen  Kriegsgenius  Napoleon  die  Wage  gehalten.  Austria 
hört  die  wilde  .Schlacht  entbrennen  am  Ufer  der  Donau;  sie  sieht  den  Feldherrn 
hoch  zu  Ross  die  Fahne  Österreichs  schwingen  und  allen  vonius  in  den  Kugel- 
regen sprengen  .... 

Die  Erde  zittert,  wie  Orkane  rollt's 
Vom  Sturm  herüber,  dumpf  wie  Donner  grollt's; 
Von  Nachtgewölk  liegt  Flur  und  Feld  umfangen. 
Und  Blitze  flammen  leuchtend  d'raus  hervor, 
Und  durch  die  Lüfte  zuckt's  wie  Feuersehlarigeti : 
Wie  Waflcnklang  schlägt's  dröhnend  au  mein  Ohr! 


Digitized  by  Google 


Erste  Sftcular-Feier  i!rs  Orden». 


15 


Und  nun  zerreißt  der  düstem  Wolke  Flor; 
Zwei  Heere  seh'  in  heißem  Kampf  ich  ringen. 
Und  Schwerter  blitzen  und  Trommeln  klingen, 
Und  ihn,  den  Feldherrn,  seh'  ich  hoch  zu  Ross, 
Ich  seh'  ihn.  Ostreich,  deine  Fahne  schwingen. 
Die  Stirne  bietend  feindlichem  Geschoss, 
Voran  der  erste  in  die  Feinde  dringen !  — 
„Für  unsern  Kaiser!*  ruft  er,  und  „Ihm  nach, 
Theresiens  Enkel!"  hör  ich's  wiederklingen!  — 
Bei  Aspern  war's,  und  unser  war  der  Tag!  — 


„Frzherzog  Carl!*  flüstert*  durch  das  ganze  Haus;  der  Vorhang,  der  sich 
gerenkt,  fliegt  zum  z weitenmale  in  die  Höhe  und  es  stellt  sich  dar  als 


Erzherzog  Carl,  hoch  zu  Ross.  schwingt  da  am  zweiten  Tage  der  Schlacht 
die  Fahne  des  Regiments  Z;ich  und  führt  dessen  Grenadiere  selbst  gegen  den 
Feind;  sein  Adjutant,  Graf  Grürine,  in  cl.issischer  Ruhe  mitten  im  Getümmel, 
ebenfalls  hoch  zu  Pferde,  dicht  hinter  ihm.  und  die  Grenadiere,  im  Sturmschritt, 
mit  gefälltem  Bajonnette  in  den  Pulverdampf  hineindrängend!  —  Austrias  Worte 
aber  erheben  sich  zum  begeisterten  Hymnus: 


0  Schlachtenruhm,  du  theuerster  von  allen. 

Denn  Blut  erkauft  dich  ;  wen  dein  Lorbeer  schmückt. 

Der  hat  auf  Heldengräbern  ihn  gepflückt. 

Der  Erbe  der  Gefährten,  die  gefallen ! 

Gefallen  sag'  ich.  doch  gestorben  nicht ; 

Denn,  wer  für  seinen  Kaiser  treu  gestritten. 

Für  Österreich  den  Schlachtentod  erlitten. 

Der  stirbt  nicht,  wenn  sein  Aug'  erlöschend  bricht; 

Der  lebt  in  seines  Ruhmes  Angedenken, 

Der  lebt  im  Dank  des  Vaterlandes  fort. 

So  lebensfrisch  wie  jene  Helden  dort, 

Auf  die  nun  stolz  sich  meine  Blicke  lenken! 

Ihr  kennt  die  Namen  —  Ostreichs  Stolz  und  Lust  — 

Kennt  ihre  Thaten  —  flammend  eingeschrieben 

Bewahrt  sie  jedes  Österreichers  Brust, 

Ihr  kennt  sie  alle,  die  wir  alle  lieben! 

Die  Männer,  die  im  Sieg,  wie  im  Verlust. 

Sich  selbst  und  ihrer  Pflicht  getreu  geblieben, 

Die  Retter,  da  Gefahren  rings  gedroht. 

Die  Führer  in  des  Kampfes  schweren  Tagen. 

Die  Ritter,  die  Theresiens  Farben  tragen, 

Dem  Feinde  abgerungen  und  dem  Tod. 

Hier  sind  sie!  —  Wie  Theresien  sie  umstanden. 

Umringt  nach  hundert  Jahren,  die  entschwanden. 

Noch  beut"  den  Thron  des  Kaisers  ihre  Schar! 

Die  Namen  wechselten,  die  Helden  blieben! 


ZWEITES  TABLEAU : 


Die  Schlacht  bei  Aspern. 


10 


Der  Militärische  Maria  Theresien-Orden  von  1757  bis  IhOO. 


Denn  grünend  stets  im  Drange  der  Gefahr 

Hat  neue  Schösslinge  der  Baum  getrieben, 

In  dessen  Krone  horstet  Österreichs  Aar! 

Kennt  ihr  den  Baum?  Kennt  ihr  die  Rieseneiche, 

Die  überschattet  eurer  Heimat  Reiche? 

Sein  Kern  ist  Treue,  Eintracht  ist  sein  Mark, 

Gehorsam  heißt  die  Wurzel,  die  ihn  nährte; 

Durch  Treue,  Eintracht  und  Gehorsam  stark, 

Vertrauend  selbstbewusst  dem  eigenen  Werte, 

Festruhend  auf  dem  starren  Felsgrund  Pflicht. 

Zersplittern  kann  er.  aber  wanken  nicht! 

Kennt  ihr  den  Baum?  In  seinen  Zweigen  schallen 

Die  Sprachen  all',  die  heimisch  diesem  Reich 

Verschieden  Klanges,  doch  der  Sinn  bleibt  gleich; 

,Ein  Kaiser  und  ein  Österreich!"  spricht's  aus  allen! 

Kennt  ihr  den  Baum?  In  seinem  Schatten  stieg 

Ein  neues  Ostreich  aus  dem  Schutt  des  alten, 

Ein  neues  Östreich,  dessen  Losung  Sieg 

Und  Fortschritt  durch  vereinter  Kräfte  Walten; 

0  edler  Baum!  Fern  über  Land  und  Meer 

Hör'  Feinde  selbst  ich  deinen  Ruhm  bekennen. 

Doch  ich  in  stolzer  Freude,  ich  darf  mehr, 

Frohlockend  darf  ich  dich  mein  eigen  nennen. 

Du  Baum  der  Treue  —  Östreichs  tapferes  Heer! 

Wie  elektrisierend  wirkte  der  Eindruck  dieses  zweiten  Bildes.  Die  Darstellung 
der  Scene  war  von  hinreißender  Macht.  Die  Wirkung  steigerte  sich  aber  noch,  als 
der  anwesenden  Helden  selbst  gedacht  wurde,  die  in  jüngster  Zeit  Schlachten 
geschlagen,  Siege  errungen.  Da  saßen  sie  leibhaftig  inmitten  der  übrigen  Festtheil- 
nehmer  und  alles  jubelte  den  Theresien-Rittern  begeistert  zu.  Wenn  etwas  den 
Jubel  zu  dampfen  vermochte,  so  war  es  das  Bedauern,  welches  jedermann  in  tiefer 
Rührung  empfand,  dass  der  allverehrte  greise  Held,  dass  Radetzky.  an  das 
Krankenlager  gefesselt  unter  den  Theresien-Rittern  fehlen  musste.  Um  so  inniger 
gedachte  alles  des  Dichtet  Wortes:  »In  deinem  Lager  ist  Österreich!" 

Und  zum  letztenmale  flogen  die  Wolken  auseinander  und  es  zeigte  sich 
unter  den  befeuernden  Klängen  des  Radetzky-Marsches  —  von  Militärmusik  und 
Orchester  intoniert  —  ein  Bild,  welches  sich  aus  Kriegern  aller  Waffengattungen  — 
Sereschaner,  Grenzer  und  Matrosen  eingeschlossen  —  farbenreich  aufbaute  bis 
zum  Träger  von  Österreichs  Banner.  Alles  scharte  sich  in  den  mannigfaltigsten 
Gruppen  um  die  hochwallende,  theure,  schwarzgelbe  Adlerfahne.  Einen  über- 
wältigenden, das  ganze  Haus  zu  einem  Sturm  der  Begeisterung  hinreißenden 
Anblick  bot  da  als 

DRITTES  TABLEAU: 

Die  österreichische  Armee. 

Ja,  Armee  und  Flotte  scharte  sich  in  begeisterten  Gruppen  um  Österreichs 
Fahne,  während  Austrias  Heldengesang  auf  den  Schwingen  patriotischen  Hoch- 
gefühls sich  zu  stürmisch  aufjubelnden  Worten  erhob: 


Digitized  by  Google 


Erste  SAculai  Feier  lies  Ordens. 


17 


0  selge  ^us'-       mir  im  Herzen  schwillt. 

Nun  brich  heraus  in  lauten  Jubelklängen, 

Dass  nicht  Entzücken,  eh'  es  überquillt. 

Und  Stolz  und  Wonne  mir  den  Busen  sprengen !  — 

Mein  Österreich,  du  gottgesegnet  Land, 

An  Saaten  reich,  an  Mannern  und  an  Eisen. 

Wie  üppig  schwillt  der  Kranz,  den  Gott  dir  wand, 

Und  größ're  Huld  noch  wollt'  er  dir  beweisen! 

Kuhm  schmückt  dich  in  den  Tagen,  die  vergangen. 

Ruhm  schmückt  dich  heut  mit  seinem  Strahleiischein. 

Was  kann  die  Zukunlt.  Österreich,  dir  sein. 

Als  wieder  Ruhm  und  wieder  Siegesprangen! 

Die  Treue  zieht  einher  zu  deiner  Linken. 

An  deiner  Rechten  streiten  (ilück  und  Mulh, 

Wo  rast  ein  Sturm,  dess'  zornempörte  Wuth 

Dich  scheitern  machte  jemals  oder  sinken? 

Die  Taube  Eintracht  senkte  dir  sich  nieder, 

Und  mit  der  Eintracht  wuchsen  Kraft  und  Machl. 

Und  wie  ein  Riese,  der  erwacht, 

Regst  thatbegierig  du  die  mächl'gen  Glieder! 

Was  ist  zu  fern  dir,  was  zu  hoch,  zu  groß; 

Kranz  Joseph  ebnet  Wege  dir  und  Bahnen, 

Der  Flug  des  Adlers  rauscht  in  deinen  Fahnen, 

Und  Blitz  und  Donner  führt  er  als  Geschoss! 

Rings  keimt  und  blüht  es!  Lass,  o  Herr  der  Wellen! 

Die  Saat  gedeihen,  die  in  HaJme  schießt, 

I,ass  (»streich  sein,  was  noch  der  Keim  verschließt, 

Und  was  es  wahrhaft  wiegt,  das  wird  es  gelten! 

Gib  Licht  und  Wlirme,  Herr,  nicht  bloß  der  Scholle, 

Nein,  auch  den  Herzen,  lieh'  ich  ernst  und  still, 

Gib,  dass  dies  Segensland  stets  Rechtes  wolle, 

Denn  Ostreich  über  alles,  wenn  es  will! 

Lass  Schrecken  her  vor  seinen  Fahnen  wallen. 

Und  kehrt  einst  wieder  dieser  Feier  Glanz, 

Erfülle  mit  so  edler  Hehlen  Kranz 

Wie  heut  des  Kaisers  fcslgeschmücklc  Hallen! 

Den  Sclirei.  der  heute  jeder  Brust  entstieg. 

Lass  nach  Jahrhunderten  ihn  wiederhallen ! 

Hoch  Österreich,  lass  aus  jedem  Mund  es  schallen. 

Ruhm  denen,  die  im  Kampf  für  uns  gefallen. 

Dem  Kaiser  Heil  und  seinem  Heere  Sieg! 

Die  Volkshymne,  in  brausendem  Chor  gesungen  und  von  rauschendem 
Orchester  geführt,  erklang  zu  den  letzten  Worten  und  schloss  zu  allgemeiner  patrio- 
tischer Erhebung  die  erste  Hälfte  dieser  Festesfeier. 

Nachdem  während  der  nun  eintretenden  längeren  Pause  Erfrischungen  ser- 
viert worden,  beschloss  den  Festubend  eine  doppelt  belebte  und  in  allen  Hollen 
charakteristisch  dargestellte  Aufführung  von  „ Wallensteins  Lager8. 

Der  Festvorstellung  im  Ilof-Operntheater  wohnten  die  Allerhöchsten  und 
Höchsten  Herrschaften  an,  und  zwar  Seine  Majestät  der  Kaiser  und  Erhabene 

Militärischer  Maria  Thcre»ieu-Onk-ii.  2 

Digitized  b^Google 


IS 


Der  MilifAiix-lie  Maria  TheresieirOrden  von  1 7 ."»7  bis  1*!H>. 


Großmeister,  Ihre  k.  k.  Hoheiten  die  durchlauchtigsten  Frauen  Erzherzoginnen 
Sophie,  Hildegarde.  Elisabeth  und  Marie,  Ihre  königl.  Hoheit  die  durch- 
lauchtigste Frau  Herzogin  Louise  in  Bayern  und  deren  durchlauchtigsten  Prin- 
zessinnen -  Töchter,  Ihre  k.  k.  Hoheiten  die  durchlauchtigsten  Herren  Erzherzoge 
Franz  Carl,  Maximilian,  Ludwig  Victor,  Johann,  Albrecht,  Carl 
Ferdinand,  Wilhelm,  Joseph,  Leopold,  Ernst,  Siegmund.  Rainer, 
Heinrich,  Seine  königl.  Hoheit  der  durchlauchtigste  Herzog  Carl  Theodor 
in  Bayern  und  Ihre  königl.  Hoheiten  Prinz  Carl  von  Bayern  und  Graf  von 
Syrakus. 

Die  bei  dem  Feste  anwesenden  Ordensmitglieder  erschienen,  überein- 
stimmend mit  der  bei  der  Festtafel  eingehaltenen  Ordnung,  nach  ihrem  Ordens- 
range zu  drei  und  vier  Personen  in  den  Logen  ersten  Ranges. 

Die  übrigen  Logen  fassten  die  obersten  Hofchargen,  die  Minister,  das  diplo- 
matische Corps,  Notabilitäten  des  Staatsdienstes  und  der  Generalität.  Die  Sperr- 
sitze des  Parterres  waren  ebenfalls  mit  Generalen,  höheren  Staatsbeamten  etc.  etc. 
besetzt. 

Auf  der  Gallerie  befanden  sich  die  Zöglinge  aus  den  Militär-Bildungsinstituten, 
welche  an  dem  Festbanket  theilgenommen;  der  oberste  Stock  war  gänzlich  den 
decoriertenUnterofficieren,  Soldaten  und  Invaliden  überlassen  worden. 

Mit  der  Festvorstellung  schloss  die  denkwürdige  erste  Säcular-Feier  des  Ordens 
in  ebenso  glanzvoller  als  erhebender  Weise  ab.  Das  großartige  militärische  Fest 
lebte  in  der  Erinnerung  aller  Zeitgenossen  unvergesslich  fort.  Als  patriotische 
Verherrlichung  der  Wehrmacht  der  Monarchie  möge  diese  Feier  auch  nachkom- 
menden Geschlechtern  getreu  und  würdig  überliefert  werden. 

Status  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  Säcular-Feier  sammt  nach- 
gefolgtem Lebenslaufe  der  damaligen  Ordensmitglieder. 

Am  Tage  der  ersten  Säcular-Feier  —  18.  Juni  1857  —  bildeten  den  Status 
des  Ordens  88  inländische  und  24  ausländische  Mitglieder.  Von  den  inländischen 
wohnten  78.  von  den  ausländischen  die  bereits  vorerwähnten  4  Mitglieder  dem 
Feste  an.  Von  den  inländischen  waren  1 1  und  von  den  ausländischen  20  Mitglieder 
durch  Krankheit  oder  andere  Hindernisse  ferngehalten.  Aber  auch  die  abwesenden 
Mitglieder  nahmen  sämmtlich,  wie  bereits  erwähnt  worden,  im  Geiste  theil  an  dem 
hehren  Feste. 

Mögen  denn  nachfolgend  die  Heldennamcn  aller  jener  Tapferen  und  Klugen 
verzeichnet  sein,  die  am  Tage  der  ersten  Säcular-Feier  des  Ordens  zu  dessen 
lebenden  Zierden  zählten. 

Möge  bei  jedem  derselben  die  Erinnerung  an  Stätte  und  Zeitpunkt  seiner 
Waffenthat  aufgefrischt  werden,  auf  Grund  deren  er  sich  zu  der  Gemeinschaft 
des  Ordens,  beziehungsweise  zu  höheren  Classen  desselben  emporgeschwungen. 

Möge  aber  auch  gleichzeitig  das  der  Säcular-Feier  nachgefolgte  Leben  und 
Wirken  dieser  Ordensmitglieder  geziemende  Aufzeichnung  finden  und  damit  deren 


Digitized  by  Google 


Status  des  Ordens  ;im  Tagt'  der  ersten  Söculur-Feier. 


19 


Lebenslauf,  welcher  im  Jahre  1S57  in  (kr  Ordensgesehichtc  naturgemäß  unab- 
geschlosscn  geblieben  war.  ergänzt  oder  —  sofern  sie  inzwischen  gestorben  —  völlig 
abgeschlossen  werden. 

So  gestaltet  sich  die  Übersicht  der  Mitglieder  des  Ordens,  die  am  Ehrentage 
seiner  ersten  Säcular-Feier  lebten,  zugleich  zu  einem  die  Ordensgeschichte  von  1857 
ergänzenden  Bilde  des  Lebens  und  Wirkens  der  damaligen  Mitglieder  in  den  nach- 
gefolgten Kriegen,  welches  sich  bei  vielen  durch  neue,  verdienstvolle  und  aus- 
gezeichnete Leistungen,  bei  mehreren  sogar  durch  neue,  höhere  Maria  Theresien- 
Piitterthaten  bekundete. 

Die  Ordensinilglieder,  welche  der  ersten  SActdiir -Feier  in  Person  anwohnten, 
erscheinen  mit  einem  *  bezeichnet:  die  übrigen  waren,  wie  gesagt,  durch  Krankheit  oder 
sonstwie  am  Kracheinen  verhindert. 

Die  betreffenden  Otden->classen  der  angeführten  Mitglieder  sind  wie  im  k.  k. 
Militär  Scheinatmnus  bezeichnet,  und' zwar: 

Cn.ßkreuz  =  tgt  GK. 
Coinmandeur  =  tgt  (1. 
Ritter  =  igt 

Inländische  Ordensmitglieder. 

GIIOSZMKISTKR. 

Seine  k.  und  k.  Apostolische  Majestät  Kaiser  und  König  Franz  Joseph  1. 

GROäZKIlEUZE. 

*  JOHANN  Baptist  Erzherzog,  kaiserlich-königliche  Hoheit,  KM.,  igt  C.  im 
Jahre  1805  für  besondere  Verdienste  in  Tirol,  GK.  im  Jahre  1809  für  die 
Schlacht  bei  Sacile.  -  (Näheres  Abth.  II,  Seite  839  bis  84G.)  Nachdem  der  Erz- 
herzog das  am  12.  Juli  1818  übernommene  Amt  eines  deutschen  Reichs  Ver- 
wesers am  20.  December  1849  in  die  Hände  der  Bundes-Conmiissarien  nieder- 
gelegt hatte,  zog  er  sich  nach  Steiermark  auf  seine  Besitzungen  zurück  und  setzte 
seine  segensreiche  Wirksamkeit  in  diesem  Kronlande,  die  er  im  Jahre  1811  durch 
Begründung  des  Johanneunis  in  Graz  begonnen  hatte,  fort,  so  dass  er  auch 
weiterhin  eine  Quelle  von  Wohlthaten  für  das  Land  war.  Er  blieb  immer  rührig, 
immer  thätig  in  dem  Streben  nach  einem  großen  Zweck  bis  zu  seinem  letzten 
Atbemzuge.  Noch  am  lü.  April  1859  präsidierte  Erzherzog  Johann  der  zehnten 
allgemeinen  Versammlung  des  historischen  Vereines  von  Steiermark;  am 
7.  Mai  führte  er  den  Vorsitz  in  einer  Sitzung  des  Curatoriums  des  Joh  anneums, 
und  wenige  Tage  später,  am  11.  Mai  desselben  Jahres,  hauchte  er  im  78.  Lebens- 
jahre, ein  thaten-  und  segensreiches  Leben  beschließend,  seinen  edlen  Geist  aus. 
Unvergesslich  lebt  sein  Name  in  Steiermark  fort. 

Seine  irdische  Hülle  ruht  aber  im  schönen  Lande  Tirol,  in  der  stolzen  Grab- 
kiipelle  von  Schloss  Schönna.  das  auf  des  Berges  Spitze  sieh  erhebt  und  herunter- 
blickt in  das  Thal  Passeyer,  dessen  Name  mit  der  Geschichte  Tirols  und  des 
kaiserl.  königl.  Prinzen  für  alle  Zeiten  verwoben  bleibt. 

2« 


Digitize 


20 


Der  Militärische  Maria  Theresien  Orden  von  1757  bis  1890. 


1ÜDKTZKY  Joseph  Graf,  K.M..  tg«  als  Oberstlieutenant  lür  die  Schla«  l.t  Lei 
Novi  179«),  #  C.  als  GM.  für  die  entscheidende  Waffenthat  bei  Wels  2.  Mai  1800, 
und  tgt  GK.  als  KM.  bei  Custozza  1848. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  13G3  bis  1384.)  Nachdem  Seine  Majestät  Kaiser 
Franz  Joseph  1.  gelegentlich  Allerhöchst  seines  Besuches  in  Italien  mittels 
überaus  huldreichen  Allerhöchsten  Handschreibens  vom  28.  Februar  1857  der 
nach  72  ruhmvollen  Dienstjahren  gestellten  Bitte  des  greisen  Feldmaischalls 
um  Enthebung  von  dem  Posten  eines  Armee-Commandanten  und  General- 
Gottverneurs  des  lumbardisch -venetianischen  Königreiches  willfahrt  hatte,  ver- 
abschiedete sich  Vater  Radetzky  am  1.  März  mittels  eines  ergreifenden,  letzten 
Armeebefehls  von  der  Armee  und  schlug  seinen  Wohnsilz  in  dem  kaiserlichen 
Schlosse  zu  Monza  auf.  Am  21.  Mai  desselben  Jahres  erlitt  der  greise  Held 
durch  einen  unglücklichen  Sturz  einen  Beinbruch.  Durch  diesen  beklagens- 
werten Unfall  wurde  er  eben  verhindert,  der  eisten  Säcular- Feier  des  Maria 
Theresien-Ordens  beizuwohnen.  Am  31.  Juli  nahm  er  seinen  Aufenthalt  in  der 
Villa  reale  in  Mailand  und  wohnte  noch  am  10.  December  einer  Ausrückung 
des  Uhlanen-Regiments  Nr.  12  persönlich  bei.  Es  war  dies  seine  letzte  Revue, 
überhaupt  sein  letzter  Ausgang.  Am  20.  December  von  Unwohlsein  befallen, 
verlangte  der  hohe  Kranke  am  letzten  Jahrestage  nach  den  Tröstungen  der 
Religion,  wurde  am  2.  Jänner  1858  mit  der  letzten  Ölung  versehen  und  am 
5.  Jänner  1858  gegen  8  Uhr  morgens  verschied  Österreichs  größter  Helden 
einer.  Noch  an  demselben  Tage  erließ  Seine  Majestät  der  Kaiser  folgenden 
Armeebefehl: 

«Dem  Willen  des  Allmächtigen  hat  es  gefallen,  den  ältesten  Veteranen 
Meiner  Armee,  ihren  sieggekrönten  Führer,  Meinen  treuesten  Diener,  den  FM. 
Grafen  Radetzky,  aus  dem  Leben  abzurufen.  Sein  unsterblicher  Ruhm  gehört 
der  Geschichte;  damit  jedoch  sein  Heldenname  Meiner  Armee  erhalten  bleibe, 
wird  Mein  5.  Husaren-Regiment  denselben  fortan  und  für  immer- 
währende Zeiten  zu  führen  haben.  Um  dem  tiefen  Schmerze  Meines  mit  Mir 
trauernden  Heeres  Ausdruck  zu  verleihen,  befehle  Ich  weiter,  dass  in  jeder 
Militärstation  für  den  Verblichenen  ein  feierlicher  Trauelgottesdienst 
gehalten  und  von  Meiner  ganzen  Armee  und  Flotte  die  Trauer  14  Tage 
hindurch  angelegt  werde.  Alle  Fahnen  und  Standarten  haben  auf  diese  Zeit 
den  Flor  zu  tragen.* 

Überdies  geruhte  der  Kaiser  ein  Allerhöchstes  Reileidschreiben  an  den 
Sohn  des  Verblichenen,  den  GM.  Theodor  Grafen  Radetzky  zu  erlassen,  worin 
der  Monarch  seiner  tiefen  Trauer  und  innigsten  Theilnahme  gegenüber  den  über- 
lebenden Angehörigen  des  Feldmarschalls  Ausdruck  gab  und  welches  mit  den 
Worten  schloss: 

„Ks  wird  Meine  Sorge  sein,  das  Andenken  des  großen  Mannes  in  würdiger 
Weise  zu  ehren  und  die  Erinnerung  an  seine  Verdienste  um  Mich,  Mein  Haus 
und  das  Vaterland  den  Nachkommen  durch  ein  bleibendes  Denkmal  zu  über- 
liefern." 


Digitized  by  Google 


Statu*  des  Onlens  am  Tape  der  ersten  Sflcular  Feier. 


21 


Gemäß  der  Allerhöchsten  Anordnung  fanden  anlässlich  der  Bestattung  und 
Überführung  der  sterblichen  Überreste  des  Verblichenen  nach  der  letzten  Ruhe- 
stätte in  Niederösterreich,  große  militärische  Begräbnisfeier  statt  und  zwar 
zunächst  am  14.  Jänner  zu  Mailand,  am  15.  zu  Venedig,  am  16.  zu  Tri  est  und 
am  18.  zu  Wien.  Bei  der  Begräbnisfeier  in  Wien  geruhte  Seine  Majestät  der 
Kaiser  Allerhöchst  persönlich  den  Leichen-Conduct  zu  commandieren.  Am 
19.  Jänner  erfolgte  die  feierliche  Beisetzung  der  Leiche  im  Parkfrieder' sehen 
Mausoleum,  der  letzten  Ruhestätte  Radet/.kys,  auf  dem  Heldenberge  im  Schloss- 
parke  zu  Wetzdorf.  Hierauf  wurden  die  Allerhöchst  angeordneten  Traucrfeier- 
lichkeiten  für  den  Dahingeschiedenen  im  Bereiche  der  ganzen  Monarchie  abgehalten. 

Radetzkys  Andenken  wurde  in  Wort  und  Bild,  gleichwie  zu  seinen  Lebzeiten, 
so  auch  nach  dem  Tode,  vielfällig  verewigt;  Medaillen  verherrlichen  sein  Helden- 
thum;  Denkmale  von  Erz  und  Stein  erheben  sich  zu  Prag,  Laibach  etc.  und  in 
Kürze  wird  seine  Manen  auch  in  der  Haupt-  und  Residenzstadt  Wrien  ein  würdig 
Denkmal  ehren,  von  ganz  Österreich  errichtet  seinem  unsterblichen  Vater  Radetzky. 
Das  5.  Husaren-Regiment  führt  seinen  Namen  für  immerwährende  Zeiten. 

*  WlNDISCH-GKÄTZ  Alfred  Fürst  zu,  FM.,  tgi  als  Oberstlieutenant  für  die 
Schlacht  bei  Leipzig  181:1,  tgi  GK.  für  Prag  und  Wien  1848. 

(Näheres  Abth.  II,  S.  RJ84  bis  1:198.)  Seit  dem  Jahre  1849  lebte  FM.  Fürst 
Windisch-Grätz  vom  activen  Dienste  wie  überhaupt  vom  öffentlichen  Wirken 
zurückgezogen,  bis  er  im  Jahre  1859  während  des  Krieges  der  Monarchie  gegen 
Frankreich  und  Piemont  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  in  einer  Special -Mission 
anfangs  Juli  nach  Berlin  entsendet  wurde,  um  in  directem  Verkehr  mit  dem  Prinz- 
regenten von  Preußen,  späteren  Kaiser  Wilhelm  I.,  wegen  Abschluss  einer  Allianz 
gegen  Frankreich  zu  unterhandeln.  Diese  Mission  halte  keinen  Erfolg  und  wurde  der 
Fürst,  da  infolge  dessen  die  Präliminarien  von  Villafranca  zum  Abschlüsse  gelang- 
ten, am  11.  Juli  von  Berlin  wieder  abberufen. 

Anlässlich  der  Constituierung  des  österreichischen  Reichsrathes  im  Februar 
1SG1  wurde  der  Fürst  zum  erblichen  Mitglicde  des  Herrenhauses  ernannt. 

FM.  Fürst  Windisch-Grätz  starb  im  75.  Lebensjahre  am  21.  März  1802 
zu  Wien. 

Ein  vom  22.  März  datierter  Allerhöchster  Armee-Befehl  enthielt  die  An- 
ordnungen bezüglich  der  Trauer  und  bestimmte,  dass  das  damalige  2.  Dragoner- 
Kegiment*)  für  immerwährende  Zeiten  den  ruhmvollen  Namen  des 
FM.  Fürsten  Windisch-Grätz  zu  führen  habe.  Ein  gleichzeitiges  Allerhöchstes 
Handschreiben  an  des  verstorbenen  ältesten  Sohn,  GM. Fürsten  Alfred  W  indisch- 
•  !rätz,  drückte  die  innigste  Theilnahme  des  Monarchen  aus. 

Am  26.  März  fand  das  feierliche  Leichenbegängnis  zu  Wien  statt  und 
auf  Allerhöchst  ausdrücklichen  Befehl  gieng  der  vom  FM.  Grafen  Wratislaw 
geführte  Gonduct  durch  die  kaiserliche  Hofburg. 


*)  Seit  il.-m  Jahre  1S»i7:  Itülnnischos  l>iai,'uner-H.-iini.ri)  Nr.  1  (. 


Digitized  by  Google 


22 


Der  Militärische  Muria  Theresien  Orden  von  1757  bis  18'.IO. 


Der  Kaiser  von  Russland  und  der  König  von  Preußen  sandten  hiezu 
Militär-Deputationen  nach  Wien,  desgleichen  die  Bundesfestung  Mainz,  deren 
Gouverneur  Fürst  Windisch -Grat  2  gewesen  war. 

Am  28.  März  folgte  dieselbe  Feierlichkeit  in  Prag  unter  dem  Befehl  des 
commandierenden  Generals  von  Böhmen,  GdC.  Grafen  Clam-G alias.  Hierauf 
«•folgte  die  Überführung  der  Leiche  in  die  Familiengruft  zu  Tachau  unter  Be- 
gleitung von  Abtheilungen  des  Regiments  Fürst  Windisch-Grätz-Dragoner. 


GOMMANDKURK: 

*  NUG E NT  Laval  Graf,  FM.,  igt  für  seine  großen  Verdienste  als  Haupt- 
mann des  Generalstabes  im  Feldzuge  1799,  tgi  C.  als  GM.  für  erfolgreich 
durchgeführte  Operationen  in  Italien  1813  und  1814. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1131  bis  1137.)  Seit  dem  Jahre  1849  lebte  FM.  Graf 
Nugent  außer  der  Aetivität.  Am  18.  März  1858  geruhte  ihn  Seine  Majestät  Kaiser 
Franz  Joseph  I.  zum  Ritter  des  Goldenen  Vließes  zu  ernennen.  Im  Jahre  1859 
machte  er  trotz  seines  hohen  Alters  —  er  stand  damals  im  82.  Lebensjahre  — 
die  zweite  Periode  des  Krieges  der  Monarchie  gegen  Frankreich  und  Pieniont 
als  Volontär  im  Hauptquartier  Seiner  Majestät  des  Kaisers  und  zwar  die  Schlacht 
beiSolferino  am  24.  Juni  mit.  Bei  der  Errichtungdes  österreichischen Reichsrathes 
im  Februar  1861  ernannte  ihn  der  Kaiser  zum  lebenslänglichen  Mitglied» 
des  Herrenhauses.  FM.  Graf  Nugent  starb  am  21.  August  18G2  auf  seiner 
Herrschaft  Bosiljevo  bei  Carlstadt  und  fand  in  der  Familiengruft  des  alten 
Frangipanischen  Schlosses  Ter satlo  bei  Fiume.  Kigentluun  der  Familie  Nugent, 
seine  letzte  Ruhestätte. 

*JELLACIC  Joseph  Graf,  FZM.  und  Banus,  tgt  C.  für  kluge,  selbständig 
geleitete  Entschlüsse  und  Handlungen  und  tapfere  Durchführung  aller  seiner  mit 
Erfolg  gekrönten  Unternehmungen  während  des  Jahres  1848. 

(Näheres:  Abth. II,  S.  1420  bis  1433.)  Nach  denbewegten Kriegsjahren  1848/49 
und  der  demselben  gefolgten  Neuorganisation  des  Kaiserstaates  fungierte  FZM.  Graf 
Jellaeic  als  Commandierender  General  in  Kroatien, Slavonien  und  Dalmatien 
und  Gouverneur  von  Fiume  in  Agram,  von  wo  er  von  Zeit  zu  Zeit  in  Fragen  der 
Politik  an  den  kaiserlichen  Hof  berufen  wurde.  Er  starb  am  19.  Mai  1859.  Die 
allgemeine  Trauer  im  Lande  war  um  so  größer,  als  der  Banus  gegen  sein  Lebens- 
ende durch  längere  Zeit  an  schwerer  Krankheit  gelitten,  deren  sich  immer  heftiger 
wiederholende  Anfälle  einen  tödtliehen  Ausgang  nahmen.  Seine  sterblichen  Über- 
reste ruhen  gemäß  seinem  eigenen,  bei  Lebzeiten  ausgesprochenen  Wunsche  in 
der  Kapelle  zu  Novidvori.  Bei  der  im  Jahre  1S73  erfolgten  Aufhebung  der  Militär- 
grenze übergieng  sein  Name  von  dem  aufgelösten  10.  Grenz-  auf  das  79.  Infanterie- 
Regiment,  welche«  denselben  seitdem  für  immerwährende  Zeiten  führt. 


Digitized  by  Google 


Slulus  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  Sacular -Feier. 


23 


*  HESS  Heinrich  Freiherr  von,  FM.,  t&  als  1- ML.  für  den  Feldzug  in  Italien 
1848,  tgt  C.  für  1849  als  FML.  und  Chef  des  General-Quartiermeister-Stabes. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  I  UI  bis  1148.)  FZM.  Baron  Hess  machte  als  General- 
quartiermeister Seiner  Majestät  des  Kaisers  und  Chef  des  General-Quartiermeister- 
Stabes  der  Armee  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im 
Jahre  1859  mit.  In  dieser  Eigenschaft  wohnte  er  der  Schlacht  bei  Magenta  am 
4.  Juni  an  und  übernahm  in  der  zweiten  Periode  des  Feldzuges  unter  dem 
Allerhöchsten  Oberconnnando  Seiner  Majestät  des  Kaisers  die  Functionen  eines 
Generalstabs-Chefs  des  operierenden  Heeres,  als  welcher  er  die  Schlacht  bei 
Solferino  mitmachte.  Am  12.  Juli  1859  zum  Feldmarschall  befördert,  wurde 
er  am  13.  mit  dem  Obercommando  über  die  I.,  II.  und  IV.  Armee,  dann  das 
abgesonderte  VI.,  X.  und  XI.  Armee-Corps,  sowie  über  alle  in  Italien,  Küstenland. 
Krain,  Kärnten  und  Tirol  stehenden  Militär-Körper  und  Anstalten  betraut.  Mit 
Allerhöchster  Entschließung  vom  30.  Jänner  18(>0  wurde  er  zum  Hauptmann 
der  Trabanten-Leibgarde  und  Hofburgwache,  bei  der  Errichtung  des 
österreichischen  Reichsrathes  zun»  lebenslänglichen  Mitgliede  des  Herren- 
hauses und  am  16.  August  1802  zum  Kanzler  des  österreichischen 
Leopold-Ordens  ernannt.  Am  24.  December  1865,  als  dem  Tage  seines  zurück- 
gelegten sechzigsten  Dienstjahres  wurde  ihm  für  die  treuen  und  erfolgreichen 
Dienste  erneut  der  Allerhöchste  Dank  zutheil.  Sein  Ableben  erfolgte  am 
13.  April  1870  zu  Wien.  Der  k.  k.  Generalstab  ehrte  das  Andenken  seines  ehe- 
maligen ausgezeichneten  Chefs  in  der  Folge  durch  Errichtung  eines  Denkmals 
auf  dem  Centrai-Friedhofe  der  Haupt-  und  Residenzstadt.  Das  49.  Infanterie- 
Regiment  führt  seinen  Namen  für  immerwährende  Zeiten. 

*  TlIURN  VON  VALLE  SASSIXA  Georg  Graf,  FZM.,  egt  als  Hauptmann  für  die 
That  bei  Pesaro  29.  April  1815,  tg«  C.  für  die  Verdienste  bei  Novara  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1418  bis  1456.)  Fungierte  seit  dem  19.  Februar  1857 
als  Präsident  des  Obersten  Justiz-Senats,  trat  am  1.  Juli  1800  in  den 
Rullestand  und  starb  am  9.  Februar  1866  zu  Wien. 

*  ALBRECHT  Erzherzog,  kais.  königl.  Hoheit,  FM.,  C.  als  FML.  für 
den  mit  seiner  Division  durch  mehrere  Stunden  dem  übermächtigen  Feinde 
geleisteten  heldenrnülhigen  Widerstand  bei  Novara  1849,  tg:  GK.  als  FM.  für 
Custozza  1866. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1456  bis  1460  und  vorliegende  Abth.  III,  Abschnitt: 
,CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im 
Jahre  1866«.) 

*  WLMPFFEN  Franz  Graf,  FZM.,  #  als  FML.  im  Jahre  1848  für  die  Verthei- 
digung  von  Volta  am  26.  und  27.  Juli,  tg>  C.  für  den  freiwillig  unternommenen 
und  durchgeführten  kühnen  Zug  von  Bologna  nach  Ancoiiii  und  Eroberung 
dieses  festen  Platzes  am  16.  Juni  18  V.). 


Digitized  by  Google 


21 


Der  Militärische  Mnna  Theresen  Orden  von  17S7  bis  IH90. 


(Näheres:  Abth.  II,  S.  1400  bis  1 1(»5.)  Er  befehligte  in  dem  Krieg  gegen 
Frankreich  nndPieniont  in  Italien  im  Jahre  1859,  und  zwar  in  der  Schlacht  bei 
Solferino  am  21.  Juni  die  I.Armee,  wurde  am  8.  October  1859  in  Disponihilität 
versetzt,  trat  am  1.  Üctoher  1800  unter  Bezeigung  der  Allerhöchsten 
Anerkennung  für  seine  lange,  ausgezeichnete  und  erfolgreiche  Verwendung  im 
Militär-  und  Civilstaatsdienste  in  Ruhestand  und  starb  am  20.  November  1870. 

*  SCHLIK  Franz  Graf,  GdC,  tgt  als  FML.  für  den  Sieg  bei  Kaschau  am 
1.  Jänner  1819,  tgi  G.  für  den  unter  den  Augen  Seiner  Majestät  freiwillig  unter- 
nommenen und  ruhmvoll  durchgeführten  Angriff  auf  Raab  und  die  Hinnahme 
dieser  Stadt  am  28.  Juni  1819. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1100  bis  1171.)  Kr  befehligte  im  Kriege  gegen 
Frankreich  und  Piemonl  in  Italien  im  Jahre  1859  in  der  zweiten  Periode  des 
Feldzuges  und  zwar  in  der  Schlacht  bei  Solferino  am  21.  Juni  die  II.  Armee. 
Kr  starb  am  17.  März  18G2  zu  Wien. 

MTTEn. 

Cl  VA  LA  KT  VON  HA1TANC0URT  Carl  Graf.  GdC.,  igt  als  Oberst  bei  Ulm  1805 
und  auf  dem  Rückzüge  des  Erzherzogs  Ferdinand  nach  Böhmen. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  770  bis  773.)  Seit  1851  im  Ruheslande,  starb  er  am 
12.  August  1.S05  in  Baden  bei  Wien. 

ENSCH  Franz  Freiherr  von,  GM.,  tgt  als  Oberlieutenant  bei  Ulm  1805. 
(Näheres:  Abth.  II.  S.  S10  bis  81 7.)  Seil  18:50  im  Ruhestände,  starb  er  am 
15.  März  1801. 

KüVAK  Sigmund  Joseph  Freiherr  von.  FML.,  tgt  als  Hauptmann  bei  Cal- 
diero  1805. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  788  bis  799.)  Seit  dem  Jahre  1830  im  Ruhestände, 
slarb  er  am  12.  Februar  1800. 

SlfiLKR  VON  EBERSWALD  Heinrich  Freiherr,  GM.,  igt  als  Hauptmann  bei 
Kbelsberg  1809. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  910  bis  919.)  Seil  dem  Jahre  1831  im  Ruheslande, 
slarb  er  am  21.  März  1802  zu  Graz. 

*PIRUI*KT  VON  CKSKNAT1C0  Peler  Freiherr,  FZM.,  tgt  als  Oberlieutenanl  bei 
Kbelsberg  1809. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  919  bis  953.)  Seit  dem  Jahre  1811  in  der  Arcieren- 
Keihgarde  dienend,  starb  er  als  Capitän-Lieutenanl.  derselben  am  21.  No- 
vember 1801  zu  Wien. 


Digitized  by  Google 


Statu-  <l«rs  Ordens  um  Ta*f«f  tU-r  .Tstfti  Sflcular  Feier. 


25 


*  DIETRICH  VON  llKRMAXNSBKUli  Emanml  Freiherr.  FML.,  tgt  als  Arlilleric- 
Olierlieutcnnnt  bei  Aspern  ISO«». 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  007  bis  000.)  Seit  dein  Jahn-  1810  im  Ruhestände,  starb 
er  am  31.  Juli  1857  zu  Baden  bei  Wien. 

*  WALLMODEN -(i  IMBOKN  LudwigGraf  von,  GdC,  tgi  als  GM.  bei  Wa  gra  in  1 800. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1027  bis  1030.)  Seit  dem  Jahre  I8l8  im  Ruhestände, 

starb  er  am  20.  März  1802  zu  Wien. 

*  Rl'KBER  VON  Rl' FREUSBURG  Heinrich  Freiherr,  GM.,  igt  als  Oberlieute- 
nant  auf  der  Donau-Insel  Tabor  bei  Mauthausen  ISO'.). 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1012  bis  1014.)  Seil  dem  Jahre  1810  im  Ruhestände, 
starb  er  am  1.  October  1857  zu  Baden  bei  Wien. 

*  LAZARICH  VON  LINDARO  Joseph  Freiherr,  GM.,  igt  als  Hauptmann  für  die 
Eroberung  von  Istrien  1813. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1 103  bis  1 108.) Seit  dem  Jahre  1850  im  Ruhesland.-, 
starb  er  am  27.  Jänner  1870  zu  Weißkirchen  in  Ungarn. 

*  JETZER  August  Freiherr  von,  FML..  igt  als  Oberlienfenant  bei  Hohlen- 
bnrg  an  der  Drau,  10.  September  1813. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1200  bis  1211.  »  Seit  dem  Jahre  1850  im  Ruhestände, 
starb  er  am  11.  Jänner  18(12  zu  Wien. 

FÜLLER  VON  DER  KRÜCKE  Maximilian  Freiherr,  Major,  tgt  als  Lieutenant 
bei  Rubia  an  der  Wippach.  am  C.  October  1S13. 

(Näheres:  Abth  II,  S.  1211  bis  1212).  Seit  dem  Jahre  1813  im  Ruheslande 
starb  er  am  15.  October  1850  zu  Pilsen  in  Böhmen. 

*  HAUGWITZ  Eugen  Graf  von,  FML.,  tgt  als  GM.  bei  Leipzig  1813. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  121*  bis  1210).  Seit  dem  Jahre  1820  im  Ruhestände 

starb  er  am  1.  November  18G7  zu  Wien. 

*  HESSEN-HOMBURG  Ferdinand  reg.  Landgraf  zu,  Durchlaucht.  GdC.  tgt  als 
Oberst  bei  Leipzig  1813. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1222  bis  1223.)  Seit  dem  Jahre  1821  außer  Aetivitäl 
stehend,  starb  er  als  regierender  Landgraf  am  21.  März  1800. 

KROPFREITER  Johann  Freiherr  von.  GM.,  tgt  als  Artillerie-Lieutenant  bei 
Zara  am  0.  December  1813. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1200  bis  1207.)  Seit  dem  Jahre  1851  im  Ruhestände, 
starb  er  am  17.  August  1800. 


Digitized  by  Google 


26 


Der  Militärische  Maria  Theresen  Orden  \xn  1757  bU  1890. 


*  PROCHASKA  VON  Gl' ELPHEX  BURG  FranzAdolphFreiherr,GdC,tgtalsOberst 
am  Taro  am  13.  bis  15.  April  1814. 

(NAheres:  Abth.  II,  S.  1270  bis  1273.)  Seit  dem  Jahre  1848  im  Ruhestand*-, 
starb  er  am  20.  August  1862  zu  Wien. 

BERGER  VON  DER  PLEKSE  Johann  Freiherr,  FZM.,  #  als  Oberst  bei  St. 
Julien  am  27.  Februar  1814. 

(NAheres:  Abth.  II,  S.  1293  bis  1295.)  Seit  dem  Jahre  1849  im  Ruhestände, 
starb  er  am  20.  August  1862  zu  Wien. 

*  PlTTEL  Christoph  Freiherr  von,  Oberstlieutenant,  igt  als  Genie-Oberlieutenant 
für  die  glückliche  Erstürmung  der  Position  von  Befort  1815. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1317  bis  1318.)  Seit  dem  Jahre  1840  im  Ruhestand, 
starb  er  am  13.  Septemher  1863. 

*  ROSSBACH  Heinrich  Freiherr  von,  FML.,  igt  als  Oberstlieutenant  und  Com- 
mandant  des  8.  Jflger-Bataillons  für  die  vom  2.  bis  8.  August  1838  gegen  die 
Montenegriner  vollführten  erfolgreichen  Waffenthaten. 

(NAheres:  Abth.  II,  S.  1474  bis  1481.)  Seit  dem  Jahre  1848  Commandant 
der  Landesverteidigung  von  Tirol  und  DivisionAr,  trat  nach  sechsundfünfzig- 
jähriger  ausgezeichneter  Dienstleistung  am  1.  Mai  1859  bei  gleichzeitiger  Verleihung 
des  Feldzeugmeister-Charakters  in  den  Rullestand  und  starb  am  2.  Mai  1867 
zu  Innsbruck. 

*  STWRTXIK  August  Freiherr  von,  FML.,  igt  als  Oberst  für  seine  großen  Ver- 
dienste als  Feldartillerie-Director  im  Feldzug  1848,  namentlich  bei  Vicenza  und 
Custozza. 

(NAheres:  Abth.II.S.  1483  bis  1485. )Er machte  den  Krieg  gegenFrankreich 
und  Piemont  im  Jahre  1859  in  Italien  als  Feldartillerie-Director  der  II.  Armee 
mit,  trat  nach  fünfundfünfzigjahriger  Dienstzeit  am  l.Oclober  1859  unter  Verleihung 
des  Feldzeugmeister- Charakters  ad  hotwres  in  den  Ruhestand  und  starb  im 
79.  Lebensjahre  am  9.  Derember  1809  zu  Venedig. 

*G0RZK0\VSKI  VON  GOR^KOW  Carl  Ritter,  GdC,  igt  als  C.dC.  für  die  Erhal- 
tung der  wichtigen  Festung  Mantua  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1489  bis  1495.)  Seit  dem  Jahre  1849  Stadt-  und 
Festungs-Coniniandant  von  Venedig,  starb  er  auf  diesem  Posten  im  82.  Lebens- 
jahre am  22.  März  1858. 

*  SMOLA  Carl  Freiherr  von,  Oberst,  igt  als  Oberstlieutenant  des  (ieneral- 
OuartiermeisU'r-.Stabes  für  die  Einnahme  von  Udine  am  21.  April  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1495  bis  1500.)  Er  fungierte,  nachdem  er  im  Jahre  1848 
das  rechte  Bein  verloren  hatte  und  dadurch  zum  a»  tiven  Militärdienst  untauglich 


Digitized  by  Google 


Stalu«  <1e»  Orden*  am  Tag«-  der  ersten  SAcular  Feier. 


27 


geworden  war,  als  Direktor  des  k.  k.  polytechnischen  Institutes  in  Wien 
bis  zum  Jahre  1858.  in  welchem  Jahre  er  nach  mehr  als  vierzigjähriger  Dienstzeit 
am  23.  October  mit  dem  Generalmajors-Charakter  ad  honorr*  in  Ruhestand 
trat;  er  starb  im  59.  Lebensjahre  am  14.  Februar  1802  zu  Graz. 

*  ZOBEL  VON  GIEBELSTADT  und  DARSTADT  Thomas  Freiherr,  FML.,  igt  als 
Oberst  bei  Pastrengo  am  30.  April,  bei  Bardolino  am  28.  Mai  und  Calmasino 
am  29.  Mai  1848. 

(Näheres:  Abtli.ll,  S.  1500 bis  1505.) Er  machte  den  Krieg  gegen  Frankreich 
und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  als  Commandant  des  VII.  Armee-Corps  mit, 
und  zwar  das  Treffen  von  Palestro  am  31.  Mai,  die  Schlacht  bei  Magenta  am 
4.  Juni  und  die  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni;  wurde  am  6.  November  1859 
zum  Festungs-Commandanten  inOlmütz  ernannt,  trat  nach  dreiundfünfzigjähriger 
Dienstzeit  am  1.  April  1801  in  den  Ruhestand  und  starb  im  71.  Lebensjahre  am 
1-2.  Juli  1869  zu  Görz. 

*  Kl  HN  VON  KUHNENFELD  Franz  Freiherr.  Oberst,  igt  als  Hauptmann  im 
(•eneral-Quartiermeister-Stabe  bei  St.  Lucia  am  0.  Mai.  und  bei  Mailand  am 
4.  August  1848,  #  C.  als  GM.  in  Tirol  1800. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1512  bis  1510  und  vorliegende  Abth.  III,  Abschnitt 
.CLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion.  Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre 
180G.») 

*  WlUTlSLAW  NETT0L1TZK1  VON  MlTTROWTTZ  Eugen  Graf,  FM,tgtals  FML. 
bei  Curtatone  am  29.  Mai  und  Vicenza  10.  Juni  1818 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1517  bis  1522.)  Seit  dem  Jahre  1848  Feldmarschall 
und  Hauptmann  der  Arcieren-Leibgarde,  zählte  er  seit  der  Constituierung 
des  österreichischen  Reichsrathes  zu  den  erblichen  Mitgliedern  des  Herren- 
hauses, wurde  mit  dem  Allerhöchsten  Handschreiben  vom  10.  August  1802  zum 
Kanzler  des  Maria  Theresien-Ordens  ernannt,  am  31.  Juli  1804  in  huld- 
vollster Anerkennung  seiner  sechzigjährigen  ausgezeichneten  Militär- 
Dienstzeit  mit  dem  Großkreuz  des  St.  Stephan-Ordens  ausgezeichnet,  am 
0.  Juli  1800  zur  Stellvertretung  des  Obersten  der  kaiserl.  königl.  Garden  ernannt 
und  starb  am  14.  Februar  1807  zu  Wien. 

*  CLAM  GALLAS  Eduard  Graf,  FML..  igt  als  GM.  bei  Montanara  am  29.  Mai 
und  Gardon i  am  25.  Juni  1848. 

(Näheres:  Abth. II, S.  1525 bis  1  528.)Er  machte  den  Krieg  gegen  Frankreich 
und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  als  Commandant  des  1.  Armee-Corps  in  der 
II.  Armee  mit  und  kämpfte  in  den  Schlachten  bei  Magenta  am  4.  Juni  und  bei 
Solferino  am  21.  Juni.  Nach  dem  Kriege  kehrte  er  wieder  auf  seinen  Posten 
als  Commandierender  General  in  Böhmen  zurück,  wurde  am  11.  Mai  1801  zum 
General  der  Cavallerie  befördert  und  am  10.  August  1802  zum  Ritter  vom 


Digitized 


28  I>e«  Militärische  Maria  TlicreMtii-Ordeti  v,.„  175?  Iiis  18<JO. 

■ 

Goldenen  Vließe  ernannt.  Er  machte  im  Kriege  gegen  Preußen  nnd  Italien 
im  Jahre  1800  als  Connnandant  des  I.  Armee-Corps  den  Feldzug  gegen  Preußen 
in  Böhmen  mit  und  zwar  vorerst  unter  dem  Kronprinzen  Albert  von  Sachsen  die 
Kämpfe  an  der  Iser  vom  2(1.  bis  28.  Juni,  das  Treffen  bei  Jicin  am  29.  Juni, 
sodann  mit  der  Nordarmee  die  Operationen  bis  zur  Schlacht  bei  Königgrätz.  Am 
23.  October  1800  über  seine  Bitte  in  den  supemumerären  Stand  versetzt, 
quittierte  er  den  Dienst  am  28.  Februar  1808  mit  Beibehalt  des  Militär-Charakters. 
Frist  erbliches  Mitglied  des  Herrenhauses  des  österreichischen  Reichsrathes. 

*  LIECHTENSTEIN  Friedrich  Fürst  zu,  FML.,  igt  als  GM.  bei  Montanara 
am  29.  Mai  und  in  Voltaam  2(1.  und  27.  Juli  1848. 

(Näheres:  Ablh.  11,  S.  1528  bis  1532.)  Seitdem  Jahre  1853  Commandanl 
des  VI.  Armee-Corps,  wurde  er  am  2(1.  Juli  1858  zum  Gouverneur  und  Comman- 
dierenden  General  in  Siebenbürgen  und  zum  Commandanten  desll.  Armee-Coq^, 
unter  gleichzeitiger  Verleihung  der  Geheimen  Rathswürde  ernannt  und  am 
20.  October  1800  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  1.  Classe  ausgezeich- 
net; am  11.  Mai  18G1  erfolgte  seine  Beförderung  zum  General  der  Cavallerie 
hei  gleichzeitiger  Ernennung  zum  Commandiorenden  General  in  Temesvär.  Am 
29.  October  1801  wurde  er  unter  Enthebung  von  der  Stelle  des  Inhabers  des  3.  Uh- 
lanen-Regiments  zum  Inhaber  des  Jazygier  und  Kumanier  Freiwilligen 
Husaren-Regiments  und  am  18.  April  1805  zum  Commandierenden  General  in 
Ungarn  ernannt.  Er  inachte  den  Krieg  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1800 
und  zwar  den  Feldzug  in  Italien  als  Commandanl  des  V.  Armee-Corps  mit, 
wohnte  jedoch  wegen  schwerer  Erkrankung  keiner  Affaire  bei.  Nach  seiner  Ge- 
nesung wurde  er  am  12.  October  1800  auf  seinen  früheren  Posten  als  Comman- 
dierender  in  Ungarn  rückversetzt.  In  Anerkennung  der  durch  thätiges  Wirken  um 
das  Wohl  verwundeter  Krieger  während  der  Kriegsepoche  1800  erworbenen  Ver- 
dienste wurde  ihm  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt- 
gegeben. Am  18.  August  1807  wurde  erzürn  Ritter  des  Ordens  vom  Goldenen 
Vließe  ernannt.  Am  3.  Juli  1.S09  trat  er  bei  gleichzeitiger  Verleihung  des  Groß- 
kreuzes  des  St.  Stephan-Ordens  in  den  Ruhestand.  Im  Jahre  1872  wurde 
er  als  lebenslängliches  Mitglied  in  das  österreichische  Herrenhaus 
berufen.  Er  starb  am  1.  Mai  1885  zu  Wien. 

* BENEDEK  Ludwig  Ritter  von,  FML.,  igt  als  Oberst  bei  Curtntone  am 
29.  Mai  1848,  tgt  C.  als  FML.  bei  Solferino  1859. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1532  Iii-  1537  und  vorliegende  Abth.  III.  Abschnitt 
„CLV1II.  bis  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in 
Italien  im  Jahre  1859.") 

*  REISCHACH  Sigmund  Freiherr  von,  FML..  tgl  als  Oberst  bei  Montanara 
am  29.  Mai  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1537  bis  1539.)  Er  machte  den  Krieg  gegen  Frank- 
reich und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  als  Divisionär  im  VII.  Armee-Corps 


Digitized  by  Google 


Slitu«  de?  Ordens  am  T;i>:e  der  eisten  Särulur-Feier. 


mit  und  zwar  die  Vorposten-  und  Gesehützkämpfe  an  der  Sesia  im  Mai,  sodann 
die  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni,  in  welcher  er  bei  dem  Angriffe  auf  Ponte 
nuovo  di  Magenta  eine  schwere  und  eine  leichte  Verwundung  erlitt  Wegen  seiner 
hervorragenden  Leistungen  in  dieser  Schlacht  wurde  er  am  27.  Juni  185'.)  mit  dem 
Commandeurkreuz  des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet  und  gleichzeitig  zum 
Commandanten  des  XI  II.  Armee-Corps  ernannt  Bei  der  im  August  desselben 
Jahres  bewirkten  Auflösung  dieses  Corps  erfolgte  seine  Versetzung  in  Disponibilität 
Am  20.  Decembcr  1859  wurde  ihm  die  Geheime  Raths  würde  verliehen.  Am 
27.  November  1860  zum  Truppen-Di  visionär  ernannt  trat  er  am  1.  Juli  1862  in 
den  Ruhestand.  Am  28.  Februar  1873  wurde  ihm  infolge  Allerhöchster  Ent- 
schließung aus  besonderer  Allerhöchster  Gnade  der  Feldzeugmeister-Charakter 
(ul  houores  verliehen.  Er  starb  am  13.  November  1878  zu  Wien. 

*  MARTINICII  VON  MART1NK6G  Kranz  Freiherr,  GM.,  tg<  als  Majorbei  Monta- 
nara  am  20.  Mai  1848. 

(Näheres:  Abth.  IL,  S.  1541  bis  1543.)  Er  war  bis  zum  Jahre  1858  bei  der 
III.  Armee  in  Ungarn  GM.  und  Rrigadier  im  X.  Armee-Corps  und  im  Jahre  1859 
Brigadier  bei  den  Besatzungs-Truppen  in  T liest.  Nach  dem  Kriege  von  1850  trat 
er  nach  fünfzigjähriger  Dienstzeit  am  1.  September  1859  in  den  Ruhestand  und 
wurde  ihm  am  2.  October  desselben  Jahres  der  Feldmarsch all-Lieutenants- 
Charakter  ad  honores  verliehen.  Er  starb  am  24.  April  1871  zu  Wien. 

*  CtLOZ  Carl  Freiherr  von,  FML.,  tgj  als  GM.  bei  Vicenza  am  10.  Juni  1848. 
(Näheres:  Abth.  IL,  S.  1544  bis  1547.)  Seit  1852  Festungs-Commandant  von 

.Maulua,  hat  er  auf  diesem  Dosten  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  l'iemont 
in  Italien  im  Jahre  1859  mitgemacht,  trat  nach  fünfundseehzigjähriger  Dienstzeit 
am  1.  Mai  1860  in  den  Ruhestand  und  starb  am  1 1.  November  1862  zu  Venedig. 

*MAK0IC:iC  1)1  MADONNA  DKL  MONTK  Joseph  Freiherr,  GM.,  tgi  als  Haupt- 
mann des  General-Quartiermeister-Slabcs,  bei  Vicenza  am  10.  Juni  KS 48,  jgi  C. 
als  FML.  bei  Custozza  1866. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1551  bis  1553  und  vorliegende  Abth.  III.  Abschnitt 
.CLX1V.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im 
Jahre  1866*.) 

*  JABLONSKY  DKL  MONTK-HERICO  Joseph  Freiherr.  Oberst,  tgs  als  Haupt- 
mann bei  Vicenza  um  10.  Juni  1848. 

(Näheres:  Abth.  IL  S.  1553.)  Seit  dem  Jahre  1 8515  Commaudant  des  14.  Infan- 
terie-Regiments, wurde  er  am  25.  Juli  1857  zum  Generalmajor  befördert.  Er 
machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  als 
Brigadier  im  X.  Corps  bei  der  Küsten-Armee  mit,  ohne  zu  einer  Affaire  zu  gelangen. 
Nach  dem  Feldzuge  Brigadier  beim  I.  Armee-Corps,  wurde  er  am  16.  August  1861 
zum  zweiten  Inhaber  des  1.  Infanterie-Regiments  ernannt,  sodann  am  :5.  Juni  18155 


Digitized  by  Google 


lU-r  Militäri^du'  Muri«  Tlu-resien  Onleii  von  17.r.7  Iii-  lN'.Mi. 


zum  Fehlmurschal  1-Li  cutonunt  befördert  und  dem  Landes -General- 
Commando  zu  Prag  zugetheill.  am  21.  Jänner  186G  in  gleicher  Eigensehall  zum 
Landes-General-Commando  nach  Brünn  übersetzt.  Vom  11.  Mai  1860  an  mil 
der  Leitung  des  Landes-General-Commandos  für  Mähren  und  Schlesien  betraut, 
übernahm  er  am  5.  Juli  das  Festungs-Commando  in  Olmülz,  auf  welchem 
Posten  er  den  Krieg  1806  gegen  Preußen  mitmachte.  Für  seine  ersprießlichen 
Leistungen  als  Landes-Commandierender  und  Festungs-Commundant  während  des 
Feldzuges  wurde  er  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  II.  Clusse  aus- 
gezeichnet. Am  8.  Jänner  18G9  wurde  ihm  aus  Anlass  seines  fünfzigjährigen 
Dienst-Jubiläums  in  Anerkennung  seiner  im  Kriege  wie  im  Frieden  stets 
erprobten,  sehr  guten  Dienstleistung  die  Würde  eines  G  e  h  e  i  m  e  n  R  a  t h  e  s  verliehen. 
Am  18.  Jänner  1 809  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Inhaber  des  30.  Infanterie- 
Regiments.  Am  28.  April  1872  zum  Feldzeugmeister  befördert,  wurde  er  am 
1.  November  1873  auf  seine  Bitte  in  den  Ruhestand  übernommen  und  bei  diesem 
Anlasse  in  Anerkennung  seiner  langjährigen,  jederzeit  ersprießlichen  Dienstleistung 
durch  Verleihung  des  Ordens  der  Eisernen  Krone  I.  Glasse  ausgezeichnet.  Er 
starb  am  1.  Februar  1876  zu  Graz. 

*  SCHAAFFGOTSCIIE  Franz  Graf,  GdC.,  #  als  FML.  bei  Sona  am 
23.  Juli  1848,  bei  Novara  am  23.  März  1849. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1554  bis  1558.)  Seit  dem  Jahre  1856  GdC.,  dabei 
Commandant  des  IX.  Corps  und  Commandierender  General  in  Mähren  und 
Schlesien,  wurde  er  am  18.  September  1858  aus  Anlass  seiner  fünfzigjährigen 
Dienstleistung  mit  dem  Großkreuze  des  österreichischen  Leopold- 
Ordens  ausgezeichnet.  Er  machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in 
Italien  im  Jahre  1859  mit  der  II.  Armee  als  Commandant  des  IX.  Corps,  und  zwar 
die  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  mit.  Am  8.  October  1859  in  Disponi- 
bilität  versetzt,  trat  er  am  1.  December  desselben  Jahres  in  den  Ruhestand,  wobei 
ihm  die  Allerhöchste  vollste  Zufriedenheit  mit  seiner  mehr  als  fünfzig- 
jährigen, treuergebenen,  eifrigen  Dienstleistung  ausgesprochen  wurde.  Er  starb 
am  3.  November  1866. 

*  WEISS  Franz  FreiheiT  von,  GM.,  »g«  als  Oberstlieutenant  bei  Sona  am 
23.  Juli  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1563  bis  1565.)  Seit  dem  Jahre  1851  im  Ruheslande, 
starb  er  im  74.  Lebensjahre  am  3.  November  1866. 

*CASTIGLIONE  Johann  Graf,  GM.,  #  als  Major  bei  Sona  am  23.  Juli  1848. 

(Näheres :  Abth.  1 1,  S .  1 565  bis  1 5G7.)  Seit  dem  Jahre  1 85 4  G  e  n c r a  1  m  a  j  o r  und 
Brigadier,  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im 
Jahre  1859  mit,  kämpfte  mit  dem  IX.  Armee-Corps  in  der  Schlacht  bei  Solferino 
am  2L  Juni  und  wurde  für  seine  hervorragenden  Leistungen  in  dieser  Schlacht 
am  15.  August  1859  mit  dem  Ritterkreuze  des  österreichischen  Leopold- 
Ordens  ausgezeichnet.  Am  4.  Mai  1861  zum  Obercommandanten  der  Landes- 


Digitized  by  Google 


Stahl*  des  Orden»  am  Toge  der  ersten  Säcular-Keicr. 


Verteidigung  für  Tirol  und  Vorarlberg  und  zugleich  zum  Truppen-Commandanten 
in  Bolzen,  am  29.  November  1 80 1  zum  zweiten  Inhaber  des  Tiroler  J a gei- 
lt egitnen  Is  ernannt,  wurde  er  am  13.  August  1863  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant  befördert  und  ihm  am  25.  April  1866  die  Geheime  Rathswürde 
verliehen.  Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  blieb  ihm  die 
Organisierung  der  Tiroler  Landesverteidigung  übertragen,  während  GM.  Frh.  von 
Kuhn  mit  dem  Truppen-Commando  betraut  wurde.  Am  1.  November  1866, 
unter  Verleihung  des  Ordens  der  Eisernen  Krone  I.  Classc,  in  den  Ruhe- 
stand versetzt,  starb  er  am  7.  November  1871  zu  Bötzen. 

*  FEIDEGG  Carl  Freiherr  von,  Hauptmann,  #  als  Oberlieutenant  bei  S  a  1  i  o  n  z  e 
am  21.  Juli  1818. 

(Näheres:  Abth.  11,  S.  1571  bis  1575.)  Seit  dem  Jahre  1851  im  Ruhe- 
stande, stirb  er  am  13.  Juni  1869  zu  Teplitz. 

*  FRÖHLICH  VON  SAL10NZE  Johann  Freiherr,  Major,  igt  als  Lieutenant  bei 
Salionze  am  24.  Juli  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1571  bis  1575.)  Seit  1856  im  Adjutantencorps  und 
zweiter  Flügeladjutant  beim  I.  Armee-Commando,  wurde  er  am  23.  Februar  1859 
zum  Obcrstlieutenant  befördert,  am  6.  April  desselben  Jahres  zum  21.  Infan- 
terie-B.egimente  transferiert  und  in  demselben  zum  Gommandanten  des  Grenadier- 
Bataillons  ernannt.  Als  solcher  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich  und 
Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859,  und  zwar  die  Schlacht  bei  Solfcrino  am 
21.  Juni  mit,  in  welcher  er  mit  dem  V.  Armee-Corps  kämpfend,  schließlich  das 
Castell  von  Solferino  aufs  äußerste  verteidigte.  In  Anerkennung  seiner  hervor- 
ragenden Leistungen  in  dieser  Schlacht  wurde  er  am  15.  August  1859  mit  dem 
Ritterkreuz  des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet.  Am  9.  Deccmber  1859 
quittierte  er  den  Dienst  und  wurde  ihm  bei  diesem  Anlasse  der  Obcrsten- 
Character  ad  honore*  verliehen.  Er  starb  am  25.  Deccmber  1878  aufSchloss 
Wernberg  bei  Villach. 

*  MAYER  VON  LÖWENSCHWERDT  Franz  Freiherr,  Oberst,  tgt  als  Major  bei 
Custozza  am  25.  Juli  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1575  bis  1577.)  Seit  dem  Jahre  1851  Feslungs-Com- 
mandanl  von  Carlstadt,  trat  er  mit  l.März  1865,  unter  gleichzeitiger  Verleihung 
des  Ordens  der  Eisernen  Krone  II.  Glasse,  in  den  Ruhestand,  und  starb  am 

1.  Mai  1869. 

*  HÄUSER  Heinrich  Freiherr  von,  Oberst,  tgi  als  Hauptmann  bei  Volta  am 
26.  und  27.  Juli  1818. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1577  bis  1578.  )  Seit  dem  Jahre  185t;  Commandant  de> 

2.  Feldjäger-Bataillons, machte  er  den  Krieggegen  Frankreich  und  Pieniont  in 
Italien  im  Jahre  1859  mit,  kämpfte  mit  dem  I.  Corps  iti  der  Schlacht  bei  Magen  ta 
am  1.  Juni  und  gerieth  bei  der  Verteidigung  dieses  Ortes  in  französische  Krieg— 


Digitize 


Her  MiliMriM he  Maria  Tln-rcxien  Ordtu  \<»n  1757  IV.H). 


gefangenschaft.  aus  welcher  er  am  13.  September  1859  ranzioniert  wurde.  Er 
trat  am  '.10.  Oclober  1859  unter  Verleihung  des  Generalmajor-Charakters 
dil  lionores  in  den  Ruhesland. 

*  IjKC'SKY  DK  LA  VOI.TA  Stephan  Freiherr.  Oberstlieulcnaul,  #  als  Haupt- 
mann hei  Volta  am  26.  und  27.  Juli  1818. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1579  bis  1584.)  Seit  dein  Jahre  1852  im  Ruhestand»-, 
slarb  er  am  15.  Juli  1865. 

*  JOHN  Franz  Ritter  von,  Oberst,  tgi  als  Hauptmann  des  GcneraMjuai  tier- 
meister-Stabes  bei  Volta  am  20.  und  27.  Juli  1848,  jgt  C.  als  GM.  bei  Custozza  1806. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1581  bis  1587  und  vorliegende  Abth.  III,  Abschnitt 
.Promotion  CLXVI.  Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866.») 

*  STREICHER  Heinrich  Freiherr  von.  ObersllieutenanL  #  als  Hauptmann  bei 
Volta  am  26.  und  27.  Juli  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  15S7  bis  1589.)  Seit  dem  Jahre  1852  in  der  Trabanten- 
Leibgarde,  (rat  er  am  l.März  1863  in  den  Ruhestand  und  starb  am  27.  März  1865. 

*  SCHWARZENBERG  Edmund  Fürst  zu,  KAIL.,  tg»  als  GM.  bei  Vigentino 
vor  Mailand  am  4.  August  184s. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1589  bis  1593.)  Seil  dem  Jahre  1856  Commandant  des 
HI.  Armee-Corps  zu  Wien,  führte  er  das  Commando  über  die  bei  der  ersten 
Säcular-Feier  des  Maria  Theresien-Ordens  zur  Parade  ausgerückten 
Truppen.  Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
kämpfte  er  mit  seinem  III.  Corps  in  den  Schlachten  bei  Ma genta  am  4.  Juni  und 
bei  Solferino  am  24.  Juni  und  wurde  am  27.  Juni  185')  mit  dem  Großkreuze 
des  österreichischen  Leopold -Ordens  ausgezeichnet.  Am  8.  Oclober  1859 
mit  dem  Commando  des  II.  Armee-Corps  und  dem  Landes-General-Commando  in 
Wien  betraut,  wurde  er  am  27.  November  1859  zum  General  der  Cavallerie 
befördert.  Als  solcher  am  28.  December  zum  Capitän-Lieutenant  der  Ersten 
Arcieren-Leibgarde  ernannt,  wurde  er  am  16.  August  1862  Ritter  des 
österreichischen  Ordens  vom  Goldenen  Vließe.  Am  27.  Oclober  1866 
erfolgte  seine  Versetzung  in  den  Disponibilitäts-Sland.  am  2.  März  1867  seine 
Beförderung  zum  Hauptmann  der  Ersten  Arcieren-Leibgarde  und  am 
19.  October  1867  zum  Feld  marsch  all  mit  Belassung  in  seiner  Anstellung.  Am 
22.  April  1808  wurde  er  zum  Inhaber  des  10.  Dragoner-Regiments  ernannt 
Er  starb  am  17.  November  1873  auf  dem  Schlosse  Worlik  in  Böhmen. 

*  MARTINI  VON  NoSKDo  Joseph  Freiherr  FML.,  tgc  als  Oberstlieutenant  bei 
Montebello  am  8.  April.  26.  und  27.  Juli  bei  Volta  und  am  V  August  1818  bei 
Vigentino. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1593  bis  1505.)  Seit  dein  Jahre  1850  Generalmajor, 
wurde  er  am  27.  Juli  1857   zum  Keldmarschall-Lieutenant  befördert  und 


\ 


Digitized  by  Google 


Statu»  des  Urdons  am  Tage  der  ersten  Sfteultir-Fi'ier. 


33 


inachte  als  .Di visionär  im  III.  Armee-Corps  den  Krieg  gegen  Frankreich  und 
Fiemont  im  Jahre  1859  und  zwar  die  Schlacht,  bei  Ma genta  am  4.  Juni  mit.  Am 
I.  Octoher  1859  trat  er  in  den  Ruhestand  und  starb  am  28.  December  1868. 

• 

*ZEISBERC,  Carl  Bitter  von,  FML.,  igt  als  GM.  bei  Wien  am  28.  und 
30.  Öctober  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1604  bis  1606.)  Seit  dem  Jahre  1852  im  Ruhestande, 
starb  er  am  29.  Juni  1863. 

*  HARTLTEB  VON  WAUTHOK  Carl  Freiherr.  FZM.,  t&  als  GM.  hei  Wien  am 
28.  Üctober  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1606  bis  1609.)  Seit  1849  im  Ruhestande,  starb  er  am 
21.  August  1862  zu  Carlstadt. 

*  (RURICH  VOX  MONTK  CRETO  Anton  Freiherr,  FML.,  #  bei  der  Einnahme  von 
Wien  am  31.  Octoher  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1609  bis  1614.)  Seit  1848  FML.,  dabei  ad  latus  beim 
Conunando  der  III.  Armee  in  Ungarn,  trat  er  am  1.  October  1859  bei  gleichzeitiger 
Verleihung  des  Feldzeugmeister-Charakters  ad  honores  in  den  Ruhestand 
und  starb  am  15.  Juli  1864  zu  Wien. 

*  ÜXUKIC  VON*  ARADGKAI)  Georg  Freiherr,  Hauptmann,  #  alsüberlieutenant 
aus  der  Festung  Arad  35  Ausfälle  gemacht  1848/49. 

(Näheres:  Abth.  11,  S.  1614  bis  1617.)  Am  Tage  der  ersten  Säcular-Feier  des 
Maria  Theresien-Ordens,  18.  Juni  1857,  zum  Major  befördert,  zog  er  mit  dem 
Infanterie-Begiiuente  Graf  Coronini  Nr.  6,  in  der  Brigade  GM.  Schiller  des  X.  Corps, 
in  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemorit  in  Italien  im  Jahre  1859,  ohne 
aber  eine  Affaire  zu  bestehen,  indem  er  infolge  der  Feldzugstrapazen  erkrankte. 
Er  trat  am  1.  März  1860  unter  Verleihung  des  Oberstlieutenants-Charakters 
ad  honores  in  den  Buhestand  und  starb  am  3.  April  1867  zu  Essegg. 

*  SlMUNICH  Balthasar  Freiherr  von,  FML.,  jgj  als  FML.  bei  Tyrnau  am 
16.  December  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1617  bis  1620.)  Seit  dem  Jahn-  1853  im  Ruhestandr, 
starb  er  am  8.  Juli  1861  zu  Wien. 

*  OTriNGER  Franz  Freiherr  von,  FML.,  *  als  GM.  bei  Moor  am  30.  De- 
cember 1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1620  bis  1623.)  Seit  dein  Jahre  1856  Oberlieutenant 
der  Ersten  Arcieren-Leibgarde,  wurde  ihm  am  7.  April  1860  die  Geheime 
Raths  wurde  verliehen.  Er  trat  am  1.  Jänner  1867  unter  Verleihung  des 
Charakters  eines  General?  der  Cavallerie  in  den  Buhestand  und  starb  am 
8.  April  1869  zu  Wien. 


Digitized  by  Google 


Der  Militärische  Maria  Theresen  Orden  von  1757  bis  1800. 


*  MAYRHOFKK  VON  GRÜNBÜHL  Ferdinand  Freiherr,  FML.,  tgj  al^  Oberst 
bei  Pancsova  ani  2.  Jänner  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1623  bis  1625.)  Seit  dem  Jahre  1856  im  Ruhestande, 
starb  er  am  3.  März  1869  zu  Klagen  fürt. 

*  GABLESZ  Ludwig  Freiherr  von,  GM.,  tgt  als  Major  des  General-Ouartier- 
meister-Stabes  bei  Kaschau  am  4.  Jänner  1849,  tgt  C.  bei  Oeversee  1861. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1625  bis  1627  und  vorliegende  Abth.  III,  Abschnitt: 
„Promotion  CLXI.  —  Im  Kriege  in  Schleswig  und  Jütland  im  Jahre  1864.") 

*  HEULE  Johann  Ritter  von,  Major,  tgt  als  Oberlieutenant  bei  Hermannstadt 
am  21.  Jänner  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1627  bis  1629.)  Seit  April  1857  im  2.  Feldartillerie- 
Regiment,  wurde  er  am  28.  April  1839  zum  Obersten  im  2.  Feldartillerie-Regiment 
befordert.  Er  machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im 
Jahre  1859  mit  und  zwar  anfangs  als  Commandant  der  Armee-Geschütz- Reserve, 
vom  15.  Mai  an  als  Artillerie-Chef  des  II.  Armee-Corps.  Als  solcher  kämpfte  er  in 
der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  und  wurde  wegen  seiner  hervorragenden 
Leistungen  in  derselben  am  27.  Juni  1859  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone 
II.  Classe  ausgezeichnet.  Am  24.  Jänner  1863  zum  Artilleriestabe  transferiert, 
wurde  er  gleichzeitig  Artillerie-Director  für  Galizien,  Mähren  und  Schlesien.  Am 
19.  April  als  Artillerie-Director  nach  Lemberg  versetzt,  wurde  er  auf  diesem  Posten 
am  11.  Juni  1866  zum  Generalmajor  befördert,  sodann  am  12.  August  1867 
zum  Landes-Artillerie-Director  für  Ungarn  ernannt.  Am  22.  April  1868  erfolgte 
seine  Ernennung  zum  Oberst-Inhaber  des  9.  Artillerie-Regiments.  Er 
starb  am  3.  November  1869  zu  Carlsbad. 

*  VEVER  Carl  Freiherr  von,  Oberst,  tgt  als  Hauptmann  bei  Salzburg  vor 
Ilermannstadt  am  4.  Februar  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1631  bis  163H.)  Seit  1851  Commandant  des  51.  Infan- 
terie-Regiments, wurde  er  am  29.  März  1859  zum  Generalmajor  befördert.  Er 
machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  im 
Verbände  der  Küsten-Armee  mit,  ohne  einer  Affaire  beizuwohnen.  Nach  demselben 
wurde  er  als  Brigadier  in  das  II.  Armee-Corps  eingetheilt.  Im  April  1866  zum 
Festungs-Truppen-Brigadier  zu  Mantua  ernannt,  machte  er  im  Kriege  gegen 
Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  den  Feldzug  in  Italien  auf  jenem  Posten  mit 
und  wurde  am  28.  October  mit  der  Allerhöchst  belobenden  Anerkennung 
ausgezeichnet.  Er  trat  am  1.  November  1866  unter  Verleihung  des  Feldmarscball- 
Lieutenants-Charakters  a<l  honore*  in  den  Ruhestand  und  starb  am  24.  October 
1885  zu  Pressburg. 

*  URBAN  Carl  Freiherr  von,  GM.,  tgj  als  Oberst  bei  Moroseheny  am 
6.  Februar  1849. 

r 


Digitized  by  Google 


Status  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  SflcularFeicr. 


35 


(Näheres:  Abth.  II,  S.  1634  bis  1639.)  Seit  1854  Brigadier,  wurde  er  am 
3t).  September  1857  zum  Feldntarschall-Lieutenantbefördert.  Im  Krieg  gegen 
Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1S59  befehligte  er  die  Reserve- 
Infanterie-Truppen-Division,  welche  im  Rücken  der  Armee  Aufstände  in  Veneticn 
hintanzuhalten  hatte.  Er  machte  das  Treffen  bei  Monlebello  am  20.  Mai,  die 
Gefechte  bei  Varese  am  26.  Mai,  bei  S.  Fermo  und  Comu  am  27.  Mai,  die 
Beschießung  von  Varese  am  31.  Mai  und  bei  Castenedolo  am  15.  Juni  mit.  Für 
sein  Verhalten  bei  Montebello  wurde  er  am  2.  Juni  mit  dem  Ausdrucke  der  Aller- 
höchsten Zufriedenheit  ausgezeichnet.  Am  16.  Juni  erfolgte  seine  Ernennung 
zum  provisorischen  Festungs-Commandanten  von  Verona.  Am  13.  Juli  1859  von 
diesem  Posten  enthoben,  wurde  er  am  2.  November  1859  als  Truppen-Di  visionär 
zum  IV.  Armee-Corps  nach  Brünn  versetzt,  späterhin  dem  Landes-Gencral-Com- 
mando  zu  Brünn  zugetheilt  Er  trat  am  1.  Mai  1865  in  den  Ruhestand  und  starb 
am  1.  Jänner  1877  zu  Brünn. 

K0L0WK AT- KR A KOWSK Y  Leopold  Graf,  igt  als  GM.  bei  Mortara  am  21. 
und  Novara  am  23.  März  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1639  bis  1640.)  Seif  dem  Jahre  1850  Feldmarschall- 
Lieutenant  im  Ruhestande,  hatte  er  im  Jahre  1854  den  Militär -Charakter 
abgelegt.  Er  starb  arn  21.  März  1863  zu  Wien. 

*  BARCO  Joseph  Freiherr  von,  FML.,  igt  als  FML.  bei  Novoselica  und  bei 
Toronya  am  21.  und  22.  März  1819. 

(Näheres:  Abth. II,  S.  1641  bis  1641.)  Seit  März  1857  Oberlieutenant  der 
Ersten  Arcieren-Leibgarde,  starb  er  am  26.  September  1861  zu  Wien. 

*  DEGENFKLD  SCHONBURG  August  Graf.  FML..  igt  als  GM.  bei  Novara 
am  23.  März  1849. 

(Näheres:  Abth. II,  S.  1644 bis  1647.)  Seit  1853  Comniandant  des  VIII.  Armee- 
Corps,  übernahm  er  am  17.  August  1858  das  Coinrnando  des  VI.  Armee-Corps. 
Er  machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  18.V.) 
mit  und  zwar  anfangs  als  Comniandant  des  VI.  Corps  in  Südtirol,  vom  17.  Juni  185«» 
als  Commandant  der  IV.  (Küsten-)  Armee  in  Triest.  Im  Juli  wurde  er  zum  Com- 
mandanten  der  II.  Armee,  am  1.  August  zum  Conimandierenden  General  im 
Venetianischen.  im  Küstenlande.  Kärnten  und  Kram  ernannt.  Am  29.  April  1860 
erfolgte  seine  Berufung  zum  außerordentlichen  Reichsriil.lt  auf  Lebensdauer.  Am 
20.  October  1860  wurde  er  mit  der  provisorischen  Führung  des  Kriegstninislerium- 
betraut,  am  10.  November  1860  zum  Feldzeugmeister  betoniert  und  definitiv  zum 
Kriegsminister  ernannt,  sodann  am  Iii.  Jänner  186:2  mit  dem  GroHkreuze  des 
Leopold-Ordens  ausgezeichnet.  Am  19.  Februar  1864  auf  sein  Ansuchen  von 
der  Stelle  des  Kriegsministers  mit  dem  Ausdrucke  der  Allerhöchsten  Anerken- 
nung enthoben,  trat  er  am  1.  Juni  1861  in  den  Ruhestand.  Infolge  der  Kriegs- 

3" 


Digitized  by  Google 


36 


Der  Militärische  Maria  Theresien  Orden  van  17S7  bis  1890. 


ereignisse  1866  ließ  er  sich  am  1.  August  1866  reactivieren.  Nach  dem  Friedens- 
schlüsse trat  er  am  1.  September  in  den  Ruhestand  zurück  und  starb  am 
5.  December  1876. 

*  BlANCHI  Friedrich  Freiherr  von,  Ruca  di  Casa  Lanza,  FML.,  tgt  als  Oberst 
bei  Novara  am  23.  März  1819. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1647  bis  1651.)  Seit  1853  Divisionär,  trat  er  am 
1.  November  1859  in  den  Ruhestand  und  starb  am  28.  September  1865  zu 
Graz. 

*  RÜIJNG  Joseph  Freiherr  von,  Oberst,  tgi  als  Oberlieutenant  bei  Novara  am 
23.  März  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1652  bis  1655.)  Seit  dem  Jahre  1850  Capitän- 
Lieutenant  und  Haus-Commandant  der  Trabanten-Leibgarde,  trat  er 
am  1.  Jänner  1867  unter  gleichzeitiger  Verleihung  des  Generalmajor-Charakters 
<«/  honores  in  den  Ruhestand  und  starb  am  26.  Juli  1869  zu  Wien. 

*  Hl'BEL  VON  OLENfiO  Christian  Freiherr.  Oberst,  igt  als  Major  bei  Novara 
am  23.  März  1849. 

(Näheres :  Abth.  II,  S.  1655  bis  1657.)  Seit  1852  Militär-Badehaus-Commandant 
in  Baden,  wurde  er  am  27.  Mai  1859  zum  Generalmajor  befördert  und  war 
während  des  Krieges  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
erst  Brigadier,  sodann  interimistisch  Divisionär  bei  der  IV.  (Küsten-)  Armee.  Er  trat 
am  1.  October  1859  in  den  Ruhestand  und  starb  am  16.  December  1868. 

*  PACKENJ  VON  KILSTÄDTEN  Friedrich  Freiherr,  Oberst,  &  als  Hauptmann 
im  General-Quartiermeister-Stab  bei  Novara  am  23.  März  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1657  bis  1660.)  Seit  1854  Chef  des  Generalstabes  der 
I.  Armee,  machte  er  auf  diesem  Posten  —  am  27.  Mai  1859  zum  Generalmajor 
befördert  —  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
und  zwar  die  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  mit.  Für  seine  Leistungen  wurde 
er  am  15.  August  1859  mit  dem  Orden  der  Eisqrnen  Krone  II.  Classe  aus- 
gezeichnet. Nachdem  er  bis  29.  Jänner  1860  in  Disponibilität  gestanden,  wurde 
er  im  Februar  desselben  Jahres  zum  Brigadier  und  Militär-Commandantcn  in  Linz 
ernannt  und  am  28.  Juli  1861  als  Truppen -Brigadier  nach  Krakau  übersetzt. 
Er  fungierte  sodann  vom  12.  April  1865  bis  10.  September  1866  als  präsidierender 
Bevollmächtigter  bei  der  Militär-Commission  des  Deutschen  Bundes  zu 
Frankfurt  am  Main.  Am  15.  September  1866  zum  Feldmarschall-Lieutenant 
befördert,  wurde  er  gleichzeitig  zum  Commandanten  der  XVI.  Truppen-Division  in 
Hermannstadt  ernannt,  am  10.  October  1868  in  der  gleichen  Eigenschaft  zur 
V.  Truppen-Division  nach  Olmütz  übersetzt.  Am  26.  November  1871  wurde  er 
zum  Commandanten  der  XIV.  Truppen-Division  und  zum  Militär-*  iornmandanten 


Digitized  by  Google 


Status  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  Sftcular-Feier. 


37 


in  Pressburg  »mannt.  Am  3.  April  1874  erfolgte  seine  Ernennung  zum 
Oberst-Inhaber  des  9.  Infanterie-Regiments  und  am  9.  April  1876  wurde 
ihm  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  verliehen.  Am  1.  November  1870 
wurde  er  unter  Belassung  auf  seinem  Dienstesposten  als  Militär-Commandant  in 
Pressburg  zum  Feldzeugmeister  befördert,  sodann  mit  Allerhöchster  Ent- 
schließung vom  19.  October  1878  zum  Stellvertreter  des  Ober-Com- 
mandantcn  der  k.  k  Landwehr  ernannt.  Anlässlich  der  Vollstreckung  seines 
fünfzigsten  Dienstjahres  wurde  FZM.  Packenj  am  10.  October  188:2  in 
Anerkennung  seiner  sehr  ersprießlichen  und  vor  dem  Feinde  ausgezeichneten 
Dienstleistung  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Glasse  ausgezeichnet. 
Kr  trat  am  1.  November  1885  in  den  Ruhestand  und  wurde  ihm  bei  diesem 
Anlasse  in  Anerkennung  seiner  durch  mehr  als  50  Jahre  in  mannigfacher  Ver- 
wendung geleisteten,  im  Frieden  wie  im  Kriege  ausgezeichneten  Dienste  der  Aus- 
druck der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt  gegeben.  Sein  Ableben 
erfolgte  am  30.  Jänner  1889  zu  Meran. 

*  iMAMULA  Lazarus  Freiherr  von,  FML.,  tgt  als  Oberst  vor  Peterwardein 
;.m  29.  März  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1663  bis  1665.)  Seit  dem  Jahre  1851  Stellvertreter  des 
Militär-  und  Civil-Gouverneurs  in  Dalmatien  zu  Zara,  wurde  er  am  14.  Juni  1858 
/.um  Inhaber  des  25.  Infanterie-Regiments,  sodann  im  Juli  1859  zum 
wirkliehen  Gouverneur  und  Militär-Gommandanten  in  Dalmatien 
ernannt.  Am  16.  August  1864  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Glasse 
ausgezeichnet,  trat  er  am  1.  November  1865  in  den  Ruhestand  und  wurde  ihm  bei 
diesem  Anlasse  unter  dem  Ausdrucke  der  Allerhöchsten  Anerkennung  und 
des  Allerhöchsten  Dankes  für  seine  Verdienste  der  Feldzeugmeislers- 
Charakter  ml  honore«  und  das  Großkreuz  des  österreichischen  Leopold- 
Ordens  verliehen.  Im  Jahre  1S70  erfolgte  seine  Ernennung  zum  lebensläng- 
lichen Mitgliede  des  Herrenhauses  des  österreichischen  Reichsrathes.  S-in 
Ableben  erfolgte  am  12.  Jänner  1S7S  zu  Wien. 

BERNAY  VON  FAVANC01KT  Julius  Graf,  GM..  #  als  Oberst  vor  Brescia 
am  31.  März  18+9. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1665  bis  1000.  i  Seil  dem  Jahre  1*52  im  Ruhestand«', 
starb  er  am  24.  Februar  1880  zu  Graz. 

*  KALCHBERG  Wilhelm  Freiherr  von.  Hauptmann,  tgi  als  Hauptmann  bei 
Hat  van  am  2.  April  1849. 

(Näheres:  Abth.  11,  S.  1666  bis  1008.*)  Seit  dem  Jahre  1850  Gomniandant  drs 
Schlossberges  zu  Graz,  erhielt  er  im  Juni  1857  die  Kintheiluug  als  Garde  und 
Rittmeister  in  die  k.  k.  Arcieren-Leibgarde,  trat  am  1.  Juli  1*60  unter 
Verleihung  des  Majors- Charakters  in  Ruhestand  und  starb  am  16.  December  lhs:; 
zu  Graz. 


Digitize<4  by  (Joogle 


38 


Der  Mililftrische  Maria  Theresien  Orden  von  1757  bis  1890. 


*  Jl'RKOVIC  Paul  Freiherr  von.  Hauptmann,  tgt  als  Lieutenant  bei  Tapio- 
Bicske  am  4.  April  1819. 

i  Näheres:  Abth.  II.  S.  1071  bis  1072.)  Seit  dem  Jahre  1853  Hauptmann 
im  2.  Grenz-Regiment,  machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in 
Italien  im  Jahre  185'.)  und  zwar  die  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  mit. 
trat  am  1.  März  1800  in  den  Ruhestand  und  starb  am  11.  Jänner  1880  zu  Zengg. 

*  M0NTENT0V0  Wilhelm  Albert  Graf,  FML..  #  als  Oberst  vor  Komorn 
.im  20.  April  1849. 

(Näheres:  Abth.  ll.S.  1G72  bis  1 076.)  Er  wurde  als  Divisionär  beim  III.  Armee- 
Corps  am  13.  März  18öS  zum  Inhaber  des  5.  Husaren -Regiments  ernannt, 
machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  als 
Divisionär  beim  1.  Armee- Corps  mit.  anfänglich  eine  Zeit  hindurch  als  selb- 
ständiger Commandant  an  der  Adda-Linie,  sodann  in  der  Schlacht  bei  Solferino 
am  24.  Juni  und  wurde  am  lö.  August  1859  für  seine  Leistungen  bei  Solferino  mit 
dem  Orden  der  Eisernen  Krone  II.  Classe  ausgezeichnet.  Er  war  sodann 
Divisionär  beim  II.  Armee-Corps.  Am  29.  December  1860  wurde  ihm  die  Geheime 
Ralhswürde  verliehen.  Am  6.  März  1861  zum  Truppen-Divisionär  in  Hermann- 
stadt ernannt,  wurde  er  am  1 4.  Mai  1861  interimistisch  mit  der  Leitung  des  Landes- 
General-Cnmmandos  zu  Hermannstadt  betraut  und  am  7.  Juni  1801  definitiv  zum 
Commandiei  enden  General  in  Siebenbürgen  ernannt.  Am  20.  Juli  1804 
wurde  FML.  Montenuovo  aus  dem  Grafen-  in  den  erblichen  Fürslenstand  des 
österreichischen  Kaiserreiches  erhoben.  Am  12.  November  1800  zum  Comman- 
dierenden  in  Prag  ernannt,  wurde  er  am  4.  Jänner  1807  General  der 
Gavallerie  ad  honorem,  am  18.  August  1807  Ritter  vom  Goldenen  Vließe. 
Am  20.  April  1870  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Hauptmann  der  Trabanten- 
Leibgarde  und  Hofburgwache,  am  5.  Mai  desselben  Jahres  seine  Relörderung 
zum  General  der  Gavallerie.  Am  1.  September  1878  aufsein  Ansuchen  in  den 
Ruhestand  versetzt,  wurde  ihm  bei  diesem  Anlasse  in  Anerkennung  seiner  lang- 
jährigen, besonders  im  Kriege  ausgezeichneten  Dienstleistung  der  Ausdruck  der 
Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt  gegeben. 

*  WlLUBUKCi  Adolph  Freiherr  von,  Major.  igt  als  Rittmeister  vor  Komorn 
am  20.  April  1849. 

(  Näheres:  Abth.  II,  S.  1070  bis  1077.)  Seit  dem  Jahre  1853  Second-Wach  t- 
meister  bei  der  Arcieren-Leibgarde.  starb  er  am  1 4.  März  1S7S  zu  Illvo 
in  Ungarn. 

*  SOHKRl'ON  VuN  KKOXESsTKKS  Oswald  Freiherr.  Oberst,  jfo  als  Oberst- 
lieutenant  in  Ofen  am  21.  M;d  IN49. 

(Nähens:  Abth.  II.  S.  10sl  bis  1084.}  Seil  dem  Jahre  1882  im  Ruhestande, 
starb  er  am  21.  Mai  lsOV  zu  Wien. 


Digitized  by  Google 


Status  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  Sacular-Feier. 


39 


*  STERXBERG  Leopold  Graf,  GM.,  tgt  als  Oberst  bei  Kaacs  am  7.  Juni  1849. 
(Nähorrs:  Ablh.  II,  S.  1684  bis  1687.)  Seit  dem  Jahre  1850  Cavallerie- 

Brigadier  im  I.  Gavallerie-Armee-Corps,  wurde  er  am  2.  (Mober  1858  zum  Feld- 
marschall-Lieutenant  und  Truppen-Divisionär  in  Agram  ernannt.  Er  machte 
den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1850  und  zwar 
die  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  als  Truppen-Di  visionär  im  V.  Infanterie- 
Armee-Corps  mit,  übernahm  sodann  das  Commando  der  Reserve- Cavallerie- 
Division  der  I.  Armee  und  wurde  für  seine  hervorragenden  Leistungen  in  der 
Schlacht  bei  Solferino  am  15.  August  1859  mit  dem  Orden  der  Eisernen 
Krone  II.  Classe  ausgezeichnet.  Am  13.  November  1859  wurde  er  zum  zweiten 
Inhaber  des  8.  Kürassier-Regiments  ernannt.  Seit  dem  27.  November  1859 
auf  unbestimmte  Zeit  beurlaubt,  trat  er  am  19.  Juli  1872  unter  Verleihung  des 
Charakters  eines  Generals  der  Cavallerie  ad  honores  in  das  Verhältnis  außer 
Dienst.  Am  18.  September  1872  wurde  ihm  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes 
verliehen. 

HUIUTS  VON  Pol'RNAY  Anton  Freiherr,  FML.,  tgt  als  FML.  bei  Pered 
am  21.  Juni  1849. 

{Näheres:  Abth.  II,  S.  1690  bis  1692.)  Seit  dem  Jahre  1852  im  Ruhestande, 
starb  er  am  30.  März  1858  zu  Warasdin. 

*  SIMBSCHKN  Carl  Freiherr  von,  FML.,  %  als  GM.  bei  Komorn  am  2.  Juli  18+9. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1692  bis  1695.)  Seit  dem  Jahre  1854  Divisionär  im 

1.  Cavallerie-Armee-Corps,  wurde  er  am  30.  August  1859  zum  Festungs-Comman- 
danten  von  Theresienstadt  ernannt,  und  ihm  am  14.  Juni  die  Würde  eines 
Geheimen  Rathes  verliehen.  Er  trat  am  1.  December  1864  unter  gleichzeitiger 
Verleihung  des  Ordens  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  in  den  Ruhestand 
und  starb  am  26.  März  1870  zu  Schönau  bei  Teplitz. 

*  MENSDORFF-POUILLY  Alexander  Graf,  GM.,  ig«  als  Oberst  bei  Komorn 
am  2.  Juli  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1695  bis  1697.)  Seit  «lein  Jahre  1853  Brigadier,  wurde 
er  am  1.  März  1859  zum  Feldmarschall-Lieutenant  befördert  und  machte  den 
Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  als  Commandanl 
der  Reserve-Cavallerie-Division  bei  der  II.  Armee  und  zwar  die  Schlachten  bei 
Magenta  am  4.  Juni  und  bei  Solferino  am  2V.  Juni  mit  und  wurde  für  sein«' 
hervorragenden  Leistungen  in  der  letzteren  Schlacht  mit  dem  C  o  m  m  a  n  d  e  u  r  k  r  e  u  z 
des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet.  Seitdem  17.  Jänner  1860  Inhaber  des 
73.  Infanterie-Regiments,  wurde  er  am  20.  October  1860  zum  komman- 
dierenden Genoral  im  Banat  und  der  serbischen  Woj  w  odsch a  l't  und 
zugleich  zum  k.  k.  Commissär  für  dieses  Kronland  unter  gleichzeitiger  Verleihung 
der  Würde  eines  Geheimen  Rathes  ernannt.  Am  9.  März  1861  erfolgte  seine 
Ernennung  zum  Statthalter  in  Galizien  und  zum  Commandierenden  General 


Digitized  by  Google 


40 


Der  Militärische  Maria  TheresienOrden  von  1767  bis  1890. 


in  Galizieri  und  der  Bukowina.  Am  14.  Juli  1863  wurde  er  in  Anerkennung 
meiner  ausgezeichneten,  erfolgreichen  Dienste  mit  dem  Großkreuz  des  Leopold- 
Ordens  ausgezeichnet.  Mit  Allerhöchstem  Handschreiben  vom  27.  Öctober  18G4 
berief  ihn  Seine  Majestät  der  Kaiser  zum  M inister  des  kaiserlichen  Hauses 
und  desÄußeren.  Am  16.  Mai  1865  wurde  er  unter  Enthebung  von  der  Jnhaber- 
stelle  beim  73.  Infanterie-Reginiente  Inhaber  des  9.  Uhlanen-Regiments. 
Nach  der  Enthebung  vom  Ministerposten  im  Jahre  1806  beurlaubt,  wurde  FML. 
Graf  Mensdorff  am  2.  Mai  1868  zum  General  der  Cavallerie  befördert  und  am 
3.  Juli  1869  zum  Comniand ierenden  General  in  Ungarn  ernannt.  Am 
18.  Jänner  1870  von  diesem  Posten  enthoben  und  in  Disponibilität  versetzt, 
wurde  er  am  27.  Februar  unter  gleichzeitiger  Versetzung  in  den  überzähligen 
Stand  auf  unbestimmte  Zeit  beurlaubt.  Am  11.  Mai  1871  erfolgte  seine  Berufung 
als  Stalthalter  nach  Böhmen,  auf  welchem  Posten  er  am  14.  Februar  1871  zu 
Prag  starb. 

*  NOSTITZ-RlENECK  Hermann  Graf,  GM.,  igt  als  Oberst  bei  Puszla-Harkäly 
am  3.  August  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1697  bis  1699.)  Seit  dem  Jahre  1851  Brigadier,  wurde 
er  am  1.  März  1859  zum  Feldmarschall-Lieutenant  und  Divisionär  bei  dem 
I.  Armee-Corps  in  Prag  befördert,  am  15.  Mai  1861  zum  zweiten  Inhaber  des 
Freiwilligen  (nachm.  13.)  Uhlanen-Regiments,  am  1.  Februar  1862  zum 
Gommandanten  der  Gavallerie-Division  in  Böhmen  ernannt,  am  29.  Jänner  1861 
dem  Landes- Genend -Commando  in  Siebenbürgen  zugetheilt  und  ihm  am 
13.  April  1866  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  verliehen.  Seit  dem 
1.  December  1866  in  Disponibilität,  trat  er  am  1.  December  1867  in  den  Ruhe- 
stand. Im  Jahre  1886  wurde  er  zum  Oberst- Inhaber  des  13.  Uhlanen-Regiments 
ernannt. 

*  SCHERPON  VON  KRONENSTERN  Joseph  Freiherr,  Rittmeister,  tgt  als  Ober- 
lieutenant bei  Puszta-Harkäly  am  3.  August  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1699  bis  1701.)  Seit  dem  Jahre  1853  Rittmeister  im 
9.  Uhlanen-Regiment,  trat  er  am  31.  Mai  1860  unter  Verleihung  des  Major- 
Charakters  ad  honores  in  den  Ruhestand. 

*  HAUSLAB  Franz  Ritter  von,  FML.,  tgt  als  GM.  bei  Szöreg  am  5.  August, 
Temesvär  am  9.  August  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1701  bis  1705.)  Seit  dem  Jahre  1850  Feld-Artillerie- 
Director  der  ersten  Armee  in  Wien  und  mit  dem  Präsidium  bei  den  Commissionen 
zu  Versuchen  in  den  verschiedenen  Zweigen  der  Artillerie  betraut,  wurde  er 
am  20.  December  1858  zum  General-Artillerie-Direetor  ernannt.  Er  machte 
den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859.  und  zwar 
die  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  als  General-Feld-Artillerie-Direetor 
im  Allerhöchsten  Hauptquartiere  mit.  Am  8.  December  1860  wurde  er  zum  Stadt- 
und  Feslungs-Conimaudanten  in  Prag  ernannt,  am  1.  März  1861  auf  seine 
Bitte  unter  Verleihung  des  Feldzeugmeister-Charakters  ad  honores  in  den 


Digitized  by  Google 


Statu«  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  Sacular-Feier. 


41 


Ruhestand  versetzt,  am  20.  December  1865  reactiviert,  zum  Feldzeugmei ster 
befördert  und  gleichzeitig  zum  Präses  der  neu  aufgestellten  militär  -  wissen- 
schaftlichen Central  -  Commission  ernannt.  Am  1.  Mai  1868  trat  er  unter 
Verleihung  des  Großkreuzes  des  Leopold-Ordens  in  den  bleibenden  Ruhe- 
stnnd.  Er  war  lebenslängliches  Herrenhaus-Mitglied.  Sein  Ableben  erfolgt«; 
am  1 1.  Februar  1883  zu  Wien. 

*  KAMMIS6  VON  RlEDKlRCHEN  Wilhelm  Freiherr.  GM..*  als  Überstlieutenant 
bei  Temesvär  am  9.  August  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  170."»  bis  1700.»  Er  machte  den  Krieg  gegen  Frank- 
reich und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit,  kämpfte  als  Brigadier  im 
III.  Armee-P.orps  in  der  Sohlacht  bei  Magenta  am  1.  Juni,  fungierte  sodann  vom 
S.Juni  bis  31.  August  als  Souschef  des  Generalstabes  beim  Allerhöchsten 
Arrnee-Obercommando  und  kämpfte  in  der  Schlacht  bei  Solf  erino  am  24.  Juni  mit. 
Für  seine  hervorragenden  Leistungen  in  der  Schlacht  bei  Magenta  wurde  er  mit 
dem  Orden  der  Eisernen  Krone  II.  Classe  ausgezeichnet,  sodann  am  28.  Juni 

1859  zum  Feldmarschall-Lieutenant  befördert  und  am  17.  Jänner  1860  zum 
Inhaber  des  72.  Infanterie-Regiments  ernannt.  Seit  Februar  bis  November 

1860  dem  FZM.  Ritter  von  Benedek.  sodann  bis  December  1861  dem  Reichskriegs- 
Ministerium  zugelheilt,  trat  er  am  1.  Jänner  1862  in  den  Ruhestand,  wurde  jedoch 
wieder  reactiviert  und  am  25.  November  1864  zum  Commandanten  des  VI.  Armee- 
Corps  ernannt.  Am  19.  April  1865  wurde  ihm  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes 
verliehen.  Er  machte  im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  als 
Commandant  des  VI.  Armee-Corps  den  Feldzug  gegen  Preußen  und  zwar  das  Treffen 
bei  W yssokow  am  27.  Juni  und  die  Schlacht  bei  Königgrätz  am  3.  Juli  mit.  Am 
2.  September  1866  zum  Commandierendeu  General  in  Böhmen  ernannt, 
wurde  er  bald  darauf,  am  12.  November  desselben  Jahres,  als  Commandierender 
General  von  Siebenbürgen  nach  Hermannstadt  übersetzt.  Am  22.  April  186S 
zum  Feldzeugmeister  ad  honoirs  befördert,  wurde  er  am  3.  Jänner  zum  Com- 
mandierenden  General  in  Brünn  ernannt  und  am  30.  April  ls70  zum  Feld- 
zeugmeister  befördert.  Am  28.  Jänner  1874  zum  Hauptmann  der  Ersten 
Arcieren-Leibgarde  ernannt  und  gleichzeitig  mit  dem  Orden  der  Eiserneu 
K rotte  I.  Classe  ausgezeichnet,  wurde  er  in  demselben  Jahn;  als  lebens- 
längliches Mitglied  ins  Herrenhaus  berufen.  Er  starb  am  l.  Juli  1876  zu 
Carlsbad. 

*  LIECHTENSTEIN  Franz  Fürst  zu.  FML..  tgi  als  FML.  bei  Temesvär 
am  9.  August  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1709  bis  1713.)  Seit  dem  Jahre  1850  Commandant  des 
I.  Cavallerie-Armee-Corps,  wurde  er  am  "21.  November  1859  zum  General  der 
Cavallerie  ari  hotiore«  befördert  und  am  2S.  Mär/  1860  zum  General-Caval- 
lerie-lnspector  ernannt.  Am  29.  April  1*60  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Mil- 
gliede  des  außerordentlichen  Reiclisraths  und  in  der  Folge  zum  lebenslänglichen 


Digitized  by  Google 


42 


Der  Milü&rUche  Maria  Theeesien  Orden  von  1757  bis  1890. 


Mitgliede  des  Herrenhauses.  Am  1.  Juli  1860  zum  General  der  Gavallerie 
befördert,  wurde  er  mit  Allerhöchstem  Befehlschreiben  vom  20.  October  1860  mit 
der  Leitung  des  General-Commandos  in  Ungarn  mit  Belassung  in  seiner  Eigenschaft 
als  General-Cavallerie-lnspector  betraut,  mit  28.  Juni  1861  von  diesem  Pusten 
enthoben  und  ihm  die  General-Cavallerie-lnspection  mit  dem  Sitze  in  Wien  über- 
tragen. Anlässlich  der  Auflassung  der  freiwilligen  Cavallerie-Regimenter  wurde  er 
am  7.  Juli  1862  für  seinen  Antheil  und  seine  Mitwirkung  an  dem  befriedigenden 
Erfolge  bei  Aufstellung  und  Ausbildung  dieser  Regimenter  mit  der  Allerhöchsten 
Anerkennung  ausgezeichnet.  Am  15.  November  1866  trat  erinden  supernume- 
rären  Stand,  bei  welchem  Anlasse  ihm  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zu- 
friedenheit bekannt  gegeben  ward.  Das  Ableben  dieses  hervorragenden  Reiter- 
Generals  erfolgte  am  31.  März  1887  zu  Wien. 

*  SZTANKOVITS  Ludwig  Freiherr  von,  GM.,  tgt  als  Oberst  im  General-Quartier- 
mcister-Stabe  bei  der  Verteidigung  von  Temesvär  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1713  bis  1715.)  Seit  dem  Jahre  1850  Truppen-Brigadier, 
wurde  er  am  3.  April  1858  zum  Feldmarschall-Lieutenant  befördert.  Er 
machte  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit. 
und  zwar  als  erster  General -Adjutant  der  II.  Armee  vom  Beginne  bis  Mitte  Juni, 
betheiligte  sich  an  der  Schlacht  bei  Ma genta  am  4.  Juni  und  kämpfte  als 
Divisionär  mit  dem  I.  Armee-Corps  in  der  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni. 
Kur  seine  Leistungen  bei  Magenta  wurde  er  mit  dem  Commandeurkreuz  des 
Leopold-Ordens  ausgezeichnet.  Sodann  Divisionär  beim  V.  Armee-Corps  und 
Militär- Commandant  zu  Innsbruck,  wurde  er  am  4.  Mai  1860  zum  Festungs- 
Commandanten  in  Mantua  ernannt.  Seit  dem  16.  Jänner  1860  zweiter 
Inhaber  des  66.  Infanterie-Regiments,  wurde  ihm  am  21.  November  1861 
die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  verliehen.  Im  Kriege  gegen  Preußen  und 
Italien  im  Jahre  1866  machte  er  den  Feldzug  in  Italien  als  Festungs-Commandant 
von  Mantua  mit  und  wurde  hiefür  am  3.  October  1866  mit  dem  Militär- 
Verdienstkreuze  mit  der  Kriegs-D ecoration  ausgezeichnet.  Er  trat  am 
1.  November  1866  unter  gleichzeitiger  Verleihung  des  Feldzeugmeister- 
Charakters  <u\  honores  in  den  Ruhestand,  und  starb  am  19.  April  1868  zu  Wien. 

Ausländische  Ordensmitglieder. 

GOMMANDEURE: 

Seine  Majestät  WILHELM  1.,  König  von  Württemberg,  Inhaber  des  k.  k. 
Husaren-Regiments  Nr.  6,  igi  C.  als  Commandant  des  IV.  Corps  der  Armee  der 
Verbündeten  im  Jahre  1814. 

i Näheres:  Abth.  II,  S.  1166  bis  1168.)  Gestorben  am  25.  Juni  1864. 

FlLANGlERl  Carlo.  Dura  di  Satriano,  neapol.  GL.  und  General- Adjutant  des 
Königs,  igt  C.  bei  Unterdrückung  des  Aufstandes  in  Sicilien  1848. 

(Näheres:  Abth.  II,  Seite  1723  bis  1724.)  Gestorben  am  16.  October  1867  zu 
S.  Georgio  a  Cremano. 


Digitized  by  Google 


Status  des  Ordens  am  Tage  der  ersten  SacularFeier. 


43 


LÜDERS-NlKOLAJEWlCZ  Alexander,  russ.  lidl..  General- Adjutant.  im 
Jahre  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1724  bis  1725.)  Er  machte  die  Operationen  und  den 
Krieg  Busslands  gegen  die  Türkei  in  den  Jahren  1853  bis  1851»  mit.  und  zwar  seit 
März  1855  als  ( '.ommandant  der  Südarmee,  seit  Jänner  185(1  als  Oberbefehlshaber 
in  der  Krim.  Er  starb  im  Februar  1874  in  .St.  Petersburg. 

HITTEK: 

U'ESIJUILLE  Joseph  Marquis  von,  igt  als  Hauptmann  des  IG.  Infanterie- 
Hegimenls  bei  Volano  am  21.  April  1809. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  935.»  Gestorben  im  Jahre  18G8zu  Tan  in  Frankreich. 

D'ANDREIS  Julius  Graf.  sard.  GL.  in  der  Armee,  jgj  als  kais.  Genie-Haupt- 
mann bei  Trient  25.  April  LS09. 

(Näheres:  Abth.  11,  S.  937  bis  939.)  Gestorben  in  den  ersten  Monaten  des 
Jahres  18G4  zu  Cannes  in  Frankreich. 

EUGEN,  Prinz  von  Württemberg,  Hoheit,  rnss.  Gdl.,  igt  bei  Königstein  und 
Kulm  im  J:ihre  1813. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1243.)  Gestorben  am  18.  September  1857. 

1'AllhEN  Graf  von  der,  russ.  GdC.,  General-Adjutant  und  General-Inspector 
der  ganzen  Cavalleric,  tgt  bei  Leipzig  1813. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1215.)  Gestorben  am  l.Mai  ISG4  zu  St.  Petersburg. 

('ADOGAN  Georg  Lord,  großbr.  Vice-Admiral,  jgt  in  Italien  1813. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1282.)  Gestorben  im  Jahre  18G5. 

*  MOKESBY  FaIUKAX.  kün.  großhr.  Vice-Admiral,  t&  bei  Zura  ISU. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  12*2.)  Gestorben  als  Admiral  am  22.  Jänner  1*77. 

*  CARL.  Prinz  von  Bayern,  kön.  Hoheit,  Inhaber  des  k.  k.  Husaren-Begi- 
menls  Nr.  3,  rgi  bei  Arcis  sur  Aube  1811. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1825.') 

Während  des  Krieges  1 )sterreichs  gegen  Preiilien  und  Italien  im  Jahre  I  SfiG  war 
FM.  Prinz  Carl  von  Bayern  Oberbefehlshaber  derjenigen  Streitkräfte,  welche 
die  mit  Österreich  verbündeten  deutschen  Bundesstaaten  gegen  Preußen  ins  Kehl 
stellten  und  die  unter  der  Bezeichnung  „Westdeutsche  Bundesarm  er-  gegen 
die  preußische  „Main- Armee»  unter  dem  Gdl.  Vogel  von  Falkenslein  zu 
operieren  hatten.  Die  Westdeutsche  Bundesarmee  bestand  uu>  dem  Vll.  deutsehen 
Bundes-Armee-Corps  unter  speziellem  Befehle  des  FM.  Prinzen  Carl  von  Bayern 
und  aus  dem  VIII.  deutschen  Bundes-Armee-Corps  unter  Commaiido  des  groü- 


S 

Digitized  by  Google 


44 


Der  MiliUrische  Maria  Thereaien  Orden  von  1757  bLs  18-M). 


herzoglich  hessischen  Gdl.  Prinzen  Alexander  von  Hessen.*)  Außerdem  sollte 
sich  mit  diesen  beiden  Corps  auch  die  hannoveranische  Armee  vereinigen. 
Während  der  auf  die  Vereinigung  abzielenden,  leider  zusammenhanglosen  und 
allzu  langsamen  Operationen  dieser  drei  Armeekörper  sah  sich  jedoch  die  hannove- 
ranische Armee,  trotz  ihres  bei  Langensalza  am  27.  Juni  über  eine  der  preu- 
ßischen Colonnen  erfochtenen  Sieges,  infolge  allseitiger  Umzingelung  durch  andere 
überlegene  preußische  Streitkräfte  gezwungen,  am  28.  Juni  zu  eapitulieren.  Darauf- 
hin machte  FM.  Prinz  Carl  von  Bayern  die  auf  Vereinigung  der  Westdeutschen 
Bundes-Armee  abzielenden  Operationen  rückgängig.  Die  weiteren  Operationen 
und  Kämpfe  in  Westdeutschland  beschränkten  sich  auf  eine  Defensive,  welche  auf 
den  großen  Verlauf  des  Krieges  keinen  anderen  Einfluss  zu  üben  vermochte,  als 
dass  dadurch  die  preußische  Main  Armee  in  Westdeutschland  festgehalten  wurde. 
Prinz  Carl  von  Bayern  starb  am  tti.  August  187«  zu  Tegernsee. 

Gl'RlEW  Graf  von.  russ.  geheimer  Hath,  igt  im  Jahre  181-4. 
(Näheres:  Abth.  II.  S.  1310.)  Er  starb  im  Jahre  1868. 

Tst'HERXlTsrHEFF  Alexander  Fürst  von.  russ.  GdC.  und  General-Adjutant, 
%  in  den  Freiheitskriegen  181:5  bis  14. 

(Näheres:  Abth.  II.  S.  1310.)  Starb  zwei  Tage  nach  der  ersten  Säcnlar-Feier 
•  les  Maria  Theresien-Ordens,  am  20.  Juni  1857.  zu  Caslel lamare. 

SorKHOZANETT.  kais.  russ.  GdA..  General-Adjutant  und  Kriegsminisler,  tgi 
bei  Leipzig  1813. 

i  Näheres:  Abth.  II,  S.  1311.)  Er  starb  im  Jahre  1800. 

WesTMORELASI)  Graf,  vordem  Lord  Burghersh.  John  F  ane.  kön.  großbr.  GL.. 
;§:  bei  Ar«  i>  sur  Aube  1814. 

■  Näheres:  Abth.  II.  S.  1313  bis  1314.)  Seit  1851  bis  1855  großbritannischer 
BoN.  hafter  in  Wien,  von  da  an  im  Buhestande,  starb  er  am  1»V.  October  1859. 

Seine  Majestät  LEOPOLD  I..  Georg  Christian.  König  der  Belgier.  Inhaber  des 
Infanterie-Regiments  Nr.  27.  ;gi  in  den  Jahren  1813  bis  1814. 

Näheres:  Abth.  11.  S.  1314.  i  Gestorben  am  10.  December  1865  zu  Laeken. 

SF.AToN  Lord,  vordem  John  Colborne.  grotfbr.  General,  tgi  Waterloo  1815. 
Näheres;  Abth.  II.  S.  LJH».  ■  Gestorben  im  April  1863  zu  Tonjuai. 


'<  1    H' Lr>  tl  !  -  t'rimeii  A  I   \  .i toi e  r  v<m  Hes-en.  welcher  im  Kriege  Ö.«tenvioh*  geg«n 
KmiiLr-ich  ui;<;  IVü.  ail  in  "i  J.ihie  1*V.<  aJ-  t.  k.  rVMmarsch.dl -I.ieutenaut  eine  llivuion 

•U-s  VII  C .rps  b-  ■  und  in  .!• :  Schlicht  W.  S.>:tVrin-<  an;  H.  Juni  das  Kitterkreiu  des  Mari.t 
l  iieresien-Urd  i.s  errui'g-::  halt-.  ?iehe  Nidere«  im  Abscluut'r :  .LLYIl  bis  (ILYIII  t'iüim>ti<»n.  — 
Im  Kriege  gegen  r  ra -.^reich  i:nd  FVmont  I - .  I'ult.  n  im  Jahr*  lv.y-. 


Digitized  by  Google 


Statu»  de*  Ordens  am  Tage  der  ersten  SAcular-Feier. 


45 


WOODFORI)  Alexander  Sir,  kön.  großbr.  General,  igt  Waterloo  1815. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1319.)  Als  FM.  geworben  am  26  August  1870. 

KOSTITZ  August  Ludwig  Ferdinand  Graf  von,  kön.  preußischer  GdC,  egt 
hei  Ligny  1815. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1320.)  Gestorben  am  28.  Mai  1866  aut  seinem  Gute 
Zobten  bei  Löwenberg. 

STRAFFORl)  Lord,  vordem  John  BYNG,  kön.  großbr.  Fcldmarschall,  tgt  bei 
Waterloo  1815. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1320.)  Gestorben  am  3.  Juni  1860. 

CLIFTON  Arthur  Benjamin  Sir,  kön.  großbr.  GL.,  igt  bei  Waterloo  1815. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1320.)  Gestorben  am  «J.  März  1869. 

NA  PIER  Charles  Sir,  kön.  großbr.  Vice-Admiral,  igt  bei  Saida  1840. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1340.)  Gestorben  am  6.  November  1860  zu  M ri- 
eh iston. 

CONSTANTIN  Nikolajewitsch,  Großfürst  von  Russland.  kais.  Hoheit,  Inhaber 
des  Infanterie-Regiments  Nr.  18,  tgt  im  Jahre  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1725.)  Lebt  in  St.  Petersburg  als  Admiral. 

*  PANIUTINK  Nikolaus  von,  russ.  kais.  Gdl.,  Genend -Adjutant,  igt  im 
Jahre  1849. 

(Näheres:  Abth.  II,  S.  1725  bis  1726.)  Er  starb  im  Jahre  1867. 

G ROTE NHJ ELM  von,  kais.  russ.  GL.,  tgt  im  Jahre  1849. 
(Näheres:  Abth.  II,  S.  1726.)  Er  starb  im  Jahre  1867. 

Dies  die  imposante  Schar  von  Ordensmitgliedern  der  eigenen  Armee  wie 
fremder  Heere,  die  am  Tage  der  ersten  Säcular-Feier  des  Orde-ns  dessen  Status 
bildeten.  Der  weitaus  überwiegende  Theil  der  Mitglieder  wohnte,  wie  aus  dem 
Vorstehenden  ersichtlich,  den  glanzvollen  Festlichkeiten  in  Person  bei.  Dass 
jedoch  diese  Säcular-Feier  kein  bloßes  militärisches  Schaugepränge  war,  sondern 
eine  wahrhafte  Musterung  des  Maria  Theresien-Ordens  bildete,  bei  welcher  sich 
der  ungesproehene  Schwur  der  Tapferkeit  und  Klugheit  nicht  bloß  seitens  der 
Maria  Theresien-Ritter,  sondern  im  Geiste  der  gesainmten  Armee  thatenzeugend 
wieder  erneuerte,  davon  gaben  die  Kämpfe  in  den  bald  nachgefolgten  Stürmen, 
welche  die  Monarchie  zu  bestehen  halte,  selbstredendes  Zeugnis. 


Digitized  by  Google 


4«i 


Der  MiliUkri.-clie  Maria  Thvrt^ien-Onlcu  von  17Ö7  bis  18*.iO. 


CLVIU.  bis  CLXX.  Promotion  des  Maria  Theresien-Ordens  in  den 

Kämpfen  von  1859  bis  1878. 

Wie  in  allen  früheren  Kriegs-Perioden  seit  der  Gründung  übte  der  Genius 
des  Maria  Theresien-Ordens  auch  in  den  Kriegen  und  Kämpfen  der  Monarchie  von 
lSö'.l  Iiis  IS7S  mächtigen  Einfluss.  Insbesondere  in  den  beiden  unglücklichen 
Kriegen  von  lS-VJ  und  18oo\  in  welchen  die  Monarchie,  gleichwie  schon  mehrcre- 
male  zuvor,  neuerdings  isoliert  gegen  verbündete  und  übermächtige  Feinde  um  ihre 
Existenz  zu  ringen  hatte,  waren  es  Maria  Thcresien-Ritter.  die  durch  ihre  Thaten 
den  Salzungen  des  Ordens  gemäß  wesentlich  dazu  beitrugen,  die  nachtheiligen 
Folgen  des  so  ungleichen  Kampfes  für  die  Monarchie  nach  Menschenmöglichkeit 
einzuschränken,  dem  Kriegsunglück  Einhalt  zu  thuu.  das  Verderben  vom  Vater- 
lande abzuwenden. 

Wie  aus  den  nachfolgenden  Abschnitteu  dieser  III.  Abtheilung  der  Ordeiis- 
gesehiehte  des  Weiteren  hervorgehen  wird,  schwangen  sich  von  den  voran- 
geführten Maria  Theresien-Rittern  in  den  der  ersten  Säcular-Feier  nachgefolgten 
Kämpfen  in  höhere  ('lassen  des  Maria  Theresien-Ordens  empor,  und  zwar: 

Kraft  Promotion  C.LYlll  im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Pumont  in  Italien 
im  Jahre  185'J: 

BESEDEK.  Ludwig  lütter  von.  als  FML.  bei  Solferiuo  am  24.  Juni  vom  Ritler  zum 
Commandeur. 

Kraft  Promotion  CLXI  im  Kriege  in  Schleswig  und  Jütland  im  Jahre  1804: 

GABLENZ.  Freiherr  vi.m.  als  FML.  bei  Oevvrsre  am  o.  Februar  vom  Ritter  zum 
Commandeur. 

Kralt  Promotion  CLXVi  im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre 

lSf>0: 

ALBKKCHT.  Erzherzog,  k.  k.  Hoheit,  als  FM.  bei  Custozza  am  21.  Juni  vom  Com- 
mandeur zum  Gn »Bkreuz. 

MARJWV\  Freiherr  von.  als  FML.  für  Custozza  am  21.  Juni  vom  Ritter  zum  Com- 
mandeur. 

•I'dlN.  Freiherr  von.  als  GM.  für  Cu-tozz.i  ;un  2C  Juni  vom  Ritter  ziuu  Com- 
mandeur. 

Kl  "HS.  Freiherr  von.  ;■!-  GM.  für  die  Vertheid  immg  Tirol-  vom  Ritter  zum  Com- 
mandeur. 

Außerdem  erstanden  in  den  Kämpfen  \  < mi  IvWm«  1s7>  dein  Maria  Theresieu- 
Ofden  2  neue  Com  man  den  r.-  und  :iö  n-ue  Ritter  •  Au-Mtidt  \  ungerechnet!  So 
wurden  summt  den  in  höhen.-  CU-s-r:  Emporsteigend»-!]  in  den  der  ersten  Sacular- 
Feier  nachfolgenden  Promotionen  an  Inländern  promovier:,  und  zwar: 

Digitized  by  Google 


Zweiter  SUluteuNachtrag  vom  Jahre  1878. 


47 


kraft  Promotion  CLVIII  und  CL1X  im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Pie- 
niont  in  Italien  im  Jahre  1859:  1  Comntandeur  und  15  Ritter; 

krall  Promotion  CLXI  im  Kriege  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  Jüt- 
land  im  Jahre  1864:  1  Commandeur  und  1  Ritter; 

kraft  Promotion  GLXIV  bis  CLXVHI  im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien 
im  Jahre  1866:  1  Großkreuz,  4  Gommandeure  und  15  Ritter: 

kraft  Promotion  GLXX  anlasslich  der  Kämpfe  in  Süd-Dalmatii'ii  im  Jahre 
1861):  1  Ritter,  sodann  bei  den  Kämpfen  in  Bosnien-Hercegovina  im  Jahre  1878: 
1  Commandeur  und  3  Ritter;  —  im  ganzen  an  Inländern  seit  1851)  bis  1878: 

1  Uroßkreuz,  7  Gommandeure,  35  Ritter. 

Überdies  wurden  an  Ausländern,  und  /war  kraft  Promotion  CLX  im 
Jahre  1860  4  Ritter:  —  kraft  Promotion  CLXH  und  CLXU1  im  Jahre  1864 

2  Gommandeure  und  3  Ritter;  —  kraft  Promotion  CLXIV  bis  CLXVIII  im 
Jahre  1866  1  Commandeur  und  2  Ritter;  —  kraft  Promotion  CLXIX  im 
Jahre  1875  1  Ritter;  —  im  ganzen  an  Ausländem  seit  1860  bis  1S75: 

3  Gommandeure,  10  Ritter  promoviert. 


Zweiter  Statuten-Nachtrag  vom  Jahre  1878. 

Im  Jahre  1878,  am  21.  October,  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  die  von  weiland  Seiner  Majestät  Kaiser  Franz  im  Jahre  1810  am 
12.  December  zu  den  Ordenstatuten  erlassene  erläuternde  Nachtrags- Verordnung 
nach  achtundsechzigjähriger  Geltung  außer  Kraft  ?.u  setzen  und  an  deren  Stelle 
unter  Aufrechthaltung  der  alteu  Theresianisi  hen  Statuten,  in  Erläuterung  und 
Ergänzung  der  letzteren,  eine  neue  Allerhöchste  Nachtrags- Verordnung  zu 
erlassen,  um  hierdurch  eine  —  sowohl  den  Absichten  der  erlauchten  Stifterin,  als 
auch  den  in  Bezug  auf  Beurtheilung  militärischer  Leistungen  inzwischen  wesent- 
lich geänderten  Verhältnissen  —  entsprechende  Auffassung  und  Auslegung  der 
Ordensstatuten  seitens  der  Ordenscapitel  zu  erzielen. 

Durch  diesen  Statuten-Nachtrag,  dessen  Aufnahme  als  Anhang  zum  Dienst- 
Reglement  gleichzeitig  Allerhöchst  angeordnet  ward,  wurden  gewisse  Grundsätze 
in  Bezug  auf  die  Beschaffenheit  der  ordenswürdigen  Thalen  und  die  Geltend- 
machung der  Anspruchsberechligung  in  klarer,  bestimmter  Weise  festgestellt. 

Ferner  wurden  auch  die  Pensionen  erhöht,  und  zwar  für 
6  Großkreuze  .  .  .  .  ä  3000  fl.  =  18.000  tl.  j 
16  Commandeurs    .  .  ä  1500  fl.  =  21,000  ,  f 

100  Ritter  ä   800  II.  =  80.000  „  (  lo*,CU 

50  Ritter  ä  600  fl.  =  30.000  „  * 

Zu  dieser  erheblichen  Erhöhung  der  Pensionen  trat  noch  die  zu  liunsten  der 
ganz  elternlos  zurückbleibenden  Waisen  der  Ordensmitglieder  erlassene 
hochherzige  Begünstigung,  dass  jene  Pension,  welche  der  Witwe  statutenmäßig 
gebürte,  an  solche  Waisen  bis  zur  Vollstreckung  des  18.  Lehensjahres  überzu- 
gehen habe. 


Digitized  by  Google 


IS 


Der  Militärische  Maria  TliorcMen  Urdi  n  von  1757  bis  1890. 


Dritter  Statuten-Nachtrag  vom  Jahre  1886. 

Weilers  geruhten  Seine  Majestät  durch  das  folgende  Nachtrags-Statut  vom 
II.  Februar  188G  einen  erneuerten  Beweis  AUerhöchstdessen  steter  Obsorge  zu 
geben,  den  Orden  zu  ehren: 

.NACHTRAGS-STATUT. 

Wir  FRANZ  JOSKPH  I.  von  Gottes  Gnaden  Kaiser  von  Österreich,  König  von 
Böhmen  u.  s.  w.  und  Apostolischer  König  von  Ungarn. 

Nachdem  Unser  erlauchter  Herr  Sohn,  Kronprinz  Erzherzog  Hudolph. 
als  l'rotector  des  Heeres-Museums  aus  anerkennenswertem,  patriotischem 
Gefühle  und  Sympathie  für  die  kaiserliehe  Armee  den  Wunsch  ausgesprochen 
hat,  dass  in  Hinkunft  die  Ordenszeichen  verstorbener  Mitglieder  des  Maria 
Theresieu-Ordens  nicht  wie  bisher  ;m  die  Ordenskanzlei  zu  weiterer  Verwendung 
zurückgestellt,  sondern  in  dem  lleeres-Museum  in  würdiger  Weise  aufbewahrt 
werden  sollen,  und  Wir  diesem  Wunsche  Unsere  Genehmigung  zu  ertheilen 
befunden  haben,  so  wird  diese  eine  Abänderung  der  Ordensstatuten  bedingende 
Bestimmung  hiemit  angeordnet  und  hat  die  Ordenskanzlei  sich  darnach  zu 
verhalten. 

Wien,  am  11.  Februar  1886. 

Franz  Joseph  m.  p. 

Friedrich  Ferdinand  Graf  Beust  m.  p. 

Auf  Seiner  kaiserl.  und  künigl.  Apostolischen  Majestät 
Allerhöchst  eigenen  Befehl 

Franz  Freiherr  v.  Mensshengen  m.  p.* 

Infolge  dieser  Verordnung   und  einer  nachgefolgten  Allerhöchsten  Ent- 
schließung vom  21.  Decemher  1889.  wurden  bis  zum  Abschlüsse  dieser  UI.  Ab- 
theilung der  Ordeusgeschiehte 
7  Großkreuze, 
37  Commandeurkreuze, 
289  Bitterkreuze 

der  Promotionen  IX  bis  CLXX  :tus  den  Kriegsjuhren  17l»'!  bis  1878,  mit  dem 
Nationale  ihrer  letzten  verstorbenen  Besitzer  bezeichnet,  in  dem  der  öffentlichen 
Besichtigung  zugänglichen  Heeres-Museum  zu  Wien  in  würdiger  Weise  ausgestellt. 


Digitized  by  Google 


Kanzler  und  Schatzmeister  de*  Orden.-. 


—  Enthüllung  des  Maria  Theresieu  Denkmals. 


49 


Kanzler  und  Schatzmeister  des  Ordens. 

Sott  der  Stiftung  des  Ordens  zählt  derselbe  bei  Abschluss  der  vorliegenden 
III.  Abtheilung  der  Ordensgeschichte  sechs  Ordenskanzler  und  sechs  Ordens- 
schatzmeister. Als  der  Letzte  der  Ordenskanzler  wurde  am  4.  November  1886 
der  Ordenscommandeur  FZM.  Franz  Freiherr  Kuhn  von  Kuhnen feld,  als  der 
Letzte  der  Ordensschatzmeister  am  27.  December  1887  der  Ordensritter  FML. 
Ludwig  Freiherr  von  Pielsticker  durch  Seine  Majestät  den  Kaiser  und 
Erhabenen  Großmeister  beruf«  n. 

Die  vollständige  Reihe  der  seit  der  Stiftung  bisher  in  Function  gestandenen 
Ordenskanzler  und  Ordensschatzmeister  stellt  sich  nachfolgend  dar,  und  zwar: 

ORDENS-KANZLER: 

KAUNITZ-RlETBERG,  Fürst,  1757  bis  1794. 
LACY,  Graf,  FM.,  1794  bis  1801. 
METTERNICH,  Fürst  Clemens,  1813  bis  1859. 
WRATISLAV,  Graf,  FM.,  1862  bis  1867. 
BEUST,  Graf,  1870  bis  1886. 
KUHN,  Freiherr  von,  FZM.,  seit  1886. 

ORDEN  S-SCHATZ  MEISTER : 

COLLENBACn,  Freiherr  von,  Hofrath,  1757  bis  1790. 
SPIELMANN,  Freiherr  von,  Hofrath,  1790  bis  1813. 
HUDELIST,  Freiherr  von,  Staatsrat^  1814  bis  1818. 
BRENNER,  von,  Hofrath,  1826  bis  1849. 
MENSSHENGEN,  Freiherr  von.  Hofrath,  1849  bis  1887. 
PIELSTICKER,  Freiherr  von,  FML.,  seit  1887. 

Wie  aus  den  Lücken  der  vorstehenden  Daten  zu  ersehen,  blieb  der  Posten 
des  Ordenskanzlers  von  1801  bis  1813.  jener  des  Ordensschatzmeisters  von 
1818  bis  1826  unbesetzt,  doch  wurden  die  Functionen  des  Letzteren  während  der 
Vacanz  von  dem  Ordensgreffier  Hofrath  Frh.  von  Lebzeltern  versehen. 

Enthüllung  des  Maria  Theresien-Denkmals. 

Zu  den  denkwürdigsten  Ereignissen  in  den  Annalen  des  Ordens  zählt,  wie 
schon  eingangs  im  Vorwort  hervorgehoben  wurde,  die  Errichtung  des  Maria 
Theresien-Denkmals,  welches  in  den  Heldengestalten  der  fünf  ältesten  Ritter  des 
Maria  Theresien-Ordens  diesen  selbst  mit  verewigt.  Die  Weihe  und  Enthüllung  des 
Denkmals  vollzog  sich  am  Sonntage  des  13.  Mai  1888  nach  1  Uhr  mittags,  bei 
herrlichstem  Frühjahrswetter,  unter  großartigem  Gepränge  in  feierlichster  Weise, 
als  wahres  Kaiser-  und  Reichsfest  zugleich. 

In  Anwesenheit  Ihrer  Majestäten  des  Kaisers  Franz  Joseph  I.  und  der 
Kaiserin  Elisabeth,  sowie  des  gesammten  Allerhöchsten  Kaiserhauses, 

Ma,Uri.eh.r  Maria  There.i.o-Ord«.  4 


Digitized  by  Google 


50 


Der  Mil.Umche  Maria  Theresiea-Orden  von  1757  bis  1890. 


der  obersten  Hofwördenträger,  der  beiderseitigen  Reichsvertretungen,  der  höchsten 
geistlichen,  Civil-  und  Militär-Autoritäten  der  Monarchie,  fast  sämmtlicher  Maria 
Theresien-Ritter*),  der  k.  und  k.  Garden,  der  en  parade  ausgerückten  Truppen, 
sowie  des  Officiers-Corps  der  Garnisonen  von  Wien  und  aus  dem  Reiche,  der 
Wiener-Neustädter  Militär-Akademie,  sämmtlicher  anderen  durch  Maria  Theresiii 
ins  Leben  gerufenen  Institute,  der  nach  Tausenden  und  aber  Tausenden  zählenden 
Elite  der  Gesellschaft,  endlich  einer  unabsehbaren  Volksmenge:  mit  einem  Worte 
angesichts  der  Sendbotschaft  von  ganz  Österreich-Ungarn  gieng  die  Enthüllungs- 
feier  vor  sich,  unter  dem  Donner  der  Geschütze,  unter  dem  Geläute  sämmtlicher 
Glocken  der  Residenz,  unter  unermesslichein  Jubel  des  Volkes. 

Nachdem  der  Cardinal  Fürsterzbischof  von  Wien  die  kirchliche  Weihe 
vollzogen  und  nach  abgesungenem  Tedeum  stimmte  der  Wiener  Männer- 
Gesangsverein  folgende,  von  Joseph  Ritter  von  Weilen  gedichtete  und  von 
Eduard  Kremser  in  Musik  gesetzte  Festhymne  an: 

Edelste  der  Habsburgsprossen, 
Klar  im  Geiste,  thatentschlossen, 
Und  voll  zartem  Frauensinn. 
Wohin  auch  die  Blicke  neiden, 
Nirgend  sah  man  Deinesgleichen, 
Ruhmgekrönte  Kaiserin! 

Rings  umdränget  von  Gefahren, 
Ruft  sie,  Reich  und  Recht  zu  wahren, 
Land  und  Volk  zum  Widerstand. 
Ostreich  kühn  sein  Banner  schwinget 
Und  ein  freud'ger  Kriegsruf  klingi  t 
Durch  das  treue  Ungarland. 

Kaum  der  lange  Krieg  beendet, 
Friedenswerken  zugewendet, 
Herrscht  voll  Weisheit  sie  und  Kraft ; 
Volkeswohl  ihr  Herz  durchglühet, 
Unter  ihrem  Scepler  blühet 
Kunst  empor  und  Wissenschaft. 

Ewig  soll  dies  Denkmal  ragen 
Ihr  zum  Ruhm,  und  künftigen  Tagen 
Sei  es  stets  ein  Mahnungsruf: 
An  die  Herrlichste  der  Frauen, 
Die  voll  Math  und  Gottvertrauen 
Uns  ein  Reich,  ein  starkes,  achut. 

Als  die  Festhymne  verklungen,  besichtigten  unter  deren  weihevollem, 
erhebendem  Eindrucke  Ihre  Majestäten,  von  dem  gesammton  Kaiserhaus 
gefolgt,  das  im  Sonnenglanze  erstrahlende  Standbild  der  glorreichen  Altermutter 

•)  Siehe:  .Status  des  Maria  Theresien-Ordens  am  Tage  der  Enthüllung  des  Maria  Theresien' 
Denkmals*  mm  Schlüsse  des  Werkes  im  .Anhange*,  Seite  497  bis  +99. 


Digitized  by  Google 


Enthüllung  des  Maria  Theresien-Denkmals. 


51 


in  feierlichem  Rundgange  um  dasselbe.  Dabei  zeichnete  der  Monarch  durch 
huldvolle  Ansprachen  die  auf  dem  Ehrenplatze  nächst  des  Denkmals  versammelten 
Nachkommen  der  durch  dasselbe  mitverewigten  Persönlichkeiten  aus.  Des- 
gleichen geruhte  Seine  Majestät  an  die  zur  Feier  befohlenen  Mitglieder  des 
Maria  Theresien-Ordens  huldreiche  Worte  zu  richten. 

Den  festlichen  Tag  schloss  im  Hof-Opernhause  ein  thfdtre  pari,  wobei  das 
Festspiel  „Im  Feldlager4,  Militär-Scenen  mit  Volks-  und  Kriegsliedern  aus  dem 
XVIII.  Jahrhundert  darstellend,  zur  Aufführung  gelangte,  welchem  Seine  Majestät 
der  Kaiser  mit  den  Mitgliedern  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses  und  die  meisten 
hohen  Theilnehmer  an  der  Enthüllungsfeier,  darunter  auch  die  Maria  Theresien- 
Ritter  beiwohnten. 

Die  Errichtung  des  Maria  Theresien-Denkmals  hatte  aber  für  den 
Maria  Theresien-Orden  außer  der  höchsten  Auszeichnung,  die  ihm  durch  die 
Milverewigung  der  fünf  ältesten  seiner  ruhmreichen  Mitglieder  am  Denkmal  selbst 
zutheil  wurde,  auch  noch  andere  dauernde  Beweise  der  Allerhöchsten  Huld  und 
Gnade  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Franz  joseph  I.  im  Gefolge. 

Um  den  weihevollen  Tag  der  Enthüllung  des  Maria  Theresien-Denkmals, 
welchen  der  Oberste  Kriegsherr  als  einen  Ehrentag  der  gesammten  Wehrmacht 
erklärte,  für  dieselbe  zu  einem  ewig  denkwürdigen  zu  gestalten,  und  in  der  Absicht, 
das  Andenken  Seiner  Ahnen,  sowie  der  hervorragendsten  Heerführer  und  Kriegs- 
männer des  Vaterlandes  in  der  Armee  wach  zu  erhalten  und  zu  ehren,  geruhte 
Seine  Majestät  der  Kaiser  am  Tage  der  Denkmals-Enthüllung  mittels  Aller- 
höchsten Armee-Befehls  anzuordnen,  dass  eine  Reihe  von  Regimentern 
für  immerwährende  Zeiten  Namen  erlauchter  Ahnen  Seiner  Majestät, 
sodann  Namen  der  hervorragendsten  Heerführer  und  Kriegsmänner 
zu  führen  habe. 

Nachfolgende  Regimenter  sind  es  nun,  welche  fortan  Allerhöchste  Namen 
erlauchter  Vorgänger  des  erhabenen  regierenden  Monarchen,  und  damit  zugleich 
der  glorreichen  STIFTERFN,  sowie  der,  dem  Gemal  Maria  Theresias,  Seiner  Majestät 
dem  Kaiser  FRANZ,  nachgefolgten  GROSZMEISTER  des  Ordens  für  immerwährende 
Zeiten  zu  führen  haben: 

Kaiserin  und  Königin  Maria  Theresia  Infanterie-Regiment  Nr.  32 ; 

KAISER  JOSEPH  IL  Uhlanen-Regiment  Nr.  6; 
KAISER  LEOPOLD  II.  Infanterie-Regiment  Nr.  33; 
KAISER  FRANZ  Dragoner-Regiment  Nr.  1 ; 
KAISER  FERDINAND  Dragoner-Regiment  Nr.  4. 

Und  unter  denjenigen  Regimentern,  welche  fortan  Namen  der  hervorragend- 
sten Heerführer  und  Kriegsmanner  zu  tragen  haben,  sind  es  nachfolgende  10  Regi- 
menter, welche  die  ruhmreichen  Namen  der  bereits  durch  das  Maria  Theresien- 

4* 


Digitized  by  Google 


52  Her  Militärische  Maria  Theresen- Orden  von  1757  bis  1890. 

Denkmal  verewigten  fünf,  sodann  weiterer  fünf  der  ältesten  und  verdienstvollsten 

Maria  Theresien-Ritter  für  immerwährende  Zeiten  erhielten: 

General  -  Lieutenant  und  Feldmarschall  Carl  V.  Leopold  Herzog  von 
LOTHRINGEN  und  BAR  Dragoner-Regiment  Nr.  7.  (tgt  GK.  Schlacht  bei 
Breslau,  am  22.  November  1757.  Näheres:  Abth.  I,  S.  32  bis  33.) 

Feldmarschall  Leopold  Joseph  Maria  Graf  DAUN,  Fürst  von  Thiano  Infanterie- 
Regiment  Nr.  56.       GK.  Siehe  Vorwort  und  Abth.  I,  S.  33  bis  37.) 

Feldmaischall  Franz  Leopold  Graf  NADASDY  auf  Fogaras  Husaren-Regiment  Nr.  9. 

(igt  GK.  Siehe  Vorwort  und  Abth.  I,  S.  37  bis  39.) 
Feldmarschall  Andreas  Graf  HADIK  von  Futak  Husaren-Regiment  Nr.  3.  (igt  GK. 

Siehe  Vorwort  und  Abth.  I,  S.  39  bis  41.) 

Feldmarschall  Gideon  Ernst  Freiherr  von  LOVDON  Infanterie-Regiment  Nr.  29. 

(igt  GK.  Siehe  Vorwort  und  Abth.  I,  S.  48  bis  57.) 
Feldmarschall  Franz  Moriz  Graf  von  I.ACY  Infanterie -Regiment  Nr.  22.  (igt  GK. 

Siehe  Vorwort  und  Abth.  I,  S.  60  bis  62.) 
Feldmarschall  Carl  Joseph  Graf  CLERFAYT  DE  CllOIX  Infanterie-Regiment  Nr.  9. 

(igt  C.  bei  Mebadia  am  27.  August  1789;  ig:  GK.  bei  Kalefat  am  26.  Juni  1790. 

-  Näheres:  Abth.  I,  S.  284  bis  287.) 

Feldzeugmeister  Paul  Freiherr  KRAY  DE  KRAJOVA  ET  TOPOLYA  Infanterie- 
Regiment  Nr.  67.  (igt  bei  Porcseny,  am  10.  Mai  1788;  tgt  C.Treffen  Courtray 
und  Menin  am  15.  September  1793.  —  Näheres:  Abth.  I,  S.  407  bis  411.) 

Feldmarschall  Friedrich  Josias  Prinz  zu  SACHSEN-COBURG-SAALFKLI)  Infanterie- 
Regiment  Nr.  57.  (igt  GK.  Schlacht  bei  Fokschan  am  1.  August  1789.  — 
Näheres:  Abth.  I,  Seite  245  bis  250.) 

Feldmarschall  Johannes  Joseph  Fürst  von  LIECHTENSTEIN  Dragoner- Regiment 
Nr.  10.  (igt  als  Oberstlicutenant  bei  Czettin  am  20.  Juli  1790;  igt  C.  als  GM. 
Schlacht  bei  Würzburg  am  1.  bis  3.  September  1796;  igt  GK.  als  GM., 
Schlacht  an  der  Trebia  am  17.  bis  19.  Juni  1799.  —  Näheres:  Abth.  I, 
S.  570  bis  576.) 

Diese  vorstehenden  10  Regimenter  gesellen  sich  nun  zu  jenen  7  nach- 
folgenden, welche  bereits  vor  Enthüllung  des  Maria  Theresien-Denkmals  die 
ruhmvollen  Namen  hervorragender  inländischen  Maria  Theresien-Ritter  für  immer- 
währende Zeiten  erhalten  hatten: 

Feldmarschall  Erzherzog  CARL  Infanterie-Regiment  Nr.  3; 
Feldmarschall  Erzherzog  CARL  Uhlanen-Regiment  Nr.  3; 

Feldmarschall  Carl  Philipp  Fürst  zu  SCHWARZENBERG  Uhlanen-Regiment  Nr.  2 : 
Feldmarschall  Joseph  Graf  RADETZKY  VON  RADETZ  Husaren-Regiment  Nr.  5; 
Feldmarschall  Alfred  Fürst  zu  WjNDISCHGRATZ  Dragoner-Regiment  Nr.  14; 
Feldzeugmeister  Joseph  Gral*  J ELLA CI<5  de  Buzim  Infanterie-Regiment  Nr.  79; 
Feldmarschall  Heinrich  Freiherr  von  IlESS  Infanterie-Regiment  Nr.  49. 


Digitized  by  Google 


Enthüllung  de«  Maria  Theresien-Denkmals. 


So  erhalten  nunmehr  außer  jenen  Regimentern,  welche  die  Namen  der 
glorreichen  Stifterin  des  Ordens,  sowie  anderer  erlauchten  Herrscher  Österreichs 
und  zugleich  Erhabenen  Großmeister  zu  führen  haben,  nunmehr  bereits 
17  Regimenter  das  Andenken  an  hervorragende  Heerführer,  die  zugleich  Maria 
Thcresien-Ritter  waren,  in  der  Armee  unvergesslich  wach,  —  gleichsam 
geistige  Denkmale,  durch  welche  die  erhabenen  Herrscher  und  zuletzt  Seine 
Majestät  Kaiser  und  König  Franz  Joseph  1.  den  Maria  Theresien-Orden  für 
immerwährende  Zeiten  mit  zu  ehren  geruhten. 

Die  höchste  aller  Auszeichnungen  wurde  aber  dem  Orden  durch  jene  monu- 
mentale Mitverewigung  der  ältesten  fünf  seiner  Ritter  auf  dem  Denkmal  Marin 
Theresias  zutheil,  welche  nunmehr  in  historisch  getreuen  Erzgestalten  inmitten 
des  Volkes  und  seiner  nachkommenden  Geschlechter  unvergänglich  fortleben. 

Möge  hiebei  ehrend  gedacht  sein  des  Künstler-Schöpfers  des  herrlichen 
Denkmals,  des  Bildhauers  Professors  Caspar  Ritter  von  Zumbusch,  des  Mitschöpfers 
Architekten  Freiherrn  von  Hasen auer,  dann  des  Hofhistoriographen  Hofraths 
Alfred  Ritter  von  Arneth,  wie  überhaupt  der  gesammten  Denkmals-Com- 
nüssion,  welche  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  zur  Verwirklichung  Aller- 
höchstseiner erhabenen  und  großherzigen  Intentionen  berufen  war. 

Die  Errichtung  des  Maria  Theresien-Denkmals  ward  außerdem  zum  Anlass 
eines  neuen  huldreichen  Beweises  Allerhöchster  Fürsorge  des  Erhabenen  Groß- 
meisters für  das  Wohl  des  Ordens,  beziehentlich  seiner  Mitglieder  und  deren 
Nachkommen,  indem  seine  Majestät  der  Kaiser  über  Antrag  des  Ordenskanzlers 
zur  dankbaren  Erinnerung  an  die  erhabene  Stifterin  allergnädigst  zu  bewilligen 
geruhte,  dass  vier  Maria  Theresien-Ordens-Stiftsplätze  für  Söhne  und  Töchter  der 
Ordensmitglieder  in  Militär-  (Marine-)  Krziehungs-  und  Bildungs-Anstalten  aus 
verfügbaren  Ordensmitteln  gestiftet  und  gleich  mit  Beginn  des  Schuljahres  1888/89 
besetzt  wurden. 

Endlich  gab  die  Enthüllung  des  Maria  Theresien-Denkmals,  wie  bereits 
eingangs  im  Vorworte  des  näheren  dargelegt  wurde,  den  Anstoß  zur  Vervollstän- 
digung der  Ordensgeschichte  durch  deren  vorliegende  neue,  selbständige  Folge 
und  zugleich  III.  Abtheilung,  welche  auf  nachfolgenden  Blättern  die  Lebensläufe 
undTliaten  der  Ritter  aus  den  Promotionen  CLVII1  bis  CLXX  in  den  Kriegen  und 
Kämpfen  von  1859  bis  1878  verzeichnet  und  diese  Tapferen  und  Klugen  der  jüngsten 
Vergangenheit,  auch  im  Bilde  um  Maria  Theresia  geschart,  der  Mit-  und  Nachwelt 
überliefert. 


Digitized  by  Google 


54 


CLVI1I.  und  CLIX.  Promotion. 


CLVIII.  und  CLIX.  Promotion. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859. 

Gleichwie  in  den  Jahren  1848  und  1849  sah  sich  die  Monarchie  auch  im 
Jahre  1859  genöthigt.  den  von  Piemont  fortgesetzt  ausgehenden  Anfeindungen 
unbestreitbarer  Rechte  des  Allerhöchsten  Herrscherhauses,  wie  auch  der  Bedro- 
hung der  Integrität  Österreichs  entgegenzutreten.  Piemont  unternahm  es  aber 
diesmal  nicht  mehr,  bloß  mit  eigenen  Kräften  Österreich  herauszufordern.  Unter 
dem  Drucke  der  italienischen  Revolutionspartei  kam  ein  Bündnis  zwischen  dem 
Könige  Victor  Emanuel  und  dem  Kaiser  Napoleon  III.  zustande.  Abtrennung 
der  Lombardie  und  Venetiens  von  der  Monarchie,  Verdrängung  der  Herrschaft 
und  jedweden  Einflusses  Österreichs  aus  Italien  :  dies  galt  als  nächstes  offen- 
kundiges Ziel  der  Verbündeten.  So  hatte  Österreich  diesmal  gegen  zwei  Gegner 
anzukämpfen.  Dabei  ergab  sich  aber  aus  dem  Bündnisse  Piemonts  mit  Frankreich 
schon  vor  Beginn  des  Krieges  auch  noch  der  schwerwiegende  Nachtheil  für 
Österreich,  dass  es  als  Mitglied  des  Deutschen  Bundes  darauf  Bedacht  zu  nehmen 
hatte,  den  französischen  Streitkräften  nicht  allein  in  Italien,  sondern  auch  am 
Rhein  entgegentreten  und  die  für  diese  Eventualität  erforderlichen  Streitkräfte 
bereit  halten  zu  müssen.  Dieser  Umstand  und  die  Notwendigkeit,  die  italienischen 
festen  Plätze,  die  Küsten,  das  Innere  und  die  Ostgrenze  der  Monarchie  stark 
besetzt  zu  halten,  wirkten  zusammen,  dass  Österreich  bei  einem  effectiven  Kriegs- 
stande von  629.000  Mann  anfangs  etwa  nur  mit  dem  vierten  Theile  seiner  Streit- 
kräfte, nämlich  mit  100.000  Mann,  wovon  nicht  ganz  120.000  streitbaren  Standes, 
auf  dem  Kriegsschauplatze  erscheinen  konnte,  während  die  Verbündeten  gleich 
bei  Beginn  ihrer  Operationen  über  rund  180.000  Mann  verfügten.  Doch  auch  in 
den  Rüstungen  und  in  der  rechtzeitigen  Eröffnung  des  Krieges  sah  sich  Österreich 
durch  finanzielle  Schwierigkeiten  wie  nicht  minder  durch  diplomatische  Einflüsse 
derart  gehemmt,  dass  es  erst  angesichts  der  sich  vollziehenden  Vereinigung  der 
verbündeten  Streitkräfte  den  Krieg  eröffnen  konnte.  Mit  einem  Worte,  Österreich 
trat  unter  ungünstigen  politischen  wie  militärischen  Verhältnissen  in  diesen 
Kampf  ein. 

Den  Oberbefehl  über  die  feindlichen  verbündeten  Streitkräfte  führte 
Kaiser  Napoleon  III.,  wobei  unter  ihm  König  Victor  Emanuel  die  piemon- 
tesische  Armee  befehligte. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859. 


55 


Der  streitbare  Stand  der  Verbündeten  bei  Beginn  des  Feldzuges  betrug, 
und  zwar:  jener  der  französischen  Armee:  107.656  Mann,  9008  Pferde,  312 
Geschütze,  jener  der  sardinischen  Armee:  55.648  Mann,  3984  Reiter,  90  Geschütze, 
demnach  zusammen:  163.304  Mann,  12.992  Reiter  und  402  Geschütze. 

Die  französische  Armee  bestand  aus  der  kaiserlichen  Garde  unter  Renault 
de  Saint- Jean -d'Angely  und  5  Corps,  und  zwar  dem  1.  unter  Baraguey 
d'Hilliers,  dem  II.  unter  Mac  Mahon,  dem  III.  unter  Canrobert,  dem  IV.  unter 
Niel,  dem  V.  unter  Prinz  Napoleon. 

Die  sardinische  Armee  bestand  aus  5  Infanterie-Divisionen,  und  zwar: 
1.  Castelborgo,  2.  Fanti,  3.  Durando,  4.  Cialdini,  5.  Cucchiari,  aus  der 
Gavallerie-Division  Sambuy  und  den  Freischaren  unter  Garibaldi. 

Die  gegen  die  Verbündeten  aufgebotene  k.  k.  II.  Armee  stand  unter  Füh- 
rung des  FZM.  Franz  Grafen  Gyulai.  Als  Generalstabschef  fungierte  Oberst  Frh. 
von  Kuhn. 

Der  streitbare  Stand  der  Armee  belief  sich  bei  der  Eröffnung  der  Feindselig- 
keiten auf  106.631  Mann,  6068  Reiter  und  364  Geschütze. 

Diese  Armee  bestand  zu  jener  Zeit  aus  5  Armee-Corps,  und  zwar:  dem  11. 
unter  FML.  Eduard  Fürsten  Liechtenstein,  dem  III.  unter  FML.  Edmund  Fürsten 
Schwarzenberg,  dem  V.  unter  FML.  Grafen  Stadion,  dem  VII.  unter  FML.  Frh. 
von  Zobel,  dem  VIII.  unter  FML.  Ritter  von  Benedek,  ferner  der  Reserve-Caval- 
lerie-Division  unter  FML.  Grafen  Mensdorff  und  der  Armee-Geschütz-Reserve. 

Eine  selbständige  Reserve-Infanterie-Division  unter  FML.  Frh.  von  Urban 
mit  dem  streitbaren  Stande  von  11.573  Mann,  700  Reitern  und  20  Geschützen 
hatte  im  Rücken  der  Armee  Aufstände  im  Innern  des  Landes  hintanzuhalten. 

Die  k.  k.  Armee  überschritt  die  durch  den  Ticino  gebildete  Grenze  bei 
Pavia  am  29.  und  30.  April.  Sie  durchzog  in  drei  kurzen  Märschen  die  Lomellina 
bis  in  die  Linie  Robbio-Pieve  di  Cairo.  Als  nächstes  Operationsziel  galt,  die 
Piemontesen  zwischen  Alessandria  und  Casale  anzugreifen,  bevor  sich  mit 
ihnen  die  Franzosen  vereinigt  haben  würden. 

Schon  am  2.  Mai  gab  jedoch  das  Armee-Commando  diese  Offensiv-Operation 
auf,  weil  inzwischen  die  Vereinigung  der  Verbündeten  bei  Alessandria  ihren 
Anfang  genommen  hatte.  Nach  einer  Reihe  von  Demonstrationen,  welche  in  den 
Tagen  vom  3.  bis  5.  Mai  durch  verschiedene  Corps  gegen  Valenza,  Casale, 
Tortona  —  zum  Theil  durch  Wetterunbilden  behindert  —  ausgeführt  wurden, 
setzte  sich  die  k.  k.  Armee  über  Vercelli  gegen  die  Dora  Baltea  in  Bewegung. 

Doch  auch  diese  am  5.  Mai  begonnene  Operation  gelangte  nicht  zur  Durch- 
führung, weil  inzwischen  in  der  linken  Flanke  der  k.  k.  Armee  ein  großer  Theil 
der  französischen  Streitkräfte  seine  Vereinigung  mit  den  piemontesischen  bei 
Alessandria  vollendet  hatte. 

Die  k.  k.  Armee  bezog  daher  am  9. Mai  eine  Central-Stellung  in  der  Lomel- 
lina, in  welcher  sie  bis  zum  30.  Mai  verharrte,  um  die  Lombardie  sowohl  gegen 
einen  directen  feindlichen  Einbruch  zu  decken,  als  ein  eventuelles  Vorgehen  des 
Feindes  über  Piacenza  zu  flankieren. 


Digitized  by  Google 


56 


CLVI1I.  und  CLIX.  Promotion. 


Während  dieser  Zeit  wurden  Streifungen  und  Recognoscierungen  unternom- 
men, welche  ergaben,  dass  die  Verbündeten  ihre  Streitkräfte  auf  180.000  Mann 
und  400  Geschütze  gebracht  hatten. 

Die  k.  k.  Armee  hatte  inzwischen  eine  Verstärkung  erhalten.  In  der  zweiten 
Hälfte  Mai  traf  auf  dem  Kriegsschauplatze  das  IX.  Corps  unter  GdC.  Grafen 
Schaffgotsche  ein,  jedoch  mit  der  Bestimmung,  die  Stellung  von  Stradella 
besetzt  zu  halten. 

Am  20.  Mai  Heß  das  Armee-Commando  durch  ein  combiniertes  Corps  von 
5  Brigaden  in  der  Stärke  von  20.251  Mann,  1 164  Reitern  und  68  Geschützen 
unter  Commando  des  FML.  Grafen  Stadion  eine  scharfe  Recognoscierung 
am  rechten  Po-Ufer  von  Vaccarizza  nächst  Pavia  gegen  Voghera  ausführen.  Dieses 
Unternehmen  führte  zu  dem  Treffen  von  Monte  bei  lo,  aus  dessen  Verlauf  mit 
Sicherheit  auf  das  Vorhandensein  von  beträchtlichen  feindlichen  Streitkräften  bei 
Voghera  geschlossen  werden  konnte. 

Nach  dem  Treffen  von  Montebello  bewirkten  die  feindlichen  Streitkräfte 
einen  Klankenmarsch  von  der  Operationslinie  Alessandria-Piacenza  am  rechten 
auf  das  linke  Po-Ufer,  um  die  Operationslinie  Turin-Mailand  zu  gewinnen.  Diese 
Operation  vollzog  sich  in  der  Zeit  vom  26.  bis  31.  Mai  hinter  der  Sesia  unter  einer 
Reihe  von  beiderseitigen  Demonstrationen,  Recognoscierungen  und  Gefechten  ent- 
lang der  Sesia  bis  V  er  cell  i  aufwärts. 

Währenddem  drangen  auch  Garibaldi'sche  Freischaren,  welche  am  22.  bei 
Sesto  Calende  in  die  Lombardie  eingebrochen  waren,  unter  Gefechten  gegen 
FML.  Frh.  von  Urban  am  26.  bis  Varese  und  am  27.  bis  Como  vor,  wurden 
jedoch  am  30.  gegen  Laveno  abgedrängt. 

Am  30.  Mai  überschritt  die  piemontesische  Armee  die  Sesia  bei  Ver- 
celli  und  drängte  in  dem  Gefechte  vonPalestro  und  Vinzaglio  eine  auf 
dem  rechten  Flügel  der  k.  k.  Armee  stehende  Brigade  des  VII.  Corps  gegen  Robbio 
zurück. 

Am  31.  unternahm  FML.  Frh.  von  Zobel  mit  4  Brigaden  —  aus  dem  VII. 
und  II.  Corps  combiniert  —  einen  Gegenstoß  auf  Palestro,  musste  jedoch  vor 
der  feindlichen  Übermacht  ebenfalls  auf  Robbio  zurückweichen. 

Am  Tage  dieses  zweiten  Kampfes  bei  Palestro  überschritten  2  französische 
Corps  die  Sesia,  und  zwar  jenes  Canroberts  bei  Prarolo  in  der  Richtung  auf 
Palestro,  und  jenes  Mac  Mahons  bei  Vercelli  in  der  Richtung  auf  Cameriano. 

Während  so  die  Verbündelen  ihre  Kräfte  gegen  den  rechteu  Flügel  der  k.  k. 
Armee  auf  der  Linie  Turin  -  Mailand  vorschoben,  traf  das  k.  k.  I.  Armee-Corps 
unter  FML.  Grafen  Clam-Gallas  aus  Böhmen  staffelweise  auf  dem  Kriegsschau- 
platze ein.  Bis  1.  Juni  vermochten  jedoch  nur  2  Brigaden  des  Armee-Corps  zur 
Armee  zu  stoßen,  von  denen  die  Besatzung  im  Brückenkopf  bei  S.  Martino  ver- 
stärkt und  ein  Detachement  gegen  Turbigo  entsendet  wurde. 

Am  1.  Juni  überschritt  das  Gros  der  französischen  Armee  die  Sesia. 

Das  k.  k.  Armee-Commando  hatte  für  den  1.  Juni  einen  Vorstoß  gegen  Novara 
beabsichtigt.  AngesichU  der  feindlichen  Übermacht  unterblieb  derselbe  jedoch. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  18fi9. 


57 


Das  k.  k.  Heer  trat  vielmehr  am  2.  Juni  mittags  in  zwei  Golonnen  über  Vigevano 
und  Bereguardo  den  Rückmarsch  hinter  den  Ticino  an,  um  eventuell  vom 
linken  Ufer  aus  den  Verbündeten  den  Übergang  über  diesen  Fluss  zu  verwehren. 
Am  3.  Juni  abends  befand  sich  die  ganze  k.  k.  Armee  hinter  dem  Ticino  in  dem 
Räume  von  Bereguardo  bis  Magen ta  echelloniert. 

Schon  hatte  aber  auch  der  Gegner  die  Überschreitung  des  Ticino  begonnen. 
Während  die  k.  k.  Armee  im  Bogen  südwärts  des  Brückenkopfes  von  S.  Marti no 
den  Uferwechsel  vollzog  und  auf  dem  linken  Ufer  Aufstellung  zu  nehmen  eilte, 
überschritt  das  französische  Corps  Mac  Mahon  nordwärts  von  S.  Marti  no,  bei 
T  u  rb  i  go,  den  Fluss  und  drängte  von  dort  den  detachierten  äußersten  rechten  Flügel 
des  k.  k.  I.  Corps  gegen  Magenta  zurück. 

Auf  die  Nachricht,  dass  der  Feind  bei  Turbigo  den  Ticino  überschritten 
hatte,  räumten  die  Truppen  des  I.  Corps  in  der  Nacht  vom  3.  auf  den  4.  Juni  den 
Brückenkopf  von  S.  Marti  no.  Dabei  misslang  die  Sprengung  der  großen  Ticino- 
Brücke  bei  Boffalora.  Auf  derselben  überschritt  nun  der  Feind  am  4.  Juni  auch 
bei  S.  Martino-Ponte  nuovo  di  Magenta  den  Ticino.  Dies  und  die  weitere  Vor- 
rückung Mac  Maiions  von  Turbigo  führte  zu  der  Schlacht  bei  Magenta. 

Zunächst  trachteten  das  halbe  I.  und  das  II.  Corps  vor  Magenta  am  Naviglio 
grande  dem  Feinde  das  Festsetzen  auf  dem  östlichen  Ticino-Ufer  zu  verwehren. 
Nach  Zurückweisung  der  von  Turbigo  über  Cugiono  gegen  die  rechte  Flanke  dieser 
Heerestheile  vorgerückten  Spitze  des  französischen  Corps  Mac  Mahon  und  nach 
hartnäckigem  Kampfe  gegen  die  in  der  Front  am  Naviglio  grande  angreifende 
französische  Garde  wurde  das  Centruin  der  Naviglio-Stellung  bei  Ponte  nuovo  di 
Magenta  durchbrochen  und  auch  der  linke  Flügel  der  k.  k.  Truppen  von  Ponte 
vecchio  di  Magenta  theil weise  zurückgedrängt. 

Eine  durch  den  Armee-Commandanten  zunächst  vom  VII.  Corps  über  Ma- 
genta vordisponierte  Division  (FML.  Reischach)  stellte  das  Gefecht  am  Naviglio 
grande  wieder  her.  Das  fast  gleichzeitig  gegen  die  rechte  Flanke  und  Rückzugslinie 
des  Feindes  über  Robecco  mit  drei  Brigaden,  westlich  des  Naviglio,  vorrückende 
III.  Corps  zwang  denselben.  Ponte  vecchio  di  Magenta  zu  räumen  und  seine  An- 
griffe auf  die  Naviglio-Iänie  einzustellen.  Nach  successivem  Kintreffeti  mehrerer 
Brigaden  des  französischen  III.  und  IV.  Corps  am  östlichen  Ticino-Ufer  nahm  der 
Gegner  auf  der  ganzen  Linie  seine  Offensive  wieder  auf.  Sein  rechter  Flügel  nahm 
wieder  Ponte  vecchio  di  Magenta,  während  sein  Centrum,  sowie  sein*  inzwischen 
völlig  entwickelter  linker  Flügel,  concentrisch  mit  Übermacht  vordringend,  die  k.  k. 
Truppen  nach  hartnäckigem  Widerstande  gegen  Magenta  zurückdrängten. 

Die  mittlerweile  überRobecco,  östlich  vom  Naviglio  grande  vorgerückte  vierte 
Brigade  (GM.  Ramming)  des  III.  Corps  brachte  das  Vordringen  des  feindlichen 
Centruins  gegen  Magenta  für  kurze  Zeit  zum  Stehen.  Der  rechte  Flügel  dieser 
Brigade  drang  sogar  über  Magenta  —  westlich  desselben  —  hinaus  und  gegen  den 
feindlichen  linken  Flügel  vor,  warf  eine  der  Angriffs-Colonnen  Mac  Mahons  gegen 
Marcallo  zurück  und  wehrte  die  ersten  Angriffe  einer  anderen  von  Boffalora  vor- 
rückenden überlegenen  Colonne  von  Magenta  ab. 


Digitized  by  Google 


58 


CLVIH.  und  CLIX.  Promotion. 


Schließlich  aber  warfen  sich  des  Feindes  linker  Flügel  und  Centrum  mit 
übermächtiger  Wucht  vereint  auf  Magenta,  infolge  dessen  die  Truppen  des  I.,  II. 
und  VII.  Corps  den  Ort  räumen  mussten  und  sich  nach  Corbetta  und  bis  Cisliano 
zurückzogen,  wahrend  die  denselben  zuhilfe  gekommene  Brigade  des  III.  Corps 
gegen  Robecco  zurückwich. 

Nach  der  Wegnahme  von  Magenta  wandte  sich  das  feindliche  Centrum 
gegen  Süden,  um  vereint  mit  dem  rechten  Flügel  Ponte  vecchio  di  Magenta  zu 
nehmen.  Der  durch  frische  Truppen  verstärkte  rechte  Flügel  des  Feindes  drang 
sogar  über  Ponte  vecchio  di  Magenta,  westlich  des  Naviglio  grande,  gegen  Carpen- 
zago  vor,  wurde  jedoch  durch  das  III.  Corps  nach  heftigem  Kampfe  schließlich 
nach  Ponte  vecchio  zurückgeworfen. 

Endlich  wurden  auch  die  östlich  des  Naviglio  grande  über  Ponte  vecchio  di 
Magenta  bis  Limido  vorgedrungenen  Colonnen  des  feindlichen  Centrums  durch 
eine  von  Robecco  über  Peralza  frisch  vorstürmende  Brigade  (Oberst  Dormus)  des 
V.  Corps  bei  einbrechender  Dunkelheit  bis  Ponte  vecchio  di  Magenta  wieder 
zurückgeworfen  und  damit  das  blutige  Ringen  dieses  Schlachttages  beendet. 

Über  die  Linie  Magenta  und  Ponte  vecchio  di  Magenta  vermochte  der 
Feind  nicht  weiter  vorzudringen.  Außerdem  marschierte  auf  franco-sardinischer 
Seite  die  bereits  üb«  r  den  Ticino  gegangene  sardinische  Armee  bis  auf  die  Division 
Fanti  über  den  Ticino  wieder  zurück  und  lagerte  vom  4.  auf  den  5.  bei  S.  Martino 
auf  dem  rechten  Ufer.  Auch  Mac  Mahon  räumte  Magenta  in  der  Nacht  und  zog 
sich  gegen  S.  Martino  zurück.  Nur  die  Division  Fanti  hielt  Magenta  besetzt. 

Auf  österreichischer  Seite  hielt  die  k.  k.  Armee  in  erster  Linie  mit  dein 
linken  Flügel  und  Centrum  den  südlichen  Theil  des  Schlachtfeldes 
vorwärts  Carpenzago,  Robecco  und  Ca»tellazzo  de  Barzi,  mit  dem  rechten  Flügel 
aber  angesichts  Magen tas  —  nächst  der  nach  Mailand  führenden  Straße  —  Cor- 
betta fest.  In  zweiter  Linie  standen  noch  das  halbe  VII.,  der  größte  Theil  des  V. 
und  das  ganze  VDI.  Corps  intact  da,  während  sich  das  IX.  in  Pavia  marsch- 
bereit hielt. 

Der  Armee-Commandant  traf  noch  am  i.  abends  Dispositionen,  um  den 
Kampf  am  5.  Juni  wieder  aufzunehmen.  Der  Rückzug  des  halben  I.,  des  II.  und 
der  Division  Reischach  des  VII.  Corps  vom  Schlachtfelde  bis  Cisliano  bestimmten 
ihn  jedoch  in  der  Nacht  schließlich,  für  den  5.  früh  den  Rückzug  der  Armee 
anzuordnen. 

Theile  des  III.  und  V.  Corps,  welche  den  Rückzugsbefehl  verspätet  erhielten, 
nahmen  am  ">.  früh  den  Kampf  wieder  auf.  Erst  nachdem  ihnen  die  Weisung  zum 
Rückzüge  zugekommen  war,  brachen  sie  das  Gefecht  ab  und  schlössen  sich  dem 
Rückzüge  an.  Derselbe  erfolgte,  durch  das  V.  und  III.  Corps  gedeckt,  in  vollster 
Ordnung,  vom  Feinde  unbelästigt. 

Die  Verbündeten  nahinen  ihren  weiteren  Vormarsch  in  die  Lombardie  erst 
am  ü.  Juni  wieder  auf;  Mailand  wurde  durch  ihre  Truppen  am  7.  besetzt. 

Die  k.  k.  Armee  zog  sich  von  Magenta  in  drei  Colonnen  in  südlicher  Richtung 
auf  Pizzighetone  zurück  und  bot  am  8.  Juni,  mit  dem  rechten  Flügel  an  die  wohl- 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859. 


59 


besetzte  Adda  gelehnt,  in  der  Linie  Lodi-Corte  Olona  nächst  des  Po,  dem 
Feinde  neuerdings  die  Stirne,  dabei  entschlossen,  eventuell  am  9.  selbst  die  Offen- 
sive zu  ergreifen. 

Die  Verbündeten  beschränkten  sich  jedoch  darauf,  am  8.  mit  2  Corps  die 
Nachhut  der  nördlichen  (rechten)  Flügel-Colonne  der  k.  k.  Armee  —  2  Brigaden 
des  VIII.  Corps  —  durch  das  Gefecht  von  Melegnano  zurückzudrängen,  sonst 
aber  auf  der  Operationslinie  Mailand-Brescia  sich  zu  massieren. 

Angesichts  dessen  setzte  die  k.  k.  Armee  ihren  Rückzug  nunmehr  in 
nordöstlicher  Richtung  langsam  hinter  den  Chiese  fort,  um  sich  in  günstiger 
Position  dem  Gegner  vorzulegen. 

Am  15.  Juni  warf  bei  der  nördlichen  (rechten)  Flügel-Colonne  der  k.  k.  Armee 
FML.  Frh.  von  Urban  Garibaldi'sche  Freischaren,  die  entsendet  waren,  um  sich 
der  Chiese- Übergänge  bei  Ponte  S.  Marco  und  Bettole  zu  bemächtigen,  in  dem 
Gefechte  beiCastenedolo  zurück. 

Ohne  sonst  vom  Feinde  im  geringsten  belästigt  zu  werden,  gelangte  die 
k.  k.  Armee  am  15.  Juni  abends  hinter  den  Chiese  in  die  Linie  Montechiaro- 
Castel  Goffredo,  mit  dem  Hauptquartier  nach  Castiglione  delle  Stiviere. 
Damit  hatte  sich  dieselbe  den  Verbündeten  wieder  direct  vorgelegt  und  stand  in 
dem  günstigen  Höhen-Terrain  südlich  des  Garda-Sees  bereit,  dem  Feinde  eine 
Hauptschlacht  zu  liefern. 

Die  Verbündeten  gelangten  erst  am  18.  Juni  an  den  Chiese,  hatten  somit, 
wiewohl  sie  auf  der  inneren  Linie  vorrückten,  in  14  Tagen  nur  IG  Meilen  Terrain 
zu  gewinnen  vermocht. 

Die  oberste  Heeresleitung  hatte  indessen  hinter  dem  Mincio  die  For- 
mierung einer  neuen  (I.)  Armee  vorbereitet.  Dieselbe  wurde  nun  gebildet,  indem 
zu  dem  bereitstehenden  XI.  Corps  und  der  Reserve-Cavallerie-Division  FML.  Graf 
Zedtwitz  von  der  II.  Armee  das  IX.  und  III.  Corps  herangezogen  wurden.  Das 
Commando  dieser  I.  Armee  wurde  dem  FZM.  Grafen  Wimpffen  übertragen. 
Die  II.  Armee  bestand  fortan  nur  mehr  aus  dem  VIII.,  V.,  I.,  VII.  Corps  und  der 
Reserve-Cavallerie-Division  FML.  Graf  Mensdorff  und  wurde  dem  Commando  des 
GdC.  Grafen  Schlik  unterstellt. 

Außerdem  standen,  und  zwar  in  Mantua  das  II.,  am  unteren  Po  das  X.,  in 
Tirol  das  VI.,  im  Innern  der  Monarchie  das  IV.  und  XII.  Corps,  während  1  neue 
Corps  —  XIII.  bis  XVI.  —  in  der  Aufstellung  begriffen  waren. 

Den  Oberbefehl  über  das  Heer  übernahm  am  IG.  Juni  Seine  Majestät 
Kaiser  Franz  Joseph  I.  in  Allerhöchster  Person  vom  Hauptquartier  Verona  aus, 
die  Functionen  des  Chefs  des  Geneialstabes  FZM.  Frh.  von  Hess. 

In  der  Zeit  vom  IG.  bis  zum  18.  Juni  stand  die  II.  Armee  zwischen  dem 
Chiese  und  Mincio,  mit  Anlehnung  an  den  Garda-See,  in  der  Linie  Lonato-Casti- 
glione  delle  Stiviere  bereit,  dem  Feinde  entgegenzutreten,  während  die  I.  Armee 
hinter  dem  Mincio  in  der  Linie  Roverbella-Mantua  eine  beobachtende  Stellung 
gegen  Westen  und  Süden  einnahm.  Arn  19.  Juni  wurde  auch  die  II.  Armee  hinter 
den  Mineio  in  Marsch  gesetzt,  und  am  21.  standen  die  beiden  Armeen  mit 


Digitized  by  Google 


CO 


CLVII1.  uud  CL1X.  Promotion. 


7  Corps  und  2  Cuvallerie-Divisionen  zwischen  Pesch iera,  Goito  und  Villa- 
franca —  mit  dem  Hauptquartier  in  Villafranca  —  concentriert,  um  sich 
entweder  gegen  die  Verbündeten  bei  Brescia  oder  gegen  die  gemäß  verschiedener 
Meldungen  am  unteren  Po  zu  erwartenden  feindlichen  Sireitkräfte  zu  wenden. 

Am  21.  Juni  überschritten  die  französischen  Corps  Niel  und  Mac  Ma hon,  so- 
wie die  sardinische  Armee  den  Chiese  und  rückten  bis  in  die  Linie  Garpenedole- 
Montechiaro-Lonato;  am  22.  wurde  das  Corps  Mac  Mahon  von  Montechiaro  bis 
Castiglione  delle  Stiviere  vorgeschoben.  Am  23.  ließ  Kaiser  Napoleon  III.  die  in 
zweiter  Linie  stehenden  Corps  der  französischen  Armee  aufschließen,  so  dass  die 
Verbündeten  die  Linie  Carpenedole-Castiglione  delle  Stiviere-Lonato  einnahmen. 

Eine  Reihe  von  Meldungen  ließ  die  oberste  Heeresleitung  glauben,  dass 
Napoleon  auch  noch  das  V.  Corps  unter  dem  Prinzen  Napoleon  von  dem  rechten 
Po-Ufer  zur  Hauptarmee  heranziehe,  um  dann  mit  überlegenen  Kräften  —  circa 
200.000  Mann  —  das  k.  k.  Heer  hinter  dem  Mincio  —  circa  150.000  Mann  —  an- 
zugreifen. Daraufhin  beschloss  Kaiser  Franz  Joseph  I.,  bevor  die  Vereinigung  des 
V.  französischen  Corps  mit  der  Hauptartnee  vollzogen  wäre,  selbst  zum  Angriff  zu 
übergehen. 

Nachdem  die  Anwesenheit  starker  französisch -sardinischer  Streitkräfte, 
südlich  des  Garda-Sees  gegen  den  Chiese,  festgestellt  war,  ließ  der  Oberste 
Kriegsherr  das  k.  k.  Heer  in  drei  Hauptcolonnen  den  Mincio  am  23.  überschreiten 
und  bis  in  die  Linie  Medole-Solferino-rozzolengo  rücken,  mit  der  Absicht,  den 
Feind  am  24.  in  der  Linie  Carpenedole-Castiglione  delle  Stiviere-Lonato  an- 
zugreifen. 

Am  24.  Juni  rückten  jedoch  auch  die  verbündeten  Streitkräfte  weiter  gegen 
den  Mincio  vor,  und  zwar  gleichfalls  in  drei  Hauptcolonnen,  mit  den  Marschzielen 
Guidizzolo,  Solferino-Cavriana  und  Pozzolengo. 

So  kam  es  zwischen  den  beiden  Heeren  am  24.  Juni  bei  Medole,  Solferino 
und  Pozzolengo  zu  Zusammenstößen,  welche  sich  zur  Schlacht  bei  Solferino 
gestalteten. 

Die  I.  Armee  —  der  linke  Flügel  des  k.  k.  Heeres  —  trachtete  mit  drei 
Corps  von  Guidizzolo  gegen  Medole  uud  Morino  vorzudringen,  musste  sich  aber 
damit  begnügen,  die  Vorrückung  von  drei  französischen  Corps  und  drei  Cavallerie- 
Divisionen  gegen  Guidizzolo  abzuweisen. 

Die  II.  Armee  —  der  rechte  Flügel  —  kämpfte  defensiv  mit  drei  Corps  bei 
Solferino  und  Cavriana,  mit  einer  Cavallerie-Division  zwischen  der  I.  und  11.  Armee, 
gegen  drei  französische  Corps  und  eine  piemontesische  Division  und  musste  — 
infolge  Misslingens  der  Offensive  der  I.  Armee  in  der  Front  übermächtig  angegriffen 
und  in  der  linken  Flanke  gefährdet  —  zurückgehen. 

Das  VIII.  Corps  deckte  bei  S.  Martino  die  rechte  Flanke  des  k.  k.  Heeres, 
sich  gegen  zwei,  späterhin  vier  piemontesische  Divisionen  siegreich  behauptend. 

Eine  Division  des  II.  Corps  sicherte  —  zwischen  Marcaria  und  Castel 
Goffredo  vorrückend  —  die  linke  Flanke  des  Heeres  gegen  das  französische  Corps 
Canrobert,  ohne  zum  Kampfe  zu  kommen. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859. 


61 


Der  Verlauf  der  wesentlichen  Schlacht-Momente  innerhalb  der  drei  Haupt- 
Kuppen  des  k.  k.  Heeres  gestaltete  sich  folgendermaßen: 

Vor  Medole  und  bei  Morino  wurden  die  Vortruppen  der  I.  Armee  von  den 
Spilzen  der  Corps  Niel  und  Mac  Mahon  übermächtig  angegriffen  und  nach  vier- 
stündigem hartnäckigen  Widerstande  zurückgedrängt  Indes  bewirkte  die  I.  Armee 
ihren  Aufmarsch.  Das  Gros  derselben  entwickelte  sich  vorwärts  Rebecco-Guidizzolo 
in  Gefechtslinie,  worauf  das  IX.  Corps  gegen  Medole.  das  III.  gegen  Morino  vorgieng. 
Dieser  Angriff  war  nicht  von  Erfolg  begleitet.  Nach  Abweisung  desselben  ergriffen 
die  Corps  Niel  und  Canrobert  selbst  die  Offensive  und  es  gelang  ihnen,  bis  zwischen 
Medole  und  Guidizzolo  vorzudrängen,  wo  sie  jedoch  heftigen  Widerstand  fanden. 
Ein  von  der  I.  Armee  unternommener  zweiter  Offensivstoß  wurde  vom  Gegner 
abgewiesen.  Ein  gleiches  Schicksal  hatte  ein  bald  darauf  unternommener  dritter 
Angriffsversuch  der  I.  Armee,  trotz  des  tapferen  Vorgehens  der  Truppen.  Darauf 
vollführte  bei  Einbruch  der  Dunkelheit  die  I.  Armee,  ohne  vom  Feinde  im 
geringsten  belästigt  zu  werden,  ihren  Rückzug  in  vollster  Ordnung  und 
nahm  in  der  Nacht  vom  24.  auf  den  25.  bei  Goito  auf  beiden  Ufern  des  Mincio 
Stellung. 

Das  Misslingen  der  Offensive  der  I.  Armee  zog  auch  für  die  II.  A  r  m  e  e  bei 
Solferino  und  Cavriana  einen  ungünstigen  Verlauf  der  Schlacht  nach  sich.  Auf 
die  Defensive  gewiesen,  leistete  im  Centrum  das  V.  Corps  gegen  die  Angriffe 
des  französischen  Corps  Baraguey  d'Hilliers  lange  Zeit  den  tapfersten  Widerstand 
auf  dem  Schlüsselpunkt  der  Stellung,  den  Höhen  bei  Solferino.  Auch  nachdem 
die  links  vom  V.  Corps  in  die  Gefechtslinie  gerückten  Brigaden  des  I.  Corps  vor 
der  anstürmenden  französischen  Garde  gegen  Cavriana  zurückwichen  und  dadurch 
nicht  nur  die  linke  Flanke,  sondern  auch  der  Rücken  der  Position  von  Solferino 
entblößt  war,  hielt  der  linke  Flügel  des  V.  Corps,  von  zwei  anderen  Brigaden 
des  I.  unterstützt,  trotz  der  sich  erneuernden  heftigen  Frontangriffe  des  Feindes, 
die  Stellung  nächst  Solferino  hartnäckig  fe-t.  Schließlich  aber,  als  Colonnen  der 
französischen  Garde  —  das  k.  k.  V.  Corps  links  überflügelnd  —  in  Solferino  selbst 
eindrangen  und  die  Rocca-Höhe  im  Rücken  erstiegen,  gleichzeitig  Sturmcolonnen 
de*  Corps  Baraguey  von  neuem  in  der  Front  unaufhaltsam  vordrangen,  während 
andere  Abtheilungen  der  Garde  bereits  gegen  die  Rückzugslinie  des  V.  Corps 
selbst  losgiengen,  musste  es  die  Stellung  auf  den  Höhen  räumen.  Kämpfend  wurde 
der  Rückzug  gegen  Pozzolengo  genommen  und.  nachdem  der  allgemeine  Rückzugs- 
befehl erlassen  worden  war,  derart  weiter  vollführt,  dass  das  V.  Corps  in  der  Nacht 
bei  Monzambano  den  Miucio  überschritt,  während  sich  das  I.  Corps  theils  am 
rechten  Ufer  bei  Borghetto,  theils  am  linken  bei  Valeggio  .sammelte. 

Das  VII.  Corps  —  die  Reserve  der  II.  Armee  —  deckte  deren  Rückzug.  Es 
hatte  schon  während  des  Kampfes  bei  Solferino  vorwärts  Cavriana  Stellung 
<t  cheval  der  nach  S.  Cassiano  führenden  Straße  genommen.  Nach  dem  Miss- 
lingen der  Offensive  der  I.  Armee,  von  dem  infolge  dessen  bei  Morino  entbehrlich 
gewordenen  Corps  Mac  Mahon  auf  den  Höhen  bei  Gradello  und  auf  dem  Monte 
Fontana  angegriffen,  wies  das  VII.  Corps  die  ersten  Angriffe  Mac  Mahons  ent- 


Digitized  by  Google 


62 


CLVIII.  und  CL1X.  Promotion 


schieden  zurück.  Als  es  jedoch  nach  erfolgter  Räumung  der  Position  von  Solferino 
überdies  durch  die  französische  Garde  in  Front  und  rechter  Flanke  übermächtig 
angegriffen  wurde,  trat  dasselbe,  hartnäckig  fortkämpfend,  den  Rückzug  an.  In 
der  Stellung  auf  dem  Monte  Bosco  scuro  that  es  dem  Vordringen  des  Feindes 
Einhalt.  Nachdem  es  bei  Volta  noch  ein  drittesmal  Stellung  genommen,  überschritt 
es  den  Mincio  bei  Valeggio  und  Ferri  und  nahm  bei  Foroni  Stellung. 

Die  Reserve-Cavallerie-Division  der  II.  Armee  überschritt  den  Mincio  bei 
Ferri  und  nahm  bei  Rosegaferro  Stellung. 

Glänzend,  ja  siegreich  gestaltete  sich  indessen,  trotz  des  ungünstigen  Gesammt- 
verlaufs  der  Schlacht,  der  Kampf  des  am  äußersten  rechten  Flügel  des  k.  k.  Heeres 
vorwärts  Pozzolengo  bei  S.  Martino  gegen  die  Piemontesen  fechtenden  VIII.  Corps. 
Gleich  bei  Beginn  des  Kampfes  wurden  die  Vortruppen  der  Divisionen  Cuechiari 
und  Mollard,  als  sie  die  Vorposten  des  VIII.  Corps  auf  Monte  S.  Giacomo  und 
Monte  Ingrana  angriffen,  energisch  zurückgeworfen,  darauf  rasch  die  Höhen  von 
S.  Martino  besetzt,  sodann  wiederholte,  überlegene  Angriffe  der  beiden  Divisionen 
auf  diese  Stellung  von  31/*  Brigaden  so  erfolgreich  zurückgeschlagen,  dass  die 
ersteren  nach  10  Uhr  vormittags  in  Unordnung  weit  zurückwichen.  Von  einer 
Verfolgung,  sowie  von  weitcrem  Vordringen  im  Hinblick  auf  die  minder  günstige 
Entwicklung  des  Kampfes  bei  dem  links  nebenanstehenden  V.  Corps  absehend, 
trachtete  das  VIII.  Corps  vielmehr  durch  Vereinigung  seiner  Kräfte,  insbesondere 
seiner  Artillerie,  auf  den  Höhen  bei  S.  Martino  diese  Pivotstellung  des  Heeres 
möglichst  zu  verstärken.  Von  1  Uhr  nachmittags  bis  abends  wurde  das  VIII.  Corps 
bei  S.  Martino  neuerdings  wiederholt  von  den  Divisionen  Mollard  und  Cuechiari 
in  der  Front,  sodann  auch  von  den  Divisionen  Fanti  und  Durando  in  der  linken 
Flanke  übermächtig  angegriffen.  Es  schlug  jedoch  alle  Angriffe  des  Feindes,  speciell 
jene  in  der  Front  durch  offensive  Vorstöße,  siegreich  zurück.  Der  um  4  Uhr  erlassene, 
allgemeine  Rückzugsbefehl  wurde  erst  um  9  Uhr  abends,  als  die  Kraft  des  Gegners 
vollständig  gebrochen  war,  ohne  die  geringste  Belästigung  durch  denselben,  ange- 
treten und  in  der  Nacht  der  Mincio  bei  Peschiera  und  Salionze  überschritten. 

Am  25.  Juni  standen  nahezu  sämmtliche  k.  k.  Heerestheile  wieder  in  den- 
selben Stellungen  am  linken  Mincio-Ufer,  welche  sie  am  23.  morgens  innegehabt 
hatten.  Hiebei  waren  jedoch  die  Übergänge  über  den  Mincio  auch  auf  dem 
rechten  Ufer  besetzt,  außerdem  auf  demselben  Vorposten  aufgestellt  und 
Delachemcnts  bis  an  den  Feind  auf  dem  Schlachtfelde  selbst  vorgeschoben. 

Das  verbündete  französisch-piemontesische  Heer  war  nach  der  Schlacht  am 
24.  abends  erschöpft  in  der  Linie  Rebecco-Cavriana-Solferino-S.  Martino,  die  fran- 
zösischen Cavallerie-Divisionen  speciell  bei  Guidizzolo,  stehen  geblieben.  Das 
Hauptquartier  des  Kaisers  Napoleon  III.  wurde  in  Cavriana,  jenes  des  Königs 
Victor  E man uel  in  Rivoltella  aufgeschlagen.  Am  25.  schob  der  Feind  nur  die 
beiden  Flügel  bis  Volta  und  Pozzolengo  vor. 

über  die  Linie  Volta-Cavriana-Solferino-Pozzolengo  hinaus  vermochten  die 
Verbündeten  in  den  ersten  drei  Tagen  nach  der  Schlacht  bei  Solferino  nicht 
vorzurücken.  Ihre  Offensivkraft  war  bei  Solferino  in  gleicher  Weise  wie  bei  Magenta 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859. 


63 


durch  die  Tapferkeit  und  Ausdauer  des  k.  k.  Heeres  gebrochen  worden,  so  dass 
die  Österreicher  gerade  so  wie  bei  Magenta  auch  bei  Solferino  einen  Theil  des 
Schlachtfeldes  behaupteten. 

Nachdem  die  österreichischen  Vorposten  im  Verlaufe  des  26.  von  dem  rechten 
Ufer  zurückgezogen  worden  waren  und  das  k.  k.  Heer  am  27.  sich  auch  aus  den 
Stellungen  am  linken  Mincio-Ufer  aus  strategischen  Gründen  zurückgezogen  hatte, 
nahmen  die  Verbündeten  am  27.  den  Vormarsch  wieder  auf  und  überschritten  mit 
den  Spitzen  am  28.  den  Mincio.  Ohne  vom  Feinde  im  geringsten  gedrängt  zu  sein, 
vollzog  das  k.  k.  Herr  am  27.  und  28.  Juni  den  Rückmarsch  vom  Mincio  hinter  das 
Festungsviereck  an  der  Etsch-Linic.  Während  das  Allerhöchste  Hauptquartier 
schon  am  25.  von  Villafranca  nach  Verona  verlegt  worden  war,  gieng  die 
1.  Armee  nach  Legnago,  die  II.  Armee  hinter  Verona  zurück. 

Die  Verbündeten  führten  den  allgemeinen  Übergang  über  den  Mincio  erst  am 
1.  Juli  aus  und  schritten  zunächst  zur  Einschließung  von  Peschiera.  Mantua  wurde 
nur  beobachtet.  Die  Hauptmacht,  zu  welcher  auch  das  französische  Corps  unter 
dem  Prinzen  Napoleon  stieß,  rückte  äußerst  langsam  in  drei  Märschen  bis  zum 
3.  Juli  in  nordöstlicher  Richtung  in  eine  concentrierte  Aufstellung  entlang  des 
Tione  zwischen  Castelnuovo  und  Custozza,  Front  gegen  Verona. 

Obgleich  nun  der  Feind  mit  der  Hauptmacht  bloß  einen  kurzen  Marsch  von 
der  Etsch  entfernt  war,  unternahm  er  weiter  nichts.  Nur  auf  Nebenkriegsschau- 
plätzen, gegen  Tirol  und  gegen  die  österreichischen  Küsten  im  Adriatischen  Meere, 
blieben  die  Feindseligkeiten  im  vollsten  Gange. 

Am  6.  Juli  richtete  plötzlich  Kaiser  Napoleon  III.  an  Seine  Majestät  Kaiser 
Franz  Joseph  I.  das  überraschende  schriftliche  Anerbieten  eines  Waffenstill- 
standes behufs  Anbahnung  von  Friedensverhandlungen.  Ohne  dass  die  beider- 
seitigen Operationen  eine  Unterbrechung  erlitten,  wurden  am  7.  Juli  diesbezüglich 
Verhandlungen  zwischen  den  beiderseitigen  Bevollmächtigten  von  österrei- 
chischer Seite  durch  den  General-Quartiermeister  Sr.  Majestät  des  Kaisers  und 
des  Heeres,  FZM.  Frh.  von  Hess  —  gepflogen,  am  8.  Juli  ein  Waffenstillstand 
auf  fünf  Wochen  abgeschlossen  und  sofort  die  Feindseligkeiten  auf  allen  Kriegs- 
schauplätzen eingestellt. 

Am  11.  Juli  folgte  auf  besonderen  Wunsch  des  Kaisers  Napoleon  III.  eine 
Zusammenkunft  Sr.  Majestät  Kaisers  Franz  Joseph  I.  mit  dem  ersteren  in  Villa- 
franca, infolge  dessen  tags  darauf  der  Präliminar-Friede  von  Villafranca 
unterzeichnet  wurde,  welchem  am  10.  November  1859  der  definitive  Friedens- 
schluss  von  Zürich  folgte.  Österreich  trat  die  Lombardie,  mit  Ausnahme  Man- 
tuas  und  Peschieras,  an  Frankreich  ab,  welches  dieses  Land  an  Piemont  weiter 
übergab,  wofür  letzteres  wieder  an  Frankreich  Savoyen  und  Nizza  cedierte. 

Auf  Grund  der  in  diesem  Kriege  vollbrachten  ordenswürdigen  Waffenthalen 
wurden  durch  die  CL VIII.  und  CLIX.  Promotion  vom  17.  October  1859  und 
21.  Mai  1860  ein  Ritter  zum  Goramandeur  und  15  Ritter  des  Militärischen 
Maria  Theresien-Ordens  promoviert. 


Digiti 


64  CLVtll.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens 
Ludwig  Bitter  Ton  Benedek. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  18Ti9.) 

Im  Jahre  1804  zu  ödenburg  geboren,  genoss  Benedek  seine  militärische 
Erziehung  in  der  k.  k.  Militär- Akademie  zu  Wiener-Neustadt,  aus  welcher  er, 
der  siebente  im  Range,  am  20.  October  1822  als  Fähnrich  zum  27.  Infanterie- 
Regiment  ausgemustert  wurde.  Am  1.  Februar  1825  zum  Unterlieutenant  im 
47.  Infanterie-Regiment,  am  15.  März  1831  zum  Oberlieutenant  befördert, 
wurde  er  am  28.  Juli  1833  zum  General-Quarliermeister-Stabe  eingetheilt.  Am 

20.  April  1835  avancierte  er  zum  Hauptmanne,  am  22.  Mai  1840  zum  Major 
und  Adjutanten  des  General-Commandos  in  Galizien,  am  22.  December  1843  zum 
Oberstlieutenant  in  derselben  Dienstesverwendung. 

Während  der  im  Jahre  1846  in  Galizien  ausgebrochenen  Unruhen  that  er 
sich  um  26.  Februar  durch  einen  kühnen,  erfolgreichen  Handstreich  auf  den  von 
Insurgenten  besetzten  Ort  Gdöw  nächst  Wieliczka  hervor  und  wurde  hiefür  mit 
dem  Ritterkreuze  des  Leopold-Ordens  decoriert.  Die  Stadt  Lemberg 
ernannte  ihn  überdies  am  25.  Mai  1846  zu  ihrem  Eli  renbürg  er. 

Inzwischen  war  er  am  17.  April  1846  zum  Obersten  ernannt  worden,  kam 
am  26.  August  1847  als  Oberst  und  Regiments-Commandant  zu  Gyulai-Infanterie 
und  machte  den  Krieg  gegen  Piemont  in  den  Jahren  1848  und  1849  in 
Italien  mit. 

Im  April  1848  übernahm  er  das  Commando  einer  Brigade,  erstürmte  die 
Curtatone-Linie  am  29.  Mai.  kämpfte  in  dem  Gefechte  bei  Goito  am  30.  Mai, 
wurde  in  Anerkennung  der  Beweise  von  Tapferkeit  und  Ausdauer  in  den  zahl- 
reichen Kämpfen  „gegen  offenen  und  verborgenen  Feind"  am  24.  Mai  durch  die 
Allerhöchste  Zufriedenheit  ausgezeichnet,  am  14.  Juni  1848  mit  dem  Com- 
mandeur-K  reuz  des  Leopold-Ordens  decoriert,  und  speciell  für  die  erwähnte 
Erstürmung  der  Curtatone-Linie  am  27.  November  1848  zum  Ritter  des  Maria 
Theresien-Ordens  promoviert .  *) 

Im  Jahre  1849  kämpfte  er  und  zwar  in  Italien  in  der  Schlacht  bei  Mortaraam 

21.  März,  dann  in  jener  bei  Novara  am  23.  März  mit.  Am  3.  April  1849  zum 
Generalmajor  befördert,  focht  er  in  Ungarn  und  zwar  bei  Raab  am  28.  Juni,  in  den 
Schlachten  bei  Komorn  am  2.  und  11.  Juli,  bei  Uj-Szegedin  am  3.  August  und 
bei  Szöregh  am  5.  August.  In  dem  Feldzuge  1849  wurde  er  dreimal  verwundet 
und  zwar  bei  Mortara  und  Szcgedin  leicht,  bei  Szöregh  jedoch  schwer  und  zwar 
durch  einen  Granatsplitter.  Für  die  im  Feldzuge  1849  bei  allen  Anlässen  neuerlich 


*)  Sieh.':  „Der  Militärische  Maria  Thcresien-Orden  und  seine  Mit^Ii-dn-.*  -  Wien,  18-">7. 
II.  Ahtheilung. 


Digitized  by  Google 


Digitized 


by  Google 


Digitized  by  Google 


Coinninn<l(.'ur  <1cp  M.  T.-l».  Ludwig  Itilltr  \»>n  IkiK'dek. 


r.5 


bewahrte  Tapferkeit  und  Hingebung  wurde  ihm  am  11.  Juli  1849  erneuert  die 
Allerhöchste  Zufriedenheit  zutheil,  Benedek  überdies  zum  Oberst- 
Inhaber  des  Infanterie-Regiments  Nr.  28  ernannt,  ihm  schließlich  am  22.  Oclober 
IN  19  das  Militär- Verdienstkreuz  verliehen. 

Nach  Wiederherstellung  von  seiner  Verwundung  wurde  er  unter  F.M. 
Radetzky  zum  Chef  des  G eneral-Quar! ierme ister-Stabes  der  II.  Armee  in 
Italien  ernannt  und  bekleidete  diesen  wichtigen  Pusten  über  7  Jahre.  Am  22.  Oc- 
lober 1S50  ernannte  ihn  seine  Vaterstadt  Ödenburg  zum  Ehrenbürger. 

Am  11.  Jänner  1852  bekam  infolge  Allerhöchster  Entschließung  ein  am 
Lago  Maggiore  neu  ausgerüsteter  Schraubendampfer  den  Namen  .Benedek". 

Am  26.  October  1852  avancierte  er  zum  Feldmarschall-Lieutenant, 
erhielt  mu  h  dem  Hücklritte  Radetzky*  am  28.  Februar  1857  das  Cornmando  des 
II.  Corps,  am  14.  März  1857  die  Würde  eines  Geheimen  Käthes,  übernahm  am 
27.  März  1857  das  Cornmando  des  IV.  und  bei  Ausbruch  des  Krieges  vor,  1859 
jenes  des  VIII.  Corps,  an  dessen  Spitze  er  im  Kriege  gegen  Frankreich  und 
Picmont  in  Italien  im  Jahre  1859  den  Gipfel  seines  Ruhmes  erklimmen  sollte. 

Vom  4.  bis  G.  Mai  unternahm  FMK.  von  ßenedek  mit  seinem  Corps  eine 
Reeognoscierung  über  den  Po  bei  Coruale  gegen  Tortona.  Während  der  Sehlacht 
bei  Magenta  am  4.  Juni  stand  Renedeks  Corps  bei  Restazzo  und  sollte  erst  am 
5.  Juni  gegen  den  Feind  vorrücken,  gieng  aber  infolge  des  allgemeinen  Rückzugs- 
befehls nach  Binasco  zurück.  Am  8.  Juni  lieferten  gemäß  Benedeks  Dispositionen 
2  Brigaden  seines  Corps  ein  Arrieregarde-Gefeeht  bei  Melegnano. 

Am  24.  Juni  war  es  dem  FML.  von  Benedek  vergönnt,  mit  seinem  ganzen 
Corps  an  der  Schlacht  bei  Solferino  ruhmvollen  Antheil  zu  nehmen  und  in  den 
Verlauf  derselben  so  wirksam  einzugreifen,  dass  dadurch  die  Nachtheile  des 
ungünstigen  Gesammtausganges  dieser  Schlacht  wesentlich  verringert  wurden. 

Ras  VIII.  Corps  hatte  in  der  Nacht  vorn  23.  auf  den  24.  Juni  bei  Pozzo- 
lengo,  wie  folgt  gelagert.  Die  Brigaden  Watervliet  und  Kuhn,  letztere  vom 
FML.  Berger  commandiert,  nördlich  von  Pozzolengo  und  Östlich  der  Höhe  von 
S.  Giacomo;  die  Brigade  Lippert  /.wischen  Monte  In^rrana  und  dem  Castell  von 
Pozzolengo;  die  zugetheilte  Brigade  Reichlin  östlich  der  nach  Cavriana  führenden 
Straße  in  der  Höhe  von  Casa  Mondadella;  die  Brigade  Philippovic  nördlich  von 
der  Brigade  Reichlin  näher  am  Orte;  die  Rrigade  Dauber  am  nordöstlichen  Aus- 
gange von  Pozzolengo  zunächst  der  nach  Ponti  führenden  Straße.  An  die  letzlere 
si  hloss  sich  die  Corps-Geschütz-Reserve  an,  welche  um  7  l'hr  morgens  aus  der 
Stellung  von  Prentina  bei  Pozzolengo  eintraf.  Die  Brigade  Watervliet  bestritt  die 
Vorposten,  welche  von  Ca  Zapaglia  am  rechten,  bis  Oontrada  Mescolare  am 
linken  Flügel  liefen.  Durch  Streifpatrouillen,  die  bis  an  den  Garda-See  aus- 
sehwärmten, wurde  die  rechte  Flanke  dieser  Position  gesichert;  links  war  die  Ver- 
bindung mit  dem  V.  Corps  gegen  Madonna  della  Scoperta  mittels  stehender 
Posten  und  Streifpatrouillen  hergestellt. 

FML.  von  Benedek  war  am  2:i.  Juni  krank  in  Verona  zurückgeblieben,  mitter- 
nachts jedoch  bei  seinem  Corps  in  Pozzolengo  eingetroll'en.  um  dasselbe  bei  dem 

Militärischer  JUria  Thcre.Mon-Onl.  ii.  ■> 


Digitized  by  Google 


6li  CLYIIl.  und  V.I.W.  l'ioiii.>U..|i.  —  Im  Km-pc  v»u  1850. 

voraussichtlichen  Zusammenstoß  mit  dem  Feinde  am  2-1.  persönlich  in  den  Kampf 
zu  führen. 

An  diesem  Tagt!  sollte  gemäß  der  Disposition  des  II.  Armee-Cornmandos  das 
VIII.  Corps  in  drei  Colonnen  über  Castel  Venzago,  Contrada  S.  Pietro  und  über 
Hivoltclla  nach  Lonato  und  Desenzano  vorgehen  und  das  zwischen  beiden  Orlen 
liegende  Terrain  zur  Deckung  der  rechten  Flanke  der  Armee  besetzen.  Dem  FML. 
Benedek  stand  die  ganze,  von  Lonato  über  Desenzano  bis  Hivollella  au  (gestaffelte 
sardinische  Armee  gegenüber,  mit  Ausnahme  der  Division  Cialdini,  welche  behufs 
Unterstützung  der  Freischaren  Garibaldis  gegen  die  südwestlichen  Ausgange 
Tirols  detachiert  war. 

Am  21.  Juni  um  6'/t  Lhr  morgens  gieng  von  den  Vorposten  des  VIII.  Corps 
die  Meldung  ein.  dass  eine  etwa  2000  Mann  starke  feindliche  Colonne  auf  der 
Straße  von  Rivoltella  gegen  Pozzolengo  herankomme.  Gleichzeitig  ließ  das  aus 
Südwest  vernehmbare  Kanonen-  und  Kleingewehr-Feuer  keinen  Zweifel  darüber, 
dass  der  Feind  auch  das  V.  Corps  (FML.  Graf  Stadion)  vor  Solferino  bereits  ange- 
griffen hatte. 

FML.  Benedek  befahl  sogleich  den  Aufmarsch  seines  Armee-Corps  in  die  laut 
Alarm-Disposition  bestimmte  Gefechtsstellung,  und  zwar  besetzten  die  Brigaden 
Watervliet  und  Berger  den  Monte  S.  Giacomo,  die  Brigade  Lippert  den  Monte 
d'Ingrana,  die  Brigade  Philippovie  den  Monte  Rocolino.  die  Brigade  Reiehlin  endlich 
mit  einem  Bataillon  die  dominierende  Höhe  von  Contrada  del  Bosco,  während 
der  Rest  derselben  und  die  Brigade  Dauber  rückwärts  als  Rückhalt  aufgestellt 
wurden. 

Inzwischen  hatte  ein  auf  der  Strada  Lugana  marschierendes  Reeogno- 
sciernngs-Detachement  der  piemontesischen  Division  Cucchiari  den  Ort  Ponticello 
erreicht,  von  wo  es  zum  Angriff  gegen  die  Einsattlung  zwischen  Monte  S.  Giacomo 
und  Monte  d'Ingrana  vorgieng.  Fast  gleichzeitig  unternahm  auch  eine  andere 
Recognoscierungs-Abtheilung  der  piemontesischen  Division  Mollard.  von  Co  rhu 
di  sotto  über  Ceresa  und  Succole,  einen  Vorstoß  gegen  den  Monte«  S.  Giacomo. 
Diese  Offensivbewegung  hatte  keinen  Erfolg.  Das  Vortreffen  der  auf  den  zuvor 
genannten  Höhen  aufmarschierten  Brigaden  Lippert,  Watervliet  und  Berger  wies 
den  Angriff  unter  Mitwirkung  einer  Batterie  der  Corps-Geschütz-Reserve  mit 
Entschiedenheit  zurück. 

FML.  Benedek  ließ  nun  die  über  Ponticello  weichenden  Piemontesen  durch 
die  Brigade  Lippert  und  ein  Bataillon  Hohenlohe-Infanterie  Nr.  17  der  Brigade 
Philippovie  gegen  die  Höhen  von  Ortaglia  verfolgen.  Der  rechte  Flügel  des 
VIII.  Armee-Corps  aber  blieb  noch  auf  der  Höhe  von  S.  Giacomo.  um  die  Vestone 
besetzt  haltende  Abtheilung  der  Division  Mollard  von  ihrer  Rückzugslinie  ab- 
zuschneiden, was  später  auch  zum  Theil  gelang. 

FML.  von  Benedek  schloss  aus  der  Stärke  und  dem  Verhalten  der  über 
S.  Martino  vorgerückten  piemontesischen  Colonne,  dass  es  sich  nur  um  eine 
gewaltsame  Recognoscierung  handelte,  und  beorderte  gemäß  der  Disposition  nun 
auch  die  anderen  Brigaden  zur  Vorrückung. 


■ 

Digitized  by  Google 


Cinmaiulfur  ■!«•-  M.  T.  O.  Liulwijj  Hilter  \in  Brncdi-k. 


67 


Auf  dem  linken  Flügel  war  indes  die  in  der  Verfolgung  des  Feindes  begriffene 
Brigade  Lippert  westlieh  der  Strada  Lugana  in  der  Richtung  auf  S.  Marlino,  die 
Brigade  Beichlin  gegen  des  Feindes  rechte  Flanke  vorgegangen.  Die  Piemonlcsen 
wurden  aus  den  Häusern  Ponticello,  Fenile  di  Ganibi,  Stefano,  Campagnola  und 
Corbu  di  sopra  vertrieben,  durch  das  Vordertreflfen  der  Brigade  Lippert  mit  dein 
Bajonnett  aus  ihrer  letzten  Position  von  S.  Martino,  durch  die  halbe  Brigade 
Reichlin  aber  über  die  mehr  westlich  davon  gelegenen  Abhänge  geworfen. 

Bald  darauf  wurden  die  feindlichen  Abiheilungen  verstärkt,  rückten  neuer- 
dings vor.  erstiegen  trotz  der  hartnäckigsten  Gegenwehr  die  Höhen  von  S.  Martino 
und  nöthigten  das  erste  Treffen  der  Brigade  Lippert,  sowie  die  Abiheilungen  der 
Brigade  Reichlin.  hinter  der  nächsten  Höhe  Deckung  zu  suchen. 

Nach  einem  kurzen,  jedoch  lebhaften  Feuergefecht,  gieng  die  Brigade  Lippert 
wieder  zum  Bajonettangriff  über  und  entriss  dem  Feinde  abermals  die  Position  von 
S.  Martino.  Doch  auch  diesmal  musste  diese  Stellung  dem  wieder  mit  Übermacht 
vorstoßenden  Gegner  überlassen  und  die  Truppe  bis  hinter  die  Höhe  von  Casette 
zurückgezogen  werden,  worauf  eine  Kampfpause  eintrat. 

Aus  dieser  Gefechtsentwicklung,  namentlich  dem  verstärkten  Geschützfeuer 
des  Feindes,  zog  FML.  von  Benedek  nun  den  Schluss,  dass  er  es  bei  S.  Martino 
nicht  mehr  mit  einer  Recognosciemngs-Abtheilung.  sondern  mit  einer  starken,  von 
Desenzano  auf  Pozzolcngo  vorrückenden  Colonne  des  Feindes  zu  thun  habe.  Unter 
diesen  Umständen  waren  die  das  Wellenterrain  in  einem  weiten  Umkreise  beherr- 
schenden Hölien  von  S.  Martino  von  hervorragender  Wichtigkeit.  Kr  gab  daher 
der  Raketen-Batterie  Nr.  8  und  der  Brigade  Berger  die  Weisung,  auf  der  Strada 
Lugana  gegen  die  Höhe  bei  Ortaglia  zur  Unterstützung  der  Brigade  Lippert  und 
der  Halbbrigade  Reichlin  vorzugehen  und  ließ  denselben  die  Corps-Geschütz- 
Reserve  und  die  Brigade  Philippovic  folgen. 

Die  von  der  Brigade  Berger  zwischen  Fenile  di  Gambi  und  Corbu  di  sopra 
zum  Gefecht  entwickelten  Abtheilungen  wurden,  um  dem  Feind  keine  Zeit  zur 
Festsetzung  auf  der  Höhe  von  Casette  zu  lassen,  von  dem  Generalstabschef 
Benedeks,  Oberstlicutenant  Ritter  von  Litzelhofen,  sofort  zum  Angriff  vorgeführt. 
Nachdem  sich  die  inzwischen  wieder  geordneten  Bataillone  der  Brigaden  Lippert 
und  Reichlin  unter  persönlicher  Führung  Benedeks  links  an  jene  der 
Brigade  Berger  angeschlossen  hatten,  drangen  dieselben,  ohne  des  äußerst  heiligen 
Feuers  des  Feindes  zu  achten,  im  Sturm  gegen  die  Höhen  von  S.  Marlino  vor 
und  entrissen  nach  hartnäckigen  Kämpfen  diese  wichtige  Position  ein  drittesmal 
den  Piemontesen. 

Die  auf  der  Strada  Lugana  und  in  dem  Terrain  östlich  derselben  zurück- 
weichenden Abtheilungen  des  Feindes  ließ  FML.  Benedek  von  seiner  Artillerie 
mit  großem  Erfolg  beschießen. 

Um  diese  Zeit  zwischen  U  und  10  Uhr  traf  die  piemonlcsisehe  Division 
Cucchiari  von  Bivoltella  auf  dem  Gefechtslerrain  ein.  entwickelte  sich  zu  beiden 
Seiten  der  Strada  Lugana  zum  Gefecht  und  gieng  mit  ihrem  rechten  Flügel  gegen 
S.  Martina  und  Contracania,  mit  dem  linken  gegen  Corbu  di  sotto,  mit  einer  noch 

•v 

Digitized  by  Google 


(IS  CLVIll.  imd  CI.IX.  rninolion.  —  Im  Kruge  vun  1M.V.>. 

• 

weiter  links  detachierten  Colonne  gegen  Ceresu  und  Vertone  vor;  außerdem  betral 
noch  eine  Brigade  der  Division  Mollard  über  Nocenta,  Pigna  und  Brugnoli  den 
Kampfplatz. 

FML.  Benedek  halte  nebst  der  bereits  entwickelten  Geschützmasse  auch 
noch  den  Rest  seiner  Artillerie  in  die  Gefechtslinie  vorgezogen  und  deren  Auf- 
marsch auf  der  Höhe  bei  Gasette  befohlen,  so  dass  mehr  als  50  Geschütze  im 
Feuer  standen. 

Die  piemontesische  Division  Gucchiari  brach  nach  Verdrängung  der  Öster- 
reicher aus  S.  Martino  über  Presea  und  Ortaglia  gegen  die  Artillerie-Stellung  des 
VIII.  Corps  auf  der  Höhe  von  Casette  gegen  Gorbu  di  sotto  vor. 

GM.  Philippovic  warf  jetzt  von  seiner  auf  der  Straße  nach  Rivoltella  vor- 
marschierenden Brigade,  deren  Tete  in  der  Höhe  von  Gorbu  di  sopra  angekommen 
war,  3  Bataillone  rasch  dem  Feind  enlgegcn.  Im  ersten  Anlaufe  wurden  die 
Gehöfte  Gorbu  di  sotto  und  Presea  genommen.  Doch,  den  überlegenen  Kräften 
nicht  gewachsen,  wichen  diese  Bataillone  zurück  und  der  Feind  drang  bis  auf  den 
Abhang  der  Höhe  von  Gasette  vor,  unter  den  Schuss  der  Batterien,  so  dass  nun 
deren  Wegnahme  zu  befürchten  stand.  Da  eilte  Benedek  herbei  und  führte  das 
5.  Kaiser-Jäger-Bataillon  zum  erneuerten  Angriffe  auf  der  Straße  vor,  während 
sein  Generalstabs-Ghef,  Oberstlieutenant  Litzelhofen,  mit  mehreren  Abtheilungen 
von  Hohenlohe-Infanterie  das  Vordringen  des  Gegners  über  Corbu  di  sotto  aufzu- 
halten suchte.  Das  5.  Kaiser-Jäger-Bataillon  nahm  die  Häuser  von  Ortaglia  und 
S.  Martino  wieder. 

FML.  Benedek  begab  sich  gleich  darauf  mit  GM.  Philippovic  zu  den  Abthei- 
lungen von  Hohenlohe-Infanterie,  stellte  sich  an  die  Spitze  derselben  und 
erstürmte  Presea  und  Gasette  (östlich  der  Straße)  wobei  an  200  Piemontesen  zu 
Gefangenen  gemacht  wurden.  Darauf  ließ  er  die  Brigade  Philippovic  das  Terrain 
beiderseits  der  Straße  zur  Deckung  der  Batterie-Stellung  auf  der  Höhe  von 
Gasette-Ortaglia,  dann  die  niederen  Terrainwellen  bei  Gasette  und  Presea  östlich 
der  Straße  besetzen  und  schob  Abtheilungen  bis  zum  Eisenbahndamm  vor. 

Im  Verlaufe  des  Gefechtes  drang  eine  feindliche  Colonne  von  Pilandro  bis 
in  die  Höhe  von  Hoven?  und  Geresa,  gegen  Bcnedeks  rechte  Flanke,  wurde  aber 
wiederholt  angegriffen  und  nach  längerem  Widerstande  ebenfalls  zum  Rückzüge 
gezwungen. 

Die  Brigaden  Lippert,  Berger  und  Reichlin  hatten  in  den  erkämpften  Posi- 
tionen von  Golombare.  Gontracania  und  S.  Martino  noch  einige  Vorstöße 
abzuwehren,  welche  der  Feind  zur  Wiedererlangung  des  Verlorenen  versuchte. 
Erst  nach  mehrmaligen  Angriffen  mit  der  blanken  Waffe  gelang  es.  den  Gegner 
gänzlich  zu  werfen  und  sich  in  jener  Stellung  bleibend  festzusetzen.  Dabei  that 
sich  am  linken  Flügel  Bcnedeks  in  den  Gefechten  bei  S.  Martino  vornehmlich 
Hauptmann  Geza  von  Fejerväry  des  Generalstabes  durch  Umsicht  und  Tapfer- 
keit hervor.  *) 


*)  Si.-lif  .Maria  Thne^it>ii-Uid.  n.<  l<iUerü.  za  Frli.  von  Fcjcrviiry*.  -  Sntu  163  LU  Ki7. 


Digitized  by  Google 


Commandern-  de*  M.  T.-O,  Ludwig  Ritter  von  Benedek. 

i 


G9 


Der  Feind  war  um  I01/,  Uhr  vormittags  auf  allen  Punkten  in  die  Ebene 
geworfen :  seine  Kraft  schien  gebrochen  und  es  trat  eine  längere  Pause  im  Gefechte 
ein.  FML.  Benedek  hatte  mit  dem  VIII.  Corps  gegen  einen  überlegenen  Feind 
den  Sieg  erfochten  und  nur  mehr  die  leichtere  Aufgabe  ihn  zu  verfolgen.  Allein 
wegen  des  zweifelhaften  Verlaufes,  welchen  der  Kampf  bei  Solferino  zu  nehmen 
schien,  zwischen  welchem  Orte  und  Gavriana  der  Feind  bereits  die  Durchbruchs- 
bewegung  vonMorino  her  begonnen  hatte,  musste  Benedek  davon  abstehen,  durch 
•  ine  Verfolgung  gegen  Rivoltella  die  errungenen  Vortheile  auszunützen. 

Er  war  nunmehr  darauf  bedacht,  der  Division  Durando,  welche  über  Ma- 
donna della  Scoperta  vornickte  und  der  Division  Fanti,  welche  von  Lonato  über 
S.  F'ietro  vorrückend,  seine  linke  Flanke  bei  S.  Donino  bedrohte,  frische  Kralle 
entgegenzustellen.  Auch  die  rechte  Flanke  erschien  durch  die  große  Entfernung 
vom  Garda-See  selbst  nach  dem  dort  zurückgewiesenen  Angriff  noch  immer 
gefährdet. 

Benedek  nahm  daher  mit  der  Brigade  Eippert  und  1  Bataillon  der  Brigade 
Reiehlin  bei  Golonibara.  Contraeania,  und  S.  Martino.  mit  der  Brigade  Berger  auf  der 
Höhe  bei  Casette.  mit  der  Brigade  Philippovie  bei  Ortaglia  und  C.  Presca  Stellung, 
ließ  die  Höhen  mit  seiner  gesammten  Artillerie  besetzt,  stellte  die  Brigade  Dauber 
bieder  Corbu  di  sopra  in  concentrierter  Aufstellung  als  Reserve  des  Gentrums  auf 
und  ließ  die  Brigade  Watervliet  in  der  Stellung  von  S.  Giacomo  zur  Deckung 
der  rechten  Flanke,  zur  Aufnahme  bei  einem  ungünstigen  Ausgange  des  Gefechtes 
und  zur  eventuellen  Verwendung  in  der  großen  Lücke,  welche  zwischen  dem 
VIII.  und  V.  Corps  vorhanden  war. 

Bald  nach  Mittag  rückten  die  Divisionen  Mollard  und  Gucchiari  wieder  vor. 
Zunächst  giengen  Colonnen  der  ersteren  vor,  welche  bald  die  Höhen  von  S.  Mar- 
tino und  Contraeania  umschlossen.  Ungefähr  gegen  1  Uhr  eröffnete  der  Gegner 
sein  Geschülzfcuer  gegen  Contraeania  und  S.  Mai  tino  und  griff  bald  darauf  mit 
der  Infanterie  in  mehreren  Colonnen  zweimal  nacheinander  an,  wurde  aber  beides- 
mal  zurückgeschlagen. 

Da  erhielt  Benedek  ungefähr  um  2  Uhr  vom  Armee-Commando  die  Verständi- 
gung, dass  Solferino  vom  Feinde  stark  angegriffen  sei,  daher  sein  Corps,  wenn 
thunlich,  auf  den  feindlichen  linken  Flügel  dieses  Angriffs  wirken  möge.  Die  zu 
besorgende  Forlsetzung  der  vom  Feinde  soeben  wieder  versuchten  Offensiv«' 
bestimmte  Benedek,  dieser  Aufforderung  nicht  nachzukommen,  da  der  Feind  den 
zurückgelassenen  Theil  des  Corps  unzweifelhaft  nach  Pozzolengo  zurückgeworfen 
und  nicht  nur  Benedeks,  sondern  auch  die  Rückzugslinie  der  II.  Armee  selbst 
gefährdet  haben  würde. 

Aus  demselben  Grunde  beantwortete  Benedek  die  durch  Major  Grafen 
Wimpffen  des  Adjutanten-Corps  mündlich  überbrachte  Allerhöchste  Anfrage  Seiner 
Majestät  des  Kaisers,  „ob  das  Corps  imstande  sei.  Streitkräfte  nach  Solferino  zu 
detachieren,  um  dort  der  Schlacht  eine  andere  Wendung  zu  gehen-"'  verneinend. 

Gegen  3  Uhr  erhielt  Benedek  von  S.  Donino  die  Meldung,  dass  der  rechte 
Flügel  des  V.  Corps  von  starken  feindlichen  Colonnen  gedrängt  werde,  und  bald 


Digitized  by  Google 


70 


Cl.Vllt.  und  CLIX.  Promotion.  --  Im  Kriege  von  tS.V.t. 


darauf  wurde  ihm  von  Pozzolengo  berichtet,  dass  Truppen  dieses  Corps  in 
Pozzolengo  angekommen  seien.  Infolge  dessen  ertheille  er  dem  GM.  Reichlin  den 
Befehl,  auf  die  Höhen  südwestlich  von  Pozzolengo  zurückzukehren  und  mit  diesen 
Streitkräften  den  Rückzug  des  V.  und  VII.  Corps  und  Benedeks  eigene  linke 
Flanke  zu  decken. 

Etwas  nach  4  Uhr  kam  Benedek  vom  Armee-Commando  der  aus  Cavriana. 
:J  Uhr  nachmittags,  datierte  Befehl  zum  allgemeinen  Rückzug  hinter  den  Mincio 
zu,  den  das  Corps  bei  Salionze  überschreiten  sollte.  Doch  auch  in  diesem  Kalle 
handelte  FMK.  von  Benedek  den  Verhältnissen  gemäß  selbständig.  Angesichts 
der  unverkennbaren  Vorbereitungen  der  Piemontesen  zu  einem  neuen  Angriff, 
entschied  er  sich  nach  einem  gegen  5  Uhr  mit  Generalität  und  Generalslab 
abgehaltenen  Kriegsrathe,  die  vortheilhaften  Positionen  nicht  zu  räumen,  bevor 
nicht  der  Gegner  nochmals  entschieden  abgewiesen  und  auf  diese  Weise  der 
Rückzug  des  V.  und  VII.  Corps  gedeckt  und  für  den  eigenen  Rückmarsch  Luft 
gemacht  war.  Da  der  Weg  nacli  Salionze  sehr  schlecht  und  die  Auffahrt  am 
linken  Mincio-Ufer  sehr  steil  war  und  nach  dem  voraussichtlichen  Gange  des 
Gefechtes  Truppen  des  V.  und  eventuell  auch  anderer  Corps  durch  Pozzolengo 
passieren  mussten.  so  ertheiltc  er  überdies  den  Befehl,  dass  die  Munitions-Unler- 
stützung  und  die  Corps-Geschütz-Reserve  dann  die  Brigaden  Philippovic  und 
Watervliet  sieh  beim  Rückzüge  auf  Peschiera.  und  die  anderen  Truppen  auf  Salionze 
dirigieren  sollten.  Zum  Antritt  des  Rückzuges  behielt  er  sich  jedoch  den  Befehl  vor. 

Kben  als  Benedek  diese  Disposition  den  Brigaden  hinausgab,  brach  ein 
helliger  Sturm  los,  welcher  den  k.  k.  Truppen  erst  dichte  Staubwolken,  sodann 
Regengüsse  in  das  Gesicht  schlug.  Diesen  Moment  benützte  der  Feind,  um  mit 
I  risch  angekommenen  Truppen  wieder  zum  Angriff  überzugehen,  welchen  er  haupt- 
sächlich wieder  gegen  Contrarania  und  S.  Martino  richtete;  zugleich  aber 
suchte  er  auch  gegen  Ortaglia  vorzudringen.  Zahlreiche  Batterien,  welche  er  in 
der  Ebene  aufgeführt  hatte,  sollten  den  Angriff  der  Infanterie  unterstützen, 
Überschossen  jedoch  und  brachten  nur  den  Reserven  einige  Verluste  bei. 

Gleichzeitig  drangen  die  Divisionen  Fanti  und  Durando  gegen  Benedeks 
linke  Flanke  vor. 

Die  Angriffe  des  Feindes  gegen  Contracania,  S.  Martino  und  Ortaglia  wurden 
dun  h  die  zähe  Ausdauer  und  hartnäckige  Tapferkeit  der  Brigaden  Lippert,  Berger 
und  Philippovic  immer  wieder  zurückgewiesen. 

Benedek  selbst  stand  im  heftigsten  Feuer  und  führte  den  bedrohtesten 
Punkten  Unterstützungen  zu. 

Nach  0  Uhr  war  der  Gegner  neuerdings  auf  allen  Punkten  mit  großen 
Verlusten  zurückgeschlagen,  sammelte  jedoch  seine  Truppen  zu  erneuertem 
Masseuangriffe. 

Angesichts  dessen  konnte  sich  Benedek  auch  nach  Zurückweisung  des  letzten 
-feindlichen  Angriffs  nicht  entschließen,  den  anbefohlenen  Rückzug  in  Ausführung 
zu  bringen.  Kr  erachtete  es  vielmehr  als  geboten,  vorher  selbst  die  letzte  Krall 
des  Gegners  zu  brechen.  Zu  dem  beherrschte  die  Höhe  von  Casette  das  ganze 


Digitized  by  Google 


Tommandeur  de*  M.  T.-O.  Ludwig  Ritler  von  Benedeit. 


71 


Terrain  bis  zum  Monte  S.  Giacomo  und  Monte  d'Ingrana,  so  dass  nach  einer  bei 
Tage  erfolgten  Räumung  jener  Höhe,  die  vom  Feinde  auf  derselben  aufgeführten 
Geschütze  den  Truppen  Benedeks  große  Verluste  hatten  zufügen  können.  Vor 
allem  wollte  aber  Benedek  die  Waffenehre  auf  das  glänzendste  aufrecht  erhalten. 
Aus  allen  diesen  Gründen  betrachtete  er  es  als  nnerlässlich.  vor  Antritt  des  Rück- 
zuges den  Feind  noch  einmal  eelatant  zu  schlagen.  Aber  auch  die  tapferen  Truppen, 
durch  seinen  Heldenmuth  und  das  glänzende  Beispiel  seiner  Generale  Berger, 
Uppert  und  Philippovic  in  kriegerischer  Begeisterung  entflammt,  harrten  mit 
Kampfbegierde  des  Zeichens  zu  erneutem  Ringen. 

Mittlerweile  hatte  am  linken  Flügel  beziehungsweise  in  der  Flanke  des  Corps 
das  Gefecht  einen  ungünstigen  Verlauf  genommen.  Die  über  S.  Rocco  und  Taverna 
auf  den  Monte  Fami  marschierende  Division  Durando,  welche  die  Vereinigung  mit 
dem  Gros  der  sardinischen  Armee  anstrebte,  war  gegen  Gontrada  del  Bosco  vor- 
gedrungen, und  der  Feind  führte  seine  Geschütze  bereits  auf  der  Höhe  von 
S.  Giovanni  gegen  einige  bei  Stefano  aufgestellte  Abtheilungen  des  VIII.  Corps  auf. 
Benedek  entsendete  seinen  umsichtigen  Generalstabschef  Oberstlieutenant  latzel- 
hofen  und  ließ  durch  ihn  die  zur  Sicherung  der  linken  Flanke  und  Rückzugslinie 
erforderlichen  Maßregeln  treffen. 

Indessen  dauerte  der  vom  Feinde  wieder  aufgenommene  Kampf  bei 
S.  Martino  ununterbrochen  fort  Ihren  vom  Glücke  mehr  begünstigten  Ver- 
bündeten nicht  nachstehen  wollend,  waren  die  Piemontesen  nach  jedem 
abgeschlagenen  Sturm  immer  wieder  gegen  verschiedene  Punkte  zum  Angriffe 
vorgegangen.  Aber  alle  Anstrengungen  scheiterten  an  dem  unerschütterlichen 
Willen  Benedeks  und  an  der  Tapferkeit  und  Ausdauer  der  braven  Truppen. 

Benedek,  welcher  bisher  seine  Steitkräfte  mit  höchster  t'msicht  und  Spar- 
samkeit verwendet  und  abends  noch  über  eine  aus  den  Brigaden  Üauber  und 
Watervliet  bestehende  Reserve  zu  verfügen  hatte,  hielt  es  nun  für  zweckmäßig, 
die  während  des  ganzen  Schlachttages  mit  besonderer  Ausdauer  kämpfende  und 
durch  zahlreiche  Verluste  geschwächte  Brigade  Lippert  zuerst  aus  der  Schlachtlinie 
zu  ziehen  und  gab  ihr  zwischen  7  und  7'/t  Hir  den  Befehl  zum  allmählichen 
Rückzüge.  Zur  Deckung  desselben  wurden  3  Bataillone  der  Brigade  Berger  auf 
die  Höhe  von  Casette  befohlen. 

Trotz  des  mit  Übermacht  nachdrängenden  Feindes  bewirkte  die  Brigade 
Lippert  in  vollkommenster  Ordnung  den  Rückzug.  Die  zur  Aufnahme  aufgestellten 
3  Bataillone  übernahmen  das  Gefecht  und  sehlugen,  mehrere  rasch  aufeinander 
folgende  Angriffe  ab.  Mit  großer  Erbitterung  führten  diese  3  Bataillone,  dann  die 
Brigade  Berger  und  3  Batterien  das  Gefecht  in  der  nun  eingebrochenen  Abend- 
dämmerung auf  der  Höhe  bei  <  lasette  fort.  Die  Piemontesen.  welche  nirgends 
einen  Erfolg  zu  erringen  vermochten,  mussten  sich  mit  der  Besetzung  jener  Punkte 
begnügen,  die  ihnen  die  k.  k.  Truppen  mit  Rücksicht  auf  den  angeordneten 
Rückzug  nach  und  nach  überließen. 

Das  Nachdrängen  des  Feindes  gegen  die  beiden  in  der  Bewegung  nach 
Casette  begriffenen  Bataillone  Dom  Miguel-Infanterie  bestärkte  Benedek  in  der 


72 


CLVIII.  und  CLIS.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1SR9. 


Überzeugung,  dass  der  Rückzug  seines  Corps  nicht  früher  als  gesichert  betnichtet 
werden  könne,  bevor  nicht  dein  Gegner  in  einer  neuen  und  entscheidenden 
Niederlage  das  Ubergewicht  der  Österreichischen  Waffen  fühlbar  gemacht  werde. 

Benedek  formierte  daher  aus  2  Bataillonen  Sachsen-  und  1  Bataillon  Dom 
Miguel-Infanterie  Sturmcolonnen  und  ließ  die  Überreste  der  Brigaden  Berger  und 
Dauber  sich  hinter  den  Flügeln  dieser  drei  Bataillone  als  Hückhalt  aufstellen.  Zur 
Verbindung  mit.  der  schon  etwas  zurückgegangenen  Brigade  Philippovic  schob  er 
ferner  1  Bataillon  Dom  Miguel  rechts  gegen  Presca  vor  und  ließ  die  auf  den  Höhen 
placierten  Batterien  den  beschlossenen  Angriff  durch  ein  wirksames  Artilleriefeuer 
vorbereiten. 

Gegen  8*/t  Uhr  abends  setzte  sich  Benedek  persönlich  an  die  Spitze  der 
Angrifl's-Colonnen  und  führte  sie  im  Sturm  unter  einem  Hagel  feindlicher  Geschosse 
vorwärts.  Die  Piemontcsen  wurden  beim  ersten  Anlaufe  geworfen  und  in  Flucht  vor 
den  Colonnen  hergetriebeu.  Kaum  war  Benedek  imstande,  seinen  siegberauschten 
Truppen  im  ungestümen  Verfolgen  Einhalt  zu  gebieten. 

Bis  9  Uhr  abends  beließ  er  die  wieder  geordneten  Abtheilungen  auf  dem 
Gefechtsfelde  in  Aufstellung  und  dann  erst,  nach  sicher  gewonnener  Überzeugung, 
dass  des  Feindes  Kraft  gebrochen  sei.  ließ  er  in  imponierender  Hube  und  Ordnung 
die  rückgängige  Bewegung  fortsetzen,  welche  durch  3  auf  der  Höhe  von  Corbu  di 
sopra  aufgestellte  Bataillone  geschützt  und  nur  von  unwirksamem  feindlichen 
Geschützfeuer  belästigt,  nach  Pozzolengo  bewirkt  ward. 

Erst  nach  dem  Abzüge  des  VIII.  Corps  besetzte  die  Hauptmacht  der  Piemon- 
tesen die  Stellung  bei  S.  Martino.  Nur  einzelne  Abtheilungen  wagten  den  zurück- 
gehenden Truppen  des  VIII.  Corps  in  großer  Entfernung  bis  in  die  Nähe  von  Monte 
S.  Giacomo  zu  folgen. 

Benedek  hielt  in  Pozzolengo  ungefähr  eine  Stunde,  um  für  die  Verwun- 
deten Wagen  zu  requirieren  oder  dieselben  auf  den  Protzen  der  Geschütze  unter- 
zubringen. Erst  nach  Fortschaffung  des  letzten  transportablen  Verwundeten  setzte 
er  mit  seinem  Corps  den  Rückzug  hinter  den  Mincio  fort,  und  zwar  die  Brigaden 
Philippovic.  Dauber  und  Watervliet  über  Peschiera,  die  Brigaden  Berger  und 
Lippert  aber  über  Ponti  und  Salionze.  Das  2.  Bataillon  Kaiser-Jäger  der  Brigade 
Watervliet  und  das  3.  Bataillon  Sachsen-Infanterie  Nr.  1 1  deckten  in  Pozzolengo 
den  Bückzug  bis  Mitternacht. 

Nach  beinahe  vierzehnstündigem  Kampfe  trat  vollständige  Waffenruhe  ein. 

Ungefähr  um  2  Uhr  morgens  des  2ö.  Juni  bewirkte  das  VIII.  Corps  den 
Ubergang  über  den  Mincio. 

Dies  die  rühm-  und  verdienstreiche  Antheilnahme  Benedeks  an  der  Schlacht 
bei  Solferino.  Durch  seine  umsichtigen  Dispositionen,  sein  energisches  Eingreifen 
und  seine  Tapferkeit  gelang  es  ihm  trotz  feindlicher  Ubermacht,  den  Gegner  zuerst 
zum  Verlassen  aller  seiner  Stellungen  zu  zwingen.  Sodann  verhinderte  er  durch 
die  hartnäckige  Behauptung  der  Stellung  S.  Martino.  ferner  Pozzolengos  bis 
10  Uhr  abends,  trotzdem  er  schon  um  1  Uhr  nachmittags  den  Befehl  zum  Rück- 
züge hinter  den  Miucio  erhalten  hatte,  den  Gegner,  auf  der  .Sirada  Cavallara  vor- 


Digitized  by  Google 


Commandtur  de*  M.  T.  O.  Ludwig  Ritter  von  Benedek. 


n 


zunicken  und  sich  des  Flussnberganges  bei  Valecgio  zu  bemächtigen,  was  den 
Verlust  des  größten  Theiles  des  Armee-Trains  und  jenes  der  Division  Prinz  Hessen 
verhütete. 

Schon  am  zweiten  Tage  nach  der  .Schlacht  überreichten  ihm  die  bei  S.  Mar- 
tino  unter  seinen  Befehlen  gestandenen  Generale,  Truppen-Conimandanten  und 
nächsten  Kampfgenossen  aus  eigenem  Antriebe  ein  Tapferkeits-Zeugnis,  welches 
der  Begeisterung  und  Verehrung  des  gesammten  Corps  für  dessen  Commandanl»  n 
beredten  Ausdruck  gab. 

Aber  nicht  bloß  in  den  Reihen  des  VIII.  Corps,  sondern  in  der  ganzen  Armee 
war  man  sich  der  Bedeutung  und  Tragweite  seiner  Waffenthat  vollauf  bewussl. 
Einstimmig  galt  es  im  Heere,  dass  der  glänzende  Erfolg  bei  S.  Martino  nur  der 
ungewöhnlichen  Charakterfestigkeit  Bcnedcks.  der  Strenge,  mit  der  er  das  Com- 
tnando  zu  führen  wusstc,  und  dem  heldenmütbigen  Beispiele,  das  er,  wie  immer, 
auch  da  seinen  Truppen  gegeben,  zu  verdanken  war.  Der  Armee-Cominandanl. 
OdC.  Graf  Schlik,  übermittelte  ihm  unter  vollster  Würdigung  seiner  verdienst- 
vollen Leistung  aus  eigenem  Antriebe  die  schriftliche  Aufforderung,  sich  um  das 
Commandeur-Kreuz  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  bewerben. 

Benedek,  mit  dessen  Waffenthat  die  höchst  verdienstvolle  Thütigkeit  seines 
Generalstabschefs,  Oberstlieutenants  von  Utzelhofen  in  innigem  Zusammenhange 
stand,  *)  hatte  jedoch  sofort  nach  der  Schlacht,  am  25.  Juli,  in  dienstlichem  Ein- 
schreiten an  den  Commandanten  der  II.  Armee  die  Verleihung  des  Maria  Theresien- 
Hitterkreuzes  für  die  hervorragenden  Leistungen  dieses  Offieiers  erbelen.  Die 
Schlussworte  dieses  Einschreitens:  „Ich  würde  für  meine  eigenen  Leistungen  als 
Cominandant  des  VIII.  Armee-Corps  die  schönste  und  theuerste  Anerkennung 
darin  finden,  wenn  Euer  Excellenz  geruhen  wollen,  dieser  meiner  ganz  gehor- 
samsten Bitte  eine  recht  baldige  allergnädigste  Gewährung  zu  verschaffen»,  bilden 
ein  classisches  Denkmal  der  edlen  Denkungsart  und  ritterlichen  Selbstlosigkeit 
Benedeks. 

Obwohl  Benedek  infolge  dessen  seine  eigene  Bewerbung  um  das  Comman- 
deur-Kreuz des  Maria-Theresien-Ordens  unterlassen  hatte,  geruhte  Seine  Majestät 
Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß  in  e  i  s  t  e  r  auf  Einschreiten  des 
Armee-Commandanten.  GdC.  Grafen  Schlik,  über  Antrag  des  Ordenscapitels  den 
KML.  Ludwig  Ritter  von  Benedek,  Maria  Theresien-Ordens-Ritter  von  18iS  her, 
für  die  in  der  Schacht  bei  SoITerino  am  24.  Juni  1859  vollbrachte  Wallenthal 
kraft  der  CLVII1.  Promolion  am  17.  October  185*)  zum  Commandeur  des  Mar  ia 
Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Der  tapfere  General  ward  nun  nahezu  der  erste  Mann  im  Heere  und  im  Ver- 
trauen des  Monarchen,  der  populärste  Soldat  in  der  öffentlichen  Meinung,  und 
mehrere  Städle,  darunter  die  Residenz  Wien,  ernannten  ihn  zum  Ehren- 
bürger. 


*)  Sü-tie  , Maria  Th»>rPsi..n-Onl.MH-ltitter  rMuanl  Vvh.  v->n  Kit  z.'llinOuu,       S.U.*  1:7 
bis  Hl. 


74  f:t.VIU.  und  Cl.IX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  18.'.?. 

Am  27.  November  1850  wurde  Benedek  zum  Feldzeugmeister,  am 
31.  Jänner  1860  zum  General-Quarticrmeistcr  Seiner  Majestät  des  Kaisers 
und  Chef  des  General-Quartiermeister-Stabes  der  Armee  ernannt 

Durch  Allerhöchste  Entschließung  vom  19.  April  1800  mit  der  Leitung  der 
politischen  Verwaltung  und  des  Landes-General-Commandos  in  Ungarn  betraut, 
wurde  er  darauf  am  20.  October  1800  zum  Armee-Commandan  ten  und  Chef 
des  Landes-General-Commandos  im  lombardisch -venetianischen  Königreich»*. 
Kärnten,  Krain,  Tirol  und  dem  Küstenlande  ernannt  und  auf  sein  Ansurhen  am 
20.  Februar  1801  von  der  Leitung  des  General-Quartiermeister-Stabes  enthoben. 

In  Anerkennung  des  vorzüglichen  Zustandes,  der  musterhaften  Ordnung 
und  des  besten  Geistes  bei  der  Armee  ward  er  am  14.  Jänner  1802  mit  dem 
Großkreuze  des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegsdecoration  des  Comman- 
deur-Kreuzes  ausgezeichnet 

Am  24.  November  1804  erfolgte  auf  Benedeks  Bitte  dessen  völlige  Enthebung 
von  der  Stelle  eines  ( Ihefs  des  General-Quartiermeister-Stabes. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  1  talien  im  Jahre  1800  wurde  Benedek 
an  die  Spitze  der  Nord-Armee  gestellt  Das  weitere  Schicksal  dieses  tapferen 
Generals  in  diesem  Feldzuge  gehört  der  allgemeinen  Kriegsgeschichte  an.*) 

„FZM.  Benedek*  —  sagt  das  ofücielle  Werk  des  k.  k.  Generalstabes  — 
„schloss  hiemit  eine  thatenreiche  Laufbahn,  die  lange  voll  Glanz  und  Ruhm,  ein 
minder  tragisches  Geschick  verdient  hätte.  Das  leidenschaftslose,  gerechte  Urtheil 
wird  über  dem  Missgeschicke,  das  seine  letzten  Schritte  begleitete,  der  vielen 
heldenmüthigen,  immer  glücklichen  und  vom  Erfolge  gekrönten  Thaten  nicht  ver- 
gessen, die  er  früher  im  Dienste  des  Kaisers  vollbracht  und  wird  ihm,  obgleich 
er  der  letzten  schweren  Last  erlag,  die  er  nur  zögernd  auf  sich  genommen,  ein 
ehrenvolles  Andenken  sichern." 

Benedek  trat  am  1.  November  180G  in  den  Buhestand  und  starb  am 
27.  April  1881  zu  Graz. 


Killer  dos  Maria  Theresien-Unlens 
Anton  Ritter  von  Prockosrh. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  ImCÜ.) 

Als  Sohn  eines  Häuslers,  welcher  zugleich  auch  Patental-Jnvaliden-Corporal 
aus  der  Zeit  der  Franzosenkriegc  war,  wurde  Prockosch  in  Trohatin  bei 
Bischofteinitz  im  Klattauer  Kreise  des  Königreiches  Böhmen  am  10.  Jänner  1817 
geboren.  Im  21.  Lebensjahre,  am  24.  April  18:57.  erfolgte  seine  Assentierung  als 


*)  Siehe  Olingens  Ahsclmilt:  .CLXIV.  his  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  gegen  Preutieii 
und  Italien  180*»."  —  ,lm  Kriege  yi'jren  Preußen.*  Seit»-  .\*>3  Irin  :t:!".. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Hilter  de*  M,  T.-O.  Ant<m  Ritter  v«.ti  Prockosrlt. 


Gemeiner  zum  Infanterie-Regiment  Nr.  35.  Nach  dreieinhalhjühriger  Dienstzeit 
übertrat  er  jedoch  von  der  Infanterie  zu  jener  Walle,  in  der  er  sich  späterhin  dank 
seiner  heldenmütigen  Tapferkeit  und  Klugheit  ruhmvoll  hervorthun  sollte.  Am 
1.  Decemher  1840  zu  dem  damaligen  1.  Artillerie-Regiment*)  als  L'nterkanoni  er 
übersetzt,  sehen  wir  ihn  nach  achtmonatlicher  Dienstzeit  bei  dem  Geschütz 
zum  Oberkanonier  und  zu  Ende  seines  siebenten  Dienstjahres  zum  Corporal 
vorrücken.  In  dieser  Zeit  legt  er  den  Grund  zu  seiner  späteren  Tüchtigkeit 
als  Artillerist.  Außer  in  den  Fachkenntnissen  macht  er  besonders  in  den  mathe- 
matischen Disciplinen  gute  Fortschritte.  Kr  vervollständigt  aber  auch  in  den  vor- 
trefflichen Truppenschulen  der  Artillerie  und  durch  rastloses  Selbststudium  seine 
allgemeine  Bildung.  In  dienstfreien  Stunden  ertheilt  er  Privat-Lectionen  und 
erwirbt  dadurch  die  Mittel  zur  Anschaffung  der  ihm  notwendigen  Bücher.  So  lebt 
er  als  Unterofficier  nur  dem  Dienste  und  seiner  Fortbildung. 

Als  Corporal  befindet  er  sich  während  der  1818er  Frager  Straßenkämpfe 
am  12.,  13.,  Iii.  Juni  in  dieser  Stadt  in  Garnison,  ohne  aber  in  ein  Gefecht  zu 
kommen.  Im  zwölften  Jahre  seiner  Dienstzeit  zum  Feuerwerker  bei  dem 
bestandenen  Feuerwerks-Corps  befördert,  macht  rr  den  Krieg  gegen  Piemont 
in  Italien  und  zwar  den  Feldzug  von  181'.)  mit,  kommt  aber  auch  da  in  kein  tiefecht. 

Kurz  nach  beendetem  Kriege  avanciert  er  zum  Oberfeuerwerker.  Als 
solcher  auch  im  Kanzleifache,  im  Verptlegs-  und  Zeugsrechnungswesen  gleich  gut 
bewandert  und  bewährt,  wird  er  am  II.  März  1850  reengagiert. 

Im  vierzehnten  Jahre  seiner  Laufbahn  schwingt  sich  Prockosch  zum 
Officier  empor,  indem  ihm  zu  Neujahr  1851  die  Beförderung  zum  Unter- 
lieutenant zutheil  wird,  und  zwar  in  demselben  I.  Artillerie-Regiment,  in  welches 
er  vor  zehn  Jahren  von  der  Infanterie  übergetreten  war.  Nach  fast  vierjährigem 
Batteriedienste  bei  dem  2.  und  <>.  Artillerie-Regimente  wird  er  am  11.  November 
1854  Oberlieutenant,  versieht  in  dieser  Charge  den  Dienst  eines  Regiments- 
Adjutanten,  bis  er  gegen  Ende  1857  zum  8.  Artillerie-Regimente**)  transferiert  wird. 
Mit  diesem  zieht  er  im  Jahre  185'.)  gegen  Piemont  und  Frankreich  in  Italien  in  den 
Krieg,  und  zwar  als  Commandant  der  halben  /.wölfpfündigen  Batterie  Nr.  7/VIII. 

Prockosch  befand  sich  in  diesem  Feldzuge  mit  seiner  llalbbatterie  in  der 
Brigade  GM.  Graf  Schaaffgotsche  und  mit  dieser  in  der  Truppen-Division  des 
FML.  Frh.  von  Urban  eingetheilt,  welch  letztere  die  linke  Flügel-Colonne  derjenigen 
Truppen  bildete,  so  am  20.  Mai  unter  Commando  des  FML.  Grafen  Stadion  die 
forcierte  Recognoscierung  gegen  Voghera  auszuführen  hatten  und  das  Treffen 
bei  Monte  hello  schlugen. 

Die  Brigade  Schaaffgotsche  rückte  an  diesem  Tage  an  der  Spitze  der  Division 
Urban  von  Broni  um  Uhr  zunächst  gegen  Casteggio  vor.  Dabei  war  die  llalb- 
batterie Prockosch  in  der  Marsch-Colonne  vertheilt.  Hinter  dem  die  Tete  bildenden 
3.  Jäger-Bataillon  marschierten  zwei,  und  hinter  dem  nachfolgenden  3.  Bataillon 


*)  Seil  1.  Mai  ISS5:  8.  Böhmisches  Corps- ArlilkTie-Rfgitnent. 
*•)  Seit  1.  Mai  1S85:  l±  Ungarisches  Artilkrie-Hefiment. 


Digitized  by  Google 


70 


CLVIII.  und  CLIV.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Dom  Miguel  Nr.  39  wieder  zwei  «einer  Geschütze,  worauf  der  Rest  der  Brigade 
folgte.  Hinter  dem  vorderen  Geschützzug  marschierte  überdies  eine  halbe  Raketen- 
Batterie.  Die  Geschützbedeckung  bildeten  Szluiner  Grenzer. 

Nach  1 1  Uhr  stieß  angesichts  von  Casteggio  die  Vorhut  auf  feindliche  Vor- 
posten, welche  sieh  nach  kurzem  Geplänkel  gegen  den  Ort  zurückzogen.  Casteggio 
ist  ein  ziemlich  großer,  auf  einer  steilen  Höhe  gelegener  Ort.  Am  Nordrand  der- 
selben stand  ein  großes,  castellartiges  Gebäude,  an  welches  sich  mehrere  feste, 
gemauerte  Häuser  anschlössen.  Die  Örtlichkeit  dominierte  die  Umgegend  nach 
allen  Seiten  und  wäre  daher  äußerst  schwierig  zu  erstürmen  gewesen,  zumal  das 
Plateau  des  Castells  von  einer  bewaffneten  Menge  —  wie  vermuthet  wurde,  von 
Freischärlern  —  besetzt,  überdies  der  Ortseingang  verbarricadiert  war.  Aus  diesem 
Anlasse  eröffneten  auch  die  mit  dem  Tete-Bataillon  marschierenden  beiden 
Geschütze  alsbald  ihr  Feuer.  Schon  bei  dieser  ersten  Gelegenheit  bekundete  Ober- 
lieutenant Prockosch  einen  schneidigen  Kampfeseifer.  Seine  Aufstellung  war  von 
feindlichen  Tirailleurs  flankiert  und  ein  großer  Theil  der  Mannschaft  stand  über- 
dies zum  erstenmal  im  Feuer,  wodurch  das  Einschießen  der  Geschütze  einigermaßen 
erschwert  schien.  Prockosch  saß  darum  vom  Pferde  ab  und  richtete  die  Geschütze 
persönlich.  Dank  diesem  persönlichen  Eingreifen  Prockosch'  wurde  sowohl  Barricade 
als  Castell  von  allem  Anfang  an  so  wirksam  beschossen,  dass  der  Feind  bereits 
nach  dem  achten  Kanonenschusse  den  Ortseingang  wie  den  Castellplata  räumte. 

Nach  kurzem  Geplänkel  konnten  sodann  die  Dreier-Jäger  in  den  Ort  dringen 
und  bald  darauf  die  übrigen  Truppen  der  Brigade  ohne  weiteren  Kampf  Casteggio 
besetzen.  Der  durch  die  Artillerie  erschütterte  Feind  wurde  durch  die  Cavallerie 
verfolgt  und  zog  sich  rasch  aus  dem  Orte  zurück.  Die  Brigade  Schaaffgotsche  rückte 
ihm  dann  ohne  Kampf  gegen  Montebello  nach,  während  die  Halbbatterie  Prockosch 
in  Casteggio  stehen  blieb. 

Das  Gros  der  Division  Urban  besetzte  darauf  letzteren  Ort  um  3,M  Uhr  nach- 
mittags. Inzwischen  hatte  die  Brigade  SchaafTgotsche  Montebello  sammt  dem  vor- 
liegenden Terrain  besetzt,  und  sämmtliche  Truppen  des  FML.  Grafen  Stadion 
schickten  sich  über  dessen  Befehl  an.  ihre  Vorposten  aufzustellen  und  die  Lager 
zu  beziehen,  da  derselbe  an  diesem  Tage  nicht  weiter  vorzurücken  gedachte. 

Bald  sollte  jedoch  der  eigentliche  Kampf  an  diesem  Tage  angehen  und  dem 
Oberlieutenant  Prockosch  Gelegenheit  bieten,  auf  außerordentliche  Weise  in  den- 
selben einzugreifen.  Von  2'/a  Uhr  nachmittags  angefangen  griff  der  Gegner  von 
Voghera  her  die  von  der  Brigade  Schaaffgotsche  besetzte  Stellung  von  Montebello, 
insbesondere  die  Höhe  von  Genestrcllo,  wiederholt  und  mit  immer  stärker  an- 
wachsenden Kräften  an.  Der  erste  Angriff  des  Feindes  wurde  abgeschlagen.  Beim 
zweiten  wogte  der  Kampf  hin  und  her;  dabei  zeigte  es  sich,  dass  die  in  erster 
Linie  befindlichen  Sechspfünder  der  Cavallcric-Batterie  10  VIII  auf  die  Daner  nicht 
zu  genügen  vermochten.  Die  eigene  Infanterie  konnte  sich  bald  nur  mehr  mit  Mühe 
behaupten;  theilweise  war  sie  sogar  gezwungen  zn  weichen. 

In  diesem  Gefechtsmoment  wurde  dem  Oberlieulcnnnt  Prockosch  die  Aufgabe 
zutheil,  von  der  Straße  aus  das  Vorgehen  des  Gegners  zu  hindern.  Er  rückte  von 


Digitized  by  Google 


Hitler  iU-<  M  T.  II.  Anl.m  Riltcr  von  IWk..«cli. 


77 


Caslcggio  durch  Montcbello  über  Genestrello  hinaus  gegen  tl«u  Feind  bis  auf 
Kartfdschen-Distanz  rasch  vor  und  ließ  nach  Zulass  der  Straßenbreite  zwei  seiner 
Geschütze  sofort  ein  lebhaftes  Feuer  eröffnen.  Dadurch  wurde  das  Debouchieren  der 
feindlichen  Colonnen  von  Voghera  und  Campo  Ferro  für  kurze  Zeit  gehemmt.  Als- 
bald concentrierten  aber  die  feindlichen  Tirailleurs  ihr  Feuer  gegen  seine  Position, 
welche  in  der  Ebene  inmitten  der  Cullur  ohnedem  nicht  sehr  günstig  war.  Zudem 
wurde  auch  die  eigene  Infanterie  durch  die  Übermacht  des  Feindes  immer  weiter 
zurückgedrängt  und  es  drohte  Prokosch  Gefahr,  abgeschnitten  zu  werden.  Er  zog 
sich  daher  in  strengster  Ordnung  und  unter  stetigem  Feuer  zurück,  so  dass  dem 
Feinde  auch  da  noch  verwehrt  wurde,  mit  größeren  Massen  hervorzubrechen.  Dies 
kam  der  eigenen  Infanterie  sehr  zustatten.  Sie  brachte  das  Gefecht  an  einzelnen 
Punkten  zum  Stehen;  an  anderen  warf  sie,  durch  frische  Kräfte  verstärkt,  den  Feind 
mit  dem  Bajonnett  wiederholt  zurück. 

An  einem  günstigen  Straßenpunkte  nächst  G  enes  trel  lo  nahm  Prockosch  mit 
zwei  Geschützen  seiner  Halbbatterie  neuerdings  Stellung.  Mehr  konnte  auf  der 
Straße  wegen  Raummangel  und  seitwärts  derselben  wegen  der  tiefen,  unpassier- 
baren Straßengräben  nicht  ins  Feuer  gebracht  werden.  Nach  langem  heftigen  Feuer- 
gefecht mussten  die  Dreier-Jäger  und  das  Grenadier-Bataillon  von  Hess  Nr.  W  die 
Höhen  von  Genestrello  und  dieses  letztere  selbst  räumen.  FML.  Frb.  von  Urban  sah 
sich  genöthigt,  die  im  Feuer  befindliche  Brigade  Schaaffgotsche  durch  die  Brigade 
Braum  theilweise  abzulösen.  Hiebei  musste  sich  die  Infanterie  der  ersteren  unter 
großen  Verlusten  und  vom  Feinde  heftig  verfolgt,  zurückziehen.  Mit  derselben  im 
taktischen  Verbände  hätte  auch  die  Halbbatterie  Prockosch  zurückgehen  sollen. 
Er  blieb  jedoch  aus  eigenem  Antriebe  in  seiner  Aufstellung  auf  dem  rechten  Flügel 
der  Truppen ,  welche  Montcbello  zu  vertheidigen  hatten  und  zwar  anfangs  in  der 
Höhe  von  Genestrello,  später  vor  dem  Nordwesteingange  von  Montcbello 
und  kämpfte,  da  von  der  ablösenden  Brigade  Braum  keine  Geschütze  auf  dem  von 
ihm  besetzten  wichtigen  Punkte  erschienen,  in  dieser  Brigade  beharrlich  weiter. 

An  Prockosch'  zwei  Geschützen  fanden  sowohl  die  in  deren  unmittelbarem 
Bereich  kämpfenden  eigenen  Bataillone  als  die  tapferen  Haller -Husaren  festen 
Rückhalt.  An  seinem  ununterbrochenen,  lebhaften  Feuer  brach  sich  die  Verfolgung 
der  eigenen  Infanterie  durch  den  übermächtig  anstürmenden  Gegner.  An  seiner 
mit  unerschütterlicher  Zähigkeit  behaupteten  Position  stockte  überhaupt  das 
Vorgehen  der  allmählich  ins  Gefecht  tretenden  französischen  Infanterie-Division 
Forcy. 

Prockosch  verwehrte  dem  Feinde  durchstunden  die  Wegnahme  von  Montc- 
bello und  erzielte  dabei  überdies  den  für  die  k.  k.  Artillerie  höchst  rühmlichen 
Erfolg,  mit  zwei  Geschützen  die  gegnerischen,  auf  mehreren  Punkten  postierten 
sechs  Geschütze  zeitweise  zum  Schweigen  zu  bringen. 

Aber  auch  weiterhin,  während  des  nachfolgenden  mörderischen  Kampfes  um 
Montcbello  selbst,  behauptete  Prockosch,  mit  der  Brigade  Braum  ununterbrochen 
weiter  kämpfend,  die  genommene  Aufstellung  nordwestlieh  des  Ortes  gegen  den 
Ansturm  des  entlang  der  Straße  massenhaft  vordringenden  Feindes.  Im  heiligsten 


Digitized  by  Google 


7S 


Cl.Vlll  und  CI.1X.  IV.  moti.,1,.  -    In.  Krug.-  xou  I.N.V.». 


Feuer  der  gegnerischen  Infanterie  schmelterlen  seine  Geschütze  Schuss  auf Schuss 
des  Feindes  Reihen  nieder.  Bis  auf  <JO  Schritte  ließ  er  schließlich  die 
Franzosen  an  seine  Position  ankommen.  Dann  erst  —  nachdem  er  durch 
eine  letzte  Kartätschen-Salve  die  anstürmende  Golonne  deeimiert  und  erschüttert 
hatte  —  trat  dieser  heldenmüthige  Aitillerie-Offieier.  gegen  o  Uhr  ahends,  mit  der 
eigenen  Infanterie  von  Montehello  den  Hückmarsch  gegen  Casteggio  an. 

Diese  überaus  zähe  Ausdauer  vermochte  Proekosch  nur  dank  seiner  außer- 
ordentlichen Tapferkeit,  ferner  aber  auch  nur  dank  dem  Umstände  zu  entwickeln, 
dass  er  durch  das  eigene  Beispiel  seine  gesammte  Mannschaft  durch  Stunden  zum 
Heldenmulhe  entflammte,  dass  er  seine  Artilleristen,  vom  Feuerwerker  bis  zum 
jüngsten  Kanonier  herab,  zur  höchsten  Anspannung  aller  Kräfte  mit  sich  fortriss. 

Nur  auf  diese  Weise  vermochte  Pruckosch  mit  den  zwei  Geschützen,  welche 
er  ins  Feuer  bringen  konnte,  so  entscheidend  in  den  Kampf  einzugreifen,  dass 
der  Feind  erst  nach  vierstündigem,  blutigen  Kampfe,  um  l/t7  Uhr.  Montebellos 
sich  bemächtigen  konnte.  Aber  auch  dann  noch  wirkte  der  außerordentlich  zähe 
Widerstand  der  kaiserlichen  Waffen  mächtig  nach.  Der  Feind  unternahm  es  nicht, 
die  k.  k.  Truppen  noch  einmal  anzugreifen,  trotzdem  er  zum  Schlüsse  des  Gefechtes 
durch  die  Infanterie-Division  Bazaine  unter  persönlicher  Führung  des  Marschalls 
Baraguey  d'Hilliers  und  noch  durch  andere  Truppen  mittels  Eisenbahn  auf  dem 
Gefechtsfelde  von  Montehello  bis  zur  Stärke  von  fünf  Brigaden  anwuchs.  Umsonst 
erwarteten  die  kaiserlichen  Truppen  bei  Einbruch  der  Dunkelheit  in  der  Höhe  von 
Casteggio,  woselbst  auch  die  Ilalbbatterie  Proekosch.  und  zwar  wieder  auf  der 
Straße.  Stellung  nahm,  den  entscheidenden  Angriff  des  Feindes  bis  in  die  Nacht 
hinein.  Der  Gegner  verzichtete  nicht  nur  auf  weiteres  Vorgehen,  sondern  räumte 
auch  im  Verlaufe  des  Abends  das  Gefechtsfeld. 

Ein  wesentliches  Verdienst  um  diesen  Ausgang  und  den  eigentlichen  Zweck 
des  Gefechtes  hatte  Oberlieutenant  Proekosch.  Sein  tapferes,  zähes  Ausharren 
hatte  hauptsächlich  dazu  beigetragen,  den  Feind  zur  Entwicklung  seiner  Kräfte 
zu  veranlassen.  Proekosch  hatte  überdies  nicht  nur  die  eigene  Infanterie  vor  großen 
Verlusten  bewahrt,  sondern  auch  den  Glanz  der  kaiserlichen  Waffen  —  insbeson- 
dere der  österreichischen  Artillerie  —  gemehrt  und  so  sich  selbst  mit  Ruhm 
bedeckt.  Alle  Kampfgenossen  Proekosch'  und  namentlich  alle  Truppenführer  bis 
zum  FML.  Grafen  Stadion  hinauf  wetteiferten,  dies  anzuerkennen. 

Noch  weit  höhere  Anerkennung  wurde  ihm  aber  später  zutheil,  indem  ihm 
der  Oberste  Kriegsherr  für  sein  umsichtiges  und  tapferes  Benehmen  im 
Treffen  bei  Monlebello  das  Ritterkreuz  des  österreichischen  Leopold- 
Ordens  zu  verleihen  geruhte. 

Des  höchsten  Kriegerluhnes  wurde  dieser  heldenmüthige  Oflicier  theilhaftig 
da  auf  Grund  der  Waffenthat  von  Montehello  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum 
des  Capitels  den  Obcrlieulenaut  Anton  Proekosch  krall  Promotion  CLV1II  am 
17.  October  1850  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren  befand. 


Digitized  by  Google 


Hitler  iK-  .M.  "IVO.  Antun  Hilt-.M  \<ii  1'r.jckoMli. 


70 


Im  ferneren  Verlaufe  des  Feldzuges  von  18.VJ  machte  Prockosch  mit  .seiner 
Halbbalterio  die  Operationen  und  Kämpfe  der  Division  des  FML  Frh.  von  Urban 
—  darunter  insbesondere  die  Beschießung  von  Varese  am  31.  Mai  —  mit. 

Am  1.  Februar  1860  wurde  Oberliculenant  I'rockosch  zum  1.  Artillerie- 
Regiment  transferiert,  kurz  darauf  —  am  4.  Juni  lSOO  —  zum  Hauptmann 
11.  Clas sc  bei  dem  2.  Artillerie-Regiment  befördert,  am  ö.  Octobcr  1SG3  anlässlich 
st'iner  füiifundzwanzigjährigen  Dienstzeit  mit  dem  Ufficiers- Dienstzeichen 
1.  Classc  betheilt  und  am  1.  Juli  1805  zum  Hauptmann  I.  Classe  ernannt. 

Im  Jahre  18G6  machte  er  in  seinem  Artillerie-Regiment  Kronprinz  Erzherzog 
Rudolf  Nr.  2*)  mit  der  achtpfündigen  Kußbatterie  Nr.  9/ II  in  der  Corps-Gesehütz- 
Rcscrve  des  II.  Armee-Corps  bei  der  Nord-Armee  eingetheilt.  den  Krieg  gegen 
Preußen  und  Italien  und  zwar  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit.  In  demselben 
kam  er  mit  seiner  Ratterie  zunächst  in  dem  Gefechte  bei  Gradlitz  näcbst  Königinhof 
am  30.  Juni  im  Verband  der  Corps-Geschütz-Reserve  ins  Feuer.  Der  Feind  wurde 
da  von  den  Anhöhen  von  Kukus  und  Salnei  so  wirksam  beschossen,  dass  sowohl 
dessen  Infanterie  als  Artillerie  trotz  wiederholtem  Vortücken  schließlich  zum 
Rückzüge  gezwungen  wurde. 

Zum  zweilenmale  in  dem  Feldzuge  von  18GG  kämpfte  Prockosch  mit  seiner 
Batterie  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz,  und  zwar  wieder  im  Verbände  der  Corps- 
Geschütz-Reserve  des  II.  Corps  noch  mit  5  anderen  Batterien  des  2.  Artillerie- 
Regiments,  unter  Commando  des  Oberstlieulenants  Frh.  von  Cammerlander.  Die 
erste  Aufstellung  wurde  auf  der  Anhöhe  bei  Sendrasic.  die  zweite  späterhin  auf 
der  Höhe  südöstlich  von  Horenoves  nächst  den  historischen  zwei  großen  Bäumen, 
auf  dem  rechten  Flügel  des  II.  Armee -Corps  und  zugleich  der  Armee  seihst, 
genommen.  Hiebei  kam  die  Batterie  Prockosch  als  dritte  vom  rechten  Flügel  nach 
linkshin  zu  stehen.  Das  Feuer  wurde  um  10  Uhr  vormittags  eröffnet  und  nach 
wechselnden  Directionen  erst  in  der  Richtung  des  Swiep- Waldes,  dann  gegen  die 
Höhen  von  Zizeloves-Racic,  mit  wirksamem  Antheil  an  dem  anfänglich  günstigen 
Gange  derSchlacht  unterhalten.  Auf  die  Wahrnehmung  hin,  dass  der  Feind  sich  auf 
seinem  linken  Flügel  verstärkt  hatte,  verließ  Prockosch  aus  eigenem  Antriebe  seine 
Stellung  und  machte  eine  Frontveränderung  rechts.  So  vermochte  er  zwei  feind- 
liche Batterien  sehr  vorteilhaft  zu  beschießen.  Die  Batterie  Prockosch  s;ih  sich 
sodann  in  dem  nachfolgenden  großen  Arlilleriekampfe  der  Schlacht  bei  Königgrätz 
von  feindlichen  Geschützmassen  in  heftiges  Kreuzfeuer  genommen.  Dadurch  wurden 
zwei  seiner  Munitions-Wagen  in  die  Luft  gesprengt.  3  Pferde  seiner  Bespannung 
erschossen,  während  I  Mann  der  Batterie  todt  auf  dem  Kampfplätze  blieb  und 
3  Mann  verwundet  wurden.  Trotz  des  heftigen  Feuers  behauptete  die  Batterie 
durch  ungefähr  vier  Stunden  ihre  Stellung  mit  bester  Wirkung,  bis  der  Feind  den 
rechten  Flügel  der  k.  k.  Armee  gänzlich  zu  umfassen  drohte.  Nachdem  dabei  dir 
Zahl  der  feindlichen  Batterien  stets  wuchs,  dieselben  die  Position  bei  Horenoves 
von  zwei  Seiten  enlilierten.  die  k.  k.  Truppen  bereits  den  Rückmarsch  angetreten 


♦)  Seit  1.  Mai  1885:  10.  Mälimch-schlesisches  Corps-Artilh  rie  Hegimeiit. 


Digitized  by  Google 


so 


CI.VIII.  und  CI.IX.  rn»iii..liu».  —  Im  KricKe  vi-n  18.V.). 


und  fast  alle  Batterien  bis  auf  wenige  Schüsse  sich  verschossen  hallen,  trat  auch 
die  Batterie  Prockosch  mit  der  Geschüty.roservc  des  II.  Corps  auf  Befehl  des  Oberst- 
lieutenants  Fhr.  von  C'.ammerlander  gegen  3  Uhr  nachmittags  in  größter  Ordnung 
den  Rückzug  an.  Hiebei  wurden  noch  zwei  Aufstellungen  hinter  einander,  und 
zwar  etwa  2000  Schritte  südlich  der  Stellung  von  Hofenovcs,  dann  bei  Lochenic, 
genommen.  Die  Batterie  Prockosch  speciell  fuhr  überdies  während  dieses  Rück- 
zuges ein  drittesmal  auf,  und  beschoss  die  gegen  die  k.  k.  Infanterie  vorgehende 
feindliche  Cavalleric  so  wirksam,  dass  sich  dieselbe  zurückzog  und  die  beabsich- 
tigte Attaque  aufgab 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  dem  Hauptmann  Anton  Ritter  von 
Prockosch  für  seine  Verdienste  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz  das  Militär-Ver- 
dienstkreuz mit  der  Kriegsdecoration  zu  verleihen. 

Noch  ein  drittesmal  in  dem  Feldzuge  des  Jahres  1800  —  und  zwar  bei  dem 
Trollen  von  Blumenau  am  22.  Juli  —  stand  Prockosch  in  Aetion,  ohne  jedoch 
mehr  mit  seiner  in  der  Reserve  eingetheilten  Batterie  ins  Feuer  zu  kommen,  da 
während  des  Gefechtes,  um  Mittag,  Waffenstillstand  eintrat,  aufweichen  später  der 
Fried«*  folgte. 

Nach  dem  Feldzug  von  1860  diente  Prockosch  noch  durch  sieben  Jahre  mit 
stets  gleich  bleibendem  musterhaften  Pflichteifer  weiter,  bis  er  nach  vollendeter 
vierzigjähriger  Dienstzeit  seine  ruhmreiche  Soldatenlaul'bahn  beschloss  und  am 
1.  Juli  1873  in  den  Ruhestand  trat.  Hiebei  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser, 
dein  Hauptmann  Prockosch  den  Majors-Charakter  ml  fionorcs  allergnädigst 
zu  verleihen. 

Nur  kurze  Zeit  war  es  ihm  vergönnt,  der  bestverdieuten  Ruhe  sich  zu 
erfreuen.  Nach  kurzer  Krankheit  wurde  er  am  7.  Jänner  1878  von  jähem  Tode 
dahingeralll. 


Ritler  des  Maria  Thcrcsieii-Oideiis 
Leopold  Freiherr  von  Kdelshcim-G.vulai. 

(Mit  Bildnis  aus  dt-m  Jahre  1860.) 

Fdelsheim  wurde  am  10.  Mai  182G  in  Carls  ruhe  im  Großherzogthume 
Baden,  als  Sprössling  einer  alten,  schwäbischen  Adolsfamilio  geboren.  Kaum 
10  Jahre  alt,  trat  er  als  unobligater  Regiments-Cadet  am  21.  Mai  IS  12  in  das 
k.  k.  österreichische  Chevauxlegers-Regiment  Nr.  5  ein  und  schon  nach  zohu- 
nionatlicher  Dienstzeit  wurde  er  am  10.  März  1843  zum  Officier  befördert.  Nach- 
dem er  als  Unterlieutenaiit  zwei  Jahre  in  seinem  5.  ( Ihevauxlegers-Regimcnte 
und  weitere  zwei  Jahre  bei  den  Württemberg-Husaren  Nr.  0  gedient,  rückte  er 
am  10.  Juli  1817  zum  Capitän-Lieutenant  im  38.  Infantorio-Regimente  vor. 
um  schon  einen  Monat  darauf  bei  Wallmoden-Kürassieren  Nr.  0  zum  Premier- 
Rittmeister  befördert  zu  weiden. 


Digitized  by  Google 


/ 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  0.  Leopold  Freiherr  von  Edclsheim.Oyulai. 


81 


Als  schneidiger  Führer  seiner  Kürassier-Schwadron  errang  er  in  den  Feld- 
zögen  1848/49  in  Ungarn  die  ersten  Lorbeeren.  Am  28.  Oetober  1848  machte  er 
mit  dem  Corps  Jellacic  den  Angriff  auf  Wien  mit.  Noch  in  demselben  Jahre,  wie 
auch  im  Jahre  1849  kämpfte  er  dann  in  Ungarn  unter  der  Führung  eines  der  vor- 
trefflichsten Reiter-Generale,  in  der  Gavallerie-Brigade  des  tapferen  GM.  Ottinger, 
und  zwar  1848  in  den  Gefechten  bei  Prellenkirchen  (an  derLeitha)  am  13.  Decem- 
ber,  bei  Bäbolna  am  28.  December  und  bei  Moor  am  30.  December.  Edelsheim 
zeichnete  sich  in  allen  den  angeführten  Kämpfen  durch  hohe  persönliche  Bravour  aus. 

Nicht  minder  rühmlichen  Antheil  nahm  er  an  den  Kämpfen  des  Jahres  1849, 
und  zwar  in  dem  Avantgarde-Gefecht  bei  Teteny  am  3.  Jänner,  in  den  Gefechten 
bei  Szolnok  am  22.  Jänner,  bei  Czegled  am  25.  Jänner,  bei  den  Angriffen  auf 
die  Brücke  bei  Czibakhäza  am  4.  und  24.  Februar,  bei  dem  Überfalle  nächst 
Szolnok  am  5.  März,  ferner  an  der  Schlacht  bei  Isaszeg  am  6.  April,  an  den 
Gefechten  bei  Czinkota  am  10.  April  und  am  Räkos  am  11.  April.  In  der  letzt- 
erwähnten Affaire  eroberte  er  mit  großer  Bravour  eine  von  dem  Feinde  genommene 
k.  k.  Batterie  wieder  zurück,  wurde  aber  dabei  verwundet. 

Kaum  zur  Noth  wieder  hergestellt,  sehen  wir  ihn  auf  hoher  See,  nämlich  bei 
der  Belagerung  von  Anco  na  im  Mai  1849.  Auf  der  Flotten-Escadre  eingeschifft, 
machte  er  die  Beschießung  Anconas  durch  Sr.  Majestät  Fregatte  „Venere" 
und  Kriegsdampfer  „  Cur  ta  tone*  am  27.  Mai  mit. 

Schon  nach  wenigen  Tagen,  am  12.  Juni,  war  er  aber  wieder  bei  der  Ein- 
nahme von  Neusatz,  dann  am  25.  Juni  im  Treffen  bei  Ö-Becse.  Weiter  machte 
er  das  Gefecht  bei  Hcgycs  am  6.  Juli,  darauf  die  Schlacht  bei  Ilcgyes  am  14.  Juli 
mit.  In  allen  diesen  Affairen  kämpfte  er  mit  Auszeichnung.  Für  sein  entschlossenes 
tapferes  Verhalten  in  der  Attaque  am  Räkos  wurde  ihm  die  Allerhöchste 
Belobung  zutheil.  Für  seine  Bravour  im  Gefechte  bei  Hegyes  wurde  er  mit  dem 
Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe  ausgezeichnet.  Endlich  erhielt  er  am 
4.  Jänner  1850  das  Militär-Verdienstkreuz. 

So  schon  in  dem  ersten  Kriege,  den  er  mitmachte,  mit  Ehren  reich  bedeckt, 
gieng  er  nach  demselben  wieder  an  die  Friedensarbeit  mit  Ross  und  Reiter,  wie 
ihn  dies  sein  cavalleristisch  bahnbrechendes  Streben  rastlos  üben  hieß.  Rasch 
durcheilte  er  alle  Grade  der  Stabsofficierscharge.  Seine  Beförderung  zum  Major 
erfolgte  am  5.  November  1850,  zum  Oberstlieutenant  am  20.  December  1851, 
und  zum  Obersten  und  Regiments  -  Commandanten  des  Husaren  -  Regiments 
Preußen  Nr.  10  am  5.  Oetober  1856,  im  Alter  von  30  Jahren.  Schon  um  jene  Zeit 
galt  er  als  einer  der  tüchtigsten  und  schneidigsten  Cavallerie-OfnYiere  und  Oberste, 
welche  die  k.  k.  Armee  besaß. 

An  der  Spitze  seines  Husaren-Regiments  machte  Oberst  Fr.  von  Edelsheim 
unter  Commando  des  FMI-.  Fürsten  Edmund  Schwarzenberg  im  HI.  Corps  den 
Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit.  Es  war 
ihm  beschieden,  nicht  nur  neuerlich  seine  persönliche  Tapferkeit  und  kühne 
Energie,  sondern  auch  die  glänzenden  Eigenschaften  eines  hervorragenden  Reiter- 
führers zu  bekunden. 

Militärischer  Maria  Therecif  D-Urde u.  0 


Digitized  by  Google 


82  CI.VIII.  und  CLIX  l'romolii.ri.  ■—  Im  Kriege  von  18.V.I. 

Gleich  vom  Anbeginne  des  Feldzuges  hatte  er  bei  mehreren  kleineren  Affairen 
Gelegenheit,  seinen  thatendurstigen  Unternehmungsgeist  zu  bekunden,  so  bei 
einer  Requisition,  wobei  (  ine  feindliche  Cavallerie-Abtheilung  von  dem  Eisenbahn- 
damme  bei  Torre  dei  Reretti  —  1.  Mai  —  gegen  Valenza  zurückgeworfen  wurde. 
Dann  machte  er  die  Kanonade  am  4.  bei  Valenza  und  den  Geschützkampf 
zwischen  Monte  und  Valenza  am  7.  Mai  mit.  Am  2.  Juni  unternahm  er  von 
Borgo  Lavezzaro  die  wichtige  Recognoscierung  gegen  Ulengo. 

Am  4.  Juni  aber  sehen  wir  ihn  in  der  Schlacht  bei  Ma genta  heldenhafte 
Attaquen  mit  seinem  Regimente  ausführen.  Dieselben  bewahrten  nicht  nur  das 
eigene  III.  Armee-Corps,  sondern  auch  andere  Anneetheile  vor  unabsehbaren  Nach- 
theilen, indem  dadurch  der  ganze  feindliche  rechte  Flügel  mitten  im  siegessicheren 
Vordringen  zum  Stehen  gebracht  wurde.  Edelsheim  gab  dadurch  der  Schlacht  auf 
dem  eigenen  linken  Flügel  eine  unverhoffte  Wendung  zu  Gunsten  dieses  Theils  der 
österreichischen  Schlachtlinic.  Ks  geschah  dies  in  jenem  höchst  kritischen  Augen- 
blicke bei  Ponte  vecchio  di  Magenta,  als  nach  stundenlang  hin-  und  her- 
wogendem Kampfe  gegen  7  Uhr  abends  der  Westtheil  dieses  Ortes  neuerdings  in 
die  Gewalt  des  Feindes  gerathen  war.  FML.  Fürst  Schwarzenberg  hatte  für  sein 
III.  Corps  den  Rückzug  ins  Auge  fassen  müssen.  Durch  eine  letzte  außerordent- 
liche Kraftentfaltung  wollte  er  versuchen,  das  Gefecht  zum  Stehen  zu  bringen. 
Kr  übersandte  durch  den  Corps-Adjutanten.  Oberstlieutenant  Pulz,  den  Befehl  au 
Kdelsheim,  mit  den  4  Kscadronen  seines  Regiments,  die  vereinigt  bei  C.  Vajano 
in  Reserve  standen,  zum  Angriff  vorzurücken. 

Schon  aber  hatte  Edelsheim  aus  eigener  Eingebung  selbständig  eingegriffen. 

.Meine  Abtheilungen  sind  bereits  im  Anmärsche!" 

So  lautete  Edesheims  Rescheid  an  Oberst lieutenant  Pulz. 

Immer  weit  voran,  wo  er  am  besten  den  Gefechtsgang  überblicken  und  ver- 
folgen konnte,  hatte  Edelsheim  nicht  nur  die  ganze  Gefahr  des  Augenblicks, 
sondern  blitzartig  auch  schon  die  einzige  Möglichkeit  ihrer  Abwehr  erfasst.  Aus 
eigenen  Stücken  gab  er  auch  sofort  seinen  bei  C.Vajano  haltenden  4  Escadronen 
den  Befehl  zu  raschem  Vorrücken.  Außerdem  ließ  er  auch  die  bei  einer  Brigade 
des  Corps  zuget heilte  5.  Escadron  kurzweg  beordern,  mit  dem  Regimente  vor- 
zugehen. Das  durchschnittene  und  bedeckte  Terrain  gegen  Ponte  vecchio  di 
Magenta  hin  erschien  zwar  w  enig  geeignet  für  ein  Cavalleriegefecht.  Aber  Noth 
bricht  Eisen.  Zudem  war  das  ganze  Regiment  Preußen-Husaren,  Officier  wie 
Mann,  von  dem  kühnen  Reitergeiste  seines  Obersten  beseelt.  Ganz  insbesondere 
aber  war  dieses  Regiment  von  Edelsheim  während  der  drei  Jahre,  seit  er  es  befeh- 
ligte und  heranbildete,  planmäßig  und  zielbewusst  in  der  Überwindung  der  größten 
Terrain-Schwierigkeiten  geschult  worden,  welche  überhaupt  von  Ross  und  Reiter 
bewältigt  werden  können.  Darin  thaten  es  Edesheims  Husaren  jeder  Cavallerie- 
Truppe  zuvor.  Es  gab  kein  Wagnis,  angesichts  dessen  man  mit  diesen)  Regiment 
zurückzuschrecken  brauchte,  das  w  ar  anerkannt.  Am  besten  wusste  es  Edelsheim 
selbst.  Darum  hinderten  ihn  auch  bei  Magenta  weder  die  tiefen  Wassergräben  der 
Reisfelder,  noch  die  Hindernisse  der  übrigen  italienischen  Cultur,  noch  selbst 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Leopold  Freiherr  von  Edelsheim-fiyulni. 


83 


die  schwebenden  Barrieren  der  von  Baum  zu  Baum  geschwungenen  Reben- 
gewinde. 

So  sprengten  denn  die  Escadronen  unter  den  Augen  des  Corps-Commandanten 
und  angesichts  des  Corps  geschlossen  gegen  den  Feind,  ihren  kühnen  Obersten  an 
der  Spitze.  Es  war  eine  Attaque,  wie  selten  eine  geritten  worden.  In  Schwadronen 
in  Divisionen,  wie  es  eben  das  Terrain  mit  allen  seinen  Hindernissen  zuließ, 
gieng  es  en  carriire  auf  und  mitten  zwischen  die  vorrückenden  Colonnen  der 
Franzosen  hinein.  In  Galopp  schwenkten  einzelne  Escadronen  gegen  Flanken 
und  Rücken  der  feindlichen  Massen  ein.  Was  den  Husaren  unter  die  Klinge  kam. 
wurde  zusammengehauen,  geschlossene  Abtheilungen  des  Feindes  gesprengt,  und 
die  Fliehenden  bis  mitten  in  die  Straße  des  Westtheiles  von  Ponte  vecchio  di 
Ma genta  am  rechten  Naviglio-Ufer  verfolgt.  So  drangen  die  Husaren  einzeln  und 
in  Trupps  bis  tief  in  den  Ort  ein.  Der  Gommandant  des  feindlichen  Armee-Corps, 
Marschall  Canrobert  selbst  war  nahe  daran,  von  Edelsheims  Reitern  zusammen- 
gehauen zu  werden.  Der  französische  Oberst  Bellccourt  wurde  niedergeritten. 
Canroberts  Generalstabschef,  Oberst  Senne ville.  im  Begriffe,  einige  Abtheilungen 
zusammenzuraffen,  um  sie  wieder  gegen  die  Häusergruppe  von  Ponte  vecchio 
vorzuführen,  fiel  in  den  letzten  Augenblicken  dieses  blutigen  Gefechtes.  An  einen 
Halt  im  Orte  aber  war  für  die  Husaren  nicht  zu  denken.  Nicht  nur  feindliche 
Infanterie,  sondern  selbst  Geschütze  hatten  bereits  vor  der  Attaque  den  Ort  größten- 
theils  besetzt.  Von  allen  Seiten  prasselte  Kugelregen  auf  die  Husaren  nieder, 
welche  dadurch  schwere  Verluste  erlitten. 

Das  Beispiel  der  heldenmüthigen  Husaren  fachte  aber  die  Thutkraft  der 
erschöpften  Infanterie  wieder  an.  Die  Tornister  von  sich  werfend,  stürzten  die 
Bataillone  der  Brigaden  Härtung  und  Dürfeid  den  Husaren-Escadronen  nach  und 
warfen  den  Feind  auf  der  ganzen  Linie  vom  Rideau  hei  Carpenzago  herab  und  bis 
hinter  S.  Damiano  zurück.  Alle  seitens  des  Feindes  vorher  errungenen  Vortheile 
wurden  ihm  wieder  entrissen,  ja  sein  eigener  rechter  Flügel  war  jetzt  arg  gefährdet. 
Dagegen  blieb  FML.  Schwarzenberg  nicht  allein  völlig  Herr  der  Situation  am  linken 
Flügel  der  k.  k.  Armee,  sondern  er  sah  sich  sogar  in  die  Lage  gesetzt,  frischen 
Truppen  dieses  Flügels  eventuell  die  Wiederaufnahme  der  Offensive  am  nächsten 
Tage  mit  Sicherheit  offen  zu  halten.  Dies  die  Maria  Theresion-Ritterthat  des 
Obersten  Edelsheim  in  der  Schlacht  von  Magonta.  Er  hatte  mit  seinen  Husaren 
wesentlich  dazu  beigetragen,  diese  Schlacht  auf  dem  linken  Flügel  in  einem  der 
kritischesten  Augenblicke  zu  Gunsten  der  kaiserlichen  Waffen  zu  wenden.  Ilicfür 
wurde  Oberst  Ft  h.  von  Edelsheim  mittels  Allerhöchsten  Armee-Befehls  vom  27.  Juni 
1859  mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet. 

Auf  Grund  der  in  der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  1850  vollbrachten 
Waffenthat  geruhte  in  der  Folge  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als 
Erhabener  Großmeister  über  Votum  des  Capitels  kraft  Promotion  CLVIII 
vom  17.  October  1859  den  Obersten  Leopold  Freiherrn  von  Edelsheim  durch 
Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien- 0 rdens 
zu  promovieren. 

6« 


Digitized  by^Google 


84 


CLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriegt«  vou  1859. 


Am  8.  Juni,  an  welchem  Tage  die  k.  k.  Armee  die  Offensive  wieder  ergreifen 
sollte,  unternahm  Oberst  Edelsheim  die  Streifung  von  S.  Angiolo  (Bargano) 
über  Landriano  gegen  Mailand. 

Von  weit  ausgreifendem  Unternehmungsgeiste  war  Edelsheims  kühne 
energische  Gefechtsführung  auch  in  der  Schlacht  von  Solferino  am  24.  Juni 
erfüllt.  Um  l/t7  Uhr  früh  erhielt  er  vom  FML.  Fürsten  Schwarzenberg  aus  Guidizzolo 
Befehl,  von  Val  del  Termine,  wo  das  Regiment  Preußen-Husaren  Nr.  10  stand, 
eine  Division  vorzuschieben,  um  die  Verbindung  zwischen  Gassiano  und  der  von 
Guidizzolo  gegen  Ca  Morino  vorrückenden  Brigade  Härtung  zu  erhalten.  Zur 
selben  Zeit  ließ  FML.  Graf  Mensdorff,  der  Commandant  der  Cavallerie-Division, 
bei  Edelsheim  durch  einen  Adjutanten  um  die  Beschaffenheit  des  vorliegenden 
Terrains  sich  erkundigen.  Edelsheim  benutzte  diese  Gelegenheit  und  ließ  dem 
FML.  Mensdorff  mit  der  Auskunft  über  das  Terrain  sofort  auch  den  Befehl 
melden,  den  er  erhalten  hatte.  Er  fügte  bei,  dass  er  mit  beiden  Divisionen  seines 
Regiments  zwischen  Cassiano  und  Ca  Morino  durchbrechen  und  den  gegen 
Guidizzolo  vorrückenden  Feind  in  Flanke  und  Rücken  angreifen  werde.  Zu 
diesem  Zwecke  bat  Edelsheim  den  FML.  Grafen  Mensdorff,  überdies  auch  den 
GM.  Prinzen  von  Holstein,  um  entsprechende  Unterstützung.  Hierauf  ritt  er  mit 
einigen  Husaren  zur  Recognoscierung  vor.  Oberstlieutenant  Graf  Hunyady  führte  die 
beiden  Divisionen  dem  Obersten  Edelsheim  nach.  Vor  dem  Abreiten  des  Regiments 
hatte  FML.  Graf  Mensdorff  mittheilen  lassen,  dass  er  hinter  Edelsheim  eine  Brigade 
nachrücken  lassen  werde.  Dabei  ließ  er  wegen  des  bedeckten  Terrains  Vorsicht 
gegen  Überraschungen  anempfehlen.  Edelsheim  verstand  dieser  Mahnung  vollauf 
gerecht  zu  werden,  unbeschadet  dessen  aber  auch  das  Element  kühner  Offensive, 
welches  die  Seele  der  Reiterwaffe  bildet,  bis  aufs  äußerste  zur  Geltung  zu  bringen. 

Gleich  nach  Überschreiten  der  Straße,  welche  von  Cassiano  nach  Medole 
führt,  verwehrte  Edelsheim  mehreren  Abtheilungen  der  Chasseurs  dAfrique 
weiteres  Vordringen.  Kaum  ihrer  ansichtig,  ließ  er  sein  Regiment  sofort  in  Linie  auf- 
marschieren und  den  Feind  durch  vier  Escadronen  abwechselnd  schwadronsweise 
angreifen.  Die  beiderseitigen  Reiterkörper  kämpften  mit  Erbitterung.  Schließlich 
wurde  der  Feind  geworfen.  Die  feindliche  Cavallerie  ließ  sehr  viele  Leute  auf  dem 
Felde,  aber  auch  Edelsheims  Regiment  hatte  große  Verluste  an  Leuten  und  Pferden. 

Nach  diesem  erfolgreichen  ersten  Kampfe  durchbrachen  die  beiden  Divisionen 
Preußen-Husaren,  durch  die  Cultur  vollkommen  gedeckt,  an  Ca  Morino  vorbei, 
welches  von  feindlicher  Infanterie  und  Artillerie  stark  besetzt  war,  die  feindliche 
Schlachtlinie  bis  hinter  den  etwa  in  der  Höhe  von  Le  Grole  gelegenen 
französischen  Verbandplatz. 

Durch  die  wiederholten  Attaquen  waren  Husaren  und  Pferde  so  erschöpft,  dass 
dort  Edelsheim  halten  ließ.  Vorsichtshalber  entsendete  er  Patrouillen  nach  rück- 
wärts, um  die  Verbindung  mit  der  Cavalleric-Brigade  herzustellen,  deren  Nach- 
rücken FML.  Graf  Mensdorff  in  Aussicht  gestellt  hatte.  Diese  Patrouillen  kehrten 
jedoch  bald  mit  der  Meldung  zurück,  dass  starke  Abtheilungen  der  bei  Ca  Mo- 
rino gestandenen  feindlichen  Infanterie  eingeschwenkt  waren  und  in  Edelsheims 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Leopold  Freiherr  von  Edelsheim-Gyulai. 


85 


Rücken  standen,  von  der  eigenen  Cavallerie-Brigade  aber  nichts  zu  sehen  sei. 
Letztere  hatte  wegen  des  inzwischen  eröffneten  überwältigenden  Feuers  fran- 
zösischer Geschützmassen  nicht  nachrücken  können. 

Edelsheim  schob,  um  gegen  Überraschungen  von  vorne  gesichert  zu  sein, 
eine  Escadron  noch  weiter  vor.  Ungefähr  mittags  stieß  dieselbe  auf  größere 
Cavallerie-Abtheilungen,  Husaren,  und  Chasseurs  der  Garde,  sowie  auf  feindliche 
Infanterie.  Die  feindlichen  Husaren  attaquierten  alsbald  in  Colonne.  Sie  wurden 
wiederholt  geworfen,  erneuerten  aber  ihre  Angriffe  immer  wieder.  Schließlich  als 
die  vorgeschobene  Escadron  zu  sehr  bedrängt  wurde,  ließ  sie  Edelsheim  durch 
zwei  andere  Escadronen  heraushauen.  Die  Schwärme  von  Chasseurs  d'Afrique, 
welche  diese  Escadron  in  Flanke  und  Rücken  gefasst  hatten,  wurden  theils  zu- 
sammengehauen, theils  gesprengt. 

Zum  zweitenmale  hatte  Edelsheim  dem  Feinde  obgesiegt;  allein  trotz  allen 
Kampfeifers  verlor  er  keinen  Augenblick  die  Pflichten  des  Truppenführers  aus 
dem  Auge.  Vorn,  in  linker  Flanke  und  Rücken  trat  der  Feind  immer  stärker  auf. 
Da  gab  es  kein  weiteres  Drauflosgehen  mehr.  Der  höheren  Pflicht  eingedenk,  sagte 
sich  Edelsheim,  dass  da  nichts  mehr  auszurichten  war  und  ließ  —  abtheilungs- 
weise,  im  Schritt  —  den  Rückzug  antreten.  Die  im  Rücken  stehende  feindliche 
Infanterie  wurde  dabei  mit  Ausnützung  des  bedeckten  Terrains  einfach  umgangen. 
An  der  Straße,  welche  von  Cassiano  nach  Medole  führt,  traf  Edelsheim  wieder  die 
erste  Abtheilung  eigener  Infanterie  an,  und  zwar  von  der  Brigade  Rösgen,  welche 
etwa  500  Schritte  nach  rechts  in  Cassiano  stand.  Dorthin  führte  nun  Edelsheim 
auch  sein  Husaren-Regiment,  machte  halt  und  blieb  bis  2  Uhr  gefechtsbereit  stehen. 

Um  jene  Zeit  meldeten  Edelsheims  Patrouillen,  dass  das  Regiment  Civalart- 
Uhlanen  nebst  Dragonern  hinter  Cassiano  stehe.  Da  also  an  diesem  Punkte  des 
Schlachtfeldes  nicht  nur  Infanterie,  sondern  auch  hinreichend  Cavallerie  vorhanden, 
bei  dem  Regiment  Preußen-Husaren  aber  Mann  wie  Pferd  völlig  erschöpft  waren, 
zog  sich  Edelsheim  gänzlich  hinter  die  Brigade  Rösgen  zurück,  ließ  bei  Val  del 
Termine  absitzen  und  ruhen. 

Im  weiteren  Verlauf  dieses  Schlachttages  bekam  Edelsheim  keine  Gelegenheit 
mehr  in  Action  zu  treten. 

Aus  diesem  zweiten  Kriege,  in  welchem  Oberst  Edelsheim  so  glänzend 
gekämpft,  gieng  er  als  allgemein  anerkannter,  hervorragender  Reiterführer  mit 
Ruhm  bedeckt  hervor. 

In  der  dem  Kriege  von  1859  folgenden  Friedensperiode,  in  welcher  die 
Heeresorganisation  der  Monarchie  großen  Reformen  unterzogen  wurde,  fiel  dem 
Obersten  Edelsheim  eine  höchst  ehrenvolle  Aufgabe  zu.  Er  wurde  unter  Belassung 
in  seiner  Obersten-Charge  als  supernumerär  in  seinem  10.  Husaren-Regiment 
zum  Brigadier  ernannt  und  mit  der  Neuorganisation  jener  freiwilligen 
Cavallerie-Regimenter  betraut,  welche  dank  der  Initiative  des  Feldmar- 
schalls  Erzherzog  Albrecht,  bei  Ausbruch  des  Krieges  von  der  Bevölkerung  der 
Monarchie  in  erhöhter  Bethätigung  ihrer  Vaterlandsliebe  durch  freiwillige  Contri- 
butionen  errichtet  worden.  Es  waren  dies  zwei  Husaren-Regimenter  und  ein 


Digitized  by  Google 


8G  CLVni.  und  CLIX.  Tromotion.  —  Im  Kriege  von  1 859. 

Uhlancn-Regiment.  In  anderthalbjähriger  energischer  Thätigkeit  führte  Oberst- 
Brigadier  Baron  Edelsheim  nicht  nur  alles  für  die  dauernde  Aufstellung  dieser 
Regimenter  Erforderliche  durch,  sondern  brachte  auch  die  Ausbildung  derselben 
auf  einen  solchen  Grad,  dass  deren  definitive  Eintluilung  unter  die  stabilen 
Truppenkörper  der  Armee  am  7.  Juli  1862  erfolgen  konnte.  *) 

Dem  Oberst-Brigadier  Edelsheim  wurde  für  die  rasche  und  vorzügliche  Orga- 
nisation dieser  Cavallerie-Truppenkörper  die  Allerhöchste  Anerkennung  zu- 
theil.Kurz  darauf,  am  25.December  1S62,  wurde  er  zum  General  maj  or  befördert. 

In  dieser  Charge  machte  Frh.  von  Edelsheim  den  Krieg  gegen  Preußen 
und  Italien  im  Jahre  1866  und  zwar  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der 
Nord-Armee  mit. 

Anfangs  mit  seiner  1.  leichten  Cavallerie-Division,  aus  den  3  Brigaden  Oberst 
Frh.  von  Appel,  Oberst  Graf  Wallis  und  GM.  von  Fratricsevics  bestehend,  bei  den  unter 
Commando  des  Kronprinzen  von  Sachsen  an  der  Iser  in  Böhmen  stehenden  Streit- 
kräften eingelheilt,  beobachtete  er  die  nordöstliche  Grenze  Böhmens  von  Zwickau 
bis  über  Adersbach  nordöstlich  von  Trautenau.  Schon  vom  23.  Juni  ab  kam  es  zu 
Scharmützeln  seiner  vorgeschobenen  Abtheilungen  mit  vorrückenden  preußischen 
Cavalleriekörpern.  Im  weiteren  Verlauf  der  Ereignisse  nahm  GM.  Frh.  von  Edelsheim 
an  den  Patrouillen-Gefechten  bei  Liebenau  am  2."».  Juni,  an  dem  Gefechte  bei 
Sichrov  am  26.  Juni,  bei  dem  Nachtgefechte  bei  Podol  vom  20.  auf  den  27.  Juni, 
an  dem  Avantgarde-Gefechte  bei  Jicin  am  28.  Juni  und  an  dem  Treffen  bei  Jicin 
am  29.  Juni  theil. 

In  der  Schlacht  bei  Königgrätz  am  3.  Juli  deckte  GM.  Frh.  von  Edelsheim 
—  mit  seiner  Cavallerie-Division  bei  Steinfeld  aufgestellt  —  den  in  der  Stellung 
Problus-Nieder-Prim  kämpfenden  linken  Flügel  der  k.  k.  Armee.  Nachdem  Edels- 
heim, welcher  von  der  Höhe  von  Problus  aus  den  Gefechtsgang  beobachtete,  gegen 
1 1  Uhr  vormittags  eine  Brigade  zum  weiteren  Flankenschutze  gegen  Stezer  entsandt 
und  2  Batterien  gegen  die  Fasanerie  ins  Fem  r  gesetzt  hatte,  stellte  er  im  weiteren 
Verlaufe  den  Antrag  zu  einer  Offensive  gegen  die  rechte  Flanke  der  preußischen 
Elbe-Armee.  Nach  erhaltener  Genehmigung  setzte  sich  Edelsheim  um  2  Uhr  nach- 
mittags mit  seiner  Cavallerie-Division  und  der  2.  sächsischen  Reiter-Brigade  von 
Steinfeld  gegen  Techlovic  in  Bewegung.  Um  3  Uhr  langte  er  mit  dieser  Reiter- 
masse,  zu  der  auch  die  zuvor  detachierte  Brigade  wieder  herangezogen  worden 
war,  auf  dem  Höhenterrain  bei  Techlovic  an.  Da  zu  dieser  Zeit  preußische 
Colonnen,  welche  sich  aus  dem  Gefechte  zurückzogen,  eben  das  Thal  zwischen 
Hradek  und  Neu-PHm  durchschritten,  so  setzte  die  Tete-Brigade  Appel  sofort  ihre 
Batterie  ins  Feuer,  welche  sogleich  den  Kampf  gegen  4  bei  Hradek  postierte  feind- 
liche Batterien  aufnahm. 

GM.  Frh.  von  Edelsheim  war  gerade  im  Begriffe  weitere  Dispositionen  zu 
ertheilen.  als  ihm  etwas  nach  4  Uhr  der  Befehl  des  Armee-Commandos  überbracht 
ward,  dass  er  sich  wegen  der  im  Centrum  bei  Chlum  eingetretenen  Katastrophe 


')  Ks  sind  dies  die  Hu.saren-Regim.  ntpr  Nr.  13  und  Ii  und  das  UhhiiK'ii-K^giiii.'nt  Nr.  13 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  0.  Leopold  Freiherr  von  Edelsheim  Gyulai. 


87 


dorthin  zu  wenden  und  die  dort  entstandene  Lücke  auszufüllen  habe.  Obgleich 
Edelsheim  sich  der  Besorgnis  nicht  eritschlagcn  konnte,  dass  dadurch  die  linke 
Flanke  .der  Armee  sehr  gefährdet  werden  würde,  so  ertheilte  er  bei  der  durch  den 
Überbringer  betonten  Bestimmtheit  des  Befehles  nunmehr  die  Dispositionen  zu  der 
rückgängigen  Bewegung.  Nächst  Steier  angelangt,  fand  aber  Edelsheim  den  Befehl 
des  Armee-Commandos  bereits  durch  die  Ereignisse  überholt  und  stellte  daher  die 
Bewegung  wieder  ein.  Seiner  Thätigkeit  und  tapferen  Ausdauer  gelang  es  sodann 
im  Vereine  mit  der  2.  schweren  Gavallerie-Division,  die  Armee  vor  zu  starkem 
feindlichen  Nachdrängen  auf  ihrem  linken  Flügel  zu  bewahren.  Er  kämpfte  schließ- 
lich mit  seinen  Batterien  noch  bis  6y2  Uhr  abends;  dann  erst  trat  er  in  Gefechts- 
formation  den  Bückzug  an  und  marschierte  nach  Pardubitz.  Von  dort  rückte  er  mit 
seiner  vollkommen  geordneten  und  schlagfertigen  Division  am  folgenden  Nach- 
mittage nach  Chrudim  weiter. 

Während  das  Gros  der  Nord-Armee  den  Bückzug  auf  Oltnütz  antrat,  wurde 
ein  kleiner  Theil  derselben  zum  Schutze  Wims  gegen  Süden  dirigiert.  Es  wurde 
nämlich  das  X.  Armee-Corps  per  Bahn  nach  dem  Brückenkopfe  von  Floridsdorf 
transportiert,  ferner  ein  Cavallerie-Corps  aus  1  Cavallerie-Divisionen  unter  FML. 
Prinz  Holstein  formiert.  Dieses  Cavallerie-Corps,  in  welches  auch  GM.  Frh.  von 
Edelsheim  mit  seiner  1.  leichten  Cavalleric-Division  eingetheilt  war,  führte  seine 
Aufgabe  erfolgreich  durch,  indem  es,  einen  breiten  Baum  deckend  und  nur  dem 
feindlichen  Drucke  weichend,  in  der  Zeit  vom  7.  bis  18.  Juli  die  Vorrückung  des 
Gegners  unter  zahlreichen  Zusammenstößen  und  Gefechten  verzögerte  und  sodann 
bei  Wien  die  Donau  überschritt. 

Am  25.  Juli  18GG  wurde  General  Frh.  von  Edelsheim  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant  befördert,  am  6.  September  1866  zum  Commandanten  der  1.  Gaval- 
lerie-Division in  Großwardein  ernannt. 

Zufolge  Bescriptes  der  Cabinetskanzlei  vom  26.  October  1866  führte  er  — 
dessen  Mutter  eine  geborene  Gräfin  Gyulai  war  —  weiterhin  den  Namen  Edels- 
heim-Gyulai. 

Am  5.  December  1867  wurde  er  zum  Oberst-Inhaber  des  Husaren- 
Begiments  Nr.  4  ernannt. 

Am  28.  Jänner  1869  erfolgte  seine  Ernennung  zum  General-Cavallerie- 
Inspector. 

Im  Jahre  1871  erwarb  FML.  Frh.  von  Edelsheim-Gyulai  die  österreichische 
Staatsbürgerschaft  und  im  folgenden  Jahre  die  Zuständigkeit  nach  Wien. 

Mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  19.  April  1873  wurde  ihm  die  Würde 
eines  Geheimen  Bathes  verliehen. 

Während  seiner  mehrjährigen  Function  als  General- Cavallerie-Inspector 
entfaltete  er  eine  bahnbrechende  und  fruchtbare  Thätigkeit.  Denselben  Grundsätzen, 
die  ihn  als  Commandanten  seines  Preußen-IIusaren-Begiments,  späterhin  als 
Brigadier  der  Freiwilligen-Cavallerie-Begimi  ntcr  in  der  Ausbildung  der  Truppe 
und  der  Pllege  des  Beitergeistes  geleitet  hatten  und  deren  Ersprießlichkeit  durch 
glänzende  Erfolge  erhärtet  war,  folgte  er  auch,  als  er  an  die  Spitze  der  gesammten 


Digitized  by  Google 


88 


CLVIII.  und  CL1X.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  18R9. 


k.  k.  Cavallerie  gestellt  war.  Flottes  Reiten,  leichtes  Nehmen  der  Hindernisse, 
außerordentliche  Beweglichkeit  und  Manövrierfähigkeit  der  k.  k.  Cavallerie  bildeten 
das  Resultat  seines  Wirkens  als  General-Cavallerie-Inspector. 

Am  28.  Jänner  1874  erfolgte  seine  Beförderung  zum  General  der  Caval- 
lerie mit  der  gleichzeitigen  Ernennung  zum  Commandierenden  General  in 
Ofen-Pest 

Am  29.  September  1875  wurde  er  in  Anerkennung  seiner  Verdienste  mit 
dem  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  mit  der  Kriegsdecoration  der 
III.  Classe  ausgezeichnet. 

Infolge  der  neuen  Organisation  wurde  er  mit  1.  Jänner  1883  zum  Com- 
mandanten  des  IV.  Armee-Corps  und  zum  Commandierenden  General  in  Budapest 
ernannt. 

Am  1.  August  1886  wurde  GdC.  Frh.  von  Edelsheim-Gyulai  auf  sein  Ansuchen 
in  den  Ruhestand  mit  dem  Domicil  Budapest  versetzt  und  ihm  bei  diesem 
Anlasse  in  Anerkennung  seiner  vieljährigen,  im  Kriege  wie  im  Frieden  mit  Hin- 
gebung geleisteten  ausgezeichneten  und  hervorragenden  Dienste  das  Großkreuz 
des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegsdecoration  des  Ritterkreuzes  verliehen,  und 
ein  huldreiches  Allerhöchstes  Handschreiben  an  ihn  erlassen. 


Joseph  Dormus  wurde  im  Jahre  1811  zu  Drohobycz  in  Galizien  geboren  und 
als  Regiments-Cadet  am  20.  November  1826  bei  dem  27.  Infanterie-Regiment 
assentiert.  Am  16.  Februar  1830  zum  k.  k.  Infanterie-Regimente  Nr.  31  transferiert, 
stieg  er  am  1.  April  1831  zum  Fähnrich  und  am  17.  Juni  1833  zum  Unter- 
lieutenant empor.  Am  1.  Jänner  1841  avancierte  er  zum  Oberlieutenant. 
Während  seiner  Dienstzeit  als  Subaltern-Offtcier  war  er  durch  6  Jahre  Bataillons- 
Adjutant.  Am  11.  April  1848  rückte  er  zum  Capitän-Lieutenant  vor.  Als  solcher 
machte  er  die  Beschießung  der  Barricaden  und  die  Straßenkämpfe  am  l.und 
2.  November  1848  in  Lemberg  mit. 

Am  1.  März  1849  ward  er  zum  Hauptmann  befördert  und  am  1.  Juni  zum 
«(/  latus  bei  dem  General-Comtnando  in  Galizien  ernannt.  Am  14.  November  1849 
wurde  er  Flügeladjutant  bei  dem  IV.  Arrnee-Commando  in  Lemberg.  Überhaupt 
war  er  während  der  Jahre  1848  und  1849  wiederholt  zu  besonderen  Diensten 
verwendet  worden.  Für  sein  dabei  bewährtes  muthiges  Benehmen  und  seine  auch 
sonst  ausgezeichnete  Dienstleistung  wurde  ihm  mit  Allerhöchster  Entschließung 
vom  24.  Decemher  1849  die  Allerhöchste  Zufriedenheit  zutheil  und  am 
29.  Jänner  1850  das  Militär-Verdienstkreuz  verliehen.  Inzwischen  war  er  am 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 


Joseph  Freiherr  Dormus  von  Kiliaushausen. 


(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1859.) 


Digitized  by  Google 


; 

a 
s 
1 

\ 

ü 


it< 
w 
w 

Vi 

sc 
v< 
21 


Digitized  by  Google 


.MA GENTA  (fc.JUNI  1859 

TW-kvF  KaraX 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  Joseph  Freiher  Donnus  von  Kilianshausen. 


89 


26.  December  1849  zum  Major  befördert  worden.  Am  5.  April  1850  wurde  er  in 
den  supemumerären  Stand  versetzt  und  am  17.  November  1850  zum  Corps- 
Adjutanten  beim  XIV.  Armee-Corps  ernannt.  Am  3.  Mai  1854  erfolgte  seine 
Beförderung  zum  Oberstlieutenant  und  am  14.  Februar  1856  wurde  er  in 
das  k.  k.  Adjutanten-Corps  eingereiht.  Am  28.  Februar  1857  avancierte  er  zum 
Obersten  und  wurde  als  solcher  am  27.  März  1857  zum  Regiments-Comman- 
danten  des  Infanterie-Regiments  FML.  Frh.  von  Culoz  Nr.  31  ernannt. 

An  der  Spitze  desselben  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich  und 
Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit,  in  welchem  es  ihm  beschieden  war,  nicht 
allein  das  Regiment  Culoz  aus  den  Kämpfen  von  Monlebello,  Magenta  und 
Solferino  als  eines  der  ausgezeichnetsten  Regimenter  der  Armee  hervorgehen  zu 
sehen,  sondern  auch  persönlich  reiche  Lorbeeren  zu  erringen. 

Schon  in  dem  Treffen  von  Montebello  am  20.  Mai  griff  Dormus  mit 
seinem  in  der  rechten  Flögelcolonne  unter  GM.  Prinz  von  Hessen  kämpfenden 
Regimente  ebenso  tapfer  als  wirksam  ein,  wie  die  verhältnismäßig  bedeutenden 
Verluste,  die  für  diese  Affaire  dem  Regimente  zutheil  gewordenen  zahlreichen 
Auszeichnungen  und  die  Allerhöchste  belobende  Anerkennung  für  den 
Obersten  Dormus  bezeugen. 

Wahrhaft  Außerordentliches  mit  seinem  Regimente  zu  vollbringen,  war 
jedoch  Dormus  in  der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  1859  berufen.  Er  hatte 
zwar  an  Stelle  des  bei  dem  VII.  Corps  zum  FML.  beförderten  Prinzen  von  Hessen 
in  den  letzten  Tagen  des  Mai  ad  interim  das  Commando  der  Brigade  übernommen, 
in  welcher  sein  Regiment  eingetheilt  war,  befehligte  sonach  außer  demselben 
auch  noch  andere  Truppen  und  Waffen;  jedoch  war  es  ihm  am  Schlachttage  von 
Magenta  beschieden,  von  seiner  ganzen  Brigade  nur  12  Compagnien  seines  Regi- 
ments gegen  den  Feind  zu  führen.  Es  standen  von  der  Brigade  das  4.  Kaiser-Jäger- 
Bataillon,  10  Compagnien  von  Culoz-Infanterie  und  1  Zug  Sicilien-Uhlanen  theils 
auf  Vorposten  am  Ticino,  theils  befanden  sie  sich  auf  dem  Marsche  dahin  behufs 
Ablösung,  als  Dormus  um  V,4  Uhr  nachmittags  zu  Morimondo  Befehl  zum 
Aufbruch  erhielt.  Derselbe  lautete  dahin,  dass  die  Brigade  nach  Abbiategrasso 
vorzurücken  und  nördlich  des  Ortes  ä  cheral  der  nach  Lugagnano  führenden 
Straße  concentrierte  Aufstellung  zu  nehmen  habe.  Nach  einem  Zusätze  zu  diesem 
Befehl  sollte  zugleich  die  Brigade  Gaal  die  Truppen  der  Brigade  Dormus  auf  den 
Vorposten  ablösen.  Demgemäß  hinterließ  Dormus  den  Befehl,  dass  die  von  den 
Vorposten  einrückenden  Abtheilungen  der  Brigade  nachrücken  sollten  und  trat 
mit  12  Compagnien  Culoz-Infanterie,  2  Zügen  Sicilien-Uhlanen  und  der  Cavallerie- 
Batterie  Nr.  1 1  /V  den  Vormarsch  an. 

Schon  einige  Tausend  Schritte  vor  Abbiategrasso  vernahm  er  Kanonen- 
donner. Aus  dieser  Ursache  bog  Dormus  nach  Passierung  von  Abbiategrasso 
von  der  nach  Lugagnano  führenden  Straße  ab  und  schlug  jene  in  der  Richtung  des 
Kanonendonners  auf  Robecco  ein.  Auch  unterbrach  er  seinen  Vormarsch  nicht, 
um  nördlich  von  Abbiategrasso  concentrierte  Aufstellung  zu  nehmen,  sondern 
marschierte  mit  aller  Beschleunigung  auf  den  Kanonendonner  los. 


90 


CLYJIl.  und  CLIX.  Promotu.n.      Im  Kriege  von  1859. 


Vor  Robecco  angelangt,  erhielt  er  Befehl,  eine  Aufnahmsstellung  südlich 
(hinter  )  Robecco  zu  nehmen.  Noch  bevor  dieser  Befehl  ausgeführt  war,  bekam  er 
jedoch  vom  FML.  Grafen  Stadion  die  Weisung,  in  dem  Dreieck  Robecco,  Ponte 
di  Magenta  und  Magen ta,  östlich  des  Naviglio  grande,  vorzurücken,  um  die  in 
der  Richtung  auf  Ponte  di  Magenta  vordisponierte  Brigade  Ramming  zu  unter- 
stützen. Demgemäß  rückte  Dormus  sofort  weiter  vor. 

In  Robecco  fand  Dormus  alle  Gassen  mit  Geschütz-,  Munitions-Reserven, 
Brücken-Equipagen  und  Sanitäts-Wagen  derart  verfahren  und  vollgepfropft,  dass 
er  die  Brigade  Mann  für  Mann  einzeln  zwischen  dem  Gefährt  abfallen  und  defilieren 
hissen  musste.  Die  Brigade-Batterie  konnte  jedoch  gar  nicht  vorwärts.  Der  eben 
in  Robecco  haltende  Annee-Commandant  FZM.  Graf  Gyulai  befahl  überdies  dem 
Obersten  Dormus,  seine  Geschütze  in  Robecco  stehen  zu  lassen,  und  setzte  bei. 
es  seien  vorne  Geschütze  genug.  Auch  die  2  Züge  Sicilien-Uhlanen  mussten 
zurückgelassen  werden.  Aber  selbst  mit  der  Infanterie  konnte  Dormus  die  Haupt- 
brücke über  den  Canal  bei  Robecco  nicht  passieren,  da  auch  diese  völlig  verstopft 
war.  Indessen  fand  sich  eine  Nothpassage  südöstlich  vom  Orte,  ein  zwar 
gemauerter  aber  nur  3  Schuh  breiter  Steg,  zu  welchem  beiderseits  mehrere  Stufen 
emporführten;  überdies  waren  zu  beiden  Seiten  desselben  am  Fuße  der  Treppen 
Gräben  eingeschnitten,  welche  das  Überschreiten  des  Steges  verhindern  sollten. 
Nachdem  Oberst  Dormus  mit  seinem  Regimente  in  thunlichster  Eile  den  Steg 
überschritten  und  darnach  die  Abtheilungen  sich  wieder  formiert  hatten, 
marschierte  er  so  rasch  als  möglich  auf  der  gegen  Magenta  führenden  Straße 
weiter. 

Als  die  Brigade  über  Robecco  hinaus  in  den  südlichen  Winkel  des  vor- 
bezeichneten  Dreiecks  gelangt  war.  entwickelte  Dormus  dieselbe  in  zwei  Treffen. 
Während  des  Aufmarsches  vernahm  er  in  der  rechten  Flanke  von  Magenta  her 
lebhaftes  Kanonenfeuer;  noch  heftigerer  Geschützdonner  war  in  der  linken  Flanke 
von  Ponte  vecchio  di  Magenta  hörbar.  Damit  war  der  entscheidende  Moment 
gegeben,  in  welchem  der  richtige  Entschluss  gefasst  werden  musste,  ob  sich 
Dormus  nach  rechts  oder  links  halten  sollte,  um  ein  günstiges  Resultat  zu  erzielen. 
Eine  Reihe  von  Erwägungen  drängten  sich  da  auf.  Das  heftigere  Kanonenfeuer 
in  der  linken  Flanke  näherte  sich  immer  mehr  gegen  Peralza.  Das  weitere  Vor- 
dringen des  Feindes  auf  diesem  Punkte  musste  nicht  bloß  den  Verlust  von  Robecco 
und  der  gesammten  dort  verfahrenen  Geschütz-  und  Munitions-Reserve,  sondern 
auch  den  Durehbruch  der  eigenen  Schlaehtlinie  zwischen  dem  linken  Flügel  und 
Centrum  oder  in  letzterem  selbst  nach  sich  ziehen.  Von  diesen  Erwägungen 
geleitet,  fasste  Dormus,  wohl  im  Sinne  des  früher  erhaltenen  Befehls,  aber  völlig 
selbständig,  den  Entschluss,  selbst  auf  die  Gefahr  hin,  von  Magenta  aus  in  rechter 
Flanke  und  Rücken  gefasst  zu  werden,  sich  gegen  die  größere  Gefahr  zu  wenden 
und  mit  ungeteilter  Kraft  gegen  Ponte  vecchio  di  Magenta  eine  kräftige 
Offensive  zu  ergreifen.  Dieser  Entschluss  erschien  ihm  überdies  um  so  mehr 
geboten,  als  es  dringend  nothwendig  war.  dem  schon  auf  Peralza  zurückgedrängten, 
in  schwerem  Kampfe  befindlichen  linken  Flügel  der  Brigade  Ramming,  der  nicht  so 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.O.  Joseph  Freiherr  Dormus  von  Kilian*hau«sen. 


Ol 


bald  eine  andere  Unterstützung  zu  erwarten  hatte  und  nur  noch  mit'  großen 
Opfern  diesen  Punkt  zu  behaupten  trachtete,  so  rasch  als  möglich  unter  die  Arme 
zu  greifen.  Daraul  hin  nahm  Dormus  gegen  linke  Flanke  und  Rückzugslinic  des 
von  Ponte  vecchio  di  Magen ta  gegen  Peralza  vorgehenden  Feindes  Directum. 

In  der  Höhe  von  Peralza  angelangt,  wurde  die  Brigade  Dormus  von 
heftigem  Geschützfeuer  der  Franzosen  empfangen.  Erwidert  konnte  dasselbe  nicht 
werden,  weil  die  Brigade  ihre  Geschütze  hatte  zurücklassen  müssen.  Dormus  sagte 
sich  da,  dass  sein  gewagtes  Unternehmen  nur  mit  Raschheit  und  Ungestüm,  ohne 
langwieriges  und  wenig  wirksames  Feuergefecht  gelingen  konnte.  So  säumte  er 
denn  keinen  Augenblick,  ließ  durch  die  Hornisten  Sturm  blasen  und  stürmte 
an  der  Spitze  der  Brigade  unter  Hurrah-Geschrei  der  Abtheilungen  gegen  die 
feindliche  Batterie  los.  Diese  Taktik  hatte  den  günstigsten  Erfolg.  Die  französische 
Batterie  wartete  den  Bajonnettangriff  nicht  ab,  sondern  protzte  auf  und  fuhr  davon. 

Dormus  setzte  darauf  seine  Offensive  fort.  Bald  wurde  aber  die  Brigade  von 
der  feindlichen  Batterie,  die  sich  auf  entsprechende  Entfernung  weiter  rückwärts 
placiert  hatte,  neuerdings  lebhaft  beschossen  und  hart  mitgenommen.  Dormus 
vertrieb  auch  diesmal  wieder  die  feindliehe  Artillerie  mit  einem  Bajonnettangriffe. 
Dieses  resolute  und  rasche  Vorgehen  der  Brigade  Dormus  machte  der  Brigade 
Ramming  bei  Peralza  alsbald  Luft. 

Durch  den  sichtbaren  Erfolg  ermuthigt,  setzte  Dormus  seine  Offensive  in  der 
Richtung  auf  Ponte  vecchio  di  Magenta,  mit  ununterbrochener  Bedrohimg 
der  linken  Flanke  und  Rückzugslinie  des  Feindes,  weiter  fort.  So  gelangte  die 
Brigade  bis  angesichts  von  Ca  Limido,  wo  der  Feind  feste  Stellung  genommen 
hatte.  Auf  diesem  Punkte  wurde  die  Brigade  Dormus  nicht  nur  von  Ca.  Limido  in 
der  Front,  sondern  auch  aus  der  Richtung  von  Magenta  in  rechter  Flanke  und  im 
Rücken  beschossen  Besonders  heftig  war  aber  das  Gewehr-  und  Geschützfeuer 
des  Feindes  in  der  Front  von  Ca  Limido.  In  dieser  bedenklichen  Situation 
forcierte  Dormus  die  Entsc  heidung  neuerdings  durch  einen  Bajonnettangriff.  Er 
beorderte  zunächst  eiligst  die  rechte  Flügel-Division  des  ersten  Treffens  zur 
Deckung  der  eigenen  rechten  Flanke  und  des  Rückens.  Dann  ließ  er  aus  dem 
zweiten  Treffen  ein  Bataillon  rasch  ins  erste  Treffen  rücken,  wieder  das  Sturm- 
signal blasen,  zog  selbst  den  Säbel  und  stürzte  mit  diesem  Bataillon  zum  Bajonnett- 
angriff auf  Ca  Limido  vor.  Es  war  dies  der  dritte  Sturm.  Derselbe  wurde  dank 
dem  anfeuernden  Beispiele  Dormus"  mit  bewunderungswürdiger  Tapferkeit  unter- 
nommen und  mit  so  unwiderstehlichem  Ungestüm  ausgeführt,  dass  der  Gegner 
nicht  stand  hielt.  Der  Feind  hatte  nur  Zeit,  zwei  Dei  bargen  gegen  das  Bataillon 
von  Culoz  abzugeben,  wodurch  zwar  mehrere  Leute  in  den  ersten  Reihen  nieder- 
gestreckt wurden,  dann  aber  wichen  die  feindlichen  Abtheilungen  vor  den  tapferen 
Culozern  aus  Ca  Limido  in  wilder  Flucht  zurück.  Dormus  besetzte  den  Ort 
sogleich  mit  einer  Division,  ordnete  so  weit  als  thnnlkh  seine  Brigade-Abtheilungen 
und  entsendete  Patrouillen  nach  rechts  und  links,  um  die  Verbindung  mit  anderen 
k.  k.  Truppen  herzustellen.  Dies  geschah  bei  bereits  eingetretener  Dunkelheit,  um 
%9  Uhr  abends. 


Digitized  by  Google 


92  CLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

Das  feindliche  Plänklerfeuer  hatte  unterdessen  merklich  in  seiner  Lebhaftig- 
keit nachgelassen.  Noch  war  jedoch  Ca  Limido  nicht  eine  Viertelstunde  lang  im 
Besitze  der  Brigade  Dormus,  als  der  Feind  gegen  die  Division,  welche  den  Ort 
besetzt  hielt,  eine  Decharge  abgab  und  denselben  im  Sturm  zu  nehmen  suchte. 
Dormus  zog  wieder  mit  eisener  Ruhe  den  Säbel  und  warf  sich  dem  Feinde  mit 
einem  Bataillon  neuerdings  gefällten  Bajonnelts  entgegen.  Auch  dieser  vierte 
Bajonnettangriff  war  von  Erfolg  gekrönt.  Der  Feind  musste  von  neuem  weichen. 

Aber  noch  einmal  glaubte  der  Feind  einen  äußersten  Versuch  wagen  zu 
sollen,  um  sich  auf  dem  linken  Flügel  der  Brigade  Dormus  des  wichtigen  Stütz- 
punktes von  Ca  Limido  zu  bemächtigen.  Plötzlich  überschüttete  er  von  neuem 
den  Ort  mit  Geschütz-  und  Gewehrfeuer,  worauf  ein  letzter,  verzweifelter  Sturm- 
anlauf  der  Franzosen  folgte.  Aber  alles  umsonst!  Auch  diesmal  kam  Dormus  im 
entscheidenden  Augenblicke  dem  Feinde  zuvor.  Zum  fünftenmale  erschütterte 
Hurrah  die  Lüfte,  zum  fünftenmale  drang  Dormus  an  der  Spitze  seiner  unver- 
gleichlich tapferen  Gulozer  —  welche  nur  mehr  die  im  Dunkel  flammende 
Feuerlinie  der  Franzosen  zur  Direction  nehmen  konnten  —  mit  dem  Bajonnett 
auf  den  Feind  ein.  Zum  fünftenmal  floh  derselbe,  diesmal  unter  dem  Schutze  der 
Nacht,  bis  nach  Ponte  vecchio  di  Magenta.  Von  dort  wagte  er  es  nicht  mehr  hervor- 
zubrechen. 

Damit  hatte  nicht  nur  das  heldenmäßige  Ringen  der  Brigade  Dormus, 
sondern  auch  die  Schlacht  überhaupt  ihr  Ende  gefunden.  Die  glänzende  Offensiv- 
Vertheidigung  von  Ca  Limido  durch  die  Culozcr  bildete  an  dem  blutigen  Schlacht- 
tage von  Magenta  den  letzten  Kampf  und  zugleich  den  Schluss  einer  Reihe  von 
siegreichen,  für  die  k.  k.  Armee  wichtigen  Waffenthaten  des  Obersten  Dormus. 

Dormus  behauptete  mit  den  Culozern  Ca  Limido  und  überhaupt  die  ganze 
Aufstellung  in  der  Höhe  dieses  Ortes.  Seine  Brigade  hatte  durch  das  Vorgehen 
zwischen  den  zwei  auseinander  laufenden  Linien  des  Naviglio  grande  und  der 
Straße  von  Robecco-Magenta  zwar  immer  weiter  nach  rechts  sich  öffnen  und  in- 
folge dessen  successive  in  ein  einziges  Treffen  sich  entwickeln  müssen.  Dasselbe 
hielt  aber  die  Linie  von  Ca  Limido  gegen  die  Straße  Robecco-Magenta  durch  eine 
geschlossene  Divisionsmassen-Linie  mit  vorgeschobenen  dichten  Plänklerketten 
besetzt.  Reserven  waren  zwar  um  die  Zeit  des  letzten  Gefechts  von  Ca  Limido 
keine  vorhanden,  allein  jeden  Augenblick  mussten  von  den  Vorposten  größere 
Theile  der  Brigade  eintreffen.  Thatsächlich  rückte  auch  das  1.  Kaiser-Jäger-Bataillon 
am  Abend  noch  auf  dem  Schlachtfelde  zur  Brigade  am  rechten  Flügel  auf  der 
Straße  Robecco-Magenta  ein,  so  dass  dieser  Flügel  wieder  zwei  Treffen  formierte. 
Überdies  hatte  Dormus  einen  Geschützzug  der  Brigade-Batterie,  welcher  sich  durch 
Robeceo  hatte  durcharbeiten  können,  von  dort  auf  der  Straße  gegen  Magenta  bis 
nahezu  auf  gleiche  Höhe  mit  der  Brigade  vordisponiert  und  auf  diese  Weise  seinen 
äußersten  rechten  Flügel  verstärkt.  So  stand  Dormus  um  9  Uhr  abends  mit  seiner 
Brigade  in  der  Stärke  von  18  Compagnien  und  2  Geschützen  als  Sieger  und  unbe- 
strittener Herr  innerhalb  des  ihm  ursprünglich  zum  Vorgehen  zugewiesenen 
Terrain-Dreieckes  Magenta,  Ponte  vecchio  di  Magenta  und  Robecco 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M-  T.-O.  Joseph  Freiherr  Dorums  von  Kilianshausen. 


93 


inmitten  des  Schlachtfeldes  da,  jeden  Augenblick  bereit,  den  Kampf  wieder  auf- 
zunehmen, ohne  dass  es  aber  der  Gegner  wagte,  ihn  anzugreifen  —  ein  Beweis, 
wie  sehr  Dorums  dazu  beigetragen  hatte,  dass  das  Schicksal  des  Tages  auf  diesem 
Punkte  unentschieden  geblieben  war. 

Nur  aus  Gründen  des  taktischen  Verbandes  repliierte  sich  Dormus  freiwillig 
im  Verlauf  des  Abends  mit  dem  größten  Theile  seiner  Brigade  in  vollster  Ordnung 
von  Ca  Limido  nach  Peralza.  Von  dort  aus  entsendete  er  neuerlich  Patrouillen, 
welche  auch  alle  anderen  vorgeschobenen  Abtheiinngen  und  einzelne  eigene  wie 
zahlreiche  Versprengte  anderer  Arnieetheile  nach  Peralza  zurückführten.  Die  Zahl 
derselben  wuchs  mit  den  bereits  während  der  Action  der  Brigade  Dormus  Gesam- 
melten auf  mehrere  Hundert  Mann  mit  einer  Fahne  von  Hartmann-Infanterie  an, 
welch'  erstere  auf  diese  Weise  vor  der  Gefangennahme  gerettet  wurden. 

Inzwischen  hatte  Dormus  Verhaltungsbefehle  für  seine  Brigade  einholen 
lassen.  FML.  Fürst  Schwarzenberg  (III.  Corps),  welcher  über  Anordnung  des 
Armee-Commandos  auch  den  Befehl  über  die  in  Gefechtlinie  gerückten  Truppen 
des  V.  Corps  übernommen  hatte,  wies  Dormus  an,  seine  Brigade  zurückzuführen. 
Infolge  dessen  marschierte  derselbe  nach  Bobecco,  zog  dortselbst  alle  übrigen 
Theile  seiner  Brigade  wieder  an  sich  und  rückte  infolge  eines  weiteren  Befehles 
nach  Castellazzo  de  Barzi.  Dort  nahm  er  im  Verein  mit  anderen  Truppen  behufs 
Verbindung  zwischen  dem  FML.  Schwarzenberg  (III.  Corps)  und  FML.  Zobel 
(VII.  Corps)  Stellung,  um  im  Falle  eines  feindlichen  Angriffs  Castellazzo  de  Barzi 
zu  behaupten.  Erst  damit  war  in  später  Nacht  die  ruhmvolle  Antheilnahme  des 
Obersten  Dormus  an  der  Schlacht  von  Magenta  völlig  beendet. 

Durch  die  völlig  selbständige  Gefechtslcitung  und  die  hervorragende  Ent- 
schlossenheit des  Obersten  von  Dormus  wurde  nicht  nur  die  Brigade  Ramming 
degagiert,  sondern  auch  das  Festhalten  des  höchst  wichtigen  Punktes  Robecco 
erleichtert,  überdies  von  den  in  diesem  Orte  verfahrenen  und  angehäuften  Geschütz- 
und  Munitions-Reserven  die  sonst  unvermeidliche  Katastrophe  ferngehalten  und 
überhaupt  dem  Vordringen  des  siegreichen  Feindes  auf  dem  Schlachtfelde  selbst 
Halt  geboten. 

Auf  Grund  der  auf  diese  Weise  in  der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni 
1859  vollbrachten  WalTenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als 
Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Capitels  kraft 
Promotion  CLVIII  vom  lT.October  1859  den  Obersten  Joseph  Dormus  —  nachdem 
er  bereits  am  27.  Juni  1859  durch  den  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe 
mit  der  Kriegsdecoration  ausgezeichnet  worden  war  —  durch  Verleihung  des  Klei n- 
kreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren  und  in  der 
Folge  —  am  2.  Jänner  1860  —  statutenmäßig  in  den  österreichischen  Freiherrn- 
stand zu  erheben. 

Auch  in  der  Schlacht  bei  Solferino  zeichnete  sich  Oberst  Dormus,  mit 
seinem  Regimente  Nr.  31  am  linken  Flügel  des  V.  Armee-Corps  kämpfend,  durch 
die  sechsstündige  heldenrnüthige  Vertheidigung  der  nächst  Solferino  gelegenen 
Höhen  gegen  dreifach  überlegene  Kräfte  des  Gegners  rühmlich  aus. 


Digitized  by  Google 


*)4  n.VIIl.  und  CI.IX.  Tromotion.       Im  Kricpo  von 

Nach  dem  Feldzuge,  am  27.  Dccembcr  1859,  wurde  Oberst  Dormus  zum 
Gommandantcn  des  neu  errichteten  Infanterie-Regiments  Nr.  73  ernannl,  am 
11.  Juni  1803  aber  als  Truppen-Brigadier  zum  Generalmajor  befördert. 

Im  Jahre  1864  machte  GM.  Frh.  von  Dormus  den  Krieg  gegen  Dänemark  in 
Schleswig  und  Jütland  als  Brigadier  mit.  Bei  Ober-Selk  am  3.  Februar  bildete 
er  mit  seiner  Brigade  die  Reserve,  ohne  jedoch  ins  Feuer  zu  kommen.  Für  seine 
sonst  verdienstlichen  Leistungen  in  diesem  Feldzuge  wurde  ihm  die  Allerhöchste 
belobende  Anerkennung  zutheil. 

Am  26.  Juli  1864  trat  Dormus  in  Disponibilitüt.  Nach  einem  Jahre,  am  3.  Juni 
18<;5.  wurde  er  zum  Local-Truppen-Brigadier  in  Lernberg,  am  3.  Jänner  1869  zum 
Cominandanten  der  XII.  Infanterie-Truppen-Division  und  zum  Militär-Comman- 
danten  in  Krakau  ernannt. 

Am  1.  September  1869  auf  sein  Ansuchen  in  den  Ruhestand  versetzt,  wurde 
Frh.  von  Dormus  indessen  schon  nach  Jahresfrist,  am  24.  November  1870.  wieder 
reactiviert  und  demGeneral-Commando  in  Lemberg  zugetheilt.  Auf  diesem  Dienstes- 
posten  rückte  er  am  29.  October  1871  zum  Feldmarschall-Lieutenant  vor. 

Anlässlich  seines  fünfzigjährigen  Dienstesjubiläums  wurde  FML.  Frh.  von 
Dormus  am  26.  Jänner  1875  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  II.  Classe 
mit  der  Kriegsdecoration  der  III.  Classe  ausgezeichnet;  am  28.  December  1876 
erfolgte  seine  Ernennung  zum  Oberst-Inhaber  des  72.  Infanterie-Regiments. 

Bei  der  auf  sein  Ansuchen  am  1.  April  1879  erfolgten  Übernahme  in  den 
Ruhestand  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  dem  Frh.  von  Dormus  in  Anerkennung 
seiner  mehr  als  fünfzigjährigen,  stets  pflichtgetreuen,  irn  Frieden  und  im  Kriege  vor- 
züglichen Dienstleistungen  den  Feldzeugmeister-Charakter  a<l  honores  sowie 
die  Geheime  Raths  würde  allergnädigst  zu  verleihen. 

FZM.  Frh.  von  Dormus  starb  am  17.  Juni  1890. 


Hilter  des  Maria  Theresicn  -  Ordens 
Wilhelm  Herzog  von  Württemberg, 

Königliche  Höh.  it. 
(Mil  ßiMnis  aus  dum  Jahre  l$<i0.. 

Wilhelm  Herzog  von  Württemberg  wurde  am  20.  Juli  1828  zu  Carlsruhe 
in  Preußisch-Schlesien  geboren.  Kr  ist  der  Sohn  des  im  Jahre  1857  verstorbenen 
Herzogs  Eugen,  welcher  sich  als  kaiserlich-russischer  General  und  Corpscom- 
inandant  in  den  Kriegen  getreu  Napoleon  ruhmvoll  ausgezeichnet  hat. 

Wilhelm  Herzog  von  Württemberg  wurde  am  16.  October  1848  vom  FM. 
Grafen  Radetzky  zum  Oberli  eutenant  im  1.  Infanterie-Reghnente  ernannt, 
trat  seinen  Kriegsdienst  in  Mailand  an  und  bezog  einige  Tage  darauf  die  Vorposten 
am  Ticino. 


Digitized  by  Google 


RiltiT  des  M.  T  O.  Wilhelm  Herzog  von  Württemberg. 


95 


Im  Kriege  gegen  Piemont  184-8/4-9  machte  er  den  Feldzug  des  Jahres  1840 
in  der  Division  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  FML.  Erzherzogs  Albrecht  mit. 
Kr  kämpfte  bei  Überschreitung  des  Gravellone  am  20.,  in  der  Schlacht  bei 
Mortara  am  21.  und  bei  Novara  am  23.  März,  that  sieh  bei  Mortara  rühmlich 
hervor,  wurde  aber  dabei  im  Kampfe  von  einem  feindlichen  Artilleristen  am  Kopfe 
verwundet  und  zwei  Tage  darauf  bei  Novara  durch  das  Kniegelenk  geschossen. 
Feldmarschall  Kadetzky  ernannte  ihn  in  Anerkennung  seiner  Tapferkeit  am 
17.  Mai  1849  zum  Hauptmann  II.  Ciassv  bei  dem  45.  Infanterie-Re»imentc.  Am 
24.  April  1850  verlieh  ihm  Seine  Majestät  der  Kaiser  das  Ritterkreuz  des 
Leopold-Ordens. 

Nach  Wiederherstellung  von  seiner  schweren  Verwundung  zum  Dienste  einge- 
rückt, wurde  er  am  1.  December  1850  Hauptmann  1.  Classe,  am  23.  November 
1853  Major  im  21.  Infanterie-Regiment,  am  16.  April  1857  Oberstlieutenant 
im  1.  Infanterie-Regiment  und  am  28.  April  1859  Oberst  und  Regiments-Com- 
mandant  des  27.  Infanterie-Regiments.  Mit  diesem,  in  die  Rrigade  CM.  Frh.  von 
Ramming  des  III.  Armee-Corps  eingetheilt.  zog  er  in  den  Krieg  gegen  Frank- 
reich und  Piemont  in  Italien  1859,  in  welchem  er  sich  ruhmvollst  hervor- 
thun  sollte. 

Es  war  in  der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  1859,  wo  dem  Herzog  von 
Württemberg  Gelegenheit  zutheil  wurde,  mit  einem  Rruchtheile  seines  Regiments 
eine  Reihe  folgenreicher  Thaten  auszuführen.  Nachdem  die  Truppen  des  FML. 
Grafen  Clam  und  des  II.  Corps,  sowie  auch  der  Division  Reischach  das  westliche 
und  nördliche  Vorfeld  Magentas  hatten  räumen  müssen,  und  auch  dieses  letztere 
nur  mehr  mit  Noth  gehalten  wurde,  disponierte  CM.  Frh.  von  Ramming  behufs 
Rettung  des  für  die  Armee  so  wichtigen  Punktes  2  Bataillone  vom  Regimente 
König  der  Belgier,  zusammen  8  Compagnien.  unter  Commando  des  Herzogs 
Württemberg  zu  einem  energischen  Angriffe  auf  die  rechte  Flanke  des  von  Mar- 
callo  gegen  Magenta  vordringenden  Feindes. 

Herzog  von  Württemberg  rückte  von  dem  Friedhofe  von  Magenta,  in  dessen 
Nähe  er  den  Befehl  erhalten  hatte,  in  Divisionsstaffeln  vom  rechten  Flügel  vorwärts, 
längs  der  Westfront  des  Or'es  rasch  vor  und  warf  :ille  feindlichen  Truppen,  trotz 
der  Übermacht  derselben,  hinter  den  Eisenbahndamm  zurück.  Zwei  Regimenter 
der  französischen  Fremdenlegion  und  das  zweite  Znaven-Re?iment  der  Division 
Espinasse  wurden  auf  diese  Weise  gegen  Mareallo  zurückgedrängt.  So  gelangte 
Herzog  von  Württemberg  über  die  Bahnstation  von  Magenta  nordwestlich  des  Ortes 
hinaus.  Die  ihm  nachrückende  halbe  Brigade-Batterie  2/111  verfolgte  den  weichen- 
den Feind  mit  einem  wohlangebrachten  Kartälschenfeuer.  durch  weh  lies  derselbe 
vollends  in  Verwirrung  gebracht  wurde.  Auch  der  rechte  Flügelstaflei  des  Herzogs 
von  Württemberg  verfolgte  den  in  einzelne  Trupps  auseinanderstiebenden  Gegner 
und  brachte  dadurch  00  bis  70  Gefangene  ein. 

Damit  war  die  von  CM.  Ramming  dem  Herzog  von  Württemberg  über- 
tragene Degagierung  Magentas  bewerkstelligt.  Allein,  wenn  für  die  in  Magenta 
befindlichen  Truppen  genügende  Zeit  zum  Sammeln  und  Ordnen  gewonnen 


Digitized  by  Google 


GLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  tod  1859. 


werden  sollte,  so  musste  der  Ort  auch  gegen  weitere  unmittelbare  Angriffe 
geschützt  werden.  Dieser  Notwendigkeit  trug  Herzog  von  Württemberg  aus 
eigenen  Stücken  selbständig  Rechnung.  Er  lieft  seine  Divisionsstaffeln  in  Colonnen- 
linie  links  übergehen,  lehnte  den  linken  Flügel  an  die  Eisenbahn,  und  nahm  so 
eine  Stellung  ein,  wodurch  Magenta  gegen  Angriffe  von  Nordwesten  her 
gesichert  wurde. 

Nach  kurzer  Zeit  rückten  thatsächlich  Truppen  der  französischen  Division 
Motterouge  und  zwar  von  Westen  zum  Angriff  gegen  Magenta  vor.  Dieselben 
bewegten  sich  ä  cheval  der  Straße  Boffalora-Magcnta.  Diese  Truppen  stießen  zunächst 
auf  die  Stellung  des  Herzogs  Württemberg  und  zwar  hauptsächlich  gegen  dessen 
linken  Flügel,  aber  doch  auch  zugleich  auf  einen  Theil  seiner  Front.  Zur  Deckung 
der  linken  Flanke  entsendete  er  die  linke  Flügel-Division  über  den  Eisenbahndamm 
gegen  die  Straße.  Mit  den  drei  übrigen  Divisionen  leistete  Herzog  Württemberg 
Widerstand  in  freiem  Felde.  Die  zur  Deckung  der  Flanke  entsendete  Division  hielt 
zwar  die  Umgehung  seines  linken  Flügels  einige  Zeit  auf,  endlich  musste  sie  aber 
zurückweichen.  So  wurde  die  linke  Flanke  durch  die  Obermacht  des  Feindes 
bedenklich  gefährdet.  Herzog  Württemberg  sagte  sich,  dass  ein  gänzliches  Zurück- 
weichen nach  Magenta  die  dort  herrschende  Verwirrung  außerordentlich  ver- 
mehren müsste.  Er  vollzog  daher  eine  kleine  Verschiebung  nach  links  und  wagte 
zur  Hinhaltung  der  feindlichen  Massen  mit  seinen  3  in  der  Front  übriggebliebenen 
Divisionen  einen  defensiven  Bajonnettangriff.  Er  ließ  die  Divisionscolonnen  rasch 
aufmarschieren,  die  vorn  in  heftigem  Feuer  engagierten  Plänkler  die  Front  räumen, 
sodann  ein  rasches  Frontalfeuer  gegen  den  vorstürmenden  Feind  abgeben  und 
stürzte  ihm  endlich  mit  seiner  tapferen  Truppe  gefällten  Bajonnetts  entgegen, 
wodurch  die  Franzosen  bis  C.  Nuova  zurückgeworfen  wurden.  So  war  das 
Gefecht  vor  Magenta  durch  Württemberg  zum  zweitenmal  zum  Stehen  gebracht. 

Um  diese  Zeit  erhielt  der  Herzog  eine  schwache  Division  Grenadiere  des 
Regiments  Kaiser  Nr.  1  als  Verstärkung.  Gleichzeitig  waren  aber  auch  die  Kräfte 
des  Gegners  verstärkt  worden  und  Herzog  von  Württemberg  wurde  nicht  nur  in 
Front  und  beiden  Flanken  beschossen,  sondern  auch  bald  von  allen  Seiten  durch 
Sturmcolonnen  bedroht.  Ein  Cavallerieangriff  in  der  rechten  Flanke  wurde  abge- 
schlagen. Eine  auf  die  eigene  Rückzugslinie  losgehende  feindliche  Golonne  ward 
durch  raschen  Angriff  einer  Abtheilung  unter  persönlicher  Führung  des  Herzogs 
Württemberg  verdrängt.  Schon  aber  drang  der  Feind  unter  heftigem  Feuer  auch 
in  der  Front  rasch  vor.  Württemberg  sprengte  von  einem  bedrohten  Punkt  zum 
anderen  und  feuerte  die  Truppe  durch  Zuspruch  und  eigenes  Beispiel  zur  zähesten 
Ausdauer  an.  Der  Feind  unterhielt  im  Vorgehen  ein  heftiges  Feuer,  und  Schuss  auf 
Schuss  schlug  in  die  dichten  Reihen  von  Belgien-Infanterie  ein.  Doch  die  tapferen 
Belgier  erwiesen  sich  ihres  Obersten  würdig.  Nicht  einen  Schritt  wichen  die 
Plänkler  zurück.  Auch  die  bivisionsmassen  dahinter  —  thnnlichst  gedeckt,  aber  fest 
geschlossen  —  harrten  nur  des  Commandos.  um  sich  von  neuem  auf  den  Feind 
zu  stürzen.  Unter  diesen  Umständen  disponierte  Herzog  Württemberg  einen  neuen 
Vorstoß  in  der  Front.  Dadurch  wurden  die  vordersten  Tiiailleurs  und  Schwärme 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-U.  Wilhelm  Herzog  von  WQrtlembcrjr.  97 

■ 

des  Feindes  für  kurze  Zeit  zum  Weichen  gebracht.  Allein  derselbe  ersetzte  die 
geworfenen  Abtheilungen  rasch  wieder  durch  frische  Truppen  in  stets  wachsender 
Zahl,  während  die  Belgier,  in  höchstem  Grade  erschöpft,  sich  kaum  mehr  zu  halten 
vermochten. 

In  dieser  gefährlichen  Lage  zu  schwach,  um  den  Feind  stehenden  Fußes 
abzuwehren,  fasste  Herzog  Württemberg,  um  Zeit  zu  gewinnen  und  sich  Luft  für 
einen  geordneten  Rückzug  zu  machen,  den  Entsehluss,  noch  einmal  einen  kräf- 
tigen Defensivangriff  auszuführen.  Er  formierte  seine  Halbbrigade  in  Sturm- 
colonnen,  ließ  auf  ganzer  Linie  Sturmstreich  schlagen  und  das  Sturmsignal  blasen, 
stürzte  dann  mit  drei  Divisionen  Belgier-  und  einer  Division  Kaiser-Infanterie  gefällten 
Bajonnetts  dem  in  der  Front  bereits  ungestüm  vordringenden  Feinde  entgegen. 

Während  des  Vorstürmens  bricht  der  Fahnenführer  Mayer  des  ersten 
Bataillons,  durch  die  Brust  geschossen,  zusammen.  Herzog  von  Württemberg, 
mit  wenigen  Sätzen  seines  Pferdes  zur  Stelle,  Säbel  und  Zügel  in  der  Rechten, 
reißt  mit  der  Linken  die  Fahne  empor.  Hoch  in  den  Lüften  das  geheiligte  Panier 
schwingend,  sprengt  er  auf  die  dichtesten  Reihen  des  Feindes  los. 

.Soldaten,  Eurer  Fahne,  Eurem  Obersten  nach!* 

Und  weiter  dringt  unter  donnerndem  Hurrah  die  Truppe  fest  geschlossen 
mit  gefälltem  Bajonnett  auf  den  Feind  ein.  Mehrere  Schüsse  durchlöchern  die 
Fahne.  Württembergs  Pferd,  von  mehreren  Kugeln  getroffen,  bricht  zusammen. 
Württemberg  —  obzwar  selbst  von  einem  Prellschuss  verletzt  —  stürmt  zu  Fuß 
weiter  mit.  Führer  Schlösser  von  Kaiser-Infanterie,  die  Fahne  rasch  überneh- 
mend, stürmt  —  immer  »Fahne  hoch*  —  zur  Seite  des  Herzogs  

Württemberg  mit  seinen  Belgiern  und  etwas  Kaiser-Infanterie  hat  gesiegt. 
Zu  Haufen  bedeckten  Franzosen  die  Wahlstatt.  Auch  der  Österreicher  viele 
hauchten  ihren  letzten  Athemzug  für  Kaiser  und  Vaterland  aus. 

Aber  die  Halbbrigade  hat  sich  Luft  gemacht.  Sie  hat  für  sich  und  für  die 
Truppen  in  Magenta  Zeit  gewonnen.  Das  Centrum  des  Feindes  wurde  zum  Weichen, 
sein  linker  Flügel  zum  Stehen  gebracht. 

Im  Kampfe  trat  für  einige  Zeit  Stillstand  ein.  Diese  Pause  benützte  Württem- 
berg, um  sich  mit  den  drei  Divisionen  seines  Regiments  und  der  Division  von 
Kaiser-Infanterie  zurückzuziehen.  Kaum  hatte  dies  aber  der  Feind  bemerkt,  als  er 
sofort  wieder  heftig  von  C.  Nuova  nachdrängte.  Nur  die  außerordentliche  Energie 
des  Herzogs  Württemberg,  welcher  den  Rückmarsch  der  einzelnen  Abtheilungen 
unausgesetzt  mit  bewunderungswürdiger  Kaltblütigkeit  und  großer  Unisicht  leitete, 
bewahrte  die  Truppe  vor  gänzlichem  Auseinandersprengen.  Württemberg  selbst 
wich  mit  der  den  Rückzug  deckenden  Plänklerkette  nur  Schritt  um  Schritt  zurück. 
.  Schon  aber  drangen  Massen  des  Feindes  von  Norden  aus  Marcallo  gegen  den 
Bahnhof  von  Magenta  vor. 

Kaum  hatte  das  1.  Bataillon  Württembergs  den  Bahnhof  passiert,  als  die 
denselben  bishin  vertheidigenden  Truppen  die  Belgier  theilweise  in  ihren  Rückzug 
mit  hineinrissen.  Infolge  dessen  blieb  dem  Herzog  Württemberg,  um  dem  Feinde 
das  Eindringen  in  Magenta  zu  verwehren,  nichts  übrig,  als  mit  einer  Division  des 

Militärischer  Maria  Therosien-Ordeu.  7 


Digitized  by 


98 


CLV1H.  und  CHX.  PrnmoLion.       Im  Kriege  von  1 8Ö0. 


Regiments,  welche  seinen  Rückmarsch  deckte,  und  mit  einer  kleinen  Abteilung 
des  14.  Jäger-Bataillons  unter  Lieutenant  Klenz,  der  sich  ihm  anschloss,  die  dem 
Bahnhofe  zunächst  liegende  Nord-Lisiere  von  Magenta  zu  besetzen,  die  Grenadier- 
Division  von  Kaiser-Infanterie  dahinter  als  Reserve  aufzustellen  und  das  1.  Bataillon 
von  Belgien  im  Orte  selbst  sammeln  und  durch  dasselbe  die  Rückzugslinie  sichern 
zu  lassen. 

In  dieser  Aufstellung  hielt  Württemberg  den  Nordeingang  von  Magen ta 
länger  als  eine  halbe  Stunde,  wodurch  den  Abtheilungen  verschiedener  Regimenter 
die  Möglichkeit  verschafft  wurde,  sich  ungefährdet  zurückzuziehen.  Auch  den 
Bahnhof  selbst  gelang  ihm,  wiederholt  für  kurze  Zeit  vom  Feinde  zu  säubern  und 
teilweise  zu  besetzen.  Besonders  hart  wurde  ein  nächst  des  Bahnhofes  aufgestellter 
Geschützzug  durch  heftiges  feindliches  Kleingewchrfeuer  bedrängt.  Ein  demontiertes 
Geschütz  befand  sich  bereits  in  Gewalt  des  Gegners.  Um  dasselbe  zu  retten  und 
den  beiden  Geschützen  den  Rückzug  zu  ermöglichen,  machte  Herzog  Württemberg 
mit  einer  Abtheilung  wiederholte  Ausfälle  mit  dem  Bajonnelt.  Die  Franzosen  waren 
da  bereits  wieder  in  die  den  Bahnhof  mit  Magenta  verbindende  Straße  eingedrungen. 
Bei  dem  Kampfe  mit  denselben  gerieth  Lieutenant  Schmedes  von  Belgien  unter 
eines  der  abfahrenden  Geschütze,  wurde  aber  mitten  im  Kampfe  durch  den  Herzog 
Württemberg  persönlich  gerettet.  Dank  den  Bemühungen  desselben  konnten  auch 
die  Geschütze  in  Sicherheit  gebracht  werden. 

Die  im  Rückzüge  befindlichen  Infanterie-Abtheilungen  waren  nicht  nur  völlig 
erschöpft,  sondern  litten  auch  an  Munitionsmangel  und  besaßen  daher  nur  mehr 
geringe  Widerstandsfähigkeit.  Auch  befand  sich  kein  höherer  Commandant  an  Ort 
und  Stelle.  In  diesem  gefährlichen  Moment  allgemeiner  Verwirrung  ergriff  Herzog 
Württemberg  das  Commando  und  traf,  so  gut  es  gieng,  alle  Vorbereitungen 
zur  weiteren  Verteidigung  Magentas  um  jeden  Preis.  Kr  ließ  mehrere  Abschnitte 
im  Westtheil  des  Ortes  von  einigen  Zügen  seines  Regiments  und  von  kleinen 
Abtheilungen  Kaiser- Infanterie  besetzen,  griff  bei  der  Verteidigung  überall 
persönlich  ein,  feuerle  seine  eigenen  sowie  auch  fremde  Abtheilungen,  die  er 
mitten  im  Rückzüge  zum  Stehen  brachte,  zu  fernerem  Widerstande  an  und  hielt 
auf  diese  Weise  das  Eindringen  des  Feindes  von  Westen  in  Magenta  solange  als 
möglich  hin.  Während  dieser  ganzen  Verteidigung  Magentas  kämpfte  Herzog 
Württemberg  bei  jedem  der  zahlreichen  Rückstöße  gegen  den  Feind,  sowie  nament- 
lich während  des  Straßenkampfes,  persönlich  mit  Säbel  und  Pistole  zu  Fuß,  mit 
heroischer  Selbstüberwindung  die  Folgen  des  erhaltenen  Prellschusses  bemeisternd. 
So  wurde  nach  und  nach  vielen  versprengten  Theilen  von  verschiedenen 
Regimentern  und  schließlich  auch  4  Geschützen  vom  Westeingange  der  Rückzug 
ermöglicht. 

Inzwischen  war  der  Feind  in  den  Südtheil  von  Magenta  eingedrungen, 
wodurch  die  Rückzugslinie  Württembergs  ernstlich  gefährdet  ward.  Infolge  dessen 
gab  er,  da  überdies  seitens  des  Brigadiers  GM.  Frh.  von  Ramming  —  um  8'/t  Uhr 
abends  —  der  Befehl  eingetroffen  war,  nach  Robeceo  zurückzugehen,  den  Wider- 
stand in  Magenta  auf.  Zunächst  ertheilte  Herzog  Württemberg  den  rückgebliebenen 


Digitized  by  Google 


I 


Ritter  des  M.  T.-O.  Wilhelm  Herzog  von  Württemberg.  99 

Theilen  dos  1.  Bataillons  den  Befehl  zum  Rückzüge  nach  Robecco.  Dann  ließ  er  die 
Division  aus  dem  Westtheil  von  Magenta  nachrücken.  Dieselbe  fand  jedoch  bereits 
den  Südausgang  von  Magenta  vom  Feinde  besetzt  und  konnte  sich  nur  auf  Umwegen 
zu  dem  übrigen  Titeile  der  Brigade  durchschlagen.  Zur  Deckung  dieses  Rückzuges 
überwies  Herzog  Württemberg  die  Verteidigung  der  letzten  Häuser  von  Magenta 
einer  Abiheilung  vom  10.  Jäger-Bataillon.  Nun  erst  sali  er  sich  nach  Ersatz  für  sein 
gebliebenes  Pferd  um  und  ritt  seinen  Abtheilungen  nach,  die  er  auf  dem  Wege 
nach  Robecco  einholte. 

Vor  Robecco  traf  er  den  General  Frh.  von  Ramming,  welcher  mittlerweile 
den  successiven  Rückzug  der  ganzen  Brigade  angeordnet  hatte  und  die  Sammlung 
derselben  nördlich  von  Robecco  leitete,  aus  welcher  Aufstellung  die  Brigade 
nachmittags  in  das  Gefecht  aufgebrochen  war.  Um  10  Uhr  nachts  ward  die  Ral- 
liierung  der  Brigade  in  Robecco  selbst  beendet. 

An  den  mit  Tagesanbruch  des  5.  Juni  durch  einen  feindlichen  Angriff  auf 
Robecco  herbeigeführten  Kämpfen  zwischen  Abtheilungen  verschiedener  Brigaden, 
darunter  Koller  und  Ramming,  und  den  Truppen  der  französischen  Division  Trochu, 
wobei  die  letzteren  zurückgeworfen  wurden,  nahm  Oberst  Herzog  von  Württemberg 
neuerdings  theil. 

Den  heldenmüthigen  Leistungen  des  Herzogs  von  Württemberg  in  der 
Schlacht  bei  Magenta,  sowie  den  hiedurch  erzielten  Folgen  wurde  nicht  nur  von 
seinem  Brigadier  GM.  Frh.  von  Ramming  und  vom  Befehlshaber  aller  bei  Magenta 
im  Kampfe  gestandenen  k.  k.  Truppen,  FML.  Grafen  Clam-Gallas,  sondern  auch 
von  allen  Kampfgenossen,  welche  mit  und  unter  dem  Herzog  von  Württemberg  bei 
der  Vertheidigung  von  Magenta  gefochten  hatten,  das  rühmlichste  Zeugnis  ertheilt. 

Selbst  feindliche  Schlachtberichte  ergehen  sich  über  den  heftigen  und  nach- 
haltigen Widerstand,  welcher  am  Nord-  und  Westeingang  von  Magenta  zu  Ende 
der  Schlacht  geleistet  wurde  und  wodurch  es  den  Franzosen  unmöglich  gemacht 
ward,  über  Magenta  hinaus  vorzudringen  und  die  sich  zurückziehenden  Theile  der 
k.  k.  Armee  zu  verfolgen,  in  rühmendster  Weise. 

Insbesondere  wurde  die  offensive  Vertheidigung  Magentas  im  freien  Felde  im 
Hauptquartier  des  Kaisers  Napoleon  III.  vermerkt  und  auch  nach  der  Schlacht  forl- 
dauernd besprochen :  „Notre  arrni-e  a  beaueoup  remarqm'  Vuttaque  rigourmse  d'un 
rryiment  ä  collet  jaune,  tnenee  le  drapeau  ä  la  main  par  unjeunv  colonel."  So  äußerten 
sich  die  französischen  Generale  Montebello  und  Failly  zu  dem  FML.  Prinzen 
von  Hessen,  als  dieser  späterhin,  nach  der  Schlacht  von  Solferino,  in  dienstlicher 
Sendung  im  französischen  Hauptquartier  erschien. 

Die  für  den  unentschiedenen  Ausgang  der  Schlacht  von  Magenta  ebenso 
wichtige  als  glänzend  durchgeführte  Vertheidigung  Magentas  hatte  dem  Regiment 
König  der  Belgier  allein  2G  Offleiere  und  /29  Mann  gekostet.  Mit  Ruhm  bedeckt 
gieng  aber  auch  das  tapfere  Regiment  aus  der  Schlacht  hervor,  wie  die  Aus- 
zeichnungen des  Offieierseorps  nach  beendetem  Feldzuge  erweisen.  Von  der  Mann- 
schaft allein  wurden  bei  Magenta  4  goldene,  20  silberne  I.,  und  34  silberne 
Tapferkeits-Medaillen  II.  Classe  errungen. 

7* 


Digitized  by  Google 


100 


CLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Der  ebenso  tapfere  als  umsichtigeRegiments-Commandant  der  Belgier,  Obersl 
Wilhelm  Herzog  von  Württemberg,  winde  auf  Grund  der  in  der  Schlacht  bei 
Magenta  am  4.  Juni  vollbrachten  Waffenthat  am  27.  Juni  1859  mit  dem  Orden 
der  Eiser  nen  Krone  II.  Classe  ausgezeichnet  und  in  der  Folge  über  Votum  des 
Ordenscapitels  durch  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  1.  als  Erhabenen 
Großmeister  kraft  Promotion  CLIX  vom  21.  Mai  1861  mittels  Verleihung  des 
Kleinkreuzcs  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  promoviert. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Feldzuges  machte  Oberst  Herzog  von  Württemberg, 
in  die  Brigade  GM.  Dienstl  des  III.  Corps  eingetheilt,  die  Schlacht  bei  Solferino 
am  24.  Juni  mit.  Er  kämpfte  mit  seinem  Regimente  am  äußersten  rechten  Flügel 
der  ersten  Armee.  Vier  Stunden  im  feindlichen  Geschützfeuer  ausdauernd,  feind- 
liche Reiterangriffe  abweisend,  betheiligte  er  sich  sodann  durch  21/,  Stunden  her- 
vorragend an  dem  Kampfe  um  C.  Nuova  vorwärts  Guidizzolo.  Ein  neuerlicher 
Verlust  von  26  Officieren  und  569  Mann  an  Todten  und  Verwundeten  spricht  auch 
da  am  deutlichsten  für  die  Tapferkeit  dieses  braven  Regiments  und  seines  Führers. 

Nach  dem  Kriege  in  die  Garnison  Wien  versetzt,  wirkte  Oberst  Herzog  von 
Württemberg  mehrere  Jahre  als  Commandant  seines  braven  Regiments,  dessen 
Ausbildung  und  Geist  er  nach  jeder  Richtung  hin  förderte  und  auf  eine  hohe  Stufe 
der  Vollendung  brachte. 

Den  Krieg  im  Jahre  1864  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  Jütland 
machte  er  mit  seinem  Regimente  —  2  Bataillonen  mit  einem  Gefechlsstande  von 
1920  Mann  —  in  der  Brigade  GM.  von  Nostitz  des  k.  k.  VI.  Armee-Corps  unter  FML. 
Frh.  von  Gablenz  mit.  Er  kämpfte  in  dem  Gefechte  bei  Ober-Selk  am  3.  Februar 
und  machte  die  Kanonade  vor  Schleswig  am  4.  Februar  mit.  In  dem  Gefechte 
beiOeversee  am  6.Februar,  welches  FML.  Frh.  von  Gablenz  mit  der  BrigadeNostitz 
durchführte,  war  es  dem  Herzog  von  Württemberg  vergönnt,  sich  mit  seinem 
Regimente  wieder  glänzend  hervorzuthun  und  zum  Erfolge  des  Tages  hervor- 
ragend beizutragen. 

Württemberg  selbst  wurde  hiebei  durch  einen  Schuss  in  den  Fuß  schwer 
verwundet  und  sank  schließlich  bewusstlos  nieder.  In  diesem  Zustande  wäre  er 
fast  das  Opfer  eines  fanatischen  Dänen  geworden,  der,  selbst  schwer  verwundet 
damiederliegend,  sich  mühsam  emporhob  und  auf  den  Herzog  feuerte,  ohne 
ihn  jedoch  zu  treffen. 

Von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  für  Auszeichnung  vor  dem  Feinde  außer 
der  Rangstour  zum  Generalmajor  befördert,  schied  Herzog  von  Württemberg 
am  8.  Februar  von  seinem  Regimente,  dem  er  durch  fünf  Jahre  mit  Leib  und 
Seele  angehört  und  dessen  rückhaltsloses  Vertrauen  und  vollste  Anhänglichkeit  er 
gewonnen  hatte. 

Am  10.  März  1864  wurde  Herzog  Württemberg  in  Anerkennung  seiner 
besonderen  Tapferkeit  und  hervorragenden  Leistungen  mit  dem  Commandeur- 
kreuz  des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet. 

König  Wilhelm  von  Preußen  verlieh  ihm  am  22.  März  die  höchste  preußische 
Militär-Decoration.  den  Orden  pour  Ic  mfrite. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  Wilhelm  Herzog  ron  Württemberg. 


101 


Am  16.  Mai  1865  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Oberst-Inhaber  des 
Infanterie-Regiments  Nr.  73. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  GM. 
Herzog  von  Württemberg  denFeldzuggegenPreußen  mit,  und  zwar  als  Brigadier 
im  II.  Armee-Corps  unter  FML.  Grafen  Thun.  Er  wohnte  der  Kanonade  von  Kukus 
(Kasow)  am  30.  Juni  an,  und  führte  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz  am  3.  Juli, 
wo  es  ihm  gelang,  sich  zeitweilig  in  den  Besitz  des  viel  umstrittenen  Swiep- 
Wal des  zu  setzen,  fernerbin  in  dem  Treuen  bei  Blumenau  und  Pressburg 
am  22.  Juli,  seine  Brigade  mit  gewohnter  Bravour.  Für  seine  Leistungen  in  diesem 
Kriege  wurde  dem  GM.  Herzog  von  Württemberg  am  3.  October  1866  die  Aller- 
höchste belobende  Anerkennung  ausgesprochen. 

Nach  dem  Feldzuge  kam  er  mit  seiner  Brigade  in  die  Garnison  Triest, 
wurde  am  23.  April  1869  zum  Commandanten  der  IX.  Infanterie-Truppen-Division 
in  Prag  ernannt  und  am  21.  October  1869  zum  Feldmarschall-Lieutenant 
befördert.  Am  28.  Jänner  1874  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Commandanten  der 
VII.  Infanteric-Truppen-Division  und  zum  Militär-Commandanten  in  Triest. 

An  der  Spitze  dieser  Truppen-Division  machte  Herzog  von  Württemberg 
die  Occupation  Bosniens  im  Jahre  1878  im  XIII.  Armee-Corps  unter  FZM. 
Frh.  von  Philippovic  mit.  Seine  Division  bildete  die  rechte  Flügel-Colonne  des  Corps, 
welche  in  Westbosnien,  auf  dem  Operationsfelde  der  Vrbas-Sana,  nach  Travnik 
vorzurücken  hatte,  um  dann  über  Vitez  der  Haupt-,  beziehungsweise  Mittel-Colonne 
die  Hand  zu  reichen. 

FML.  Herzog  von  Württemberg  überschritt  am  29.  Juli  die  $ave  bei  Alt- 
Gradiska,  erreichte  am  31.  Banjaluka,  schlug  die  Insurgenten  in  dem  Gefechte  bei 
Ro  gel  je  am  5.  August  und  brachte  ihnen  in  dem  entscheidenden  Gefechte  bei 
Jaice  am  7.  August  nach  achtstündigem  hartnäckigen  Kampfe  eine  vollständige 
Niederlage  bei,  wodurch  sie  zersprengt  wurden.  Am  11.  August,  an  dem  vom 
FZM.  Frh.  von  Philippovic  vorgezeichneten  Tage,  besetzte  der  Herzog,  nachdem  er 
während  seiner  Operationen  alle  Communications-  und  Verpflegsschwierigkeitcn. 
sowie  den  feindlichen  Widerstand  überwunden  hatte,  das  Marschziel  Travnik, 
womit  seine  erste  Aufgabe  gelöst  war.  Am  13.  August  schob  der  Herzog  eine 
Gebirgs-Brigade  nach  Vitez  vor,  wodurch  die  Verbindung  mit  der  Mittel-Colonne 
durchgeführt  war.  Infolge  der  Verhältnisse  auf  den  übrigen  Operationsfeldern 
erhielt  Herzog  Württemberg,  dessen  Division  durch  Abgabe  der  erwähnten  Gebirgs- 
Brigade  an  die  Mittel-Colonne  geschwächt  war,  die  Weisung,  vorläufig  die 
geplanten  Operationen  gegen  die  Insurgenten  im  Gebiete  beiderseits  der  Straße 
Bihac-Han  Cadjavica,  sowie  in  der  festen  Stadt  Livno,  bis  zum  Eintreffen  aus- 
giebiger Verstärkungen  zu  sistieren. 

Bei  der  zur  Verstärkung  der  Occupations-Truppen  erfolgten  zweiten  Mobili- 
sierung und  Aufstellung  der  II.  Armee  unter  FZM.  Frh.  von  Philippovic  geruhte 
Seine  Majestät  der  Kaiser  den  FML.  Herzog  von  Württemberg  mit  Allerhöchster 
Entschließung  vom  21.  August  1878  in  Anerkennung  seiner  ausgezeichneten  Lei- 
stungen bei  Durchführung  der  bis  dahin  der  VII.  Infanterie-Truppen-Division  über- 


Digitized  by  Google 


102 


CLVIIL  and  CLIX.  Promotion.  ~  In  Kriege  von  1859. 


tragen  gewesenen  schwierigen  Aufgaben  außer  der  Rangstour  zum  Feldzeug- 
meister zu  befördern  und  zum  Commandunten  des  XIII.  Armee-Corps  zu  ernennen. 
Hiemit  fiel  dem  Herzog  die  Aufgabe  der  vollständigen  Pacificierung  des  westlichen 
Bosniens  zu. 

Am  6.  September  nahm  FZM.  Herzog  von  Württemberg  die  unterbrochenen 
Operationen  wieder  auf,  und  zwar  zunächst  gegen  Kljue,  den  Schlupfwinkel  und 
Sammelplatz  der  Insurgenten,  welche  von  dort  aus  den  wichtigen  Straßenknoten- 
punkt Han  Cadjavica  an  der  Etapenlinie  bedrohten  und  die  Stadt  Banjaluka  in 
steter  Aufregung  erhielten.  Durch  persönliches  Eingreifen  in  das  Gefecht  bei  Kljue 
am  7.  und  8.  September  gelang  es  dem  Herzog,  die  Insurgenten  von  dort  zu  ver- 
treiben und  die  Hauptverbindungslinie  dauernd  zu  sichern. 

Weiterhin  schritt  der  Herzog  zu  der  von  langer  Hand  und  planmäßig  vor- 
bereiteten Operation  gegen  Livno.  Entschlossen,  diese  von  2000  Mann  regulären 
Truppen  und  3000  Insurgenten  besetzte  feste  Stadt  durch  eine  überwältigende 
Kraftentfaltung  rasch  zu  bezwingen,  um  mit  dem  militärischen  gleichzeitig  einen 
politischen  Erfolg  im  Interesse  der  schnellen  Pacificierung  des  Landes  zu  erzielen, 
entschied  sich  Herzog  von  Württemberg  für  die  Cernierung  und  Beschießung  des 
Platzes.  Er  beließ  das  Gebiet  von  Banjaluka  und  Travnik  unter  dem  Schutze  der 
XXXVI.  Infanterie-Truppen-Division  und  schob  die  VII.  Truppen-Division  derart 
vor,  dass  am  25.  September  der  taktische  Aufmarsch  ihrer  drei  Gebirgs-Brigaden 
an  der  Suica  vollendet  war;  gleichzeitig  wurde  die  durch  FZM.  Frh.  von  Hodich  aus 
Dalmatien  entsendete  Reserve-Gebirgs-Brigade  von  Han  Prolog  zur  Mitwirkung 
herangezogen.  Am  20.  und  27.  September  führte  der  Herzog  die  Cernierung  und 
Beschießung  Livnos  durch.  Die  Artillerie  in  der  Stärke  von  5  Gebirgs-  und 
2  Y,  Feld-Batterien,  zusammen  38  Geschütze,  war  in  der  Cernierungslinie  aufgestellt. 
Die  Haupt-Geschütz-Position  begann  im  Süden  von  Livno,  beim  Kloster  Gorica, 
umschloss  in  einem  Halbkreise  die  Stadt  im  Osten  und  endigte  nordöstlich  der- 
selben bei  der  Vertaca-Höhe ;  an  diese  schloss  im  Norden,  nach  Südwest  abbiegend, 
die  Geschützstellung  der  aus  Dalmatien  zudisponierten  Reserve-Gebirgs-Brigade  an. 
Östlich  des  Klosters  Gorica  war  eine  Geschützmasse  von  2'/,  Batterien  aufgefahren. 
Nach  einer  zehnstündigen  Beschießung  durch  38  Geschütze,  wobei  rund  2300  Schuss 
abgegeben  wurden,  ergab  sich  die  Stadt  am  Morgen  des  28.  September.  Dieser  für 
die  Bewältigung  der  lnsurrection  in  West-Bosnien  entscheidende  Erfolg  wurde 
hauptsächlich  durch  die  concentrische  Operation  gegen  Livno,  sowie  die  über- 
wältigende Verwendung  der  Artilleriewane  erzielt. 

Am  19.0etober  1878  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  FZM.  Herzog 
von  Württemberg  zum  Stellvertreter  des  < Kommandanten  der  II.  Armee  zu  ernennen 
und  am  20.  October  demselben  in  Anerkennung  seiner  hervorragend  verdienst- 
lichen Leistungen  bei  den  staltgehabten  Gefechten  und  Operationen  in  Bosnien  den 
Orden  der  Eisernen  Krone  1.  C lasse  mit  der  Kriegsdecoration  zu  verleihen. 

Mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  18.  November  1878  wurde  der  Herzog 
zum  Commaudicrenden  General  und  Chef  der  Landesregierung  in  Bos- 
nien und  der  Hercegovina  ernannt. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Wilhelm  Herzog  von  Württemberg. 


103 


Dem  verantwortungsvollen  Posten  als  militärischer  und  politischer  Chef 
Bosniens  und  der  Hcrcegovina,  welcher  bei  den  schwierigen  und  chaotischen  Zu- 
ständen dieser  Länder  die  größten  Anforderungen  an  die  Geistesarbeit,  Thatkraft 
und  Ausdauer  des  Herzogs  stellte,  widmete  sich  derselbe  mit  vollster  Hingebung. 
Obgleich  fast  nur  auf  militärische  Kräfte  angewiesen,  da  noch  kein  genügendes 
Beamtenpersonal  zur  Verfügung  stand,  erzielte  der  Herzog  während  seiner  Amts- 
tätigkeit hervorragende  Erfolge.  Er  baute  nach  wohldurchdachtem,  die  militärischen 
wie  commerciellen  Interessen  berücksichtigenden  Plane  eine  große  Zahl  von  Ver- 
kehrswegen, wodurch  die  solide  Grundlage  für  das  spätere  Communicationsnetz  in 
Bosnien  geschaffen  wurde.  Das  Schulwesen,  besonders  das  militärisch  organisierte 
Knaben-Pensionat  in  Sarajevo,  entwickelte  sich  in  der  kürzesten  Zeit,  wie  nicht 
minder  alle  anderen  Zweige  der  Verwaltung  und  Justiz.  Sein  offenes,  leutseliges 
Wesen,  die  vielen  Bereisungen  des  Landes,  anderseits  seine  sprüchwörtlich  gewor- 
dene Tapferkeit,  welche  die  orientalischen  Völker  so  hoch  anschlagen,  trugen 
wesentlich  zur  Hebung  des  Vertrauens  der  Bevölkerung  und  zur  Consolidierung  der 
Verhältnisse  im  Occupationsgebiete  bei.  Als  (kommandierender  General  belebte  er 
durch  persönliches  Beispiel  die  Truppen,  schuf  für  dieselben  bessere  Unterkünfte, 
rottete  das  Räuberwesen  aus  und  widmete  sich  mit  Vorliebe  der  Ausbildung  der 
ihm  unterstehenden  Truppenkörper. 

Im  Herbste  des  Jahres  1879  war  Herzog  Württemberg  berufen,  einen  Theil 
des  Sandschaks  Novibazar  zu  besetzen.  Dank  seiner  Umsicht  und  Energie 
wurde  dieses  Unternehmen  trotz  aller  Schwierigkeiten  derart  durchgeführt,  dass 
Verwicklungen  und  Blutvergießen  vermieden  blieben.  In  den  Ortschaften  Priboj. 
Priepolje  und  Plevlje  wurden  ständige  Garnisonen  etabliert.  Ein  kaiserliches 
Handschreiben  voll  Huld  und  Anerkennung  wurde  dem  Herzog  für  diese  hervor- 
ragende politisch-militärische  Leistung  zutheil. 

Nach  nahezu  zweieinhalbjähriger  rastloser  militärischer  und  administrativer 
Thätigkeit  in  den  occupierten  Gebieten  stellte  FZM.  Herzog  von  Württemberg  die 
Bitte  um  Enthebung  von  seinen»  Posten.  Seine  Majestät  der  Kaiser  willfahrte 
derselben  am  0.  April  1881  mittels  eines  huldvollst  gehaltenen  Handschreibens 
unter  Verleihung  des  Großkreuzes  des  Leopold-Ordens  bei  gleichzeitiger 
Ernennung  des  Herzogs  zum  Cornmandierenden  General  in  Lemberg.  Am 
1.  Jänner  1883  wurde  er  bei  Einführung  des  Teiritorial-Sy.-tems  zum  Comman- 
danten  des  XI.  Corps  und  Cornmandierenden  General  in  Lemberg  ernannt.  Nach 
achteinhalbjähriger  Dienstleistung  auf  diesem  Posten  wurde  der  Herzog  mittels 
Allerhöchster  Entschließung  am  13.  September  1889  zum  Commandanten  des 
III.  Armee-Corps  und  Cornmandierenden  General  in  Graz  ernannt 

Außer  seiner  dienstlichen  Thätigkeit  hat  FZM.  Herzog  von  Württemberg  viel- 
fache größere  Reisen  zum  Zwecke  militärischer  und  geographischer  Studien  im 
Orient,  auf  der  Balkan-Halbinsel,  in  Italien,  Spanien,  Nord-Afrika,  Frankreich, 
England  und  Amerika  unternommen  und  sich  lebhaft  an  allen  militär- wissen- 
schaftlichen Strebungen  betheiligt. 


Digitized  by  Google 


104 


CLVIII.  uDd  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Joseph  Freiherr  von  Döpfner. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1859.) 

Döpfner  wurde  als  Sohn  des  k.  k.  Generalmajors  Ignaz  Edlen  von  Döpfner 
(f  1854)  in  Verona  am  16.  Juni  1825  geboren.  Dem  an  Ehren  reichen  Beispiele 
des  Vaters  folgend,  schlug  auch  der  Sohn  die  Militärlaufbahn  ein.  Im  13.  Lebensjahre, 
am  22.  October  1837,  sehen  wir  ihn  in  die  k.  k.  Militär-Akademie  zu  Wiener- 
Neustadt  eintreten.  Nach  sechs  Jahren,  am  29.  September  1843,  wurde  er  als 
Dritter  im  Range  ausgemustert  und  als  Unterlieutenant  II.  Classe  zu  dem 
Linien-Infanterie-Regiment  Nr.  1  eingetheilt.  Am  30.  September  1844  wurde  er 
zum  Unterlieutenant  I.  Glosse  befördert,  nachdem  er  auch  den  höheren  Gurs 
der  Militär- Akademie  zu  Wiener-Neustadt  absolviert  hatte.  Am  1.  Mai  1848  erfolgte 
seine  Beförderung  zum  Oberlieutenant. 

Döpfner  kämpfte  im  Kriege  gegen  Piemont  in  Italien  1848  und  1849 
mit,  und  zwar  im  Feldzuge  1848  in  den  Gefechten  bei  Vi  sc  o  am  17.  April,  bei 
Treviso  am  12.  Mai  und  in  der  Schlacht  bei  Gustozza  am  25.  Juli.  Am 
1.  Juli  1848  erfolgte  seine  Versetzung  zum  General-Quartiermeister-Stabe.  Im 
Feldzuge  1849  machte  er  in  Italien  das  Gefecht  bei  Gambolö  am  21.  März  mit. 
Darauf  kämpfte  er  in  Ungarn,  und  zwar  bei  dem  Überfall  von  Nyärasd  am 
30.  Mai,  in  dem  Gefechte  bei  Böös  am  16.  Juni,  bei  der  Einnahme  von  Raab  am 
30.  Juni,  in  den  Schlachten  bei  Komorn  am  2.  und  am  11.  Juli  und  im  Gefechte 
bei  Dreyspitz  am  10.  August.  In  allen  diesen  Kämpfen  that  sich  Döpfner  hervor, 
insbesondere  bei  dem  Überfalle  von  Nyärasd,  welchen  er  mit  zwei  Gompagnien 
und  1  Zug  Gavalleric  ausführte,  ferner  bei  Böös,  dann  in  den  Schlachten  von 
Komorn,  in  deren  erster  ihm  das  Pferd  unter  dem  Leibe  erschossen  wurde.  Für 
seine  bei  Böös,  dann  bei  Komorn  wiederholt  bewiesene  Tapferkeit  wurde  ihm 
dreimal  die  Allerhöchste  belobende  Anerkennung  zutheil.  Im  Jahre  1850 
wurde  er  schließlich  für  sein  umsichtiges  Wirken  im  Feldzuge  1849  mit  dem 
Militär- Verdienst  kreuz  decoriert. 

In  der  Friedenszeit  nach  dem  Kriege  von  1849,  nachdem  Döpfner  am 
18.  August  dieses  Jahres  zum  Hauptmann  befördert  worden  war,  versah  er  den 
Gcneralstabsdienst,  und  zwar  von  1853  an  durch  zwei  Jahre  als  Generalstabschef 
des  V.  Annee-Gorps.  Am  27.  März  1857  avancierte  er  zum  Major  und  wurde  am 
1.  December  dieses  Jahres  zum  General -Quartiermeister-Stab  der  11.  Armee 
transferiert. 

Im  Jahre  1859  sehen  wir  ihn  mit  dem  II.  Corps  als  dessen  Generalstabschef 
indem  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  kämpfen.  In  der 
Schlacht  bei  Ma genta  am  4.  Juni  wurde  ihm  Gelegenheit  zutheil,  sich  in  außer- 
ordentlicher Weise  hervorzuthun. 

Während  der  ersten  Stunden  der  Schlacht,  als  um  den  Besitz  der  Verthei- 
digungslinie  des  Navigho  gekämpft  wurde,  versah  Major  Döpfner  an  der  Seite  des 


Digitized  by  Google 


i 

J 
1 

I 

■ 
■ 


- 

11 
u 
K 

55* 

d 

\v 
AI 

Ii 
G 
d< 
1. 

tr. 

in 
St 
or 


Digitized  by  Google 


7AA0RNTA.  4.  JUNI  1B!>9. 


ürvck  v  V  K^fj. 


Digitized  by  Google 


Ritler  des  M.  T.  O.  Joseph  Freiherr  von  Döpfner. 


105 


Corps-Commandanten  die  ihm  als  Generalstabschef  des  II.  Corps  zukommenden 
Dienste  mit  großer  Umsicht.  Von  2  Uhr  nachmittags  aber  ergab  sich  eine  Reihe 
von  Gefechtsmomenten,  in  welchen  er  weit  über  den  Pflichtkreis  seiner  Dienstes- 
stellung hinaus  in  den  Gang  der  Schlacht  einzugreifen  berufen  wurde. 

Der  erste  dieser  Gefechtsmomente  war  gegeben,  als  das  Centrum  der 
Gefechtslinie  am  Naviglio  grande  nach  2  Uhr  nachmittags  durchbrochen  war. 
Die  am  äußersten  rechten  Flügel  in  B off alora  noch  hailnäckig kämpfende  Brigade 
Baltin  wurde  infolge  des  gleichzeitigen  Vorgehens  der  feindlichen  Truppen  unter 
Mac  Mahon  gegen  die  eigene  rechte  Flanke  —  in  beiden  Flanken  und  im  Rücken 
ernstlich  bedroht  und  stand  in  Gefahr,  gänzlich  abgeschnitten  und  aufgerieben  zu 
werden.  Major  Döpfner  erfasste  mit  scharfem  Blicke  diese  äußerst  gefährliche  Lage 
der  tapferen  Brigade  und  erkannte  die  Unmöglichkeit,  dieselbe,  trotzdem  sie  sich 
bei  Boffalora  gegen  Westen  behauptete,  länger  stehen  zu  lassen.  Er  sagte  sich, 
dass  dort  eine  Katastrophe  drohe,  welcher  ungesäumt  um  jeden  Preis  vorgebeugt 
werden  müsse.  In  seiner  Eigenschaft  als  Generalstabschef  des  Armee- Corps 
machte  er  auf  die  höchste  Dringlichkeit  der  Rückberufung  der  Brigade  Baltin  auf- 
merksam. Es  wurden  auch  sofort  hintereinander  Officiere  zu  diesem  Zwecke  zu  der 
Brigade  entsandt.  Sie  kamen  aber  unverrichteter  Dinge  und  mit  der  Meldung 
zurück,  dass  feindliche  Trupps  soweit  im  Rücken  der  Brigade  Baltin  vorgedrungen 
waren,  dass  man  zu  derselben  nicht  mehr  durchdringen  konnte.  Das  Gewehrfeuer 
des  von  Westen  und  von  Norden  concentrisch  vorgehenden  Feindes  kreuzte  sich 
bereits  zwischen  Boffalora  und  C.  Nuova.  Speciell  Hauptmann  Nagy  des  General- 
stabes, welcher  versucht  hatte,  zwischen  den  beiden  feindlichen  Feuerünien  zu 
der  Brigade  Baltin  zu  gelangen,  wurde,  trotzdem  er  der  feindlichen  Kugeln  nicht 
achtete,  durch  feindliche  Reiter  daran  gehindert.  Seine  Meldung  lautete  dahin,  er 
bezweifle  sehr,  dass  man  zur  Brigade  Baltin  nach  Boffalora  überhaupt  noch 
kommen  könne.  Eine  Truppe,  welche  die  Überbringung  des  Rückzugsbefehles 
nach  Boffalora  hätte  forcieren  können,  stand  in  jenem  Augenblicke  bei  C.  Nuova 
nicht  zur  Verfügung.  Jede  Minute  längeren  Zögerns  erhöhte  aber  die  Gefahr  für 
die  Brigade  Baltin,  vollständig  abgeschnitten  zu  werden. 

„So  will  ich  selbst  den  Befehl  überbringen"  — rief  Major  Döpfner. 

Von  einem  Stabsdragoner  begleitet,  sprengt  er  in  das  feindliche  Kreuzfeuer 
hinein.  Den  Schüssen  der  nächsten  Tirailleurs  wird  bald  rechts,  bald  links  aus- 
gewichen ;  streckenweise  entkommen  die  beiden  Reiter  nur  durch  die  Schnelligkeit 
ihrer  Pferde  dem  Feuer  der  feindlichen  Infanterie.  Hinter  dem  zweiten  Treffen  der 
Brigade  Baltin  trifft  ein  Schuss  das  Pferd  des  Stabsdragoners.  Jede  Seeunde  Verzug 
könnte  jedoch  der  Brigade  Baltin  Verderben  bringen.  So  jagt  denn  Döpfner  eeutre 
ä  terre  allein  weiter.  Sein  tollkühner  Ritt  durch  den  Feind  gelingt  Glücklich  langt 
er  —  unversehrt  —  bei  dem  zweiten  Treffen  der  Brigade  nächst  Boffalora  an. 

Bis  dahin  hatte  Döpfner  die  größte  todesverachtende  Bravour  bekundet. 
Von  diesem  Augenblicke  an  heischte  aber  die  sich  selbst  gestellte  Aufgabe  wieder 
die  Entfaltung  der  angespanntesten  intellectuellen  und  moralischen  Thütigkeit  des 
Generalstabschefs.  Er  durfte  sich  bei  der  so  überaus  kritischen  Situation  der 


Digitized  by  Google 


106 


r.LVlII.  und  CUX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1850. 


Brigade  und  der  ganzen  Gefechtslage  nicht  auf  das  bloße  mechanische  Überbringen 
des  Rückzugsbefehles  an  die  Brigade  Bai» in  beschranken,  sondern  musste,  auf 
eigene  Verantwortung  hin,  gleich  vom  zweiten  Treffen  angefangen  nach  vorwärts 
zu.  selbständig  die  Rückzugs-Dispositionen  treffen. 

Zunächst  wies  er  das  zweite  Treffen  zur  Degagierung  und  Aufnahme  des 
Vordertreffens  an.  Auch  hielt  er  zu  demselben  Zwecke  ein  eben  bei  dem  zweiten 
Treffen  aus  der  Richtung  von  Ponte  nuovo  di  Magenta  von  der  sich  rückziehenden 
Brigade  Koudelka  eingetroffenes  Bataillon  von  .Tellacie-Infanterte  Nr.  40  zurück. 
Kaum  war  dies  in  größter  Eile  gethan.  sprengte  Major  Döpfner  gegen  Boffalora 
selbst  weiter,  um  den  Brigadier  zu  treffen. 

Der  kürzeste  Weg  führte  längs  des  Nordrandes  von  Boffalora.  Hier  wülhete 
heftigster  Kampf,  denn  die  von  Norden  vorrückende  Division  Motterouge  unterhielt 
gegen  Boffalora  ein  lebhaftes  Gewehr-  und  Katätschenfeuer,  welches  von  der 
eigenen  Infanterie  aus  den  Fenstern  der  besetzten  Häuser  kräftigst  erwidert 
wurde.  Ein  Umreiten  des  Ortes  nach  Süden  hätte  unersetzliche  Minuten  gekostet. 
So  sprengte  Döpfner  neuerdings  zwischen  zwei  Feuern  dahin,  in  Gefahr,  dabei  von 
den  eigenen  Leuten  getroffen  zu  werden.  Dazu  mussten  allerhand  Hindernisse 
genommen,  gefallene  Pferde  übersetzt  werden  u.  d.  gl.  Allein  Döpfner  verlor  keine 
Secunde,  um  zu  dem  Brigadier  zu  gelangen. 

In  Boffalora  traf  Döpfner  zunächst  den  Generalstabs-Hauptmann  Kal- 
mucky,  welchem  er  in  aller  Eile  Richtung  und  Dispositionen  für  den  Rückzug 
zurief.  Am  nordwestlichen  Ausgange  endlich  erreichte  er  GM.  Ballin  selbst.  Diesem 
meldete  Döpfner  den  Befehl  zum  Rückzüge  nebst  den  hiezu  von  ihm  bereits  selb- 
ständig getroffenen  Dispositionen.  Auch  gab  Döpfner  dem  GM.  Baltin  selbst 
genau  die  Richtung  für  den  Rückzug  an,  in  welcher  derselbe  nach  seinen  Wahr- 
nehmungen während  des  Rittes  von  C.  Nuova  nach  Boffalora  noch  einzig  möglich 
und  durchführbar  erschien. 

Nachdem  in  solcher  Weise  der  Rückzug  aus  Boffalora  eingeleitet  war,  galt 
es  schließlich,  zwei  in  der  rechten  Flanke  aufgestellte  Divisionen  von  Sicilien- 
Uhlanen  zum  Anschlüsse  zu  veranlassen.  Major  Döpfner  vermittelte  auch  diese 
Disposition,  forderte  überdies  die  beiden  Divisionen  zur  Deckung  des  Rück- 
marsches auf. 

Daraufhin  wurde  der  Rückzug,  durch  die  Zehner- Jäger  und  1  Bataillon 
Rainer  gedeckt,  von  der  Brigade  Baltin  aus  Boffalora  in  größter  Ordnung  ange- 
treten. Das  vom  Major  Döpfner  gleichzeitig  mit  dem  zweiten  Treffen  zur  Deckung 
der  Flanken  und  des  Rückens  disponierte  Bataillon  von  Jellacie-Infanterie  Nr.  46 
hatte  während  des  Rückmarsches  einen  heftigen  Flankenangriff  des  2.  Regiments 
der  französischen  Fremdenlegion  abzuwehren.  Auch  die  beiden  Uhlanen -Divi- 
sionen in  der  Flanke  gegen  den  Feind  zu.  wiesen  wiederholte  Vorstöße  der  Fran- 
zosen gegen  die  Rückzugslirüe  der  Brigade  Ballin  zurück.  So  wurde  dank  den 
von  Döpfner  getroffenen  Dispositionen  der  Rückzug  ohne  Verlust  einer  einzigen 
Abtheilung  bis  C.  Nuova  glücklich  durchgeführt,  woselbst  die  Brigade  Baltin  auf 
gleiche  Höhe  und  wieder  in  taktische  Verbindung  mit  den  übrigen  Truppen  trat. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  Joseph  Freiherr  von  Döpfaer. 


107 


Dadurch  waren,  von  den  2  Uhlanen-Üivisionen  abgesehen,  G  Bataillone  (rund 
GOOO  Mann)  mit  8  Geschützen  für  die  Armee  gerettet. 

Nach  dem  Thutzeugnisse  des  GM.  Baltin  war  es  nur  dem  unerschrockenen, 
von  wahrer  Todesverachtung  begleiteten  Eingreifen  des  Generalstahs-Majors 
Döpfner  zu  verdanken,  dass  die  Brigade  auf  ihrem  Rückzug  nicht  ganzlich  auf- 
gerieben wurde,  da  dies  bei  der  großen  feindlichen  Übermacht  zweifellos  geschehen 
wäre,  wenn  die  Überbringung  des  Rückzugsbefehles  auch  nur  um  ein  Geringes 
verzögert  worden  wäre. 

Major  Döpfner  war  übrigens  bald  darauf  ein  zweitesmal  berufen,  in  den 
Gang  der  Schlacht  höchst  wirksam  einzugreifen. 

Kurze  Zeit  nach  dem  Einrücken  der  Brigade  Baltin  in  C.  Nuova  versuchten 
bedeutende  feindliche  Kräfte,  von  Marcallo  direct  über  C.  Medici  auf  Magcnta 
vorzudringen.  Die  Brigade  Baltin  war  dadurch  neuerdings  und  zwar  diesmal  in 
rechter  Flanke  und  Rücken  bedroht.  Ihre  Rückzugslinie  erschien  umsomehr 
gefährdet,  als  die  inzwischen  im  Cenlrum  vorgerückte  Division  Reischach  auch 
bereits  wieder  im  Rückzüge  auf  Magenta  begriffen  war. 

Von  der  Briyade  Baltin  wurde  daher  das  Grenadier-Bataillon  von  Hartmarin- 
infanterie, durch  2  Bataillone  des  I.  Corps  unterstützt,  nach  rechts  rückwärts  mit 
dem  Auftrage  entsendet,  Marcallo  zu  nehmen.  Dreimal  griff  das  Grenadier- 
Bataillon  den  Ort  an,  vermochte  denselben  aber  nicht  zu  erstürmen.  Im  Gegen- 
theile.  der  Feind  brach  mit  Übermacht  hervor  und  bedrohte  mehr  denn  je 
den  Rückzug  sämmtlicher  noch  zwischen  Magenta  und  Boffalora  stehenden 
Truppen  des  II.,  I.  und  VII.  Corps  so  ernstlich,  dass  schnellste  Hilfe  nothwendig 
erschien. 

Döpfner  erfasste  auch  da  wieder  sofort  den  ganzen  Ernst  der  Gefechtslage, 
sowie  auch  die  Notwendigkeit,  auf  eigene  Verantwortung  hin  selbständig  zu 
handeln.  Er  führte  aus  eigenen  Stücken,  nachdem  er  höhere  Weisungen  nicht 
mehr  einholen  konnte,  das  1.  Bataillon  von  Hartmann-Infanterie  dem  Grenadier- 
Bataillon  rasch  zu  Hilfe  und  forderte  auch  das  2.  und  3.  Bataillon  auf,  dem  ersteren 
als  Reserve  zu  folgen.  Diese  Angriffs -Colonne  —  Major  Döpfner  mit  an  deren 
Spitze  —  gerieth  mit  dem  entgegenstürmenden  Feind  in  heftiges  Handgemenge. 
Der  Commandant  des  Grenadier-Bataillons,  Major  Merkl  nebst  zahlreichen  Offi- 
cieren  erlitten  schwere  Verwundungen,  das  Regiment  überhaupt  schwere  Ver- 
luste —  es  wurde  förmlich  deeimiert. 

Major  Döpfner  selbst  vermochte  >ich  nur  mit  dem  blanken  Säbel  in  der 
Faust  der  auf  ihn  eindringenden  Feinde  zu  erwehren.  In  den  nächsten  Augen- 
blicken förderte  er  aber  wieder  tatkräftigst  die  Ralliierung  der  Truppe  und 
stürmte  an  deren  Spitze  wiederholt  auf  den  Feind  ein. 

Hauptmann  Schmid  des  Grenadier-Bataillons,  welcher  die  vorderste  Com- 
pagnie  commandierte,  rief  dem  Major  Döpfner  mehrmals  zu,  er  wage  sich  zu  weit 
in  die  Reihen  der  Franzosen  vor,  allein  Döpfner  verharrte  mit  tapferer  Ausdauer 
an  der  Spitze  der  stürmenden  Grenadiere  und  feuerte  die  Truppe  zu  beherztem, 
kräftigen  Eindringen  auf  den  Feind  an. 


108 


CLVIII.  und  CLtX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


So  gelang  es  schließlich,  denselben  bis  zum  Friedhofe  von  Marcallo 
zurückzuwerfen  und  den  eigenen  bedrängten  Truppen  so  weit  Luft  zu  machen, 
dass  sie  sich  gesammelt  und  geordnet  gegen  Magenta  zurückziehen  konnten. 

Schließlich  musste  aber  auch  Major  Döpfner  gegen  5  Uhr  nachmittags  mit 
den  tapferen  Hartmann-Grenadieren  den  Rückzug  antreten.  Derselbe  wurde  Schritt 
um  Schritt,  unter  unausgesetztem  Kampfe  ausgeführt.  Hiebei  wurde  der  tapfere 
Commandant  von  Hartmann -Infanterie,  Oberst  Hubatschek,  tödlich  getroffen, 
—  Oberstlieutenant  Stromfeld  schwer  verwundet  und  auch  sonst  das  Regiment 
schwer  hergenommen.  Die  feindlichen  Plänkler  drangen  wiederholt  bis  auf  wenige 
Schritte  Entfernung  hinter  den  Grenadieren  auch  auf  den  Major  Döpfner  ein. 
Gleichwohl  gelang  es  diesem,  Magenta  unversehrt  zu  erreichen. 

Durch  den  von  ihm  selbständig  gegen  Marcallo  eingeleiteten  und  ausge- 
führten Gegenstoß,  dann  den  von  dort  Schritt  um  Schritt  gefechtsweise  durch- 
geführten Rückzug,  halten  aber  die  Truppen  der  Brigaden  Koudelka,  Baltin  und 
des  I.  Corps  Zeit  gewonnen,  den  nordwestlichen  Theil  von  Magenta  zu  besetzen 
und  dem  Feinde  daselbst  erneut  die  Stirne  zu  bieten. 

Und  noch  ein  drittesmal  an  diesem  Schlachttage  trat  Major  Döpfner  dorn 
Feinde  noch  im  letzten  Augenblicke  höchst  wirksam  entgegen. 

Er  erbat  sich  vom  FML.  Grafen  Clam.  als  dem  Befehlshaber  aller  bei 
M  agenta  kämpfenden  Armeetheile,  die  Erlaubnis,  die  Reserven  der  den  Bahnhof 
von  Magenta  vertheidigenden  Abtheilungen  verschiedener  Regimenter  und  Armee- 
Corps  den  bereits  über  den  Bahndamm  bis  an  die  Ortsumfassung  vorgedrungenen 
feindlichen  Colonnen  entgegenzuführen,  um  letztere  zurückzuweisen. 

Hiezu  stellte  sich  Döpfner  an  die  Spitze  der  in  Reserve  stehenden  Abthei- 
lungen von  Gruber-  und  Kaiser -Infanterie  des  VII.  Corps  und  stürmte  mit 
denselben  bis  an  die  Ortsumfassung  vor.  Dadurch  und  durch  das  folgende  wirksame 
Feuer  dieser  Abtheilungen  wurde  der  Feind  zum  Weichen  gebracht  und  dessen 
Angriff  auf  den  nordwestlichen  Theil  von  Magenta  abgeschlagen. 

Um  aber  auch  weiter  die  eigenen  Truppen  zum  äußersten  Standhalten 
anzueifern,  verharrte  Major  Döpfner  auch  während  des  Feuerkampfes  an  deren 
Spitze.  Ermuthigt  durch  diese  tapfere  Haltung  Döpfners,  wiesen  die  eigenen 
Truppen  wiederholte  heftige  Angriffe  des  Gegners  durch  längere  Zeit  erfolgreich  ab. 

So  sehen  wir  den  Major  Döpfner  in  der  Schlacht  bei  Magenta  nicht  bloß 
als  Generalstabschef  unausgesetzt  hohe  militärische  Intelligenz  und  wiederholtes 
selbständiges  Eingreifen  auf  eigene  Verantwortung  hin  entwickeln,  sondern  auch 
weit  über  seinen  Wirkungskreis  hinaus  als  Truppenführer  blitzartige,  persönliche 
Initiative  und  energievollste,  todesverachtende  Tapferkeit  entfalten. 

FML.  Fürst  Liechtenstein  als  sein  Corps-Commandant  fühlte  sich  verpflichtet, 
ihn  unter  den  Tapfersten  der  Tapferen  durch  einen  eigenhändigen  Zusatz  zur 
Gefechtsrelation  des  II.  Corps  hervorzuheben  und  sein  Verhalten  im  Kampfe 
folgendermaßen  zu  charakterisieren:  „Durch  den  ganzen  Tag  zeichnete  er  sich 
durch  seine  Thätigkeit,  durch  sein  muthvolles  Benehmen,  durch  seine  Energie  aus. 
Er  leitete  mit  der  schnellsten  Auffassung,  mit  Ruhe  und  großer  Umsicht  und  kann 


Digitized  by  Google 


Hilter  des  M.  T.-O.  Joseph  Freiherr  von  Döpfner. 


109 


daher  nur  mit  bestem  Gewissen  vor  allen  einer  besonderen  Berücksichtigung 
empfohlen  werden.* 

In  den  wärmsten  Ausdrücken  hebt  auch  der  Befehlshaber  sämmtlicher  bei 
Magenta  im  Kampfe  gestandenen  Truppen,  FML.  Graf  Clam,  das  letzte  heroische 
Ankämpfen  Döpfners  gegen  den  übermächtigen  Feind,  sowie  auch  seine  Umsicht, 
glänzende  Tapferkeit  und  Todesverachtung  hervor. 

Ganz  zweifellos  ist  es  auch  in  hervorragendem  Maße  seinem  wiederholten, 
selbständigen  Eingreifen  in  den  Gang  der  Schlacht  zu  danken  gewesen,  dass  der 
nahezu  vierfach  überlegene  Angriff  Mac  Mahons  gegen  die  rechte  Flanke  der  bei 
Magenta  kämpfenden  k.  k.  Truppen  bis  in  die  sinkende  Nacht  hingehalten, 
dadurch  die  taktische  Entscheidung  vereitelt  und  solchermaßen  die  Schlacht  zu 
einer  thatsächlich  unentschiedenen  gestaltet  wurde. 

Major  von  Döpfner,  am  25.  Juni  1859  zum  Oberstlieutenant  befördert, 
wurde  am  27.  Juni  für  seine  tapferen  Leistungen  mit  dem  Ritterkreuze  des 
österreichischen  Leopold-Ordens  ausgezeichnet 

Auf  Grund  der  in  der  Sch  lacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  1859  vollbrachten 
Waffenthat,  geruhte  weiterhin  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Er- 
habener Großmeister  über  Votum  des  Capitels  kraft  der  CLVIII.  Promotion 
vom  17.  October  1859  den  inzwischen  zum  Oberstlieutenant  avancierten  Joseph 
Edlen  von  Döpfner  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren  und  in  der  Folge,  am  1.  Mai  1860,  in  den 
österreichischen  Freiherrnstand  zu  erheben. 

Vom  März  1860  bis  1861  fungierte  Oberstlieutenant  Frh.  von  Döpfner  als 
Militär-Attache  bei  der  k.  k.  Gesandtschaft  in  St.  Petersburg,  wurde  dann  am 
1.  April  1861  als  Generalstabschef  zum  III.  Armee-Corps  übersetzt  und  als  solcher 
im  Jahre  1863  der  Österreichisch-deutschen  Bundes-Militär-Inspection  bei- 
gegeben. Am  27.  December  1864  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Obersten. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  Oberst 
Frh.  von  Döpfner  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee,  und  zwar  als 
Generalstabschef  des  II.  Armee-Corps  unter  FML.  Grafen  Thun  mit.  Er  wohnte  der 
Kanonade  bei  Kukus  am  30.  Juni  an,  kämpfte  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz 
am  3.  Juli  und  in  dem  Treffen  bei  Blumenau  und  Pressburg  am  22.  Juli  mit. 
Nach  dem  Abbrechen  dieses  Treffens  infolge  des  Waffenstillstandes  setzte  Oberst 
Frh.  von  Döpfner,  im  Einvernehmen  mit  dem  preußischen  GM.  von  Bose,  die  vor- 
läufige Demarcationslinie  zwischen  den  beiderseitigen  Truppenkörpern  fest. 

Für  seine  Leistungen  in  diesem  Feldzuge  wurde  ihm  am  3.  October  1 866  die 
Allerhöchste  belobende  Anerkennung  zutheil. 

Am  13.  November  1866  wurde  Oberst  Frh.  von  Döpfner  zum  Chef  des  Eisen- 
bahn-, Dampfschiff-  und  Telegraphen-Bureaus  des  k.  k.  Generalstabes,  sodann  am 
14.  Februar  1868  zum  Generalstabschef  beim  General-Commando  in  Lemberg 
ernannt. 

Am  15.  September  1869  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Brigadier,  am  29.  Oc- 
tober 1870  die  Beförderung  zum  General-Major.  Am  1.  Mai  1875  übernahm 


Digitized  by  Google 


HO  CIA  III  utul  CHX.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1859. 

GM-  Frh.  von  Döpfner  das  Cominundo  der  XXIV.  Infaiiterie-Truppen-Division,  in 
welcher  Function  er  am  1.  November  1875  zum  Feldmarschall-Lieutenant 
avancierte.  Am  11.  Februar  1878  erfolgte  seine  Übersetzung  zur  XI.  Truppen- 
Division. 

Im  August  1879  war  FML.  Frh.  von  Döpfner  mit  der  Mission  betraut,  Seine 
Majestät  Kaiser  Alexander  II.  von  Russland  in  Warschau  zu  begrüßen. 

Am  8.  April  1882  geruhte  Seine  Majestät  den  FML  Frh.  von  Döpfner  zum 
Präsidenten  des  Militär-Obergerichtes  allergnädigst  zu  ernennen  und  ihm 
am  12.  April  desselben  Jahres  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  zu  verleihen. 

Am  28.  December  1882  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Oberst-Inhaber 
des  23.  Infanterie-Regiments;  am  25.  April  1885  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser 
ihm  den  Feldzeugmeister- Charakter  ad  Iwnores,  am  13.  September  1889  den 
Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  zu  verleihen  und  ihn  am  12.  März  1890 
zum  Präsidenten  des  Obersten  Militär-Gerichtshofes  zu  ernennen. 


Ritter  des  Maria  Theresieu-Ordens 
Friedrich  Freiherr  von  Kleinert. 

(Kin  Bildnis  dieses  Ordensritters  war  trotz  allseitiger  Nachforschungen  weder  in  Armee-  noch  in 

Wrwandten-Kreisen  aufzufinden.) 

Friedrich  Kleinert  wurde  als  Sohn  eines  k.  k.  Hauptmanns  der  österreichi- 
schen Besatzungstruppen  in  Mainz  im  Großherzogthum  Hessen  im  Jahre  1829 
geboren.  Seine  Soldatenabkunft  führte  ihn  schon  im  16.  Lebensjahre  der  militäri- 
schen Laufbahn  zu.  Er  wurde  am  30.  October  1845  bei  dem  damaligen  2.  Feld- 
Artillerie-Regiment  *)  als  expropriis  Gemeiner  assentiert.  Nach  zwei  Monaten 
der  ersten  Ausbildung  erfolgte  am  1.  Jänner  1846  seine  Beförderung  zum 
Kanonier.  Nach  fünf  Vierteljahren  praktischen  Artilleriedienstes  bei  der  Truppe 
wurde  er  unter  gleichzeitiger  Beförderung  zum  Bombardier  am  2G.  März  1847 
zum  Bombardier-Corps  versetzt.  In  den  Schulen  dieses  Corps,  welche  als  Fach- 
unterrichtsstätten der  Artilleriewaffe  mit  Recht  einen  hohen  Ruf  besaßen, 
erweiterte  Kleinert  seine  allgemeine  Bildung  und  legt«;  auch  den  ersten  Grund  zu 
seinem  theoretischen  artilleristischen  Fachwissen,  namentlich  in  der  Geometrie. 
Dank  seinem  Lerneifer  und  seiner  Begabung  kam  er  im  späteren  Verlaufe  seiner 
Ausbildung  in  den  zweiten  Jahrgang  der  Artillerie-Akademie. 

Mit  kaum  20  Lebensjahren  sehen  wir  Kleinert  ins  Feuer  kommen  und  wirk- 
lichen Kriegsdienst  leisten.  Kr  machte  im  Jahre  1818  als  Bombardier  die  Belagerung 
von  Wien  mit  und  kämpfte  specull  in  dem  Gefechte  aji  der  Taborbrücke.  Bei 
der  Beschießung  Wiens  am  28.  und  29.  October  1848  verrichtete  er  den  Dienst 
eines  Bombardiere  in  der  Mörserbatterie  des  Oberlieutenants  Wildmoser.  Am 


•)  Seit  1.  Mai  1885:  B.  Böhmische*  Curps- Artillerie-Regiment. 


Digitized  by  Google 


Ritler  des  M.  T.-U.  Friedrich  Freiherr  von  Kleinert. 


111 


1«.  December  1848  wurde  er,  unter  gleichzeitiger  Versetzung  zum  Feuerwerks- 
Corps,  Feuerwerker.  Als  solcher  machte  er  den  Feldzug  des  Jahres  1849  in 
Ungarn,  und  zwar  speciell  die  Ccmierung  von  Komorn,  mit. 

Wiewohl  Kleinert  auf  diese  Weise  „von  Pik  auf*  gedient  hatte,  wurde 
er  dank  seinem  frühzeitig  erfolgten  freiwilligen  Betreten  der  Militärlaufbahn 
schon  mit  22  Lebensjahren  —  nach  siebenjähriger  Dienstzeit  —  Officier.  Seine 
Beförderung  zum  Unterlieutenant  II.  Gasse  wurde  ihm  am  1.  December  1852 
zutheil.  In  den  nächstfolgenden  fünf  Jahren  versah  Kleinert  den  Batteriedienst 
und  zwar  seit  1.  September  1859  als  Unterlieutenant  I.  Classe,  in  welcher 
Charge  er  am  1.  November  zu  dem  damaligen  9.  Artillerie-Regiment*)  versetzt 
wurde.  Am  1.  October  1857  erfolgte  seine  Transferierung  zur  Artillerie-Schul- 
Compagnie  in  Wien,  an  welcher  er  durch  ein  Jahr  als  Lehrer  fungierte.  Darauf 
versah  er,  am  1.  October  1858  zum  damaligen  3.  Artillerie-Regiment**)  transferiert 
wieder  den  Truppendienst  in  der  Batterie.  Am  1.  April  1859  erfolgte  seine 
Beförderung  zum  Oberlieutenant  im  Artillerie -Regiment  Erzherzog  Ludwig 
Nr.  2.  ***)  Mit  der  8.  Cavallerie-Batteric  dieses  Regiments  marschierte  er  im 
Verbände  des  II.  Corps  auf  den  Kriegsschauplatz  nach  Italien  in  den  Krieg  gegen 
Frankreich  und  Piemont  des  Jahres  1859. 

In  der  ersten  Zeit  machte  Kleinert,  mit  seiner  Batterie  in  die  Corps-Geschütz- 
Reserve  eingetheilt  alle  Operationen  des  II.  Corps  mit.  Am  2.  Juni  erfolgte  die 
Eintheilung  der  halben  Cavallerie  -  Batterie  Nr.  8  unter  Commando  des  Ober- 
lieutenants Kleinert  in  die  Brigade  GM.  Szabö.  Von  diesem  Zeitpunkte  an  selb- 
ständiger Halb-Batterie-Commandant,  machte  er  mit  dieser  Brigade  von  S.  Angelo 
den  Rückzug  vom  rechten  auf  das  linke  Ticino-Ufer  über  Mortara.  Vigevano  bis 
Magenta  mit  und  bezog  mit  ihr  am  3.  Juni  die  Reserve-Aufstellung  bei  Magenta. 

Am  Schlachttage  von  Magen  ta.  am  4.  Juni  1859.  sollte  dem  Oberlieutenant 
Kleinert  Gelegenheit  zutheil  werden,  die  altbewährte  Tüchtigkeit  der  öster- 
reichischen Artillerie  in  glänzendster  Weise  neu  zu  bethätigen. 

Um  Vi  10  Uhr  vormittags,  nachdem  der  Kampf  bei  Ponte  nuovo  di 
Magenta  entbrannt  war,  wurde  die  Brigade  Szabö  alarmiert.  Die  Brigade  rückte 
auf  der  Chaussee  von  Magenta  gegen  den  Naviglio  grande  bis  zur  Höhe  von 
C.  Girola  vor  und  setzte  sich  in  Gefechtsbereitschaft.  Kleinert  speciell  nahm 
mit  2  Geschützen  seiner  Halbbatterie  auf  der  Chaussee  Magenta-Ponte  nuovo  di 
Magenta,  mit  2  anderen  Geschützen  auf  der  links  zur  Eisenbahn  abzweigenden 
Straße  Aufstellung.  Über  die  beiden  letzteren  Geschütze  behielt  Kleinert  persönlich 
das  Commando. 

Um  jene  Zeit  war  eine  jenseits  des  Naviglio  befindliche  Schanze,  welche  die 
Eisenbahnbrücke  über  den  Canal  sperrte,  von  französischen  Garde-Grenadieren 
genommen  worden.  Dieselben  drangen  bereits  in  großer  Stärke  vor,  um  auch  die 


*)  Seit  1.  Mai  1S85:  11.  Galizisches  Corps-Artilleric-Regiment. 
**)  Seit  1.  Mai  1885:  5.  Ungarische*  Corps- Artillerie-Regiment. 
**)  Seit  1.  Mai  1885:  10.  Mährisch-*ch]>»sisches  Corpa-Artillerie-IU'giinent. 

Digitized  by  Google 


112  CLVHI.  und  GMX.  Promoliou.      Im  Kriege  von  1850. 

Eisenbahnbrücke  selbst  zu  forcieren.  Alle  eigenen  geschlossenen  Abtheilungen 
waren  zurückgewichen.  Die  Brigade  Szabö  bei  C.  Girola  war  erst  in  Aufmarsch 
und  Entwicklung  zum  Gefecht  begriffen.  Das  Gentrum  der  Schlachtlinie  Boffalora- 
Ponte  vecchio  di  Magenta  stand  daher  in  Gefahr,  an  der  Eisenbahnbrücke  nächst 
Ponte  nuovo  di  Magenta  jeden  Augenblick  durchbrochen  zu  werden.  Dies  hätte 
namentlich  für  die  Brigade  Szabö  und  den  eigenen  rechten  Flügel  verhängisvolle 
Folgen  haben  müssen.  Diese  Gefahr  wurde  von  dem  Generalstabsmajor  Fischer, 
welcher  auf  der  Eisenbahn  bis  zum  Naviglio  behufs  Recognoscierung  der  Gefechts- 
lage am  Canal  vorgeritten  war,  im  äußersten  Augenblicke  wahrgenommen.  Von  ihm 
wurde  Oberlieutenant  Kleinert  mit  seinen  beiden  Geschützen  auf  die  Eisenbahn 
beordert  und  zu  thunlichslem  Festhalten  derselben  angeeifert.  Kleinert  kam  der 
Aufforderung,  ohne  durch  Einholung  directen  Befehls  Zeit  zu  verlieren,  mit  den 
Worten  nach,  bis  auf  den  letzten  Mann  in  seiner  Aufstellung  sich  halten  zu 
wollen. 

Auf  der  Eisenbahn,  welche  von  C.  Girola  in  der  Richtung  gegen  die  Brücke 
zu  in  den  Boden  eingeschnitten  ist,  bot  sich  aber  nur  für  ein  Geschütz  Frontraum. 
Kleinert  führte  daher  auf  dem  schmalen  Schienenwege  nur  eines  der  beiden 
Geschütze  —  eine  Haubitze  —  weiter  vorwärts.  Bis  auf  300  Schritte  rückte  er 
schleunigst  an  die  Eisenbahnbrücke  vor.  Kaum  war  seine  Haubitze  abgeprotzt, 
stürmten  schon  die  französischen  Grenadiere  in  dichter  Golonne  über  die  Brücke. 
Dadurch  geriethen  sie  aber  in  eine  verhängnisvolle  Lage. 

Der  Naviglio  grande  fließt  nämlich  zwischen  zwei  hohen  Dämmen.  Die  den 
Naviglio  übersetzende  Eisenbahn  durchbricht  diese  Dämme  durch  zwei  gemauerte 
Schwibbögen,  zwischen  welchen,  knapp  ober  dem  Wasserspiegel,  die  Brücke  führt. 
Erst  nachdem  die  vordersten  Grenadiere  aus  dem  diesseitigen  Schwibbogen  heraus- 
getreten waren,  gewahrten  dieselben  plötzlich  die  Haubitze.  Ein  Zurückweichen 
war  nicht  möglich,  weil  hinter  ihnen  Brücke  und  jenseitiger  Schwibbogen  von  der 
nachdrängenden  Golonne  dicht  gefüllt  waren. 

Der  erste  Kartätschenschuss  schmetterte  die  Grenadiere  im  Schwibbogen  zu 
Boden.  Der  zweite  und  die  folgenden  Schüsse  fegten  die  ganze  Colonne  von  der 
Brücke  und  unter  dem  jenseitigen  Schwibbogen  hinweg. 

Die  Golonnen  der  Brigade  Szabö  rückten  inzwischen  im  Sturmschritt  vor. 
Damm  und  Brücke  wurden  wieder  genommen,  besetzt.  Was  vom  Feinde  dahinter 
gestanden  war.  wich  rasch  zurück. 

Oberlieutenant  Kleinert  hatte  durch  sein  kühnes  Vorprellen  und  rechtzeitiges, 
lebhaftes  Feuer  der  Brigade  Szabö  die  Vollendung  ihrer  Entwicklung  zum  Gefecht 
ermöglicht,  ihren  Sturmangriff  wirksamst  vorbereitet  und  dadurch  das  Durch- 
brechen des  eigenen  Gentrums  seitens  des  Feindes  verhütet.  Dies  war  an  diesem 
Schlachttage  die  erste  seiner  Waffenthaten. 

Was  dem  Feinde  an  der  Eisenbahnbrücke  glücklieh  verwehrt  worden,  sollte 
ihm  an  der  Chausseebrücke  bei  den  Zollhäusern  in  Ponte  nuovo  di  Magenta 
gelingen.  Von  dort  mussten  die  eigenen  Truppen  vor  der  Übermacht  gegen  Magenta 
zurückweichen  und  der  Feind  durchbrach  das  Gentrum  an  jener  Stelle.  Nachdem 


Digitized  by  Google 


Ritter  de«  M.  T.O.  Friedrich  Freiherr  von  Kleinert. 


113 


er  die  Chausseebrücke  überschritten,  breitete  er  sich  rasch  auf  dem  diesseitigen 
Naviglio-Ufer  aus  und  bedrohte  bald  auch  die  rechte  Flank»'  und  Rückzugslinie  der 
Brigade  Szabö  dermaßen,  dass  dieselbe  genöthigt  war.  sich  dem  allgemeinen  Rück- 
züge anzuschließen.  Die  französischen  Grenadiere  drängten  dabei  so  ungestüm,  dass 
dadurch  der  Rückzug  der  Brigade  Szabö  arg  gefährdet  wurde. 

Da  aber  war  es  wieder  Oberlieutenant  Kleinert,  der  dem  Feinde  rechtzeitig 
Halt  gebot.  Unbekümmert  darum,  dass  er  allein  mit  seinen  Geschützen  einem 
übermächtigen  Feinde  gegenüberstand,  harrte  er  mit  kaltblütiger  Zähigkeit  in  vor- 
derster Linie  aus. 

Er  hatte  die  Haubitze  von  der  Eisenbahnbrücke  auf  etwa  600  Schritte  bis 
unweit  von  C.  Girola  zurückgezogen  und  dort  mit  seinen  beiden  Geschützen 
Aufstellung  genommen.  Aus  denselben  eröffnete  er  das  Feuer  zunächst  auf  die  von 
der  Chaussee-Brücke  bei  den  Zollhäusern  gegen  Magenta  und  C.  Girola  vordrin- 
genden feindlichen  Abtheilungen.  Abwechselnd  ließ  er  aber  auch  gegen  eine 
Colonne  der  Garde-Grenadiere,  welche  neuerdings  über  die  Eisenbahnbrücke  durch 
den  Schwibbogen  debouchieren  wollte,  ein  energisches  Kugel-  und  Granatkar- 
tätschen-Feuer richten. 

So  wurde  dem  Feinde  in  zwei  seiner  Angriffsrichtungen  durch  Oberlieutenant 
Kleinert  wieder  das  Vorrücken  verwehrt.  Da,  wo  dieser  Officier  stand,  war  es  den 
Garde-Grenadieren,  dieser  Elitetruppe  des  französischen  Heeres,  unmöglich  durch- 
zudringen. Diesem  tapferen  Ausharren  Kleinerts  war  es  zu  verdanken,  dass  der 
Feind  nicht  schon  um  2  Uhr  nachmittags  in  Magenta  war.  So  vermochte  die 
Brigade  Szabö  und  andere  Truppen,  die  im  Centrum  hatten  zurückgehen  müssen, 
bei  Magenta  sich  weder  zu  railiieren.  Dies  war  Kleinerts  zweite  Wafl'enthat  an 
diesem  Schlachttag. 

Um  jenen  Zeitpunkt,  gegen  2V4Uhr  nachmittags,  griff  FML.  Frh.  von  Reischach 
mit  seiner  Division  in  den  Kampfein.  Im  Vereine  mit  den  Truppen,  die  bisher  im 
Centrum  gekämpft  hatten,  wurde  der  Feind  über  die  Chausseebrücke  wieder 
hinter  den  Naviglio  zurückgeworfen.  Gleichzeitig  versuchte  aber  der  Feind  in 
erneutem  Sturmangriff  die  Eisenbahnbrücke  zu  überschreiten,  um  sich  der  Eisen- 
bahn, welche  zur  Behauptung  der  Chaussee  unentbehrlich  war.  zu  bemächtigen. 

Oberlieutenant  Kleinert  erfasste  die  Wichtigkeit  dieses  Momentes  sofort, 
indem  er  den  großen  Nachtheil  richtig  ermaß,  der  bei  dem  Gelinter)  des  feindlichen 
Sturmes  die  linke  Flanke  der  eigenen  Truppen  im  Centrum  treffen  müsste.  Er 
rückte  auf  der  Eisenbahn  und  zwar  wieder  mit  einem  seiner  beiden  Geschütze, 
gleichwie  das  erstemal,  auf  Kartätschen-Distanz  an  die  Eisenbahnbrücke  vor  und 
trieb  die  Garde,  welche  sich  schon  anschickte,  die  Brücke  zum  drittenmale  zu 
überschreiten,  neuerdings  zurück. 

Daraufhin  konnten  stärkere  Abtheilungen  der  Brigade  Szabö,  welche  auf 
dem  linken  Flügel  der  Division  Reischach  vorgegangen  waren,  über  die  Eisen- 
bahnbrücke auf  das  jenseitige  Naviglio-Ufer  bis  in  die  Nähe  der  dort  befind- 
lichen Eisenbahnschanze  dem  Feinde  nachdringen  und  ihm  zwei  Geschütze 
abnehmen. 


MilitJiri»ch»r  .Man*  Ther»*i.  u-Ord«i< 


8 


1 14  CLVin.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

Inzwischen  hatte  der  Gegner  bei  den  Zollhäusern  von  Ponte  nuovo  di 
Magenta  die  Truppen  der  Division  Reischach  wiederholt  zurückgedrängt.  Immer 
wieder  aber  waren  dieselben  vorgedrungen.  So  befand  sich  der  Naviglio  grande 
um  4  Ühr  nachmittags  wieder  in  der  Macht  der  eigenen  Truppen.  Hiezu  hatte 
Kleinerts  erneuertes  kühnes  Vorgehen  nach  einstimmigem  Zeugnis  aller  Offiziere, 
die  bei  diesen  Angriffen  mitgekämpft  hatten,  wesentlich  beigetragen. 

Um  47a  Uhr  unternahm  der  Feind  einen  erneuten  überlegenen  Angriff  im 
Centrum,  welcher  die  Division  Reischach  und  die  Brigade  Szabö  nöthigte,  sich 
endgiltig  gegen  Magenta  zurückzuziehen.  Hiebei  deckte  Kleinert  mit  Aufgebot 
äußerster  Energie  den  Rückzug,  indem  er  mit  seinen  Geschützen  wiederholt, 
zuletzt  aber  etwa  800  Schritte  vor  Magenta  Stellung  nahm.  Wiewohl  seine 
Position  von  einer  französischen  Garde-Batterie  mit  Hohlprojectilen  auf  das  leb- 
hafteste beschossen  wurde,  feuerte  Kleinert  bis  auf  die  letzte  Patrone  ausschließ- 
lich gegen  die  vordringende  feindliche  Infanterie  und  verwehrte  derselben  auf  diese 
Weise  jedes  weitere  Vordringen  gegen  Magenta,  so  dass  die  Ralliierung  der  eigenen 
Truppen  noch  vor  dem  Orte  erfolgen  konnte. 

Um  diese  Zeit  verfügte  Oberst  von  Herle,  welcher  mit  der  Geschütz-Reserve 
des  II.  Corps  an  der  Westseite  Magentas  Aufstellung  genommen  hatte  und  dem 
Vordringen  des  Feindes  durch  lebhaftes  Feuer  entgegenwirkte,  die  Ablösung  des 
Oberlieutenants  Kleinert  aus  dem  Gefechte,  nachdem  sich  dessen  Geschütze  voll- 
ständig verschossen  hatten.  Kaum  aber  hatte  Kleinerts  Halbbatterie  ihre  Munition 
ergänzt,  besetzte  derselbe  nach  kurzer  Rast  den  westlichen  Haupteingang  von 
Magenta  an  der  Chaussee,  und  vertheidigte  denselben  gegen  den  immer  mächtiger 
anstürmenden  Feind.  Ein  Angriffssturm  des  Gegners  nach  dem  andern  wurde 
zurückgeschlagen.  Mehreremale  drang  der  Feind  so  nahe  an  die  Geschütze,  dass 
dieselben  verloren  schienen.  Immer  wieder  aber  trieb  Kleinert  die  Franzosen  im 
letzten  Moment  mit  Kartätschen  zurück. 

Ungefähr  nach  6  Uhr,  als  der  Feind  nach  dem  auf  Magenta  unternommenen 
ersten  Hauptsturm  zurückgeschlagen  war,  rückte  Kleinert  mit  seinen  Geschützen 
sogar  wieder  vor.  Etwa  700  Schritte  auf  der  Chaussee  vor  Magenta  setzte  er 
dieselben  gegen  jene  feindlichen  Infanterie-Colonnen  ins  Feuer,  welche  zwischen 
Magenta  und  dem  Naviglio  in  der  Richtung  gegen  Robecco  vorrückten.  Hiedurch 
wurde  auch  deren  Vordringen  erheblich  verzögert. 

Bei  dem  späteren  erneuerten  Vorrücken  des  Feindes  gegen  Magenta  zog 
Kleinert  seine  Geschütze  wieder  bis  zum  Westeingange  zurück  und  setzte  die  Ver- 
theidigung  desselben  energisch  fort.  Dadurch  gegen  Westen  gedeckt,  konnten  die 
an  den  übrigen  Eingängen  gegen  Norden  hart  bedrängten  Truppen  ungehindert 
ihren  Rückzug  bewirken.  Schon  drang  aber  hinter  denselben  der  Feind  von  Norden, 
auf  der  vom  Bahnhofe  in  den  Ort  führenden  Straße,  in  Magenta  ein  und  bedrohte 
dadurch  die  Position  Kleinerts  im  Rücken.  Da  trat  denn  dieser  heldenmütige 
Oflicier,  nachdem  er  durch  fünf  Stunden  zur  Verteidigung  und  Festhaltung 
Magentas,  sowie  zur  Ermöglichung  des  Rückzuges  der  nördlich  des  Ortes  im 
Kampfe  gestandenen  Truppen  entscheidend  beigetragen  hatte,  unter  den  letzten 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Philipp  Graf  von  Stadion-Wartbausen  und  Thannhausen. 


115 


den  Rückzug  aus  Magenta  an.  Trotzdem  er  von  seinen  4  Geschützen  8  Mann 
und  14  Pferde  verloren  hiitte  und  eines  seiner  Geschütze  theil weise  demontiert 
worden  war,  brachte  er,  ungeachtet  des  schwierigen  Rückzuges,  sämmtliche 
Geschütze  aus  der  Schlacht  zurück. 

Für  seine  außerordentlichen  Leistungen  vor  dem  Feinde  wurde  Oberlieute- 
nant Kleinert  mit  dem  Ritterkreuz  des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet. 

Auf  Grund  der  in  der  Schlacht  hei  Magen ta  am  4.  Juni  1859  vollbrachten 
Waffenthat  geruhte  weiterhin  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  über  Votum  des  Capitels  kraft  der  CLV1D.  Promotion  am  17.  October 
1859  den  Oberlieutenant  Friedrich  Kleinert  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes 
zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren  und  denselben 
gemäß  den  Ordensstatuten  am  4.  März  1860  in  den  österreichischen  Freiherrn- 
stand zu  erheben. 

Am  6.  Juni  1860  wurde  Oberlieutenant  Freiherr  von  Kleinert  außer 
der  Tour  zum  Hauptmann  II.  Glasse  befördert  und  gleichzeitig  wieder  zum 
9.  Artillerie-Regiment  transferiert. 

Kurze  Zeit  darauf  schon  raffte  jedoch  der  Tod  diesen  Tapferen  dahin;  er 
starb  am  10.  Jänner  1862  zu  Brünn. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Philipp  Graf  von  Stadion- >V arthausen  und  Thannhansen. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1859.) 

Graf  Stadion,  zu  Kulmbach  im  Königreich  Bayern  am  9.  Mai  1799  geboren, 
wurde  schon  im  Februar  1814  vom  Feldrnarschall  Fürsten  Schwarzenberg  zum 
Unterlieutenant  in  seinem  k.  k.  Uhlanen-Regiment  ernannt,  ohne  jedoch  wegen 
seiner  Jugend  zum  Regiment  einzurücken.  Nach  Einverleibung  des  Großherzog- 
thums Würzburg  in  das  Königreich  Bayern  trat  er  als  Unterlieuteilant  in  das  damals 
bestandene  Bayerische  1.  Uhlanen-Regiment  und  machte  die  Campagne  gegen  Frank- 
reich 1815  mit  diesem  Regimente  mit.  Im  Jahre  1816  in  das  damals  bestandene 
bayerische  Garde  du  Corps-Regiment  versetzt  besuchte  er  in  den  Jahren  1820 
und  1821  zu  seinerweiteren  Ausbildung  als  beurlaubter  Officier  die  Universität 
Würzburg  und  befliss  sich  philosophischer,  statistischer  und  militärischer  Fach- 
studien. 

Nachdem  Stadion  im  Jahre  1823  die  bayerischen  Dienste  quittiert  hatte,  trat 
er  am  16.  Juni  1823  in  k.  k.  österreichische  Dienste  und  zwar  als  Unterlieu  te  na  nt 
bei  dem  Kaiser- Kürassier-Regiment  Nr.  1  ein,  wurde  am  30.- März  1831  zum 
Oberlieutenant  befördert,  mit  1.  April  1831  zum  Hauptmann  II.  Glasse  bei 
dem  Infanterie-Regiment  Fürst  Alois  Liechtenstein  Nr.  1 2  ernannt,  und  war  die 
Jahre  1831,  1832.  1833  hindurch  Adjutant  des  Inhabers.  FZM.  Fürsten  Liechten- 

8« 


Digitized  by  Google 


110 


CXVin.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  185*). 


stein,  in  welcher  Dienstesverwendung  er  am  16.  April  1833  zum  Hauptmann 
I.  Classe  befördert  wurde.  Nach  dem  Tode  Liechtensteins  trat  er  mittel»  Tausch 
am  1.  Februar  1831  als  Rittmeister  und  Escadrons-Commandant  in  das 
1.  Uhlanen-Regimcnt,  war  im  Jahre  1835  einer  diplomatischen  Mission  an  den 
kaiserlich  russischen  Hof  dem  damaligen  Generalmajor  Fürsten  Carl  Liechtenstein 
beigegeben  und  im  Jahre  1837  in  der  militärischen  Hegleitung  Seiner  k.  k.  Hoheit 
des  Feldmarschalls  Erzherzog  Johann  bei  seiner  Reise  in  das  russische  große 
Lager  bei  Wos/.neszensk  und  in  den  Orient.  Am  25.  Jänner  1839  wurde  er 
zum  Major  und  Flügeladjutanten  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Ferdinaud 
ernannt  und  zum  großen  Generalstab  eingetheilt.  In  dieser  Verwendung  blieb  er 
bis  zum  Ende  Mai  1818  und  wurde  während  derselben  am  21.  März  1842  zum 
Oberstlieutenant  und  am  17.  März  1845  zum  zweiten  Oberst  bei  Sehwarzen- 
berg-Uhlanen  Nr.  2  befördert. 

Ende  Mai  1848  mit  Allerhöchster  Bewilligung  dem  Hauptquartier  des 
FM.  Grafen  Radetzky  zugetheilt,  wohnte  Stadion  der  Einnahme  von  Vicenza 
am  10.  Juni  1848,  dem  Angriffe  auf  die  Höhen  von  Sommacampagna  und 
zwar  dem  Sturm  auf  Monte  della  Madonna  am  23.  Juli,  der  Schlacht  bei  Custozza 
am  25.  Juli  bei,  bestand  am  26.  Juli  bei  Le  sei  vie  an  der  Spitze  von  1  Escadron 
Radelzky-Husaren  und  1  Escadron  Erzherzog  Carl-Uhlanen  bei  Verfolgung  des 
Feindes  mit  der  im  Rückzug  begriffenen  Brigade  Piemont  ein  Gefecht,  wurde 
nach  dem  blutigen  Treffen  von  Volta  am  27.  Juli  dem  Streifcommando  des 
damaligen  Obersten  Wyss  von  Erzherzog  Carl-Uhlanen  zugetheilt.  machte  mit 
demselben  die  Gefechte  bei  Brescia  am  29.,  bei  Lodi  am  30.  Juli,  bei  Zelo 
buon  Persico  am  3.  August  mit  und  nahm  an  der  Einnahme  von  Mailand  am 

4.  August  1848  theil. 

Mit  Allerhöchstem  Handschreiben  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Ferdinand 
dd.  Schönbrunn  24.  September  1848  wurde  dem  Obersten  Stadion  sowohl  in 
Anerkennung  der  in  der  unmittelbaren  Dienstleistung  bei  der  Allerhöchsten  Person 
Seiner  Majestät  stets  bewiesenen  Treue  und  Anhänglichkeit,  als  des  vor  dem 
Feinde  bewiesenen  guten  und  tapferen  Benehmens  der  Orden  der  Eisernen 
Krone  II.  Classe  zutheil. 

Im  Januar  1849  zum  Generalmajor  ernannt,  übernahm  Stadion  die  Brigade 
des  damaligen  Obersten  Benedek  und  kämpfte  in  dem  Feldzuge  1849  in  den 
Gefechten  bei  Dazio  S.  Martin o  bei  dem  Übergang  über  den  Ticino  am  20.  März, 
in  der  Schlacht  von  Mortara  am  21.  März  und  in  der  Schlacht  von  Novara  am 
23.  März  mit.  Bei  Novara  erhielt  er  eine  Schusswunde  in  die  Brust,  nahm  jedoch 
schon  am  10.  und  11.  Mai,  mit  noch  nicht  geschlossener  Wunde,  an  der  Einnahme 
von  Livorno  theil. 

Am  18.  Juli  1849  unternahm  Stadion  mit  seiner  verstärkten  Brigade  von 
Florenz  aus  eine  Expedition,  um  das  Großherzo^rthum  Toscana  von  den  ein- 
gedrungenen Garibuldischen  Scharen  zu  säubern,  wobei  er  dieselben  auf  das 
römische  Gebiet  zurückdrängte  und  bei  deren  Verfolgung  ein  kleines  Gefecht  bei 

5.  Angelo  in  Vado  am  29.  Juli  bestand.  Diese  beschwerliche  Expedition  endete 


Digitized  by  Google 


11 


I. 

an 
L. 

ka 
be 
de 
La 
zu 
eri 
bis 
Ol 
be: 

F1V 
anr 
zw 
uir 
Ra 
Fei 
na< 
dai 
dei 
bu 

4.  . 

dd. 
An 
Sei 
Fei 
Kr 

de* 
Gel 
in  * 
23. 
seh 
vor 

Flo 

ged 
rön 

5.  . 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Philipp  Oraf  von  Stadion  Warthausen  und  Thannhausen. 


117 


mit  dem  Auseinanderlaufen  der  Banden  auf  dem  Gebiete  der  Republik  S.  Marino 
und  mit  der  Flucht  Garibaldis,  worauf  die  Brigade  am  12.  August  wieder  in  Florenz 
einrückte. 

Infolge  Allerhöchster  Entschließung  vom  14.  Juli  1849  erhielt  GM.  Stadion 
für  Auszeichnung  in  der  Schlacht  von  Novara  das  Co  mm  andern*  kreuz  des  k.  k. 
Leopold-Ordens,  und  späterhin  infolge  Allerhöchsten  Befehl-Schreibens  vom 
24.  April  1850  und  Armee-Befehl  vom  11.  Juli  1850  für  erworbene  Verdienste  in 
beiden  Feldzügen  das  Militär-Verdienstkreuz. 

Im  Jahre  1850,  im  November,  bei  der  Aufstellung  der  Armee  in  Böhmen  zum 
Qua-Divisionär  ernannt  stand  Stadion  in  Prag  an  der  Spitze  einer  Cavallerie- 
Division.  kam  im  Februar  1851  nach  der  Auflösung  der  Armee  als  Brigadier  und 
Militär-Commandant  nach  Udine,  sodann  im  October  nach  Florenz.  Am  17.  April 
1852  sah  sich  Stadion  wegen  Beschwerden,  welche  seine  Wunde  herbeiführte, 
genöthigt,  die  Versetzung  in  die  Disponibilität  zum  Gebrauche  einer  längeren  Cur 
zu  erbitten.  Am  26.  October  1852  zum  Feldmarschall-Lieutenant  befördert, 
übernahm  er  jedoch  schon  im  Jänner  1853  in  Wien  eine  Truppen-Division  im 
IX.  Armee-Corps,  welches  auf  den  Kriegsfuß  gesetzt,  bei  den  Wirren  üi  Montenegro 
im  Februar  1853  eine  Aufstellung  in  Kroatien  nahm.  Im  Juni  1853  wurde  er  als 
Divisionär  zum  V.  Armee-Corps  in  Mailand  eingetheilt,  im  October  1854  zum 
VIII.  Armee-Corps  nach  Parma  übersetzt,  von  wo  er  im  September  1855  seine 
Eintheilung  als  Divisionär  nach  Bologna  erhielt.  Am  13.  Juli  1855  wurde  er  zum 
zweiten  und  späterhin  am  3t.  Mai  1859  zum  eisten  Inhaber  des  Dragoner- 
Regiments  Nr.  1  -  seit  1807  Nr.  9  -  ernannt.  Am  28.  Februar  1857  mit  dem 
Commando  des  V.  Armee-Corps  betraut,  kehrte  er  wieder  nach  Mailand  zurück. 
Mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  23.  April  1857  ward  ihm  die  Würde  eines 
Geheimen  Rath  es  verliehen. 

An  der  Spitze  des  V.  Corps  kämpfte  FML.  Stadion  im  Kriege  gegen  Frank- 
reich und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit. 

Am  2.  Mai  erhielt  Stadion  vom  II.  Armee-Commando  den  Auftrag,  gegen 
denFeind  längs  der  Sesia  und  des  Po  zu  demonstrieren,  um  ihn  glauben  zu  machen, 
dass  ein  Übergang  über  den  Po  in  der  Richtung  gegen  Frassi netto  beabsichtigt 
werde.  Stadion  lieh"  am  3.  Mai  zur  Täuschung  des  Gegners  Brückenmaterial  und 
Arbeiter  nächst  Ca  Leardi  ansammeln,  die  Sesia  durch  Infanterie-  und  Caval- 
lerie-Ahtheilungen  an  mehreren  Punkten  überschreiten  und  die  feindlichen  Vor- 
posten zurückdrängen. 

Über  Anordnung  des  Armee-Commandos  wurde  diese  Unternehmung  am 
4.  Mai  —  unter  strömendem  Regen  —  fortgesetzt,  musste  jedoch  wegen  des  rapiden 
Anschwellens  der  Sesia  bald  abgebrochen  werden.  Gleichwohl  erfüllten  diese  mit 
großer  Umsicht  durchgeführten  Demonstrationen  den  angestrebten  Zweck,  indem 
der  Gegner  thatsächlich  beträchtliche  Kräfte  an  der  unteren  Sesia  zusammenzog. 

Die  nächste  Aetimi,  welche  Stadion  mit  beträchtlichen  Kräften  und  zwar 
selbständig  zu  leiten  halte,  war  die  vom  II.  Armee- Commando  angeordnete 
scharfe  R  e  cognoscierung  gegen  Voghera.  welche  zu  dem  blutigen  Treffen 


Digitized  by  Google 


1 18  CLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

bei  Montebello  führte.  FML.  Graf  Stadion  befehligte  hiebei  3  Brigaden 
seines  V.,  außerdem  Truppen  des  IX.  Armee-Corps  und  der  Reserve-Division  FML. 
Frh.  von  Urban,  im  ganzen  5  Brigaden  (25  Bataillone  mit  20.251  Mann  Infanterie, 
1164  Reitern  und  08  Geschützen).  Er  hatte  die  Aufgabe,  gegen  den  Feind  mit  Ent- 
schiedenheit vorzugehen,  um  in  Erfahrung  zu  bringen,  ob  derselbe  etwa  einen 
Hauptangriff  auf  dem  rechten  Po-Ufer  durch  strategische  Umgehung  und  Obergang 
des  Po  bei  S.  Cipriano  beabsichtige.  Im  Falle  eines  Zusammenstoßes  mit  über- 
legenen Kräften  hatte  sich  FML.  Graf  Stadion  gegenüber  einer  feindlichen  Offen- 
sive zurückzuziehen. 

Stadion  versammelte  die  Truppen  am  19.  bei  Vaccarizza  und  ließ  dieselben 
am  20.  in  drei  Colonnen  gegen  Voghera  vorrücken,  und  zwar  am  linken  Flügel 
FML.  Frh.  von  Urban,  am  rechten  GM.  Prinzen  von  Hessen,  in  der  Mitte  FML. 
Frh.  von  Paumgartten.  Die  linke  Colonne  nahm  Casteggio,  dann  Montebello 
und  besetzte  rasch  auch  die  Höhen  von  Geuestrello.  Während  dieses  Vor- 
gehens der  Colonne  Urban  rückten  die  Mittel-  und  die  rechte  Colonne  allmählich 
auf  gleiche  Höhe  mit  dem  linken  Flügel  in  die  Linie  Fogliarina  und  C.  Giringhelli 
vor.  Da  sich  vor  Genestrello  nirgends  ein  Feind  zeigte  und  die  Truppen  einen 
beschwerlichen  Marsch  hinter  sich  hatten,  stellte  FML.  Graf  Stadion  die  weitere 
Vorrückung  ein.  Als  aber  die  bezüglichen  Dispositionen  um  ys3  Uhr  nach- 
mittags expediert  wurden,  drang  von  jenseits  Genestreilos  plötzlich  Kanonen- 
donner ins  Hauptquartier  nach  Montebello.  Der  Feind  griff  die  von  der  Avantgarde 
besetzte  Position  von  Genestrello  auf  den  Höhen  sowohl  als  in  der  Ebene  nächst 
der  Eisenbahn  mit  Ungestüm  an. 

Die  Vortruppen  Stadions  schlugen  den  ersten  Angriff  des  Feindes  sowohl 
bei  Genestrello  als  an  der  Eisenbahn  ab  und  drängten  denselben  bis  hinter 
Cascina  nuova  zurück.  Aber  schon  um  3  Uhr  nachmittags  brachte  der  französische 
Divisions-General  Forey  auch  den  Rest  seiner  Division  ins  Gefecht  und  griff  die 
Stellung  Genestrello-Cascina  nuova  neuerdings  heftig  an.  Nach  langem  blutigen 
Ringen  musste  die  Colonne  Urban  sowohl  auf  den  Höhen  von  Genestrello  nach 
Montebello,  als  auch  in  der  Ebene  nächst  der  Eisenbahn  zurückweichen. 

Da  ein  überlegener  dritter  Angriff  des  Feindes  zu  gewärtigen  war,  so  beor- 
derte FML.  Graf  Stadion  die  Mittel-  und  die  rechte  Colonne  zu  energischer  Vor- 
rückung in  der  Ebene,  um  die  P.ehauptung  Montebellos  zu  erleichtern,  und  ver- 
stärkte auch  successive  den  linken  Flügel  in  dem  Orte  selbst. 

Nach  nahezu  dreistündigem  Festhalten  Montebellos  gegen  überlegene 
Kräfte  des  Gegners,  wobei  sich  die  Halb-Batterie  7/VIII  unter  Oberlieutenant 
Prockoseh*)  durch  zähen  Widerstand  rühmlichst  hervorthat.  musste  schließlich 
um        Uhr  nachmittags  der  Ort  geräumt  werden. 

Inzwischen  hatte  die  rechte  Colonne  unter  GM.  Prinzen  von  Hessen  um 
Ys  5  Uhr  in  den  Kampf  eingegriffen  und  den  ihr  entgegentretenden  linken  Flügel  des 
Feindes  zurückgeworfen.  Ihr  Druck  auf  die  linke  Flanke  der  Division  Forey  machte 


•)  Siehe  , Maria  TIif-reMen-Ordtms-Ritter  von  Prockosch".  ~  Seite  74  bis  80. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Philipp  Graf  von  Stadion- Warthausen  und  Thannhausen. 


119 


sich  bald  fühlbar,  so  dass  der  Gegner  stärkere  Kräfte  gegen  den  GM.  Prinzen  von 
Hessen  dirigieren  musste  und  nach  der  Wegnahme  von  Montebello  über  diesen  Ort 
hinaus  nicht  weiter  vorrückte. 

FML.  Stadion  ließ  nach  der  Räumung  Montebellos  die  gesammten  Kräfte 
der  linken  und  der  Mittel-Colonne  in  der  Höhe  von  Casteggio  Gefechtsstellung 
nehmen  und  erwartete  dort  die  weitere  Vorrückung  des  Feindes.  Auf  Seite  des- 
selben trafen  zum  Schlüsse  des  Gefechtes  noch  die  Division  Bazaine  unter  persön- 
licher Führung  des  Marschalls  Baraguey  d'Hilliers  und  auch  andere  Truppen 
mittels  der  Eisenbahn  bei  Montebello  ein.  Allein  der  Gegner  griff  nicht  mehr  an 
und  Marschall  Baraguey  ließ  auch  die  Division  Forey  von  Montebello  gegen 
Voghera  zurück  marschieren.  FML.  Stadion  erließ  sodann  ebenfalls  um  V,  9  Uhr 
abends  aus  Casteggio  den  Rückzugsbefehl  an  sämmtliche  Colonnen. 

Das  Armee-Gommando  sprach  dem  FML.  Stadion  die  Anerkennung  aus, 
dass  die  von  ihm  unternommene  forcierte  Recognoscierung  ihren  Zweck  er- 
füllt hatte. 

Der  Oberste  Kriegsherr  geruhte  zunächst  in  telegraphischem  Wege  den 
bei  Montebello  ins  Gefecht  gekommenen  Truppen  Seinen  Allerhöchsten  Dank  für 
ihre  ausgezeichnete  Tapferkeit  auszusprechen  und  späterhin  dem  FML.  Grafen 
Stadion  die  Allerhöchste  Anerkennung  zutheil  werden  zu  lassen. 

ha  der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  war  es  dem  FML.  Grafen  Stadion 
zwar  nicht  vergönnt,  persönlich  am  Kampfe  theilzunehmen,  doch  griff  er  durch 
seine  Maßnahmen  am  4.,  noch  mehr  aber  bei  Einleitung  des  Rückzuges  am 
5.  Juni  wirksam  ein. 

Während  am  4.  auf  dem  Schlachtfelde  die  Corps  successive  in  Action  kamen, 
rückte  Stadion  um  2'/%  Uhr  nachmittags  über  Befehl  des  Armee-Commandos  nach 
Rücklassung  einer  Brigade  auf  Vorposten  am  Ticino,  von  Fallavecchia,  Morimondo 
nach  Abbiategrasso  und  von  dort  bis  Robe cco  vor.  Von  da  schob  er  über 
Weisung  desArmee-Commandanten  die  Tete-Brigade  Prinz  von  Hessen,  unter  Befehl 
des  Obersten  Dormus,  auf  das  Schlachtfeld,  um  die  vom  Feinde  bedrängte 
Brigade  Ramming  des  III.  Corps  aufzunehmen  und  die  Verbindung  zwischen 
Robecco  und  Castellazzo  de  Barzi  zu  erhalten. 

Die  durch  Ansammlung  von  Trains  in  Robecco  herbeigeführte  Verzögerung 
in  der  Entwicklung  dieser  Brigade  veranlasste  Stadion,  außerdem  das  4.  Bataillon 
Kaiserjäger  nach  Castellazzo  de  Barzi  vorzudisponiereri .  überdies  Robecco  und 
Lugagnano  durch  die  Brigade  Koller  zu  besetzen.  Den  Rest  der  bis  9  Uhr  abends 
bei  Lugagnano  eintreffenden  Truppen  des  V.  Corps  ließ  Stadion  ä  cfiecal  der 
Straße  eine  Aufnahmsstellung  beziehen.  Dadurch  war  gegen  einen  eventuellen 
Durchbruch  der  Schlachtlinie  bei  Robecco  Vorsorge  getroffen.  Diese  Gefahr 
wurde  übrigens  durch  das  tapfere  Eingreifen  des  mit  der  Brigade  Hessen  vor- 
gesendeten Obersten  Dormus*)  vollständig  abgewendet,  indem  derselbe  den 
Gegner  bis  Ponte  vecchio  di  Magenta  zurückwarf. 


*)  Siehe  .Maria  Theresien-Ordens-Rittcr  Frh.  von  Dormus*.  —  Seite  88  bis  yi. 


Digitized  by  Google 


120  CLVIII.  und  CL1X.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

Für  den  5.  Juni  disponierte  über  Befehl  des  Armee-Commandos  FML.  Graf 
Stadion  sein  Corps  während  der  Nacht  in  der  Weise,  um  im  Verein  mit  dem  am 
linken  Flügel  stehenden  III.  Corps  bei  Tagesanbruch,  unter  Festhalten  der 
Stellung  Robecco-Castellazzo  de  Barzi,  den  Kampf  aufnehmen  zu  können.  Allein 
bei  Tagesanbruch,  als  die  ersten  Schüsse  gefallen  waren,  lief  der  Befehl  zum 
Rückzug  ein.  FML.  Graf  Stadion  erließ  daher  die  nöthigen  Rückzugs-Dispositionen. 
Der  inzwischen  erfolgte  zweimalige  Angriff  des  Gegners  wurde  durch  Abtheilungen 
der  Brigaden  Ramming  und  Koller  abgewiesen,  so  dass  sich  derselbe  auf 
Carpenzago  zurückzog.  Sodann  trat  FML.  Graf  Stadion  um  Sl/t  Uhr  morgens 
den  Rückzug  an.  wobei  sich  das  V.  und  III.  Corps  wechselseitig  aufnahmen.  Nach 
dem  Durchmarsche  durch  Abbiategrasso  behob  seine  selbständige  Einflussnahme 
eine  Kreuzung  des  HI.  mit  dem  V.  Corps  und  verhütete  dadurch  die  Verzögerung 
des  Rückzuges  der  Armee  um  einen  vollen  Marschtag,  so  dass  der  anbefohlene 
Rückmarsch  mit  voller  Präcision  durchgeführt  werden  konnte. 

Während  des  weiteren  Rückzuges  der  Armee  nach  der  Schlacht  bei  Magenta 
hinter  die  Adda  bewährte  FML.  Graf  Stadion  gelegentlich  der  Überschreitung 
dieses  Flusses  besondere  Umsicht.  Am  1 0.  Juni,  als  das  V.  Corps  von  Casal  Pusterlengo 
und  Codogno  gegen  Pizzighettone  marschierte,  wurden  starke  Detonationen  in 
der  Richtung  von  Piacenza  gehört.  Von  Seite  des  Armee-Commandos  war  dem 
FML.  Grafen  Stadion  bekannt,  dass  Piacenza  durch  die  k.  k.  Truppen  fortdauernd 
besetzt  gehalten  werden  sollte.  Nachdem  aber  jene  Detonationen  gleichwohl  eine 
Sprengung  und  Räumung  dieser  Festung  vermuthen  ließen,  beorderte  Stadion  die 
Arrieregarde-Brigade  Bils,  ihre  Nachhut  vor  Pizzighettone,  am  rechten  Adda-Ufer 
in  Maleo  bis  abends,  eventuell  so  lange  stehen  zu  lassen,  bis  entweder  die 
Besatzung  von  Piacenza  anmarschiert  oder  der  Sachverhalt  klar  gestellt  sein 
würde.  Gleichzeitig  entsendete  Stadion  einen  Offieier  nach  Piacenza.  um  nähere 
Erkundigungen  einzuziehen  und  dem  Festungs-Commandanten  FML.  Röhn  unter 
Bekanntgabe  der  zu  seitier  Aufnahme  getroffenen  Maßregel  mitzutheilen,  dass  er 
eventuell  seinen  Rückzug  über  Pizzighettone  bewirken  könne. 

FML.  Röhn  hatte  vom  Armee-Commando  am  9.  Juni  den  Befehl  erhalten. 
Piacenza  zu  räumen  und  die  Vereinigung  mit  der  Armee  auf  dem  rechten  Po-Ufer 
über  Bresecllo  und  Borgoforte  zu  bewirken.  Am  Morgen  des  10.  Juni,  während  das 
k.  k.  Geschützmaterial  theils  auf  Schiffen  fortgeschafft,  theils  gleich  den  Festungs- 
werken gesprengt  wurde,  war  aber  in  Piacenza  die  ielegraphische  Nachricht  von 
einer  Revolution  in  Parma  eingetroffen.  Die  Straße  von  Parma  nach  Piacenza  war 
an  mehreren  Stellen  abgegraben  und  Kundschafterberichte  sprachen  von  einer 
Annäherung  feindlicher  Streitkräfte.  Unter  diesen  Umständen  wäre  also  ein  Marsch 
gegen  Brescello  und  Borgoforte  misslich  gewesen.  Anderseits  musste  dem  FML. 
Röhn  derGedanke,  dass  die  Adda  vielleicht  nicht  mehr  zu  überschreiten  und  auch  ein 
Flankenangriff  des  Feindes  bei  einem  Marsche  von  S.  Stefano  nach  Pizzighettone 
nicht  ausgeschlossen  sei.  auch  für  diese  Richtung  besorgt  machen.  Aus  dieser  miss- 
lichen Lage  befreite  ihn  jedoch  die  Umsicht  Stadions,  dank  welcher  er  nicht  nur 
im  Falle  eines  feindlichen  Angriffs  Unterstützung  gewärtigen,  sondern  über  Maleo 


Digitized  by  Google 


Ritter  de*  M.  T  O,  Philipp  Graf  von  Stadion  Warthausen  und  Thannhausen.  121 

und  die  Adda  seinen  Rückzug  nach  Pizzighettone  thatsächlich  unbehelligt  durch- 
führen und  sich  glücklich  mit  der  Armee  vereinigen  konnte. 

Stadion  ließ  ferner  auch  thunlichst  viel  von  den  Vorräthen  Pizzig hettoncs 
selbst  retten,  dann  erst  diesen  Platz  räumen  und  die  Brücke  über  die  Adda  hinter 
sich  verbrennen. 

Mittels  Allerhöchsten  Armee -Befehls  aus  Verona  vom  27.  Juni  geruhte 
Seine  Majestät  der  Kaiser  dem  FML.  Grafen  Stadion  in  Anerkennung  der 
besonders  angerühmten  tapferen  Leistungen  bei  Magenta  und  des  mit  großer 
Umsicht  bewirkten  Oberganges  über  die  Adda  den  Orden  der  Eisernen  Krone 
1.  C  lasse  zu  verleihen. 

Verdienstreich  und  glanzvoll  gestaltete  sich  Stadions  Gefechtsleitung  in  der 
Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  im  Gentrum  der  Schlachtlinie,  nämlich  auf 
den  Höhen  nächst  Solferino,  welche  den  Schlüsselpunkt  des  Schlachtfeldes  bildeten. 

Nach  den  vom  Armee -Obercommando  und  vom  II.  Armee-Commando 
ergangenen  Dispositionen  rückte  FML.  Graf  Stadion  mit  seinem  V.  Corps  am 
23.  Juni  nach  Solferino  und  setzte  sich  rechts  mit  dem  nach  Pozzolengo  dispo- 
nierten VIII.  Corps  und  links  mit  der  I.  Armee  in  Verbindung.  Seine  Aufstellung 
vom  23.  auf  den  24.  war  folgende:  Die  Brigade  Puchner  hatte  die  westlich 
Solferinos  befindlichen  dominierenden  Höhen  besetzt.  Die  Brigade  Festetics  stand 
als  Reserve  im  Castell  von  Solferino  und  hielt  den  Friedhof,  dann  den  Cypressen- 
Hügel  besetzt.  Die  Brigade  Gaal  hatte  ihre  Aufstellung  am  Monte  Croce;  die 
Brigade  Koller  stand  als  Reserve  zwischen  S.  Pietro  und  Monte  Croce.  Die  Avant- 
garde-Brigade Bils  hatte  die  Vorposten  von  le  Grole  über  Monte  di  Barche, 
Monte  della  Guca,  dann  längs  des  Val  dei  Qiiadri  aufgestellt. 

Am  24.  sollte  die  vereinigte  I.  und  II.  Armee  die  Vorrückung  nach  dem 
Abkochen  um  9  Uhr  früh  fortsetzen.  Doch  schon  um  61/*  Uhr  früh  kam  dem 
FML.  Grafen  Stadion  die  Meldung  zu,  dass  der  Feind  in  starken  Colonnen  heran- 
rücke und  die  Vorposten  bei  le  Grole  angegriffen  wurden.  Bald  darauf  um  6!/s  Uhr 
erfolgte  ein  lebhafter  Angriff  auf  die  Avantgarde-Brigade  Bils.  Um  7  Uhr  entwickelte 
der  Feind  nicht  allein  gegen  diese,  sondern  auch  gegen  die  Brigade  Puchner  ent- 
schiedene Übermacht  und  postierte  auf  den  Höhen  Geschütze,  die  auf  2000  Schritte 
gegen  die  Kirche  und  den  Ort  Solferino  mit  großer  Präcision  wirkten. 

Die  Brigaden  Puchner  und  Bils  stürmten  den  herandrängenden  feindlichen 
Colonnen  wiederholt  muthig  entgegen.  Die  Brigade  Bils  musste  zwar  schließlich 
zurückgehen,  hielt  sich  aber  auf  den  Monte  Gamal  und  bei  Casece  mit  bewunderungs- 
würdiger Ausdauer.  Auch  die  Brigade  Puchner  behauptete  sich  auf  der  Höhe  Con- 
trada  Pozzo  Catena  mit  heldenmüthiger  Standhaftigkeit  gegen  einen  dreifach 
überlegenen  Gegner. 

Während  dem  war  der  Feind  mit  einer  anderen  starken  Colonne.  ungefähr 
einer  Armee-Division,  sowohl  im  Thal  von  Solferino  als  auch  in  Val  dei  Quadri 
vorgedrungen. 

Stadion  zog  zunächst  die  Brigade  Koller  zwischen  S.  Pietro  und  dein  Monte 
Croce  vor  und  ließ  derselben,  da  sie  Fortschritte  machte,  die  Brigade  Gaal  in 


Digitized  by  Google 


122  CLVm.  und  CLIX.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1859. 

Staffeln  folgen,  um  durch  die  Offensivbewegung  des  rechten  Flügels  sein  Centrum 
zu  degagieren,  gleichzeitig  aber  auch  ein  Durchbrechen  des  Feindes  zwischen  dem 
V.  und  dem  VIII.  Corps  zu  verhindern. 

Die  im  Valle  di  Solferino  vorrückende,  feindliche  Colonne  wurde  theils  durch 
die  bei  S.  Martino  stehenden  Abtheilungen  der  Brigade  Festetics,  theils  durch  das 
flankierende  Feuer  der  Brigade  Bils  zum  Stehen  gebracht. 

Der  Feind  löste  jedoch  seine  auf  den  Höhen  mit  furchtbaren  Verlusten 
kämpfenden  Abiheilungen  immer  wieder  durch  frische  Truppen  ab,  wie  aus  den 
häufig  wechselnden  Uniformen  constatiert  wurde,  und  schob  neue  Colonnen  gegen 
die  Brigaden  Koller  und  Gaal.  Nach  10  Uhr  begann  der  Kampf  auf  den  Höhen  von 
Solferino  trotz  der  entschiedensten  Hartnäckigkeit  einer  vierstündigen  Vertheidigung 
eine  ungünstige  Wendung  zu  nehmen. 

Stadion  hatte  inzwischen  dem  Annee-Commando  über  die  einleitenden 
Gefec  hte  Meldung  erstattet,  das  rechts  kämpfende  VIII.  Corps  von  der  Gefechtslage 
verständigt  und  das  I.  Corps  wiederholt  um  beschleunigte  Vorrückung  angegangen. 
Er  war  sich  bewusst,  dass  Solferino  den  Schlüssel  der  ganzen  Schlachtstellung 
bilde  und  als  solcher  bei  der  gegen  sein  Corps  gleich  anfangs  entwickelten  Ober- 
macht auch  seitens  des  Feindes  erkannt  wurde.  Mit  steigender  Ungeduld  sah  er 
deshalb  dem  Herannahen  des  I.  Corps  entgegen. 

Um  107t  Uhr  wurde  die  Brigade  Bils  gegen  S.  Martino  zurückgedrängt 
und  sammelte  sieh  hinter  den  Abtheilungen  der  Brigade  Festetics.  Auch  die 
Brigade  Puchner  musste  endlich  die  beherrschenden  Vorhöhen  verlassen  und  sich 
auf  die  Höhenkuppen  des  M.  Mezzana  zurückziehen.  Waren  damit  auch  einige 
Hundert  Schritte  Terrain  und  die  günstige  Beherrschung  desselben  aufgegeben, 
so  war  in  der  Hauptsache  noch  nichts  verloren,  wenn  frische  und  ausgiebige 
Reserven  dem  FML.  Grafen  Stadion  das  Ergreifen  der  Offensive  ermöglichten  oder 
wenn  die  I.  Armee  mit  Entschiedenheit  vorzudringen  vermochte. 

Um  Vi  11  Uhr  rückten  endlich  die  Spitzen  des  I.  Corps  an.  Stadion  ließ 
sofort  die  Brigade  Puchner  durch  die  im  Castell  von  Solferino  befindlichen 
Reserven  verstärken.  Als  Ersatz  besetzten  Theile  des  I.  Corps  das  Castell,  während 
andere  Theile  zur  Unterstützung  der  bei  S.  Martino  kämpfenden  Abteilungen 
der  Brigade  Festetics  weiter  rückten.  Der  weitaus  größere  Rest  des  I.  Corps  ent- 
wickelte sich  langsam  auf  der  Höhe  des  Monte  Pelegrino,  im  Anschluss  an  den 
linken  Flügel  Stadions,  rückte  aber  nicht  weiter  als  bis  Monte  alto  vor,  wo  er  auf 
den  Feind  stieß,  welcher  inzwischen  mit  einer  Colonne  auch  auf  der  Straße  Casti- 
glione-Solferino  vorgerückt  war. 

Indes  vermochten  auch  die  Truppen  des  I.  Corps  das  Gefecht  nicht  zu  halten, 
noch  weniger  das  Verlorene  wieder  zu  gewinnen. 

Die  Brigade  Puchner  musste  —  nicht  ausreichend  unterstützt,  überdies 
mehr  als  deeimiert  —  endlich  vor  12  Uhr  auch  die  zweite  Stellung  aufgeben.  Jene 
Bataillone,  welche  am  meisten  gelitten,  ließ  Stadion  hei  S.  Pietro  sich  aufstellen; 
diese  braven  Truppen  marschierten  wie  bei  einem  Feldmanöver,  im  stärksten 
Kanonen-  und  Kleingewehrfeuer  in  größter  Ordnung  zurück. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Philipp  Graf  von  StadiouWarthausen  und  Thannhausen. 


123 


FML.  Graf  Stadion  war  nun  auf  das  Castell,  den  Friedhof,  die  Rucca 
und  den  Cy pressen -Hü gel,  welche  Punkte  durch  das  Regiment  Reischach, 
dann  1  Bataillon  Culoz  besetzt  waren,  endlich  auf  Pozzo  Gatena,  welches  durch 
Abtheilungen  des  Regiments  Erzherzog  Ernst  vertheidigt  wurde,  beschränkt. 

Die  Wichtigkeit  dieser  letzteren  Stellung  erkennend,  ließ  Stadion  auf 
besonders  vortheilhaften,  wenn  auch  für  den  Rückzug  minder  günstigen  Punkten 
noch  6  Geschütze  aufstellen,  die  trotz  großer  Verluste  mit  der  zähesten  Ausdauer 
bis  zum  letzten  Moment  höchst  vorteilhaft  wirkten.  Ungeachtet  des  verheerenden 
Feuers  des  Gegners  und  seiner  gegen  Stadions  decimierte,  meist  bereits  ohne 
Munition  befindliche  Truppen  entwickelten  Übermacht  wäre  die  Stellung  noch  einige 
Zeit  haltbar  gewesen,  wenn  das  I.  Corps  vorgieng  oder  nur  bis  zum  Anlangen  der 
Reserven  stand  hielt.  Dies  war  jedoch  nicht  der  Fall.  Im  Gegentheil  räumte  der 
ganze  linke  Flügel  die  Höhen  und  war  bald  im  vollen  Rückzüge  begriffen.  Gleichzeitig 
erneuerte  der  Feind  im  Centrum.  sowohl  gegen  Contrada  S.  Martino  als  gegen 
den  Friedhof  und  das  Castell,  mit  verstärkter  Heftigkeit  den  Angriff  und  vermehrte 
auch  seine  Geschütze.  Die  braven  Truppen  hielten  sich  zwar  mit  bewunderungs- 
würdiger Standhaftigkeit,  aber  wenige  Minuten,  nachdem  Stadion  die  Meldung  von 
dem  Rückzüge  des  linken  Flügels  empfangen  hatte,  drangen  in  seiner  linken  Flanke 
Abtheilungen  der  französischen  Garde-Division  Camou  in  Solferino  ein. 

Immer  noch  hoffend,  dass  nun  die  Reserve  am  entblößten  linken  Flügel 
eingreifen  werde,  vertheidigte  Stadion,  welcher  den  Kampf  vom  Castell  aus  leitete, 
die  Höhen  bei  Solferino  hartnäckig  weiter.  Um  l/sl2  Uhr  war  aber  der  Feind 
bereits  bis  auf  den  vom  Castell  gegen  S.  Pietro  führenden  Weg  gegen  Flanke 
und  Rücken  Stadions  vorgedrungen. 

Stadion  entschloss  sich  nunmehr  nothgedrungen  zum  Rückzüge.  Er  ordnete 
denselben  direct  über  die  Höhen  zwischen  S.  Pietro  an,  und  zwar  unter  dem 
Schutze  der  im  Castell,  im  Friedhof  und  auf  dem  Cypressen-Hügel  mit  höchster 
Aufopferung  fortkämpfenden  Abtheilungen.  Dabei  leuchtete  Stadion  mit  seinem 
persönlichen  Beispiel  allen  voran.  Die  Besatzung  des  Castells  hielt  muthvoll  aus, 
bis  sie  von  allen  Seiten  umzingelt  und  beschossen  wurde.  Der  Feind  hatte  ihre 
einzige  Rückzugslinie  verlegt  und  begann  selbst  in  das  Castell  einzudringen.  Da 
der  Rückzug  auf  diese  Weise  durch  den  Feind  auf  das  äußerste  gefährdet  war» 
vermochten  sich  die  zusammengeschmolzenen  Besatzungen  der  Rocca,  des  Castells 
und  Friedhofs  nur  mehr  zu  retten,  indem  sie  sich  über  die  Mauern  herabließen. 

Stadion  selbst  hielt  im  Castell  bis  zum  äußersten  Augenblicke  aus.  Während 
ein  Theil  seiner  Suite  bereits  abgeschnitten  wurde,  sprengte  er  vom  Castell 
querfeldein  zur  Brigade  Festeties,  die  sich  bis  dahin  zähe  behauptete,  nun  aber 
ebenfalls  in  ihrer  Rückzugslinie  bedroht  war.  weshalb  Stadion  auch  bei  dieser 
Brigade  —  in  der  Mitte  —  den  Rückzug  einleitete.  Demselben  schlössen  sich 
endlich  die  beiden  Brigaden  Koller  und  Gaal  am  rechten  Flügel  an.  Dieselben 
hatten  während  der  Schlacht  nach  langem,  heftigen  Hingen  Madonna  d»  Ha  Sco- 
perta  und  die  nächstliegenden  Höhen  besetzt.  Nun  vereinigten  sie  sich  während 
des  Rückzuges  mit  den  anderen  Brigaden  des  V.  Corps. 


ILM. 


CLVm.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Stadion  sammelte  die  Truppen  nördlich  S.  Pietro  am  Monte  Rola  und 
Monte  Croce.  Dort  trat  an  ihn  der  wichtige  Moment  der  Wahl  der  weiteren  Rück- 
zugsrichtung heran.  Die  Besetzung  Solferinos  durch  den  Feind,  die  Stellung  der 
Brigaden  im  Staffel  rechts  vorwärts,  die  erlittenen  bedeutenden  Verluste,  haupt- 
sächlich aber  die  rechts  bis  S.  Martino  vorgeschobene  Stellung  des  VIII.  Corps 
bestimmte  ihn,  den  Rückzug  auf  Pozzolengo  anzuordnen.  Um  diese  Bewegung  in 
Einklang  mit  dem  Rückzüge  dieses  Corps  zu  bringen,  entsandte  er  seinen  Corps- 
Adjutanten  zum  FML.  von  Benedek,  um  sich  Einblick  in  die  Gefechtslage  des 
VIII.  Corps  zu  verschaffen  und  Benedek  von  dem  eigenen  Rückzüge  zu  ver- 
ständigen. 

Der  Rückzug  wurde  sodann,  nachdem  der  Feind  im  Castell  Batterien  errich- 
tete und  die  Truppen  Stadions  lebhaft  beschoss,  in  Brigade-Staffeln  vom  rechten 
Flügel  rückwärts,  über  die  Höhe  von  Fontana,  fechtend  ausgeführt. 

Im  Rückmärsche  ließ  Stadion  die  Höhe  von  Contrada  del  Bosco  zum  Flanken- 
schutze  des  VIII.  Corps  durch  1  '/t  Brigaden  besetzen  und  zog  den  Rest  in  die 
Aufstellung  auf  Monte  Rocolino  und  Monte  Serino.  Der  Feind  stellte  angesichts 
der  festen  Haltung  des  rückmarschierenden  Corps  die  Verfolgung  ein. 

Bei  dem  Herannahen  des  VIÜ.  Corps  gegen  M.  S.  Giacomo  ließ  sodann 
Stadion  auch  Pozzolengo.  und  zwar  durch  die  Brigade  Koller,  besetzen. 

Um  4  Uhr  erhielt  FML.  Graf  Stadion  vom  Armee-Commando  den  Rückzugs- 
befehl. Unter  dem  Schutze  der  Brigade  Koller  trat  er  demgemäß  den  Rückmarsch 
zwischen  5  und  6  Uhr  von  Pozzolengo  nach  Monzambano  an.  Als  aber  das  Gefecht 
später  bei  Pozzolengo  wieder  lebhafter  wurde,  ließ  Stadion  die  Brigade  Koller 
neuerdings  eine  Aufnahmsstellung  zwischen  Pozzolengo  und  Monzambano  nehmen. 

Darüber  war  es  indes  Nacht  geworden  und  der  Feind  stellte  das  Gefecht 
ein.  Nun  zog  Stadion  auch  die  Brigade  Koller  zurück,  ließ  jedoch,  um  Versprengte 
aufzunehmen,  für  die  Dauer  der  Nacht  Monzambano  durch  ein  Bataillon  besetzen 
und  Cavallerie  gegen  Volta  und  Pozzolengo  streifen.  Mit  dem  Gros  des  Corps 
rückte  Stadion  um  10  Uhr  nachts  in  die  Stellung  bei  Prentina  ein.  während  er  die 
Brigade  Koller  gegen  die  gänzlich  unbesetzt  gebliebene  Stellung  von  Valeggio 
dirigierte. 

Wie  aus  der  vorstehenden  Schilderung  hervorgeht,  hat  das  V.  Corps,  dank 
der  zielbcwussten  Leitung,  des  energischen  Eingreifens  und  des  glänzenden  Bei- 
spieles seines  tapferen  Comrnandanten  FML.  Grafen  Stadion  in  der  Schlacht  von 
Solferino  eine  unerschütterliche  Standhaftigkeit  und  bewunderungswürdige  Tapfer- 
keit an  den  Tag  gelegt.  Stadion-  hat  mit  5  Brigaden  nahezu  die  ganze  Last 
eines  mehr  als  sechsstündigen  Kampfes  gegen  das  französische  I.  Corps  in  der 
Stärke  von  drei  Armee-Divisionen  und  gegen  die  italienische  Armee  -  Division 
Durando  getragen.  Dabei  drang  sein  rechter  Flügel  sogar  erfolgreich  vor.  Erst 
nachdem  die  Truppen  des  I.  Armee-Corps,  welche  seinen  linken  Flügel  verlän- 
gerten, die  eingreifende  französische  Garde  -  Division  Camou  nicht  aufzuhalten 
vermochten,  und  diese  Stadion  von  Solferino  aus  im  Kücken  bedrohte,  trat  er 
notgedrungen  den  Rüt  kzug  an.  Seine  Gefechtsführung  hatte  namhafte  Theile  des 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Alexander  Prinz  vun  Hesseu  und  bei  Rhein. 


125 


verbündeten  feindlichen  Heeres  so  geschwächt  und  erschöpft,  dass  der  Gegner  trotz 
Übermacht  von  jedweder  Verfolgung  abstand,  was  dem  geordneten  Rückzüge  und 
der  raschen  Aufstellung  des  k.  k.  Heeres  hinter  dem  Mincio  wesentlich  zu 
statten  kam. 

Für  dieses  umsichtige  und  erfolgreiche  Benehmen  in  der  Schlacht  hei 
Soll'crino  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 
meister des  Maria  Theresien-Ordens  kraft  der  CLIX.  Promolion  am  21.  Mai  1800 
.  den  FML.  Philipp  Grafen  Stadion  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum 
Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Am  1.  Jänner  1864  trat  FML.  Graf  Stadion  nach  vierzigjähriger  Dienstleistung 
in  den  Ruhestand,  wobei  ihm  mittels  Allerhöchster  Entschließung  gleichzeitig  der 
Charakter  eines  Generals  der  Cavallerie  verliehen  wurde. 

Er  starb  am  19.  März  18Ü8  zu  Wien. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Alexander  Prinz  von  Hessen  und  bei  Rhein. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1859.) 

Alexander  Prinz  von  Hessen,  zu  Darmstadt  am  15.  Juli  1823  geboren, 
begann  seine  militärische  Laufbahn  schon  im  zehnten  Lebensjahre  in  den  Reihen 
der  großherzoglich  hessischen  Armee  seines  Stammlandes,  trat  im  Jahr  1840 
als  Garde-Rittmeister  in  die  kaiserlich  russische  Armee,  wurde  in  demselben 
Jahre  zum  Obersten  im  Chevalier-Regiment  Ihrer  Majestät  der  Kaiserin  und  im 
Jahre  1843  zum  Generalmajor  und  Commandeur  des  Garde-Husaren-Regiments 
ernannt.  Im  Jahre  1845  (April  bis  August)  machte  er  als  Cornmandant  der 
Cavallerie  den  Feldzug  irn  Kaukasus  gegen  Andien  und  während  desselben  am 
18.  Juli  den  Sturm  auf  Dargo,  die  Residenz  Schamyls,  mit.  Für  sein  tapferes 
Benehmen  bei  dieser  Affaire  erhielt  der  Prinz  den  kaiserlich  russischen  St.  Georgs- 
Orden  IV.  Classe.  Nachdem  er  sodann  die  Garde-Kürassier-Brigade  und  später- 
hin die  Garde-Kürassier-Division  befehligt  hatte,  nahm  er  im  Jahre  1853  seinen 
Abschied  aus  der  russischen  Armee,  und  trat  als  Generalmajor  in  kaiserlich 
österreichische  Kriegsdienste  über. 

Als  Brigadier  im  V.  Corps  unter  dem  FML.  Grafen  Stadion  und  in  der 
Division  des  FML.  Frh.  von  Paumgartten  zog  Prinz  von  Hessen  in  den  Krieg 
gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1851). 

Gleich  zu  Beginn  des  Feldzuges  machte  er  am  3.  und  1.  Mai  die  Demonstra- 
tionen des  V.  Corps  an  der  Sesia  mit. 

Weiter  betheiligte  er  sich  am  20.  Mai  unter  Oberleitung  des  FML.  Grafen 
Stadion  an  der  scharfen  Recognoscierung  gegen  Voghera  und  kämpfte  dabei  in 
dem  Treffen  von  Montebellu.    Seine  auf  (J  Bataillone.  3  Escadronen  und 


Digitized  by  Google 


126  CLVIII.  und  CLIX.  Pronv.tion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

12  Geschütze  verstärkte  Brigade  bildete  dabei  die  rechte  Flügel-Colonne.  Prinz 
von  Hessen  that  sich  gleich  in  diesem  ersten  Gefecht  durch  Tapferkeit  und  Um- 
sicht hervor.  Während  der  Vorrückung  von  Branduzzo  gegen  Genestrello  wurde 
die  rechte  Flügel-Division  seines  ersten  Treffens  von  einem  feindlichen  Bataillon 
plötzlich  heftig  angegriffen.  Der  Feind,  durch  weitere  1  l/a  Bataillone  successive  ver- 
stärkt, warf  sodann  den  rechten  Flügel  des  Prinzen  von  Hessen  zurück.  Derselbe 
zog  jedoch  rasch  Verstärkungen  vor,  ergriff  energisch  die  Offensive  und  brachte 
das  Gefecht  zunächst  zum  Stehen.  Darauf  ließ  er  den  Feind  aus  zwei  vortheilhafl 
placierten  Haubitzen  mit  Granatkartätschen  überschütten,  und  nachdem  derselbe 
bis  la  Durona  zurückgewichen  war,  mit  Granaten  so  wirksam  bewerfen,  dass  sich 
der  Prinz  in  den  Besitz  dieses  Gehöftes  setzen  konnte  und  damit  einen  wichtigen 
Stützpunkt  der  Stellung  entlang  des  Eisenbahndammes  nächst  Moni  ebello  gewann. 
Infolge  dessen  vermochte  Prinz  von  Hessen  einen  Theil  seines  linken  Flügels  bis 
zum  Eisenbahndamm  selbst  vorzuschieben  und  die  linke  Flanke  der  feindlichen 
Colonnen,  welche  Fogliarina  und  Montebello  angriffen,  so  wirksam  ins  Feuer 
nehmen  zu  lassen,  dass  dieselben  von  der  Verfolgung  der  sich  zurückziehenden 
eigenen  Mittel-Colonne  ablassen  mussten.  So  erhielt  Prinz  von  Hessen  das  Gefecht 
in  der  linken  Flanke  des  Gegners,  in  der  Linie  la  Durona  bis  la  Borra  entlang  des 
Eisenbahndammes  stehend,  bis  der  Feind  neue  Verstärkungen  ins  Gefecht  brachte 
und  wieder  mit  Übermacht  angriff.  Darauf  zog  er  zuerst  seine  Vordertruppen  aus 
der  Gefechtslinie  und  bewirkte  sodann,  nachdem  der  Rückzugsbefehl  vom  FML. 
Grafen  Stadion  eingetroffen  war,  gefechtsweise  und  in  größter  Ordnung  den  Rück- 
zug seiner  Colonne  über  Branduzzo  nach  Bressana. 

Für  die  im  Treffen  von  Montebello  erworbenen  Verdienste  wurde  dem  FML. 
Prinzen  von  Hessen  späterhin  —  2.  Juni  1859  —  der  Ausdruck  der  Aller- 
höchsten Zufriedenheit  zutheil. 

Schon  zuvor,  am  27.  Mai,  war  der  Prinz  zum  Feldmarschall-Lieutenant 
und  gleichzeitig  zum  Oberst-Inhaber  des  4G.  Infanterie-Regiments  ernannt 
worden. 

Wenige  Tage  darauf,  am  1.  Juni  zum  Divisionär  bei  dem  VI.  Corps  in  Tirol 
bestimmt,  gieng  er  infolge  dessen  von  Sannazzaro  nach  Innsbruck  ab.  Es  war  ihm 
demnach  wohl  nicht  vergönnt,  an  der  Schlacht  bei  Magenta  theilzunehmen,  aber 
gleich  nach  derselben  wurde  er  beordert,  an  Stelle  des  verwundeten  FML.  Frh.  von 
Reischach  das  Commando  der  1.  Division  dos  VII.  Corps  zu  übernehmen.  So  rückte 
er  wieder  zur  Armee  in  Italien  ein  und  übernahm  während  des  Rückzuges  der- 
selben in  Orzionovi  am  11.  Juni  1859  den  Befehl  über  jene  Truppen-Division,  an 
deren  Spitze  ihm  beschieden  war,  in  derSchlnrht  bei  Solferino  am  24.  Juni 
hervorragende  WalTenthaten  zu  vollbringen. 

Infolge  der  vom  VII.  Corps-Commando  am  24-.  Juni  morgens  erlassenen 
Disposition,  rückte  die  Truppen-Division  des  FML.  Prinzen  von  Hessen,  bestehend 
aus  den  Brigaden  Wussin  und  Gahlen/,  um  10V,  Uhr  vormittags  von  Volta  über 
Foresto  gegen  Guidizzolo  auf  der  Straße  vor.  Die  Division  hatte  die  Bestimmung, 
über  Campidello  und  Prede  die  Rückzugslinie  des  in  Castiglione  supponierten 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritt«  de»  U.  T.-O.  AkxaDd«  Prä»  von  Hessen  und  b«j  Rhein. 


127 


Feindes  zu  bedrohen,  während  der  Ort  gleichzeitig  durch  da?  V.  und  I.  Corps  und 
die  Division  FML.  Branden>tein  des  VII.  Corps  angegriffen  werden  sollte. 

Anstatt  bei  Castiglione  war  aber  der  Zusammenstoß  mit  dem  Feinde  schon 
früh  morgens  am  24.  bei  Medole  und  Solferino  erfolgt.  Als  nun  die  Division  des 
Prinzen  von  Hessen  um  12'  %  Uhr  mittags  in  der  Höhe  von  S.  Giacomo  anlangte, 
hatte  sich  der  auf  der  ganzen  Front  entbrannte  Kampf  so  hartnackig  und  gleich- 
mäßig gestaltet  dass  bei  der  sehr  beschränkten  Terrain- Übersicht  längere  Zeit  nicht 
zu  erkennen  war,  gegen  welchen  Punkt  der  eigenen  Schlachtlinie  sich  der  feindliche 
Hauptangriff  richtete,  um  darnach  selbst  i  ntsprechend  eingreifen  zu  können. 

In  der  Absicht,  seine  Truppen  je  nach  Bedarf  auf  dem  einen  oder  dem 
anderen  Theile  des  Schlachtfeldes  schnell  zu  verwenden,  disponierte  der  Prinz  die 
weit  zurückgebliebene  Brigade  Gablenz  nebst  der  Corps-Geschütz-Reserve  zur 
Unterstützung  nach  Guidizzolo,  rückte  aber  selbst  mit  der  Tete-Brigade  GM.  Ritter 
von  VVussin  nach  Val  del  Termine,  um  sowohl  gegen  die  Flanke  von  Guidizzolo 
als  zur  Besetzung  der  Höhen  von  Cavriana  bereit  zu  sein. 

Die  zunehmende  Heftigkeit  des  von  Solferino  hörbaren  Geschützfeuers, 
während  jenes  von  Guidizzolo  schwächer  wurde,  dann  die  hohe  Wichtigkeit  der 
Höhen  von  Cavriana,  bestimmten  den  Prinzen  von  Hessen  sodann  zu  dem 
Entschlüsse,  von  der  erhaltenen  Disposition  gänzlich  abzugehen  und  mit  der 
Brigade  Wussin  sofort  auf  diese  Höhen  zu  rücken. 

Die  Brigade  Oberst  Fleischhacker  der  Truppen-Division  Brandenstein  hatte 
zwar  die  Höhen  von  Cavriana  und  den  Ort  San  Cassiano  besetzt,  hätte  aber 
diese  wichtige  Position  gegen  den  übermächtigen  Gegner  unmöglich  behaupten 
können,  da  die  Truppen  des  I.  Corps,  rechts  von  der  Division  Brandenstein,  bereits 
im  Weichen  begriffen  waren. 

Prinz  von  Hessen  selbst  wählte  mit  sicherem  Blicke  die  vorzügliche  Position 
auf  dem  Monte  Fontana  und  führte  persönlich  und  unter  dem  heftigsten  feind- 
lichen Granatfeuor  die  Brigade  Wussin  in  diese  Stellung  ein.  Sie  wurde  gegen 
1  Vi  Uhr  nachmittags  durch  1  Bataillon  Liccaner-Grenzer,  1  Bataillone  Kaiser-, 
ferner  durch  1  Bataillon  Hessen-Infanterie  des  III.  Armee-Corps,  welches  sich 
zur  Disposition  gestellt  hatte,  besetzt.  Nur  mit  vieler  Mühe  gelang  es,  die  Brigade- 
Batterie  Nr.  1/VII  auf  die  Höhe  von  Fontana  zu  bringen  und  hiedurch  eine  vortheil- 
hafte  Geschützwirkung  nach  allen  Seiten  zu  erzielen. 

Gleichzeitig  zog  der  Prinz  auch  von  der  nach  Guidizzolo  dirigierten  Brigade 
Gablenz  3  Bataillone  Grueber-Infanterie  heran,  welche  nach  ihrem  Eintroffen  um 
3  Uhr  nachmittags  als  Reserve  auf  dem  Monte  Mulino  aufgestellt  wurden; 
5  Geschütze  des  1.  Artillerie-Regiments  ließ  der  Prinz  auf  dem  Monte  Mulino  zur 
Verstärkung  der  Reserve  postieren.  Weiterhin,  als  sich  die  feindlichen  Kräfte  immer 
mehr  gegen  den  Monte  Fontana  concentrierten,  berief  der  Prinz  auch  den  Rest 
der  Brigade  Gablenz  gegen  Cavriana,  wohin  dieselbe  übrigens  schon  über  Befehl 
des  Armee-Commandos  sich  inzwischen  in  Maisch  gesetzt  hatte.  GM.  Gablenz 
besetzte  sodann  gegen  4  Uhr  nachmittags  die  südlich  von  Cavriana  gelegenen 
Höhen,  Ca  nuova  und  Madonna  della  Pieve. 


Digitized  by  Google 


128  GLV11I.  und  CL1X.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

Die  französische  Division  Motterouge,  welche  bei  S.  Cassiano  durch  die 
Brigade  Fleischhacker  erschüttert  und  in  ihrem  Ansturm  aufgehalten  worden  war, 
hatte  sich  mittlerweile  wieder  gesammelt  und  begann  jetzt,  durch  andere  Truppen 
verstärkt,  die  Aufstellung  des  Prinzen  auf  dem  Monte  Fontana  mit  über- 
wältigender Heftigkeit  anzugreifen.  Aber  an  der  Tapferkeit  des  Liccaner-Bataillons, 
das  sich  mit  2  Geschützen  auf  dem  westlichen  Vorsprunge  dieser  Höhe  hinter 
einer  brustwehrartigen  Feldumfassung  festgesetzt  hatte,  brach  sich  der  erste 
Anprall  der  feindlichen  Sturm-Colonnen. 

Nachdem  Prinz  von  Hessen  den  Liccanern  noch  zwei  Bataillone  Kaiser- 
Infanterie  als  Verstärkung  zugeführt  hatte,  schlugen  diese  braven  Truppen,  von 
den  beiden  Geschützen  unterstützt,  nicht  nur  alle  wiederholt  unternommenen 
Vorstöße  der  feindlichen  Division  ab,  sondern  gierigen  mit  vieler  Bravour  öfter 
selbst  zum  Gegenangriff  vor.  Als  der  Prinz  hierauf  noch  4  Geschütze,  welche  auf 
der  Höhe  von  Fontana  ohnehin  nicht  mehr  gut  verwendet  werden  konnten,  zu 
thatkräftiger  Unterstützung  des  Gefechts  rechts  von  diesen  drei  Bataillonen  an  der 
Straße  S.  Cassiano-Cavriana  auf  dem  Camp.  Saradelli  in  Position  bringen  ließ,  von 
wo  sie  dem  Feinde  auch  das  Vordringen  zwischen  dem  Monte  Fontana  und  Monte 
Scernadoce  verwehrten,  sah  dieser  die  Unmöglichkeit  ein,  in  den  Besitz  des  west- 
lichen Vorsprunges  der  Höhe  Fontana  zu  gelangen,  und  gab,  ungeachtet  seiner 
bedeutenden  Überlegenheit,  den  ferneren  Angriff  auf  diesen  Punkt  auf.  Somit  war 
da  dem  Vordringen  des  Gegners  erneuert  Halt  geboten. 

Späterhin  jedoch,  als  der  Feind  seine  Batterien  auf  den  nordöstlich  von 
S.  Cassiano  gelegenen  Hölien  etabliert  und  von  da  herab  ein  den  Rücken  des 
Monte  Fontana  der  Länge  nach  bestreichendes,  mörderisches  Geschützfeuer 
eröffnet  hatte,  zog  der  Prinz  jene  drei  Bataillone  von  den  westlichen  Höhenvor- 
sprüngen  in  die  Hauptstellung  an  den  östlichen  Theil  des  Rückens  zurück,  woselbst 
nunmehr  unter  seiner  Leitung  ein  hartnäckiger  Kampf  entbrannte. 

Der  Feind,  welcher  den  eben  geräumten  Höhenvorsprung  bald  erstiegen 
hatte,  stürmte  in  ungestümem  Anlaufe  auf  die  k.  k.  Truppen  los.  FML.  Prinz  von 
Hessen,  das  Regiment  Kaiser-Infanterie  persönlich  führend,  warf  jedoch  den 
Gegner  mit  dem  Bajonnett  zurück  und  entriss  ihm  alle  mit  großen  Verlusten 
errungenen  Vorlheile.  Nun  wiederholten  sich  die  Anstrengungen  der  feindlichen 
Sturm-Colonnen. 

Aber  alle  Vorstöße  des  Gegners  wurden,  da  der  Prinz  einige  Abtheilungen 
Grueber-Infanterie  von  der  Reservestellung  auf  dem  Monte  Mulino  zur  Verstärkung 
des  Regiments  Kaiser  herangezogen  hatte,  mit  opfermüthiger  Tapferkeit  abgewehrt 
und  die  eingenommene  Stellung  mit  unerschütterlicher  Todesverachtung  behauptet. 

Bereits  waren  so  drei  mit  concentrierler  Kraft  unternommene  Stürme  des 
Feindes  entschieden  zurückgeschlagen  worden,  als  gegen  die  vierte  Nachmittags- 
stunde die  durch  Verstärkungen  zur  Obermacht  angewachsenen  Sturm-Colonnen 
der  Franzosen  ein  viertesmal  vorrückten.  Schon  begann  das  Regiment  Kaiser 
unter  dem  wuchtigen  neuen  Stoße  zu  wanken,  als  das  Grenadier-  und  ein  Theil 
des  zweiten  Bataillons  Grueber-Infanterie  ans  der  Reservestellung  am  Monte  Mulino 


Digitized  by  Google 


Ritter  d*s  M.  T.O.  Ak-xnmlcr  lYiiw.  von  Hessen  uud  bt-t  lllu  in 


120 


aur  dem  Kampfplätze  eintrafen,  sich  mit  dem  Bajonnett  auf  den  Feind  stürzten 
und  ihn  ein  viertesinal  vollständig  und  mit  schweren  Verlusten  zurückwarfen. 

Inzwischen  gestaltete  sich  die  Gefechtslage  zu  beiden  Seiten  der  Position 
des  Prinzen  auf  dem  Monte  Fontana  immer  ungünstiger.  Die  rechte  Flanke 
ward  durch  den  Rückzug  der  Brigade  Fleischhacker,  welche  die  Höhen  von 
Scernadoce  lange  Zeit  tapfer  und  mit  zähester  Hartnäckigkeit  verlheidigt  hatte, 
aber  schließlich  von  der  ganzen  Garde-Division  Camou  bedroht  wurde,  vollständig 
entblößt.  Aber  auch  die  linke  Flanke  erschien  durch  den  Feind,  welcher  der  lang- 
sam zurückgehenden  Cavallerie-Division  Mensdorff  nachfolgte,  sehr  gefährdet. 

Nichtsdestoweniger  vertheidigte  der  Prinz  die  Position  unter  großen  Opfern 
mit  wahrem  Heldenmuthe  noch  einige  Zeit  hindurch.  Gegen  5  Uhr  erst,  als  keine 
Aussicht  mehr  auf  eine  Unterstützung  der  erschöpften  Truppen  vorhanden,  er  auf 
beiden  Seiten  umgangen,  überdies  seine  Rückzugslinie  durch  die  Garde-Division 
<  !amou  von  Scernadoce  her  äußerst  gefährdet  war,  nahm  der  Prinz  die  Brigade 
Wussin  hinter  die  zu  ihrer  Aufnahme  aufgestellten  Truppen  der  Brigade  Gablenz 
auf  die  von  Cavriana  östlich  liegenden  Höhen  zurück. 

FML.  Prinz  Hessen  hielt  nunmehr  mit  seiner  Division,  und  zwar  mit  der 
Brigade  Wussin  die  Höhe  von  Madonna  della  Pieve  und  das  südlich  anliegende 
Terrain  als  linken,  mit  einem  Theile  der  Brigade  Gablenz  —  im  ganzen  10  Com- 
pagnien  Grueber-lnfanterie  —  den  Monte  Beita  und  Monte  Bosco  scuro  als  rechten 
Flügel  besetzt:  das  vorgeschobene  Cenlrum  bildete  der  Ort  Cavriana,  welchen  die 
Brigade  Fleischhacker  von  der  Division  Brandenstein  festhielt.  Die  übrigen  Truppen 
hatte  das  Corps -Commando  zur  zeitgerechten  Sicherung  der  rückwärts  gelegenen 
wichtigen  Stellung  von  Volta  disponiert. 

Bei  dem  nun  folgenden  Angriffe  der  Divisionen  Molterouge  und  der  Garde 
räumte  im  weiteren  Verlaufe  die  Brigade  Fleischhacker  das  Centrum  und  zog  sich 
gegen  Volta:  daraufhin  gieng  die  Brigade  Wussin  auf  den.  größere  Widerstands- 
fähigkeit besitzenden  und  am  Südfuße  des  Monte  Bosco  scuro  in  der  Nähe  des 
linken  Flügels  gelegenen  Maierhof  Corte  zurück.  Von  dort  musste  diese  Brigade 
auf  Befehl  des  Corps-Conunandos  3  Bataillone  nach  Volta  abgeben. 

Während  ein  Theil  der  feindlichen  Garde-Division  Mellinet  nach  Besitznahme 
von  Cavriana  die  Höhe  von  Madonna  della  Pieve  besetzte  und  gegen  die  im  Rück- 
märsche befindlichen  österreichischen  Truppen  das  Geschützfeuer  eröffnete, 
drängte  eine  feindliche  Garde-Brigade  auch  die  den  Monte  Beita  verteidigenden 
vier  Compagnien  Grueber-lnfanterie  in  die  Hauptstellung  auf  den  Monte  Bosen 
scuro  zurück. 

Um  den  Besitz  der  nunmehr  durch  den  Prinzen  von  Hessen  besetzten 
Stellung,  deren  hartnäckige  Verteidigung  Seine  Majestät  der  Kaiser  anbefohlen 
hatte,  entspann  sich  fortan  ein  erneuerter  Kampf,  der  mit  höchster  Aufopferung. 
Standhaftigkeit  und  Erbitterung  geführt  wurde. 

Der  rechte  Flügel  der  Stellung  am  Monte  Bosco  scuro  war  von  einem 
Bataillon  und  das  Centrum  von  zwei  Divisinnen  Grueher-Infariteric  besetzt;  am 
linken  Flügel  bei  Corte  standen  2  Bataillone  Kaiser  und  4  Geschütze  der  Brigade 

MiliUri»cb«r  M.na  'IWoMim-Urdvn.  » 


J* 

Digitized  by  Google 


130 


CI.VIH.  und  «:L1X.  Promotion.       Im  Kriege  von  1859. 


Wussin.  Der  ersteAnprall  des  Feindes  gegen  den  rechten  Flügel  wurde  abgewiesen 
und  zog  sich  letzterer  sodann  vor  der  Übermacht  vom  westlichen  zum  östlichen 
Ende  des  Höhenrückens  Monte  Bosco  scuro.  jede  Kuppe  hartnackig  verteidi- 
gend, zurück.  An  dieser  letzten  Aufstellung  brachen  sich  in  der  Folge  alle 
weiteren,  heftigen  Vorstöße  der  Franzosen. 

Dem  braven  Bataillon  am  rechten  Flügel  wurde  nun  vom  linken  bei  Corte 
ein  Bataillon  Kaiser-Infanterie  zur  Unterstützung  gesendet.  Vereint  wehrten  sodann 
diese  Abtheilungen  alle  ferneren  Angriffe  ab,  unternahmen  sogar  selbst  mehrere 
Gegenstöße  und  lähmten  hiedurch  die  Offensivkraft  des  Gegners,  der  den  geringen 
nur  infolge  seiner  Obermacht  gewonnenen  Raum  mit  unverhältnismäßig  großen 
Opfern  erkauft  hatte. 

Der  nun  —  o1/«  Uhr  —  mit  aller  Heftigkeit  losbrechende  Gewittersturm 
gebot,  wie  auf  dem  ganzen  übrigen,  so  auch  auf  diesem  Theil  des  Schlachtfeldes 
dem  Kampfe  für  einige  Zeit  Einhalt. 

Kaum  hatten  sich  aber  die  Gewitterwolken  in  strömenden  Regen  entladen, 
begann  der  Feind  neuerdings  gegen  den  Monte  Bosco  scuro  vorzustoßen.  Die 
todesmuthigen  Truppen  des  Prinzen  aber,  zu  welchen  mittlerweile  das  gegen 
Volta  dirigierte  3.  Bataillon  Kaiser-Jäger  wieder  in  die  erste  Linie  herangezogen 
worden  war,  vereitelten  alle  ferneren  Anstrengungen  des  Feindes.  Dieser,  die 
Aussichtslosigkeit  seines  Angriffes  erkennend,  begann  im  Kampfe  sichtlich  nach- 
zulassen und  übergieng  zu  einem  immer  matter  werdenden  Tirailleur-Gefechte. 
welches  bis  9  Uhr  abends  fortgeführt  wurde;  dann  verstummten  die  letzten 
Schüsse  und  der  Kampf  war  zu  Ende. 

Die  Tapferkeit  der  wenigen  Truppen  unter  der  Führung  des  FML.  Prinzen 
von  Hessen  bei  Behauptung  der  Positionen  von  Monte  Bosco  scuro  und  bei 
Corte  hatte  den  Feind  gezwungen,  jeden  weiteren  Offensiv  versuch  aufzugeben, 
so  dass  es  zu  keinem  Kampfe  mehr  bei  Volta  kam,  wo  der  Corps-Commandanl 
FML.  Frh.  von  Zobel  15  Bataillone,  2  Batterien  und  4  Escadronen,  zu  welchen  noch 
5  Batterien  der  Corps-Geschütz-Reserve  stoßen  sollten,  in  vortheilhafter  Position 
concentriert  hatte. 

FML.  Prinz  von  Hessen,  welcher  bis  zum  letzten  Moment  an  der  Spitze 
seiner  Truppen  blieb,  verließ  erst  auf  Befehl  des  Corps-Commandos  um  97s  Uhr 
nachts,  ohne  mehr  vom  Feinde  beunruhigt  zu  werden,  die  unter  Mitwirkung  seiner 
beiden  Brigadiere  so  glänzend  vertheidigte  Position  Monte  Bosco  scuro-Corte. 
Gegen  10  Uhr  nachts  traf  der  Rest  der  Division  in  Volta  ein. 

Gemäß  den  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  nach  5  Uhr  nachmittags  von 
Volta  aus  erlassenen  Rückzugs-Dispositionen,  wurde,  nachdem  der  gesammte 
Train  um  1 1  Uhr  nachts  den  Mincio  überschritten  hatte,  nun  auch  das  VII.  Corps 
hinter  den  Fluss  zurückgenommen.  Von  der  Division  des  Prinzen  von  Hessen, 
welche  den  Ufer  Wechsel  auf  der  Brücke  bei  Ferri  zu  vollziehen  hatte,  gelangte  die 
Brigade  Wussin  gegen  Mitternacht  zum  Übergangspunkte,  während  die  Brigade 
Gablenz  noch  bis  3  Uhr  morgens  des  25.  Juni  Volta  besetzt  hielt  und  erst  um 
7  Uhr  früh  das  Gewässer  passiert. . 


Digitized  by  Google 


Ritter  dei=  M.  T.-O.  Alexander  Prinz,  vou  lle«?en  und  t>ei  Rhein. 


131 


So  halle  FML.  Prinz  von  Hessen  in  der  Schlacht  von  Solferino  durch  die 
von  der  Disposition  abweichende  und  aus  eigener  Initiative  hervorgegangene, 
umsichtige  Besetzung  und  hartnäckige  Vertheidigung  der  Position  des  Monte 
Fontana  dem  ungestümen  Drängen  des  Feindes  Halt  geboten  und  ihn  zur  Con- 
centrierung  bedeutender  Kräfte  gegen  diesen  wichtigen  Punkt  gezwungen.  Durch 
volle  vier  Stunden  wurde  der  Monte  Fontana  und  Cavrhina  gegen  ein  mörde- 
risches Artilleriefeuer  und  die  ungestümen  Angriffe  behauptet,  wobei  der  Prinz 
durch  das  Beispiel  glänzender  persönlicher  Tapferkeit  und  durch  unermüdlirhe 
Aufmunterung,  von  seinen  Brigadieren  und  Truppen-Commandanten  unterstützt, 
den  Muth  der  Truppen  aufrecht  zu  erhalten  wusste.  Nicht  minder  glänzend  war 
die  ihm  anbefohlene  zähe  Vertheidigung  der  östlichen  Höhen  von  Cavriana,  nämlich 
der  Position  Monte  Bosco  scuro-Corte,  mit  einer  Hand  voll  Truppen  gegen 
erdrückende  Übermacht  bis  0  Uhr  abends.  Dank  diesem  eisernen  Widerstande 
wurde  der  Rückzug  auf  Valeggio  und  Ferri  gedeckt  und  die  Rettung  beträchtlichen 
Kriegsmaterials  an  Geschützen,  Colonnen-Magazinen  sowie  zahlreicher  Fuhrwerke 
mit  Blessierten  ermöglicht. 

Auf  diese  in  der  Schlacht  bei  Solferino  vollbrachte  Waffenthat  hin  geruhte 
Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über 
Antrag  des  Capitels  kraft.dcr  CLVIII.  Promotion  am  17.  October  1859  den  FML. 
Alexander  Prinzen  von  Hessen  und  bei  Rhein  mittels  Verleihung  des 
Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordeus  zu  promovieren. 

Am  8.  üctober  1850  wurde  FML.  Prinz  von  Hessen  zum  Kommandanten  des 
VII,  Armee-Corps,  am  30.  April  1862  zum  Ober  st- Inhaber  des  6.  Kürassier- 
Regiments  ernannt;  am  1.  Jänner  1863  trat  er  mit  dem  Domicil  Darmstadt  in 
Disponibilität. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  der  Prinz 
von  Hessen  den  Feldzug  gegen  Preußen  in  West-Deutschland  mit.  Von  Seiner 
Majestät  dem  Kaiser  zum  Commandanten  des  VIII.  Bundes-Armee-Corps 
designiert,  dabei  jedoch  auf  Wunsch  einzelner  verbündeten  deutschen  Herrscher 
seines  österreichischen  Fahneneides  entbunden,  übernahm  er  das  Commando  am 
18.  Juni.  Dieses  Corps  bestand  aus  t  Divisionen,  wobei  unter  Commando  des 
k.  k.  FML.  Grafen  Neipperg  in  der  österreichisch-nassauischen  Division  die  k.  k. 
Brigade  Hahn  eingetheilt  war.  Prinz  von  Hessen  strebte  vor  allem,  dieses  aus 
verschiedenartig  organisierten,  administrierten  und  bewaffneten  Contingenten 
bestehende,  erst  in  den  Anfängen  der  Formation  befindliche  Corps  bei  Frankfurt 
zu  sammeln  und  zu  consolidieren.  Unüberwindliche  Schwierigkeiten  politisch- 
militärischer Natur  lähmten  aber  seine  Bemühungen  und  gestalteten  die  Lage  des 
Prinzen  um  so  misslicher,  als  anderseits  der  Oberbefehlshaber  der  westdeutschen 
Bundes-Armee,  Prinz  Carl  von  Bayern,  das  VIII.  Corps  so  rasch  als  möglich  au 
sich  heranzuziehen  bestrebt  war. 

Prinz  von  Hessen  trachtete,  während  das  VII.  Bundes-Armee-Corps  nach  den 
Gefechten  bei  Dermbach  am  4.  Juli  an  die  fränkische  Saale  zurückgieng  und  nach 
dem  Gefechte  bei  Kissingen  am  10.  Juli  noch  weiter  zurückwich,  längs  des  Main 

9» 


Digitized  by  Google 


SOLPFRISSO  C'i.JüX'l  1859. 


Digitized  by  Google 


132 


(XVIII.  und  <X1X.  rrom.-lioti.       Im  Kriege  von  185".». 


die  Vereinigung  mit  demselben  zu  bewirken.  Prinz  von  Messen  gieng  nach  dorn 
Gelechte  bei  Aschaffenburg  am  14.  Juli,  in  welchem  die  k.  k.  Brigade  Hahn  nahezu 
die  ganze  Last  des  Kampfes  trug,  nach  üarmstadt  zurück  und  erstrebte  von  dort 
über  Miltenberg  und  Tauber-Bischofsheim  bei  Würzburg  erneuert  den  Ansehluss 
an  das  VI  1.  Corps.  Die  Preußen  nahmen  aber  in  den  Gefechten  an  der  Tauber  am 
24.  Juli  mit  dem  Prinzen  von  Hessen  wieder  scharfe  Fühlung  und  zwangen  endlich 
nach  einer  Reihe  von  Einzelgefechten  bei  Würzburg  am  25.  und  26.  Juli  beide 
Corps  zur  Räumung  dieser  Stadt.  Bald  darauf  kam  es  zum  Waffenstillstand. 

Nach  dem  Kriege  trat  Prinz  Alexander  von  Hessen  wieder  in  sein  früheres 
Verhältnis  als  k.  k.  Feldmarschall-Lieutenant  in  die  österreichische  Armee  zurück, 
wurde  jedoch  am  1.  Mai  1868  in  den  supernumerären  Stand  versetzt. 

Am  11.  November  1868  erfolgte  seine  Ernennung  zum  General  der  Cava  1- 
lerie  (ui  honorcs. 

Am  5.  März  1874  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  dem  Prinzen  das 
Großkreuz  des  Stephan-Ordens  zu  verleihen. 

Im  September  1883  wurde  der  Prinz  mit  Allerhöchster  Einwilligung  Seiner 
Majestät  des  Kaisers  Inhaber  des  ihm  von  Seiner  Majestät  dem  König  von  Preußen 
verliehenen  schleswig-holsteinschen  Dragoner-Regiments  Nr.  13. 

Prinz  Alexander  von  Hessen  starb  am  15.  Pecember  1888  zu  Üarmstadl. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Anton  Freitaorr  Dobrzen§ky  von  Dobrzenitz. 

(Mit  Bildnis  aus  dein  Jahre  1859.) 

Freiherr  DobrzenskJ,  einem  der  ältesten  Adelsgeschlechter  des  Königreiches 
Böhmen  entstammend  und  in  Prag  1807  geboren,  betrat  am  24.  Februar  1824 
die  Militärlaufbahn  als  Cadet  bei  dem  36.  Infanterie-Regiment  und  absolvierte 
als  solcher  sodann  den  Artillerie-Curs.  Am  15.  Februar  1825  erfolgte,  unter 
gleichzeitiger  Translerierung  zum  1.  Uhlanen-Regimenl,  seine  Beförderung  zum 
U n t e r  I  i e  u  t  e  n  a  n  t,  ;i m  5.  October  1 829  zum  Ü b e  r  1  i  e u  t e  n  a n t,  am  1 .  Jänner  1 835 
zum  Second-  und  am  19.  März  1838  zum  Premier-Rittmeister.  Am  7.  Fe- 
bruar 1815  rückte  er  zum  zweiten,  am  20.  October  1845  zum  ersten  Major,  am 
4.  Mai  1849  zum  Oberstlieutenant  vor. 

Als  Oberstlieutenant  machte  er  mit  seinein  Uhlanen-Reginient  Nr.  1  den 
Feldzug  1849  in  Ungarn  mit.  Er  war  bei  der  Belagerung  der  Festung  Komorn 
bis  zu  deren  Übergabe,  führte  selbständig  zwei  Streif-Commanden  durch, 
wobei  er  am  2.  Mai  1849  eine  Insurgenten- Abtheilung,  welche  die  Waag  zu  über- 
schreiten versuchte,  zurückschlug. 

In  Anerkennung  der  belobten  Tapferkeit  wahrend  dieses  Feldzuges  wurde 
Freiherr  Dobrzensk?  am  25.  October  1849  mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold- 
Ordens  .-nisgezeichuet. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


SOJ-FKRINO  ?4.JIjNI  1859. 


f 

Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  0.  Anton  Freihorr  DobrJensky  von  Dobrtenitz. 


Am  10.  März  1851  wurde  er  zweiter  Oberst  bei  dem  8.  Uhlanen-Regiment 
und  am  27.  Jänner  1852  Oberst  und  Regiments-Commandant.  Am  2.  Oktober  1858 
erfolgte,  bei  gleichzeitiger  Transferierung  zum  großen  Generalstab,  seiue  Beförderung 
zum  Generalmajor. 

Als  Generalmajor  und  Brigadier  im  XI.  Armee-Corps  —  Truppen-Division 
FML.  Frh.  von  Blomberg  —  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich  und 
Piemont  in  Italien  1859  mit.  In  der  Schlacht  bei  Solferino  war  es  ihm 
brschieden,  in  besonders  hervorragender  Weise  in  den  Verlauf  des  Kampfes  auf 
nnem  der  umstrittensten  Punkte  einzugreifen. 

Am  21.  Juni  1859  rückte  GM.  Frh.  von  Dobrzensky  mit  seiner  Brigade  über 
höhere  Disposition  aus  dem  Lager  bei  Gastel  Grimaldo  um  8»/»  Uhr  morgens 
gegen  Guidizzolo,  um  diesen  Ort  anzugreifen,  oder  falls  derselbe  vom  Feinde 
noch  nicht  besetzt  wäre,  selbst  zu  besetzen.  DobrZenskv  fand  im  Orte  Theile  des 
IX.  Corps  und  wurde  von  dem  GdC.  Grafen  Schaaffgotsche,  dem  Gommandanten 
des  bereits  seit  Tagesanbruch  im  Kampfe  stehenden  IX.  Corps,  angewiesen,  mit 
seiner  Brigade  den  linken  Flügel  dieses  Corps,  welcher  sich  gegenüber  dem  von 
Medole  immer  stärker  vordringenden  Feinde  in  der  Linie  Robecco-Baite  nur 
mehr  mit  Mühe  behauptete,  zu  unterstützen  und  zu  verstärken. 

Darauf  dirigierte  Dobrzensky  seine  Brigade  nach  dem  südwestlichen  Ausgang 
von  Guidizzolo  und  ließ  dieselbe  derart  in  Gefechtsordnung  aufmarschieren,  dassdas 
21.  Jäger-Bataillon  und  das  3.  Bataillon  Hannover  das  erste,  das  1.  und  2.  Bataillon 
Hannover  das  zweite  Treffen  bildete.  Das  Terrain  erwies  sich  nach  kurzer 
Keeognoscierung,  welche  Dobrzensky  im  Vereine  mit  dem  Divisionär  FML.  Frh. 
von  Blomberg  vornahm,  von  einer  Beschaffenheit,  die  das  Vorrücken  der  Batterie 
unmöglich  machte.  Klafterbreite,  tiefe  Gräben  durchschnitten  den  mit  dichter 
Cultur  bedeckten  Boden  nach  allen  Richtungen.  Dobrzensky  konnte  daher  nur 
zwei  Haubitzen  an  dem  südwestlichen  Bande  von  Guidizzolo  placieren.  Diese 
wies  er  an,  seine  Vorrückung  durch  Granatwürfe  zu  unterstützen.  Zwei  Geschütze 
ließ  er  am  südlichen  Ausgang  zurück;  die  übrigen  wurden  auf  die  Straße  nach 
Castiglione  disponiert. 

Unter  dem  vorbereitenden  Feuer  der  beiden  Haubitzen  begann  die  Vor- 
rückung. FML.  Frh.  von  Blomberg  begab  sich  auf  den  linken  Flügel,  Dobrzensky 
aber  leitete  den  rechten  der  Brigade,  um  die  Verbindung  mit  der  Gefechtslinie  de- 
IX.  Corps  aufzusuchen  und  herzustellen.  Zu  diesem  Behufe  drang  Dobrzensky 
trotz  aller  Terrainhindernisse  durch  die  Cultur  mit  der  Plänklerlinie  des  rechten 
Flügels  vor,  auf  diese  Weise  die  Truppe  durch  persönliches  Beispiel  befeuernd. 
Seine  Absicht  war  bald,  nämlich  in  halber  Entfernung  zwischen  Guidizzolo- 
Robecco  erreicht.  Er  gelangte  in  die  Röhe  der  Tirailleurkette  des  IX.  Corps 
in  dem  Augenblicke,  als  der  Feind,  starkes  Geschützfeuer  entwickelnd,  den  Reihen 
von  Dobrzenskys  Plänklern  durch  einfallende  Granaten  nicht  unerheblichen 
Schaden  zufügte. 

Während  Dobrzensky  den  FML.  Frh.  von  Handel,  welcher  sich  als  Divisionär  am 
linken  Flügel  des  IX.  Corps  befand,  von  der  hergestellten  Verbindung  persönlich  in 


134  CLVIII.  und  <:LIX.  Promotion.  —  Im  Kriepe  von  1859. 

Kenntnis  setzte,  entspann  sich  rasch  ein  lebhaftes  Tirailleur-Feuer  auf  der  ganzen 
Linie  seiner  Brigade,  und  Hohlgeschosse  sowohl  als  Vollkugeln  schlugen  in  seine 
Unterstützungen  im  zweiten  Treffen  ein.  ' 

Dobrzensky  verstärkte  die  Plänklerkette  und  zwang  durch  verdoppeltes  Feuer 
den  vordringenden  Feind  zum  Stillstand,  worauf  ein  stehendes  Feuergefecht  fort- 
geführt, wurde. 

Gleich  in  der  ersten  Viertelstunde  ereilte  den  tapferen  Regiments-Comman- 
danten  von  Hannover,  Obersten  Ritter  von  Pidoll.  das  Soldatenlos.  indem  er  durch 
eine  Kanonenkugel  niedergestreckt  wurde. Wenige  Augenblickedarauf  zerschmetterte 
ein  Geschoss  dem  Major  Wallnöfer  desselben  Regiments  den  Fuß.  Auch  Oberst 
Streel,  Commandant  des  21.  Jäger-Bataillons,  sank  infolge  einerstarken  Contusion 
des  Kopfes  betäubt  vom  Pferde. 

Auf  diese  Weise  in  der  kürzesten  Zeit  dreier  bewährter  Stabsofficiere  verlustig, 
wurde  die  Lage  Dobrzenskys  immer  schwieriger.  Da  geschah  es,  dass  auch  FML. 
Frh.  von  Blomberg,  durch  eine  Musketenkugel  getroffen,  den  Kampfplatz  verlassen 
musste,  infolge  dessen  Dobrzensky  von  diesem  Augenblicke  an  selbständig  den 
Kampf  zu  leiten  berufen  war. 

Diese  Verluste  der  Brigade  an  Truppenführern  wie  nicht  minder  die  schweren 
Verluste  der  Abtheilungen  selbst,  zudem  das  stets  heftigere  und  verheerender  wir- 
kende feindliche  Feuer  erschütterten  die  junge,  noch  kampfungewohnte  Mannschaft 
in  bedenküchem  Grade. 

Der  Augenblick  war  ein  hochkritischer. 

Bei  dem  immer  mehr  zunehmenden  feitidlichen  Feuer  ließ  sich  nicht  ver- 
kennen, dass  der  Gegner  namhafte  Verstärkungen  ins  Gefecht  bringe.  Dobrzensky 
schloss  hieraus,  dass  der  Gegner  alle  Kräfte  einsetze,  in  der  Absicht,  gegen  die 
Rückzugslinie  des  linken  Flügels  der  Armee  auf  der  Straße  nach  Goito  vorzu- 
dringen. Die  Behauptung  des  linken  Flügels  um  jeden  Preis  erfasste  demnach 
Dobrzensky  als  seine  Hauptaufgabe.  Die  erschütterte  Truppe  wieder  zu  beleben, 
sie  durch  den  Kampf  erneuert  zu  entflammen,  galt  als  Lebensfrage. 

So  traf  Dobrzensky  die  Einleitung  zum  Bajonnett-Angriff,  indem  er  die  in 
Colonnen  formierten  Divisionen  des  zweiten  Treffens  vorrücken  ließ. 

Zuerst  musste  aber  Dobrzensky  durch  eigenes  Beispiel  wirken.  Er  sprengte 
wieder  in  die  vordersten  Reihen  der  IMänkler;  sprach  Muth  zu,  tadelte  auch  wo 
nöthig,  und  immer  vorwärts  dringend,  gelang  es  ihm  mit  Hilfe  der  Officiere  die 
erschütterten  Reihen  an  sich  zu  fesseln.  Das  Beispiel  der  ihm  zunächst  Folgenden, 
dann  der  Umstand,  dass  er  zu  Pferd  auch  von  den  weiter  entfernt  Kämpfenden 
stets  gesehen  werden  konnte,  riss  auch  die  übrigen  mit. 

Nachdem  auf  diese  Weise  bedeutend  Terrain  gewonnen  war,  Kommandierte 
Dobrzensky  den  Angriff  mit  dem  Bajunnett  und  leitet.-  denselben  in  eigener  Person 
au  der  Spitze  der  Brigade.  Die  Truppe  stürmte  hinter  ihm  mit  todesverachtender 
Iiravour  bis  gegen  Robeceo  vor. 

Beträchtliche  feindliche  Kräfte,  die  sieh  daselbst  entwickelten,  und  deren 
mörderisches  Feuer  gegen  Dohr/.cnskys  Front  und  Flanke  nöthigten  ihn  jedoch 


Digitized  by  Google 


nitter  des  M.  T.-O.  Anton  Freiherr  Pobr/ensky  von  Dobrieuitz.  135 

zum  Bückzug.  Er  nahm  dabei  wohl  von  einem  Terrain-Abschnitte  zum  anderen 
Stellung,  vermochte  jedoch  dem  starken  Drängen  des  Feindes  nicht  früher 
dauernd  Einhalt  zu  thun,  bis  er  mit  der  Brigade  in  der  Höhe  von  Guidizzolo 
anlangte. 

Dort  rückte  das  bis  dahin  behufs  Bedeckung  des  Haupt  quartiers  der  I.  Armee 
detai  lliert  gewesene  Grenadier-Bataillon  von  Hannover  zur  Brigade  ein.  Dobrzensky 
ließ  dasselbe  sofort  in  Divisions-Colonnen  formieren  und  rückte  dann  mit  seiner 
Brigade  nebst  einer  Division  Titler  Grenzer  der  Brigade  Host  neuerdings  vor. 
Diesmal  drängte  er  den  Feind  bis  Bobecco  zurück  und  stürmte  selbst  die  ersten 
Häuser  dieses  Ortes,  wurde  aber  wieder,  von  Übermacht  sowohl  in  Front  als 
Flanke  beschossen,  zum  Bückzuge  gezwungen. 

Je  überlegener  und  heftiger  sich  aber  die  Angriffe  des  Feindes  in  der  Bichtung 
gegen  Guidizzolo  gestalteten,  um  so  fester  hielt  Dobrzensky  an  dem  gefassten 
Entschlüsse  fest,  diesen  Ort,  welchen  er  als  den  wichtigsten  Stützpunkt  des  linken 
Flügels  der  Armeestellung  erkannt  hatte,  durch  offensive  Gegenstöße  seiner  Brigade 
festzuhalten. 

Nach  kurzer  Bast  und  Verstärkung  seiner  Brigade  durch  zwei  Bataillone 
anderer  Brigaden  unternahm  Dobrfccnsky  aus  eigenen  Stücken  einen  dritten  Angriff. 
Das  3.  Bataillon  Hannover  am  rechten  Flügel,  die  zur  Unterstützung  herangezogenen 
2  Bataillone  von  Kronprinz-  und  Erzherzog  Joseph-Infanterie  im  Centrum,  das 
Titler  Grenz-Bataillon  am  linken  Flügel,  das  2.  Bataillon  Hannover  im  zweiten 
Treffen  als  Unterstützung  und  das  1.  und  Grenadier- Bataillon  Hannover  hinter  dem 
linken  Flügel  echelloniert:  so  rückte  Dobrzensky  —  mit  Ausnahme  des  Flügel- 
staffels —  auf  der  ganzen  Front  zum  drittenmal  vor.  Obzwar  er  wieder  von  sehr 
heftigem  Feuer  empfangen  wurde,  gewann  die  Brigade  dennoch  Terrain  und  das 
Feuer  des  Feindes  ließ  derart  nach,  da*s  Dobrzensky  diesmal  noch  weiter  vordrang, 
als  bei  den  ersten  zwei  Angriffen. 

Der  Bückzug  des  Gegners  erfolgte  ziemlich  rasch,  doch  ergab  sich  bald,  dass 
derselbe  nur  seiner  Ablösung  entgegeneilte.  Kurze  Zeit  darauf  bemerkte  nämlich 
Dobrzensky,  dass  sich  frische  und  bedeutend  stärkere  feindliche  Colonnen  ins 
Gefecht  entwickelten.  Es  begann  auch  alsbald  wieder  ein  sehr  heftiges  Feuer, 
welches  Dobrzenskvs  Truppen  ebenso  lebhaft  erwiderten. 

Schließlich  musste  aber  seine  Brigade  aus  der  gewonnenen  Stellung  vor  dem 
neuen  übermächtigen  Angriffe  des  Feindes  wieder  zurückweichen.  Die  Truppe 
war  durch  die  Verluste  erheblich  geschwächt;  die  Terrainhindernisse  erschöpften 
die  Mannschaft  vollends.  Infolge  dessen  sah  sich  Dobrzensky  neuerlich  genöthigt, 
von  Stellung  zu  Stellung  zurückzugehen,  bis  er  wieder  in  die  Höhe  seiner  beiden 
Geschütze  bei  Guidizzolo  gelangte. 

Die  Erschöpfung  der  Truppe  hatte  durch  diese  heftigen  Kämpfe  einen  so 
hohen  Grad  erreicht,  dass  ein  vierter  Angriff  nicht  mehr  ausführbar  erschien.  So 
fasste  denn  Dobrzensky  denEtitschluss.  Guidizzolo  nunmehr  stehenden  Fußes  auls 
äußerste  zu  vertheidigen.  Durch  seine  vorangegangenen  drei  Angriffe  war  aber 
auch  die  Kraft  des  Gegners  auf  diesem  Funkte  des  Schlachtfeldes  gebrochen; 


Digitized  by  Google 


13« 


CLVIlt  und  CAAK.  Promolion.  —  Im  Kriege  von  isr,fl. 


derselbe  unternahm  keine  weiteren  Versuche  mehr.  Dobriensky  in  seiner  Stellung 
bei  Guidizzolo  anzugreifen. 

Es  mochte  ungefähr  5x/a  Uhr  nachmittags  sein,  als  das  feindliche  Feuer 
gänzlich  verstummte.  Dobrzensky  hatte  mit  seiner  tapferen  Brigade  durch  volle 
sechs  Stunden  im  heftigsten  Feuer  gekämpft.  Jetzt  erst  vom  Pferde  absitzend, 
bemerkte  er,  dass  dasselbe  durch  einen  Streifsehuss  am  rechten  Vorderfuß  ver- 
windet war. 

Während  Dobrzenskys  Brigade  am  südwestlichen  Rande  von  Guidizzolo 
bei  dem  inzwischen  ausgebrochenen  orkanartigen  Gewitter  gefechtsbereit  stand, 
begab  er  sich  für  seine  Person  in  den  Ort.  Von  den  dort  angetroffenen  Abthei- 
lungen des  10.  Jäger-Bataillons  besetzte  er  mit  beiläufig  einer  (Kompagnie  den 
westlichen  Eingang.  Hierauf  begab  er  sich  nach  dem  nördlichen  und  sodann  nach 
dem  ostlichen  Eingang  von  Guidizzolo.  um  auch  nach  jenen  Bichlungen  die 
Besetzung  einzuleiten.  Bei  dem  Ostausgange  des  Ortes  traf  er  jedoch  seinen  Gorps- 
Commandanten,  FML.  von  Veigl,  womit  das  selbständige  Handeln  Dobrzenskys 
abschloss,  indem  «1er  erstere  die  weiteren  Dispositionen  in  Guidizzolo  persönlich  traf. 

FML.  von  Veigl  zog  die  Brigade  des  GM.  Frh.  von  Dobrfcensky  in  eine  Aul- 
nahmsstellung  hinter  Guidizzolo  zurück,  führte  die  successive,  geordnete  Räumung 
des  Ortes  durch  und  verließ  denselben  mit  Dobrzensky  spät  abends  in  der 
Dunkelheit,  nachdem  alle  Verwundeten  geborgen  waren. 

Von  feindlicher  Seite  wurde,  wie  gesagt,  kein  weiterer  Angriff  auf  Guidizzolo 
unternommen.  Die  selbständige,  tapfere  und  zähe  Vertheidigung  des  westlichen 
Vorfeldes  von  Guidizzolo  durch  Dobrzensky  bis  zum  äußersten  hatte  wesentlich 
dazu  beigetragen,  diesen  heißumstrittenen,  wichtigen  Stützpunkt  des  linken 
Flügels  zu  erhalten  und  dadurch  den  geordneten,  vom  Feinde  unbelästiglen  Rück- 
zug der  I.  Armee  zu  erleichtern. 

Auf  Grund  der  in  der  Schlacht  bei  Solle  rino  am  24.  Juni  1859  auf  diese 
Weise  vollbrachten  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I. 
als  Erhabener  Großmeister  über  Antrag  des  Capitels  kraft  dei  GLVIII.  Promotion 
am  17.  October  185'.>  den  Generalmajor  Anton  Freiherrn  Dobrzensky  von 
Dobrzenitz  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

In  der  nun  folgenden  Friedensperiode  diente  GM.  Frh.  von  Dobrzensky  noch 
über  vier  Jahre  als  Brigadier  in  den  Reihen  des  k.  k.  Heeres  und  trat  sodann  nach 
mehr  als  einund  vierzigjähriger  ausgezeichneter  Dienstleistung  am  1.  August  18(»">  in 
den  Ruhestand.  Infolge  Allerhöchster  Entschließung  wurde  ihm  zuvor  im  Juli  des- 
selben Jahres  die  Feldmarschall-Lieutenants-Charge  ad  Imnore*  verliehen. 

Sein  Ableben  erfolgte  am  30.  August  1So9  zu  Pra«. 


^  Hk  Digitized  by  Google 


■ 


Ritler  des  M.  T.-O.  Eduard  Freiherr  von  Litz«lh»frn.  1 37 

Ritter  des  Maria  Theresien-Ürdens 
Eduard  Freiherr  von  Litzelhofen. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1K59.) 

Eduard  Ritter  von  Litzelhofen  wurde  in  St.  Martin  bei  Paternion  nAelwt 
Villach  in  Kärnten  am  15.  Jänner  1820  geboren.  Seine  militärische  Erziehung 
•  •Hängte  er  in  der  Wiener-Neustädter  Militär-Akademie,  aus  welcher  er  am 
X.  September  1838  als  Fähnrich  ausgemustert  wurde.  Er  kam  zum  17.  Infan- 
terie-Regiment, in  welchem  er  am  1.  November  desselben  Jahres  zum  Unler- 
lieutenant  11.  Classe,  am  1.  September  1842  zum  Unterlieutenant  I.  Classe  und 
am  11.  April  1848  zum  Oberlieutenant  avancierte.  Im  Jahre  1844  erfolgte 
seine  Zutheilung  und  am  15.  April  1848  seine  definitive  Übersetzung  zum  General- 
Qiiartienneister-Stab.  in  welcher  Dienstesverwendung  er  durch  nahezu  24  Jahre 
bis  zur  Beförderung  zum  Generalmajor  und  Brigadier  im  Jahre  1868  verblieb. 

Den  Krieg  gegen  Piemont  1848/10  machte  er  in  Südtirol  und  Italien  mil 
und  zwar  im  Jahre  1848  die  Gefechte  bei  Dolee  am  1.  Juli,  bei  Rivoli  am  22.  Juli, 
ferner  die  Belagerung  von  Peschiera  im  Juli  und  August,  sodann  im  Jahre  1849 
die  Schlacht  bei  Novara  am  23.  Mörz,  den  Angriff  auf  Bologna  vom  9.  bis 
15.  Mai.  die  Einschließung  von  Ancona  vom  25.  Mai  bis  17.  Juni,  dann  während 
der  Expedition  gegen  Garibaldi  die  Gefechte  bei  S.  Angelo  in  Vado  am  29.  Juli 
und  am  Monte  Cerignone  am  31.  Juli.  Inzwischen  war  seine  Beförderung  zum 
Hauptmann  am  16.  Juli  1849  erfolgt. 

Für  seine  Leistungen  in  diesen  beiden  Feldzügen  wurde  ihm  am  24.  April 
1850  das  Militär-Verdienstkreuz  verliehen. 

Im  Jahre  1850  fungierte  er  als  Mitglied  der  Armierungs-Commission  in 
Italien.  Am  29.  Februar  1856  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Major  und  am 
6.  Mai  1859  zum  Oberstlieutenant. 

Als  solcher  machte  er  denKrieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  inItalien 
im  Jahre  1859  als  Generalstabschef  des  VIII.  Corps  an  der  Seite  des  FML.  Ritter 
von  Benedek  mit.  In  der  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  1*59  wurde  ihm 
Gelegenheit  zutheil,  an  den  Feind  zukommen,  und  aufs  wirksamste  in  den  Kampf 
einzugreifen. 

Auf  die  um  6  Uhr  früh  eingelaugte  Meldung,  dass  eine  aus  zwei  bis  drei 
Bataillonen  bestehende  feindliehe  Colonne  auf  der  Strada  Lugana  von  der  Eisen- 
hahn über  S.  Martino  vorrücke,  eilte  Litzelhofen  sogleich  auf  die  Höhe  von 
S.  Giacomo  und  ließ  sie  schleunigst  durch  einige  Bataillone  der  hinter  derselben 
lagernden  Brigaden  besetzen,  weil  die  Avantgarde  des  Feindes  mittlerweile  schon 
selir  nahe  gekommen  war.  Darüber  erstattete  er  dann  dem  Corps-Commandanteu 
FML.  von  Benedek  Meldung  und  veranlasste  über  dessen  Befehl  die  Beziehung  der 
Alarm-Aufstellung  durch  alle  Truppen  des  Corps. 

Der  Angriff  gegen  die  starke  und  starkbesetzte  Position  von  S.  Giacomo  und 
Monte  d'Ingrana  wurde  schnell  abgeschlagen,  dann  die  Brigade  Lipperl  links,  die 


Digitized  by  Google 


138  CLVIII.  und  OJ.IX.  Promotion.      Im  Kriege  von  18.10. 

Brigade  Kuhn  (unter  Commando  des  FML.  Berger)  auf  der  Slraße  nach  Rivoltella 
zur  Verfolgung  des  Feindes  nachgesendet,  die  anderen  Brigaden  aber  bis  zur 
näheren  Erkennung  der  Stärke  und  der  Absichten  des  Feindes  noch  in  der  Alarm- 
Aufstellung  belassen. 

Die  zwei  vordersten  Bataillone  der  Brigade  Lippert  erreichten  ohne  erheb- 
lichen Widerstand  das  Höhen  plateau  von  Casa  Ortaglia  und  S.  Martino,  von  wo 
sie  jedoch  der  Feind  mit  überlegenen  Streitkräften  bis  auf  den  diesseitigen 
Abhang  zurückwarf,  ehe  sie  von  den  anderen  Bataillonen  der  Brigade  unterstützt 
werden  konnten. 

Die  zwei  vorderen  Bataillone  der  Brigade  Kuhn  waren  im  Begriffe,  sich  rechts 
und  links  der  Straße  bei  Corbu  di  sopra  zur  Aufnahme  der  sich  zurückziehenden 
Abtheilungen  aufzustellen,  al*  Litzelhofen.  die  Wichtigkeit  der  beherrschenden 
Höhe  vonS.  Mart  ino-Ortagl  ia  erkennend,  denselben  —  in  Abwesenheit  des  mit 
der  Ordnung  der  geworfenen  Abiheilungen  der  Brigade  Lippert  beschäftigten 
Corps- Commandanten  —  selbständig  den  Befehl  ertheilte,  unverzüglich  auf  dieses 
Plateau  vorzurücken. 

Litzelhofen  selbst  gieng  mit  einigen  Gompagnien  des  zweiten  Szluiner  Grenz- 
Bataillons.  FML.  Berger  mit  den  anderen  Bataillonen  der  Brigade  Kuhn  vor;  die 
Brigade  Lippert  wurde  vom  C.orps-Connnandanten  in  Person  und  von  ihrem  Bri- 
gadier vorgeführt,  und  so  setzten  sieh  diese  Colonnen,  jene  unter  Führung  Litzel- 
hofens  als  erste  derselben,  wieder  in  den  Besitz  der  wichtigen  Höhe. 

Da  es  nun  klar  war,  dass  man  es  mit  einer  aus  mehreren  Brigaden  bestehen- 
den, aber  noch  nicht  entwickelten  feindlichen  Colonne  zu  thun  hatte,  die  von 
Hivoltella  gegen  Pozzolengo  dirigiert  war.  so  musste  nunmehr  von  der,  infolge  der 
allgemeinen  Disposition  für  den  24.  angeordneten  Vorrückung  des  VIII.  Corps  über 
S.  Donino  gegen  Desenzano  und  über  Caslel  Venzago  gegen  Lonato  abgesehen  und 
die  Hauptkraft  des  VIII.  Corps  gegen  die  Höhe  von  S.  Martino  dirigiert  werden. 

Hiezu  wurde  die  Corps-Ceschütz-Beserve  und  die  Batterie  der  Brigade 
Philippovic  und  bald  darauf  auch  zwei  Bataillone  der  Brigade  Reichlin  und  die 
Brigade  Dauber  beordert. 

Als  Litzelhofen  zwei  Batterien  der  Corps-Geschütz-Reserve  und  die  Batterie 
der  Brigade  Philippovic  auf  der  Höhe  von  Ortaglia  placiert  hatte,  gieng  der  Feind 
gegen  diese  Höhe  und  gegen  Corbu  di  sotto  mit  frischen  Streitkräften  vor  und 
gefährdete  die  Aufstellung  und  den  Rückzug  der  Geschütze. 

Das  5.  Kaiser-Jäger- Bataillon,  rechts  derselben  aufgestellt,  konnte  sich  kaum 
mehr  behaupten;  es  gelang  Litzelhofen  jedoch,  zwei  weichende  Gompagnien  wieder 
halten  und  erneuert  vorrücken  zu  machen. 

Dann  eilte  er  zum  3.  Bataillon  Hohenlohe-Infanterie,  um  mit  demselben 
gegen  Casa  Corbu  di  sotto  vorzugehen;  nach  dem  Eintreffen  des  Grenadier-Batail- 
lons von  Hohenlohe,  und  nachdem  die  Mannschaft  durch  das  Beispiel  des  Bri- 
gadiers und  des  Corps-Commandanlen  selbst  angespornt  worden  war.  wurde  der 
Feind  auch  von  da  wieder  vertrieben.  Litzelhofcns  Eingreifen  hatte  zur  Einleitung 
dieses  glücklichen  Gegenstoßes  wesentlich  beigetragen. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


< 


zu 

Ai 

lic 
<ii 
AI 

im 

AI 

HC 

dti 

Co 

PI; 

Ba 
Hri 
jra< 
hol 

dei 
Ri\ 
allp 
S.I 

die 

Pili 
Bri» 

der 

VW 
j:efV 

mel 
halt 

Ions 
<radi 

dies 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  de«  M.  T.O.  Eduard  Freiherr  von  Litzelhofen . 


130 


Litzelhofen  erhielt  hierbei  einen  Prellschuß  am  rechten  Unterbein,  kämpfte 
aber  unbeachtet  dessen  den  ganzen  Tag  über  zu  Pferde  weiter  mit. 

Der  Feind  versuchte  noch  einige  Angriffe,  wurde  jedoch  auf  allen  Punkten 
kräftig  und  entschieden  zurückgeworfen,  und  das  VIII.  Corps  setzte  sich  auf  dem 
Hnhenplateau  S.  Martino-Ortaglia  und  bei  Corbu  und  Presca  mit  V/t  Brigaden 
und  8  Batterien  —  darunter  einer  Baketenbatterie  —  fest;  die  Brigade  Watervliet 
deckte  auf  der  Höhe  S.  Giacomo  den  rechten,  2  Bataillone  der  Brigade  Beichlin 
den  linken  Flügel:  erstere  bildete  zugleich  die  Haupt- Reserve. 

Die  besorgniserregende  Wendung,  welche  die  Schlacht  auf  dem  Punkte  vor 
Solferino  zu  nehmen  schien,  veranlasste  Litzelhofen,  auf  die  sonst  gebotene  Ver- 
folgung des  geschlagenen  Feindes  nicht  einzurathen,  eine  Zurückhaltung  und  kluge 
Mäßigung,  in  welcher  er  sich  mit  FML.  von  Benedek  begegnete,  weshalb  auch 
einr  längere  Pause  im  Gefechte  eintrat. 

Im  Kaufe  des  Nachmittags  erhielt  der  Feind  fortwährend  Verstärkungen  und 
schritt  dann  zu  neuen  Angriffen  gegen  die  Stellung  des  VIII.  Corps  vor.  die  unter 
Aneiferung  der  Abtheilungen  durch  FML.  von  Benedek  und  Oberstlieutenant 
Litzelhofen  seitens  der  k.  k.  Truppen  siegreich  zurückgeschlagen  wurden. 

Die  starke  Besetzung  der  Hohe,  das  Zusammenhalten  der  Kräfte  und  ins- 
besondere die  kräftige  Wirkung  der  bei  S.  Martino  vereinigten  zahlreichen  Batterien, 
trugen  zum  günstigen  Erfolge  des  Widerstandes  gegen  den  weit  überlegenen  Feind 
entscheidend  bei. 

Bei  einem  der  heftigsten  dieser  gegen  Casa  Contracania  gerichteten  Angriffe, 
als  Litzelhofen  einen  mit  einer  Abtheilung  von  Erzherzog  Rainer-Infanterie  dem 
an  die  Batterien  des  Corps  schon  auf  100  Schritte  nahe  gekommenen  Feind 
entgegenrückte  und  ihn  zum  Unikehren  zwang,  erhielt  er  einen  Strcifschuss  in  die 
linke  Schulter. 

Der  um  4  Uhr  erhaltene  Befehl  zum  Rückzüge  hinter  den  Mincio  nach 
Salionze  wurde  wegen  der  stets  erneuerten  Angriffe  des  Feindes  erst  nach  ein- 
gebrochener Dunkelheit  und  nachdem  derselbe  durch  einen  letzten  Bajonnell- 
Angriff  entschieden  geworfen  worden  war,  durchgeführt. 

Während  dieser  Rückzug  in  größter  Ruhe  und  Ordnung  ausgeführt  wurde, 
eilte  Litzelhofen  nach  Pozzolengo  voraus,  weil  von  der  Brigade  Reichlin.  welche 
die  Straße  von  Madonna  della  Scoperta  und  Solferino  hätte  decken  sollen,  seit 
•I  l'hr  keine  Meldung  eingelangt  war.  Statt  derselben  standen  auf  dieser  Seite, 
300  Schritte  von  Pozzolengo,  feindliche  Posten.  Litzelhofen  befahl  daher  sofort 
aus  eigenen  Stücken,  dass  der  Ahmarschbefehl,  welchen  eine  zunächst  stehende 
Division  des  -2.  Kaiser-Jäger-Bataillons  erhalten  hatte,  nicht  ausgeführt  wurde, 
vielmehr  diese  Division  den  betreffenden  Eingang  besetzte,  bevor  dies  von  Seite 
des  Feindes  geschah,  dessen  Patrouillen  bereits  bis  Pozzolengo  sireilten.  Aul 
diese  Weise  wurde  dieser  Ort,  durch  welchen  die  Rückzugslinie  des  VIII.  Corps 
führte,  gesichert,  bis  dessen  Gros  selbst  den  Ort  erreichte. 

So  hatte  Oberstlieutenant  von  Litzelhofen  durch  stets  zweckentsprechende, 
wiederholt  selbständig  auf  eigene  Verantwortung  erlassene  Dispositionen,  durch 


Digitized  by  Coogle 


140 


CLVIIl.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  185?». 


kalten  Muth  sowie  durch  persönlich  bethätigte  hohe  und  unternehmende  Tapfer- 
keit einen  großen  Antheil  an  der  Ehre  dieses  vierzehnstündigen  siegreichen 
Gefechtes  wie  auch  an  der  Einleitung  und  Durchführung  des  schönen  und  geord- 
neten Rückzuges  des  VIII.  Corps  hinter  den  Mincio.  Über  seine  Verdienste  um  den 
Erfolg,  welche  nur  im  Zusammenhange  mit  der  Waffenthat  Benedeks  *)  voll- 
ständig gewürdigt  werden  können,  herrschte  im  Corps  nur  eine  Stimme.  FML.  von 
Henedek  selbst  erbat  sofort  nach  der  Schlacht,  am  25.  Juni,  mittels  dienstlichen 
Hinschreitens  an  das  II.  Armee-Commando .  als  Belohnung  für  seinen  „in  jeder 
Beziehung  eminenten*  Generalstabschef  das  Maria  Theresien-Ritterkreuz 
und  stellte  betreff  der  Leistungen  Litzelhofen  in  edler  Selbstlosigkeit  und  aus 
eigenen  Stücken  das  bereits  in  Benedeks  Lebensskizze  erwähnte  Zeugnis  aus. 
gleich  ehrend  für  Litzelhofen  wie  für  Benedek  selbst. 

Auf  Grund  der  daraufhin  erfolgten  statutenmäßigen  Bewerbung  geruhte 
Seine  Majestät  Kaiser  Kranz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über 
Capitel- Votum  den  Oberstlieutenant  Eduard  von  Litzelhofen  für  die  in  der 
Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  1859  vollbrachte  Waffenthat  kraft  der 
CLVIIl.  Promotion  am  17.  October  1859  mittels  Verleihung  des  Kle inkreuzes 
zum  Ritter  des  Maria  Theresien -  Ordens  zu  promovieren  und  denselben 
gemäß  den  Ordensstatuten  am  25.  April  1860  in  den  österreichischen  Freiherrn- 
stand zu  erheben. 

Am  22.  September  1861  wurde  Krh.  von  Litzelhofen  zum  Obersten  im 
Generalstabe  befördert. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  Litzelhofen 
den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee  als  Generalstabschof  des 
I.  Armee-Corps  mit  und  kämpfte  in  den  Gefechten  bei  Podol  am  26.  Juni,  bei 
Münchengrätz  (Bossin)  am  28.  Juni,  im  Treffen  bei  Jicin  am  29.  Juni,  in  der 
Schlacht  bei  Königgrätz  am  3.  Juli  und  im  Gefechte  bei  Roketnitz  und 
Dlultonitz  nächst  Prerau  am  15.  Juli. 

Für  seine  während  dieses  Feldzuges  entfaltete  Thätigkeit  wurde  ihm  am 
3.  October  18uG  die  Allerhöchste  belobende  Anerkennung  zutheil. 

Am  13.  November  1866  wurde  Oberst  Krh.  von  Litzelhofen  zum  Generalslabs- 
chef  beim  GeneraUCommando  in  Lemberg  ernannt,  am  20.  März  1868  zum 
Generalmajor  befördert  und  als  Brigadier  bei  der  XIV.  Infanterie-Truppen- 
Division  eingetheilt. 

Am  19.  Februar  1873  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Commandanten  der 
XIII.  Infanterie-Truppen-Division,  späterhin,  am  29.  October  desselben  Jahres, 
seine  Beförderung  zum  Ke  1  dm arsch all- Lieutenant.  Am  21.  August  1878  wurde 
Litzelhofen  zum  Militärkommandanten  in  Krakau,  im  Jahre  1*79  zum  Oberst- 
Inhaber  des  47.  Infanterie-Regiments  und  am  7.  August  1S79  zum  Comman- 
dierenden  General  in  Lemberg  ernannt. 

Am  27.  April  1SK0  wurde  ihm  die  Geheime  Rathswürde  verliehen. 


')  Sich«'  .Maria  TVresien- Ordens -Commandern'  Ritter  von  Benedeie.'    -  Seil«  (il  Iiis  74. 


Digitized  by  Google 


RiUer  df.H  M.  T.-O.  Adolph  Freiherr  von  <;»t»T. 


141 


Nach  seiner  ani  I.  Mai  1  HS I  erfolgten  Ernennung  zum  Commandierenden 
General  in  Prag  wurde  Frh.  von  Eilzeihofen  am  1.  November  desselben  Jahres 
/um  Feldzeugmeister  befördert. 

Er  starb,  in  voller  Activitäl  schwer  erkrankt,  nach  vienmdvierzigjähriger  im 
Kriege  wie  im  Frieden  bewährter  Dienstleistung  am  18.  Jänner  1882  zu  I'rag. 


Hilter  <k's  Maria  Theresien-Ordcns 
Adolph  Freiherr  von  Catty. 

(Mit  Bildnis  aus  dein  Jahn:  185'J.I 

Adolph  Catty,  als  Sohn  eines  k.  k.  Hauptmannes  am  23.  Uctober  1823  zu 
Groß-Enzersdorf  geboren,  erhielt  seine  militärische  Erziehung  und  Ausbildung 
in  der  k.  k.  Militär- Akademie  zu  Wiener-Neustadt,  in  welcher  er  als  der  Zweite 
im  Range  am  23.  September  1812  mit  der  gleichzeitigen  Bestimmung  für  den 
höheren  Curs  dieser  Akademie  als  Unterlieutenant  11.  Classe  die  militärische 
Laufbahn  betrat.  Am  29.  September  1843  erfolgte  seine  Transferierung  zum 
4.  Infanterie-Itegimente,  und  zwar  mit  gleichzeitiger  Beförderung  zum  Unter- 
lieutenant I.  Classe.  Am  11.  April  1848  rückte  er  zum  Ober  lieutenant  vor. 

Als  Oberlieutenant  machte  er  den  Feldzug  in  Ungarn  1849  mit,  und  /.war 
kämpfte  er  bei  dem  Überfalle  bei  Novoszelicza  und  Toronya  am  20.  zum 
21.  März,  in  dem  Gefecht  bei  Munkäes  am  22.  April  —  wobei  er  verwundet 
wurde  —  endlich  in  der  Schlacht  bei  Komorn  am  11.  Juli.  Inzwischen  war  am 
20.  Mai  1849  seine  Obersetzung  zum  General-Ouartiermeister-Stabe  erfolgt,  in 
welchem  er  am  1.  August  1849  zum  Hauptmann  II.  Classe  avancierte. 

Für  die  während  des  Feldzuges  von  1849  hei  der  Gren/.vertheidigun^  Gali- 
ziens  gegen  Ungarn  geleisteten  Dienste  erhielt  er  auf  Grund  der  Allerhöchsten 
Anerkennung  vom  10.  Juni  1849  in  der  Folge,  am  28.  Jänner  1850.  dasMilitär- 
V erdien  stkreuz. 

Am  18.  October  1852  wurde  er  in  den  supernumerären  Stand  übersetzt  und 
fungierte  durch  1  Jahr  10  Monate  als  Lehrer  der  Taktik  bei  Seiner  k.  k.  Hoheit 
dem  durchlauchtigsten  Erzherzog  Joseph.  Am  t.  November  185(1  erfolgte  seine 
Beförderung  zum  Major  im  GeneraMjuartiermeisler-Stabe.  Als  solcher  fungierte 
er  im  Jahre  1858  als  Mitglied  der  Commission  für  die  Deutsche  Bundes-lnspection 
der  Contingente  Luxemburg,  Limburg,  Kurhessen  und  Nassau.  Am  1.  November 
1858  wurde  er  Chef  des  General-Quartiermcister-Stabes  bei  dem  III.  Infanterie- 
Armee-Corps. 

In  dieser  Dienstesverwendung  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich 
und  Piemontin  Italien  1859  mit,  und  zwar  zunächst  die  Beschießung  von  Valenza 
am  3.  Mai,  sodann  —  nachdem  er  am  22.  Mai  1859  zum  Oberstlieutenant  in 
seiner  Stellung  befördert  worden  war  -  die  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni 


142  CLV1H.  und  CHX.  lYomutioii.      Im  Kriege  vod  IS.'.H. 

1859.  In  dieser  letzteren  kämpfte  er  als  Generalstabschef  des  FML.  Fürsten 
Schwarzenberg  mit  dorn  III.  Corps  um  den  Besitz  von  Ponte  vecehio  di  Magenta, 
indem  er  sowohl  hohe  Umsicht  als  an  der  Spitze  der  stürmenden  Colonnen  glän- 
zende Tapferkeit  entfaltete,  und  auf  diese  Weise  intellektuell  wie  moralisch  dazu 
beitrug,  dass  das  III.  Corps  auf  dem  linken  Flügel  der  Schlachtlinie  trotz  der 
Überlegenheit  des  Feindes  bis  zu  dem  am  5.  Juni  früh  erfolgten  Rückzugsbefehl 
des  Armec-Commandos  sich  behauptete. 

In  Anerkennung  der  tapferen  Leistungen  Gattys  in  der  Schlacht  bei 
Magenta  geruhte  ihm  Seine  Majestät  der  Kaiser  Franz  Joseph  1.  allergnädigsl 
das  Ritterkreuz  des  Leopold-Ordens  zu  verleihen. 

In  noch  wirksamerer  Weise  griff  Catty  im  Verlaufe  der  Schlacht  bei  Sol- 
ferino  am  24.  Juni  in  den  Kampf  ein  und  zwar  in  einem  der  kritischesten  Augen- 
blicke auf  dem  linken  Flügel  der  Schlachtlinie. 

Als  am  äußersten  linken  Flügel  das  IX.  Corps  dem  Feinde  das  Vordringen 
von  Medole  gegen  Guidizzolo  in  der  Linie  Casa  nuova-Baite-Rebecco-Colombaia 
/.u  verwehren  suchte,  hatte  nach  8  Uhr  früh  rechts  von  demselben  auch  das 
III.  Corps  mit  den  beiden  Brigaden  Härtung  und  Wezlar  der  Division  FML.  Habcr- 
manri  den  Kampf  gegen  Ouagliara-Casa  nuova-Rebecco  aufgenommen,  worauf 
eine  halbe  Brigade  Rosgen  rechts  der  beiden  Brigaden  vorgieng.  Die  Brigaden 
Wezlar  und  Härtung,  welche  ursprünglich  zum  Vorrücken  <)  checal  der  Straße  von 
Guidizzolo  nach  Castiglionc  delle  Stiviere  und  zunächst  zum  Angriffe  auf  Morino 
in  nordwestlicher  Richtung  beordert  worden  waren,  hatten  successive  eine  Links- 
schwenkung gegen  Westen  ausführen  müssen.  Nach  10  Uhr  vormittags  wurde 
auch  die  Division  FML.  Schönberger  des  III.  Corps  aus  ihrer  Reserve-Stellung 
hinter  Guidizzolo  rechts  von  der  Straße,  welche  von  diesem  Orte  nach  Castiglione 
führt,  vordisponiert.  Infolge  dessen  stand  das  III.  Corps,  von  welchem  eine  halbe 
Brigade  Rösgen  Guidizzolo  besetzt  hielt,  mit  41/*  Brigaden  in  der  Gefechtslinie  und 
zwar  in  einer  Hakenstellung,  nämlich  die  Division  Habennann  Front  gegen 
Ouagliara-Casa  nuova-Rebecco  (Westen),  die  halbe  Brigade  Rösgen  und  die 
Division  Schönberger  gegen  Morino  (Nordwest». 

Von  der  Division  Schönberger  wurden  gleich  nach  ihrem  Einrücken  in  die 
Schlachtlinie  Theiledes  rechten  Flügels  durch  feindliche  Colomien  undBalterien  fest- 
gehalten, welche  in  der  Richtung  nach  Cassiano  vorrückten,  während  das  Andringen 
des  Feindes  von  Morino  her  nothwendig  machte,  gegen  die  Straße  zu  disponieren, 
da  die  dort  kämpfende  halbe  Brigade  Rösgen  zurückgeworfen  wurde.  Die  Brigade 
GM.  Härtung  kämpfte  schon  erschöpft  um  den  Besitz  von  Casa  nuova  und 
Ouagliara;  die  Brigade  GM.  Wezlar  war  theil weise  gegen  Baite  vorgedrungen. 

Da  das  Corps  ohne  jede  Reserve  war,  musste  unaufhörlich  besorgt  werden, 
dass  der  Feind  die  schwache  Linie  an  irgend  einem  Punkte  durchbreche,  was  von 
unberechenbaren  Folgen  begleitet  gewesen  wäre,  denn  rechts  hatte  sich  der  Kampf 
schon  Cavriana  genähert,  während  links  dt  r  Feind  seine  Umgehung  von  Medole 
her  immer  weiter  fortsetzte  und  Guidizzolo  bedrohte.  Das  Festhalten  in  der  Auf- 
stellung ä  <h<<al  der  Straße  bot  die  einzige  Möglichkeit  den  Kampf  bis  zun« 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


SOT.FKRINO.  £<t.  JUNI  1859 


Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  de*  M.  T.-0.  Adolj.li  Freiherr  von  Catty. 


143 


Anlangen  des  in  der  Vorrückung  begriffenen  XI.  Corps  hinzuhalten,  und  dem 
Gefecht  eventuell  auch  eine  günstige  Wendung  zu  geben,  wie  dies  die  aus- 
gesprochene Absicht  des  FML.  Fürsten  Schwarzenberg,  Conimandanten  des 
III.  Corps,  von  dem  Momente  an  war,  als  die  ursprüngliche  Reserve  des  Corps  — 
die  Division  Schönberger  —  durch  höhere  Anordnungen  zur  Verlängerung  der 
Schlachtlinie  vordisponiert  worden  war. 

Auf  dem  rechten  Flügel  des  Corps  stand  verhältnismäßig  wenig  zu  besorgen, 
denn  die  Cavallerie-Division  FML.  MensdorlT  bildete  noch  immer  eine  kräftige 
Stütze,  falls  der  Feind  in  die  Ebene  oder  von  den  Höhen  herab  vorzurücken  beab- 
sichtigt hätte.  Die  größte  Gefahr  drohte  von  Casa  nuova  her,  wo  sich  des  Feindes 
Kräfte  in  dem  Maße  verstärkten,  als  er  den  Widerstand  des  IX.  Corps  gebrochen 
hatte  und  seine  Truppen  aus  Medole  vorschieben  konnte. 

Nachdem  sich  Catty  von  der  verhältnismäßig  günstigen  Gefechtslage  des 
rechten  Flügels  Überzeugung  verschafft  hatte,  begab  er  sich  auf  den  linken,  um 
dem  Corps-Commandanten  Meldung  über  den  Stand  der  Dinge  zu  erstatten. 

Die  Chaussee  übersetzend,  fand  er  das  2.  Bataillon  Hessen-Infanterie  Nr.  14 
in  der  Vorrückung  gegen  Casa  nuova.  Er  bemühte  sich,  mit  demselben  vorzu- 
dringen. Trotz  der  ausgezeichneten  Haltung  der  Truppe  gelang  dies  nicht  Die- 
selbe musste  vielmehr  weichen. 

Während  des  Rückzuges  brach  der  Feind,  welcher  um  jene  Zeit  auch  die 
Brigade  Wezlar  zurückgedrängt  hatte,  gegen  die  Straße  vor  und  drängte  das 
Bataillon  Hessen,  bei  welchem  sich  Catty  befand,  immer  mehr  gegen  dieselbe. 
Jeder  Widerstand  war  vergebens.  Bei  dieser  Gelegenheit  giengen  auch  2  Geschütze 
der  Projects-Batterie  1 1  /III  verloren.  Schließlich  wurden  die  Truppen  über  die 
Chaussee  zurückgeworfen  und  der  Feind  folgte  denselben  auf  dem  Fuße. 

Der  Moment  war  ein  überaus  kritischer.  Der  Feind  hatte  die  Mitte  des  Corps 
durchbrochen.  Er  stand  in  Flanke  und  theilweise  im  Rücken  des  jenseits  der 
Chaussee  vorgeschobenen  rechten  Flügels  des  Corps.  Der  Rückzug  desselben  hätte 
nur  mehr  längs  der  Höhen  stattfinden  können.  Dabei  war  links  das  IX.  Corps  im 
Rückzüge  auf  Guidizzolo,  das  XI.  noch  im  Anmarsch  und  nicht  entwickelt,  die 
Rückzugslinie  zwischen  Guidizzolo  und  dem  Mincio  von  den  Trains  der  Corps  und 
von  vorrückenden  Arlillerie-Reserven  verlegt. 

Es  musste  daher,  um  unabsehbare  Folgen  zu  verhüten,  das  Gefecht  an  der 
Straße  um  jeden  l'reis  hergestellt  werden.  Dazu  stand  nur  ein  Mittel  zu  Gebote: 
den  Feind  anzugreifen  und  zu  werfen,  bevor  er  die  errungenen  Vortheile  weiter 
verfolgen  konnte. 

Die  dem  III.  Corps  und  mit  diesem  allen  Abtheilungen  der  I.  Armee  drohen- 
den Gefahren  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung  (iberschauend  und  erkennend,  das«  nur 
das  entschiedenste  Handeln  ohne  Rücksicht  auf  die  damit  verbundenen  Opfer  zu 
einer  etwa  noch  möglichen  günstigen  Lösung  führen  konnte,  entschloss  sich  Catty. 
ohne  einen  höheren  Befehl  dazu  erhalten  zu  haben,  zur  nächsten  geschlossenen 
Abtheilung  zu  eilen,  um  dieselbe  rasch  vorzuführen.  Er  traf  auf  eine  Division 
Belgien-Infanterie,  welche  nach  vorwärts  (gegen  Nordwesten)  disponier!  war.  Er 


Digitized  by  Google 


Mi 


CI.Vlll.  und  LC1X.  Promution.  -   Im  Kriege  von  IS.'.9. 


befehligte  dieselbe,  sich  links  gegen  die  Straße  (westwärts)  zu  wenden  und  führte 
diese  Truppe  selbst  vor.  Es  gelang  ihm.  die  eigenen  geworfenen  Abtheilungen  um 
diese  Division  zu  sammeln  und  mit  der  auf  diese  Weise  rasch  formierten  AngrifTs- 
Colonne  stürmend  über  die  Straße  zu  dringen.  Die  früher  verlorenen  Kanonen 
wurden  genommen,  der  Feind  bis  Casa  nuova  zurückgedrängt  und  so  die  Gefechts- 
linie  hergestellt. 

Darauf  begab  sich  Gatty.  welchem  bei  der  geschilderten  Action  das  Herd 
unter  dem  Leibe  schwer  verwundet  wurde,  zu  dem  Corps-Commandanten,  um  die 
Meldung  über  die  Gefechtslage  zu  erstatten,  worauf  FML.  Schwarzenberg  vorwärts 
eilte  und  die  zur  Behauptung  der  wieder  errungenen  Vortheile  noth wendigen  Dis- 
position traf,  wodurch  die  Aufstellung  des  Corps  bis  zum  Anlangen  der  Brigaden 
Greschke  und  Baltin  des  XI.  Corps  behauptet  werden  konnte. 

Durch  das  selbständige  umsichtige  und  entschlossene  Handeln  Cattys  wurden 
auf  diese  Weise  nicht  nur  die  bereits  verlorenen  Kanonen  rüekerobert,  sondern  das 
Gefecht  im  Gentium  wieder  hergestellt,  und  wesentlich  dazu  beigetragen,  dass  die 
Kämpfe  zwischen  Medole  und  Guidizzolo  mit  der  Festhaltung  des  so  wichtigen 
letzteren  Punktes  ihren  Abschluss  fanden. 

Für  seine  hervorragenden  Leistungen  in  der  Schlacht  bei  Solferino 
wurde  Catly  am  15.  August  1859  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III. 
('lasse  ausgezeichnet. 

Ferner  geruhte  auf  Grund  dieser  Waffenthat  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über  Antrag  des  Capitels  kraft  derCLVIll. 
Promotion  am  17.  October  1859  den  Oberstlieutenant  Adolph  Calty  durch  Ver- 
leihung des  Kleinkreuzes  zum  Bitter  des  Maria  Theresie n-Ordens  zu 
promovieren  und  in  der  Folge,  im  Jahre  18H2,  statutengemäß  in  den  Freiherrn- 
stand des  österreichischen  Kaiserstaates  zu  erheben. 

Im  Jahre  1SG3  fungierte  Oberstlieutenant  Frh.  von  Catty  als  militärisches 
Commissiotismitglied  bei  der  Begehung  der  Brenner-Bahn. 

Am  22.  October  1801  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Obersten. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  18t>0  machte  Oberst 
Frh.  von  Catty  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee  als  Generalstabs- 
ehef  des  III.  Armee -Corps  unter  Seiner  kais.  königl.  Hoheit  FML.  Erzherzog 
Ernst  mit.  Er  wohnte  dem  Geschützkampfe  bei  Königinhof  am  29.  Juni 
bei.  machte  das  Vorpostengefecht  au  der  Bistritz  am  2.  Juli  mit  und  kämpfte 
in  der  Schlacht  bei  Königgrätz  am  'S.  Juli,  wobei  er  durch  den  rechten  Ann 
geschossen  wurde. 

In  Anerkennung  der  vorzüglichen  Leistungen  in  diesem  Feldzuge  geruhte 
Seine  Majestät  der  Kaiser  den  Obersten  Frh.  von  Catty  mit  dem  Orden  der 
Eisernen  Krone  II.  Classe  auszuzeichnen. 

Am  TS.  Juli  18G9  wurde  Oberst  Frh.  von  Catty  außer  der  Bangstour  zum 
Generalmajor  befördert  und  als  Brigadier  zur  III.  Infanterie-Truppen-Division 
eingetheilt,  am  19.  Juni  1*70  zur  II.  Truppen-Division  übersetzt  und  gleichzeitig 
zum  Comiuandanten  des  Central-lufanlerie-Cnrses  ernannt. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-ü.  Johann  Freiherr  von  Appel. 


145 


Mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  6.  September  1874  erfolgte  seine 
Ernennung  zum  Stellvertreter  des  Chefs  des  Generalstabes,  auf  welchem  Posten 
er  am  1.  November  1875  zum  Feldmarschall-Lieutenant  befördert  wurde. 

Ober  seine  Bitte  wurde  er  von  dem  Dienstesposten  als  Stellvertreter  des 
Chefs  des  Generalstabes  am  3.  Juli  1876  enthoben  und  ihm  hiebet  der  Ausdruck 
der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt  gegeben.  Frh.  vonCatty  übernahm 
nun  das  Commando  der  V.  Infanterie-Truppen-Division,  am  2.  November  1879 
aber  jenes  der  IV.  Truppen-Division.  Am  31.  October  1881  wurde  erzürn  Militär- 
Commandanten  in  Pressburg  ernannt. 

Mittels  Allerhöchster  Entschließung  vom  12.  April  1882  wurde  FML.  Frhrn. 
von  Catty  die  Wörde  eines  Geheimen  Rathes  verliehen  und  am  28.  December 
1882  ward  er  zum  Oberst-Inhaber  des  Infanterie-Regiments  Nr.  102  ernannt. 

Am  1.  Jänner  1883  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Commandanten  des 
V.  Corps  und  auf  diesem  Dienstesposten  am  1.  November  desselben  Jahres  seine 
Beförderung  zum  Feldzeugmeister. 

In  Anerkennung  seiner  vorzüglichen  Dienstleistung  wurde  ihm  am  13.  Februar 
1886  der  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  mit  der  Kriegsdecoration  der 
II.  Classe  verliehen. 

Am  24.  September  1889  wurde  FZM.  Frh.  von  Catty  krankheitshalber  auf 
eigenes  Ansuchen  mit  Wartegebür,  jedoch  unter  dem  Vorbehalt  der  Wieder- 
verwendung im  Bedarfsfalle,  beurlaubt,  und  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser 
bei  diesem  Anlasse  ein  Allerhöchstes  huldreiches  Handschreiben  an  ihn  zu  richten 
und  ihm  das  Großkreuz  des  Leopold-Ordens  zu  verleihen. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Johann  Freiherr  von  Appel. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1860.) 

Johann  Ritter  von  Appel  ist  als  Sohn  des  FML.  Joseph  Ritter  von  Appel  am 
11.  November  1826  zu  Sikirewcze  im  Broder  Comitat  in  Slavonien  geboren 
und  folgte  seinem  Vater  schon  im  14.  Lebensjahre  auf  der  militärischen  Laufbahn, 
indem  er  am  1.  September  1840  mit  dem  Eintritte  in  die  Cadeten-Compagnie  zu 
Graz  gleichzeitig  zum  59.  Infanterie-Regiment  als  Regiments-Cadet  assentiert 
wurde.  Am  16.  September  1843  zum  k.  k.  Cadeten  befördert,  wurde  er  am 
2.  November  1843  zum  Kaiser  Ferdinand  4.  Uhlanen-Regiment  transferiert,  am 
16.  September  1844  zum  Lieutenant  und  am  11.  April  1848  zum  Ober- 
lieutenant befördert. 

Als  Oberlieutenant  machte  er  den  Krieg  gegen  Piemont  in  Italien  in  den 
Jahren  1848  und  1849  wie  auch  den  Feld  zu  g  1849  in  Ungarn  mit,  und  zwar  in 
Italien  1848  die  Recognoscierung  von  Bevilacqua  am  20.  April,  den  Angriff  auf 

HitiUrUehbr  Kirn  TWesien-Orden.  10 

Digitized  by  Google 


146  CLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1859. 

die  verschanzten  Linien  bei  Curtatone  am  29.  Mai,  das  Gefecht  bei  Goito  am 
30.  Mai,  die  Einnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni,  das  Gefecht  bei  Somma- 
campagna  am  24.  Juli,  die  Schlacht  bei  Custozza  am  25.  Juli,  das  Nachtgefecht 
bei  Volta  am  26.  Juli  und  die  Einnahme  von  Mailand  am  4.  und  5.  August; 
ferner  in  Italien  1849  die  Schlacht  bei  Novara  am  23.  März;  dann  in  Ungarn  das 
Gefecht  bei  Csanak  am  28.  Juni,  die  Schlacht  bei  Komorn  am  2.  Juli,  die 
Besetzung  von  Pest-Ofen  am  11.  Juli,  die  Schlacht  bei  Szöreg  am  5.  August, 
das  Cavallerie-Gefecht  bei  Csatäd  am  8.  August  und  die  Schlacht  bei  Temesvär 
am  9.  August.  Während  der  beiden  Feldzüge  that  sich  Appel  durch  Umsicht  und 
besondere  Tapferkeit  hervor,  entwickelte  namentlich  in  dem  Feldzuge  in  Ungarn 
persönliche  Bravour  und  Unternehmungsgeist  und  eroberte  in  der  Schlacht  von 
Temesvär  am  9.  August  1 849  eine  feindliche  Kanone.  Für  sein  Verhalten  und  seine 
Leistungen  wurde  er  am  18.  October  1849  mit  dem  Ausdrucke  Allerhöchster 
Zufriedenheit  und  am  10.  Februar  1850  mit  dem  Militär-Verdienstkreuz 
ausgezeichnet. 

Am  16.  August  1850  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Rittmeister  II.  Gasse, 
am  1.  März  1854,  unter  gleichzeitiger  Übersetzung  in  das  König  Ferdinand  II.  von 
Sicilien  12.  Uhlanen-Regiment,  zum  Rittmeister  I.  Classe,  am  15.  März  die  Trans- 
ferierung zum  Adjutanten-Corps  und  am  28.  November  seine  Beförderung  zum 
Major,  worauf  er  am  1.  December  1858  zum  12.  Uhlanen-Regiment  rücktrans- 
feriert wurde. 

Als  Major  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  im 
Jahre  1859  an  der  Spitze  seiner  2.  Division  von  Sicilien-Uhlanen  mit. 

Am  20.  Mai  1859  nahm  er  theil  an  der  scharfen  Recognoscierung  gegen 
Voghera  —  Treffen  bei  Montebello  —  und  zwar  in  der  unter  Befehl  des 
GM.  Prinzen  von  Hessen  stehenden  rechten  Flügel-Colonne.  Von  dem  hei  Calca- 
babbio  stehenden  Gros  der  Brigade  mit  1  Escadron  behufs  Streifung  auf  der  süd- 
wärts gegen  Montebello  und  Cascina  nuova  führenden  Straße  vorgesendet,  stieß 
Appel  500  Schritt  hinter  Gasone  di  Lausi  auf  eine  feindliche,  ungefähr  fünfzig 
Landers  starke  Cavallerie-Abtheilung.  Sein  Avantgarde-Zug  warf  sich  alsogleich 
auf  den  Feind,  während  er  die  drei  übrigen  Züge  der  Escadron  östlich  der  Straße 
aufmarschieren  ließ,  um  den  Feind  in  der  Flanke  zu  fassen  und  von  seiner  Rück- 
zugslinie abzudrängen.  Die  Attaque  des  ersten  Zuges  wurde  jedoch  mit  solcher 
Schnelligkeit  und  Bravour  ausgeführt,  dass  der  Feind  noch  vor  der  thatsächlichen 
Betheiligung  der  übrigen  drei  Züge  an  der  Attaque  geworfen  war  und  sich  mit 
Zurücklassung  mehrerer  Todten  und  Verwundeten  schleunigst  westlich  der  Straße 
gegen  Lazaretto  zurückzog.  Die  bei  diesem  Orte  aufgestellten  feindlichen  Infanterie- 
Abtheilungen  hinderten  jede  weitere  Verfolgung  der  piernontesischen  Cavallerie. 
Während  des  sich  hierauf  entwickelnden  Treffens  von  Montebello  rückte  Major 
Appel  mit  einer  Escadron  unter  entsprechender  Deckung  seiner  rechten  Flanke 
gegen  die  nördlich  von  Cascina  nuova  führende  Eisenbahn  und  bewirkte  die  Ab- 
reißung von  Eisenbahnsclüenen,  um  Nachschübe  feindlicher  Verstärkungen  von 
Tortona  über  Voghera  auf  das  Gefechtsfcld  zu  vereiteln.  Heftiges  Kleingewehrfeuer 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Johann  Freiherr  von  Appel. 


147 


nöthigte  jedoch  Major  Appel,  sich  wieder  außer  des  Schussbereiches  bis  Gasone  di 
Lausi  zurückzuziehen.  Nachdem  sich  hierauf  die  Brigade  zum  Gefecht  entwickelt 
hatte,  wurde  je  eine  Escadron  von  der  Division  Appel  hinter  den  rechten  und 
linken  Flügel  des  ersten  Treffens  echelloniert  und  die  dritte  Escadron  in  Reserve 
aufgestellt. 

Aus  Anlass  der  Verdienste  bei  diesem  Gefechte  erhielt  Major  Appel  mit  dem 
Allerhöchsten  Armee-Befehl  vom  2.  Juni  1859  die  belobende  Anerkennung 
Seiner  Majestät  des  Kaisers. 

An  der  Schlacht  von  Magenta  am  4.  Juni  1859  nahm  die  Uhlanen-Divi- 
sion  des  Majors  Appel  nur  mit  einzelnen  zu  Patrouillierungen  verwendeten  Zügen 
und  in  der  Reserve-Aufstellung  des  V.  Corps,  dann  am  5.  bei  der  Deckung  des 
Rückzuges  Antheil,  ohne  ins  Gefecht  zu  kommen. 

Dagegen  wurde  Major  Appel  von  dem  II.  Armee-Commando  am  21.,  22. 
und  23.  Juni  1859  mit  einem  selbständigen  Streif-Commando  betraut,  dessen 
umsichtige  und  energische  Führung  in  Bezug  auf  die  Aufstellung  der  feindlichen 
Armee  weitgehende  Aufklärung  ergab  und  dadurch  zum  Theil  selbst  auf  die 
Beschleunigung  der  Offensive  des  eigenen  Heeres  mitbestimmend  einwirkte.  Die 
Hauptaufgabe  des  Majors  Appel  bestand  darin,  das  südlich  des  Garda-Sees 
zwischen  dem  Chiese  und  Mincio  liegende  Hügelland  zu  recognoscieren.  Hiezu 
brach  Appel  mit  einer  Escadron  seiner  Division  und  zwei  Geschützen  am  21.  Juni 
um  5  Uhr  nachmittags  von  Valeggio  auf,  verstärkte  sich  in  Monzambano  durch 
eine  von  dem  VIII.  Corps  beigestellte  Escadron  Kaiser-Husaren,  marschierte  bis 
Pozzolengo  und  bezog  dort  das  erste  Bivouac.  Die  in  diesem  Orte  von  den  Ein- 
wohnern eingezogenen  Erkundigungen  über  die  Stellung  und  Stärke  der  nächsten 
feindlichen  Abtheilungen  bestimmten  Major  Appel,  am  22.  Juni  um  3  Uhr  morgens 
von  Pozzolengo  seine  Streifung  gegen  Rivoltella  fortzusetzen.  Feindliche  Angriffe 
aus  der  Richtung  von  Rivoltella  veranlassten  ihn  jedoch,  nicht  nur  von  der 
ursprünglichen,  .nördlichen  Marschrichtung  gegen  Westen  abzuweichen,  sondern 
auch  von  der  anfangs  beabsichtigten  Vorrückung  bis  Lonato  abzustehen.  Appel 
vermochte  in  der  letzteren  Richtung  nur  bis  Contrada  S.  Pietro  vorzudringen. 
Sodann  musste  er  sich  südwärts  gegen  Castel  Venzago  wenden.  Auch  diesen  Ort 
fand  Appel  vom  Feinde  besetzt.  Erst  nachdem  derselbe  vertrieben  war,  setzte  das 
Streif-Commando  über  S.  Rocco  und  Madonna  della  Scoperta  seinen  Marsch  nach 
Solferino  fort,  woselbst  Appel  um  9  Uhr  vormittags  eintraf  und  abfüttern  ließ. 

Von  Solferino  erstattete  er  seinen  ersten  Bericht  über  die  im  Verlaufe  des 
Morgens  gemachten  Wahrnehmungen  und  gesammelten  Nachrichten  an  das 
II.  Armee-Commando.  Er  berichtete,  dass  der  Feind  —  vornehmlich  Piemontesen 
—  in  bedeutender  Stärke  bei  Lonato  und  Desenzano  sich  befand  und  seine  Avant- 
garde bis  Rivoltella  vorgeschoben  hatte. 

Um  12  Uhr  mittags  setzte  Major  Appel  seine  Streifung  fort.  Er  marschierte 
von  Solferino  weiter  südwärts  bis  S.  Cassiano,  dann  südwestlich  quer  durch  die 
Ebene  bis  Medole  und,  nach  längerem  gesicherten  Halt  bei  letzterem  Orte,  von 
dort  ostwärts  zurück  nach  Guidizzolo,  wo  das  Streif-Commando  um  91/,  Ultr  abends 

10* 

Digitized  by  Google 


1 18 


CLVIH.  und  CLIX.  Promotion.    -  Im  Kriege  von  1859. 


einrückte.  Während  dieser  Streifung  entsendete  Appel  Ofh>.iers-Patrouillen  bis 
zur  Stärke  eines  Zuges  und  zwar  südöstlich  nach  Volta,  nördlich  gegen  Castiglione 
delle  Stiviere,  dann  westwärts  zum  C.hiese-Fluss  gegen  Carpenedolo  einerseits, 
gegen  Castel  Goflredo  anderseits.  Diese  Patrouillen  hatten,  mit  Ausnahme  jener 
nach  Volta  entsendeten,  mehrfache  Zusammenstöße  mit  dem  Feinde  zu  bestehen. 
Das  Streif-Commando  hatte  an  diesem  Tage,  von  den  Gefechten  abgesehen. 
50  Kilometer,  einzelne  detachierte  Abtheilungen  nuch  mehr  und  zwar  in  schärferen 
Tempos  zurückgelegt. 

Um  Mitternacht  stattete  Appel  von  Guidizzolo  seinen  zweiten  Bericht  an  das 
II.  Armee-Commando  ab.  Darnach  gehörte  alles,  was  nachmittags  auf  der  Strecke 
von  Castiglione  delle  Stiviere  bis  Castel  Goflredo  entlang  des  Ghiesc  gesehen 
worden  war,  der  französischen  Armee  an.  Laut  den  eingezogenen,  ziemlich 
übereinstimmenden  Nachrichten  sollte  der  Feind  bei  Castiglione,  Castenedolo  und 
Carpenedolo  in  großer  Stärke,  in  dem  letztgenannten  Orte  allein  10.000  Mann 
stark,  stehen. 

Das  Streif-Commando  erlitt  an  diesem  Tage  in  den  verschiedenen  Gefechten 
Verluste  von  1 1  Mann  und  10  Pferden.  Unter  den  Gefallenen  befand  sich  Kittmeister 
Baron  Vecsey  und  Oberlieutenant  Graf  De  la  Motte  von  Kaiser-Husaren  Nr.  1. 

Am  23.  Juni  brach  Major  Appel  um  3  Uhr  früh  von  Guidizzolo  auf  und 
marschierte  südlich  über  Ceresara,  Solarolo  nach  Ca  dell  Gallo,  wo  das  Streif- 
Commando  um  (>  Uhr  früh  eintraf.  Während  des  Marsches  entsendete  Appel  von 
Ceresara  eine  Officiers-Patrouille  südwestlich  über  Piubega  bis  Gazzoldo,  von 
wo  dieselbe  über  Solarolo  nach  Ca  dell  Gallo  zum  Commando  einrückte.  Nach 
den  hiebei  eingezogenen  Nachrichten  waren  in  Ceresara  und  Piubega  tags  zuvor 
französische  CHvallerie-Patrouillen  erschienen.  In  Gazzoldo  hatte  sich  der  Feind 
noch  nicht  gezeigt. 

Major  Appel  stattete  daraufhin  von  Ca  dell  Gallo  um  8  Uhr  morgens  an  das 
II.  Armee-Commando  seinen  dritten  Bericht  ab.  Darnach  schien  es  ihm  keinem 
Zweifel  zu  unterliegen,  dass  sich  der  Feind  zwischen  Carpenedolo,  Castiglione 
delle  Stiviere,  Montechiaro,  Lonato  massierte,  seinen  linken  Flügel  nördlich  bis 
Desenzano  und  Rivoltella  vorgeschoben,  dagegen  südlich  der  Linie  Casalmoro- 
Guidizzolo-Volta  soviel  wie  nichts  stehen  hatte. 

Major  Appel  trat  darauf  von  Ca  dell  Gallo  den  Kückmarsch  über  Goito  an. 
In  letzterem  Orte  mittags  des  23.  durchmarschierend,  fand  er  die  k.  k.  Armee, 
welche  inzwischen  über  Allerhöchsten  Befehl  des  Obersten  Kriegsherrn  die 
Offensive  ergriffen  hatte,  bereits  im  Vormärsche  über  den  Mincio  begriffen  und 
brachte  dem  in  Goito  anwesenden  Coinmandanten  der  1.  Armee.  FZM.  Wimpffen, 
da>  während  der  Streifung  in  Erfahrung  Gebrachte  zur  Kenntnis. 

Um  1  Uhr  nachmittags  traf  Appel  mit  seinem  Streif-Commando  in  Volta 
ein.  Dortselbst  hatte  mittlerweile  Seine  Majestät  der  Kaiser  sein  Hauptquartier 
aulgeschlagen,  so  dass  es  dem  Major  Appel  vergönnt  war,  dem  Obersten 
Kriegsherrn  mündlich  den  allerunterthänigsten  Rapport  über  die  ausgeführte 
Streifung  zu  erstatten. 


Digitized  by  Google 


Rilter  des  M.  T.-O.  Johann  Freiherr  von  Appel. 


149 


Während  der  Recognoscierung  des  Majors  Appel  am  22.  Juni  hatte  die  k.  k. 
Armee  am  linken  Mincio-Ufer  an  demselben  Tage  vom  Allerhöchsten  Armee-Ober- 
commando  ursprünglich  den  Befehl  erhalten,  den  Mincio  am  24.  Juni  früh  zu 
überschreiten.  Als  aber  noch  am  Nachmittag  des  22.  Juni  die  höchst  wichtige  Mel- 
dung des  Majors  Appel  über  Ansammlung  bedeutender  StreitkrAfte  bei  Rivoltella, 
Lonato,  Castiglione  delle  Stiviere  im  Hauptquartier  eintraf,  beschloss  Seine  Majestät 
der  Kaiser,  die  Überschreitung  des  Mincio  durch  die  k.  k.  Arme«1  beschleunigen 
und  bereits  am  23.  Juni  ausführen  zu  lassen. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  in  der  Folge  mit  Allerhöchstem  Armee- 
befehle vom  7.  Juli  1859  dem  Major  Appel  ,  wegen  Tapferkeit  und  Umsicht  als 
Streif-Commandant"  den  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe  allergnädigst 
zu  verleihen. 

In  noch  weit  hervorragenderem  Maße  war  es  jedoch  dem  Major  Appel 
vergönnt,  sich  in  der  Schlacht  bei  Solferino  selbst,  am  24.  Juni  1859,  auszu- 
zeichnen. 

Von  seinem  Streif-Commando  am  23.  um  4  Uhr  nachmittags  in  Volta  ein- 
getroffen, erhielt  er  nach  Abstattung  des  Rapportes  über  seine  Streifung  von 
Seiner  Majestät  dem  Kaiser  den  Allerhöchsten  Befehl,  mit  dem  Streif-Commando 
an  Ort  und  Stelle  Nachtlager  zu  halten  und  erst  andern  Tags  nach  bewirktem 
Abkochen  zu  seinem  V.  Armee-Corps  einzurücken. 

Nachdem  die  dringendsten  Herstellungen  an  Beschlägen  bewerkstelligt 
worden,  war  das  Streif-Commando  um  8  Uhr  früh  am  24.  Juni  zum  Abmarsch 
bereit,  umsomehr.  als  der  am  Morgen  dieses  Tages  hörbare  Kanonendonner  mit 
Sicherheit  annehmen  ließ,  dass  eine  Schlacht  ihren  Anfang  genommen  hatte. 

Doch  stellten  sich  dem  Einrücken  des  Majors  Appel  zu  seinem  V.  Corps,  da  die 
Truppen  alle  Straßen  occupierten.  um  in  die  Schlachtlinie  vorzurücken,  unüber- 
windliche Hindernisse  entgegen.  Auf  eine  aus  diesem  Anlasse  beim  H.  Armee-Corn- 
mando  wegen  seines  Verhaltens  gestellte  Anfrage  erhielt  Appel  die  Weisung,  die 
Truppenmärsche  der  Infanterie  in  keiner  Weise  zu  beirren. 

Trotzdem  brach  er  um  10  Uhr  vormittags  auf.  und  es  gelang  ihm,  die  nach 
Cavriana  führende  Straße  zu  gewinnen  und,  ungeachtet  der  Verstopfung  derselben 
durch  Fuhrwerk,  in  der  Richtung  gegen  Solferino  vorzudringen.  Die  zum  Streif- 
Commando  vom  VIII.  Corps  beigestellte  Husaien-Escadron  wurde  dabei  infolge 
eines  früher  vom  II.  Annee-Commando  ergangenen  Befehls  nach  Pozzolcngo  ein- 
rückend gemacht. 

Unweit  Cavriana  stieß  Appel  bereits  auf  weichende  Theile  des  I.  Corps.  Er 
bewirkte  deren  Ralliierung,  und  ließ  dieselben  summt  seinen  zwei  Geschützen 
nordöstlich  Cavrianas  eine  Aumahmsstellung  beziehen,  um  das  eventuelle  Vor- 
rücken des  Feindes  von  S.  Cassiano  aus  thunlichst  aufzuhalten  und  den  ferneren 
Rückzug  der  Infanterie  zu  decken. 

Zu  diesem  Zwecke  wies  der  gegen  3  Uhr  nachmittags  von  Cavriana  kom- 
mende FML.  Graf  Clam,  welchem  sich  Appel  zur  Verfügung  stellte,  diesem  von 
Kampfeifer  durchglühten  Reiteroffieier  zum  Ersätze  für  die  vorher  zum  VIII.  Corps 


Digitized  by  Google 


1 50  CLV'm.  und  CLIS.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

einrückend  gemachte  Escadron  des  1 .  Husaren-Regiments  eine  Husaren-Escadron 
von  Graf  Haller  Nr.  12  zu. 

Da  sich  jedoch  die  Anstrengungen  des  Feindes  bloß  directe  auf  die  Westfront 
Cavrianas  richteten,  so  beschloss  Appel  nach  Abzug  des  I.  Corps,  sich  am  westlichen 
Ausgang  von  Cavriana  zu  postieren,  um  dort  am  Kampfe  nach  Thunlichkeit 
Antheil  zu  nehmen.  Bei  Passierung  des  genannten  Ortes  stieß  er  auf  retirierende 
Theile  des  VII.  Corps,  säumte  daher  nicht,  sich  dem  FML.  Zobel  zur  Verfügung 
zu  stellen.  Auch  da  wurde  ihm  die  Aufgabe  zutheil,  sich  an  der  Deckung  des 
bereits  allgemein  gewordenen  Rückzuges  nach  eigenem  Ermessen  zu  betheiligen. 

Nachdem  er  sah,  dass  noch  die  Armee-Division  des  FML.  Prinzen  von 
Hessen  die  nahe  gelegenen  Höhen  zu  beiden  Seiten  der  nach  S.  Cassiano  führenden 
Straße  gegen  den  heftig  andrängenden  Feind  behauptete,  nahm  er,  —  um  zu 
deren  Unterstützung  möglichst  schnell  bei  der  Hand  zu  sein  —  unmittelbar  vor 
Cavriana  Stellung. 

Die  Husaren-Escadron  disponierte  er  dergestalt  in  die  südlich  gegen  die 
Ebene  von  Guidizzolo  mündende  Einsattlung,  dass  er  einem  vou  dort  aus  kommen- 
den ReiterangrifT  entgegenwirken  konnte;  die  Uhlanen-Escadron  ließ  er  rechts 
von  der  nach  S.  Cassiano  führenden  Straße  eine  gedeckte  Aufstellung  nehmen  und 
placierte  die  beihabenden  zwei  Cavallerie-Geschütze  auf  einem  dominierenden 
Punkt  hinter  derselben. 

Darauf  ritt  Major  Appel  von  der  Truppe  behufs  genauerer  Recognoscierung 
des  vorliegenden  Terrains,  ungeachtet  des  heftigsten  Kugelregens,  gegen  den 
Feind  vor. 

Da  bemerkte  er  in  dem  Momente,  als  der  Feind  am  heftigsten  zu  drängen 
und  ein  Theil  der  eigenen  Truppe  die  gedachten  Höhen  schon  zu  räumen  begann, 
starke  Schwärme  feindlicher  Tirailleurs,  die  sich  mit  der  Absicht  heranschlichen, 
sich  des  Detiles  zu  bemächtigen,  welches  die  Brigaden  Wussin  und  Brandenstein 
trennte. 

In  diesem  kritischen  Momente  führte  er  mit  raschem  Entschluss  den  ihm 
zunächst  zur  Verfügung  stehenden  Theil  der  Uhlanen  zur  Attaque  vor. 

Dieses  eben  so  plötzliche  als  unerwartete  Hervorbrechen  der  Cavallerie  und 
ihr  Hurrah-Geschrei  ermuthigte  diejenigen  eigenen  Infanterie-Abtheilungen,  welche 
schon  im  Zurückgehen  begriffen  waren,  zur  Umkehr  und  Einleitung  eines  Sturm- 
angriffs auf  den  lebhaft  drängenden  Gegner,  so  dass  dieser  —  eine  stärkere 
Cavallerie-Macht  vermuthend  —  augenblicklich  vom  Nachdrängen  abließ,  und  die 
Division  Prinz  Hessen  sich  zu  beiden  Seiten  der  Straße  abermals  festsetzen  konnte. 

Die  feindlichen  Tirailleurs  flohen  vor  dein  Reiter-Anprall,  während  derer« 
massenhafte  Unterstützungen  aus  den  schon  gebildeten  Sturm-Colonnen  auf  den 
Bergkuppeu  Carres  formierten  und  ihr  Geschütz-  und  Kleingewehrfeuer  gegen  die 
Uhlanen  eröffneten. 

Dabei  wurde  Appel  durch  einen  Flintenschuss  im  Gesicht  sc.hwerstcns  getroffen. 

Trotzdem  stellte  er  den  weiteren  Angriff  erst  dann  ein,  als  er  die  sich  selbst 
gestellte  Aufgabe  —  den  Feind  zu  einer  langsameren  und  mehr  vorsichtigen  Ver- 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  Johann  Freiherr  von  Appel. 


151 


folgung  zu  veranlassen  —  gelöst  sah.  Aber  auch  dann  begab  er  sich  nicht  früher 
auf  den  Verbandplatz,  als  nach  vollständiger  Ralliierung  seiner  Abtheilung. 

Die  Verwundung  des  Majors  Appel  war  eine  so  schwere,  dass  er  infolge  der- 
selben das  linke  Auge  verlor  und  seitdem  eine  „Schlik-Binde*  über  dem- 
selben trägt. 

Die  aus  eigenem  Antriebe  in  einem  der  kritischesten  Momente  der  Schlacht 
vollführte  Reiterwaffenthat  des  Majors  Appel  übte  nicht  nur  einen  sehr  günstigen 
Einfluss  auf  den  Geist  der  Mannschaft,  sowie  ein  anfeuerndes  Beispiel  auf  die  noch 
standhaltenden  Infanterie-Abtheilungen,  sondern  trug  —  im  Verein  mit  seinem 
vorangegangenen  umsichtigen,  energischen  und  tapferen  Verhalten  —  auch  wesent- 
lich dazu  bei,  den  Rückzug  der  Division  Prinz  Hessen  durch  den  Ort  Cavriana 
zu  decken. 

In  Allerhöchster  Würdigung  dieser  Leistungen  wurde  zunächst  mittels  Armee- 
Befehls  vom  17.  Deceniber  1859  Major  Johann  Ritter  von  Appel  „für  Auszeichnung 
bei  Solferino"  mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold-Ordens  decoriert  und  mit 
Allerhöchstem  Handschreiben  vom  28.  Jänner  1860  „in  gnädiger  Anerkennung  der 
mit  besonderer  Umsicht  und  ausgezeichneter  Tapferkeit  vor  dem  Feinde  geleisteten 
guten  Dienste*  in  den  erblichen  Freiherrnstand  der  österreichischen  Kaiser- 
staates erhoben. 

Die  höchste  militärische  Auszeichnung  wurde  dem  Majoren  Frh.  von  Appel 
jedoch  zutheil,  als  ihn  Seine  Majestät  der  Kaiser  als  Erhabener  Großmeister 
durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  mittels  nachfolgenden  Armee-Befehls  dd.  Wien 
am  21.  Mai  1860,  Nr.  47,  —  CLK.  Promotion  —  zum  Ritter  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren  geruhte: 

„Die  ganz  ausgezeichneten  Leistungen  des  Majors  Johann  Freiherr  von  Appel 
des  Uhlanen-Regiments  König  beider  Sicilien  Nr.  12  in  der  Schlacht  von  Solfe- 
rino lassen  Mir  denselben  als  der  Aufnahme  in  den  Maria  Theresien  -  Orden 
würdig  erscheinen,  daher  Ich  ihn  zum  Ritter  dieses  Ordens  ernenne. 

Kran  z  Joseph  m.  p." 

Am  19.  Februar  1863  wurde  Major  Frh.  von  Appel  unter  gleichzeitiger  Trans- 
ferierung  zum  Uhlanen- Reginiente  Kaiser  Franz  Joseph  Nr.  4  zum  Oberst- 
lieutenant, und  am  29.  October  1863  zum  Obersten  befördert. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  Oberst 
Frh.  von  Appel  den  Feldzug  gegen  Preußen  in  der  Nord-Armee  als  Brigadier  der 
1.  leichten  Cavallerie-Division  unter  GM.  Frh.  von  Edelsheim  mit.  Er  kämpfte  in  den 
Gefechten  bei  Langenbruck  am  24.  Juni,  bei  Sichrov  am  26.  Juni,  zwang  in 
dem  Avantgarde-Gefecht  bei  Jicin  am  28.  Juni  ein  preußisches  Detachement 
zum  Rückzüge  von  diesem  äußerst  wichtigen  Punkte,  kämpfte  ferner  in  dem 
Treffen  bei  Jicin  am  29.  Juni  und  in  der  Schlacht  bei  Königgrütz  am  3.  Juli  und 
that  sich  auch  in  diesem  Kriege  bei  jeder  Gelegenheit  durch  besondere  Umsicht, 
Energie  und  Tapferkeit  hervor. 


Digitized  by  Google 


Ii 


Fr 

O) 

Ce 
ve; 
dei 
Ce 

Li» 

anh 
ent) 
Inst 
dun 

des 


Com 
in  H 
am  ^ 
zum 

Infan 
zum 
zeitig 
dieroi 

Majes 
Allel 


gebore 
1.  Juli 
Am  16. 
1835  zi 
standen 


Digitized  by  Google 


152  CLVIII.  und  CLLX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 

In  Anerkennung  seiner  Leistungen  in  dem  Kriege  von  1866  wurde  Oberst 
Frh.  von  Appel  mittels  Allerhöchster  Entschließung  vom  3.  October  1866  mit  dem 
Orden  der  Eisernen  Krone  II.  Glasse  ausgezeichnet. 

Am  16.  November  1866  wurde  Oberst  Frh.  von  Appel  zum  Commandanten  des 
Gentral-Gavallerie-Curses  in  Wien  ernannt,  auf  diesem  Dienstposten  am  9.  No- 
vember 1867  zum  Generalmajor  befördert,  weiterhin  am  28.  Jänner  1874  mit 
dem  Gommando  der  XXV.  Infanterie-Truppen-Division  unter  Fortführung  des 
Gentral-Gavallerie-Gurses  betraut. 

Am  1.  November  1874  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant. 

Mittels  Allerhöchster  Entschließung  vom  23.  September  1875  wurde  Appel 
anlässlich  der  Sistierung  des  Gentral-Gavallerie-Curses  vom  Gommando  desselben 
enthoben  und  in  Anerkennung  seiner  während  der  mehrjährigen  Leitung  dieses 
Institutes  geleisteten  vorzüglichen  und  vom  besten  Erfolge  begleiteten  Dienste 
durch  das  Gommandeurkreuz  des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegsdecoration 
des  Ritterkreuzes  ausgezeichnet. 

Am  6.  April  1881  wurde  ihm  die  Geheime  Raths  würde  verliehen. 

Am  2.August  1881  erfolgte  die  Ernennung  des  FML.  Frh.  vonAppel  zum  Militär- 
Gommandanlen  in  Tcmesvär,  am  8.  April  1882  jene  zum  Militär-Gotnmandanten 
in  Hennannstadt,  am  1.  Mai  1882  jene  zum  General  der  Gavallerie  alhonon»; 
am  9.  August  1882  jene  zum  Gommandierenden  General  in  Sarajevo  und 
zum  Ghef  der  Landesregierung  in  Bosnien  und  der  Hercegovina. 

Am  28.December  1882  wurde  FML.  Frh.  vonAppel  zum  Oberst-Inhaber  des 
Infanterie-Regiments  Nr.  60  ernannt;  am  1.  Jänner  1883  erfolgte  seine  Beförderung 
zum  General  der  Gavallerie  und  —  infolge  der  neuen  Organisation  —  gleich- 
zeitig seine  Ernennung  zum  Conimandanten  des  XV.  Armee-Gorps  und  Gomman- 
dierenden General  in  Sarajevo. 

Anlasslich  seines  fünfzigjährigen  Dienst-Jubiläums  geruhte  Seine 
Majestät  der  Kaiser  diesen  hochverdienten  General  am  28.  August  1886  durch  ein 
Allerhöchstes  Handschreiben  allergnädigst  auszuzeichnen. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
David  Freiherr  Urs  de  Margina. 

(Mit  Bildnis  ans  dem  Jahre  1859.) 

David  Urs  de  Margina  wurde  im  Jahre  1816  zu  Margine  in  Siebenbürgen 
geboren  und  als  Zögling  des  Naszoder  Reginients-Knaben-Eiziehungshauses  am 
1.  Juli  1834  beim  1.  Romanen-Grenz-Infanterie  Nr.  16  als  Gemeiner  enroliert. 
Am  16.  Jänner  zum  Gefreiten,  am  1.  Mai  1835  zum  Gorporal  und  am  16.  Juli 
1835  zum  Feldwebel  befördert,  durchlief  er  alle  Ghargengrade  des  Mannschafts- 
slandes  und  diente  bis  1.  März  1841  als  Unterofficier,  indem  er  an  diesem  Tage 


Digitized  by  Google 


Fr 
O 

C< 
ve 
de 
Ct 

Li 

an 
en 
ln.< 
du 

de! 


Co 
in 
am 
zur 

Inf: 
zur 
zeit 
die 

Ma. 

Ali 


1.  J 
Am 
183 
slai 


Digitized  by  Google 


SOLFKKINO«  £*t.  JU111  1B59. 

Druck  vF  Kurql 


Digitized  by  Google 


Ritter  den  M.  TO.  David  Freiherr  fr*  de  Margina. 


153 


nach  einer  nahezu  siebenjährigen  Dienstzeit  zum  Unterlieutenant  11.  Classe 
befördert  wurde.  Am  16.  August  1818  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Unter- 
lieutenant  I.  Classe  und  am  20.  October  1848  zum  Oberlieutenant. 

Als  Oberlieutenant  machte  er  die  Feldzüge  1848  und  1849  in  Ungarn 
mit  und  zwar  focht  er  1848  in  Siebenbürgen  am  5.  November  in  dem  Gefecht 
bei  Maros  Väsärhely  und  bei  der  Erstürmung  von  Lorintzfalva,  am 
5.  December  in  dem  Scharmützel  bei  Crmös,  am  22.  December  in  dem  Gefecht 
bei  Hidveg  mit.  Im  Feldzuge  1849  kämpfte  er  am  28.  Juli  in  dem  Treffen  bei 
Szemerja,  am  Hl.  Juli  in  dem  Avantgarde-Scharmützel  bei  Käszon-Ujfalu 
und  am  1.  August  in  dem  Gefecht  bei  Bükszäd  mit.  Für  die  in  dem  letzten 
Gefechte  bewiesene  Tapferkeit  wurde  Urs  mit  dem  Militär-Verdienst  kreuz 
ausgezeichnet. 

Am  30.  August  1819  zum  Hauptmann  II.  Classe  befördert,  ward  er  am 
19.  November  1850  zum  3i.  Infanterie-Regiment  transferiert,  avancierte  am 
2i.  Jänner  1851  zum  Hauptmann  I.  Classe  und  am  5.  Mai  1859  unter  gleichzeitiger 
Transferierung  zum  52.  Infanterie-Regiment  zum  Major. 

Als  Bataillons-Commandant  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich 
und  Piemont  in  Italien  1859  mit  und  zeichnete  sich  in  der  Schlacht  bei 
Solferino  durch  vierstündige  heldennuithige  Behauptung  Medoles  mit  10  Gom- 
pagnien  und  2  Geschützen  gegen  die  ganze  französische  Truppen-Division  Luzy 
hervorragend  aus. 

Am  23.  Juni  1S59.  nach  Wiederergreifung  der  Offensive  und  Überschreitung 
des  Mincio  durch  die  k.  k.  Armee,  hatte  die  aus  dem  52.  Infanlerie-Regimente 
Er/herzog  Franz  Carl,  dein  1.  Jäger-Bataillon  und  der  sechspfündigen  Fußbatterie 
Nr.  2  IX  bestehende  Brigade  des  GM.  Frh.  von  Blumencron  der  Division  FML.  Grafen 
Crenneville  im  IX.  Corps,  das  Lager  nordwestlich  vor  Guidizzolo  und  links  der 
von  diesem  Orte  nach  Castiglione  delle  Stiviere  führenden  Chaussee  bezogen  und 
das  1.  Jäger-Bataillon  nach  Ca  Morino  auf  Vorposten  vorgeschoben.  Auf  die  Mel- 
dung, dass  die  diesem  Bataillon  zur  Besetzung  zugewiesene  Strecke  zu  ausgedehnt 
sei,  erhielt  Major  Urs  von  dem  GM.  Frh.  von  Blumencron  um  1  Uhr  nachmittags  den 
mündlichen  Auftrag,  mit  4  Compagnicn  des  unter  seinem  Commando  stehenden 
1.  Feldbataillons  von  Erzherzog  Franz  Carl  zur  Verstärkimg  des  4.  Jager-Bataillons 
vorzurücken. 

Nach  seinem  Eintreffen  bei  Ca  Morino  bekam  Major  Urs  von  dem  rangs- 
älteren Majoren  Grafen  Bernstorff  im  Sinne  des  diesbezüglichen  Corps-Befehls 
den  Auftrag,  mit  seinem  ganzen  Bataillon  Medole  zu  besetzen  und  die 
Vorposten  auf  der  Linie  von  Ca  Morino  bis  Gambaredoletto  auszustellen.  Urs 
sandte  nun  seinerseits  der  im  Lager  zurückgelassenen  Mittel-Division  den  Befehl 
zu.  ihm  sogleich  nach  Medole  zu  folgen  und  setzte  sich  mit  den  beiden 
anderen  Divisionen  und  einem  halben  Zug  des  König  von  Sicilien  Uhlancn- 
Regiments  Nr.  12  unter  Beobachtung  aller  Vorsichtsmaßregeln  in  Marsch,  da  er 
die  Nachricht  erhalten  hatte,  dass  Medole  vom  Feinde  besetzt  sei.  Er  stieß  dort 
auch  thatsächlich  auf  eine  halbe  Escadron  feindlicher  Cavallerie,  die  aber  zum 


Digitized  by  Google 


154 


CLVm.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Abziehen  genöthigt  wurde.  Mittlerweile  war  auch  seine  Mittel-Division  zu  ihm 
gestoßen  und  er  verwendete  zur  Besetzung  der  Vorposten-Linie  von  Ca.  Morino 
bis  gegen  Ceresole  die  1.,  2.,  3.,  zur  Besetzung  von  Ceresole  und  der  weitern  Vor- 
posten-Linie gegen  Gambaredoletto  die  4.  und  zur  Besetzung  von  Medole  selbst 
die  5.  und  6.  Compagnie. 

Bei  der  sechs  Viertelmeilen  betragenden  Ausdehnung  seiner  Vorpostenlinie, 
wurde  er  erst  gegen  Mitternacht  mit  der  Aufstellung  vollständig  fertig.  Nach  den 
Aussagen  der  Landleute  stand  der  Feind  in  Massen  bei  Castiglione  delle  Stiviere 
und  Carpenedolo. 

In  der  That  meldeten  die  Vorposten  des  Majoren  Urs,  und  zwar  schon  um 
Vjt  Uhr  nach  Mitternacht,  dass  in  den  feindlichen  Lagern  bei  Castiglione  und 
Carpenedolo  alarmiert  werde.  Da  er  die  diesfäiligen  Signale  selbst  vernahm,  ent- 
sendete er  sofort  Cavallerie-Patrouillen  nach  beiden  Richtungen  und  erlheilte  unter 
einem  seinen  Vorposten  den  Befehl,  für  den  Fall  eines  Angriffs  thunlichslen  Wider- 
stand zu  leisten  und  sich  fechtend  und  nur  notgedrungen  auf  Medole  zurück- 
zuziehen. Der  Zweck  dieser  Anordnung  war,  den  Feind  möglichst  lange  von 
Medole  fern  zu  halten  und  so  den  Zeitpunkt  des  Beginns  der  Verteidigung 
dieses  Ortes  selbst  thunlichst  hinaus  zu  schieben. 

Um  21/»  Uhr  nach  Mitternacht  meldeten  die  ausgesandten  Cavallerie- 
Patrouillen  das  Anrücken  des  Feindes  sowohl  von  Carpenedolo,  als  auch  von 
Castiglione  delle  Stiviere.  Gleichzeitig  fielen  die  Alarmschüsse  der  Vedetten. 

Urs  beauftragte  nun  die  zur  Besetzung  des  Ortes  Medole  bestimmte  linke 
Flügel -Division  seines  Bataillons,  sich  zur  Verteidigung  des  dem  anrückenden 
Feinde  zugewandten  Theiles  der  Ortsumfassung  in  Bereitschaft  zu  setzen  und 
Patrouillen  bis  zu  den  Vorposten  zu  entsenden. 

Um  27t  Uhr  griff  der  Feind  die  Letzteren  emstlich  an. 

Am  Abend  zuvor,  zwischen  9  und  10  Ubr,  war  die  Cavallerie-Division  der 
I.  Armee  bei  Medole  eingetroffen  und  hatte  am  nordöstlichen  Ende  dieses  Ortes 
hinter  dem  Friedhofe  das  Lager  bezogen.  Unmittelbar  vor  Mitternacht  war  schließ- 
lich auch  das  Grenadier-Bataillon  von  Erzherzog  Franz  Carl  mit  2  Geschützen  der 
Brigade-Batterie  unter  Commando  des  Majoren  Frh.  von  Mylius  in  Medole  ein- 
getroffen und  hatte  sich  im  Orte  selbst  gelagert 

Als  nun  in  der  Nacht  das  Gefecht  begann,  machte  Urs  dein  Brigade-Com- 
niando  Meldung.  Dieselbe  ließ  er  in  Medole  selbst  durch  seinen  Bataillons- 
Adjutanten  Frh.  von  Coudenhove  dem  rangsälteren  Majoren  Frh.  von  Mylius  mit 
der  gleichzeitigen  Bitte  machen,  derselbe  wolle  zur  übernähme  der  Leitung  des 
engagierten  Gefechtes  entweder  persönlich  vorkommen,  oder  aber  dieselbe  ihm 
(Urs)  übertragen,  worauf  der  genannte  Adjutant  dem  Majoren  Urs  den  Bescheid 
brachte,  dass  Major  Frh.  von  Mylius  ihm  nebst  seinem  1.  Bataillon  und  dem 
halben  Cavallerie-Zug  auch  noch  die  zwei  Geschütze  zur  Verfügung  stelle,  und 
sich  nur  über  das  eigene  Grenadier-Bataillon  zu  disponieren  vorbehalte. 

Major  Urs  placierte  nun  die  vorgefahrenen  Geschütze  an  dem  Vereinigungs- 
punkte der  von  Castiglione  delle  Stiviere  und  Carpenedolo  gegen  Medole 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-0.  David  Freiherr  Cr«  de  Margina 


155 


führenden  Straßen  und  vervollständigte  so  die  Besetzung  dieses  Theiles  der  Orts- 
umfassung. 

Da  sich  weiters  auf  der  Straße  von  Carpenedolo  feindliche  Cavallerie- 
Abthcilungen  gezeigt  halten,  so  unterließ  er  nicht,  hievon  auch  die  Cavallerie- 
Division  in  deren  Lager  hinter  Medole  zu  avisieren. 

Seine  Vorposten  hatten  inzwischen  einen  tiefen  Wassergraben,  etwa  300 
Schritte  vor  Medole,  besetzt  und  hielten  in  dieser  Stellung  im  Vereine  mit  den 
Geschützen  das  Vordringen  des  Feindes  in  der  Front  bis  gegen  4  Uhr  früh  hin. 

Um  diese  Stunde  wurden  die  Vorposten  durch  das  Vorbrechen  starker 
feindlicher  Colonnen  —  wie  sich  spater  ergab,  der  8.000  bis  10.000  Mann  starken 
Division  unter  dem  französischen  General  de  Luzy  —  auf  der  Straße  von  Carpene- 
dolo und  gegen  die  beiden  Flanken  namentlich  aber  gegen  die  rechte,  bemüssigt, 
sich  nach  Medole  selbst  zurückzuziehen. 

Von  4  Uhr  an  kämpften  die  Abtheilungen  an  der  Umfassung  des  Ortes  mit 
dem  Feinde,  wobei  Urs,  persönlich  dem  heftigsten  feindlichen  Feuer  ausgesetzt, 
das  Gefecht  ununterbrochen  leitete. 

Obgleich  die  Aufgabe  der  Vorposten  kein  so  hartnäckiges  Gefecht,  wie  das 
durch  Major  Urs  geführte  bedingt,  auch  der  bereits  berührte  Corps-Befehl  keine 
Vertheidigung  Medoles  um  jeden  Preis  gebot,  Urs  daher  durch  zweistündigen 
Widerstand  gegenüber  erdrückender  Obermacht  wohl  seiner  Pflicht  genügend 
entsprochen  hatte,  und  sich  mit  seinem  Bataillone  zurückziehen  konnte,  ohne  sich 
einer  Verantwortung  auszusetzen,  so  glaubte  er  nach  genauer  Erwägung  doch  aus 
jenem  Corps-Befehl  schließen  zu  sollen,  dass  man  auf  die  Erhaltung  des  Ortes 
Medole  einen  besonderen  Wert  legen  müsse,  und  zwar  umsomehr,  als  gegen 
Mitternacht  Verstärkung  dahin  gekommen  war.  Dieser  Unistand,  sowie  die  eigene 
Erkenntnis  der  Wichtigkeit  Medoles  für  die  weitere  Vorrückung  der  k.  k.  Armee, 
ließen  Major  Urs  den  festen  Entschluss  fassen,  Medole  auf  das  äußerste  zu 
vertheidigen.  Und  so  kämpfte  er  denn  um  den  Besitz  dieses  Punktes  auf  das 
hartnäckigste  weiter. 

Während  die  ungestümen  feindlichen  Angriffe  auf  den  westlichen  Eingang 
des  Ortes  durch  die  Lieutenants  Munker  und  Sessler  unter  Mitwirkung  der 
Geschütze  sammt  deren  Bedeckung  mit  seltener  Bravour  zurückgewiesen  wurden, 
sah  sich  Urs  genöthigt,  den  auf  seinem  rechten  Flügel,  gegen  den  so  vielfach  über- 
legenen Feind  mit  der  2.  Füsilier-Compagnie  kämpfenden  Hauptmann  Laudcn- 
bacher  durch  die  ganze  5.  Füsilier-Compagnie  unter  Hauptmann  Bittner  und 
hierauf  auch  durch  die  halbe  3.  Füsilier-Compagnie  unter  Oberlieutenant  Bello- 
braidic  zu  verstärken. 

Gleich  darauf  musste  Urs  infolge  eines  Zwischenfalls  bald  auch  zur  Unter- 
stützung seines  linken  Flügels  eilen.  Die  nach  Ceresole  disponierte,  den  äußersten 
linken  Flügel  bildende  4.  Füsilier-Compagnie  hatte  sich  nämlich  irrthümlich  der  ab- 
ziehenden Cavallerie-Division  angeschlossen,  und  dem  Feinde  gelang  es.  die  infolge 
dessen  auf  dem  linken  Flügel  allein  fechtende  halbe  1.  Füsilier-Compagnie  —  trotz 
des  hartnäckigsten  Widerstandes  des  Commandanten  derselben,  Oberlieutenantü 


Digitized  by  Google 


156  OLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  -   Im  Kriege  von  1859. 

Sostaric  —  in  den  Ort  zurückzudrängen.  Auf  die  Meldung  liievon  eilte  Urs  mit  der 
halben  C.  Compagnie  dahin.  An  der  Spitze  dieser  Abtheilung  fiel  Lieutenant 
Magyar  den  eingedrungenen  Feind  mit  dem  Bajonnett  an  und  trieb  ihn  wieder  ins 
Freie.  Dadurch  war  das  Gefecht  am  linken  Flügel  wieder  hergestellt. 

Der  rechte  Flügel  war  indessen  trotz  der  ihm  zugesandten  Verstärkungen 
nicht  in  der  Lage,  die  gegen  denselben  vordringenden  feindlichen  Massen  auf- 
zuhalten, sondern  musste  im  Gegentheil  fechtend  zurückweichen,  worauf  sich  Urs 
genöthigt  sah,  eine  weitere  Unterstützung  dieses  Flügels  beim  Majoren  Frh.  von 
Mylius  anzusuchen.  Gleichzeitig  musste  er  auch  seine  Mitte  von  der  äußeren 
Umfassung  des  Ortes  zurückziehen  und  sich  auf  die  Vertheidigung  eines  mehr 
rückwärts  liegenden  Ortsabschnittes  beschränken. 

Mittlerweile  war  es  ö1/,  Uhr  geworden  Um  diese  Zeit  war  GM.  Frh.  von 
Blumencron  von  Guidizzolo  auf  dem  Kampfplatze  bei  dem  Major  Urs  eingetroffen 
und  rief  diesem  zu : 

„Gehen  Sie  zurück,  Sie  sind  von  allen  Seiten  umringt." 

„Ich  kann  mich  noch  halten,*  meldete  Urs  zurück. 

Darauf  munterte  General  Blumencron  selbst  die  Mannschaft  zu  weiterem 
Widerstande  auf,  ritt  zum  Grenadier-Bataillon,  und  stellte  dasselbe  zur  Aufnahme 
des  Majoren  Urs  auf. 

Ungeachtet  der  inzwischen  erfolgten  kräftigen  Unterstützung  des  rechten 
Flügels  durch  zwei  Grenadier- Compagnien  musste  derselbe  schließlich  den  immer 
stärker  andrängenden  Massen  der  Division  de  Luzy  doch  weichen.  Dadurch  wurde 
die  Rückzugslinie  des  Majors  Urs  im  höchsten  Grade  gefährdet.  Überdies  hatten 
sich  seine  Abtheilungen  im  Orte  gänzlich  verschossen.  Dies  nöthigte  ihn.  nach 
ü  Uhr  den  Rückzug  anzuordnen.  Kr  ralliierte  vorerst  sein  auf  ein  Häufchen  zu- 
sammengeschmolzenes Bataillon  am  Ausgange  des  Ortes  hinter  der  dort  aufge- 
stellten 3.  Grenadier-Cornpagnie,  wo  sich  auch  der  durch  einen  Sturz  verletzte 
Major  Frh.  von  Mylius  befand,  und  sammelte  darin  unter  energischer  Mitwirkung 
des  GM.  Frh.  von  Blumencron  und  unter  dem  Schutze  einer  außerhalb  des  Ortes 
formierten  starken  Plänklerkette,  sowie  der  ebendort  aulgestellten  Division  des 
König  von  Bayern  Husaren-Regiments  Nr.  \i.  neben  den  Resten  seines  1.  Füsilier- 
Bataillons,  auch  die  des  Grenadier-Bataillons.  Nachdem  die  Abtheilungen  beider 
Bataillone  beisammen  waren,  setzte  Major  Urs  den  Rückzug  im  Angesichte  des 
Feindes,  jedoch  nur  von  seinem  heftigen  Geschützfeuer  verfolgt,  weiter  fort  und 
erreic  hte  nach  7  Uhr  früh  die  übrigen  Abtheilungen  der  Brigade. 

Die  vorgeschilderte  Waffenthat  —  die  vierstündige  Behauptung  Medoles 
gegenüber  vier-  bis  fünffacher  Übermacht  —  stellt  sich  umso  glanzvoller  dar,  als 
das  sehr  bedeckte  und  durchschnittene,  keine  Aussicht  gewährende  Terrain  um 
Medole  und  die  auf  sechs  Viertelmeilen  ausgedehnte  Vorpostenstrecke  des  Majoren 
Urs,  durch  welche  ihm  anfangs  vier  Compagnien  seines  Bataillons  sozusagen  aus 
der  Hand  genommen  waren,  die  Vertheidigung  überaus  erschwerten. 

Der  officielle  Schlachtbericht  des  Gegners  im  „Moniteur"  selbst  anerkannte 
und  bestätigte  die  außerordentliche  Bedeutung  der  Vertheidigung  von  Medole. 


Digitized  by  Google 


I 

Rilter  de«  M.  T.-O.  Gu»Uv  Adolph  Freiherr  von  Neubauer. 


157 


Das  Verdienst  um  dieselbe  kommt  aber  ausschließlich  den  bezeichneten 
Abiheilungen  unter  Major  Urs  zu,  da  am  Schlachttage  andere  Truppen  der  k.  k. 
Armee  weder  früher  noch  später  Medole  betreten  haben.  Der  Verlust  der  beiden 
Bataillone  an  Todten.  Verwundeten  und  Vermissten  betrug  18  Oberoflieiere  und 
622  Mann;  jener  der  Uhlanen  3  Mann,  endlich  jener  der  Artillerie  1  Officier, 
7  Mann,  5  Pferde  und  ein  demontiertes  Geschütz.  Diese  bedeutenden  Verluste 
waren  eine  Folge  der  selbst  von  dem  Gegner  anerkannten  heldenmütigen  Aus- 
dauer sämmtlicher  Abtheilungen  in  einem  so  ungleichen  vierstündigen  Kampfe. 
Doch  durch  die  blutigen  Opfer  dieser  tupferen  Abtheilungen  wurde  die  k.  k.  Armee 
vor  weitaus  größeren  Nachtheilen  bewahrt. 

Für  diise  hervorragende  Leistung  in  der  Sehlacht  bei  Solferino  wurde 
Major  Urs  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Glasse  ausgezeichnet. 

Ferner  geruhte  auf  Grund  dieser  Waffen! hat  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über  Antrag  des  Capitels  kraft  der 
(1LVHI.  Promotion  vom  17.  October  1859  den  Major  David  Urs  de  Margina 
durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien- 
Ordens  zu  promovieren  und  in  der  Folge  statutengemäß  in  den  österreichischen 
Freiherrnstand  zu  erheben. 

Am  1.  Februar  1860  zum  64.  Infanterie-Regiment  transferiert,  wurde  Major 
Urs  am  14.  November  1861  zum  Oberstlieutenant  und  am  29.  October  1863 
zum  Obersten  befördert  Als  solcher  trat  er  am  18.  December  1864  in  den 
Ruhestand. 

Der  Krieg  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  rief  ihn  indessen 
wieder  zu  den  Fahnen.  Als  ob  ihm  vom  Geschick  beschieden  gewesen  wäre,  stets 
auf  Posten  zu  stehen  und  zu  kämpfen,  wo  es  am  schärfsten  her^ieng  und  feind- 
licher Obermacht  die  Spitze  zu  bieten  war,  wurde  er  mit  dem  Insel-  und  Festungs- 
Commando  von  Lissa  betraut. 

Oberst  Frh.  von  Urs  übernahm  am  21.  Mai  das  Commando.  Am  18.  und  19.  Juli 
erfolgten  die  wiederholten  übermächtigen  Angriffe  der  italienischen  Flotte  auf 
die  Insel  Lissa  *)  bis  die  kaiserliche  Escadre  unter  Conlre-Admiral  von  Tegett- 
hoff  am  20.  zum  Entsätze  herbeieilte  und  den  Gegner  in  der  glorreichen  See- 
schlacht bei  Lissa  schlug. 

Am  1.  Februar  1867  wurde  Oberst  Frh.  von  Urs  in  den  Ruhestand  rück- 
verset/.t. 


Ritter  dos  Maria  Theresien-Ordeus 
Gustav  Adolph  Freiherr  von  Neubauer. 

<Mit  Bildnis  aus  dein  Jahr-'  1850.) 
Gustav  Neubauer  wurde  in  Krumau  im  Budweiser  Kreise  des  Königreiches 
Böhmen  im  Jahre  1824  geboren  und  am  3.  Februar  1840  bei  dem  damaligen 

*)  Siehe  „iVunolion  CLXIV  bis  CLXV1I1.  —  Im  Kriege  ge^n  lVutfeu  und  Italien  im  Jahre 
ISOti.  -  Die  Kampfe  auf  dem  Adiiaüscheu  Meere-,  Seite  401,  413  und  414. 


Digitized  by  Google 


158 


CLVI1I.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Krieg«  von  1859. 


4.  Artillerie-Regiment  als  Cadet-Unterkanonier  assentiert,  begann  demnach 
seine  Militär-Laufbahn  schon  im  Jünglingsalter  mit  dem  17.  Lebensjahre.  Am 
21.  August  1840  zum  Cadet-Kanonier  befördert,  absolvierte  er  im  Bombardier-Corps 
den  höheren  Ours  der  Mathematik,  Physik  und  Chemie  und  wurde  am  11.  August 
1842  unter  gleichzeitiger  Beförderung  zum  Bombardier  in  das  Bombardier-Corps 
übersetzt.  Am  11.  Februar  1847  erfolgte  seine  Beförderung  zum  k.  k.  Cadeten 
im  2.  Feld- Artillerie-Regiment  und  am  26.  Juni  1848  zum  Unterlieutenant  in 
demselben. 

In  den  Jähren  1848  und  1849  machte  er  den  Krieg  gegen  Piemont  in 
Italien  und  zwar  im  Feldzuge  von  1848  die  Belagerung  von  Venedig  mit.  Er 
kämpfte  bei  Ponte  della  Priula  am  19.  Mai  als  Artillerie-Commandant  im 
Brückenkopf.  Im  nachfolgenden  Jahre  1849  betheiligte  er  sich  ebenfalls  an  der 
Belagerung  Venedigs,  und  zwar  bei  Malghera  im  Zeuggarten  von  Oriogo  wäh- 
rend der  Beschießung  am  3.  und  4.  Mai,  dann  bei  der  Beschießung  und  Einnahme 
am  24.,  25.  und  26.  Mai.  Er  war  zuerst  zweiter  Officier  in  der  achtzehnpfündigen 
Strandbatterie  am  Damme  gegen  Fusina  gewesen,  sodann  Commandant  der 
vienmdzwanzigpfündigen  Batterie  Nr.  30  zu  S.  Giuliano  bis  zur  Einnahme. 

Am  1.  August  1849  zum  Oberlieutenant  befördert,  wurde  Neubauer  für 
seine  Leistungen  während  der  Belagerung  von  Venedig  in  der  Folge  mit  dem  Mili- 
tär-Verdienstkreuze ausgezeichnet. 

Am  1.  August  1850  zum  4.  Feld- Artillerie-Regiment  transferiert,  absolvierte 
er  den  Curs  an  dem  Artillerie-Equitations-Institut  zu  Wien,  fungierte  1853/54  als 
Commandant  und  Lehrer  der  Corps-Equitation  des  1.  Feld- Artillerie-Regiments 
und  avancierte  am  1.  August  1854  zum  Hauptmann  II.  Classe  im  4.  Artillerie- 
Regiment,  wurde  am  31.  Juli  1856  zum  3.  Feld-Artillerie-Regiment*)  transferiert 
und  in  demselben  am  1.  Mai  1858  zum  Hauptmann  I.  Classe  befördert. 

Als  Hauptmann  und  Commandant  der  seehspfündigen  Fußbatterie  Nr.  4  des 
3.  Feld-Artillerie-  Regiments  machte  er  in  der  Brigade  des  GM.  Frh.  von  Wezlar 
des  III.  Armee-Corps  (Division  FML.  Martini,  später  FML.  Habermann)  eingetheilt, 
den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859  mit. 

Wiewohl  Hauptmann  Neubauer  mit  seiner  Batterie,  von  der  Überschreitung 
des  Ticino  am  29.  April  1859  angefangen,  alle  Operationen  der  II.  Armee  mit- 
machte, war  es  ihm  doch  erst  in  der  Schlacht  bei  Solferin  o  vergönnt,  ins  Feuer 
zu  kommen.  In  derselben  wurde  ihm  aber  Gelegenheit  zutheil,  sieh  durch  außer- 
ordentliche Leistungen  glänzend  hervorzuthun. 

Arn  24.  Juni  rückte  Hauptmann  Neubauer  mit  seiner  Batterie  im  Brigade- 
verbamle  um  7s  9  Uhr  aus  dem  Lager  hinter  Guidizzolo  durch  den  nordwestlichen 
Ausgang  dieses  Ortes  auf  der  großen  Straße  gegen  Casliglione  delle  Stiviere  vor, 
bis  er  beiläufig  600  Schritte  außerhalb  des  Dorfes  die  Brücke  über  einen  kleinen 
Torrente  passiert  hatte.  Von  diesem  Punkte  aus  wurde  ein  Bat  aillon  mit  2  Geschützen 
von  der  Batterie  gegen  Casa  nuova  dirigiert,  während  Hauptmann  Neubauer  mit 


•)  Seit  1.  Mai  1885:  5.  L'ngarisclu-s  (k.i|.s-ArtiJk-rie-He|pment. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritler  de»  M.  T.  0.  GusUv  Adolph  Freiherr  von  Neubauer.  159 

(i  Geschützen  von  dem  Corps-Artillerie-Chef  angewiesen  wurde,  nächst  der  Straße 
.un  Bande  des  Campo  di  Medole  Stellung  zu  nehmen. 

Schon  während  der  Vorrückung  Neubauers  concentrierte  sich  das  Feuer  des 
Gegners  auf  seine  Batterie-Colonne.  Gleichwohl  wusste  er  die  Batterie  so  zu  führen 
und  zu  placieren,  dass  dieselbe  vor  Verlusten  bewahrt  blieb,  ohne  dabei  die  eigene 
Geschützwirkung  zu  beeinträchtigen.  Als  Ziel  für  das  Batteriefeuer  nahm  er  die  vor 
Medole  aufgestellten  feindlichen  Batterien  und  bewirkte,  dass  deren  Feuer  bald 
merklich  abnahm  und  endlich  vollkommen  verstummte.  Dieses  günstige  Resultat 
wurde  durch  richtige  Granatwürfe,  tadellose  Handhabung  der  Geschütze,  haupt- 
sächlich aber  durch  die  ruhige  kaltblütige  Befehlsführung  des  Hauptmanns  Neubauer 
erreicht,  welcher  seiner  Batterie  mit  musterhafter  Haltung  voranleuchtete. 

Nach  dem  Eintreffen  einer  Cavaileric-Batterie  von  der  Geschütz-Reserve 
rückte  Neubauer  mit  6  Geschützen  seiner  Batterie  wieder  zu  seiner  Brigade  ein, 
während  die  zu  Beginn  des  Gefechtes  detachierten  2  Geschütze  zur  Geschütz- 
Reserve  gezogen  wurden.  Neubauer  nahm  mit  der  Batterie  hinter  dem  linken 
Flügel  seiner  Brigade  nächst  Casa  nuova  Aufstellung,  da  es  die  dichte  Cultur 
unmöglich  machte,  die  Batterie  in  die  Gefechtslinie  zu  entwickeln.  Dieser  Umstand 
beschränkte  die  Wirksamkeit  der  Batterie  Neubauers  längere  Zeit  darauf,  aus  dem 
Hintertreffen  die  Reserven  des  Gegners,  welche  gegen  den  eigenen  linken  Flügel 
vorgiengen,  mit  Granaten  zu  bewerfen.  Rechts  und  links  der  Brigade  Wezlar 
kämpften  Brigaden  des  III.  und  IX.  Corps  unter  gleichen  Verhältnissen. 

Das  Gefecht  schwankte  mit  wechselndem  Glücke,  ohne  dass  es  dem  Feinde 
anfänglich  gelang,  die  k.  k.  Truppen  zu  werfen.  Die  Kräfte  des  Gegners  verstärkten 
sich  jedoch  zusehends  immer  mehr,  während  die  k.  k.  Truppen  theilweise  weichen 
mussten.  Unter  diesen  Verhältnissen  war  es  Nachmittag  geworden,  als  die  Regi- 
menter Khevenhüller  und  Hartmann  des  XI.  Armee-Corps  in  die  Schlachtlinie  vor 
Guidizzolo  rückten.  Die  Brigade  Wezlar  hatte  nur  mehr  8  Compagnien  des  Begi- 
ments  Liechtenstein  Nr.  5  und  C  Geschütze  der  Batterie  des  Hauptmanns  Neubauer 
nächst  Casa  nuova  disponibel:  der  Rest  der  Brigade  war  theils  aufgelöst,  theils 
so  entfernt,  dass  er  nächst  Casa  nuova  nicht  mitzuwirken  imstande  war. 

Auch  die  8  Compagnien  sollten  abgelöst  werden  und  ins  Reserve-Verhältnis 
treten,  wurden  jedoch  sammt  der  Batterie  von  GM.  Frh.  von  Wezlar  zur  eventuellen 
Unterstützung  der  vorgenannten  zwei  Regimenter  in  ihrer  Aufstellung  belassen, 
falls  deren  Vorgehen  gegenüber  der  Überlegenheit  des  Gegners  nicht  von  ent- 
schiedenem Erfolge  begleitet  werden  sollte.  Diese  Voraussetzung  war,  wie  sich 
bald  erwies,  eine  gegründete,  indem  kurze  Zeit  nach  dem  Vorgehen  beide  Regi- 
menter vom  Feinde  zurückgeworfen  wurden.  Das  Regiment  Liechtenstein  nahm 
daher  den  Kampf  wieder  in  erster  Linie  auf,  brachte  das  Gefecht  zum  Stehen,  ja 
eroberte,  durch  die  Batterie  des  Hauptmannes  Neubauer  nachdrücklich  unterstützt, 
das  verlorene  Terrain  zurück. 

Sowohl  Verluste  als  Erschöpfung  waren  in  den  Reihen  des  Regimentes 
Liechtenstein  mittlerweile  stets  gewachsen;  es  wurden  daher  erneuert  die  Regi- 
menter Khevenhüller  und  Hartmann  zum  Sturme  gegen  den  Feind  beordert,  welcher, 


Digitized  by  Google 


160  CLVlll.  CLIX.  uud  Promotion.  -  Itu  Kriege  von  18fi0. 

durch  dichte  Culturen  gedeckt,  den  AngrifTs-Colonnen  bedeutende  Massen  entgegen- 
warf.  Unmittelbar  diesen  beiden  Regimentern  folgten  die  8  Compagnien  des 
Regiments  Liechtenstein  und  an  deren  linkem  Flügel  die  6  Geschütze  der  Batterie 
unter  Hauptmann  Neubauer. 

Die  Sturm-Colonnen  drangen  —  durch  starke  Tirailleur-Ketten  geschützt  — 
anfänglich  mit  vieler  Entschlossenheit  vor,  wurden  jedoch  nach  einem  heftigen 
Zusammenstoße  mit  dem  überlegenen  Feinde  wieder  zurückgeworfen  und 
gelangten  dabei  allmählich  in  ein  stets  heftigeres  Drängen  gegen  Guidizzolo,  so 
dass  das  Regiment  Liechtenstein  sich  nur  mit  großer  Anstrengung  zu  behaupten 
vermochte. 

Hauptmann  Neubauer  ließ  dabei  die  Batterie  an  einem  solchen  Punkte 
Stellung  nehmen,  von  welchem  sie  trotz  dichter  Cultur  bei  60  bis  70  Schritte  ziemlich 
freien  Ausschuss  hatte,  und  wartete  ruhig,  bis  der  Feind  sich  auf  diese  Distanz 
anzunähern  begann.  Im  gegebenen  Augenblicke  empfieng  Neubauer  die  dichten 
feindlichen  Reihen  mit  kräftigem  Kartätschenfeuer.  Die  Wirkung  dieses  lebhaften 
Feuers  war  augenblicklich  bemerkbar;  der  Feind  ließ  ab,  die  weichenden  Abihei- 
lungen weiter  zu  drängen,  und  begnügte  sich  damit  die  Batterie  mit  einem  heftigen 
Gewehr-  und  Geschützfeuer  zu  überschütten. 

Allein  das  Weichen  der  k.  k.  Truppen  nächst  Casa  nuova  gestaltete  sich 
bald  zu  einem  allgemeinen  Rückzug  auf  der  ganzen  Gefechtslinie  zwischen  Medole 
und  Guidizzolo.  Bereits  mussten  auch  die  an  der  Hauptstraße  im  Feuer  gestandenen 
Batterien  der  Geschütz-Reserven  im  Galopp  nach  Guidizzolo  zurückgenommen 
werden. 

Die  Folge  dieses  allgemeinen  Zurückweichens  war,  dass  die  Batterie  des 
Hauptmanns  Neubauer  bald  völlig  ungeschützt  dastand,  was  der  Gegner  sogleich 
benützte,  um  gegen  dieselbe  seine  Massen  zu  dirigieren.  Angesichts  dessen  konnte 
auch  Hauptmann  Neubauer  die  eingenommene  Stellung  nicht  länger  festhalten 
und  trat  in  vollster  Ordnung  den  Rückzug  an.  Während  desselben  rückten  die 
detachiert  gewesenen  beiden  Geschütze  wieder  zu  seiner  Batterie  ein. 

Mittlerweile  hatten  sich  einzelne  Schwärme  verschiedener  Regimenter  weiter 
rückwärts  zu  einem  dichten  Haufen  zusammen  gedrängt,  dessen  Rückzug  gegen 
Guidizzolo  auf  ein  schwer  zu  überwindendes  Hindernis  stieß.  Dasselbe  wurde  durch 
einen  Graben  gebildet,  welcher  bei  einer  beträchtlichen  Tiefe  sehr  steile 
Böschungen  hatte  und  über  welchen  als  einzige  Communication  die  gemauerte 
Straßenbrücke  führte.  Dieser  Graben  lief  parallel  mit  der  Nordwestfront  von  Gui- 
dizzolo. ungefähr  600  Schritte  von  derselben  entfernt. 

Als  Hauptmann  Neubauer  mit  seiner  Batterie  bei  dem  Rückmärsche  ungefähr 
200  Schritte  rechts  vorwärts  jener  Brücke  anlangte,  fasste  er  angesichts  des 
kritischen  Gefechtsmomentes  selbständig  den  Kntschluss.  diesen  wichtigen  Punkt 
um  jeden  Preis  zu  halten.  Er  placierte  die  Geschütze  beiläufig  50  Schritte  rechts 
vor  jenen  der  dort  inzwischen  aufgefahrenen  Batterie  Nr.  3/111.  welch'  letztere  auf 
diese  Weise  den  linken  Flügel  der  ganzen  Position  bildete.  Diese  Batterie  eröffnete 
ihr  Feuer,  sobald  der  Feind  sichtbar  wurde. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Gustav  Adolph  Freiherr  von  Neubauer. 


161 


Hauptmann  Neubauer  dagegen,  erkennend,  dass  hier  die  Entscheidung 
gegeben  werden  müsse,  sollte  der  Rückzug  der  k.  k.  Truppen  ermöglicht  und  der 
Feind  von  einem  Angriff  auf  Guidizzolo  selbst  abgehalten  werden,  verbot  seiner 
Batterie  ausdrücklich,  das  Feuer  wieder  zu  eröffnen,  bevor  er  selbst  es  anordnete. 
So  stand  die  Batterie,  mit  jeder  Patrone  geizend,  schussbereit  einige  Zeit  da. 
Endlich,  als  schon  das  Weiße  im  Auge  des  Feindes  sichtbar  war,  ließ  Neubauer 
das  Feuer  gegen  die  heranstürmenden  Colonnen  aus  seinen  Geschützen  eröffnen. 
Die  Wirkung  davon  war  eine  mörderische. 

Von  den  8  Geschützen  der  Batterie  konnten  nur  mehr  6  feuern  und  diese 
bloß  wenige  Schüsse  abgeben,  aber  diese  warfen  von  den  in  der  Front  anstürmenden 
feindlichen  Colonnen  ganze  Reihen  nieder  und  brachen  die  Kraft  des  gegen  die 
Batterie  gerichteten  Massenangriffs.  Hiebei  konnten  deshalb  nur  mehr  6  Geschütze 
ins  Feuer  gebracht  werden,  weil  die  Lafette  der  einen  Haubitze  vollständig  demon- 
tiert war,  bei  einer  der  Kanonen  aber  plötzlich  ein  so  großer  Verlust  an  Mann- 
schaft eintrat,  dass  dieselbe  während  der  Dauer  des  Feuers  nicht  mehr  schlagfertig 
gemacht  werden  konnte. 

Während  auf  diese  Weise  dem  Anstürmen  des  Feindes  vor  der  Front  der 
Batterie  Halt  geboten  war.  drangen  bei  der  Überlegenheit  des  Gegners  andere 
Colonnen  desselben  unaufhaltsam  gegen  die  Flügel  der  Batterieposition  vor.  Die 
Wenigen  vom  Regimente  Liechtenstein,  welche  sich  noch  am  rechten  Flügel  der 
Batterie  befanden,  wurden  von  dem  Strome  der  übrigen  weichenden  Abtheilungen 
mitgerissen.  Keine  der  früher  zurückgegangenen  Batterien  vermochte  mehr  eine 
Stellung  zur  Aufnahme  der  Truppen  zu  nehmen;  auch  die  links  rückwärts  der 
Batterie  des  Hauptmannes  Neubauer  aufgefahrene  Batterie  Nr.  3/I1I  musste  ihr 
Feuer  einstellen  und  nach  Guidizzolo  zurückgehen. 

In  diesem  Augenblicke  stand  die  Batterie  Neubauers  wieder  ganz  allein  da 
—  nur  noch  von  kleinen  Infanterie-Sch wärmen  unzulänglich  gedeckt  —  dem  vollen 
Anfalle  des  Feindes  gegen  die  Flanken  preisgegeben.  Diese  verzweifelte  Lage  der 
Batterie  machte  sich  der  Gegner  sofort  zunutze.  Den  Angriff  in  der  Front  erneuernd, 
stürmte  er  mit  dichten  Colonnen  auch  gleichzeitig  gegen  die  beiden  Flügel  der 
Position  an. 

Aber  weder  die  Vereinzelung  der  Batterie,  noch  die  derselben  durch  den 
concentrischen  Massenangriff  drohende  höchste  Gefahr  vermochten  den  Haupt- 
mann Neubauer  in  dem  früher  gefassten  Entschlüsse  wankend  zu  machen.  Er  ließ 
vielmehr  im  letzten  Augenblicke  die  Flügelgesrhütze  seitwärts  richten  und  sowohl 
in  der  Front  wie  in  beiden  Flanken  nun  ein  ununterbrochenes  Kartätschenfeuer 
unterhalten. 

Die  dadurch  dem  Feinde  beigebrachten  außerordentlichen  Verluste  erschüt- 
terten ihn  derart,  dass  seine  Sturm-Colonnen  stockten,  den  Geschützen  Neubauer? 
den  Rücken  wendeten  und  schließlich  ihr  Heil  in  rascher  Flucht  gegen  Medole 
suchten. 

Von  diesem  Augenblicke  an  war  im  Nordwesten  von  Guidizzolo  kein 
Feind  mehr  zu  sehen. 

MiHUriMher  Maria  Th«reti«n-Ord«n.  1 1 


Digitized  by  Google 


102 


CLVIII.  und  CLIX.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1859. 


Dieses  durch  Neubauers  heroisches  Ausharren  herbeigeführte  Resultat  trug 
wesentlich  dazu  bei,  dass  der  Rückzug  der  eigenen  Truppen  nächst  der  Straße 
durch  Guidizzolo  gegen  Goito  unbelästigt  vom  Feinde  ausgeführt  werden  konnte, 
indem  der  Gegner  weiter  weder  einen  Angriff  über  Casa  uuova  gegen  Guidizzolo 
wagte,  noch  auch  den  Versuch  einer  Verfolgung  machte.  So  wurde  es  ermöglicht, 
dass  sich  die  einzelnen,  fast  gänzlich  auseinander  gekommenen  Truppenkörper, 
welche  nordwestlich  von  Guidizzolo  gekämpft  hatten,  hinter  dem  Orte  sammeln 
und  geordnet  nach  Goito  zurückziehen  konnten.  Unmittelbar  hinter  Guidizzolo 
befand  sich  auch  der  größte  Theil  der  Munitionsfuhrwerke  der  Geschütz-Reserve 
des  IX.  Corps,  theils  mit  gebrochenen  Deichstin,  theils  in  die  Straßengräben 
gestürzt,  sowie  auch  mehrere  Sanitätswagen;  all  dieses  ärarische  Gut  konnte 
später  nach  Goito  gebracht  und  gerettet  werden.  Nicht  minder  konnte  ein  großer 
Theil  der  in  Guidizzolo  angesammelten  Verwundeten  infolge  des  Zurückwerfens 
des  Feindes  entweder  langsamen  Schrittes  Goito  erreichen,  oder  mit  Geschützen 
und  Munitionskarren  zurücktransportiert  werden. 

Vom  jüngsten  Batterii  officier  bis  zum  Brigadier  hinauf  herrschte  in  der 
ganzen  Truppe  einmüthigste,  bewundernde  Anerkennung  der  Waffenthat  des 
Hauptmannes  Neubauer  und  gelangte  in  geradezu  begeisterter  Weise  in  dem  ihm 
gewordenen  Tapterkeits-Zeugnisse  aller  Kampfgenossen  zum  Ausdrucke. 

Auf  Grund  der  auf  diese  Weise  in  der  Schlacht  bei  Solferino  am 
24.  Juni  1859  vollbrachten  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  als  Erhabener  G  roßmeister  über  Antrag  des  Capitels  kraft  der  CLVIII. 
Promotion  am  17.  October  1859  den  Hauptmann  Gustav  Adolph  Neubauer  mittels 
Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu 
promovieren. 

Am  4.  Juni  1860  wurde  Hauptmann  Ritter  von  Neubauer  zum  1.  Feld- 
Artillerie-Regimente  transferiert  und  gleichzeitig  zum  Major  befördert. 

In  dieser  Charge  machte  er  den  Krieg  gegen  Dänemark  in  Schleswig 
und  Jütland  im  Jahre  18G4  als  Commandant  der  Corps-Geschütz-Reserve  des 
VI.  Armee-Corps  unter  r  ML.  Ludwig  Frh.  von  Gablenz  mit.  Neubauer  leitete  die 
Kanonade  vor  Schleswig  am  4.  Februar.  In  dem  blutigen  Treffen  bei  V eile  am 
S.  März  wirkte  er  mit  der  Geschütz-Reserve  in  so  hervorragender  Weise,  dass  er 
selbst  dem  Feinde  Bewunderung  abzwang. 

Der  dänische  General  Lieutenant  Hegermann  erklärte  dem  am  10.  März  als 
Parlamentär  nach  Skanderborg  entsendeten  Rittmeister  Grafen  Lamberg,  die 
Wirkungen  der  entwickelten  10  Geschütze  der  Reserve  seien  unwiderstehlich  auf 
Distanzen  gewesen,  auf  welchen  andere  Artillerien  nur  annäherungsweise  Treffer 
erzielten.  Es  gebe  keine  Truppe,  keine  Artillerie,  welche  im  Feuer  dieser  Batterien, 
die  mit  solcher  Kaltblütigkeit  bedient  werden,  widerstehen  könnte.  Der  Rückzug 
der  Truppen  des  Generals  Hegermann  sei  die  Folge  des  Feuers  der  öster- 
reichischen Batterien  gewesen. 

Schließlich  nahm  Neubauer  an  der  Berennung  und  Beschießung  von  Fride- 
ricia  theil,  welche  durch  die  k.  k.  Brigaden  Tomas  und  Nostitz  und  durch  die 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Qöia  Freiherr  FejervAry  de  Komlos-Keresztes. 


163 


Corps-Geschütz-Reserve  im  Verein  mit  der  preußischen  Garde-Division  am  19.,  20. 
und  21.  März  durchgeführt  wurde. 

Am  4.  Mai  wurde  Major  Ritter  von  Neubauer  für  besondere  Tapferkeit 
in  diesem  Feldzuge  mit  der  Allerhöchst  belobenden  Anerkennung  aus- 
gezeichnet; am  2.  Juni  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Oberstlieutenant. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  kämpfte  Oberst- 
lieutenant Ritter  von  Neubauer  in  dem  Feldzuge  gegen  Preußen  mit  der  Nord- 
Armee  als  Commandant  der  Corps-Geschütz-Reserve  des  I.  Armee-Corps  unter 
dem  GdC.  Grafen  Clam-Gallas  mit  und  zwar  in  dem  Gefechte  bei  Münchengrätz 
am  28.  Juni,  in  dem  Treffen  bei  Ji ein  am  29.  Juni  und  in  der  Schlacht  bei  König- 
grätz  am  3.  Juli. 

Für  seine  Leistungen  in  diesem  Kriege  wurde  ihm  die  Allerhöchste 
Belobung  zutheil. 

Am  9.  November  1867  wurde  Ritter  von  Neubauer  unter  gleichzeitiger 
Translerierung  zum  9.  Artillerie -Regimente  zum  Obersten  befördert.  Im 
Jahre  1870  war  er  bei  den  commissionellen  Berathungen  artilleristischer  Fragen 
betheiligt. 

Am  29.  Jänner  1872  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  Obersten  Gustav 
Adolph  Ritter  von  Neubauer  auf  Grund  der  Statuten  des  Maria  Theresien-Ordens 
in  den  österreichischen  Freiherrnstand  zu  erheben. 

Am  1.  November  1874  wurde  Oberst  Frh.  von  Neubauer  zum  Comman- 
danten  der  2.  Infanterie-Brigade  ernannt  und  gleichzeitig  zum  Generalmajor 
befördert 

Am  1.  November  1876  trat  GM.  Frh.  von  Neubauer  in  den  Ruhestand  und 
starb  am  21.  Juli  1888  zu  Görz. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

Geza  Freiherr  Fejerviiry  de  Komltfs-Keresztes. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  18<i0.) 

Fcjerväry  wurde  als  Sohn  eines  k.  k.  Feldmarschali-Lieutenants  am  15.  März 
1833  zu  Josefstadt  in  Böhmen  geboren  und  erhielt  seine  militärische  Erziehung 
in  der  k.  k.  Militär-Akademie  zu  Wiener-Neustadt.  Am  14.  August  1851  zum 
52.  Infanterie-Regiment  als  Unterlieutenant  ausgemustert,  avancierte  er  am 
10.  Jänner  1852  zum  Oberlieutenant  im  61.  Infanterie-Regiment.  Im  Februar 
1854  erfolgte  seine  Zutheilung  zum  General-Quartiernuister-Stab,  und  zwar  im 
Hauptquartier  des  IX.  Corps,  mit  welchem  er  im  Laufe  des  Sommers  den  Marsch 
von  Wien  über  Neusatz,  Siebenbürgen  nach  der  Bukowina  machte.  Sodann  war 
er  dem  Landesbesehreibungs-Bureau  für  Inneres  zugetheilt,  absolvierte  1855  bis 
1857  die  k.  k.  Kriegsschule  und  wurde  darauf  von  neuem  dem  General-Quartier- 

il* 


Digitized  by  Google 


"X 


Digitized  by  Goc 


S  0  LFERINO ,  24.  JU1 1 L  1859 


DruckvFKargl 


Digitized  by  Google 


164  CLVUI.  und  CLIX.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1859. 

meister-Stabe  zugetheilt,  in  dessen  Stand  er  am  8.  April  1859  unter  Beförderung 
zum  Hauptmann  II.  Glasse  gänzlich  übersetzt  wurde,  worauf  er  am  22.  Mai  1859 
zum  Hauptmann  I.  Classe  vorrückte. 

Als  solcher  machte  er  den,  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in 
Italien  1859  mit.  Anfangs  als  Generalstabsofficier  bei  der  Brigade  Dürfeid  des 
III.  Corps  eingetheilt,  war  es  ihm  vergönnt,  in  der  Schlacht  bei  Solferinoam 
24.  Juni  unter  FML.  Ritter  von  Benedek  mit  dem  VIII.  Corps  bei  S.  Marlino  als 
Generalstabsofficier  mitzukämpfen,  am  linken  Flügel  des  Corps  in  den  Verlauf 
des  Gefechtes  wiederholt  selbständig  einzugreifen  und  dadurch  zu  der  Besitznahme 
und  siegreichen  Behauptung  der  Höhen  von  S.  Martino  wesentlich  beizutragen. 

Bereits  am  Vortage  der  Schlacht,  am  23.  Juni,  hatte  Hauptmann  Fejerväry 
mit  einer  halben  Escadron  Kaiser-Husaren  eine  erfolgreiche  Recognoscierung  in 
der  Richtung  gegen  Rivoltella  ausgeführt,  welche  hinsichtlich  der  Stellung  des 
Feindes  ergab,  das»  die  feindliche  Vorpostenlinie  von  Castel  Venzago  sich  über 
Centinaro,  Venga  bis  östlich  von  Rivoltella  erstreckte;  dass  Castel  Venzago  und 
Ccntinaro  vom  Feinde  besetzt,  bei  S.  Zeno,  Machetto  und  Mirabello  größere 
Abiheilungen,  in  der  Stärke  von  circa  1  Bataillon,  und  zwar  speciell  am  Fuße  des 
Monte  Marc  ein  größeres  feindliches  Zeltlager  (für  4000  bis  5000  Mann)  sichtbar, 
endlich  ein  vorgeschobener  feindlicher  Cavallerie-Posten  in  der  Stärke  von  300 
Pferden  bei  S.  Martino  postiert  waren.  Weiter  brachte  Fejerväry  bei  dieser 
Recognoscierung  durch  Aussagen  der  Landleute  in  Erfahrung,  dass  sich  auf  der 
ganzen  feindlichen  Linie  durchaus  piemontesische  Truppen  befanden  und  nur  eine 
kleine  Abtheilung  französischer  Infanterie  in  Desenzano  angekommen  war. 

Am  Schlachltage,  24.  Juni,  rückte  Hauptmann  Fejerväry,  obzwar  er  - 
entsprechend  seiner  sonstigen  Dienstesobliegenheit  in  der  Operationskanzlei  des 
VIII.  Corps  —  zur  Suite  des  FML.  von  Benedek  gehörte,  aus  eigenem  Antriebe 
gleich  zu  Beginn  der  Sehlacht  mit  dem  zur  Verfolgung  des  geworfenen  Feindes 
am  linken  Flügel  des  Corps  vorgesendeten  Theile  der  Brigade  Lippert  freiwillig 
in  die  Gefechtslinie  vor. 

Er  stellte  sich  mit  an  die  Spitze  der  gegen  die  rechte  Flanke  der  Piemontesen 
im  Sturmschritte  vorrückenden  2  Bataillone  von  Rainer-Infanterie  Nr.  59,  welche 
um  71/,  Uhr  früh  über  Casette  gegen  Ortaglia.  S.  Martino  und  Contracania  vor- 
drangen. Trotz  des  heftigsten,  mit  entschiedener  Bravour  geleisteten  Widerstandes 
des  Feindes,  gelang  es  dem  Vordertreffen  der  Brigade  Lippert  dennoch,  denselben 
im  ersten  Anlaufe  zurückzuwerfen. 

Bald  jedoch  rückte  der  durch  frische  Truppen  verstärkte  und  von  lebhaftem 
Geschülzfeuer  unterstützte  Gegner,  trotz  hartnäckigster  Gegenwehr  des  Vorder- 
treffens  der  Brigade  Lippert  wieder  vor.  nahm  die  Höhe  von  S.  Martino  uud 
drängte  die  beiden  Bataillone  von  Eh.  Rainer  hinter  die  nächste  rückwärtige  Höhe 
zurück.  Unter  successiver  Verstärkung  beider  kämpfenden  Theile  wurde  vom 
VIII.  Corps  allmählich  die  ganze  Brigade  Lippert  und  die  halbe  Brigade  Reichlin 
—  den  linken  Flügel  Benedeks  bildend  —  in  das  Gefecht  gezogen.  So  wurden  die 
Höhen  von  S.  Martino  viermal  genommen,  viermal  verloren.  Schließlich  nahmen 


Digitized  by  Google 


>y  Google 


4 


Digitized  by  Google 


S  OLFERINO,  24.  JUKI  1859 

Druck  vfYasqi 


Google 


RitUr  des  M.  T.-O.  Csia  Freiherr  Fejirvdry  de  Komlos  KereMte«. 


165 


aber  die  auf  diesem  Flügel  Benedeks  kämpfenden  1 '/»  Brigaden  mit  der  blanken 
Waffe  die  blutig  umstrittenen  Höhen  nach  10  Uhr  vormittags  dauernd  in  Besitz. 

Ein  weiteres  Vordringen  erschien  aus  Rücksicht  für  den  Gefechtsgang  im 
Centrum  der  Armee  nicht  rathsam.  Die  infolge  dessen  eintretende  längere  Pause 
im  Gefechte  kam  dem  Gegner  sehr  zu  stalten.  Durch  frisch  eingetroffene  Truppen 
verstärkt  versuchte  der  Feind,  nach  einem  längeren  einleitenden  heftigen  Geschütz- 
feuer, von  1  Uhr  an  mit  Ungestüm  in  mehreren  hinter  einander  folgenden  Stürmen 
die  Position  von  S.  Martino- Contracania  den  k.  k.  Truppen  wieder  zu  ent- 
reißen, wurde  aber  immer  wieder  zurückgewiesen. 

Gegen  5  Uhr  nachmittags,  während  eines  heftigen  Ungewitters,  erneuerten 
sich  diese  Versuche  des  Feindes,  wurden  aber  von  Rainer-Infanterie,  dann  von 
Dom  Miguel-Infanterie  und  dem  9.  Jäger-Bataillon  fünfmal  mit  der  größten  Bra- 
vour abgeschlagen.  Die  Position  wurde,  trotz  der  vielen  mit  bedeutender  Ober- 
macht unternommenen  Angriffe  von  der  braven  Truppe  bis  in  die  sinkende 
Nacht  behauptet.  Auch  der  letzte,  um  81/,  Uhr  abends  unternommene  Sturm  des 
Feindes  wurde  auf  der  Höhe  von  Casette  durch  einen  wuchtigen  Gegenangriff  ab- 
geschlagen. Dann  erst,  auf  Befehl  des  Corps-Comniandanlen  FML.  von  Benedek. 
wurde  der  Rückzug  in  vollster  Ordnung  angetreten. 

Von  dem  Augenblicke  der  um  7 '/»  Uhr  morgens  erfolgten  Vorrückung  der 
beiden  Bataillone  Eh.  Rainer,  welchen  sich  Fejervary  freiwillig  angeschlossen  hatte, 
gieng  er  während  der  ganzen  Dauer  des  Gefechtes  bis  gegen  0  Uhr  abends  mit 
dem  wirksamsten  Erfolge  auf  dem  linken  Flügel  des  Corps  den  beiden  Brigade- 
Commandanten  GM.  Lippert  und  GM.  Reichlin  mit  Rath  und  That  an  die  Hand. 

Überall,  wo  er  den  geeigneten  Moment  ersah,  sammelte  er  die  Truppen  und 
führte  dieselben  selbst  zum  Sturme  vor. 

Dabei  sorgte  er  auch  für  günstige,  rechtzeitig  wirksame  Placierung  der 
Batterien  auf  dem  linken  Flügel  des  Corps.  Besonders  den  ungefähr  um  lO'/j,  Uhr 
erfolgten  Sturm,  welcher  zur  definitiven  Behauptung  der  Position  Contracania- 
S.  Martino  führte,  bereitete  er  dadurch  kräftigst  vor,  dass  er  zwei  Geschütze  der 
Cavallerie-Batterie  Nr.  8/V1II  gegen  die  vom  Feinde  sehr  stark  besetzte  Cascine 
Colombara  placierte,  diesen  aus  dieser  Cascine  vertrieb,  und  so  seine  Absicht 
vereitelte,  unsere  gegen  Contracania  vorrückenden  Sturm-Colonnen  wirksam  in  der 
Flanke  zu  beschießen. 

Fejervary  bethätigte  schließlich  auch  hohen  moralischen  Muth.  indem  er  auf 
eigene  Verantwortung  Befehle  in  Namen  des  Corps-Commandos  ertheilte.  welche  er 
durch  die  Dringlichkeit  des  Momentes  als  geboten  erachtete  und  die  zum  glück- 
lichen Umschwung  des  Gefechtes  angezeigt  erschienen. 

Dabei  bot  er  mit  höchster  Tapferkeit  jeder  seiner  Person  drohenden  Gefahr 
kühn  die  Stirne  und  wirkte  auf  diese  Weise  auch  durch  sein  persönliches  Beispiel 
auf  die  Truppen  ein. 

So  trug  er  durch  erfolgreiche  Thätigkeit  während  der  ganzen  Dauer  des 
vierzehnstündigen  Kampfes  wesentlich  zu  dem  Erfolge  des  Tages  bei,  an  dem  das 
VIII.  Armee-Corps  über  einen  mehr  als  doppelt  überlegenen  Gegner  einen  ent- 


Digitized  by  Google 


166 


C.LVm.  und  CI.IX.  Promotion.  —  Im  Krieg« 


1859. 


schicdenen  Sieg  erfocht,  das  Schlachtfeld  bis  in  die  sinkende  Nacht  behauptete, 
und  so  den  Rückzug  der  anderen,  sich  über  Pozzolengo  zurückziehenden  Armee- 
I  heile  decken  konnte. 

Sämmtliche  Truppen-Commandanten  und  Generäle  am  linken  Flügel  des 
Corps  rühmten  Fejerväry  s  Antheilnahme  an  den  Kämpfen  von  S.  Marti no  mit 
Worten  höchster  Anerkennung. 

„Im  ganzen  Verlauf  des  mit  wechselndem  Glücke  geführten  Kampfes*, 
berichtete  der  Brigadier  GM.  Frh.  von  Reichlin  in  seiner  Gefechts-Relation,  „von 
ungefähr  9  Uhr  morgens  bis  '/»3  Uhr  nachmittags  —  um  welche  Zeit  die  Brigade 
auf  die  Höhen  südwestlich  von  Pozzolengo  dirigiert  wurde,  —  begegnete  ich  auf 
allen  Punkten  von  Wichtigkeit,  auf  welchen  ich  mich  gerade  befand,  einer  im 
höchsten  Grade  thätigen  Individualität  in  der  Person  des  Hauptmannes  Fejerväry 
vom  Generalstabe,  welcher  unaufhörlich  bemüht  war,  den  hie  und  da  nach- 
lassenden Aufschwung  der  Truppe  wieder  anzuregen  und  allenthalben  Andeutun- 
gen gab,  um  nachtheiligen  Folgen  für  das  Gefecht  vorzubeugen.  Ich  erwähne  es 
nur  zur  Steuer  der  Wahrheit,  dass  er  bei  diesem  rastlosen  Bemühen  für  den 
glücklichen  Erfolg,  sich  meistens  auf  den  Punkten  befand,  wo  das  feindliche  Feuer 
am  heftigsten  war.  Ich  traf  kaum  einen  Officier,  mit  welchem  ich  nach  beendeter 
Aetion  über  den  Verlauf  derselben  sprach,  der  nicht  der  ausgezeichneten  Thätig- 
keit  des  Hauptmannes  Fejerväry  aus  freien  Stücken  erwähnt  hätte.* 

Hinsichtlich  der  intellectuellen  und  moralischen  Thätigkeit  Fejervärys  stellte 
ihm  nicht  nur  der  Generalstabschef  Obersllieutenaot  Ritter  von  Litzelhofen, 
sondern  auch  der  Corps-Commandant  FML.  Ritter  von  Benedek  das  glänzendste 
Zeugnis  aus,  und  war  es  der  letztere,  welcher  ihn  geradezu  aufforderte,  seine 
statutenmäßig  wohlbegründeten  Ansprüche  auf  die  Aufnahme  in  den  Maria 
Theresien-Orden  geltend  zu  machen. 

Auf  Grund  der  in  der  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni  1859  voll- 
brachten Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  über  Antrag  des  Capitels  kraft  der  CLVIII.  Promotion  am  17.  Octo- 
ber  1859  den  Hauptmann  Geza  Fejerväry  de  Komlös-Keresztes  durch 
Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  There sien-Ordens  zu 
promovieren,  auf  Grund  dessen  derselbe  späterhin  (1862)  den  Ordensstatuten 
gemäß  in  den  Freiherrn  stand  erhoben  wurde. 

Am  1.  Juli  1862  wurde  Hauptmann  Fejerväry  zum  6.  Infanterie-Regimente 
transferiert.  In  dieser  Charge  zog  er  im  Jahre  1864  in  den  Krieg  gegen  Däne- 
mark in  Schleswig  und  Jütland  unter  FML.  Frh.  von  Gablenz  im  VI.  Armee- 
Corps.  Er  kämpfte  in  dem  Gefechte  bei  Loopstedt  am  'S.  Februar,  machte  den 
Geschützkampf  bei  Fahrdorf  am  4.  und  o.  Februar,  weiterhin  die  Berennung 
und  Beschießung  von  Fridericia  am  19.,  20.  und  21.  März,  endlich  die  Cernie- 
rung  dieser  Festung  bis  zu  ihrer  am  29.  April  erfolgten  Räumung  seitens  der 
Dänen  mit. 

Am  12.  April  1865  wurde  Frh.  von  Fejerväry  zum  Major  befördert  und  unter 
Eintheiiung  in  die  Rangs-Evidenz  des  'SU.  Infanterie-Regiments  zur  Dienstleistung 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  C.eia  Freiherr  FejervAry  de  Komlös  Keresites. 


107 


als  Flügel-Adjutant  Seiner  Majestät  des  Kaisers  berufen.  In  dieser  Dienstesver- 
wendung  in  der  General-Adjutantur  wurde  Major  Frh.  von  Fejervary  während  des 
Krieges  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  zweimal  zur  Nord-Armee 
entsendet.  Dabei  war  es  seinem  energischen  Eingreifen  vor  dein  Treffen  von 
Blumenau  zu  danken,  dass  durch  rasche  Herbeischaffung  von  Transportmitteln 
das  ganze  IL  Armee-Corps  rechtzeitig  noch  während  des  Kampfes  bei  Pressburg 
eintreffen  und  bei  dem  Festhalten  dieses  wichtigen  Donau-Cbergangspunktes  ein- 
greifen konnte,  so  dass  derselbe  bei  dem  unmittelbar  nach  dem  Gefecht  ein- 
tretenden Waffenstillstand  im  Besitze  der  k.  k.  Armee  blieb. 

Am  28.  October  18G8  avancierte  er  zum  Oberstlieutenant  im  32.  In- 
fanterie-Regimente,  wurde  am  29.  October  1870  zum  Reserve-Commandanten 
des  72.  Infanterie-Regiments  ernannt  und  am  1.  October  1872  zum  Obersten 
befördert. 

Am  26.  October  desselben  Jahres  zur  königl.  ungar.  Landwehr  trans- 
feriert, avancierte  Frh.  von  Fejervary  am  1.  Mai  1878  zum  Generalmajor  und 
wurde  gleichzeitig  zum  Staatssecretär  im  königl.  ungar.  Landes-Ver- 
theidigungs-Ministerium  ernannt. 

In  Anerkennung  seiner  eifrigen  und  erfolgreichen  Dienste  in  dieser  Function 
wurde  GM.  Frh.  von  Fej6rvary  am  5.  October  1882  mit  dem  Commandeurkreuze 
des  Stephan-Ordens  ausgezeichnet  und  ihm  am  2.  November  1882  die  Würde 
eines  Geheimen  Rathes  verliehen. 

Am  1.  Jänner  1884  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant. 

Nach  mehljähriger,  erfolgreicher  Thätigkeit  als  Staatssecretär,  wurde  FML. 
Frh.  von  Fejervary  am  28.  October  1881  durch  das  Vertrauen  des  Monarchen  auf 
den  Posten  des  königl.  ungar.  Landes- Vertheidigun gs-Min isters  berufen. 

Seit  seinem  Obertritt  in  die  königl.  ungar.  Landwehr  entfaltete  er  vermöge 
seiner  hohen  militärischen  und  organisatorischen,  sowie  auch  parlamentarischen 
Befähigung  eine  überaus  erfolgreiche  Thätigkeit,  und  zwar  sowohl  durch  außer- 
ordentliche Förderung  der  ungarischen  Landwehr-Institution,  als  auch  durch 
thatkräftige,  erfolgreiche  Vertretung  aller  Angelegenheiten  der  gemeinsamen 
Wehrmacht  im  Schöße  der  königlich  ungarischen  Regierung,  wie  im  ungarischen 
Reichstage. 

Nachdem  FML.  Frh.  von  Fejervary  am  25.  April  1 887  zum  O b  e  r  s  t  - 1 n h  a b e  r 
des  46.  Infanterie-Regiments  ernannt  worden,  geruhte  ihm  Seine  Majestät  der 
Kaiser  am  T.i.  Mai  1887  den  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Glasse  zu 
verleihen. 

Am  1  Mai  1 890  wurde  Frh.  von  Fejervary  zum  F  e  1  d  z  e  u  g m  e  i  s  t  e  r  befördert. 


168  CLX.  Promotion.  -  Kriegsereigniwc  18ß0/6l  in  Sicüien. 


CLX.  Promotion. 

Während  der  dem  Kriege  von  1859  nachgefolgten  Umwälzungen  in  Italien 
in  den  Jahren  1860  bis  1861  leistete  Seine  Majestät  Franz  II.,  König  beider 
Sicilien,  mit  einem  Theile  des  neapolitanischen  Heeres  sowohl  den  Freischaren 
Garibaldis  als  den  piemontesischen  Truppen  unter  General  Cialdini  äußersten 
Widerstand.  Hiebei  standen  dem  Könige,  gleich  Seiner  heldenmüthigen  Gemahlin 
Ihrer  Majestät  Königin  Marie,  auch  die  königlichen  Prinzen  zur  Seite,  wett- 
eifernd in  Beweisen  ritterlicher  Tapferkeit. 

Auf  Grund  dessen  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als 
Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens,  kraft  Promotion  CLX  vom 
24.  Jänner  1861,  Seine  Majestät  König  Franz  II.  beider  Sicilien,  dann  Ihre  könig- 
lichen Hoheiten  die  Prinzen  beider  Sicilien  Ludwig  Maria  Grafen  von  Tr.ini. 
Alphons  Maria  Joseph  Albert  Grafen  von  Caserta  und  Franz  de  Paula  Ludwig 
Emanuel  Grafeu  von  Trapani  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zu  Rittern 
des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Seine  Majestät 
Franz  II.,  König  beider  Sicilien. 

Seine  Majestät  Franz  IL,  König  beider  Sicilien,  wurde  am  16.  Jänner  1836 
geboren  und  bestieg  an»  22.  Mai  1859  den  Thron. 

Während  der  Kriegsereignisse  im  Königreiche  beider  Sicilien  1860  und  1861 
behauptete  sich  König  Franz  II.  mit  dem  ihm  treu  gebliebenen  Theile  der  Armee 
vom  6.  September  bis  1.  November  1860  im  freien  Felde  am  Volturno  und  am 
(Jarigliuno,  sodann  bis  13.  Februar  1861  in  Gueta.  welch'  letztere  Festung 
unter  Seiner  Oberleitung  durch  101  Tage  der  Belagerung  durch  die  Piemontesen 
heldenmüthigen  Widerstand  leistete.  Er  versah  dabei  nicht  nur  die  Functionen 
eines  Festungs-Commandanteu,  sondern  kam  auch  inmitten  der  Kämpfe  allen 
Herrscherpllichten  mit  unerschütterlicher  Pflichttreue  nach.  Gegenüber  allen 
Aufforderungen  zur  Einstellung  des  Kampfes  beharrte  Er  dabei,  das?  er  Sich 
vertheidigen  werde,  so  lange  Ihm  ein  Schimmer  von  Hoffnung  auf  Behauptung 
Seiner  legitimen  Rechte  bliebe.  Inmitten  der  Drangsale  und  Schrecken  der 
Belagerung  begab  Sich  täglich  Königin  Marie  persönlich  in  die  Spitäler,  um  die 
Pflege  der  Verwundeten  und  Kranken  zu  leiten,  deren  Leiden  zu  lindem,  die 
Sterbenden  zu  trösten.  Das  heftigste  feindliche  Feuer  vermochte  die  hohe  Frau 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  König  Pranr  n.,  Graf  Trani,  Graf  Caserta,  Graf  Trapani. 


109 


nicht  abzuhalten,  dieser  freiwillig  auf  Sich  genommenen  Aufgabe  mit  bewun- 
derungswürdigem Heroismus  nachzukommen.  —  Die  Vertheidigung  Gaetas  wird 
stets  einen  Ehrenplatz  in  der  Kriegsgeschichte  einnehmen.  —  Es  erübrigt  nur  zu 
erwähnen,  dass  der  König  seit  Seiner  Thronbesteigung  Oberst- Inhaber  des 
k.  k.  Uhlanen-Regiments  Nr.  12  ist 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

Seine  königliche  Hoheit  Prinz  beider  Sicilien 

Ludwig  Maria  Graf  von  Trani. 

Seine  königliche  Hoheit  Graf  von  Trani  wurde  als  Stiefbruder  des  Königs 
Franz  II.  am  1.  August  1838  geboren.  Er  that  sich  während  der  Kämpfe  am 
Volturno  in  dem  Gefechte  von  Cajazzo  am  21.  September  1860  hervor.  Bei  der 
Vertheidigung  von  Gaeta  leitete  er  in  den  ihm  unterstellten  Batterien  das 
Feuer,  richtete  in  entscheidenden  Momenten  des  Geschützkampfes  persönlich  die 
Geschütze  und  feuerte  durch  seine  Tapferkeit  die  Besatzung  zur  äußersten  Aus- 
dauer an.  —  Graf  Trani  wurde  im  Jahre  1861  zum  Oberst-Inhaber  des 
k.  k.  Freiwilligen  Uhlanen-Regiments  Nr.  13  ernannt.  —  Er  starb  am 
8.  Juni  1886. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

Seine  königliche  Hoheit  Prinz  beider  Sicilien 

Alphons  Maria  Joseph  Albert  Graf  von  Caserta. 

Seine  königüche  Hoheit  Graf  von  Caserta  wurde  als  zweiter  Stiefbruder 
Königs  Franz  II.  am  28.  März  1841  geboren.  Er  bekundete  namentlich  bei  der 
Vertheidigung  Gaetas  ein  bis  zur  Tollkühnheit  tapferes  Verhalten.  Wiederholt  sali 
sich  der  König  veranlasst,  dem  jugendlichen  Prinzen  zu  befehlen,  sich  dem  feind- 
lichen Feuer  nicht  so  sehr  auszusetzen.  Bei  den  besonders  heftigen  Bombardements 
am  8.  und  22.  Jänner  1801  musste  ihm  aus  diesem  Grunde  ein  förmlicher  Gase- 
matten-Arrest auferlegt  werden. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

Seine  königliche  Hoheit  Prinz  beider  Sicilien 

Franz  de  Paula  Ludwig  Emanuel  Trapani. 

Seine  königliche  Hoheit  Graf  von  Trapani  —  Oheim  des  Königs  Franz  II.  — 
wurde  am  13.  August  1827  geboren.  Er  machte  den  Feldzug  im  Hauptquartier  mit. 
Bei  der  Vertheidigung  Gaetas  stand  er  dem  Könige  bei  der  Oberleitung  zur 
Seite  und  wirkte  im  Kriegsrathe. 


Digitized  by  Google 


170 


CLXI.  bis  CLXIH.  Promotion. 


CLXI.  bis  CLXIII.  Promotion. 

Im  Kriege  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  Jütland  im  Jahre  1864. 

Seit  dem  Jahre  1854  hatten  sich  in  der  Bevölkerung  der  zu  Dänemark 
gehörigen  Herzogthümer  Schleswig-Holstein  und  Lauenburg  zunehmende 
Klagen  über  fortgesetzte  Verletzung  ihrer  nach  dem  deutsch-dänischen  Kriege  der 
Jahre  1848  bis  1851  vertragsmäßig  festgesetzten  Rechte  und  über  die  systematische 
Vergewaltigung  der  deutschen  Nationalität  vernehmen  lassen.  Nachdem  die  unter 
dänischer  Herrschaft  stehenden  Herzogthümer  Holstein  und  Lauenburg  zugleich 
dem  Deutschen  Bunde  angehörten  und  Schleswig  mit  Holstein  seit  Jahrhun- 
derten vertragsmäßig  untheilbar  verbunden  war.  beschloss  der  Bund  über  An- 
dringen Österreichs  und  Preußens  gegen  Dänemark  das  Bundes-Executions- 
Verfahren,  und  zwar  zunächst  rücksichtlich  der  Herzogthümer  Holstein  und 
Lauenburg. 

Während  Großbritannien  noch  diplomatisch  zu  vermitteln  suchte,  vollzog  der 
infolge  Ablebens  Friedrichs  VII.  auf  den  dänischen  Thron  gelangte  König 
Christian  IX.,  im  Widerspruche  mit  dem  Londoner  Protokoll  vom  Jahre  1 852, 
durch  Unterzeichnung  einer  gesammtstaatlichen  Verfassung  für  das  Dänische 
Reich  am  18.  November  1863  die  Einverleibung  Schleswigs  in  den  rein 
dänischen  Theil  Dänemarks  und  damit  die  Losreißung  Schleswigs  von  Holstein. 

Da  das  Ultimatum,  welches  am  15.  December  18C3  dieserwegen  seitens  der 
mit  der  Bundes -Execution  betrauten  Bundesstaaten  Sachsen,  Hannover. 
Österreich  und  Preußen  an  Dänemark  wegen  Rücknahme  jener  Verfassung 
gerichtet  worden,  unberücksichtigt  blieb,  gelangte  die  Bundes-Execution  zum  Voll- 
züge. Um  die  Jahreswende  1863/64  besetzten  12.000  Sachsen  und  Hanno- 
veraner die  Herzogthümer  Holstein  und  Lauenburg  bis  zur  Eider,  während  in 
zweiter  Linie  eine  k.  k.  österreichische  Brigade  in  Hamburg-Altona  und 
eine  königlich  preußische  Brigade  in  Lübeck  als  Reserve  Autstellung  nahmen. 

Inzwischen  hatten  Österreich  und  Preußen  behufs  endlicher,  vollständiger 
Entscheidung  des  deutsch-dänischen  Conflictes  am  28.  December  1863  am  Bunde 
auch  die  militärische  Besetzung  Schleswigs  als  eines  Pfandes  für  die  Aufhebung 
der  erwähnten  Verfassung  beantragt  Dieser  Antrag  wurde  jedoch  vom  Bundestag 
abgelehnt  Die  Mehrzahl  der  deutschen  Mittel-  und  Kleinstaaten  wollte  sich  mit 
der  Occupation  Schleswigs  nur  unter  Bedingungen  einverstanden  erklären,  welche 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  JQUand  im  Jahre  1864. 


171 


der  durch  das  Londoner  Protokoll  völkerrechtlich  festgesetzten  Thronfolge-Ord- 
nung in  Dänemark  widersprachen.  Infolge  dessen  erklärten  Österreich  und  Preußen 
mit  Rücksicht  auf  das  erwähnte  Protokoll  und  auf  ihre  außerdeutsche  Stellung 
als  Großmächte,  die  pfandweise  militärische  Besetzung  Schleswigs  nun  allein 
vornehmen  zu  wollen.  Nachdem  sie  sich  zu  diesem  Zwecke  verbündet  hatten  und 
durch  das  am  16.  Jänner  1864  an  Dänemark  gerichtete  neuerliche  Ultimatum  die 
Aufhebung  der  dänischen  Verfassung,  welche  die  widerrechtliche  Vereinigung 
Schleswigs  mit  Dänemark  enthielt,  nicht  zu  bewirken  vermochten,  erhielten  die 
österreichisch-preußischen  Truppen,  welche  ursprünglich  zur  Bundes-Execution 
in  Holstein-Lauenburg  bestimmt  waren,  den  Befehl,  in  Schleswig  einzurücken. 

Es  waren  dies  nachfolgende,  im  Einvernehmen  Seiner  Majestät  des  Kaisers 
Franz  Joseph  I.  und  Seiner  Majestät  des  Königs  Wilhelm  1.  unter  den  Ober- 
befehl des  kgl.  preuß.  General-Feldmarschalls  Freiherm  von  Wrangel  gestellte 
Truppen  und  zwar 

K.  k.  österreichische  Truppen 

unter  Commando  des  FML.  Ludwig  Frh.  von  Gab  lenz,  mit  dem  FML.  Grafen 
Neipperg  als  ad  latus: 

das  VI.  Armee-Corps,  bestehend  aus  den  Infanterie-Brigaden  GM.  Graf 
Gondrecourt,  GM.  Joseph  Frh.  von  Dorraus,  GM.  von  Nostitz,  GM.  Tomas, 
aus  der  Cavallerie- Brigade  GM.  Frh.  von  Dobr2ensky,  aus  den  erforderlichen 
technischen  Truppen,  der  Corpsgeschütz-Reserve  und  den  Reserve- Anstalten. 

Diese  k.  k.  österr.  Truppen  hatten  nachfolgende  Stärke:  20  Bataillone, 
10  Escadronen,  48  Geschütze  —  mit  einem  Verpflegsstande  von  27.050  Mann. 
4.838  Pferden  —  darunter  an  Streitbaren  19.244  Mann  Infanterie.  1.523  Reiter. 

Königl.  preußische  Truppen 

unter  Commando  Seiner  königl.  Hoheit  des  GdC.  Prinzen  Friedrich  Carl: 
das  I.  combinierte  Armee-Corps,  bestehend  aus  der  6.  Infanterie-Division 
GL.  v.  Manstein,  der  13.  Infanterie-Division  GL.  von  Wintzingerode,  der 
combinierten  Cavallerie-Division  GM.  Graf  zu  Münster  -  Me  inhövel,  sodann 
aus  der  Reserve  -  Artillerie,  den  technischen  Truppen  und  den  erforderlichen 
Feldanstalten; 

ferner  unter  Commando  des  GL.  von  der  Mülbe  die  königl.  preußische 
combinierte  Garde-Division. 

Diese  königl.  preußischen  Truppen  hatten  nachfolgende  Stärke:  37  Batail- 
lone, 29  Escadronen,  110  Geschütze  —  mit  einem  Verpflegstande  von  45.136 
Mann,  13.656  Pferden  —  darunter  an  Streitbaren  30.823  Mann  Infanterie,  4.558 
Reiter,  2.923  Artilleristen. 

Die  verbündeten  Truppen  zählten  demnach  im  ganzen:  57  Bataillone,  39 
Escadronen,  158  Geschütze  —  mit  einem  Verpflegsstande  von  72.186  Mann.  18.494 
Pferden  —  darunter  an  Streitbai  en  50.067  Mann  Infanterie,  6.081  Reiter. 


172 


CLXI.  bin  GLX1U.  Promotion. 


FM.  Frh.  von  Wrangel,  welchem  als  Chef  des  Generalstabes  GL.  Vogel  von 
Falc kenstein  zur  Seite  stand,  traf  in  Betreff  der  Ordre  de  bataille  die  Verfügung, 
dass  die  Truppen  unter  Prinz  Friedrich  Carl  als  rechter  Flügel  das  I.  Corps, 
die  Truppen  unter  FML.  Frh.  von  Gablenz  als  Centrum  das  II.  Corps,  und  die 
Garde-Division  unter  GL.  von  der  Mülbe  als  linker  Flügel  das  III.  Corps 
formierten. 

Im  Armee-Hauptquartier  machten  Ihre  königl.  Hoheiten  Kronprinz  Friedrich 
Wilhelm  von  Preußen  und  Prinz  AI  brecht  (Vater),  im  Corpsquartier  Sr. 
königl.  Hoheit  des  Prinzen  Friedrich  Carl  auch  Prinz  Albrecht  (Sohn)  den 
Feldzug  mit. 

Gegenüber  den  von  Österreich  und  Preußen  aufgebotenen  Streitkräften  hatte 
das  dänische  Heer  einen  Kriegsstand  von  51.541  Mann.  Dasselbe  formierte 
43  Bataillone,  10  Compagnien,  26  Escadronen  mit  96  Geschützen;  doch  vermochte 
Dänemark  nach  Besetzung  Kopenhagens,  dann  der  festen  Plätze  von  Fridericia, 
Düppel  u.  s.  w.  den  Verbündeten  im  Felde  nur  einen  Theil  seines  Heeres  entgegen- 
zustellen. Diese  mobile  danische  Kriegsmacht  war  bei  Ausbruch  des  Krieges  in 
3  Infanterie-,  1  Cavallerie-Division  und  1  Reserve-Brigade  gegliedert  und  stand 
unter  dem  Oberbefehle  des  GL.  De  Meza. 

Außer  den  Streitkräften  zu  Lande  waren  auch  die  beiderseitigen  Kriegs- 
marinen berufen,  in  diesem  Kriege  eine  wichtige  Rolle  zu  spielen.  Jene  Däne- 
marks bestand  aus  22  Schraubendampfern  verschiedener  Größe  mit  368  Geschützen, 
ferner  einer  Segelflotte  von  10  Schiffen  mit  420  Kanonen,  endlich  einer  bedeu- 
tenden Anzahl  von  Transport-Dampfern  und  Ruderschiffen.  Der  Deutsche  Bund 
gebot  über  kein  einziges  Kriegsschiff.  Die  Machtmittel  Preußens  zur  See  waren 
unzureichend.  Infolge  dessen  sah  sich  Österreich  im  Verlaufe  des  Krieges  veran- 
lasst, außer  den  zum  Schutze  seiner  Handelsmarine  in  verschiedenen  Seegebieten 
bestimmten  Geschwadern,  eine  eigene  größere  Escadre  seiner  Kriegsflotte  behufs 
Cooperation  mit  den  verbündeten  österreichisch-preußischen  Streitkräften  in  die 
Nordsee  zu  entsenden  und  dadurch  das  Missverhältnis  gegenüber  den  dänischen 
Sireitkräften  zur  See  auszugleichen. 

So  bot  Österreich  zur  See.  Preußen  zu  Lande  die  größeren  Machtmittel  auf. 
um  den  Kriegszweck  zu  erreichen. 

Das  Ziel,  welches  die  Verbündeten  zunächst  ins  Auge  gefasst  hatten, 
bestand,  wie  gesagt,  in  der  Occupation  Schleswigs.  Der  Kriegsplan  der 
Dänen  gieng  dahin,  die  Ei  der  I  in  ie  nur  zu  beobachten  und  den  ersten  ernsten 
Widerstand  in  der  Verteidigungslinie  des  Dane  w  erks,  besonders  bei  Schles  wi  g, 
zu  leisten.  FM.  Frh.  von  Wrangel  beabsichtigte  noch  vor  vollständiger  Conccn- 
trierungder  verbündeten  Streitkräfte  die  Eiderlinie  zu  überschreiten,  sodann  nach 
vollendetem  Aufmarsche  durch  das  österreichische  Corps  und  die  preußische  Garde- 
Division  das  Danewerk  in  der  Front,  durch  das  preußische  Corps  des  Prinzen 
Friedrich  Carl  aber  die  linke  Flanke  der  Dänen  über  Missunde  anzugreifen. 

FML.  Frh.  von  Gablenz,  um  seine  Ansicht  befragt,  erklärte  sich,  eingedenk 
der  von  seinem  Obersten  Kriegsherrn  empfangenen  Weisungen,  mit  der  Absicht 

Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  JQtland  im  Jahre  186*. 


173 


des  FM.  Frh.  von  Wrangel  sofort  einverstanden,  trotzdem  das  k.  k.  Corps  noch 
nicht  vollständig  concentriert  war. 

Die  zum  Übergänge  über  die  Eider  bereiten  österreichischen  Truppen 
zählten:  14  Bataillone,  10  Escadronen  und  40  Geschütze,  die  preußischen: 
24  Bataillone,  23  Escadronen  und  96  Geschütze;  zusammen  38  Bataillone,  33  Escad- 
ronen, 142  Geschütze.  Die  Brigade  Dormus  mit  5  Bataillonen  stand  am  31.  Jänner 
abends  bei  Neumünster,  die  königlich  preußische  Garde-Division  mit  1 2  Bataillonen 
bei  Glückstadt 

Am  31.  Jänner  richtete  FM.  Frh.  von  Wrangel  an  den  dänischen  Obergeneral 
De  Meza  die  Aufforderung,  Schleswig  zu  räumen.  Auf  die  ablehnende  Antwort 
erließ  FM.  Frh.  von  Wrangel  an  beide  Corps-Commandanten  das  verabredete 
Telegramm : 

,ln  Gottes  Namen  —  drauf!* 

Gleichwie  ein  halbes  Jahrhundert  zuvor  gegen  Frankreich  durch  Waffen- 
gemein?chaft  verbunden,  überschritten  Österreicher  und  Preußen  gegen  Dänemark 
am  1.  Februar  1864  die  Eider  und  rückten  in  das  Herzogthum  Schleswig  ein. 

FML.  Frh.  von  Gab  lenz,  in  zwei  Colonnen  vorrückend,  erreichte  die  Sorge, 
Prinz  Friedrich  Carl  Moschau  und  Eckernförde. 

Die  dänischen  Vortruppen  zogen  sich  überall  zurück  und  nur  bei  Windeby 
und  Eckernförde  kam  es  zu  unwesentlichen  Zusammenstößen  zwischen  den  preußi- 
schen Truppen  und  den  Dänen. 

Die  Letzteren.  35.900  Mann  mit  96  Geschützen  unter  GL.  De  Meza,  standen 
in  der  stark  befestigten  Danewerk  -  Position,  mit  der  Hauptmacht  bei 
Schleswig. 

Am  2.  Februar  rückte  die  preußische  Garde-Division  (III.  Corps)  als  linker 
Flügel  in  die  Frontlinie  der  Armee  und  bis  an  die  Sorge  vor.  FML.  Frh.  von  Gablenz 
nahm  mit  seinem  Corps  die  Linie  Hfitten-Norby  ein,  während  die  Brigade  GM. 
Dormus  Alt-  und  Xeu-Bündelsdorf  erreichte. 

Dabei  kam  es  nur  zu  einem  Recognoscierungs-Scharmützel  der  k.  k.  Caval- 
lerie  bei  Torfschuppen  nächst  Lottow.  Prinz  Friedrich  Carl  rückte  an  diesem 
Tage  mit  dem  I.  Corps  in  die  Linie  Kochendorf-Holm  vor;  eine  selbständig  geplante 
Unternehmung  —  die  Kanonade  gegen  den  wichtigen  Schlei-Übergangspunkt 
Missunde  —  blieb  ohne  Erfolg. 

Arn  3.  Februar  rückte  FML.  Frh.  von  Gablenz  in  die  Linie  Fahrdorf, 
Nieder-  und  Ober-Selk,  Jagel  angesichts  der  Danewerk-Position  vor.  Diese  Vor- 
rückung der  Truppen  führte  zn  dem  ruhmreichen  Gefechte  bei  Ober-Selk  und 
zu  der  Erstürmung  des  Königsberges  vor  dem  Danewerk. 

Auf  diese  Waffenthat  hin  wollte  FM.  Frh.  von  Wrangel  das  Danewerk  ohne 
Verzug  angreifen  und  gab  diese  Absicht  bei  der  am  3.  Februar  nachmittags  statt- 
gehabten Besprechung  kund.  Gegen  einen  solchen  unmittelbaren  Angriff  auf  diese 
stark  befestigte  und  wohl  armierte  Centrai-Position  sprachen  sich  jedoch  alle  An- 
wesenden einstimmig  aus,  insbesondere  aber  FML.  Frh.  von  Gahlen/.,  der  thaten- 
durstige  und  kühne,  dabei  aber  innsichtige  Cominandant  des  k.  k.  Corps. 


Digitized  by  Google 


174 


CLXI.  bis  CLXm.  Promotion. 


Daraufhin  fasste  das  Armee-Commando  den  Entschluss,  FML.  Frh.  von  Gab- 
lenz am  4.  vor  der  Danewerk-Position  stehen  zu  lassen,  und  dieselbe  mit  dem 
preußischen  I.  Corps  im  Osten  zu  umgehen.  So  kam  es  am  4.  Februar  zur  Kano- 
nade von  Schleswig  zwischen  dem  Königsberg  und  dem  Danewerk,  ferner  am 
4.  und  5.  Februar  zum  Geschützkampfe  bei  Fahrdorf,  wobei  die  schweren 
feindlichen  Kanonen  des  Gegners  wiederholt  durch  die  österreichischen  Feld- 
geschütze zum  Schweigen  gebracht  wurden.  —  Prinz  Friedrich  Carl  setzte 
sich  am  5.  Februar  gegen  die  Obergangspunkte  der  unteren  Schlei  bei  Arnis  und 
Cappeln  in  Marsch,  während  die  k.  k.  Brigade  Dormus  mit  dem  Regimente 
Windischgrätz-Dragoner  zur  Unterstützung  der  vor  Missunde  belassenen  preußi- 
schen Beobachtungstruppen  disponiert  wurde. 

Inzwischen  waren  aber  die  Kämpfe  des  3.  Februar,  durch  welche  die  k.  k. 
Truppen  die  Position  von  Ober-Selk  erstürmt  und  behauptet  hatten,  nicht  ohne 
bestimmenden  Einfluss  auf  die  dänische  Heeresleitung  geblieben.  Nach  einem  am 

4.  abgehaltenen  Kriegsrathe  beschloss  dieselbe,  die  Danewerk-Position  ohne 
weiteren  Kampf  zu  räumen.  Diese  erfolgte  vom  5.  auf  den  (J.  Februar. 

Der  durch  die  finstere  Nacht  begünstigte  Rückzug  der  Dänen  gelangte  gegen 
4  Uhr  früh  des  G.  zur  Kenntnis  des  FML.  Frh.  von  Gablenz.  Derselbe  ordnete 
unverzüglich  die  Verfolgung  des  Gegners  gegen  Flensburg  mit  den  zur  Stelle 
befindlichen  Truppen  des  k.  k.  VI.  (II.')  Armee-Corps  an. 

FM.  Frh.  von  Wränge  1  beorderte  auch  sätnmtliche  übrigen  Armeetheile  zu 
beschleunigter  Vorrückung  gegen  Flensburg.  Dank  dem  selbständigen  und 
energischen  Vorgehen  des  FML.  Frh.  von  Gablenz  holte  aber  dessen  Tete  den 
Feind  schon  bei  Hessemoor  ein  und  brachte  ihm  bei  Oeversee  eine  entschei- 
dende Niederlage  bei. 

Dieses  ruhmreiche  Gefecht  veranlasste  die  Dänen,  das  Festland  des  Herzog- 
thums Schleswig  mit  Ausnahme  der  Position  von  Düppel  zu  räumen.  Das  Gros 
der  dänischen  Armee  zog  sich  noch  in  der  Nacht  ostwärts  hinter  Düppel  und  auf 
die  Insel  Alsen,  die  dänische  Cavallerie  nordwärts  nach  Jütland  zurück. 

Am  7.  Februar  übernahm,  da  die  k.  k.  Truppen  nach  den  Gewaltleistungcn 
der  letzten  Tage  unabweislich  einer  Erholung  bedurften,  die  Garde- Division 
(III.  Corps)  die  Verfolgung  der  Dänen.  Sie  stieß  in  ihrer  Vorrückung  jedoch  nirgends 
mehr  auf  den  Feind  und  besetzte  Flensburg,  sowie  den  nördlichen  Defile-Ausgang 
gegen  Bau  und  Crusan. 

FML.  Frh.  von  Gab  lenz  blieb  südlich  von  Flensburg,  mit  dem  Corpsquartier 
in  Frörup.  Prinz  Friedrich  Carl  gelangte  nach  Gründhof  und  Groß-Quem  und 
schlug  sein  Corpsquartier  in  Glücksburg  auf. 

Die  Armee  genoss  nun  in  ihren  Cantonnenients  einer  mehrtägigen  Ruhe. 
Während  derselben  besetzte  von  der  inzwischen  neu  mobilisierten  preußischen 

5.  Infanterie-Division  GL.  Tümpling,  die  Brigade  GM.  Raven  die  wichtigsten 
Etappenorte  des  durch  die  Bundestruppen  occupierten  Herzogt hums  Holstein. 

RecognoseMMiings-Detachements  der  Garde-Divison  ermittelten,  dass  der 
Gegner  die  Position  von  Düppel  festhielt.  FM.  Frh.  von  Wrangel  erließ  Dispo- 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Danemark  iu  Schleswig  und  JQtl&nd  im  Jahre  1864. 


175 


sitionen,  welche  die  unverweilte  Einschließung  derselben,  sowie  die  Besetzung  des 
ganzen  Herzogthums  Schleswig  zum  Ziele  hatten. 

Prinz  Friedrich  Carl,  dem  die  Operationen  gegen  die  Düppel- 
Stellung  übertragen  wurden,  rückte  mit  dem  I.  Corps  am  11.  und  12.  Februar 
über  Flensburg  in  die  Landschaft  Sundewitt  und  nahm  in  der  Linie  Gravenstein, 
Fischbeck,  Rieding  und  Beuschau  Aufstellung;  das  Corpsquartier  etablierte  sich 
im  Schlosse  von  Gravenstein.  Durch  eine  Reihe  von  scharfen  Recognoscierungen 
und  Vorstößen  gegen  die  dünischen  Vortruppen  in  der  Zeit  vom  12.  bis  22.  Februar 
gewann  der  Prinz  die  Überzeugung,  dass  die  starke  Düppel-Position  nur  durch 
belagerungsmäßigen  Angri ff  genommen  werden  könne.  Dies  hatte  bis  zum 
Anlangen  des  Belagerungs-Materials  bei  dem  Corps  des  Prinzen  Friedrich  Carl 
einen  längeren  Stillstand  der  Operationen  zur  Folge. 

Von  den  inzwischen  nach  Norden,  gegen  die  jütische  Grenze,  in  Bewegung 
gesetzten  beiden  Corps  concentrierte  sich  die  Garde-Division  (III.  Corps)  am  11. 
und  12.  Februar  bei  Apenrade,  schob  sich  sodann  vom  13.  angefangen  langsam 
nordwärts  und  war  am  17.  Februar  bei  Christianfeld,  zwei  Meilen  von  der  jütischen 
Grenze,  concentriert.  FML.  Frh.  von  Gablenz  folgte  als  Reserve  in  der  Entfernung 
eines  Tagmarsches  und  bezog  am  17.  Februar  mit  seinem  Corps  Cantonnierungen 
in  und  südlich  von  Hadersleben.  Am  18.  Februar  besetzte  die  Avantgarde  der 
Garde-Division  die  auf  jütischem  Gebiete  gelegene  Stadt  Kolding  und  stellte  Vor- 
posten gegen  Fridericia  aus. 

Da  jedoch  der  Einmarsch  in  Jütland  über  das  ursprüngliche  Kriegsziel  —  die 
Occupation  Schleswigs  —  hinau^gieng,  überdies  den  Einspruch  der  neutralen  Groß- 
mächte hervorrufen  konnte,  wurde  die  weitere  Vorrückung  in  Jütland  vorüber- 
gehend eingestellt.  Während  in  dieser  Beziehung  diplomatisch  verhandelt  wurde, 
blieben  auch  die  an  die  jütische  Grenze  vorgeschobenen  Truppen  unthätig.  Es 
herrschte  sonach  Ruhe  auf  dem  ganzen  Kriegsschauplatze. 

Bei  der  dänischen  Armee,  welche  diese  Pause  benützte,  um  die  Positionen 
von  Düppel  und  Fridericia  möglichst  zu  verstärken,  hatten  sieh  Wechsel  im 
Armee-Commando  vollzogen.  Auf  General  De  Meza  war  zuerst  GL.  Lüttichau 
gefolgt;  seit  Anfang  März  führte  aber  GL.  Gerlach  den  Oberbefehl. 

Die  unfreiwillige  Ruhepause  wurde  auch  von  den  königl.  preußischen  Trup- 
pen zu  vorbereitenden  Maßnahmen,  darunter  zur  Heranziehung  des  Belagerungs- 
geschützes und  der  Brigade  Schlegell  der  5.  Infanterie-Division  benützt. 

Am  8.  März  wurden  die  Operationen  wieder  aufgenommen.  FM.  Frh.  von 
W  ran  gel  disponierte  die  Garde-Division  (III.  Corps)  ostwärts  gegen  die  Festung 
Fridericia,  den  FML.  Frh.  von  Gablenz  (II.  Corps)  aber  nordwärts,  um  den  Gegner, 
welcher  in  der  muthmaßlichen  Stärke  von  4000  Mann  Infanterie  und  26  Escadronen 
bei  Veile  stand,  niederzuwerfen. 

Demgemäß  setzte  sich  die  Garde-Division  am  8.  März  früh  morgens  gegen 
Fridericia  in  Bewegung,  warf  die  dänischen  Vortruppen  unter  Gefecht  gegen  die 
Festung  zurück  und  nahm  um  Mittag  in  der  Linie  Sanddal-Sönderskovgard  Auf- 
stellung. 


Digitized  by  Google 


176 


CLXl.  bis  CLX1II.  Promotion. 


FML.  Frh.  von  Gablenz,  welchem  auch  die  combinierte  preußische  Cavallerie- 
Brigade  Oberst  Fließ  zugewiesen  worden  war,  und  der  am  7.  März  seine  Truppen 
nächst  Kolding  und  Eistrup  concentriert  hatte,  rückte  am  8.  über  die  Rolding-Au 
in  zwei  Colonnen  nordwärts.  Die  Haupt-Colonne,  unter  unmittelbarer  Leitung  des 
FML.  Frh.  von  G ablenz,  griff  den  bei  Veile  in  einer  sehr  starken  Position 
aufgestellten  Gegner  an  und  schlug  denselben  in  einem  blutigen  Treffen. 

FM.  Frh.  von  W  ran  gel  dankte  dem  FML.  Frh.  von  Gablenz  unter  anderem 
mit  den  Worten,  er  habe  viel  begehrt,  „aber  FML.  Frh.  von  Gab  lenz  und  seine 
Truppen  wussten,  bei  Gott!  auch  viel  zu  leisten-. 

In  der  That  hatte  FML.  Frh.  von  Gab  lenz  mit  der  Hälfte  seines  Corps  die 
letzten  auf  der  jütischen  Halbinsel  in  freiem  Felde  gestandenen  dänischen  Kräfte 
geschlagen  und  so  die  ihm  gestellte  Aufgabe  glänzend  gelöst 

Am  9.  concentrierte  sich  FML.  Frh.  von  Gablenz  bei  Veile,  hielt  über 
Weisung  desFM.  Frh.  von  Wrangel  am  10.  Rasttag,  rückte,  unter  Zurücklassung 
der  Brigade  Nostitz  behufs  Unterstützung  der  Garde-Division  gegen  einen  etwaigen 
Ausfall  der  Besatzung  Fridericias,  am  1 1 .  März  nach  Horsens  und  Umgebung  und 
am  12.  gegen  die  vom  Feinde  besetzte  starke  Defile-Stellung  südlich  von  Skander- 
borg.  Der  Feind  zog  sich  jedoch  ohne  Kampf  gegen  Aarhuus  zurück. 

Am  13.  März  entsendete  FML.  Frh.  von  Gablenz,  da  die  allgemeine  Kriegs- 
lage ein  weiteres  Entfernen  von  dem  Cent  raipunkte  Veile  nicht  zuließ,  auch  die 
vom  Armee- Commando  für  diese  Expedition  anberaumte  Zeit  nicht  überschritten 
werden  durfte,  von  Skanderborg  Recognoscierungs-Detachements  nach  Aarhuus 
und  Silkeborg  und  vollzog  in  der  Zeit  vom  14.  bis  16.  März  successive  wieder  den 
Rückmarsch  des  k.  k.  Armee-Corps  in  die  Centralstellung  von  Horsens  und  Veile. 

Um  die  Abgabe  von  Verstärkungen  aus  Fridericia  nach  Alsen  zu  hindern  und 
wo  möglich  feindliehe  Kräfte  von  dieser  Insel  abzuziehen,  ordnete  FM.  Frh.  von 
Wrangel  die  Beschießung,  eventuell  den  gewaltsamen  Angriff  Frirtcricias  an.  An 
dieser  Operation  nahmen  die  Garde -Division  und  die  beiden  k.  k.  Brigaden 
Tomas,  Nostitz  mit  der  Geschütz-Reserve  des  k.  k.  VI.  Corps  theil.  Am  19.  März 
vormittags  erfolgte  die  Einschließung.  Inzwischen  hatte  aber  FM.  Frh.  von  Wrangel 
auf  den  Gewaltangriff  verzichtet  und  die  bloße  Beschießung  der  Stadt  angeordnet, 
um  dieselbe  zu  beunruhigen,  eventuell  durch  Einschüchterung  zur  Übergabe  zu 
veranlassen.  Die  Beschießung  begann  am  Morgen  des  20.  März,  wurde  aber  schon 
am  21.  um  1  Uhr  mittags  eingestellt. 

FM.  Frh.  von  Wrangel  ließ  mit  22.  März  die  Operationen  in  Süd-Jütland 
wieder  aufnehmen.  Hiebei  traf  er  jedoch  die  Verfügung,  dass  nunmehr  FML.  Frh. 
von  Gablenz  mit  seinem  Corps  die  Cernierung  Fridericias  übernahm, 
während  die  Garde-Division  mit  der  bisher  durch  die  k.  k.  Truppen  bewirkten 
Sicherung  gegen  Norden  in  dem  Rayon  Veile  bis  Horsens  betraut  wurde,  zu 
welchem  Zwecke  die  combinierte  preußische  C.avallerie -Brigade  Fließ  wieder  zur 
Garde-Division  einrückte. 

Demzufolge  löste  FML.  Frh.  von  Gablenz  am  22.  März  die  Garde-Division  mit 
den  beiden  Brigaden  Nostitz  und  Tomas  vor  Fridericia  in  erster  Linie  ab,  bestimmte 


Digitized  by  Google 


Im  Kriegt;  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  JGtland  im  Jahre  1SCI. 


177 


die  Brigade  Dormus  aus  Ilorsens  zur  Reserve  und  unterstellte  diese  3  Brigaden 
dem  Befehle  des  FML.  Grälen  Neipperg  in  Brcdstrup,  welcher  die  Cernierung 
zu  leiten  hatte.  Die  Brigade  Gondrecourt  rückte  von  Veile  nach  Kolding,  wohin 
auch  FML.  Frh.  von  Gablenz  sein  Corpsquartier  verlegte.  Um  aber  die  Cernierungs- 
Truppen  durch  ihre  vorgeschobene  Aufstellung  nicht  unnöthig  zu  ermüden,  zog 
FML.  Frh.  von  Gablcnz  am  24.  abends  das  Gros  derselben  wieder  auf  das  westliche 
Ufer  der  Rands-Aa  zurück.  Die  Vorposten  hielten  nunmehr  die  Linie  Bredstrup- 
Kongsted-Börup-Krislinebjerg  beselzt.  Die  Reserve-Brigade  Dorums  stand  bei 
Smidslrup,  die  Corps-Geschülz-Reserve  etablierte  sich  in  Süder-Wilstrup.  Die 
Cavallerie-Brigade  Dobrzensky  bezog  Gantonnements  nordwestlich  Kolding.  Diese 
Aufstellung  behielt  das  k.  k.  VI.  Corps  in  der  nächsten  Zeit  im  allgemeinen  bei. 

Bei  den  preußischen  Truppen  vollzogen  sich  inzwischen  einige  wichtige 
Veränderungen.  Prinz  Friedrieh  Carl  stand  mit  seinem  Corps  im  .Sundewitt 
dem  Gegner  gegenüber,  der  noch  die  wohlbefestigte,  für  den  Krieg  entscheidende 
Position  Düppel-AIsen  auf  Schleswigs!  hem  Buden  mit  Kräften  behauptete,  die 
numerisch  jenen  des  Prinzen  nahezu  gewachsen  waren  um!  leicht  bis  zur  Ober- 
macht verstärkt  werden  konnten.  Angesichts  dessen  verfügte  FM.  Frh.  von  Wra  ngel 
am  1">.  März  die  Heranziehung  der  Brigade  Raven  aus  Holstein  zum  Corps  des 
Prinzen.  Zu  demselben  Zwecke  verlegte  das  Arinee-Connnatido  am  2<i.  März 
3  Regimenter  ("J  Bataillone)  und  sämmtliche  gezogenen  Geschütze  der  Gardc- 
Division  von  Veile  und  Holsens  nach  Grevenstein. 

Die  zur  Sicherung  gegen  Norden  in  und  bei  Veile  belassenen  preußischen 
Truppen  —  3  Garde-Bataillon«1,  das  Garde-Husaren-Regiuient,  die  Cavallerie- 
Brigade  Oberst  Fließ  und  2  Batterien  unter  Cununando  des  GM.  G rufen  Münster  — 
wurden  dem  FML.  Frh.  von  Gablenz  unterstellt. 

Da  verschiedene  kühne  und  erfolgreiche  Unternehmungen  dänischer  Streif- 
Commanden,  sowie  Nachrichten  einen  feindlichen  Angriff  auf  die  wichtige  Ccntral- 
stellung  Veile  in  Aussicht  stellten,  ließ  FML.  Frh.  von  Gablenz  am  31.  März  die  in 
Reserve  stehende  Brigade  Dormus  nebst  einer  Batterie  der  Geschütz-Reserve 
nach  Veile  rücken.  FML.  Graf  Nei  p perg  aber  erhielt  Befehl,  bei  einem  Ausfall 
aus  Fridcricia  sich  in  seiner  Stellung  zu  halten.  In  der  That  kam  es  nicht  nur  bei 
Fridericia,  sondern  auch  bei  Veile  zu  Zusammenstößen  mit  feindlichen  Patrouillen. 
Um  nun  den  bei  Ilorsens  immer  dreister  aultretenden  Gegner  zu  verjagen,  ließ 
FML.  Gab  lenz  am  10.  April  ein  gemischtes  Detachemetit  preußischer  Truppen 
unter  Obersten  Fließ  eine  Expedition  dahin  ausführen.  Der  schwache  Gegner 
wurde  ohne  Mühe  aus  der  Stadt  vertrieben,  entzog  sich  aber  der  Verfolgung, 
worauf  das  Detachement  an  demselben  Tage  wieder  in  Veile  einrückte. 

Mittlerweile  war  auch  der  belagerungsmäßige  Angriff  auf  die  Düppel- 
Position  seitens  der  Truppen  des  Prinzen  Friedrich  Carl  in  Gang  gekommen. 
Derselbe  halte  seil  dem  Rccognoscierungs-Gefechte  am  22.  Februar  das  Eintreffen 
des  schweren  Geschützes  abgewartet.  Über  Disposition  des  Armee-Conimandos 
ließ  der  Prinz  nach  einem  Recognoscienings-G efechte  am  1.  März  seine 
Truppen  die  Defensivlinic  Wenn ing-N übel  Mühle-Satrup  beziehen  und  sich 

M.UllrUcher  Muria  Th  crom-.. -Ordern.  1  -» 


Digitized  by  Google 


178 


CLXI.  I.is  CI.XIII.  Promotion. 


bis  9.  in  derselben  verschanzen.  Am  14.  März  wurde  das  Feuer  in  Gegenwart 
der  königl.  Prinzen  Friedrich  Carl  und  Carl  von  Preußen  gegen  die  Düppel- 
Position  eröffnet  und  die  Dänen  durch  eine  Reihe  von  Kämpfen  bis  zum  17. 
aus  dem  Vorterrain  bis  hart  an  die  Werke  von  Düppel  zurückgedrängt. 

Nach  einem  Gefechte  am  28.  bei  Ober-Düppel  wurde  in  der  Nacht 
vom  29.  auf  den  30.  März  mit  der  Aushebung  der  Parallelen  begonnen.  Am  2.  April 
nachmittags  standen  52  schwere  Geschütze  gegen  den  linken  Flügel  der  Düppel- 
Position  im  Feuer.  Am  3.  wurde  die  Umgehung  des  rechten  Flügels  von  Düppel 
durch  Überschiffung  des  Alsener  Sundes  bei  Ballegaard  in  Angriff  genommen, 
scheiterte  jedoch  an  der  Ungunst  des  Wetters.  Bis  zum  15.  April  waren  alle  drei 
Parallelen  ausgehoben  und  bis  zum  17.  im  ganzen  120  Geschütze  im  Feuer.  Am 
18.  April  endlich  wurden  die  Düppler-Werke  siegreich  erstürmt  und  die 
Dänen  auf  die  Insel  Alsen  zurückgeworfeu. 

Damit  hatte  sich  Prinz  Friedrich  Carl  von  Preußen  des  wichtigsten  Boll- 
werkes der  Dänen  auf  dem  Festlande  von  Schleswig  bemächtigt  und  so  einen  ent- 
scheidenden Schritt  zur  Wegnahme  und  Occupation  der  wichtigen,  zum  Herzog- 
thum Schleswig  gehörigen  Insel  vorwärts  gethan. 

Nach  der  Einnahme  der  Position  von  Düppel  verfügte  das  Armee-Commando 
die  völlige  Occupation  Jütlands  auch  im  Norden,  sowie  die  Belagerung  von 
Fridericia.  Die  erstere  wurde  vom  22.  bis  27.  April  durch  die  Division  GL.  Graf 
Münster  ohne  Kampf  durchgeführt,  da  sich  die  Dänen  unter  General  Heger- 
mann hinter  den  Lymfjord  zurückzogen.  Unter  einem  occupierle  die  Garde-Division 
von  der  Mülbe  das  Küstengebiet  von  Veile  bis  Aarhuus. 

Die  Belagerung  von  Fridericia  wurde  dem  FML.  Frh.  von  Gablenz,  welcher 
diese  Festung  seit  dem  22.  März  bereits  cernierte,  übertragen.  Bevor  jedoch  das 
ihm  zugewiesene  Belagerungsgeschütz  angelangt  war,  räumten  die  Dänen  vom 
28.  auf  den  29.  in  der  Stille  diesen  Platz  und  zogen  sich  auf  die  Insel  Fünen  zurück. 
FML.  Frh.  von  Gablenz  ließ  die  Festung  sofort  besetzen.  Über  Befehl  des  Armce- 
Commandos  vom  1.  Mai  führte  er  sodann  die  Schleifung  der  Befestigungen  derart 
durch,  dass  Fridericia  von  da  an  gegen  die  Landseite  nur  mehr  als  offene  Stadt 
zu  betrachten  war. 

Anfangs  Mai  übernahm  der  bisherige  Generalstabschef  der  verbündeten 
Armee,  GL.  Vogel  von  Falckenstein,  das  Commando  der  sämmtlichen  in 
Nord-Jütland  stehenden  preußischen  Truppen,  welche  als  III.  Corps  nunmehr 
25  Bataillone,  16  Escadronen  und  6  Batterien  zfihlten. 

Die  Leitung  des  Generalstabsdienstes  bei  der  verbündeten  Armee  giengaufden 
Generalstabschef  des  königl.  preußischen  Armee,  GL.  Freiherr  von  Moltke  über. 

Das  Armee-Commando  fasste  nach  der  Besetzung  Friderieias  einen  Über- 
gang auf  die  Insel  Fünen  ins  Auge.  GL.  Freih.  von  Moltke  unternahm  zu  diesem 
Zwecke  mit  dem  FML.  Frh.  von  Gablenz  eine  Recognoscierung.  Der  Letztere,  der 
wohl  gegen  den  Vorwurf  zu  geringer  Unternehmungslust  gesichert  war,  stand  nicht 
an,  sich  dagegen  auszusprechen.  Seine  Einwendungen  fanden  Beachtung  und 
wurde  das  Unternehmen  aufgegeben. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriegt  fe'tgtii  Dänemark  in  Sdd.-swi^  und  .lüllaud  im  Jahre  1  Küi. 


17<J 


In  völligem  Gegensätze  zu  dem  Verlauf  des  Krieges  auf  dein  Festlande 
bcherrs«  hlen  die  Dänen  mit  ihrer  Marine  die  See. 

Die  preußische  Marine  unter  Oberbefehl  Seiner  königl.  Hoheit  des  Prinzen 
Adalbert  entwickelte  in  der  Ostsee  gegenüber  der  dänischen  große  Regsamkeit. 
Wiewohl  die  preußischen  Kriegsfahrzeuge  dabei  den  dänischen  Schiffen  an  Kühn- 
heit und  Ausdauer  nicht  nachstanden  und  dieselben  wiederholt  tapfer  angriffen, 
so  vermochten  sie  doch  gegen  deren  überlegenes  Feuer  nicht  aufzukommen. 

Österreich  hatte  schon  gegen  Mitte  Februar  zum  Schutze  seines,  wie  auch 
des  deutschen  Handels  die  Activierung  eines  Geschwaders  angeordnet.  Nach  der 
Nordsee  wurde  später  eine  Escadre  von  10  Schiffen  unter  Befehl  des  k.  k.  Contre- 
Adinirals  Freiherrn  von  Wüllerstorf-Urbair  entsendet.  Dieselbe  bestand  aus 
dem  Schrauben -Linienschiff  Kaiser,  den  Panzer -Fregatten  Don  Juan  und 
Kaiser  Max,  den  Schrauben-Fregatten  Schwarzenberg  und  Radetzky,  der 
Schrauben -Corvette  Erzherzog  Friedrich,  den  Raddampfern  Elisabeth  und 
Lucia  und  den  Kanonenbooten  Seehund  und  Wall. 

Die  Tete  dieses  Geschwaders,  die  beiden  Schrauben-Fregatten  Rade  tzky 
und  Sehwarzenberg,  welchen  sich  während  der  Fahrt  in  Texel  zwei  preußische 
Kanonenboote  Blitz  und  Basilisk  nebst  dem  Dampf-Aviso  Adler  anschlössen, 
traf  unter  Commando  des  k.  k.  Linienschiffs-Capitäns  von  Tegetthoff  am  4.  Mai 
in  Cuxhav en  ein. 

Auf  die  Nachricht,  dassdrei  feindliche  Kriegsschiffe  bei  Helgoland  kreuzten, 
lief  Tegetthoff  am  9.  wieder  aus,  traf  östlich  der  Insel  zwei  dänische  Fregatten 
und  eine  Corvette,  griff  dieselben  trotz  ihrer  Überlegenheit  sofort  an,  lieferte  ihnen 
das  See  treffen  bei  Helgoland,  infolge  dessen  die  dänische  Escadre  die  Nord- 
see verließ.*) 

Contre-Admiral  Wül  lerslorf  lief  am  IG.  mit  dem  Gros  der  österreichischen 
Escadre  in  Texel  ein. 

Am  12.  Mai  trat  infolge  diplomatischer  Verhandlungen  längere  Waffen- 
ruhe ein.  Während  derselben  vollzog  sich  am  18.  Mai  die  wichtige  Veränderung 
bei  der  alliierten  Armee,  dass  Seine  Maje  stät  der  Köni^r  von  Preußen  den  FM.  Frh. 
von  Wrangel  unter  huldvoller  Erhebung  desselben  in  den  Grafeusland,  vom 
Commando  der  Armee  enthob  und  damit  den  Prinzen  Friedrich  Carl  betraute, 
infolgedessen  der  General  der  Infanterie  Herwarth  von  Bittcnfeld  das  Com- 
mando des  I.  Armee-Corps  übernahm. 

Die  dänische  Armee  hatte  um  jene  Zeit  eine  Stärke  von  41  Bataillonen, 
3C>  Escadronen  und  13  Batterien,  welche  in  vier  Armee-Divisionen  gegliedert 
waren.  Dieselben  waren  in  drei  Gruppen  vertheilt,  und  zwar  standen:  die  II.  und 
IV.  Division  unter  GL.  Hegermann  (10  Bataillone,  27  Escadronen,  21  Geschütze) 
in  Nord-Jütland  am  Lymfjord;  die  III.  Division  GM.  Caroc  und  1  Reserve-Brigade 
(10 Bataillone,  7  Escadronen.  56  Geschütze)  auf  Fünen;  die  I.  Division  GM.  Stcin- 


*)  Näheres  im  Abschnitte:  „CLXIV.  W\«  CLXVIII.  Promotion.        Im  Kriege  p.pcn  Preußen 
und  Italien  im  Jahre  1*G6\  und  zwar  im  Lebenslaufe  TctreUhorT*,  Seite  409. 

12« 


Digitized  by  Google 


CLXI.  bis  CLXIII.  Promotion. 


mann  (12  Bataillone,  2  Escadronen,  24  Geschütze)  auf  Alsen.  GL.  Gerlach  hatte 
sein  Hauptquartier  auf  der  Insel  Fünen. 

Am  26.  Juni  wurden  die  Feindseligkeiten  wieder  aufgenommen. 

Prinz  Friedrich  Carl  hatte  schon  vor  Ablauf  der  Waffenruhe  die  Dispo- 
sitionen für  die  Wiederaufnahme  der  Operationen  erlassen. 

GL.  Vogel  von  Falckenstein  wurde  beordert,  mit  seinem  III.  Corps  einer 
eventuellen  Offensive  des  verhältnismäßig  starken  Gegners  vom  Norden  über  den 
Lymfjord  her,  zu  begegnen. 

Gdl.  Herwarth  von  Bitten  feld  erhielt  die  Bestimmung,  mit  seinem  I.  Corps 
sofort  vom  Sundewilt  aus  eine  Landung  auf  der  Insel  Alsen  zu  bewirken. 

FML.  Frh.  von  Gablenz  hatte  mit  dem  k.  k.  VI.  Corps  etwaigen  feindlichen 
Landungen  an  der  Ostküste  zwischen  dem  III.  und  I.  Corps  entgegenzutreten  und 
bei  einer  feindlichen  Offensive  vom  Lymfjord  her  das  III.  Corps  durch  Besetzung 
der  jütischen  Osthäfen  zu  unterstützen.  Ferner  hatte  er,  um  die  Aufmerksamkeit 
des  Feindes  von  dem  Operationsobjecte  Alsen  abzulenken,  einige  Batterien  am 
kleinen  Belt,  sowohl  nördlich  als  südlich  des  Koldingfjords,  zu  erbauen,  endlich 
zum  Schutze  der  Westküste  ein  Detachement  nach  Tondern  zu  verlegen. 

Zum  Zwecke  des  Küstenschutzes  verlegte  demgemäß  FML.  Frh.  von  Gahlen/, 
die  Brigade  GM.  Frh.  von  Piret  (bisher  Gondrecourt)  nach  Christiansfeld,  die  Brigade 
GM.  Tomas  nach  Fridericia,  die  Brigade  GM.  von  Nostitz  nach  Herstev  und  die 
Brigade  GM.  Kalik  (bisher  Uormus)  nach  Veile.  Die  Cavallerie-Brigade  stand  in 
Satrup,  das  Corpsquartier  blieb  in  Kolding. 

Von  der  Brigade  Nostitz  gieng  das  9.  Jäger-Bataillon  mit  einer  Halhbatterie 
am  26.  Juni  nach  Rihe  ab,  um  das  au  die  Westküste  nach  Tondern  verlegte  Deta- 
chement behufs  der  in  Aussicht  genommenen  Operation  gegen  die  nordfriesischen 
Inseln  zu  verstärken. 

In  der  Nacht  vom  26.  auf  den  27.  Juni  wurden  die  erwähnten  Batterien  am  Belt 
erbaut.  Um  die  auf  Fünen  stehenden  beträchtlichen  feindliehen  Kräfte  festzuhalten 
und  dadurch  eine  Verstärkung  des  Feindes  auf  Alsen  zu  hindern,  demonstrierte 
FML.  Frh.  von  Gablenz  mehrere  Tage  hindurch  thätigst  gegen  die  Insel  Fünen. 

Gdl.  von  Her warth  operierte  mit  seinem  I.  Corps  gemäß  den  Weisungen  des 
Arinee-Commandos,  um  aus  dem  Sundewitt  den  Übergang  auf  die  Insel  Alsen 
bei  Ballegaard  auszuführen.  Da  die  Dänen  aber  von  diesem  Unternehmen 
Kenntnis  erlangten,  forcierte  von  Herwarth  den  Übergang  an  einem  anderen 
Punkte,  bei  dem  Satruper  Holze  am  20.  Juni,  welchen  in  erster  Linie  GL.  von 
Man  stein  siegreich  ausführte. 

Durch  die  Eroberung  von  Alsen  war  die  Occupation  Schleswigs  im  Osten 
strategisch  vollendet. 

Nach  der  Wegnahme  Alsens  blieben  für  die  Verbündeten  keine  bedeutenden 
Operationen  mehr  durchzuführen.  Die  Eroberung  Fünens  lag  zwar  in  den  Plänen 
des  Armee-Commandos,  doch  unterblieb  dieses  Unternehmen.  Umso  größeres 
Gewicht  wurde  angesichts  der  offenbar  in  Bälde  zu  gewärtigenden  Friedens-Ver- 
bandlungen  auf  die  Verdrängung  der  nördlich  des  Lymtjords  stehenden  dänischen 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegreti  Dum-mark  in  Sehlen  ig  urt.l  JCitl.iml  im  Jahre  ISfii. 


181 


Truppen,  dann  auf  die  Besetzung  der  nordfriesischen  Inseln  gelegt,  welche  thcils 
zu  Schleswig  theils  zu  Jutland  gehörten. 

Am  1.  Juli  kam  es  zu  einem  Zusammenstoße  einer  Recognoscierungs- 
Ahthcilung  der  Avantgarde  des  III.  Corps  in  Habro  mit  einer  dänischen  bei 
Lundby  am  Lymljord,  welcher  mit  dem  Rückzüge  der  letzteren  endete.  Dieses 
Reeognoscierungs-Gefecht  war  d:is  letzte  auf  dem  dänischen  Fesllande. 

Die  Dänen  räumten  vollends  den  Xordtheil  Jütlands.  und  als  das  preußische 
III.  Corps  tun  9.  Juli  gegen  den  Osttheil  des  Lymfjords  vorzurücken  begann,  stand 
kein  Feind  mehr  an  demselben.  GL.  von  Falckenstein  übersetzte  bei  Aalborg  den 
Fjord,  rückte  am  1*2.  mit  seinen  Vortruppen  in  Frederikshaven  ein  und  ließ  in  Gegen- 
wart Seiner  königlichen  Hoheit  des  Prinzen  Albrecht  am  14.  Juli  die  österrei- 
chisch-preußischen Fahnen  bei  Skagen  im  äußersten  Norden  Jütlands  aufpflanzen. 

Die  Vorrückung  über  den  westlichen  Theil  des  Lymfjords  und  die  Besetzung 
des  dortigen  Gebietes  wurde  dem  FML.  Frh.  von  Gablenz  übertragen  und  von 
demselben  mit  einein  Theil  seines  Corps  in  der  Zeit  vom  7.  bis  IG.  Juli  vollzogen. 
Der  Marsch  gierig  aus  dem  Cantonnement  bei  Kolding  mit  weit  vorgeschobenen 
Streif-Commandcn  über  Nörre-Snede.  Ikast  und  Ürre  nach  Ilolslebro  und  von 
dort  über  Skive  nordwestwärts  an  den  Fjord.  FML.  Frh.  von  Gablenz  selbst  traf 
am  9.  in  llolstebro  ein  und  führte  das  Unternehmen  persönlich  durch.  In  der 
Nacht  auf  den  14.  Juli  ließ  er  nach  Bereitstellung  des  Überschiffungsmaterials  den 
Übergang  auf  die  Insel  Mors  ausführen  und  die  Hafenstadt  Nykjöbing  besetzen. 
Am  Id.  standen  die  im  Lymfjord-Gebiete  operierenden  k.  k.  Truppen  mit  der 
Brigade  Kalik  auf  der  Insel  Mors,  mit  Detachements  östlich  des  Salli ng-Sundes, 
ferner  in  Skive,  Thisted  und  llolstebro. 

Zu  derselben  Zeit,  als  die  verbündeten  Truppen  auf  diese  Weise  Xord- 
Jütland  occupierten,  bemächtigte  sich  das  durch  FML.  Frh.  von  Gablenz  an  die 
Westküste  entsendete  österreichische  hetachement,  durch  die  Cooperation  der  k.  k. 
Flotte  unterstützt,  in  der  Zeit  vom  11.  bis  19.  Juli  sämmtlicher  an  der  Küste 
Schleswigs  liegender  nordfriesischen  Inseln,  wobei  die  dänische  Ftotillc  unter 
Cominando  des  Capitäns  Hammer  am  19.  Juli  durch  eine  k.  k.  Flotten-Abthei- 
lung  und  zwei  königlich  preußische  Kanonenbote  unter  dem  k.  k.  Fregatten- 
Capitän  Kronowetter  zur  Übergabe  gezwungen  wurde. 

Am  20.  Juli  trat  Waffenruhe  ein.  Inzwischen  war  nämlich  von  Kopen- 
hagen direct  bei  den  kriegführenden  Mächten  um  Einstellung  der  Feindseligkeiten 
und  Eröffnung  von  Friedens-Verhandlungen  angesucht  worden.  Dieselben  endeten 
am  3.  October  18ßl  mit  dem  Friedenschluss  zu  Wien. 

Dänemark  trat  die  Herzoglhümer  Schleswig-Holstein  und  Lauen- 
burg an  die  Verbündeten  ab. 

In  diesem  gemeinsamen  siegreichen  Waffengange  Österreichs  und  Preußens 
wurden  zuerst  aus  den  Reihen  der  k.  k.  Truppen  ein  Commandern*  und  ein 
Ritter,  sodann  aus  den  Reihen  der  königlich  preußischen  Truppen  zwei 
Conunandeure  und  drei  Ritter  des  Maria  Thei  esien-Ordens  promoviert. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


182  f;LXI.  bis  CLXIII.  l'nnnotion.      Krie«  gegen  Dänemark  18ßi. 

Commandern-  des  Maria  Theivsien-Onleiis 
Ludwig  Freiherr  von  Gablenz. 

(Mit  Bil.hiis  aus  dem  Jahre  1864.) 

Ludwig  von  Gablenz,  am  19.  Juli  1814  zu  Jena  geboren*)  und  in  der  Hilter- 
Akademie  zu  Dresden  militärisch  erzogen,  trat  bereits  mit  17  Lebensjahren  seine 
kriegerische  Laufbahn  an.  Kr  diente  zunächst  in  den  Reihen  der  sächsischen 
Armee  und  zwar  durch  9  Monate  als  Portepee-Junker  und  durch  8  Monate  als 
Lieutenant  in  der  königlich  sächsischen  Garde  zu  Pferde.  Am  G.  April  1833  über- 
trat er  in  österreichische  Kriegsdienste  und  wurde  am  IG.  April  1833  zum  Unter- 
lieutenant befördert.  Am  1.  März  1835  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Ober- 
lieutenant bei  gleichzeitiger  Transferierung  zum  18.  Infanterie-Regiment.  Am 
IG.  August  1839  zum  Second- Rittmeister  im  6.  Kürassier-Regiment,  am 
30.  Mai  1845  zum  Premier-Rittmeister  befördert,  zog  er  als  Inhabers- 
Adjutant  des  GdC.  Grafen  Wallmoden  in  den  Krieg  gegen  Piemont  im  Jahre 
1848  in  Italien.  Er  machte  die  Schlacht  bei  Santa  Lucia  am  G.  Mai,  die  Kämpfe 
am  Curtatone  und  bei  Montanara  am  29.  Mai,  das  Gefecht  von  Goito  am 
30.  Mai  und  den  Sturm  auf  Monte  della  Madonna  bei  V  icenza  am  10.  Juni  mit, 
wobei  er  im  Hauptquartier  des  FM.  Grafen  Radetz ky  Generalstabsdienste  ver- 
richtete und  unter  anderem  von  Verona  als  Parlamentär  in  das  königlich  sardini- 
schc  Hauptquartier  entsendet  wurde.  Am  1.  Juli  1848  in  den  General-Quartier- 
meister-Stab übersetzt,  betheiligte  er  sich  mit  dem  Hauptquartier  an  den  Gefechten 
bei  Sommacampagna  am  23.,  bei  Salionze  und  Ponli  am  24.  Juli,  sodann 
an  der  Schlacht  bei  Custozza  am  25.  Juli,  an  dem  Streifzuge  und  Cavallerie- 
Gefechte  bei  Quadern i  und  Le  sei  vie  am  2G.  und  an  dem  Gefechte  von  Volta  am 
27.  Juli.  Darauf  war  Gablenz  Colonnenführer  und  Generalstabsofficier  des  fliegen- 
den Corps  unter  Oberst  Wyss  und  machte  die  Scharmützel  bei  Brescia  am 
29.  Juli  und  bei  Lodi  am  1.  August  mit.  Alses  sich  um  die  Zerstörung  der 
Eisenbahn  zwischen  Mailand  und  Treviglio  handeile,  erbot  sich  Gablenz 
freiwillig  hiezu  und  führte  dieses  Unternehmen  mit  G0  Reitern  auch  glücklich 
durch.  Schließlich  beiheiligte  er  sich  als  Generalstabsofficier  der  Division  FML. 
Edmund  Fürst  Schwarzenberg  an  dem  Gefechte  bei  Marazzone  gegen  Garibaldi 
am  2G.  August  1848. 

Am  19.  September  1848  zum  Major  im  General-Quartiermeister-Stahe 
befördert,  nahm  er  noch  in  demselben  Jahre  Antheil  an  dem  Feldzuge  in  Ungarn. 
Anfangs  dem  Hauptquartier  des  FM.  Fürsten  VVindischgrätz  zugetheill,  wurde 
er  zum  Generalstabschef  bei  dem  Armee-Corps  des  GdC.  Grafen  Sehlik  ernannt. 
Zunächst  machte  er  das  Gefecht  bei  Szikszö  am  28.  December  mit.  Am 
4.  Jänner  1849  in  dem  Treffen  bei  K aschau  schlug  er  mit  der  rechten  Flügel- 
Colonne  des  Corps  Schlik  den  mehr  als  doppelt  überlegenen  feindlichen  linken 

')  Die  Familie  (Jabli-uz  wunle  im  Jahre  1 837  in  den  »fichsisch-eohurg-goLha'scIu'ii  Frvi- 
herrnsland  erhöhen. 


Digitized  by  Google 


Conimamleur  des  M.  T.  O.  Ludwig  Fieiliorr  von  (inbUnz. 


183 


Flügel  durch  hervorragende  Umsicht  und  außerordentliche  persönliche  Bravour 
aus  dem  Felde,  trug  auf  diese  Weise  zur  siegreichen  Entscheidung  des  Treffens 
bei  Kasi  hau  wesentlich  bei  und  schwang  sich  durch  diese  glänzende  WalTenthat 
zum  Maria  Theresien-Ritter  empor. 

Weiterhin  betheiligte  er  sich  im  Feldzuge  1849  in  Ungarn  an  dem  Sturm 
auf  Tarezal  am  22.  Jänner,  an  dem  Gefechte  bei  Tokay  am  31.  Jänner,  an  den 
l'berfällen  auf  Szen  am  13.  Februar  und  auf  Pcterväsära  am  24.  Februar,  an 
dem  tiefechte  bei  Sirok  am  26.  Februar,  an  der  Schlacht  bei  Käpolna  am 
27.  Februar,  an  dem  Gefecht  bei  Porös  zlö  am  G.  März,  an  dem  Gefecht  bei  Hort- 
Ii  at  van  am  2.  April,  an  dem  Reitergefecht  bei  Hat  van  am  5.  April,  an  der  Schlacht 
bei  Isaszeg  und  Gödöllö  am  G.  April,  an  den  Gefechten  bei  der  Pascala-Brüeke 
am  10.  April,  bei  Räkos  am  1 1.  und  IG.  April,  an  dem  Gefecht  bei  Puszta 
Ilarkäly  und  Äcs  am  2G.  April,  an  dem  Recognoscierungs- Gefecht  bei  Abda 
am  5.  Mai,  an  dem  Gefechte  bei  Bö-Särkäny  am  13.  Juni  und  an  der  Einnahme 
von  Raab  am  28.  Juni. 

Am  11.  Juli  1810  zum  Oberstlieutenant  im  5.  Dragoner-Regiment  beför- 
dert, kämpfte  er  noch  in  der  Schlacht  bei  Komorn  am  11.  Juli  und  in  dem 
Recognoscierungs-Gefecht  gegen  Komorn  am  IG.  Juli. 

Während  dieses  Feldzuges  wurde  Gablenz  gelegentlich  einer  diplomatischen 
Mission  des  Ministerpräsidenten  Felix  Fürsten  Schwarzenberg  an  das  kaiserlich 
russische  Hoflager  und  in  das  Hauptquartier  des  russischen  General-Lieutenants 
Grabbe  wegen  einer  Cooperation  gegen  Komorn  dem  Fürsten  Schwarzenberg 
attachiert. 

Am  13.  December  1810  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Obersten. 

Für  seine  Verdienste  während  des  Feldzuges  1840,  insbesondere  aber  in  der 
Schlacht  bei  Kapolna,  wurde  Gablenz  im  Jänner  1850  mit  dem  Militär  -  Ver- 
di e  n  s  t  k  r  e  u  z  ausgezeichnet. 

Gelegentlich  der  Truppenaufslellung  gegen  Preußen  im  Jahre  1850  wurde 
Gablenz  neuerdings  dem  Ministerpräsidenten  Fürsten  Schwarzenberg  beigegeben 
und  in  militärisch-diplomatischer  Mission  nach  Dresden  entsendet.  Darauf  ward 
er  der  sächsischen  Armee  zugetheilt  und  während  der  Conferenz  mit  Missionen 
nach  Cassel,  Hamburg  und  Berlin  betraut. 

Am  10.  Februar  1851  wieder  zum  General-Quartiermeister-Stabe  transferiert, 
wurde  er  Generalstabschef  des  von  dem  GdC.  Grafen  Schlik  befehligten  Armee- 
Corps  in  Mähren,  und  begleitete  späterhin  den  FM.  Frh.  von  Hess  zu  den  großen 
Feldmanövern  russischer  Truppen  nach  Warschau. 

Am  31.  Mai  1851  zum  Generalmajor  befördert,  erhielt  er  das  Commando 
einer  Truppen-Brigade  bei  dem  Occupations-Corps  in  den  Donaufürstcnthümern 
und  war  von  April  bis  October  185G  mit  den  Functionen  eines  Truppen-Comman- 
danten  in  der  Moldau  betraut. 

Im  Jahre  1857  erhielt  er  das  Commando  einer  Truppen-Brigade  des  VII.  Corps 
unter  FML.  Zobel  und  machte  in  dieser  Dienslesverwendung  den  Krieg  gegen 
Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1S50  mit,  und  zwar  specicll  die  Vorposten- 


Digitized  by  Google 


184 


Ol.Xl.  Li<  OLXIU.  Promotion.    -  Krie?  gegen  Dänemark  1861. 


Olefechte  bei  Vercelli  am  21.  und  23.  Mai,  dann  die  Schlachten  bei  Magenta  am 
1.  Juni  und  bei  Solferino  am  21.  Juni.  Während  der  Schlacht  von  Magen ta  ward 
er  berufen,  an  Stelle  des  schwer  verwundeten  FML.  Frh.  von  Reischach  dessen 
Division  zu  führen.  Für  seine  hervorragenden  Verdienste  bei  Magerita  wurde  er 
mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  II.  Classe  ausgezeichnet. 

Am  15.  August  1862  erfolgte  unter  Eintheilung  bei  dem  V.  Armee-f  lorps 
seine  Beförderung  zum  Feldmarsehall-Lieutenant  und  am  3.  Ortober  1863 
seine  Ernennung  zum  zweiten  Inhaber  des  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Franz 
Joseph  I.  Namen  führenden  6.  Uh  1  an  en -Regiments. 

In  dem  Kriege  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  Jütland  im  Jahre  1861 
stieg  FML.  Frh.  von  Gablenz  dank  seiner  vielseitigen  glänzenden  militärischen  Eigen- 
schaften auf  seiner  kriegerischen  Laufhahn  noch  höher  empor.  Am  12.  December 
1863  betraute  ihn  der  Oberste  Kriegsherr  mit  dem  (Kommando  des  VI.  Armee- 
dorps, welches  gemeinsam  mit  königlich  preußischen  Truppen  unter  Oberbefehl 
des  königlich  preußischen  General- Feldmarschalls  Frh.  von  Wrangel  gegen 
Dänemark  in  Schleswig  und  Jütland  ins  Feld  zog. 

Als  Commaudaut  dieses  Armee-Corps,  welches  in  der  Ordre  de  bataille  der 
verbündeten  österreichisch-preußischen  Armee  anfangs  im  Gentium  als  II.  Corps 
eingetheilt  war,  führte  Gablenz  in  diesem  Kriege  die  kaiserlichen  Truppen  ruhm- 
voll von  Sieg  zu  Sieg.  So  schlug  die  Brigade  Gondrecourt  am  3.  Februar  die  Dänen 
in  dem  Gefecht  bei  Ober-Selk  und  Jagel.  Am  1.  und  5.  Februar  folgte  die 
Kanonade  vor  Schleswig.  Am  6.  Februar  aber  vollführte  Galilenz  persönlich 
eine  ebenso  hervorragende  als  den  siegreichen  Verlauf  des  Krieges  wesentlich  mit- 
bestimmende Waffen  thal. 

Infolge  der  siegreichen  Gefechte  der  Brigade  Gondrecourt  bei  Ober-Selk  und 
Jagel  hatten  die  Dänen  in  der  Nacht  vom  .">.  auf  den  6.  Februar,  durch  die  Finsternis 
begünstigt,  die  Danewerk-Position  und  damit  auch  die  Stadt  Schleswig 
geräumt.  Dieses  hochwichtige  Ereignis  gelangte  am  6.  um  1  Uhr  früh  zur 
Kenntnis  des  FML.  Frh.  von  Gahlen/..  Sobald  er  sich  über  die  Vorgänge  auf  Seile 
des  Feindes  volle  Sicherheit  verschafft  hatte,  erstattete  er  dem  Oberbefehlshaber, 
FM.  Frh.  von  Wrangel,  zunächst  schleunige  Meldung.  Gleichzeitig  verlor  er 
aber  auch  keinen  Augenblick,  ohne  erst  irgend  welchen  Befehl  abzuwarten,  alle 
seine  bei  Selk  und  Jagel  befindlichen  Truppen  zum  ungesäumten  Aufbruche 
nach  Schleswig  und  zur  Verfolgung  des  Feindes  zu  beordern.  Weiter  unterließ 
er  nicht,  auch  den  ihm  mit  seiner  Garde-Division  (III.  Corps  der  verbündeten 
österreichisch-preußischen  Armee)  zunächst  stehenden  preußischen  General-Lieu- 
tenant von  der  Mülbe  von  der  eingetretenen  Verfolgung  wegen  eventuellen  Nach- 
rückens zu  verständigen. 

Gegen  7  Uhr  früh,  nachdem  eine  Hälfte  der  Brigade  Tomas  schon  um  6  Uhr 
früh  in  Schleswig  eingetroffen  war,  rückte  Gablenz  mit  der  Brigade  Nostitz  in  die 
Stadt  ein-,  dieser  folgte  die  zweite  Hälfte  der  Brigade  Tomas  und  die  Geschütz- 
Reserve  unter  Major  Neubauer.  Um  KV,  Uhr  stand  auch  bereits  die  Brigade 
Gondrecourt  innerhalb  des  Danewerks  auf  den  Höhen  westlich  der  Stadt. 


Digitized  by  Google 


Comiiiaudeur  de*  M.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  (iahlpnz. 


185 


Zur  Verfolgung  der  Feindes  ließ  Gablenz  die  hei  diesen  Brigaden  eingetheil- 
ten,  sueeessive  eintreffenden  Escadronen  von  Liechtenstein-Husaren  gegen  Flens- 
burg vorbrechen,  bestimmte  eine  Hälfte  der  Brigade  Tomas  zur  Besatzung  von 
Schleswig  und  disponierte  die  übrige  Infanterie  seines  Corps  nacli  Zulass  der 
Verhältnisse  mit  thunlichster  Beschleunigung  brigadenweise  zum  Nachrücken.  Die 
Brigaden  Xostitz  und  (londrecourt  beorderte  Gablenz,  auf  der  Chaussee,  die  zweite 
Hälfte  der  Brigade  Tomas,  auf  dem  östlich  der  Chaussee  führenden  Landwege 
nach  Wedelspang  (bei  Tolk),  die  gegen  Missunde  detachierte  Brigade  Dorums 
endlich,  über  Tolk  vorzugehen  und  nach  Thunlichkeit  hinter  der  Halbbrigade 
Tomas  anzuschließen. 

FML.  Gablenz  hatte  gerade  seine  diesbezüglichen  Anordnungen  beendet  und 
wollte  seinen  bereits  in  Marsch  gesetzten  Truppen  nacheilen,  als  FM.  Frh.  von 
Wrangel  mit  Seiner  königlichen  Hoheit  dem  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm 
und  seinem  Stab  10'/,  Uhr  vormittags  in  Schleswig  eintraf.  Der  Oberbefehlshaber 
hatte  inzwischen  auf  die  vom  FML.  Frh.  von  Gablenz  empfangene  Meldung  nach 
N  Uhr  morgens  durch  Couriere  au  sämmtliche  Corps-Commandantcn,  darunter 
auch  an  FML.  Frh.  von  Gablenz  selbst,  Befehl  erlheilt,  so  schnell  als  möglich 
mit  allen  Kräften  in  der  Richtung  gegen  Flensburg  vorzurücken.  Diesem  Befehle 
war  eben  Gablenz  durch  seine  selbständigen  Dispositionen  bereits  zuvorgekommen 
und  hatte  dadurch  unschätzbare  Zeit  für  eine  wirksame  Verfolgung  des  Feindes 
gewonnen. 

Die  an  der  Tete  vordringenden  2  Husaren -Escadronen  erreichten  infolge 
dessen  schon  bei  Hesse-Moor  (in  der  Höhe  von  ldstedl)  die  Queue  einer  feind- 
lichen Geschütz-  und  Train- Colonne,  zersprengten  deren  Bedeckung,  erbeuteten 
3  Geschütze  und  viele  Proviantwagen  und  machten  50  Gefangene. 

Weiter  vorwärts  bei  Helligbek  stießen  sie  auf  das  Gros  dieser  feindlichen 
Colonne,  attaquierten  dasselbe,  drangen  in  den  Ort  ein,  hieben  die  Bedeckung  wieder 
theil weise  nieder,  mussten  sich  aber  endlich,  nachdem  sie  bis  an  den  Stenderup- 
busch  vorgedrungen  und  durch  heftiges  Feuer  starker  feindlicher  Abtheilungen 
empfangen  worden  waren,  auf  einige  hundert  Schritte  zurückziehen,  wo  sie 
von  zwei  anderen  inzwischen  vorgerückten  Husaren-Escadronen  aufgenommen 
wurden. 

Die  beiden  vorderen  Husaren-Escadronen  hatten  es  da  mit  0  dänischen 
Bataillonen  zu  thun  gehabt:  trotz  dieser  Übermacht  hielt  der  Feind  nicht  stand. 
Die  Arrieregarde  der  Dänen  selzte,  nachdem  der,  wie  die  dänischen  Berichte  be- 
sagen, mit  großer  Verwegenheit  ausgeführte  Angriff  der  Husaren  abgewiesen  war, 
den  Rückzug  fort. 

Inzwischen  war  bei  der  österreichischen  Husaren-Avantgarde  FML.  Frh.  von 
Gablenz  mit  2  Geschützen  der  Brigade  Nostitz  eingetroffen  und  übernahm  nun 
selbst  die  Leitung  der  Verfolgung.  Gablenz  ließ  zunächst  noch  4  Geschütze  der 
Brigade- Batterie  im  Trab  vorgehen.  Die  bald  vereinigten  G  Geschütze  fuhren  nun 
wiederholt  auf  und  scheuchten  den  Feind  mit  Spitzhohlgeschossen  jedesmal  auf, 
sobald  er  sich  in  einem  günstigen  Terrain  festsetzen  wollte,  worauf  ihn  wieder  die 


Digitized  by  Google 


180 


r.l.XI.  l.is  CI.XIU.  Fr  ulinn. 


-  Krit-g  gegen  Dänemark  1864. 


Husaren  altaquicrten  und  verfolgton  und  so  im  Vereine  mit  der  überaus  beweglichen 
und  wirksam  feuernden  Artillerie  bis  nahe  an  Oeversee  drängten. 

Die  Brigade  Nostitz  war  trotz  wüthenden  Schneesturmes  und  trotz  Glatteis 
bei  äußerster  Aufbietung  der  Kräfte  raschestens  drauf  los  marschiert.  Gleichwohl 
war  die  Brigade  etwa  eine  Marschstunde  hinter  den  Husaren  zurückgeblieben. 
Infolge  dessen  mussten  die  letzteren  auch  jenseits  (nördlich)  von  Oeversee,  gegen 
Flensburg  zu,  den  sich  dort  von  neuem  entgegenstellenden  Feind  zunächst  allein 
angreifen. 

Die  Dänen  hatten  behufs  Aufnahme  ihrer  Arrieregarde  in  der  Linie  Büsch  au- 
Schlamtoft  und  Munkwolstrup  mit  frischen  4  Bataillonen  und  2  Geschützen 
eine  sehr  starke  Stellung  bezogen,  während  weitere  4  Bataillone  südlich  von  Flens- 
burg, dann  das  Gros  der  dänischen  Armee  theils  in  gleicher  Höhe  mit  dieser  Stadt, 
theils  hinter  derselben  Aufstellung  genommen  hatten. 

Es  lag  nicht  in  der  Absicht  des  dänischen  Oberfeldherrn,  diese  4  Bataillone 
nächst  Oeversee  stehen  zu  lassen,  sondern  er  wollte  dieselben  nach  Aufnahme  der 
Arrieregarde  gleichfalls  auf  Flensburg  zurückziehen  und  dann  die  Vorposten- 
linie ungefähr  auf  eine  halbe  Meile  südlich  der  Stadt  etablieren.  Doch  die  rasche 
Verfolgung  des  Feindes  durch  FML.  Frh.  von  Gablenz  vereitelte  die  Ausführung 
dieser  Absicht  und  jene  4  dänischen  Bataillone  sahen  sich,  um  nicht  während  des 
Rückmarsches  in  Stücke  gehauen  zu  werden,  genöthigt,  bei  Flensburg  den 
Kampf  aufzunehmen. 

Gablenz  beorderte  zunächst  die  Cavallerie  zu  erneutem  Angriff.  Die  öster- 
reichischen 4  Husaren-Escadronen  giengen,  sobald  sie  des  Feindes  auf  den  Höhen 
ansichtig  wurden,  sogleich  über  Oeversee  hinaus  mit  außerordentlicher  Bravour 
auf  denselben  los;  doch  diese  Attaque  scheiterte  an  der  Ungangbarkeit  des  Terrains 
und  dem  heftigen  Feuer  des  durch  die  zahlreichen  Knicks  gedeckten  Feindes. 

FML.  Gablenz  ließ  nun  die  Escadronen  nordwestlich  von  Oeversee  gedeckte 
Aufstellung  nehmen,  während  die  0  Geschütze,  welche  zu  beiden  Seiten  des  Ortes^ 
links  und  rechts  der  Chaussee,  aufgefahren  waren  und  die  Attaque  der  Husaren 
thunlichst  vorbereitet  hatten,  nun  deren  Ralliierung  deckten.  Die  Artillerie  feuerte 
mit  solchem  Erfolge  in  die  vorliegenden  Knicks,  dass  der  Feind  trotz  seiner  sonst 
unverhältnismäßigen  Überlegenheit  durch  drei  Viertelstunden,  ob/war  die  öster- 
reichische Avantgarde  isoliert  dastand,  keinen  Angriff  wagte,  vielmehr  sich  unter 
dem  Eindrucke  der  Husaren-Attaque  von  dem  Südrande  der  besetzten  Ilöhenstellung 
zurückzog,  so  das*  die  nachrückende  k.  k.  Infanterie,  vom  feindlichen  Feuer 
unbelästigt,  sich  zum  Angriffe  formieren  konnte. 

In  diesem  Gefechtsmomente  traf  um  3%  Uhr  nachmittags  die  Tete  der  Brigade 
Nostitz  vor  Oeversee  ein.  Gleichzeitig  damit  erhielt  aber  FML.  Frh.  von  Gablenz 
vom  Feldmarschall  Frh.  von  Wrangel  einen  Befehl,  wonach  er  über  Oeversee  hinaus 
nicht  vorzurücken,  sondern  nur  das  dortige  Delile  mit  der  Avantgarde  zu  besetzen 
und  mit  dem  Gros  Cantonnierungcn  zu  beziehen  hatte. 

Nach  der  Gefecht  slage  erachtete  es  jedoch  FML.  Frh.  von  Gablenz  nicht  mehr 
als  zulässig,  den  Feind  in  einer  Position  unangefochten  zu  lassen,  welche  von  Natur 


Digitized  by  Google 


Conimatukur  des  M.  T.-O.  Lmlwi«  Freiherr  von  (i.ibleiu. 


187 


aus  überaus  stark  war  und  bei  etwaigem  Verzuge  mir  umso  schwieriger  zu  bewäl- 
tigen gewesen  wäre.  Um  nun  die  Dänen  aus  derselben  zu  verdrängen,  bevor  die 
sämmtlichen  Brigaden  des  Corps  eintrafen,  war  bei  den  geringen  Kräften,  über 
die  FML.  Frh.  von  Gablenz  augenblicklich  verfügen  konnte,  rasches,  energisches 
Handeln  unerlässlieh.  Auch  musslen  alle  weit  ausholenden  Bewegungen  vermieden 
werden,  um  nicht  nur  keine  Zeit  zu  verlieren,  sondern  auch  die  Kräfte  durch 
Theilung  nicht  zu  schwächen.  Er  beschloss  daher,  die  Dänen  durch  die  Bataillone, 
wie  sie  eben  hintereinander  anlangten,  ungesäumt  in  der  Front  angreifen  zu 
lassen. 

So  ließ  denn  Gablenz  das  zuerst  eingetroffene  0.  Feld-Jäger-Bataillon  vor 
Oeversee  die  Tornister  ablegen,  dann  die  Ortschaft  rasch  durchschreiten  und  sich 
«  cheval  der  Chaussee  zum  Angriff  formieren.  Dabei  wurde  die  linke  Flügel-Divi- 
sion beordert,  gegen  die  rechte  Flanke  der  Dänen  vorzugehen. 

Mittlerweile  nahm  Gablenz  auch  die  nunmehr  wieder  vollzählig  vereinigte 
Brigade-Batterie  gleichfalls  durch  Oeversee  und  zwar  im  Galopp  auf  die  Höhen  vor. 
Dieselbe  protzte  dort  unter  dem  Feuer  der  feindlichen  Geschütze,  1200  Schritte 
von  diesen  entfernt,  östlich  der  Chaussee  ab.  Anfangs  Shrapnels,  dann  Spitzhohl- 
projeetile  schießend,  erzielte  die  österreichische  Batterie  bald  den  Erfolg,  dass, 
nachdem  eines  der  feindlichen  Geschütze  demontiert  worden  war,  die  feindliche 
Artillerie  nach  Bilschau-Krug  abfuhr.  Die  eigene  Batterie  folgte  sogleich  nach, 
fuhr  auf  300  Schritte  vor  der  feindlichen,  hinter  den  Knicks  stehenden  Infanterie 
auf,  beschoss  dieselbe  mit  Kartätschen  und  bereitete  auf  diese  energische  Weise 
den  Sturm  der  eigenen  Infanterie  vor. 

Die  zu  beiden  Seiten  der  Chaussee  in  Divisions-Massen  vorrückenden  Neuner- 
Jäger  warfen  mit  glänzender  Bravour  die  feindlichen  Tirailleurs  im  ersten  Anlaufe, 
erlitten  jedoch  dabei  bedeutende  Verluste  und  mussten  kurze  Zeit  im  Angriffe 
innehalten. 

Bald  griff  aber  auch  das  westlich  der  Chaussee  in  Compagnie-Massen 
entwickelte  1.  Bataillon  von  Belgien-Infanterie  (vier  Compagnien)  ein.  Im  Sturm 
vorrückend,  warfen  drei  Compagnien  mit  unwiderstehlichem  Ungestüm  die  vor 
dem  Walde  stehenden  Dänen  in  denselben  zurück.  Die  vierte  Gompagnie  drängte 
eine  feindliche  Abtheilung,  welche  in  diesem  Augenblicke  die  Belgier  links  zu 
überflügeln  drohte,  ebenfalls  zurück. 

Nun  leistete  der  Fein  1  im  Walde  selbst  hartnäckigen  Widerstand,  doch 
konnte  er  den  fortgesetzten  Angriffen  der  ihn  drängenden  Neuner-Jäger  und 
Belgier  auf  die  Dauer  nicht  standhalten.  Der  ganze  feindliche  rechte  Flügel 
wurde  aus  dem  Walde  getrieben  und  schob  sich  auf  einem  engen  Höhenraum  öst- 
lich des  Waldes  und  der  Chaussee  vor  Bilschau-Krug  zusammen.  Da  drangen 
zwei  dänische  Bataillone  aus  dem  Hintertreffen  vor,  um  den  aus  dem  Walde 
weichenden  dänischen  Abtheilungen  Luft  zu  machen,  und  bald  sah  sich  der  linke 
Flügel  der  Österreicher  stark  bedrängt. 

Schon  aber  führte  Oberst  Herzog  von  Württemberg,  um  dtjm  bedrängten 
Flügel  Luft  zu  machen,  rasch  das  zweite  Bataillon  von  Belgien-Infanterie  rechts 


Digitized  by  Google 


|s,S  * " l-X l.       CI.XIIF.  Promolinn.  -  Kiie?  ve^vu  Dänemark  1864. 

der  Chau>>ee  im  Sturmschritte  vor  und  brachte  dadurch  die  Vorrückung  der  beiden 
feindlichen  Bataillone  augenblicklich  zum  Stillstand,  worauf  dieselben  nur  mehr 
stehenden  Fußes  ein  lebhaftes  treuer  gegen  die  Belgier  unterhielten.  Ohne  Zaudern 
«»riff  aber  das  in  Divisions-Massen  entwickelte  Bataillon  selbst  die  Dänen  mit  dem 
Hajounett  an  und  zwang  dieselben  nach  einem  erbitterten  Handgemenge  zum  Rück- 
zug«'. Zwar  nahmen  die  beiden  dänischen  Bataillone  nochmals  Stellung  und  ver- 
suchten sich  zu  behaupten,  allein  die  unwiderstehlich  drauf  los  stürmenden  tapferen 
Belgier  mit  dem  Herzog  Württemberg  an  der  Spitze  warfen  die  Dänen  von  neuem. 
Durch  einen  dritten  Bajonnett-Angriff  wurden  dieselben  endlich  auch  aus  ihrer 
letzten  Position,  unmittelbar  vor  Bilschau  und  Schlamtoft,  geworfen. 

Nun  stürtzten  auch  die  Neuner-Jäger  und  das  erste  Bataillon  Belgier 
aus  dem  Walde  hervor  und  zwangen  im  Vereine  mit  dein  zweiten  Bataillon 
dieses  tapferen  Regiments  den  Feind,  trotzdem  derselbe  inzwischen  weitere 
Verstärkung  erhalten  hatte  und  einen  neuen  Gegenangriff  versuchte,  vollends 
zum  Rückzüge.  Ein  Theil  des  Feindes  gieng  über  Bilschau,  ein  anderer  über 
Munkwolstrup  zurück,  welch  beide  Orte  durch  die  nachdrängenden  Neuner- 
Jäger  und  beiden  Bataillone  von  Belgien  erstürmt  wurden.  Auch  die  Batterie 
fuhr  rasch  vor  und  verfolgte  den  Feind  durch  ein  lebhaftes  Feuer  mit  Spitzhohl- 
geschossen. 

In  der  Abenddämmerung  versuchten  zwar  dänische  Truppen,  Bilschau 
wieder  zu  erobern,  doch  scheiterte  ihr  Angriff  an  der  hartnäckigen  Verteidigung 
der  Ortschaft  durch  die  k.  k.  Truppen  und  an  dem  mörderischen  Feuer  der  Bat- 
terie. Bei  diesem  letzten  Zusammenstoße  mit  dem  Feinde  erschien  auch  schon  das 
Regiment  Hessen  als  zweites  Treffen  der  Brigade  Nostitz  auf  dem  Kampfplatze, 
allein  die  Entscheidung  war  schon  gefallen  und  der  Feind  auf  der  ganzen  Linie 
geschlagen. 

An  eine  weitere  Verfolgung  des  Feindes  oder  gar  auf  einen  Angriff  noch 
während  der  Nacht  war  bei  der  herrschenden  Dunkelheit,  bei  der  Erschöpfung  der 
eigenen  Truppen  und  bei  den  Marsehverhältnissen  des  Corps  überhaupt  nicht  zu 
denken.  Auch  musste  der  Anmarsch  der  übrigen  Brigaden  des  Corps  abgewartet 
werden.  FML.  Gablenz  ließ  daher  die  Avantgarde-Brigade  Nostitz  in  Ueversee 
und  Frörup  Nachtquartier  nehmen,  schlug  selbst  das  Corps-Hauptquartier  in 
Frörup  auf,  während  er  das  Regiment  Hessen  auf  Vorposten  gegen  Flensburg 
vorschob. 

Die  Folgen  des  siegreichen  Gefechtes  von  Oeversee  waren  ähnlich  jenen 
von  Ober-Selk,  von  einschneidender  Wichtigkeit  für  den  weiteren  Verlauf  des 
Krieges.  Der  dänische  Oberfeldherr  besorgte,  noch  in  der  Nacht  in  Flensburg  selbst 
von  Übermacht  angegriffen  zu  werden,  und  ordnete  infolge  dessen  den  ungesäum- 
ten Rückzug  der  ganzen  dänischen  Armee  an.  Die  dänische  Cavallerie  mit 
i>  Bataillonen  und  1  Batterie  retirierte  in  nördlicher  Richtung  nach  Apenrade, 
alle  übrigen  Truppen  der  Dänen  bogen  hinter  Flensburg  nach  Osten  ab  und 
zogen  dann  ohne  Aufenthalt  bis  nach  Düppel  und  nach  Besetzung  der  Düppler 
Werke  mit  dem  Gros  auf  die  Insel  Alsen  weiter  zurück. 


Digitized  by  Google 


Coniniuiuleur  des  .M.  T.O.  Ludwig  FmlieiT  von  (wibk-iu. 


ISO 


Mit  dem  allgemeinen  Rückzüge  der  dänischen  Truppen  von  Oeversee  und 
Flensburg  war  eigentlich  die  Räumung  des  Herzogthums  Schlesw  ig  seitens 
des  Gros  der  dänischen  Armee  entschieden.  Jedenfalls  wurde  aber  schon  am 
<}.  Februar  durch  einen  Theil  des  k.  k.  österreichischen  Armee-Corps  unter  per- 
sönlicher Führung  des  FML.  Gablcnz  bewerkstelligt,  was  nach  den  Intentionen  des 
Ober-Cornmandos  erst  am  7.  in  Angriff  genommen  werden  sollte. 

Ein  denkwürdiges  Beweisthum  für  die  Ordenswürdigkeit  der  Waffenthat  des 
FML.  Frh.  von  Gablenz  bildet  nachfolgender  Erlass  des  königlich  preußischen 
( Jeneral-Feldmarschalls  Frh.  von  W r a  n ge  1  an  G  a b  1  e n z,  welches  Document  zugleich 
ein  ehrendes  Denkmal  echt  waffenbrüderlicher  Kameradschaft  der  verbündeten 
Armeen  in  der  Person  der  beiden  Führer  auf  dem  Kriegsschauplatze  darstellt. 
Dieser  Erlass  lautet,  und  zwar: 

„Ich  habe  am  6.  d.  M.  Euer  Excellenz  den  aus  dem  Chaussee -Hause 
datierten  anliegenden  Befehl  zugeschickt,  mit  der  Spitze  Ihrer  Avantgarde  bis 
Oeversee  vorzugehen,  das  dortige  Defile  besetzen  und  die  sehr  ermüdete 
Cavallerie,  nachdem  sie  sattsam  gerastet,  womöglich  gegen  Flensburg  recognos- 
cieren  zu  lassen.  Mit  Tagesanbruch  des  7.  sollte  sodann  ein  allgemeines  Vorrücken 
gegen  Flensburg  beginnen,  welcher  Absicht  gemäß  ich  auch  die  Disloeation 
der  andern  Corps  angeordnet  hatte. 

Wie  mir  noch  desselben  Abends  (am  (>.)  der  mit  jenem  Befehl  an  Eure 
Excellenz  abgeschickte  k.  k.  Oberstlieutenant  von  Schönfeld  meldete,  fanden  sich 
Eure  Excellenz  aber  veranlasst,  über  meine  Disposition  hinaus  den  nächst  dem 
Bilschaner  Kruge  in  einer  sehr  guten  Arrieiegarde-Stellung  hier  eingehollen  Feind 
mit  der  ganzen  Brigade  GM.  von  Nostitz  und  den  bereits  engagiert  gewesenen 
Liechtenstein'schen  Husaren  anzugreifen,  wodurch  es  Ihnen  gelang,  denselben 
von  der  Chaussee  ab  und  nach  Klein-Solt  zu  drängen,  ihm  600  Gefangene  nebst 
">  Fahnen  abzunehmen  und  überhaupt  eine  entscheidende  Niederlage  beizubringen. 

Abgesehen  von  dem  Umstände,  dass  Euer  Excellenz  schon  am  Morgen 
desselben  Tages,  als  Ihnen  die  Meldung  von  der  Räumung  Schleswigs  und  der 
Danenwerke  zukam,  ungesäumt  Ihre  Truppen  zur  Verfolgung  des  Gegners  in 
Bewegung  setzten,  diese  Verfolgung  durch  das  Regiment  Liechtenstein-Husaren 
und  6  Geschütze  mit  ebenso  viel  Umsicht  als  Erfolg  persönlich  geleitet,  haben 
Euer  Excellenz  mit  dem  hervorleuchtenden  Beispiele  persönlichen  Muthes  in 
den  Reihen  Ihrer  Untergebenen,  wo  der  Allmächtige  das  auf  Sie  gerichtete  tödt- 
lichc  Geschoss  an  der  Schnalle  Ihres  Säbelkoppels  abprallen  ließ,  und  unterstützt 
durch  die  Tapferkeit  und  Ausdauer  Ihrer  braven  Truppen  in  der  Forcierung  der 
Stellung  am  Bilschauer  Kruge  aus  eigenem  Antriebe  und  in  richtiger  Erkenntnis 
der  Kriegslage  eine  That  unternommen  und  durchgeführt  die  nicht  nur  einen 
wesentlichen  Einfluss  auf  den  beschleunigten  Rückzug  des  Gegners,  sondern  auf 
die  noch  in  dieser  Nacht  erfolgte  Räumung  von  Flensburg  geübt  hat. 

Nach  den  eben  genannten  Thatsachen  und  nach  den  mir  bekannten 
Ordensstatuten  halte  Euer  Excellenz  ich  der  Auszeichnung  mit  dem  Comman- 
deurkreuze  des  Maria  Theresien-Ordens  vollkommen  würdig  und  ist  es  somit  in 


Digitized  by  Google 


190 


CI.XI.  Iiis  CI.XIII.  1'n.moli.m.      Krieg  wen  D&neiiunk  lKf,i. 


meiner  gegenwärtigen  Stellung  mir  eine  ganz  besonders  angenehme  Pflicht, 
Euer  Excellenz  hiermit  auffordern  zu  müssen,  Ihr  dickfälliges  Einschreiten  beim 
hohen  Ordens-Capitel  mit  den  nöthigen  Docnnienlen  belegt,  mir  vorzulegen, 
damit  ich  solches  Se.  k.  k.  aposlol.  Majestät  in  tiefster  Ehrfurcht  baldigst  vorzu- 
legen mir  gestatten  könne. 

Hauptquartier  Flensburg,  den  VA.  Februar  18GL 

Der  Feldniarscliall 

gez.  v.  Wrangel.» 

Die  höchste  Gewähr  für  die  hervorragende  Bedeutung  und  besondere  Vcr- 
dienstlichkeit  der  Waffenthat  des  FML.  Gablenz  bietet  aber  nachfolgender  Auszug 
eines  Erlasses  der  k.  k.  General-Adjutantur,  welcher  lautete : 

„ Allerhöchst  Seine  Majestät  gewärtigen,  dass  Euer  Hochwohlgeborcn 
sowohl,  wie  GM.  Graf  Gondrecourt  dem  Capitel  des  Maria  Theresien-Ordens 
Ihre  Speeles  facti  und  Zeugnisse  einreichen  werden,  indem  Seine  Majestät  der 
Kaiser  auf  die  eigene  Machtvollkommenheit  allergnädigst  verzichtend,  durch 
den  Ausspruch  des  Capitels  die  VerdienHlichkeit  dieser  hohen  Auszeichnung 
noch  mehr  bekräftigen  wollten." 

Auf  die  im  Befolge  vorstehenden  Allerhöchsten  Befehls  erfolgte  statuten- 
mäßige Bewerbung  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erha- 
bener Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens-Capitels 
kraft  der  CLXI.  Promotion  vom  15.  März  18G4  den  k.  k.  Feldmarschall-Lieutenant 
Ludwig  Freiherrn  von  Gab  lenz  für  die  glänzende  und  entscheidende  Waffenthat 
beiOeversee  vom  6.  Februar  zum  Commandeur  des  Maria  Theresien- 
Ordens  zu  promovieren. 

Aber  nicht  bloß  durch  die  Waffenthat  von  Oeversee,  sondern  durch  die 
gesammte  Führung  seines  Corps  im  weiteren  Verlaufe  des  Krieges  gegen  Däne- 
mark tbat  sich  FML.  Frh.  von  Gablenz  in  Schleswig  rühmlich  hervor  und  trug 
wesentlich  zum  siegreichen  Ausgange  dieses  Feldzuges  bei. 

So  lieferte  FML.  Frh.  von  Gablenz  den  Dänen  am  8.  März  18G1  das  siegreiche 
Treffen  bei  Veile,  nahm  am  19.,  20.  und  21.  März  theil  an  der  Berennung 
und  Beschießung  der  Festung  Fridericia,  eernierte  dieselbe  vom  22.  März  bis 
29.  April,  worauf  sie  an  letzterem  Tage  von  den  Dänen  geräumt  und  von  den  k.  k. 
Truppen  besetzt  wurde ;  sicherte  durch  Streifungen  und  Demonstrationen  in  Nord- 
Jütland  bis  an  den  Lymfjord  und  gegen  die  Insel  Fünen,  wie  gegen  den 
Kleinen  Bell  die  Belagerung  von  Düppel,  welche  von  dem  I.  preußischen  Corps 
unter  Prinz  Friedrich  Carl  durchgeführt  wurde,  vollzog  die  Oecupation  des 
westlichen  Jütland  jenseits  dem  Lvmfjordes,  und  bewirkte,  bei  Cooperation  der 
k.  k.  österreichischen  und  königl.  preußischen  Marine,  die  Besetzung  der  nord- 
friesischen  Inseln. 

Die  höchst  verdienstvolle  Antheilnahme  des  FML.  Frh.  von  Gablcnz  an  dem 
Feldzuge  auch  nach  der  Waffenthat  bei  Oeversee  erhellt  im  Detail  aus  der  voran- 
gehenden, allgemeinen  Darstellung  dieses  Krieges. 


Digitized  by  Google 


Rittor  <U's  M.  T.-O.  Leopold  llrwf  (loD.ln  .  f.url. 


101 


Am  20.  November  1864  mit  der  Würde  eines  Geheimen  Käthes  bekleidet, 
:im  24.  November  1864  zum  Commandanten  des  V.  Armee-Corps  ernannt,  wurde 
Gahlen/  für  seine  weiteren  Verdienste  in  dem  Kriege  von  18G4  mit  dem  Orden 
der  Eisernen  Krone  I.  Classe  mit  der  Kriegsdecoration  ausgezeichnet  und  im 
September  1865  zum  Statthalter  im  Herzogthum  Holstein  ernannt. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  FML.  Frh. 
von  Gablenz  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee  mit.  Er  befehligte 
das  X.  Armee-Corps,  lieferte  dem  preußischen  Corps  Bonin  das  siegreiche  Treffen 
bei  Trautenau  am  27.  Juni,  kämpfte  in  den  Gefechten  bei  Neu-Kognitz  am 
28.  Juni,  bei  Königinhof  am  29.  Juni  und  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz 
am  3.  Juli. 

Nach  Beendigung  des  Feldzuges  trat  er  am  9.  September  1866  in  üisponi- 
bilität,  wurde  jedoch  am  27.  Juni  1867  zum  Commandierenden  General  in 
Kroatien  und  Slavonien  ernannt,  am  22.  April  1868  zum  General  der 
Cavallerie  befördert,  am  3.  Juli  1869  als  Commandierender  General  in 
Ungarn  nach  Ofen  berufen  und  trat  am  28.  November  1871  in  den  Kuhestand, 
bei  welchem  Anlasse  ihm  Seine  Majestät  der  Kaiser  das  Großkreuz  des 
Leopold-Ordens  zu  verleihen  geruhte. 

Frh.  von  Gablenz  beschloss  sein  Leben  am  28.  Jänner  1874  zu  Zürich. 


Ritter  des  Maria  Tlieresien- Ordens 
Leopold  Graf  Gondreconrt. 

(  Mit  Bildnis  aus  dem  Jabre  1SG4.) 

Leopold  Graf  Gondrecourt  wurde  im  Jahre  1816  in  der  uralten  ehemaligen 
Kesidenz  der  Herzoge  von  Lothringen,  in  Nancy,  geboren  und  in  der  französischen 
Militär-Akademie  zu  Saint  Cyr  militärisch  erzogen.  Er  trat  im  22.  Lebensjahre  in 
kaiserlich  österreichische  Kriegsdienste,  und  zwar  am  3.  Jänner  1838  als  Reg i- 
ments-Cadet  in  das  28.  Infanterie-Regiment.  Am  1.  Jänner  1839  erfolgte  seine 
Transferierung  zum  Tiroler  Kaiser-Jäger-Regiment,  in  welchem  er  am  1.  Februar 
1839  zum  Unterlieutenant  11.  und  am  1.  Juni  1844  zum  Unterlieulenant  I.  Classe 
befördert  wurde.  Am  18.  Juni  1844  wurde  er  unter  gleichzeitiger  Transferierung 
zum  28.  Infanterie-Regiment  zum  Oberlieutenant  befördert.  Am  1.  Mai  1818 
avancierte  er  zum  Capitän-Lieutenant  bei  dem  dritten  Wiener  Freiwilligen- 
Bataillon. 

In  dem  Kriege  gegen  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1848  errang  er  als 
Führer  der  Wiener  Freiwilligen  bei  dem  Sturm  auf  Spiazzi  am  Montebaldo  am 
22.  Juli  den  ersten  Lorbeer  und  wurde  für  die  bei  dieser  Affaire  bekundete 


Digitized  by  Google 


192 


(XXI.  bia  (XXIU.  I'roniolion. 


Krieg  gegen  Dänemark  1804. 


Tapferkeit  mit  dem  Militär- Verdienstkreuz  ausgezeichnet.  Am  19.  August 
ISIS  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Hauptmann  und  am  IG.  November  lSVS 
die  Transferierung  zum  20.  Infanterie-Regiment. 

Als  Hauptmann  machte  Gondrecourt  den  Feldzug  1849  in  Ungarn,  bezie- 
hungsweise in  Siebenbürgen  mit,  that  sich  auch  da  durch  Tapferkeit  rühmlich 
hervor  und  wurde  —  am  10.  August  1849  zum  großen  Generalstab  transferiert  — 
speciell  für  sein  tapferes  Verhalten  in  der  Affaire  von  Szemerin  und  Tusnäd 
in  Siebenbürgen  am  10.  August  1849  außer  der  Tour  zum  Major  befördert  und 
zum  Corps-Adjutanten  des  siebenbürgischen  Armee-Corps  ernannt. 

Am  1.  November  erfolgte  seine  Transferierung  als  Corps- Adjutant  zum 
I.  Armee-Corps,  am  14.  Juni  1854  seine  Beförderung  zum  Oberstlieutenant,  in 
welcher  Charge  er  als  Corps-Adjutant  bei  dem  II.  Armee-  und  später  wieder  bei 
dem  I.  Armee-Corps  in  Dienstesverwendung  stand.  Am  1.  Februar  185»'»  in  das 
Adjutanten-Corps  eingetheilt,  avancierte  er  am  28.  Februar  1857  zum  Obersten. 

Am  2.  Mai  1859  als  zweiter  Oberst  zum  13.  Infanterie-Regiment  transferiert 
und  am  9.  Juni  desselben  Jahres  zum  Commandanten  dieses  Regiments  ernannt, 
befand  er  sich  während  des  Krieges  gegen  Frankreich  und  Pi  ein  out  in  Italien 
1859  wohl  auf  dem  Kriegsschauplatze,  ohne  aber  mit  seiner  Truppe  ins  Gefecht  zu 
kommen. 

Am  27.  Deceinber  1859  wurde  er  zum  23.  Infanterie-Regiment  transferiert 
und  am  13.  August  1863  zum  Generalmajor  befördert. 

Als  Brigadier  machte  er  den  Krieg  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und 
Jütland  1804  mit  und  vollbrachte  gleich  in  dem  ersten  (Jefechte  bei  Ober-Selk 
am  3.  Februar  eine  hervorragende  Waffenthat,  welche  auf  die  Entwicklung  der 
Kriegsereignisse  mitbestimmenden  Einfluss  nahm. 

An  diesem  Tage  hatte  das  k.  k.  österreichische  Armer-Corps  gemäß  der 
Disposition  des  Arrnee-Commandos  gegen  die  Danewerk-Position  mit  einerstarken 
Avantgarde  bis  in  die  Linie  Fahrdorf,  Nieder-  und  Ober-Selk,  Jagel  vorzurücken 
imd  dahinter  Alann-Quartiere  zu  beziehen.  Auf  Grund  der  in  diesem  Sinne  von 
FML.  Frh.  von  Gablenz  erlassenen  Detail-Dispositionen  erhielt  GM.  Graf  Gondrecourt 
Befehl,  Nieder-,  Ober-Selk  und  Jagel  entsprechend  zu  besetzen,  aber  mit  Rücksicht 
auf  das  feindliche  Positions-Gesc  hütz  nur  die  äußersten  Vorposten  vor  den  genann- 
ten Orten  aufzustellen.  Gleich  den  übrigen  Brigaden  des  Corps  erhielt  auch  jene 
des  GM.  Gondrecourt  den  weiteren  Befehl,  den  Feind  bei  einem  Zusammenstoße 
zwar  mit  Energie  anzugreifen  und  zurückzuwerfen,  sich  jedoch  in  einen  weiteren 
ernsten  Angriff  nicht  einzulassen,  sobald  die  vorbezeichnete  Vorpostenlinie  er- 
reicht war. 

Gemäß  dieser  Disposition  des  FML.  Frh.  von  Gablenz  brach  GM.  Graf  Gondre- 
court mit  seiner  Brigade  am  3.  Februar  um  10  »/,  Uhr  vormittags  aus  dem  Lager 
bei  Schulcndamm  auf  und  rückte  auf  der  Landstraße  über  Groß-Breckendorf 
derart  vor,  dass  dieser  Ort  und  damit  gleichzeitig  die  eigene  Vorpostenlinie  um 
12%  Uhr  mittags  passiert  wurde.  Die  aus  dem  18.  Jäger-Bataillon,  einem  Zug 
Liechtenstein-Husaren  und  2  Geschützen  bestehende  Avantgarde  stieß  angesichts 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.O.  Leopold  Graf  Gondrecourt. 


193 


To rfsc huppen  auf  den  Feind.  Es  war  dies  ein  aus  dem  Danewerk  vorgesendetes 
dänisches,  aus  1  Bataillon  und  2  Escadronen  bestehendes  Recognoscierungs- 
Detachement,  welches  sich,  ohne  hartnäckigen  Widerstand  zu  leisten,  langsam 
hinter  die  Vorposten  bei  Selk  zurückzog.  In  der  Höhe  von  Lottorf  stand  es 
außer  Zweifel,  dass  bei  Ober-Selk  eine  bedeutende  dänische  Vorhut  stehe. 

GM.  Graf  Gondrecourt  detachierte  nun  1  Bataillon  von  Preußen-Infanterie 
und  1  Zug  Husaren  links  nach  Jagel,  ließ  seine  übrigen  Truppen  ä  cheral  des 
Weges  nach  Selk  zum  Gefechte  sich  entwickeln,  und  das  erste  Treffen  —  westlich 
der  Straße  das  18.  Jäger-Bataillon,  auf  der  Straße  2  Geschütze  und  östlich 
der  Straße  1  Bataillon  Martini  —  setzte  sich  alsbald  gegen  den  Feind  in 
Bewegung. 

Die  grundlosen  Wege,  der  aufgeweichte  Boden,  ausgedehnte  Moorstrecken 
und  unzählige  Knicks  setzten  dem  Vormarsche  bedeutende  Hindernisse  entgegen. 
Diese  Knicks  sind  die  landesüblichen  Ackergrenzen,  welche  aus  4  bis  5  Fuß  hohen, 
3  bis  4  Fuß  dicken,  mit  lebendigem  Strauchwerk  bepflanzten  Erdwällen  bestehen, 
aus  jedem  Acker  eine  förmliche,  geschlossene  Redoute  machten,  deren  wenige 
Eingänge  selten  der  Spurweite  der  Geschütze  entsprachen.  Artillerie  wie  Cavallerie 
fanden  an  diesen  Knicks  alle  Augenblicke  ein  Bewegungs-Hindernis  und  selbst  die 
Infanterie  kam  in  geschlossenen  Körpern  nur  schwer  vorwärts. 

Infolge  dessen  vermochte  das  erste  Treffen  Gondrecourts  nur  unter  ziemlich 
beträchtlichen  Verlusten  und  mit  großer  Anstrengung  gegen  die  Vortruppen  des 
Feindes  Terrain  zu  gewinnen.  Die  Dänen  standen  überdies  gerade  im  Begriffe,  ihre 
Vorposten  abzulösen  und  hatten  demzufolge  7  Bataillone,  2  Escadronen  und 
G  Geschütze  in  der  von  dem  GM.  Grafen  Gondrecourt  einzunehmenden  Linie 
vereinigt. 

Als  das  Vordertreffen  Gondrecourts  in  die  Nähe  des  Centrums  der  dänischen 
Stellung  bei  Ober-Selk  gelangte,  versuchten  einige  dänische  Abtheilungen  vor- 
zubrechen. Dieselben  wurden  jedoch  von  den  beiden  Avantgarde-Geschützen, 
welche  nunmehr  östlich  der  Straße,  1300  Schritte  vom  Feinde  entfernt,  aufgefahren 
waren,  mörderisch  beschossen.  Alsbald  gr  iff  auch  das  Vordertreffen  Gondrecourts 
die  Dänen  mit  dem  Bajonnett  an,  warf  sie.  nahm  ihnen  ein  gezogenes  Geschütz  ab 
und  eroberte  nach  kurzem,  aber  blutigem  Sturme  das  Dorf  Ober-Selk. 

Damit  war  den  Intentionen  des  Armee-Commandos  und  den  im  Sinne  der- 
selben ergangenen  Dispositionen  des  FML.  Frh.  von  Gablenz  vollständig  entsprochen. 
Nachdem  sich  jedoch  jenseits  von  Ober-Selk  eine  plateauartige  Höhe  erhebt, 
welche  in  einem  hart  an  der  Straße  gelegenen  isolierten  und  nach  allen  Seiten 
dominierenden,  ziemlich  steil  abfallenden  Kegel  —  dem  Königsberg —  endet, 
zauderte  Gondrecourt,  um  den  Besitz  von  Ober-Selk  besser  zu  sichern,  keinen 
Augenblick,  über  den  erhaltenen  Befehl  hinaus  vorzugehen  und  sich  auch  der 
jenseits  des  Ortes  liegenden  Höhen  zu  bemächtigen. 

Er  zog  zunächst  das  aus  1  Bataillon  Martini  und  1  Bataillon  Preußen-Infan- 
terie formierte  zweite  Treffen  in  die  Höhe  des  ersten  vor.  Dann  ließ  er  die  ganze 
Brigade-Batterie  nordöstlich  von  Ober-Selk  auf  dem  ersten  Höhen-Plateau  östlich 

MihUnschvr  Maru  Th»re*«D-Ord«a.  13 


Cfigitized  by  Google 


104 


CLXI.  bis  CLXI1I.  Promotion.  -  Krieg  gegen  Danemark  1864. 


der  Straße  vereinigt  Stellung  nehmen.  Dieselbe  beschoss  anfangs  die  dünischen 
Geschütze  auf  dem  Königsberge,  sowie  die  dort  postierte  feindliehe  Infanterie- 
Reserve  mit  Shrapnels;  da  aber  dadurch  der  hinter  zahlreichen  Knicks  gedeckt 
stehende  Feind  nicht  hinreichend  zu  erschüttern  war,  wurde  ein  Geschützzug  nach 
links  detachiert,  und  die  dänische  Artillerie  mittels  eines  Hohlgeschoss-Kreuz- 
feuers  zum  Schweigen  gebracht  und  zum  Rückzüge  gezwungen.  Darauf  erstieg  die 
ganze  Brigade  im  heftigsten  Feuer  der  feindlichen  Infanterie-Truppen  den  zweiten 
Höhenzug,  und  das  18.  Jäger-Bataillon  —  mit  Gondrecourt  an  der  Spitze  — 
erstürmte  den  Königsberg  selbst. 

Wiederholt  versuchten  die  feindlichen  Reserven,  durch  Gegenangriffe  mit 
dem  Bajonnett  die  Österreicher  in  ihrem  Vordringen  aufzuhalten.  Gegenüber  dem 
unwiderstehlichen  Ungestüm  der  k.  k.  Truppen,  welche  von  dem  Beispiel  ihres 
mit  Todesverachtung  voranstürmenden  Brigadiers  befeuert,  demselben  nacheiferten, 
war  jeder  Widerstand  fruchtlos.  Um  4  Uhr  nachmittags  war  Gondrecourt  mit 
seiner  Brigade,  welche  seit  diesem  Gefechte  in  der  Armee  nicht  anders  als  die 
„ eiserne  Brigade"  genannt  wurde,  nicht  nur  im  Besitze  des  ihm  durch  die 
Disposition  zur  Besetzung  zugewiesenen  Terrainabschnittes,  sondern  darüber 
hinaus  auch  der  so  wichtigen  Position  auf  dem  Königsberge. 

Aber  noch  viel  weiter  an  das  Danewerk  drangen  seine  siegreichen  Trup- 
pen vor. 

Wahrend  die  Batterie  der  Brigade  Gondrecourt  auf  dem  Königsberge  und 
jene  der  Brigade  Nostitz  rechts  davon  sogleich  in  der  erstürmten  Position  Stellung 
nahmen,  folgten  die  k.  k.  Truppen  dem  retirierenden  Feinde  mit  Ungestüm  nach, 
warfen  ihn  aus  Wedelspang  und  trieben  die  Dänen  bis  an  das  Glacis  der  Schanzen 
von  Bus torf  zurück,  wo  die  Flüchtenden  von  ihrer  Haupttruppe  aufgenommen 
wurden,  gleich  aber  darauf  das  Kreuzfeuer  des  feindlichen  Positionsgeschützes  die 
kühnen  Verfolger  zwang,  nach  Wedelspang  zurückzuweichen. 

Feindliche  Abtheilungen  versuchten  wohl,  die  Österreicher  zu  verfolgen  und, 
durch  nachrückende  Massen  verstärkt,  sogar  Wedelspang  wieder  zu  nehmen,  so 
dass  sich  um  diesen  Ort  ein  neuer  Kampf  entspann;  doch  blieben  die  k.  k.  Truppen 
im  Besitze  desselben.  Auch  ein  Artilleriekampf  zwischen  der  österreichischen 
Batterie  auf  dem  Königsberge  und  dänischen  Geschützen  endete  bei  Einbruch 
der  Dunkelheit  mit  dem  Siege  der  Österreicher. 

Während  des  Gefechtes  der  Brigade  Gondrecourt  hatte  FML.  Frh.  von  Gablenz 
die  Brigade  Nostitz  behufs  Unterstützung  der  ersteren  vordisponiert;  doch  Gondre- 
court mit  seinen  tapferen  Truppen  hatte,  bevor  die  Brigade  Nostitz  ins  Gefecht 
eingreifen  konnte,  den  Feind  im  Centrum  geschlagen.  Immerhin  kam  die  durch 
FML.  Frh.  von  Gablenz  vordisponierte  Unterstützung  der  nach  links  gegen  Jagel 
detachierten  Colonne  der  Brigade  Gondrecourt  insoferne  zustatten,  als  das  dahin 
entsendete  Bataillon  von  PreuRen-Infanterie  mit  Hilfe  der  Neuner-Jäger  der 
Brigade  Nostitz  nach  anderthalhstündigein  Kampfe-  den  Feind,  welcher  2  Bataillone 
und  2  Geschütze  stark  war,  aus  Jagel  warf,  ihm  mehrere  Gefangene  abnahm 
und  etliche  dänische  Coinpagnie- Fahnen  eroberte,  wobei  die  Dänen  fast  zur 


Digitized  by  Google 


Ritter  de»  M.  T.-O.  Leopuld  Graf  Uondrecourt. 


195 


Gänze  von  ihrer  Rückzugslinie  t Bustorf)  in  nordwestlicher  Richtung  nach  Klein- 
Dune  werk  abgedrängt  wurden. 

So  wurde  denn,  dank  dem  selbständigen  Vorgehen  des  GM.  Grafen  Gondre- 
courl  gleich  bei  dorn  ersten  größeren  Kampfe  der  verbündeten  österreichisch- 
preußischen  Armee  ein  glänzender  Sieg  über  die  Dänen  errungen.  Während  nach 
dem  Plane  des  KM.  Frh.  von  W ran  gel  die  Einnahme  der  wichtigen  Höhen  von 
Selk  erst  den  nächsten  Tagen  vorbehalten  war,  standen  die  k.  k.  Truppen  schon 
am  Tage  des  Anmarsches  auf  denselben,  den  alt  berühmten  Dänenwall  —  das 
Dane  werk  —  überschauend. 

Dieses  an  sich  siegreiche  Gefecht  übte  auf  die  weitere  Entwicklung  der 
Kriegsereignisse  überdies  die  wichtige  Wirkung,  dass  Gondrecourts  Waffenthat  den 
Anstoß  zur  freiwilligen  Räumung  des  Danewerks  ohne  weiteren  Kampf  seitens 
der  Dänen  gab. 

Mit  bewundernder  Begeisterung  und  gehobenstem  kriegerischen  Selbst- 
gefühle dankte  aber  zunächst  die  «eiserne  Brigade"  diesen  Sieg  einmüthig 
ihrem  ebenso  tapferen  als  umsichtigen  Führer.  Durchaus  unaufgefordert  wett- 
eiferten die  Officiercorps  aller  Truppenkörper  der  Brigade,  dem  GM.  Grafen 
Gondrecourt  diesbezüglich  geradezu  enthusiastische  Tapferkeits- Zeugnisse  zu 
geben. 

Aber  nicht  allein  von  den  untergebenen  Kampfgenossen,  sondern  auch  von 
seinem  vorgesetzten  Corps- Com mandanten  als  Augenzeugen  wurde  dem  GM.  ^ 
Grafen  Gondrecourt  rückhaltslose  Anerkennung  und  überdies  ein  glänzendes 
„Theresien-Ordens-Zeugniss"  zutheil.  Zum  Schlüsse  desselben  charakterisiert 
Gablenz  nicht  bloß  in  seiner  Eigenschaft  als  Corps-Comuiandant,  sondern  speciell 
auch  als  Maria  Theresien-Ordens-Ritter  die  Waffenthat  Gondrecourts  mit  folgen- 
den Worten : 

„Als  Ritter  des  hohen  Maria  Theresien-Ordens  halte  ich  diese  That  für 
geeignet,  einem  hohen  Ordens-Capitel  vorgelegt  zu  werden  und  den  Herrn  GM. 
Grafen  Gondrecourt  des  Ritterkreuzes  dieses  Ordens  würdig.* 

Ein  weiteres  denkwürdiges  Beweisthum  der  hervorragenden  Bedeutung  von 
Gondrecourts  Waffenthat  findet  sich  in  einem  „ Gutachten"  des  Armee-Coniman- 
danten,  königlich  preußischen  General-Feldmarschalls  Frh.  von  Wrangel  nieder- 
gelegt, welches  nach  Wiedergabe  des  Thatbestandes  mit  folgenden  doppelt 
charakteristischen  Worten  schließt: 

„In  Anbetracht  dieser  aus  eigenem  Anlriebe  ohne  höheren  Befehl  und  in 
richtiger  Erkenntnis  der  Verhältnisse  unternommenen  Waffenthat  des  mehrge- 
nannten  Herrn  Generalen,  sowie  in  voller  Würdigung  ihres  Wertes  für  die 
weiteren  Operationen  gegen  Stadt  Schleswig,  fühlte  ich  mich  verpflichtet,  den 
mir  vorgelegten  Zeugnissen  des  k.  k.  Osten-.  Corps-Commandanten,  FML.  Baron 
Gablenz,  sowie  den  statutenmäßig  beigebrachten  Zeugnissen  des  Officiers-Corps 
der  k.  k.  Truppen-Brigade  GM.  Graf  Gondrecourt  vollkommen  beizustimmen 
und  nach  der  in  die  Statuten  des  k.  k.  militärischen  Maria  Theresien-Ordens 
genommenen  Einsicht  den  k.  k.  (JM.  Grafen  Gondrecourt  einein  hohen  Ordens- 

13* 


Digitized  by  Google 


t% 


l.UU.  bis  OLXiU.  Promotion.  —  Krieg  gegen  Danemark  1864. 


Capilel  für  die  Verleihung  des  Kleinkreuzes  von  vorbenanntem  Orden  nach 
Pflicht  und  Gewissen  bestens  zu  empfehlen.' 

Endlich  aber  gab  für  die  besondere  Verdienstlichkeit  der  Waffenthat  Gon- 
drecourts  der  Oberste  Kriegsherr  selbst  Allerhöchste  Zeugenschaft  ab.  wie  aus  dem 
Erlasse  der  General-Adjutantur  Seiner  Majestät  des  Kaisers  hervorgeht,  welcher 
in  Betreff  der  statutenmäßigen  Bewerbung  um  Aufnahme  in  den  Maria  Theresien- 
Orden  seitens  des  FML.  Frh.  von  Gablenz  und  des  GM.  Grafen  Gondrecourt,  an 
den  ersteren  ergangen  war.  *) 

Auf  die  im  Befolge  des  Allerhöchsten  Befehles  vorgebrachte  statutengemäße 
Bewerbung  geruhte  Se.  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 
meister über  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  der  CLXI.  Promotion  vom 
15.  März  1864  den  k.  k.  Generalmajor  Leopold  Grafen  Gondrecourt  für  die 
hervorragende  Waffenthat  am  Königsberg  bei  Ober-Selk  vom  3.  Februar 
1864  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien- 
Ordens  zu  promovieren. 

Im  weiteren  Verlauf  des  Krieges  gegen  Dänemark  zeichnete  sich  GM.  Graf 
Gondrecourt  noch  in  dem  Treffen  bei  Veile  am  8.  März  besonders  aus  und 
wurde  dafür  am  4.  Mai  1864  mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold-Ordens 
ausgezeichnet. 

Am  9.  Juli  1864  geruhte  Se.  Majestät  der  Kaiser  den  GM.  Grafen  Gondrecourt 
zum  Erzieher  weiland  Sr.  kaiserl.  königl.  Hoheit  des  Kronprinzen  Erzherzog 
Rudolph  zu  berufen  und  ersterem  gleichzeitig  die  Würde  eines  Geheimen 
Rath  es  zu  verleihen. 

Von  dieser  Verwendung  über  seine  Bitte  am  17.  October  1865  enthoben, 
wurde  GM.  Graf  Gondrecourt  zugleich  zum  Oberst-Inhaber  des  55.  Infanterie- 
Regiments  ernannt. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  GM.  Graf 
Gondrecourt  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee  mit.  Er  war  dem 
Commando  des  I.  Armee-Corps  zugetheilt  und  machte  die  Gefechte,  und  zwar 
Podol  26.  Juni.  Hühnerwasser  26.  Juni.  Münchengrätz  28.  Juni.  Podkost 
20.  Juni,  Jic i n  2'j.  Juni.  Hofitz  30.  Juni  mit.  Weiler  kämpfte  er.  nachdem  er 
provisorisch  das  Commando  des  I.  Armee- Corps  übernommen  hatte,  in  der 
Schlacht  bei  Königgrälz  am  3.  Juli  und  in  dem  Gefechte  bei  Prerau  am  15.  Juli. 

Am  16.  Juli  1866  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Fei  dinarschal  1- 
Lieutenant  unter  gleichzeitiger  Ernennung  zum  Commandanten  des  I.  Armee- 
Corps. 

Am  1.  Mai  1868  trat  FML.  Graf  Gondrecourt  in  den  Ruhestand  und  starb 
am  22.  Mai  1888  zu  Salzburg. 


*)  Siehe  voran  gehenden  Lehenstauf  A>'»  Omiinnndeurs  FML.  Frh.  von  Guhlenz.  Seite  1!*0. 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.  U.  kOnigl.  preufi.  FM.  firaf  von  Wnugel. 


197 


Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens 

Königlich  preußischer  General-Feldmarschall 

Friedrich  Graf  von  Wrangel. 

In  dem  Kriege  Österreichs  und  Preußens  gegen  Dänemark  in  Schleswig 
und  Jütland  im  Jahre  18G4  wurde  der  Oberbefehlshaber  der  verbündeten  öster- 
reichisch-preußischen Armee,  der  königlich  preußische  General-Feldmarsehall  Frh. 
von  Wrangel,  von  Seite  Österreichs  der  höchsten  militärischen  Auszeichnung 
theilhaftig. 

Seine  Majestät  Kaiser  Kranz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  des 
Maria  Ther»  sien-Ordens  geruhte  kraft  Promotion  CLX1I  vom  19.  April  1861  den 
General-Feld marschall  von  Wrangel  mittels  nachfolgenden  Allerhöchsten  Hand- 
schreibens zum  Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren: 

.Lieber  General -Feldmarschall  Freiherr  von  Wrangel!  Angesichts  der 
glänzenden  Siege,  welche  die  Ihrem  Oberbefehle  anvertraute  verbündete  Annee 
in  blutigen  Kämpfen  gegen  einen  beharrlichen  Feind  in  schönstem  Wetteifer 
erfochten,  gewährt  es  Mir  lebhafte  Freude,  Ihnen  zur  Auszeichnung  so  hoher 
Verdienste  das  Gommandeurkreuz  Meines  Maria  Theresien-Ordens 
zu  verleihen. 

Uni  zugleich  der  Erinnerung  an  die  in  diesem  Kriege  neubesiegelte  Waffen- 
Brüderschaft  zw  ischen  Meiner  und  Meines  königlichen  Verbündeten  Armee  Aus- 
druck zu  geben,  ernenne  Ich  Sie,  lieber  Feldmarschall,  zum  Inhaber  Meines 
2.  Kürassier-Regimentes,  das  von  nun  an  Ihren  Namen  führen  wird. 

Wien,  am  19.  April  1864. 

Franz  Joseph  m.  p.* 

Die  siegreiche  Kriegführung  der  verbündeten  österreichisch -preußischen 
Armee  unter  dem  Oberbefehl  des  GFM.  Frh.  von  Wrangel:  dies  die  Wallenthal 
auf  Grund  welcher  demselben  die  höchste  österreichische  militärische  Auszeichnung 
zutheil  wurde.  Eine  Darstellung  dieser  Kriegführung  wurde  in  knappen  Zügen 
an  der  Spitze  dieses  Abschnittes  gegeben  und  damit  auch  Wrang  eis  Waffenthat 
auf  diesen  Ehrenblättern  bereits  verzeichnet.  Hier  erübrigt  nur  noch  hinzuzufügen, 
dass  GFM.  von  Wrangel,  der  anlässlich  dieses  Krieges  in  den  Grafenstand 
erhoben  wurde,  zu  den  hervorragendsten  Generalen  des  preußischen  Heeres  zählte 
und  im  90.  Lebensjahre  1874  seine  Heldenlaufbahn  beschloss. 


Digitized  by  Google 


198 


CLXI.  bis  CT.XII1.  Promotion. 


-  Im  Kriege  pegen  Danemark  1864. 


Commandern-  des  Marin  Theresien- Ordens. 

Seine  königliche  Hoheit 

Prinz  Friedrich  Carl  Ton  Preußen, 

Königlich  preußischer  General  der  Cavallerie. 

Auf  Grund  der  selbständig  und  siegreich  ausgeführten  Operationen  gegen 
die-  befestigte  Position  von  Düppel  im  Kriege  Österreichs  und  Preußens  gegen 
Dänemark  in  Schleswig  und  Jütland  im  Jahre  1864  erwarb  sich  Seine  königliche 
Hoheit,  Prinz  Friedrich  Carl  von  Preußen,  königlich  preußischer  General  der 
Cavallerie,  als  Commandant  des  I.  Corps  der  verbündeten  Armee,  Aufnahme  in 
den  Maria  Theresien-Orden  als  Commandeur. 

Diese  glänzende  Kriegsthat  des  Prinzen  Friedrich  Carl,  welche  in  der 
Darstellung  an  der  Spitze  dieses  Abschnittes  in  Kürze  erwähnt  wurde,  möge  auf 
nachfolgenden  Blättern  entsprechend  vervollständigt  zur  Aufzeichnung  gelangen. 

Den  Operationen  des  Prinzen  Friedrich  Carl  von  Preußen  gegen  Düppel- 
Alsen  gieng  am  10.  Februar  gemäß  Disposition  des  Armee-Commando  eine 
Recognoscierung  der  Position  von  Düppel  durch  ein  Garde-Detachcment  auf 
Rackebüll  und  Nübel  voran.  Dieselbe  ergab,  dass  die  Dänen  nicht  gesonnen 
waren,  freiwillig  diese  feste  Stellung  zu  räumen.  Daraufhin  erließ  das  Armee- 
Commando  eine  Disposition  behufs  Einschließung  von  Düppel,  deren  wesentliche 
Punkte  lauteten : 

„Das  I.  Corps  wird  mit  der  Operation  gegen  Düppel  beauftragt.  Demselben 
bleiben  alle  im  weiteren  Verlaufe  der  Operationen  zu  treffenden  Maßregeln  zur 
engeren  Einschließung  des  feindlichen  Brückenkopfes,  zur  Etablierung  von  Bat- 
terien etc.  überlassen;  eine  etwaige  Erstürmung  der  Verschanzungen  darf  jedoch 
nicht  stattfinden,  bevor  nicht  das  feindliche  Gesehülzfeuer  zum  Schweigen  gebracht 
ist  und  überhaupt  das  Gelingen  des  Sturmes  sicher  vorauszusehen  ist.. 

Infolge  dieser  Disposition  ließ  Prinz  Friedrich  Carl  sein  Corps  am  11.  und 
12.  Februar  über  Flensburg  in  die  Landschaft  Sunde witt  rücken  und  folgende 
Aufstellung  nehmen,  und  zwar: 

Auf  dem  rechten  Flügel  die  6.  Infanterie-Division  GL.  von  Manstein,  in 
erster  Linie  die  Brigade  GM.  von  Röder  bei  Gravenstein  und  Fischbeck,  mit 
Vorposten  von  Atzbüll  bis  Auenbüllgaard,  in  zweiter  Linie  die  Brigade  GM. 
Frh.  von  Canstein  bei  Alnoer  und  Rinkenis. 

Auf  dem  linken  Flügel  die  13.  Infanterie-Division  GL.  von  Wintzingerode,  in 
erster  Linie  die  Avantgarde  anschließend  an  die  Brigade  Roeder  in  Kieding  und 
Ben  sc  hau,  in  zweiter  Linie  das  Gros  der  Division  zu  beiden  Seiten  des  von 
Flensburg  nach  Sonderburg  führenden  Landweges  in  Cantonnements. 

Die  Reserve-Artillerie  und  der  Train  in  dem  von  der  Appenrader  Chaussee 
und  dem  Flensburger  Fjord  gebildeten  Abschnitt,  nordöstlich  des  Flensburger 
Defilr. 

Das  Corps-Quartier  schlug  Prinz  Friedrich  Carl  im  Schlosse  zu  Gravenstein 
auf.   Demselben  schlössen  sich  auch  Ihre  königlichen  Hoheiten  der  Kronprinz 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-O.  königl.  preuß.  OdC.  Prinz  Friedrich  Carl. 


199 


Friedrich  Wilhelm,  Prinz  Albrecht  (Vater)  und  der  Großherzog  von 
Mecklenburg  an. 

Noch  am  12.  Februar  ließ  Prinz  Friedrich  Carl  die  Gegend  bei  Nübel  und 
Satrup  recognoscieren  und  die  Recognuscierimgen  am  14.,  15.,  16.,  18.,  20.,  21. 
und  22.  mit  immer  größeren  Kräften  wiederholen.  Am  17.  und  18.  bewirkte  der  Prinz 
den  Bau  einer  Brücke  von  546  Fuß  Länge  auf  5  Böcken  mit  32  Pontons  über  den 
Egernsund  nach  der  Halbinsel  Broacker,  um  von  dort  eventuell  die  südliche 
(linke)  Flanke  der  feindlichen  Stellung  unter  Feuer  nehmen  zu  lassen.  Gleichzeitig 
wurde  an  der  Brückenstelle  eine  Batterie  von  6  gezogenen  Zwölfpfündern  etabliert 
Eine  andere  gezogene  sechspfündige  Batterie  ward  am  entgegengesetzten,  linken 
Flügel  des  Corps  behufs  Sperrung  des  Alsener  Fjords  bei  Ballegaard  placiert. 
Während  des  Brückenbaues  am  18.  früh  kam  es  zwischen  der  Zwölfpfünder- 
Batterie  und  dem  dänischen  Panzerschiff  .Rolf  Krake*  zu  einem  Geschützkampfe, 
welcher  eine  Stunde  währte  und  mit  dem  Rückzüge  des  feindlichen  Schiffes 
endete.  Durch  die  letzte  scharfe  Recognoscierung  gegen  die  Büffelkoppel  und 
die  Düppler  Schanzen  am  22.  Februar,  welche  der  Prinz  durch  15  Bataillone, 
26  Geschütze  in  erster  Linie,  mit  6  Bataillonen  24  Geschützen  als  nächste  Reserve, 
ausführen  ließ,  wurden  die  Dänen  auf  der  ganzen  Linie  aus  Rackebüll  und 
Umgebung  in  die  Werke  zurückgeworfen.  General  Goeben  verfolgte  den  Feind  bis 
unter  die  Kanonen  des  rechten  Flügels  der  Düppel-Position,  um  dem  Ingenieurchef 
Einblick  in  die  Werke  zu  ermöglichen,  musste  jedoch  aus  dem  furchtbaren  feind- 
lichen Geschosshagel  bald  zurückweichen.  Trotz  aller  Bemühungen  wurde  der 
Hauptzweck  der  Recognoscierung  nicht  erreicht,  indem  auch  Schneegestöber 
jedweden  Einblick  in  die  feindliche  Position  vereitelte. 

Prinz  Friedrich  Carl  hatte  übrigens  schon  seit  dem  18.  immer  festere  Ober- 
zeugung gewonnen,  dass  ein  erfolgreicher  Angriff  auf  die  Position  von  Düppel 
nur  auf  dem  Wege  der  Belagerung  gelingen  könne  und  deshalb  im  Laufe  der 
letzten  Tage  um  Zusendung  einer  hinlänglichen  Zahl  schwerer  Geschütze  und 
Mörser  gebeten.  Bis  zum  Anlangen  dieses  schweren  Geschützmaterials  erachtete 
der  Prinz  den  Besitz  des  eroberten  Vorterrains  der  Düppler  Werke  als  von 
geringem  Nutzen.  Überdies  hätte,  um  die  in  demselben  aufgestellten  Truppen 
gegen  Ausfälle  der  dänischen  Besatzung  —  welche  man  auf  26  Bataillone  schätzte 
—  zu  decken,  das  ganze  Corps  hinter  den  Vortruppen  concentriert  bereit  gehalten 
werden  müssen.  Bei  dem  Mangel  an  Unterkünften  wären  auf  diese  Weise  die 
Truppen  allen  Unbilden  der  Jahreszeit  zwecklos  ausgesetzt  gewesen.  Der  Prinz 
erachtete  es  daher  als  angezeigt,  dieselben  für  die  Zeit  des  entscheidenden 
Angriffs  zu  schonen  und  ließ  das  gewonnene  Vorterrain  von  Düppel  räumen, 
worauf  die  Dänen  in  demselben  wieder  ihre  Vorj  osten  aufstellten.  Nun  trat  bei 
dem  Corps  des  Prinzen  fast  vollständige  Waffenruhe  bis  zum  14.  März  ein. 

Über  Befehl  des  Armee-Commandos  bezog  der  Prinz  nach  einem  am  1.  März 
bei  Rackebüll  stattgefundenen  Recognoscierungsgefechte  am  2.  März  eine  für 
Zurückweisung  von  Ausfällen  geeignete  Del'ensivlinie,  welche  von  Wenning  über 
Nübel-Mühle  und  Satrup  lief  und  bis  zum  9.  entsprechend  befestigt  wurde. 


Digitizec"  by  Google 


200 


CLXI.  ins  CLXIII.  Promoüon. 


—  Im  Kriege  gegen  Dänemark  186*. 


Auch  sonst  ließ  der  Prinz  alle  vorbereitenden  Belagerungsarbeiten  ausführen.  So 
wurde  schon  am  3.  März  über  den  Egern sund  eine  zweite  Brücke  erbaut,  um  über 
dieselbe  das  schwere  Geschütz  auf  die  Halbinsel  Bro  ac  ke  r  zu  schaffen.  Die  Samm- 
lung und  Zurichtung  des  Batterie-,  wie  des  Holz-  und  Reisig-Materials,  der  Bau  von 
Colonnenwegen  u.  d.  gl.  wurde  mit  allem  Eifer  betrieben.  Der  Artillerie-Park  wurde 
bei  Atzbüll,  der  Genie-Park  bei  Schmöllehn  errichtet,  überdies  Filialen  beider 
Parks  auf  der  Halbinsel  Broack  er  etabliert.  Prinz  Friedrich  Carl  beschloss  nämlich, 
alle  beim  Corps  eintreffenden  vierundzwanzigpfündigen  Geschütze  auf  dvin  rechten 
Flügel  an  der  Küste  bei  Gammelmark  in  Batterien  zu  stellen,  da  von  dort  eine 
Flankierung  des  südlichen  Theiles  der  Düppel-Position  und  der  Zugänge  von 
Sonderburg  thunlich  erschien. 

Am  6.  März  trafen  von  Kiel  die  ersten  schweren  Geschütze,  vier  Vierund- 
zwanzigpfünder,  bei  dem  Corps  ein  und  wurden  sofort  nach  der  Halbinsel  Broacker 
geschafft.  Dieser  Geschütztransport  gieng  auf  den  schlechten,  aufgeweichten,  zum 
Theil  neugebauten  Wegen  nur  mit  außerordentlichen  Anstrengungen  vor  sich ;  jedes 
Geschütz  musste  durch  200  Mann  in  die  bei  Gammelmark  erbaute  Batterie  ein- 
geführt werden.  Am  12.  März  war  dieselbe  armiert.  Unter  denselben  Schwierig- 
keiten wurde  daselbst  in  der  Folge  eine  Reihe  weiterer  Battefien  errichtet. 

Am  14.  März  vormittags  wurde  das  Feuer  in  Gegenwart  der  Prinzen  Fried- 
rich Carl  und  Carl  von  Preußen  eröffnet.  Von  nun  an  beschäftigten  die  Gammel- 
marker  Batterien  die  feindliche  Position  stetig  in  der  Flanke,  während  dieselbe 
gleichzeitig  auch  in  der  Front  beunruhigt  wurde.  Dies  geschah  mittels  wiederholtei 
Alarmierungen  der  dänischen  Vortruppen  durch  kleinere  Recognoscicrungs-Com- 
manden,  deren  Unternehmungen  aber  vom  1 3.  März  an  die  Dimensionen  größerer 
Recognoscierungskämpfe  annahmen  und  mit  dem  Gefecht  bei  Rackebüll  und 
Kirch-Düppel  am  17.  März  ihren  Höhepunkt  erreichten.  Sie  bewirkten  die 
Zurückdrängung  der  dänischen  Vortruppen,  welche  sich  von  da  an  auf  die 
Besetzung  des  Terrains  hart  vor  den  Werken  beschränken  mussten.  Inzwischen 
hatte  sich  am  15.  die  Brigade  Schlegell  aus  Holstein  der  zu  Schleswig  gehörigen 
Insel  Fehmarn  bemächtigt. 

Am  21.  März  traf  endlich  der  Rest  des  schweren  Geschützes  bei  dem  Corps 
ein.  Doch  wurde  die  Aushebung  der  ersten  Parallele  noch  weitere  acht  Tage 
hinausgeschoben. 

Prinz  Friedrich  Carl  trug  sich  nämlich  mit  der  Idee,  statt  die  Position  von 
Düppel  und  dann  die  Insel  Alsen  nach  einander  zu  nehmen,  durch  einen  Ober- 
gang  auf  Alsen  die  befestigte  Position  von  Düppel  zu  umgehen,  solchermaßen  mit 
einem  Schlage  nicht  nur  dieser  Position,  sondern  auch  der  Insel  sich  zu  bemäch- 
tigen und  dadurch  den  Krieg  zu  entscheiden.  Er  wählte  für  diese  Operation  als 
Übergangsstelle  über  den  Alsen-Sund  den  nördlich  von  Düppel  liegenden  Punkt 
Ballegaard.  Bis  zum  Eintreffen  von  Verstärkungen,  welche  Prinz  Friedrich  Carl 
als  unerlässlich  erachtete  und  schon  in  der  ersten  Hälfte  März  bei  dem  Armee- 
Comrnando  erbeten  hatte,  wurde  nichts  versäumt,  um  den  projezierten  Schlag 
möglichst  gut  vorzubereiten,  weshalb  auch  die  Mitwirkung  des  österreichischen 


Digitized  by  Google 


Commaiideur  de»  M.  T.  O.  köuigl.  preufl.  OdC.  Prinz  Friedrich  Carl.  201 

Brückentrains  ins  Auge  gefasst  wurde.  Zwischen  dem  18.  und  21.  März  stieß  als 
erste- Verstärkung  die  Brigade  GM.  Raven  aus  Holstein  zum  Corps.  Der  öster- 
reichische Brückentrain  stand  am  22.  in  Hostrup  zur  Disposition.  Von  der  Garde- 
Division  trafen  unter  Commando  des  GL.  von  der  Mülbe  aus  Veile  9  Bataillone 
und  20  Geschütze  am  27.  abends  in  Apenrade  und  Umgebung  ein,  so  dass  das 
Corps  des  Prinzen,  abgesehen  von  der  allen  Anforderungen  entsprechenden 
Artillerie,  auf  die  Stärke  von  41  Bataillonen  gebracht  war. 

Hand  in  Hand  mit  den  Vorarbeiten  für  den  Obergang  auf  Alsen  bei  Ball e- 
gaard  schritten  auch  jene  für  die  Belagerung  ununterbrochen  fort,  da  es  im  Plane 
des  Prinzen  lag,  den  Obergang  gleichzeitig  mit  einer  ernsten  Beschießung  der 
Düppler  Werke  auszuführen.  Zu  diesem  Zwecke  unterstellte  der  Prinz  dein 
Chef  der  Artillerie,  Oberst  Colomier,  sämmtliche  Geschütze,  dem  Ingenieur  Oberst- 
lieutenant von  Kriegsheim  die  technischen  Truppen  und  Arbeiten. 

Acht  Tage,  nachdem  das  letzte  Belagerungsgeschütz  eingetroffen  war,  sollte 
zur  Aushebung  der  ersten  Parallele  in  der  Linie  vorwärts  Frydendal  zwischen 
der  Chaussee  und  dem  Wenningbund,  auf  1000  bis  1 100  Schritte  von  den  südlichen 
Werken  der  Düppel-Position,  und  zum  Batteriebau  geschritten  werden. 

Zuvor  mussten  aber  die  feindlichen  Vortruppen  in  die  Werke  zurückgetrieben 
werden.  Dies  sollte  durch  das  Gefecht  bei  Oster- Düppel  am  28.  März  bewirkt 
werden.  Die  Dänen,  unterstützt  durch  das  Feuer  des  Thurmschiffes  «Rolf  Krake*, 
warfen  die  preußischen  Truppen  zurück.  Trotzdem  wurde  mit  der  Aushebung  der 
ersten  Parallele  in  der  Nacht  vom  29.  und  30.  März  begonnen.  In  der  Nacht 
zum  2.  April  waren  acht  Batterien  erbaut  und  armiert,  ohne  dass  der  Feind  die 
Arbeiten  gestört  hätte. 

Um  2  Uhr  nachmittags  des  2.  April  begann  aus  52  Geschützen  die  Be- 
schießung von  vier  feindlichen  Werken  auf  dem  linken  Flügel  der  Position  von 
Düppel,  wobei  auch  die  Batterien  von  Gammelmark  eingriffen.  Die  Kanonade 
wurde  mit  aller  Heftigkeit  bis  zur  Dunkelheit  fortgesetzt. 

Während  dieser  Demonstration  sollte  am  3.  der  beabsichtigte  aber  wieder- 
holt verschobene  und  unauffällig  für  den  Feind  bis  in  alle  Details  sorgfältig  vor- 
bereitete Übergang  bei  Ballegaard  nach  Alsen  durchgeführt  werden.  Dieses 
Unternehmen  scheiterte  jedoch  an  der  Ungunst  der  Witterung,  indem  ein  Sturm 
die  Überschiffung  des  Sundes  verhinderte.  Da  der  Feind  nunmehr  von  dem 
überaus  schwierigen  Unternehmen  Kenntnis  haben  musste  und  dagegen  seine 
Maßnahmen  treffen  konnte,  verzichtete  Prinz  Friedrich  Carl  gänzlich  darauf. 

Das  Feuer  der  preußischen  Batterien  wurde  am  3.  April  und  an  den  fol- 
genden Tagen  der  Belagerung  mehr  oder  minder  kräftig,  späterhin  auch  des  Nachts 
fortgesetzt. 

In  der  Nacht  zum  8.  April  ward  zur  Aushebung  einer  von  den  feindlichen 
Werken  800  Schritt  entfernten  Halb-Parallele  geschritten  und  der  Bau  neuer 
Batterien  in  Angriff  genommen.  Am  Abende  dieses  Tages  langte  nämlich  noch 
eine  Anzahl  schwerer  Geschütze  aus  Preußen  an;  die  Geschützzahl  wurde  dadurch 
auf  188  Stück  gebracht. 


Digitized  by  Google 


■ 


202  CLXl.  bis  CLX11I.  Promotion.  -  Im  Kriege  gre^en  Dänemark  1864. 

In  der  Nacht  auf  den  11.  April  wurde  die  zweite  Parallele  ausgehoben 
und  der  Batteriebau  fortgesetzt. 

Der  Sturm  auf  die  Werke,  ursprünglich  schon  für  den  14.  April  geplant, 
wurde  auf  den  18.  verschoben,  um  zur  Vermeidung  zu  großer  Verluste  mit  den 
Trancheen  noch  näher  an  die  Werke  hinanzugehen.  In  der  Nacht  zum  15.  wurde 
die  dritte  Parallele  ausgehoben. 

Durch  den  fortgesetzten  Bau  neuer  Batterien  standen  am  17.  April  gegen  die 
feindliche  Position  schließlich  bei  120  Geschütze  im  Feuer,  und  zwar  12  auf  dein 
rechten  Flügel  bei  Gammelmark,  84  in  Gentrum  auf  der  Angriffsfront  und  24  auf 
dem  linken  Flügel  gegen  den  Aissund. 

Für  den  Sturm- Angriff  auf  die  Düppler-Position  erließ  Prinz  Friedrich 
Carl  am  15.  April  eine  Instruction  an  die  Generale  und  am  17.  die  eigentliche 
Disposition.  Nach  diesen  Anordnungen  hatten  unter  Befehl  des  GL.  von  Manstein 
6  Slurm-Colonnen  in  der  Starke  von  II1/,  Bataillonen,  welche  aus  Abtheilungen 
aller  Brigaden  zu  bilden  waren,  die  südlichen  sechs  Werke  des  linken  Flügels  zu 
stürmen  und  ihnen  2  Brigaden  als  unmittelbare  Reserve  zu  folgen.  An  diesen 
Haupt-Angriffs-Flügel  hatte  sich  als  nördlicher  Flügel  1  Brigade  anzuschließen.  In 
zweiter  Linie  hatten  die  Garde  und  1  Brigade  als  Hauptreserve  bereit  zu  stehen. 
Eine  Brigade  war  zur  Demonstration,  eventuell  zur  Übersetzung  des  Sundes 
bestimmt ;  2  Bataillone  standen  auf  Vorposten.  Es  waren  somit  für  die  Action 
am  18.  April  alle  41  Bataillone  —  nahezu  die  ganze  auf  dem  Kriegsschauplatz 
befindliche  preußische  Infanterie  —  in  der  Stärke  von  circa  25.000  Mann  zur  Ver- 
wendung bestimmt,  welche  durch  eine  imposante  Artillerie  unterstützt  wurden. 

Die  Dänen  hatten  in  ihrer  über  4000  Schritte  ausgedehnten  Position  7  Bri- 
gaden mit  zusammen  29  Bataillonen  oder  circa  18.000  Mann  zur  Verfügung,  die  in 
den  Werken,  im  Lagerräume,  im  Brückenkopfe  und  auf  der  Insel  Alsen,  ün  ganzen 
in  fünf  Linien  echelloniert  waren. 

Am  Morgen  des  18.  April  um  4  Uhr  früh  steigerten  die  preußischen  Batterien 
das  während  der  Nacht  mäßig  unterhaltene  Feuer  sechs  Stunden  hindurch  bis  zur 
vollsten  Heftigkeit.  Um  10  Uhr  brachen  gemäß  der  Disposition  des  Prinzen 
Friedrieh  Carl  die  Sturm-Colonnen  unter  GL.  von  Manstein  vor  und  nahmen  die 
sechs  Werke  am  linken  Flügel  in  unwiderstehlichem  Anlauf,  so  dass  die  Reserve 
zweiter  Linie  —  nämlich  die  Garde  und  die  Brigade  Roeder  —  gar  nicht  einzu- 
greifen brauchten. 

Die  Dänen,  deren  übrige  Werke  nun  im  Rücken  bedroht  erschienen  und 
deren  Reserven  vereinzelt  und  regellos  eingriffen,  zogen  sich  nach  vergeblichem 
Widerslande,  wobei  auch  das  Thurmschiff  „Rolf  Krake"  vom  Wenningbund 
aus  eingriff,  gegen  Mittag  in  den  Brückenkopf,  sodann  von  da  bis  l1/»  Uhr  nach- 
mittags auf  die  Insel  Alsen  zurück  und  brachen  die  Brücken  hinter  sich  ab. 

Damit  war  die  Position  von  Düppel,  nach  fünfwöchentlicher  Belagerung 
vom  14.  März  bis  18.  April,  erobert,  und  seitens  des  Prinzen  Friedrich  Carl  die 
für  den  Verlauf  des  Krieges  höchst  wichtige  Occupation  des  Festlandes  von 
Schleswig  vollendet. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preußen. 


203 


Auf  Grund  dieser  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franst  Joseph  I. 
als  Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ürdens  kraft  Promotion  CLXII 
vom  19.  April  1864  Seine  königliche  Hoheit  Prinzen  Friedrich  Carl,  königlich 
preußischen  General  der  (Kavallerie  mittels  nachfolgenden  Allerhöchsten  Hand- 
schreibens zum  Commandeur  des  Maria  Theresien-Orden s  zu  pro- 
movieren: 

.Besonders  lieber  Vetter!  Mit  hoher  Achtung  erfüllt  von  den  Beweisen  der 
tapferen  und  erfolgreichen  Führung,  welche  Euer  königliche  Hoheit  in  dem 
gegenwärtigen  Kriege  an  den  Tag  gelegt  und  in  Anerkennung  der  entscheiden- 
den Waffenthat  der  Eroberung  der  Düppler  Stellung  die  Ihren  Namen  mit 
bleibendem  Ruhme  umgibt,  sehe  Ich  mich  bestimmt,  Euer  königlichen  Hoheit 
das  Commandeurkreuz  Meines  Militär-Maria  Theresien-Ordens  zu 
verleihen,  indem  Ich  weiters  durch  Ihre  gleichzeitig  vollzogene  Ernennung 
zum  Oberst-Inhaber  Meines  7.  Husaren-Regiments  das  Band,  welches 
Meine  Armee  und  die  Meines  erhabenen  Alliierten,  Ihres  königlichen  Oheims 
umschlingt,  um  so  inniger  zu  schließen  wünsche. 

Empfangen  Euer  königliche  Hoheit  die  Versicherung  der  aufrichtigsten 
Hochachtung  und  Freundschaft  mit  der  ich  verbleibe  Euer  königlichen  Hoheit 

Wien,  am  19.  April  1864. 

gutwilliger  Vetter 
Franz  Joseph  m.  p.* 

Vier  Wochen  nach  der  Eroberung  der  Düppler  Schanzen,  am  18.  Mai.  wurde 
Prinz  Friedrich  Carl  an  Stelle  des  General  -  Feldmarschalls  Grafen  Wrangel 
provisorisch  und  am  24.  Mai  definitiv  mit  dem  Oberbefehl  über  die  ver- 
bündete österreichisch-  preußische  Armee  betraut.  Sein  Wirken  in  dieser 
neuen  Stellung  wurde  bereits  an  der  Spitze  dieses  Abschnittes  verzeichnet.  Hier 
sei  nur  kurz  bemerkt,  dass  der  Prinz  als  Armee-Comrnandant  den  Krieg  durch  neue 
Siege  und  Erfolge  glänzend  zu  Ende  führte.  Der  weitere  militärische  Lebenslauf 
dieses  erlauchten  Maria  Theresien-Orden- Commandeurs  gehört  der  allgemeinen 
Kriegsgeschichte  an.  Prinz  Friedrich  Carl  beschloss  sein  durch  hervorragende 
Kriegsthateti  ausgezeichnetes  Leben  als  königlich  preußischer  Genera  1-Feld- 
marschall  am  12.  Mai  18*5  zu  Berlin. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

Seine  königliche  Hoheit 

Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preußen 

nachmals  deutscher  Kaiser  und  König  von  Preußen  Friedrich  III. 
Seine  königliehe  Hoheit  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  von  Preußen  nahm 
an  dem  Kriege  gegen  Dänemark  in  Schleswig  und  Jütland  zuerst  in  dem 
Hauptquartier  des  FM.  Frh.  von  Wrangel,  dann  in  jenem  des  Prinzen  Friedrich  Carl 


Digitized  by  Google 


204 


CLXI.  bis  CLXIU.  Promotion. 


-  Im  Kriege  gegen  Dänemark  1864. 


von  Preußen  theil.  Insbesondere  betheiligte  er  sich  an  der  Belagerung  und 
Eroberung  der  Position  von  Düppel.  Aus  diesem  Anlasse  geruhte  Seine  Majestät 
Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien- 
Ordens  kraft  Promotion  CLXII  Seine  königliche  Hoheit  mittels  nachfolgenden 
Allerhöchsten  Handschreibens  zum  Ritter  dieses  Ordens  zu  promovieren : 

„Durchlauchtig  freundlich  lieber  Vetter  und  Bruder!  Der  rühmliche  An- 
theil.  den  Euer  königl.  Hoheit  eben  so  durch  persönliche  Tapferkeit  als  durch 
erhebende  Einwirkung  auf  den  Geist  und  die  Ausdauer  Meiner  und  Meines 
königl.  Alliierten  Truppen  an  dem  schönen  Erfolge  des  gegenwärtigen  Krieges 
genommen,  lässt  es  Mir  zu  wahrer  Freude  gereichen,  Ihnen  als  Merkmal  Meiner 
Anerkennung  das  Ritterkreuz  Meines  Militär-Maria  Theresien-Ordens  zu  ver- 
leihen, dessen  Insignien  Ihnen  zu  überreichen,  Ich  Meinen  General-Adjulanten 
Generalmajor  Grafen  Coudenhove  entsendet  habe. 

Empfangen  Euer  königl.  Hoheit  hiemit  die  erneuerte  Versicherung  Meiner 
vollkommensten  Hochachtung,  wie  der  unwandelbaren  Freundschaft,  mit  welcher 
Ich  verbleibe  Euer  königl.  Hoheit  freundwilliger  treuer  Bruder  und  Vetter 

Wien,  am  19.  April  1864. 

Franz  Joseph  m.  p.* 

Im  weiteren  Verlaufe  dieses  Krieges  wohnte  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm 
am  20.  und  21.  März  der  Beschießung  von  Fridericia  an  und  wurde  am 
30.  März  mit  der  Th eilnah me  an  der  Oberleitung  der  alliierten  österreichisch- 
preußischen  Armee  beauftragt.  Sein  späteres  militärisches  Wirken,  während 
dessen  erzürn  preußischen  General-Feldniarschall  emporstieg,  ist  Gegenstand 
der  allgemeinen  Kriegsgeschichte.  Im  Jahre  1871  wurde  Friedrich  Wilhelm  als 
Kronprinz  des  deutschen  Reiches  und  Kronprinz  von  Preußen  Oberst-Inhaber 
des  k.  k.  österreichischen  20.  Infanterie-Regiments.  Nach  dem  am  9. März 
1*88  erfolgten  Ableben  weiland  Seiner  Majestät  des  deutschen  Kaisers  und  Königs 
von  Preußen  Wilhelm  I.  bestieg  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm  als  Friedrich  III. 
den  Thron  starb  jedoch  schon  am  15.  Juni  1888,  tief  betrauert,  eiues  vorzeitigen 
Todes  auf  Schlnss  Friedrichskrün. 


Maria  Tlieresien  -  Ordens  -  Kitter 

königlich  preußischer  General-Lieutenant 

Carl  Eberhard  Herwarth  von  Bitteufeld. 

Durch  die  behufs  Eroberung  der  Insel  Alsen  selbständig  und  erfolgreich 
ausgeführten  Operationen  im  Kriege  Österreichs  und  Preußens  gegen  Däne- 
mark in  Schleswig  und  Jütland  im  Jahre  1804  errang  sich  der  königlich  preußi- 
sche General-Lieutenant  Herwarth  von  Bittenfeld,  und  zwar  in  Gemeinschaft 
mit  dem  GL.  von  Manstein,  Aufnahme  in  den  Maria  Theresien-Orden. 


Digitized  by  Google 


Ritter  de«  M.  T.  O.  königl.  preuß.  OL.  Herw»rth  von  Bittenfetd. 


205 


GL.  Herwarth  von  Bittenfeld  betheiligte  sich  an  diesem  Kriege  nicht  von 
dessen  Anbeginn,  sondern  erst  seit  dem  18.  Mai  1864,  indem  er  nach  Übernahme 
des  Commandos  der  verbündeten  österreichisch-preußischen  Armee  durch  Seine 
königl.  Hoheit  Prinzen  Friedrich  Carl,  an  seiner  Statt  das  Commando  des  preußi- 
schen I.  combinierten  Armee-Corps  übernahm. 

Thatsächlich  in  Action  trat  GL.  von  Herwarth  mit  seinem  Corps  nach  Ah- 
lauf der  vom  9.  Mai  bis  25.  Juni  dauernden  Waffenruhe.  Gemäß  einer  zuvor  am 
22.  erlassenen  Disposition  des  Armee-Commandos  hatte  das  I.  Corps  sofort  nach 
Wiederaufnahme  der  Feindseligkeiten  vom  Sundewitt  aus  eine  Landung  auf  der 
Insel  A Isen  zu  bewirken,  welches  Unternehmen  durch  Batlerienbau  am  kleinen 
Belt  und  Demonstrationen  des  k.  k.  österreichischen  Armee-Corps  unter  FML. 
Frh.  von  Gablenz  gegen  die  Insel  Fünen  zu  unterstützen  war. 

GL.  von  Herwarth  nahm  am  25  mit  seinem  I.  Corps  Aufstellung  im  Sunde- 
witt, und  zwar  so,  dass  die  6.  Division  GL.  von  Manstein  die  gegen  den  A  Isen  er- 
Sund, die  13.  Division  GL.  von  Wintzingerode  die  gegen  den  Alsener  und 
Apenrader  Fjord  gelegenen  Quartiere  bezog.  Das  Corps-Quartier  wurde  im 
Schloss  Gravenstein  aufgesehlagen.  Das  Überschiffungsmaterial  war  seit  Eintritt 
der  Waffenruhe  gesammelt,  eingerichtet  und  per  terra  nach  dem  Sunde witt 
transportiert  worden. 

Nach  den  Weisungen  des  Armee-Commandos  sollte  der  Übergang  bei  Ball e- 
gaard  über  den  Alsener  Fjord  ausgeführt  werden,  da  die  Küste  dort  feindlicher- 
seits  als  kaum  bewacht  oder  durch  Batterien  geschützt  betrachtet  ward.  Demgemäß 
wurde  sümmtliches  Material  und  schweres  Geschütz  in  die  Nähe  dieses  Punktes  nach 
Blans  und  Satrupholz  gebracht.  Da  aber  die  Dänen  am  27.  Juni  Ballegaard 
gegenüber  plötzlich  gegen  einen  Übergang  der  preußischen  Truppen  Vorkehrungen 
zu  treffen  schienen,  und  nicht  mehr  überrascht  werden  konnten,  so  besehloss  GL. 
von  Herwarth  aus  eigenen  Stücken,  den  Übergang,  statt  von  dem  Alsener  Fjord, 
im  nördlichsten  Theile  des  Alsener  Sundes  beim  Satruper  Holze  zu  forcieren. 

Dort  war  der  Sund  schmäler:  dies  gewährte  den  Vortheil.  dass  die  Über- 
schiffung  rascher,  also  auch  die  Unterstützung  der  bereits  gelandeten  Truppen  durch 
die  nachkommenden  schneller  erfolgen  konnte,  als  dies  über  den  Fjord  möglich 
war.  Die  erforderlichen  neuen  Batterien  am  Sunde  sowie  alle  übrigen  Vorberei- 
tungen wurden  bis  zum  28.  fertig  gestellt. 

Am  Nachmittage  des  28.  erließ  GL.  Herwarth  von  Gravenstein  aus  folgende 
Angriffs-Disposition: 

„Morgen  vor  Tagesanbruch  werde  ich  mit  dem  Armee-Corps  den  Cbergang 
über  den  Alsen-Sund  beim  Satruper  Holze  forcieren  und  den  Feind  in  der  Richtung 
auf  Hörup  verfolgen. 

Der  Übergang  geschieht  mittels  160  Kähnen  und  durch  den  Ponton-Train, 
von  vier,  den  Führern  mündlich  bezeichneten  Punkten  aus,  zwischen  der  südlichen 
Lisiere  des  Satruper  Hulzes  und  Schnabek-Hagc  

Die  Division  Manstein  wird  zuerst  übergesetzt  und  sucht  sich  nach  Erstür- 
mung der  Batterien  in  den  Besitz  der  Fohlen-Koppel,  des  Vorwerkes  Rönhof  und 


Digitized  by  Google 


-201, 


CLXl.  bi?  CLXIII.  Promotion. 


Im  Kriege  gegen  Dftncnwrk  1864. 


des  naheliegenden  Terrains  zu  setaen;  sie  dringt  dann  später  gegen  Ulkebüll  und 
Hörup  vor,  um  den  Feind  am  Einschiffen  zu  hindern. 

Die  Division  Wintzingerode  folgt  unmittelbar,  und  zwar  so,  dass  die  25.  Bri- 
gade zuerst  übergesetzt  wird,  und  sich  dann  auf  Ulkebüll  dirigiert;  die  11.  Brigade 
folgt  ihr  als  Reserve. 

Das  Herunterlassen  der  Kähne  in  das  Wasser  und  das  erste  Einsteigen  der 
Mannschaften  beginnt  um  2  Uhr  morgens,  und  findet  das  Übersetzen  in  ununter- 
brochener Folge  statt.  Die  Artillerie  beginnt  erst  dann  zu  feuern,  wenn  der  Feind 
in  seinen  Batterien  Geschütz  zeigt  und  zu  feuern  anfängt. 

Die  Reserve- Artillerie  nimmt  bereits  um  1  Uhr  die  ihr  angewiesenen  Posi- 
tionen ein.  Die  reitende  Artillerie  wird  bei  Rackebüll  bereit  gestellt,  um  jeden 
Augenblick  von  dort  abfahren  zu  können.  Die  Divisions-Artillerie  der  13.  Division 
wird  am  östlichen  Ausgange  von  Blans  aufgestellt  und  bleibt  zur  Disposition  der 
Divisions-Commandeurs. 

Der  GL.  von  Wintzingerode  hat  die  erforderlichen  Anordnungen  zur  Bewachung 
der  Küste  der  Alsener  Föhrde  durch  das  Uhlanen-Regiment  zu  treffen  und  dafür 
zu  sorgen,  dass  der  Brückenbau  bei  Sonderburg  durch  den  Ponton-Train  so  schnell 
ausgeführt  wird,  als  Pontons  dazu  disponibel  sind.  Beim  Aufstellen  der  Truppen, 
sowie  bei  allen  Bewegungen  und  Hantierungen  mit  den  Booten  ist  die  allerpein- 
lichste  Stille  zu  beobachten,  und  darf  kein  lautes  Sprechen  und  Befehlen  stattfinden. 

Ich  werde  mich  beim  Übersetzen  der  Divison  Manstein  östlich  von  Oster- 
Schnabek  beim  Gehöft  von  Peter  Nissen  aufhalten  und  dann  der  Division  folgen. 
Anzug:  Ohne  Gepäck,  aber  mit  Kochgeschirren  und  in  Mützen." 

Die  zur  Einschiffung  bestimmten  vier  Punkte  waren,  und  zwar: 

Im  Satrup-Holz  für  50  Boote  und  7-"i0  Mann;  —  weiter  nördlich  bei  der 
Ziegelei  für  42  Boote  und  600  bis  700  Mann;  hier  waren  auch  die  Geschütze  und 
Pferde  auf  den  zu  zweien  gekoppelten  Pontons  einzuschiffen;  —  noch  weiter 
nördlich  für  29  Boote  und  400  Mann;  —  endlich  gegenüber  der  nördlichsten 
Spitze  der  Halbinsel  von  Kjär  bei  Schnabeck-Hage  für  42  Boote  und  750  Mann. 

Die  Summe  der  gleichzeitig  von  allen  vier  Punkten  auf  einmal  überzuschiffen- 
den  Mannschaft  betrug  ohne  Ruderer  2500  Köpfe  oder  3'/^  Bataillone.  Im  ganzen 
waren  22  Bataillone  zu  überschiffen,  was  eine  sechsmalige  Fahrt  erforderte.  Jede 
Fahrt  hin  und  zurück  bedurfte  ungefähr  bis  '/»  Stunden  Zeit  und  es  konnte 
somit  diese  Überschiffung  binnen  4  bis  5  Stunden  ins  Werk  gesetzt  werden. 
Gleichzeitig  mit  der  Infanterie  waren  vom  zweiten  Punkte  aus  zwei  sechspfündige 
Batterien,  dann  ein  Cavallerie-Regiment,  endlich  noch  eine  Zwölfpfünder-,  eine 
Haubitz-  und  eine  Sechspfünder- Batterie  auf  den  Pontons  nach  Alsen  zu  schaffen. 

Die  Rosi-rve-Artillerie  blieb  außerdem  mit  zwei  Batterien  bei  Sandberg  und 
mit  drei  reitenden  Batterien  bei  Rackebüll  zur  Disposition. 

Ein  zweites  Cavallerie-Regiment  des  Armee-Corps  hatte  die  Küste  am 
Alsener  Fjord  zu  bewachen. 

Pünktlich  nach  Herwartbs  Disposition  bewirkte  am  29.  Juni  2  Uhr  morgens 
der  erste  Truppen-Echellon  der  Division  Manstein  trotz  feindlichen  Feuers  die 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  königl.  preuß.  GL.  Herwarth  von  Biltenfeld. 


207 


ÜberschilTung,  vertrieb  den  Feind  aus  den  Laufgräben  und  nahm  die  Geschütze.  Der 
zweite  Echellon,  obgleich  kurze  Zeit  durch  das  Feuer  des  dänischen  Panzerschiffes 
„Rolf  Krake*  bedroht,  folgte  nach  und  bis  gegen  31/?  Uhr  morgens  waren  die 
1 1  Bataillone  der  Division  und  mehrere  Geschütze  jenseits  des  Sundes. 

GL.  von  Manstein  rückte  inzwischen  schon  mit  7  Bataillonen,  ohne  weitere 
Kräfte  abzuwarten,  von  der  Fohlen-Koppel  zum  weiteren  Angriff  vor,  nahm 
den  Rönhof  und  brach  den  Widerstand  der  Dänen  durch  die  Wegnahme  von 
Kjär  und  Bagmoso.  Während  dessen  rückten  die  restlichen  Bataillone  der 
Division  nach  und  formierten  sich  zum  Angriffe  auf  Sonderburg. 

Inzwischen,  um  6  Uhr,  hatte  der  dänische  Truppen-Commandant,  General 
Steinmann,  den  Befehl  zu  dem  schon  bedrohten  Rückzüge  auf  die  Halbinsel 
Kekenis  ertheilt,  deren  Zugang,  die  Landenge  „Drei",  befestigt  und  besetzt  war. 
Die  ersten  gegen  7  Uhr  in  Sonderburg  eindringenden  preußischen  Compagnien 
fanden  keinen  Widerstand  mehr. 

GL.  von  Herwarth  disponierte  die  ersten  drei  bei  der  Fohlen-Koppel  versam- 
melten Bataillone  der  Division  Wintzingerode  nach  Ulkebüll,  um  den  Feind  am 
Einschiffen  zu  hindern.  Die  Dänen  hatten  jedoch  in  ihrem  Rückzug  einen  solchen 
Vorsprung  gewonnen  und  die  preußischen  Truppen  waren  so  erschöpft,  dass  jede 
weitere  Verfolgung  über  Höruphaff  hinaus  und  die  Verhinderung  der  feindlichen 
Einschiffung  unterbleiben  mussten.  *) 

Die  Dänen  vollendeten  ihre  Einschiffung  nach  der  Insel  Fünen  am  30.  Juni 
2  Uhr  nachmittags. 

GL.  von  Herwarth  ließ  die  Insel  Alsen  durch  die  Division  GL.  von  Wintzin- 
gerode in  Besitz  nehmen,  die  Division  GL.  von  Manstein  aber  noch  am  29.  mittags 
nach  dem  Sundewitt  rücküberschiffen  und  am  30.  eine  Pontonbrücke  über  den 
Sund  schlagen,  welche  späterhin  durch  eine  aus  requirierten  Schiffen  erbaute  Brücke 
ersetzt  wurde. 

Auf  diese  Weise  hat  dank  den  vortrefflichen  Dispositionen  des  GL.  Herwarth 
von  Bittenfeld  und  der  glänzenden  Ausführung  derselben  durch  den  GL.  von  Man- 
stein das  königl.  preußische  1.  Armee-Corps  mit  einem  im  Verhältnisse  zu  dem 
Erfolge  der  Waffenthat  ganz  geringfügigen  Verluste,  im  Angesichte  des  Feindes 
den  Sund  übersetzt  die  seit  längerer  Zeit  vorbereiteten  Sund-Befestigungen  bei- 
nahe unschädlich  gemacht,  mit  den  zuerst  übersetzten  7  bis  8  Bataillonen  die  feind- 
liche, zur  Verteidigung  der  Insel  bestimmte  Division  von  Stellung  zu  Stellung 
zurückgeworfen  und  dieselbe  binnen  kaum  vier  Stunden  zum  Aufgeben  des 
Kampfes  bestimmt,  welcher  den  Feind  nach  dessen  Angaben  das  Zehnfache  des 
preußischen  Verlustes  gekostet  hatte.  Die  große  Zahl  von  99  meist  schweren 
Positionsgeschützen,  die  ganze  Munition,  viele  Verpllegsvorräthe,  die  Lazarethe, 
mit  einem  Worte  alle  die  Güter,  die  den  Besitz  eines  längere  Zeit  in  Position 
stehenden  Heereskörpers  ausmachen,  fielen  dem  Sieger  außerdem  als  Trophäen 
in  die  Hände.   Diesem  Übergange  des  königl.  preußischen  GL.  von  Herwarth  am 

*)  Die  Details  dieges  ganzen  Gefechtes  sind  in  der  Beschreibung  der  Waffenthat  des  Maria 
Tberesien-Kitters,  königl.  preuß.  GL.  von  Manstein,  Seite  -209  bis  21 1,  dargestellt 


Digitized  by  Google 


208 


CLXI.  bis  r.LXIU.  Promotion.  - 


Im  Kriege  *e*«n  D9i 


nem*rk  1*64. 


29.  Juni  18G1  über  den  Ais-Sund  wird  stets  ein  glänzender  Platz  in  den  Annalen 
des  Krieges  gebüren. 

Auf  Grund  dieser  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I. 
als  Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens,  kraft  Promotion  CLXIIl 
vom  8.  August  1864  den  königl.  preußischen  General-Lieutenant  Carl  Eberhard 
Herwarth  von  ßittenfeld  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter 
des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Die  weitere  Antheilnahme  des  GL.  Herwarth  von  Bittenfeld  an  diesem 
Kriege  geht  aus  der  allgemeinen  Darstellung  hervor.  Sein  späteres  militärisches 
Wirken,  während  dessen  er  zum  königl.  preußischen  General-Feldmarschall 
emporstieg,  verzeichnet  die  nilgemeine  Kriegsgeschichte.  Er  beschloss  sein  an 
Kriegsthaten  reiches  Leben  am  17  April  1878  zu  Berlin. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

königlich  preußischer  General-Lieutenant 

Albrecht  Khrenrei»  h  Gustav  von  Manstein. 

Die  nächtliche  Forcierung  des  Alsener  Sundes  und  die  siegreiche,  rasche 
Eroberung  der  Insel  Alsen  durch  das  preußische  I.  Armee-Corps  unter  GL. 
Her warth  von  Bittenfeld  im  Kriege  Österreichs  und  Preußens  in  Schleswig  und 
Jütland  im  Jahre  1804  wurde  durch  tapferes,  entschlossenes  und  selbständiges 
Vorgehen  des  königlich  preußischen  General-Lieutenants  von  Manstein  wesent- 
lich gefördert.  Dadurch  erstritt  derselbe  in  Gemeinschaft  mit  dem  GL.  Herwarth 
von  Bittenfeld  die  Aufnahme  in  den  Maria  Theresien-Orden  als  Ritter. 

GL.  von  Manstein  machte  als  Divisionär  im  L  preußischen  Armee- 
Corps  unter  Seiner  königl.  Hoheit  dem  Prinzen  Friedlich  Carl  gleich  von 
Anbeginn  des  Feldzuges  alle  Operationen  ond  Kämpfe  dieses  Corps  bis  zur 
Einnahme  der  Düppler-Position  mit.  Speciell  der  Sturmangriff  am  18.  April 
durch  sechs  Sturm-Colonnen  auf  die  Werke  selbst  wurde  unter  seiner  Oberleitung 
ausgeführt.  *) 

Bei  dem  Unternehmen  gegen  die  Insel  Alsen  hatte  gemäß  der  Disposition 
des  Corps-Commandanten  GL.  Herwarth  von  Bit  tenfeld  eine  zu  diesem  Zwecke 
eigens  eombinierte  Division  von  vier  Punkten  der  Küste  nächst  Düppel  nachts 
auf  lfiO  Kähnen  in  drei  Echellons  hintereinander  unter  Befehl  des  GL.  von 
Manstein  in  erster  Linie  den  Alsen-Sund  zu  überschiffen  und  sich  auf  der  Insel 
Alsen  festzusetzen  **.;•,  während  in  zweiter  Linie  GL.  von  Wintzingerode  mit 
einer  anderen  conibinierten  Division  nachzufolgen  bestimmt  war. 

*)  Si.-he  Wallenthal  Seiner  königlichen  Hoheit  des  Prinzen  Friedrich  Carl  von  Freuden. 

Seile  io-J. 

••)  Die  Disposition  de*  GL.  Herwarth  von  Bittenfeld  in  Betreff  des  Unternehmens  gegen 
die  Irixel  Alsen  erscheint  in  der  Darstellung  seiner  eigenen  Waffenthat  wiedergegeben,  Seite  205 

und  aar,. 


Digitized  by  Google 


Ritter  de*  M.  T.-O.  kßnigl.  prcuß.  GL.  von  Mntistein. 


209 


Am  29.  Juni  2  Uhr  morgens  begann  der  erste  Echellon  der  Division  des  GL. 
von  Mansiein  —  14  Compagnien  —  seine  Einschiffung  auf  den  vier  dazu  be- 
stimmten Punkten.  Die  Boote  fuhren  vom  Lande  ab,  die  Mannschaften  wateten 
ihnen  bis  an  den  Gürtel  im  Wasser  nach  und  stiegen  dann  ein.  Gleich  darauf 
>etzten  sich  die  bemannten  Hoote  nach  dem  feindlichen  Ufer  in  Bewegung.  Die 
Einschiffung  des"  Feldgeschützes  begann  erst  um  3'/^  Uhr  mit  einer  Batterie,  der 
nach  drei  Viertelstunden  eine  zweite  folgte.  Ein  beim  Corps  zusammengestelltes 
Wallbüchsen-Commando  gieng  noch  vor  der  Artillerie  über  den  Sund.  Die  Nacht 
und  die  Ruhe,  mit  der  die  Einschiffung  und  Abfahrt  dieses  ersten  Echellons  aus- 
geführt wurde,  trugen  dazu  bei.  dass  dieselbe  ganz  unbemerkt  vom  Feinde 
geschah. 

Erst  nachdem  die  Boote  beiläufig  in  der  Mitte  des  Sundes  erschienen, 
wurden  dieselben  von  den  dänischen  Posten  bemerkt.  Eine  in  den  Laufgräben 
zunächst  des  Angriffspunktes  befindliche  dänische  <  lompagnie.  sowie  einige  Contre- 
Batterien  eröffneten  sogleich  das  Feuer  gegen  die  heransteuernden  Boote,  doch 
ohne  wesentlichen  Erfolg. 

Die  preußischen  Batterien  erwiderten  das  Feuer,  ebenso  die  Mannschaft  in 
den  Booten.  Zehn  Boote  wurden  von  den  feindlichen  Projeetilen  so  getroffen, 
dass  deren  Bemannung  in  Gefahr  war  unterzugehen.  Den  meisten  derselben 
gelang  es  aber,  sich  durch  Verstopfen  der  Löcher  und  Ausschöpfen  des  ein- 
gedrungenen Wassers,  so  lange  flott  zu  erhalten,  bis  sie  die  gegenüberliegende  Küste 
erreichten.  Ein  einziges  großes  Boot,  das  von  22  Mann  beselzt  war,  wurde  von 
einem  Granatensplitter  getroffen,  und  gieng  unter;  doch  gelang  es,  die  Mannschaft 
bis  auf  fünf  Mann  zu  retten.  Trotz  des  feindlichen  Feuers  setzten  alle  übrigen 
Boote  kräftig  die  Fahrt  fort  und  warfen  endlich  ihre  Abteilungen  aufs  Land.  Diese 
formierten  sich  rasch,  stürzten  sich  auf  die  feindlichen  Laufgräben  und  trieben 
die  feindliche  Compagnie  aus  denselben  hinaus.  Zwei  nacheinander  zur  Unter- 
stützung herbeieilende  dänische  Compagnien  konnten  die  preußischen  Abtheilungen 
nicht  mehr  aufhalten.  Nach  kurzer  Zeit  hatten  diese  viele  Gefangene  gemacht. 
Geschütze  erobert  und  die  drei  dänischen  Compagnien  zurückgedrängt. 

Die  Dänen  sammelten  sich  bei  Rönhof.  konnten  sich  aber  nur  so  lange 
halten,  als  die  Preußen  Zeit  brauchten,  sieh  zu  ralliieren  und  durch  die  nach- 
kommenden Abtheilungen  des  zweiten  Echellons  zu  verstärken. 

Die  Überfahrt  des  zweiten  Echellons  folgte  der  des  ersten  von  allen  vier 
Punkten  ohne  Zeitverlust.  Die  südlichste  Boots-Colonne  dieses  Echellons  wurde 
dabei  durch  die  in  der  Nähe  von  Rönhof  befindlichen  feindlichen  Batterien 
belästigt.  Eine  besondere  Gefahr  erwuchs  derselben  aber  durch  das  Erscheinen 
des  dänischen  Panzerschiffes  „Rolf  Krake*  an  der  Spitze  des  Sundes.  Nach- 
dem der  commandierende  Capitän  durch  den  Kanonendonner  auf  das  Unternehmen 
aufmerksam  geworden  war,  erschien  das  Schiff  am  Ausgange  des  Sundes.  Es  war 
eben  zur  Zeit,  als  der  zweite  Echellon  den  Übergang  beinahe  bewirkt  hatte.  Von 
20  gezogenen  preußischen  Geschützen  heftig  beschossen  und  die  mit  allen  Kräften 
der  Alsener  Küste  zusteuernden  Boote  vor  sich,  wusste  das  feindlich  Schiff  kaum. 

Militärischer  Maria  Tbere«i»ii-Ordea  14 


DigitizecJ  by  Google 


210 


»XXI.  l>i*  (XXlll.  l'ruluolii.ii.      Im  Kriege  gegen  Dänemark  1n*>*. 


wohin  es  sein  Feuer  frülier  richten  sollte.  Seine  Stellung  häufig  verändernd,  schoss 
es  seine  vier  glatten  Sechzigpfünder  bald  gegen  die  preußischen  Batterien  an  der 
Küste,  bald  gegen  die  bereits  auf  Alsen  gelandeten  Truppen,  bald  gegen  die  Boote 
ab.  Doch  blieb  dies  zersplitterte  Feuer  ohne  allen  Erfolg;  nach  ungefähr 
25  Minuten  machte  das  Schiff  „Kehrt*  und  zog  sich  im  Feuer  der  preußischen 
Geschütze  zurück. 

Nun  gieng  auch  die  Überfahrt  des  dritten  Echellons  vor  sich,  so  dass 
zwischen  3  und  3l/2  Uhr  morgens  alle  11  Bataillone  des  GL.  von  Manstein  und 
selbst  mehrere  gezogene  Geschütze,  die  sich  bald  auf  volle  Batterien  vermehrten, 
jenseits  des  Sundes  auf  der  Insel  Alsen  standen. 

GL.  von  Manstein,  welcher  die  Vortheile  der  Überraschung  gegenüber  den 
Dänen  zur  vollen  Geltung  bringen  wollte,  wartete  das  Eintreffen  seiner  letzten 
Bataillone  in  der  Gefechtslinie  an  der  Fohlen-Koppel  nicht  erst  ab,  sondern 
gieng  gegen  Uhr  mit  den  daselbst  bereits  ralliierten  7  Bataillonen  aus  eigenen 
Stücken  entschlossen  zum  weiteren  Angriffe  vor  und  nahm  zunächst  den 
Rönhof,  wobei  ihm  bereits  mehrere  Hunderl  Mann  als  Gefangene  in  die  Hände 
fielen. 

Erst  nachdem  der  Rönhof  von  den  Preußen  genommen  war,  trafen  dänische 
Verstärkungen  auf  dem  Kampfplatze  ein,  versuchten  von  Kjär  einen  Vorstoß 
gegen  Ronhof,  konnten  aber  nicht  mehr  Terrain  gewinnen,  sondern  mussten 
wieder  nach  Kjär  zurückweichen. 

Sämmtliche  7  preußische  Bataillone,  bei  denen  außer  einer  Anzahl  VVall- 
büchsen,  die  an  der  Fohlen-Koppel  Stellung  genommen  hatten,  noch  immer 
kein  Geschütz  eingetroffen  war,  rückten  gegen  Kjär  vor.  Die  Haupt-Colonne, 
unter  GL.  von  Manstein,  welche  im  Centrum  auf  den  östlichen  Theil  von  Kjär 
vorgieng,  traf  auf  zwei  danische  Bataillone,  welche  theils  aus  Bagmose,  theils 
aus  dem  östlichen  Kjär  debouchierten.  Diese  beiden  Bataillone  wurden  in  ihren 
Angriffen  aufgehalten,  sodann  zurückgeworfen  und  GL.  von  Manstein  drang  ihnen 
nach  in  Kjär  und  Bagmose  ein.  In  den  Gehöften  östlich  von  Bagmose,  die  den 
Namen  Ormstoft  führen,  suchten  sich  die  Trümmer  von  6  geworfenen  dänischen 
Bataillonen  zu  sammeln.  Als  nach  einer  halben  Stunde,  gegen  5  Uhr,  2  Bataillone 
des  preußischen  Centrums  gegen  diese  Gehöfte  vorrückten,  warfen  sich  die  tapferen 
dänischen  Abtheilungen  nochmals  den  Preußen  entgegen.  Es  kam  zu  einem  heftigen, 
aber  kurzen  Kampfe,  der  für  die  Dänen  wieder  unglücklich  endete.  Die  beiden 
preußischen  Bataillone  hielten  den  Angriff  aus,  drangen  dann  selbst  vor  und 
zwangen  die  dänischen  Abteilungen  zum  Rückzüge  (gegen  5\/4  Uhr).  Hiemit  war 
der  Sieg  der  preußischen  Waffen  im  Centrum  entschieden.  An  dem  Kampfe 
betheiligten  sich  von  1%  Uhr  an  auch  bereits  vier  preußische  Geschütze,  welche, 
am  Sunde  auf  den  Höhen  nördlich  von  Kjärwig  aufgestellt,  von  hier  aus  die 
dänischen  Truppen  mit  Granaten  beschossen  und  deren  Rückzug  beschleunigten. 

Auf  der  westlichen  Seite  des  Kampffeldes  waren  mittlerweile  als  rechter 
Flügel  2  preußische  Bataillone  bis  westlich  von  Kjär  vorgedrungen  und  stehen 
geblieben,  um  die  Ankunft  der  übrigen  Bataillone  abzuwarten.  Es  trafen  dort 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-U.  köuigl.  preuß.  GL.  von  Manstein. 


während  des  Kampfes  um  Kjär  4  Bataillone  ein,  welche  sich  nun  zum  Angriffe  auf 
Sonderburg  formierten.  Während  die  Truppen  am  preußischen  rechten  Flügel 
sich  in  dieser  Weise  aufstellten,  drangen  zwei  dänische  Bataillone  aus  der  Gegend 
von  Baadsager  gegen  das  preußische  Gentrum  mit  Heftigkeit  vor,  doch  fehlte 
diesem  dänischen  Angriffe  der  Nachdruck;  die  beiden  dünischen  Bataillone  wurden 
in  Front  und  Flanke  von  dem  preußischen  rechten  Flügel  angegriffen  und 
geworfen. 

Damit  hatte  GL.  von  Manstein  die  dänische  Division  auf  A  Isen  bewältigt.  Von 
ihren  auf  der  Insel  befindlichen  12  Bataillonen  waren  8  geschlagen,  größtentheils 
zerstreut  und  widerstandslos  gemacht.  Von  den  noch  vorhandenen  4  Bataillonen 
standen  2  im  Norden  der  Insel  und  waren  so  für  das  Gefecht  im  Süden  der- 
selben verloren;  die  anderen  2  Bataillone  hielten  Sonderburg  und  dessen 
nächste  nördliche  Umgebung  besetzt  und  konnten  nicht  ohne  Gefährdung  dieses 
wichtigen  Punktes  zur  Unterstützung  der  kämpfenden  Truppen  verwendet  werden. 

General  St  ein  mann,  der  Gommand;:nt  der  dänischen  Streitkräfte,  gab  um 
0  Uhr  sämmtlichen  Abtheilungen  den  Befehl  zum  Rückzüge  auf  die  Halbinsel 
Kekenis.  Der  Rückzug  ward  auch  bald  auf  allen  Punkten  angetreten.  Von  den  in 
Sonderburg  stehenden  2  dänischen  Bataillonen  versuchte  noch  eines  den  vor- 
rückenden preußischen  Abiheilungen  nördlich  der  Stadt  einigen  Widerstand  ent- 
gegenzusetzen, trat  aber  auch  bald  den  Rückzug  an,  so  dass  die  ersten  gegen  7  Uhr 
in  Sonder  bürg  eindringenden  preußischen  Compagnien  des  rechten  Flügels 
keinen  Widerstand  mehr  fanden  und  nur  auf  verspätete  kleinen-  dänische  Abthei- 
lungen stießen,  welche  die  Flucht  ergriffen  und  theihvei.se  gefangen  wurden. 

Während  dieses  ebenso  entschlossenen  als  entscheidenden  Vorgehens  des 
GL.  von  Manstein  mit  seiner  Division  hatte  bis  ü  Uhr  früh  auch  bereits  der  erste 
Eehellon  der  Division  GL.  von  Wintzingerode  den  Sund  überschifft,  sich  am  Süd- 
rande der  Fohlen-Koppel  formiert  und  im  Gentrum  über  Disposition  des  GL.  von 
Herwarth  über  Ulkebüll  gegen  Höruphaff  in  Actum  gesetzt.  Dank  dem  raschen 
Eingreifen  des  rechten  Flügels  der  Division  des  GL.  von  Manstein,  von  welchem 
ein  Bataillon  um  71/»  Uhr  aus  Sonderburg  gegen  Klintinge  weiter  vorrückte  und 
die  Dänen  auf  dem  Fuße  verfolgte,  mussten  16  Ofticiere  und  324  Mann  vom 
10.  dänischen  Regiment  sammt  dem  Commandanten  in  Höruphaff  die  Waffen 
strecken. 

Kleinere  Abtheilungen  der  dänischen  Besatzung  von  Sonderburg  hatten 
sich  daselbst  rechtzeitig  eingeschifft.  Andere  Theile  der  dänischen  Division  Stein- 
mann vermochten  den  Rückzug  ohne  ernstliche  Behinderung  seitens  der  Preußen 
über  die  Landenge  ,Urei*  nach  der  Halbinsel  Kekenis  fortzusetzen  und  sich  dort 
einzuschiffen.  Der  Rest  der  dänischen  Truppen  auf  Alsen  schiffte  sich  bei  Norder- 
lücke ein  und  gewann  —  durch  „Rolf  Krake"  gedeckt  —  die  Insel  Fünen.  Die 
Einschiffung  ward  jedoch  erst  am  30.  Juni  um  2Vt  Uhr  nachmittags  gänzlich 
beendet,  um  welche  Zeit  auch  der  dänische  GL.  Steinmann  das  Schiff  bestieg,  um 
seinen  Truppen  nach  Fünen  zu  folgen.  Die  allerletzten  kleinen  dänischen  Deta- 
chements  verließen  die  Insel  Alsen  erst  am  1.  Juli. 


Digitized  by  Google 


212 


CLXI.  bis  CLXUJ.  Promotion.  - 


Im  Kneife  Fegen  Dänemark  1864. 


In  Wirklichkeit  befand  sich  jedoch  Alsen  schon  am  29.  Juni  morgens  in 
Gewalt  der  Preußen.  Um  10'/,  Uhr  ließ  GL.  von  Herwarth  die  erschöpften  Truppen 
bei  Hörup-Kirche  halten  und  die  Verfolgung  des  Feindes  einstellen,  da  derselbe 
ohnedem  einen  zu  großen  Vorsprung  hatte,  als  dass  er  an  der  Einschiffung  hätte 
verhindert  werden  können.  Die  Besetzung  Alsens  wurde  der  Division  GL.  von 
Wintzingerode  zugewiesen.  GL.  von  Manstein,  welcher  die  ihm  übertragene  Auf- 
gabe so  erfolgreich  gelöst  hatte,  verließ  mit  spiner  Division  die  eroberte  Insel 
schon  zu  Mittag  desselben  Tages  und  überschiffte  sich  mit  Ausnahme  von 
wenigen  Bataillonen,  die  über  Nacht  in  Sonderburg  verblieben,  wieder  nach  dem 
Sundewitt. 

Auf  diese  Weise  hat  GL.  von  Manstein  hervorragend  und  wesentlich  dazu 
beigetragen,  dass  das  Unternehmen  des  GL.  von  Herwarth  mit  dem  preußischen 

I.  Armee -Corps  gegen  Alsen  so  rasch,  siegreich  und  mit  verhältnismäßig 
geringen  Verlusten  durchgeführt  wurde,  während  die  Verluste  der  Dänen  das 
Zehnfache  der  preußischen  betrugen.  Die  Preußen  verloren  nämlich  31  Officiere 
und  342  Mann,  während  die  dänischen  Verluste  75  Officiere,  3.126  Mann  betrugen, 
von  denen  allerdings  nahezu  zwei  Drittel  Gefangene  waren.  Außerdem  ließen  die 
Dänen  99  meist  schwere  Positions-Geschütze,  die  ganze  Munition,  reiche  Verpflegs- 
Vorräthe  und  sonstiges  Kriegsmateriale  in  den  Händen  der  Preußen  zurück.  Hiebei 
fiel  aber  besonders  ins  Gewicht,  dass  GL.  von  Manstein  Alsen  streng  genommen 
mit  7  Bataillonen  gegen  eine  ganze  dänische  Division  von  12  Bataillonen  und 
angesichts  starker  Befestigungen  mit  schwerem  Geschütz  binnen  nicht  ganz  vier 
Stunden  eroberte,  wubei  die  nicht  minder  tapfer  kämpfenden  Dänen  von  Stellung 
zu  Stellung  zurückgeworfen  werden  mussten.  Die  Art  und  Weise,  wie  GL.  von 
Manstein  das  auf  Forcierung  des  Alsen-Sundes  und  die  Wegnahme  der  Insel  Alsen 
abzielende,  wohldisponierle  Unternehmen  des  GL.  von  Herwarth  mit  ausführte, 
stellt  sich  demnach  als  eine  ebenso  herzhafte  wie  kluge  Kriegsthat  dar. 

In  Anerkennung  die-er  glänzenden  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser 
Kranz  Joseph  1.  als  Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens 
kraft  Promotion  CLXUI  vom  8.  August  18G4  den  königlich  preußischen  General- 
Lieutenant  Albrecht  Ehrenrew  h  Gustav  von  Manstein  durch  Verleihung  des 
Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Die  fernere  Betheiligung  des  General-Lieutenants  von  Manstein  an  diesem 
Kriege  erhellt  aus  der  allgemeinen  Darstellung;  sein  späteres  militärisches  Wirken, 
während  dessen  er  zum  königlich  preußischen  General  der  Infanterie  vorrückte, 
gehört  der  Kriegsgeschichte  an.  Im  Jahre  1873  zur  Disposition  gestellt,  starb  er  am 

II.  Mai  1877. 


Digitized  by  Google 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  pegen  Preußen  und  Italien  18615.  213 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  and  Italien  im  Jahre  1866. 

Zum  drittenmale  seit  den  Revolutions-  und  Kriegsjahren  1848/49  musste 
die  Monarchie  im  Jahre  186G  zum  Schutze  ihrer  bedrohten  Rechte,  ihrer  politi- 
schen Stellung  und  ihres  Besitzstandes  zu  den  Waflen  greifen. 

Österreichs  im  Jahre  1864  gemeinsam  mit  Preußen  über  Dänemark 
erkämpfter  Sieg,  wodurch  Schleswig-Holstein  und  Lauenburg  für  Deutschland 
gewonnen  worden,  führte  schon  nach  zwei  Jahren  zum  Kriege  zwischen  Öster- 
reich und  Preußen.  Ersteres  wollte,  dass  die  Herzogtümer  unter  dem  Prinzen 
Friedrich  von  Augustenburg  vereinigt  einen  deutschen  Bundesstaat  bilden; 
Preußen  strebte  deren  Gewinnung  für  sieh  selbst,  deren  Alleinbesitz  an. 

Solch  grundsätzlicher  Zwiespalt  machte  es  bald  zur  Unmöglichkeit,  dass 
Österreich  und  Preußen,  wie  dies  bis  zur  definitiven  Regelung  der  politischen 
Stellung  der  Herzogtümer  vereinbart  war,  in  denselben  gemeinschaftlich  die 
Regierungsgewalt  ausübten.  Aber  auch  die  auf  Grund  des  Gasteiner  Vertrages 
nachgefolgte  getrennte  Regierung  Österreichs  in  Holstein,  Preußens  in  Schleswig, 
erweiterte  nur  die  Kluft  zwischen  beiden  Mächten.  Der  Antagonismus  wurzelte 
eben  viel  tiefer,  als  in  dem  Zwiespalt  wegen  Schleswig-Holsteins. 

Es  war  der  Wettstreit  um  die  Vorherrschaft  in  Deutschland,  welcher  Öster- 
reich und  Preußen  immer  mehr  entzweite.  Österreich,  welches  seit  sechs 
Jahrhunderten  Deutschland  so  viele  ruhmreiche  Herrscher  gegeben,  suchte  seine 
geschichtliche  Vormachtstellung  ungeschmälert  zu  erhalten.  Preußen  gieng  mit 
fester  Entschlossenheit  darauf  aus,  die  Vorherrschaft  in  Deutschland  in  eigene 
Hand  zu  nehmen. 

Dies  führte  zu  immer  schärferen  Conflicten  in  den  Herzogtümern  und  am 
deutsehen  Bundestage,  zu  immer  herberen  diplomatischen  Auseinandersetzungen, 
zu  wachsenden  beiderseitigen  Rüstungsmaßnahmen.  ja  zur  Gewaltanwendung 
Preußens  gegen  die  Holstein'sche  Ständeversammlung,  gegen  Österreichs  Landes- 
regierung, sowie  schließlich  gegen  dessen  bloß  aus  einer  Brigade  bestehende 
Besatzung  in  Holstein. 

Angesichts  dieses  Vorgehens  Preußens  stellte  Österreich  am  Bundestage 
den  Antrag  auf  Mobilisierung  der  außerpreußischen  7  deutschen  Bundes- 
Armee  Corps. 


Digitized  by  Google 


214 


CLXIV.  bis  CLXVin.  Promotion. 


Preußen  antwortete  zunächst  damit,  dass  es  den  deutschen  Regierungen 
mittels  Circulare  eine  Reform  der  Bundesverfassung  in  Vorschlag  brachte,  wornach 
neben  dem  Bundestag  eine  deutsche  National-Vertretung  ins  Leben  gerufen, 
Österreich  aber  gleichzeitig  aus  dem  deutschen  Bunde  ausgeschlossen 
werden  sollte. 

Österreichs  Antrag  wurde  ungeachtet  des  Protestes  Preußens  bei  der 
Abstimmung  der  Bundesversammlung  am  14.  Juni  mit  9  gegen  6  Stimmen  zum 
Beschlüsse  erhoben. 

Preußen  erklärte  diesen  Beschluss  als  eine  nach  dem  Bundesrechte,  welches 
nur  die  Bundes-Execution  kenne,  unmögliche  Kriegserklärung  gegen  sich,  infolge 
dessen  den  Bundesvertrag  als  gebrochen  und  nicht  mehr  rechtsverbindlich,  legte 
aber  gleichzeitig  den  erwähnten  Reformantrag  vor,  nach  welchem  ein  neuer  Bund 
mit  Ausschluss  Österreichs  gebildet  werden  sollte. 

Österreich  wies  Preußens  Erklärung  und  Antrag  als  rechtlich  wie  facliseh 
unbegründet  zurück,  berief  sich  auf  die  verbriefte  Unauflöslichkeit  des  Bundes, 
verwahrte  dessen  sämmtliche  Rechte  und  Zuständigkeiten,  sowie  dessen  in  voll- 
kommen bindender  Kraft  dauernden  Fortbestand. 

Damit  war  der  Krieg  zwischen  Osterreich  und  Preußen  unvermeidlich 
geworden.  Nur  mehr  das  Schwert  vermochte  den  jahrhundertealten  Conflict 
zwischen  den  beiden  Vormächten  und  den  zu  ihnen  haltenden  Staaten  des 
deutschen  Bundes  zu  entscheiden. 

Für  den  Fortbestand  des  alten  Bundes  kämpften  nebst  Österreich: 
Bayern,  Württemberg,  Sachsen,  Hannover,  Kurhessen,  das  Großherzog- 
thum Hessen,  Nassau  und  Baden. 

Für  den  neuen  Bund  ohne  Österreich,  unter  Preußens  Führung, 
erhoben  außer  diesem,  die  Waffen:  Sachsen-Coburg- Gotha,  Mecklenburg- 
Schwerin,  Braunschweig,  Sachsen-Altenburg,  Waldek,  Schwarz- 
burg-Rudolstadt, Lippe,  Oldenburg.  Bremen,  Lübeck  und  Hamburg. 

Der  Krieg  sollte  jedoch  noch  weit  größere J)imensionen  annehmen.  Preußen 
hatte  sich  nebst  den  angeführten  deutschen  Staaten  schon  lange  zuvor  auch  eines 
außerdeutsclien  Verbündeten  versichert. 

Dank  den  verwandten  Bestrebungen,  welche  trotz  des  Friedens  von  Zürich 
unablässig  auf  die  Losreißung  der  italienischen  Gebiete  von  der  Monarchie 
gerichtet  blieben,  hatte  Preußen  für  seine  Politik  gegen  Österreich  einen  bereit- 
willigen Verbündeten  an  Italien  gewonnen. 

Noch  während  zwischen  Österreich  und  Preußen  über  die  Schleswig- 
Holslein'sche  Frage,  über  Bundesreform,  über  Wiederabrüstung  u.d.  gl.  diplomatisch 
verhandelt  wurde,  war  zwischen  Preußen  und  Italien  am  8.  April  ein  Allianz- 
Vertrag  zustande  gekommen,  in  welchem  sich  beide  Mächte  solidarisch  ver- 
pflichteten, durch  Waffengewalt  Österreichs  Ausschließung  aus  Deutschland, 
beziehungsweise  dessen  gänzliche  Verdrängung  aus  Italien  herbeizuführen. 

So  sah  sich  denn  Österreich  gezwungen,  innerhalb  zweier  Jahrzehnte 
zum  drittenmale  das  Schwert  zu  ziehen. 


Digitized  by  Google 


Tin  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  l«6ß. 


215 


Weit  gewaltigere  Anforderungen  aber  als  die  vorangegangenen  Kämpfe  von 
1848/49  und  1859  stellte  dieser  Doppelkrieg  an  die  Monarchie. 

Österreich  vermochte  organisationsgemäß  nur  600.000  Mann,  Preußen 
dagegen  660.000,  Italien  360.000  Mann  zum  Kriege  aufzubieten.  Infolge  dessen 
war  Preußen  mit  Italien  im  Bunde,  Österreich  um  420.000  Streiter  überlegen. 
Gegenüber  dieser  gewaltigen  numerischen  Übermacht  der  verbündeten  Gegner 
konnte  Österreich  seitens  der  deutschen  Bundesgenossen  nur  auf  eine  Hilfe 
von  120.000  Mann  rechnen,  so  dass  auch  da  Preußen  mit  Italien  um  300.000 
Mann  mehr  in  die  Wagschale  der  Entscheidung  werfen  konnten. 

Aber  auch  hinsichtlich  aller  übrigen  entscheidenden  militärischen  Factoren, 
wie  strategische  Lage,  Organisation  und  Dislocation,  Mobilität,  Ausrüstung  und 
Bewaffnung  etc.,  war  die  Monarchie  im  notorischen  Nachtheile  gegenüber  ihren 
verbündeten  Gegnern,  insbesondere  Preußen.  Politische  Schwierigkeiten  im  Innern, 
diplomatische  Behinderungen  von  außen  und  überdies  missliche  financielle  Verhält- 
nisse steigerten  noch  jene  militärischen  Nachtheile  für  Österreich  ins  Unermessliche. 

Mit  einem  Worte,  Österreich  hatte  im  Jahre  1866  einen  seiner  welt- 
geschichtlichen Existenzkämpfe  zu  bestehen. 

Aber  gleich  allen  vorangegangenen  Kämpfen  dieser  Art  seit  den  Türke n- 
bis  zu  den  Kriegen  gegen  Napoleon  I.  bestand  die  Monarchie  auch  diesen 
gleichzeitig  von  Nord  und  Süd  gegen  ihren  Bestand  gerichteten  Ansturm. 

Infolge  der  unvermeidlichen  Theilung  der  Kräfte  nach  entgegengesetzten 
Richtungen  unterlagen  zwar  die  kaiserlichen  Waffen  im  Norden.  Dafür  obsiegten 
sowohl  Österreichs  Truppen  als  die  kaiserliche  Seemacht,  ohne  jedwede  Bundes- 
genossenschaft und  trotz  der  Übermacht  des  Gegners,  im  Süden. 

Das  Missgeschick  der  kaiserlichen  Waffen  im  Norden  zwang  Österreich, 
nach  mehrhundertjährigem  Verbände  aus  Deutschland  auszuscheiden,  Preußen 
die  erstrebte  Führerschaft  zu  überlassen  und  Venetien  an  Italien  abzutreten. 

Aber  allen  weiteren  nachtheiligen  Folgen  des  Waffenunglücks  im  Norden 
ward  Einhalt  gethan  durch  den  glorreichen  Sieg  bei  Custozza,  durch 
die  blitzartig  ausgeführten  Operationen  der  kaiserlichen  Streitkräfte  vom 
Mincio  nach  Norden  und  die  überraschende  Machtentfaltung  an  der  Donau. 
— -  durch  äußerste  Behauptung  Südtirols,  —  durch  siegreiche  Beherrschung 
des  Adria tischen  Meeres,  —  durch  neuerliche,  entscheidende  Machtenlfaltung 
am  Isonzo. 

So  wurde  selbst  im  Norden  ein  ehrenvoller  Frieden  (Abschluss  zu  Prag. 
23.  August  1866)  erzielt,  der  für  die  Monarchie  im  Süden  (Friedenschluss  mit 
Italien  zu  Wien,  3.  October  1866)  unentbehrliche  Bezitzstand  gewahrt. 

Die  Großmachtstellung  Österreichs  zu  Land  blieb  aufrecht  erhalten,  ward 
zur  See  sogar  gehoben. 

So  gieng  die  Monarchie  auch  aus  dem  Existenzkampf  dieses  Doppelkrieges 
in  ihren  Grundfesten  unerschüttert  hervor,  um  bald  darauf  —  völlig  sich  selbsl 
und  ihren  eigenen  Interessen  wiedergegeben  —  mächtig  und  angesehen  wie 
zuvor  da  zu  stehen. 


Digitiz/d  by  Google 


21G 


CLX1V.  bis  CLXVIII.  Promotion. 


In  diesem  Schicksal  vollen  Kriege  erstanden  dem  Maria  Theresien-Orden 
und  zwar  aus  den  Reihen  der  Verbündeten  Österreichs:  1  Cummandeur 
und  2  Ritter;  —  aus  dem  k.  k.  Heer  und  Sr.  Maj.  Kriegs-Marine  1  Groß- 
kreuz, 4  Commandeure  und  15  Ritter;  —  im  ganzen  kraft  der  Promotionen 
CLXIV  bis  CLXVIII:  1  Großkreuz,  5  Commandeure  und  17  Ritter,  welche 
aus  den  nachfolgend  verzeichneten  Kämpfen  in  Deutschland,  in  Italien,  in 
Roh  men  (Galizien),  in  Südtirol  und  auf  dem  Adriatischen  Meere  hervor- 
giengen. 


In  den  Kämpfen  in  Deutschland. 

Die  Feindseligkeiten  wurden  von  Seite  Preußens  in  Deutschland  eröffnet. 
Nach  der  entscheidenden  Abstimmung  der  Bundesversammlung  über  den  Mobili- 
sierungs-Antrag  Österreichs  richtete  Preußen  am  nächstfolgenden  Tage. 
15.  Juni,  an  Hannover.  Kurhessen  und  Sachsen  das  Ultimatum  im  Sinne  des 
preußischen  Bundesreform-Vorschlages  und  nach  dessen  Ablehnung  noch  an 
demselben  Tage  die  Kriegserklärung.  Am  IG.  marschierten  bereits  preußische 
Truppen  in  die  genannten  drei  deutschen  Staaten  ein,  um  deren  Streitkräfte 
lahmzulegen. 

Während  Sachsen  einer  solchen  Eventualität  durch  rechtzeitige  Mobili- 
sierung und  beschleunigten  Auschluss  der  sächsischen  Streitkräfte  an  die  öster- 
reichische Armee  in  Böhmen  zuvorkam  und  auch  das  kurhessische  Conti ngeul 
sich  noch  bei  Zeiten  in  Sicherheit  zu  bringen  wusste,  gelang  es  den  Preußen, 
ihren  Zweck  um  so  vollständiger  in  Hannover  zu  erreichen. 

Die  Streitkräfte  der  Verbündeten  Österrei  chs  in  Deutschland  be- 
standen aus  dem  VII.  (bayerischen)  Bundes- Artnee-( lorps  unter  FM.  Prinzen  Carl 
von  Bayern  und  dem  Vlll.  Bundes-Armee-Corps  unter  dem  großherzoglich  hessi- 
schen Gdl.  Prinz  Alexander  von  Hessen.*)  Letzteres  Corps  setzte  sich  aus 
Contingeiiten  von  Württemberg,  Baden,  den  beiden  Hessen  und  von  Nassau 
zusammen.  Ferner  gehörte  zu  diesem  Corps  auch  die  k.  k.  Brigade  Hahn, 
welche  wesentlich  aus  den  k.k.  Truppen  der  gewesenen  Bundes-Garnisonen  bestand 
und  mit  dem  Contingent  von  Nassau  die  österreichisch-nassauische  Divi- 
sion unter  dem  k.  k.  FML.  Graf  Ncipperg  formierte.  Diese  Streitkräfte  in  der 
Gesammtstärke  circa  1 00.000  Mann  mit  über  200  Geschützen  waren  bestimmt, 
die  ^Westdeutsche  Bundes-Armeeu  unter  dem  Ohcr-Commando  des  FM. 
Prinzen  Carl  von  Bayern  zu  bilden. 

Außer  dem  VII.  und  VIII.  deutschen  Bundes-Armee-Corps  zählte  weiter  zu 
den  .Streitkräften  der  Verbündeten  Österreichs  auch  das  Contingent  von 
Hannover  in  der  Stärke  von  circa  20.000  Mann  mit  52  Geschützen. 


')  Priiu  Alexander  von  Hessen,  welchvc  s--it  ii«-r  k.  k.  ö*terr.  Armee  angehörte, 

seit  1S.VJ  k.  k.  rVIdmaivchall-Lieulenanl  war,  wurde  uns  politischen  Motiven  zu  Beginn  des  Krieges 
d.-»  usterreictiisidieii  hihrieti-ides  .  utl>unden. 


Digitized  by  Google 


im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  186ß. 


—  Deu  Ischls  ud. 


217 


Gegen  dieses  Contingent  waren  eben  die  ersten  Operationen  der  Preußen 
gerichtet,  um  die  Hannoveraner  vor  deren  Vereinigung  mit  den  übrigen  Bundes- 
trappen durch  Kntwaffnung  oder  Angriff  außer  Wirksamkeit  zu  setzen. 

Pre  ußen  hatte,  außer  dei -  Haupturmee  gegen  Österreich-Sachsen,  für 
den  Kriegsschauplatz  in  Deutschland  aus  eigenen  und  aus  Truppen  seiner  Ver- 
bündeten 3  Divisionen,  zusammen  50.000  Mann  mit  78  Geschützen,  unter  General 
der  Infanterie  Vogel  von  Falckenstein,  aufgeboten,  welche  im  Verlaufe  des 
Krieges  die  preußische  „Main-Armee"  bildeten.  Davon  rückten  —  wie  erwähnt, 
am  16.  Juni  —  die  Division  Manteuffel  von  Altona,  die  Division  Goeben  von 
Minden  in  Hannover,  die  Division  Beyer  von  Wetzlar  in  Kurhessen  ein. 

Die  Hannoveraner  wichen  dem  Angriffe  der  Preußen  aus  und  beabsich- 
tigten sich  in  der  Richtung  Göttingen-Eisenach  an  den  Main  zurückzuziehen, 
um  sich  mit  den  Gontingenten  der  anderen,  zu  Österreich  haltenden  Bundesstaaten 
zu  vereinigen. 

Zunächst  versammelte  König  Georg  V.,  der  sich  mit  dem  Kronprinzen 
Ernst  August  am  16.  Juni  von  Hannover  nach  Göttingen  begab,  bis  zum  IS. 
die  hannoveranische  Armee  bei  der  letzteren  Stadt.  Den  Befehl  übernahm  GL.  von 
Arentsschildt.  Die  Armee  bezog  bei  Göttingen  eine  Stellung,  in  welcher  sie 
sowohl  gegen  die  Divisionen  Goeben  und  Manteuffel  nach  Norden,  als  gegen 
die  Division  Beyer  nach  Süden  Front  machen  konnte.  In  dieser  Stellung  verharrten 
die  Hannoveraner  vom  18.  bis  zum  20.  Juni.  Bei  Langensalza  erlitten  die  Opera- 
tionen eine  weitere  verhängnisvolle  Unterbrechung. 

König  Georg  wurde  daselbst  durch  eine  militärisch-diplomatische  Action 
Preuße  ns  veranlasst,  den  Marsch  der  Armee  am  23.  Juni  zu  sistieren.  Er  wies  zwar 
in  unerschütterlicher  Bmidestreue  alle  Anerbietungen  Preußens  entschieden 
zurfiek;  allein  während  der  Verhandlungen,  welche  sich  durch  drei  Tage  bis  zum 
26.  Juni  hinzogen,  setzte  GL.  von  Fakke  nst  ein  seine  Operationen  fort  und  verlegte 
—  durch  Zuzüge  verstärkt  —  der  hannoveranischen  Armee  bei  Eisenach  wie  bei 
Gotha  den  Weg,  so  dass  König  Georg  am  27.  Juni  jeden  Gedanken  an  einen 
Durchbruch  nach  dem  Süden  aufgeben  musste.  Damit  war  das  Schicksal  der  Han- 
noveraner besiegelt. 

König  Georg  hatte  sich  wohl  bereits  am  19.  und  21.  Juni  an  Prinzen  Alexa  u- 
der  von  Hessen  und  an  Prinzen  Carl  von  Bayern  um  Unterstützung  in  seiner 
bedrängten  Lage  gewendet.  Ersterer  entsendete  auch  am  22.  ein  kleines  Streifcorps 
nach  Gießen,  schob  am  25.  seine  Vorposten  bis  Friedberg  und  Butzbach 
vor,  stand  jedoch  am  26.  —  noch  nicht  operationsbereit  —  mit  dem  Gros  des 
VIII.  Corps  nächst  Frankfurt  und  Darmstadt.  Prinz  Carl  von  Bayern  schob 
die  in  Schweinfurt  stehende  Division  des  VII.  Corps  auf  Fulda  vor:  am  25- 
und  26.  machten  die  4  bayerischen  Divisionen  eine  Bewegung  gegen  Könighofeu. 
Lauringeu,  Münnerstaat  und  Neustadt  a  'S.,  und  in  der  Nacht  zum  27.  gelangte 
d  is  Gros  der  1.  bayerischen  C  ivallerie-ßrigade  sogar  bis  Meiningen.  Allein  diese 
Operationen  veruv»  •Uten  das  Schicksal  d  u'  h  inrniveranis  :h  >  i  Armee  nicht  mehr 
zu  wenden.  Im  Gegentheil.  die  Annäherung  der  Bayern  beschleunigte  nur  das  cou- 


Digitized  by  Google 


218 


OLXIV.  bis  ni.XVIH.  Prorantioa. 


centrische  Vorgehen  der  preußischen  Colonnen  gegen  Langensalza.  Gleichwohl 
gab  die  hannoveranische  Armee  —  mit  dem  König  Georg  und  dem  Kronprinzen 
Ernst  August  in  ihrer  Mitte  —  trotz  äußerster  Bedrängnis  im  letzten  Augen- 
hlicke  einen  glänzenden  Beweis  ihrer  Tüchtigkeit  und  Tapferkeit.  Sie  erwehrte  sich 
noch  am  27.  Juni  der  unabwendbaren  Katastrophe,  indem  sie  eine  der  vorrücken- 
den preußischen  Colonnen  in  dem  Treffen  bei  Langensalza  am  27.  Juni 
aufs  Haupt  schlug. 

Tags  darauf  am  28.  Juni  blieb  dem  König  Georg  allerdings  nichts  übrig,  als 
mit  seiner  tapferen,  jedoch  von  dreifacher  Obermacht  umzingelten  Armee 
ehrenvoll  zu  capitulieren. 

Das  bayerische  VII.  Corps  war  mit  seiner  Spitze  eben  nicht  über  Meiningen 
hinausgelangt,  so  dass  selbst  diese,  durch  den  Thüringer  Wald  von  den  Hanno- 
veranern getrennt,  zwei  Tagmärsche  entfernt  stand. 

Die  Vorrückung  des  VII.  Corps  über  Mein  in  gen  führte  erst  am  4.  Juli  zur 
Fühlungnahme  mit  dem  Feinde  in  den  Gefechten  bei  Dermbach.  Darnach  zog  sich 
Prinz  Carl  von  Bayern  wieder  an  die  Fränkische  Saale  und  nach  dem  Gefechte 
hei  Kissingen  am  10.  Juli  weiter  über  Schweinfurt  auf  Würzburg  zurück. 

Prinz  Alexander  von  Hessen,  welcher  mit  dem  VIII.  Corps  längs  des 
Main  die  Vereinigung  mit  dem  VII.  anstrebte,  gieng  nach  einem  Gefechte  seines 
hessischen  Contingents  und  der  k.  k.  österreichischen  Brigade  mit  der  preußischen 
Avantgarde-Division  bei  Aschaffenburg  am  Ii.  Juli,  nach  Darmstadt  zurück. 
Sodann  suchte  er  über  Miltenberg  und  Tauber-Bischofsheini  den  An- 
schluss  an  das  bayerische  VII.  Corps  bei  Würz  bürg  zu  bewirken. 

Der  Gegner  nahm  in  den  Gefechten  an  der  Tauber  am  24.  Juli  mit  dem 
VIII.  Corps  wieder  scharfe  Fühlung. 

Nach  einer  Reihe  von  Einzelngefechten  westlich  und  südlich  Würzburgs 
am  2."».  und  26.  räumte  das  VII.  und  VIII.  Corps  diese  Stadt. 

Im  Zusammenhange  mit  den  inzwischen  auf  dem  Hauptkriegsschauplatze 
eingeleiteten  Waffenstillstands-Verhandlungen  trat  Anfangs  August  auch  in  West- 
deutschland Waffenstillstand  ein.  Noch  vob  dem  definitiven  Friedensschlüsse 
zwischen  Österreich  und  Preußen  schlössen  Württemberg  am  13.,  Baden 
am  17..  Bayern  am  23.  August  mit  Preußen  Schutz-  und  Trutzbündnisse  ab. 
Das  Großherzogthum  Hessen  musste  mit  einem  Theile  in  das  neue  Bundes- 
verhältnis treten,  während  der  Rest  desselben  gleich  Hannover.  Kurhessen. 
Nassau  und  Frankfurt,  sowie  Schleswig-Holstein,  dem  Königreiche  Preu- 
ßen einverleibt  wurden. 

Die  Antheilnahme  der  Verbündeten  Österreichs  an  dem  Kriege  auf  dem 
Kriegsschauplätze  in  Deutschland  vermochte  auf  den  Gesammtverlauf  des  Krieges 
keinen  anderen  Einfluss  zu  üben,  als  dass  dadurch  die  preußische  Main- Armee 
in  Westdeutschland  festgehalten  und  so  ein  geringer  Theil  der  preußischen 
Sireitkräfte  von  dem  Hauptkriegsschauplatze  abgezogen  wurde. 

Das  Treffen  bei  Langensalza  führte  dem  Maria  Theresien- Orden  zwei 
erlauchte  neue  Mitglieder  -  1  Commandeur  und  1  Ritter  —  zu. 


Digitized  by  Google 


Commandern-  de*  M.  T.-O.  König  Georg  V.  von  Hannover  und  RiMer  des  M.  T.-Ü.  219 
Kronprinz  Krnst  August  von  Hannover. 


Commandern'  des  Maria  Theresien-Ordens 
Seine  Majestät 
Georg  V.,  König  Ton  Hannover, 

und 

Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Seine  königliche  Hoheit 
Ernst  August,  Kronprinz  von  Hannover 

(nachmals  Herzog  von  Cumberland,  Herzog  zu  Rraunscliweig  und  Lüneburg). 

Im  Kriege  Österreichs  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  befand  sich 
das  Königreich  Hannover  unter  denjenigen  Staaten  des  deutschen  Bundes,  welche 
als  Bundesgenossen  Österreichs  auf  dem  Kriegsschauplätze  in  Deutschland  an 
dem  Kriege  gegen  Preußen  theilnahmen. 

Nachdem  am  14.  Juni  1866  am  deutschen  Bundestage  zu  Frankfurt  die 
Abstimmung  über  den  Antrag  Österreichs  auf  Mobilmachung  der  Bundescontin- 
gente  mit  Ausnahme  jener  von  Preußen  erfolgt  war,  richtete  die  preußische 
Regierung  am  15.  Juni  unter  anderem  auch  an  Hannover  die  Aufforderung  zum 
Abschluss  eines  Bündnisses  mit  Preußen,  widrigenfalls  das  letztere  Hannover  als 
im  Kriegszustande  gegen  Preußen  befindlich  betrachten  würde.  Die  Antwort 
Hannovers  lautete  ablehnend,  und  es  erfolgte  sonach  noch  am  Abend  desselben 
Tages  die  Kriegserklärung  Preußens  an  Hannover,  zugleich  mit  Kurhessen  und 
Sachsen,  während  dies  an  Österreich  erst  sechs  Tage  später,  am  21.  Juni,  geschah. 

Unmittelbar  darauf  marschierten  preußische  Truppen  in  die  genannten  drei 
Staaten  ein,  und  zwar  speciell  die  preußischen  Divisionen  Manleuffel  von  Altona 
und  Goebcn  von  Minden  in  das  Königreich  Hannover,  die  Division  Beyer  von 
Wetzlar  aus  in  das  Kurfürstenthum  Hessen.  Das  nächste  Operationsziel  der  drei 
preußischen  Divisionen  bestand  darin,  die  hannoveranische  Armee  zu  umzingeln 
und  zur  Capitulation  zu  zwingen. 

Seine  Majestät  König  Georg  von  Hannover  verfügte  am  15..  dass  sich  die 
hannoveranische  Armee,  trotzdem  sich  dieselbe  infolge  der  widerstrebenden 
Haltung  der  Kammer  noch  im  tiefsten  Friedenszustande  befand  und  überdies  um 
jene  Zeit  nach  vier  verschiedenen  Übungslagern  im  Marsche  begriffen  war,  bei 
Göttingen  zir  comentrieren  habe,  von  wo  er  nach  Möglichkeit  Anschluss  an  die 
zu  Österreich  haltenden  Bundestruppen  gewinnen  wollte. 

König  Georg  mit  dem  Kronprinzen  Ernst  August  fand  sich  bereits  am 
10.  Juni  in  Göttingen  ein  und  trachtete  die  Armee  für  den  Krieg  zu  organisieren. 
Dieselbe  formierte  4  Infanterie-  und  1  Reserve-Gavallerie-Brigade  und  zählte 
nach  vollständiger  Goncentrierung  circa  20.000  Mann,  dabei  2400  Reiter  und 
52  Geschütze.  Den  Befehl  über  die  Armee  Abertrug  der  König  dein  GL.  von 
Arentsschildt. 


Digitized  by  Google 


220  CLXlV.  bis  CLXVITI.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  186G.  -  Deutschland. 

Am  18.  Juni  bezog  die  han.no veranische  Armee  bei  Göttingen  eine  Stellung, 
die  darauf  berechnet  war,  sowohl  gegen  einen  Angriff  von  Norden  (gegen  die 
preußischen  Divisionen  Manteuffel  und  Goeben)  als  eventuell  nach  Süden  (gegen 
die  Division  Beyer  in  Cassel)  Front  machen  zu  können.  In  dieser  Aufstellung  blieb 
die  hannoveranische  Armee  bis  zum  20.  Juni.  Am  21.  setzte  sich  dieselbe  gegen 
Süden  in  Maisch,  um  die  Verbindung  mit  den  übrigen  Bundestruppen  zu  gewin- 
nen. König  Georg  hatte  sich  am  19.  und  21.  sowohl  an  Prinz  Alexander  von 
Hessen  (VIII.  Bundes- Armee-Corps)  als  an  Prinz  Carl  von  Bayern  (VII.  Bundes- 
Armee-Corps)  um  Unterstützung  in  seiner  bedrängten  Lage  gewendet  und  hoffte 
auf  das  rasche  Herankommen  dieser  süddeutschen  Bundestruppen.  Nach  Stellung- 
nahme bei  Mühlhausen  rückte  die  hannoveranische  Armee  am  23.  weiter  süd- 
östlich gegen  Langensalza.  Von  da  sollte  die  Operation  über  Erfurt  oder 
Eisenach  fortgesetzt  werden,  um  gegen  Süden  durchzubrechen,  bevor  die 
voraussichtliche  Einschließung  der  Hannoveraner  durch  preußische  Streitkräfte 
bewerkstelligt  wäre.  Diese  Operation  erlitt  jedoch  eine  folgenschwere  Unter- 
brechung. 

Es  fanden  sich  im  hannoveranisehen  Hauptquartier  Parlamentäre  ein,  welche 
im  Namen  von  Preußen  dem  König  Georg  freien  Durchzug  mit  seiner  Armee 
nach  Süden  unter  der  Bedingung  anboten,  während  eines  Jahres  nicht  gegtn 
Preußen  zu  kämpfen.  Der  König  wies  in  unerschütterlicher  Bundestreue  gegen- 
über Österreich  alle  diesbezüglichen  Vorschläge  Preußens  ab.  Während  der 
aus  diesem  Anlasse  gepflogenen  Unterhandlungen  blieben  die  Operationen  der 
hannoveranisehen  Armee  bis  zum  26.  Juni  sistiert.  Unter  einem  setzte  aber  der  mit 
dem  Oberbefehl  über  die  preußischen  Streitkräfte  in  Deutschland  betraute  GL. 
Vogel  von  Kalckenst ein  die  Concentrierung  seiner  Truppen  behufs  Umzingelung 
der  Hannoveraner  bei  Langensalza  derart  fort,  dass  der  König  schließlich 
den  bedanken  an  einen  Durchbruch  selbst  bei  Gotha  am  27.  lallen  lassen  mussle. 

Noch  sollte  aber  selbst  an  diesem  Tage  das  unabwendbare  Schicksal  der 
hannoveranisehen  Armee  sich  nicht  erfüllen,  sondern  derselben  vergönnt  sein, 
eine  der  preußischen  Colonnen  aufs  Haupt  zu  schlagen. 

Die  preußischen  Streitkräfte  waren  nämlich  am  2»>.  noch  nicht  vollständig 
concentriert.  Trotzdem  erhielten  GL.  Vogel  von  Falckenstein  in  Eisenach 
und  gleichzeitig  auch  der  preußische  GM.  Fließ  in  Gotha  in  der  Nacht  vom  26. 
auf  den  27.  directen  telegraphischen  Befehl  aus  Berlin,  die  Hannoveraner  coüt? 
<iut  coi'tfe  anzugreifen  und  zurCapitulalion  zu  zwingen.  Daraufhin  rückte  GM. Fließ 
mit  den  preußischen  und  coburg-gothaischen  Truppen  —  13  Bataillone,  3  Eseadro- 
iieti  und  4  Batterien  —  am  27.  früh  von  Gotha  gegen  Langensalza  vor. 

Die  Hannoveraner  hielten  die  Stellung  Thamsbrück-Mer xleben-N ägel- 
städt  besetzt,  die  Front  durch  die  Unstrut  gedeckt,  mit  Langensalza  vor  dem 
Centrum. 

Nach  1)  Uhr  vormittags  fuhren  preußische  Geschütze  auf  der  von  Gotha  nach 
Langensalza  führenden  Straße  hei  Heniiingslehen  auf  und  beschossen  die 
sich  sammelnden  hannoveranisehen  Vorposten.  Unter  lebhaftem  Tirailleurgefecht 


Digitized  by  Google 


Kommandeur  des  M.  T.O.  Kflnijr  Georg  V.  von  Hannover  und  Riller  den  M.  T.-U.  221 
Kronprinz  Ernst  August  von  Hannover. 

zogen  sich  die  letzteren  vor  der  coburg-gothaischen  Vorhut  und  vor  dem  preußi- 
schen Gros  von  dem  rechten  auf  das  linke  Ufer  der  Unstrut,  durch  Langen- 
salza und  über  den  Judenhügcl,  nach  Merxleben  in  größter  Ordnung  zurück. 

Gegen  Mittag  hatte  das  preußische  Gros  durch  Langensalza  den  Aufmarsch 
auf  dem  rechten  Ufer  der  Unstrut,  und  zwar  auf  dem  die  hannovcranischc 
Stellung  dominierenden  Judenhügel,  bewirkt,  wahrend  sich  die  Hannoveraner 
gegen  Merxleben,  als  den  Schlüsselpunkt  ihrer  .Stellung,  concentrierten.  überhalb 
von  Merxleben,  auf  dem  dominierenden  Kirchberg  war  die  Artillerie  ihres 
Centrums  postiert. 

Dort  hatte  auch  König  Georg  mit  dem  Kronprinzen  Ernst  August  Aufstel- 
lung genommen. 

Es  entwickelte  sich  zwischen  der  beiderseitigen  Infanterie  ein  heftiger  Feuer- 
kumpf  um  die  Unstrut,  in  welchen  auch  die  preußische  Artillerie  vom  Juden- 
hügel oberhalb  Langensalza,  die  hannoveranische  vom  Kirchberg  oberhalb 
Merxleben  kräftigst  eingriffen.  Einzelnen  preußischen  Abtheilungen  gelang  es,  die 
Unstrut  zu  durchwaten  und  sich  auf  dem  linken  Ufer  festzusetzen.  Nach  dem 
Eingreifen  der  hannoveranischen  Reserven  mussten  sie  sich  jedoch  wieder  über 
den  Fluss  zurückziehen.  Inzwischen  näherten  sich  auch  die  hannoveranischen 
Flügel-Brigaden  dem  Centrum  und  griffen,  namentlich  mit  ihrer  Artillerie,  so 
wirksam  in  das  Gefecht  ein,  dass  die  preußische  Artillerie  theilweise  zum 
Schweigen  und  überhaupt  die  ganze  Vorrückung  der  Preußen  zum  Stillstand 
gebracht  wurde. 

Infolge  dessen  hatte  GL.  von  Arentsschildt,  welcher  sich  auf  der  Höhe 
oberhalb  Merxleben  befand,  nach  und  nach  die  Überzeugung  gewonnen,  dass 
er  es  nur  mit  einem  Theile,  keineswegs  aber  mit  der  Hauptmacht  der  Preußen  zu 
thun  habe.  Er  entschlnss  sich  daher,  zur  Offensive  zu  übergehen.  Zu  diesem 
Rehulc  ließ  GL.  von  Arentsschildt  im  Gentium  durch  zwei  Brigaden  die  Preußen 
auf  dem  Juden  hü  gel  hinhaltend  angreifen,  während  er  seine  beiden  Flügel- 
Brigaden  beorderte,  die  Unstrut  zu  passieren  und  dem  Feinde  in  die  Klanken 
zu  fallen. 

Von  der  linken  Flügel-Brigade  gelang  es  den  im  ersten  Treffen  befindlichen 
beiden  Bataillonen,  die  Unstrut  theilweise  wiederholt  zu  durchwaten  oder  zu 
durchschwimmen.  Die  ins  Gefecht  eingreifende  preußische  Reserve  zwang  jedoch 
zunächst  die  hannoveranische  Brigade-Batterie  zum  Rückzüge  und  warf  schließlich 
auch  die  beiden  hannoveranischen  Bataillone  über  den  Fluss  zurück.  Die  linke 
Flügel-Brigade  der  Hannoveraner  nahm  sodann  auf  der  von  der  Unstrut  nordwärts 
ansteigenden  Höhe  Aufstellung,  in  welcher  sie  bis  zu  Ende  des  Gefechtes  verblieb. 

Glücklicher  war  die  rechte  Flügel-Brigade  der  Hannoveraner.  Derselben 
gelang  es,  nicht  nur  die  Unstrut  zu  passieren,  sondern  auch  die  in  dem  Abschnitte 
zwischen  der  Unstrut  und  der  Salza  aufgestellten  feindlichen  Abtheilung  nach 
Langensalza  zurückzuwerfen  und  sich  selbst  in  diesem  Abschnitte  festzusetzen. 

Dadurch  begünstigt,  überschritt  auch  das  Centrum  der  Hannoveraner  von 
Merxleben  aus  successive  die  Unstrut  und  setzte  sich  ebenfalls  auf  dem  rechten 


Digitized  Jpy  Google 


■221  CLXIV.  bis  GLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  vun  I8CG.  -  Deutschland. 

Flussufer  fest,  während  die  hannoveranisehe  Reserve-Brigade  theils  nachrückte, 
theils  Merxleben  besetzte. 

Währenddem  setzten  sich  von  der  Höhe  oberhalb  Merxleben  und  von  der 
linken  Flügel-Brigade  suecessive  4'/,  Batterien  (24  Geschütze)  ins  Feuer,  um  die 
preußische  Artillerie  auf  dem  Judenhügel  oberhalb  Langensalza  zum  Schweigen 
zu  bringen  und  die  in  verschiedenen  Örtlichkeiten  zwischen  dem  Judenhügel  und 
dem  rechten  Ufer  der  Unstrut  eingenisteten  preußischen  Abtheilungen  zum 
Hückzuge  zu  zwingen. 

Das  Feuer  der  hannoveranischen  Artillerie  war  su  wirksam,  dass  beides  fast 
vollständig  erreicht  wurde  und  dank  dieser  kräftigen  Unterstützung  sowohl  die 
rechte  Flügel-Brigade,  als  das  Centrum  der  Hannoverauer  immer  mehr  Terrain 
gegen  Langensalza  und  den  Judenhügel  gewannen.  Mit  ungestümer  Tapfer- 
keit nahmen  die  Hannoveraner  die  meisten  der  von  Preußen  besetzten  Örtlichkeiten 
im  Sturm,  drangen  auch  in  Langensalza  ein  und  bemächtigten  sich  sogar  des 
J  udenhügels. 

Mittlerweile  hatte  das  aus  dein  hannoveranischen  Gentium  entsandte  Regi- 
ment Cambridge-Dragoner  auf  dem  linken  Flügel  bei  Nägelstädt  die  Unstrut 
passiert  und  war  gegen  rechte  Flanke  und  Rücken  der  Preußen  vorgegangen. 
Diese  Bewegung  und  eine  schneidige  Attaque  der  Cambridge-Dragoner  zwangen 
auch  den  preußischen  rechten  Flügel,  sich  zurückzuziehen. 

Nach  3  Uhr  nachmittags  befanden  sich  die  Preußen  auf  der  ganzen  Linie  im 
Rückzüge.  Nur  im  Centrum  am  Fuße  des  Judenhügels,  hielten  sich  einzelne 
Abtheilungen,  welchen  wahrscheinlich  der  Rückzugsbefehl  nicht  zugekommen  war. 
noch  in  dem  Badewäldchen  mit  Zähigkeit  fest.  Doch  auch  dieser  Widerstand 
wurde  bald  durch  einen  neuen  Vorstoß  des  Centrums  gebrochen.  Die  retirierenden 
preußischen  Abtheilungen  wurden  von  der  hannoveranischen  Cavallerie  verfolgt, 
mit  großer  Bravour  attaquiert  und  größtenteils  zersprengt. 

Um  4 '/t  t'nr  nachmittags  stand  die  Avantgarde  der  Hannoveraner  auf  der- 
selben Höhe  nächst  Hermings leben,  auf  welcher  morgens  die  Vorposten 
gestanden  waren.  Die  Hannoveraner  hatten  über  900  Preußen  zu  Gefangenen 
gemacht,  überdies  an  Trophäen  2  Geschütze  und  gegen  2000  Gewehre  erbeutet. 
Die  hannoveranisehe  Armee  war  intact ;  die  preußischen  Trappen,  fast  aufgelöst, 
retirierten  gegen  Gotha,  und  nur  die  voraussichtlich  in  unmittelbarer  N&he  sich 
concentrierende,  den  Hannoveranern  überlegene  preußische  Hauptmacht  ließ  die 
Hannoveraner  darauf  verzichten,  ihren  glänzenden  Sieg  auszunützen. 

Noch  am  Schlachttage  staltete  König  Georg  mittels  Armee-Befehles  der 
Armee  und  insbesondere  allen  Truppenführern,  mit  dem  GL.  von  Arentsschi Idt 
an  der  Spitze,  seinen  Dank  für  die  bewiesene  Hingebung,  Treue  und  Tapferkeit  ab. 

Nun  aber  brach  die  Katastrophe  über  die  tapfere  haimoveranische  Armee 
unaufhaltsam  herein.  Ein  von  GL.  Arentssch ildt  in  der  Nacht  vom  27.  zum 
2H.  Juni  beantragter  mehrtägiger  Waffenstillstand  behufs  Beerdigung  der  Todlen 
wurde  seitens  des  preußischen  Befehlshabers  GM.  Fließ  von  Gotha  aus  abgelehnt. 
Am  28.  früh  rückten  die  preußischen  Truppen  der  Generale  Goeben,  von 


Digitized  by  Google 


Coinniunduur  des  M.  T.-O.  König  (ieoijf  V.  von  Huuuuver  und  Hitler  des  M.  T.-U.  -J2'.l 
Krunpriiu  Ernst  Augu&t  von  Hannover. 

Falckenstein  und  Manteuffel  von  Gotha,  Eisen  ach  und  Mühlhausen 
eiligst  gegen  Langensalza  vor.  Angesichts  dessen  blieb  nichts  als  eine  ehrenvolle 
Capitulation  übrig. 

Neuntägige  Marschstrapazen  bei  mangelhafter  Verpflegung,  große  Verluste 
an  Officieren  und  Lntero  ff  leieren  in  der  Schlacht  bei  Langensalza.  Mangel  an 
Munition  und  Lebensmitteln,  hauptsachlich  aber  die  vollige  Umzingelung  der 
hannoveranischen  Armee  durch  bedeutende  Übermacht:  alles  dies  ließ  den  hanno- 
veranischen Truppenführern  einschließlich  des  GL.  von  Arentsschildt  nach 
abgehaltenem  Kriegsrathe  jeden  weiteren  Kampf  und  Widersland  als  gänzlich 
unnützes  und  erfolgloses  Blutvergießen  erscheinen.  Auf  Grund  dieser  Überzeugung 
richteten  dieselben  eine  diesbezügliche  Erklärung  an  Seine  Majestät  König  Georg, 
mit  dem  gleichzeitigen  ehrfurchtsvollen  Rathschlag,  den  Widerstand  aufzugeben 
und  eine  ehrenvolle  Capitulation  anzunehmen. 

Infolge  dieser  Erklärung  ermächtigte  Konig  Georg  den  GL.  von  Arents- 
schildt, die  Capitulation  einzugehen.  Die  hannoveranische  Armee,  welche  am  28. 
ihre  Aufstellung  nicht  veränderte,  ward  hievon  mittels  eines  Armee-Befehls  des 
Königs  verständigt  und  am  29.  wurde  die  Capitulation  vollzogen,  nicht  ohne  dass 
auch  König  Wilhelm  von  Preußen  durch  den  General  von  Manteuffel  der 
tapferen  Haltung  «1er  hannoveranischen  Truppen  seine  Anerkennung  aussprechen 
hatte  lassen. 

Überhaupt  vermochte  der  kleinen  aber  tapferen  hannoveranischen  Armee 
niemand  seine  Theilnahme  ob  des  tragischen  Geschickes  zu  versagen,  welches 
ihrer  todesmuthigen  Hallung  bestimmt  war. 

Insbesondere  zollte  aber  die  k.  k.  österreichische  Armee  den  hannoveranischen 
Kampfgenossen  aufrichtige  Bewunderung.  Mit  kriegskameradschaftlichem  Stolze 
verzeichnet  sie  die  Schlacht  von  Langensalza  als  eine  der  hervorragendsten 
Waffen thaten  des  Krieges  von  1866. 

Die  höchste  Anerkennung  zollte  aber  den  hannoveranischen  Bundesgenossen 
Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  alsbald  nach  der  Schlacht,  indem  Er  als 
Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  kraft  Promotion  CLXIV 
vom  «L  Juli  1866  Seine  Majestät  den  König  Georg  V.  von  Hannover  zum 
Commandeur  und  Seine  königliche  Hoheit  den  Kronprinzen  Ernst  August  von 
Hannover  (nachmals  Herzog  von  Cnmberland)  zum  Ritter  des  Maria  There- 
sien-Ordens  mit  nachfolgendem  Allerhöchsten  Handschreiben  promovierte: 

.Durchlauchtigster  Fürst,  besonders  lieber  Vetter  und  Bruder!  Eure 
Majestät!  Während  der  Ereignisse  der  jüngsten  Tage,  deren  politische  Seile 
Wir  Beide  dem  Urtheile  der  Zeitgeschichte  getrost  anheimstellen  dürfen,  haben 
Eure  Majestät,  voran  Ihrer  an  Tapferkeit  und  Hingebung  altbewährten  Armee, 
der  Welt  ein  erhabenes  Beispiel  königlichen  Muthes,  von  Bundestreue  und 
Ausdauer  in  Gefahren  und  Missgeschick  mannigfacher  Art,  endlich  in  dem  gegen 
feindliche  Übermacht  siegreichen  Treffen  bei  Langensalza,  von  persönlicher 
kriegerischer  Tapferkeit  gegeben,  das  Mich  mit  Bewunderung  erfüllt, 


Digitized,by  Google 


224 


CLXIV.  bis  CI.XVIII.  Promotion. 


Eurer  Majestät  Sohn,  der  Kronprinz,  hat  als  würdiger  Theilhaber  dieses 
Ruhmes  seines  königlichen  Vaters  Meine  vollste  Achtung  errungen. 

Meinen  Gefühlen  höchster  Anerkennung  solcher  weithin  leuchtenden 
Kriegertugend  Ausdruck  zu  geben,  bitte  Ich  Eure  Majestät,  das  Commandeur- 
kreuz  Meines  Militär-Maria  Theresien-Ordens  anlegen  und  Seiner  königlichen 
Hoheit  dem  Kronprinzen  in  Meinem  Namen  das  Ritterkreuz  dieses,  dem  höchsten 
Verdienste  im  Kriege  gewidmeten  Ordens  übergeben  zu  wollen. 

Die  Insignien  beischlicßend  verbleibe  Ich  mit  vollkommenster  Hochachtung 
und  treuer  Freundschaft 

Schönbrunn,  am  3.  Juli  1866. 

Eurer  Majestät 
gutwilliger  Vetter  und  Bruder 
Franz  Joseph  in.  p." 

Die  weiteren  Schicksale  dieser  beiden  erlauchten  Mitglieder  des  Maria 
Theresien-Ordens  gehören  der  allgemeinen  Weltgeschichte  an.  In  diesen  Blättern 
verbleibt  nur  hinzuzufügen,  dass  Seine  Majestät  König  Georg  V.  von  Hannover 
vom  Jahre  1852  an  bis  zu  seinem  am  12.  Juni  1878  erfolgten  Hinscheiden  Oberst- 
Inhaber  des  k.  k.  österreichischen  42.  Infanterie-Regimentes  war  und  dass  Seine 
königliche  Hoheit  Kronprinz  Ernst  August  von  Hannover  (nachmals  Herzog 
von  Cumberland,  Herzog  zu  Braunschweig  und  Lüneburg')  im  Jahre  1879  zum 
Oberst-Inhaber  desselben  k.  k.  Regimentes  ernannt  wurde. 


Im  Kriege  gegen  Italien. 

Der  erste  große  Schlag  in  dem  Kriege  Österreichs  gegen  Preußen  und  Italien 
im  Jahre  1866  liel  auf  dem  italienischen  Kriegsschauplätze,  obwohl  Italien  erst 
eine  Woche  nach  Eröffnung  der  Feindseligkeiten  in  Deutschland  den  Krieg  an 
Österreich  erklärte. 

Das  Bündnis  Italiens  mit  Preußen  verpflichtete  ersteres  zur  entschie- 
densten Offensive.  Demgemäß  hatte  Italien  bereits  seit  Mitte  April  circa  250.00«» 
.Mann  streitbare  n  Standes,  wobei  10.000  Reiter  und  150  Geschütze,  in  zwei  Massen 
aufgeboten,  um  von  zwei  Seiten,  nämlich  von  Westen  über  den  Mi  nein  und  von 
Süden  über  den  Po  in  Venetien  einzufallen. 

Die  westliche  Masse  stand  in  der  Lombardie  unter  dem  persönlichen 
Befehle  des  Königs  Victor  Emanuel,  welcher  den  General  der  Armee  La  Mar- 
mora  als  Generalstabs-Chef  zur  Seite  hatte,  und  zwar:  das  I.  Corps  unter  Durando 
bei  Lodi,  das  IL  unter  Cucchiari  bei  Cremona.  das  III.  unter  della  Bocca  bei 
Piacenza  und  die  C.avallerie-Division  Sonnaz  am  Oglio  nächst  Soncino,  wobei 
jedes  der  drei  Corps  aus  4  Infanterie-Divisionen  bestand.  Diese  Armee  zählte 
120.000  Mann,  7200  Reiter  und  282  Geschütze. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  PreuBen  und  Italien  1866. 


—  Italien. 


Die  südliche  Masse  —  das  IV.  Corps  mit  8  Infanterie-Divisionen  unter  Befehl 
des  Generals  der  Armee  Cialdini  —  stand  zwischen  Bologna  und  Ferrara  und 
zählte  80.000  Mann,  3600  Reiter  und  168  Geschütze. 

Außerdem  sammelten  sich  35.000  bis  40.000  Mann  Freischaren,  wobei  665 
Reiter  und  40  Geschütze,  unter  Garibaldi  zwischen  Brescia  und  Rocca  d'Anfo 
mit  der  Bestimmung,  hauptsächlich  in  Tirol  einzufallen. 

Endlich  bot  Italien  in  diesem  Kriege  auch  seine  gesammte  Kriegs-Marine 
gegen  Österreich  auf. 

Nachdem  auf  Seite  Österreichs  derKriegszweck  hauptsächlich  in  der  Wahrung 
der  Machtstellung  im  Norden  lag,  wurde  dort  die  Hauptkraft  —  nämlich  mehr  als 
zwei  Drittel  der  k.  k.  Streitkräfte  —  aufgeboten,  zur  Wahrung  des  Besitzstandes 
im  Süden  aber  nur  das  restliche  Drittel  in  der  Stärke  von  rund  140.000  Mann 
streitbaren  Standes  nebst  5000  Pferden  und  248  Geschützen  verwendet,  welche 
Streitkräfte  zum  Unterschiede  von  den  im  Norden  aufgebotenen  die  Bezeichnung 
„Süd- Armee*  erhielten. 

Hievon  entfielen  aber  70.000  Mann  mit  1800  Pferden  und  48  Geschützen 
auf  die  Festungs-Besatzungen  und  eine  mobile  Streif-Brigade  im  Venetianischen, 
sodann  auf  die  Truppen  in  Tirol,  in  Istrien  und  Friaul,  Krain  und  Kärnten. 

Für  die  eigentliche  operierende  Armee  im  Felde  verblieben  nur  rund 
70.000  Mann  Streitbare  mit  3500  Pferden  und  168  Geschützen. 

Es  waren  dies  3  Armee-Corps,  und  zwar  das  V.  unter  GdC.  Friedrich 
Fürsten  Liechtenstein,  nach  dessen  Erkrankung  unter  GM.  Frh.  von  Rodich, 
—  das  VII.  unter  FML.  Frh.  von  Maroieic.  das  IX.  unter  FML.  Härtung,  so- 
dann eine  Infanterie -Reserve -Division  unter  GM.  von  Rupp  recht  und  eine 
Cavallerie-Brigade  unter  Obersten  Pulz. 

Das  Commando  der  Süd-Armee  führte  FM.  Erzherzog  Albrecht;  als 
Generalstabschef  fungierte  GM.  Frh.  von  John. 

Zur  Vertheidignng  der  Küste  auf  dem  Adriatischen  Meere  war  die  k.  k. 
Marine  bestimmt.  *) 

Die  zu  den  Operationen  im  Felde  bestimmte  Hälfte  der  im  Süden  auf- 
gebotenen k.  k.  Streitkräfte  —  die  eigentliche  Süd- Armee  —  stand  bereits  um 
Mitte  Mai  zwischen  der  Etsch  und  Brenta  versammelt,  und  zwar  mit  dem 
V.  Corps  bei  Verona,  mit  dem  VII.  bei  Padua,  Rovigo,  Este  und  Monta- 
gnana,  mit  dem  IX.  bei  Vicenza. 

Vom  4.  Juni  an  trat  im  Interesse  der  Geheimhaltung  der  eigenen  Con- 
cetitrierungs-Märsche  eine  abschnittsweise  Bewachung  und  Absperrung  der  Grenze 
vom  Garda-See  entlang  des  Mincio  und  Po  bis  zur  Mündung  des  letzteren 
Stromes  ein.  Hiebei  wirkten  von  der  Ope rations-Armee  die  Cavallerie-Brigade  Pulz 
am  Mincio  von  Salionze  bis  Goito,  die  Brigade  Scudier  vom  VII.  Corps  südwärts 
Rovigo  am  Po  mit. 


*)  Si»»he  Abschnitt:  .Im  Kampfe  auf  dem  Arlriatiachen  Mper«",  von  Seite  399  an. 
Militärischer  H«na  Tberetien-Orden.  15 


Digitizjjd  by  Google 


226 


CLXIV.  bis  ClLXVIII.  Promotion. 


Um  Mitte  Juni  concentrierte  sich  die  Süd-Armee  am  linken  Ufer  der  Et  sc  h 
und  zwar  mit  dem  V.  Corps  bei  S.  Bonifacio  östlich  Verona,  mit  dem  VII.  bei 
Montagnana,  mit  dem  IX.  bei  Lonigo,  während  die  Beobaehtungs-Truppen 
am  Mincio  und  Po  in  ihren  Aufstellungen  verblieben.  Gleichzeitig  formierte  sich 
die  Infanterie-Reserve-Division  GM.  von  Rupp recht  und  zwar  mit  einer  Brigade 
in  Verona,  mit  einer  Brigade  in  Albaredo. 

Der  Feind  näherte  sich  in  der  Zeit  bis  zum  17.  der  venetianischen  Grenze 
derart,  dass  das  italienische  I.  Corps  bis  in  das  Hügel-Terrain  bei  Castiglione 
delle  Stiviere,  das  III.  und  II.  Corps  bis  an  den  unteren  Mincio  gelangten, 
während  das  IV.  Corps  unter  Cialdini  —  von  der  Hauptmasse  der  italienischen 
Armee  noch  immer  getrennt  —  am  unteren  Po  von  Mirandola  östlich  echel- 
loniert  verblieb. 

Am  20.  Juni  um  8  Uhr  früh  erfolgte  die  Kriegserklärung  Italiens. 

Die  Süd-Armee  wurde  trotzdem  noch  den  21.  über  in  ihrer  concentrierten 
Aufstellung  am  linken  Ufer  der  Etsch  unbeweglich  stehen  gelassen;  nur  von  der 
Reserve-Division  rückte  eine  Brigade  von  Albaredo  nach  Campalto. 

Am  22.  aber  setzte  sich  die  Süd- Armee  in  Bewegung,  um  blitzartig  die 
wohlvorbereiteten  Operationen  auszuführen,  welche  darauf  abzielten,  die  unter  dem 
Könige  von  Italien  am  Mincio  stehende  Hauptmasse  des  feindlichen  Heeres  zu 
schlagen,  während  gegenüber  dem  italienischen  IV.  Corps  am  Po  nur  Beob- 
aehtiings-Truppen  in  der  Stärke  von  1  Bataillon  und  4  Escadronen  stehen  blieben. 

Es  rückte  das  V.  Corps  nach  S.  Michele,  das  IX.  nach  S.  Martino,  das  VII. 
nach  S.  Bonifacio;  die  Brigade  Scudier  des  VII.  Corps  waggonierte  sich  in 
Rovigo  ein,  um  zu  ihrem  VII.  Corps  zu  stoßen,  während  die  mobile  Streif-Brigade 
von  Conegliano  nach  Padua  vorgeschoben  wurde;  die  Reserve-Division  endlich 
marschierte  theilsbis  Parona,  theils  bis  Pastrengo.  Mit  Ausnahme  eines  Theils 
der  Reserve-Division  hatte  sich  demnach  die  Süd-Armee  gegen  Verona  massiert, 
befand  sich  aber  noch  immer  am  linken  Ufer  der  Etsch,  mit  Vorposten  und 
Beobachtungs-Truppen  am  Mincio  und  Po. 

Die  italienische  Armee  unter  dem  Könige  rückte  am  22.  bis  in  die  Linie 
Cav riana-Gazzoldo-Castelluchio  nächst  des  Mincio,  die  Cavallerie  specioll 
bis  Medole,  während  das  IV.  italienische  Corps  unter  Cialdini  in  seiner  Aufstellung 
bei  Ferrara  verblieb. 

Am  23.  zwischen  4  und  8  Uhr  früh  begann  die  italienische  Armee  den 
M  in  cio  auf  mehreren  Punkten  von  Monzambano  bis  Goito  zu  passieren.  Die 
Cavallerie-Division  Sonn az  rückte  von  Goito  über  Vill afranca  gegen  Verona, 
wührend  sich  die  k.  k.  Cavallerie-Brigade  Pulz  vom  Mincio  dahin  zurückzog.  Bei 
Dossobuono  kam  es  zu  einigen  Kanonenschüssen,  worauf  die  italienische  Caval- 
lerie bis  Quaderni  und  Mozzecane  zurückgieng,  die  österreichische  nächst  Verona 
Bivouacs  bezog.  Hinter  der  Kavallerie-Division  Sonnaz  gelangle  am  23.  die  italie- 
nische Armee  mit  sieben  Divisionen  des  I.  und  III.  Corps  am  linken  Mincio-Ufer  bis 
in  die  Linie  Monzambano-Valeggio-Belvedere,  während  fünf  Divisionen  am 
rec  hten  Ufer  verblieben,  und  zwar  behufs  Deckung  der  linken  Flanke  gegen  Peschiera 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866. 


—  Italien. 


227 


vom  I.  Corps  eine  Division  bei  Pozzolengo,  sodann  als  Reserve  vom  II.  Corps 
zwei  Divisionen  bei  Castelluchio  und  behufs  Beobachtung  zwei  Divisionen 
vor  Mantua  und  Borgo forte.  Das  italienische  Hauptquartier  kam  nach  Goito. 

Die  feindliche  Heeresleitung  schloss  aus  dem  Umstände,  dass  die  Über- 
schreitung des  Mincio  ohne  Widerstand  von  Seite  der  Österreicher  erfolgt  war, 
dann  aus  der  fast  gänzlichen  Abwesenheit  österreichischer  Streitkräfte,  dass  die 
Süd-Armee  auf  die  Vertheidigung  des  Gebietes  zwischen  Mincio  und  Elsch  ver- 
zichtet hätte  und  hinter  der  Etsch  (auf  dem  linken  Ufer)  stände. 

Die  k.  k.  Süd-Armee  rückte  indessen  im  Laufe  des  23.  vormittags  auf  das 
rechte  Etsch-Ufer.  In  den  ersten  Nachmittagsstunden  standen:  die  Infanterie- 
Reserve-Division  bei  Pastrengo,  das  V.  Corps  bei  Chievo,  das  VII.  bei 
S.  Massimo,  das  IX.  bei  S.  Lucia.  Die  Cavallerie-Brigade  Pulz  bezog  im  Verlauf 
des  Tages,  wie  erwähnt,  Bivouacs  bei  Verona  und  zwar  nächst  Fort  Gisela.  Das 
Hauptquartier  kam  nach  S.  Massimo. 

Auf  Grund  der  Meldung  der  Cavallerie-Brigade  Pulz  und  einer  vom  Haupt- 
quartier aus  angeordneten  Recognoscierung  schloss  das  k.  k.  Armee-Commando, 
dass  der  Feind  im  Vorrücken  gegen  die  mittlere  Etsch  begriffen  sei.  Infolge 
dessen  entschloss  sich  dasselbe,  dem  Könige  in  die  linke  Flanke  zu  rücken,  und 
ließ  zu  diesem  Behufe  einen  Theil  der  Süd-Armee  noch  am  23.  nachmittags  die 
Vorrückung  in  das  Hügelland  zwischen  Sommacampagna  und  Sandra  fort- 
setzen. Von  der  Infanterie -Reserve -Division  besetzte  eine  Brigade  Sandra, 
während  das  V.  Corps,  der  für  den  nächsten  Tag  beabsichtigten  Linksschwenkung 
der  Armee  vorgreifend,  in  die  Linie  Sona-Alberello-S.  Giorgio  in  Salice- 
Castelnuovo  einschwenkte. 

Im  italienischen  Hauptquartier  war  inzwischen  beschlossen  worden,  am 
folgenden  24.  Juni  das  Heer  vollends  über  den  Mincio  gehen  und  dasselbe  theils 
in  der  Ebene  von  Villafranca,  theils  in  dem  Hügellande  von  Castelnuovo, 
Sommacampagna.  S.  Giustina  Stellung  gegen  Verona  nehmen  zu  lassen, 
dadurch  die  Aufmerksamkeit  der  österreichischen  Armee  auf  sich  zu  ziehen  und 
so  den  Übergang  des  IV.  Corps  unter  Cialdini  über  den  unteren  Po,  welcher  erst 
am  26.  dui    0eführt  werden  sollte,  zu  begünstigen. 

Demgemäß  setzte  die  Armee  des  Königs  am  24.  Juni  ihre  Bewegung  fort. 
Das  III.  Corps  rückte  am  rechten  Flügel  zwischen  1  und  2  Uhr  morgens  behufs 
Besetzung  der  Linie  Villa franca-Sommacampagna  vor.  und  zwar  Division 
Prinz  Humbert  nach  Villafranca,  Division  Bixio  gegen  Ganfardine,  Division  Cugia 
am  Fuße  der  Höhen  gegen  Sommacampagna,  Division  Govone  als  Reserve;  die 
Cavallerie-Brigade  des  Corps  und  die  zugetheilte  Cavallerie-  Division  Sonnaz 
dirigierten  sich  über  Villafranca.  Das  1.  Corps  marschierte  am  linken  Flügel 
zwischen  3  und  4  Uhr  morgens  mit  den  Divisionen  Brignone,  Sirtori  und  Cerale 
behufs  Besetzung  der  Linie  Sona-S.  Giustina  sowie  zur  Beobachtung  von 
Pastrengo  und  Peschiera  auf  dem  linken  Miricio-Ufer  vor,  während  die  Division 
Pianeil,  ebenfalls  zur  Beobachtung  Peschieras,  auf  dem  rechten  Ufer  zwischen 
Monzambano  und  Pozzolengo  Stellung  nahm.  Das  II.  Corps  folgte  hinter  dem 

15* 


Digimed  by  Google 


228 


CLXFV.  bis  CLXVIII.  Promotion. 


III.  mit  den  beiden  Divisionen  Longoni  und  Angioletti  als  allgemeiner  Reserve 
über  Goito  nach,  während  die  beiden  restlichen  Divisionen  Man  tua  und  Borgo- 
forte  weiter  beobachteten.  Obzwar  diese,  statt  auf  die  Überschreitung  der 
Ktsch,  auf  Stellungnahme  gegen  Verona  gerichtete  Operation  der  Armee  des 
Königs  von  der  Annahme  des  österreichischen  Hauptquartiers  abwich,  wurden 
dadurch  dessen  Entwürfe  dennoch  nicht  vereitelt,  sondern  vielmehr  deren  Aus- 
führung nur  beschleunigt. 

Gemäß  der  am  23.  Juni  abends  erlassenen  Disposition  setzte  nämlich  die 
Süd-Armee  am  24.  um  3  Uhr  früh  ihren  Vormarsch  in  westlicher  Richtung  in  das 
Hügelland  zwischen  Verona  und  Peschiera,  sodann  linksschwenkend  gegen 
Süden  fort.  Sie  traf  zwar  nicht  mehr  auf  die  linke  Flanke  der  feindlichen  Armee, 
sondern  stieß  mit  ihr  in  Front  zusammen,  jedoch  noch  bevor  dieselbe  ihre 
Stellungen  eingenommen  hatte. 

Dieser  Zusammenstoß  gestaltete  sich  zur  SchlachtvonCustozza,in  welcher 
auf  österreichischer  Seite  rund  70.000  Mann,  3500  Reiter  und  168  Geschütze 
gegen  rund  100.000  Mann,  7000  Reiter  und  192  Geschütze  zu  kämpfen  hatten. 

Der  Verlauf  der  Schlacht  im  großen  war  folgender:  Während  in  der  Ebene 
am  äußersten  linken  Flügel  österreichische  Cavallerie  den  Feind  bei  Villa- 
franca festhielt,  warf  der  rechte  Flügel  den  Gegner  aus  dem  Hügelland 
nächst  dem  Mincio  in  die  Ebene  zurück,  worauf  nach  langem,  wechselvollem 
Kampfe  um  die  Höhen  im  Gentrum  und  am  linken  Flügel  durch  einen 
concentrischen  Stoß  der  Österreicher  auf  die  feindliche  Mitte,  die  Italiener  von 
den  Custozza-Hßhen  in  die  Ebene  geworfen  und  schließlich  auch  von  Villa- 
franca zum  Rückzüge  gezwungen  wurden. 

Die  wesentlichen  Momente  der  Schlacht  entwickelten  sich  folgendermaßen: 

Gemäß  der  am  Abend  des  23.  ergangenen  Disposition  vollzog  die  k.  k.  Süd- 
Armee  am  24.  von  3  bis  8  Uhr  früh  in  Ausführung  der  eingeleiteten  Südschwen- 
kung, theilweise  unter  einleitenden  Kämpfen  auf  beiden  Klügeln,  den  Aufmarsch. 
Am  schwenkenden  rechten  Flügel  rückte  die  Infanlerie-Reserve-Division  von 
Pastrengo  und  Sandra  über  Castelnuovo  gegen  Oliosi,  —  in  der  Mitte  das 
V.  Corps  aus  der  Linie  Castelnuovo-S.  Giorgio  in  Salice-Sona  gegen  S.  Rocco  di 
Palazzolo,  —  am  linken  und  zugleich  Pivot-Flügel  das  IX.  Corps  von  S.  Lucia 
—  über  die  Disposition  hinausgehend  —  durch  Sommacampagna  auf  die  Höhen  von 
Casa  del  Sole,  —  endlich  als  allgemeine  Reserve  das  VII.  Corps  von  S.  Massinio 
längs  der  Eisenbahn  nach  Sona,  mit  einer  Brigade  bis  Casazze.  In  der  Ebem> 
am  äußersten  linken  Flügel  gieng  von  Fort  Gisela  auf  gleicher  Höhe  mit  dem 
IX.  Corps  —  die  linke  Flanke  der  Armee  deckend  —  die  auf  zwei  Rrigaden  ver- 
stärkte Reserve-Cavallerie  vor. 

Dieselbe  stieß  bereits  um  5l/a  Uhr  bei  Villafranca  auf  den  Feind.  Es 
waren  dies  die  Divisionen  Prinz  Humbert  und  Bixio  mit  der  Cavallerie-Division 
Sonnaz.  Die  kaiserliche  Reiterei  attaquierle  nach  7  Uhr  wiederholt  die  feindlichen 
Infanteriemassen,  schlug  die  von  feindlichen  Cavallerie-Abtheilungen  versuchten 
Gegenangriffe  zurück,  nahm  dann  zwischen  Villafranca  und  Sommacampagna 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  PreuAeu  und  Italien  1866.  —  Italien. 


229 


Stellung  und  bannte  durch  ihre  Action  während  der  weiteren  Schlacht  den  ganzen 
feindlichen  rechten  Flügel  bei  Villa  fr  an  ca  fest. 

Während  des  einleitenden  Reiterkampfes  auf  dem  äußersten  linken  war 
bereits  auch  am  rechten  Flügel  die  Reserve-Division  mit  einer  ihrer  beiden 
Brigaden  in  den  Kampf  um  den  Monte  Cricol  getreten.  Sie  warf  die  Avantgarde 
der  Division  Sirtori  gegen  Oliosi  zurück,  musste  dann  ;iber,  als  die  Division  Cerale 
in  das  Gefecht  eingriff,  zurückweichen  und  sogar  den  Monte  Cricol  räumen.  Die 
Reserve-Division  wurde  indessen  durch  Unterstützungen  aus  derMitte  vom  V.Corps 
rasch  degagiert.  Eine  überraschende  Attaque  dreier  Züge  Sicilien-Uhlanen  führte 
auf  Seite  des  Feindes  eine  solche  Verwirrung  hervor,  dass  die  theilweise  noch  in 
Marsch-Colonne  formierte  Division  Cerale  völlig  zersprengt  wurde.  Der  Angriff  der 
Brigade  Piret  vom  V.  Corps  auf  Oliosi  zwang  auch  die  Avantgarde  der  Division 
Sirtori,  sich  auf  den  Monte  vento  zurückzuziehen.  Nachdem  gleichzeitig  auch 
die  Brigade  Bauer  vom  V.  Corps  eine  über  den  Tione  bis  Pernisa  vorgerückte 
Brigade  der  Division  Sirtori  wieder  hinter  den  Tione  zurückgeworfen  hatte,  war 
die  Schlacht  am  rechten  Flügel  und  in  der  Mitte  eingeleitet. 

Den  mittlerweile  theils  von  Erzherzog  Alb  recht  aus  Sona  behufs  weiteren 
Vormarsches  erlassenen  allgemeinen  Dispositionen,  theils  den  von  dem  IX.  Corps- 
Commando  selbständig  ausgegangenen  Maßnahmen  gemäß  hatte  sich  das  Gefecht 
auch  am  linken  Flügel  entwickelt.  Das  IX.  Corps  unternahm  mit  zwei  Brigaden 
einen  Angriff  auf  den  Monte  della  Croce,  wo  die  italienische  Division  Brignone 
Stellung  genommen  hatte.  Dieser  Angriff  wurde  durch  die  Division  Brignone  und 
einen  Theil  der  zur  Verstärkung  herbeieilenden  Division  Cugia  zurückgeschlagen. 
Inzwischen  rückten  von  dem  in  Reserve  stehenden  VII.  Corps  die  beiden  Brigaden 
von  Sona  nach  Casazze  vor.  während  von  da  die  Brigade  Scudier  und  zwar  deren 
linker  Flügel  mit  dem  IX.  Corps  den  Monte  della  Croce,  deren  rechter  Flügel 
aber  über  Monte  Godi  das  Belvedere  angriff  und  mit  letzterem  um  10  Uhr  vor- 
mittags stürmend  in  Custozza  selbst  eindrang.  Die  um  jene  Zeit  auf  den  Höhen 
von  Custozza  eingetroffene  italienische  Division  Govone  zwang  jedoch  die  Brigade 
Scudier,  Custozza  und  das  Belvedere  wieder  zu  räumen,  worauf  dieselbe,  von 
der  Brigade  Welsersheimb  aufgenommen,  bis  Zerbare  zurückgieng.  Damit  war 
der  erste  Angriff  des  österreichischen  linken  Flügels  auf  die  Milte  der  feind- 
lichen Armee  abgeschlagen.  Gleichwohl  waren  durch  diesen  Angriff  aber  auch  die 
Truppen  der  italienischen  Divisionen  Brignone.  Cugia  und  Govone,  welche  an 
diesem  Kampfe  theil  genommen,  so  erschüttert,  dass  der  Feind  trotz  seiner 
Übermacht  gegen  das  IX.  Corps  auf  den  Höhen  oberhalb  Sommacampagna 
—  dem  Pivot  der  k.  k.  Armee  —  nicht  offensiv  vorzugehen  wagte. 

Während  auf  diese  Weise  der  linke  Flügel  der  Österreicher  auf  den  Höhen 
von  Sommacampagna  sich  behauptete,  machten  der  rechte  Flügel  und  die  Mitte 
weitere  Fortschritte.  Gemäß  der  Disposition  des  Armee-Commandos,  wonach  die 
Reserve-Division  nach  Wegnahme  Oliosis  weiter  gegen  Monznmbano  vorzudringen 
hatte,  nahm  diese  Division,  nachdem  die  Brigade  Piret  vom  V.  Corps  Oliosi 
erstürmt  hatte,  im  Vereine  mit  den  Ausfalls-Truppen  aus  Peschiera.  Direction 


Dig 


230 


CLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion. 


vom  Monte  Cricol  nach  rechts  gegen  Monzambano.  Dieselbe  drängte  die  Reste 
der  Division  Gerale  immer  weiter  zurück,  besetzte  mit  dem  rechten  Flügel 
Salionze  und  brachte  nach  heftigen  Kämpfen  schließlich  in  der  Linie  Salionze- 
Pasquali  die  von  dem  rechten  Mincio-Ufer  über  den  Fluss  gegen  die  rechte 
Flanke  der  k.  k.  Armee  vordringende  Division  Pianell  zum  Stehen,  wobei  auch 
das  Fort  Monte  Croce  der  Festung  Peschiera  durch  Beschießung  Mozambanos 
kräftig  mitwirkte. 

Mittlerweile  gewann  die  Mitte  der  k.  k.  Armee  noch  entschiedener  Terrain 
nach  Süden.  Vom  V.  Corps  nahm  die  Brigade  Piret,  nach  der  Erstürmung  Oliosis 
linksschwenkend,  Direction  gegen  Monte  Vento,  erstürmte,  von  dem  linken 
Flügel  der  Reserve-Division  unterstützt,  diese  wichtige  Höhe,  warf  die  dort 
kämpfenden  Truppen  der  Divisionen  Sirtori  und  Gerale  in  die  Ebene  herab  und 
zwang  dieselben,  gleichwie  auch  die  Division  Pianeil  zum  Rückzüge  nach 
Valeggio  und  Monzambano.  Sobald  der  auf  dem  Monte  Vento  eingeleitete 
Angriff  der  Brigade  Piret  keinen  Rückschlag  mehr  besorgen  ließ,  ordnete  in  Ge- 
mäßheit der  allgemeinen  Disposition  des  Erzherzogs  Albrecht,  das  Commando 
des  V.  Corps  den  Angriff  auf  die  Höhe  von  S.  Lucia  an.  Die  Brigade  Möring  mit 
einem  Theile  der  Brigade  Bauer  erstürmte  auch  diese  wichtige  Position,  warf  den 
Rest  der  Division  Sirtori  gegen  Valeggio  zurück  und  besetzte  mit  sofort  vor- 
geschobenen Abtheilungen  die  östlichen  Kuppen  und  Abhänge  des  Monte 
Mamaor.  Damit  waren  die  drei  Divisionen  Sirtori.  Cerale  und  Pianell  des  italieni- 
schen linken  Flügels  vollends  geworfen  und  konnte  nunmehr  die  feindliche 
Mitte  bei  Gustozza  von  dem  österreichischen  Centrum  in  Flanke  und 
Rücken  genommen  werden. 

Auch  der  Kampf  zwischen  dem  italienischen  Gentrum  und  dem 
österreichischen  linken  Flügel  dauerte  ununterbrochen  fort.  Nach  dem 
Misslingen  des  ersten  Angriffes  des  IX.  Corps  und  der  Brigade  Scudier 
führte  das  Regiment  Thun  vom  IX.  Corps  auf  das  Belvedere  einen  zweiten 
Angriff  aus,  nahm  diese  Höhe  und  vertheidigte  dieselbe  mit  mehreren  Ab- 
theilungen auf  das  hartnäckigste.  Gegen  3  Uhr  nachmittags  musste  das  Belve- 
dere zwar  zum  zweitenmal  geräumt  werden,  allein  die  zähe  Verteidigung  der 
Höhe  durch  Thun-Infanterie  kam  der  darauffolgenden  Entscheidung  wesentlich 
zustatten. 

Um  4  Uhr  nachmittags  unternahm  der  Commandant  des  in  Reserve  stehenden 
VII.  Corps,  mit  den  beiden  Brigaden  Welsersheimb  und  Töply,  auf  das  Belvedere 
einen  dritten  Angriff,  erstürmte  die  Höhe  und  warf  den  Feind  nach  Gustozza 
zurück.  Schon  zuvor  hatte  Erzherzog  Albrecht  von  S.  Rocco  di  Palazzolo  einen 
allgemeinen  Sturm  auf  Gustozza  anbefohlen.  Während  vom  Belvedere  die 
beiden  Brigaden  des  VII.  Corps  gegen  Gustozza  in  der  Front  weiter  vorgiengen. 
nahm  von  der  Höhe  von  S.  Lucia  die  Brigade  Möring  mit  einem  Theil  des  Regiments 
Nagy  des  V.  Corps,  Gustozza  in  Flanke  und  Rücken;  gleichzeitig  rückte  von 
Berettara  das  Regiment  Maroicic  vorn  IX.  Corps  zum  Angriffe  auf  den  Monte 
della  Croce  vor.  Die  Brigaden  Möring  und  Welsersheimb  nahmen  Gustozza, 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  uud  Italien  1866.  — 


Italien. 


331 


das  Regiment  Maroieie.  den  Monte  della  Croce  im  Sturme.  Die  italienischen 
Divisionen  Govone  und  Cugia.  welche  nach  dem  Rückzüge  der  Division  Brignone 
den  Kampf  um  die  Custozza-Hohen  fortgeführt  hatten,  wurden  in  die  Ebene 
herabgeworfen  und  zogen  sich  theils  gegen  Valeggio,  theils  über  Vi  Ilafranca 
zurück.  So  war  auch  das  feindliche  Centrum  geworfen. 

Der  Verlust  der  Custozza-Höhen  und  darauf  folgende  wiederholte  Angriffe 
der  österreichischen  Cavallerie  auf  die  von  denselben  retirierenden  feindlichen 
Colonnen,  dann  auf  den  italienischen  rechten  Flügel  bei  Villa franca  zwangen 
auch  diesen  —  die  Divisionen  Prinz  Humbert  und  Bixio  sowie  die  Cavallerie- 
Divisionen  Sonnaz  —  zum  Rückzüge. 

Damit  war  die  Schlacht  bei  Gustozza  siegreich  entschieden. 

Die  k.  k.  Süd -Armee  lagerte  auf  dem  Schlachtfelde  in  der  Linie 
Salionze-Monte  Ven to-Gustozza-Monte  Torre,  die  Cavallerie  bei  Fort 
Gisela;  das  Hauptquartier  nächtigte  in  Z  er  bare. 

Die  unter  dem  Befehle  des  Königs  stehende  Armee  sammelte  sich  vom  24. 
auf  den  25.  und  zwar  das  I.  Corps  bei  Volta-Cavriana,  das  III.  bei  Valeggio- 
Goito.  das  II.  Corps  mit  den  beiden  als  Reserve  vorgerückten  Divisionen  nächst 
Goito,  die  Gavallerie-Division  bei  Pozzolo;  das  Hauptquartier  wurde  von  Goito 
nach  Gerlungo  rückverlegt.  Am  26.  setzte  die  Armee  des  Königs  den  Rückzug 
hinter  den  Oglio  fort.  —  Das  italienische  IV.  Corps  unter  Cialdini  hatte  schon 
am  25.  von  dem  unteren  Po  ebenfalls  den  Rückzug  angetreten,  infolge  dessen  die 
bereits  am  Tage  nach  der  Schlacht  gegen  dieses  feindliche  Corps  eingeleitete 
Operation  der  Süd- Armee  vom  Schlachtfelde  bei  Gustozza  in  der  Richtung  nach 
der  unteren  Etsch  nicht  zur  Ausführung  kam. 

Darauf  bezog  die  Süd -Armee  enge  Cantonnierungen  zwischen  Villa- 
franca-Peschiera- Verona,  welche  bis  30.  Juni  beibehalten  wurden.  Am  1.  Juli 
rückte  die  Armee  über  den  Mincio  und  am  2.  bis  in  die  Linie  Medole-Castel 
Venzago-Rivoltella,  mit  dem  Hauptquartier  nach  Pozzolengo  vor.  Infolge 
der  vom  Kriegsschauplatze  in  Böhmen  einlangenden  ungünstigen  Nachrichten 
gieng  jedoch  die  Armee  am  3.  wieder  auf  das  linke  Mincio-Ufer  zurück.  Das  am 
4.  im  Hauptquartier  vollends  bekannt  gewordene  Missgeschick  der  Nord-Armee 
machte  allen  weiteren  Unternehmungen  der  Süd-Armee  ein  Ende,  indem  alle  ver- 
fügbaren Kräfte  an  die  Donau  eilen  mussten. 

Noch  am  4.  abends  leitete  Erzherzog  Albrecht,  unter  Festhaltung  Süd- 
Tirols  und  der  Festungen  im  Venetianischen,  die  Räumung  letzteren  Gebietes  ein. 
Hinter  der  Etsch  angelangt,  entsendete  die  Süd-Armee  am  10.  das  V.  Corps  durch 
Tirol,  ferner  nach  dem  Eintreffen  des  Restes  hinter  der  Piave  am  13.  das 
IX.  Corps  und  die  Cavallerie-Brigade  Pulz  an  die  Donau,  während  das  VII.  Corps 
bis  zum  23.  hinter  den  Isonzo  zurückgieng,  um  dort  dem  Vordringen  des 
italienischen  Heeres  möglichst  Schranken  zu  setzen. 

Erzherzog  Albrec Ii t.  zum  Ober-Cornmandanten  der  gcsamniten  operierenden 
Armee  ernannt,  gieng  mit  seinem  Generalstabschef,  FML.  Frh.  von  John,  von 
Couegliano  am  12.  nach  Wien  ab  und  übergab  das  Commando  im  Süden  an 


Digitized  by  Google 


CLX1V.  bis  CLXV1II.  Promotion. 


FML.  Frh.  von  Maroi&ic,  nachdem  er  schon  vorher  mit  der  selbständigen  Ver- 
teidigung Tirols  GM.  Frh.  von  Kuhn  betraut  hatte.*) 

Im  Süden  —  außer  Tirol  —  verblieben  unter  Commando  des  FML.  Frh.  von 
Maroi£i£  circa  42.000  Mann  und  2300  Reiter,  wovon  jedoch  zur  Zeit  seines 
Anlangens  mit  dem  VII.  Corps  am  Isonzo  nur  12.000  bis  13.000  Mann  unmittelbar 
zu  seiner  Verfügung  standen. 

Die  Italiener  hatten  mittlerweile  am  5.  Juli  ihre  Operationen  wieder  auf- 
genommen. Zunächst  griffen  sie  Borgoforte  an,  welches  jedoch  von  der  k.  k.  Be- 
satzung erst  nach  förmlicher  Belagerung  und  Zerstörung  in  der  Nacht  vom  17.  auf 
den  18.  geräumt  wurde.  Am  8.  überschritt  Cialdini  mit  180.000  Mann  den  Po 
zwischen  Borgoforte  und  Ferrara  bei  Sermide.  Am  10.  setzte  sich  der  König 
mit  84.000  Mann  vom  Oglio  gegen  Ferrara  in  Bewegung  und  am  12.  begann  sein« 
Armee  den  Po  zu  überschreiten.  Am  13.  setzte  Cialdini  bei  Rovigo  über  die 
Etsch  und  rückte  bis  26.  an  den  Torre,  mit  dem  Hauptquartier  in  Pradamano 
südöstlich  von  üdine,  nur  mehr  einen  Marsch  von  Izonzo  entfernt.  —  Die 
Division  Medici  war  von  Padua  am  21.  über  Bassano  gegen  Tirol  und  zwar 
gegen  die  Valsugana  abgerückt.  —  Die  Armee  des  Königs  marschierte  in  der 
Linie  Badia-Vicenza  —  Front  westwärts  gegen  das  Festungsviereck  —  auf; 
das  Hauptquartier  des  Königs  kam  am  17.  nach  Rovigo,  späterhin  nach 
Padua.  Ein  Reserve-Corps  von  50.000  Mann  sammelte  sich  zwischen  Parma 
und  Bologna. 

FML.  Frh.  von  Maroicic  hatte  inzwischen  seine  Streitkräfte  am  Isonzo  auf 
20.000  Mann,  350  Reiter  und  48  Geschütze  gebracht.  Seine  Vorposten  waren  bis 
an  den  Judrio-Torre  vorgeschoben.  In  Romans  stand  ein  stärkeres  Detachenient 
unter  Oberst  Török  ab  Erdöd,  welches  durch  Streifungen  jenseits  des  Torre  die 
Verbindung  mit  der  Festung  Palmanuova  unterhielt.  Dasselbe  wurde  hiebei 
am  26.  von  überlegenen  Kräften  der  italienischen  Vorhut -Cavallerie- Brigade 
La  Forest  eingeschlossen,  schlug  sich  jedoch  glänzend  über  die  bereits  im  Rücken 
des  Dotachements  vom  Feinde  besetzte  Torre-Brücke  nach  Versa  durch. 

Nach  diesem  Gefechte  trat  anlässlich  des  Waffenstillstands-Abschlusses  im 
Norden  auch  auf  dem  südlichen  Kriegsschauplätze  Waffenruhe  ein,  doch  fand 
damit  der  Kriegszustand  im  Süden  keineswegs  sein  Ende.  Italien  wollte  sich 
nämlich  nur  unter  Bedingungen  zum  definitiven  Waffenstillstands -Abschlüsse 
bereit  erklären,  welche  weit  über  die  seitens  Österreichs  freiwillig  zugestandene 
Abtretung  Venetiens  hinausgicngen,  trotzdem  die  kaiserlichen  Waffen  bei  Custozza 
glänzend  gesiegt,  seitdem  auch  entschiedene  Erfolge  in  Südtirol  aufzuweisen, 
überdies  inzwischen  die  k.  k.  Marine  den  Sieg  von  Lissa  errungen  hatten. 
Zunächst  forderte  Italien  den  Abschluss  des  Waffenstillstandes  auf  der  Basis  des 
uti  pos.-ikläis.  Darauf  konnte  Österreich  nicht  eingehen,  weil  italienische  Truppen 
sowohl  in  Tirol  als  am  Isonzo  die  Grenze  Venetiens  überschritten  hatten. 
Nachdem  nun  Italien  seine  Truppen  trotz  wiederholter  Aufforderung  Österreich.-; 


*i  riiebr  Absrbnitl:  .Hei  der  Vcrlheiiligung  Tirols*,  Seite  HCl  und  378. 


■ 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866.  -  Italien.  233 


nicht  zurückziehen  wollte,  wurde,  um  derselben  Nachdruck  zu  geben,  wieder  ein 
Theil  der  Truppen  von  der  Donau  nach  dem  Süden  in  Bewegung  gesetzt. 

Außer  kleineren  Abtheilungen  wurden  von  Wien  mittels  Eisenbahn  in  der 
Zeit  vom  2.  bis  14.  August  das  IL,  V.  und  IX.  Corps  an  den  Isonzo,  das 
III.  Corps  nach  Kärnten  geworfen.  Außerdem  wurde  auch  die  2.  leichte 
Cavallerie- Division  an  den  Isonzo,  die  Brigade  Pulz  nach  Kärnten  in  Marsch 
gesetzt. 

Die  Gesammtstärke  der  zur  Verwendung  im  Süden  bestimmten  Trappen, 
welche  bis  16.  August  an  der  Grenze  Venetiens  bereit  stehen  sollten,  belief  sich 
mit  Ausschluss  aller  Besatzungstruppen,  dann  der  Armee-Division  in  Tirol,  an 
Streitbaren  an  127.000  Mann,  7000  Pferde  mit  435  Geschützen.  Überdies  wurde 
noch  das  IV.  Corps  bereit  gehalten,  um  zur  Verstarkuag  der  auf  diese  Art  neu 
gebildeten  Süd-Armee  nachgeschoben  zu  werden. 

Noch  bevor  diese  Streitkräfte  vollzählig  im  Süden  angelangt  waren,  wurden 
gemäß  den  am  6.  und  7.  August  erlassenen  Dispositionen  des  Erzherzogs 
Albrecht  die  wohlvorbereiteten  Operationen  zu  Land  und  zur  See  eingeleitet. 
Bereits  am  6.  begann  das  III.  Corps  in  Kärnten  von  Villach  brigadeweise  den 
Vormarsch  gegen  die  Grenze.  Am  9.  bezogen  die  am  Isonzo  vereinigten  Truppen 
Cantonnierungen  und  zwar  das  VII.  Corps  zwischen  dem  Isonzo  und  Judrio,  das 
V.  Corps  zwischen  Görz  und  Monfalcone,  das  IX.  im  Wippach-Thale 
aufwärts  bis  Cernica.  Am  11.  entsendeten  diese  drei  Corps  Cavallerie- 
Abtheilungen  gegen  den  Feind.  Vom  VII.  Corps  rückten  zwei  Brigaden  bis  an  den 
Torre  und  Natisone,  vom  IX.  Corps  eine  Brigade  bis  Morano  am  rechten 
Isonzo- Ufer  vor.  Kerner  überschritten  von  Kärnten  aus  das  III.  Corps  bei  Pon- 
tafel,  das  k.  k.  Alpenjäger-Corps  über  den  Plerken-Pass  die  Grenze  ins 
Venetianische.  Am  11.  gieng  überdies  auf  dem  Adriatischen  Meere  die  k.  k. 
Escadre  von  Fasana  nach  Triest,  um  die  Demonstration  einer  Überschiffung 
von  35.000  Mann  von  Triest  nach  Venedig  auszuführen,  infolge  dessen  sich 
der  um  jene  Zeit  in  Strä  weilende  König  Victor  Emanuel  schleunigst  iti  sein 
Hauptquartier  nach  Padua  verfügte. 

Noch  vor  Einleitung  dieser  Operationen,  schon  auf  die  Nachricht  über  die 
sich  vollziehende  Versammlung  bedeutender  österreichischer  Streitkräfte  am 
Isonzo.  hatte  die  italienische  Heeresleitung  von  Padua  aus  die  Waffenstillstands- 
verhandlungen am  7.  wieder  aufgenommen.  Erzherzog  Albreehl  verlangte  neuer- 
dings kategorisch  die  Zurückziehung  der  italienischen  Truppen  hinter  die  Grenzen 
Venet  iens  und  zwar  bis  zum  9.  abends.  Cialdini  hatte  übrigens  schon  am  (>., 
gleichzeitig  mit  der  Wiederaufnahme  der  Verhandlungen,  damit  begonnen,  die 
italienische  Armee  rückwärts  in  dem  Räume  zwischen  dem  Tagliamento  und 
Corno,  südlich  der  Eisenbahn,  zu  concentrieren  und  gieng  am  9.  auf  das  rechte 
Ufer  des  Tagliamento  zurück,  so  dass  nur  die  Vorposten  am  Isonzo  — jenen 
des  k.  k.  V.  Corps  gegenüber  —  verblieben.  An  demselben  Tage  schlug  die 
italienische  Heeresleitung  neuerliche  Verhandlungen  behufs  definitiven  Waffen- 
Stillstands-Abschlusses  vor.  Erzherzog  Albrecht  wies  darauf  die  Truppen  an,  die 


Digitized  by  Google 


234- 


GLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion. 


—  Im  Kriege  von  186«. 


-  Italien. 


Demarcations-Linie  nicht  vor  dem  11.  August  morgens  zu  überschreiten,  verlangte 
jedoch  nun  den  Tagliamento  als  Demarcationslinie,  sowie  die  Erfüllung  aller 
früher  gestellten  Bedingungen.  Arn  1 1 .  stand  der  Feind  thatsächlich  hinter  dem 
Tagliamento,  und  hielt  am  linken  Ufer  nur  mehr  Codroipo  besetzt.  Nachdem 
auf  diese  Weise,  dank  dem  entschlossenen  und  thatkräftigen  Vorgehen  des  Erz- 
herzogs Albrecht,  der  Feind  die  von  Südtirol  und  von  der  geforsteten  Graf- 
schaft Görz-Gradisca  occupiertcn Gebiete  vollständig  geräumt  hatte,  wurde  von 
der  formellen  Bestimmung  des  Tagliamento  als  Demarcationslinie  Abstand 
genommen  und  auf  Grundlage  der  alleinigen  Abtretung  Venetiens  an  Italien 
der  definitive  Waffenstillstand  am  13.  August  abgeschlossen. 

Während  die  am  Isonzo  concentrierten  Streitkräfte,  sowie  das  aus 
Kärnten  an  den  Tagliamento  vorgerückte  III.  Corps  bereits  am  14.  Befehl 
hatten.  Cantonnierungen  zu  beziehen,  kam  es  an  diesem  Tage  zwischen  dem  über 
den  Plecken-Pass  ins  Piave -Thal  vorgedrungenen  k.  k.  Alpenjäger-Corps  unter 
Oberstlieutenant  Graf  Mensdorff,  welcher  von  dem  Waffenstillstand  bis  dahin 
nicht  hatte  verständigt  werden  können,  und  einer  Garibaldinischen  Freischar  bei 
Auronzo  noch  zu  einem  Gefechte.  Als  die  österreichischen  Alpenjäger  die 
Garibaldianer  bereits  von  allen  Seiten  einzuschließen  begannen,  hissten  die  letzteren 
die  weiße  Fahne  und  theilten  den  Österreichern  die  Nachricht  von  dem  Abschlüsse 
des  Waffenstillstandes  mit,  welche  der  italienischen  Freischar  schon  am  Morgen 
zugekommen  war,  von  der  diese  jedoch  bis  2  Uhr  nachmittags,  so  lange  die 
Chancen  des  Kampfes  minder  ungünstig  für  sie  standen,  keinen  Gebrauch  machte. 
Darauf  wurde  auch  von  österreichischer  Seite  das  Gefecht  eingestellt.  So  war  in 
diesem  Kriege  bei  Auronzo  am  14.  August  der  letzte  Schuss  gefallen. 

Am  3.  October  18G6  wurde  zwischen  Österreich  und  Italien  in  Wien 
der  Frieden  geschlossen. 

In  diesem  siegreichen  Kriege  gegen  Italien  wuchsen  dem  Maria  Theresien- 
Orden  1  Großkreuz,  2  Commandeure  und  5  Ritter  zu. 


Großkreuz  des  Maria  Theresien-Ordens 
Feld  marsch  all  Erzherzog  Albrecht  Friedrich  Rudolph, 

kais.  und  köiiigl.  Hoheit. 
«Mit  Bildnis  aus  dem  Jalirf  ls»i6.) 

Erzherzog  Albrecht  wurde  als  ältester  Sohn  des  Siegers  von  Aspern,  des 
Erzherzogs  Carl,  in  Wien  am  3.  August  1817  geboren.  Bereits  am  11.  Jänner 
1830  zum  Obersten  und  Inhaber  des  44.  Infanterie-Regiments  ernannt,  genoss 
er  seit  frühester  Jugend  unter  sorgfältiger  Anleitung  seines  zu  den  Meistern 
des  Krieges  zählenden  Vaters  kriegerische  Erziehung  und  Bildung.  Am  17.  Mai 
1837  trat  er  bei  dem  13.  Infanterie-Regiment  die  praktische  Dienstleistung  als 
Bataillons-Commandant  an.  Am  1.  März  1831)  erfolgte  seine  Versetzung  zum 


Digitized  by  Google 


I 

1 

•  i 
1 

l: 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Oroßkrem  de»  M.  T.-O.  FM  Eriheriog  Albrecht. 


235 


4.  Kürassier-Regiment  Im  Sommer  jenes  Jahres  führte  ihn  eine  dreimonatliche 
Mission  nach  Preußen  und  Russland,  wo  er  zahlreichen  großen  Truppenübungen 
beiwohnte.  Am  11.  September  1810  wurde  er  zum  Brigadier  in  Graz  ernannt  und 
zum  Generalmajor  befördert.  Als  solcher  wohnte  er  zweimal  den  großen 
Manövern  in  Italien  bei  und  wurde  von  dem  FM.  Grafen  Radetzky  persönlich  in 
diese  praktische  Schule  des  Krieges  im  Frieden  eingeführt.  Am  11.  August  1843 
zum  Feldmarschall- Lieutenant  vorgerückt,  wurde  er  dem  mährisch-schlesi- 
schen  General-Commando  als  ad  latus  beigegeben,  auf  welchem  Posten  er  mit  der 
selbständigen  Leitung  großer  Manöver  begann.  Am  15.  December  1844  zum 
Commandierenden  General  in  Nieder-,  Ober-Österreich  und  Salz- 
burg ernannt,  widmete  der  Erzherzog  seine  Thätigkeit  ebenfalls  hauptsächlich  der 
kriegsmäßigen  Ausbildung  der  unter  seinem  Commando  stehenden  Truppen,  ins- 
besondere der  Wiener  Garnison,  zu  welchem  Behufe  er  eine  eigene  „Anweisung 
über  den  Betrieb  des  Felddienstes*  verfasste. 

Im  Kriege  gegen  Piemont  im  Jahre  1848  begab  sich  im  Monate  April 
zugleich  mit  Seiner  k.  k.  Hoheit,  dem  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzog,  nach- 
mals Kaiser  und  König.  Franz  Joseph  I..  auch  Erzherzog  Albrecht  als  Frei- 
williger auf  den  Kriegsschauplatz  nach  Italien  in  das  Hauptquartier  des  FM.  Grafen 
Radetzky.  Gleich  in  der  Schlacht  bei  S.  Lucia  am  6.  Mai,  welche  der  Erzherzug, 
ohne  ein  Commando  zu  führen,  mitmachte,  lenkte  er  durch  seinen  kalten  Mulh 
die  Aufmerksamkeit  des  Hauptquartiers  auf  sich,  ja  errang  dadurch  geradezu  die 
Bewunderung  der  Armee.  Völlig  unabhängig  von  seiner  hohen  Stellung  als  kaiser- 
licher und  königlicher  Prinz  erwarb  er  sich  in  der  Folge  auch  durch  sein  alle 
Gebiete  des  Kriegswesens  beherrschendes  Wissen,  wie  durch  maßgebendes  Urtheil 
in  zahlreichen  schwierigen  Momenten  des  Krieges  autoritalives  Ansehen  und  hohe 
persönliche  Geltung  bei  allen  bis  zum  Oberfeldherrn  hinauf.  Daraufhin  wurde 
Erzherzog  Albrecht  noch  im  December  1848  mit  dem  Commando  der  ersten 
Truppen-Division  des  II.  Corps  D'Aspre  betraut. 

Nach  Wiederaufnahme  der  Feindseligkeiten  im  Feldzuge  1849  bildete  die 
Division  des  Erzherzogs  AI  brecht  die  Vorhut  des  an  der  Spitze  der  Armee 
Radetzkys  marschierenden  II.  Corps. 

Schon  bei  dem  forcierten  Obergange  der  Armee  über  den  Ticinn  bei  Pavia. 
und  dem  dabei  stattgehabten  kleinen  Gefechte  am  Gravellone  am  20.  März 
bekundete  Erzherzog  Albrecht  neuerdings  hohen  persönlichen  Muth. 

Bei  dem  Angriff  auf  Mortara  am  folgenden  21.  März  errang  Erzherzog 
Albrecht,  nachdem  durch  den  Corps-Commandanten  Feldzeugmeister  Freili. 
D'Aspre  die  Dispositionen  im  allgemeinen  getroffen  waren,  mit  der  unterstehenden 
Armee-Division  gegen  eine  feindliche  Obennacht  von  mehr  als  1G.000  Mann  die 
ersten  Lorbeeren. 

Das  Gefecht  begann  abends  gegen  6  Uhr.  Nachdem  die  Angriffs-Colonnen 
formiert  waren,  rückte  die  Division  mit  ihrem  er/.her/oglii  hen  Führer  an  der  Spitze 
zum  Angriffe  gegen  die  feste  Stellung  des  Feindes  vor.  Die  eintretende  Dunkel- 
heit und  dichter  Saudstaub  hinderten  jede  Obersicht.    Die  einzelnen  Angriffs- 


Digitized  by  Google 


236 


CLX1V.  bis  CLXVill.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 


Golonnen  verloren  ihre  Verbindung  und  der  Erfolg  schien  zweifelhaft,  um  so  mehr, 
als  der  Feind  den  hartnäckigsten  Widerstand  leistete.  Besonders  die  beiden 
Flügel  der  Division  konnten  trotz  aller  Anstrengung  nicht  weiter  vordringen  und 
waren  hinter  dem  Gentrum  zurückgeblieben,  welches  Erzherzog  Albreeht  persön- 
lich commandierte. 

Schon  hatte  der  Gorps-Gommandant  den  Befehl  ertheilt,  im  Falle  des  Miss- 
lingens des  Angriffs  auf  die  Stadt,  sich  in  die  frühere  Stellung  zurückzuziehen,  als 
dem  Erzherzog  die  Meldung  zukam,  dass  Oberst  Benedek  mit  einem  Bataillon 
Gyulai-Infanterie  in  die  Stadt  eingedrungen  sei,  hinter  ihm  aber  feindliche  Golonnen 
aus  den  Flanken  in  die  Stadt  nachdrängten. 

Alsogleich  ordnete  Erzherzog  Albrecht  einen  nochmaligen  Angriff  des 
Gentrums  an,  drang  mit  demselben  in  die  Stadt  ein  und  besetzte  dieselbe, 
wodurch  es  dem  Obersten  Benedek  möglich  wurde,  die  ihm  nachrückenden  feind- 
lichen Truppen  gänzlich  abzuschneiden  und  seine  mittlerweile  am  anderen  Ende 
der  Stadt  eingeleiteten  Maßregeln  mit  so  glänzendem  Erfolge  auszuführen,  dass 
im  ganzen  bei  2000  Mann  mit  6  Stabs-  und  einigen  50  Oberofficieren.  über 
130  Pferde,  5  Kanonen,  2  Pionnier-Requisiten wagen,  und  viele  Karren  in  unsere 
Hände  fielen. 

Am  Tage  der  Schlacht  bei  Novara  am  23.  März  legte  Erzherzog  Albrecht 
noch  höhere  Beweise  seiner  persönlichen  Tapferkeit,  sowie  seines  Feldherrn- 
talentes ab. 

Von  Nibbiola,  wo  das  Gros  der  vor  Novara  auf  Vorposten  gestandenen 
Avantgarde-Division  des  Erzherzogs  Albrecht  sich  befand,  sollte  die  ganze 
Division  mu  h  der  vom  Corps-Gommandanten  ertheilten  Disposition  auf  der  Haupt- 
straße nach  Garbagna  rücken,  um  von  dort  den  Angriff  auf  die  feindliche  Stellung 
einzuleiten. 

Erzherzog  Albrecht  hatte  jedoch  schon  am  frühen  Morgen,  noch  ehe  ihm 
die  Disposition  des  Gorps-Gommandos  zugekommen  war,  das  vorliegende  Terrain 
recognoscieren  lassen  und  sich  dadurch  die  Überzeugung  verschafft,  dass  der  von 
Nibbiola  gegen  Novara  seitwärts  der  Hauptstraße  ziehende,  theilweise  bewaldete 
Höhenzug  dem  Vertheidiger  viele  Vortheile  biete  und  besonders  Unternehmungen 
gegen  die  Flanke  des  auf  der  Hauptstraße  vorrückenden  Angreifers  begünstige. 

Aus  diesem  Grunde  hatte  der  Erzherzog  nach  der  Recognoseierung  den 
Entschluss  gefasst,  eine  der  ihm  unterstehenden  Brigaden  auf  jenen  Höhen  in  der 
linken  Flanke,  die  andere  aber  ä  rheral  der  Ghaussee  gegen  Novara  vorrücken 
zu  lassen. 

An  diesem  Entschlüsse  hielt  Erzherzog  Albreeht  im  wesentlichen  auch 
dann  fest,  als  ihm  die  Disposition  des  Gorpri-Gommandanten  zukam,  wonach  er  mit 
seinen  gesammten  Kräften  auf  der  Ghaussre  gegen  Novara  vorgehen  »olltc. 

Die  Wichtigkeit  einer  Detachierung  auf  jene  Höhen  in  die  linke  Flanke  der 
Haupt-Golonne  mit  scharfem  Blicke  erfassend,  übernahm  es  Erzherzog  Albrecht 
auf  eigene  Verantwortung,  abweichend  von  dem  erhaltenen  Befehle  den  Obersten 
Grafen  Kielmannsegge  mit  einem  Bataillon  Paumgartten,  einer  Division  Jäger, 


Digitized  by  Google 


Groflkreui  des  M.  T.-O  FM.  Erzherzog  Albrecht. 


einem  Flügel  Husaren  und  2  Geschützen  von  Nibbiola  auf  dem  Wege  über 
Montarsello  gegen  Novara  zu  entsenden,  um  längs  des  Höhenzuges  die  linke 
Flanke  der  Haupt-Colonne  zu  cotoyieren. 

Diese  Anordnung  zeigte  sich  im  späteren  Verlaufe  des  Gefechtes  von  großem 
Nutzen. 

Mit  ebenso  scharfem  Blicke  erkannte  Erzherzog  Albrecht  gleich  nach 
Beginn  des  Gefechtes  auf  der  Anhöhe  links  der  Straße  die  Häusergruppen  von 
Bicocca  als  den  wichtigsten  Punkt  der  ganzen  feindlichen  Stellung.  Dieser  Punkt 
wurde  durch  das  am  linken  Flügel  vorrückende  Infanterie-Regiment  Erzherzog 
Franz  Carl  im  ersten  Anlaufe  erstürmt  und  besetzt.  Der  Feind  griff  jedoch  Bicocca 
wiederholt  mit  überlegenen  Kräften  an.  Nach  zweistündigem,  hartnäckigen  Gefechte 
wurden  die  eigenen  Truppen  geworfen  und  zogen  sich  in  ziemlicher  Unordnung 
zurück. 

Im  Augenblicke  dieser  höchsten  Gefahr  erschien  Erzherzog  Albrecht  auf 
dem  Platze  und  traf  mitten  im  heftigsten  Feuer  mit  kaltblütiger  Herzhaftigkeit  die 
erforderlichen  Dispositionen. 

Mit  der  rasch  vorgezogenen  Reserve,  bestehend  aus  2  Bataillonen  Gyulai- 
Infanterie  nebst  kleineren  Abtheilungen  anderer  Regimenter,  dann  einer  Fuß-  und 
einer  Raketen-Batterie,  hielt  Erzherzog  Albrecht  den  vordringenden  Feind  auf; 
gleichzeitig  ordnete  er  mit  aller  Anstrengung  die  versprengten  Abtheilungen  und 
leitete  persönlich  die  Vertheidigung  der  letzten  Häuser. 

Dank  seinem  umsichtigen  Eingreifen  und  der  ferneren  Behauptung  diese? 
wichtigsten,  zugleich  aber  auch  gefährlichsten  Punktes,  gegen  sechsfache  Über- 
legenheit, war  das  Gefecht  hier  wieder  völlig  hergestellt. 

Während  dieses  Kampfes  hatte  sich  aber  der  Feind  in  der  linken  Flanke 
des  Erzherzogs  immer  mehr  ausgebreitet  und  war  schließlich  schon  so  weit 
vorgedrungen,  dass  hieraus  die  Gefahr  vollständiger  Umgehung,  sowie  des  Ver- 
lustes der  mit  vieler  Anstrengung  und  mit  vielen  Opfern  eroberten  Häusergruppen 
bei  Bicocca  entsprang,  umso  mehr  als  dem  Erzherzog  keine  Reserven  mehr  zu 
Gebote  standen.  Da  langte  eben  das  von  dem  Erzherzog  in  die  linke  Flanke  ent- 
sendete Detachement  des  Obersten  Kielmannsegge  zu  Torre  di  Quadro  auf 
dem  Kampfplätze  an  und  leistete  dem  überlegenen  Angriffe  des  Feindes  so 
tapferen  Widerstand,  dass  er.  dieses  Detachement  für  die  Avantgarde  eines  nach- 
rückenden Corps  haltend,  von  weiterem  Vordringen  in  der  linken  Flanke  abließ. 

Auch  auf  den  weiteren  Verlauf  der  Schlacht  übte  die  durch  Erzherzog 
Albrecht  selbständig  disponierte  Sicherung  der  linken  Flanke  wesentlichen  Ein- 
fluss.  Es  wurde  nur  dadurch  ermöglicht,  den  wichtigsten  Punkt  der  Schlachtlinie, 
die  auf  der  Höhe  gelegenen  Häusergruppen  festzuhalten,  bis  die  Division 
Lichuowsky  eintraf,  mit  derselben  dann  den  Feind  neuerdings  anzugreifen  und 
nach  und  nach  aus  seiner  festen  Stellung  in  die  Stadt  Novara  zurück  zu  werfen. 

Erzherzog  Albrecht  führte  auch  da  die  bataillonsweise  eintreffenden  Ver- 
stärkungen persönlich  gegen  den  Feind  und  leitete  dessen  Verfolgung  bis  über 
Bicocca. 


Digitized  by  Google 


238  MV.  bis  GLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  J  800.  -  Italien. 


So  hatte  es  Erzherzog  Albrecht,  wie  ihm  der  Corps-Commandant  bezeugte, 
durch  sein  standhaftes  Festhalten  auf  dem  linken  Flügel  und  seine  einsichtsvolle 
Gefechtsführung  möglich  gemacht,  dass  das  II.  Armee-Corps  mit  1G.0OO  Mann 
gegen  50.000  Piemontesen  durch  sechs  Stunden  mit  abwechselndem  Glück  fechten 
konnte,  bis  das  Eingreifen  des  III.  Armee-Corps  den  Kampf  und  den  Bückzug 
des  Feindes  nach  Novara  noch  vor  dem  Eintreffen  der  übrigen  Armee-Corps 
entschied. 

FM.  Graf  Radetzky  sprach  sich  in  dem  Zeugnisse,  welches  er  dem  Erz- 
herzog AI  brecht  über  dessen  Verhalten  gab,  unter  anderem  folgendermaßen  aus: 

, Zweimal  im  Laufe  des  letzten  Feldzuges  haben  Seine  kaiserliche 
Hoheit  sieh  die  gerechtesten  Ansprüche  auf  den  Maria  Theresien-Orden 
erworben,  und  zwar  in  dem  sehr  rühmlichen  Treffen  von  Mortara,  sowie  in  der 
Schlacht  von  Novara. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  drang  an  der  Spitze  seiner  Sturm-Golonnen  in  die 
Stadt  Mortara  ein.  In  der  Schlacht  von  Novara  bildete  der  Erzherzog  mit 
seiner  Division  die  Avantgarde. 

Das  II.  Armee-Corps,  insbesondere  aber  die  seinen  linken  Flügel  bildende 
Division  des  Erzherzogs,  war  nun  durch  mehrere  Stunden  den  übermächtigen 
Angriffen  eines  mit  Entschlossenheil  angreifenden  Feindes  ausgesetzt.  Dieser 
gewann  hier  mehrmal  Boden,  allein  die  höchst  einsichtsvollen  Dispositionen,  die 
unerschütterliche  Tapferkeit  des  Erzherzogs  und  seine  unvergleichlichen  Truppen 
vermochte  nichts  zu  überwältigen,  sie  behaupteten  ihre  Stellung,  bis  das  III.  und 
IV.  Corps  in  die  Linie  einrückten  und  nun  die  Niederlage  des  Feindes  vollendeten. 
Der  Erzherzog  hat  an  beiden  Tagen  die  Talente  eines  einsichtsvollen  Generalen, 
und  den  Muth  eines  tapferen  Soldaten  entwickelt.  Ich  unterfertige  dieses  Zeugnis  mit 
der  Zuversicht,  dass  er  eine  Zierde  des  Maria  Theresi  en-Ordens  sein  wird." 

Auf  Grund  der  im  Kriege  gegen  Piemont  im  Jahre  1849  in  dem  Treffen  bei 
Mortara  am  21.  und  in  der  Schlacht  bei  Novara  am  23.  März  vollbrachten 
Waffenthaten  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  über  Votum  des  Ordens -Capitels  kraft  Promolion  CL1II  vom 
29.  Juni  1849  Seine  kais.  königl.  Hoheil  den  FML.  Erzherzog  Albrecht  zum 
Commandeur  des  Maria  Theresi en -Ordens  zu  promovieren. 

In  der  Folge  wurde  Erzherzog  Albrecht  anlässlich  seiner  Verdienste  in  dem 
Kriege  1848/49  auch  mit  dem  Militär-Verdienstkreuze  ausgezeichnet 

So  gieng  Erzherzog  AI  brecht  gleich  au*  dem  ersten  Kriege  im  32.  Lebens- 
jahre als  siegreicher  Unterfeldherr  hervor,  in  welchen  der  Oberste  Kriegsherr 
sowie  die  Armee  und  das  gesammte  Vaterland  für  die  Zukunft  gleich  hohes  Ver- 
trauen setzten. 

Am  11.  October  1849  designiert  zum  Gouverneur  der  Bundesfestung  Mainz, 
wo  er  jedoch  nur  kurze  Zeit  zubrachte,  ward  er  kurz  darauf,  am  lfi.  October  zum 
Commaridanten  des  III.  Armee-Corps  in  Böhmen,  am  11.  März  1850  zum  Militär- 
Conimandanten  in  Prag  ernannt  und  auf  letzterem  Posten  am  11.  September  1850 
zum  General  der  Cavallerie  befördert. 

-* 

Digitized  by  Google 


Urofikreuz  des  M.  T.-O.  FM.  Erzherzog  Albrecht. 


239 


Am  12.  September  1851  erfolgte  seine  Berufung  zum  C  om  m  and  ante  n  der 
III.  Armee  und  gleichzeitig  zum  Militär-  und  Civil-Gouverneur  des  König- 
reiches Ungarn. 

Am  13.  Juli  1852  wurde  er  mit  dem  Großkreuz  des  St.  Stephan- 
Ordens  ausgezeichnet. 

Im  Jahre  1854  marschierte  er  mit  der  III.  Armee  nach  Siebenbürgen  und 
der  Bukowina  aus,  führte  dann  aber  wieder  das  Commando  in  Ungarn,  im  ganzen 
fast  durch  neun  Jahre. 

Während  des  Krieges  gegen  Frankreich  und  Piemont  im  Jahre  1850 
war  Erzherzog  Albrecht  bestimmt,  im  Falle  sich  der  Deutsche  Bund  andern 
Kriege  gegen  Frankreich  betheiligen  würde,  das  österreichische  Contingeut 
eventuell  die  Bundesarmee  am  Rhein  zu  commandieren,  aus  welchem  Anlasse  er 
vorläufig  sein  Hauptquartier  nach  Wien  verlegte. 

Während  sodann  der  Oberste  Kriegsherr  auf  dem  Kriegsschauplatze  in 
Italien  im  Felde  stand,  war  Erzherzog  Alb  recht  berufen,  die  fortgesetzten 
Rüstungen  und  Neuaufstellungen  während  des  Krieges  zu  leiten. 

Erzherzog  AI  brecht  kehrte  indessen  auch  nach  beendetem  Kriege  nur  mehr 
auf  kurze  Zeit  auf  seinen  Posten  nach  Ungarn  zurück,  indem  er  von  demselben 
am  19.  April  1860  über  seine  Bitte  enthoben  wurde. 

Im  Laufe  des  Sommers  von  1860  wurde  der  Erz  herzog  mit  der  Inspicierung 
der  Truppen  in  verschiedenen  Gebieten  der  Monarchie  beauftragt. 

Am  20.  October  1860  erfolgte,  wieder  über  eigene  Bitte,  seine  Ernennuug 
zum  Commandanten  des  VIII.  Corps  in  Italien,  wo  um  jene  Zeit  einer  Erneuerung 
des  Krieges  entgegen  gesehen  wurde.  Er  führte  dies  Commando  durch  zwei  Jahre. 

Am  4.  April  1863  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  Erzherzog 
Albrecht  zum  Feldmarschall  zu  befördern,  zum  Vorsitze  in  Commissionen  für 
Heeresorganisation  und  sonstige  wichtige  militärische  Angelegenheiten  zu  berufen 
und  fallweise  mit  Inspicierung  der  Truppen  in  verschiedenen  Generalaten  zu 
beauftragen. 

Im  Jahre  1866  beim  Herannahen  des  Krieges  gegen  Preußen  und 
1  talien  übertrug  Seine  Majestät  der  Kaiser  dem  Erzherzog  Albrecht  das  Com- 
mando über  die  k.  k.  Süd- Armee,  welches  derselbe  am  9.  Mai  übernahm. 

„Fast  Alle.  Führer  und  Truppen*  —  lautete  in  dem  betreffenden  Armee- 
Befehl  des  Erzherzogs  Begrüßung  —  „sind  Mir  bekannt;  mit  den  meisten  ver- 
binden Mich  überdies  die  ruhmreichen  Erinnerungen  an  unsere  Kämpfe  von  1848 
und  1849  auf  diesem  blutgetränkten  Boden.  ..." 

Mit  begeisterter  Zuversicht  begrüßte,  trotz  mehr  als  dreifacher  Obermacht 
des  Feindes,  die  kleine  aber  von  dem  Geiste  des  Siegers  von  Morlara  und 
Novara  erfüllte  Süd- Armee  ihren  erlauchten  Armee- Commandanten. 

Bevor  nun  nachfolgend  das  persönliche  Wirken  des  Erzherzogs  Albrecht 
während  dieses  Krieges  in  knappen  Strichen  zur  Darstellung  gelangt,  heißt  es 
mehrere  Momente  von  wesentlicher  Bedeutung  für  den  Verlauf  des  Feldzuges  in 
Italien  kurz  hervorzuheben. 


Digitized  by  Google 


240  CLXIV.  bis  CLXVin.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  18(56.  —  IUlien. 

Die  Operations- Armee,  mit  welcher  Erzherzog  Albrecht  im  Felde  auftreten 
konnte,  hatte  nur  einen  streitbaren  Stand  von  rund  70.000  Mann,  3500  Reitern 
und  168  Geschützen. 

Dagegen  zählten  die  zu  Operationen  aufgebotenen  italienischen  Streitkräfte 
rund  240.000  Mann,  10.000  Reiter  und  450  Geschütze,  welche  zum  Einbrüche  ins 
österreichische  Gebiet  bereit  standen. 

Diese  mehr  als  dreifach  überlegenen  feindlichen  Streitkräfte  waren  jedoch 
in  drei  Gruppen  zersplittert.  Außer  den  gegen  Tirol  aufgebotenen  Freischaren  in 
der  Stärke  von  35.000  bis  40.000  Mann  standen  nämlich  und  zwar  unter  dem 
König  Victor  Emanuel  circa  120.000  Mann,  7200  Reiter,  282  Geschütze,  in  der 
Lombardie,  um  von  Westen  über  den  Mincio,  —  ferner  unter  General  Cialdini  circa 
80.000  Mann,  3600  Reiter,  1C8  Geschütze  zwischen  Bologna  und  Ferrara.  um  von 
Süden  über  den  unteren  Po  in  das  österreichische  Gebiet  einzufallen. 

Erzherzog  Alb  recht  erkannte  den  Vortheil,  den  ihm  die  nach  dieser  Kräfte- 
Vertheilung  muthmaßliche  Operations  weise  des  Gegners  bot,  und  hatte  auch 
den  seltenen  Muth,  diesen  Vortheil  zu  benützen.  In  einem  am  3.  Juni  Seiner 
Majestät  dem  Kaiser  unterbreiteten  ausführlichen  Berichte  legte  Erzherzog 
Albrecht  mit  Ruhe  und  Klarheit  seinen  Operationsplan  mit  folgenden  präg- 
nanten Worten  dar: 

„Unter  diesen  Umständen  nun  kann  ich,  um  beide  Gegner  gleichmäßig  im 
Auge  und  in  Schach  zu  halten,  mir  nur  eine  Centraistellung  an  der  Etsch  zwischen 
Montagnana  und  Lonigo  als  zweckdienlich  denken,  weil  ich  von  dieser  aus 
theils  von  Verona,  theils  von  der  unteren  Etsch  bei  Badia,  nur  eines  for- 
cierten Marsches  bedarf,  um  den  zunächst  mir  eine  Blöße  bietenden  Gegner  mit 
mehr  oder  minderer  Chance  des  Erfolges  zu  fassen." 

Hiebei  lenkte  allerdings  eine  Reihe  von  wichtigen  Umständen  den  Blick  des 
Erzherzogs  hauptsächlich  gegen  den  Minc  io:  die  größere  Stärke  des  Gegners  im 
Westen:  die  Anwesenheit  des  Königs  bei  der  westlichen  Gruppe;  die  leichtere 
I'assierbarkeit  des  Mincio-Terrains  im  Vergleiche  mit  dem  Gebiet  zwischen  dem 
Unterlaufe  des  Po  und  der  Etsch;  die  dadurch  verhältnismäßig  verminderte 
Gefahr  eines  feindlichen  Einfalles  von  Süden  für  die  eigenen  Verbindungen, 
endlich  die  größere  Chance  im  Falle  eines  Sieges  über  den  König. 

Erzherzog  Albrecht  fasste  auch  schon  in  der  eisten  Hälfte  Juni  endgiltigen 
Beschluss.  falls  sich  ihm  die  Gelegenheit  bieten  sollte,  vor  allem  den  König  zu 
schlagen,  und  dazu  beinahe  alle  seine  Macht  zu  verwenden,  gegen  den  südlichen 
Gegner  aber  nur  soviel  an  Truppen  zurückzulassen,  als  zur  Beobachtung  desselben 
und  zur  Niederhaltung  der  insurrectionssüchtigen  Bevölkerung  unumgänglich 
nothwendig  war. 

Zunächst  bot  Erzherzog  Albrecht  alles  auf,  um  die  Bewegungen  des 
Königs  scharf  im  Auge,  den  eigenen  Plan  aber  so  geheim  als  möglich  zu  halten. 
Sowohl  um  die  Übergangspunkte  der  Min cio- Strecke  zwischen  Goito  und  der 
Festung  von  Pcschiera  direct  zu  beobachten,  als  um  jede  Auskundschaftung  der 
eigenen  Maßnahmen  möglichst  hintanzuhalten,  ordnete  der  Erzherzog  am  4.  Juni 


Digitized  by  Google 


»in.ßknu/  de-  M.  T.-U.  KM.  Irf.Uwv  Albrc  lit. 


211 


die  sehfuTsle  Bewachung  der  ganzen  Grenze  von  Peschiera  entlang  dos  Mincio 
und  des  Po  bis  zu  dessen  Mündung  an. 

Das  ins  Auge  gefasste  Ziel  unersebütterlicb  festhaltend,  anderseits  mit  allen 
strategischen  Factoren  unausgesetzt  reebuend,  fand  es  Erzherzog  Albrecbt  auf 
('•rund  der  im  Hauptquartier  eingelaufenen  Naehricbten  über  die  Annäherung  des 
Feindes  gegen  den  Mincio  und  Po  am  II.  Juni  an  der  Zeit,  die  Concentrierung 
der  Corps  am  linken  Ufer  der  mittleren  Et  sc  Ii  vorzubereiten.  Am  12.  Juni  erließ 
er  den  Befehl  zur  Durchführung  der  Concentrierung  bis  11.  abends. 

Im  letzten  Moment  noch  schuf  sich  Erzherzog  Alb  recht  zu  den  vorhandenen 
Corps  der  Süd-Armee  als  vierte  Einheit  eine  Reserv  e-Infanterie-Di  visi  on, 
indem  er  nicht  zögerte,  selbst  Truppen  der  Besatzungen  von  Verona  und 
Venedig  zwei  zum  Stabs-  oder  Festungsdienste  bestimmte  vierte  Bataillone, 
ferner  die  aus  Depüt- Compagnien  innerösterreichischer  Jäger-Bataillone  neu 
gebildeten  combinierten  Jäger-Bataillone,  endlich  ein  Grenz-Kegiment  mit  größt- 
möglicher Beschleunigung  heranzuziehen. 

Am  15.  Juni  standen  die  hauptsächlichsten  Theile  der  Süd-Armee  auf  dem 
linken  Ufer  der  mittleren  Etsch  concentriert. 

Damit  waren  die  Operationen  eröffnet. 

Die  weitere  Kriegführung  des  erlauchten  Feldherrn  sammt  der  glorreichen 
Wallenthal  von  Custozza  am  21.  Juni  findet  ihre  lichtvollste  Darstellung  durch 
den  an  Seine  Majestät  den  Kaiser  unmittelbar  nach  der  Schlacht  erstalteten 
Schlachtbericht  Seiner  k.  k.  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzogs 
Alb  recht  selbst. 

Dieser  vom  Schlachlfelde.  noch  unter  dem  unmittelbaren  Eindrucke  der 
Geschehnisse  am  Tilge  nach  der  Schlacht  —  <h  dato  Hauptquartier  Zerbare  am 
25.  Juni  18GG  —  verfasste  und  darum  doppelt  denkwürdige  Schlachtbericht 
lautet,  wie  folgt: 

»In  meinem  letzten  a.  u.  Berichte  vom  15.  d.  M.  Nr.  061/Op.  geh.  hahe  ich 
Eurer  Majestät  gemeldet,  daß  ich  die  Armee  auf  die  Linie  zwischen  Meglia- 
dino  San  Vitale,  Montaguana,  (Bologna,  Lonigo,  Albaredo,  Bonifacio 
in  der  Absicht  versammelt  halte,  um  dieselbe  von  da  aus  in  jene  Richtung  zu 
werfen,  wo  die  Hauptkraft  des  Gegners  in  das  kaiserliche  Gebiet  einfallen  werde. 

Die  Brigade  GM.  Baron  Scudier  hatte  hiebei  den  Pu  mit  dem  DJ. 
Hußaren-Begiment  und  dem  10.  Feld-Jäger-Bataillon  von  Adria  bis  Ficcarolo 
zu  beobachten;  der  Po-Districkt  am  rechten  Ufer  wurde  zwischen  Quatrelle, 
Sermide  und  Revere  von  zwei  Compagnien  E.  II.  Albrecht  der  Besatzungs- 
Iruppeu  aus  Legnago  beobachtet;  die  Mincio-Linic  von  Goito  bis  Salionze 
durch  die  für  diesen  Zweck  zusammengesetzte  Cavallerie-Brigade  Oberst  Pulz. 
bestehend  aus  dem  lu"  Hußaren-Rgmte  Kaiser  Franz  Joseph,  dem  L5'1" 
Uhlanen-Rgmte  Graf  Trani,  dem  zeitlich  von  der  Brigade  GM.  Möring  zuge- 
teilten 21u"  Feldjäger-Bann. 

Am  2Ul,n  d.  Mls.  gegen  Mittags  übernahm  ich  das  auf  den  Vorposten  bei 
Le  Grazie  zunächst  Mantua  übergebene  Schreiben  La  Marmora's,  welches 

Mil.tünscl.c-i  M.m>  Tlivrciin-Uidni,  W> 


pigitized  by  Google 


12 


■ 

CLX1V.  Li»  CLXV1II.  hom-tion.  -  Im  Krage  von  t  Stift.  -  Italien. 


die  Kriegserklärung  enthielt;  da  dasselbe  eine  dreitägige  Frist  für  den  Beginn 
der  Feindseligkeiten  festsetzte,  so  war  anzunehmen,  daß  dieselbe  am  23,c"  Juni 
Morgens  7  Uhr.  d.  i.  von  der  üibergabsstunde  bei  Le  Grazie  gerechnet  beginnen 
würden. 

Wie  ich  jedoch  darthun  werde,  brachen  schon  am  21'"D  sardinische  Frei- 
willige in  s  Daone-Thal  (ludiearien)  ein  und  vertrieben  dort  ein  k.  k.  Ticket. 

Den  eingegangenen  Kundschaftsberichten  gemäß,  schien  kein  Zweifel,  daß 
das  piemontesische  Hauptheer,  welches  zwischen  dem  linken  Po -Ufer  und  den 
in  die  lombardische  Ebene  auslaufenden  Gebirgsfüßen  mit  3  Armee-Corps  stand, 
den  Mincio  au  mehreren  Punkten  überschreiten  werde. 

In  der  Voraussetzung,  daß  dieß  im  Laufe  des  23l"D  Juni  stattfinden  werde, 
setzte  ich  die  mir  unterstehende  Operations-Armee  in  nachstehender  Weise 
in  Marsch  : 

Am  22Un Juni  konzentrirte  sich  das  5'"  Corps  zwischen  Montorio  und 
San  Michele,  das  0'°  Corps  bei  San  Martino,  das  7,e  Corps  mit  Ausnahme 
der  Brigade  GM.  Br.  Scudier  bei  San  Bonifacio;  die  Brigade  GM.  Br. 
Benko  der  Reserve-Division  rückte  schon  am  21,r"  Juni  von  Albaredo  über 
die  erst  kürzlich  durch  Pioniere  hergestellte  Militärsirasse  von  Ponte  Zerpa 
über  Mambrotta  nach  Campalto;  am  22Un  rückte  dieselbe  nach  Parona 
und  am  23,e"  nach  Pastrengo.  während  der  Reserve-Divisions  Stab  mit  der 
Brigade  Oberst  Prinz  Sachsen -Weimar  schon  am  22u'n  dahin  abrückte. 

Ich  hatte  die  Absicht,  für  den  Fall  als  der  Gegner  den  Mincio  über- 
schreitend und  die  Armee  hinter  der  Etsch  in  der  vorbeschriebenen  Stellung 
wähnend,  sicli  diesem  Fluße  nähern  würde,  ihn  rasch  mit  allen  disponiblen 
Sireitkräften  in  Flanke  und  wo  möglich  im  Rücken  anzufallen;  die  Aufstellung 
der  Reserve-Division  GM.  Br.  Rodich  zu  Pastrengo  hätte  dieses  Manöver 
begünstigen  sollen. 

Am  23'1"  Juni  rückte  die  Armee  in  den  Raum  innerhalb  der  Befestigungen 
Verona  s  auf  das  rechte  Etsch-Ufer.  u.  /..:  das  5,e  Corps  nach  Chi evo,  das 
7,e  nach  San  Massimo,  beide  durch  die  Stadt  Verona;  das  'J,e  Corps 
über  Campalto  und  die  bei  Ca  Buri  zunächst  dem  Lazaretto  über  die 
Etsch  geschlagene  Kriegshrücke  nach  Santa  Lucia. 

Die  iim  22,ü"  Juni  heiRovigo  konzentrirte  Brigade  Scudier  mit  dem 
1 '.)'«•'  lull.  Rgte.  Kronprinz  E  II.  Rudolph,  den.  4-S1«"  Inftr.  Rgte.  E  II.  Ernst,  der 
Brigade-Batterie  und  Brigade-Train  wurde  im  Laufe  der  Nacht  vom  22'  "  zum 
■>'AU«  mittelst  Eisenbahn  nach  Verona  überführt; 

Oberst  Graf  Szäpary  mit  dem  1 3Un  IIußaren-Rgmte  und  dem  10u"Jägcr- 
Baon  halle  die  Po-Beobachtung  fortzusetzen  und  war  beauftragt,  beim  Uiber- 
schreilcn  desselben  Seitens  des  Gegners  sich  theils  über  Rovigo  theils  über 
Badia  an  die  Etsch  und  Wetters  über  diese  zurück  zu  ziehen. 

Die  bei  Conegliano  stehende  Streifbrigade  Oberst  Zastavnikovic 
traf,  1  Baun.  Wimpfien  Inftr.  Nr.  22  in  Bellum)  und  Feltre.  2  Kompagnien  in 
Treviso  zurücklassend  und  mit  2  Kompagnien  Vicenza  besetzt  haltend,  theils 


Digitized  by  Google 


Oroßkreu*  Je*  M.  T.-O.  FM.  Er/her/.«.»  Albreclil. 


21  :i 


mit  Eisenbahn  theils  mit  Fussmärsehen  am  22''°  und  23,cn  in  Padua  ein;  sie 
hatte  den  Auftrag,  für  den  Fall,  als  sie  durch  Uibermacht  gedrängt  würde, 
fechtend  nach  Vicenza  und  sofort  nach  Verona  zurück  zu  gehen. 

Die  am  Mincio  stehende  Cavallerie-Brigade  Oberst  Pulz  hatte  den  Auftrag, 
sich,  jedes  nachhaltige  Gefecht  vermeidend  und  mit  dem  Gegner  in  steter  Fühlung 
verbleibend,  langsam  über  Villafranca  nach  Verona  zurück  zu  ziehen. 

.  .  .  Der  Gegner  begann  im  Laufe  des  *2Ven  Juni  bei  Molin  di  Volta 
zunächst  Po zzolo  eine  Brücke  zu  schlagen:  unsererseits  wurde  er  hieran  in 
keiner  Weise  behindert. 

Am  22hn  um  11  Uhr  Abends  überschritt  er  den  Miucio  bei  Goito, 
Pozzolo,  Vallegio,  Monzambano,  wiewohl  zögernd:  am  Vormittage  des 
23,,tn  räumten  die  Abtheilungen  der  Cavallerie-Brigade  Pulz  Villafranca, 
nachdem  alle  anderen  südlich  davon  gestandenen  Abtheilungen  aufgenommen 
waren;  der  Gegner  besetzte  Villafranca  erst  nach  2  Uhr  Nachmittags  mit 
Bersaglieri  und  entsendete  starke  Cavallerie-Colonnen  mit  Geschütz  in  der 
Bichlung  gegen  Dossob  uono,  wo  gegen  4  Uhr  Nachmittags  mit  der  Cavallerie- 
Brigadebatterie  einige  Kanonenschüsse  gewechselt  wurden.  Die  Brigade  Pulz 
lagerte  in  der  Nacht  vom  23,K"  zum  24,,n  Juni  zunächst  dem  Fort  Gisela. 

Der  von  mir  am  Vormittage  des  23*«*"  zur  Recognos»  innig  entsendete 
Generalstabs -Oberst  Baron  Bueber  meldete  um  2  Uhr  Nachmittags  aus 
Sommacampagna,  daß  dieser  Ort,  so  wie  das  Hügelland  gegen  Süden  vom 
Feinde  noch  nicht  besetzt  sei:  lange  gedehnte  Staubwolken  im  Süden  von  Villa- 
f  ran  ca  deuteten  jedoch  darauf  hin,  daß  der  Gegner  in  mehreren  Colonnen  gegen 
Osten  die  Ebene  durchschreite.  Ich  beschloß  demnach  noch  im  Laufe  des 
23'"n,  das  Hügelland  zwischen  Sommacampagna  und  Sandra  zu  gewinnen. 

Domgemäß  rückte  die  Brigade  Oberst  Prinz  Sachsen  Weimar  der 
Beserve-lnfanterio-Division,  über  welche  GM.  v.  Bupprechl  den  Befehl  führte, 
da  ob  bedenklicher  Erkrankung  des  General  der  Cavallerie  Fürst  Friedrich 
Liechtenstein  der  General  -  Major  Baron  Bodich  das  Kommando  des 
5le"  Armee  Corps  übernahm,  —  nach  Satidrä  und  sollte  gegen  Castelnuovo 
detachiren. 

Das  5U'  Corps  rückte  nach  Sona  und  poussirle  die  Avantgarde  südlich 
in  der  Bichtung  gegen  Zerbare.  Ebenso  rückte  das  9'"  Corps  am  23,L"  nach 
Santa  Lucia  und  das  7'"  Corps  nach  San  Massimo  und  mußten,  namentlich 
das  letztere  Corps,  welches  bei  drückender  Hitze  und  Staub  den  langen  und 
ermüdenden  Marsch  von  San  Bonifacio  nach  San  Massimo  zurückgelegt 
hatte,  über  Nacht  in  dieser  Aufstellung  verbleiben. 

Mein  Hauptquartier  wurde  am  23,v"  Abends  nach  San  Massimo  verlegt. 

Um  3  Uhr  Morgens  des  dV"a  Juni  rückte  das  9l"  Armee-Corps  in  gerader 
Bichlung  auf  Sommacampagna; 

das  7le  Armee-Corps  hatte  die  Bestimmung  als  Beserve  zu  dienen,  und 
erhielt  die  Bichtung  auf  Sona.  während  das  ü'"  Armee-Corps  angewiesen  war, 
zeitlich  Morgens  bei  Festhallung  Sona's  bis  zum  Anlangen  des  7'""  Corps  San 


Digitized  by  Google 


2M 


CLX1V  U-  i:i.XVIII.  IYnm..ti..n   -  Im  Kr\egv  v.m  Italien. 


Giorgio  in  Saliee,  —  die  Infanterie-Rest  rve-Division  aber  Castelnuovo 
vollständig  zu  besetzen. 

Ferners  wurden  den  bei  den  Armee-Corps  eingctheilteu  Cavallerie-Regi- 
mentern  8  Eseadrons  entnonunen,  selbe  dem  Obernien  Bujanovics  als? 
Brigadier  zugewiesen  und  mit  der  Unterstellung  unter  das  Goinmando  des 
Obersten  Pulz  mit  dessen  Brigade  vereint;  sie  halten  die  Bestimmung,  am 
24.  Juni  am  linken  Flügel  des  9ten  Corps  in  der  Richtung  von  Custozza 
vorzurücken  und  derart  die  linke  Flanke  der  Armee  zu  decken. 

Für  den  eventuellen  Rückzug  dienten  3  Brücken  und  zwar  eine  halb- 
permanente  bei  Pol  di  Pastrengo,  ferners  zwei  für  diesen  Fall  geschlagene 
Pionnier- Kriegsbrücken,  nämlich  eine  bei  Ponton  und  eine  bei  Pescantina. 

Der  Feind,  welcher  im  Laufe  der  Nacht  vom  23,,n  zum  24,eu  Villafranca, 
Custozza,  Monte  Mamaor  und  Monte  Vento  besetzt  und  auf  seinem  linken 
Flügel  bis  Castelnuovo  poussirt  hatte,  mochte  das  Vorbrechen  der  kaiserliehen 
Armee  aus  Verona  in  Erfahrung  gebracht  haben,  denn  schon  mit  grauendem 
Morgen  des  2tUn  waren  dessen  Vortruppen  in  beträchtlicher  Starke  auf  der 
Linie  San  Rocco  di  Palazzuolo,  Fenile,  Corte,  Oliosi  vorgeschoben, 
namentlich  Letzteres  sehr  stark  besetzt. 

Aus  dem  sueeessiven  Erscheinen  großer  Heeressäulen  auf  dem  Monte 
Vento,  Monte  Mamaor,  Monte  Godio,  wie  nicht  minder  aus  dem  Auftreten 
größerer  Cavallerie-  und  Infanterie-Massen  bei  Villafranca  und  südlich  von 
Sommacampagua  ist  zu  schließen,  daß  der  Feind  alle  gegen  Osten  dirigirlen 
Colonnen  in  der  Erkenntniß  zurückgerufen  habe,  daß  er  die  ganze  kaiserliehe 
Operations- Armee  vor  sich  habe. 

Gegen  7  Uhr  Morgens  entspann  sich  ein  heiliger  Artilleriekampf  in  der 
vorbezeichneten  Linie. 

Die  Reserve-Division  am  rechten  Flügel  bei  Alzarca,  das  5le  Corps  öst- 
lich von  San  Giorgio  in  Saliee,  das  0to  Corps  bei  Sommacampagua  mit 
Besetzung  von  Zerbare,  bewirkten  mittlerweile  den  Aufmarsch; 

unser  Karionenfeuer,  kaltblütig  und  mit  bewunderungswürdiger  Präzision 
abgegeben,  wirkte  nachhaltig,  wiewohl  die  Gegner  eine  überlegene  Anzahl  von 
Geschützen  successive  ins  Gefecht  brachten;  sie  schössen  jedoch  übereilt  und 
meistens  zu  hoch.  Successive  entbrannte  der  Kampf  auf  der  ganzen  Linie. 

Ich  befahl  dem  \)u"  Corps,  Sommacampagua  und  die  Höhen  von 
Casa  del  Sole  unter  allen  Umständen  festzuhalten  und  nach  Thunlichkcit 
kräftigst  über  Staffalo  gegen  Custozza  vorzudringen,  die  Lücke  zwischen 
dem  9'  und  -V  Corps  wurde  durch  die  Brigade  GM.  Baron  Scudier  des  7''" 
ausgefüllt. 

Dem  ■j1"'  Corps  und  der  Reserve-Division  war,  eisterem  die  Vorrückung 
über  San  Rocco  di  Palaz/.olo.  der  Letzteren  gegen  Oliosi  vorgezeichnet. 

Diese  Aufgabe  wurde  derart  gelöst,  daß  die  Brigade  GM.  Baron  Piret 
des  .V  "  Corps  im  Verein  mit  der  Reserve-Infanterie-Division,  den  mittler- 
weile durch  unser  Geschützleuer  theilweise  in  Brand  gerathenen  Ort  Oliosi, 


Digitized  by  Google 


Gmßkreuz  <lo-  M.  T.-Ü.  PM  Erzherzog  Albre  M. 


245 


trotz  hartnäckiger  Gegen  wehr  und  Irot/.  dem,  daß  mehrere  feindliche,  am  Nord- 
abhang dos  Monte  Vento  aufgefahrenen  Batterien  unsere  Sturmcolonnen  mit 
einem  verheerenden  Geschützfeuer  empfingen.  —  mit  glänzender  Bravour 
eroberte. 

Die  zwei  anderen  Brigaden  des  5'°"  Armee-Corps  GM.  Möring  und  Oheist 
Bauer  nahmen  mittlerweile  die  Gehöfte  von  Corte  und  San  Rocco  di  Pallaz- 
zolo: 

Die  Brigade  GM.  Baron  Seudier  vom  7teD  Corps  rückte  im  fortwährenden 
hartnäckigen  Kampf  von  Zerbare  gegen  Monte  G od io;  —  sucecssive  rückte 
von  diesem  Corps  noch  die  Brigade  Oberst  Töply  und  später  auch  bei  den 
unter  drückender  Hitze  stattfindenden  blutigen  Kämpfen  um  den  Besitz  des 
Monte  Godio  die  Brigade  Oberst  Graf  W elsersheimb  dieses  Corps  in  die 
Schlachtlinie. 

Zwischen  1  und  3  Uhr  Nachmittag  nahm  das  5'"  Corps  mit  einer  Brigade 
den  Monte  Vento  —  mit  den  beiden  anderen  aber  Santa  Lucia  und  den 
Monte  Mamaor  unter  fortwährenden  hartnäckigen  Kämpfen. 

Die  Reserve-Division  gelangte  inzwischen  bis  Salionze  und  pous- 
sirte  gegen  Valeggio. 

Trotz  den  Anstrengungen  von  Seiten  des  9,-  n  und  5,eu  Armee-Corps  war  es 
bis  3  Uhr  Nachmittag  nicht  gelungen,  Custozza  zu  nehmen. 

Ich  sah  mich  daher  veranlaßt  anzuordnen,  daß  den  von  sengender  Hitze 
und  Anstrengung  zum  Theil  erschöpften  Truppen  eine  kurze  Rast  gegönnt  und 
sodann  vom  7,'n  Armee-Corps  und  mit  Beiziehung  einer  Brigade  des  V'"  Corps 
ein  letzter  Versuch  gemacht  werde,  das  hartnäckig  und  mit  viel  Bravour  vom 
Feinde  vertheidigte  Custozza  zu  nehmen. 

Bald  jedoch,  und  noch  bevor  mein  Befehl  dahin  gelangte,  setzte  sich  das 
7.  Corps  um  1  Uhr  Nachmittags  in  den  Besitz  der  Höhe  des  Monte  Arabica 
und  Belvedere,  wobei  es  durch  das  wohlgenährte  Feuer  der,  bei  Ca  del  Sole 
aufgestellten  Geschütze  des  0.  Corps  wirksam  unterstützt  wurde.  Noch  blieb  die 
schwierige  Aufgabe  der  Wegnahme  von  Custozza  und  des  Monte  Tone,  so 
wie  die  Abwehr  der  feindlichen  unausgesetzten  und  heftigsten  Angriffe  gegen 
das  9U>  Corps  bei  Sonnnacampagna  und  auf  der  Höhe  bei  Ca  del  Sole;  — 
der  Feind  unter  der  Führung  der  königlichen  Prinzen  Humbert  und  Ama- 
deus, versuchte  mit  seinen  Kerntruppen  bei  Staffalo  vorzudringen  und  Cu- 
stozza zu  behaupten;  allein  das  *)tr  Corps  schlug  jeden  Angriff  energisch  ab 
und  das  7'",  unterstützt  durch  die  von  mir  dahin  beorderte  Brigade  des  "  Corps, 
nahmen  gegen  7  Uhr  Abends  Besitz  von  Custozza. 

Die  Resei ve-Cavallerie  unter  Oberst  Pulz  im  Vereine  mit  den  8  Esca- 
dronen  der  Brigade  Oberst  Bujanovics  hatte  von  i  Uhr  Morgens  des  bis 
in  die  sinkende  Nacht  in  einer  R<ihe  von  Gefechten  mit  abwechselndem  Glücke 
gegen  den  Gegner  gekämpft. 

Diese  tapfere  Cavallerie-Truppe,  welche  in  Bravour  und  Hingebung  unter 
ihrem  vortrefflichen  Führer  beinahe  Unglaubliche-;  g« .gm  Reiterei  und  Infanterie 


Digitized  by  Google 


C.LXIV.  Im  CLXV1II.  Proinoticu.  —  Im  Kriege  von  186C.  -  Haiku. 


geleistet,  hatte  namhafte  Verluste,  die  sie  zumeist  durch  ihre  ungestüme  Tapfer- 
keit erlitt. 

Nach  eingebrochener  Dunkelheit  wurden  die  2  Cavalleric-Brigaden  hinter 
Dossobuono  zurückgezogen. 

Noch  bis  Uhr  Abends  wiederhallte  das  Geschützfeuer  beim  °-,en  Corps 
und  bei  der  Brigade  Pulz:  der  Feind  halte  jeden  Widerstand  aufgegeben  und 
lange  Staubwolken  gegen  Goito  und  Valeggio  bezeichneten  seinen  Rückzug 
über  den  Mincio. 

Man  kann  dem  Gegner  das  Zeugniß  nicht  versagen,  daß  er  sich  hartnäckig 
und  mit  Bravour  schlug;  namentlich  waren  dessen  erste  Angriffe  ungestüm  und 
die  Offiziere  gingen  mit  gutem  Beispiel  voran. 

Der  Gegner  brachte  unter  den  Augen  des  Königs  und  unter  der  Leitung 
der  königlichen  Prinzen  Humbert  und  Amadeus,  welch'  letzterer  verwundet 
sein  soll,  die  ganzen  Armee-Corps  der  Generale  Durando  und  Deila  Bocca. 
dann,  wie  durch  die  Aussagen  der  Gefangenen  erhellt,  auch  große  Theile  des 
Corps  Cucchiari  und  mehrere  Cavallerie-Begimenter,  —  im  Ganzen  bei  11  In- 
fanterie-Divisionen mit  circa  100.000  Mann  und  den  größten  Theil  seiner  Armee- 
Geschütz-Reserve  in  den  Kampf:  doch  der  altbewährten  und  ausdauernden 
Tapferkeil  und  Hingebung  der  kaiserlichen  Truppen  vermochte  er  nicht  zu 
widerstehen. 

Er  erlag  abermals  und  zwar  gerade  an  dem  Orte,  wo  das  österreichisch«' 
Heer  schon  vor  18  Jahren  unter  der  ruhmreichen  Führung  des  Feldmarschalls 
Gnifen  Badetzky  einen  herrlichen  Sieg  erkämpfte:  die  jüngeren  Krieger  waren 
ihren  älteren  Brüdern  von  Custozza  vollkommen  ebenbürtig. 

Indem  ich  Eurer  Majestät  in  diesem  Berichte  nur  die  Hauptumris.se 
dieser  Schlacht  a.  u.  zur  Kenntniß  bringe,  glaube  ich  die  Detailberichte  der 
Commandanten  abwarten  zu  müssen,  um  hierüber  erschöpfend  melden  zir 
können;  vorläufig  kann  ich  nur  sagen,  daß  vom  Corps-Oommandanten  bis  zum 
Soldaten  herab  Jedermann  in  Hingebung  und  Treue  für  Monarchen  und  Vater- 
land Alles  geleistet  hat,  w;is  in  seinen  Kräften  stand. 

Unsere  Verluste  an  Tod  teil  und  Verwundeten  sind,  wie  es  bei  so  ungestü- 
mer Tapferkeit  nicht  anders  sein  konnte,  immerhin  nicht  unbeträchtlich;  — 
nachdem  die  Detail-Bapporte  hierüber  jedoch  norh  nicht  vorliegen,  bin  ich  nicht 
im  Stande.  Positives  zu  belichten. 

Gelungene  wurden  nach  beiläufiger  Schätzung  bei  3000  gemacht,  worunter 
eine  beträchtliche  Zahl  von  Offizieren;  auch  mehrere  Kanonen  wurden  «lein 
Feinde  abgenommen:  die  Zahl  derselben  ist  noch  nicht  koustalirt. 

Ich  halte  den  schönen  Sieg  von  Custozza  für  um  so  nachhalliger,  als 
Symptome  der  Demoralisation  und  der  Aullösung  seitens  des  sardinischen  Meeres 
sich  schon  gegen  Abend  nach  dem  Verluste  Custozza's  durch  zahlreiche 
Gefangene  beurkundeten,  welche  schon  seit  18  Stunden  ohne  Nahrung  waren. 

Beim  Bückzuge  über  den  .Minicio  verbrannte  der  Feind  die  Brücke 
von  Valeggio.  daselbst  über  500  eigene  Verwundete  zurücklassend:  dess- 


Digitized  by  Google 


ttroßkreuz  ile*  M.  T.-O.  FM.  Erelierzo?  Albrecht. 


247 


gleichen  räumte  er  nachts  Villnfranca  und  ließ  auch  daselbst  sehr  viele 
Verwundete. 

Die  mir  unterstehende  Armee  hält  heute  Morgens  zur  Zeit  der  Berichter- 
stattung nachstehende  Punkte  besetzt,  u.  z. 

Reserve-Division  in  Salionze  und  Monte  Vento,  das  5,e  Corps  Monte 
Mamaor,  Monte  Vento  und  hält  mit  der  Brigade  P i rot  Valeggio  besetzt; 
das  7'"  Corps  Custozza  und  Monte  Torre,  Hauptquartier  Monte  Godio; 
das  9'"  Corps  Sommacampagna;  die  2  Cavallerie-Brigaden  nordwestlich 
Dossobuono. 

Wie  begreiflich,  ist  die  Armee  bei  der  drückenden  Hitze  des  gestrigen 
Tages  und  bei  der  anstrengenden  Arbeit  durch  Müdigkeit  so  erschöpft,  daß  ich 
die  weiteren  Früchte  des  Sieges  um  so  weniger  zu  ernten  im  Stande  bin,  als  die 
Pferde  der  Cavallerie-Brigade  seit  1 1  Uhr  Nachts  des  22,,n  zum  23le"  bis  10  Uhr 
Abend  des  24.  Juni  in  unausgesetzter  und  anstrengender  Thätigkeit  waren,  in 
der  wasserarmen  Ebene  des  Trankes  entbehren  und  heute  unabweislich  mehr- 
stündiger Ruhe  bedürfen. 

Von  sonstigen  Vorfallenheiten  am  Kriegsschauplatz  melde  ich  noch  aller- 
unterthänigst  daß  der  Gegner  gestern  Morgens  bei  Polesella  über  den  To 
setzte,  —  unsere  Posten  haben  sich,  denselben  im  Auge  behallend,  ohne 
Gefecht,  wie  vorne  angedeutet,  hinter  die  Etsch  zurückgezogen. 

Arn  Garda-See  hat  der  commandirende  Corvetten-Capitän  Man  fron i 
gestern  ohne  jedweden  eigenen  Verlust  mit  unseren  Kriegsdampfern  eine 
Batterie  vor  Madern o  beschossen. 

Endlich  meldet  mir  der  Truppen-Commandant  in  Tirol,  GM.  Hr.  Kuhn, 
telegraphisch,  daß  heute  Morgens  (vom  24.  auf  den  25.)  feindliche  Abtheilungen 
die  Grenze  am  Tonale  überschritten  und  unsere  Vorposten  alarmirlen. 

Mit  meiner  Genehmigung  wird  heute  eine  halbe  Brigade  die  lombardische 
Grenze  überschreiten  und  Sponda  lunga  aus  militärischen  Rücksichten 
besetzen." 

So  der  Schlachtbericht  des  Erzherzogs  A  Ihre  cht .  den  er  am  Tage  nach  dem 
Siege  von  Custozza  an  den  Obersten  Kriegsherrn  erstattete. 

Auf  die  noch  am  Sehlachttage  selbst  an  Seine  Majestät  den  Kaiser  tele- 
graphierte Meldung  des  Erzherzogs,  in  welcher  er  der  außerordentlichen  Tapfer- 
keit und  Ausdauer  der  Armee  rühmend  gedachte,  geruhte  der  Oberste  Kriegs- 
herr ebenfalls  sofort  telegraphisch  Seine  Allerhöchste  Anerkennung  für  den  er- 
rungenen Sieg  mit  den  Worten  kundzugeben: 

»Dir  und  Meinen  braven  Truppen  Meinen  wärmsten  Dank!" 

.Waffenbrüder!"  —  hieß  es  dann  im  Anschlüsse  an  diese  Allerhöchste  Kund- 
gebung in  dem  Armeebefehle  des  erlauchten  Siegers  —  „den  uns  vom  Feinde 
aufgedrungenen  Krieg  habt  Ihr  mit  dem  herrlichen  Siege  von  Custozza  eröffnet.— 
auf  denselben  Höhen,  wo  wir  vor  18  Jahren  gesiegt.  Ich  war  Zeuge  Kurer  über- 
wältigenden Tapferkeit,  trotz  der  Übermacht  und  den  ungestümen  Augriffen  des 


Digitized  by  Google 


24S 


CLXIV.  \,\-  tt.XYlll.  IVoHiolion.  -  Im  Kra-fie  von  IW.O.  -  ||Mli«rii. 


Gegners  .  .  .  Jt*ili*r  von  Eucli  hat  als  Held  gestritten,  keine  Wade  ist  der  anderen 
nachgestanden,  jede  hat  in  ihrer  Eigenschaft  das  Äußerste  geleistet  ..." 

So  theiltc  der  Sieger  von  Custozza  den  errungenen  Lorbeer  mit  seiner 
tapferen  Armee,  welche  ihm,  als  er  am  Tage  nach  der  Schlacht  gegen  Abend  die 
Truppen  in  ihren  Lagern  besuchte,  mit  dankbarer  Begeisterung  entgegenjubelte. 

Nachdem  in  der  Folge  über  Allerhöchste  Aufforderung  des  Obersten  Kriegs- 
herrn FM.  Erzherzog  Albrecht,  anlässlich  der  Erfolge,  welche  die  k.  k.  Süd-Armee 
in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  24.  Juni  18tiü  unter  seinen  Befehlen  errungen, 
und  auf  Grund  des  vorstehenden  Schlachtberichtes  als  Thatbeschreibung,  seine 
Bewerbung  an  das  Capitel  des  Maria  Theresien-Ordens  gerichtet  halte,  gendite 
Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über 
Votum  des  Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  vom  29.  August  Seine  kaiserl.  königl. 
Hoheit  den  Feldmarschall  Erzherzog  Albrecht  zum  Großkreuz  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Nachdem  Erzherzog  AI  brecht  durch  die  Schlacht  bei  Custozza  den 
ersten  Theil  seines  Kriegsplanes  ausgeführt,  den  König  geschlagen  hatte,  traf 
er  am  25.  alle  Dispositionen,  um  sich  auf  den  General  Cialdini  zu  werfen, 
welcher  nach  Meldungen  der  Bcobachtungs-Truppen  sich  anschickte,  den  Po  zu 
überschreiten. 

Zur  Ausführung  dieser  Absicht  des  Erzherzogs  kam  es  jedoch  nicht,  weil  die 
Niederlage  des  Köni  gs  auch  den  Bückzug  Cialdi  nis  zur  unmittelbaren  Folge  hatte. 

Als  durch  die  vorgesetidete  Cavallerie-Brigade  Pnlz  festgestellt  worden,  dass 
dieArmeedes  Königs  bis  hinter  den  Oglio  zurückgegangen  war,  ließder  Erzherzog 
am  1.  Juli  die  Süd-Armee  über  den  Mincio  vorrücken,  jedoch  nur,  um  die  even- 
tuellen Operationen  des  Gegners  zu  beirren  oder  doch  zu  verlangsamen  und 
gleichzeitig  diecig»  ne  Armee  der  mephitischen  Luft  des  Schlachtfeldes  durch  eine 
nicht  allzugroß«'  Vorwärtsbewegung  auf  einige  Zeil  zu  entrücken. 

,  Wir  müssen*  —  wies  der  Erz  herzog,  jedes  gewagte  Gefecht  verbietend. die 
Coinmandanten  an  —  .unsere  Kräfte  schonen  und  für  die  näc  hste  Schlacht  zusam- 
menhalten, welche  —  wenn  zu  unserem  Gunsten  —  wahrscheinlich  das  Schicksal 
dieses  Feldzuges  entscheiden  dürfte.  E>iese  Schlacht  wollen  wir.  wenn  thunlich, 
abermals  auf  unserem  Ehrenfeld  von  Custozza  liefern.* 

Schon  am  3.  Juli  zog  jedoch  Erzherzog  AI  brecht  infolge  ungünstiger  Nach- 
richten vom  Kriegsschauplätze  im  Norden  die  Armee  wieder  auf  «las  linke  Mincio- 
LTer  zurück.  Die  Niederlage  der  Nord-Armee  bei  Königgrätz  machte  vollends 
allen  weiteren  Plänen  des  erlauchten  Fehlherrn  auf  dem  italienischen  Kriegs- 
schauplätze ein  Ende.  Das  erschütternde  Ereignis,  wovon  Seine  Majestät  der 
Kaiser  den  Erzherzog  am  1.  Juli  vormittags  in  Kenntnis  setzte,  Heß  aber  dessen 
Geist  sofort  zu  der  vollen  Höhe  des  gesc  hichtlichen  Moments  sich  emporschwingen 
und  den  erlauchten  Feldhenu  durch  Bath  und  Thal  die  ganze  Größe  seines 
Charakters  entfalten. 

....  Die  Niederlage  der  Nord-Armee  ist  ein  großes  Unglück,  aber  des- 
wegen do«-h  noch  nichts  verloren.    1*09  folgte  auf  die  Niederlage  bei  Begelis- 


Digitized  by  Google 


«ir.ißkiTiiz  <le*  M.  To.  FM.  Er/lier/oc  AlbrcrM. 


hin  g  der  schönste  Sieg  bei  Aspern.  Audi  diesmal  steht  ein  Gleiches  in  Aussicht, 
wenn  man  weder  bei  der  Armee  noch  im  Volke  Kleinmuth  aufkommen  lüsst.* 

So  heldenhaft  fasste  Erzherzog  Albrccht  in  einem  Telegramm  an  Seine 
Majestät  den  Kaiser  das  Missgeschick  der  kaiserlichen  Waffen  auf;  solchen 
Sinnes  richtete  er  die  erschütterte  Zuversicht  der  Armee  und  der  Völker  der 
Monarchie  durch  sein  Alle  hinreißendes  Beispiel  auf. 

Über  sein  Andringen  wurde  alsbald  der  Abmarsch  des  größeren  Theiles  der 
Süd-Armee  vom  Mincio  an  die  Donau  beschlossen.  Bis  der  Befehl  hiezu  eintraf, 
suchte  er  nun  die  Armee  vor  jedem  größeren  Zusammenstoße  mit  dem  Feinde  zu 
bewahren,  anderseits  alles  zum  schleunigen  Abmarsch  nach  Norden  vorzubereiten. 
Er  verstärkte  die  Besatzungen  sämmtlicher  venetianischen  Festungen,  übertrug 
dem  GM.  Frh.  von  Kuhn  die  selbständige  Verteidigung  Tirols,  dirigierte  das 
V.  Corps  über  Tirol  an  die  Donau,  den  Rest  der  Armee  aber  vor  dem  nunmehr 
über  den  Po  vorrückenden  Feind  hinter  die  I'iave. 

Von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  am  10.  Juli  zum  Ober-Commandanten 
der  gesanimten  operierenden  Armee  ernannt,  erließ  Erzherzog  AI  brecht 
von  Conegliano  die  weiteren  Dispositionen  für  den  Eisenbahn-Transport  des 
IX.  Corps  und  den  Marsch  der  Cavallerie-Brigade  Pulz  an  die  Donau  und  über- 
gab das  Commando  im  Süden  an  den  FML.  Frh.  von  Maroicic. 

Mittels  eines  die  Geister  elektrisierenden  Armee-Befehls  setzte  der  Erz- 
herzog die  rückbleibenden  Besatzungen  in  den  venetianischen  Festungen,  im 
Küstenlande  und  in  Tirol  zu  Erben  des  Sieges  von  Custozza  ein.  denselben  voll 
ruhigen  Vertrauens  ein  herzliches  Lebewohl  auf  Wiedersehen  zurufend,  während 
er  jenen,  die  mit  ihm  gegen  Norden  zogen,  mit  fester  Zuversicht  die  noch  wichtigere 
Bestimmung  wies,  der  Welt  zu  zeigen,  dass  Österreichs  Krall  noch  ungebrochen 
sei,  dass  sie  erst  dem  eigentlichen  Enlscheidungskampfe  entgegengehe. 

Am  13.  Juli  Iraf  Erzherzog  Albrecht  in  Begleitung  seines  General  Stabschefs. 
FML.  Frh.  von  John  in  Wien  ein  und  übernahm  mit  derselben  Zuversicht,  mit  der 
er  zwei  Monate  zuvor  das  schwierige  Commando  im  Süden  angetreten  hatte,  jenes 
des  Gesamnitheeres  ebenfalls  mit  einem  Annee-Befeh  le.  dessen  von  dem  helden- 
haften Geiste  des  erlauchten  Heerführers  durchwehte  Sprache  auch  die  Armee  im 
Norden  trotz  des  erlittenen  Missgeschickes  mit  neuer,  fester  Zuversicht  erfüllte. 

„Soldaten  vom  Norden  und  vom  Süden!  Treue  wackere  Verbündete  aus 
Sachsen!  Vereint  wie  unsere  Gefühle  stets  gewesen,  wird  nun  auch  unser  Wirken 
sein  .  .  .  Lasst  uns  mit  vereinten  Kräften  das  große  Werk  vollbringen,  und  uns 
hiebei  stets  in  Erinnerung  halten,  dass  der  Erfolg  demjenigen  zutheil  wird,  der 
Kopf  und  Herz  zugleich  am  rechten  Flecke  hat,  der  gleichzeitig  ruhig  zu  denken 
und  energisch  zu  bandeln  weiß  und  dass  —  möge  das  Glück  begünstigen  wen 
es  wolle  —  nur  derjenige  verloren  ist,  der  sich  einschüchtern  lässt  und  sich  selbst 
aufgibt.  .  .  .* 

Diesen  erhebenden  Worten  des  Erzherzogs  Albrecht  folgte  auf  dem  Fuße 
die  kraftvolle  Thal.  Binnen  zwölf  Tagen,  bis  zum  2r>.  Juli,  bewirkte  Erzherzog 
Albrecht  die  Com  vnlricrurig  der  Nord-Armee  von  Ol  mutz  und  des  größeren 


Digitized  by  Google 


250 


CIJÜV.  bi«  CLXVIII.  Prom  .Hon.      Im  Kriepe  von  18f>6.  -  Italien. 


Theiles  der  Süd-Armee  aus  Venetien  hinter  der  Donau  zwischen  Wien  und 
Presshurg  zu  einer  durch  neue  Aufgebote  auf  mehr  denn  200.000  Mann  ver- 
stärkten, schlagfähigen  Armee  mit  800  Geschützen,  welche  nur  mehr  des  Befehls 
des  Obersten  Kriegsherrn  harrte,  um  dem  Feinde  eine  Hauptschlacht  zu  liefern. 
Diese  Dank  der  Energie  und  Feldherrnkunst  des  Erzherzogs  so  rasche  und 
kraftvolle  Machtentfaltung  trug  das  Ihrige  dazu  bei,  um  den  Feind  trotz  diploma- 
tischer Weiteningen  zu  veranlassen,  ohne  ferneren  Kampf  am  26.  Juli  die  Hand 
zu  einem  ehrenvollen  Frieden  zu  bieten. 

Eine  ähnliche  Machtentfaltung,  von  130.000  Mann  mit  135  Geschützen, 
welche  der  Erzherzog  unmittelbar  nach  dem  im  Norden  geschlossenen  Präli- 
minar-Krieden.  wieder  im  Süden  am  Isonzo  ins  Werk  setzte,  zwang  im  Vereine 
mit  der  am  11.  August  mit  aller  Entschiedenheit  ins  Werk  gesetzten  Offensive 
auch  Italien  trotz  allen  Widerstrebens,  am  12.  August  den  Waffenstillstand  auf 
Grundlage  der  seitens  der  Monarchie  festgesetzten  Friedenspräliminarien  zu 
schließen. 

So  trug  Erzherzog  Albrecht  durch  wahrhaft  groß  angelegte,  mit  bewunde- 
rungswürdiger Energie  blitzartig  ausgeführte  Operationen  zu  rascher  Beendigung 
des  Krieges  und  überdies  auch  wesentlich  dazu  bei,  die  nachtheiligen  Folge- 
wirkungen des  Kriegsunglückes  im  Norden  auf  ein  thunlichst  geringes  Maß 
einzuschränken,  —  unblutige,  doch  unvergängliche  Thaten  durch  ihre  Bedeu- 
tung und  Tragweite  für  die  Monarchie. 

Gleichwie  zu  Beginn  und  wiederholt  während  des  Krieges  richtete  Erzherzog 
Albrecht  auch  zu  Ende  desselben,  am  17.  August,  denkwürdige  Worte  mittels 
eines  Armee-Befehles  an  die  k.  k.  Armee,  in  welchem  er  ihrer  Erfolge  wie  ihres 
Missgeschicks,  nicht  minder  ihrer  Leistungen  gedachte,  zum  Schluss  aber  folgendes 
Vermächtnis  niederlegte : 

„Die  österreichische  Armee  hat,  auf  zwei  Seiten  angegriffen  von  den  Heeren 
mächtiger  Staaten  und  am  entscheidenden  Kriegsschauplatze  vom  Unglück  heim- 
gesucht, unter  den  obwaltenden  Umständen  das  Möglichste  geleistet  und  erreicht. 
Der  Krieg  hat  dem  Kaiserstaate  schwere  Opfer  gekostet;  das  Blut  von  Tausenden 
seiner  Helden  ist  aber  nicht  umsonst  geflossen.  Ks  hat  dein  Stolze  und  Schilde 
Österreichs,  seiner  Armee  ruhmvolle  Erinnerungen  und  wichtige  Lehren,  die  dank- 
bare Theilnahme  des  Vaterlandes,  die  Anerkennung  seiner  Gegner,  die  Achtung 
der  ganzen  Welt  erkauft.  Bereichert  durch  die  gemachten  Erfahrungen  möge  die 
Armee  mit  unerschütterlicher  Zuversicht  in  die  Zukunft  blicken.  Des  Hufes  unseres 
erhabenen  Monarchen  gewärtig,  werden  wir  selbem  stets  wieder  freudig  folgen 
mit  der  gleichen  Losung,  mit  welcher  wir  diesen  Krieg  begonnen  haben  und 
beschließen  wollen. 

Hoch  Österreich!    Es  lebe  der  Kaiser!* 

Ein  Schreiben  höchster  Anerkennung  richtete  Erzherzog  Albrecht  Ende 
September  an  die  tapferen  sächsischen  Waf Hingeführten  bei  deren  Heim- 
kehr, als  er  sich  von  deren  erlauchtem  Führer.  Seiner  königlichen  Hoheit  dem 
Kronprinzen  Albert,  verabschiedete. 


Digitized  by  Google 


Croßkrcux  des  M.  T.-O.  FM.  Erzher^e  Albrecht. 


251 


Nach  beendetem  Kriege,  am  15.  September  1SGG.  wurde  FM.  Erzherzog 
Albrecht  zum  Armee-Ober-Commandanten,  nach  der  dualistisch-consti- 
lutionellen  Umgestaltung  der  Monarchie,  am  1"».  Jänner  18GN,  zum  Armee- 
Commandanten,  endlich  am  24.  Marz  1SG9  zum  Gcneral-lnspector  des 
k.  k.  Heeres  ernannt. 

Unter  den  Auspicien  des  Obersten  Kriegsherrn  betheiligte  sich  Erzherzog 
Albrecht  seither  in  maßgebender  Weise  an  allen  Reorganisationen  und  ;m 
der  Fortentwicklung  des  gesammten  Heerwesens  der  Monarchie. 

Neben  dieser  organisatorischen  Thätigkeit  widmete  er  fast  seine  ganze 
verfügbare  Zeit  jahraus  jahrein  der  Bereisung  aller  Theile  der  Monarchie 
um  durch  regen,  unmittelbaren  Verkehr  mit  den  Truppen  und  ihren  Führern  über 
die  kriegsgemäße  Ausbildung,  die  .Schlagfertigkeit  und  den  Geist  des  Heeres  ein 
sicheres  l'rtheil  zu  gewinnen  und  durch  sein  Beispiel  und  seine  Einwirkung  dem 
Verständnisse  der  Dienstes-  und  taktischen  Vorschriften,  sowie  der  Dienstesfreudig- 
keit immer  neue  Impulse  zu  geben. 

Gleichen  Eifer  und  gleiche  Konsequenz  wendete  der  Erzherzog  der  Heran- 
bildung der  höheren  Führer  zil  Nach  den  vorgeschriebenen  Feldübungen 
der  Truppen  bis  zur  Truppen-Division  nahm  er  persönlich  mit  ein  bis  zwei 
Armee-Corps  und  zwar  abwechselnd  in  den  verschiedenen  Gebieten  der  Mon- 
archie, drei-  bis  fünftägige  Manöver  im  großen  Stile  vor,  welche  soweit 
als  nur  thunlich  stets  der  Wirklichkeil  angepnsst  waren.  Dadurch  gestalteten 
sich  diese  Manöver  für  Truppen,  für  Generale  und  selbständige  Commandant.cn, 
wie  für  den  Gcneralstab  nach  allen  Richtungen  zu  einer  wahren  Schule  des 
Krieges. 

Am  25.  November  1875  wurde  FM.  Erzherzog  Albrecht  zum  Oberst- 
Inhaber  des  Dragoner-Regiments  Nr.  5  ernannt  und  führte  dasselbe  den 
erlauchten  Namen  des  Siegers  von  Custozza  bis  zum  V.\.  Mai  1888,  an  welchem 
Tage  es  anlässlich  der  Feier  der  Enthüllung  des  Maria  Theresien- 
Denkmals  für  immerwährende  Zeiten  den  Namen  weiland  Seiner  Majestät  des 
Kaisers  Ferdinand  annahm. 

Am  IS.  April  1877  feierte  FM.  Erzherzog  Albrecht  in  voller  körperlicher 
Rüstigkeit  und  Geistesfrische  sein  fünfzigjähriges,  am  25.  April  1887  sein 
sechzigjähriges  Militärdienst-Jubiläum.  Speciell  aus  Anlass  des  letzteren 
wurde  Erzherzog  Albrecht  zum  Oberst -Inhaber  des  5.  Corps- Artillerie- 
Regiments  ernannt. 

Bei  beiden  Gedenkfesten  ehrte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  erlauchten 
Jubilar  überdies  durch  Allerhöchste  Handschreiben  auf  das  huldvollste. 
Auch  fanden  beidesmal  zu  Ehren  des  Erzherzogs  großartige  militärische 
Feste  statt,  an  welchen  sich  nicht  bloß  das  Allerhöchste  Kaiserhaus,  sondern 
auch  die  gesammle  Generalität,  wie  überhaupt  durch  Deputationen  die  ganze 
Wehrmacht  der  Monarchie  —  Armee,  Marineund  Landwehren  —  betheiligten. 
Der  allgemeine  Aiithcil,  den  auch  die  Bevölkerung  der  ganzen  Monarchie  an  den 
begeisterten  Ovationen  zu  Ehren  des  Siegers  von  Mortara.  Novara  und 


Digitized  by  Google 


C.LXIV.  bi<  r:i.XVlll.  Promoli..».    -  Im  Kriege  von  ISG6.  Italien. 


Custozza  nahm,  erhob  seine  beiden  Militär-Diensljubiläen  zu  wahren  nationalen 
Festtagen  für  Heer  und  Volk  zugleich.. . . 

Und  aurh  seither  obliegt  mit  immer  gleichem,  rastlosem  Eifer  der  erlauchte 
kaiserliche  Prinz  als  General-Inspector  des  Heeres  der  Erziehung,  der  Heranbildung 
der  Armee  zu  künftigen  Erfolgen,  zu  künftigen  Siegen. . . . 


Maroicic,  der  Sohn  eines  k.  k.  Hauptmannes,  erblickte,  während  die  Eltern 
mit  dem  Regimente  auf  dem  Marsche  begriffen  waren,  das  Licht  der  Welt  zu 
Svidnik  im  Saroser-Comitat  in  Ober-Ungarn  am  G.  April  1813.  In  seinem  vier- 
zehnten Lebensjahr,  am  21.  October  1825.  wurde  er  als  Hegi ments-Cadet  zu 
dem  (10.  Infanterie- Regiment  assentiert.  Er  genoss  in  der  Grazer  Cadeten-Com- 
pagnie  militärische  Erziehung  und  Ausbildung.  Dort  legte  er  —  stets  einer  der 
Ersten  —  den  Grund  zu  seinem  gediegenen  militärischen  Wissen,  welches  ihm 
nebst  seiner  Tapferkeit  eine  glänzende  Laufbahn  erschloss. 

Im  Herbst  des  Jahres  1828  rückte  er  zum  Regiment  als  Gadet-Qua-Fcld- 
webel  ein  und  verrichtete  den  unter  den  damaligen  Verhältnissen  überaus 
schwierigen  Feldwebelsdienst  durch  volle  zwei  Jahre,  eine  harte  aber  lehrreiche 
Schule  für  Maroicic  ganzes  Soldatenlebeu. 

In  demselben  Jahre,  in  welchem  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  I.  dem  Vater 
Maroicic  auf  Grund  dreißigjähriger  Dienstzeit  den  ungarischen  Adelstand  zu 
verleihen  geruhte,  wurde  Maroicic  Sohn  am  1.  November  1830  zum  Fähnrich 
im  1.  Ranal-Grenz-Regiment  Nr.  10  befördert.  Am  21.  April  1831  rückte  er  zum 
Lieutenant  vor  und  verrichtete  die  Dienste  eines  Bataillons-Adjutanlen,  bis  er 
im  Februar  1831  dem  General-Quarliermeisler-Stabe  in  Mailand  zugetheilt  wurde. 
Am  1.  December  1831  zum  Oberlieutenant  befördert,  wurde  er  am  17.  Juli 
definitiv  zum  General-Quarliermeisler-Stabe  übersetzt  und  in  demselben  am 
2'.).  September  1843  zum  Hauptmann  befördert. 

Rastloses  Selbststudium  aller  militärischen  Disriplincn,  praktische  Verrichtung 
der  verschiedenen  Zweige  des  Generalstabsdienstes,  hauptsächlich  aber  der  Um- 
stand, dass  Maroicic  seit  dem  Jahre  1831  mit  wenigen  Unterbrechungen  in  Italien 
diente  und  so  in  der  Sehlde  Radetzkys  sich  zum  wirklichen  Kriegsdienst  heran- 
bilden konnte:  alles  dies  vereinigte  >i«  Ii  mit  seiner  Tapferkeit,  um  ihn  schon  im 
Kriege  gegen  Piemont  im  Jahre  ISLS/P.»  in  Italien  eine  Reihe  hervorragender 
Leistungen  vollbringen  zu  lassen. 

Nach  einer  mit  vieler  Umsicht  und  groBem  Geschick  durch  insurgierte  Gebiete 
von  Verona  über  Tirol  nach  Triest  ausgeführten  Courierfahrt,  welche  die 
rasche  Verstärkung  der  Truppen  im  V  enel  in  nisc heu  bezweckte,  wurde  llaupt- 


Conimandeur  des  Maria  Theresien-Ordeus 


Joseph  Freiherr  Maroicic  di  Madonna  del  Monte. 

(Mit  Bildnis  au«?  «1er  Zeit  nach  lSGfJ.) 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


O.niiii.iiideni  des  M.  T.  l».  .1.  -cpli  KreiUrr  \,  n  .Yarui-  ir. 


mann  Maroicic  als  Generalstabsofficier  dein  vum  Isonzu  gegen  Verona 
vorrückenden  Corps  des  FZM.  Grafen  Nugent  und  zwar  der  Division  FML.  Graf 
Thnrn  zugewiesen.  Mit  derselben  kämpfte  er  in  den  Gelechlen  bei  Visco  und 
Privano  am  17.  April,  bei  dem  Angriff  auf  Udinc  am  21.  April,  bei  den  Ge- 
fechten auf  der  Cima  Fadalto  am  4.  Mai,  bei  Onign  und  Gomudo  am  0.  Mai 
und  gegen  den  feindlichen  Ausfall  aus  Treviso  am  12.  Mai.  Von  da  an  als 
Generalstabsofficier  im  Corps-Hauptquartier  verwendet,  verhütete  er  am  19.  Mai 
durch  forciertes,  rücksichtsloses  Darauflosgehen  mit  der  Vorhut  die  vom  Feinde 
geplante  Vernichtung  der  für  die  weitere  rasche  Vorrückung  des  Corps  wichtigen 
Drücke  über  die  Brenta,  betheiligle  sich  am  20.  Mai  an  dem  Angriff  auf  das  ver- 
schanzte Lager  von  Vicenza  und  veranlasste,  nachdem  dasselbe  nicht  rasch 
genug  forciert  werden  konnte,  durch  seinen  Rathschlag  die  Umgehung  dieses 
Punktes,  welche  unter  seiner  Führung  auch  vollständig  gelang,  so  dass  das  Corps 
Nugent  bereits  am  2ö.  Mai  in  Verona  eintraf. 

Nachdem  Hauptmann  Maroicic  am  30.  Mai  die  Kecognoseicrung  und  das 
Treffen  bei  Goilo  mitgemacht  hatte,  wurde  er  wegen  seiner  genauen  Kenntnis  der 
Terrain  Verhältnisse  bei  Vicenza  auf  Befehl  des  FM.  Grafen  Radetzk  y  als  General- 
stabsofficier der  Brigade  Culoz  zugetheilt,  welche  sich  der  Höhen  oberhalb 
Vicenza  bei  Madonna  del  Monte  zu  bemächtigen  hatte,  während  das  Gros 
der  Armee  direct  gegen  Vicenza  vorrückte.  Maroicic  gab  bei  diesem  Unter- 
nehmen seinem  Commandanten  so  ersprießliche  Rathschläge  an  die  Hand 
und  wirkte  bei  der  Ausführung  derselben  so  hervorragend  und  entscheidend 
mit,*)  dass  er  damit  am  9.  und  10.  Juni  seine  eiste  Maria  Theresien-Ritterthat 
vollbrachte,  auf  Grund  deren  er  späterhin  kraft  der  CLIII.  Promotion  vom  29. 
Juli  1849  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  promoviert  und  am 
19.  November  in  den  Freiherrnstand  erhoben  wurde. 

Unmittelbar  nach  vollbrachter  That  beförderte  ihn  wegen  seines  tapferen 
und  umsichtigen  Benehmens  FM.  Graf  Radetzky  zum  Major  im  1.  Banal-Grenz- 
Regiment,  und  ernannte  ihn  zum  Chef  des  Generalstabes  bei  dem  III.  Corps  des 
FML.  Grafen  Thum. 

Als  bei  der  Wiedereröffnung  der  Offensive  der  Armee  im  Juli  dieses 
Corps  von  Südtirol  aus  zu  cooperieren  berufen  wurde,  trug  Maroicic  wieder  durch 
Rath  und  That  hervorragend  zu  den  Erfolgen  desselben  bei.  Unter  anderem  wurde 
über  seinen  Vorschlag  bei  dem  Corps,  welches  nur  7'/t  Bataillone  Infanterie  zählte 
die  Rangierung  der  Infanterie,  statt  in  drei,  in  zwei  Gliedern  durchgeführt. 
Dadurch  wurde  bei  Eröffnung  der  Offensive  am  22.  Juli  der  Feind  auf  dem  Monte 
Baldo  über  die  Stärke  des  Corps  nicht  nur  total  getäuscht,  sondern  auch  bei  der 
verlängerten  Front  thatsächlich  überllügelt,  in  seiner  Aufstellung  bei  Spiazzi 
aufgerollt  und  in  die  Stellung  von  Rivoli  zurückgeworfen.  Nachdem  auch  ein  aus 
dieser  Stellung  versuchter  Gegenangriff  des  Feindes  zurückgewiesen  worden,  unter- 
nahm Maroicic  freiwillig  noch  am  Abend  desselben  Gefechtstages,  an  welchem  er 

*)  Siehe:  .Der  Militärische  Maria  Tliei«-.sii'ii-Orden  und  x  iiu-  Mitglieder,*  —  Wien  1?C>7.  — 
Seite  1551  bis  1553. 


Digitized  by  Google 


2.H 


fXXIV.  hi«  CLXVFII.  Promotion.  -  Im  Kdvpi-  vn  180(5.  —  Italien. 


selbst  bei  allen  Angriffen  hervorragend  tapfer  mitgekämpft,  mit  drei  Coinpagnien 
auf  der  nach  Hivoli  führenden  Straße  gegen  Zuane  einen  Scheinangriff,  um  das 
eigene  Corps  vor  Wiederholung  etwaiger  Angriffe  von  Seite  des  überlegenen 
Feindes  zu  sichern.  Dieses  Unternehmen  erzielte  nicht  nur  den  angestrebten 
/weck,  sondern  trug  auch  noch  dazu  bei,  dass  der  durch  das  gleichzeitige 
Ergreifen  der  Offensive  seitens  der  k.  k.  Armee  aus  Verona  in  seinem  Rücken 
gefährdete  Keind  am  23.  Juli  die  verschanzte  Stellung  von  Hivoli  ohne  weiteren 
Kampf  räumte. 

Am  25.  Juli  rückte  Maroicic  mit  seinem  Corps  zur  Einschließung  von 
Peschiera  vor,  doch  schon  am  -29.,  als  FML.  Graf  Thurn  das  Commando  des 
IV.  Corps  übern. dun.  wurde  mit  ihm  auch  Major  Maroicic  als  Generalstabschef  zu 
diesem  Corps  übersetzt.  Mit  demselben  machte  er  den  Vormarsch  der  Armee  und 
am  4.  August  das  Gefecht  bei  Mailand  mit. 

In  Anerkennung  seiner  ausgezeichneten  Leistungen  als  Generalstabsofticier 
während  des  Feldzuges  1S1-S  in  Italien,  hauptsächlich  aber  seiner  Umsicht  und 
Tapferkeit  in  den  Gefechten  am  Monte  Baldo  und  bei  Rivoli  wurde  Major 
Maroicic  am  30.  November  IMS  mit  dem  Ritterkreuze  des  österreichischen 
L  e  o  p o  1  d  -  O  r d  e  n  s  ausgezeichnet. 

Im  Feldzugsjahre  1849  ward  Major  Maroicic.  der  sich  bereits  in  der  ganzen 
Armee  eines  glänzenden  Rufes  erfreute,  auf  den  Kriegsschauplatz  in  U  ngarn  be- 
rufen und  machte  zunächst  den  Feldzug  in  Siebenbürgen  als  Generalstabschef 
des  Corps  FML  Frh.  von  Puchner  und  zwar  das  Treffen  bei  Mediasch  am  1.  März, 
die  Gefechte  bei  Zeiden  am  19.  März  und  im  Temeser-Pass  am  21.  März  mit. 
Darauf  wurde  er  am  19.  Juli  Generalstabsehel  bei  dem  I.  Armee-Corps  des  GdC. 
Grafen  Schlik  und  machte  ein  Scharmützel  bei  Alpär  am  29.  Juli,  den  Angriff 
auf  Mako  am  4.  August  und  die  Anaire  bei  Arad  am  10.  August  mit.  Während 
dieses  Feldzuges  war  Maroicic  am  31.  Juli  zum  Oberstlieutenant  im  Geiieral- 
Ouarliermeister-Stabe  avanciert. 

Bald  nach  beendetem  Feldzuge,  am  November  IS  19.  wurde  Mariocic  zum 
Obersten  und  llegiments-Comniandanlen  des  Oguliner  Grenz-Regiments  Nr.  3 
befördert,  auf  welchem  Posten  er  Hand  in  Hand  mit  der  militärischen  Thäligkeit 
alle  seine  Kräfte  auch  der  Verwaltung  seines  durch  die  Kriegsereignisse  stark  in 
Mitleidenschaft  gezogenen  Regiments-Bezirkes  widmete  und  in  demselben  Land- 
wirtschaft. Handel.  Gewerbe.  Coinmunicatiouswesrn.  Rauten  und  Schule  zu  hoher 
Blüte  brachte. 

Am  17.  Mai  \>ö\  erfolgte  s.  ine  Beförderung  zum  Generalmajor  und  Bri- 
gadier im  serbiseh-bauater  Annei  -t  '.oi  \<~.  Vom  Juli  1S.">1-  bis  August  ISöö  nahm  er 
in  demselben  an  der  O  '  upatioti  der  .Moldau  und  Wallachei  in  Jassy  und 
Galatz  theil.  Vom  Jänner  I  >.*>»>  an  i  omni  amtierte  er  eine  Brigade  in  Kaschan 
und  führte  das''lh-t  durch  L»  Monate  das  Militär-Disti teU-  <  lommaudo. 

Im  Kri.  je  gegen  Frankreich  und  Piemout  im  Jahre  1S.*>9  wurde 
GM.  Frh.  von  Mai.-:  .  mit  seiner  Brigade  \om  l>.  bis  Ende  Mai  in  Matena  zum 
Rü./khalt  tut  Trust  oder  Fium.-.  sodann  vom  3. Juni  an  am  unteren  Po  disloeiert. 


Digitized  by  Google 


* 


O  mni.tmli'iir  <lt'^-  M.  T.-U.  J.^oj>li  Fnilien  von  M.umuu,  2~>~t 

um  im  Rücken  der  Armee  das  Po-Delta  gegen  feindliche  Landungen  und  die 
Po- Li  nie  von  der  Mündung  aufwärt«?  bis  Ferrara  zu  vertheidigen.  ohne  dass  es 
jedoch  zu  einem  Engagement  mit  dem  Feinde  gekommen  wäre.  Bei  der  grüßen 
Ausdehnung  des  ihm  zur  Bewachung  zugewiesenen  Abschnittes  behalf  er  sich 
neuerdings  mit  der  Rangierung  seiner  Infanterie- Abtheilungen  in  zwei  Glieder 
und  demonstrierte  dadurch  eine  größere  Stärke. 

Vom  September  1859  bis  Februar  1860  war  GM.  Frli.  von  Maroieie 
Brigadier  in  Komorn,  sodann  Truppen  -  Divisionär  in  Laibach,  vom  Sep- 
tember 1800  an  interimistisch,  vom  21.  November  1861  delinitiv  Truppen- 
Commandant  in  Fi u nie. 

Am  30.  December  1860  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant  und  Zulheilung  zum  III.  Armee- Corps -Commando  in  Laibach, 
worauf  er  am  6.  März  1861  zum  Truppen-Divisionär  im  III.  Armee-Corps  ernannt 
wurde. 

Am  20.  November  1860  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  FML.  Frh. 
von  Maroieie  zum  Oberst-Inhaber  des  7.  Infanterie -Regiments  zu  ernennen. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  war  FML.  Frh. 
von  Maroieie  berufen,  das  zur  Süd-Armee  gehörige  VII.  Corps  zu  commandieren. 
infolge  dessen  er  im  Vereine  mit  FML.  Härtung  und  GM.  Frh.  von  Rodich 
gleich  diesen  beiden  als  Corps-Commandant  unter  Erzherzog  Albrecht,  wesent- 
lichen Antheil  an  dem  Siege  der  kaiserlichen  Waffen  in  der  Schlacht  bei  Custozza 
haben  sollte.  Seine  Ernennung  zum  wirklichen  Commandanten  erfolgte  am 
11.  Mai  1866  und  kurz  darauf  übernahm  er  auf  demselben  italienischen  Kriegs- 
schauplatze, auf  dem  er  im  Jahre  1848  als  Generalstabs-Chef  verschiedener 
Armee-Corps  eine  glänzende  Befähigung  zur  Führung  größerer  Ileereskörper  dar- 
gethan,  nunmehr  das  Commando  des  VII.  Corps. 

Bei  der  Concentrierung  der  Süd-Armee  vom  linken  auf  das  rechte  Etseh-Ulcr 
bei  Verona  brach  FML.  Frh.  von  Maroieie,  gemäß  der  Bispositionen  des  Erzherzogs 
Albrecht,  mit  dem  VII.  Corps  am  22.  von  Montagnana  auf  und  traf  am 
23.  nachmittags  bei  S.  Massimo  ein.  Nach  der  am  Abend  desselben  Tages 
empfangenen  Schlacht-Disposition  setzte  Maroieie  am  21.  um  3  Uhr  früh  die 
Brigade  Scudicr,  um  5  l'hr  die  Brigade  Welsersheimb  und  unmittelbar  hinter  der 
letzteren  die  Brigade  Töply  gegen  So  na  in  Marsch,  ließ  die  Brigade  Scudier  auf 
den  Höhen  bei  Zerbare  aufmarschieren  und  die  beiden  anderen  Brigaden  über 
Befehl  des  Erzherzogs  Alb  recht,  mehr  hinter  dem  linken  Flügel  der  Armee,  als 
Reserve  bei  Casazze  Aufstellung  nehmen. 

Die  Brigade  Scudier  rückte  gemäß  eines  um  7l/t  Uhr  morgens  erlassenen 
weiteren  Befehls  des  Armee-Comniandos  von  Zerbare  gegen  Monte  Godio,  und 
da  dieser  Punkt  von  den  vorliegenden  Höhen  beherrscht  wurde,  kämpfend  weiter 
über  Monte  Arabica.  Monte  Molimenti  bis  auf  das  Bei vedere  vor.  Auch 
Kirche  und  Friedhof  am  Fuße  des  Bei  vedere  wurden  genommen  und  die  3.  Divi- 
sion von  Kronprinz  Rudolph-Infanterie  drang  stürmend  schon  gegen  10  l'hr  vor- 
mittags sogar  in  Custozza  selbst  ein.  Das  übermächtige  Vordringen  der  ilalieni- 


Digitized  by  Google 


*7ii\  CLXIV.  bis  DI.XVIII.  IVumot,,  u.   -  Im  Kriuiw  v.n  IS««.    •  llulu-n. 

sehen  Truppen-Division  Govoue  zwang  jedoch  die  Brigade  Studier,  wieder  bis 
Zerbare  zurückzuweichen. 

Zur  Aufnalune  derselben  schob  FML.  Frh.  von  Maroicie  gegen  1 1  l'br  vormit- 
tags die  Brigade  Welsersheimb  mit  zwei  Batterien  in  die  Stellung  Nadali  ni- 
Berettara  vor.  Kurz  darauf  ließ  er  über  den  inzwischen  ergangenen  Befehl  des 
Erzherzogs  Albrecht  —  „mit  den  beiden  Brigaden  Töply  und  Welsersheimb 
vorwärts  Zerbare  Stellung  zu  nehmen  und  die  Artillerie  zweckmäßig  zu  placieren" 
—  auch  die  Brigade  Töply  aus  der  Reserve-Aufstellung  rechts  von  der  Brigade 
Welsersheimb  aufmarschieren. 

Gemäß  eines  weiteren  Befehls  des  Armee-Coiumaiidu  —  „eine  Brigade 
gegen  Monte  Godio  vorzuschieben  und  die  Verbindung  mit  dem  V.  Corps  über 
Guastalla  vecchia  herzustellen*  —  hutte  FML.  Krb.  v.  Maroicie  sein  Corps  um 
2  Uhr  nachmittags  vollständig  in  Gefechtslinie  entwickelt.  Kr  hatte  eine  Aufstellung, 
welche  von  Guastalla  über  Nadalini  bis  Berettara  sich  erstreckte  und  durch 
zwei  vorgeschobene  Jäger-Bataillone  gedeckt,  sowie  durch  5  Batterien  gestützt  war, 
während  die  Brigade  Scudier  mit  ihrem  Gros  in  der  früheren  Keserveaufstellung 
des  Corps  bei  Casazze  hielt. 

Um  die  gleiche  Zeit  stand  rechts  vom  VII.  Corps  das  V.  unter  GM.  Frh.  von 
Rodich,  links  das  IX.  unter  FML.  Härtung  im  Kampfe.  GM.  Frh.  von  Bodieh  hatte 
die  Höhe  von  S.  Lucia  erstürmt  und  traf  Dispositionen,  um  mit  l1/,  Brigaden 
von  rechts  über  das  Tione-Thal  Custozza  in  der  Flanke  anzugreifen.  Härtung 
behauptete  mit  seiner  gesammten  Artillerie  die  Höhen  von  Ca  del  Sole  als  Pivot 
der  ganzen  Schlachtlinie,  während  sein  rechter  Flügel,  nach  einem  Angriflsversuch 
auf  Custozza,  vor  der  Front  des  Corps  Maroicie  kämpfte  und  nach  langem  hart- 
näckigen Festhalten  des  Bei  vedere  sich  genölliigt  sah.  von  dort  gegen  Berettara, 
gleichwie  früher  die  Brigade  Scudier,  langsam  zurückzuweichen. 

In  der  Schlacht  war  somit  durch  das  neuerliche  Misslingen  des  Angriffs  auf 
Custozza  zum  zweitenmal  auf  dem  entscheidenden  Punkte  der  Gefechtslinie  ein 
hochkritischer  Moment  eingetreten,  der  energisches  und  ausschlaggebendes  Ein- 
greifen erheischte. 

Mit  wahrem  Falkenblick  erfasste  Maroicie  die  Gefechtslage.  Ohne  Zaudern, 
aus  eigener  Initiative,  entschloss  er  sich  um  3  Uhr  nachmittags  zum  Angriff'  auf 
Custozza  mit  den  beiden  Brigaden  Welsersheimb  und  Töply.  Ohne  Scheu  vor  Ver- 
antwortung warf  er  die  Armee-Reserve  in  die  Wagschalc  der  Entscheidung. 

Nachdem  Maroicie  seine  sänmitlicheu  fünf  Batterien  gegen  die  dominierenden 
feindlichen  Geschülzpositioticn  ins  Feuer  hatte  treten  lassen,  rückte  er  mit  seiner 
Infanterie  in  Staffeln  links  vorwärts,  und  zwar  mit  der  Brigade  Welsersheimb  über 
den  Monte  Molimenli.  mit  der  Brigade  Töply  über  Godi  und  Bagolina,  in  der 
Hauptrichtung  auf  das  Bei  vedere  vor. 

Den  Brigaden  weit  voran,  drangen  den  n  Jäger-Bataillone  vorwärts,  wobei 
das  rechts  befindliche  7.  Jäger-Balaillun  den  vom  Belvedere  im  Bückzuge 
begriffenen  rechten  Flügel  des  IX.  Corps  zwischen  Monte  Arabien  und  Monte 
Godio  aufnahm. 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-ü.  Joseph  Freiherr  von  Maroiik. 


257 


Hinter  den  Jäger-Bataillonen  führte  Maroicic  die  beiden  Brigaden,  jede 
derselben  mit  vier  Bataillonen  in  Divisions -Massenlinie  das  erste  Treffen,  mit 
zwei  Bataillonen  in  geschlossener  Divisions -Massenlinie  das  zweite  Treffen 
formierend,  in  musterhafter  taktischer  Ordnung  gegen  das  Belvedere  und  dessen 
Vorhöhen. 

Angesichts  dieses  imposanten  Vormarsches  im  stärksten  feindlichen  Feuer 
wiehen  die  inzwischen  bis  auf  den  Monte  Arabica  vorgedrungenen  feindlichen 
Abtheilungen  wieder  bis  auf  das  Belvedere  zurück.  Damit  war  der  Durchbruch 
der  eigenen  Schlachtlinie  zwischen  Centrum  und  linkem  Flügel  gleich  im  Augenblicke 
des  Entstehens  verhütet. 

Unaufhaltsam  drang  Maroicic,  welcher  immer  in  den  vordersten  Reihen, 
sein  Corps  mit  sicherer  und  fester  Hand  lenkte,  mit  den  beiden  Brigaden  über 
die  Vorhöhen  gegen  das  Belvedere  hinan,  den  Feind  aus  allen  seinen  Stellungen 
zurückwerfend. 

An  12  bis  14  feindliche  Bataillone  mit  2  Geschützen  vertheidigten  die  Höhe 
von  Belvedere  selbst  Trotz  tapferer  Verteidigung  durch  den  Feind  erstürmten 
unter  der  befeuernden  Führung  Maroicic"  dessen  Colonnen  im  ersten  Anlaufe  nicht 
nur  die  wichtige  Höhe  des  Belvedere,  sondern  den  ganzen  gegen  den  Punkt 
Valle  Busa  hin  streichenden  Rücken. 

Ins  Tione-Thal  nach  Valle  Busa  und  in  der  Richtung  gegen  Custozza 
herab  wurden  die  feindlichen  Abtheilungen  geworfen;  hauptsächlich  wich  aber 
der  Feind  nach  Custozza  selbst  zurück. 

Kaiser-Jäger  vom  3.  Bataillon,  Siebener-Jäger  und  Abtheilungen  von  Ludwig 
Victor-Infanterie  eroberten  bei  diesem  Sturme  eines  der  feindlichen  Geschütze. 

Damit  hatte  Maroicic  um  4  Uhr  nachmittags  den  ersten  überwältigenden 
Stoß  gegen  den  Schlüsselpunkt  der  feindlichen  Schlachtstellung  siegreich  geführt. 
Der  in  Kürze  nachfolgende,  im  Verein  mit  Theilen  vom  V.  und  IX.  Corps,  geführte 
Schlag  sollte  den  Feind  vollends  niederschmettern. 

Zunächst  galt  es,  die  beiden  Brigaden  zu  Athem  kommen,  Kraft  schöpfen 
und  wieder  sich  ordnen  lassen.  Maroiöid  ließ  darum  die  Infanterie  ruhen. 

Zugleich  zog  er  auch  seine  gesammte  Artillerie  auf  die  Höhen  des  Belve- 
dere und  Meinte  Molimenti  vor.  Eine  der  fünf  Batterien  nach  der  anderen 
setzte  sich  gegen  Custozza  und  die  Hänge  des  Monte  Torre  und  Monte  della 
Croce  ins  Feuer.  Schließlich  richteten  seine  sämmtÜchen  40  Geschütze,  von  der 
Artillerie  des  IX.  Corps  unterstützt,  ihr  überwältigendes  Feuer  gegen  die  feind- 
lichen Geschützpositionen,  um  den  letzten  Sturmangriff  auf  Custozza  vor- 
zubereiten. 

Um  diese  Zeit  erhielt  Maroicic"  den  Befehl  des  Erzherzogs  Albrecht, 
welcher  um  3  Uhr  nachmittags  von  S.  llocco  di  Palazzolo  erlassen  worden  war 
und  das  VII.  gleich  dem  V.  und  IX.  Corps  beorderte,  um  5  Uhr  nachmittags  den 
letzten  Angriffsversuch  auf  Custozza  zu  machen.  Maroicic"  war  sonach  auf  Grund 
der  gegebenen  Schlachtidee  und  der  eingetretenen  Gefechtslage  mit  seinem  um 
3  Uhr  nachmittags  begonnenen  Angriff  auf  Custozza  der  völlig  gleichen  Intention 


Digitized  by  Google 


258  CLXIV.  bis  CLXVII1.  Promotion.  -  Im  Krieg«  rotf  1866.  -  Italien. 

des  Erzherzogs  Albrecht  entgegengekommen  und  hatte  zur  Zeit,  als  er  den 
Befehl  des  Oberfeldherrn  empfieng,  die  ihm  zugedachte  Aufgabe  zur  Hälfte  bereits 
vollbracht,  während  seine  Artillerie  im  Begriffe  war,  die  Ausführung  der  zweiten 
Hälfte  einzuleiten. 

Das  gewaltige  Feuer  der  Geschützmasse  des  VII.  im  Vereine  mit  jenein  der 
Geschütz-Reserve  des  IX.  Corps  brachte  die  feindliche  Artillerie  auch  bald  zum 
Schweigen.  Nun  führte  Maroi6ic  die  Brigade  Welsersheimb  vom  Belvedere  zum 
Angriff  auf  Custozza  weiter  vor.  Nachdem  dieselbe  einen  Offensivstoß  des  Feindes 
zurückgewiesen,  drang  sie  unaufhaltsam  über  den  Friedhof  und  die  Kirche  dem 
weichenden  Feinde  nach.  Endlich  stürmte  sie  von  Norden  Custozza  selbst, 
während  Abtheilungen  des  V.  Corps  von  Westen  eindrangen;  fast  gleichzeitig 
langten  die  Sturm-Colonnen  von  Nord  und  West  bei  dem  vom  Feinde  stark  besetz- 
ten und  muthig  vertheidigten  Hauptgebäude  von  Custozza,  dem  Palazzo 
Bevilacqua,  an.  Unter  heftigem  Feuer  aus  den  Fenstern  des  Palazzo  und  eines 
östlich  davon  gelegenen  Gebäudes  drangen  die  Abtheilungen  der  Brigade  Welsers- 
heimb von  mehreren  Seiten  in  Hof  und  Park  des  Palazzo  ein.  Damit  war  unter 
tausendstimmigem  Jubel  der  Truppen  der  letzte  Widerstand  des  Feindes  in 
Custozza  selbst  gebrochen. 

Fast  um  die  gleiche  Zeit  erstürmte  vom  IX.  Corps  das  7.  Infanterie- 
Begiment,  welches  Maroicic'  Namen  führte,  den  Monte  della  Croce  und  den 
Monte  Torre,  mit  brausendem  Hurrah!  den  tapfern  Stürmern  von  Custozza 
verkündend,  dass  der  Sieg  auch  auf  den  östlichen  Kuppen  der  Höhengruppe  von 
Custozza  vollends  erstritten  war. 

Auf  Grund  dieser  in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  24.  Juni  1866  vollbrachten 
Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  über  Votum  des  Ordens -Capitels,  kraft  Promotion  CLXVI  vom 
29.  August  1866  den  FML.  Joseph  Freiherrn  Maroicic  di  Madonna  del  Monte 
zum  Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Schon  zuvor,  am  14.  Juli,  wurde  dem  FML.  Frh.  von  Maroiciö  die  Würde 
eines  wirklichen  Geheimen  Käthes  verliehen. 

Nachdem  Erzherzog  Albrecht  infolge  der  Niederlage  der  Nord-Armee  zum 
Ober-Commandanten  der  gesammten  operierenden  Armee  ernannt  worden  und  am 
12.  Juli  von  dem  Kriegsschauplätze  in  Italien  an  die  Donau  geeilt  war,  wurde 
FML.  Maroicic,  der  das  Commando  über  das  VII.  Corps  an  Se.  k.  k.  Hoheit 
den  FML.  Erzherzog  Heinrich  abgab,  mit  dem  Oberbefehle  über  die  nach  dem 
Abzug  des  V.  und  IX.  Corps  an  die  Donau  im  Süden  am  Isonzo  und  entlang  der 
Küste  verbleibenden  Truppen  in  der  Stärkt-  von  42.000  Mann  betraut.  Nachdem 
aueh  EH.  Heinrich  nach  Wien  berufen  worden,  führte  FML.  Frh.  von  Maroicic 
das  VII.  Armee -Corps-  und  Truppen  -Commando  für  Istrien,  Kärnten,  Krain, 
Küstenland,  Görz  und  Triest  vereint. 

FML.  Frh.  von  Maroicic  traf  mit  bewährter  Umsicht  und  Thatkraft  alle  Maß- 
nahmen, um  der  rasch  vorrückenden  italienischen  Armee  am  Isonzo  mit  höchst- 
möglicher Stärke  entgegenzutreten  und  auch  sonst  jedem  weiteren  Vordringen 


Digitized  by  Google 


Commandern-  des  M.  T.-O.  Joseph  Freiherr  von  MaroiSte. 


259 


des  Feindes  über  die  venetianisch-küstenlandische  Grenze  in  das  Innere  der  Mon- 
archie Einhalt  zu  thun.  Es  kam  jedoch  nur  mehr  zu  dem  Zusammenstoße  bei 
Versa  am  26.  Juli,  wonach  Waffenruhe  eintrat,  welcher  dank  einer  neuerlichen 
Machtentfaltung  gegen  die  italienische  Armee  schließlich  die  endgiltige  Einstellung 
der  Feindseligkeiten  folgte. 

Nach  dem  Friedensschlüsse  wurde  FML.  Frh.  von  Maroiciö  zunächst  am 
14.  October  1866  dem  General-Commando  in  Ofen  mit  der  Bestimmung  zugetheilt. 
die  in  diesem  Generalat  dislocierten  Infanterie-Truppen  zu  inspicieren,  sodann  am 
20.  März  1868  zum  Commandierenden  General  für  Steiermark,  Kärnten, 
Krain,  Tirol,  Istrien  und  das  Küstenland  in  Graz  ernannt  und  am  22.  April  1868 
zum  Feldzeugmeister  ad  honores  befördert.  Am  27.  März  1869  erfolgte  seine 
Ernennung  zum  Commandierenden  General  in  Wien  und  am  30.  April  1870 
seine  Beförderung  zum  wirklichen  Feldzeugmeister. 

In  den  Jahren  1867,  1868  und  1869  leitete  FZM.  Frh.  von  Maroiciö  als  Com- 
mandant  des  Brucker  Lagers  die  großen  Keldübungen  und  Manöver  bei  den  in 
Bruck  concentrierten  zwei  Armee-Divisionen  mit  mehreren  Regimentern  Gavallerie 
und  den  zugehörigen  Batterien. 

Anlässlich  des  am  13.  October  1871  vollstreckten  fünfzigsten  Dienst- 
jahres geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  FZM.  Frh.  von  Maroicic  mit  dem 
Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  auszuzeichnen. 

Während  der  Wiener  Welt- Ausstellung  im  Jahre  1873  commandierte  FZM.  ' 
Frh.  von  Maroicic  die  über  Allerhöchsten  Befehl  Seiner  Majestät  des  Kaisers  zu 
Ehren  der  Souveräne  des  Deutschen  Reiches,  Russlands,  Italiens  und  Persiens 
abgehaltenen  Revuen  über  die  Wiener  Garnison  und  erntete,  dank  dem  vorzüglichen 
Aussehen  und  der  musterhaften  Haltung  der  Truppen,  nicht  nur  die  Allerhöchste 
Zufriedenheit  des  Obersten  Kriegsherrn,  sondern  wurde  auch  von  sämmtlichen 
Monarchen  jener  Länder  durch  Verleihung  der  höchsten  Decorationen  geehrt. 

FZM.  Frh.  von  Maroicic,  welcher  auf  seinem  Posten  auch  mit  dem  Givile  von 
dessen  Spitzen  herab  bis  zu  den  breiten  Schichten  der  Bevölkerung  unausgesetzt 
in  Contaet  kam,  erwarb  sich  durch  sein  offenes  soldatisches  Wesen,  durch  seine 
Humanität  und  Leutseligkeit  sowie  durch  angeborene  Originalität  seines  Auftretens 
auch  außerhalb  der  militärischen  Welt  in  allen  Kreisen  Wiens  große  Popularität 
und  allgemeine  Beliebtheit. 

Nach  vollem  zwölfjährigen  Wirken  auf  seinem  Posten  als  Commandierender 
General  in  Wien  trat  FZM.  Frh.  von  Maroicic  am  1.  Mai  1881  auf  sein  An- 
suchen aus  Gesundheitsrücksichten  in  den  Ruhestand.  In  Anerkennung  seiner 
sechszigjährigen,  im  Frieden  wie  im  Kriege  hervorragend  vorzüglichen  Dienst- 
leistung und  insbesondere  der  großen  Verdienste,  die  er  sich  durch  seine  lang- 
jährigen instruetiven  Bemühungen  um  die  Ausbildung  der  seinem  Gommando 
unterstandenen  Truppen  erworben  hat,  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  dem 
FZM.  Frh.  von  Maroicic  bei  seinem  Scheiden  aus  dem  activen  Dienste  das 
Großkreuz  des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegsdecoration  des  Ritterkreuzes 
allergnädigst  zu  verleihen  und  gleichzeitig  ein  Allerhöchstes  Handschreiben 

17' 


Digiti^ed  by  Google 


260  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 

zu  erlassen,  welches  dem  Scheidenden  in  überaus  huldvollen  Worten  Lob  und 
Dank  spendete. 

Am  17.  October  1882  beschloss  er  in  Wien  sein  dem  Thron  und  Vaterland 
geweihtes  Heldenleben,  wobei  sich  denn  noch  ein  letztesmal  bei  seinem  Leichen- 
begängnis zeigte,  wie  tief  in  aller  Herzen  die  Verehrung  für  diesen  Kriegsmann 
wurzelte,  indem  ihm  außer  der  Garnison  fast  ganz  Wien  das  Ehrengeleit?  gab. 


Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens 
Franz  Freiherr  von  John. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1866.) 

John  wurde  zu  Bruck  an  der  Leitha  in  Niederösterreich  am  20.  November 
1815  als  Sohn  eines  Sappeur-Officiers  geboren  und  genoss  in  der  k.  k.  Militär- 
Akademie  zu  Wiener-Neustadt  militärische  Erziehung  und  Bildung.  Stets  einer 
der  Ersten  unter  den  Zöglingen,  wurde  er  am  24.  October  1835  als  Lieutenant 
I.  Glasse  ausgemustert  und  zu  dem  Infanterie-Regimente  Erzherzog  Franz  Carl 
Nr.  52  in  Italien  eingetheilt.  Nachdem  er  die  ersten  vier  Jahre  seiner  Dienstzeit 
bei  der  Truppe  gedient,  erfolgte  seine  Zutheilung,  sodann  am  19.  Juni  1845  seine 
völlige  Übersetzung  zum  General-Quartiermeister-Stab,  in  dem  er  am  20.  Juni 
zum  Oberlieutenant,  am  13.  März  1848  zum  Hauptmann  befördert  wurde. 

Als  Generalstabshauptmann  machte  John  den  Krieg  gegen  Piemont  in 
den  Jahren  1848/49  mit.  Zu  Beginn  desselben  zum  Armee-Hauptquartier  gehörig, 
bctheiligte  er  sich  im  Feldzuge  von  1 848  an  dem  Straßenkampfe  während  der 
Revolte  in  Mailand  am  20.  und  21.  März,  an  der  Schlacht  bei  S.  Lucia  am 
6.  Mai,  bei  dem  Angriffe  auf  Montanaraam  29.  und  an  dem  Gefechte  bei  Goito 
am  30.  Mai. 

Vom  7.  Juni  angefangen  Generalstabsofticier  der  Brigade  GM.  Friedrich  Fürst 
Liechtenstein,  kämpfte  er  bei  der  Einnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni,  in  der 
Schlacht  bei  Sommacampagna  und  Sona  am  23.  Juli,  sowie  in  der  Schlarht 
bei  Custozza  am  25.  Juli.  In  der  letzteren  hat  John,  als  die  Brigade  in  Gefahr 
war,  vom  Feinde  überflügelt  zu  werden,  durch  schnelle  Anordnung  einer  Front- 
veränderung nicht  nur  die  drohende  Gefahr  rechtzeitig  beseitigt,  sondern  auch  den 
mit  Obermacht  angreifenden  Feind  zum  schleunigsten  Rückzug  gezwungen.  Im 
ferneren  Verlaufe  des  Gefechtes  hat  er  durch  die  vortheilhafte  Placierung  der  der 
Brigade  zugetheilten  Cavallerie-Batterie  Nr.  2.  welche  John  in  dem  lebhaftesten 
feindlichen  Feuer  in  die  betreffenden  Aufstellungen  führte,  die  feindliche  Artillerie 
zum  Schweigen  gebracht,  aus  ihren  Positionen  verdrängt  und  so  zu  dem  glücklichen 
Ausgange  der  Schlacht  auf  jenem  Punkte  wesentlich  beigetragen. 

Für  diese  hervorragenden  Leistungen  in  der  Schlacht  bei  Custozza  wurde 
Hauptmann  John  in  der  Folge  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe 
decoriert. 


Digitized  by  Google 


Commundeur  de»  M.  T.-O.  Frani  Freiherr  von  Johu. 


261 


Schon  am  Tage  nach  dieser  Schlacht  war  es  ihm  aber  beschieden,  durch 
außerordentliche  Tapferkeit  und  Klugheit  noch  weit  reicheren  Lorbeer  zu  erringen. 
Es  war  dies  bei  dem  denkwürdigen  Nachtgefechte  in  Volta  vom  26.  auf  den 
27.  Juli,  in  welchem  Hauptmann  John  wesentlich  dazu  beitrug,  dass  dieser  Kampf 
siegreich  geführt  wurde. 

Bei  der  Verfolgung  des  Feindes  nach  der  Schlacht  bei  Gustozza  rückte  das 
II.  Corps,  FML  Frh.  D'Aspre,  als  Unker  Flügel  der  Armee  von  dem  Schlacht- 
felde von  Custozza  über  den  Mincio  bei  Valeggio  gegen  Volta  vor.  Die  Brigade 
Liechtenstein  bildete  dabei  die  Vorhut  des  Corps  und  Hauptmann  John  führte  den 
Vortrab. 

Als  die  Brigade  am  26.  Juli  nachmittags  4*/*  L7hr  bei  Valeggio  den  Mincio 
passierte,  um  am  rechten  Ufer  des  Flusses  ein  Lager  zu  beziehen,  erhielt  John,  mit 
der  äußersten  Spitze  des  Vortrabes  außerhalb  Borghetto  angelangt,  von  dem 
Commandanten  des  II.  Armee -Corps,  FML.  Frh.  D'Aspre,  die  mündliche 
Weisung,  statt  ins  Lager  zu  rücken,  ohne  Aufenthalt  nach  Volta,  sodann  weiter 
nach  Cereto  zu  maschieren  und  noch  in  der  Nacht  vom  26.  auf  den  27.  die  Vor- 
posten bis  Guidizzolo  vorzuschieben.  Dabei  erinnerte  FML.  Freih.  D'Aspre 
den  Hauptmann  John,  mit  aller  Vorsicht  zu  marschieren,  weil  er  auf  den  Feind 
stoßen  dürfte. 

Auf  die  Frage  Johns,  was  in  diesem  Falle,  oder  wenn  Volta  bereits  vom 
Feinde  besetzt  wäre,  zu  geschehen  hätte,  lautete  der  entschiedene  aber  kurze  Be- 
scheid: „  Angreifen  und  nehmen!" 

Mit  dieser  Instruction,  die  später  durch  eine  mit  Reißblei  geschriebene, 
ähnlich  lautende  ergänzt  wurde,  setzte  die  Brigade  den  Marsch  bis  in  die  Nähe, 
ungefähr  3  Miglien  vor  Volta,  fort. 

Dort  wurde  etwas  angehalten  und  als  GM.  Fürst  Liechtenstein  zur  äußersten 
Spitze  der  Avantgarde  gelangt  war.  ersuchte  John  denselben  um  die  Erlaubnis, 
mit  einem  Zuge  Husaren  vorreiten  zu  dürfen,  um  den  Ort  zu  recognoscieren,  was 
ihm  gestattet  wurde. 

Mit  diesem  Zuge  ritt  er  nun  im  Trab  und  Galopp  gegen  Volta,  sodann  in 
den  Ort  selbst,  ließ  die  Eingänge  durch  rechts  und  links  abgeschickte  Beobachtungs- 
posten, und  zwar  jeden  Eingang  von  2  Mann  besetzen,  und  gelangte  so  mit 
ungefähr  5  bis  6  Mann  —  immer  in  scharfem  Tempo  fortreitend  —  durch  einen 
Hohlweg  an  den  Ausgang  des  Ortes  gegen  Goito  zu. 

Von  dort  bemerkte  John  auf  ungefähr  1000  Schritte  vor  Volta  auf  der 
Straße  von  Goito  eine  sehr  starke  Colonne,  aus  allen  Waffen  gemischt.  Er  be- 
dachte sich  im  ersten  Augenblicke,  dieselbe  für  eine  feindliche  zu  halten,  da 
ihm  die  in  Volta  am  Platze  versammelten  Einwohr  er  im  Vorbeireiten  zugerufen 
hatten,  es  sei  von  feindlichen  Truppen  nichts  zu  besorgen. 

Die  fortgesetzte  Marschrichtung  der  Colonne  gegen  Volta  belehrte  aber  John 
vom  Gegentheile.  Da  er  nur  wenige  Husaren  bei  sich  hatte,  befahl  er  zweien  von 
ihnen,  die  Straße  abwärts  gegen  die  äußerste  Spitze  der  feindlichen  Vorhut  zu 
sprengen,  den  andern  aber,  auf  der  hochliegenden  Straße  in  scharfem  Tempo  auf 


262  CLXIV.  bU  CLXVIH.  Promotion.  Im  Kriege  voo  1866.  —  Italien. 

und  abzureiten.  Kr  machte  den  Husaren  begreiflich,  dass  es  sich  darum  handle, 
den  Feind  zu  tauschen,  damit  derselbe  glaube,  dass  die  Österreicher  den  Ort  schon 
vollkommen  besetzt  hätten.  Die  Italiener  sollten  dadurch  zum  Halten  veranlasst 
werden,  damit  Zeit  gewonnen  werde,  die  eigenen  Truppen  heranzuziehen. 

In  vollem  Laufe  seines  Pferdes  kehrte  John  zur  Avantgarde  der  Brigade, 
die  ungefähr  noch  eine  gute  Miglie  von  Volta  entfernt  im  Marsche  war,  zurück, 
um  den  Sachverhalt  dem  GM.  Fürsten  Liechtenstein  anzuzeigen.  Dieser  letztere 
war  jedoch  seitwärts  auf  eine  Höhe  zur  Recognoscierung  fortgeritten,  man  wusste 
momentan  nicht,  wohin. 

Hauptmann  John,  der  sich  wohl  bewusst  war,  dass  kein  Augenblick  zu  ver- 
lieren sei,  gal)  daher  dem  anderen  Zuge  Husaren,  welcher  noch  beim  Gros  der 
Avantgarde  eingetheilt  war,  die  Weisung,  mit  den  ebenfalls  bei  derselben  befind- 
lichen 2  Geschützen  der  Cavallerie-Batterie  Nr.  2  im  Trab  und  Galopp  nach  Volta 
an  den  Ausgang  des  Ortes  gegen  Goilo  zu  eilen  und  dort  Aufstellung  zu  nehmen. 

Weiter  ersuchte  John  den  Obersten  Weiß,  der  mit  dem  9.  Jäger-Bataillon 
die  Avantgarde  bildete  und  so  ein  gutes  Stück  Weges  der  Haupttruppe  voraus  war, 
mit  seinem  Bataillon  im  Laufschritt  nach  Volta  vorzurücken. 

Alles  dies  kam  eben  zur  Ausführung,  als  Fürst  Liechtenstein  von  einer  seit- 
wärts der  Straße  liegenden  Höhe  herabgesprengt  kam  und  um  die  Ursache  dieser 
Bewegungen  fragte. 

John  setzte  ihm  in  Kürze  die  Sachlage  auseinander,  behob  schnell  die  ge- 
äußerten Bedenken  des  Brigadiers  und  bewog  denselben,  auch  den  Rest  der  Brigade 
mit  größerer  Besclüeunigung  der  vorauseilenden  Avantgarde  folgen  zu  lassen. 

Darauf  eilte  John  selbst  der  Avantgarde  nach  Volta  nach,  erreichte  die 
Cavallerie-Abtheilung  mit  den  2  Geschützen  noch  vor  dem  Orte,  führte  beide  an 
den  Ausgang  gegen  Goito  und  placierte  dort  die  beiden  Geschütze. 

Der  beabsichtigte  Zweck  war  inzwischen  vollständig  erreicht  worden.  Die 
feindliche  Colonne.  zwei  starke  Brigaden,  hatte  ihren  Marsch  eingestellt  und  suchte 
sich  aus  der  Marschlinie  zum  Angriffe  zu  formieren.  Ihre  zwei  Batterien  fuhren  in  der 
Ebene  200  bis  300  Schritte  von  einander  auf  und  eröffneten  ein  sehr  heftiges  Feuer 
gegen  die  beiden  Geschütze,  deren  Commandanten  John  angewiesen  hatte,  außer 
gegen  Infanterie-Colonnen,  nicht  zu  feuern,  um  für  die  feindlichen  Geschütze  nicht 
als  Zielscheibe  zu  dienen  und  der  nachfolgenden  Infanterie  das  Hervorbrechen  aus 
dem  Hohlwege  nicht  zu  erschweren. 

Die  zwei  Züge  Husaren  bildeten  mit  den  beiden  Geschützen  eine  Zeitlang 
die  einzige  Besatzung  von  Volta,  bis  das  9.  Jäger-Bataillon  anlangte  und  durch 
Hauptmann  John  unter  dem  feindlichen  Feuer  in  seine  Aufstellung  auf  die  öst- 
lichen Höhenabiälle  geführt  wurde. 

Eine  halbe  Stunde  später  langte  das  Gros  der  Brigade,  nämlich  das 
2.  Kaiser-Jäger-Bataillou,  das  Regiment  Erzherzog  Franz  Carl  mit  4  Geschützen, 
2  Divisionen  Reuß-Husaren  und  eine  Pionnier- Abtheilung  in  Volta  an.  Auch 
diese  Truppen  führte  Hauptmann  John,  je  nach  der  Lage  des  Terrains,  in  die  zur 
Besetzung  Voltas  geeigneten  Aufstellungen,  darunter  eine  Division  von  Erzherzog 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.  O.  Fraoi  Freiherr  von  Jobn. 


Franz  Carl  und  4  Geschütze  in  die  linke,  dem  feindlichen  Feuer  am  meisten  aus- 
gesetzte Flanke. 

Der  Feind  entwickelte  sich  indessen  immer  mehr  und  richtete  seine  ersten 
Hauptangriffe  auf  den  linken  Flügel  der  Stellung. 

In  diesem  Augenblicke  erschien  der  Divisionär,  FML.  Graf  Wimpffen  und 
verfügte  sich  mit  John  auf  die  Höhe  nächst  der  Hauptkirche,  um  die  Aufstellung 
der  Brigade  zu  prüfen.  Er  fand  die  Lage  für  dieselbe  gefährlich  und  äußerte 
gegen  John:  »Ziehen  Sie  schnell  alle  Truppen  der  Brigade  aus  Volta,  denn  gegen 
diese  Übermacht  dürften  wir  uns  hier  nicht  behaupten." 

Da  jedoch  diese  Äußerung  mehr  gesprächsweise  als  befehlend  gethan  war, 
erlaubte  sich  Hauptmann  John,  an  den  FML.  Grafen  Wimpffen  die  Bitte  zu  richten, 
nur  eine  halbe  Stunde  Verzug  zu  gestatten,  da  während  dieser  Zeit  das  Gros  des 
Corps  gewiss  Hilfe  und  Unterstützung  bringen  und  die  Opfer  der  Brigade 
bei  ungesäumter  Vertheidigung  gewiss  geringer  sein  würden,  als  bei  einem  späteren 
Angriffe. 

FML.  Graf  Wimpffen  stimmte  schließlich  dem  Hauptmann  John  bei. 

In  diesem  Momente  wurde  der  linke  Flügel  bereits  sehr  hart  gedrängt.  Um 
denselben  zu  unterstützen,  war  schon  ein  Theil  der  Reserve  von  Franz  Carl 
verwendet  worden.  Da  bis  dahin  außer  der  Brigade  Liechtenstein  noch  immer 
keine  anderen  Truppen  in  Volta  eingetroffen  waren,  blieb  nichts  übrig,  als  einen 
Theil  der  auf  dem  rechten  Flügel  aufgestellten  Truppen  nach  dem  linken  zu  werfen. 
Inzwischen  waren  auch  die  am  Ausgange  gegen  Goito  aufgestellten  beiden 
Geschütze  und  Abtheilungen  vor  der  Heftigkeit  des  feindlichen  Feuers  zurück- 
gewichen. Da  keine  anderen  Truppen  behufs  Abwehr  des  feindlichen  Angriffes 
zur  Verfügung  standen,  führte  Hauptmann  John  jene  Geschütze  und  Abtheilungen 
neuerdings  in  die  verlassenen  Aufstellungen  zurück.  So  behauptete  sich  der 
linke  Flügel,  bis  die  durch  den  Corps -Commandanten  vorgesendeten  Unter- 
stützungen im  äußersten  Augenblicke  anlangten. 

Nicht  minder  wesentlichen  Einfluss,  als  auf  die  Besetzung  Volta s  und  auf 
die  Einleitung  des  Gefechtes,  nahm  Hauptmann  John  auf  den  Verlauf  des  nach- 
folgenden blutigen  Nachtkampfes. 

So  führte  er  die  größtenteils  nur  mit  Schaufeln  und  Krampen  bewaffnete 
Brigade-Fionnier-Abtheilung,  deren  Commandaut  verwundet  worden  war,  sowie 
die  Pionniere  der  Brüekenequipage,  zur  Unterstützung  einer  Abtheilung  von  Franz 
Carl-Infanterie  vor,  die  einen  der  Straßen- Eingänge  nur  mehr  mit  ungefähr 
15  Mann  zu  vertheidigen  suchte.  Er  führte  die  Unterstützung  auch  persönlich  zum 
Sturme  und  ermöglichte  dadurch  die  Behauptung  diese*  Punktes. 

John  errichtete  ferner  während  des  Nachtkampfes  mit  einer  Pionnier-Ab- 
theilung  in  unmittelbarer  Nähe  des  Feindes  und  zum  Theile  unter  dessen  Feuer, 
Barricaden  an  dem  Ausgange  gegen  Guidi/zolo  hin. 

Selbst  in  dem  gefährlichsten  Stadium  des  Kampfes  bewährte  er  unerschütter- 
liche Standhaftigkeit,  indem  er  sieh  von  dem  Corps-Commandanten  eigens  die 
Erlaubnis  erbat,  den  Ort  in  der  Nacht  nicht  zu  räumen.  Am  Morgen  des  27.  endlich 


Digitized  by  Google 


264 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1866.  -  Italien. 


war  es  John,  der  die  etwas  entfernte  Cavallerie,  die  1 .  Majors-Division  von  Reuß- 
Husaren,  zur  Verfolgung  des  weichenden  Feindes  herbeirief,  durch  deren 
Erscheinen  die  rückgängige  Bewegung  desselben  sehr  beschleunigt  wurde. 

Nach  den  übereinstimmenden  Zeugnissen  der  Kameraden  aller  an  dem 
Nachtgefechte  von  Volta  betheiligten  Truppenkörper,  sowie  särnmtlicher  Vorge- 
setzten bis  zum  Corps-Commandauten  hinauf,  hatte  sich  Hauptmann  John  durch 
rasche  Entschlossenheit  und  hervorragend  kluge  Rathschläge,  sowie  durch  wieder- 
holtes selbständiges  Eingreifen  und  außerordentliche  Tapferkeit  ein  wesentliches 
Verdienst  um  den  glänzenden  Sieg  von  Volta  erworben. 

Auf  Grund  der  Waffenthat  bei  Volta  am  26./27.  Juli  1848  geruhte  Seine 
Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über  Votum  des 
Ordens-Capitels  kraft  Promotion  CLVII  vom  2G.  März  1850  den  Hauptmann 
Franz  John  des  Generalstabes  durch  Verleihung  de»  Kleinkreuzes  zum  Ritter 
des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren  und  ihn  in  der  Folge  statuten- 
gemäß in  den  Freiherrnstand  zu  erheben. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Krieges  von  1848/49  kämpfte  Hauptmann  John 
und  zwar  im  Feldzuge  1848  noch  in  den  Gefechten  bei  Gremona  am  30.  Juli  und 
bei  Mailand  am  4.  August,  —  sodann  im  Feldzuge  1849  in  dem  Gefechte  am 
Gravellone  am  20.  März,  in  der  Schlacht  bei  Mortara  am  21.  März  und  in  der 
Schlacht  bei  Novara  am  23.  März.  Daraufmachte  er  die  Expedition  nach  Tos- 
cana.  dabei  den  Angriff  auf  Li  vorn  o  am  10.  und  11.  Mai,  femer  die  Expedition 
in  die  Ro magna  unter  Verfolgung  der  Garibaldischen  Freischaren  bis  August 
1849  mit. 

Für  seine  Verdienste  während  des  Feldzuges  von  1849  wurde  er  in  der  Folge 
mit  dem  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  und  mit  dem  Militär- 
Verdienstkreuz  ausgezeichnet 

Hauptmann  John  hatte  schon  in  diesem  Kriege  in  hervorragender  Weise  alle 
jene  Eigenschaften  eines  Generalstabs-Officiers  der  Schule  Radetzkys  entfaltet, 
dank  welchen  er  späterhin  noch  tingleich  Größeres  und  Ruhmvolleres  vollbringen 
sollte.   Eine  authentische  Charakteristik  Johns  in  seiner  Eigenschaft,  als  General- 
stabs-Officier  aus  den  Jahren  1818/49  möge  darum  dessen  militärisches  Lebens- 
bild vervollständigen.    Sie  stammt  von  dem  GM.  Friedrich  Fürsten  Liechten- 
stein, unter  welchem  John  den  Krieg  von  1848/49  mitgemacht  hatte  und  lautet: 
„Eine  Pflicht  erfülle  ich  nur,  wenn  ich  dem  Hauptmann  Franz  John  des 
Generals-Quartiermeister-Stahes  das  Zeugniß  ausstelle:  daß  er  von  dem  Tag 
als  er  bey  meiner  Brigade  einget heilt  wurde,  nähmlich  am  4Un  Juni  1848  bis 
zum  6teQ  August,  dem  Tag  des  Einmarsches  in  Mailand,  sich  in  jeder  Hinsicht 
als  ein  ganz  ausgezeichneter  Generalstabsol'ücier  bewiesen  hat.    Wenn  an 
Schlachttagen  bey  Vicenza   am   10Un  Juni,  bey  Sona  am  23t,,n  July,  bei 
Custoza  am  25taD  und  endlich  bey  Volta  am  26,fm  und  27 Ua  July  er  die 
Beweise  seiner  Tapferkeit.  Entschlossenheit,  militärischen  Einsicht  und  seines 
richtigen  Blickes  lieferte  und,  mir  mit  Hingebung  zur  Seite  stehend,  wesentlich 
/.um  Gelingen  dieser  Gefechte  beytrug,  so  waren  seine  Verdienste,  die  er  während 


Digitized  by  Google 


Cominandeur  des  M.  T.-O.  Frant  Freiherr  von  John. 


265 


den  angestrengtesten  Märschen  durch  seine  Thätigkeit  und  Sorgfalt  für  die 
Truppe  sich  erwarb,  nicht  minder.  Er  wußte  hiedurch  sich  außer  meinem  vollen 
Zutrauen  auch  die  Liebe  und  das  Zutrauen  im  höchsten  Grade  der  Truppe  zu 
erwerben  und  vereinigt  hiemit  alle  Eigenschaften  eines  ausgezeichneten  General- 
stabsofficiers.  Nur  glücklich  kann  sich  jeder  General  schätzen,  bey  dessen 
Abtheilung  Hauptmann  John  sich  eingetheilt  befindet.  ■ 

Diese  Charakteristik  Johns  als  Generalstabs-Officier  sollte  durch  seine 
späteren  Thaten  in  seltener  Weise  bekräftigt  wei  den. 

Nach  dem  Kriege  gegen  Piemont  am  24.  October  1849  zum  Major 
befördert,  war  John  Generalstabschef  der  k.  k.  Occupations-Truppen  inToscana; 
dabei  fungierte  er  vom  November  1850  bis  Juli  1852  als  Präses  einer  Liqui- 
dations-Commission,  welche  seitens  der  k.  k.  österreichischen  und  toscanischen 
Regierung  eingesetzt  war,  um  die  Verpflegsgebüren  der  auf  toscanischem  Gebiete 
während  der  Occupation  befindlichen  k.  k.  Truppen  zu  bestimmen.  Major  Frh.  von 
Johns  nach  beiden  Seiten  gerechtes  Vorgehen  hiebei  wurde  ihm  nicht  nur  seitens 
der  vorzüglich  verpflegten  Truppen  mit  warmer  Dankbarkeit,  sondern  auch  seitens 
der  nach  Thunlichkeit  geschonten  Bevölkerung  mit  hoher  Achtung  und  aufrichtiger 
Zuneigung  gelohnt.  Vom  August  des  Jahres  1852  war  Frh.  von  John  Generalstabs- 
chef des  VIII.  Corps  in  Bologna. 

Am  23.  März  1854  zum  Oberstlieutenant,  am  16.  April  1857  zum 
Obersten  und  Regiments-Commaridanten  des  1.  Infanterie-Regiments  befördert, 
vertauschte  an  letzterem  Tage  Frh.  von  John  auf  kurze  Zeit  den  Generalstabs-  mit 
dem  Truppendienste. 

Als  Comniandant  des  1.  Infanterie-Regiments  führte  er  im  Kriege  gegen 
Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  bei  der  Einleitung  des 
Feldzuges  die  von  Vercelli  als  Streifcommando  gegen  die  Dora  baltea 
entsendete  Halbbrigade.  Dieselbe  bildete,  nachdem  das  Armee-Commando  statt 
Alessandria,  am  7.  Mai  Turin  zum  Operations-Object  genommen  halte,  die 
äußerste  Deckung  der  rechten  Flanke  der  Armee.  Oberst  Frh.  von  John  brachte  in 
Erfahrung,  dass  um  jene  Zeit  70.000  bis  75.000  Franzosen  bereits  auf  sardinischem 
Boden  standen  und  Kaiser  Napoleon  III.  sicher  im  Lande  erwartet  werde,  stellt*' 
aber  überdies  durch  seine  am  8.  bis  Ivrea  ausgedehnte,  energische  Recogno- 
scierung  fest,  dass  das  ganze  Gebiet  der  Dora  baltea  für  große  Armeekörper  völlig 
ungangbar  gemacht  war.  Er  meldete  dies  dem  Armee-Commando  mit  dem 
Bedeuten,  dass  von  jener  Seite  keine  größere  Unternehmung  zu  besorgen  stand. 
In  der  That  wurde  Johns  Annahme  durch  weitere,  am  9.  einlaufende  Meldungen 
dahin  bestätigt,  dass  die  Linie  der  Dora  baltea  vom  Feinde  gänzlich  geräumt 
war  und  die  Franzosen  sich  von  Turin  nach  Alessandria  gewendet  hatten, 
infolge  dessen  die  Offensive  eingestellt  wurde,  die  Armee  in  der  Lomellina 
eine  Centraistellung  bezog,  Oberst  Frh.  von  John  aber  von  Ivrea  mittels  eines 
Gewaltmarsches  in  der  Nacht  vom  9.  auf  den  10.  Mai  nach  Vercelli  einrückte. 

Schon  vor  dieser  Expedition  war  Oberst  Frh.  von  John  am  5.  Mai  wieder  zum 
General-Quartierriieisler-Stabe  übersetzt  worden,  und  zwar  als  Generalstabschef  des 


Digitized  by  Google 


26« 


CLXIV.  bis  CLXVID.  Promotion.  — 


Im  K  riefe  von  1866. 


—  Italien. 


nach  Tirol  designierten  VI.  Armee-Corps.  Er  trug  wesentlich  dazu  bei,  dass  dasselbe 
trotz  großer  Schwierigkeiten  rasch  mqbilisiert  wurde  und  nicht  minder  rasch  den 
Aufmarsch  in  Tirol  vollzog.  Es  war  jedoch  nur  einer  Brigade  des  Corps  vergönnt, 
vor  den  Feind  bei  Solferino  zu  gelangen.  Die  sonst  eingeleitete  Cooperation  des 
Corps  mit  der  Armee  blieb  infolge  dep  Rückzuges  der  letzteren  hinter  den  Mincio 
nur  auf  die  Fühlungnahme  mit  dem  Gegner  beschränkt,  so  dass  es  dem  Obersten 
Frh.  von  John  in  diesem  Kriege  nicht  beschieden  war,  unmittelbaren  Antheil  am 
Kampfe  zu  nehmen. 

Nach  dem  Kriege  von  1859  wurde  Oberst  Frh.  von  John  am  2.  December  1850 
zum  Generalstabschef  der  II.  Armee  in  Verona  ernannt.  Tn  dieser  Dienstesstellung 
am  19.  December  1861  außer  der  Tour  zum  Generalmajor  befördert,  widmete 
er  sich  gänzlich  den  vorbereitenden  Detailarbeiten  einer  eventuellen  Verteidigung 
Venetiens  und  des  Südostens  der  Monarchie  mit  Rücksichtnahme  auf  die  infolge 
des  Krieges  von  1859  wesentlich  geänderten  politischen  und  strategischen  Ver- 
hältnisse. Diese  durch  mehr  als  sechs  Jahre  fortgesetzte  Thätigkeit  ließ  GM.  Frh.  von 
John,  welcher  ohnedem  seit  dem  Beginne  seiner  Laufbahn  ausschließlich  in  Italien 
gedient  hatte,  mit  allen  Verhältnissen  des  voraussichtlichen  Kriegsschauplatzes 
sowie  insbesondere  jenen  des  Gegners  selbst  eine  so  innige  Vertrautheit  erwerben, 
dass  er  in  dieser  Beziehung  seitens  der  ganzen  Armee  als  Autorität  anerkannt 
wurde  und  sich  auch  des  Allerhöchsten  Vertrauens  des  Obersten  Kriegsherrn 
erfreute.  Letzteres  manifestierte  sich  unter  anderem  durch  eine  allergnädigste 
Anordnung  Seiner  Majestät  des  Kaisers  vom  Jahre  1862.  gemäß  welcher  eines 
der  nach  dem  Kriege  von  1859  neu  erbauten  Forts  von  Verona,  jenes  von 
St.  Venerio  bei  Montario,  den  Namen  »Fort  John-  zu  führen  hatte. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  GM.  Frh. 
von  John  in  der  That  als  Generalstabschef  der  Süd-Armee  den  Feldzug  in  Italien 
mit  und  wurde  auch  von  Seiner  k.  k.  Hoheit  dem  durchlauchtigsten  FM.  Erzherzog 
Albrecht,  gleich  seit  der  Übernahme  des  Commandos  über  die  im  Süden  der 
Monarchie  aufgebotenen  Streitkräfte,  durch  vollstes  Vertrauen  in  jeder  Richtung 
ausgezeichnet. 

Johns  Wirken  auf  diesem  Posten  war  nach  der  Natur  der  Dinge  meisten- 
theils  auf  das  geistige  Gebiet  der  Conception  strategischer  Operationen,  taktischer 
Dispositionen  und  sonstiger  Maßnahmen  der  obersten  Leitung  gebannt.  Seine 
Thätigkeit  konnte  darum,  außer  den  grundlegenden  Vorarbeiten  nur  in  den  ver- 
schiedenartigen Ausfertigungen  der  operativen  Entwürfe.  Anordnungen  zur 
Schlacht  u.  d.  gl.  individuellen  Ausdruck  finden.  Sonst  gieng  sein  Wirken  in  der 
Feldherrnthätigkeit  des  erlauchten  Armee -Commandanten  auf,  trat  dafür  aber 
umso  greifbarer  in  den  glänzenden  Erfolgen  des  Krieges  mit  in  Erscheinung. 

Deshalb  gilt  es,  nebst  der  vorangestellten  Skizze  des  Krieges  in  Italien, 
auch  den  diesfälligen  Theil  des  Lebenslaufes  Seiner  k.  k.  Hoheit  des  Erzherzogs 
Albrecht,  hauptsächlich  aber  —  zumal  keine  That  beschreibung  Johns  vorliegt  — 
nachfolgendes  autoritative  Beweisthum  seiner  Waffenthat  zu  würdigen,  womit  der 
erlauchte  Sieger  von  Custozza,  lange  bevor  er  über  Allerhöchsten  Auftrag  Seiner 


Digitized  by  Google 


CommaDdeur  de«  M.  T.-O.  Frani  Freiherr  von  Jobn. 


Majestät  des  Kaisers  um  das  Großkreuz  selbst  sich  bewarb*),  jenen  wesentlichen 
Antheil  an  seinem  Siege,  welcher  dem  GM.  Frh.  von  John  als  seinem  Generalstabs- 
chef zukam,  demselben  auch  in  wahrhaft  erhabener  Selbstlosigkeit  zusprach  und 
nachfolgend  bezeugte: 

„Ich  gebe  hiemit  unaufgefordert  und  gewissenhalt  Meinem  Generalstabs- 
chef,  FML.  Franz  Freiherrn  von  John  Zeugniß  von  dem  Antheile,  welchen  der- 
selbe an  den  vollbrachten  Operationen  und  bisher  erreichten  Resultaten  dieses 
Feldzuges  gehabt  hat. 

Nachdem  der  genannte  Herr  Feldmarschall-Lieutenant  sowohl  durch  seine 
über  die  Grenzen  der  pflichtgemäßen  Defensive  hinausgehenden,  mit  ebensoviel 
Präcision  und  Vorzüglichkeit  als  moralischem  Mute  entworfenen  Einleitungen  der 
Operationen,  zu  deren  Gelingen  den  Grund  gelegt  —  als  durch  seine  mit  mili- 
tärischem Scharfblicke,  mit  Ruhe  und  Festigkeit  ertheilten  Rathschläge  und 
auf  meine  Anordnung  ausgeführten  Dispositionen,  während  der  Schlacht,  zum 
glücklichen  Ausgange  und  der  entscheidenden  Wirkung  derselben  wesentlich 
beigetragen:  so  beauftrage  ich  diesen  Meinen  Herrn  Generalstabschef  —  in 
gerechter  Würdigung  seiner  Verdienste  um  eine  hohe  Auszeichnung  --  statuten- 
mäßig um  das  Commandern-- Kreutz  des  Mil.  Maria -Theresien-Ordens  beim 
nächsten  Ordenskapitel  einzukommen.' 

bi  Ansehung  des  erlauchten  Augenzeugen,  sowie  der  Tragweite  der  Schlacht 
von  Custozza  für  die  thunlichste  Einschränkung  jener  unabsehbaren  Nachtheile, 
welche  die  Katastrophe  im  Norden,  ohne  den  vorangegangenen  Sieg  im  Süden, 
über  die  Monarchie  heraufbeschworen  hätte,  kommt  dem  vorstehenden  Beweis- 
thum hinsichtlich  des  Antheiles  des  GM.  Frh.  von  John  an  dem  Sieg  von  Custozza 
erhöhte  geschichtliche  Bedeutung  zu,  umsomehr  als  Frh.  von  John,  wie  erwähnt, 
bei  seiner  Bewerbung  um  das  Commandeur-Kreuz  des  Maria  Theresien- Ordens 
keine  Thatbeschreibung  seiner  Waffenthat  beigebracht,  sondern  nur  das  vor- 
stehend wiedergegehene  Zeugnis,  gemäß  des  in  demselben  gleichzeitig  enthaltenen 
Befehls,  dem  Ordens-Capitel  vorgelegt  hat. 

Auf  Grund  des  in  solcher  Weise  authentisch  erhärteten  wesentlichen  Antheils 
an  dem  Siege  von  Custozza  und  der  dadurch  vollbrachten  Waffenthat  geruhte 
Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  l.  als  Erhabener  Großmeister  über 
Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  vom  29.  August  18(56  den 
noch  am  Schlachtfelde  von  Custozza  am  Tage  nach  der  Schlacht  außer  der  Rangs- 
tour zum  Feldmarschall-Lieutenant  beförderten  Franz  Freiherrn  von  John 
zum  Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Infolge  der  unglücklichen  Kriegsereignisse  im  Norden  erfuhr  das  so  ersprieß- 
liche Wirken  des  FML.  Frh.  von  John  auf  dem  südlichen  Kriegschauplatze  das 

•)  Wahrend  das  von  Seiner  k.  u.  k.  Hoheit  dein  FM.  Erzherzog  Albrecht  dem  GM.  Frh.  vor, 
John  ausgestellte  Zeugnis  aus  dem  Hauptquartier  Sommac  am  pagna  vom  28.  Juni  1866  datiert  ist, 
bewarb  Bich  der  erlauchte  Sieger  st-lbst,  laut  des  im  Ordensarchiv  verwahrten  statutenmäßigen  An- 
suchens, erst  über  Allerhöchsten  Auftrag  Seiner  Majestät  des  Kaisers  aus  dem  Hauptquartier 
(ialliera  am  11.  Juli  lbütt  um  das  Grolikreuz  des  Maria  Theresien-Ordens. 


Digitized  by  Google 


CLXIV.  bia  CLXVUI.  Promotion.  -  Im  Kriege  vou  1866.  -  Italieu. 


gleiche  unerwartet  jähe  Ende,  wie  die  siegreiche  Feldherrnthätigkeit  des  Erz- 
herzogs Alb  recht.  Unter  einem  mit  Ernennung  des  Letzteren  zum  Obercomman- 
danten wurde  Frh.  von  John  am  10.  Juli  186G  zum  Chef  des  Generalstabes 
der  gesammten  operierenden  Armee  ernannt.  Mit  dem  Erzherzog  begab  er 
sich  von  Conegliano  am  12.  Juli  nach  dem  nördlichen  Kriegschauplatze. 

Gleich  wie  bisher,  so  gieng  auch  weiterhin  sein  Wirken  äußerlich  ununter- 
scheidbar  in  der  Feldherrn-Thätigkeit  des  erlauchten  Ober-Commandanten  auf. 
Dabei  galt  es  aber,  auf  dem  nördlichen  Kriegsschauplatze  noch  weit  größere 
Schwierigkeiten  zu  bewältigen,  als  vordem  im  Süden.  Unter  der  heldensinnigen, 
zielbewussten  und  energischen  Oberleitung  des  Erzherzogs  Alb  recht  entfaltete 
jedoch  auch  FML.  Frh.  von  John  mit  der  anwachsenden  Riesen-Aufgabe  eine 
immer  umfassendere  Befähigung  und  verdoppelte  Umsicht  und  Thatkraft  als  Chef 
des  ( 'eneralstabes.  So  hatte  er  auch  wieder  seinen  rühmlichen  Antheil  an  der 
außerordentlich  laschen  Concentrierung  der  Nord-Armee  von  Olmütz  und  der 
Süd-Armee  aus  Venetien  an  der  Donau  zu  einer  neuen  gewaltigen  Armee, 
welche  durch  rasch  herangezogene  Ergänzungen  verstärkt,  binnen  zwölf  Tagen 
nach  der  Ankunft  des  Erzherzogs  Albrecht  mit  dem  FML.  Frh.  von  John  in 
Wien,  nur  des  Befehls  des  Obersten  Kriegsherrn  harrte,  um  mit  200.000 
Mann  und  800  Geschützen  dem  Gegner  eine  Hauptschlacht  zu  liefern. 

FML.  Frh.  von  John  wusste  jedoch  nicht  bloß  den  militärischen  Anforderungen 
seiner  Stellung  vollauf  zu  genügen,  sondern  auch  allen  Anforderungen  der  politi- 
schen Gesammtlage  der  Monarchie  Rechnung  zu  tragen.  Während  er  in  militärischer 
Beziehung  wesentlich  dazu  beigetragen  hatte,  der  Cherschreitung  der  Donau 
seitens  des  Feindes  alle  verfügbaren  Kräfte  in  kürzester  Zeit  entgegenzustellen, 
erblickte  er  gleichwohl  in  der  thatsächlichen  Fortsetzung  des  Kampfes  bis  zum 
äußersten  keinen  Vortheil  mehr  für  die  Monarchie  und  war  daher  in  den  verschie- 
denen Berathungen  für  den  ehrenvollen  Frieden,  zu  welchem  der  Gegner  ange- 
sichts der  Machtentfaltuug  an  der  Donau  seine  Hand  bot.  Von  dem  glänzenden 
Siege  im  Süden,  von  dem  hohen  persönlichen  Ruhm  seines  wesentlichen  Antheils 
daran  unbeirrt,  bewährte  sich  da  FML.  Frh.  von  John  auch  als  besonnener,  weit- 
blickender, nur  nach  patriotischer  Überzeugung  handelnder  Staatsmann. 

Endlich  aber  halt«;  er  in  dem  Doppelkriege  von  1866  einen  weiteren  wesent- 
lichen Antheil  daran,  dass  dessen  Nachtheile  für  die  Monarchie  auf  das  geringste 
Maß  eingeschränkt  wurden.  Er  trug  nämlich  durch  seine  Maßnahmen  nach  Ab- 
schluss  der  Friedenspräliminarien  im  Norden  ausschlaggebend  dazu  bei,  dass 
hinnen  nicht  ganz  zwei  Wochen  wieder  eine  Armee  von  130.000  Mann  von  der 
Donau  an  den  lsonzo  und  nach  Kärnten  geworfen  und  durch  kraftvolle  Wieder- 
einleitung der  Offensive  auch  Italien  gegen  Mitte  August  zur  Annahme  der 
Friedenspräliminarien  vermocht  werden  konnte. 

Kaum  wrar  der  Krieg  beendet,  wurde  FML.  Frh.  von  John  am  G.  September  1 860 
zum  Chef  des  Generalstabes  der  Armee  ernannt,  unter  einem  aber  auch  mit 
der  Leitung  des  Kriegsniinisteriums  betraut,  um  unter  der  Oberleitung  des 
gleichzeitig  zum  Armee-Ober-Coinmandanten  ernannten  FM.  Erzherzog  Alb  recht 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-O.  Fron«  Freiherr  von  John. 


209 


an  die  Heeres-Reformen  Hand  zu  logen,  deren  Durchführung  sich  nach  den 
Erfahrungen  des  letzten  Krieges  als  unabweislich  herausgestellt  hatte. 

Am  30.  October  1866  definitiv  zum  Kriegsmiriister  unter  gleichzeitiger 
Verleihung  der  Würde  eines  Geheimen  Rathes  und  am  i.  December  zum 
Oberst-lnhaher  des  76.  Infanterie-Regiments  ernannt,  versah  Frh.  von  John 
sowohl  sein  Ressort  als  Kriegsminister  wie  auch  die  Functionen  als  Chef  des 
Generalstabes  und  legte  den  ersten  Grund  zu  einer  neuen  Organisation  des  Heeres. 

Den  neuen  verfassungsmäßigen  Staatseinrichtungen  gemäß  vertrat  er  die 
Angelegenheiten  seines  Ressorts  auch  im  Reichsrathe.  Durch  soldatische  Grad- 
heit,  Schlichtheit  und  Festigkeit  gewann  er  trotz  aller  Gegenströmungen  im  öster- 
reichischen Reichsrathe  wie  auch  in  der  Presse  dennoch  schließlich  stets  sowohl 
die  Vertretungskörper  als  die  öffentliche  Meinung  für  die  eingebrachten  Militär- 
Vorlagen. 

Am  5.  Mai  1867  wurde  er  selbst  Mitglied  einer  der  gesetzgebenden  Körper- 
schaften, indem  ihn  Seine  Majestät  der  Kaiser  zum  lebe nsl änglichen  Mil- 
gliede  des  Herrenhauses  des  österreichischen  Reichrathes  ernannte. 

Infolge  der  dualistischen  Gestaltung  der  Monarchie  erfolgte  am  24.  December 
1867  die  Ernennung  des  FML.  Frh.  von  John  zum  Reichskriegsminister,  doch 
wurde  er  von  diesem  Posten  über  seine  Ritte  schon  am  18.  Jänner  1868  unter 
gleichzeitiger  Verleihung  des  Großkreuzes  des  Leopold-Ordens  wieder 
enthoben. 

Nach  etwas  mehr  als  Jahresfrist,  am  27.  März  1869,  erfolgte,  nachdem  John 
auch  um  seine  Enthebung  von  den  Functionen  des  Chefs  des  Generalstabes  gebeten 
hatte,  dessen  Ernennung  zum  Commandierenden  General  in  Graz,  auf 
welchem  Posten  er  am  23.  April  1873  zum  Feldzeugmeister  befördert  wurde. 

Nachdem  er  durch  mehr  denn  fünf  Jahre  als  Commandiererider  General  in 
Graz  befehligt,  dabei  aber  wiederholt  an  dem  Marschallsrathe  behuls  Berathung 
der  Heeresreformen  in  Wien  theilgenommen  hatte,  wurde  er  am  14.  Juni  1874 
neuerdings  zum  ChefdesGeneralstabes  der  Armee  ernannt.  Den  während 
des  deutsch-französischen  Krieges  von  1870/71  gemachten  Beobachtungen  und 
Erfahrungen  Rechnung  tragend,  baute  er  die  von  dem  Reichskriegsminister  FZM. 
Frh.  von  Kuhn  als  seinem  Vorgänger  begonnenen  Reformen  in  der  Organisation 
des  k.  k.  Generalstabes  sowohl  nach  wissenschaftlicher  als  praktischer  Rich- 
tung allseitig  weiter  aus.  Die  schöpferischen  Verdienste  Johns  um  feste  Grund- 
lagen für  die  Fortentwicklung  des  k.  k.  Generalstabes  werden  unter  den  Heeres- 
Reformen  der  Siebziger-Jahre  stets  einen  hervorragenden  Rang  einnehmen.  Seine 
organisatorische  Friedensthätigkeit  hat,  wiewohl  nicht  abgeschlossen,  der  Armee 
ein  geistiges  Vermächtnis  hinterlassen,  durch  welches  im  Vereine  mit  seinen 
Waffenthaten  von  Volta  und  Custozza  der  Name  John  im  Heere  unvergessluh 
fortlebt. 

Mitten  im  eifrigsten  und  fruchtbarsten  Schaffen,  bei  vollster  Thätigkeit  im 
Allerhöchsten  Dienste  zum  Wohle  des  Vaterlandes  und  der  Armee,  ward  er  vor- 
zeitig am  25.  Mai  1876  von  plötzlichem  Tode  ereilt. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


270 


CLXTV.  bis  CLXVIII.  Promotion.      Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 


Auf  Allerhöchsten  Befehl  Seiner  Majestät  des  Kaisers  wurden  Johns  sterb- 
liche Oberreste  mit  den  höchsten  militärischen  Ehren  bestattet.  Unter  großartiger 
Betheiligung  der  Bewohner  Wiens  gab  die  gesammte  Garnison,  mit  den  kaiser- 
lichen Prinzen  an  der  Spitze,  dem  Verblichenen  das  letzte  Geleite.  Seine  zweite 
Vaterstadt,  die  k.  k.  Haupt-  und  Residenzstadt  Wien,  weihte  ihm  in  ihrem 
Pantheon  auf  dem  Centrai-Friedhofe  späterhin  ein  Ehrengrab  und  der  k.  k. 
Generalstab  ehrte  in  der  Folge  das  Andenken  seines  ausgezeichneten  Chefs  in 
dankbarer  Pietät  durch  Errichtung  eines  Denkmals  auf  Johns  letzter  Ruhestätte. 
Die  höchste  Huldigung  aber  brachte  den  Manen  Johns  der  Sieger  von  Cuslozza, 
Erzherzog  Albrecht  dar,  indem  er  sofort  nach  Johns  Tod  auf  den  Sarg  des  Ver- 
blichenen einen  Lorbeerkranz  niederlegte  mit  der  Inschrift: 

Meinem  Freunde! 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Emst  Härtung. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1866.) 

Härtung,  einer  vor  Jahrhunderten  aus  Langensalza  in  Hannover  nach 
Österreich  eingewanderten  Familie  entstammend,  wurde  als  Sohn  eines  k.  k. 
Staatsbeamten  zu  Schwechat  bei  Wien  im  Jahre  1808  geboren.  Er  genoss  in  der 
Wiener  k.  k.  Ingenieur-Akademie  militärische  Erziehung  und  Ausbildung  und 
wurde  am  12.  October  1827  zudem  1.  Infanterie-Regiment  als  Fähnrich  aus- 
gemustert. In  diesem  Regimente  diente  er  durch  mehr  als  20  Jahre.  Am  15.  März 
1831  zum  Lieutenant,  am  IG.  August  1834  zum  Oberlieutenant  befördert, 
versah  er  in  letzterer  Charge  durch  drei  Jahre  die  Dienste  eines  Regiments- 
Adjutanten.  Am  I.März  1841  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Capitän-Licu- 
tenant  und  am  1.  März  1844  wurde  er  Hauptmann. 

Mit  seinem  Regiment  in  Italien  dislociert,  wuchs  er  sozusagen  in  der  Schule 
Radetzkys  auf,  welche  trotz  tiefsten  Friedens  den  Officier  wie  den  Mann  unaus- 
gesetzt für  den  Krieg  vorbereitete  und  so  den  Eifer  Hartungs  als  wissenschaftlich 
gebildeten  und  fortstrebenden  Officier  mächtig  spornte.  Er  war  zudem  durch  und 
durch  Soldat  in  der  vornehmsten  Bedeutung  des  Wortes,  die  edelste  Verkörperung 
des  österreichischen  Officiers.  Er  dachte  und  fühlte,  lebte  und  wirkte  nur  für  die 
k.  k.  Armee:  sie  galt  ihm  als  seine  Familie. 

So  fanden  ihn  die  Ereignisse  des  Jahres  1848  als  Hauptmann  in  Mailand, 
wo  er  mit  seinem  Regiment  in  der  Brigade  Wohlgemuth  bei  dem  1.  Armee-Corps 
FML.  Grafen  Wratislaw  eingetheilt  war.  Er  machte  zunächst  die  Straßenkämpfe 
in  Mailand  vom  18.  bis  22.  März,  sodann  den  Krieg  gegen  Pieniont  in  den 
Jahren  1 848/49  mit. 

Na«"h  dem  Rückzug  der  Armee  nach  Verona  bei  dem  II.  Armee-Corps  Frh. 
D'Aspre  in  der  Brigade  des  GM.  Fürsten  Wilhelm  Taxis  mit  seinem  Regimente 
eingetheilt,  kämpfte  er  in  dem  Feldzuge  1848  in  dem  Gefechte  bei  Valeggio  am 


Digitized  by  Google 


i 

I 

: 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ernst  Härtung. 


271 


0.  April,  in  der  Schlacht  bei  S.  Lucia  am  6.  Mai, in  dem  Gefechte  bei  Curtatone- 
Munta nara  am  20.  Mai,  in  der  Rccognoscierung  bei  Cerlungo  am  3.  Juni  und 
bei  der  Einnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni  mit. 

In  allen  diesen  Kämpfen  bewies  Härtung  ebensosehr  kaltblütige  Tapferkeit 
als  ruhige  Umsicht  und  that  sich  namentlich  bei  Vicenza  dermaßen  hervor,  dass 
er  laut  Befehl  des  FM.  Grafen  Radetzky  am  16.  Juni  1848  außer  der  Tour 
zum  Major  bei  dem  Infanterie-Regiment  Nr.  17  befördert  wurde. 

An  der  Spitze  seines  Bataillons  kämpfte  er  von  da  an  im  Jahre  1848,  weiter 
mit  und  zwar  in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  25.  Juli,  in  den  Vorhut-Gefechten 
bei  Ca  di  M  ari  am  30.  Juli,  bei  Basiasco  und  Turano  am  2.  August  und  in  dem 
Gefechte  bei  Mailand  am  4.  August.  Für  seine  Leistungen  in  dem  Feldzuge  1848 
wurde  er  nachträglich  —  21.  Jänner  1850  —  mit  dem  Militär-Verdienst- 
kreuze decoriert. 

Im  Feldzuge  1849  betheiligte  sich  Major  Härtung  an  der  Erstürmung  von 
Borgo  S.  Siro  und  an  dem  Gefechte  bei  Gambolö  am  21.  März.  Sodann  machte 
Härtung  in  dem  I.  Armee-Corps,  Brigade  GM.  Strassoldo,  später  GM.  Pfannzelter, 
endlich  GM.  EH.  Ernst,  den  Zug  in  die  R  o  magna  mit.  Er  kämpfte  mit  und  zwar  bei 
dem  Angriff  und  der  Unterwerfung  von  Bologna  vom  8.  bis  15.  Mai,  endlich  bei  Ein- 
schließung und  Geschützkampf  von  A  ncona  vom  5.  bis  18.  Juni.  In  diesem  Feldzuge 
wurde  Major  Härtung  am  31.  März  1849  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone 
III.  Classe  ausgezeichnet  und  nach  demselben  am  1.  August  1849  zum  Oberst- 
lieutenant befördert.  Seine  Tapferkeit,  sein  charaktervolles  persönliches  Auf- 
treten, seine  Kenntnisse  und  sein  offenes  Wesen  bestimmten  den  Feldmarschall 
Grafen  Radetzky  im  Jahre  1850,  Oberstlieutenant  Härtung  zum  ad  latus  des 
General-Adjutanten  zu  berufen.  Doch  schied  er  nach  drei  Monaten  wieder  aus  dieser 
Stellung,  indem  er  schon  am  5.  Marz  1850  zum  Obersten  bei  dem  23.  Infanterie- 
Regiment  befördert  wurde  und  bald  darauf  das  Commando  desselben  übernahm. 

Am  25.  September  1854  wurde  Härtung  zum  Generalmajor  befördert. 
Als  Brigadier  in  Wien  war  er  berufen,  die  damalige  Neubearbeitung  des 
Dienstreglements  zu  leiten.  Wiewohl  selbst  ein  vorzüglicher  Militär-Stilist,  der 
den  klaren  Gedanken  stets  in  den  treffendsten  Ausdruck  zu  formen  verstand, 
hat  er  mit  richtigstem  militärischen  Blicke  und  feinfühligstem  Takte  aus  dem  Re- 
glement des  Erzherzogs  Carl  vom  Jahre  1808  alle  jene  classischen  Stellen  sorg- 
fältig bewahrt,  welche  ein  bleibendes  Vermächtnis  für  die  k.  u.  k.  Armee  bilden. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
kämpfte  er  mit  seiner  Brigade,  bestehend  aus  dem  niederösterreichischen  Infanterie- 
Regiment  Hessen  Nr.  14  und  den  Dreiundzwanziger-Jägern,  im  III.  Armee- Corps 
des  FML.  Fürsten  Edmund  Schwarzenberg  mit  und  zwar  bei  der  Kanonade  bei 
Valenza  am  3.  Mai.  in  der  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni  und  in  der  Schlacht 
bei  Solferino  am  24.  Juni. 

In  der  Schlacht  bei  Magenta  trat  Härtung  mit  seiner  Brigade,  nach  den 
Gewaltmärschen  der  Armee  vom  2.  bis  4.  Juni,  am  Nachmittag  des  letzteren 
Tages  von  Casterno  über  Carpenzago  gegen  Ponte  vecchio  di  Magenta 


Digitized  by  Google 


272  (XXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 

in  den  Kampf.  Ursprünglich  hatte  Härtung  mit  seiner  Brigade  eine  Aufstellung 
mit  der  Front  gegen  den  Ticino  zu  nehmen.  Als  man  jedoch  vom  Thurme  von 
Casterno  wahrnehmen  konnte,  dass  bei  Magenta  und  Ponte  vecchio  di  Magenta 
gekämpft  werde,  wich  Härtung  von  der  empfangenen  Disposition  ab  und  befahl 
aus  eigener  Entschließung  die  Vorrückung  seiner  Brigade  in  der  Richtung  gegen 
Ponte  vechio  di  Magenta.  Trotzdem  auf  feindlicher  Seite  immer  wieder  frische 
Kräfte  in  den  Kampf  eingriffen,  erstürmte  Härtung  mit  seiner  Brigade  den  Ort 
wiederholt  und  behauptete  sich,  nachdem  er  der  Übermacht  hatte  weichen 
müssen,  schließlich  doch  die  ganz«  Nacht  vom  4.  auf  den  5.  Juni  hindurch  ange- 
sichts von  Ponte  vecchio  di  Magenta  in  Gefechtsstellung  auf  dem  Schlachtfelde. 
Am  5.  mit  Tagesanbruch  nahm  Härtung  den  Kampf  sofort  wieder  auf  und  trat 
erst  infolge  allgemeinen  Rückzugsbefehls  den  Rückzug  an.  Für  seine  Leistungen 
in  der  Schlacht  bei  Magenta  wurde  GM.  Härtung  am  27.  Juni  1859  mit  dem  On'en 
der  Eisernen  Krone  II.  Classe  ausgezeichnet. 

In  der  Schlacht  bei  Solferino  kämpfte  Härtung  mit  seiner  Brigade  von 
8  Uhr  früh  bis  5  Uhr  nachmittags  vorwärts  Guidizzolo  gegen  die  von  Medole 
über  Casanuova  vordringenden  Infanterie-Massen  trotz  verheerenden  Artillerie- 
feuers und  eines  gewaltigen  Cavallerie-Angriffs  des  Feindes  unerschütterlich  bis 
zum  allgemeinen  Rückzugsbefehl  und  wurde  für  sein  Verhalten  mit  dem  Ritter- 
kreuz des  Leopold-Ordens  decoriert. 

Sein  Generalstabsofficier  im  Feldzuge  von  1859  schildert  Hartungs  per- 
sönliches Verhalten  auf  dem  Schlachtfelde  mit  folgenden  Worten : 

.Härtung  war  von  seltener  Unerschrockenheit,  und  machte  die  persönliche 
Gefahr  auf  ihn  keinen  Eindruck;  gerade  als  Brigadier,  wo  er  in  engem  Contact 
mit  der  Truppe  stand  und  anderseits  ihn  der  Gang  des  Gefechts  nicht  ununter- 
brochen in  Anspruch  nahm,  verstand  er  es,  der  Mannschaft  —  gewöhnlich  in 
trockenem  Humor  —  Muth  und  Ausdauer  einzuflößen." 

Bei  den  nach  dem  Kriege  von  1859  in  Angriff  genommenen  Reformen  in 
dem  k.  k.  Heerwesen  betheiligte  sich  GM.  Härtung  an  den  Arbeiten  der  Commission. 
welche  berufen  war,  das  Exercier-Reglement  der  k.  k.  Infanterie  den  geän- 
derten taktischen  Verhältnissen  entsprechend  umzuarbeiten. 

Obwohl  vom  Fähnrich  an  der  Infanterie-Waffe  angehörig  und  in  derselben 
nach  jeder  Richtung  als  Instructor  und  Führer  thätig,  kannte  und  bcurtheilte  er 
auch  mit  scharfem  Rüc  ke  die  anderen  Watten  in  allen  Details  ihres  Dienstes.  Er 
war  ein  ausdauernder  Reiter  und  stets  vorzüglich  beritten.  Ganz  besondere  Vorliebe 
hatte  er  aber  für  das  Artillerie-Wesen  und  kannte  kein  größeres  Vergnügen, 
als  auf  Artillerie-Übungsplätzen  tagelang  auszuharren,  um  seine  Erfahrungen  zu 
bereichern.  Deshalb  wurde  er,  obgleich  nicht  eigentlich  Kachmann,  doch  später- 
hin auch  artilleristischen  Versuchen  und  Erprobungen  beigezogen. 

Am  15.  August  1862  zum  Truppen-Kommandanten  im  Küstenlande  und  in 
Istricn  zu  Triest  ernannt,  rückte  er  am  13.  August  1803  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant  vor  und  wurde  am  12.  Mai  1804  Oberst-Inhaber  des  47.  Infan- 
terie-Regiments. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.O.  Krnst  Härtung. 


273 


Im  Winter  1865  brach  unter  den  in  Triest  garnisonierenden  Truppen  eine 
Cliolera-Epidemie  aus.  Mit  großer  Umsicht.  Energie  und  Sorgfalt  traf  Härtung, 
von  den  Organen  des  Truppen- Commandos  bestens  unterstützt,  alle  Maßregeln, 
um  die  Epidemie  zu  bekämpfen.  Bei  diesem  Anlasse  durchbrach  seine  wahrhaft 
kameradschaftliche  Liebe  für  alle  Glieder  der  Armee,  die  er  als  seine  Familie 
betrachtete,  selbst  die  ernste  Strenge  seines  äußeren  Wesens,  und  wie  ein  Vater 
trug  er  für  Officier  wie  Mann  zarteste,  liebevollste  Sorgfalt.  Nebst  der  tiefen  Dank- 
barkeit der  gesammten  Triester  Garnison  und  Bevölkerung  wurde  aus  diesem 
Anlasse  dem  FML.  Härtung  auch  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufrieden- 
heit des  Obersten  Kriegsherrn  zutheil. 

Im  Kriege  gegen  PreuBenund  Italien  im  Jahre  1866  kämpfte  Härtung 
unter  Erzherzog  Albrecht  als  Gommandant  des  in  die  Süd-Armee  in  Italien 
eingeteilten  IX.  Corps.  So  war  Härtung  nebst  FML.  Frh.  von  Maroiöic  und  GM. 
Frh.  von  Bodich  berufen,  als  Unter-Befehlshaber  unter  der  Führung  des  erlauchten 
Feldherrn,  wesentlich  dazu  beizutragen,  dass  sich  die  Schlacht  bei  Custozza  am 
24.  Juni  zu  einem  der  glänzendsten  Siege  der  kaiserlichen  Waffen  gestaltete. 

Am  23.  Juni  um  8  Uhr  abends  erhielt  FML.  Härtung  in  seinem  Corps-Haupt- 
quartier zu  S.  Lucia  die  Disposition  des  Armee-Commandos  für  den  Vormarsch 
am  24.  Juni.  Nach  derselben  hatte  das  IX.  Armee-Corps  von  S.  Lucia  möglichst 
gedeckt  nördlich  des  Eisenbahndammes  über  Mancalacqua  zu  rücken  und  von 
da  die  Richtung  gegen  Sommacampagna  einzuschlagen,  diesen  Ort,  falls  er 
vom  Feinde  besetzt  wäre,  anzugreifen  und  sich  dort  festzusetzen.  Das  Corps  hatte 
während  der  zu  vollführenden  Schwenkung  der  Armee  nach  Süden  die  Höhen  von 
Sommacampagna  als  Pivot  der  ganzen  Bewegung  festzuhalten  und  sich  gegen 
Berettara  auszudehnen. 

Da  die  Cavallerie-Brigade  Pulz  am  23.  bis  zum  Fort  Gisela  bei  Verona  den 
erhaltenen  Dispositionen  gemäß  zurückgegangen  war,  so  lag  die  Befürchtung  nahe, 
dass  der  Feind  den  wichtigen  Punkt  Sommacampagna  rasch  in  Besitz  nehmen 
und  durch  einen  starken  Druck  von  hier  aus  die  ganze  Bewegung  der  Armee  und 
insbesondere  die  dem  IX.  Armee-Corps  zugedachte  Aufgabe  lähmen  könnte.  Um 
dies  zu  verhindern,  Sommacampagna  möglichst  vordem  Feinde  zu  erreichen, 
dabei  auch  die  schnelle  Entwicklung  des  Corps  im  Bedarfsfalle  mehr  zu  sichern, 
stellte  der  Generalstabschef  Hartlings,  Oberstlieutenant  Pielsticker,  dem  Corps- 
Commando  den  Antrag,  den  vorgezeichneten  nördlichen  Colonnenweg  nur  für 
eine  Brigade  zu  benützen,  mit  dem  Gros  des  Corps  aber  auf  dem  directen  Wege 
Hegen  Sommacampagna,  der  um  21/.  bis  3  Stunden  kürzer  war,  vorzugehen 
und  dadurch  die  Besetzung  des  Ortes  und  der  Höhen  schon  um  6  Uhr  früh  zu 
ermöglichen.  *) 

FML.  Härtung  acceptierte  den  Vorschlag  seines  Generalstabschefs  und  nahm 
damit  die  volle  Verantwortung  für  diese  Abänderung  der  Disposition  auf  sich,  da 


*)±\<i\ie  .Maria  Tt.cresienOrdrns-Hitter  Ludwig  Krli.  von  Pi  eis  tick.' r.'  -  ™te  im  ff. 
Militärischer  Mari.  There««i.-Ord.n.  18 


Digitized  by  Google 


274 


CLXiV.  bis  CLXYI1I.  1'roiuol.oii. 


-  Im  Kricfi-  vun  1H66. 


-  Italien. 


die  Zeit  zu  kurz  war,  um  die  Genehmigung  seitens  des  Armec-Commandos 
anzusprechen.  Härtung  ertheilte  nunmehr  den  behufs  Entgegennahme  der  Vor- 
marsch-Dispositionen in  S.  Lucia  versammelten  Generalen.  Truppen-  und  selb- 
ständigen Abtheilungs-Cornmandanten  seines  Corps  die  Weisungen  für  den  koni- 
inenden Tag  und  erörterte  mit  ihnen  auf  Grund  der  Dispositionsänderung  den 
Kall  eines  Gefechtes  bei  Sommacampagna. 

Schließlich  wurde  noch  am  23.  um  10  Uhr  nachts  ein  Husaren-Zug  zur 
Recognoscierung  nach  Sommacampagna  mit  dem  Auftrage  entsendet,  gegen 
Tagesanbruch  bestimmte  Nachricht  zu  senden,  ob  Ort  und  Umgebung  vom  Feinde 
besetzt  sei  oder  nicht. 

Am  frühen  Morgen  des  24.  Juni,  Punkt  3  Uhr  setzte  sich  das  IX.  Corps 
gegen  Sommacampagna  in  Bewegung.  Die  Brigade  Böck  benützte,  da  sie  auf 
der  ihr  zugewiesenen  Straße  nördlich  der  Eisenbahn  eine  Brigade  des  VII.  Armee- 
Corps  vorfand,  den  Eisenbahndamm  als  Marschlinie.  Die  Brigade  Weckbecker 
gieng  auf  der  directen  Straße  nach  Sommacampagna,  die  Brigade  Kirchsberg  und 
die  Geschütz-Reserve  über  Caselle  dErbe  gegen  Madonna  della  Salute  vor. 

Bald  nach  dem  Aufbruche  traf  von  dem  nachts  entsendeten  Husaren-Zuge 
aus  Sommacampagna  die  Meldung  ein,  dass  der  Ort  vom  Feinde  bis  l'/t  Uhr 
nachts  noch  nicht  besetzt  worden  war. 

Die  Brigade  Weckbecker,  deren  Tete  um  5'/s  Uhr  in  Sommacampagna 
eintraf,  schob  FML.  Härtung  sogleich  nach  Berettara  vor;  die  Brigade  Kirchs- 
berg, die  um  6  Uhr  einlangte,  besetzte  Sommacampagna  und  die  Genie-Com- 
pagnie  des  Corps  lichtete  den  Ort  zur  Verteidigung  her.  Um  ungefähr  7  Uhr  früh 
hatte  die  Brigade  Weckbecker  ihren  Aufmarsch  auf  den  Höhen  bei  Berettara. 
Casa  del  Sole  und  Zenolino  und  die  Brigade  Kirchsberg  in  Sommacam- 
pagna bewirkt.  Die  Brigade  Böck  langte  mit  ihrer  Tete  erst  mn  8V4  Uhr  bei 
Sommacampagna  ein. 

FML.  Härtung  begab  sich  auf  die  Höhe  bei  Casa  del  Sole.  Vor  der  Front 
lies  Corps  war  mit  Ausnahme  einzelner  Reiter  kein  Feind  sichtbar;  bald  aber 
zeigte  Kanonenfeuer  in  der  Richtung  von  S.  Rocco  di  Palazzolo  an,  dass  das 
Gefecht  dort  bereits  begonnen  hatte.  In  der  Ebene  nordöstlich  von  Villafranca 
war  deutlich  zu  sehen,  dass  sich  die  kaiserlich»!  Reiterei  unter  Oberst  Pulz  bereits 
im  Kampfe  mit  dem  aus  dem  Orte  debouchierenden  Feinde  befand.  Langgedehnte 
Staubwolken  hinter  Villafranca  verriethen  den  Anmarsch  starker  feindlicher 
Massen. 

Der  Armee-Commandant,  entschlossen,  unter  Festhaltunjr  Sommacam- 
pagnas  dem  Feinde  entgegenzurücken,  erließ  um  7 Vi  Uhr  die  Befehle  zum 

weiteren  Vormarsche.  Der  Befehl  für  das  IX.  Arn  -Corps,  welcher  indessen  erst 

um  8  Uhr  bei  FML.  Härtung  eintraf,  lautete:  „Sommacampagna  mit  1  Brigade 
halten,  die  beiden  anderen  Brigaden  über  Bereltara,  Casa  del  Sole,  bis  zum 
Thaleinschnitte  von  Staffalo.  ausdehnen." 

Noch  vor  Eintreffen  dieses  Befehles  jedoch,  hatte  FML.  Härtung  in  richtiger 
Erkenntnis  der  Gefechts-  und  Terrain -Verhältnisse  sogleich  nach  Besetzung  von 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ernst  Härtung. 


275 


Soinmacarnpagna  und  Berettara  um  7  Vi  Ulir  den  rechten  Flügel  der  Truppen, 
Theile  der  Brigade  Weekbecker  von  Berettara  bis  Boscone  gegen  den  vom 
Feinde  bereits  besetzten  Monte  della  Groce  vorgeschoben;  die  im  Anmärsche 
befindliche  Brigade  Bäck  sollte  deren  Stelle  bei  Berettara  einnehmen. 

Gegen  8  Uhr  war  deutlich  zu  bemerken,  dass  der  Feind  die  Höhe  des 
Monte  Torre  und  Monte  della  Croce  besetzte  und  sich  fortwährend 
verstärkte.  Es  war  die  italienische  Division  Brignone,  welche  dort  Stellung  nahm. 

Der  feindliche  Aufmarsch  auf  dem  Monte  della  Croce  war  noch  nicht 
vollendet,  als  ein  von  der  Brigade  Weckbecker  mit  einem  Bataillon  Bayern  gegen 
Boscone  vorgeschobener  Geschützzug  zu  feuern  begann.  Die  feindliche  Besetzung 
des  langgestreckten,  die  umliegenden  Höhen  dominierenden  Röckens  des  Monte 
Torre  und  Monte  della  Croce  erschien  dem  FML.  Härtung  umso  gefährlicher, 
als  der  Gegner,  gedeckt  durch  die  Höhe,  im  Falle  einer  unglücklichen  Wendung 
des  Gefechtes  in  der  Ebene,  die  nur  durch  Cuvallerie  gedeckt  war.  auf  dem 
kürzesten  und  bequemsten  Wege  Soinmacarnpagna  selbst  angreifen  konnte. 

Dem  FML.  Härtung  schien  daher  der  Besitz  des  Monte  della  Croce  zur 
Durchführung  der  ihm  zugewiesenen  wichtigen  Aufgabe  —  Festhalten  der  Höhen 
von  Sommacampagna  als  Pivot  der  Armee  —  unbedingt  nöthig,  ebenso,  dass  die 
Festsetzung  auf  diesem  dominierenden  Höhenrücken  umso  rascher  erstrebt 
werden  müsse,  als  es  schien,  dass  der  Feind  sich  auf  demselben  fortwährend  ver- 
stärkte. FML.  Härtung  ordnete  daher  nach  vollständigem  Eintreffen  der  Brigade 
Böck  bei  Berettara  die  Erstürmung  des  Monte  della  Croce  durch  diese 
Brigade  und  jene  des  GM.  Weckbecker  an. 

Der  Angriff  gegen  die  vom  Feind  stark  besetzte  Höhe  war  jedoch  nicht  leicht. 
Das  Staffalo-Thal  war  im  Angesichte  des  Feindes,  unter  den  Kanonen  desselben 
zu  durchschreiten  und  die  Ausgänge  des  jenseitigen  Thalrandes,  sowie  der  Abhang 
des  Berges  selbst  waren  sehr  steil.  Der  Angriff  musste  jedenfalls  durch  Artillerie 
vorbereitet  werden.  Die  Batterien  der  beiden  Brigaden  beschossen  daher  von 
möglichst  günstigen  Punkten  bei  Pellizzara  und  Pezzaroni  den  Feind. 

Die  drei  Reserve-Batterien  des  Corps  wurden  von  Sommacampagna  auf  die 
Kuppen  bei  Casa  del  Sole  vorbeordert,  um  durch  ihr  Feuer  den  Angriff  der 
Infanterie  mit  vorzubereiten  und  zu  unterstützen,  doch  konnte  nur  eine  Cavallerie- 
Batterie  noch  rechtzeitig  die  ihr  angewiesene  Aufstellung  am  Boscone  vor  dem 
Sturme  erreichen. 

Der  Gegner,  welcher  vom  Monte  della  Croce  aus  die  Vorbereitungen  des 
IX.  Corps  übersah  und  die  Sachlage  erkannte,  traf  seine  Gegenmaßregeln. 

Indessen  begann  gegen  83/t  Uhr  früh  der  Vormarsch  der  beiden  Brigaden 
des  IX.  Armee-Corps  in  Staffeln  vom  linken  Flügel.  Die  Brigade  Weckbecker  gierig 
über  St  äff  alo  direct  gegen  den  nördlichen  Anfall  des  Monte  della  Croce  vor; 
die  Brigade  Böck  folgte  ihr  in  der  Richtung  über  Balconi  rossi  und  Mascar- 
pino.  Die  beiden  Brigaden,  in  Divisionsmassen  formiert,  rückten  unter  dem  Feuer 
der  am  Monte  della  Croce  postierten  feindlichen  Geschütze  in  musterhafter  Ordnung 
durch  das  Staffalo-Thal.  Der  durch  den  Ungestüm  der  Conimandanten,  welche 

18* 


Qigitized  by  Google 


27ß 


CI.XIV.  Lis  CLXVIII.  Promotion.  -    Im  Kriege  von  Isfiß.  —  Italien. 


an  den  AbfAllen  des  bewaldeten  Berges  die  Vorbereitung  des  Sturmes  durch  die 
disponierte  Geschütz-Reserve  nicht  abwarteten,  verfrühte  Angriff,  bei  welchem  es 
auf  dem  Bergrücken  selbst  zu  erbittertem  Nahekampfe  kam,  gelang  jedoch  nicht 
und  der  Monte  dellaCroce  blieb  vorläufig  im  Besitze  der  Italiener,  welche  in 
dieser  äußerst  festen  Position  im  ganzen  11  Bataillone  ins  Gefecht  gesetzt  hatten, 
gegen  welche  die  Angriffe  von  nicht  ganz  10  Osterreichischen  Bataillonen  erfolglos 
blieben. 

Der  Kampf  hatte  auf  beiden  Seiten  schwere  Opfer  gekostet.  Die  am  Kampfe 
betheiligt  gewesenen  k.  k.  Truppen  waren  außer  Zusammenhang  gerathcn  und 
so  erschöpft,  dass  sie  erst  nach  längerer  Zeit  wieder  vollständig  gesammelt  werden 
konnten,  daher  vor  Ablauf  mehrerer  Stunden  auf  deren  erfolgreiche  Verwendung 
nicht  zu  rechnen  war. 

Aber  auch  die  Vertheidiger  des  Monte  della  Croce,  welche  durch  Truppen 
der  italienischen  Division  Cugia  Verstärkung  erhalten  hatten,  waren  aufs  äußerste 
erschüttert,  und  es  gelang  ihnen  trotz  anerkennenswerter  Tapferkeit  nur  mit 
großer  Mühe,  sich  zu  behaupten,  ja  es  gab  einen  Moment,  in  welchem  sie  dem  völligen 
Rückzüge  und  Aufgeben  der  Position  nahe  waren.  Die  Italiener  begnügten  sich  mit 
der  Behauptung  ihrer  Stellung;  sie  waren  außerstande,  die  sich  über  das  Staf- 
falo-Thal  langsam  zurückziehenden  österreichischen  Truppen  zu  verfolgen. 

Diese  wurden  durch  das  kräftige  Feuer  der  Batterien  des  IX.  Corps  gedeckt. 

Die  Italiener  trafen  nun  Maßnahmen,  um  sich  des  Monte  della  Croce  zu 
versichern,  zu  welchem  behufe  General  Cugia  Geschütze  und  Fußtruppen  heran- 
zog und  ein  Regiment  auf  den  nordöstlichen  Bergabhang  bis  Cape  Ha  vorschob. 
Überdies  wurde  nun  der  Monte  Torre  gegen  11  Uhr  durch  die  Division  Govonc 
besetzt. 

Die  nach  Zurückweisung  des  Angriffes  auf  den  Monte  della  Croce  auf- 
fallend passive  Haltung  des  Feindes,  wie  nicht  minder  die  Rücksicht  auf  die  durch 
das  Zurückweichen  der  Brigade  Scudier  des  VII.  Corps  von  Custozza-Belvedere 
befürchtete  Lücke  in  der  Schlaclitlitiie  bewog  FML.  Härtung  zur  alsbaldigen 
Wiederaufnahme  der  Offensive. 

In  der  Hoffnung,  durch  eine  Diversion  gegen  Custozza  den  auf  dem  Monte 
della  Croce  stehenden  Gegner  um  seinen  Rückzug  besorgt  zu  machen,  ihn 
dadurch  zu  schwächen  und  nach  Sammlung  der  Brigaden  Weckbecker  und  Bück 
einen  erneuerten  Angriff  auf  den  Monte  della  Croce  unternehmen  zu  können, 
ordnete  Härtung  nach  11  Uhr  die  Vorrückung  des  nach  Berettara  vorgezogenen 
Regiments  Thun  der  Brigade  Kirchsberg  längs  des  Bosen  dei  f'it  ti  und  über  den 
Monte  Molimenti  gegen  Belvedere  an,  —  ein  Unternehmen,  welches  zuvor 
die  Brigade  Scudier  ins  Werk  gesetzt,  nun  aber  aufgegeben  hatte.  Das  Regiment 
drang  in  der  vorgezeichneten  Richtung  unter  helligem  Geschützfeuer  vom  Monte 
Torre  vor.  fand  das  Belvedere  nur  schwach  vom  Feinde  besetzt,  vertrieb  ihn 
und  nahm  gegen  12  Uhr  mittags  dort  Stellung.  Da  es  aber  hier  dem  Feuer 
mehrerer  Batterien  ausgesetzt  war.  in  Flanke  und  Rücken  bedroht  wurde,  so  zog 
es  sich  angesichts  der  anrückenden  feindliehen  Verstärkungen  aus  dieser  isolierten 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ernst  Härtung. 


277 


und  gefährlichen  Position  nach  Berettara  zurück,  wo  der  größte  Theil  um  3  Uhr 
anlangte.  Einige  Abtheilungen  des  Regiments,  welche  der  Rückzugsbefehl  nicht 
erreicht  hatte,  blieben  jedoch  auf  dem  Belvedere  zurück,  wo  sie  sich  mit  Tapfer- 
keit und  Ausdauer  weiter  vertheidigten.  Die  entschiedene  Wichtigkeit  der  Position 
für  das  spätere  Vordringen  gegen  Gu st ozza,  bewog  den  Generalstabschef  des 
IX.  Corps,  Oberstlieutenant  Pielsticker,  ein  Bataillon  Bayern  zur  Verstärkung 
vorzuführen.  Übermacht  des  Feindes  und  Bedrohung  der  Flanke  zwang  jedoch 
diese  braven  Truppen  zum  Rückzüge  auf  den  Monte  Arabiea,  worauf  sie,  vom 
Feinde  hart  bedrängt,  durch  das  vorrückende  VII.  Armee-Corps  aufgenommen 
wurden. 

Diese  zähe  Vertheidigung  des  Belvedere  war  indessen  nicht  ohne  günstigen 
Einfluss  auf  den  weiteren  Verlauf  des  Kampfes  um  diese  Position,  da  dem  Feinde 
bei  dem  bald  darauf  erfolgten  Angriffe  des  VII.  Armee-Corps  die  Zeit  mangelte, 
sich  in  der  eroberten  Stellung  gehörig  festzusetzen,  insbesondere  aber  dieselbe  mit 
Geschütz  auszustatten.  Auf  eine  ausgiebige  Unterstützung  des  Regiments  Thun 
und  den  beabsichtigten  neuen  Angriff  auf  den  Monte  della  Croce  hatte  FML. 
Härtung  verzichten  müssen,  weil  wider  Erwarten  die  Brigaden  Weckbecker  und 
Bück  bis  3  Uhr  nachmittags  sich  nicht  in  kampffähige  Verfassung  setzen  konnten, 
Sommacampagna  aber,  das  nur  mehr  vom  Regimente  Maroißid  besetzt  gehalten 
wurde,  angesichts  der  Übermacht  und  Nähe  des  feindlichen  rechten  Flügels  nicht 
hatte  ganz  entblößt  werden  dürfen.  Nach  Rückkehr  des  Oberstlieutenants  Pielsticker, 
welcher  Nachricht  über  die  Vorgänge  im  Centruin  brachte,  entschloss  sich  FML. 
Härtung  aber  selbst  zu  diesem  äußersten  Mittel,  um  den  voraussichtlich  baldigen 
Entscheidungskampf  um  die  Höhen  bei  Custozza  seinerseits  wirksam  vorzu- 
bereiten und  nahm  das  Regiment  Maroicic  von  Sommacampagna  vor. 

Erzherzog  Albrecht  hatte  von  S.  Rocco  di  Palazzolo  um  3  Uhr  zum 
allgemeinen  Sturm  auf  Custozza,  welchen  der  Commandant  des  VII.  Corps 
bereits  aus  eigener  Initiative  begonnen  halte  und  zu  welchem  auch  jeuer  des  V. Corps 
schon  Vorbereitungen  Iraf,  die  Befehle  erlassen.  Die  das  IX.  Corps  betreffende 
Anordnung  lautete:  „Ein  Bataillon  und  die  Genie-Compagnie  des  IX.  Corps  werden 
in  Sommacampagna  bleiben:  drei  ausgeruhte  Bataillone  dieses  Corps  werden  auf 
den  rechten  Flügel  gezogen,  wenn  Sommacampagna  nicht  ernstlich  bedroht  ist." 
Gerade  im  Sinne  dieses  Befehls  war  aber  auch  FML.  Härtung  bereits  im  Begriffe 
seine  Vorkehrungen  zu  treffen. 

Um  4  Uhr  nachmittags  wsir  vom  IX.  Corps  die  Geschütz-Reserve  mit  den 
auf  dem  Monte  della  Croce  stehenden  feindlichen  Batterien  wie  bisher  im 
Kample;  von  den  Truppen  des  Corps  befanden  sich  die  Brigade  Weckbecker  und 
Bück  hinter  Sommacampagna.  die  Brigade  Kirchsberg  zum  Theil  in  diesem  Orte, 
zum  Theil  bei  Berettara. 

Wahrend  nun  das  VII.  und  V.  Armee-Corps  den  Angriff  auf  Custozza  vor- 
bereiteten, traf  auch  FML.  Härtung  um  41/,  Uhr  seine  Maßnahmen  zu  einem  neiwit 
Angriffe  auf  den  Monte  della  Croce  und  Monte  Torre,  indem  er  die  letzt»- 
intacte  Truppe  des  IX.  Corps,  das  aus  Sommacampagna  vorgezogene  Regiment 


Qjgitized  by  Google 


278 


CLXIV.  bi*  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  tSf.fi.  —  Italien. 


Maroicic  der  Brigade  Kirchsberg,  zum  Angriffe  auf  den  Monte  dellaCroce 
vorführte. 

Dasselbe  überschritt,  am  Bosconc  hinabsteigend,  das  Staffalo-Thal,  griff 
den  vom  Feinde  vertheidigten  nordöstlichen  Fuß  des  Monte  dclla  Groce  an, 
warf  die  auf  der  Lehne  und  dem  Rücken  stehenden  feindlichen  Bataillone  theils 
den  Bergrücken  entlang  gegen  Custozza,  theils  direct  gegen  die  Ebene  vom 
Berge  herab,  machte  viele  Gefangene  und  eroberte  auf  der  Kuppe  des  Monte 
della  Croce  5  Geschütze.  Diese  wurden  sofort  gegen  den  Feind  gekehrt  und 
verwandelten,  von  mehreren  kaiserlichen  Officieren  bedient,  durch  ihr  Feuer  den 
Rückzug  des  gleichzeitig  in  der  Ebene  von  der  vorrückenden  österreichischen 
Cavallerie  bedrohten  Feindes  in  volle  Flucht.  Die  feindlichen  Truppen  waren  infolge 
der  durch  das  verheerende  Feuer  der  Reserve-Batterien  des  IX.  Corps  erlittenen 
schweren  Verluste  so  erschüttert  gewesen,  dass  sie  dem  Angriffe  des  Regiments 
Maroifiic*  auf  den  Monte  della  Croce  nicht  zu  widerstehen  vermocht  hatten. 

Das  persönliche  Verhalten  Hartungs  charakterisiert  dessen  Generalstabschef 
als  intimster  Augenzeuge  folgendermaßen: 

„In  der  Schlacht  von  Custozza  186G,  in  welcher  sein  Armee-Corps  zum 
Pivot  der  Armee-Entwicklung  und  Bewegung  bestimmt  war,  hielt  er  sich,  jede 
Gefahr  verachtend,  fast  den  ganzen  Tag  inmitten  der  exponierten,  aber  die  beste 
Übersicht  gewährenden  Position  seiner  24  Reserve-Geschütze  am  äußersten 
linken  Flügel  bei  Casa  del  Sole  auf,  durch  sein  Beispiel  Officiere  und  Mannschaft 
erhebend,  jede  feindliche  Bewegung  in  den  vielen  Wechselfällen  des  Kampfes 
erspähend,  selbst  öfters  in  die  Richtung  der  Geschütze  und  Wahl  der  Geschoss- 
arten eingreifend,  ohne  die  umsichtige  Leitung  seiner  Truppen  aus  dem  Auge  zu 
verlieren. 

Aus  dieser  Aufstellung  machte  er  den  Sturm  des  Regiments  Maroicic  auf  den 
gegenüberliegenden,  vom  Feinde  so  lange  erfolgreich  bestrittenen  Monte  Torre  mit 
und  verließ  das  Schlachtfeld  erst  in  der  Dunkelheit,  als  auch  das  letzte  bis  dahin 
en  reseref  gehaltene  Bataillon  seiner  Truppen  herbeigezogen  war  und  die  Vorposten 
bezogen  hatte.* 

FML.  Härtung  hat  durch  seine  klugen  Einleitungen  und  geschickten  Dispo- 
sitionen sich  das  größte  Verdienst  um  die  glücklichen  Erfolge  des  IX.  Armee-Corps 
und  hiedurch  um  den  Sieg  bei  Custozza  erworben.  Er  hatte  in  richtiger  Erkennt- 
nis der  Gefechts-  und  Teirainverhältnisse  sogleich  nach  Besetzung  von  Somma- 
campagna  und  Berettara  um  '/,.8  Uhr  früh  den  rechten  Flügel  der  Truppen  gegen 
den  Feind  dirigiert,  obgleich  der  um  8  Uhr  früh  empfangene  Befehl  des  Armee- 
Commaudos  nur  die  Ausdehnung  bis  zum  Thale'mschnitte  von  Sta  ffalo  vorschrieb. 

Durch  die  während  des  ganzen  Tages  von  den  Truppen  aller  3  Brigaden 
de-  Corps  mit  großer  Tapferkeit  und  Zähigkeit  wiederholten  Sturmangriffe  gegen 
die  auf  dem  Monte  Croce  autgestellten  und  -ich  stets  verstärkenden  feindlichen 
Truppen  wurde  die  ernstliche  Gefährdung  des  Pivots  der  ganzen  Armee  paralysiert, 
und  der  Feind  in  der  weiteren  Vorrückung  gegen  die  Höhen  von  Casa  del  Sole 
und  Sommacampagna  aufgehalten. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  KrtiBt  Härtung. 


279 


Nach  den  blutigen  Angriffen  der  Brigade  Weckbecker  und  Böck  und  nach  dem 
hartnäckigen  Widerstand  von  Theilen  des  Regiments  Thun  auf  dem  Belvedere 
und  dem  Monte  Arabica,  wodurch  der  Angriff  des  VII.  Armee-Corps  erleichtert 
wurde,  konnte  Härtung  seine  Aufgabe  stundenlang  nur  durch  das  muthige 
Ausharren  und  das  vorzüglich  geleitete  Feuer  seiner  fast  isoliert  vorgeschobenen 
Artillerie  erfüllen,  zog  aber  dann  im  entscheidenden  Augenblicke  seine  letzte 
Reserve,  das  Regiment  Maroicic  vor  und  dirigierte  es  so  glücklich  gegen  den 
Monte  Crooe,  dass  durch  den  mit  glänzender  Tapferkeit  ausgeführten  Sturm  die 
Position  nebst  feindlichen  Geschützen  genommen  wurde. 

Krzherzog  AI  brecht  bezeugte  als  Feldherr,  „dass  der  Herr  FML.  Ernst 
Härtung  am  24.  Juni  d.  J.  sein  Corps  mit  großer  Sicherheit  geführt  —  im 
heftigsten  Feuer  demselben  stets  als  glänzendes  Beispiel  der  Tapferkeit  und 
Kaltblütigkeit  vorangeleuchtet  und  durch  seine  ganz  entsprechenden  Dispositionen 
—  namentlich  durch  Vorsendung  der  Brigade  GM.  Weckbecker  auf  den  Monte 
della  Croce  einen  großen  Antheil  an  der  siegreichen  Entscheidung  der  Schlacht 
von  Custozza  hat." 

Auf  Grund  der  in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  24.  Juni  1866  vollbrachten 
Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 
meister über  Capitel- Votum  kraft  der  CLXVI.  Promolion  vom  29.  August  1866 
den  FML.  Ernst  Härtung  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des 
Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Noch  bevor  Härtung  dieser  höchsten  militärischen  Auszeichnung  theilhaflig 
geworden,  hatte  ihm  Seine  Majestät  die  Geheime  Raths  würde  allergnädigst  zu 
verleihen  geruht. 

Nachdem  FML.  Härtung  infolge  der  Versetzung  des  IX.  Corps  aus  Italien  an 
die  Donau  auch  den  letzten  Theil  des  Feld zuges  gegen  Preußen, ohne  dass  er 
aber  mehr  zu  einem  Gefechte  gekommen,  mitgemacht  hatte,  wurde  derselbe  im 
October  1866  iiiterimi-lisch  zum  Conunandierenden  General  für  Nieder-  und  Ober- 
österreich. Salzburg,  Mähren  und  Schlesien  bestimmt. 

Am  "20.  März  1868  erfolgte  seine  Ernennung  zum  wirklichen  Commandie- 
renden General  in  Wien,  am  22.  April  1868  seine  Beförderung  zum  Feldzeug- 
meister. 

Nachdem  ihm  am  19.  Februar  1869  in  Anerkennung  seiner  mehr  als  vierzig- 
jährigen, ausgezeichneten  und  treuen  Dienstleistung  der  Orden  der  Eisernen 
Krone  I.  Classe  mit  der  Kriegsdecoration  II.  Classe  verliehen  worden,  trat  er  auf 
eigenes  Ansuchen  am  1.  März  1869  in  den  definitiven  Ruhestand  in  Wien. 

Aber  auch  außer  der  Activität  fühlte  sich  Härtung  mit  allen  Fasern  seines 
Wesens  mit  seinem  Stande,  mit  der  Armee  verwachsen.  Er  verfolgte  alle  militäri- 
schen Fragen  durch  eifrigstes  Studium,  sowie  er  auch  an  allen  Angelegenheilen  des 
österreichischen  Heerwesens  und  der  k.  k.  Armee  regsten  Antheil  nahm. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  den  FZM.  Härtung  zum  lebensläng- 
lichen Milgliede  des  Herrenhauses  des  österreichischen  Reichsrathes  zu 
berufen. 


Digitized  by  Google 


280  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  18fiff.  —  Italien. 

Seiner  politischen  Überzeugung  nach  conservativ  in  allem,  was  den  Glanz 
des  Allerhöchsten  Kaiserhauses,  das  Wohl  des  Vaterlandes  und  der  Armee  anbe- 
langt, zeigte  er  sich  auch  als  Mitglied  des  Herrenhauses,  unbeirrt  von  äußeren 
Einflüssen  und  geachtet  von  jeder  Partei,  als  selbständig  denkender  und  handeln- 
der Charakter.  Obzwar  er  naturgemäß  sein  Hauptinteresse  militärischen  Fragen 
entgegenbrachte,  wohnte  er  dennoch  mit  soldatischem  Pflichteifer  allen  Sitzungen 
des  Herrenhauses  regelmäßig  an.  Kr  wurde  von  demselben  auch  wiederholt  in  die 
Delegation  des  österreichischen  Reichsrathes  entsendet  und  widmete  auch  da  allen 
Heeres-  und  Marine-Angelegenheiten  regste  Aufmerksamkeit. 

Einfach  und  schlicht  in  seiner  ganzen  Lebensführung,  verstand  sich  Härtung 
nie  dazu,  sich  des  ihm  kraft  der  Ordensstatulen  zukommenden  Ritterstandes  zu 
bedienen.  Er  schritt  auch  um  den  ihm  sowohl  als  Maria  Theresien-Ordens- 
Ritter  wie  als  Ritter  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  zukommenden  Freiherrnsland 
nicht  ein. 

Er  starb  am  1.  October  1879  in  Wien,  tief  betrauert  von  seinen  Waffen- 
gefährten und  von  allen,  die  ihn  je  kennen  gelernt. 

Noch  in  seinem  Testament  gab  er  einen  letzten,  ergreifenden  Beweis  von 
Anhänglichkeit  an  seinen  Stand,  von  tiefkameradschaftlicher  Liebe  zur  Armee. 

Nach  den  Worten:  , Meinem  Stande  von  Kindheit  an  mit  Leib  und  Seele 
ergeben,  ist  die  k.  k.  Armee  meine  theuere  Familie"  und  nach  der  Erklärung,  dass 
seine  nächsten  Verwandten  wohlhabend  seien,  setzte  er  unter  Ausscheidung 
mehrerer  nicht  unbedeutender  Legate  für  ihm  befreundete  Officiere  und  für  seine 
Dienerschaft,  vier  seiner  früheren  Generalstabsofficiere,  welche  im  Laufe  von  vier 
Feldzügen  ihm  theils  als  seine  Generalstabs-Chefs  zur  Seite  oder  sonst  nahe  ge- 
standen waren,  zu  Universalerben  des  Überrestes  seines  Vermögens  ein. 

Sein  letzter  Wille  schloss  überdies  mit  Worten,  in  welchen  sich  zugleich  der 
ganze  Lebensinhalt  dieses  wahrhaft  edlen  Kriegsmannes  auspiägte:  „Mein  letzter 
Wunsch  ist:  .Gott  segne  Kaiser,  Heer  und  Vaterland!* 


Ritter  des  Maria  Theresien- Ordens 
Gabriel  Freiherr  von  Rodich. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1806.) 

Rodich  wurde  am  13.  December  1812  zu  Verginmost  im  Bezirke  des 
1.  Batial-Grenz-Regimcntes  in  Kroatien  geboren.  Im  vierzehnten  Lebensjahr  als 
Regiments-Cadet  bei  dem  Infanterie-Regiment  Nr.  54-  am  1 7.  October  182G 
assentiert,  erfolgte  gleichzeitig  seine  Aufnahme  in  die  Cadeten-Compagnie  zu 
Graz.  Nach  vorzüglicher  Absolvierung  derselben  wurde  er  am  1.  Jänner  1831  außer 
der  Tour  zum  Fähnrich  befördert. 

Schon  in  dem  Jahre  1832/33  war  ihm  Gelegenheit  geboten,  seine  Kenntnisse 
theils  als  Lehrer  in  der  Regimenls-Cadetenschule,  theils  in  anderen  besonderen 
Verwendungen  zu  hethätigen.  Am  IC».  Juli  1833  zum  I .  Baiml-Grenz-Regimente 


Digitized  by  Google 


I 

Digitized  by  Googl 


r 

Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Gabriel  Freiherr  von  Rodicli. 


281 


transferiert,  rückte  er  am  1.  März  1834  zum  Unterlieutenant  vor  und  ward 
vom  Marz  1834  bis  November  1836  zum  Grenz-Truppen-  und  Bataillons-Adju- 
tanten-Dienste,  wie  auch  als  bauführender  Officier  de*  Regiments,  sodann  bis  1841 
als  Brigade-Adjutant  der  Generale  Taborovich,  Ritter  von  Dahlen  und  Bossard 
verwendet. 

In  jene  Zeit  fällt  auch  Rodichs  erste  Waffenthat.  Am  17.  October  183."» 
machte  er  das  Gefecht  gegen  bosnische  Mohamedauer  bei  Volika  Kladusa  mit 
und  bewies  hiebei  viel  Bravour  mit  Umsicht. 

Am  1.  October  1840  außer  der  Tour  zum  Oberlieutenant  befördert . 
war  er  in  den  Jahren  1841  bis  1843  damit  betraut,  den  Cordon  des  1.  Banal- 
Regiments  militärisch  aufzunehmen  und  zu  regulieren  und  damit  gleichzeitig  die 
praktische  Instruction  der  Gadeten  des  Regiments  in  der  Militäraufnahme  zu 
verbinden. 

Im  Jahre  1844  zum  Brigade-Adjutanten  des  GM.  von  Kempen  ernannt, 
betheiligte  sich  Rodich  am  9.  Juli  1845  freiwillig  an  dem  Gefechte  gegen  die 
Pozvizder  Mohamedaner,  wobei  er  sich  neuerdings  hervor  that. 

Mit  1.  Juli  1847  wurde  er  außer  der  Tour  zum  Capitän-Lieutenant  im 
deutschbanater  Grenz-Regimente  Nr.  12  befördert;  am  1.  April  1848  zum  2.  Banal- 
Grenz-Regimente  übersetzt,  am  30.  Juni  1848  an  die  Seite  des  Banus  von  Kroatien, 
Feldzeugmeistcr  Frh.  von  Jellaeic,  berufen.  Auf  diesem  Posten  fungierte  er  zunächst 
als  mitwirkendes  Mitglied  der  Landes -Vertheidigungs-Organisierungs-Section, 
sodann,  nachdem  er  am  12.  September  1848  zum  Haupt  mann  befördert  worden, 
beim  Aufbruche  der  kroatisch-slavonischen  Armee  über  die  Drau  als  ad  latus 
des  General-Adjutanten  beim  Banus,  in  dessen  Hauptquartier  er  nunmehr  die 
Feldzüge  1848  und  1849  in  Ungarn  mitmachte.  Während  derselben  erfolgte 
am  14.  December  1848  seine  Krnennurig  zum  Major  im  Warasdin-Kreuzer-Grenz- 
Regiment  Nr.  5  und  zum  General-Comuiundo-Adjulanten  zu  Agram,  bei  fort- 
dauernder Zutheilung  im  Hauptquartier  des  Banus  als  ad  latus  des  General- 
Adjutanten. 

Im  Laufe  der  Feldzüge  1848/49  hatte  er  folgende  Gefechte  und  Schlachten 
mitgemacht,  und  zwar  1848:  das  Treffen  bei  Päkozd  am  29.  September,  den  all- 
gemeinen Angriff  auf  Wien  am  28.  October,  das  Treffen  bei  Schwechat  und 
Rauchen  wart  am  30.  October,  das  Gefecht  bei  Par  endo  rf  am  IG.  December. 
das  Treffen  bei  Moor  am  30.  December;  sodann  im  Feldzuge  1849:  das  Avant- 
gardegefecht bei  Teteny  am  3.  Jänner,  die  Schlacht  bei  Isaszeg  am  6.  April, 
die  Gefechte  bei  Pesth-Steinbruch  am  11..  IG.  und  21.  April,  die  Kinnahme  von 
Neusatz  am  12.  Juni,  das  Treffen  bei  O-Becse  am  25.  Juni  und  die  Schlacht  bei 
Hegyes  am  14.  Juli. 

In  diesen  beiden  Feldzügen  zeichnete  sich  Rodich  besonders  bei  Päkozd 
und  bei  Hegyes  aus. 

In  ersterem  Treffen  hatte  er  sich  an  die  Spitze  der  in  Unordnung  gerathenen 
Aufgebote  desLikaner  und  Oloeaner  Grenz-Regiments  ».-stellt,  dieselben  gesammelt 
und  mit  der  hocherhobenen  Fahne  in  der  Hand  neuerdings  in  das  Oft-cht  geführt. 


Digitized  by  Google 


282  CLXIV.  bis  CLXVIU.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  18«6.  —  Italien. 

Sein  Verhalten  in  der  Sehlacht  bei  Hegyes  charakterisierte  ßanus  FZM. 
Frh.  von  Jellacie  in  seinem  Schlachtbericht  mit  folgenden  Worten:  „Die  Flügel- 
Adjutanten  Oberstlieutenant  Hompesch  und  Major  Gabriel  Rodich  waren  beide  an 
meiner  Seite,  als  ich  die  zwei  wankenden  Bataillone  wieder  an  den  Feind  führte. 
In  heftigstem  Kugelregen  halfen  mir  diese  vortrefflichen  Officiere  thätigst  diese 
Bataillone  zu  ordnen ;  ihr  begeisterndes  Beispiel  wirkte  mächtig,  und  in  wenigen 
Augenblicken  rückten  diese  beiden  Bataillone  mit  lautem  Jubel  im  Sturmschritt»» 
wieder  vor." 

Für  seine  Leistungen  in  den  Kämpfen  der  Jahre  1848/49  wurde  Rodich  am 
22.  October  mit  der  Allerhöchsten  Belobung  und  dem  Militär-  Verdienst- 
kreuze ausgezeichnet,  nachdem  ihm  bereits  am  22.  September  1849  das  Ritter- 
kreuz des  Leopold-Ordens  verliehen  worden  war. 

Am  9.  August  1849  zum  Flügel- Adjutanten  des  Banus  Grafen  Jellacie 
ernannt,  kam  Rodich  in  dessen  Gefolge  nach  beendetem  Kriege  nach  Wien,  wo 
er  den  Vorsitz  in  der  Commission  zum  Entwürfe  der  neuen  Verfassungsgesetze  für 
die  Militär-Grenze  führte. 

Am  24.  December  1849  zum  Oberstlieutenant  befördert,  im  November 
1850  in  den  Ritterstand  des  österreichischen  Kaiserstaates  erhoben,  wurde 
Ritter  von  Rodich  am  12.  September  1851  zum  Obersten  im  Infanterie-Regimente 
Hoch-  und  Deutschmeister  Nr.  4  und  am  27.  November  1852  zum  Commandanten 
dos  Infanterie-Regiments  Graf  Jellacie  Nr.  40  ernannt. 

Am  1.  März  1859  wurde  Rodich  zum  Generalmajor  und  Brigadier  zu 
Ragusa  ernannt  und  am  10.  April  erfolgte  die  Berufung  desselben  zum  selb- 
ständigen Commandanten  im  Kreise  Cattaro,  in  welcher  Eigenschaft  ihm  am 
3.  Mai  auch  die  politische  Leitung  dieses  Gebietes  übertragen  wurde. 

Angesichts  des  bevorstehenden  Krieges  gegen  Fran kreich  und  Italien 
war  dieser  Posten,  auf  welchen  Rodich  durch  das  Allerhöchste  Vertrauen  gestellt 
worden,  von  großer  Wichtigkeil  und  verlangte  die  vollste  Thalkraft  eines  Mannes, 
um  mit  den  verhältnismäßig  schwachen  militärischen  Kräften,  welche  das  Gebiet 
von  Cattaro  besetzt  hielten,  im  Falle  eines  Angriffes  behauptet  zu  werden. 

Rodich  trachtete  zunächst  die  Zahl  der  Vertheidiger  aus  der  Bevölkerung 
selbst  zu  vermehren.  Seinen  Maßnahmen  und  seinem  kräftigen  Eingreifen  gelang  es 
bald,  aus  den  Wehrfähigen  des  Kreises  eine  Landmiliz  zu  schaffen,  welche 
binnen  kürzester  Zeit  wohl  organisiert,  die  Wehrkraft  namhaft  verstärkte.  Sein 
persönlicher  Einfiuss  wusste  die  allgemeine  Begeisterung  wachzurufen,  so  dass 
Männer  jedes  Standes  und  Alters  an  der  Küste,  wie  nicht  minder  selbst  Angehörige 
der  sonst  übel  beleumundeten  Stämme  in  den  Bergen,  sich  um  Rodich  scharten, 
um  Gut  und  Blut  der  Sache  des  Kaisers  zu  weihen. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  den  GM.  Ritler  von  Rodich  für  diese 
verdienstlichen  Leistungen  am  17.  December  1859  durch  Verleihung  des  Ordens 
der  Eisernen  Krone  III.  Classe  auszuzeichnen,  sowie  ihn  weiters  in  Würdigung 
der  im  Frieden,  wie  vor  dem  Feinde  geleisteten  vorzüglichen  Dienste,  mit  dem  Aller- 
höchsten Handschreiben  vom  8.  März  1800  in  den  Freiherrnstand  zu  erheben. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  flabriel  Freiherr  von  Rodicli. 


283 


a 

In  Dalmatien  verblieb  GM.  Rodich  bis  zum  21.  November  1862,  an  welchem 
Tage  er  als  Brigadier  zum  VIII.  Armee-Corps  nach  Italien  berufen  wurde.  Anfäng- 
lich kurz  zu  Vicenza  garnisonierend,  kam  er  bald  nach  Rovigo  und  in  der 
Folge  als  Brigadier  nach  Temesvär. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  GM. 
Frh.  von  Rodich  den  Feldzug  mit  der  Süd-Armee  mit,  anfangs  als  zugetheilter  Feld- 
marschall-Lieutenant bei  dem  Commando  des  V.  Armee-Corps.  Nach  Aufstellung 
der  Reserve-Division  der  Süd-Armee  übertrug  ihm  am  11.  Juni  FM.  Erzherzog 
Albrecht  das  Commando  derselben.  Er  befehligte  diese  Division  von  der  Con- 
centrierung  der  Süd-Armee  auf  dem  linken  Ufer  der  Etsch  angefangen,  bis  zurCon- 
centrierung  der  Armee  auf  dem  rechten  bei  Verona.  Am  Vorabende  der  Schlacht, 
am  23.  Juni,  betraute  ihn  Erzherzog  Albrecht  an  Stelle  des  erkrankten  Comman- 
danten  des  V.  Corps,  GdC.  Fürsten  Liechtenstein  mit  dem  Commando  dieses  Corps. 

GM.  Frh.  von  Rodich  war,  gleich  Maroicic  und  Härtung,  als  Unterbefehlshaber 
unter  FM.  Erzherzog  Albrecht  berufen,  an  der  Schlacht  von  Custozza  mit- 
entscheidend theilzunehraen. 

Das  V.  Corps  hatte  am  Tage  vor  der  Schlacht,  am  23.  im  Laufe  des  Vor- 
mittags, auf  dem  rechten  Etsch-Ufer  ein  Freilager  zwischen  Chievo  und  Croce 
bianca  bezogen.  Gegen  Mittag  dieses  Tages  erhielt  Rodich  vom  Armee-Coni- 
mando  mündlich  den  Auftrag,  sofort  mit  dem  V.  Corps  S.  Giusti na  und  Sona 
oder  doch  mindestens  einen  dieser  Orte  noch  vor  dem  Feinde  zu  besetzen  und  sich 
daselbst,  namentlich  aber  in  Sona,  durch  forlificatorische  Anlagen  zu  verstärken, 
um  dadurch  feste  Haltpunkte  auf  den  Höhen  zu  gewinnen,  welche  der  am  anderen 
Tage  nachfolgenden  Armee  die  Besetzung  des  Hügellande«  erleichtern  sollten. 

Rodich  fasste  diesen  Befehl  dahin  auf.  dass  es  in  der  Absicht  des  Armee- 
Commandos  lag,  das  V.  Armee-Corps  aus  Sona  und  S.  Giustina,  und  daran 
rechts  anschließend  die  Reserve-Division,  welche  am  Abend  des  23.  Juni 
Pastrengo  und  Sandra  zu  besetzen  hatte,  aus  diesen  Orten  am  24.  morgens 
eine  Linksschwenkung  nach  Süden  machen  zu  lassen. 

Er  setzte  das  Corps  zu  diesem  Zwecke  am  23.  gegen  4  Uhr  nachmittags  von 
Chievo  in  Bewegung  und  marschierte  über  Croce  bianca  auf  der  Straße  gegen 
Castelnuovo. 

Bei  Casa  Presa  erhielt  er  von  der  Avantgarde  die  Meldung,  dass  Sona. 
S.  Giustina,  Castelnuovo  und  selbt  S.  Giorgio  in  Salice  vom  Feinde  nicht 
besetzt  waren. 

Er  beschloss  demnach  aus  eigenem  Antriebe  schon  am  23.  abends,  statt 
erst  am  folgenden  Tage,  die  angedeutete  Frontveränderung  zu  bewirken,  S.  Gius- 
tina gar  nicht,  dagegen  aber  die  zu  einer  nachhaltigen  Verteidigung  geeigneten 
drei  Punkte  Sona,  S.  Giorgio  und  Castelnuovo  stark  zu  besetzen  und  zur 
Verteidigung  herzurichten. 

Die  Aufstellung  des  Corps  am  Abende  des  23.  Juni  war  demnach  folgende : 
Brigade  GM.  Möring  in  Sona,  Brigade  GM.  Frh.  von  Piret  in  Castelnuovo. 
Brigade  Oberst  Bauer  bei  Albere  II  o  und  S.  Giorgio. 


Digitized  by  Google 


284  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 

Das  Armee-Commando ,  welches  um  7  Uhr  abends  von  der  Besetzung 
Castelnuovos  durch  Truppen  des  V.  Corps  noch  nicht  unterrichtet  war,  ordnete 
um  diese  Zeit  für  den  24.  früh  3  Uhr  nachfolgende  Bewegungen  an : 

,  Das  in  S.  Giustina  und  Sona  stehende  V.  Corps  rückt  mit  den  beiden  in 
S.  Giustina  stehenden  Brigaden  gegen  S.  Giorgio  in  Salice,  die  in  Sona  stehende 
Brigade  gegen  die  Eisenbahn  in  der  Richtung  nach  Casazze  vor;  diese  letztere 
Brigade  (GM.  Möring)  wird  in  Casazze  durch  eine  Brigade  des  VII.  Corps  (GM. 
Scudier)  abgelöst  und  von  da  zum  V.  Corps,  welches  mittlerweile  gegen  S.  Roer« 
di  Palazzolo  vormarschiert,  einrücken.  Die  Reserve-Division  (GM.  Rupprecht» 
wurde  von  Sandra  nach  Castelnuovo  und  weiters  nach  Oliosi  dirigiert." 

Dem  GM.  Frh.  von  Rodich  war  mithin  für  den  24.  eine  Linksschwenkung  vor- 
gezeichnet, deren  Pivot  Summa  cum  pagna  mit  dem  IX.  Armee-Corps  und  deren 
beweglichen  äußeren  Flügel  die  Reserve-Division  (GM.  Rupprecht)  bilden  sollte. 
Dank  dem  selbständigen  Handeln  Rodichs  gemäß  der  im  allgemeinen  durch  den 
erlauchten  Feldherrn  entwickelten  Schlachtidee  war  diese  Linksschwenkung  somit 
vom  V.  Corps  vor  Empfang  der  vorstehenden  Annee-Commando-Disposition  zum 
Theil  vollzogen  und  damit  für  den  24.  sehr  viel  Zeit  wie  Terrain  gewonnen. 

Den  obigen  Bestimmungen  entsprechend,  setzte  Rodich  am  24.  Juni  um 
3  Uhr  morgens  die  Brigade  Oberst  Bauer  und  die  Brigade  GM.  Frh.  von  Piret  mil 
den  beiden  Escadronen  Sicilien-Uhlanen  Nr.  12  in  Bewegung,  so  dass  deren  Ver- 
einigung nach  4  Uhr  früh  in  S.  Giorgio  in  Salice  erfolgte,  marschierte  sodann 
mit  beiden  Brigaden  nach  S.  Rocco  di  Palazzolo  weiter,  traf  dort  mit  der  Tete 
der  Colonnc  nach  lj^a  Uhr  ein  und  machte  halt,  nachdem  der  vom  Armee- 
Commando  vorgezeichnete  Punkt  erreicht  und  ihm  keine  weitere  Richtschnur  vor- 
gezeichnet war. 

Vor  dem  Abmärsche  von  Castelnuovo  waren  dort  von  der  Brigade  Piret 
2  Bataillone  mit  2  Geschützen  bis  zum  Eintreffen  der  Reserve-Division  rück- 
belassen worden.  Während  des  Marsches  ließ  Rodich  außerdem  die  Verbindung 
mit  der  Division  Rupprecht  aufsuchen,  ohne  sie  jedoch  zu  linden.  Endlich  ent- 
sendete er  nach  dem  Anlangen  in  S.  Rocco  di  Palazzolo  Recognoscierungs- 
Abtheilungen  gegen  Oliosi  und  Serraglio.  GM.  Frh.  von  Rodich  bemerkte  auf  der 
vom  Monte  Vento  herabziehenden  und  nach  Oliosi-Cast elnuovo  führenden 
Straße  feindliche  Infanterie,  welche  zu  rasten  schien.  Nach  0  Uhr  setzten  sich 
diese  feindlichen  Abtheilungen  gegen  Oliosi  in  Bewegung,  und  andere  feindliche 
Colonnen  folgten  auf  dem  Fuße  nach. 

Dieser  Wahrnehmung  entsprechend,  ließ  Rodich  die  Brigade  Oberst  Bauer 
eine  gedeckte  Aufstellung  bei  Palazzina  und  S.  Rocco.  Front  nach  Westen 
gegen  Oliosi  zu  nehmen. 

Um  1  j7  Uhr  bemerkte  er  in  derselben  Richtung  zwischen  Busetta  und 
Oliosi  feindliche  Infanterie,  welche  rasch  durch  die  Weingärten  nach  Oliosi  eilte, 
gegen  welche  die  Batterie  Nr.  3/V  einige  Schüsse  abfeuerte.  Alsbald  führte  der 
Feind  2  bis  4  Geschütze  südöstlich  und  nächst  der  Kirche  von  Oliosi  auf,  welche 
sogleich  das  Feuer  gegen  jene  Batterie  eröffneten.  Während  dieser  Kanonade 


Digitized  by  Google 


■ 

Rillor  d<-s  M.  T.  0.  (Jahne)  Kreilicn  vun  R.ulirh 


285 


lioß  Rodich  die  Brigade  Piret  eine  concentriertc  Aufstellung  hinter  Ca  Brolino 
nehmen. 

Etwa  um  Vs^  Uhr  entspann  sich  in  der  rechten  Flanke  Rodichs,  in  der 
Richtung  von  Palazzo  Alzarea,  ein  Kleingewehrfeuer  zwischen  dem  Feinde  und 
der  von  Castelnuovo  anrückenden  Reserve- Division  GM.  Rupprecht,  welches 
seinen  Gang  gegen  Oliosi  nahm  und  dadurch  den  Rückzug  des  Feindes  erkennen 
zu  lassen  schien.  Auch  die  Geschütze  der  Reserve-Division  kamen  bald  in  Thätigkeit 
und  avancierten  bis  zum  Monte  Cricol.  wo  sie  aber  auffallend  lange  verblieben. 

Dieser  Umstand,  der  ununterbrochen  fortdauernde  starke  feindliche  Zuzug 
über  den  Monte  Vento,  —  ein  inzwischen  vom  Fort  Croce  in  Peschiera  eröff- 
netes Geschülzfeuer  und  das  bald  darnach  auf  den  Höhen  am  linken  Mincio-Ufer 
von  Monzambano-Salionz e  her  gegen  die  Division  Rupprecht  sich  ziehende, 
immer  lebhafter  werdende  Kleingewehr-  und  Geschülzfeuer  brachte  Rodich  zu  der 
Ansicht,  dass  die  Division  Rupprecht  überlegenen  Kräften  gegenüberstehe  und 
nicht  allein  in  der  Front  festgehalten  werde,  sondern  auch  in  der  rechten  Flanke 
angegriffen  sei. 

Rodich  kam  zur  Überzeugung,  dass  wenn  es  dem  Feinde  gelänge,  mit  den 
starken  Massen,  wie  sie  sich  hier,  aus  allen  drei  Waffen  zusammengesetzt,  successive 
entwickelten,  über  Oliosi  gegen  Castelnuovo  durchzubrechen,  er  nicht  nur  die 
Reserve-Division  erdrücken,  sondern  auch  das  V.  Corps  zur  Defensive  bestimmen 
und  dadurch  die  Absichten  des  Armee-Commandos  vereiteln  konnte. 

Rodich  zögerte  demnach  nicht  mit  seinem  Entschlüsse  und  gab  um  8  Uhr 
der  Brigade  Piret  den  Befehl,  sogleich  westwärts  gegen  Oliosi  vorzurücken,  den 
Feind  aus  diesem  Orte  zu  werfen  und  so  der  Reserve -Division  Vormarsch  und 
Lösung  ihrer  Aufgabe  zu  ermöglichen. 

Gleichzeitig  ließ  er  die  Reserve-Batterien  Nr.  5  V  und  7/V  auf  seinem  rechten 
Flügel  zwischen  Brolino  und  Corte  auffahren,  um  den  Angriff  gehörig  vorzu- 
bereiten. Zur  Deckung  der  linken  Flanke  beorderte  er  das  Regiment  Benedek- 
Infanterie  Nr.  28  von  der  Brigade  Oberst  Bauer,  und  zur  Unterstützung  des 
Angriffes  die  Brigade  GM.  Möring.  der  Brigade  Piret  nachzurücken. 

Die  Brigade  Piret  erstürmte  Oliosi  mit  großer  Bravour  und  folgte  dem 
Feinde,  der  sich  südwärts  gegen  den  Monte  Vento  zurückzog,  auf  dem  Fuße 
nach,  zu  welchem  Behufe  die  Brigade  Piret  eine  Frontveränderung  links  vollführte. 

Bald  darauf  erhielt  Rodich  von  dem  Armee-Commando  den  Befehl,  dass  das 
V.  Corps  nunmehr  mit  aller  Kraft  südwärts  gegen  S.  Lucia  vorrücken  solle.  Er  ließ 
daher  durch  einen  Generalstabs-Officier  die  Reserve-Division  des  GM.  Rupprecht 
auffordern,  Oliosi,  das  bereits  vom  Feinde  geräumt  war,  mit  ihren  Truppen  zu 
besetzen  und  nun  allein  die  Lösung  ihrer  Aufgabe  zu  übernehmen. 

Er  hatte  dabei  die  Absicht,  die  Brigade  GM.  Frh.  von  Piret  von  dort  weg- 
zuziehen und  sie  gegen  das  möglicherweise  stark  besetzte  und  auch  in  der  Stel- 
lung sehr  starke  S.  Lucia  zu  verwenden. 

Wie  er  jedoch  schon  vordem  erkannt  hatte,  war  die  Reserve-Division  auf 
ihrem  rechten  Flügel  mit  dem  von  Monz ambano-Salionze  mächtig  vor- 


Digitized  by  Google 


28G  CLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  IUlien. 

gedrungenen  Feinde,  dem  sie  sich  nach  dieser  Seite  mit  ganzer  Krafl  entgegen- 
werfen musste,  so  stark  engagiert,  dass  sie  ihrer  ursprünglichen  Bestimmung  auf 
Üliosi  nicht  mehr  folgen  konnte. 

Auch  war  die  Brigade  GM.  Piret  —  dem  gegen  Busetta  zurückweichenden 
Gegner  folgend  —  im  heftigsten  Kampfe  begriffen,  der  um  Mittag,  unter  den 
Augen  des  um  diese  Zeit  von  der  Höhe  nordöstlich  von  Brolino  das  Gefecht 
beobachtenden  Erzherzogs  Alb  recht,  langsam  aber  mit  entschieden  günstigem 
Erfolge  für  die  kaiserlichen  Waffen  von  statten  gieng. 

Unter  solchen  Umständen  erachtete  Uodich  das  Zurückziehen  der  Brigade 
Piret,  ungeachtet  des  vom  Armee-Commando  erhaltenen  Befehls  als  unausführbar 
und  beschloss  daher,  mit  dem  Angriffe  auf  S.  Lucia  solange  zurückzuhalten,  bis 
die  Brigade  Piret  einen  entschieden  festen  Punkt  erreicht  halte  und  deren  Stellung 
gesichert  wäre. 

Dieser  Moment  trat  ein,  als  die  beiden  dem  GM.  Frh.  von  Piret  auf  sein  Ver- 
langen zur  Disposition  gestellten  Batterien  Nr.  5/V  und  7/V  der  Corps-Geschütz- 
Reserve  auf  den  Höhen  westlich  von  Busetta  Position  gegen  den  Monte- Vento 
nahmen.  Es  mochte  7*2  Uhr  sein,  als  der  Commandant  der  Corps-Gesehülz- 
Reserve  durch  ein  äußerst  wirksames  Geschützfeuer  die  feindlichen  Batterien  auf 
dorn  Monte  Vento  zum  wiederholten  Wechsel  ihrer  Positionen  zwang  und 
dadurch  der  Brigade  GM.  Frh.  von  Piret  die  Möglichkeit  eröffnete,  den  Gegner 
auch  von  den  Höhen  bei  Ca  nuova  und  Ca  Pasquali  mit  dem  Bajonnett  zu 
vertreiben,  in  den  Besitz  der  Stellung  am  Monte  Vento  zu  gelangen  und  diese 
zu  behaupten. 

Nun  erst  und  nachdem  Rodich  während  des  Gefechtes  bei  Oliosi  einen 
Angriff  heftig  vordringender  feindlicher  Colonnen  gegen  die  linke  Flanke  des 
V.  Corps  bei  Jese  und  Pernisa  durch  die  Brigade  Bauer  zurückgewiesen  halte, 
die  Kraft  des  Feindes  somit  im  allgemeinen  gebrochen  war.  ließ  er  die  mittlerweile 
dazu  befehligte  Brigade  GM.  Möring,  unterstützt  von  dem  Infanterie-Regimente 
Frh.  von  Nagy  der  Brigade  Bauer,  zu  dem  durch  zwei  Batterien  gehörig  vor- 
bereiteten Angriff  auf  S.  Lucia  schreiten.  Derselbe  nahm  um  2  Uhr  nachmittags 
seinen  Anfang  und  war  um  3  Uhr  bereits  ausgeführt. 

Mit  der  Erstürmung  des  Monte  Vento  und  der  Höhen  von  S.  Lucia  trat 
auf  der  ganzen  Gefechtslinie  des  V.  Corps  Stillstand  ein.  Während  sich  die  Truppen 
ordneten,  erwartete  Rodich  mit  Ungeduld  das  Eintreffen  der  durch  ihn  auf  die 
Höhe  von  S.  Lucia  hinaufbeorderten  Batterie  Nr.  4/V,  um  den  vor  Augen  liegenden, 
von  Truppen  des  VII.  und  IX.  Corps  mit  hartnäckiger,  aber  erfolgloser  Anstrengung 
geführten  Kampf  bei  Valle  Busa  wirksam  zu  unterstützen. 

Um  V»o  Uhr  endlich  war  die  Batterie  nach  vielen  Mühen  auf  der  Höhe  östlich 
von  S.  Lucia  angekommen  und  eröffnete  sogleich  das  Feuer  gegen  Valle  Busa. 

Größere  Cavallerie-Abtheilungen  des  Feindes,  welche  sich  jenseits  des 
Monte  Mamaor  in  der  Ebene  Prabiano  zeigten,  wurden  durch  einige  wohl- 
gezielte Schüsse  trotz  der  Distanz  von  3800  Schritten  aus  ihrer  Aufstellung  ver- 
trieben, worauf  sie  sich  gegen  Villafranca  zurückzogen. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-ü.  Gabriel  Freiherr  von  Rodich. 


287 


Inzwischen  hatte  Rodich,  nachdem  er  von  S.  Lucia  erkannte,  dass  von  Seite 
iles  VII.  Armee-Corps  Vorbereitungen  zu  einem  neuen,  kräftigen  Angriff  auf  Custozza 
getroffen  wurden,  den  Entschluss  gefasst,  die  Brigade  GM.  Möring  geraden  Weges 
von  S.  Lucia  auf  Valle  Busa  vorrücken  zu  lassen,  als  auch  von  dem  Armee- 
Commando  der  Befehl  zum  Angriff  auf  Custozza  eintraf.  Darnach  sollte  das 
VII.  Corps  um  5  Uhr  noch  einen  letzten  Versuch  machen,  auf  dem  Höhenrücken 
von  Custozza  vordringen,  sich  dieses  Ortes  bemächtigen  und  dazu  das  V.  Corps 
mit  einer  Brigade  von  S.  Lucia  mitwirken. 

Damit  aber  diese  mitwirkende  Unterstützung  des  V.  Corps  auch  rechtzeitig 
und  wirksam  erfolge,  ließ  Rodich  nicht  nur  die  Brigade  Möring,  sondern  auch  das 
Regiment  Frh.  von  Nagy  Nr.  70  von  der  Brigade  Bauer,  welche  soeben  durch  ihn 
bis  ins  Tione-Thal  nächst  S.  Lucia  herangezogen  worden  war,  und  zwar  stalt 
um  5,  schon  gegen  l/t5  Uhr  geraden  Weges  über  Valle  Busa  gegen  Custozza 
vorrücken. 

Das  Regiment  Erzherzog  Leopold  Nr.  53  von  der  Brigade  Möring  drang  über 
I  Molini  vor  und  erklomm  die  Höhen,  während  das  Regiment  Frh.  von  Nagy 
Nr.  70  und  hinter  diesem  das  Regiment  Frh.  von  Grucber  Nr.  51  in  der  Thalsohle 
des  Tione  über  Vantini  und  Ca  nuova  und  später  bis  Ca  Coro n in i,  bereits  im 
Rücken  von  Custozza,  nach  der  Ebene  vorrückten,  woselbst  Nagy-Infanteric 
nicht  unbedeutende  Cavallerie-Angriffe  des  Feindes  abzuweisen  hatte. 

Durch  das  21.  .läger-Bataillon  und  gleich  nach  der  Einnahme  von  S.  Lucia 
vorgeschobene  Abtheilungen  von  Erzherzog  Leopold-Infanterie  hatte  Rodich  den 
Monte  Mamaor  im  Rücken  des  Feindes  besetzen  lassen. 

Dank  diesen  Dispositionen  Rodichs  erklomm  ein  Theil  des  Regiments  Erz- 
herzog Leopold  Nr.  53,  während  Truppen  des  VII.  Corps  vom  Belvedere  gegen 
Custozza  vordrangen,  die  Höhen  bei  Valle  Busa.  Der  Rest  des  Regiments  Erz- 
herzog Leopold  —  7  Compagnien  mit  GM.  Möring  —  gieng  aus  dem  Tione- 
Thal  über  Ca  nuova  direet  auf  den  Westeingang  von  Custozza  los  und 
drang  von  dieser  Seile  stürmend  in  den  Ort  ein,  worauf  auch  die  Angriffs- 
Colonnen  des  VII.  Corps  von  Belvedere  aus  die  Nordseite  desselben  stürmten, 
so  dass  Custozza  durch  das  Zusammenwirken  von  Truppen  Rodichs  mit  jenen 
der  Armee-Reserve  fast  gleichzeitig  erobert  und  damit  die  siegreiche  Entscheidung 
der  Schlacht  mit  herbeigeführt  wurde. 

Die  fördernde  Einllussnahme  des  GM.  Frh.  von  Rodich  auf  den  beschleu- 
nigten Aufmarsch  des  Centrums  am  Schlachttage  durch  die  bereits  am  Vor- 
abend der  Schlacht  (  23.  Juni)  bewirkte  Besetzung  von  S.  Giorgio  in  Salice,  —  die 
Gefechtsführung  am  Schlachttage  selbst,  namentlich  das  Eingreifen  bei  Oliosi.  — 
das  Hinhalten  mit  dem  Angriff  auf  S.  Lucia  während  des  Kampfes  um  den  Monte 
Vento,  —  endlich  das  selbständig  beschleunigte  und  verstärkte  Eingreifen  bei 
dem  Angriff  auf  Custozza:  dies  waren  die  Haupt-Momente  seiner  Waffenthat. 
durch  welche  er  mit  seinem  V.Corps  wesentlich  zu  demSiegevon  Custozza  beitrug. 

Auf  Grund  dieser  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I. 
als  Erhabener  Großmeister  über  Votum  des  Ordens-Capitcls  kraft  Promo- 


Digitized  by  Google 


288  CXXIV.  bis  GLXV1II.  IVomolioii.  -  Im  Kriege  von  1866.  -  Italien. 

tion  CLXV1  vom  29.  August  1866  den  noch  auf  dem  Schlachtfeld?  am  Tage  nach 
dor  Schlacht  außer  der  Rangstour  zum  Feldmarschall-Lieutenant  beför- 
derten Gabriel  Freiherrn  von  Rodich  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes 
zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Am  ß.  September  1866  wurde  FML.  Frh.  von  Rodich  zum  Commandanten  dor 
XII.  Infanterie-Truppen-Division  und  zum  Militär-  und  Festungs-Commaiidanten 
in  Krakau,  am  31.  März  zum  Oberst-Inhaber  des  68.  Infanterie-Regiments, 
am  3.  Jänner  1860  zum  Commandanten  der  XVI.  Infanterie-Truppen-Division  und 
Militär-Commandanten  in  Hermannstadt  ernannt  und  ihm  am  1.  Februar  1869 
die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  verliehen. 

Der  im  October  1869  in  den  Rocche  di  Cattaro  gegen  die  Durchführung 
des  Landwehrgesetzes  auf  Grundlage  der  allgemeinen  Wehrpflicht  ausgebrochene 
Aufstand,  dessen  Bewältigung  wegen  der  äußerst  schwierigen  Terrain- und  klima- 
tischen Verhältnisse  des  Gebietes  von  Cattaro  zu  winterlicher  Jahreszeit,  sowie 
zufolge  ausländischer  Einflüsse  un verhältnismäßige  Opfer  erfordert  hätte,  veran- 
lasste die  k.  k.  Regierung,  eine  Pacification  ins  Auge  zu  fassen,  durch  welche  der 
Insurrection  ohne  weiteres  Blutvergießen  mit  einem  Schlage  ein  Ende  gemacht 
werden  sollte.  Zur  Durchführung  dieser  Pacification  wurde,  in  Anbetracht  seines 
im  Jahre  1859  in  den  Bocche  di  Cattaro  bei  der  Bevölkerung  erworbenen 
Ansehens  und  Vertrauens,  FML.  Frh.  von  Rodich  berufen. 

Am  11.  December  1869  zum  provisorischen  Commandanten  der  XVUI. 
Truppen-Division  und  Militär-Commandanten  in  Dalmatien  ernannt,  trat  FML. 
Frh.  von  Rodich  am  30.  December  seinen  Posten  an  und  führte  im  Verlaufe  des 
Monates  Jänner  1870  die  Unterwerfung  dor  Aufständischen,  sowie  die  Pacification 
des  Gebietes  von  Cattaro  durch. 

Am  22.  August  1870  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  FML.  Frh.  von 
Rodich  zum  Statthalter  im  Königreiche  Dalmatien,  Commandanten  der 
XVIII.  Truppen-Division  und  zum  Militär-Commandanten  in  Zara  zu 
ernennen. 

Aus  Anlass  des  vollstreckten  fünfzigsten  Dienstjahres  wurde  dem  FML. 
Frh.  von  Rodich  am  13.  October  1871  unter  Allerhöchster  Anerkennung  seiner 
hervorragenden  Verdienste  im  Kriege  wie  im  Frieden  der  Orden  der  Eisernen 
Krone  I.  Classe  mit  der  Kriegsdecoration  der  III.  Classe  verliehen. 

Im  Februar  1873  hielt  Frh.  von  Rodich  im  Allerhöchsten  Auftrage  gemäß  den 
Weisungen  des  k.  u.  k.  Ministeriums  des  Äußern  Conferenzen  zu  Trebinje  in  der 
Ilm  egovina  mit  Mustapha  Assim  Pascha  ab,  und  zwar  behufs  Wahrung  der 
Interessen  der  Monarchie  durch  Schlichtung  langjähriger  Grenzstreitigkeiten,  welche 
die  Interessen  der  österreichischen  Nationalen  entlang  der  dalmatinisch-hercego- 
vinischen  Grenze  empfindlich  schädigten.  Dieser  Mission  wurde  Frh.  von  Rodich 
unter  voller  Anerkennung  seitens  der  k.  u.  k.  gemeinsamen  Regierung  gerecht. 

Am  23.  April  1873  erfolgte  Rodichs  Beförderung  zum  Feldzeugmeister. 

Anlässlich  des  im  Mai  1875  erfolgten  Besuches  Seiner  Majestät  des  Kaisers 
in  Dalmatien  geruhte  der  Monaldi  mit  huldvollem  Allerhöchsten  Handschreiben 


Digitized  by  Google 


Killer  de*  M.  T.-O.  (»"briel  Freiherr  von  Rodich. 


vom  12.  Mai  1875  dem  FZM.  Frh.  von  Rodich  das  Großkreuz  des  Leopold- 
Ordens  mit  der  Kriegsdecoration  dos  Ritterkreuzes  zu  verleihen. 

Während  der  im  Juli  1875  aufgebrochenen  Insurrection  der  christlichen 
Revölkerung  gegen  die  türkische  Herrschaft  in  der  Hercegovina  und  in  Bosnien, 
welche  stimmt  den  infolge  dessen  auf  der  ganzen  Balkanhalbinsel  eingetretenen 
Ereignissen  erst  im  Herbst  1878  mit  der  Occupation  Bosnien-IIerccgovinas  durch 
die  k.  k.  Truppen  ihren  Abschluss  fand,  entwickelte  FZM.  Frh.  von  Rodich  eine 
politisch-militärische  Thätigkeit,  welche  wesentlich  dazu  beitrug,  bei  dieser  Ver- 
wicklung im  europäischen  Orient  die  Interessen  der  Monarchie  politisch  wie 
militärisch  zu  wahren  und  zu  fördern. 

Gleichwie  in  früheren  Jahrhunderten  fanden  auch  während  dieser  Ereignisse, 
Dank  der  Hochherzigkeit  Sr.  Majestät  des  Kaisers  Franz  Joseph  I,  Tausende 
und  aber  Tausende  von  Flüchtigen  aus  der  Hercegovina  und  aus  Bosnien  rettende 
Zuflucht  auf  dem  Boden  der  Monarchie.  Dem  Gebote  der  Humanität  wusste 
FZM.  Frh.  von  Rodich  durch  umsichtige  militärische,  politische  und  administrative 
Maßnahmen  in  der  Art  gerecht  zu  werden,  dass  die  Sicherheit  der  eigenen  lang- 
gestreckten Grenze  durch  Einfälle  türkischer  Horden  nach  Dahnatien  nicht  ein 
einzigcsmtil  gefährdet  wurde,  anderseits  aber  auch  die  völkerrechtlich  gebotene 
1  •llicht  der  Neutralität  auf  Seite  der  Monarchie  vollauf  gewahrt  blieb. 

FZM.  Frh.  von  Rodich  war  übiigens  berufen,  in  den  Gang  der  Ereignisse  in 
Bosnien-IIcrt  egovina  wiederholt  direct  einzugreifen,  indem  er  im  Interesse  der 
Pacification  über  Auftrag  der  k.  u.  k.  gemeinsamen  Regierung  nach  einander  mit 
den  türkischen  Gouverneuren  und  Befehlshabern  der  beiden  insurgierten  Nachbar- 
länder und  mit  dem  Fürsten  Nikolaus  von  Montenegro  zu  unterhandeln,  sowie 
auch  in  diesem  Sinne  auf  die  Führer  der  Insurrection  persönlich  einzuwirken 
halte. 

Als  aber  trotz  aller  diplomatischen  Bemühungen  die  Insurrection  Bosniens- 
llrrcegovinas  sich  mit  elementarer  Gewalt  über  die  ganze  Balkauhalbiusel  aus- 
breitete, successive  sogar  Montenegro  und  Serbien,  Russlaud  und  Rumänien  in 
den  Krieg  ge'gen  die  Türkei  mitriss,  ja  die  ganze  orientalische  Frage  zum  Aufrollen 
brachte,  musste  die  Monarchie  zunächst  die  Pacification  der  nächstgelegenen  beiden 
Nachbarländer  selbst  insAuge  fassen  und  nach  dem  ihr  durch  deiiBerliner-Congrcss 
gewordenen  Mandat  schließlich  zur  Occupation  von  Bosnien  und  Hercego- 
vina schreiten.  Sowohl  bei  den  Vorbereitungen  als  bei  der  Ausführung  dieses 
äußerst  wichtigen  Unternehmens  wirkte  FZM.  Frh.  von  Rodich,  soweit  dabei 
Dahnatien  in  Betracht  kam,  in  hervorragender  und  erfolgreicher  Weise  mit. 

Da  aus  Dahnatien  die  XVIII.  Truppen-Division  unter  Gommando  des  FML. 
Frh.  von  Jovanovic  an  der  Occupation  theilnahm,  verblieben  unter  dem  Befehl 
des  FZM.  Frh.  von  Rodich  in  diesem  langgestreckten  Lande,  welches  von  Bosnien- 
Her«' egovina  bloß  durch  eine  trockene  Grenze  geschieden  war.  nur  mehr  7 '/a 
Bataillone  und  7  Fcstungs-Artillerie-Gompagnien.  Nichtsdestoweniger  hielt  Rodich 
auch  mit  dieser  verhältnismäßig  geringen  Truppcnmachl  alle  Einfälle  türkischer 
Banden  in  Dahnatien  hintan. 

Militärischer  Marui  TlurtMiii-OrdiM.  1 


Digitized  by  Google 


290 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  IV-motion. 


—  Im  Kriege  von  186«. 


—  Italien. 


Insbesondere  wurde  ein  solcher  Einfall  durch  Heranziehung  von  Matrosen 
der  k.  k.  Marine  und  durch  Bewaffnung  der  Bevölkerung  von  Breno,  Stravca 
und  Duha  di  Canali  hei  Ragusa  vereitelt,  so  dass  es  in  der  Nacht  vom  26.  auf 
den  27.  Juli  1878  nur  zu  einem  misslungenen  Putsch  einer  hereegovinischen  Bande 
bei  Drieno  nächst  Ragusa  kam.  In  gleicher  Weise  wusste  FZM.  Fhr.  von  Rodich 
einem  anfangs  August  seitens  der  Mohainedaner  von  Livno  gegen  Sinj  beabsieh- 
t igten  Einfall  durch  Aufstellung  eines  aus  Abtheilungen  des  79.  und  80.  Landwehr- 
Bataillons,  dann  einer  Ergärizungs-Compagnie  des  22.  Infanterie-Regimentes 
combinierten  Bataillons,  sowie  durch  Bildung  einer  Territorial -Miliz  aus  der 
Bevölkerung  entlang  der  Grenze  von  Knin,  Sinj  und  Imoschi  zuvorzukommen, 
endlich  durch  successive  Organisierung  einer  Reserve -Gebirgsbrigade  mit  2 
improvisierten  Batterien  unter  GM.  Csikos  bei  Sinj  für  die  Folge  ähnliche  Unter- 
nehmungen bosnischer  Banden  gänzlich  zu  verhüten. 

Während  diese  Brigade  noch  in  der  Aufstellung  begriffen  war,  ließ  FZM. 
Frh.  von  Rodich.  nachdem  er  erfahren  hatte,  dass  eine  4000  Mann  starke  Insurgenten- 
schar von  Livno  am  10.  August  gegen  Travnik  und  Skoplie  aufgebrochen 
war,  um  der  k.  k.  VII.  Truppen-Division  nach  den  Gefechten  bei  Jaice  in  die 
Flanke  zu  fallen,  das  79.  Landwehr-Bataillon  aus  Sinj  und  die  Grenzposten  aus 
Imoschi  und  Knin  am  12.  August  offensive  Demonstrationen  über  die  Grenze 
ausführen.  Diese  Demonstrationen  wurden  von  Abtheilungen  der  bei  Sinj  sich 
sammelnden  Reserve-Brigade  am  15.  August  wiederholt.  Dadurch  wurde  die  VII. 
Truppen-Division  von  dem  ihr  zugedachten  Flanken-Angriff  degagiert,  indem  die 
Insurgentenschar  durch  die  Demonstrationen  veranlasst  wurde,  schleunigst  nach 
Livno  zurückzukehren. 

In  noch  ausgiebigerer  Weise  förderte  FZM.  Frh.  von  Rodich  in  der  Zeit  vom 
15.  bis  21.  August  die  Operationen  der  XVIII.  Truppen-Division  in  der  Ilerce- 
govina  gegen  Stolac,  indem  er  derselben  von  seiner  eigenen  ohnedem  knappen 
Trappenzahl  aus  Metkovie  das  5.  Bataillon  des  22.  Infanterie-Regiments  und  das 
33.  Jäger-Bataillon  aus  Ragusa,  ferner  von  den  nach  Dalmatien  gesendeten 
Verstärkungen  über  Kiek  und  Metkovie  das  44.  Infanterie-Regiment  zu- 
disponierte,  überdies  noch  das  74.  Infanterie-Regiment  zu  einer  Diversion  von 
Ragusa  gegen  Stolac  in  Bereitschaft  hielt. 

Von  wesentlichem  Vortheile  für  die  Oecupation  der  südlichen  Hercegovina 
war  ferner  die  Cooperation  mit  der  XVIII.  Truppen-Division,  welche  FZM.  Frh.  von 
Rodich  durch  die  20.  Infanterie-Brigade  von  Ragusa  aus  gegen  Trebinje 
ausführen  ließ.  Nachdem  er  am  20.  August  dieserwegen  durch  den  GM.  von 
Poppenheim  die  diplomatischen  Vereinbarungen  mit  dem  türkischen  Gcneral- 
Consul  in  Ragusa  halte  treffen  lassen,  und  auch  das  militärische  Einvernehmen 
mit  dem  das  reguläre  Militär  in  Trebinje  commandierendenPascha  hergestellt  war, 
wurde  am  29.  August  das  türkische  Grenzwachhaus  Carina  und  am  2.  September 
über  Befehl  des  FZM.  Frh.  von  Rodich  das  auf  der  Straße  von  Ragusa  nach 
Trebinje  liegende  wichtige  türkische  Fort  Drieno  besetzt.  Als  endlich  nach  längeren 
Verhandlungen  das  Einvernehmen  mit  der  XVIII.  Truppen-Division  wegen  der 


Digitized  by  Google 


Hitler  d^s  M.  T.O.  «ialiricl  Freiherr  u<ii  H"ilieli. 


291 


Cooperation  gegen  Trebinje  erzielt  war  und  FZM.  Frh.  von  Rodich  von  der 
Reserve-Gebirgs-Brigade  bei  Sinj  ein  Bataillon  des  21.  Infanterie-Regiments  mittels 
k.  k.  Kriegsdampfers  als  Verstärkung  nach  Ragusa  geworfen  hatte,  erfolgte 
schließlich  am  7.  September  durch  die  von  Ragu.sa  aus  entsendete  verstärkte 
20.  Infanterie-Brigade  GM.  Nagy  nach  lebhaftem  Kampfe  die  Besetzung  von 
Trebinje.  Hiedurch,  sowie  dureh  das  Gefecht  von  Gorica  am  15.  September 
wurde  die  Occupation  der  südlichen  Hercegovina  bis  zur  Einnahme  von  Klobuk 
wesentlich  gefördert. 

Kin  am  7.  September  auf  die  in  der  Stellung  bei  Hau  Prolog  nächst  Sinj 
verbliebene,  geschwächte  Roscrve-Gebirgs-Brigade  Csikos  durch  Insurgenten- 
Banden  von  Livno  erfolgter  Angriff  wurde  gemäß  den  Weisungen  des  FZM. 
Bodieh  glänzend  zurückgewiesen. 

In  der  zweiten  Hälfte  September  endlich,  nachdem  FZM.  Frh.  von  Rodich  von 
dem  II.  Armee-Coinmando  in  Bosnien  verständigt  worden  war.  dass  eine  Opera- 
tion des  XIII.  Armee-Corps  behufs  Bezwingung  von  Livno  in  Angriff  genommen 
war.  setzte  derselbe  die  Cooperation  der  Reserve-Gebirgs-Brigade  Csikos  von  Dal- 
niatien  aus  ins  Werk  und  leitete  dieselbe  durch  seine  telegraphischen  Dispositionell 
im  Einklänge  mit  den  Bewegungen  des  XIII.  Corps  persönlich.  Dadurch  trug  FZM. 
Frh.  von  Bodieh  nicht  nur  zur  vollständigen  Einschließung,  sondern  auch  zu  der  am 
27.  September  glücklich  bewirkten  Einnahme  von  Livno  wesentlich  bei. 

Die  in  vorstehend  geschilderter  Weise  während  der  Insurrection  in  der 
Hercegovina  und  in  Bosnien,  insbesondere  aber  vor  und  während  der  Occupation 
der  beiden  Nachbarländer,  durch  länger  als  drei  Jahre  erdwickelte  Thätigkeit  des 
FZM.  Frh.  von  Bodieh,  und  zwar  nicht  allein  in  militärischer  und  administrativer 
Beziehung,  sondern  auch  in  politischer  und  staatsmännischer  Richtung,  trug 
überhaupt  wesentlich  dazu  bei,  die  Interessen  der  Monarchie  glücklich  und  erfolg- 
reich zu  fördern. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  mit  dem  Allerhöchsten  Handschreiben 
vom  19.  Ortober  1878  «lein  FZM.  Frh.  von  Rodich,  namentlich  für  sein  besonders 
hingebendes  und  erfolgreiches  Wirken  während  der  ereignisreichen  Periode  der 
Occupation  von  Bosnien  und  der  Hercegovina,  Allerhöchste  Anerkennung 
und  Dank  auszusprechen. 

Im  Herbst  1880  war  es  dem  FZM.  Frh.  von  Bodieh  vergönnt,  ein  volles 
Decennium  seiner  Thätigkeit  als  Statthalter  des  Königreiches  Dalmatien,  unter 
freudiger  Antheilnahme  der  ganzen  Bevölkerung,  zu  feiern,  überdies  am  17.  Oeto- 
ber  1880  auch  sein  sechszigjähriges  militärisches  Dienstjubiläum  in 
voller  körperlicher  Rüstigkeit  und  geistiger  Frische  zu  begehen.  Auch  bei  diesem 
Aulasse  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  mittels  Allerhöchsten  Handschreibens 
vom  15.  (Mober  1880  die  lange  und  verdienstvolle  Laufbahn  des  FZM.  Frh.  von 
Rodich  durch  allergnädi gste  Anerkennung  seiner  Dienste  huldvoll  auszu- 
zeichnen. 

Am  12.  November  1881  trat  FZM.  Frh.  von  Rodich.  nachdem  er  im  Februar 
desselben  Jahres  die  diesbezügliche  Bitte  gestellt  halte,  in  den  Ruhestand,  bei 

19* 


Digitized  by  Google 


CUSTOZZA  2^. JUNI  1866. 


Digitized  by  Google 


IXX1V.  hi*  C.LXVIII.  l'iomotioii.  —  Im  Kriege  vuu  iSfift.  —  Italien. 


welchem  Anlasse  Seine  Majestät  der  Kaiser  nachfolgendes  Allerhöchste  Iland- 
schreihen  an  den  aus  dem  activen  Dienste  Scheidenden  zu  richten  geruhte. 

„ Lieher  Feldzeugmeister  Freiherr  von  Rodich!  Indem  Ich  Ihre  Versetzung 
in  den  bleibenden  Ruhestand  anordne,  willfahre  Ich  nur  Ihrer  eigenen,  schon 
vor  längerer  Zeit  gestellten  Bitte. 

Nur  die  Rücksicht  auf  Ihre  geltend  gemachten  Verhältnisse  und  Ihr  Alter 
konnte  Mich  bewegen,  einen  Mann  aus  der  Activität  scheiden  zu  hissen,  welcher 
auf  eine  mehr  als  sechzigjährige,  im  Militär-  und  Civil-Staatsdienste  erfolgreich 
verbrachte  Laufbahn  blicken  kann. 

Möge  Sie  der  Allmächtige  noch  viele  Jahre  ungetrübter  Ruhe  genießen 
lassen!  Die  dankbare  Erinnerung  an  die  Mir  und  dem  Staate  mit  seltener  Hin- 
gebung und  musterhafter  Pflichttreue  geleisteten  Dienste  bleibt  Ihnen  ebenso 
gewahrt,  wie  Meine  Theilnahme  an  Ihrem  ferneren  Wohlergehen. 

Wien,  den  12.  November  1881. 

Franz  Joseph  m.  p." 

Durch  diese  huldreichen  kaiserlichen  Worte  hochgeehrt,  schied  FZM.  Frh. 
von  Rodich  am  18.  November  1881  von  dem  durch  elf  Jahre  bekleideten  Posten 
eines  Statthalters  des  Königreiches  Dalmatien  und  Militär-Commandanten  von 
Zara  und  trat  am  1.  December  in  den  Ruhestand. 

In  Wien  domicilierend,  wurde  FZM.  Frh.  von  Rodich  zum  lebens- 
länglichen Mitglied  des  Herrenhauses  des  österreichischen  Reichsrathes 
berufen. 

FZM.  Frh.  von  Rodich  starb  am  21.  Mai  1800  zu  Wien. 


Ritter  des  Maria  Theresien- Ordens 

Eugen  Freiherr  PIret  de  Bihuin. 

Eugen  Frh.  von  Piret  wurde  zu  Pesth  am  6.  Juni  18:21  geboren.  Seine 
militärische  Laufbahn  trat  er  schon  im  Junglingsalter  am  1.  November  1837  als 
Regitnents-Gadet  im  3.  Uhlaneu-Regirnent  an.  Am  IG.  Juli  1838  Unter- 
lieutenant geworden,  stieg  der  schneidige  Cavallerie-Officicr  rasch  empor, 
indem  er  am  G.  November  1811  zum  Oberlicutenant  im  1.  Uhlanen-Regiment 
befördert  wurde  und  am  .">.  November  1813  bereits  zum  Second-Ritlineistcr  im 


Digitized  by  Googl 


VOI 

ein 
Zar 

län 
ben 


militä 
Regi 
Ii  o  u  t  ■ 
indem 
bel'Öiti 


Digitized  by  Google 


CUSTOZZA  S&.JUNI  1866. 


Digitized  by  Google 


Ritter  de«  M.  T.-O.  Eu^en  Freiherr  von  t'irel. 


293 


4.  Uhlanen -Regiment  avancierte,  mit  welchem  er,  seit  dem  1.  November  1845 
Rittmeister  und  Escadrons-Commandant,  den  Krieg  gegen  Piemont  in 
den  Jahren  1848  und  1849  in  Italien  und  den  Feldzug  1849  in  Ungarn  mit- 
machte. 

Im  Feldzuge  1848  focht  er  in  Italien  und  zwar  in  der  Schlacht  bei  S.  Lucia 
am  G.  Mai,  bei  dem  Angriffe  auf  die  Linie  hei  Curtatone  und  Montanara  am 
30.  Mai,  bei  der  Kinnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni,  in  der  Schlacht  bei 
Sommacampagna  am  23.  Juli,  in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  25.  Juli,  in 
den  Gefechten  bei  Cremona  am  30.  Juli,  bei  Lodi  und  Cremona  am  1.  August, 
endlich  in  den  Gefechten  bei  Mailand  am  4.  und  5.  August. 

Im  Feldzuge  1819  in  Italien  betheiligte  sich  Rittmeister  Frh.  von  Piret  nur 
an  der  Erstürmung  des  Brückenkopfes  und  an  dem  Angriffe  auf  die  Stadt  Casale 
am  24.  und  25.  Marz. 

In  der  Folge  kämpfte  er  im  Feldzuge  1849  in  Ungarn,  und  zwar  im  Gefecht  bei 
Csanak  am  28.  Juni,  in  den  Schlachten  bei  Komorn  am  2.  und  11.  Juli,  bei  der 
Einnahme  von  Szegcdin  am  5.  August,  in  dem  Cavallerie-Gefe.  hte  bei  Csatäd 
am  8.  August  und  bei  dem  Entsatz  von  Temesvär  am  9.  August. 

In  allen  diesen  Kämpfen  stets  tapfer  und  unternehmend  an  der  Spitze  seiner 
Escadron,  that  er  sich  ganz  besonders  in  dem  letzten  Gefechte  bei  Temesvär 
hervor,  in  dem  er  mit  seiner  Escadron  eine  feindliche  Batterie  attaquierte  und  die 
halbe  Batterie  dem  Feinde  abnahm. 

Für  diese  Waffenthat  wurde  Rittmeister  Frh.  von  Piret  am  22.  November  1849 
mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe  ausgezeichnet. 

In  gleich  rascher  Weise  wie  in  den  Chargengraden  bis  zum  Rittmeister, 
stieg  Frh.  von  Piret  als  Stabsofficier  empor,  indem  er.  am  9.  Jänner  1851 
zum  Major  befördert,  am  28.  Februar  1854  zum  Oberstlieutenant  vorrückte 
und  am  16.  Jänner  1850  zum  Obersten  und  Regiments-Commandanten  ernannt 
wurde. 

An  der  Spitze  seines  Uhlanen-Regiments  Nr.  3  machte  er  den  Krieg  gegen 
Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit  und  zwar  kämpfte  er 
in  der  Schlacht  bei  Solferino  am  24.  Juni. 

Am  21.  Jänner  1802  zum  Truppen-Brigadier  ernannt  und  am  7.  März  1802 
zum  Generalmajor  befördert,  focht  er  im  Kriege  gegen  Preußen  und 
Italien  im  Jahre  1800  und  zwar  in  dem  Feldzuge  in  Italien,  bei  der  Süd- Armee 
im  V.  Corps  als  Brigadier  eingetheilt.  Er  war  berufen,  in  der  Schlacht  bej 
Custozza  am  24.  Juni  selbständig  in  hervorragender  Weise  in  den  Verlauf  der 
Schlacht  auf  dem  rechten  Flügel  einzugreifen  und  wesentlich  zu  deren  siegreichem 
Ausgange  beizutragen. 

Am  Vorabend  der  Schlacht.  23.  Juni,  mit  seiner  Brigade  und  0  Zügen  Sizilien  - 
Uhlanen  von  dem  ins  Hügelland  vorgerückten  V.  Corps  auf  der  von  Verona  gegen 
Peschiera  führenden  Straße  bis  Castelnuovo  vorgeschoben,  erhielt  GM.  Frh.  von 
Piret  in  der  Nacht  auf  den  24.  um  1  Uhr  früh  von  dem  Corps-Commandanlen  GM. 
Frh.  von  Rodich  den  Befehl,  um  3  Uhr  früh  aufzubrechen,  nach  S.  Giorgio  in 


294 


CLXIV.  bis  M.XVIII.  Piumolion.  -  Im  Kriege  von  l8Cfi.  —  Italien. 


Salice  zu  marschieren  und  von  dort  der  nach  S.  Rocco  di  Palazzolo  vor- 
rückenden Brigade  Oberst  Bauer  zu  folgen. 

Nachdem  hiedurch  die  von  Castelnuovo  gegen  Monzambano  und  Valeggio 
führende  Straße  bis  zum  Eintreffen  der  Reserve-Division,  welche  als  rechter 
Flügel  der  Süd-Armee  über  Castelnuovo  bis  Oliosi  vorzurücken  hatte,  vorüber- 
gehend unbesetzt  geblieben  wäre,  beließ  GM.  Frb.  von  Piret  2  Bataillone  mit 
einem  Zuge  Uhlanen  in  Castelnuovo  und  marschierte  mit  seiner  Brigade 
gemäß  dem  erhaltenen  Befehle  über  S.  Giorgio  in  Salice  gegen  S.  Rocco  di 
Palazzolo. 

Während  die  Tete-Brigade  Bauer  durch  einen  Geschützkampf  von  Forni 
gegen  die  feindliche  Artillerie  bei  Oliosi  das  Gefecht  einleitete,  ließ  GM.  Frh. 
von  Piret  seine  Brigade,  nachdem  das  in  Castelnuovo  rückgelassene  Detachenient 
mittlerweile  eingerückt  war,  rechts  von  der  Brigade  Bauer,  bei  C.  Brolino  concen- 
trierte  Aufstellung  nehmen.  Das  5.  Kaiser-Jager-Bataillon  marschierte  bei  und  in 
C.  Brolino  auf,  rechts  davon  die  beiden  Infanterie-Regimenter  Crenneville  und 
Baden;  von  der  Brigade-Batterie  2/V.  fuhren  vier  Geschütze  links  von  C.  Brolino, 
und  die  anderen  vier  weiter  rückwärts  zwischen  C.  Brolino  und  S.  Rocco  di 
Palazzolo  auf.  Die  Brigade  Piret  bildete  so  den  rechten  Flügel  des  V.  Corps  und 
hatte  Front  nach  Westen  gegen  Oliosi. 

GM.  Frh.  von  Piret  sah  von  Brolino  aus  den  Feind  von  den  Höhen  des 
Monte  vento  nordwärts  sowohl  gegen  Oliosi  als  auch  gegen  Malvicina 
größere  Truppenmassen  vorschieben.  Von  seiner  Aufstellung  musste  er  nach  den 
weiter  gemachten  Wahrnehmungen  sogar  glauben,  dass  feindliche  Colonnen  auch 
aus  Monzambano  gegen  Malvicina,  in  die  rechte  Flanke  der  Reserve-Division 
dirigiert  worden  seien.  Ks  entspann  sich  nämlich  in  jener  Richtung  ein  Gefecht, 
welches  nur  von  der  Reserve-Division  geführt  werden  konnte,  da  dieselbe  von 
Castelnuovo  längs  und  zu  beiden  Seiten  der  Straße  nach  Valleggio  vorrücken 
inusste,  um  Oliosi  anzugreifen. 

Mittlerweile  hatten  in  den  Geschützkampf  zwischen  Forni  und  Oliosi  zwei 
Batterien  der  Geschütz-Reserve  des  V.  Corps,  weh-he  rechts  von  der  Brigade  Pirol 
in  der  Richtung  gegen  Corte  aufgefahren  waren,  emilich  auch  die  Brigade-Batterie 
des  GM.  Frh.  von  Piret  selbst  eingegriffen. 

Inzwischen  gestaltete  sich  das  Gefecht  der  Reserve-Division  immer  heftiger 
und  begann  sich  nordwärts  zu  ziehen,  wogegen  der  Gegner  immer  mehr  Truppen 
gegen  Oliosi  dirigierte.  Als  infolge  dessen  zu  besorgen  stand,  dass  die 
Reserve-Division  zu  stark  bedrängt  werden  würde,  erhielt  GM.  Frh.  von  Piret 
beiläulig  um  8  Uhr  morgens  von  dem  Corps-Commandanten  GM.  Frh.  von  Rodich 
mündlich  den  Befehl,  gegen  Oliosi  vorzurücken  und  so  die  Reserve-Division  zu 
degagieren*). 

Die  Brigade-Batterie  des  GM.  Frh.  von  Piret  im  Verein  mit  jener  der  Brigade 
Bauer  und  mit  den  zwei  Reserve-Batterien  bereiteten  den  Angriff  vor. 


')  Si.'h.v  .Maria  Tlin^ivn-Or.l.  iis -Hittor  <iul.ri.-l  I'rli.  von  Mo.li.  Ii."  —  Seit.-  :?S.r,  ft. 


Digitized  by  Google 


Riller  des  M.  T.-O.  Küpen  Kreiht-rr  von  I'irel. 


295 


In  der  linken  Flanke  durch  ein  Regiment  der  Brigade  Bauer  gedeckt  und  von 
der  Brigade  Möring  als  Reserve  gefolgt,  stieg  GM.  Frh.  von  Piret  bald  nac  h  S  Uhr  mit 
seiner  Brigade  die  Höhe  von  Brolino  hinab,  das  5.  Kaiser-Jäger-Bataillon  als 
Avantgarde  voran,  das  Gros  mit  vier  Bataillonen  im  ersten,  mit  zwei  Bataillonen  im 
zweiten  Treffen,  die  ganze  Brigade  ä  cliecal  der  Straße  Brolino-Oliosi. 

Fast  gleichzeitig  mit  den  Vorbereitungen  zu  diesem  Angriffe  der  Brigade 
l'irot  hatte  Rittmeister  Frh.  von  Bechtolsheim  mit  drei  Zügen  Sicilien-Uhlanen 
die  feindliche  Colonne,  welche  die  Reserve-Division  bedrängte,  durch  einen 
Überfall  während  des  Marsches  in  Unordnung  gebracht,  was  dem  Vormärsche  der 
Brigade  Piret  sehr  zustatten  kam. 

GM.  Frh.  von  Piret  nahm  zunächst  den  rechten  Flügel  etwas  vor,  um  mit  der 
Reserve-Division  schneller  in  Verbindung  zu  treten.  Rasch  wurde  dann  der  Tione 
durchwatet  und  kaum  hatten  nach  kurzem  Tirailleur-Gefecht  die  Kaiserjäger  das 
Rideau  erstiegen,  als  sich  dieselben  ins  Innere  von  Oliosi  stürzten. 

Sie  erstürmten  die  Kirche  und  mehrere  Gebäude  in  dem  Augenblicke,  in 
welchem  ein  retirierendes  feindliches  Bataillon  und  fliehende  Scharen  der  durch 
den  Überfall  des  Rittmeisters  Frh.  von  Bechtolsheim  aufgelösten  italienischen 
Brigade  Forli  in  den  südlichen  und  westlichen  Theil  des  Ortes  eindrangen  und 
sich  dort  festsetzten.  *) 

Schon  aber  ließ  auch  GM.  Frh.  von  Piret  mit  Ausnahme  eines  Bataillons, 
welches  er  als  Reserve  zurückhielt,  das  Gros  der  Brigade  von  Nord-  und  von 
Südost  Oliosi  stürmen.  Der  Feind  wurde,  dank  der  Bravour  der  Truppen  in  kurzer 
Zeit  aus  dem  Dorfe  geworfen. 

GM.  Frh.  von  Piret  beschloss  nun,  dem  weichenden  Feinde  von  Oliosi  so 
rasch  als  möglich  zu  folgen  und  nicht  eher  von  ihm  abzulassen,  als  bis  seine  Brigade 
den  Gegner  aus  dessen  vortheilhaflen  Aufstellungen  verdrängt,  den  Monte  vento 
erreicht  und  durch  Wegnahme  dieses  wichtigen  Postens  einen  wesentlichen  Vortheil 
errungen  haben  würde.  Die  Brigade  marschierte  nun  südlieh  von  Oliosi  und 
i't  checal  der  Straße.  Front  gegen  den  Monte  vento,  auf  und  die  Brigade-Batterie 
bes«  hoss  von  Ragajola  mit  Erfolg  den  weichenden  Feind.  In  dieser  Stellung  von 
überlegener  feindlicher  Artillerie  beschossen,  ordnete  nun  GM.  Piret,  theils  um 
nicht  in  dein  Feuer  unthätig  dazustehen,  theils  um  sich  in  Besitz  der  wichtigen 
Stellung  des  Gegners  auf  dem  Monte  vento  zu  setzen,  ans  eigener  Initiative  die 
Vorrückung  gegen  diese  Höhe  an. 

Nach  kurzem  Widerstande  des  Feindes  wurde  in  der  Mitte  Busetta  mit  den 
nächsten,  von  der  Straße  westlich  ansteigenden  Höhen  genommen.  Auf  diesen 
vorteilhaften  Punkt  zog  GM.  Frh.  von  Piret  sofort  von  Ragajola  seine  Batterie 
vor,  welche  in  Kürze  das  rechts  unmittelbar  vorliegende  Ca  bruciata  in  Brand 
schoss.  Dadurch  wurde  es  dem  rechten  Flügel  erleichtert,  auf  den  westlich  der 
Einsattlung  sich  erhebenden  Höhen  weiter  Terrain  gegen  Süden  zu  gewinnen  und 
mit  dem  linken  Flügel  der  dort  ebenfalls  im  Kampfe  und  im  Vorrücken  begriffenen 


')  Sieh.-:  „Maria  TIl.'Il'h.'U  Onl<'ii*-nitU>r  Aiit«ni  Frh.  von  Be<  Ii  t  o I s Ii -m in."  —  S<'ih>  'AV>  II. 


Digitized  by  Google 


2%  CLX1V.  bis  CLXVHI.  I'jomoÜ.m.  -  Im  Kriege  von  186fi.  —  Italien. 


Reserve-Division  in  Verbindung  zu  treten.  Unter  dein  Schutze  der  durch  den 
rechten  FlQyfl  genommenen  Höhenposition  und  des  Feuers  der  Brigade-Batterie 
entriss  dann,  trotz  großer  Verluste,  der  linke  Flügel  dem  Feinde  die  östlich  der 
Einsattlung  liegenden  Höhen  von  Fontana  Fredda  und  auch  die  Mitte  drang 
darauf  in  der  Kinsattlung  selbst  bis  an  den  Fuß  des  Monte  vento  unaufhalt- 
sam vor. 

Hier  aber  gönnte  GM.  Frh.  von  Piret  den  braven  Truppen  vor  dem  weiteren 
Angriffe  einige  Rast. 

Die  von  Natur  überaus  feste  Position,  die  Masse  der  feindlichen  Geschütze, 
ihr  mörderisches  Feuer,  die  namhaften  Verstärkungen,  welche  der  Feind  während 
des  Kampfes  offenbar  an  sich  gezogen  haben  mussle,  indem  derselbe  auf  den 
Höhen  westlich  der  Einsattlung,  von  Canova  und  Pasquali  wiederholt  gegen 
den  rechten  Flügel  des  GM.  Frh.  von  Piret  angriffsweise  vorbrach,  alles  dies 
gestaltete  den  letzten  entscheidenden  Angriff  sehr  schwierig  und  erheischte  sorg- 
fältige Vorbereitung  desselben. 

Namentlich  musste  vor  allein  die  feindliche  Artillerie  zum  Schweigen  gebracht 
werden.  Dreißig  italienische  Geschütze  eoncentrierten  successive  ihr  Feuer  gegen  die 
bis  auf  die  Höhen  westlich  von  Ca  bruciata  vorgezogene  Brigade-Batterie  des 
GM.  Frh.  von  Piret.  Bald  wurden  zwei  Geschütze  derselben  beschädigt,  ein  drittes 
sogar  gänzlich  demontiert.  So  kam  es,  dass  die  Brigade-Batterie  des  GM.  Frh.  von 
Piret  successive  nur  aus  vier  Geschützen  das  Feuer  gegen  die  feindliche  Aitilleric- 
masse  auf  dem  Monte  vento  fortsetzen  konnte. 

GM.  Frh.  von  Piret  hatte  in  Voraussicht  der  großen  Schwierigkeiten  des  be- 
schlossenen Angriffs  sofort  nach  dessen  Einleitung  den  Gorps-Commandantcn  GM. 
Frh.  von  Rodich  um  Zudisponierung  zweier  Reserve-Batterien  gebeten.  Letzterer 
war  inzwischen  von  dem  Erzherzog  AI  brecht  beordert  worden,  mit  dem  V.  Corps 
die  Höbe  von  S.  Lucia  zu  nehmen,  und  war  anfänglich  auch  willens,  die  Brigade 
Piret  von  Oliosi  zu  dem  anbefohlenen  Angriff  des  V.  Corps  heranzuziehen.  Die 
ernste  Gestaltung  der  Gefechtsverhältnisse  bei  der  Reserve-Division  im  Vereine 
mit  dem  so  günstig  eingeleiteten  Angriffe  des  GM.  Frh.  von  Piret  auf  den  Monte 
vento  bewog  jedoch  GM.  Frh.  von  Rodich,  mit  dem  Angriffe  auf  S.  Lucia  so  lange 
zuzuwarten,  bis  GM.  Frh.  von  Piret  eine  feste  Stellung  auf  den  Höhen  des  Monte 
vento  genommen  haben  würde.  Zu  diesem  Zwecke  beorderte  GM.  Frh.  von  Rodich 
die  vom  GM.  Frh.  von  Piret  erbetenen  beiden  Batterien  der  Corps-Geschütz-Reserve 
aus  ihrer  inzwischen  genommenen  Aufstellung  bei  Colombarolta  zur  Unter- 
stützung der  Brigade  Piret. 

Unter  einem  Hagel  feindlicher  Projectile  wurden  die  beiden  Batterien  von 
dem  Commandanten  der  Corps-Gesehütz-Reserve,  Major  Pop ov ich,  rasch  vorge- 
führt, über  Disposition  des  GM.  Frh.  von  Piret  neben  seiner  Brigade-Batterie  placiert 
und  ins  Feuer  gesetzt,  so  dass  nunmehr  20  österreichische  gegen  30  italienische 
Geschütze  im  Kampfe  standen.  Alsbald  war  der  Überlegenheit  der  feindlichen 
Artilleriemasse  durch  das  zielsichere  Feuer  der  österreichischen  Geschütze  ein  Ende 
gemacht.  Die  Heftigkeit  des  feindlichen  Geschützfeuers  ließ  nach;  einzelne  Batterien 


Digitized  by  Google 


Hilter  des  M.  T.-O.  Eucen  Freiherr  von  Piret. 


207 


wechselten  wiederholt  ihr«;  Aufstellungen;  schließlieh  zogen  sie  sich  nach  einander 
auf  die  I  löhenkämme  zurück. 

Nun  erst  —  gegen  3  Uhr  nachmittags  —  ordnete  GM.  Frh.  von  Piret  den  ent- 
scheidenden Angriff  der  ganzen  Brigade  auf  die  Höhen  hei  Canova  und  Pasquali, 
auf  denen  der  linke  Flügel  der  Reserve-Division  sich  der  Vorstöße  des  Feindes 
kaum  mehr  zu  erwehren  vermochte,  sowie  auf  den  Monte  vento  an.  MitFreuden- 
geschrci  erhoben  sich  die  inzwischen  etwas  ausgeruhten  und  erholten  Truppen 
zum  Entscheidungskampfe.  Diesem  Angriffe  des  GM.  Frh.  von  Piret  schlössen  sich 
auch  die  nächst  seinem  rechten  Flügel  kämpfenden  Abtheilungen  der  Reserve- 
Division  sofort  an. 

So  wurden  zunächst  am  rechten  Flügel  die  Höhen  bei  Canova 
und  Pasquali  von  dem  3.  Bataillon  Raden  der  Brigade  Piret,  im  Vereine  mit 
Truppen  der  Reserve-Division,  erstürmt.  Das  1.  und  2.  Bataillon  Baden,  gefolgt 
von  dem  5.  Kaiser-Jäger-Bataillon,  drang  durch  das  Defile  zwischen  diesen 
Höhen  und  dem  Monte  vento  vor.  Der  Gegner  wurde  von  Höhe  zu  Höhe, 
von  Position  zu  Position  gedrängt,  bis  endlich  zwischen  3  und  4  Uhr  nach- 
mittags das  Defile  vollständig,  bis  an  dessen  südlichen  Ausgang  bei  Fonta- 
nello,  erstürmt  war.  Der  linke  Flügel  der  Brigade  Piret,  das  1.  Bataillon 
Crenneville,  rückte  über  Redolfo  gegen  den  Monte  vento  vor,  wies  dabei 
eine  Cavallerie-Attaque  zurück,  stürmte  bis  in  die  rechte  Flanke  der  auf  dem 
Berge  selbst  postierten  feindlichen  Batterien  hinan  und  zwang  dieselben  zum 
Abfahren.  Daraufhin  erstieg  die  Mitte  der  Brigade  den  Monte  vento  zunächst 
des  Defile  ohne  weiteren  Kampf. 

Der  Gegner  eilte  in  Unordnung  theils  gegen  Valeggio,  theils  gegen  Mon-  . 
zambano  zurück,  GM.  Frh.  von  Piret  beschoss  die  weichenden  Truppen  durch  die 
rasch  vorgenommenen  Batterien  und  sicherte  seinen  Erfolg  durch  die  Besetzung 
der  gegen  Valeggio  zu  liegenden  südlichen  Hänge  und  Vorhöhen  des  Monte 
vento  bis  Tirodella. 

Dank  der  kühnen  Initiative  und  der  überaus  umsichtigen  Gefechtsführung 
des  GM.  Frh.  von  Piret  war  ein  wesentlicher  und  glänzender  Erfolg  der  kaiserlichen 
Waffen  auf  dem  westlichen  Theile  des  Schlachtfeldes  erkämpft.  Der  festeste  Stütz- 
punkt des  feindlichen  linken  Flügels,  die  Höhen  am  Mincio  in  der  Nähe  der 
Flussübergänge  bei  Monzambano  und  Valeggio.  waren  genommen,  dadurch 
die  Hückzugslinie  des  Feindes  wirksam  bedroht.  Bedeutende  Theile  des  feindlichen 
Heeres  waren  theils  kampfunfähig  gemacht,  theils  in  vollem  Rückzüge  hinter  den 
Fluss,  demnach  für  den  weiteren  Kampf  auf  dem  Schlachtfelde  außer  Gefecht  gesetzt, 
was  zum  siegreichen  Ausgange  der  Schlacht  wesentlich  beitrug. 

Auf  Grund  dieser  in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  21.  Juni  186G  vollbrachten 
Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  über  Votum  des  Ordens -Capitels  kraft  Promotion  CLXVl 
vom  29.  August  18G6  den  GM.  Freiherrn  Eugen  Piret  de  Bihain  durch  Ver- 
leihung des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresicn-Ord ens  zu  pro- 
movieren. 


298 


CLX1V.  bis  CLXVIII.  I'roinoliuu.  —  Im  Kriege  von  1S0C.  -  Italien. 


Schon  zuvor,  am  18.  Juli  180(1,  hatte  Seine  Majestät  der  Kaiser  dem  GM. 
Piret  für  die  tapferen  Leistungen  in  der  Schlucht  bei  Custozza  das  Comman- 
deurkreuz  des  österreichischen  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegs- 
decoration allergnädigst  verliehen. 

Im  Jahre  18(>7  war  GM.  Frh.  von  Piret  Seiner  k.  k.  Hoheit  dem  durchlauch- 
tigsten Herrn  Erzherzog  Ludwig  Victor  während  höchstdessen  Bereisung  von 
Spanien  und  Portugal  zur  Dienstleistung  zugetheilt. 

Am  2.  October  1868  wurde  GM.  Frh.  von  Piret  zu  der  Ehrenstellung  eines 
Obersthofmeisters  Sr.  k.  k.  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Feldmarschalls 
Erzherzog  Albrecht  berufen,  in  welcher  Dienstesverwendung  er  am  24.  October 
18G8  zum  Feldmarschall-Lieuteriant.  am  25.  November  1875  zum  Oberst- 
Inhaber  des  9.  Dragoner-Regiments  und  am  1.  November  1878  zum 
G  e  n  e  r a  1  d  e  r  G  a  v  a  1 1  e  r  i  e  ernannt  ward. 

Nachdem  ihm  am  1.  Mai  1881  der  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  C lasse 
mit  der  Kriegsdecoration  der  dritten  Classe  verliehen  worden,  geruhte  Seine  Maje- 
stät der  Kaiser  am  25.  October  1883  dem  GdC.  Frh.  von  Piret  aus  Anlass  seines 
fünfzigjährigen  Militärdienst-Jubiläums  in  Anerkennung  der  jederzeit  mit 
besonderer  Hingebung  geleisteten  und  vor  dem  Feinde  hervorragend  ausgezeich- 
neten Dienste  das  Großkreuz  des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegsdecoration 
des  Commandeurkreuzes  allergnädigsl  zu  verleihen. 


Rilter  des  Maria  Thcresien-Ordens 
Ludwig  Freiherr  von  Pulz. 

(Mit  Bildnis  aus  dorn  Jahre  1867.) 
Pulz  wurde  zu  Unguriseh-Brod  in  Mähren  im  Jahre  1822  geboren  und  trat 
bereits  im  IG.  Lebensjahre  in  die  k.  k.  Armee  ein.  indem  er  am  13.  Sep- 
tember 1838  bei  dem  00.  Infanterie-Rogimente  als  Regiments-Cadet  assentiert 
wurde.  Nachdem  er  den  dreijährigen  Curs  der  Cadeten-Compagnie  in  Graz 
absolviert  balle,  erfolgte  am  10.  September  1841  seine  Transferierung  zum  1 1. 
Uhlanen-Regiment.  in  welchem  er  am  21.  Februar  zum  Cadet-Gorporal,  am 
10.  Juli  1844  zum  Unterlieutenant  und  am  4. April  1848  zum  Oberlieutenant 
befördert  wurde. 

Oberlieutenant  Pulz  kämpfte  im  Jahre  1848  bei  der  Einschließung  und  Ein- 
nahme von  Wien  in  der  Zeil  vom  12.  bis  31.  October,  in  dem  Scharmützel  bei 
Regelsbrunn  und  Stix-Non s i edl  am  21.  October.  in  dem  Trollen  bei 
Schwecliat  und  Raucbenwarl  und  in  den  Gefechten  bei  Bruck  an  der 
Leitha  am  4.  und  7.  November. 

Im  Feldzuge  1819  in  Ungarn  betheiligte  er  sich  an  dem  Einzüge  der 
kaiserlichen  Truppen  in  Ofen  am  5.  Jänner,  focht  dann  in  dem  Gefechte  bei 
Jpoly-Sägh.  Gyerk  undTompanm  11.  Jänner,  in  dem  Avantgarde-Gefechte  bei 


Digitized  by  Google 


Riller  des  M.  T.  <).  Ludwifi  Freiherr  v<»n  Pul/. 


299 


Windschachl  am  19.  Jänner,  in  dem  Gefechte  bei  Schemnitz,  Windsehacht, 
Siglisberg  und  Hodrics  am  21.  und  22.  Jänner,  in  der  Schlacht  bei  Kapo  Ina 
am  26.  und  27.  Februar,  in  dem  Cavallerie-Gefecht  bei  Mezö-Kövesd  am 
28.  Februar,  in  den  Gefechten  bei  Eger-Farnios  am  1.  März,  bei  Poroszlö  am 
G.  März,  bei  Hatvan  am  2.  und  5.  April,  in  der  Schlacht  bei  Isaszeg  am  G.  April, 
in  den  Recognoscierungs-Gefechten  bei  Czinkota,  Palota  und  Keresztür  am 
8.,  9.,  10.,  11.  und  21.  April;  femer  wohnte  er  der  Kanonade  am  Räkos  am 
13.  April  bei,  kämpfte  sodann  in  den  Gefechten  am  Räkos  am  IG.  April,  bei 
Puszta  Harkdly  und  A es  am  26.  April,  in  dem  Recognoscierungs-Gefechte  bei 
Ab  da  am  5.  Mai,  in  den  Geplänkeln  bei  Abda  am  12.,  18.  Mai  und  8.  Juni,  in 
den  Vorposten-Geplänkeln  bei  Hochstraß  und  Kimling  am  13.  Juni,  bei  Kim- 
lingam  20.  Juni,  in  dem  Gefecht  bei  Abda  und  bei  der  Einnahme  von  Raab 
am  28.  Juni,  in  den  Schlachten  bei  Komorn  am  2.  und  11.  Juli,  bei  dein  Angriffe 
auf  Mako  am  4.  August,  in  dem  Gefecht  bei  Vinga  am  9.  und  bei  Drey spitz 
am  10.  August. 

Während  des  Feldzuges  von  1849  am  20.  Mai  zum  Sccond-Ritt  meist  er 
befördert,  that  sich  Pulz  besonders  in  dem  Gefechte  bei  Puszta  Ilarkäly  durch 
Tapferkeit  hervor  und  wurde  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Glasse 
ausgezeichnet. 

Am  IG.  Jänner  1851  zum  Rittmeister  I.  Glasse  vorrückend,  wurde  Pulz 
am  1.  Mai  185G  zum  Adjutanten-Corps  transferiert,  bei  der  1.  Seclion  des  Armee- 
Obercommandos  eingetheilt,  am  28.  Februar  1857  zum  Major  befördert,  sodann 
zum  Corps-Adjutanten  bei  dem  III.  Armee-Corps  ernannt. 

In  dieser  Dienstesverwendung  machte  er  den  Krieg  gegen  Frankreich 
und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859  mit  und  zwar  das  Reiter-Scharmützel 
bei  Torre-Beretti  am  1.  Mai,  die  Kanonade  von  Valenza  am  4.  Mai,  den 
Kampf  zwischen  Monte  und  Valenza  am  7.  Mai,  die  Affaire  bei  der  Eisenbahn- 
brücke von  Valenza  Jim  19.  Mai.  ein  Cavallerie-Gefecht  bei  Novara  am  31.  Mai, 
die  Schlacht  bei  Magenta  am  4.  Juni,  das  Avantgarde-Gefecht  zwischen  Ponte 
vecchio  di  Magenta  und  Carpeuzago  am  5.  Juni  und  die  Schlacht  bei  Sol- 
len no  am  24.  Juni. 

Während  des  Feldzuges  am  22.  Mai  1859  zum  Oberstlieutenant  befördert, 
wurde  er  für  sein  hervorragend  tapferes  Verhalten  in  der  Schlacht  bei  Magenta  mit 
dem  Ritterkreuze  des  österreichischen  Leopold-Ordens  ausgezeichnet. 

Am  22.  Jänner  1860  zum  Freiwilligen-Thlanen-Regiment  Graf  Trani  Nr.  13 
als  Regiment .s-Commandant  transferiert,  wurde  er  am  15.  August  1860  zum 
Obersten  befördert. 

Bei  Ausbruch  des  Krieges  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866 
befehligte  Oberst  Pulz  auf  dem  Kriegsschauplätze  in  Italien  eine  Cavallerie- 
Rrigade,  am  Tage  der  Schlacht  bei  Custozza  am  24.  Juni  1866  aber  die  aus 
zwei  Cavallerie-Rrigaden  gebildete  Reserve-Ca vallerie  der  Süd-Armee. 

Am  6.  Juni  bezog  Oberst  Pulz  mit  8  Escadronen  des  Husaren-Regiments 
Kaiser  Kranz  Joseph  Nr  1  und  des  Chlanen-Regiments  Graf  Trani  Nr.  13,  dem 


S 

Digitized  by  Google 


CI.XIV.  bis  Ci.XVIH.  Promution.  -  Im  Kri^i-  v.m  18ßß.  -  Italien. 


21.  Jäger-Bataillon  und  der  viorpfündigen  Batterie  Nr.  S/V  eine  Aufstellung  entlang 
des  Mincio  von  Monzambano  bis  Goito,  mit  dem  Brigade-Stab  und  Gros  in 
Yillafrauca.  Die  Brigade  hatte  die  Aufgabe,  die  Mincio-Ühergangspunkte  von 
Salionze  bis  Goito  scharf  zu  überwachen,  jeden  unerlaubten  Grenzverkohr  zu 
verhindern,  die  gegnerischen  Vortruppen  bei  Goito,  Borghetto  und  Monzam- 
bano zu  beobachten  und  Nachrichten  über  die  Bewegungen  des  Gegners  zu 
sammeln.  Infolge  der  suecessiven  Annäherung  der  feindlichen  Armee  gegen  die 
Grenz«'  wurde  vom  17.  Juni  an  die  Beobachtung  der  Übergangspunkte  zwischen 
Salionze  und  Goito  noch  verschärft,  wobei  an  den  Haupt-Communicationen  eine 
voi  postenartige  Beobachtung  eintrat.  In  der  Thal  häuften  sich  die  Wahrnehmungen, 
aus  denen  hervorgieng,  dass  der  Feind  auf  der  von  der  Brigade  Pulz  beobachteten 
Strecke  Vorbereitungen  zur  Überschreitung  des  Mincio  traf. 

In  der  Nacht  vom  22.  auf  den  23.  Juni  überschritten  die  ersten  feindlichen 
Abtheilungen  den  Mincio  bei  Goito  und  fast  gleichzeitig  bei  Pozzolo.  Es  waren 
dies  nur  schwache  recognoscierende  Trupps,  die  sich  bald  wieder  zurückzogen. 
Etwa  um  i'/t  Uhr  früh  passierte  aber  die  Linien-Cavallerie-Division  Sonnaz  den 
Fluss  bei  Goito  und  rückte  in  nördlicher  Richtung  vor,  infolge  dessen  Oberst  Pulz 
die  in  jener  Gegend  stehenden  Abtheilungen  nach  Villafranca  zurückzog,  worauf 
zwischen  7  un«l  8  Uhr  morgens  der  allgemeine  Übergang  der  feindlichen  Armee 
bei  Monzambano,  Molini  dellii  Volta,  Ferri  und  Goito  erfolgte,  worüber 
Oberst  Pulz,  soweit  seine  Wahrnehmungen  reichten,  genaue  Meldung  an  das 
Armee-Commando  erstattete. 

Während  feindliche  Cavallerie  von  Valeggio  und  Goito  gegen  Villa- 
franca vorrückte,  concentrierte  daselbst  Oberst  Pulz  seine  Brigade,  den  Weisungen 
des  Armee -Commandos  gemäß  jedem  ernsten  Gefecht  mit  dem  Feinde  aus- 
wchhend. 

So  zog  sich  mittags  Oberst  Pulz  langsam  von  Villafranca  gegen  Verona 
zurück.  Die  feindliche  Cavallerie  folgte  von  weitem  langsam  nach.  Bei  Dosso- 
buono  ließ  Oberst  Pulz  seine  Brigade  Aufstellung  nehmen  und  die  Brigade- 
Batterie  einige  Schüsse  auf  den  Feind  abgeben.  Infolge  dessen  zog  sich  die  feind- 
liche Kciterei  zurück,  zerstörte  bei  Villafranca  Eisenbahn  und  Telegraphen- 
Linie  und  nahm  zwischen  Ouademi  und  Mozzecane  Aufstellung,  worauf  auch 
Oberst  Pulz  seine  Brigade  weiter  bis  Verona  zurückführte  und  abends  bei  dem 
Fort  Gisela  das  Lager  bezog. 

Durch  diesen  schrittweise,  gleichwohl  aber  mit  Vermeidung  jeden  Kampfes 
durchgeführten  Rückzug  der  Brigade  Pulz  vom  Mincio  wurde  der  Feind  in  der 
Meinung  bestärkt,  dass  d'e  kaiserliche  Armee  hinter  der  Etsch  stünd«*  und  auf  die 
Vertheidigung  des  Landes  zwischen  diesem  Flusse  und  dem  Mincio  gänzlich  ver- 
zichtet hätte,  was  für  «las  weitete  Vorgehen  der  feindlichen  Armee  am  nächsten 
Tage,  sowie  infolge  dessen  auf  die  Schlacht  bei  <  '.ustozza  von  bestimmerid«'r  Ein- 
wirkung zu  Gunsten  der  kaiserlichen  Waffen  war. 

Auf  die  Meldung  des  Obersten  Pulz.  im  Verein  mit  den  Ergebnissen  der 
sofort  angeordneten  Kecognoscierungen  und  sonstigen  Wahrnehmungen  des 


Digitized  by  Google 


Hiller  ilrs  M.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  \<>n  Pul/.. 


301 


Armee-Commandos  fasste  nämlich  der  Cuimnandaut  der  Süd-Armee,  Erzherzog 
Albrecht,  den  Kntschluss,  dorn  über  den  Mincio  gegängelten  Feinde  mit  der 
inzwischen  vom  linken  auf  das  rechte  Etsch-Ufer  eoncentrierten  Süd-Armee  in 
Flanke  zu  fallen. 

Um  für  diese  Vorrückung  einen  größeren  Cavallerie-Körper  zur  Verfügung 
zu  haben,  befahl  Erzherzog  Albrecht  am  23.  Juni,  aus  den  bei  den  Corps  einge- 
teilten Husaren-Regimentern  Nr.  3  und  11  mit  je  drei,  und  dem  Uhlanen- 
Kegiment  Nr.  12  mit  zwei  Escadronen  die  Bildung  einer  zweiten  Cavallerie- 
Brigade  von  8  Escadronen  unter  Commando  des  Obersten  Bujanovics,  und 
übertrug  die  Oberleitung  der  beiden  Cavallerie-Brigaden  dem  Obersten  Pulz.  Der- 
selbe vereinigte  somit  am  Vorabende  der  Schlacht  unter  seinem  Befehl  IG  Esca- 
dronen als  Rcserve-Cavallerie  der  Süd-Armee. 

Gemäß  der  Disposition  des  Armee-Commandos  rückten  die  beiden  Cavallerie- 
Brigaden  mit  Tagesanbruch  am  24.  Juni  —  nach  Entsendung  einer  Escadron  von 
der  Brigade  Bujanovics  in  südlicher  Richtung —  aus  ihren  Lagern  bei  Fort  Gisela 
und  bei  S.  Lucia,  in  westlicher  Hauptrichtung,  auf  gleicher  Höhe  mit  dem 
IX.  Corps  vor.  Die  Reserve-Cavallerie  hatte  zunächst  die  linke  Flanke  dieses  Corps 
zu  decken,  überhaupt  aber  die  ganze  Armee  in  der  linken  Flanke  zu  schützen. 

Die  links  marschierende  Brigade  Bujanovics  stieß  um  l/sG  Uhr  zuerst  auf 
den  Feind.  Ihre  Seitenhut  drängte  die  Vorhut  der  feindlichen  Division  Prinz 
Humbert  von  Calori  südwestlich  gegen  Villafranca  zurück.  Hier  aber  empfieng 
der  Feind  die  österreichische  Cavallerie-Abtheilung  mit  so  lebhaftem  Infanterie- 
urid  Geschützfeuer,  dass  sich  dieselbe  über  Calori  gegen  Accademia  auf  das 
Gros  der  Brigade  Bujanovics  zurückzog,  welche  dort  eben  in  der  Entwicklung 
begriffen  war. 

Die  rechts  marschierende  Brigade  Pulz  schwenkte  in  der  Höhe  von  Somma- 
campagna  links  südwärts  gegen  Villafranca  und  gelangte  eben  über 
Palazzina  hinaus  in  der  Richtung  la  Casetta-Ganfardine,  als  Oberst  Pulz 
das  Kanonenfeuer  von  Villafranca  vernahm.  Da  er  eine  gegen  die  linke 
Flanke  der  Brigade  Bujanovics  gerichtete  feindliche  Vorrückung  vermuthete, 
beabsichtigte  er  in  der  Richtung  des  Geschützfeuers  vorzugehen,  um  dem  aus 
Villafranca  vorrückenden  Gegner  selbst  in  die  Flanke  zu  fallen.  Oberst  Pulz 
ließ  dem  Obersten  Bujanovics  diese  Absicht  bekanntgeben  und  denselben  auf- 
fordern, sich  deshalb  rechts  zu  halten,  um  auf  diese  Weise  die  Vereinigung  der 
gesammten  Cavallerie  zu  bewirken. 

Kurz  darauf  erhielt  Oberst  Pulz  von  seinen  Eelaireurs  die  Meldung,  dass  sich 
bei  Villafranca  größere  Massen  Infanterie,  Artillerie  und  Cavallerie  befinden. 

In  Anbetracht  der  großen  Wichtigkeit,  welche  jede  feindliche  Action  in  der 
Ebene  auf  den  Verlauf  des  Kampfes  auf  den  Höhen,  besonders  aber  auf  jenen  des 
linken  Flügels  der  Süd-Armee,  nehmen  musste.  beschloss  Oberst  Pulz  ohne  Verzug 
und  ohne  jedweden  Befehl,  ehe  noch  das  Gefecht  seitens  der  Armee  engagiert 
war,  den  ihm  bei  Villafranca  signalisierten  Feind  aufzusuchen  und  selbst  vor 
dem  Anlangen  der  Brigade  Bujanovics  anzugreifen. 


Digitized  by  Google 


302 


CI.XIV.  bis  CLXVHI.  IWiolion.      Im  Krh-gc  von  It.licii. 


Er  ließ  sofort  das  Uhlancn-Regimcnl  Trani  von  der  Slraßo  Sommaeampagna- 
Villafranca  links  (östlich),  die  Kaiser-Husaren  —  etwas  zurückgezogen  —  rechts 
(westlich)  in  Escadrons-Colonnen,  die  Batterie  auf  der  Straße  seihst,  vorgehen. 
Südlich  von  Ganfardine  angekommen,  ward  Oherst  Pulz  der  vor  Villafranca 
sieh  bewegenden  feindliehen  Truppen  ansichtig.  Er  heorderle  sogleich  seine 
Batterie  zum  Feuer  und  die  heiden  Regimenter  seiner  Brigade  zum  Aufmarsch 
und  Angriff. 

Das  Regiment  Trani  setzte  sich  darauf  gegen  die  vor  Villafranca  vet- 
niuthete  feindliche  Cavallerie  in  Bewegung  und  übergieng  alsbald  auch  zur  Attaque. 
Die  ersten  Linien  des  Feindes  südlich  von  Ca  nuova  wurden  niedergeritten  und 
aufgerieben,  mehrere  hintereinander  stehende  Carrcs  von  Bersaglieri  der  italieni- 
schen Division  Prinzen  Humbert  überritten  und  die  Bedienungsmannschaft  bei 
den  feindlichen  Geschützen  zusammengehalten.  Der  breite  und  tiefe  Chaussee- 
graben setzte  der  weiteren  Attaque  jedoch  ein  unüberwindliches  Hindernis  ent- 
gegen und  zwang  die  tapferen  Uhlanen.  unter  schweren  Verlusten  zurückzugehen 
und  sich  durch  die  feindliche  Infanterie  gegen  Casino  durchzuhauen. 

Mittlerweile  waren  auch  die  Kaiser-Husaren  rechts  von  der  Straße,  zwischen 
derselben  und  der  Fossa  Bereltara,  vorgerückt  und  attaquierten,  mit  Oberst  Pulz 
an  der  Spitze,  in  der  Nähe  von  Villa  fr  anca  feindliche  Cavallerie,  welche  jedoch 
den  Angriff  nicht  annahm,  sondern  kehrt  inachte  und  sich  hinter  die  in  Carrcs 
formierten  Bataillone  der  feindlichen  Division  Bixio  zurückzog.  Wie  Trani-Uhlanen 
zuvor,  so  fiel  nun  auch  das  Husaren-Regiment  mit  unwiderstehlichem  Ungestüm 
die  feindliche  Infanterie  an,  sprengte  mehrere  Carrcs,  drang  zwischen  den  übrigen 
durch  und  jagte  eine  gegen  die  rechte  Flanke  des  Husaren-Regiments  attaquirendc 
feindliche  Escadron  zurück. 

Schließlich  mussten  sich  jedoch  auch  die  Kaiser-Husaren,  nachdem  sie  durch 
ihre  heldenmüthige  Attaque  den  Feind  erschüttert  hatten,  aus  dessen  mörderischem 
Feuer  gegen  G  anf  ardine  zurückziehen,  wo  sich  bereits  Trani-Uhlanen  sammelten. 

Schon  aber  griff  auch  die  Brigade  Bujanovies  in  das  Gefecht  ein.  Nachdem 
sich  dieselbe  von  Accademia  im  Trab  bis  Ganfardine  seitwärts  gezogen 
halte,  marschierte  sie  südlich  dieses  Ortes  mit  Württemberg-Husaren  am  rechten, 
mit  Sicilien-Uhlanen,  staubförmig  zurückgezogen,  am  linken  Flügel  und  mit  Bayern- 
Husaren  im  Centrum  auf.  Darauf  rückte  sie  mit  allen  7  Escadronen  im  Trab  und 
Galopp  über  Caselle  in  lebhaftem  feindlichen  Geschützfeuer  gegen  Villafranca 
vor.  Die  gegen  beide  Flügel  der  Brigade  anstürmende  feindliche  Cavallerie  wurde 
geworfen  und  bis  an  die  Carres  der  italienischen  Division  Prinz  Ilumbert  zurück- 
gejagt. Während  sich  dann  die  Flügel  der  Brigade  aus  dem  feindlichen  Infanterie- 
Feuer  zogen,  griff  das  Centrum  die  neuerdings  vorbrechende  feindliche  Cavallerie 
an  und  trieb  sie  endgilt  ig  zurück. 

Nachdem  sich  die  Brigade  Bujanovies  bei  Ca  nuova  gesammelt  hatte,  führte 
Oberst  Pulz  beide  Brigaden  gegen  la  Gaset ta  zurück.  Während  zwei  Escadronen 
behufs  Beobachtung  des  Feindes  möglichst  hart  an  demselben  verblieben,  ließ  er 
das  Regiment  Trani-Uhlanen.  von  welchem  kaum  viel  mehr  als  200  Reiter  übrig 


Digitized  by  Google 


Hiller  des  M.  T.-Ü.  Ludwig  Freiherr  von  l'uk. 


303 


geblieben  w;ircn,  bis  in  die  Nähe  von  Souunacampagna  zurückgehen,  wo  sieb 
dasselbe  mit  seinen  Resten  formierte. 

Durch  diesen  gewaltigen,  unvennulhet  und  mit  äußerster  Energie  durchge- 
rührten Cavallerie-Angriff  des  Obersten  Pulz,  namentlich  durch  die  Attaquen  von 
Trani-Uhlancn  und  Kaiser-Husaren,  wurde  der  Feind  gleich  zu  Beginn  der  Schlacht 
bei  Villafranca  nachhaltigst  erschüttert  und  so  seine  als  rechter  Flügel  weit  in 
die  Ebene  vorgeschobenen  bedeutenden  Kräfte  dermaßen  gelähmt,  dass  sich  die- 
selben fortan  den  ganzen  Tag  hindurch  auf  die  Behauptung  von  Villafranca 
beschränkten. 

Die  italienischen  Divisionen  Prinz  Humbert  und  Bixio  mit  30  Bataillonen, 
3  Cavallerie- Regimentern  und  ß  Batterien,  überdies  die  feindliche  Reservc- 
Cavallerie-Division  Sonnaz  mit  4  Cavallerie-Regimenlern.  also  eine  Macht,  welche 
sonst  offenbar  berufen  gewesen  wäre,  entscheidend  in  den  Verlauf  der  Schlacht 
einzugreifen,  verharrte  während  derselben  nur  mehr  in  der  Defensive.  Dies  war 
nicht  bloß  für  den  Besitz  des  wichtigen  Punktes  von  Sommacam pagna,  sondern 
selbst  für  den  siegreichen  Ausgang  der  Schlacht  von  bestimmendem  Einflüsse. 

Im  Laufe  des  Vormittags  unternahm  der  Feind  unter  größter  Vorsicht  nur 
mit  einigen  schwachen  Abtheilungen  Recognoscierungs-Versuche  von  Villafranca 
gegen  die  Höhen  von  Gustozza  und  das  Staffalo-Thal.  Auch  diesem  Vorhaben 
that  Oberst  Pulz  durch  die  Vorrückung  mit  seiner  Cavallerie  gegen  10  Uhr  vor- 
mittags von  la  Casetta  südwestlich  gegen  Cerch  ie  sofort  Einhalt,  als  er  bemerkte, 
dass  der  erste  Angriff  des  eigenen  linken  Flügels  auf  den  Monte  della  Groce 
missglückt  war  und  eine  Vorrückung  des  feindlichen  rechten  Flügels  immerhin  im 
Bereich  der  Möglichkeit  lag.  Da  der  Feind  jedoch  auch  diesmal  weder  von  Monte 
della  Croce  noch  von  Villafranca  vorzugehen  Miene  machte,  führte  Oberst 
Pulz  seine  Cavallerie  später  von  Cerchie  wieder  nach  la  Casetta  zurück,  um 
den  durch  die  Marschfatiquen  des  23.  und  durch  den  am  Morgen  des  Schlacht- 
tages bestandenen  Kampf  ermüdeten  Pferden  Rast  zu  gönnen. 

Nachdem  Oberst  Pulz  im  weiteren  Verlauf  der  Schlacht  durch  vorgeschobene 
Abtheilungen  den  Feind  fest  im  Auge  behalten  und  einige  Vorrückungsversuche 
neuerdings  gleich  im  Entstehen  vereitelt  hatte,  rückte  er  mit  dem  Gros  nach  2  Uhr 
nachmittags  zur  eventuellen  Unterstützung  des  eigenen  linken  Flügels  von  la 
Casetta  in  der  Richtung  la  Fredda-Cerchie  wieder  vor.  zog  sich  jedoch  gegen 
3'/2  Uhr  gegen  Sommacam  pagna  bis  Palazzina  zurück,  um  die  Pferde 
für  den  nahenden  Entscheidungsmoment  wieder  rasten  und  Kraft  schöpfen  zu 
lassen. 

Gegen  5  Uhr  nachmittags  erhielt  Oberst  Pulz  den  zuvor  um  Uhr  erlas- 
senen Befehl  des  Erzherzogs  Albrecht:  „Wenn  die  Pferde  noch  bei  Kraft  sind, 
durch  eine  Vorrückung  gegen  Custozza  dem  um  5  Uhr  auf  Gustozza  stattfinden- 
den Angriffe  Nachdruck  zu  geben.* 

Oberst  Pulz  rückte  nun  sofort  mit  der  ganzen  Reserve-Cavalierie  von 
Palazzina  über  la  Casetta  vor.  Die  rechte  Flügel-Colonne  —  (i  Escadronen  — 
persönlich  führend,  drang  er  in  der  Richtung  Gerchie-Capella-Pozzo  Morelta 


Digitized  by  Google 


MM- 


CI.XIV.  |,>  CLXYI1I.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  186G.  -  Italien. 


vor,  nahm  in  Ger  chic  zwei  feindliehe  Compagnien  gefangen,  traf  sodann  auf  jene 
Massen  feindlicher  Infanterie,  welche  vom  Monte  della  Croee  und  Monte  Torre 
herahkominend,  Villafranca  zu  erreichen  trachteten  und  machte  hei  Pozzo 
Moretta  weiter  bei  tausend  Gefangene.  Die  linke  Flügel-Colonne  —  4  Esca- 
dronen  unter  Oberst  Bujanovics  —  schwenkte  gegen  die  in  der  linken  Flanke 
signalisierte  feindliche  Gavallerie  links  ab,  jagte  dieselbe  durch  eine  Attaque  in  die 
Flucht  und  gelangte  bis  nördlich  von  Villafranca,  wo  sie  von  feindlicher  Infan- 
terie zur  Umkehr  gezwungen  wurde.  Oberst  Pulz  ordnete  darauf  die  Sammlung 
der  beiden  Colonnen  nördlich  von  Villafranca  bei  Ganfardine  an,  wohin  er 
die  Reserve  mit  der  Batterie  disponiert  hatte. 

Bei  der  Erschöpfung  der  Pferde  konnte  wohl  Oberst  Pulz  an  die  Verfolgung 
gegen  Valleggio  nicht  denken;  dafür  unternahm  er  mit  5  Escadronen  und  der 
Batterie  noch  einen  letzten  Angriff  auf  die  vor  Villafranca  stehenden  feindlichen 
Truppen,  bei  welchen  wahrend  des  eben  vorangegangenen  Angriffes  Anzeichen 
von  Demoralisation  wahrgenommen  worden  waren. 

Um  die  letzte  Kraft  der  Pferde  für  den  entscheidenden  Moment  zu  sparen, 
rückte  Oberst  Pulz  bis  auf  Kartatschen-Schussweite  im  Schritt  an  die  feindlich«.; 
Linie  gegen  Villafranca  vor.  Vorbrechende  italienische  Landers  wurden  von 
zwei  auf  der  Straße  rasch  abgeprotzten  Geschützen  beschossen  und  durch  «Irei 
Escadronen  unter  persönlicher  Führung  des  Obersten  Pulz  sofort  atlaquiert, 
zurückgeworfen  und  verfolgt.  Unmittelbar  vor  Villa franca  geriethen  diese  dr«*i 
Escadronen  in  das  Feuer  feindlicher  Batterien  und  mehrerer  Infantcrie-Carres. 
Trotzdem  attaquierte  Pulz  auch  diese  letzteren  mit  größter  Bravour.  Endlich 
griffen  noch  zwei  Escadronen,  deren  Pferde  so  erschöpft  waren,  dass  sie  in  dem 
schwierigen  Terrain  nicht  mehr  galoppieren  konnten,  die  feindlichen  Batterien  an. 
Wiewohl  einzelne  Beiter  bis  in  eine  der  Battcriestelluugen  eindrangen,  musslen 
doch  schließlich  sä  mint  liehe  Abtheilungen  aus  dem  feindlichen  Infanterie-  und 
Artillerie-Feuer  sich  zurückziehen.  Vorbrechemle  feindliche  Gavallerie-Abthci- 
lungen  versuchten  zu  verfolgen,  .standen  jedoch  bald  davon  ab:  nur  die  feintl- 
lichen  Geschütze  feuerten  längere  Zeit  ununterbrochen  in  der  Richtung,  welche 
die  österreichische  Cavallerie  genommen  hatte. 

Damit  endete  um  8  Uhr  abends  der  letzte,  mit  Aufbietung  der  höchsten 
Kraft  und  mit  sellener  Tod«'sverachtung  durchgeführte  Angriff  des  Obersten  Pulz, 
dunh  welchen  der  bei  Villafranca  zusammengedrängte  Feind  gebunden  und 
verhindert  wurde,  irgendwie  den  Rückzug  der  übrigen  Theile  der  italienischen 
Armee,  die  sich  von  den  Höhen  von  Custozza  zurückzogen,  zu  protegieren. 

Nachdem  Oberst  Pulz  die  beiden  Cavallerie -Brigaden  bei  Ganfardine 
gesaimiM'lt  hatte,  führte  er  dieselben,  da  bei  Sommacampugna  kein  Trink- 
wasser zu  finden  war,  um  1U  Uhr  abends  auf  die  früheren  Lagerplätze  bei  dem 
Fort  Gisela  zurück. 

So  trug  Oberst  Pulz,  der  schon  am  23.  Juni  dur«-h  das  richtig«-  Erfassen 
seiner  Aufgabe  die  Ausführung  der  vom  Arniee-Command«)  gefassten  Pläne 
erleu  hterl  h;ilte.  am  2L  Juni  durch  seine  treffliche,  «energische  Führung  und  die 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  Pulz. 


305 


mit  unübertroffener  Bravour  ausgeführten  glänzenden  Reiterangriffe  in  der  Ebene  von 
Villafranca  wesentlich  zum  glücklichen  Ausgange  der  Schlacht  bei  Custozza  bei, 
sieh  selbst  dadurch  den  Ruhm  eines  hervorragenden  Reiterführers  erwerbend. 

Auf  Grund  der  in  dor  Schlacht  bei  Custozza  vollbrachten  Waffenthat  geruhte 
Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  1.  als  Erhabener  Großmeister  über  Votum 
des  Ordens-Capitels  kraft  Promotion  GLXVI  vom  29.  August  1860.  nachdem  Oberst 
Ludwig  Pulz  auf  dem  Schlachtfelde  am  26.  Juni  1866  zum  Generalmajor 
befördert  worden  war,  denselben  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum 
Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren  und  ihn  auf  Grund 
der  Statuten  späterhin  in  den  Freiherrnstand  zu  erheben. 

Nach  der  Schlacht  bei  Custozza  unternahm  GM.  Pulz  im  Feldzuge  von  1866 
in  Italien  am  1.  Juli  einen  Streifzug  über  den  Mincio  ins  lombardische  Gebiet, 
bestand  ein  Scharmützel  bei  Medole  am  2.  Juli,  deckte  den  Rückmarsch  der 
Süd-Armee  hinter  die  Piave,  respective  deren  Abmarsch  an  die  Donau,  bis  hinter 
den  Tagliamento,  marschierte  sodann  mit  seiner  Brigade  bis  Villach  in  Kärnten, 
von  wo  dieselbe  mittels  Eisenbahn  ebenfalls  an  die  Donau  versetzt  wurde,  ohne 
jedoch  mehr  zu  einem  Kampfe  zu  gelangen. 

Am  22.  Juli  1871  zum  Commandanten  der  XVII.  Infanterie-Truppen-Division 
in  Großwardein  ernannt,  rückte  GM.  Pulz.  am  28.  April  1872  zum  Feld- 
marschall-Lieutenant vor  und  wurde  am  6.  März  1878  zum  Militär-Comman- 
danten  in  Kaschau,  kurz  darauf  am  8.  November  1878  zum  Militär-Comman- 
danten  in  Temesvär  ernannt. 

Anlässlich  der  Überschwemmungen  in  Ungarn  in  den  Jahren  1879  und  1881 
stürzte  sich  dieser  kühne  und  tapfere  Reitergeneral  an  der  Spitze  der  zur  Hilfe- 
leistung aufgebotenen  Truppen  mit  gleichem  Todesmuth,  wie  auf  dem  Schlachtfeld 
gegen  den  Feind,  in  den  Kampf  mit  den  Fluten.  Im  Juli  1879  erwarb  er  sich  durch 
Rettung  von  Menschenleben  mit  eigener  Lebensgefahr  so  hervorragende 
Verdienste,  dass  ihn  Seine  Majestät  der  Kaiser  mit  dem  Commandeurkreuz 
des  Leopold-Ordens  allergnädigst  auszuzeichnen  geruhte,  ihm  überdies  am 
20.  August  1879  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  verlieh.  Im  Juli  1881  ent- 
faltete er  dasselbe  außergewöhnlich  todesmuthige  und  humane  Wirken  anlässlich 
des  Hochwassers  der  Theiß  und  Körös.  Hiefürwurde  ihm  am  2.  August  1881  unter 
gleichzeitiger  Ernennung  zum  Commandierenden  General  in  Agram  die 
Allerhöchste  belobende  Anerkennung  Seiner  Majestät  des  Kaisers  zutheil. 

Verhängnisvoller  Weise  hatte  sich  jedoch  FML.  Frh.  von  Pulz  bei  den 
Rettungsarbeiten  im  Überschwemmungsgebiet  den  Keim  des  Todes  geholt  und 
hauchte  nach  kurzer  Krankheit  zu  Mödling  bei  Wien  am  1.  September  1881  seinen 
im  Kriege  wie  im  Frieden  gleich  heldenmüthigen  Geist  aus,  womit  die  k.  k.  Armee 
einen  ihrer  hervorragendsten  Reiter-Generale,  eine  der  bedeutendsten  Verkör- 
perungen der  österreichischen  ReiterwafTe,  vorzeitig  verlor. 

Durch  seinen  bei  Custozza  erstrittenen  Kriegerruhm  lebt  jedoch  Pulz  in 
dem  dankbaren  Andenken  der  Armee  unvergesslich  fort. 


UittUiweh«;  Man«  Ther«n*o-Or«len.  20 


Digitized  by  Google 


30<> 


CLXIV.  bis  GLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 


Ritter  des  Maria  Theresien- Ordens 
Ludwig  Freiherr  von  Pielsticker. 

Pielsticker  —  einer  hannoveranischen  Familie,  von  welcher  schon  seit  vier 
Generationen  Mitglieder  dem  Allerhöchsten  Kaiserhause  mit  Auszeichnung  gedient 
hatten,  entstammend  —  wurde  1824  in  Osnabrück  geboren,  genoss  seine  Aus- 
bildung am  Gymnasium  Carolinum  seiner  Vaterstadt  und  trat  am  1.  März  1840 
als  ex  propriis-Cadet  bei  dem  Erzherzog  Franz-Kürassier-Regiment  Nr.  2  in 
Galizien  in  die  k.  k.  Armee  ein.  Er  avancierte  am  16.  September  1840  zum  Unter- 
lieutenant. In  den  Jahren  1845  bis  1847  besuchte  er  die  Central-Cavallerie-Schule 
in  Salzburg,  wurde  1846  zum  Oberlieutenant  befördert,  und  war  1847  bis 
1848  Commandant  der  Regiments-Equitation. 

Nach  achtjähriger  Friedens-Dienstzeit  war  es  dem  jungen  Cavallerie-OfnVier 
vergönnt,  im  November  1848  ins  Feld  zu  rücken  und  im  Verbände  seiner  Division 
mit  dem  Graf  Schlik'schen  Armee-Corps  wahrend  des  Winterfeldzuges  1848/49 
fast  in  sämmtlichen  Schlachten,  Gefechten  und  Scharmützeln  mitzukämpfen.  Es 
waren  diese:  das  Gefecht  bei  Bud  am  er  mit  gleichzeitiger  Besitznahme  von  Kaschau 
am  11.  December,  das  Gefecht  bei  Szikszö  am  28.  December,  das  Treffen  bei 
Kaschau  am  4.  Jänner  1849,  die  Erstürmung  der  feindliehen  Stellung  bei  Tarczal 
und  Keresztür  am  22.  Jänner,  die  Gefechte  bei  Tokay  am  31.  Jänner,  bei  Hidas- 
Nemethy  am  8.  Februar,  bei  Szina  am  9.,  bei  Szen  am  13.,  bei  Tornalja  am 
14.,  bei  Peterväsära  am  24.,  bei  Sirok  am  26..  die  Schlacht  bei  Käpolna  am 
26.  und  27.,  das  Cavallerie-Gefecht  bei  Mezö-Kövesd  am  28.  Februar  und  das 
Gefecht  bei  Poroszlö  am  6.  Marz. 

In  allen  diesen  Schlachten  und  Gefechten  that  sich  Pielsticker  durch 
Umsicht  hervor,  und  wusste  sich  als  selbständiger  Commandant  von  Cavallerie- 
Abtheilungen  bei  Streifungen,  Recognoscierungen  und  auf  exponierten  Posten  die 
Zufriedenheit  und  das  Vertrauen  des  Corps-Commandanten  in  so  hohem  Maße  zu 
erwerben,  dass  er  am  15.  März  1849  dem  General-Quartiermeister-Stabe  zugetheilt 
und  als  Generalstabsofficier  zuerst  im  Corpsquartier,  sodann  bei  der  Brigade  GM. 
Parrot  (später  Bianchi)  verwendet  wurde. 

In  letzterer  Eigenschaft  focht  er  weiter  mit,  und  zwar  in  den  Gefechten  bei 
Hatvan  am  1.  April,  bei  Hatvan  und  Hort  am  2.,  bei  Hatvan  am  5.  April,  in 
der  Schlucht  bei  Isaszeg  am  6.  April,  in  den  Recognoscierungsgefechten  bei 
Czinkota,  Palota  und  Keresztür  am  8.,  9.,  10.  und  21.  April,  dazwischen  in 
den  Gefechten  am  Räkos  am  11.  und  16.,  in  dem  Scharmützel  bei  Keresztür 
am  14.,  bei  dem  Angriff  auf  Pesth  am  19.,  in  dem  Gefechte  bei  Acs  am  26.  April, 
in  dem  Geplänkel  an  der  Rabnitz  am  1.  Mai,  in  dem  Arrieregarde-Gefecht  bei 
Abda  am  5.,  in  dem  Gefecht  bei  Hochstraß  am  12.,  in  dem  Geplänkel  bei 
Ab  da  am  18.,  bei  Hochstraß  am  19.  Mai,  bei  Abda  am  8.  Juni,  bei  Hochstraß 
am  13.,  bei  Kimling  am  20.,  in  dem  Gefecht  bei  Abda  und  bei  der  Einnahme 
von  Raab  am  28.  Juni,  in  dem  Gefecht  bei  Acs  am  30.  Juni,  in  den  Schlachten 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  PieUticker. 


307 


bei  Komorn  am  2.  und  11.  Juli,  in  dem  Gefechte  bei  Uj-Szegedin  am  3.  und 
4.  August,  endlich  in  der  Schlacht  bei  Szöreg  am  5.  August. 

In  diesen  6  Schlachten  und  37  Gefechten,  in  welchen  er  zweimal  leicht 
verwundet  wurde,  erwarb  sich  so  Pielsticker  nebst  reicher  Kriegserfahrung  aurh 
die  ersten  Lorbeeren. 

Namentlich  in  der  Schlacht  bei  Komorn  am  2.  Juli  that  er  sich  rühmlich 
hervor,  indem  er  aus  eigenem  Antriebe  während  des  Rückzuges  der  Brigade 
Heischach  aus  den  Schanzen  des  Komorner  Sandberges  das  3.  Bataillon  Erz- 
herzog Carl-Infanterie  durch  den  Acser  Wald  in  die  feindliche  linke  Flanke  führte, 
sieh  an  dessen  Angriffe  hervorragend  betheiligte  und  hiedurch  zur  Degagierung 
der  hart  bedrängten  Brigade  wesentlich  beitrug.  Für  diese  mit  Bravour  und 
Umsicht  vollbrachte  Waffenthat  wurde  dem  Oberlieutenant  Pielsticker  über 
Einschreiten  des  Officiers-Corps  der  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Glasse 
verliehen. 

Auch  in  der  zweiten  Schlacht  bei  Komorn  am  11.  Juli  bewährte  Pielsticker 
hervorragende  Bravour,  indem  er  wiederholte  Stürme  des  1.  Landwehr-Bataillons 
von  Hess-Infanterie  leitete  und  mitmachte,  auf  Grund  dessen  ihm  der  Ausdruck 
Allerhöchster  Zufriedenheit  und  am  4.  Februar  1850  das  Militär-Ver- 
dienstkreuz zutheil  wurde. 

Nach  beendigtem  Kriege  bewirkte  Oberlieutenant  Pielsticker  im  Jahre  1850 
über  Auftrag  des  Armee-Commandos  eine  Recognoscierung  der  sieben  nordöst- 
lichen Comitate  Ungarns  und  Siebenbürgens  behufs  Rectificierung  der  damals  sehr 
mangelhaften  Straßenkarten,  rückte  am  19.  November  1850  zum  Hauptmann 
II.  Glasse  im  General-Quartiermeister-Stabe  vor  und  zwar  mit  der  Eintheilung 
bei  der  in  Böhmen  aufgestellten  Armee,  frequentierte  1851  und  1852  die  General- 
stabs-Schule  in  Wien  und  war  in  der  Zeit  von  Februar  bis  Juui  1853  Generalstabs- 
Offlcier  bei  dem  zur  Ausrottung  des  Räuberunwesens  in  Mittel-Ungarn  aufge- 
stellten Truppen-Commando,  in  welch'  letzterer  Üienstesverwendung  er  sich 
durch  seine  vielseitige,  praktische  Verwendbarkeit  und  unermüdliche  Thätigkeit 
die  lobende  Anerkennung  des  Armee-Commandanten  Erzherzog  Albrecbt  erwarb. 

Im  Sommer  1853  bei  der  Mililär-Mappierung  nächst  Pesth  commandiert, 
sodann  Generalstabsoflficier  bei  dem  an  der  serbischen  Grenze  aufgestellten 
IX.  Armee-Corps,  darnach  im  Sommer  1854  bei  dem  Cavallerie-Corps  des  Fürsten 
Franz  Liechtenstein  in  Ungarn,  marschierte  Pielsticker  im  Herbste  mit  diesem 
Corps  nachGalizien,  avancierte  am  14.  October  1854  im  General-Quartiermeister- 
Stabe  zum  Hauptmann  I.  Classe  und  rückte  im  Winter  mit  dem  Cavallerie- 
Corps  wieder  nach  Ungarn  ein. 

Während  der  Jahre  1855  bis  1856  im  Evidenz-Bureau  des  Generalstabes 
verwendet,  betheiligte  sich  Pielsticker  in  den  Jahren  1856  und  1857  an  derMilitär- 
Mappierung  in  der  Walachei  und  bereiste  darauf  in  den  Jahren  1857  und  1858 
sämmtliche  österreichische  Eisenbahnen  behufs  Studium  im  Eisenbahnwesen. 

Im  Anfange  des  Jahres  1859  war  Pielsticker  mit  der  Einleitung  von  Eisen- 
bahn-Transporten nach  Italien,  sodann  mit  einer  Mission  nach  Deutschland 

20* 


Digitized  by  Google 


308 


CLXIV.  bis  CLXVUL  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1866.  -  Italien. 


und  zwar  nach  Frankfurt,  Darmstadt,  Carlsruhe,  Stuttgart,  München  und  Dresden 
behufs  Voreinleitungen  zur  eventuellen  Aufstellung  einer  österreichischen  Rhein- 
Armee  betraut.  Im  Mai  1859  erhielt  Pielsticker  eine  zweite  Mission  und  zwar  nach 
Sachsen  und  Bayern  zur  Leitung  der  Eisenbahntransporte  der  zur  Verstärkung 
der  k.  k.  Armee  in  Italien  aus  Böhmen  und  Galizien  durch  Süddeutschland  nach 
dem  italienischen  Kriegsschau  platze  instradierten  Truppen. 

Am  25.  Juni  1859  zum  Major  im  General-Quartiermeister-Stabe  befördert, 
fungierte  Pielsticker  in  den  Monaten  Juli  und  August  als  Generalstabs-Souschef 
bei  dem  in  Böhmen  aufgestellten  Cavallerie-Corps. 

Im  Frühjahre  1860  wurde  er  Vorstand  des  militärischen  Eisenbahn-Bureau 
des  Generalstabes.  In  dieser  Dienstesverwendung  gab  er  den  Anstoß  zu  der  im 
Jahre  1860  durchgeführten  Militär-Tarif-Reform,  nahm  an  den  bezüglichen 
Berathungen  theil  und  verfasste  mehrere  Instructionen,  sowie  ein  Reglement  fin- 
den Truppentransport  auf  Eisenbahnen. 

Nach  wiederholten  commissionellen  Verhandlungen  im  militärischen  Eisen- 
bahnwesen in  München,  Stuttgart  und  Verona  im  Jahre  1860,  erhielt  Major 
Pielsticker  im  Februar  1861  die  Mission,  an  einer  vom  Deutschem  Bunde  ein- 
berufenen Special-Gommission  deutscher  Generalstabs-Ofllciere  zur  Erhebung  der 
Leistungsfähigkeit  deutscher  Eisenbahnen  für  militärische  Zwecke  als  österreichi- 
scher Delegierter  und  Obmann  theilzunehmen.  Die  Commission  legte  nach  Bereisung 
sämmtlicher  deutschen  Hauptlinien  und  Verhandlungen  mit  den  betreffenden  Ver- 
waltungen im  Herbste  1861  einen  umfassenden  Bericht  über  ihre  Erhebungen  vor, 
welcher,  allen  Bundesregierungen  raitgetheilt,  die  Grundlagen  für  die  militärische 
Benützung  der  Eisenbahnen  feststellte,  und  von  allen  Generalstäben  Mittel-Europas 
in  den  nachgefolgten  Kriegen  verwertet  wurde. 

In  Anerkennung  der  im  militärischen  Eisenbahnwesen  geleisteten  Dienste 
geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  31.0ctober 
1H61  allergnädigst  anzuordnen,  dass  dem  Major  Ludwig  Ritter  von  Pielsticker 
der  Ausdruck  der  Allerhör  hsten  Zufriedenheit  bekannt  gegeben  werde. 

Über  eigene  Bitte  von  seiner  fünfjährigen  Verwendung  im  militärischen 
Eisenbahnwesen  enthoben  und  zum  Generalstabsdienste  bei  der  Truppe  zurück- 
gekehrt, diente  Pielsticker  in  den  Jahren  1862  bis  1863  als  Generalstabs-Souschef 
bei  dem  VIII.  Armee-Corps  in  Vicenza  und  Padua  und  als  Generalstabschef 
unter  FML.  Frh.  von  Gablenz  im  Lager  bei  Rivoli. 

Im  September  1863  nahm  Pielsticker  infolge  Einladung  Seiner  Majestät  des 
Königs  Georg  V.  von  Hannover  theil  an  den  Manövern  der  hannoveranischen 
Armee  bei  Walsrode. 

Im  Deeember  1863  wurde  er  als  Generalstabschef  zum  Militär-Commando  für 
Istrien  und  das  Küstenland  in  Tri  est  unter  FML.  Härtung  übersetzt.  Aus  dieser 
Anstellung  rückte  er  im  April  1866  mit  seinem  zum  Commandanten  des  IX.  Armee- 
Corps  der  Süd-Armee  ernannten  Chef  auf  den  italienischen  Kriegsschauplatz. 

Während  des  Verlaufs  des  Krieges  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre 
1866  kämpfte  Pielsticker  in  dem  Feldzuge  gegen  Italien  und  war  es  ihm  am  24.  Juni 


Digitized  by  Google 


Bitter  des  M.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  Pielsticker. 


309 


in  der  Schlacht  bei  Gustozza  beschieden,  eine  besonders  hervorragende 
Waffenthat  zu  vollbringen,  indem  er  zunächst  auf  eigene  Verantwortung  eine 
theilweise  Änderung  der  vom  Armee-Commando  für  das  IX.  Corps  erlassenen 
Schlacht-Disposition  in  Anregung  brachte,  was  zum  günstigen  Ausgange  der 
Schlacht  sehr  viel  beitrug,  —  sodann  durch  persönliches,  überaus  tapferes  und 
kluges  Eingreifen  in  einem  entscheidenden  Moment  und  auf  einem  entscheidenden 
Punkte  des  Schlachtfeldes,  nämlich  auf  dem  Belvedere,  den  Angriff  der  Armee- 
Reserve  auf  Custozza  vorbereitete  und  so  den  Sieg  wesentlich  förderte. 

Die  Änderung  der  Disposition  zum  Vormarsche  des  IX.  Armee-Corps 
am  24.  Juni  erfolgte  unter  folgenden  Umständen. 

Die  am  23.  Juni  6%  Uhr  abends  im  Armee-Hauptquartier  zu  Verona 
ausgegebene  Disposition  des  Armee-Commandos  bestimmte:  »Das  bei  S.  Lucia 
stehende  IX.  Armee-Corps  rückt  möglichst  gedeckt,  nördlich  des  Eisenbahn- 
dammes über  Mancalacqua  und  schlägt  von  da  die  Richtung  gegen  Somma- 
campagna  ein,  greift  diesen  Ort  an,  falls  er  besetzt  ist,  und  setzt  sich  dort 
fest/  —  Nach  bewirktem  Aufmarsche  hatte  das  IX.  Armee-Corps  Somma- 
campagna  als  Pivot  festzuhalten  und  sich  gegen  Berettara  auszudehnen. 

Diese  Disposition  langte  im  Corps-Hauptquartiere  S.  Lucia  gegen  8  Uhr 
abends  ein,  wo  in  Erwartung  derselben  schon  vor  7  Uhr  sämmtliche  Generale. 
Truppen-  und  selbständigen  Abtheilungs-Commandanten  zur  Entgegennahme  der 
Befehle  des  Corps-Commandanten  versammelt  waren. 

Der  Corps-Generalstabschef,  Oberstlieutenant  Pielsticker,  erkannte  sofort 
nach  Durchsicht  der  Disposition  die  großen  Nachtheile,  welche  aus  der  stricten 
Durchführung  derselben  für  den  Aufmarsch  der  Armee  im  Hügelterrain,  und 
insbesondere  für  die  rechtzeitige  Besetzung  von  Sommacampagna  entstehen 
könnten. 

Es  war  durch  die  mit  der  Cavallerie-Brigade  Pulz  mittels  Officiers-Patrouillen 
unterhaltene  Verbindung  bekannt,  dass  diese  Brigade,  vom  Feinde  bedrängt,  sich 
schon  am  Nachmittage  über  Villafranca  gegen  Verona  zurückgezogen,  und  der 
Feind  den  ersteren  Ort,  wenn  auch  nur  mit  Vortruppen,  besetzt  hatte. 

Es  lag  daher  die  Wahrscheinlichkeit  vor,  dass  der  Feind,  bei  einigermaßen 
beschleunigter  Vorrückung,  das  dominierende  Hügelterrain  von  Ca  del  Sole, 
Zenolino  und  selbst  den  Ort  Sommacampagna  bereits  besetzt  haben  werde, 
wenn  die  Vorrückung  des  IX.  Armee-Corps  auf  dem  vorgezeichneten,  um  2x/i  Dis 
3  Stunden  längeren  Wege,  welcher  überdies  auch  den  Truppen  des  VII.  Armee- 
Corps  angewiesen  war,  erfolgen  würde. 

Die  Aufgabe  des  IX.  Corps,  das  Hügelterrain  südlich  von  Sommacampagna 
als  Pivot  des  Aufmarsches  der  Armee  zu  gewinnen  und  festzuhalten,  wäre 
hierdurch  nicht  allein  sehr  erschwert,  sondern  auch  möglicherweise  ganz  vereitelt 
worden.  Es  kam  daher  alles  darauf  an,  dem  Feinde  zuvorzukommen. 

Zwischen  dem  Corps-Commandanten  und  seinem  Generalstabs-Chef  wurde 
nun  die  Frage  erwogen,  ob  es  nicht  möglich  sei,  eine  Abänderung  der  Disposition 
beim  Armee-Commando  anzusprechen.  Dies  ließ  jedoch  eine  Reihe  von  Umständen 


Digitized  by  Google 


310 


CLXIV.  bia  CLXVUI.  Promotion.      Im  Kriege  von  1860.  —  Italien. 


als  unthunlich  erscheinen.  Einerseits  war  es  bekannt,  dass  der  Armee-Commandant 
Erzherzog  Albreeht,  mit  seinem  gesammten  Stabe  sofort  nach  Ausgabe  der 
Disposition  sich  von  Verona  entfernt  halte,  um  die  Truppen  in  ihren  Bivouacs 
zu  besuchen.  Man  konnte  daher  nicht  wissen,  wann  und  wo  derselbe  zu  erreichen 
sei.  Anderseits  war  ein  bis  in  die  spate  Nacht  verzögertes  Zuwarten  der 
versammelten  Commandanten,  wegen  deren  unerlässlicher  mündlicher  Instruierung, 
ebenfalls  unthunlich,  da  den  Truppen  hierdurch  die  ohnehin  sehr  kurze  Nachtruhe 
entzogen  worden  wäre. 

Daraufhin  machte  Oberstlieutenant  Pielsticker .  in  seiner  Eigenschaft  als 
Generalstabs-Chef  des  IX.  Corps  dem  Commandanten  desselben,  FML.  Härtung, 
den  Vorschlag  auf  theilweise  Änderung  der  Disposition,  nämlich  den  nördlichen 
Colormenweg  nur  für  eine  Brigade  zu  benutzen,  mit  dem  Reste  des  Corps  aber 
unter  Zurücklassung  aller  Bagagen,  auf  dem  directen  Wege  gegen  Somuia- 
campagna  vorzugehen  und  hiedurch  die  Besetzung  des  Ortes  und  der  Höhen 
bis  6  Uhr  früh  zu  ermöglichen. 

FML.  Härtung  beschloss,  den  Vorschlag  des  Oberstlieutenants  Pielsticker  zur 
Durchführung  zu  bringen. 

Es  wurden  dem  Gros  des  Corps  die  directen  zwei  Parallelwege  —  südlich 
der  Eisenbahn  über  Camponi  und  Capelle  d' Erbe  —  bei  gleichzeitigem  Auf- 
bruch um  3  Uhr  früh  zum  Vormarsche  vorgezeichnet,  während  nördlich  der 
Eisenbahn  eine  Brigade  vorzurücken  hatte.  Auf  Grund  dieser  Dispositions-Ände- 
rung wurde  auch  sofort  für  den  Fall  eines  Gefechtes  bei  Sommacainpagna  mit 
den  versammelten  Generalen  und  selbständigen  Truppen-Commandanten  alles 
Nöthige  erörtert  und  bestimmt. 

Der  Vorsicht  halber  beantragte  ferner  Oberstlieutenant  Pielsticker,  noch  am 
23.  abends  10  Uhr  einen  Zug  Husaren  zur  Recognoscierung  gegen  Somma- 
campagna  abzusenden,  mit  dem  Aufträge,  gegen  Tagesanbruch  bestimmte  Nach- 
richt zu  übersenden,  ob  der  Ort  und  Umgegend  vom  Feinde  besetzt  sei  oder 
nicht.  Nach  Maßgabe  dieser  Meldung  wäre  es  auch  während  des  Vormarsches  noch 
möglich  gewesen,  sAmmtliche  Colonnen  über  die  Eisenbahn  zu  schieben  und 
Sommacainpagna  im  Falle  starker  feindlicher  Besetzung  von  Norden  aus  anzu- 
greifen, während  im  Gegenfalle  durch  den  directen  Vormaisch  mehrere  kostbare 
Stunden  gewonnen  wurden. 

Sämmtliche  Colonnen  setzten  sich  Punkt  3  Uhr  früh  in  Bewegung,  und  zwar 
die  Brigaden  Weckbecker  und  Kirchsberg,  gefolgt  von  der  Geschütz-Reserve,  auf 
dem  directen  Wege,  südlich  der  Eisenbahn. 

Die  Avantgarde  erreichte  Sommacampagna  bald  nach  5  Uhr;  um  6  Uhr 
war  die  Besetzung  vollzogen  und  eine  Brigade  bereits  bis  Berettara  vorgeschoben. 

Die  Brigade  Frh.  von  Böck.  welche  ebenfalls  Punkt  3  Uhr  aus  dem  Lager  auf 
dem  durch  die  Disposition  des  Armee-Commandos  bezeichneten  Wege  —  nördlich 
der  Eisenbahn  —  vorgerückt  war,  erreichte  wegen  bedeutenden  Umweges  und 
wegen  Kreuzungen  mit  Truppen  des  VII.  Corps  erst  gegen  J/49  Uhr  Somma- 
campagna. 


Digitized  by  Google 


Ritter  de»  M.  T.-ü.  Ludwig  Freiherr  vuii  PieUticktr. 


311 


Wenn  alle  Colonnen  auf  dem  nördlichen  Colonnenwege  vorgerückt  wären, 
hätte  der  Aufmarsch  des  Corps  auf  den  Höhen  bei  Sommacampagna  unter  den 
günstigsten  Verhältnissen  nicht  vor  10  Uhr  derart  vollendet  sein  können,  um  den 
von  Südwest  vordringenden  Feind  zu  hindern,  sich  der  Höhen  von  Ca  del  Sole 
und  wahrscheinlich  auch  der  den  Ort  Sommaeanipagna  dominierenden  Höhen 
von  Zenolino  zu  bemächtigen. 

In  diesem  Falle  wären  auch  die  beiden  Cavallerie-Brigaden  in  der  Ebene  vor 
Villafranca  von  den  Höhen  ganz  eingesehen  und,  auf  wirksame  Entfernung  in 
das  Kreuzfeuer  genommen,  genöthigt  gewesen,  weiter  zurückzugehen. 

Bereits  um  8  Uhr  hatte  sich  der  Feind  —  die  Division  Brignone  —  auf  dem 
Monte  della  Croce  festgesetzt;  seine  weitere  Vorrückung  durch  das  Staffalo- 
Thal  gegen  Sommacampagna  wurde  nur  durch  den  beschleunigt  vollzogenen 
Aufmarsch  und  die  vorgeschobene  Stellungnahme  auf  den  dominierenden  Höhen 
südwestlich  von  Sommacampagna  verhindert. 

Der  Eingriff  in  die  vom  Armee-Commando  erlassene  Disposition  war  nach 
alledem  eine  besonders  umsichtige,  durch  die  Umstände  gerechtfertigte  Änderung 
im  Geiste  der  ersteren  bei  der  Detail-Ausführung.  Diese  Änderung  zählt  somit  zu 
jenen,  in  den  Ordens- Statuten  vorgesehenen  »ersprießlichen  Rathschlägen  und 
geistigem  Eingreifen  in  unvorhergesehener  Lage",  welche  von  Generalstabs- 
Officieren  vor  und  in  der  Schlacht  erwartet  werden,  aber  auch  bei  wesentlichem 
Erfolge  die  höchsle  Anerkennung  verdienen  und  finden. 

Nachdem  Oberstlieutenant  Pielsticker  nach  dem  Zeugnisse  seines  Corps- 
Commandanten  auch  im  Verlaufe  der  an  Wechselfällen  für  das  IX.  Armee-Corps 
reichen  Schlacht  durch  Umsicht,  Entschlossenheit  und  förderliche  Rathschläge 
große  Verdienste  erworben  hatte,  war  es  ihm  beschieden,  gegen  Ende  derselben 
noch  in  einem  entscheidenden  Momente  und  auf  einem  entscheidenden  Punkte 
durch  eine  hervorragende  Waffenthat  eingreifen  zu  können. 

Gegen  11  Uhr  vormittags  war  das  Regiment  Graf  Thun  Nr.  29  von 
Berettara  aus  längs  des  Bosco  dei  Fitti  und  den  südwestlichen  Abfüllen  des 
Monte  Molimenti  mit  der  Direction  gegen  Custozza  vorgeschoben  worden. 

Das  Regiment  drang  unter  heftigem  Kampfe  mit  dem  linken  Flügel 
bis  Palazzo  Baffi,  mit  dem  rechten  auf  das  Belvedere,  und  behauptete  sich 
durch  längere  Zeit,  bis  es  durch  die  über  Custozza  einlangenden  feindlichen 
Verstärkungen  gegen  Berettara  wieder  zurückgeworfen  wurde,  wo  es  um  3  Uhr 
anlangte  und  sich  sammelte. 

Während  des  Gefechtes  des  Regiments,  welches  wegen  der  dichten  Cultur 
und  der  vorliegenden  Höhen  den  Bücken  des  Corps-Hauptquartiers  entzogen  war, 
machte  Oberstlieutenant  Pielsticker  dem  Corps-Comraandanten  den  Vorschlag, 
das  Regiment  aufzusuchen  und  je  nach  den  Umständen  zu  dirigieren,  da  die  Gefahr 
nahe  lag,  dass  es  in  seiner  weit  vorgeschobenen  Aufstellung  durch  eine  feindliche 
Vorrückung  vom  stark  besetzten  Monte  Torre  abgeschnitten  werden  könne. 

Der  Corps-Commandant  genehmigte  dies  und  Pielsticker  ritt,  begleitet  vom 
Botenjäger  Tognon,  durch  das  Staffalo-Thal  gegen  den  Monte  Molimenti. 


Digitized  by  Google 


312 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1866.  -  Italien. 


Bei  Mazzole.  südlich  des  Bosco  dei  Fitti,  fand  er  das  3.  Bataillon  Bayern- 
Infanterie  Nr.  5  unter  Commando  des  Majors  Fabrizzi,  welcher  beim  Rückzüge 
der  Brigade  Weckbecker  auf  Befehl  seines  Brigadiers  dort  zurückgeblieben  war, 
von  dem  Gefechtsgange  des  Regiments  Thun  jedoch  keine  Kenntnis  hatte.  Zurück- 
kehrende Verwundete  veranlassten  Pielsticker.  über  den  Monte  Arabica  gegen 
das  Belvedere  zu  reiten,  wo  er  eine  Abtheilung  im  Gefechte  sah. 

Auf  dem  Belvedere  angelangt,  fand  er  dort  die  6.  Division  des  Regiments 
Thun  und  einige  andere  kleine  Abtheilungen,  welche  sich  derselben  angeschlossen 
hatten.  Die  schwachen  Abtheilungen,  welche  bereits  Mangel  an  Munition  hatten, 
hielten  das  Belvedere  und  die  knapp  vorliegenden  niedrigen  Mauern  besetzt 
und  vertheidigten  sich  gegen  den  in  Custozza  aufgestellten,  in  Valle  Busa, 
dem  Cimitero  und  dem  Palazzo  Maffei  logierten  Feind  mit  Ausdauer  und 
Tapferkeit. 

Ein  Angriff  aus  den  letzteren  Gehöften  wurde  während  Pielstiekers  etwa 
eine  Viertelstunde  dauernder  Anwesenheit  auf  der  Höhe  mit  dem  Bajonnette 
zurückgewiesen.  Der  dort  befehligende  Hauptmann  Helm  bürg  sagte  ihm,  dass 
er  seit  mehreren  Stunden  dasBeivedere  besetzt  halte,  von  seinem  Regimente, 
welches  sich  zurückgezogen  habe,  jedoch  keine  Kenntnis  besitze. 

Recognoscierungen  in  beiden  Flanken  überzeugten  Pielsticker,  dass  das 
Regiment  bereits  seit  längerer  Zeit  zurückgegangen  sein  müsse,  —  eine  feindliche 
Verfolgung  desselben  hatte  jedoch  nicht  stattgefunden. 

Dies  und  die  Erkenntnis  der  Wichtigkeit  des  Belvedere  für  einen  ferneren 
Angriff  auf  Custozza  bewog  den  Oberstlieutenant  Pielsticker,  den  Hauptmann 
He  Im  bürg  aufzufordern,  mit  seiner  Truppe  noch  insolange  in  der  isolierten 
Position  auszuharren,  bis  er  ihm  Verstärkungen  bringe.  Hierauf  ritt  er  im  schärfsten 
Tempo  über  den  Monte  Molimcnti  nach  Mazzole  zurück,  fand  jedoch  vom 
Regimente  Thun  nichts  mehr,  traf  dagegen  bei  Mazzole  das  3.  Bataillon  Bayern 
noch  aufgestellt.  Durch  die  Mittheilung,  dass  an  dem  Siege  der  k.  k.  Truppen  nicht 
mehr  zu  zweifeln  sei,  diese  Abtheilung  anfeuernd,  forderte  Pielstic  ker  Major 
Fabrizzi  auf,  die  bedrängten  Truppen  auf  dem  Belvedere  zu  degagieren.  Das 
Bataillon  setzte  sich  sofort  in  Marsch,  worauf  Pielsticker  wieder  auf  das  Belve- 
dere voraus  ritt. 

Dort  fand  er  dieselbe  Gefecht  slage  wie  früher,  einen  großen  Theil  der  Mann- 
schaft jedoch  ohne  Patronen.  Er  forderte  die  brave  Truppe  unter  Mittheilung,  dass 
sogleich  Unterstützung  anlangen  werde,  auf,  noch  kurze  Zeit  auszuharren  und 
langsam  zu  feuern.  So  vergieng  noch  eine  kritische  Viertelstunde,  während  welcher 
bereits  einige  Bersaglieri-Schwärnie  am  Abhänge  des  Tione-Thales  sich  festsetzten 
und  die  Stellung  auf  dem  Belvedere  auch  in  der  rechten  Flanke  beschossen. 

Gerade  im  Momente,  als  das  Bataillon  Bayern-Infanterie  auf  der  Kuppe  des 
Monte  Arabica  erschien,  machte  der  Feind  von  mehreren  Seiten  einen  heftigen 
Angriff  gegen  das  Belvedere.  Major  Fabrizzi.  dies  bemerkend,  durcheilte  die 
Strecke  vom  M.  Arabica  bis  auf  das  Belvedere  im  Laufschritt  und  langte  dort  in  dem 
Augenblicke  an.  als  die  erschöpften,  schwachen  Abtheilungen  von  Thun-Infanterie 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  Pielsticker.  313 

1 

zu  weichen  begannen.  Auch  das  Bataillon  Bayern,  durch  die  schnelle  Vorrückung 
sehr  ermattet,  konnte  sich  auf  dem  Belvedere  nur  wenige  Minuten  behaupten 
und  musstc  bis  auf  die  etwa  300  Schritte  hinter  dem  Belvedere  liegende  Kuppe 
des  Monte  Arabica  weichen,  bei  welchem  Rückzüge  der  Commandant  der 
Abtheilungen  von  Thun-Infanterie,  vom  Feinde  umringt,  gefangen  wurde. 

Pielsticker  geleitete  die  Truppen  bis  auf  diese  Höhe,  wirkte  bei  Besetzung 
derselben  mit  und  forderte  Major  Fabrizzi  auf,  sich  hier  mit  äußerster  Kraft  zu 
halten,  bis  er  ihm  Unterstützung  vorbringen  könne. 

Hierauf  ritt  er  neuerdings,  in  der  Hoffnung  weitere  Truppen  des  IX.  Corps 
zu  finden,  zurück,  fand  jedoch  schon  bei  Monte  Godi  das  7.  Jäger-Bataillon 
vom  VII.  Corps  in  der  Vorrückung.  Der  Commandant  desselben,  Major  von  Mai  er, 
sagte  ihm,  dass  er  die  Avantgarde  einer  nachfolgenden  Truppen-Division  des  VII. 
Corps  sei  und  den  Befehl  habe,  bei  Monte  Godi  zu  halten. 

Pielsticker  schilderte  ihm  die  Bedrängnis  der  im  Gefechte  befindlichen 
schwachen  Abteilungen  und  forderte  ihn  zum  sofortigen  Weitermarsche  auf, 
welche  r  Aufforderung  Major  Maier  auch  nachkam,  und  die  ersteren  degagierte. 

In  der  Höhe  von  Marollina  fand  sodann  Piels ticker  den  FML.  Corps- 
Commandanten  Frh.  von  Maroicic  an  der  Spitze  der  Brigaden  Töply  und  Welsers- 
heimb  in  der  Vorrückung  begriffen.  Nachdem  Pielsticker  demselben  das 
Geschehene  gemeldet  hatte,  ritt  er,  über  das  Schicksal  der  Truppen  des  IX.  Corps 
beruhigt,  zu  seinem  eigenen  Corps-Commandanten  zurück,  um  dessen  weitere 
Dispositionen  einzuholen. 

Durch  die  hartnäckige  Vertheidigung  des  Belvedere,  deren  Verdienst 
sowohl  der  Tapferkeit  und  Ausdauer  der  schwachen  Abtheilungen  von  Thun- 
Infanterie,  als  Piel stickers  Anwesenheit  an  Ort  und  Stelle,  sowie  der  durch  ihn 
dort  ausgeübten  Kinwirkung  und  der  Vorführung  des  3.  Bataillons  Bayern-Infanterie 
zuzuschreiben  ist,  wurde  der  spätere  Angriff  der  Truppen  des  VII.  Corps  wesent- 
lich begünstigt,  denn  diese  würden  den  Feind  bereits  auf  dem  M.  Molimenti  und 
dessen  nördlichen  Abfällen  aufgestellt  gefunden  haben,  wenn  nicht  das  Belvedere 
und  der  M.  Arabica  durch  die  Abtheilungen  des  IX.  Corps  solange  gehalten 
worden  wären. 

Eine  Entscheidung  hatte  durch  circa  l1/,  erschöpfte  Bataillone  ohne 
Geschütze  gegen  die  feindliche  Stellung  von  Custozza  natürlich  nicht  herbeigeführt 
werden  können,  doch  rettete  die  Vorführung  des  3.  Bataillons  Bayern  nebstbei  die 
schwachen  Abteilungen  des  Regiments  Graf  Thun  vor  gänzlicher  Zersprengung 
oder  Gefangennahme,  da  sie  dem  lebeten  feindlichen  Angriffe  nicht  widerstehen 
konnten  und  vom  Belvedere  bis  Monte  Godi  keine  Unterstützung  gefunden 
haben  würden. 

Endlich  ermöglichte  Pielstickers  Anwesenheit  an  Ort  und  Stelle  am  Belve- 
dere die  beschleunigte  Berichterstattung  über  die  Gefechtslage  bei  Custozza 
und  über  die  Vorrückung  der  2  Brigaden  des  Vll.  Corps,  iowie  sein  Vorschlag 
den  Entschluss  seines  Corps-Commandanten  veranlasste,  sofort  nach  Pielstickers 
Rückkehr  das  letzte  noch  in  der  Reserve  befindliche  Regiment  Frh.  von  Maroici6 


Digitized  by  Google 


314 


CLXIV.  bu  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 


Nr.  7  vorzuziehen  und  einen  letzten  Versuch  zur  Erstürmung  des  Monte  della 
Croee  zu  machen,  welcher  unter  persönlicher  Leitung  des  Corps  -Coraman- 
danten  und  seines  Generalstabs-Chefs  glücklich  gelang,  und  nebst  der  gleichzeitigen 
Erstürmung  von  Custozza  die  Entscheidung  des  Tages  herbeiführte. 

Mit  dem  Morgengrauen  des  25.  Juni  rückte  Oberstlieutenant  Pielsticker  mit 
einem  aus  Stabs- Ca vallerie  zusammengesetzten  Zuge,  dem  Infanterie  nachfolgte, 
nach  Villafranca,  besetzte  den  Ort,  veranlasste  die  Herstellung  der  unter- 
brochenen Telegraphen-Linien  nach  Verona  und  Mantua,  sorgte  für  die  Ver- 
pflegung und  den  Transport  der  die  Stadt  anfüllenden  Verwundeten  beider 
Armeen  durch  von  Verona  verlangte  Eisenbahnzüge  und  streifte  sodann  auf  der 
Straße  gegen  Goito  bis  in  die  Nähe  von  Marcngo,  wo  stärkere  feindliche 
Cavallerie-Abtheilungen  halt  geboten.  Massen  weggeworfener  Ausrüstungsstücke 
und  viele  zurückgebliebene  Marodeurs  zeugten  für  die  Deroute  der  verflossenen 
Nacht.  Der  Cavallerie-Zug  langte  nachmittags  mit  22  auf  der  Straße  gesammelten 
uuverwundeten  feindlichen  Pferden  wieder  in  Villafranca  ein. 

Die  oben  dargestellten  ersprießlichen  Rathschläge,  an  deren  Ausführung 
sich  Pielsticker  so  hervorragend  betheiligte,  sowie  seine  eben  geschilderte  per- 
sönliche Mitwirkung  in  einem  entscheidenden  Momente  der  Schlacht  werden 
durch  die  im  Ordens-Archive  aufbewahrten  Zeugnisse  der  Augenzeugen,  und  zwar 
des  Corps-Commandanten  Härtung,  sämmtlicher  Ofßciere  des  Corps-Haupt- 
quartiers, der  Commandanten  und  sämmtlicher  Officierc  der  auf  dem  Belvedere 
und  dem  M.  Arabica  im  Kampfe  gewesenen  Truppen,  endlich  des  Generalstabs- 
chef der  Armee,  FML.  Frh.  von  John,  mit  dem  Beifügen  seitens  des  letzteren 
bestätigt,  „dass  die  vom  Herrn  Oberstlieutenant  beantragte  und  in  Vollzug  gesetzte 
Änderung  der  gegebenen  Disposition  wesentlich  zur  schnelleren  Besetzung  von 
Sommacampagna,  sowie  sein  tapferes  Verhalten  in  der  Schlacht  selbst  zu  deren 
günstigem  Ausgange  sehr  viel  beigetragen  hat.4 

Für  die  in  der  Schlacht  bei  Custozza  vollbrachten  Waffenthaten  und 
crtheilten  ersprießlichen  Rathschläge  geruhte  SeineMajestätKaiserF  ranz  Joseph  1. 
als  Erhabener  Großme  ister  des  Maria  Theresien-Ordens  auf  Grund  des  Capitel- 
Beschlusscs  kraft  Promotion  CLXV1  vom  29.  August  1866  den  Oberstlieutenant 
Ludwig  Ritter  von  Pielsticker  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum 
Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren,  nachdem  ihm  für 
seine  Leistungen  im  Feldzuge  in  Italien  schon  am  18.  Juli  1866  das  Ritterkreuz 
des  kaiserlich  österreichischen  Leopold-Ordens  verliehen  worden  war. 
In  der  Folge  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  auf  Grund  der  Statuten  des 
Maria  Theresien-Ordens  den  Oberstlieutenant  Ritter  von  Pielsticker  in  den 
Freiherrnstand  zu  erheben. 

Nachdem  Pielsticker  infolge  der  Versetzung  des  IX.  Corps  aus  Italien  an 
die  Donau  auch  den  letzten  Theil  des  Feldzuges  gegen  Preußen,  ohne  dass 
er  aber  mehr  zu  einem  Gefechte  gekommen,  mitgemacht  hatte,  wurde  derselbe 
im  Herbst  1866  Generalstabschef  bei  der  Ca  vallerie-  Division  Coudenhove  in 
Odenburg. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  H.  T.-O.  Anton  Freiherr  von  Bechtolsheim 


315 


Am  29.  Mai  1867  erfolgte  nach  ununterbrochener  nahezu  zwanzigjähriger, 
im  Frieden,  wie  im  Kriege  stets  ausgezeichneter  und  ersprießlicher  Dienstleistung 
Pielstickers  im  Generalstabe,  seine  Beförderung  zum  Obersten  unter  gleich- 
zeitiger Ernennung  zum  Regiments-Commandanten  des  53.  Infanterie-Regiments. 
Der  Chef  des  Generalstabes  der  Armee  sprach  dein  nach  allen  Seiten  so  bewährten 
Officier  bei  dessen  Scheiden  aus  dem  Generalstabe  die  vollste  Anerkennung  aus. 

Durch  sieben  Jahre  befehligte  sodann  Oberst  Frh.  von  Pielsticker  das 
53.  Infanterie-Regiment  in  Komorn,  Wien,  Graz  und  Trient,  darnach  vom 
15.  Juni  1874  an  die  2.  Brigade  der  XXV.  Infanterie-Truppen-Division  in  Wien. 
Auf  letzterem  Dienstesposten  wurde  er  am  1.  November  1874  zum  General- 
major befördert. 

Im  Jahre  1878  bei  der  zweiten  Mobilisierung  anlasslich  der  Occupation 
Bosniens  wurde  GM.  Frh.  von  Pielsticker  am  21.  August  mit  dem  Commando  der 
XIV.  Infanterie-Truppen-Division  belraut,  nahm  jedoch  nur  mehr  an  einem  einzigen 
Gefechte  und  zwar  bei  dem  Save-Übergange  nächst  Samac  am  14.  September  theil, 
wornach  er  im  September  und  Oetober  das  Interims-Gommando  des  V.  Armee- 
Corps  in  Brod  zu  führen  hatte. 

Am  18.  November  1878  wurde  er  zum  definitiven  Gommandanten  der  XIV  , 
darauf  am  15.  Mai  1879  der  XXVUI.  Infanterie -Truppen -Division  zu  Agram 
ernannt  und  auf  letzterem  Dienstposten  am  1.  Mai  1879  zum  Feldmarschall- 
Lieutenant  befördert. 

Zwei  Jahre  später,  am  1.  Mai  1881,  trat  FML.  Frh.  von  Pielsticker  auf  eigenes 
Ansuchen  aus  Gesundheits-Rücksichten  in  den  Ruhestand.  Bei  diesem  Anlasse 
wurde  ihm  in  Anerkennung  seiner  mehr  als  vierzigjährigen,  im  Kriege  wie  im  Frieden 
ausgezeichneten  Dienstleistung  der  Ausdruck  derAllerhöchstenZufriedenheit 
ausgesprochen. 

Im  Jahre  1884  erwarb  derselbe  die  österreichische  Staatsbürgerschaft  mit 
der  Zuständigkeit  nach  Schönau  in  Böhmen. 

Am  27.  December  1887  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König  den 
FML.  Freiherrn  von  Pielslickcr  zum  Schatzmeister  des  Militärischen  Maria 
Theresien-Ordens  zu  ernennen,  in  welcher  Anstellung  er  als  sechster  dieser 
seit  der  Ordensgründung  im  Jahre  1757  ernannten  Functionäre  —  nebst  der 
Leitung  der  Ordenskanzlei  —  die  Verwaltung  des  den  Ordensmilgliedern,  ihren 
Witwen,  Waisen  und  Hinterbliebenen  gewidmeten  Ordensvermögens  übernahm. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 

Anton  Freiherr  von  Bechtolsheim. 

Frh.  von  Bechtolsheim  wurde  im  Jahre  1834  zu  Würzburg  in  Bayern 
geboren  und  trat  im  18.  Lebensjahre  in  die  k.  k.  Armee  ein,  indem  er  sich  am 
13.  Juli  1852  bei  dem  11.  Infanterie-Regimente  als  Cadet  assentieren  ließ.  Auf 


Digitized  by  Google 


316 


CLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 


seine  Bitte  wurde  er  im  October  desselben  Jahres  zum  11.  Uhlanen-Regimente 
triinsferiert,  wo  er  am  16.  Mai  1853  zum  Lieutenant,  am  1.  Mai  1857  zum  Ober- 
Ii  e u  t  e n a n  t  aufstieg.  Im  November  1 859  zum  1 2. Uhlanen-Regimente  König  FranzII. 
beider  Sicilien  versetzt,  wurde  Bechtolsheim  am  16.  September  1861  zum  Ritt- 
meister 11.  Classe  befördert.  Als  solcher  absolvierte  er  1862/63  die  Central- 
Cavallerie-Schule.  Am  10.  Jänner  1864  rückte  er  zum  Rittmeisterl.  Classe  vor. 

In  dieser  Charge  machte  Bechtolsheim  den  Krieg  gegen  Preußen  und 
Italien  im  Jahre  1866  mit  und  zwar  den  Feldzug  in  Italien.  Es  war  ihm  vergönnt, 
sich  in  der  Schlacht  bei  Custozza  am  24.  Juni  1866  durch  eine  kühne,  folgen- 
reiche Waffenthat  hervorzuthun. 

Die  Brigade  GM.  Piret  des  V.  Armee-Corps  hatte  am  Morgen  des  24.  Juni 
1866  ihre  Bivouacs  bei  Castelnuovo  verlassen  und  rückte  in  südlicher  Richtung 
gegen  C.  Bröl i no  vor.  Als  ihre  Tete  die  300  Schritte  nördlich  von  C.  Brolino 
gelegenen  Höhen  erreicht  hatte,  waren  die  von  dem  dominierenden  Monte  Venlo 
gegen  Norden  vorrückenden  feindlichen  Colonnen  bereits  sichtbar,  weshalb  der 
Brigadier  die  Batterie  vorzog  und  den  Geschützkampf  eröffnete. 

Im  Verbände  des  V.  Corps,  speciell  der  Brigade  Piret,  standen  unter  dem 
Befehl  des  Obersten  Berres  de  Perez,  Commandauten  des  12.  Uhlanen-Regiments 
König  Franz  II.  beider  Sicilien,  zwei  Escadronen  dieses  Regiments.  Eine  derselben 
war  detachiert,  von  der  andern,  der  6.  Escadron  unter  Rittmeister  Frh.  von  Bech- 
tolsheim, befand  sich  ein  Zug  als  Bedeckung  beim  Corps -Commando.  Die 
übrigen  drei  Züge  stellte  Oberst  Berres  bei  dem  Aufmarsche  der  Brigade  Piret 
bei  Corte  hinter  einen  Cypressenhügel  in  Reserve  auf.  Im  Verlaufe  des  Gefechtes 
entsendete  Oberst  Berres  zwei  Patrouillen  in  südwestlicher  Richtung  gegen  den 
Tione-Fluss  auf  dem  nach  Fenile  führenden  Wege.  Eine  dieser  Recogno- 
seierungs-Patrouillen  kehrte  mit  der  Meldung  zurück,  jenseits  des  Tione  seien 
starke  feindliche  Abtheilungen  im  Vorrücken  begriffen.  Darauf  erhielt  Rittmeister 
Bechtolsheim  Befehl,  in  der  rei  hten  Flanke  vorzugehen.  Er  marschierte,  von  dem 
Führer  der  Recognoscierungs- Patrouille  geführt,  ohne  weitere  Weisungen  zu 
erhalten,  sofort  gegen  Fenile  um  7  Uhr  mit  seinen  3  Zügen  ab.  Ohne  Kenntnis 
über  Stärke  und  Bewegungen  des  Feindes  kannte  Bechtolsheim  nur  im 
allgemeinen  die  Richtung,  in  welcher  der  Gegner  vom  Monte  Vento  nach 
Norden  vorrückte.  Dicht  belaubte  Cultur  verhinderte  überdies  jede  Fernsicht,  so 
dass  auch  von  den  eigenen  Truppen  nic  hts  wahrzunehmen  war.  Nur  in  der  vom 
Führer  der  Recognoscierungs- Patrouille  bezeichneten  Direction  hörte  Bechtols- 
heim Kleingewehr-  und  Geschützfeuer,  welches  er  aus  der  Richtung  der  Projectile 
als  feindliches  erkannte.  Da  ein  Versuch,  angesichts  des  Feindes  und  in  dessen 
wirksamstem  Geschützbereich  den  Tione  zu  überschreiten,  nur  geringe  Chancen 
des  Gelingens  hatte,  erschien  es  Bechtolsheim  geboten,  nicht  auf  den  Feind  zu 
stoßen,  bevor  er  sich  nicht  orientiert  und  einige  Klarheit  über  die  Gefeehtslage 
gewonnen  hatte. 

Bechtolsheim  verließ  daher  den  direct  nach  Fenile  führenden  Weg  und 
nahm  eine  nordwestliche  Richtung  gegen  dominierende  Höhen,  welche  Fernsicht 


Digitized  by  Google 


«J*  I 


3 

S( 

ti- 
li 
b« 
in 

Ci 

It 

si< 
re 

lfc 

ge 
g«'i 
Bf 

Be 

Kö 

wa 

toi 

übi 

bei 

ent 

Ti. 

seif 

Still 

Be( 

Fül 

erh 

üb*- 

allg 

Nor 

das> 

Füh 

hein 

als 

wirk 

stoß« 
gew< 

Hahn 


Digitized  bj 


Digitizedtfy  Google 


Ritter  des  H.  T.-O.  Anton  Freiherr  von  Bechtolsheim. 


317 


zu  gewähren  versprachen.  Es  war  dies  das  vorn  Palazzo  Alzarea  gegen  Fenile 
und  Mongahia  laufende  rechtsseitige,  die  Urngegend  beherrschende  Ufer-Rideau 
des  T  i  o  n  e. 

Bechtolsheim  gelangte  an  einer  wegen  steiler,  abgerissener  Ufer  unpassier- 
baren Stelle  an  den  Tione,  wandte  sich  deshalb  flus-aufwärts  und  übersetzte 
200  Schritte  oberhalb  des  Zusammenlaufes  der  beiden  Tioue-Arme,  das  Gewässer. 
Auch  hier  war  jedoch  das  Übersetzen  beider  Arme  bloß  an  je  ein»  r  schmalen, 
sumpfigen  Stelle  möglich,  konnte  daher  nur  —  Heiter  hinter  Reiter  —  mit  einigem 
Zeitverlust  durchgeführt  werden. 

In  diesemMomente  überbrachte  ihm  der  Regiments- Adjutant  den  mündlichen 
Befehl  des  Obersten  Berres,  nach  welchem  sich  Bechtolsheim  mit  der  Escadron 
mehr  links  halten  sollte.  Er  hielt  jedoch  an  seinem  Entschlüsse  fest,  vor  allem  das 
jenseitige  Rideau  behufs  Orientierung  zu  erreichen. 

Zweihundert  Schritte  von  Palazzo  Alzarea  erstieg  Bechtolsheim  die  steile, 
rechtsseitige  Tione -Thalbegleitung  und  formierte,  auf  deren  Höhen  angelangt, 
zunächst  seine  3  Züge  in  Zugs-Colonne. 

Von  dem  dominierend  hohen  Standpunkte  aus  konnte  er  nun  wahrnehmen, 
dass  der  Feind  das  Gehöfte  von  Fenile  bereits  besetzt  hatte.  In  einer  anderen 
Richtung  jedoch,  nach  Westen,  bot  sich  dem  Rittmeister  Bechtolsheim  ein 
geeigneteres  Feld  der  Thätigkeit.  Jenseits  des  Rückens,  den  er  erstiegen  hatte,  sah 
er  auf  der  von  Castelnuovo  nach  Valeggio  führenden  Straße  österreichische 
Abtheilungen,  von  feindlicher  Obermacht  bedrängt,  im  Rückzüge. 

Die  Abtheilungen,  welche  Rittmeister  Frh.  von  Bechtolsheim  wahrnahm, 
gehörten  zur  Brigade  Benko  der  Reserve-Infanterie-Division  Rupprecht.  Diese 
Brigade,  nur  1  Bataillone  stark,  war  mit  dem  Gegner  in  hartnäckigen  Kampf  um 
den  Monte  Cricul  und  um  Mongabia  verwickelt.  GM.  Benko  hatte  bereits  die 
Truppen  des  Generalen  Villahermosa  zurückgedrängt,  als  gegen  8  Uhr  die 
italienische  Division  Cerale  auf  dem  Kampfplatze  eintraf,  die  Brigade  Pisa  entwickelte, ' 
und  dem  Gefechte  eine  ungünstige  Wendung  gab.  Diese  Brigade  griff  unter  leb- 
haftem Geschütz-  und  Gewehrfeuer  und  wiederholten  Attaquen  einer  Guiden- 
Escadron  den  Monte Cricol,  Mongabia  und  Renati  an.  Die  Truppen  Benkos, 
theilweise  in  Unordnung  gebracht,  konnten  dem  übermächtigen  Stoße  nicht  wider- 
stehen, wichen  zurück  und  der  Gegner  drängte  so  lebhaft  nach,  dass  auch  die  am 
Monte  Cricol  stehende  Batterie  zum  Abfahren  genöthigt  ward,  bei  welcher 
Gelegenheit  zwei  Geschütze  und  drei  Karren  umwarfen  und  zurückgelassen  werden 
mussten.  Der  Feind  bemächtigte  sich  des  Monte  Cricol  und  eines  Theiles  der 
Häusergruppe  Renati;  sein  Angriff  auf  Mongabia  misslang.  Eine  andere  Colonne 
hatte,  wie  erwähnt,  Fenile  besetzt.  Unterdessen  war  auch  die  Brigade  Forli  der 
Division  Cerale  auf  der  Straße  bis  in  die  Nähe  von  Mongabia  nachgerückt  und  die 
Truppen  des  GM.  Benko  hatten  nun  eine  noch  bedeutendere  Obermacht  vor  sich. 

Durch  das  Eingreifen  des  k.  k.  V.  Corps  sollte  jedoch  ein  völliger  Umschwung 
der  Dinge  in  der  Gegend  von  Oliosi  herbeigeführt,  zunächst  aber  durch  einen  überaus 
kühnen  Reiterangriff  des  Rittmeisters  Frh.  von  Bechtolsheim  eingeleitet  werden. 


Digitized  by  Google 


:ms 


CLXIV.  bis  CLXV1U.  Promotion. 


—  Im  Krieg«  von  1866. 


—  Italien. 


Bechtolsheim  eilte  nämlich  an  der  Spitze  seiner  Truppe  die  westlichen  Hänge 
des  Höhenrückens  gegen  die  Straße  hinab  zu  den  bedrängten  Abtheilungen,  die 
er  wahrgenommen  hatte.  Dieselben  gehörten  dem  12.  deutsch-banater  Grenz- 
Regimente  an.  Die  Officiere  gaben  ihm  betreffs  der  Gefeehlslage  die  Auskunft,  sie 
seien  durch  feindliche  Obennacht  gezwungen  wurden,  die  Höhen  des  Monte 
Cricol  zu  räumen. 

Bechtolsheim  gieng  darauf  mit  der  Eseadron  im  Golonnen-Rudel  auf  der 
Straße  gegen  Monte  Cricol  vor  und  stieß  bald  auf  andere  Abtheilungen  desselben 
Grenz-Regiments,  die  in  gleich  misslicher  Lage  sich  befanden.  Südlich,  in  der 
Höhe  von  Mongabia  und  dem  Monte  Cricol.  hörte  und  sah  man  Kleingewehr- 
feuer, welches  an  ersterem  Punkte  besonders  lebhalt  war.  Weiters  vernahm  man 
Geschützdonner  und  sah  auch  den  Rauch  über  die  Höhen  steigen.  Schwer- 
verwundete wurden  zurückgebracht,  andere  schleppten  sich  mühsam  auf  der  Straße 
fort.  Der  Moment  schien  kritisch. 

Bechtolsheim  ersuchte  die  Officiere  des  12.  Grenz-Regiments.  wieder  offensiv 
vorzugehen  und  forderte  —  in  croatischer  Sprache  —  auch  die  Mannschaft  hiezu 
auf,  wobei  er  den  betreffenden  Abtheilungen  kräftige  Unterstützung  zusicherte. 
Erwägend,  dass  ein  überraschender  Angriff  seiner  Cavallerie-Abtheilung  von 
guter  Wirkung  sein  müsste  und  einen  Umschwung  der  Dinge  herbeiführen  könnte, 
beschloss  er  mit  2  Zügen  auf  der  Straße,  wo  er  des  Feindes  Hauptkraft  vermuthete, 
vorzugehen;  den  dritten  Zug  detachierte  er  unter  Commando  des  Oberlieutenant 
Baron  Korb  von  Weiden  heim  in  die  linke  Flanke  gegen  die  zwischen  Fenile 
und  Mongabia  gelegenen  Höhen,  wo  Geschützraiich  sichtbar  war  und  Abthei- 
lungen österreichischer  Jäger  mit  großer  Ausdauer  gegen  den  überlegenen  Feind 
kämpften. 

Um  für  seine  schwachen  Kräfte  das  Überraschungs-Moment  und  damit  die 
Wahrscheinlichkeit  des  Erfolges  zu  sichern,  befahl  Rittmeister  Bechtolsheim  der 
Seiten-Colonne  im  Galopp  vorzugehen,  und  trat  selbst  in  gleicher  Gangart  mit 
seinen  zwei  Zügen,  welche  wegen  des  Straßen-Deliles  einen  compacten  Rudel 
bildeten,  gleichzeitig  mit  der  Seiten-Colonne  die  Vorrückung  an.  Es  war  dies 
kurz  nach  8  Uhr,  eine  Stunde  seit  dem  Abgehen  aus  der  Reservestellung. 

Vom  Feinde  wenig  belästigt,  gelangte  Bechtolsheim  bis  200  Schritte  nördlich 
der  ersten  Häuser  von  Mongabia,  denn  die  dicht  belaubten  Culturen  und  einige 
leichte  Biegungen  der  Straße  hatten  ihn  bis  dahin  dem  Blicke  des  Gegners  ent- 
zogen. Hier  erst  wurde  er  in  der  rechten  Flanke  durch  Kleingewehrfeuer  beschossen 
und  sah  gleichzeitig  den  rechts  seit-  und  vorwärts  liegenden  Monte  Cricol  von 
feindlichen  Massen  occupiert.  Eine  feindliche  Abtheilung  eilte  im  Laufschritte  die 
östlichen,  dicht  bis  zur  Straße  tretenden  Abhänge  dieses  Berges  herab,  um  sich 
den  Uhlanen  entgegenzuwerfen.  Gleichzeitig  wurde  Bechtolsheim  auf  der  Straße 
seihst  feindlicher  Artillerie  gewahr,  welche  noch  einen  Schuss,  jedoch  ohne  Erfolg, 
gegen  ihn  abgab. 

Der  vom  Monte  Cricol,  vermuthlich  zum  Schutze  dieser  Artillerie  herbei- 
stürmenden feindlichen  Abtheilung  —  einem  Bataillon  des  italienischen  43.  Infan- 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Anton  Freiherr  von  Bechtolsheim. 


319 


terie-Regiments  —  fiel  Bechtolsheim  in  die  Flanke,  eben  als  es  im  Begriffe  war, 
auf  die  Straße  zu  debouchieren.  Viele  wurden  überritten,  niedergemacht,  und  die 
Versuche  des  italienischen  Bataillons-Commandanten  —  Majors  Stoppini  — 
seine  Abtheilung  zu  railiieren,  scheiterten  gänzlich.  Das  Bataillon  wurde  zer- 
sprengt. Die  Mannschaft  warf  sich  bestürzt  in  die  Seitengraben  der  Straße  und 
in  die  Culturen  und  floh  gegen  Valeggio.  In  gleicher  Richtung  trachtete  auf  der 
Straße  selbst  die  feindliche  Artillerie  zu  entkommen.  Ein  Geschütz  fiel  jedoch  bei 
dem  raschen  Vordringen  der  Uhlanen  in  die  Hände  derselben.  Berittene  feind- 
liche Officiere  jagten,  in  Bechtolsheims  Rudel  eingekeilt,  auf  der  Straße  gegen 
Vallegio  zurück;  einzelne  wurden  verwundet  und  vom  Pferde  gestürzt. 

Major  Stoppini,  vom  Strome  mitgerissen,  ritt  —  auf  einem  Schimmel  — 
Bechtolsheim  unmittelbar  zur  Seite  und  führte  einige  Hiebe  gegen  denselben, 
wurde  aber  selbst  durch  einen  Lanzenstich  des  Uhlanen  Kazazevic  gelödtet. 

Neue  und  größere  feindliche  Infanterie-Massen,  die  auf  und  zu  beideu 
Seiten  der  Straße  im  Vorrücken  begriffen  waren,  kehrten  den  heranjagenden 
Uhlanen  den  Rücken;  die  Panique  war  im  Feinde  eingerissen;  pde-mele  Höh 
alles  gegen  Süden. 

An  der  Kreuzung  der  Vorrückungslinie  der  Uhlanen  mit  der  vou  Oliosi 
nach  Salionze  führenden  Straße  wurde  Bechtolsheim  in  beiden  Flanken  von  zahl- 
reichen feindlichen  Infanterie-Abtheilungen  lebhafter  beschossen,  wobei  Lieutenant 
von  Würth,  Wachtmeister  Katic,  nebst  vielen  anderen  den  Tod  fanden.  Bech- 
tolsheims Pferd  wurde  niedergestreckt;  der  Rest  seiner  zwei  Züge  stürmte  aber 
über  den  Rittmeister  weg,  ohne  Officier  weiter,  bis  die  kleine  Reiterschar  wegen 
der  auf  der  Straße  sich  stauenden  Massen  nicht  mehr  weiter  konnte.  Da  endlich 
kehrten  die  tapferen  Uhlanen  um. 

Bechtolsheim,  der  sich  rasch  aufgerafft  hatte,  stellte  sieh  während  dessen 
zu  Fuß  seitwärts  der  Straße  auf.  Zum  Glück  achtete  die  fliehende  italienische 
Infanterie  in  ihrer  Bestürzung  seiner  nicht.  Als  der  Rest  seiner  zwei  Züge  von 
Süden  wieder  zurückjagte,  führte  ihm  der  Uhlane  Timas  ein  erbeutetes  lediges 
italienisches  Otficiers-Pferd  —  den  von  weitem  kenntlichen  Schimmel  jenes 
gefallenen  italienischen  Majors  Stopp ini  —  entgegen.  Bechtolsheim  sprang 
auf  die  Straße,  fieng  das  Pferd  beim  Zügel,  schwang  sich  hinauf  und  trachtete, 
seine  gelichteten  Reihen  zu  ralliieren,  um  dieselben  bald  möglichst  aus  dem  Klein- 
gewehr-Bereiche der  feindlichen  Massen  herauszuführen. 

Da  aber  der  Rückzug  in  demselben  Straßen-Defile,  in  welchem  die  Vor- 
rückung erfolgt  war.  bewerkstelligt  werden  musste,  so  erlitt  Bechtolsheim  hiebei 
so  schwere  Verluste,  dass  er  nur  mehr  mit  drei  Mann  bei  Mongabia  anlangte. 

Den  Monte  Cricol  und  dessen  Umgebung  fand  er  aber  nun  vom  Feinde 
gänzlich  verlassen.  Von  hier  ritt  Bechtolsheim  im  Schritt  auf  der  Straße  gegen 
Castelnuovo  zurück,  wobei  einige  leichter  verwundete  Uhlanen  wieder  zu  ihm 
stießen.  In  gleicher  Richtung  wurden  zahlreiche  Gefangene,  worunter  mehrere 
Officiere,  durch  Grenzer  und  Jäger  abgeführt.  Letztere  waren  Siebenunddreißiger- 
Jäger.   Sie  begrüßten  die  tapferen  Uhlanen  mit  dem  Rufe:  „Vi vat  Uhlanen!" 


Digitized  by  Google 


320  CLXIV.  bis  CLXV11I.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Italien. 

Auf  300  bis  100  Schritt  nördlich  Mongabia  traf  Rittmeister  Frh.  von 
Bechtolsheim  den  Generalmajor  Frh.  von  Benko,  den  Brigadier  der  engagierten 
k.  k.  Truppen,  mit  dessen  Generalstabs -Officier.  welche  beide  den  Verlauf  und 
großen  Krfolg  der  Attaque  zum  größten  Theile  selbst  beobachtet  hatten. 

Als  der  Rittmeister,  um  verwundete  Leute  und  Pferde  der  Escadron  zu 
sammeln,  weiter  ritt,  stieß  von  dem  detachierten  Zuge,  welcher  unter  Ober- 
lieutenant  Frh.  von  Korb  die  Attaque  in  der  linken  Flanke  ausgeführt  hatte, 
Führer  Frh.  von  Übel  Ii,  und  zwar  allein,  zu  Bechtolsheim. 

Dieser  Zug  war  über  die  Plänkler-Schwärme  der  auf  den  Höhen  zwischen 
Mongabia  und  Fenile  im  heftigsten  Feuer  engagierten  k.  k.  Infanterie-  und 
Jäger-Abtheilungen  vorgedrungen,  hatte  trotz  der  großen  Verluste,  die  er  dabei 
erlitt,  die  feindlichen  Linien  durchbrochen  und  den  Gegner  gezwungen,  ein  Geschütz 
im  Stiche  zu  lassen.  Mitten  zwischen  den  italienischen  Truppen,  die  überall  zu 
wanken  begannen,  bis  zu  der  von  Oliosi  in  westlicher  Richtung  nach  Salionze 
führenden  Straße  vordringend  und  in  die  dichtesten  Reihen  des  Feindes  sich 
stürzend,  war  Oberlieutenant  Frh.  von  Ko  rb  nebst  seinem  Pferde,  von  mehreren 
Kugeln  getroffen,  gefallen.  Ein  gleiches  Schicksal  traf  hiebci  viele  Leute  des  Zuges. 
Die  Italiener,  durch  den  ungestümen  Cavallerie-Angriff  betroffen,  suchten  überall 
ihr  Heil  im  Rückzüge.  Was  Führer  Frh.  von  Übel  Ii  an  verwundeten  Leuten  und 
Pferden  des  Zuges  gesammelt,  hatte  er  nach  S.  Giorgio  in  Salice  geschickt. 
Wie  er  jedoch  meldete,  war  von  diesem  Zuge  auch  sehr  wenig  mehr  übrig.  Ubelli 
selbst  war  durch  zwei  Schüsse  in  den  Arm  schwer  verwundet. 

Somit  hatte  auch  der  durch  Bechtolsheim  detachierte  Zug  in  hervorragender 
Weise  dazu  beigetragen  die  feindlichen  Massen,  die  in  den  Uhlanen  wahrscheinlich 
die  Avantgarde  größerer  Cavallerie-Körper  vermutheten.  zu  erschüttern,  zur  Umkehr 
zu  zwingen  und  zwei  Geschütze  preiszugeben. 

Bechtolsheim  schied  bei  der  Straßen-  und  Eisenbahnkreuzung  südlich 
Castelnunvos  die  bis  dahin  gesammelten  kampfunfähigen  17  Mann  aus.  und 
instradierte  sie  ebenfalls  nach  S.  Giorgio  in  Salice.  Er  selbst  aber  gieng  mit 
fünf  Berittenen,  worunter  der  tapfere  Führer  Frh.  von  Ubelli,  der  trotz  seiner 
Wunden  das  Schlachtfeld  nicht  verlassen  wollte,  wieder  vor,  um  seine  Brigade 
GM.  Frh.  von  Piret  aufzusuchen. 

Diese  Brigade  hatte  unterdessen  Oliosi  genommen.  Bei  ihrer  weiteren  Vor- 
rückung stieß  sie  auf  dem  Wege  ßrolino -Sa  1  iotize  an  der  Kreuzung,  wo 
derselbe  von  der  Chaussee  Castelnuo  vo-Valeggio  durchschnitten  wird,  auf  die 
Spuren  des  kurz  zuvor  erfolgten  blutigen  Reiterangriffes.  Dieselben  waren  von 
solchem  Umfange,  dass  —  als  im  Verlaufe  der  Schlacht  die  Brigade-Batterie  über 
diesen  Kreuzweg  vornickte  -  die  Bedienungs-Mannschaft  erst  die  durch  Leichen 
und  gefallene  Pferde  versperrte  Passage  frei  machen  musste. 

Das  italienische  kriegsgesrhichtliche  Werk:  „Delle  eiernde,  <M  1.  Corpo  ti'annata 
rfitrante  U  pnmo  perioln  ddla  campcujna  <lel  1860"*)  berichtet  über  das  durch 

•)  I'el  Slaygiorc  f.  (  orsi,  Oiä  »otto  ,  apo  di  stato-magyiore  dtl  pnmo  corpo.  Milano,  Tipograjia 
delta  l'trttvcranta  M67. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-ü.  Anton  Freiherr  von  Bechtolsheim. 


321 


die  Waffenthat  des  Rittmeisters  Frh.  von  Bechtolsheim  herbeigeführte  Schlacht- 
moment folgendermaßen: 

.General  Cerale,  Di  visionär  der  Brigaden  Pisa  und  Forli,  ritt,  vom  Gene- 
ralen Dho,  dem  Commandanten  letztgenannter  Brigade,  und  von  den  betreffen- 
den Stäben  begleitet,  an  der  Spitze  der  Brigade-Marsch-Colonne,  deren  Töte  die 
Artillerie  bildete;  es  ist  allbekannt,  dass  die  drei  Herren  Generale  der  Armee- 
Division  sich  stets  in  den  vordersten  Reihen  den  größten  Gefahren  aussetzten. 

Als  die  Tete  der  Colonne  auf  der  Straße  Valeggio-Gastelnuovo  den  Punkt 
erreicht  hatte,  an  welchem  die  von  S.  Giorgio  kommende  Straße  in  erstere 
mündet,  erschien  eine  zur  Attaque  vorbrechende  Abtheilung  österreichischer 
Uhlanen.  Überrascht  und  in  größter  persönlicher  Gefahr  wandten  unsere  Generale 
ihre  Pferde  und  jagten,  von  ihrem  Stabe  gefolgt,  gegen  die  eigene  Marsch- 
Colonne  zurück,  wobei  sie  jedoch  von  den  feindlichen  Uhlanen,  welche  einzelne 
Cavallegieri  der  Suite  erreichten  und  verwundeten,  hart  bedrängt  wurden.  Auch 
die  Artillerie  an  der  Tete  machte  Kehrt  und  zog  sich  schleunig  zurück. 

Der  an  der  Tete  der  Colonne  befindliche  Theil  des  2.  Bataillons  des 
43.  Infanterie-Regiments  —  Major  Stoppini  —  warf  sich  in  den  Straßengraben 
und  empfieng  mit  mörderischem  Feuer  die  feindliche  Reiterschar,  welche 
unseren  Divisionsstab  so  gefährdete.  Infolge  dessen  fiel  der  Commandant  der 
Uhlanen  todt  oder  verwundet;  zahlreiche  Reiter  und  Pferde  wurden  binnen 
kurzem  kampfunfähig  gemacht;  andere  machten  Kehrt  und  jagten  zurück. 

Leider  hatte  des  Gegners  überraschender  Angriff,  sowie  das  eilige  Zurück- 
jagen von  Reitern  und  Fuhrwerken  von  der  Tete  unserer  Marschcolonne  gegen 
deren  Queue,  die  allgemeinste  Unordnung,  ja  panischen  Schrecken  zur  Folge, 
welch  letzterer  sich  schleunigst  verbreitete,  und  es  wich  das  2.  Bataillon  des 

43.  Regiments,  dessen  Commandant  Stoppini  durch  einen  Lanzenstich  getödtet 
wurde,  in  Unordnung  zurück.  Das  1.  Bataillon  hielt  gleichfalls  nicht  stand,  riss 
im  Gegcntheile  das  4.  mit  sich,  welch  letzteres  wiederum  das  1.  Bataillon  des 

44.  Infanterie-Regiments,  welches  die  Fahne  trug,  zur  Umkehr  verleitete. 

Fruchtlos  waren  in  dieser  Verwirrung  die  Bemühungen  der  Officiere, 
welche  trachteten,  die  allgemeine  Unordnung  zu  zügeln.  Zersprengt  waren 
unsere  Reihen;  zusehends  wuchs  die  Gefahr  in  unserer  rechten  Flanke,  und  da 
ringsum  die  Befürchtung  laut  wurde,  es  sei  die  feindliche  Cavallerie-Masse  im 
Anrücken,  floh  ein  großer  Theil  unserer  hier  engagierten  Truppen  gegen  Valeggio 
und  Monzambano. 

Dennoch  wollte  General  Cerale  in  Begleitung  des  Generals  Dho  und  der 
übrigen  die  Vorrückung  gegen  Castelnuovo  fortsetzen,  und  gab,  den  Säbel  in 
der  Fland,  das  Beispiel  zu  erneuertem  Vorgehen;  es  erschienen  jedoch  andere 
Uhlanen.  welche  sich  auf  unseren  Stab  warfen  und  denselben  abermals  zum 
Rückzüge  zwangen.  In  diesem  Trouble  wurde  General  Dho  durch  drei  Lanzen- 
stiche leicht  verletzt,  der  Divisions-Generalstabschef  vom  Pferde  gestürzt  * 

Wie  aus  vorstehendem  Berichte  auf  feindlicher  Seite  erhellt,  wurde  durch  den 
aus  eigenem  Antriebe  und  in  einem  für  Cavallerie  höchst  ungünstigen  Terrain 

MiliUn.eherMari».Th,r»..<,n-Ordcn.  21 


Digiti'zed  by  Google 


322 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  vod  1866.  -  IUlien. 


unternommenen,  mit  ausgezeichneter  Bravour  und  Ausdauer  durchgeführten 
Reiterangriff  des  Rittmeisters  Frh.  von  Bechtolsheim  beim  Feinde  eine  förmliche 
Panik  verbreitet  und  derselbe  verhindert,  die  durch  der»  langen  Marsch  und  das 
vorhergegangene  Gefecht  ermattete,  durch  Detachierungen  in  beide  Klanken  auf 
4  Bataillone  geschwächte  Brigade  Benko  mit  Obermacht  anzugreifen. 

Rittmeister  Bechtolsheim  hat  auf  diese  Weise  durch  seine  glänzende  Reiter- 
that  die  Brigade  Benko,  welche  sich  in  misslicher  Lage  befand,  degagiert,  und  der 
Reserve-Division  Rupprecht  den  Angriff  sehr  erleichtert,  welcher  nun  auf  der 
ganzen  Linie  des  Monte  Cricol  gegen  die  Brigade  Pisa  erfolgte.  Dem  Gegner  waren 
durch  Bechtolsheims  Attaque  schließlich  nicht  nur  zwei  Geschütze  entrissen,*') 
sondern  derselbe  war  sogar  gezwungen  worden,  die  früher  genommenen  öster- 
reichischen Geschütze  und  Karren  im  Stiche  zu  lassen,  so  dass  dieselben  beim 
erneuerten  Vorrücken  der  Brigade  Benko  wieder  ins  Gefecht  gebracht  werden 
konnten. 

Auf  Grund  der  solchermaßen  in  der  Schlacht  bei  Gustozza  am  24.  Juni 
1866  vollbrachten  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als 
Erhabener  Großmeister  über  nachträgliches  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft 
Promotion  CLXVIII  vom  10.  Februar  1870  den  Rittmeister  Anton  Freiherrn  von 
Bechtolsheim  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren,  nachdem  ihm  schon  unmittelbar  nach  dem 
Kriege,  im  Juli  1866,  der  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe  mit  der 
Kriegsdecoration  verliehen  worden  war. 

Am  28.  August  1868  zum  Major  befördert  und  zum  Flügel-Adjutanten 
Seiner  Majestät  des  Kaisers  mit  Eintheilung  in  den  Stand  des  4.  Uhlanen- 
Regiments  ernannt,  fungierte  Major  Frh.  von  Bechtolsheim,  unter  Belassung  in 
seiner  Diensteseigenschaft  als  Flügel-Adjulant,  seit  dem  3.  Juni  1870  als  Militär- 
Attachee  und  seil  dem  5.  Juni  1872  als  Militär-Bevollmächtigter  bei  der 
k.  und  k.  Bolschaft  in  St.  Petersburg.  In  dieser  Dienstesverwendung  wurde  er 
am  11.  September  1872  mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold- Ordens  decoriert 
iim  31.  Octoher  1872  zum  Oberstlieutenant  befördert,  am  5,  März  1874  mit 
dem  Ritterkreuze  des  St.  Stephan-Ordens  ausgezeichnet  und  am 
1.  Mai  1876  zum  Obersten  ernannt. 

Im  Jahre  1877  machte  er  im  Hauptquartier  Seiner  Majestät  des  Kaisers 
Alexander  II.  von  Rußland  den  russisch-türkischen  Krieg  in  Bulgarien  bis 
zur  Einnahme  von  Plewna  mit. 

Am  19.  Octoher  1880  wurde  er  in  Anerkennung  der  in  seiner  Stellung  als 
Militär-Bevollmächtigter  durch  länger  als  zehn  Jahre  mit  hervorragender  Umsicht 
geleisteten  vorzüglichen  und  ersprießlichen  Dienste  unter  dem  Ausdrucke  der 
Allerhöchsten  Zufriedenheit  dieses  Dienstes  enthoben  und  zum  Gom- 
mandanten  des  2.  Uhlanen-Regiments  ernannt. 

•)  Der  Preis  für  die  erste  eroberte  feindliche  Kanone  wurde  spater  vom  Armee-Gommando 
<1.t  von  liem  Rittmeister  Frh.  von  Bechtolsheim  befehligten  f>.  Escadron  des  12.  Uhlanen-Regi- 
menls  zuerkannt. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  PreuAen  und  Italien  1866,  u.  tw.  gegen  Preußen. 


323 


Mit  1.  Mai  1882  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Generalmajor  unter 
gleichzeitiger  Ernennung  zum  Commandanten  der  5.  Cavallerie-Brigade.  Am 
15.  April  1887  zum  Commandanten  der  Cavallerie-Truppen-Division  in  Krakau 
ernannt,  rückte  er  als  solcher  am  1.  Mai  1887  zum  Feldmarschall-Lieutenant 
vor.  befehligte  im  Jahre  1889  durch  kurze  Zeit  die  IV.  Infanterie-Truppen-Division 
in  Brünn,  wurde  im  September  desselben  Jahres  zur  Stellvertretung  des  Comman- 
dierenden  Generals  in  Lemberg  berufen  und  am  27.  Juni  1890  definitiv  mit 
derselben  bekleidet. 


Im  Kriege  gegen  Preußen. 

Den  Entstchungsursachen  des  Doppelkrieges  von  1866  gemäß  lag  das  ent- 
scheidende Schwergewicht  in  militärischer  wie  politischer  Beziehung  naturgemäß 
in  dem  Kriege  gegen  Preußen,  gegen  welches  Österreich  seine  geschichtliche 
Stellung  als  erste  Vormacht  des  Deutschen  Bundes  und  damit  den  Bestand  des 
letzteren  selbst,  wie  er  durch  Geschichte,  internationale  Vertrage  und  die  Bundes- 
verfassung begründet  war,  zu  vertheidigen  hatte.  Demzufolge  war  der  Haupt- 
kriegsschauplatz durch  die  Grenzgebiete  Österreichs  und  Preußens,  be- 
ziehungsweise Sachsens,  bestimmt.  In  denselben  zogen  sich  die  beiderseitigen 
Streitkräfte  zusammen.  Zum  Unterschiede  von  den  im  Süden  der  Monarchie  gegen 
Italien  verwendeten  Streitkräften  (Süd-Armee^  wurden  jene  im  Norden  gegen 
Preußen  aufgebotenen  als  , Nord-Armee»  bezeichnet. 

Die  k.  k.  Nord-Armee  versammelte  sich  in  der  ersten  Hälfte  Juni  in  zwei 
Gruppen  und  zwar  mit  6  Armee-Corps.  4  Cavallerie-Divisionen  und  der  Armee- 
Geschütz -Reserve  in  Mähren  und  Schlesien  —  mit  1  Armee-Corps  und 
1  Cavallerie-Division  in  Böhmen.  Zu  letzterer  Gruppe  stieß  nach  dem  am  16.  Juni 
erfolgten  Einmarsch  preußischer  Truppen  im  Königreiche  Sachsen  überdies  die 
königlich  sächsische  Armee  in  der  Stärke  eines  Armee-Corps. 

Die  Nord-Armee  bestand  demnach  von  Mitte  Juni  ab  aus  dem  königlich 
sächsischen  Armee- Corps  unter  dem  Conimando  Sr.  königl.  Hoheit  des  Gdl. 
Kronprinzen  Albert  von  Sachsen--  dann  aus  7  k.  k.  Armee-Corps  und  5  Ca- 
vallerie-Divisionen und  zwar  dem  I.  Corps  unter  GdC.  Grafen  Clam-Gallas,  - 
dem  II.  unter  FML.  Grafen  Thun-Hohenstein,  —  dem  III.  unter  FML.  Erzherzog 
Ernst,  —  dem  IV.  unter  FML.  Grafen  Festetics,  —  dem  VI.  unter  FML.  Frh.  von 
Ramming,  —  dem  VIII.  unter  FML.  Erzherzog  Leopold,  —  dem  X.  unter  FML. 
Frh.  von  Gab  lenz,  —  ferner  aus  den  2  leichten  Cavallerie-Divisionen  und  zwar 
der  1.  unter  GM.  Frh.  von  Edelsheira,  —  der  2.  unter  GM.  Prinzen  Thum- 
Taxis  —  endlich  den  3  schweren  Reserve-Cavallerie-Divisionen  und  zwar  der 
1.  unter  FML.  Prinzen  Holstein-Glücksburg,  —  der  2.  unter  GM.  von  Zait- 
sek.  -  und  der  3.  unter  GM.  Grafen  Coudenhove. 

81* 


Digitized  by  Google 


324 


GLXIV.  bis  CLXVm.  Promotion. 


Die  Nord-Armee  sammt  dem  sächsischen  Corps  hatte  einen  streitbaren 
Stand  von  210.930  Mann  Infanterie,  25.406  Mann  Cavallerie,  25.332  Mann  Artillerie 
und  technische  Truppen,  zusammen  26 1 .668  Streitbaren  mit  794  Geschützen. 

Den  Oberbefehl  über  die  Nord-Armee  führte  FZM.  Ludwig  Ritter  von 
Benedek. 

Die  gegen  Sachsen  und  Österreich  aufgebotenen  preußischen  Streit- 
kräfte bestanden  aus  9'/2  Armee-Corps,  und  bildeten  drei  Armeen,  und  zwar 
den  rechten  Flügel  die  Elbe-Armee  (21/,  Corps)  unter  Gdl.  Herwarth  von 
Bittenfeld  vor  Torgau  und  in  Berlin;  —  das  Centrum  die  I.Armee  (3  Infanterie- 
und  1  Cavallerie-Corps)  unter  Prinzen  Friedrich  Carl  bei  Görlitz;  den  linken 
Flügel  die  II.  Armee  (4  Armee-Corps  und  1  Cavalleric-Division)  unter  dem  Kron- 
prinzen Friedrich  Wilhelm  von  Preußen  mit  dem  Gros  in  Preußiseh-Schlesien 
an  der  Neiße. 

Diese  preußischen  Streitkräfte  hatten  einen  streibaren  Stand  von  227.564 
Mann  Infanterie,  32.029  Mann  Cavallerie,  32.145  Mann  Artillerie  und  technischen 
Truppen,  zusammen  291.738  Mann  mit  840  Geschützen. 

Bei  Vergleichung  der  beiderseitigen  Kräfte  hatte  sonach  das  preußische  Heer 
eine  numerische  Überlegenheit  von  30.000  Combattanten  und  46  Geschützen. 

Den  Oberbefehl  über  das  preußische  Heer  führte  Seine  Majestät  König 
Wilhelm  1.  Als  Chef  des  Generalstabes  fungierte  Gdl.  Freiherr  von  Moltke. 

Am  16.  Juni  wurden  von  Preußen  die  Operationen  durch  das  Einrücken 
der  Elbe-Armee  in  Sachsen  eröffnet. 

An  demselben  Tage  erhielt  FZM.  von  Benedek  von  Wien  die  telegraphische 
Weisung,  ebenfalls  die  Operationen  zu  beginnen.  Nachdem  er  die  Gewissheit 
erlangt  hatte,  dass  die  preußische  Hauptmacht  zwischen  Görlitz  und  Landshut 
Front  gegen  Böhmen  stand,  beschloss  er  am  17.  den  Abmarsch  von  Mähren  nach 
Böhmen  in  die  starke  Stellung  Josefstadt-Königinhof-Miletin  an  der 
oberen  Elbe.  Der  Marsch  der  Nord-Armee  wurde  in  der  Zeit  vom  18.  bis 
25.  Juni  auf  drei  Linien  durchgeführt  und  zwar  auf  der  nördlichen  überMüglitz- 
Senftenberg- Josefstadt,  auf  der  mittleren  über  Wildensehwerl-TyniSt- 
Smific,  —  auf  der  südlichen  Linie  über  Polieka-Hohenmauth-Smifie.  Im 
Hinblicke  auf  die  preußische  II.  Armee  gestaltete  sich  der  Maisch  der  Nord-Armee 
zu  einem  Flankerimarsch.  Derselbe  musste  daher  anfangs  durch  das  dem 
Feinde  zunächst  stehende  II.  Armee-Corps  und  die  2.  leiehte  Cavallerie-Division, 
im  weiteren  Verlaufe  überdies  successive  durch  mehrere  andere  Armee-Corps 
gedeckt  werden. 

Das  k.  k.  I.  und  das  königl.  sächsische  Armee-Corps  in  Böhmen  wurden 
angewiesen,  dem  etwa  vorrückenden  Feinde  keinen  nachhaltigen  Widerstand 
entgegenzusetzen,  vielmehr  vor  allem  ihre  Vereinigung  mit  der  Haupt-Armee 
anzustreben. 

Die  feindliehe  Heeresleitung  trachtete  gleichfalls,  durch  concentrisehe 
Operationen  gegen  Böhmen  die  drei  preußischen  Armeen  ehestens  zu  vereinigen. 
Zunächst  wurden,  während  die  11.  Armee  unter  dem  Kronprinzen  in  Preußisch- 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866,  u.  zw.  gegen  iVeuAen. 


325 


Schlesien  sowohl  zum  Einmärsche  in  Böhmen  als  zur  Verteidigung  der  Neiße- 
Linie  bereit  stand,  die  Elbe-  und  die  I.  Armee,  beide  unter  Gommando  des 
Prinzen  Friedrich  Carl,  an  die  böhmische  Grenze  vorgeschoben. 

Am  21.  Juni  erklärte  Preußen  an  Österreich  den  Krieg.  Tags  darauf,  am 
22.  erhielten  beide  Prinzen  telegraphischen  Befehl,  in  Böhmen  einzurücken  und 
die  Vereinigung  in  der  Richtung  auf  Jifiin  aufzusuchen. 

Die  Elbe-Armee  überschritt  am  22.  bei  Rumburg,  die  I.  Armee  am  23. 
bei  Reichenberg,  die  II.  Armee  am  25.  und  26.  Juni  in  drei  Colonnen  bei 
Trautenau,  Braunau  und  Nachod  die  österreichische  Grenze. 

Infolge  des  Vormarsches  der  preußischen  Armeen  kam  es  bald  zu  einer 
Reihe  von  äußerst  heftigen  Zusammenstößen. 

An  der  Iser  stieß  die  preußische  Elbe-  und  I.  Armee  unter  Führung  des 
Prinzen  Friedrich  Carl  auf  die  Corps-Gruppe,  welche  unter  dem  Oberbefehle 
des  Kronprinzen  von  Sachsen  folgende  Aufstellung  inne  hatte  und  zwar  die 
1.  leichte  Cavallerie-Division  nordwärts  der  Iser  bei  Turnau  und  Sichrow,  fluss- 
abwärts  das  k.  k.  I.  Armee-Corps  bei  Münch engrätz,  —  das  königlich  säch- 
sische Armee-Corps  als  Reserve  bei  Jungbunzlau. 

Schon  vom  23.  Juni  ab  hatte  es  nächst  der  Iser  Scharmützel  zwischen 
österreichischen  und  preußischen  Cavallerie-Abtheilungen  gegeben.  Am  26.  Juni 
aber  kam  es  bei  Hühnerwasser,  Böhmisch-Aicha,  Sichrow  und  bei  Podol 
an  der  Iser  selbst  zu  den  ersten  größeren  Gefechten. 

Infolge  dieser  Zusammenstöße,  insbesondere  aber  wegen  des  verlustreichen 
Nachtgefechtes  einer  Brigade  des  I.  Corps  bei  Podol,  ließ  der  Kronprinz  von 
Sachsen  einen  für  den  27.  Juni  geplanten  Offensivstoß  gegen  Sichrow  fallen 
und  ordnete  eine  Verschiebung  des  k.  k.  I.  Corps  nach  Jiöin,  des  sächsischen 
Corps  nach  Jicinoves  an. 

Prinz  Friedrich  Carl  concentrierte  inzwischen  am  27.  seine  beiden  Armeen 
im  Halbkreise  um  Münchengrätz,  um  die  Stellung  am  folgenden  Tage  anzu- 
greifen. Da  aber  am  28.  vormittags  die  Gros  des  k.  k.  I.  und  des  sächsischen  Corps 
schon  im  Abmärsche  begriffen  waren,  so  traf  dieser  wuchtige  Angriff  —  Gefecht  hei 
Münchengrätz  —  nur  mehr  zwei  Brigaden  des  I.  Corps. 

Am  gleichen  Tage  kam  es  aber  auch  schon  zu  einem  Avantgarde-Gefechte 
hei  Jiein  selbst,  in  welchem  eine  stärkere  preußische  Recognosciernngs-Colonne 
im  Augenblicke  des  Angriffs  auf  die  Stadt  durch  ein  größeres  k.  k.  Cavallerie- 
Detachement  zum  Rückzüge  gezwungen  wurde. 

In  der  Nacht  vom  28.  auf  den  29.  warf  ferner  eine  Brigade,  welche  den 
Marsch  des  I.  Corps  nach  .li£in  gegen  Flanken-Angriffe  von  Norden  her  zu  decken 
hatte,  die  angreifenden  Preußen,  welche  sich  das  Feld-  und  Wald-Defile  bei 
Kost  eröffnen  wollten,  in  dem  Gefechte  bei  Podkost  zurück. 

Das  I.  Corps  selbst  erreichte  am  29.  mittags  J  i  6  i  n  und  bezog  infolge  eines 
Armee-Commando-Befehles,  welcher  das  Eintreffen  des  Gros  der  k.  k.  Armee  fin- 
den 29.  und  30.  in  der  Nähe  dieser  Stadt  in  Aussicht  stellte,  eine  ausgedehnte 


Digitized  by  Google 


326 


CLXIV.  bis  CLXVin.  Promotion. 


Aufstellung  westlich  der  Stadt,  während  das  sächsische  Corps  bei  Jiöinoves 
Aufstellung  nahm. 

Nachmittags  griffen  die  Preußen  heftig  an.  Das  Gefecht  war  nicht  weit  über 
den  einleitenden  Kampf  hinaus  gediehen,  als  um  7 1/l  Uhr  abends  der  Befehl  des 
Armee-Commandos  eintraf,  nach  welchem  Kronprinz  Albert  unter  Vermeidung 
ernsterer  Gefechte  die  Vereinigung  mit  der  Hauptarmee  —  bei  Miletin  —  durch- 
zuführen hatte.  Es  wurde  daher  der  Kampf  abgebrochen  und  der  Rückmarsch 
angetreten,  wobei  jedoch  durch  das  Nachdrängen  des  Gegners  alsbald  sehr 
ungünstige  Rückzugs-Verhältnisse  eintraten. 

Am  30.  erreichten  die  österreichischen  und  sächsischen  Truppen  Miletin, 
Hofic  und  Smidar,  wodurch  deren  Vereinigung  mit  der  Hauptarmee  voll- 
zogen war. 

In  gleicherweise,  wie  an  der  Iser.  war  es  inzwischen  auch  nächst  Josefstadt 
zu  schweren,  für  die  k.  k.  Armee  verlustreichen  Kämpfen  gekommen.  Dort  stießen 
nämlich  von  der  II.  preußischen  Armee  die  beiden  Flügel-Colonnen  last  gleichzeitig 
auf  die  ihnen  behufs  Deckung  des  Flankenmarsches  der  Nord-Armee  successive 
entgegentretenden  k.  k.  Streitkräfte,  nämlich  auf  das  VI..  X.  und  VIII.  Corp*. 

Am  27.  Juni  wurde  in  dem  Treffen  bei  Wysokow  (Nachod)  der  anfänglich 
von  Erfolg  begleitete  Angriff  des  k.  k.  VI.  Armee-Corps  auf  das  preußische  V.Corps 
durch  dieses  und  durch  Theilc  des  preußischen  VI.  Armee-Corps  unter  schweren 
eigenen  Verlusten  zurückgewiesen,  worauf  sich  das  k.  k.  VI.  Corps  auf  Skalic 
zurückzog. 

An  demselben  Tage  warf  in  dem  Treffen  bei  Trautenau  das  k.  k.  X.  Armee- 
Corps  das  preußische  I.  Armee-Corps  nach  hartnäckigem  Kampfe  wieder  über  die 
Grenze  zurück. 

Am  28.  wurde  das  behufs  Ablösung  des  k.  k.  VI.  Corps  nach  Skalic  ent- 
sendete k.  k.  VIII.  Corps  (nur  3  Brigaden  stark)  gegen  Mittag  von  dem  preußischen 
V.  Corps  (5  Brigaden )  angegriffen,  geworfen  und  zog  sich  auf  das  Plateau  von 
Schweinschädl,  wo  es  durch  das  k.  k.  IV.  Corps  aufgenommen  wurde. 

An  demselben  Tage  wurde  das  k.  k.  X.  Corps,  während  seines  Rückmarsches 
von  Trautenau  auf  Praußnitz,  von  der  iMittel-Colonne  der  preußischen 
II.  Armee,  und  zwar  speciell  von  dem  Garde-Corps,  angegriffen  und  durch  das 
verlustreiche  Gelecht  bei  Neu-Kognitz  und  Rudersdorf,  welches  mit  ver- 
kehrter Front  geliefert  werden  musste,  von  seiner  Marschlinie  westwärts  abgedrängt 
und  gezwungen,  sich  über  Pilnikau  nach  Neuschloss  hinter  die  Elbe  zurück- 
zuziehen. 

Am  29.  wurde  bei  Königinhof  das  k.  k.  X.  Corps  neuerdings  durch  das 
Garde-Corps  und  bei  Schweinschädl  das  k.  k.  IV.  durch  das  preußische 
V.  Corps  angegriffen;  doch  kam  es  zu  weitaus  minder  ernsten  Gefechten,  als  an 
den  beiden  vorhergegangenen  Tagen. 

Am  30.  Juni  morgens  war  durch  die  bereits  erwähnte  Vereinigung  des  k.  k.  I., 
des  sächsischen  Corps  und  der  1.  leichten  Cavallerie-Division  mit  der  Hauptmacht 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1S66.  u.  zw.  geg«n  Preußen. 


327 


der  k.  k.  Nord-Armee  bei  Miletin  und  Horic  der  Aufmarsch  der  letzteren  In 
dem  Räume  Josefstadt-Königinhof-Miletin  vollzogen. 

Am  Tage  der  blutigen  Kämpfe  bei  Wysokow  und  Trauten  au  in  Böhmen, 
an  welchem  auch  im  fernen  Nordwesten  bei  Langensalza  die  verbündeten 
Hannoveraner  tapfer  fochten,  —  am  27.  Juni  —  errangen  gleichzeitig  im  Äußersten 
Osten  des  Kriegsschauplatzes  die  kaiserlichen  Waffen  bei  Oswiecim  inGalizien 
gegen  bedeutend  überlegene  preußische  Streitkräfte  einen  sehr  rühmlichen  Erfolg. 
Von  der  k.  k.  Truppen-Division  FML.  Rzikowsky  in  Krakau  deckten  vor- 
geschobene Truppen  die  Grenze  Galiziens  längs  der  Przemsza  von  Myslowitz 
bis  zur  Weichsel  und  südlich  dieses  Flusses  über  Oswiecim  bis  gegen 
Jawiszowice  an  der  Sola.  Von  diesen  Truppen  stand  ein  Detachement  bei 
Oswiecim.  Der  preußische  Genoral  Graf  Stolberg,  welcher  Preußisch-Schlesien 
auf  offensivem  Wege  decken  sollte,  unternahm  am  27.  Juni,  unter  Demon- 
strationen auf  der  ganzen  Przemsza -Linie,  mit  starken  Kräften  einen  Angriff 
auf  Oswiecim,  wurde  jedoch  durch  das  k.  k.  Detachement  glänzend  zurück- 
gewiesen. 

Die  Vereinigung,  beziehungsweise  der  Aufmarsch  der  k.  k.  Nord-Armee  in 
«lern  Räume  von  Josefstadt-Königinhof-Miletin  war,  wie  erwähnt,  am 
30.  Juni  bewirkt;  dieselbe  befand  sich  aber  um  diese  Zeit  bereits  in  einer  höchst 
ungünstigen  Verfassung. 

Es  hatten  nämlich  5  Corps  gleichwie  auch  das  königlich  sächsiche  Corps  schon 
gefochten,  so  dass  nur  mehr  2  Corps  ('II.  und  III.)  intact  waren;  4  Corps  aber, 
das  VI.,  VIII.,  X.  und  I.  hatten  dabei  außerordentlich  gelitten.  „Die  großen  Ver- 
luste" —  meldete  das  Arrnee-Commando  in  einem  Berichte  an  Seine  Majestät  den 
Kaiser  —  »entstanden  hauptsächlich  durch  Zündnadelgewohrfeuer.  von 
dessen  mörderischer  Wirkung  alle  ohne  Unterschied  impressioniert  bleiben,  die  im 
Gefecht  waren.*  Die  Verlustlisten  und  der  Vergleich  der  außer  jedem  Verhältnis 
stehenden  eigenen  Verluste  mit  jenen  der  Preußen  bestätigten  diesen  Ausspruch 
nur  zu  sehr.  Der  Gesammtverlust  der  in  den  Tagen  vom  27.  bis  30.  Juni  im  Feuer 
gestandenen  5  k.  k.  Armee-Corps  sammt  Cavallerie  betrug  30.000  Mann.  Überdies 
waren  alle  Corps  ohne  Ausnahme  durch  die  Anstrengungen  der  letzten  Tage 
erschöpft 

Der  Gegner  stand  mit  der  kleineren  Hälfte  seines  Heeres  unter  dem  Kron- 
prinzen von  Preußen  im  Norden  der  Position,  mit  der  größeren  unter  dem 
Prinzen  Friedrich  Carl  schon  bei  Jicin,  in  der  Richtung  auf  die  beinahe 
entblößte  Rückzugslinie  der  k.  k.  Armee. 

Unter  diesen  Umständen  ließ  das  Amiee-Commando  die  Idee  eines  Kampfes 
in  der  erreichten  Stellung  lallen  und  ordnete  am  Nachmittage  des  30.  Juni  den 
Rückmarsch,  zunächst  gegen  Kön  iggrätz  an. 

Im  Laufe  des  1.  Juli  erreichte  die  k.  k.  Armee  nach  einem  anstrengenden 
Marsche  mit  dem  Gros  die  Stellung  vor  Königgrätz;  am  2.  Juli  wurde  den  Truppen 


Digitized  by  Google 


328 


GLX1V.  bi«  CLXVIII.  Promotion. 


die  so  nothwendige  Erholung  gegönnt  Am  3.  Juli  sollte  der  Rückzug  gegen 
Pardubitz  fortgesetzt  werden.  Angesichts  des  ungebrochenen  Muthes  der 
k.  k.  Truppen  fasste  jedoch  der  Armee-Commandant  den  Entschluss,  in  der 
eingenommenen  Stellung  dem  weiteren  Vordringen  des  preußischen  Heeres 
entgegenzutreten. 

So  kam  es  am  3.  Juli  zur  Schlacht  bei  Königgrätz. 

In  derselben  kämpften  215.000  Österreicher  und  Sachsen  gegen  221.000 
Preußen  und  beiderseits  je  circa  800  Geschütze. 

Die  Schlachtstellung  der  k.  k.  Armee  bildete  ä  cheval  der  Straße  König- 
grätz-Hof  ic  einen  rechtwinkeligen  Haken,  mit  der  Front  nach  Nord  und  West. 
Im  Scheitelpunkte  desselben  stand  als  Gentrum  nördlich  der  Chaussee  das 
III.  Corps  bei  Li  pa- Chi  um,  links  davon  südlich  der  Chaussee  das  X.  Corps 
bei  Ober  und  Unter  Dohalicka- Mokro vous-Langenhof.  Den  linken 
Flügel  mit  der  Front  gegen  Westen  bildete  das  sächsische  Corps  in  der  Stellung 
Problus-  Nieder  Pf  im,  mit  dem  VIII.  Corps  hinter  sich,  wobei  die  1.  leichte 
Cavallerie-Division  bei  Steinfeld  den  linken  Flügel  deckte.  Als  rechter  Flügel 
mit  der  Front  gegen  Norden  war  das  IV.  Corps  zwischen  Chlum  und  Nedelist. 
im  Anschluss  rechts  d;is  II.  Corps  zwischen  Ned  eliSt  und  der  Elbe  aufmarschiert: 
die  2.  leichte  Cavallerie-Division  stand  als  rechte  Flügeldecknng  bei  Ned  elist. 
Die  Armee-Reserve  bildeten  das  I.  *)  und  VI.  Corps,  dann  die  3  schweren  Reserve- 
Cavallerie-Divisionen,  beziehungsweise  alle  5  Cavallerie-Divisionen. 

Zunächst  wurde  das  Centrum  der  k.  k.  Armee  durch  die  preußische 
I.  Armee  unter  Prinz  Friedrich  Carl  aus  der  Gegend  von  HoKc  in  der  Richtung 
gegen  Sadowa  angegriffen.  Etwas  später  erfolgte  der  Angriff  auf  den  linken  Flügel 
durch  die  Elbe-Armee  unter  Gdl.  Herwarth  von  Bittenfeld  von  Smidar  in 
der  Richtung  über  Nechanic.  Der  rechte  Flügel  der  k.  k.  Armee  dagegen 
betheiligte  sich  an  dem  Kampfe  im  Centrum,  welcher  zunächst  dem  Swiep-Wald 
galt,  angriffsweise. 

Der  Angriff  der  preußischen  I.  Armee  gegen  das  österreichische  Centruni 
reussierte  an  der  Bistritz-Linie,  scheiterte  jedoch  auf  den  Höhen  von  Lipa  und 
Langenhof.  Der  im  Swiep-Walde  vorgedrungene  linke  Flügel  des  preußischen 
Centrums  wurde  durch  den  westwärts  vorschwenkenden  rechten  Flügel  der 
k.  k.  Armee  —  das  k.  k.  IV.  und  II.  Corps  —  auf  Benatek  zurückgeworfen. 

Auch  der  Angriff  der  preußischen  Elbe-Armee  auf  den  linken  sächsisch-öster- 
reichischen Flügel  wurde  anfangs  mit  Erfolg  abgewehrt.  Die  Stärke  der  Stellung, 
welche  das  königlich  sächsiche  Corps,  dank  der  Initiative  des  Kronprinzen 
von  Sachsen,  bei  Problus-Nieder  Pfim  genommen  hatte,  nöthigte  den  Feind  zu 
weitausgreifenden,  zeitraubenden  Umgehungen,  während  welcher  die  Sachsen  selbst 
die  Offensive  ergriffen,  um  die  Mitte  der  preußischen  Elbe-Armee  zu  durchbrechen. 

Angesichts  des  Misserfolges  der  preußischen  I.  Armee  im  Centrum  und  des 
Umstandes,  dass  auch  die  preußische  Elbe-Armee  gegen  den  österreichischen 

*)  Das-  Coimnandu  des  I.  Curps  hatte  vom  i.  auf  d<-n  3.  Juli  GM.  Graf  Gondrecourt  über- 
Dummen. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866,  u.  zw.  gegen  Preußen. 


329 


linken  Flügel  nicht  vorzudringen  vermochte,  die  II.  Armee  unter  dem  Kronprinzen 
—  am  feindlichen  linken  Flügel  —  aber  kaum  mehr  rechtzeitig  eingreifen  zu 
können  schien,  um  der  unter  dem  Feuer  der  österreichischen  Artillerie  verblu- 
tenden preußischen  I.  Armee  Hilfe  zu  bringen,  beabsichtigte  man  bereits  im 
preußischen  Hauptquartier,  das  Centrum  zurückzuziehen. 

Die  Ereignisse  sollten  indessen  einen  anderen  Verlauf  nehmen. 

Zunächst  wurde  der  linke  sächsisch-österreichische  Flügel  trotz  hartnäckigen 
Kampfes  immer  mehr  in  seiner  linken  Flanke  durch  die  preußische  Elbe-Armee 
umfasst  und  dadurch,  ungeachtet  nachhaltigen  Widerstandes,  zum  Kückzug  auf  die 
Höhen  von  Rosnitz  gezwungen.  Infolge  dessen  gelangte  die  preußische  Elbe- 
Armee  in  die  linke  Flanke  des  Centrums  der  k.  k.  Armee  und  bedrohte  sogar 
deren  Rückzugslinie. 

Noch  nachtheiliger  gestaltete  sich  inzwischen  die  Gefechtslage  auf  dem 
rechten  Flügel  der  k.  k.  Armee. 

Durch  die  Vorrückung  des  k.  k.  IV.  und  II.  Corps  gegen  den  Swiep-Wald 
hatte  der  österreichische  rechte  Flügel,  statt  gemäß  der  Schlacht-Disposition  in  der 
Hakenstellung  Front  gegen  Norden  zu  behalten,  eine  Schwenkung  gegen  Westen 
vollzogen.  Infolge  dessen  wurden  die  wichtigen  Zugänge  von  Königinhof  über 
Hofenowes,  Racic,  Sendrasic  und  Trotina  gegen  Königgrätz  nicht  mehr  von  der 
Front  des  rechten  Flügels  der  k.  k.  Armee  beherrscht,  sondern  lagen  nun  offen  in 
d^ren  rechter  Flanke  und  Rücken  da.  Gerade  gegen  diese  Zugänge  aber  rückten 
die  Colonnen  der  kronprinzlichen  II.  Armee  von  Königinhof  —  an  den  Teten  die 
1 .  Garde-Division  und  das  VI.  Corps  —  heran. 

Das  Annee-Commando  hatte  zwar  auf  die  Meldung  der  Festung  Josefstadt 
über  den  Anmarsch  des  Kronprinzen  das  k.  k.  IV.  und  II.  Corps  wiederholt  in  die 
ursprüngliche  Aufstellung  zurückbeordert.  Während  aber  die  beiden  Corps  den 
anbefohlenen  Rückmaisch  vollzogen,  nahmen  bereits  preußische  Gardetruppen 
nach  heftigem  Geschützkampfe  die  wichtige  Höhe  von  Horenoves  in  Besitz.  Der 
Stoß  des  Feindes  gierig  sodann  unaufhaltsam  gegen  die  nördliche  Flanke  und 
Rückzugslinie  des  rechten  Flügels  der  k.  k.  Armee,  welcher  infolge  dessen,  trotz 
tapferer  Gegenwehr  der  einzelnen  Brigaden  und  Regimenter,  größtenteils  auf- 
gerollt und  hinter  die  Linie  Nedelist-Chlum  zurückgeworfen  wurde,  so  dass  dessen 
Verbindung  mit  dem  Centrum  verloren  gierig  und  die  rechte  Colonne  der 
preußischen  II.  Armee  mit  ihrer  Spitze  von  Hofenoves  über  Masloved  unauf- 
gehalten  und  fast  unbemerkt  bis  Chlum  gelangen  konnte.  Von  Chlum  ans 
überschüttete  die  preußische  Garde,  völlig  überraschend,  das  österreichische 
Centrum  im  Rücken  mit  verheerendem  Schnellfeuer.  Die  nächststehenden 
Regimenter  des  Centrums  warfen  sich  mit  rasch  verkehrter  Front  stürmend  auf 
Chlum.  Die  Batterie  7/VIll  von  der  Geschütz-Reserve  des  III.  Corps,  ebenfalls 
nach  rückwärts  bis  auf  Kartätschendistanz  an  Chlum  anfahrend,  opferte  sich  voll- 
ständig, um  den  Frontwechsel  des  Contrums  zu  ermöglichen.  Währenddem  drang 
aber  die  preußische  Garde,  durch  ihr  Schnellfeuer  die  attaquierenden  Kaiser- 
(Jhlanen  und  Kaiser- Kürassiere  aufreibend,  bis  Rozbefic.  Auch  die  darauf  folgenden 


Digitized  by  Google 


CLXIV.  bu  CLXVLU.  Promotion. 


todesmuthigen,  in  dichten  Massen  erfolgenden  Angriffe  der  österreichischen  Armee- 
Reserve  zur  Rückeroberung  von  Chlum  und  Rozbefic  scheiterten. 

Damit  war  die  Schlacht  zum  Nachtheile  der  k.  k.  Armee  entschieden.  Es 
inusste  Befehl  zum  Rückzüge  gegeben  werden. 

Durch  das  heldenmüthige  Ausharren  der  k.  k.  Armee-Geschütz-Reserve  und 
das  tapfere  Eingreifen  der  k.  k.  Reserve-Cavallerie,  welche  jene  des  Feinde? 
zurückwarf,  wurde  dem  Nachdrängen  der  Preußen  noch  auf  dem  Schlachtfelde 
selbst  halt  geboten. 

Die  Nord-Armee  zog  sich  durch  und  nächst  Königgrätz  über  die  Elbe  und 
sodann  in  der  Hauptrichtung  Holic-Hohenmauth  zurück. 

Schon  vor  der  Schlacht  bei  Königgrätz,  am  2.  Juli,  waren  von  Seite  Öster- 
reichs durch  Vermittlung  Frankreichs  Verhandlungen  behufs  Abschluss  eines 
Waffenstillstandes  mit  Italien  auf  Grundlage  freiwilliger  Abtretung  Venetiens 
eingeleitet  worden.  Am  Tage  nach  der  Schlacht,  4.  Juli,  wurden  auch  Unterhand- 
lungen mit  Preußen  wegen  eines  Waffenstillstandes  angeknüpft. 

Während  der  Verhandlungen  vollzog  sich  die  Rückzugsbewegung  der  Nord- 
Armee  vom  4.  Juli  an  in  drei  Golonnen  auf  den  Parallel-Communicationen  über 
Zwittau,  Mährisch-Trübau  und  Landskron  ostwärts  aufOlmütz. 

Nur  ein  kleiner  Theil  der  Armee  nahm  am  5.  und  6.  Juli  behufs  Deckung 
Wiens  Richtung  gegen  Süden.  Es  waren  dies  4  Cavallerie-Divisionen,  zu  einem 
Gavallerie-Gorps  unter  Gommando  des  FML.  Prinzen  von  Holstci  n  vereinigt,  welche 
über  Brünn  und  Trebitsch  gegen  die  Donau  zurückgiengen,  dann  das  X.  Armee- 
Corps  unter  FML.  Gablenz,  welches  am  8.  Juli  von  Lettowitz  mittels  Eisenbahn 
abtransportiert  wurde,  um  den  Brückenkopf  von  Floridsdorf  zu  besetzen. 

Auf  Seite  der  Preußen  marschierte  die  I.  und  die  Elbe-Armee  auf  der 
kürzesten  Linie  Pardubic  -  Trebitsch  -  Znaim  gegen  Wien,  während  die 
II.  Armee  hinter  der  k.  k.  Nord-Armee  gegen  Olmütz  nachrückte. 

Nach  kleinen  Zusammenstößen  mit  preußischen  Gavallerie-Abtheilungen, 
und  zwar  am  7.  Juli  bei  Zwittau,  am  8.  bei  Abtsdorf  und  Rudelsdorf,  traf 
die  k.  k.  Nord-Armee  im  Laufe  des  10.  und  11.  Juli  bei  Olmütz  ein.  wo  den 
Truppen  einige  Tage  der  Ruhe  und  Rast  gegönnt  wurde. 

Inzwischen  hatte  FM.  Erzherzog  Albrecht  bereits  am  5.  Juli,  vom  Kriegs- 
schauplatze in  Italien  aus,  über  die  Kriegslage  im  Norden  sein  Urtheil  in  seinem 
denkwürdigen  Telegramm  an  Seine  Majestät  den  Kaiser  dahin  abgegeben,  dass 
die  Niederlage  der  Nord-Armer  zwar  ein  großes  Unglück,  deswegen  aber  noch 
nichts  verloren  sei.  Nachdem  auch  die  Waffenstillstands-Unterhandlungen  kein 
annehmbares  Resultat  erwarten  ließen,  vielmehr  Preußen  gegenüber  Italien 
auf  energische  Fortsetzung  des  Krieges  drang  und  letzteres  selbst,  trotz  Gustozza 
auf  territoriale  Erwerbungen  außer  Venetien  Anspruch  erhob;  so  gab  es  dank 
dem  Heldensinn  des  Siegers  von  Gustozza  —  trotz  der  Niederlage  von  König- 
grätz —  nur  das  eine  Losungswort  in  ganz  Österreich:  den  Kampf  bis  zum 
äußersten  fortzusetzen. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italieb  1866,  u.  zw.  gegen  Preußen. 


33  t 


Schon  am  4.  Juli  war  die  Absendung  des  V.  Corps  aus  Venetien  nach 
Norden  angeordnet  worden.  Am  9.  Juli  wurde  über  telegraphi sehen  Vorschlag 
des  Erzherzogs  Albrecht  aus  Vicenza  behufs  wirksamer  Verlheidigung  des 
Reiches  die  Goncentrierung  sümmtlieher  verfügbaren  Streitkräfte  an  der  Donau 
eingeleitet  und  zunächst  am  10.  das  k.  k.  III.  und  ein  Theil  des  königlich 
sächsischen  Corps  von  Olmütz,  dann  am  11.  das  IX.  Corps  und  die  Cavallerie- 
Brigade  Pulz  aus  Venetien  an  die  Donau  in  Marsch  gesetzt. 

Am  10.  Juli  erließKaiser  Kranz  Joseph  I.  ein  Manifest  an  Seine  Völker,  welches 
die  Fortsetzung  des  Kampfes  bis  zum  äußersten  feierlich  verkündete. 

Am  11.  Juli  ernannte  der  Oberste  Kriegsherr  den  FM.  Erzherzog 
Albrecht  zum  Ober-Commandanten.  den  FML.  Frh.  von  John  zum  Chef  des 
Generalstabes  der  gesammten  operierenden  Armee.  Mittels  eines  die  Geisler 
aufrichtenden  und  zu  neuem  Kampfesmuth  entflammenden  Armee-Befehles  trat 
der  heldenmüthige  Sieger  von  Custozza  am  13.  Juli  den  Oberbefehl  in  Wien  an. 

Die  k.  k.  Streitkräfte  waren  um  diese  Zeit  folgendermaßen  vertheilt,  und  zwar 

im  Norden: 

Streitbarer  Stund 

Bei  OlmiHz  von  der  Nordarmee  das  I..  It.,  IV.,  VI.,  VIII.  Corps,  die 

2.  leichte  Cavallerie  Division,  Armee  Gtschütz-Reserve  92.126  Mann.  364  Gesell. 

I  in  Transport  per  Balm  von  Olmütx  nacb  Wien  das  III.  und  sächsische  Corps  41.254     „     1116  r 

Im  Rückzüge  von  der  Thaya  auf  Wien  das  Cavallerie-Corps   9.400  72 

Bei  Wien  und  Lundenhurg  das  X.  Armee-Corps   16.700     ,       ."6  , 

Im  Anmärsche  aus  Venetien  nach  Wien  das  Gros  der  Süd- Anne»-,  V.  und 

IX  Corps  und  die  Cavallerie-Brigade  Pulz   57.847     ,     120  . 

Als  Festungs-ßesatzungen  in  Olmütz,  Krakau,  Theresienstadt,  Josefstadl, 

KöniggriUz   ■   40.943     „      40  . 

Zusammen  im  Norden  .  258.270  Mann,  758  Gesch. 

im  Süden: 

Strottbamr  Stand 

InTirol  die  Truppen-Division  de«  GM.  Frh.  von  Kuhn  'ohne  Tiroler  Landes- 


verteidigung)  17.152  Mann,  32  Gesch. 

Am  Isonzo  der  Rest  der  Süd-Armee,  nämlich  das  VII.  Corps  unter  FML. 

Frh.  von  Maroicic   27.773     ,  62  . 

Als  Festungs-Besatzungen   in  Verona,  l'eschiera,  Mantua,  Legnugo, 

Venedig   38.259     ,  29  , 

In  Dalmatien  (ohne  Landesvertheidiger)                                                 8.815     ,  16  , 

Zusammen  im  Süden  .  91.999  Mann.  139  Gesch. 


Außerdem  wurden  unter  einem  mit  der  Goncentrierung  der  Hauptmacht  an 
der  Donau  bei  Wien  alle  Depötkörper  ins  Feld  gezogen,  eine  zweite  Rekrutierung 
angeordnet,  der  Landsturm  in  den  vom  Feinde  bedrohten  Gebieten  der  Monarchie 
aufgeboten,  endlich  allenthalben  Freiwilligen-Corps  organisiert,  so  dass  dem  Vater- 
lande in  kürzester  Zeit  150.UO0  bis  160.000  Mann  neuer  Streiter  erstanden. 

Zur  Sicherung  der  Keichshauptstadt  Wien  und  der  Donau- Übergänge 
daselbst  war  am  linken  Ufer  schon  bei  Kriegsausbruch  ein  großer  Brückenkopf 


Digitize^  by  Google 


332 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion. 


in  halbpennanenter  Weise  erbaut  worden.  Derselbe  bestand  aus  einer  circa  22 
Kilometer  langen,  aus  30  Batterien  und  Schanzen  gebildeten  Befestigungslinie,  die 
im  Bogen  vom  Bisamberge  bis  zur  Lobau  reichte  und  innerhalb  welcher  als 
Noyau  die  zwei  Brückenköpfe  bei  Floridsdorf  und  Stadlau  mit  zusammen 
14  Werken  die  Donau-Brücken  bei  diesen  beiden  Orten  deckten.  Am  rechten 
Ufer  waren  überdies  Uferbatterien  angelegt.  Die  Armierung  des  Brückenkopfes 
bestand  aus  400  Geschützen,  Zur  Besatzung  waren  nach  der  Schlacht  bei 
Königgrätz  3  Brigaden  des  X.  Corps  herangezogen  worden. 

Das  Cavallerie-Corps  war  inzwischen,  einen  breiten  Raum  deckend,  in  vier 
Golonnen,  mit  dem  rechten  Flügel  über  Brünn  und  dem  linken  über  Trebitsch 
in  steter  Fühlung  mit  dem  nachrückenden  Gegner  und  nur  dessen  Drucke 
weichend,  langsam  südwärts  zurück  gegangen.  Dasselbe  erreichte  so  am  12.  die 
Thayaund  überschritt  am  18.  die  Donau  bei  Wien.  Es  hatte  während  dieser 
ganzen  Operation  zahlreiche  Zusammenstöße  und  Gefechte  mit  dem  nachdrängen- 
den Gegner  bestanden  und  hiebei  den  alten  Ruhm  und  die  Tüchtigkeit  der  kaiser- 
lichen Reiterei  bewährt. 

Erzherzog  Albrecht  wies  gleich  nach  Übernahme  des  Ober-Commandos 
den  FZM.  von  Benedek  an,  die  Nord-Armee  am  14.  Juli  gänzlich  nach  Wien  in 
Marsch  zu  setzen,  und  zwar  gedeckt  durch  die  March  über  Pressburg,  bei  feind- 
licher Bedrohung  aber  im  Waagthale  über  Pressburg  oder  Komorn. 

Die  Brigade  Mondel  des  X.  Corps  hatte  bei  Lundenburg  den  Eisenbahn- 
Transport  Olmütz-Wien  zu  sichern. 

Das  IH.  Corps  wurde  nach  seinem  Eintreffen  bei  Wien  am  14.  sofort  in  das 
Tullner  Feld  geschoben,  um  die  Donau  von  Klosterneuburg  stromaufwärts 
bis  Linz  zu  bewachen. 

Nach  dem  Anlangen  des  Caviillerie-Corps  hinter  der  Donau  übernahmen  die 
drei  schweren  Reserve-Cavallerie-Divisionen  und  eine  Brigade  der  leichten  Caval- 
lerie-Division  die  Bewachung  der  Donau  stromabwärts  von  Schwechat  bis 
Hainburg,  während  eine  leichte  Cavallcrie-ßrigade  dem  III.  Corps  zur  Bewachung 
der  Donau  stromaufwärts  bis  Tulln  zugetheilt  wurde. 

Auf  preußischer  Seite  trachtete  die  II.  Armee  (Kronprinz)  von  Prossnitz 
aus  die  k.  k.  Nord-Armee  in  Olmütz  festzuhalten  und  die  Verbindung  derselben 
mit  der  Donau,  sowie  den  Eisenbahnbetrieb  zwischen  Olmütz  und  Wien  zu 
hindern.  Die  I.  und  Elbe- Armee  setzten  ihren  Vormarsch  auf  den  Linien  über 
Lundenburg,  Nikolsburg  und  Znaim  gegen  Wien  fort,  um  die  Concentrierung 
der  österreichischen  Streitkräfte  an  der  Donau  zu  verhindern. 

FZM.  Ritter  von  Benedek  leitete  aber  den  Marsch  der  k-  k.  Nord-Armee,  unter 
wiederholten  Flankenangriffen  seitens  der  preußischen  II.  Armee,  von  Olmütz  über 
die  kleinen  Karpathen  und  das  Waagthal,  sodann  gemäß  weiterer  Befehle  des 
Erzherzogs  Albrecht  derart  an  die  Donau,  dass  die  äußerste  Spitze  —  eint4  Brigade 
—  in  der  Nacht  vom  20.  auf  den  21.  Juli  an  der  Donau  bei  Pressburg  eintraf. 

Inzwischen  hatte  sich  gemäß  tclcgraphischcr  Befehle  des  Erzherzogs 
Albrecht  auch  die  Brigade  Mondel   von  Lundenburg,   unter  mehrfachen 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  PreuAen  und  Italien  1866,  u.  zw.  gegen  Preußen. 


333 


Gefechten  mit  Colonnen  der  preußischen  I.  Armee,  in  die  vortheilhafte  Stellung 
Blumenau-Kaltenbrunn,  nordwestlich  von  Pressburg,  zurückgezogen  und 
dieselbe  am  Abende  des  18.  Juli  besetzt,  um  den  Donau-Obergangspunkt  bei 
Pressburg  sichern  zu  helfen. 

Demgemäß  hatten  die  k.  L  Streitkräfte  in  Norden  am  21.  Juli  folgende  Auf- 
stellung: 

Am  rechten  Donau-Ufer  zwischen  Krems  und  Hainburg  und  im  Wiener 
Brückenköpfe  4  Armee-Corps  (III.,  V.,  IX.,  X.)  und  4  Cavallerie-Divisionen,  außerdem 
ein  Theil  der  sächsischen  Truppen; 

im  Waagthale  bei  Neustadtl  das  Gros  der  Nord-Armee  mit  3  Corps  (I.,  VI., 
VIII.),  1  sächsischen  Infanterie-  und  der  k.  k.  2.  leichten  Cavallerie-Division; 

außerdem  zur  Deckung  der  Rückzugslinie  der  Nord-Armee  (hinter  den  kleinen 
Karpathen)  2  Corps  und  zwar  das  IV.  bei  Nädas,  das  II.  und  die  sächsische  Reiter- 
Division  nebst  der  Brigade  Mondel  bei  Pressburg. 

Um  dieselbe  Zeit,  am  21.  Juli,  war  das  preußische  Heer  ä  cheoal  der  March 
imDonauthale  angelangt.  Das  Gros  befand  sich  mit  10  Infanterie-  und  2  Caval- 
lerie-Divisionen auf  dem  rechten  March-Ufer  in  dem  Räume  zwischen  der  Thaya 
und  dem  Russbacho,  Front  gegen  den  Wiener  Brückenkopf ;  mit  2  Divisionen 
(IV.  Corps)  am  1  i  n  k  e  n  M  a  r  c h  -  U f  e  r  be i  S  t  a  m  p f  e  n,  im  Vormarsch  gegen  Pressburg. 
Außerdem  standen  2  Infanterie-  und  1  Cavallerie-Division  an  der  mittleren 
March  bei  Strassnic  und  Skalic  gegen  die  Nord-Armee;  endlich  beobachteten 
2  Infanterie-Divisionen  Ol  mutz  und  1  Division  die  böhmischen  Festungen;  ver- 
schiedene feindliche  Heerestheile  waren  vom  Norden  —  Böhmen  und  Schlesien  — 
im  Nachrücken  begriffen. 

Als  nächstes  Operationsziel  der  preußischen  Heeresleitung  galt,  sich  Press- 
burgs  als  eines  eventuellen  Donau-Überganges  zu  bemächtigen. 

In  Voraussicht  des  feindlichen  Operationsplanes  hatte  jedoch  Erzherzog 
Alb  recht  den  Rückzug  der  k.  k.  Nord- Armee  von  Olmütz  nach  Pressburg  in 
der  Weise  geleitet,  dass  bei  Press  bürg  außer  der  Brigade  Mondel  auch  das  k.  k. 
II.  Corps  und  die  sächsische  Reiter-Division  dem  Feinde  entgegentreten  konnten, 
während  41/,  Corps  und  1  Cavallerie-Division  aus  dem  Waagthale  derart  im 
Anmärsche  waren,  dass  sie  bei  Pressburg  zuverlässig  vor  größeren  feindlichen 
Streitkräften  eintreffen  mussten. 

Inzwischen  führte  die  seit  dem  5.  Juli  durch  Frankreich  angestrebte  Vermitt- 
lung nach  langwierigen  diplomatischen  Verhandlungen  am  21.  zur  Vereinbarung 
eines  Waffenstillstandes  zwischen  den  beiderseitigen  Hauptarmeen  an  der 
Donau,  welcher  am  22.  mittags  zu  beginnen  und  vorläufig  fünf  Tage  zu  währen 
hatte.  Während  dieser  Zeit  sollton  in  Nikolsburg  die  Friedens-Präliminarien  fest- 
gestellt und  auch  Italiens  Beitritt  zu  denselben  bewirkt  weiden. 

Ganz  wider  Erwarten  führte  aber  auch  der  Abschluss  dieser  Waffenruhe  mit 
Preußen  nicht  sofort  auch  zur  thatsächlichen  Einstellung  der  Feindseligkeiten.  In 
den  letzten  Stunden,  die  dem  Eintritte  der  Waffenruhe  vorangierigen,  machte  die 
preußische  Armee  rasch  noch  einen  Versuch,  sich  Pressburgs  zu  bemächtigen, 


Digitized  by  Google 


334 


CLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion. 


und  sich  dadurch,  falls  die  Friedensverhandlungen  fehlschlügen,  dieses  wichtigen 
Donau-Übergangspunktes  zu  versichern. 

Am  22.  Juli  griff  das  preußische  IV.  Corps  von  Stampfen  die  verstärkte 
Brigade  Mondel  in  der  Stellung  von  Blumenau-Kaltenbrunn  an.  Es  ent- 
wickelte sich  ein  blutiges  Treffen,  in  welchem  die  Brigade  Mondel  trotz  Obennacht 
des  Gegners  ihre  Stellung  behauptete.  Einer  um  den  rechten  Flügel  der  Brigade 
Mondel gegenPressburg  dirigierten  preußischen Umgehungs-Colonne  wurde  durch 
das  II.  Goips  vor  Press  bürg  Halt  geboten.  Darauf  erst  erfolgte  mittags  die  Ein- 
stellung der  Feindseligkeilen.  Pressburg  blieb  im  Besitz  des  k.  k.  II.  Corps. 

Wahrend  der  Verhandlungen  in  Nik Olsburg  setzten  die  Preußen  ihre  auf 
eine  eventuelle  Forcierung  des  Donau-Überganges  und  auf  den  Angriff  der  Florids- 
dorfer  Schanzen  abzielenden  Vorbereitungen  mit  allem  Eifer  fort. 

Aber  auch  Erzherzog  Albrecht  traf  für  den  Fall,  dass  diese  Verhandlungen 
zu  keinem  Resultate  führen  sollten,  alle  Maßnahmen,  um  nach  Ablauf  der  Waffen- 
ruhe zur  Abwehr  eines  feindlichen  Strom-Überganges  bereit  zu  sein. 

So  wurde  bei  den  auf  dem  rechten  Donau-Ufer  aufgestellten  Streitkräften 
eine  Verschiebung  stromabwärts  gegen  Pressburg  vorgenommen. 

Gleichzeitig  beschleunigte  über  neuerlichen  Befehl  des  Erzherzogs  Albrecht 
FZM.  von  Benedeie  seinen  Rückmarsch  derart,  dass  in  der  Zeit  vom  25.  bis  27.  Juli 
vormittags  das  I.,  II.,  IV.,  VI.  und  VIII.  Armee-Corps,  dann  die  2.  leichte  Cavallerie- 
Divisiou  nebst  dem  Reste  deskönigl.  sächsischen  Corps  die  Donau  bei  Pressburg 
überschritten,  demnach  die  gesammten  k.  k.  Streitkräfte  im  Norden  nunmehr  an 
der  Donau  bei  Wien  vereinigt  waren. 

Nachdem  damit  der  durch  denKrzherzogAlbreclit  anbefohlene  Rückzug  der 
Nord- Armee  von  Olmütz  hinter  die  Donau  vollbracht  war,  legte  FZM.  von  Benedek 
das  Commando  nieder  und  die  bis  dahin  unter  seinem  Befehle  gestandenen 
Truppen  traten  unter  den  unmittelbaren  Befehl  des  Erzherzogs  Albrecht,  welcher 
auf  diese  Weise  die  Süd-  und  Nord- Armee  aus  Italien  und  Böhmen  an  der 
Donau  bei  Wien  binnen  14  Tagen  concentriert  hatte. 

Die  am  27.  Juli  an  der  Donau  verwendbaren  österreichischen  Streitkräfte 
betrugen  an  Streitbaren  202.782  Mann  Infanterie,  20.894PI'erde  und  800Geschütze, 
wozu  im  Laufe  des  27.  und  28.  noch  12.000  Mann  Ergänzungen  hinzutraten.  Mit 
Ausnahme  von  3  Brigaden  des  X.  Corps,  welche  die  Besatzung  des  Brücken- 
kopfes zu  bilden,  dann  1  Infanterie-  und  1  Cavallerie-Brigade,  welche  theils  die 
Donau  von  Wien  aufwärts  bis  Tulln-Krems  zu  bewachen,  theils  am  linken  Donau- 
Ufer  gegen  die  Verbindungen  der  preußischen  Armee  zu  wirken  hatten,  konnte  die 
ganze  k.  k.  Armee  an  einer  eventuell  zwischen  Wien  und  Pressburg  zu  liefern- 
den Schlacht  theilnehmen  und  in  derselben  mit  190.000  Mann  Infanterie, 
17.000  Reitern  und  800  Geschützen  auftreten. 

Auf  preußischer  Seite  konnten  bei  Wiedereröffnung  der  Feindseligkeiten  im 
günstigsten  Falle  218.000  Mann  auf  dem  linken  Donau-Ufer  vereinigt  und  —  nach 
Abschlag  der  zur  Beobachtung  des  Floridsdorfer  Brückenkopfes,  sowie  zur  Siche- 
rung des  eventuellen  Übergangspunktes  erforderlichen  48.000  Mann  —  höchstens 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866,  u.  zw.  gegen  Preußen. 


335 


1 70.000  Mann  zur  Bekämpfung  der  auf  dem  rechten  Donau-Ufer  conccntrierten 
österreichischen  Streitkräfte  verwendet  werden. 

Im  ganzen  war  somit  die  kaiserliche  Armee  der  ihr  eventuell  zufallenden 
Aufgabe,  die  Donaulinie  zu  vertheidigen,  wohl  gewachsen,  l.'berdies  standen  der 
Erzwingung  des  Stromüberganges  durch  den  Gegner  bedeutende  taktische  Hinder- 
nisse im  Wege.  Zudem  hatten  sich  die  strategischen  Verhältnisse  des  preußischen 
Heeres  durch  dessen  Vorrückung  bis  an  die  Donau  und  durch  die  Vertheidigungs- 
Maßnalimen  der  Monarchie  in  Böhmen,  Mähren  und  Schlesien  erheblich  ungünstiger 
gestaltet.  Das  Ausschlaggebende  war  aber  die  Schlagbereitschaft  einer  über 
200.000  Mann  starken  Armee  unter  dem  bewährten  erlauchten  Feldherrn  an  der 
Donau. 

Das  Wort  des  Erzherzogs  Albrecht,  welches  er  in  seinem  Abschiedsbefehl  an 
die  Süd-Armee  am  12.  Juli  gerichtet,  es  gelte  der  Welt  zu  zeigen,  dass  Österreichs 
Kraft  trota  Königgrätz  ungebrochen  erst  dem  eigentlichen  Entscheidungskampf 
entgegengehe,  —  dieses  heldensinnigc  Wort  war  zur  achtunggebietenden  That 
geworden,  welche  viel  dazu  beitrug,  um  die  preußische  Heeresleitung  den  Abschuss 
von  Friedens-Präliminarien  einem  ernstlichen  Versuche,  den  Einzug  in  die  Kaiser- 
stadt zu  erzwingen,  vorziehen  zu  lassen. 

Allerdings  lagen  auch  für  Österreich  zahlreiche  und  gewichtige  Gründe  vor, 
um  auf  die  Fortsetzung  des  so  ungleichen  Kampfes  gegen  zwei  Gegner  unter  den 
ungünstigsten  Kriegsverhältnissen  zu  verzichten  und  auf  die  von  Seite  des  Kaisers 
Napoleon  III.  formulierten  Vorschläge,  welche  den  Verhandlungen  über  die 
Friedens-Präliminarien  zugrunde  gelegt  wurden,  einzugehen. 

So  war  das  Treffen  von  Blumenau  am  22.  der  letzte  Kampf  dieses  Krieges 
auf  dem  Kriegsschauplatze  im  Norden.  Trotz  der  von  beiden  Seiten  bereits 
getroffenen  umfassenden  Dispositionen  und  Vorbereitungen  wurden  nach  Ablauf 
der  fünftägigen  Waffenruhe  am  27.  Juli  die  Feindseligkeiten  nicht  wieder  eröffnet, 
sondern  die  inzwischen  vom  22.  bis  20.  in  Nikolsburg  zwischen  Österreich  und 
Preußen  festgestellten  Friedens-Präliminarien  sammt  Waffenstillstands-Convention 
ratificiert.  Damit  war  der  Krieg  im  Norden  beendet. 

Österreich  trat  aus  dem  Deutschen  Bunde  und  willigte  in  die  Annexion 
Schleswig-Holsteins  durch  Preußen,  sowie  in  die  durch  letzteres  vorzunehmende 
Neugestaltung  Deutschlands  ein,  jedoch  mit  der  Bedingung,  dass  der  Territorial- 
Bestand  des  verbündeten  Königreichs  Sachsen  gewahrt  bleibe. 

Aus  dem  Kriege  gegen  Preußen  erstanden  dem  Maria  Theresien-Orden,  außer 
einem  Hilter  in  der  Person  des  erlauchten  Führers  der  tapferen  königlich  säch- 
sischen Armee.  2  Ritter  aus  den  Reihen  des  k.  k.  Heeres,  während  die  Manen 
zweier  Tapferen,  die  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen  waren,  durch  deren  post 
mortem  in  den  Orden  erfolgte  Aufnahme  geehrt  wurden. 


Digitized  by  Google 


in»  vJATLlL  Promotion.  —  Im         ?on  [Htm.  — 


v  >r  tit^  Maria  Theresien-Orden* 
1 1W«  rmWrr  Kiebel  tob  TreueMcfcwtrt. 

*  .  Fücinis  »u»  dem  Jahre  1866.) 

:         r^hwert  wurde  am  28.  Mai  1817  zu  Essegg  in 
.    N  erlogen  und  am  27.  September  1S37  aus  der  k.  k. 
r    \\~  ~ uer-Neustadt  zum  51.  Infanterie-Regiment  als 
».■"  !  November  1838 zun;  i"n terlieutenant  II.  Classe. 
■•■  'i -i.tnt  I.  Glasse  br^'.^rL  wurde  er  am  20.  Xo- 
^ .  i     .'•    °r  Beförderung  zum  Gberlieutenant  zum 
v  ■■  >:Vriert. 

v-  i  -    7i    ".t  1S4S/49  machte  er  als  Generalstabsofficier 
-         • ,  Erstürmung  von  Castelnuovo  am  11.  April, 
ri  i  '  v  M:ii,  den  Angriff  auf  die  verschanzten  Linien 
i         :  t  i  ,i:u  29.  Mai  und  —  spcciell  mit  der  Brigade 
wi' ■:::o  von  Vicenza  am  10.  Juni,  bei  welch 
S  '  :>>  in  den  linken  Fuß  verwundet  wurde. 
>       .  •  <  v  bv  Vierung  zum  Hauptmann. 
^  ;-'\tmi  Knebel  als  Generalstabschef  der 

\         :i    v  :  an  der  Beschießung  und  Erstürmung 
^  »  <-  i  :t  dorn  Angriff  auf  die  Stadt  selbst  am 
.      .  „  •     t .;'  Bologna  vom  8.  bis  16.  Mai.  endlich 
*  ■      Au co na  vom  24.  Mai  bis  zum 

^  -i  ti  (vn/ge  wurde  Hauptmann  Knebel 

i    i  fveone  III.  Classe  und  am 
-  v  •■•  i '  tusg^eichnet. 
v  t  't  •         wur'itf  Ritter  von  Knebel  am 

>!••?••!  vi  iftn  VlU.  Armee-Corps 
v  v         . •     ,     -i  i^  um  Adjutanten-Corps, 

-       iteuant  vorrückte. 
\-.. ■:  ti  »ersten. 

ü  ItaJieo  1859  war  er 
i      ■    i,  sodann  der  mobilen 


-  vv  mtt  Landes-General- 
v  Kavgs-Evklenz  des 

...     <»i    .:n  Vorstand  der 
vCTtral-Commandos 
nS-^V  transferiert  und 


Digitized  by  Co 


Digitized  by  Google 


336  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  1866.  -  Böhmen. 

Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Albert  Freiherr  Knebel  too  Treuenschwert. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1866.) 

Knebel  Edler  von  Treuenschwert  wurde  am  28.  Mai  1817  zu  Essegg  in 
Slavonien  geboren,  militärisch  erzogen  und  am  27.  September  1837  aus  der  k.  k. 
Militär-Akademie  in  Wiener-Neustadt  zum  51.  Infanterie-Regiment  als 
Fähnrich  ausgemustert.  Am  1.  November  1838  zum  Unterlieutenant  II.  Classe, 
am  1.  Juni  1842  zum  Unterlieutenant  I.  Classe  befördert,  wurde  er  am  20.  No- 
vember 1846  unter  gleichzeitiger  Beförderung  zum  Oberlieutenant  zum 
General-Quartiermeister-Stabe  transferiert. 

Den  Krieg  gegen  Piemont  1848/49  machte  er  als  GeneralstabsofRcier 
mit,  und  zwar  im  Feldzuge  1848  die  Erstürmung  von  Castelnuovoam  11.  April, 
die  Gefechte  bei  St.  Giustina  am  6.  Mai,  den  Angriff  auf  die  verschanzten  Linien 
vonCurtatone  und  Montanara  am  29.  Mai  und  —  spcciell  mit  der  Brigade 
GM.  Fürst  Thurn-Taxis  —  die  Einnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni,  bei  welch 
letzterem  Kampfe  er  durch  einen  Schuss  in  den  linken  Fuß  verwundet  wurde. 

Am  1.  Juli  1848  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Hauptmann. 

Im  Feldzuge  1849  nahm  Hauptmann  Knebel  als  Generalstabschef  der 
Truppen-Division  FML.  Graf  Wimpffen  theil  an  der  Beschießung  und  Erstürmung 
des  Brückenkopfes  von  Casale,  sowie  an  dem  Angriff  auf  die  Stadt  selbst  am 
24.  und  25.  März,  ferner  an  dem  Angriffe  auf  Bologna  vom  8.  bis  16.  Mai.  endlich 
an  der  Einschließung  und  Beschießung  von  Ancona  vom  24.  Mai  bis  zum 
18.  Juni. 

Für  seine  tapferen  Leistungen  in  diesem  Kriege  wurde  Hauptmann  Knebel 
am  14.  Juli  1849  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe  und  am 
4.  Jänner  1850  mit  dem  Militär- Verdienstkreuz  ausgezeichnet. 

Am  5.  November  1850  zum  Major  befördert,  wurde  Ritter  von  Knebel  am 
IC».  November  desselben  Jahres  zum  Corps-Adjutanten  bei  dem  VIII.  Armee-Corps 
ernannt.  Am  1.  Februar  1856  erfolgte  seine  Transferierung  zum  Adjutanten-Corps, 
in  welchem  er  am  1.  Mai  desselben  Jahres  zum  Oberstlieutenant  vorrückte. 

Am  28.  April  1859  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Obersten. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  1859  war  er 
zuerst  Adjutant  bei  dem  Militär-Gouvernement  in  Mailand,  sodann  der  mobilen 
Arrnee-Ober-Intendanz  beigegeben. 

Am  1.  November  1859  zum  Sectionschef  des  Brünner  Landes-General- 
Commando  ernannt,  wurde  er  am  1.  Jftnner  1861  in  die  Rangs-Evidenz  des 
58.  Infanterie-Regiments  eingetheilt,  am  11.  Ortober  1862  zum  Vorstand  der 
vereinigten  ersten  und  dritten  Abtheilung  des  Brünner  Landes-General-Commandos 
ernannt,  am  9.  Dccember  1862  zum  General-Quartiermeister-Stabe  transferiert  und 
arn  11.  Juni  1866  zum  Generalmajor  befördert. 


Digitized  by  Google 


tized  by  Google 


Digitized  by  Go 


Digitized  by  Google 


ff 

J/  '" 


TRAUTF.NAU.  S7.  JUNI  1866       i^  vm  ■ 

IttjcV.  vr  Karg 


HilUr  de»  M.  V.  O.  Albert  Freiherr  v.l.  KtieU-l. 


337 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1806  machte  er  den 
Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee,  und  zwar  als  Brigadier  im  X.  Armee- 
Corps  mit. 

In  dem  Treffen  bei  Trautenau  am  27.  Juni  trug  GM.  Ritter  von  Knebel 
mit  seiner  Brigade  wesentlich  zu  der  siegreichen  Entscheidung  des  Tages  bei. 

Wahrend  das  Gros  der  Nord-Armee  den  Flankenmarsch  von  Mähren  nach 
Böhmen  vollführte,  hatte  nebst  dem  VI.  auch  das  X.  Corps  diese  Operation  zu 
decken,  letzteres  zu  diesem  Behufe  naeh  Trautenau  vorzurücken  und  daselbst 
Stellung  zu  nehmen. 

Schon  während  der  Vorrückung  des  X.  Corps  leitete  die  vorausgesendete 
Brigade  Mondel  gegen  das  anmarschierende  preußische  1.  Corps  südlich  von 
Trautenau  den  Kampfein.  Suceessive  nahmen  auch  die  Brigaden  Grivicic  und 
Wimpffen  an  dem  Gefechte  theil. 

Die  Brigaden  Mondel  und  Grivicic  trachteten  im  Laufe  des  Tages,  trotz  großer 
Verluste  erfolglos,  sich  in  den  Besitz  des  Höhenzuges  von  St.  Johann  zu  setzen, 
welcher  im  Süden  von  Trautenau  von  Osten  gegen  Westen  streicht,  auf  dem 
Kamme  theilweise  bewaldet  und  vom  Feinde  stark  besetzt  war.  Auch  die  Brigade 
Wimpffen  machte  vergebliche  Anstrengungen,  die  Höhe  von  St.  Johann  zu  nehmen. 

Mittlerweile  marschierte  GM.  Ritter  von  Knebel  mit  seiner  Brigade  bis  gegen 
Hohen  brück  vor.  Er  hatte  vom  Corps-Commandanten  FML.  Frh.  von  Gablenz 
den  Befehl  erhalten,  sich  mit  seiner  Brigade  zwischen  Neu-Rognitz  und  Hohen- 
bruck  li  dural  der  Straße  als  Reserve  aufzustellen.  Zwischen  4  und  5  Uhr 
nachmittags  bei  Hohenbruck  eingetroffen,  bewirkte  er  dort  den  Aufmarsch, 
begab  sich  aber  für  seine  Person  weiter  gegen  Trautenau  vor,  um  sich  über  die 
Terrain-  und  Gefechtsverhältnisse  zu  orientieren. 

GM.  Ritter  von  Knebel  erkannte  sofort,  dass  von  dem  Besitze  jener  Höhe, 
auf  welcher  die  Kapelle  St.  Johann  steht,  wegen  deren  dominierender  Lage,  der 
Besitz  des  ganzen  von  den  Preußen  besetzten  Höhenzuges  abhieng.  Bei  dieser 
Recognoscierung  machte  GM.  Ritter  von  Knebel  gleichzeitig  aber  auch  die  beun- 
ruhigende Wahrnehmung,  dass  der  um  jene  Zeit  durch  das  Infanterie-Regiment 
Erzherzog  Stephan  unternommene  letzte  Sturm  der  Brigade  Wimpffen  vom  Gegner 
abgeschlagen  worden  war  und  dieses  Regiment  unter  großen  Verlusten  zurück- 
wich, mithin  der  Rückzug  des  ganzen  Corps  bevorstand. 

Es  schien  dem  GM.  Knebel  jedoch  von  doppelter  Wichligkeil,  dass  das  erste 
Gefecht  des  Armee-Corps  gegen  die  Preußen  nicht  mit  einem  Rückzüge  ende, 
sondern  von  einem  positiven  Erfolg«1  gekrönt  werde.  Ein  solcher  Erfolg  dünkte  ihm 
nur  dadurch  ermöglicht  werden  zu  können,  dass  die  Reserve  activ  und  offensiv  ins 
Gefecht  eingriff.  Er  beschloss  daher,  ohne  erst  einen  Befehl  abzuwarten,  mit  seiner 
Brigade  vorzurücken  und  die  den  Schlüsselpunkt  der  feindlichen  Stellung  bildende 
Höhe  von  St.  Johann  mit  dem  Bajonnett  anzugreifen.  Unverzüglich  ordnete  er 
auch  demgemäß  die  Vorrüeknng  seiner  Brigade  an. 

Als  rechter  Flügel  gieng  das  28.  Jäger-Bataillon,  welches  schon  von  Neu- 
Rognitz  auf  die  Höhen  in  der  rechten  Flanke  (1er  Brigade  vorgeschoben  worden 

Militärischer  Maria  There^ien-Orilun. 


Digitized  by  Google 


;j;jg  (XXIV.  bi?  CLXVIII.  f'.o.n..lion.  —  Im  Krivav  von  I8fif».  —  Böhmen. 

war.  längs  der  dort  befindlichen  Waldparcellen  gegen  den  südöstlich  der  Kapelle 
gelegenen  Steinbruch  vor. 

Im  Centrum  rückte  das  Regiment  Kaiser  mit  seinen  drei  Bataillonen  in 
geschlossenen  Divisions-Massenlinien  im  ersten  Treffen,  das  Regiment  Erzherzog 
Carl  in  Bataillons-Massen  im  zweiten  Treffen  vor. 

Auf  dem  linken  Flügel  nahm  die  Batterie  3/III  Stellung  und  besehoss  die 
St.  Johann -Kapelle,  um  den  Vormarsch  der  Truppen  zu  protegieren. 

So  rückte  die  Brigade  unter  Führung  des  GM.  von  Knebel  in  der  muster- 
haftesten Ordnung  gegen  die  Höhe  von  St.  Johann  vor,  wo  zwei  preußische 
Bataillone  —  aus  ihren  Zündnadelgewehren  einen  wahren  Kugelregen  vor  sich 
herschleudernd  —  sich  zu  behaupten  suchten. 

Bei  diesem  Angriffe  gerieth  ein  Bataillon  von  Kaiser  in  das  heftigste 
.Schnellfeuer,  verlor  seinen  Commandanten  und  einen  großen  Theil  seiner  Ofliciere 
und  musste  anfänglich  zurückweichen.  Ein  weiterer  Versuch  die  Höhe  zu  nehmen, 
scheiterte  gleichfalls,  da  die  bereits  im  höchsten  Grade  ermüdete  Mannschaft  das 
letzte,  sehr  steile  Stück  nicht  zu  erklimmen  vermochte.  Mitllerweile  gelang  es 
jedoch  den  beiden  anderen  Bataillonen  des  Regiments,  die  Höhe  von  der  west- 
lichen Seite  zu  ersteigen,  ungeachtet  des  feindlichen  Kreuzfeuers  den  Feind  aus 
seiner  Position  zu  werfen  und  die  Kapelle  von  St.  Johann  zu  nehmen. 

Das  Regiment  Erzherzog  Carl  unterstützte  den  Angriff  von  Kaiser-Infanterie 
wesentlich:  es  rückte  so  rasch  und  so  nahe  an  das  erste  Treffen  vor,  dass  ein  Theil 
fast  gleichzeitig  mit  diesem  die  Höhe  erstürmte. 

Das  Jäger-Bataillon  erstürmte  die  östliche  Vorstadt  von  Trauten  au  selbst 
und  drängte  den  Feind  ins  Au pa -Thal  hinaus;  ein  Theil  desselben  stieß  mit  einer 
Division  von  Kaiser-Infanterie,  welche  durch  die  Stadt  Trautenau  vorgedrungen 
war.  zusammen  und  verfolgte  im  Vereine  mit  dieser  den  Feind  bis  Parschnitz. 

Durch  diesen  mit  heldenmüthiger  Tapferkeit  ausgeführten  Angriff  der  Brigade 
Knebel  wurde  das  beinahe  schon  verlorene  Treffen  von  Trautenau  noch  in 
den  letzten  Stunden  des  Tages  in  ein  siegreiches  verwandelt.  Die  Brigaden 
Crivicie  und  Wimpffen  rückten  alsbald  auf  die  Höhen  im  Süden  von  Trautenau 
wieder  vor  und  betheiligten  sich  an  der  Verfolgung.  Die  Brigade  Wimpffen  schob 
Vorposten  bis  auf  die  Höhen  nördlich  von  Trautenau  vor. 

Das  feindliche  I.  Corps  retirierte  bis  Liebau  und  Schömberg  über  die 
Grenze. 

Das  X.  Corps  hatte  auf  diese  Weise  über  den  anfangs  überlegenen,  und  im 
Verlaufe  des  Gefechts  gleich  starken  Gegner  einen  entschiedenen  Sieg  erfochten 
und  diesen  aus  einer  der  vorteilhaftesten  Positionen,  trotz  dessen  weitaus 
besserer  Bewaffnung,  geworfen. 

Zu  diesem  glänzenden  Erfolge  hatte  GM.  Ritter  von  Knebel  wesentlich  bei- 
getragen, und  zwar  nicht  allein  durch  die  ebenso  tapfere  als  umsichtige  Führung 
seiner  Brigade,  sondern  auch  durch  hohen  moralischen  Muth,  indem  er  vor  der 
schweren  Verantwortung  nicht  zurückscheute,  mit  der  Reserve,  ohne  einen  Befehl 
dazu  erhalten  zu  haben,  auf  eigene  Faust  in  den  Kampf  einzugreifen. 


Digitized  by  Google 


Hilter  des  M.  T.-O.  Albert  Freiherr  von  Knebel. 


?>:v.) 


Auf  Grund  der  in  dem  Treffen  bei  Trautenau  am  27.  Juni  lSfiß  voll- 
brachten WafTenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Kranz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  über  Votuni  des  Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  vom  29.  August 
l8of>  den  Genendmajor  Albert  Ritter  von  Knebel  durch  Verleihung  des 
Klei nkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresion-Ordens  zu  promovieren. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Feldzuges  von  18P>6  machte  GM.  Ritter  von  Knebel 
die  Gefechte  bei  Neu-Rognitz  am  28.  Juni  und  bei  Königinhof  am  20.  Juni  mit. 

Bei  dem  Rückzüge  des  X.  Corps  am  29.  Juni  traf  Knebel,  als  er  mit  seiner 
Avantgarde  aus  Königinhof  südlich  debouchierte,  die  ganze  Geschütz-Reserve 
des  Corps  unweit  der  Stadt  in  einen  Park  aufgefahren.  Bei  der  unmittelbaren  Gefahr, 
welche  dieser  Geschütz-  und  Fuhrworksmasse  drohte,  indem  der  nachdrängende 
Feind  auf  den  nördlich  von  Königinhof  gelegenen  Flöhen  jeden  Augenblick 
erseheinen  und  die  Geschütz-Reserve  mit  Geschütz-,  ja  selbst  mit  Kleingewehr- 
Feuer  üherrnschon  konnte,  verfügte  GM.  von  Knebel  wieder  selbständig,  dass 
die  Geschütz-Reserve  sofort  aufbrach  und  auf  die  südlich  von  Königinhof 
liegenden  Höhen  abrückte.  Dabei  ließ  er,  da  Königinhof  bloß  von  einer  Halb- 
brigade besetzt  war.  seine  Brigade  am  südlichen  Ausgange  der  Stadt  so  lange 
hallen,  bis  die  Geschütz-Reserve,  deren  Fuhrwerke  nur  einzeln  aus  dem  Parke 
auf  die  Straße  gelangen  konnten,  völlig  abgefahren  war,  worauf  er  mit  seiner 
Brigade  nachrückte.  Dadurch  hatte  Knebel  die  Geschütz-Reserve  vor  großen 
Verlusten,  wenn  nicht  vor  einer  Katastrophe  bewahrt. 

Seine  Brigade  hatte  hinter  der  Geschütz-Reserve  nämlich  die  Höhe  noch 
nicht  ganz  erstiegen,  als  schon  die  ersten  feindlichen  Geschütz-Projectile  einfielen. 
Daraufhin  ließ  Knebel  auf  der  Höhesowohl  seine  Brigade  als  die  Geschütz-Reserve 
Stellung.  Front  gegen  Königinhof.  nehmen,  und  den  Feind,  nachdem  er  die  Stadt 
genommen  hatte  und  aus  derselben  debouchieren  wollte,  aus  sämmtlichen 
Geschützen  beschießen.  Infolge  dessen  stand  der  Feind  von  weiterem  Nach- 
drängen ab.  GM.  von  Knebel  verharrte  in  seiner  Aufstellung  bis  9  Uhr  abends, 
worauf  er  erst,  durch  Truppen  des  III.  Corps  abgelöst,  den  Rückmarsch  nach 
Dubencc  fortsetzte.  Durch  diese  selbständige  Aetion  Knebels  wurde  nicht  nur, 
wie  erwähnt,  der  Rückzug  der  Geschütz-Reserve,  sondern  jener  des  X.  Corps 
selbst  wesentlich  gefördert. 

In  der  Schlacht  bei  Königgrätz  am  3.  Juli  erhielt  CM.  von  Knebel  bei  Beginn 
des  Rückzuges  von  dem  Corps- Coimmnandanten  FML.  Frh.  von  Gablenz  die 
Weisung,  den  Rückzug  des  X.  Corps  zu  decken.  Er  erblickte  die  wirksamste  Deckung 
wieder  dar  in,  dass  er  dem  siegreich  vorrückenden  Feind  selbst  kämpfend  entgegen- 
gieng  und  ihn  wenigstens  zum  Stehen  zu  bringen  trachtete.  Aus  diesem  Grunde 
sehloss  sich  GM.  Knebel  den  von  Langcnhof  gegen  die  Höhen  von  Chi  um  zum 
Angriffe  vorrückenden  Armee-Reserven,  und  zwar  dem  I.  Corps,  freiwillig  mit  seiner 
Brigade  an.  Er  drang  mit  derselben,  an  das  erste  Tieften  der  Brigade  Lehmigen 
links  angeschlossen,  bis  auf  das  südwestliche  Vorfeld  von  Chi  um  vor  und  gieng 
erst,  als  der  Angriff  der  Reserve  durch  das  verheerende  Geschütz-  und  Infanterie- 
feuer des  Feindes  abgeschlagen  war,  wieder  mit  dem  I.  Corps  zurück,  wobei  eine 

22* 


Digitized  by  Google 


;J10  (XXIV.  hi<  CI.XVIll.  1'roinotimi.  -  Im  Kriege  v.m  |K«fi.  —  H.I.iiivii. 

feindliche  Cavalleric -Attaque  durch  rasche  Formierung  von  Corres  und  ener- 
gischen Feuerkampf  zurückgewiesen  wurde. 

Nach  dem  Kriege,  als  Seine  kaiserliche  königliche  Hoheit  FM.  Erzherzog 
All) recht  das  Armee-Oher-Commando  und  FML.  Frh.  von  John  die  Functionen 
eines  Chefs  des  Generalstabes  der  Armee  übernommen  hatte,  letzterer  dabei  aber 
gleichzeitig  mit  der  Leitung  des  Kriegsministeriums  betraut  worden  war,  wurde 
UM.  Ritter  von  Knebel  zum  Sous-Chef  des  Generalstabes  bei  dem  Armee- 
Oher-Commando  ernannt. 

Am  12.  Februar  18G7  geruhte  Seine  Majest.1t  der  Kaiser  auf  Grund  der 
Statuten  des  Maria  Theresien-Ordens  den  GM.  Albert  Ritter  von  Knebel  in  den 
Freiherrnstand  zu  erheben. 

Am  30.  Jänner  1868  von  dem  Dienstposten  als  Sous-Chef  des  General stabes 
bei  dem  Armee-Oher-Commando  unter  dem  Ausdrucke  der  Allerhöchsten  Zu- 
friedenheit enthoben,  wurde  GM.  Frh.  von  Knebel  am  20.  März  1808  zum 
Brigadier  bei  der  IV.  Truppen-Division,  sodann  am  15.  September  1869  zum  Com- 
mandanten  der  XU.  Truppen-Division  und  Militör-Connnandanten  in  Krakau 
ernannt.  Auf  diesem  Dienstposten  erfolgte  am  26.  April  1871  seine  Beförderung 
zum  Feldmarschall-Lieutenant  und  am  28.December  1876  seine  Ernennung 
zum  Oberst-Inhaber  des  Infanterie-Regiments  Nr.  76. 

Am  20.  Februar  1878  wurde  er  unter  dem  Ausdrucke  der  Allerhöchsten 
Zufriedenheit  für  die  auf  seinem  Commando-Posten  geleisteten  vorzüglichen 
Dienste  zum  Präsidenten  des  Militär-Appellations-Gerichtes  ernannt 
und  ihm  mittels  Allerhöchster  Entschließung  vom  1.  April  1879  die  Würde  eines 
Geheimen  Rat  lies  verliehen. 

Am  11.  April  1881  wurde  FML.  Frh.  von  Knebel  zum  Präsidenten  des 
Obersten  Militär-Gerichtshofes  ernannt  und  ihm  am  20.  October  desselben 
Jahres  infolge  Allerhöchster  Entschließung  in  Anerkennung  seiner  vieljährigen, 
stets  pflichttreuen  Dienstleistung  der  Orden  der  Eisernen  Krone  I.  Classe  mit 
der  Kriegsdecoration  der  dritten  Classe  verliehen. 

Anlässig  seines  fünfzigjährigen  Militär-Dienst-Jubiläums,  welches 
Frh.  von  Knebel  am  22.  September  188Ü  in  voller  Rüstigkeit  und  Geistesfrische 
feierte,  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  ihm  den  Charaktereines  Feldzeug- 
meisters  ad  honorem  z.u  verleihen,  wobei  ihm  gleichzeitig  in  Anerkennung  seiner 
während  eines  halben  Jahrhunderts  im  Kriege  und  im  Frieden  geleisteten  hervor- 
ragenden Dienst. •  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt 
gegeben  wurde. 

Am  12.  Marz  1890  wurde  FZM.  Frh.  von  Knebel  aufsein  Ansuchen  in  den 
Ruh  «stand  versetzt  und  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  ihm  bei  diesem 
Anlasse  in  Anerkennung  seiner  langen,  stets  hervorragend  pllirhlgetreuen,  im 
Kriege  wie  im  Frieden  ausgezeichneten  Dienstleistung  das  Großkreuz  des 
Leopold-Ordens  zu  verleihen. 


Digitized  by  Google 


Ritter  de*  M.  T.  O.  Rudolph  Freiherr  Wagiier  von  Welirhorn. 


Rittor  des  Maria  Theresien-Ordens 
Rudolph  Freiherr  Wagner  von  Wehrborn. 

(Mit  Bildnis  aus  dein  Julm*  1$G<>.) 

Rudolph  Wagner  wurde  zu  Wien  im  Jahre  1815  geboren  und  trat  schon  im 
jugendlichen  Alter,  am  10.  August  1832,  bei  dem  3.  Kürassier-Regiment  als 
Cadet  ein.  Am  1.  Juni  1835  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Un terli eutenaut, 
am  1.  August  1840  zum  Obellieutenant,  am  10.  August  1847  zum  Ritt  meist  et- 
il. Classe. 

Im  Jahre  1848  kämpfte  er  bei  der  Einnahme  von  Wien  vom  28.  bis 
31.  Octobcr,  sodann  in  Ungarn  in  dem  Gefecht«1  bei  Friedau  am  8.  November. 

Im  Jahre  1849  machte  er  den  Feldzug  in  Ungarn  mit.  und  zwar  das  Gefecht 
von  Feterwardein  und  Kamenitz  am  29.  Marz,  dann  den  Angriff  auf  die  Vor- 
st jidt  und  Meierhöfe  von  Feterwardein  am  23.  April. 

Während  dieses  Feldzuges  am  7.  Mai  zum  Rittmeister  I.  Classe  befördert, 
kämpfte  er  sodann  als  Escadrons-Commandant  in  dem  Treffen  bei  Kaaes  am 
7.  Juni  unter  den  Ausgezeichnetsten  dieses  Tages,  indem  er  mit  seiner  Escadron 
ein  feindliches  Bataillon  attaquierte  und  zersprengte,  wofür  er  in  der  Folge  am 
22.  October  1848  mit  dem  Militär-Verdienstkreuz  ausgezeichnet  wurde. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Feldzuges  von  1849  kämpfte  Rittmeister  Wagner 
noch  in  dem  Tieften  bei  Ö-Becse  am  25.  Juni,  in  der  Schlacht  bei  Hegyes  am 
11.  Juli,  wohnte  der  Beschießung  von  Vilova  am  19.  Juli  an  und  kämpfte  endlich 
in  dem  Treffen  bei  Mossorin  und  Vilova  am  23.  Juli. 

Am  11.  April  1855  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Major  und  am  6.  November 
desselben  Jahres  seine  Transferierung  zum  2.  Kürassier-Regiment. 

Am  28.  März  1863  wurde  Major  Wagner  in  den  Adelstand  mit  dem  Prä- 
dicat  von  Wehr  bor  n  erhoben. 

Am  1.  Jtdi  1863  erfolgte  unter  gleichzeitiger  Transferierung  zum  6.  Kürassier- 
Regiment  seine  Beförderung  zum  Oberstlieutenant. 

Im  Kriege  gegen  Freußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  er  den 
Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee  mit,  und  zwar  eingelheilt  mit  seinem 
Regiment  Hessen-Kürassiere  Nr.  6  in  der  Brigade  GM.  Prinz  Solms  der  1.  schweren 
Reserve-Cavallerie-Division  unter  FML.  Prinz  Holstein-Glücksburg. 

Die  letztere  befand  sich  während  des  Marsches  der  k.  k.  Nord- Armee  aus 
Mähren  nach  Böhmen  seit  dem  20.  Juni  an  der  Tete  der  nördlichen  von  den  drei 
großen  Marsch-Golonnen  der  Armee,  nächst  der  Grenze  gegen  das  Glatz'sche. 
Nachdem  die  Anwesenheit  eines  größeren  feindlichen  Heeres  an  der  Neiße  eon- 
statiert  war,  nahm  die  1 .  Reserve-Cavallerie-Division,  während  die  Armee  ihren 
Aufmarsch  bewirkte,  am  24.  Aufstellung  bei  Dohm  und  Skalie  behufs  Beobach- 
tung der  Grenzstrecke  von  Dobrusku  bis  Kostelec.  Hiebci  stand  ein  Theil  des 
Regiments  Hessen-Kürassiere  am  26.  in  Nach  od,  sah  sich  aber  gegen  Abend 


Digitized  by  Google 


\W2  r:LXIV.  bis  HLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kri <•{:«•  von  1*6«.  —  Böhmen. 

durch  größere  feindliche  Abteilungen  gezwungen,  bis  Wysokow  zurückzugehen, 
wo  Oberstlieutenanl  von  Wagner  auf  dem  Plateau  von  Wysokow  eine  Auf- 
nahmsstellung innehatte. 

Es  war  die  Vorhut  des  preußischen  V.  Corps,  welche  bei  Na  eh  od  einge- 
troffen war.  Infolge  dessen  rückte  noch  in  der  Nacht  vom  2G.  auf  den  27.  Juni 
das k.  k.  VI.  Armee-Corps  unter  FML.  Ramming  von  Opoc.no  und  Dobruska  nach 
Skalic  und  gegen  Nachod  vor.  Gleichzeitig  wurde  die  1.  Reservc-Cavalleric- 
I>ivision  dem  VI.  Corps-Commando  unterstellt. 

OberstUeutenant  Wagner  war  noch  am  26.  abends  mit  seiner  Division  — 
:t.  und  4.  Escadron  Hessen- Kürassiere  —  nordwärts  nach  Kostelec  detachiert 
worden  um  das  dortseihst  stehende  Uhlanen-Regiuient  Kaiser  Max  zu  verstärken. 
Am  27.  morgens,  beiläufig  um  7  Uhr,  erhielt  er  Befehl,  von  Kostelec  nach  Skalic 
einzurücken,  wo  der  Stab  der  1.  Reserve-Cavallerie-Division  FML.  Prinz  Holstein 
stand. 

Am  östlichen  Ausgange  von  Skalic  angelangt,  sah  er  Theile  des  im  Laufe 
der  Nacht  anmarschierten  VI.  Armee-Corps  aus  der  Stadt  auf  der  Xachoder  Straße 
debouchieren,  gieng  daher  seihst  auf  diese  über  und  nahm  seine  Direction  auf  das 
Regiment  Kaiser  Ferdinand-Kürassiere  Nr.  4  der  Brigade  Prinz  Solms,  welches 
er  in  einiger  Entfernung  südlich  der  Nachoder  Straße,  Front  gegen  Kleny,  auf- 
gestellt sah. 

Um  jene  Zeit,  da  Wagner  zu  diesem  Regiment  stieß,  war  die  1.  Division 
seines  eigenen  Regiments  noch  nicht  zur  Brigade  eingerückt  und  auch  er  erhielt 
alsbald  durch  einen  Officier  vom  Stabe  des  FML.  Prinzen  Holstein  wieder  den 
Auftrag,  sich  mit  einer  Escadron  seiner  Division  zu  der  jenseits  des  Waldes  von 
Kleny  disponierten  Infanterie-Brigade  Oberst  von  Jonak  zu  verfügen. 

Diesem  Befehle  entsprechend,  ließ  er  die  4.  Escadron  in  der  Cavallerie- 
Reserve-Aufstellung  zurück  und  trabte  mit  der  3.  Escadron  behufs  Aufsuchung 
der  Brigade  Jonak  gegen  Kleny,  um  den  südlichen  Theil  des  gleichnamigen 
Waldes  herum. 

Jenseits  desselben  stieß  er  auf  die  Brigade  Jonak,  die  um  jene  Zeit  in  der 
Mitte  des  bereits  in  Gefechtsordnung  entwickelten  X.  Corps  im  Vorrücken  in  der 
Richtung  gegen  das  Plateau  vnn  Wysokow  begriffen  war. 

In  Anbetracht  dessen  und  nachdem  mittlerweile  das  Gefecht  am  linken 
Flügel,  welchen  Wagner  wegen  des  Waldes  zur  Linken  zu  überblicken  verhindert 
war,  sich  sehr  heftig  gestaltete,  beschloß  er,  keine  Zeit  mit  Melden  und  Aufragen 
zu  verlieren  um!  setzte  sich  mit  der  Kscadron  in  das  Intervall  zwischen  der  längs 
des  Waldrandes  vorrückenden  Brigade-Batterie  und  dem  zunächst  derselben  vor- 
gehenden Bataillon  des  linken  Flügels,  entschlossen,  je  nach  den  sich  ergebenden 
Umständen  in  den  Gang  des  Gefechtes  der  Brigade  selbsthandelud  einzugreifen. 

Bald  darauf  -  etwa  um  11  Uhr  vormittags  —  gewahrte  er  die  Vorrückung 
der  Cavallerie-Brigade  Prinz  von  Solms,  und  /.war  ebenfalls  in  der  Richtung  des 
vom  Feinde  besetzten  Plateau  von  Wysokow,  in  dem  Räume  zwischen  dem 
links  der  Vorrückmigslime  gelegenen  Orte  Wysokow  und  einem  rechts  derselben 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Rudolph  Freiherr  Wagner  von  Wehrborn. 


343 


gelegenen  Wäldchen,  das  von  der  eigenen  Infanterie  kurz  zuvor  gestürmt  und 
auch  genommen  worden  war.  Die  Brigade  zählte  zu  jenem  Zeitpunkt,  da  7'/s  Esca- 
dronen  derselben  detachiert  waren,  nur  bei  4'/...  Kscadronen. 

Da  Wagner  in  dieser  Bewegung  der  Cavallerie-Brigade  die  Einleitung  eines 
größeren  entscheidenden  Cuvullerie- Angriffes  nicht  verkennen  konnte  und  über- 
zeugt war,  dass  vor  Entscheidung  desselben  die  Brigade  Jonak,  bei  welcher  er 
eben  in  Zutheilung  stand  und  deren  Vorrückung  in  diesem  Augenblicke  überdies 
unterbrochen  worden  war,  in  keinen  unmittelbaren  Contact  mit  dem  Feinde 
gerathen  würde,  so  beschloss  er  sofort,  der  Cavallerie-Brigade  Prinz  Solms  nachzu- 
eilen, an  dem  Angriffe  derselben  theilzunehmen,  und  setzte  auch  diesen  Ent- 
schluß, mit  der  Escadron  in  raschem  Trabe  abrückend,  ungesäumt  ins  Werk. 

Von  seinein  Ausgangspunkte  aus  gelangte  Wagner,  auf  der  kürzesten  Linie 
vorgehend,  zur  Rechten  des  Regiments  Kaiser  Ferdinand-Kürassiere.  Dasselbe 
rückte  längs  des  zur  Rechten  gelegenen  Waldrandes  vor  und  war  in  dem  Momenl, 
als  sich  ihm  Wagner  mit  seiner  Escadron  Hessen-Kürassiere  näherte,  im  Begriffe, 
die  Saumlinie  der  Höhe  zu  erreichen  und  so  auf  das  allem  Anscheine  nach  von 
der  feindlichen  Cavallerie  besetzte  Plateau  zu  gelangen. 

Da  Wagner,  wie  erwähnt,  erst  tags  zuvor  mit  seiner  Division  zur  Aufnahme 
und  Unterstützung  des  damals  bei  Nachod  gestandenen  eigenen  Regiments  auf 
demselben  Plateau  gestanden  und  sich  die  Position  wohl  angesehen  hatte,  so 
wusste  er,  dass  bei  weiterer  Vorrückung  des  Regiments  Kaiser  Ferdinand- 
Kürassiere  durch  das  Zurücktreten  des  Waldrandes  nach  südlicher  Richtung 
zwischen  dem  Walde  und  dem  rechten  Flügel  des  Regiments  eine  große  Lücke 
entstehen  musste. 

In  rascher  Erfassung  dieses  Uinstandes  wurde  in  ihm  die  Besorgnis  rege, 
dass  eine  geschickte  Benützung  dieser  Lücke  von  Seite  eines  das  genannte 
Kürassier-Regiment  etwa  überflügelnden  Feindes,  oder  auch  nur  einer  starken 
Reserve  desselben,  umso  nachtheiligeren  Einlluss  auf  den  bevorstehenden  Angriff 
des  Regiments  üben  musste,  als  es  hiedurch  in  Gefahr  gerathen  konnte,  von  Über- 
macht in  Front,  Flanke  und  Rücken  angegriffen  und  zugleich  von  der  kürzesten 
Rückzugslinie  ab,  gegen  die  Schluchten  von  Wysokow  gedrängt  zu  werden. 

Kr  beschloss  demnach,  selbständig  handelnd,  seinen  Platz  zur  Rechten  des 
Regiments  Kaiser  Ferdinand-Kürassiere  zu  behalten,  sich  selbst  mit  der  Escadron 
in  die  Lüt  ke  zu  schieben  und  so  der  zu  besorgenden  Eventualität  vorzubeugen. 

Er  ließ  zunächst  die  3.  Escadron  Hessen-Kürassiere,  in  Colonnc  formiert, 
etwa  hundert  Schritt  rechts  rückwärts  der  am  rechten  Flügel  des  Regiments 
Ferdinand-Kürassiere  vorgehenden  Escadron  folgen. 

Wenige  Augenblicke  darauf  sah  er  das  Regiment,  das  die  Saumlinie  der 
Mühe  erreicht  hatte,  in  Galopp  aufmarschieren,  befahl  sofort  der  Escadron, 
ebenfalls  in  Galopp  vorzugehen,  und  sprengte  selbst  vor.  um  Übersicht  zu 
gewinnen. 

Da  sah  er  nun  »las  nach  beendigtem  Aufmarsch  in  raschestem  Galopp  vor- 
gehende Kürassier-Regiment  Kaiser  Ferdinand  seiner  ganzen  Breite  nach  durch 


Digitized  by  Google 


344  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  IXfifi.  -  Höhnen. 

ein  ihm  heftig  entgegengehendes  feindliches  Uhlunen-Rogiment  gedeckt.  Die 
4 '/s  Escadronen  worden  durch  ü  feindlich«  Escadronen  attaquiert.  Überdies 
stünnten  am  linken  Flügel  des  feindlichen  Regiments,  nur  durch  ein  Intervall 
getrennt,  in  gleicher  Höhe  mit  demselben,  wenigstens  3  Escadronen  preußischer 
Dragoner  ebenfalls  vollen  Laufes  heran. 

Da  diese  letzteren  im  Moment  des  Zusammenstoßes  der  beiden  großen 
Heiterfronten  unmittelbar  vor  sich  keinen  Gegner  sahen,  umfassten  sie  den 
rechten  Flügel  des  Regiments  Kaiser  Ferdinand,  um  es  in  Flanke  und  Rücken  zu 
attaquieren. 

Der  Moment  war  ein  hochkritischer,  allein  schon  griff  auch  Oberstlieutenant 
Wagner  rettend  ein. 

Ohne  einen  Augenblick  zu  zögern,  commandierle  er  den  Aufmarsch  der 
Escadron.  Da  aber  die  Distanz  vorn  Gegner  bereits  zu  gering  war.  um  den  Auf- 
marsch vollenden  zu  können,  setzte  er  sogleich  das  Commando  zur  Attaque  hinzu 
und  stürzte  sich,  ohne  einen  Augenblick  zu  verlieren,  mit  Ungestüm  auf  den  weit 
überlegenen  Gegner.  Durch  Wagners  plötzliches  Auftauchen  sahen  sich  die  preu- 
ßischen Dragoner  gezwungen,  von  Ferdinands-Kürassieren  abzuschwenken  und 
Wagner  selbst  anzugehen. 

Dadurch  war  die  beabsichtigte  Umfassung  der  Brigade  Solms  vereitelt. 

Wagners  Angriff  wurde,  wiewohl  nur  mit  einer  Escadron  und  in  ungünstiger 
Formation  unternommen,  dennoch  von  derselben  mit  glänzender  Bravour  aus- 
geführt. Die  1/mie  der  preußischen  Dragoner  ward  von  den  beiden  vorderen 
Zügen,  welche  den  Aufmarsch  noch  zu  vollenden  vermocht  hatten,  durchbrochen 
und  nach  deren  augenblicklichem  Kehrt  der  Feind  im  Rücken  angegriffen.  Die 
beiden  rückwärtigen  Züge  prallten  theils  mit  der  Front  zweier  feindlichen  Esca- 
dronen, theils  mit  einer  an  deren  linkem  Flügel  vorstürmenden  dritten  Escadron 
aneinander,  welch  letztere  im  Augenblicke  des  Zusammenstoßes  sich  rasch  links 
ziehend,  auch  Wagner  zu  umfassen  gesucht  hatte. 

Es  entspann  sich  nun  ein  lang  andauerndes  und  erbittertes  Handgeniengo, 
in  welchem  sowohl  von  den  Offieieren  als  der  Mannschaft  der  Escadron  Hessen- 
Kürassiere  mit  solcher  Wucht  droiugchaiieii  wurde,  dass  der  überlegene  Gegner, 
nachdem  der  Fahrer  der  preußischen  Dragoner  gefallen  war  und  diese  auch  sonst 
einen  bedeutenden  Verlust  an  Offieieren  und  Mannschaft  erlitten  hatten,  sich 
gänzlich  geschlagen  eiligst  unter  den  Schutz  der  am  Saume  des  rückwärts 
gelegenen  Waldes  stehenden  preußischen  Infanterie  begab. 

Der  Zweck  dieser  selbständig,  aus  eigenem,  freiwilligem  Antrieb  und  in 
richtiger  Beurlheilung  der  Sachlage  unternommenen  Attaque  Wagners  war 
somit  vollständig  erreicht.  Das  Regiment  Kaiser  Ferdinand-Kürassiere  ward  davor 
bewahrt,  durch  Übermacht  von  mehreren  Seiten  angegriffen  zu  werden  und  den 
eigenen  Angriff  trotz  aller  Tapferkeit  scheitern  sehen  zu  müssen.  Vielmehr  gelang 
es  den  ."»'/,  Esc.idn.nen  österreichischer  Kürassiere  der  Cavallerie-Brigade  Prinz 
Sohns'.»  Escadronen  preußischer  t'lilaiieu  und  Dragoner  der  Cavallerie-Brigade 
von  Wnuck  zu  werfen,  wozu  eben  Oberstlieuleiiant  Wagner  wesentlich  beitrug, 


Digitized  by  Google 


Hitlor  den  M.  T.-O.  Morit/  Hilter  v«n  l,«lirnaiit>. 


34» 


indem  er  dabei  mit  einer  Escadron  Hessen-Kürassiere?  allein  drei  Escadronen 
preußischer  Dragoner  zum  Rückzüge  zwang. 

Durch  dieses  glänzende  Reitergefecht  wurde  das  Vordringen  des  Feindes 
von  Nach  od  gegen  Skalic  an  diesem  Tage  erheblich  verzögert,  überdies  der 
Ruhm  der  k.  k.  (lavallerie  neu  gemehrt. 

Auf  fii'und  der  dadurch  bei  Wysokovv  am  27.  Juni  1800  v<jllbrachten  Waffeti- 
Ihat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  (!  roßmeislcr 
des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Capitels  kraft  Promotion  CLXVII 
vom  4.  October  18GG  den  Oberstlieutenant  Rudolph  Wagner  Ritler  von  Wehr- 
born durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien- 
Ordens  zu  promovieren  und  im  December  desselben  Jahres  gemäß  den  Ordens- 
statuten in  den  Freiherrnsl and  zu  erheben. 

Im  Verlaufe  des  Feldzuges  von  1860  machte  Wagner  noch  die  Schlacht 
bei  Königgrätz  am  3.  Juli  18GG  mit. 

Am  12.  November  1807  erfolgte,  unter  gleichzeitiger  Transferierung  zum 
10.  Dragoner-Regiment,  seine  Beförderung  zum  Obersten. 

Bei  Auflösung  des  10.  Dragoner-Regiments  wurde  Oberst  Frh.  von  Wagner 
mit  1.  October  1873  zum  7.  Dragoner-Regiment  transferiert,  darauf  am  2'.*.  des- 
selben Monates  zum  Commandanten  der  2.  Cavallerie-Brigade  ernannt,  sodann 
auf  diesem  Dienstesposten  am  1.  November  1874  zum  Generalmajor  befördert. 

Am  1.  August  1877  trat  (.JM.  Frh.  von  Wagner  nach  fünfundzvierzigjähriger 
effectiver  Militär-Dienstzeit  in  den  Ruhestand  und  wurde  ihm  bei  diesem  Anlasse 
in  Anerkennung  seiner  vorzüglichen,  vor  dem  Feinde  hervorragend  tapferen  und 
ausgezeichneten  Dienstleistung  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit 
zutheil. 


Ritter  dos  Maria  Theresien-Ordens 
Moritz  Ritter  von  Lehmann 

(Als  Gefallener  promoviert.  —  Mit  Bildiii."  aus-  th-in  Jahr«  1SHG.) 

Ritter  von  Lehmann  winde  als  Sohn  eines  k.  k.  Majors  zu  Zloczöw  in 
(lalizien  am  15.  Juni  183(1  geboren  und  genoss  vom  Jahre  181-8  an  in  der  k.  k. 
Militär- Akademie  in  Wiener-Neustadl  militärische  Erziehung  und  Bildung.  Als 
Zögling  derselben  stets  unter  den  Ersten  seines  Jahrganges,  wurde  er  am  15.  Juni 
1851  ausgemustert  und  als  Unterlieutenant  II.  Classe  bei  dem  1.  Uhlauen- 
Regiment  eingelheilt.  Am  I.  Februar  1855  erfolgte  seine  Beförderung  zum  l'nler- 
lieuteiiant  I.  Classe  und  am  I.  December  desselben  Jahres  zum  Oberlieutenant. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  l'iemont  in  Nahen  im  Jahre  1850 
war  es  ihm  vergönnt,  gleich  in  einem  der  ersten  Kämpfe  sich  hervor/.uthuu,  und  zwar 
bei  der  Rerognoscierung  eines  aus  1  Compaguie.  Lehmanns  Zuge  und  2  (Jeschülzen 
bestehenden  Coinniandos  von  Orfengo  gegen  Borgo  Vereelli  am  23.  Mai. 

Oberlieutenant  Riller  von  Lehmann  deckte  bei  dieser  Recognoscierung,  nach 
dem  (ielechle  bei  1\  Moliuo  Camera,  mit  seinem  Zuge  den  Rückzug  des  Crns. 


Digitized  by  Google 


34C  CLXIV.  bis  CLXVIIl.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Böhmen. 


Hiebei  attauuierte  er  die  aus  einem  Hinterhalte  nachstürmenden  Bersaglieri  und 
schlug  dieselben  in  die  Flucht. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Feldzuges  von  1850  am  28.  Mai  zum  Rittmeister 
11.  Classe  befördert,  machte  er  das  Gefecht  bei  Turbigo  am  2.  Juni,  dann  die 
Schlachten  bei  Magen ta  am  4.  Juni  und  bei  Solferino  am  24.  Juni  mit. 

Für  seine  tapfere  Tliat  in  dem  Recognoscierungs-Gefecht  Orfengo-Borgo 
Vereelli  wurde  Rittmeister  Ritter  von  Lehmann  in  derFolge,am  17.  December  185'.». 
mit  dem  Militär- Verdienstkreuz  ausgezeichnet. 

Am  1.  März  1800  zum  Uhlanen-Regiment  Nr.  13  übersetzt,  am  1.  September 
18G2  aber  wieder  zu  seinem  früheren  1.  Uhlanen-Regimente  rücktransferiert, 
wurde  er  am  1.  Juni  1864  zum  Rittmeister  I.  Classe  befördert. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  180(1  war  es  ihm 
beschieden,  trotzdem  er  sich  mit  seinem  Regiment  fern  von  den  großen  Kriegs- 
schauplätzen befand,  an  der  Einleitung  des  Feldzuges  im  Norden  theilzunehnieri, 
dabei  eine  der  heldenmüthigsten  Waffenthaten  dieses  Krieges  zu  vollbringen, 
gleichzeitig  aber  auch  auf  dem  Felde  der  Ehre  ruhmvoll  zu  fallen. 

Rittmeister  Ritter  von  Lehmann  stand  mit  seiner  5.  Escadron  bei  Eröffnung 
der  Feindseligkeiten  an  der  weslgalizischen  Grenze  bei  Oswiecim,  eingetheill  in 
der  Rrigade  GM.  Tretinaglia,  welche  von  der  zur  Deckung  Krakaus  bestimmten 
Truppen-Division  FML.  Frh.  von  Rzikowsky  an  die  Weichsel  und  Przemsza 
gegen  Preußisch-Sehlesi  en  vorgeschoben  war. 

Lehmanns  Escadron  bildete  dabei  in  Ravsko  den  äußersten  linken  Flügel 
der  Brigade  und  zwar  speciell  des  südlich  der  Weichsel  in  Oswiecim,  unter 
dem  Obersten  von  Ziegler  stehenden  Commandos,  welches  aus  dem  4.  Bataillon 
Mecklenburg,  der  4.  und  5.  Eseadron  von  Grünne-Uhlanen  Nr.  1,  dann  der  halben 
Batterie  6/IV  bestund. 

Gleich  der  4.  hatte  auch  die  ö.  Escadron  Lehmanns  einen  Zug  auf  Vorposten 
westwärts  vorgeschoben  und  Vedetten  entlang  der  Weichsel  aufgestellt.  Leh- 
manns Feldwache  stand  in  Härmen se.  nach  rechts  angeschlossen  jene  der 
anderen  Escadron  in  Plawy,  eine  Infanlerie-Gompagnie  vorwärts  Brzezinka 
und  eine  an  den  Berunner  Brücken.  Die  Vorposten  der  beiden  Escadronen 
standen  unter  speciellein  Befehl  des  Rittmeisters  Lehmann. 

Am  27.  früh  rückte  der  Feind  mit  43/»  Bataillonen,  4  Uhlanen-Escadronen 
und  2  Geschützen  unter  GM.  Grafen  Stollberg  aus  Prcnßis<  h-Schlesien  von 
Nikolai  gegen  Oswiecim  vor.  Derselbe  übersrhritt  bei  Plawy  und  Jedlin  die 
Weichsel  und  bewegte  sich  mit  Überina«  ht  gegen  Brzezinka  und  den  Bahn- 
hof von  Oswiecim,  als  gerade  die  Vorposten-Ablösung  im  Zuge  war.  Während 
auf  die  Meldung  über  den  Anmarsch  des  Feindes  der  Bahnhof  von  drei,  das  nächst- 
liegende Zollamtsgebäude  von  einer  Compaguie  Infanterie  besetzt  wurde,  zwei 
»Jes<  hütze  südli«  Ii  vom  Bahnhofe  auffuhren,  und  zwei  bei  dein  Zollaiiitsgebäude 
blieben,  wobei  je  ein  Zug  Lhlaneu  die  Geschützhedeckung  bildete,  rückte  Rill- 
nieister  Lehmann  von  Raysko  sogleich  vor.  Angesichts  der  grollen  Übermacht 
de- Feindes  musste  er  sieh  jedoch  bald  längs  der  Eisenbahn  gegen  Oswiecim 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Hilter  des  M.  T.-O.  Morit*  Ritler  von  Lehmann. 


:U7 


zurückziehen.  Dabei  nahm  er  die  auf  Vorposten  gestandenen  Abheilungen  auf 
und  vereinigle  sieh  auch  mit  der  halben  4.  Escadron  des  Rittmeisters  Bertolelti, 
so  dass  er  G  Züge  befeldigte.  Dieselben  wurden  wahrend  ihres  Rückzuges  von  den 
jenseits  der  Bahn  vorrückenden  feindlichen  Schützen  heftig  beschossen,  zogen 
sich  daher  von  der  Eisenbahn  weg  zu  dem  parallel  mit  derselben  gegen  Oswiecim 
fließenden  Sola-Flusse  hin. 

Inzwischen  drang  das  Gros  des  Feindes  von  Plawy,  durch  die  Auen  der 
Weichsel  und  den  ausgedehnten  Ort  Brzcziuka  gedeckt  und  begünstigt,  rasch 
gegen  den  Bahnhof  von  Oswiecim  vor  und  wurde  nur  durch  das  vereinte 
lebhafte  Infanterie-  und  Artilleriefeuer  zum  Stehen  gebracht. 

Da  trat  aber  ein  kritischer  Augenblick  für  die  Besatzung  des  Bahnhofes,  ja 
für  das  ganze  Commaudo  des  Obersten  von  Ziegler  ein.  Das  feindliche  Uhlanen- 
Regiment,  welches  mit  einer  Compagnie  Infanterie  als  anderster  rechter  Flügel 
der  Preußen  von  Plawy  über  Czerniehow  rasch  vorgedrungen  war,  überschritt 
etwa  2000  Schritte  südlich  des  Bahnhofes  die  Eisenbahn,  marschierte  in  Linie  auf 
und  gieng  direct  auf  die  Sola-Brücke  zwischen  Bahnhof  und  Oswiecim  los. 
Dadurch  war  nicht  nur  die  Rückzugslinie  der  Besatzung  im  Bahnhofe  gefährdet, 
sondern  die  Stadt  selbst  ernstlich  bedroht. 

Rittmeister  Lehmann  erfasste,  sobald  er  dieses  Vorgehen  des  feindlichen 
Uhlanen-Reghnenls  wahrgenommen  halte,  augenblicklich  die  große  Gefahr,  in 
welche  dadurch  das  ganze  bei  Oswiecim  stehende  Commaudo  versetzt  wurde. 
Er  verkannte  dabei  wohl  auch  das  bedenkliche  Moment  nicht,  dass  das  feindliche 
Cavallerie-Regiment  drei-  bis  viermal  so  stark  war,  als  die  sechs  Züge  Uhlanen, 
die  er  befehligte.  Anderseits  konnte  nur  ungesäumtes,  energisches  Handeln  und 
vor  keinem  Wagnis  zurückschreckende  Selbstaufopferung  Rettung  bringen.  So 
war  denn  Lehmanns  Enlschluss  augenblicklich  gefasst. 

Er  wendet  sich  mit  den  Worten  zu  Rittmeister  Bertoletti: 

»Jetzt  bleibt  nichts  übrig,  als  zu  attaquieren,  mache  mit  Deinen  beiden 
Zügen  ineine  Reserve  !* 

Sodann  commandiert  er  seine  Escadron  durch  Linksaufschwenkcn  zum  Auf- 
marsch, sprengt  vor  die  Front,  erinnert  seine  Uhlanen  mit  einigen  Kraftworten  an 
ihre  Sohlaleiipüichl,  bringt  auf  Seine  Majestät  den  Kaiser  mit  weil  hinschallender 
Stimme  ein  .Hoch!*  aus,  erlässt  das  Commaudo  zur  Attaque  „Marsch.  Marsch!* 
und  stürzt  sich,  seiner  Escadron  weit  voraussprengend,  mit  derselben  auf  das 
preußische  Uhlaneu-Hcgiiucut. 

Die  feindliche  Reiterei,  welcher  die  Attaque  einer  einzelnen  Escadron  auf 
ein  ganzes  Regiment  anfangs  als  unmöglich  erscheinen  mochte,  rückt  in  langsamem 
Galopp  weiter  vor. 

Allein  Lehmann  stürmt,  seiner  Escadron  auf  vierzig  b\>  fünfzig  Schritte  voran, 
schnurgerade  auf  den  feindlichen  Commaudanteu  —  Major  von  Busse  —  los, 
salutiert,  attaquiert  denselben  aber  auch  sofort  mil  blanker  Walle  und  verwundet 
ihn  durch  kräftigen  Hieb. 


Digitized  by  Google 


348 


OLXIV.  Li«  CLXVIII.  Pminntion.  —  Im  Kriege  von  1*6«.  —  Rnhmen. 


Im  rauhsten  Augenblicke  —  von  dem  Lanzenstich  eines  feindlichen  Uhlanen 
durchbohrt  —  lallt  Lehman  n  seihst.  .  .  . 

Schon  bricht  aber  die  Schwadron,  trotzdem  sie  ihren  heldenmüthigen  Führer 
fallen  sieht,  ohne  Zaudern  in  die  Reihen  des  mehrfach  überlegenen  Feindes  ein. 
Kine  erbitterte  Melee  folgt.  Bald  heginnen  die  einschwenkenden  preußischen 
Kscadronen  das  sich  lichtende  Häuflein  österreichischer  Uhlanen  zu  umfassen.  Dir 
Escadron  verliert  Leute  und  Pferd»*.  Da  fällt  auch  Oherlieutenant  Graf  zur  Lipp««. 
Die  kleine  Heldetischar  wankt.  Des  Feindes  Übermacht  ist  zu  groß.  Die  Attaque 
der  österreichischen  Uhlanen  ist  abgeschlagen  und  sie  jagen  dem  Wäldchen  zu. 
das  ihnen  zur  Ralliierung  bestimmt  war.  .  .  . 

Aufgenommen  durch  die  von  Lehmann  in  Reserve  belassene  halbe 
4.  Escadron  unter  Rittmeister  Frh.  von  Bertolet  ti  und  unterstützt  durch  einen  vom 
Bahnhofe  heransprengenden  dritten  Zug  dieser  Escadron  unter  Oberlieutenant 
Fürst  Lobkowitz,  sammelte  sich  dann  di»»  Escadron  Lehmanns  wieder,  olin»' 
daran  von  der  feindlichen  Cavallerie  gehindert  zu  werden. 

Di«*  von  Lehmann  unternommene  und  mit  schweren  Opfern  ausgeführte  Attaque 
hatte  den  gewünschten  Erfolg.  War  auch  die  überlegene  feindliche  Cavallerie 
nicht  geworfen  wortiVu.  so  geralh  auch  sie  durch  den  Kampf  aus  »tar  taktischen 
Ordnung,  blieb  am  Platz»'  stallen  und  verlor  Zeit  mit  ihrer  eigenen  Ralliierung. 

Mittlerweil»'  hatte?)  die  bei  dem  Bahnhofe  gestandenen  Geschütze  nach 
WH'derholteiu  Positionswei-hsel  Zeit  gewonnen,  auf  dem  Schlossberge  von 
Os  wiecim  dominierende  Aufstellung  zu  nehmen  und  von  dort  gegen  das  preußische 
Uhlaneu-Reginicnt  das  Feuer  zu  eröflmm.  Dadurch  wurde  die  von  Lehmann  herbei- 
geführte Wendung  <l»'s  Gefechtes  vollendet.  Das  feindliche  Reiter-Regiment  wankte, 
suchte  auszuweichen  und  wandte  sich  endlich,  von  den  Geschützen  Schuss  auf 
Schuss  getroffen,  zum  Rückzüge. 

Dieses  Zurückweichen  der  preußischen  Cavallerie  veranlasste  auch  die  feiml- 
liche  Infanterie,  welche  sich  nach  wiederholt  abgeschlagenen  Angriffen  schließlich 
doch  im  Bahnhofe  einzunisten  begann,  zum  Zurückgehen,  worauf  der  Feind  bald 
vollständig  den  Rückzug  antrat. 

So  halte  das  bei  Os  wiecim  stehend«'  Commaudo  die  forcierte  Demon- 
stration  eiius  vier-  bis  fünffach  überl«'g«n«n  Gcgm'is  zurückgewiesen.  Einen 
wesentlich«'ii  Antheil  an  diesem  Erfolg«'  der  kaiserlichen  Waffen  hatte  der  Helden- 
mulh  des  Rittmeisters  Lehmann. 

Teli'graphisch  geruht«!  «ler  Oberste  Kriegsherr  Seinen  braven  Truppen  für 
d»'iiSieg  bei  Os  wiecim  huldvollsten  Dank  kundzugeben.  dieHeldenthat  des  gefal- 
len«'n  Rittmeisters  .Moritz  Ritter  von  Lehma  n  n  aber  durch  Verleihung  des  Ordens 
der  Eisernen  Krone  III. <  Hasse  mit  d«,rKriegsde«,oralion  ganz  besonders  zu  ehren. 

l'berdi«'s  traf  noch  am  Tage  des  Gele«hl«s,  d«'ii  27.  nachmittags,  von  Seite 
lies  Feimh  s  durch  einen  Parlamentär  ein  Di«'nstschr«Mben  in  Oswiecim  ein,  durch 
w«'h  lies  «ler  Gegner  —  sich  selbst  zur  Ehre  —  nicht  allein  dem  Kriegsbrauch 
gerecht  zu  werden,  sondern  auch  «lie  Manen  «tas  Gefallenen  ritterlich  zu  ehren, 
sich  angelegen  s.'in  li«'ß.   Das  offenbar  während  des  Rückzuges,  noch  untar  dein 


Digitized  by  Google 


Hilter  lies  M.  T.o.  Morit/.  Ritter  vm  Lehmann. 


vollen  Kindrucke  der  Kampfereignissc  von  dem  preußischen  Majoren  von  Busse, 
welcher  von  Lehmann  in  der  Attaque  verwundet  worden,  ausgehende  Dienst- 
schreiben —  zugleich  ein  Tapferkeits-Zeugnis  des  Feindes  selbst  —  lautete: 

„D.  27/6.« 

.Die  Unterzeichneten  erlauben  sich  beifolgend  ein  Medaillon*)  zu  über- 
senden, welches  bei  dem  tapferen,  heldenmüthigen  Rittmeister  Baron  von 
Lehmann,  der  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen,  gefunden  worden. 

„Den  Orden  des  Helden  werden  wir  uns  die  Ehre  geben,  in  den  nächsten 
Tagen  zu  überreichen.» 

von  Busse  m.  p.,  Baron  von  Schmidt  m.  p., 

Major  und  Regimenls-Couiraandeur.  Major  und  etatmäßiger  StahsofTicier.« 

So  bezeugte  selbst  der  ritterliche  Gegner  den  Heldenmuth  Lehmanns. 

In  gerechter  Würdigung  des  wesentlichen  Antheiles,  welchen  die  Tapferkeit 
und  Klugheit,  sowie  die  selbständige  Initiative  des  Rittmeisters  Ritter  von 
Lehmann  an  dem  Siege  von  Oswiecim  hatte,  schritt  auf  Grund  des  ihm  von 
sänimtlichen  Offieieren  des  Cominandos  ausgestellten  Tapferkeitszcugnisses,  sowie 
auf  Grund  der  von  den  Offieieren  seiner  Division  und  Augenzeugen  seiner  Waffen - 
that  beigebrachten  Speeiex  facti  das  Officiers-Corps  des  Uhlanen-Regiments 
Graf  Grün ti e  Nr.  t  bei  demCapitel  des  Maria  Theresien-Ordens  um  Zuerkennung 
des  Ritterkreuzes  dieses  Ordens  an  den  gefallenen  Kameraden  ein. 

Duraufhin  geruhte  auf  Grund  der  im  Gefechte  bei  Oswiecim  vollbrachten 
Wallenthal  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister 
des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Promotion 
C.LXVI  vom  29.  August  1866  den  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallenen  Rittmeister 
Moritz  Ritter  von  Lehmann  durch  Zuerkennung  desKleinkreuzes  nach  dem 
Tode  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren  und  später- 
hin im  Grunde  der  Ordensstatuten  seiner  Witwe  sammt  der  am  1.  März  1867 
als  postltuma  geborenen  Tochter  die  Prärogativen  des  Freiherrnstandes 
allergnädigst  zu  verleihen. 

Noch  am  Tage  des  siegreichen  Gefechtes  von  Oswiecim  wurde  der  Leichnam 
Lehmanns  durch  seinen  ebenfalls  bei  Grümic-Uhluneii  als  Oberlieutenanl 
Regiments-Adjutunl  dienenden  Bruder  mit  anderen  Kameraden  vom  Kampfplatze 
nach  Oswiecim  gebracht.  Am  Tage  darauf  wurden  alle  Gefalleneu.  Freund  und 
Feind  zugleich  —  Rittmeister  Lehmann  an  der  Spitze  —  mit  kriegerischen 
Ehren  bestattet.  Was  vom  Commando  nicht  auf  Votposten  oder  sonst  im  Dienste 
stand,  gab  den  gefallenen  Kriegskameraden  das  Elirengeleite.  Auch  die  dankbare 
Bevölkerung  von  Oswiecim  erwies  den  tapferen  Vertheidigem  der  Stadt  die 
letzten  Ehren.  Ein  schlichter  Obelisk  auf  dem  Friedhofe  von  Oswiecim  kündet 
den  Überlebenden,  dass  unter  diesen  Tapferen  als  der  Tapferste  —  Rittmeister 
Moritz  Ritter  von  Lehmann  ruht. 

*)  Ks  war  dies  das  Medaillon  mit  dem  Portrait  von  Lehmanns  Gattin,  welche  ihm  «echs 
Wochen  vor  seinem  Heldentod  angetraut  worden. 


Digitized  by  Google 


3Ö0  CLXIV.       CLXVIII.  {'mmutmii.  -  Im  KiU*c  v-.i.  I*««.  -  HMiiuen. 


Ritter  des  Maria  Tlieresicn-Onlens 
Seine  königliche  Hoheit 
Albert,  Kronprinz  von  Sachsen 

(nachmals  S.-in<(  Majestät  Könit,'  von  Sachsen). 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1800  zählte  das  Königreich 
Sachsen  zu  jenen  Staaten  des  deutschen  Bundes,  die  mit  Österreich  verbündet, 
an  dem  Kriege  im  Norden  theil  nahmen. 

Nachdem  am  11.  Juni  1806  am  deutschen  Bundestage  zu  Frankfurt  die 
Abstimmung  über  den  Antrag  Österreichs  auf  Mobilmachung  der  Bundescontin- 
gente  mit  Ausnahme  jenes  von  Preußen  erfolgt  war,  richtete  die  preußische 
Regierung  am  15.  unter  anderrn  auch  an  Sachsen  die  Aufforderung  zum  Abschluss 
eines  Bündnisses  mit  Preußen,  widrigenfalls  das  letztere  Sachsen  als  im  Kriegs- 
zustand«; gegen  Preußen  befindlich  betrachten  würde.  Die  Antwort  Sachsens 
lautete  ablehnend  und  es  erfolgte  sonach  noch  am  Abend  desselben  Tages  die 
Kriegserklärung  Preußens  an  Sachsen,  während  dies  an  Österreich  erst  sechs 
Tage  später,  am  21.  Juni  geschah. 

Während  die  preußische  Elbe-Armee  am  10.  morgens  in  Sachsen  ein- 
marschierte, concentrierte  sich  unter  (Kommando  Seiner  königlichen  Hoheit  des 
Kronprinzen  Albert  von  Sachsen  die  sächsische  Armee  bei  Dresden  und 
marschierte  am  17.  in  drei  Colonnen  nach  Böhmen  ab,  um  sich  mit  der  k.  k.  öster- 
reichischen Nord-Armee  zu  vereinigen.  Während  darnach  auch  die  preußische 
1.  Armee  in  Sachsen  einmarschierte,  gelangte  das  Gros  der  sächsischen  Armee 
am  Ii).  Juni  nach  Welemin,  die  Reserve  mit  dem  Hauptquartier  nach  Lobosilz. 
die  Arricregarde  nach  Teplitz.  Dux  und  Osseg. 

Am  20.  hatten  die  königlich  sächsischen  Streitkräfte  eine  Stärke  von 
20.265  Mann  mit  7500  Pferden,  worunter  an  Streitbaren  18.811  Mann,  2571 
Pferde  mit  58  Geschützen  (20  Bataillone,  10  Kscadronen  und  10  Batterien)  und 
nahmen  die  Formation  eines  Armee-Corps  mit  zwei  Infanterie-,  einer  Reiter- 
Division  und  der  Artillerie-Reserve  an. 

Am  21.  und  25.  Juni  vereinigte  sich  das  königlich  sächsische  Armee- Corps 
in  der  Gegend  von  Jung-Bunzlau. 

Kronprinz  Albert  übernahm  den  Oberbefehl  überdie  sächsischenTru  ppen 
und  das  an  der  Iser  nächst  Münchengrätz  concentrierte  k.  k.  I.  Armee-Corps 
des  FML.  Grafen  Clam-Gallas.  Kr  beschloss  zunächst,  am  27.  einen  Offensivsloß 
entlang  der  Iser  gegen  Turnau  zu  unternehmen.  Nachdem  jedoch  Theile  des 
k.  k.  I.  Corps  schon  am  20.  bei  Hühtierwasscr  und  Röhmisch-Aicha  sowie 
Sichrow  von  den  Spitzen  der  preußischen  Elbe-  und  l.  Armee  angegriffen  worden, 
ließ  Kronprinz  Albert  das  sächsische  Armee- Corps  noch  an  demselben  Tage 
abends  aufwärts  au  der  Iser  bis  zwischen  Wesela,  Münchengrätz  und  Bosin 
vorrücken  und  beschloss,  am  11.  den  Offensivstoß  über  die  Iser  gegen  Sichrow 


Digitized  by  Googl 


Ritter  <!e*  M.  T-O.  Sc.  könivl.  Holieit  Albert  Kn.npi iti/.  von  Sachsen. 


3M 


zu  rühren,  tun  Turnau  und  Münehcngrätz  zugleich  zu  decken.  Nachdem  aber  der 
Feind  durch  das  Gefecht  in  der  Nacht  vom  2o\  auf  den  27.  sich  Podols  bemächtigt 
hatte,  unterblieb  am  27.  auch  die  Vorrückung  gegen  Sichrow  und  der  Kronprinz 
fasstc  den  Entschluss,  mit  den  beiden  Corps  die  Stellung  vorwärts  Münc hen- 
grät z  zu  vertheidigen.  Da  der  Feind  aber  am  27.  bereits  seinen  Vormarsch  von 
Turnau  gegen  Jicin  einleitete,  wodurch  die  Verbindung  des  Kronprinzen  mit 
der  k.  k.  Nord-Armee  gefährdet  erschien,  traf  derselbe  am  27.  mittags  Disposi- 
tionen, um  sich  tingesäumt  auf  dem  kürzesten  Wege  der  Nord-Armee  zu 
nähern. 

Unter  Deckung  durch  zwei  Brigaden  des  1.  Corps,  von  denen  eine  am  28. 
bei  Münchengrätz,  die  andere  am  29.  bei  Podkost  größere  Gefechte  zu  bestehen 
hatte,  ließ  der  Kronprinz  am  28.  das  I.  Corps  bis  Sobotka,  das  sächsische  Corps, 
bis  Liban-Unter  Bautzen,  am  29.  aber  beide  Corps  gegen  Jicin  rücken,  wo 
in  Podhrad  Seine  Majestät  König  Johann  von  Sachsen  seine  Truppen  besich- 
tigle. Da  der  Kronprinz  die  Verständigung  erhalten  hatte,  dass  für  den  29.  und 
30.  das  Eintreffen  des  Gros  der  k.  k.  Nord-Armee  bei  Jicin  zu  gewärtigen  sei.  so 
stand  dessen  Entschluss  fest,  die  Position  von  Jicin  trotz  dem  Drängen  des  Feindes 
auf  das  hartnäckigste  zu  vertheidigen. 

In  der  That  trat  er  dem  Feinde,  als  derselbe  nachmittags  des  29.  das  I.  Corps 
heftig  angriff,  auch  mit  den  sächsischen  Truppen  entschieden  entgegen,  allein 
inmitten  des  Treffens  langte  gegen  Abend  der  Befehl  des  Armee-Commandos  ein, 
wornach  der  Kronprinz  unter  Vermeidung  ernsterer  Gefechte  den  Rückmarsch 
zur  Nord-Armee  fortzusetzen'  hatte,  infolge  dessen  sogleich  die  Dispositionen 
zum  Rückzüge  gegeben  wurden.  Der  Abbruch  des  Gefechtes  gestaltete  sich  für  die 
österreichisch-sächsischen  Truppen,  namentlich  aber  für  das  I.  Corps  überaus 
nachlheilig  und  verlustreich.  Erst  nach  einem  erschöpfenden  Nachtmarsche 
erreichten  die  Truppen  am  30.  Juni  früh  Mi  1  et  in,  Hofic  und  Smidar. 

An  demselben  Tage  trat  aber  die  k.  k.  Nord-Armee  selbst  den  Rückzug 
gegen  Königgrätz  an  und  erhielt  der  Kronprinz  abends  den  Befehl,  sich  mit 
derselben  über  Neu-Bydzow  und  Nechanic  zu  vereinigen.  So  marschierte  der- 
selbe in  der  Nacht  vom  30.  Juni  auf  den  1.  Juli  von  Smidar  über  Neu-Rydzow, 
Nechanic  bis  Nieder  Pfim,  zwischen  welch  beiden  letzteren  Orten  das  säch- 
sische Corps  Bivouaes  bezog,  während  sich  das  I.  Corps  bis  auf  eine  Brigade,  die 
nach  Plotist  marschiert  war.  in  Kuklena  nächst  Königgrätz  vereinigte.  Damit 
halte  der  Kronprinz  den  Anschluss  der  österreichisch-sächsischen  Truppen  an 
die  k.  k.  Nord-Armee  tinler  den  schwierigsten  Verhältnissen  bewirkt. 

Am  1.  und  2.  verblieb  gleich  der  ganzen  Nord- Armee  auch  das  sächsische 
Corps  in  den  nächst  Königgrätz  bezogenen  Stellungen,  letzteres  mit  seinen  Vor- 
truppen am  Bistric-Bache  in  Nechanic  und  in  Hradek.  Dasselbe  bildete  mit 
der  k.  k.  1.  leichten  Cavallerie-Division  den  linken  Flügel  der  ganzen  Armee- 
Aufstellung,  während  rechts  von  den  Sachsen  das  k.  k.  X.  Corps  stand. 

Am  2.  Juli,  gegen  Abend,  erbat  sich  der  Kronprinz  von  dem  Armee-Com- 
niando  Verhaltungsbefehle,  da  sich  nach  den  Meldungen  der  aufklärenden  Caval- 


Digitized  by  Google 


3.V2 


CIAIV.  bis  CIAVIII.  Piumoli.,11.       im  Klieve  wu  ISß«.  -  Hf.hm.ui. 


l«M'ii»  der  Feind  gegen  Nechanic  nähorte  und  der  Kronprinz  für  den  3.  Juli  früh 
einem  umfassenden  Angriff  entgegensah. 

Infolge  dieser  und  anderweitiger  Meldungen  erließ  der  Arrnee-Commaudant 
um  11  Öhr  nachts  aus  Königgrätz  eine  allgemeine  Schlacht-Disposition,  welche 
der  Kronprinz  gleich  den  übrigen  Corps  -  Kommandanten  nach  Mitternacht 
erhielt. 

Nach  dem  Wortlaute  dieser  Disposition  hfdte  das  sächsische  Corps  links  vom 
X.  Corps  die  Höhen  von  Tfesovic  und  Popovic  besetzen  sollen.  Kronprinz 
Albert  hielt  jedoch  die  Aufstellung  bei  Nieder  Pf  im  und  Problus  für  besser 
und  erwirkte  sich  auch  die  Genehmigung  des  Armee-Commandos  zur  Besetzung 
des  dortigen  Plateaus. 

Bei  Tagesanbruch  am  3.  Juli  leitele  der  Feind  seinen  Angriff  gegen  das 
Centrum  der  k.  k.  Armee  ein.  Als  das  Geschützfeuer  aus  der  Richtung  von  Lipa 
zunahm,  ließ  Kronprinz  Albert  das  sächsische  Corps  gegen  Morgen  die  gewählte 
Stellung  mit  dem  Gros  beziehen  und  sendet»;  eine  Brigade  zur  Besetzung  der  Orte 
Tfesovic,  Popovic  und  Uubno  sammt  den  Bist  ric- Übergängen  und  des 
Waldes  östlich  Popovic  vor,  während  die  bis  Alt  Nechanic,  Kuncic  und 
Radikovic  vorgeschobenen  Vorposten  ihre  Aufstellung  festhielten. 

Nach  der  Disposition  des  Anuee-Commandos  hatte  behufs  Unterstützung  des 
sächsischen  Corps  hinter  demselben  das  k.  k.  VIII.  Corps  Stellung  genommen,  war 
somit  gewissermaßen  von  den  Dispositionen  des  Kronprinzen  Albert  alsComman- 
danten  des  linken  Flügels  abhängig.  Zunächst  erließ  der  Kronprinz  an  das 
VIII.  Corps  den  Auftrag,  erst  über  speciellen  Befehl  örtlich  Problus  Stellung  zu 
nehmen.  Als  jedoch  das  sächsische  Corps  anlässlich  des  von  Lipa  hörbaren 
Kanonendonners  seine  Gefechtsslellung  bezog,  nahm  auch  das  k.  k.  VIII.  Corps  mit 
einer  Brigade  hinter  dem  rechten  Flügel  der  Sachsen,  östlich  Problus,  mit  einer 
anderen  Brigade  links  rückwärts  des  linken  sächsischen  Flügels  bei  Slefcirek 
Stellung,  während  eine  dritte  Brigade  aus  der  früheren  Aufstellung  des  Corps  bei 
Nedelist  im  Anmärsche  war. 

Weiter  hatte  links  rückwärts  des  königlich  sächsischen  Corps  auch  GM.  Frh. 
von  Edelsheim  mit  seiner  1.  leichten  Cavallerie-Division  auf  dem  Plateau  von 
Steinfeld  Aufstellung  genommen. 

Während  der  Kampf  im  Centrum  bereits  im  Gange  war.  wurden  gegen  8  Uhr 
morgens  die  Vortruppen  des  königlich  sächsischen  Corps  in  Alt  Nechanic  — 
:>  Bataillone  stark  —  von  der  Tete  der  aus  Smidar  vorrückenden  preußischen 
FJbe-Armee  angegriffen  und  zogen  sich  kämpfend  nach  Nechanic  zurück.  Wäh- 
rend eines  der  beiden  Bataillone  eine  Aufnalimsslellung  östlich  Nechanic  nahm, 
z<>g  sich  das  andere  fechtend  hinler  die  Bistric,  brach  die  über  diesen  Bach 
lülin  nde  Brücke  hinter  sieh  ab  und  vertheidigle  sodann  nahezu  eine  Stunde  mit 
aller  Zähigkeit  den  Ort  Nechanic  gegen  den  gleich  starken  Feind,  wobei  es  von 
einer  reitenden  Batterie  nachdrücklichst  unterstützt  wurde. 

Gleichzeitig  mit  den  sächsischen  Vorposten  in  All  Nechanic  waren  auch  jene 
auf  dem  linken  Flügel  in  Kuncic,  und  zwar  von  überlegenen  Kräften  angegriffen 


Digitized  by  Google 


Riller  dts  M.  T.-O.  Se.  könijrl.  IMicil  Albert  Kronprinz  von  Sar|is,-n. 


35:1 


worden.  Trotzdem  leisteten  sie  dem  Gegner  einig«'  Zeit  erfolgreichen  Widerstand, 
worauf  sie  fortkämpfend  ihren  Rückzug  nach  Plim  nahmen. 

Auch  die  rechts  rückwärts  von  Nechanic  stehenden  sächsischen  Vor- 
t nippen  in  Lubno  mussten  trotz  hartnäckiger,  mit  großer  Zähigkeit  und  Bravour 
geführter  Verteidigung  des  Ortes  auf  ihre  Haupttruppe  gegen  Problus  und 
Nieder  PHm  zurückgehen. 

Infolge  dessen  wurden  die  beiden  Bataillone  in  Neehanic  durch  das  Aus- 
breiten des  Gegners  gegen  Lubno  in  der  rechten  Flanke  ernstlich  bedroht  und 
zogen  sich  deshalb  —  von  der  sächsischen  Gavallerie  aufgenommen  —  nach  dem 
südöstlich  von  Popovic  gelegenen  Walde  zurück. 

Die  preußische  Vorhut  besetzte  darauf  die  Höhe  südlich  von  Lubno  und 
eröffnete  ihr  Geschützfeuer  gegen  Problus  und  Nieder  PHm. 

Während  dieses  einleitenden  Vortruppengefechtes  wurde  das  am  rechten 
Flüge!  der  Hauptstellung  liegende  Dorf  Problus  mit  Hilfe  einer  k.  k.  Pionnier- 
Abthi'ilung  des  VIII.  Corps  thunlichst  in  Verteidigungszustand  gesetzt.  Ein 
Gleiches  geschah  mit  dem  linken  Flügel-Stützpunkte,  dem  Dorfe  Nieder  PMiii. 
Sächsische  und  österreichische.  Pionniere  wetteiferten,  zum  Theil  schon  im  feind- 
lichen Geschützfeuer,  in  muthiger  und  umsichtiger  Ausführung  der  betreffenden 
Arbeiten. 

Nach  dem  einleitenden  Kampfe  trat  eine  längere  Pause  ein.  indem  der  Feind 
yeiiöthigt  war,  die  zerstörte  Brücke  in  Nechanic  früher  wieder  herzustellen, 
um  auf  derselben  mit  3  Divisionen  den  Übergang  zu  bewirken,  weil  die  infolge 
liegen*  angeschwollene  Bistric  sonst  nicht  zu  passieren  war.  Die  preußische 
Infanterie  betrat  gegen  Uhr  dos  linke  Bistric-Ufer  und  die  preußische  Tete- 
Division  eröffnete  um  1 1  Uhr  von  der  Höhe  südlich  Lub  no  ein  größeres  Geschütz- 
teuer  gegen  die  Hauptstellung  des  sachsischen  Corps.  Die  in  einer  starken  Position 
entwickelte  sächsische  Artillerie  —  5  Batterien  —  erwiderte  das  preußische 
Geschützfeuer  mit  großer  Lebhaftigkeit. 

Während  dieses  Artilleriekampfes  zog  sich  die  bei  Nechanic  gestandene 
sächsische  Reiter-Division  aus  dem  feindlichen  Feuer,  um  den  linken  Flügel  herum, 
hinter  Pf- im  zurück.  Infolge  dessen  räumte  auch  die  ursprünglich  vorgesendete 
Brigade,  nun  in  ihrer  linken  Flanke  entblößt,  die  Orte  Tfesovic  und  Popovic, 
gieng  hinter  den  rechten  Flügel  der  Hauptstellung,  hinter  Problus,  zurück  und 
nahm  rechts  vorwärts  der  dort  aufgestellten  Brigade  des  k.  k.  VIII.  Corps  Stellung. 

Die  bei  Stc*irck  links  rückwärts  des  linken  sächsischen  Flügels  concen- 
trierte  Brigade  des  VIII.  Corps  erhielt  zwischen  11  und  12  Uhr  Befehl,  auf  die 
Höhen  östlich  Ober  Pfim  zu  rücken  und  den  Brizer  Wald  zu  besetzen.  Der 
Saum  des  Waldes  ward  durch  Verhaue  und  Jägcrgrähen  zur  Verteidigung  her- 
gerichtet. Im  Innern  wurden  teils  die  Communicationen  verbessert,  teils  sogar 
neue  Wege  angelegt.  Auf  diese  Weise  wurde  während  des  einleitenden  Gefechtes, 
mit  Rücksicht  auf  die  Vorrückung  des  Feindes,  die  Gefechtsstellung  des  aus  den 
Sachsen,  dem  VIII.  Corps  und  der  Gavallerie- Division  Edelsheim  bestehenden 
linken  Flügels  der  k.  k.  Armee  vervollständigt. 

Mi.ltArivctu't  Matta  TIi«reM<'U-Ur<ieii.  2o 


cJLXIV.  bis  CLXVI11.  Promotion.  —  Im  Kiiepe  von  186G.  —  Böhmen. 


Auf  Seite  des  Feindes  erschien  die  Forderung  der  Stellung  von  Problus- 
Nieder  Prim  um  so  dringender,  als  nur  dadurch  die  im  Centrum  der  k.  k.  Armer 
auf  den  flöhen  von  Langen  hol'  entwickelte  bedeutende  österreichische  Artillerie- 
kraft, an  welcher  sich  die  I.  preußische  Armee  geradezu  verblutete,  am  raschesten 
erschüttert  und  zum  Abfahren  gezwungen  werden  konnte. 

Doch  hatte  dank  der  Initiative  des  Kronprinzen  Albert  auch  der  linke  Flügel 
der  k.  k.  Armee  eine  feste  Gefechtsstellung,  namentlich  eine  starke  Artillerie- 
Position  auf  den  Höhen  von  Problus  und  Nieder  Prim,  so  dass  der  Frontal- 
angriff auf  dieselbe  zu  gewagt  erschien.  Der  Commandant  der  preußischen  Elbe- 
Armee  trachtete  daher  vor  allem  die  beiden  Flanken  der  Stellung  des  Kronprinzen 
Albert  zu  gewinnen. 

Infolge  dessen  gierig  die  preußische  Division,  welche  zuerst  aus  Nechanic 
auf  das  linke  Bistric-Ufer  debouchiert  war,  von  einer  Cavallerie-Brigade  gefolgt, 
über  Hradek,  Neu  Prim  und  durch  den  Wald  von  Ober  Pl  im  gegen  die  link«' 
Flanke  der  Sachsen  vor,  während  die  nächstfolgende  preußische  Division  nach 
Passierung  von  Nechanic  über  Lubno  und  die  Höhen  südlich  von  Popovi« 
gegen  die  rechte  Flanke  der  Sachsen  auf  Problus  vorrückte. 

Während  diese  ausgreifenden  Bewegungen  der  preußischen  Elbe- Armee 
gedeckt  vor  sich  giengen,  leitete  die  Avantgarde  —  getheilt  —  den  Angriff  auf  die 
Stellung  der  Sachsen  von  zwei  Richtungen  ein,  nämlich  einerseits  von  Lubno  aus 
über  die  Waldspitze  südöstlich  von  Popovic  gegen  Problus,  anderseits  von  den 
Höhen  südlich  von  Lubno  über  Jehlic  gegen  die  vor  dem  linken  sächsischen 
Flügel  gelegene  Fasanerie,  und  gleichzeitig  parallel  über  Neu  Prim.  durch  den 
Wald  von  Ober  Prim,  gegen  diesen  letzteren  Ort. 

Zunächst  versuchte  die  Colonne  von  der  Fasanerie  aus,  Nieder  Prim  zu 
nehmen,  wurde  aber  von  3  Bataillonen  Sachsen  kräftig  zurückgewiesen,  obwohl 
die  Vertheidiger  von  preußischer  Artillerie  auf  das  heftigste  beschossen  wurden 
und  ein  Theil  des  Ortes  dabei  in  Brand  gerieth. 

Gegen  12  Uhr  mittags  gewann  es  den  Anschein,  dass  die  Gefcchtslage  im 
allgemeinen  eine  günstige  und  es  an  der  Zeit  sei.  ans  der  bisherigen  ausschließlich 
defensiven  Haltung  in  eine  mehr  active  überzugehen.  Kronprinz  Albert,  welcher 
den  Verlauf  des  einleitenden  Gefechtes  von  der  Höhe  bei  Problus  mit  scharfem 
Blicke  verfolgte,  befahl  daher  behufs  Durchbruchs  der  sich  immer  mehr  nach  Südost 
gegen  seine  linke  Flanke  ausdehnenden  feindlichen  Linie  einen  Offensivstoß  über 
Nieder  Prim  gegen  Hradek  durch  die  sächsische  Leibbrigade  und  eine  Granat- 
Kanonen-Batterie  an.  Er  forderte  hiebei  das  k.  k.  VIII.  Corps  auf,  zur  Sicherung  der 
sächsischen  Truppen  in  der  linken  Flanke  Ober  Pf  im  und  Neu  Plim  zu  besetzen. 

Von  zwei  Batterien  der  Cavallerie-Division  GM.  Frh.  von  Edelsheim  und  der 
eigenen  Granat-Kanonen-Batterie  wirksamst  unterstützt,  nahm  sodann  die  Leib- 
brigade im  Verein  mit  1 sächsischen  Bataillonen  aus  Nieder  Prim  die 
Fasanerie  und  den  gegen  Neu  Prim  zu  liegenden  Waldrand  im  ersten  Anlaufe 
mit  solcher  Bravour,  dass  der  Feind  unter  Zurücklassung  von  Gefangenen  und 
einer  bedeutenden  Anzahl  von  Gewehren  zurückwich. 


Digitized  by  Google 


RilUr  di'*  M.  T.-O.  Sc.  koiiiul.  Hoheit  Albert  Krun|irin7.  von  Sachsen. 


Um  dieselbe  Zeit  machte  sich  aber  auch  bereits  die  Vonückung  der  preußi- 
schen Colonnen  über  Neu  Pfim  gegen  die  linke  Flanke  der  Sachsen  fühlbar, 
da  das  k.  k.  VW.  Corps  nicht  genügend  Zeit  gehabt  hatte,  außer  Über  Pf  im 
auch  Neu  Pfim  zu  besetzen.  Der  linke  Flügel  der  sächsischen  Leibbrigade  stieß 
in  Neu  Pfim  und  an  der  anliegenden  Waldlisiere  auf  preußische  Abtheilungen, 
warf  dieselben,  musste  jedoch,  da  alsbald  feindliche  Verstärkung  in  den  Kampf 
eingriff,  wieder  zurückgehen. 

Der  Kronprinz  beschloss  nun,  den  Offensivstoß  mit  größerer  Macht  zu 
erneuern.  Er  ließ  eine  frische  sächsische  Brigade  links  von  der  Leibbrigade  in 
Gefechtslinie  vorrücken  und  wandte  sich  neuerdings  dringend  an  das  VW.  Corps, 
damit  dasselbe  einer  feindlichen  Überflügelung  mit  den  verfügbaren  Kräften  ent- 
gegentrete. 

Von  dem  VW.  Corps  war  eine  Brigade  in  den  Wald  gegen  Neu  Pfim  vor- 
gerückt, während  eine  zweite  zu  deren  Unterstützung  von  Ober  Pfim  nach- 
rückte. Schon  war  aber  die  feindliche  Überflügelung  über  Neu  Pfim  hinaus  zu 
weit  vorgeschritten.  Die  in  den  Wald  gegen  Neu  Pfim  gedrungene  österreichische 
Brigade  wurde  durch  einen  Angriff  gegen  ihre  linke  Flanke  gezwungen,  zurück- 
zuweichen. Die  zur  Unterstützung  vorgesendete  zweite  Brigade  des  VW.  Corps 
erlitt  das  gleiche  Schicksal.  Dadurch  wurde  die  linke  Flanke  der  beiden  sächsischen 
Brigaden  entblößt  und  dieselben  sahen  sich  bald  genöthigt,  unter  großen  Verlusten 
über  Nieder  Pfim  zurückzugehen. 

Während  der  Feind  in  Verfolgung  des  errungenen  Erfolges  Ober  und  Nieder 
Pfim  in  Besitz  nahm,  ließ  der  Kronprinz  die  beiden  zurückgegangenen  sächsi- 
schen Brigaden  hinter  der  Höhe  von  Problus  wieder  Stellung  nehmen.  Um  dem 
weiteren  Vordringen  des  Feindes  aus  Über  Pfim  wirksam  zu  begegnen,  zog  er 
drei  glatte  Reserve-Batterien  auf  die  Höhe  vor  und  ließ  dieselben  links  rückwärts 
der  von  fünf  Batterien  in  «1er  Front  festgehaltenen  Artillerie-Position  eine  Haken- 
stellung gegen  Süden  nehmen  und  ein  lebhaftes  Granat-Kartätschenfeuer  gegen 
Ober  Pfim  und  die  angrenzenden  Waldränder  richten.  Zwei  noch  weiter  nach  links 
placierte  sächsische  Divisions-Batterien  betheiligten  sich  an  diesem  Artilleriekampfe 
und  steckten  bald  durch  Granatenwürfe  mehrere  Gebäude  des  Ortes  in  Brand. 

Außerdem  nahm  der  Kronprinz  zur  völligen  Sicherung  der  linken  Flanke 
auch  die  hinter  Problus  aufgestellte  Keserve-Brigade  vor  und  ließ  durch  dieselbe 
das  östlich  von  Nieder  Pfim  gegen  Bor  sich  erstreckende  Gehölz  besetzen. 

Endlich  entsendete  der  Kronprinz  eine  Brigade  der  Reiter-Division  mit 
einer  reitenden  Batterie  mit  der  Bestimmung,  im  Vereine  mit  der  Cavallerie-Divi- 
sion  Edelsheim  gegen  die  rechte  Flanke  des  Feindes  zu  wirken  und  dadurch  das 
sächsische  und  das  VW.  Corps  in  der  linken  Flanke  zu  degagieren. 

Die  andere  Brigade  der  Divisions-Reiterei  der  beiden  sächsischen  Infanterie- 
Divisionen  ließ  der  Kronprinz  verdeckte  Stellung  östlich  hinter  Problus  nehmen, 
um  seinen  rechten  Flügel  und  die  Verbindung  mit  dem  X.  Corps  zu  sichern. 

Inzwischen  griffen  gerade  auf  jener  Seite  neue  preußische  Kräfte  in  den 
Kampf  ein,  und  zwar  richtete  sich  nun  der  Angriff  des  Feindes  gegen  Front  und 


Digiti|«d  by  Google 


(XXIV.  Im  (XXVIJJ.  Promutiuu. 


—  Im  Kruge  von  186G.  —  Böhmen. 


n-chte  Flanke  der  Sachsen  bei  Problus.  Zunächst  entspann  sich  ein  heftiger 
G<*schützkampf,  wobei  die  preußischen  Batferien  über  Jehlic  bis  auf  2000  Schritte 
an  die  sächsische  Artillerie-Position  in  der  Front  vorrückten.  Ein  preußisches 
l'hlanen-Regiment,  welches  die  rechte  Flanke  der  Sachsen  zu  gewinnen  trachtete, 
wurde  durch  das  Feuer  einer  sächsischen  Batterie  bei  Stf-ezelie  gezwungen, 
wieder  zurückzugehen.  Gegenüber  den  preußischen  Infanterie -Massen  jedoch, 
welche  gegen  Problus  vordrangen,  war  der  österreichisch-sächsische  linke  Flügel 
der  Nord- Armee  nicht  mehr  in  der  Verfassung,  dem  mit  frischen  Kräften  unter- 
nommenen Angriffe  der  Preußen  zu  widerstehen.  Der  Kronprinz  erließ  sonach 
den  Befehl  zum  Rückzüge  auf  die  Höhen  südwestlich  von  Rosnitz. 

Unter  fortgesetztem  lebhaften  Kampfe  wurden  Nieder  Püm  und  Problus 
geräumt,  dann  zunächst  der  Brizer  Wald  besetzt  und  verlheidigt.  Zwei  preußische 
Infanterie-Divisionen  drängten  von  Süden  und  Westen  gleichzeitig  nach.  Eine 
Brigade  des  k.  k.  I.  Corps  führte  mit  Theilen  des  sächsischen  Corps  behufs  Dega- 
gierung  des  Kronprinzen  einen  Gegenstoß  gegen  den  linken  Flügel  der  preußi- 
schen Elbe-Armee  bis  Problus,  welcher  Ort  auch  im  ersten  Anlaufe  wieder 
erobert  wurde.  Bald  sah  sich  die  Brigade  jedoch  durch  die  in  ihren  beiden  Flanken 
unaufhaltsam  vordringenden  preußisch«  n  Colonnen  genöthigt,  wieder  zurück- 
zugehen. Darauf  musste  auch  der  Brizer  Wald  geräumt  werden  und  Sachsen  und 
Österreicher  zogen  sich  gegen  die  Höhen  von  Rosnitz  zurück. 

Bei  dem  späteren  allgemeinen  Rückzüge  der  Nord-Armee  bewahrte  das 
sächsische  Corps  trotz  des  heftigen  feindlichen  Geschützfeuers  seine  taktische 
Ordnung  und  gieng  ruhigen  Schrittes  bis  zu  den  Elbe-Defileen  zurück,  worauf  es 
mit  Theilen  der  Nord-Armee  vermischt,  die  Elbe  bei  Placka,  Königgrätz  und 
bei  Pardubic  in  «hei  Colonnen  überschritt,  welche  sich  während  des  weiteren 
Rückzuges  bei  Zwittau  wieder  vereinigten. 

Das  sächsische  Corps  hatte  in  der  Schlacht  bei  Königgrätz  einen  Verlust  von 
."»ö  Officieren,  144G  Mann. 

Das  officielle  Werk  des  k.  k.  Generalstabes  „Österreichs  Kämpfe  im  Jahre 
1866"*)  schreibt  über  das  Eingreifen  des  Kronprinzen  von  Sachsen  in  der 
Schiacht  bei  Königgrätz: 

„Es  ist  als  ein  Glück  zu  betrachten,  dass  der  Kronprinz  von  Sachsen 
wenigstens  die  Besetzung  der  Position  Pi  im-Problus  (statt  jener  von  Popovio 
sich  zu  erwirken  verstand.  Hütt«'  «las  sächsische  Corps  seine  Aufstellung  in  der 
letzteren  genommen,  wie  dies  die  nur  auf  eine  lineare  Nebenciuaiiderslcllung 
aller  Corps  bedachte  Disposition  gewollt,  so  wäre  die  feindliche  Elbe-Armee 
mindestens  um  eine  Stunde  früher  auf  den  Höhen  von  Problus  erschienen,  als 
dies  thatsächlich  geschah,  und  wäre  die  Lage  des  kaiserlichen  Heeres  bedeutend 
verschlimmert  worden." 

In  Würdigung  und  Anerkennung  der  < '.onunanilo-Führung  des  Kronprinzen 
AI  hei  l  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 


'  .  hritW  Man«],  erste  Hallte.  Seite 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Se.  kflnigl.  Hoheit  Albert  Kronprinz  von  Sachsen. 


357 


me ister  des  Maria  Theresien-Ordens  folgendes  Allerhöchstes  Handsehreiben  an 
den  Ordenskanzler  Fehlmarschall  Grafen  Wratislaw  zu  richten: 

.Lieber  Graf  Wratislaw!  Ich  verleihe  Seiner  königlichen  Hoheit  dem 
Kronprinzen  Albert  von  Sachsen,  dem  tapferen  Führer  des  Meiner  Armer 
verbündeten,  in  heißen  Kämpfen  unerschüttert  und  rnnthvoll  bewährten  könig- 
lich sächsischen  Armee-Corps,  »las  Hilterkreuz  Meines  Militär-Maria 
Theresien -Ordens,  und  habe  Höchstdemselben  die  Decoration  unmittelbar 
zukommen  lassen. 

Wien,  am  18.  Juli  1866. 

Franz  Joseph  m.  p.tt 

Durch  dieses  Allerhöchste  Handschreiben  wurde  der  erlauchte  Führer  der 
verbündeten  sächsischen  Armee,  Kronprinz  Albert  von  Sachsen,  kraft  der 
Promotion  CLX.V  vom  18.  Juli  1806  zum  Ritter  des  Maria  Theresien- 
O  rd  e  n  s  promoviert. 

Im  weiteren  Verlaufe  des  Krieges  bewährte  Kronprinz  Albert  noch  einmal 
und  zwar  bei  dem  Rückzüge  der  Nord-Armee  nach  Olrnütz,  als  durch  ein 
preußisches  Streif-Commando  am  7.  Juli  lSüü  ein  Oberfall  auf  Zwittau  aus- 
geführt wurde,  ebensoviel  Kaltblütigkeit  als  Umsicht,  indem  seine  Dispositionen 
alle  weiteren  nachtheiligen  Folgen  dieses  feindlichen  Unternehmens  für  die  Nord- 
Armee  verhüteten. 

Den  weiteren  Rückzug  führte  der  Kronprinz  mit  dem  sächsischen  Corps  im 
Verbände  der  Nord-Armee  derart  aus.  dass  er  am  11.  Juli  in  Olmütz  eintraf. 

Gemäß  weiterer  Dispositionen  des  FM.  Erzherzogs  Albrecht,  welcher 
inzwischen  in  Wien  das  Armee-Obn-( iomrnando  übernommen  hatte,  brach 
Kronprinz  Albert  mit  dem  sächsischen  Corps  von  Olmütz  am  13.  wieder  auf  und 
zwar  mittels  Eisenbahn  nach  Wien.  Der  Transport,  sollte  in  der  Zeit,  vom  Di.  bis 
Iii.  Juli  erfolgen.  Es  gelangten  jedoch  nur  etwas  über  5000  Mann  und  12  Ge- 
schütze unter  dem  Kronprinzen  mittels  Balm  am  14.  und  15.  an  die  Donau, 
wo  dieselben  theils  den  Stadlauer  Drückenkopf  nebst  mehreren  Gürtelwerken 
besetzten,  theils  bei  Iii  i  st  listet!  en  das  Lager  bezogen,  wo  der  Kronprinz  sein 
Hauptquartier  aufschlug. 

Der  Rest  des  sächsischen  Corps  konnte  die  Eisenbahn  nicht  mehr  benutzen, 
da  der  Verkehr  am  15.  durch  den  Feind  unterbrochen  wurde,  und  marschierte 
theils  von  Bisenz  über  Tyrnau  nach  Dressburg,  theils  von  Olrnütz  mit  dem  Gros 
der  Nord-Armee  an  die  Donau  zurück,  welche  die  Sachsen  am  55.  und  -JG. 
überschritten. 

Am  20.  Juli  war  inzwischen  der  zunächst  eingetroffene  Theil  der  sächsischen 
Truppen  aus  dem  Brückenköpfe  bei  Stadlau  zurückgezogen  und  in  Cantonnierun- 
gen  zwischen  Wien  und  Baden  verlegt  worden,  wohin  später  der  Rest  der 
Sachsen  nachrückte.  Kronprinz  Alberl  nahm  sein  I lauplquartier  in  Hetzcndorf. 

Nach  Abschluss  des  Friedens  zwischen  Sachsen  und  l'reußen  am  21.  Oc- 
tober  Istiti  traten  die  Sachsen  den  Rückmarsch  in  ihre  Heimat  an.  Die  letzten 


35« 


CLXIV.  bis  CIAVIIT.  Promotion.  —  Im  Kri.  fre  von  1*66.  —  Rohmen. 


sächsischen  Abtheilungen  verließen,  nachdem  Seine  Majest.1t  König  Johann  von 
Sachsen  bereits  am  3.  November  in  seine  Residenz  wieder  eingezogen  war,  am 
12.  November  den  österreichischen  Boden,  wo  diese  braven,  tapferen  Truppen  die 
herzlichste  Aufnahme  gefunden  hatten  und  wo  ihnen  Heer  und  Volk  eine  warme 
freundliche  Erinnerung  bewahrten. 

An  Seine  königliche  Hoheit,  den  Kronprinzen  Albert  von  Sachsen  richtete 
FM.  Erzherzog  Albreehl  ein  überaus  herzliches  Abschied-Schreiben,  dessen 
Hauptstellen  lauteten: 

,  .  .  .  Bald  werden  Eure  königliche  Hoheit  die  Armee  in  die  Heimat  zurück- 
führen .  .  .  Stolz  mag  das  eigene  Vaterland  auf  seine  rückkehrenden  würdigen 
Söhne  blicken,  denn  sie  haben  unter  Eurer  königlichen  Hoheit  so  ausgezeichneter 
Führung  aufs  neue  die  ererbten  kriegerischen  Tugenden  ihres  Volkes  rühmlichst 
erprobt. 

Die  k.  k.  Armee  aber,  mit  denen  diese  wackere  Schar  Anstrengungen.  Ent- 
behrtingen und  Gefahren  jeder  Art  so  treu  getheilt.  kann  in  diesem  Abschiedsgruße 
nicht  warm  und  herzlich  genug  der  hohen  Achtung  und  aufrichtigen  Zuneigung 
Ausdruck  gehen,  die  unsere  scheidenden  Waffenbrüder  sich  in  Österreichs  Volk 
und  Heer  ervorben  durch  ungewöhnliche  Tapferkeit,  strenge  Disciplin  und 
unerschütterliche  Standhaftigkeit  in  allen  Wechselfällen  des  Krieges,  durch  muster- 
haftes Benehmen  gegen  uns  und  die  Bewohner  des  Landes,  denen  sie  allerorts 
so  lieb  und  wert  geworden. 

Wer  seiner  Pflicht  so  vollständig,  als  die  säc  hsischen  Truppen  genügte,  in 
harten  Prüfungen  so  ungebeugten  Sinnes  blieb,  darf  getrost  auf  die  Vergangenheit 
und  die  Zukunft  blicken;  -  was  letztere  auch  bringen  möge,  wir  wünschen  und 
hoffen,  dass  jene  Tapferen  das  Andenken  der  edlen  Kampfgenossenschaft,  die  auf 
Böhmens  Schlachtfeldern  Tausende  mit  ihrem  Her/blute  besiegelten,  so  lebhaft 
und  dauernd  bewahren  werden,  als  Österreichs  Heer  die  dankbare  Erinnerung  an 
die  in  ernster  Zeit  bewährten  Kameraden  und  die  innigste  Theilnahme  an  ihren 
ferneren  Geschicken.  Und  somit  sag.-  ich  im  Namen  der  Armee  den  braven 
Sachsen  herzlich  Lebewohl.  Gott  geleite  sie.  gehe  Huhm  und  Heil  ihren  glorreichen 
Fahnen ! " 

So  der  Sieger  von  Custozza  namens  der  k.  k.  Armee  an  den  tapferen  Führer 
der  königlich  sächsischen  Armee,  Kronprinzen  Albert. 

Der  weitere  Lehenslauf  dieses  erlauchten  Maria  Theresien-Ordens-Ritters 
gehört  dm-  Kriegs-  und  allgemeinen  Weltgeschichte  wie  der  Geschichte  seines 
Landes  an.  Tu  diesen  Blättern  erübrigt  nur.  zu  verzeichnen,  dass  Kronprinz  Albert, 
welcher  am  23.  April  1828  zu  Dresden  geboren  wurde,  seit  dem  Jahre  1S53  bis 
187:5  Oberst-Inhaber  des  k.  k.  11.  Infanterie-Regiments  war  und  nach 
der  Thronbesteigung  als  König  Albert  von  Sachsen  am  29.  October  1873  von 
Seiner  Majestät  dem  Kaiser  Franz  Joseph  1.  zum  Oberst-Inhaber  des 
k.  k.  3.  Dragoner-Regimeutes  ernannt  wurde. 


Digitized  by  Google 


Ritter  de«  M.  T.-O.  August  von  der  Gro«b«n. 


359 


Rittor  des  Maria  Theresien- Ordens 
August  von  der  Groeben 

(Als  Gefallener  promoviert.  —  Mit  Bildnis  aus  d«m  Jahro  1SGK). 

Von  der  Groeben  wurde  als  Sohn  eines  königlieh  hannoveranischen  Oberst- 
lieulenants  zu  Ebersburg  nächst  Osnabrück  im  Königreiche  Hannover  im  Jahre 
1828  geboren.  Nach  absolvierten  Gymnasial-Studien  trat  er  im  sechzehnten 
Lebensjahre,  am  10.  Juli  1844,  in  die  k.  k.  Armee,  und  zwar  als  Regiments- 
Cadet  bei  dem  2.  Feld- Artillerie-Regiment  ein.  Am  1.  December  rückte  er  zum 
C.adet-Kanonier  vor.  Als  solcher  frequentierte  er  durch  drei  Jahre  den  mathema- 
tischen Curs  des  Bombardier-Corps,  wurde  am  1.  Juni  184G  zu  demselben 
transferiert  und  gleichzeitig  zum  Bombardier  befördert.  Am  1.  April  1848 
erfolgte  seine  Beförderung  zum  kais.  königl.  Gadeten. 

Als  solcher  nahm  von  der  Groeben  im  Jahre  1848  theil  an  der  Einnahme  von 
Wien  vom  28.  bis  31.  October.  Im  Jahre  1849  am  1.  April  zum  Unterlieule- 
nant  im  1.  Feld-Artillerie-Regiment  befördert  und  mit  der  Cavallerie-Balteriu 
Nr.  3  bei  der  Brigade  Montenuovo  eingetheilt,  kämpfte  er  in  dem  Feldzuge  in 
Ungarn,  und  zwar  in  der  Schlacht  bei  Isaszeg  am  6.  April,  in  den  beiden 
Gefechten  am  Räkos  am  16.  und  21.  April,  in  dem  Gefecht  bei  Szered  am 
s.  Juni,  bei  der  Einnahme  von  Raab  am  28.  Juni,  in  den  Schlachten  bei  Komorn 
am  2.  und  1 1.  Juli,  endlich  in  der  Schlacht  bei  Temesvär  am  9.  August. 

In  den  nachfolgenden  Jahren  wurde  von  der  Groeben  am  11.  März  1850  zum 
5.  Feld-Artillerie-Regiment  transferiert  und  in  demselben  am  16.  März  1853  zum 
Oberlieutenant  befördert.  Am  11.  Juli  1854  erfolgte  seine  Transferierung 
zum  1.  und  am  31.  Juli  1851  zum  neuen  4.  Feld-Artillerie-Regimeut.  Am  12.  April 
1859  endlich  wurde  er  zum  3.  Feld-Artillerie-Regiment  transferiert  und  in  dem- 
selben am  13.  April  zum  Hauptmann  II.  Classe  befördert. 

Im  Kriege  von  1859  war  es  ihm  nicht  vergönnt,  ins  Feuer  zu  kommen,  da  er 
mit  seiner  Cavallerie-Batterie  Nr.  13/111  erst  nach  Ahschluss  des  Waffenstillstandes 
zur  Armee  in  Italien  einrückte. 

Am  l.  November  1859  erfolgte  seine  Trausferierung  zum  8.  Feld-Artillerie- 
Regiment*)  und  in  demselben  am  25.  Februar  1862  seine  Beförderung  zum  Haupt- 
mann I.  Classe. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  kämpfte  er  in  dem 
Feldzuge  gegen  Preußen  im  Norden,  und  zwar  eingetheilt  mit  seiner  Batterie 
N'r.  7/ VIII  in  der  Corps-Geschütz-Reserve  des  III.  Armee-Corps  FML.  Erzherzog 
Ernst. 

In  der  Schlacht  bei  Königgrätz  am  3.  Juli  war  Hauptmann  von  der 
Groeben  mit  seiner  Batterie  einer  der  ersten,  der  sich  dem  bis  in  den  Rücken  des 
Centrums  bei  Chlum  unbemerkt  vorgedrungenen  Feind  entgegenwarf,  um  die 

*)  Seit  1.  Mai  1S8.j:  12.  Ungarisches  Gorps-Artillerie-Hegiment. 


Digitized  by  Google 


,,,öp  Hanert   o       u  *  <*tiicJi  von  /  >r  ^  Ba*teri  Kf**»Pfe*  „ 

n,     1  "'»Je.  nach  der      ,  Bri»,<       ^  ^fvnrf  ^  f,,,,*rj<W 

i^h^*^^^ 

''«r*vesl,,W  ,  "'^d-  dieser  ßn     ,'W  ü»'<d"«  <         P-"'a'd.>  „2 

«V,   ,  /''''  '•'"<«"  ,el     "ÜSS';"  «H.  '  *'  '"   f'orp"  S Lft' 

''"*.\"  (V.r.        '""a"fd,T||. i        L,Pa-  die  ,-,k„        'ml  •"  Go^-h,-.,  1  e"ung- 

•»...  ;"r:"  *  S:;,:"-  - 

■swi-/-  • , vWo"'  "'•«■«< .  ir       t  *» ««. 4,  .f^- 

 ^^asS^-w^ÄS 


Digitized  by  Google 


360 


CLXIV.  his  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Krietrr  v..n  ISfifi.  —  Böhmen. 


Katastrophe  aufzuhalten,  wodurch  er  in  der  That  für  sein  Corps  unschätzbare 
Augenblicke  gewann,  in  welchen  es  der  ersten  Verwirrung  Herr  werden  konnte. 

Gemäß  der  Schlacht-Disposition  hatte  das  III.  Corps  im  Centrum  die  Stellung 
von  Lipa-Chlum  zu  vertheidigen.  Während  des  einleitenden  Kampfes  war  die 
Batterie  des  Hauptmanns  von  der  Groeben  nebst,  der  Batterie  8/VIU  von  der  Corps- 
Geschütz-Reserve  nordwestlich  von  Lipa  nächst  der  gegen  Sadova  führenden 
Straße  placiert.  Beide  Batterien  hatten  die  Bestimmung,  während  das  Corps  seine 
Aufstellung  nahm,  den  Rückmarsch  zweier  Brigaden  desselben  von  den  Vorposten 
im  Bistrie-Thale,  nach  der  Stellung  Lipa-Chlum  zu  decken. 

Darauf  rückte  die  Batterie  von  der  Grocheu  im  Verein  mit  der  Batterie  8/VII1 
bis  in  die  Höhe  von  Gistaves  vor,  um  die  Brigade  Appiano,  welche  während 
ihres  Rückmarsches  zur  Hälfte  in  den  einleitenden  Kampf  um  den  westlichen 
Theil  des  S wie})- Waldes  verwickelt  war  und  von  der  feindlichen  Artillerie 
bedrängt  wurde,  in  ihrem  Rückmärsche  zum  Corps  zu  unterstützen. 

Nachdem  sich  die  Brigade  Appiano  aus  dem  Swicp-Walde  gezogen  hatte, 
schloss  sich  aueh  die  Batterie  von  der  Groeben  sowie  die  Batterie  8/V1I1  dem 
weiteren  Rückmärsche  dieser  Brigade  an.  Während  die  letztere  Batterie  wieder 
nordwestlich  Lipa  nächst  der  Straße  disponiert  wurde,  nahm  die  Batterie  von  der 
Groeben  westlich  von  Chlum.  auf  dem  rechten  Flügel  des  III.  Corps  Stellung. 

Links  (westlich)  an  dieselbe  schlössen  sich,  zum  Theil  in  Geschützdeckungen 
auf  dem  Plateau  von  Chlum  gegen  Lipa,  die  übrigen  7  Batterien  des  III.  Corps, 
außerdem  weiterhin  auf  der  Höhe  nordwestlich  Langenhof  successive  13  Batterien 
des  X.  Corps,  der  3.  Reserve-Cavallerie-Division  und  der  Armee-Geschütz-Reserve 
an.  So  bildete  die  Batterie  von  der  Groeben  den  äußersten  rechten  Flügel  der  erst 
aus  17.  dann  20.  endlich  21  Batterien  gebildeten  furchtbaren  Artilleriekraft  im 
Centrum  der  österreichischen  Schlacht-stellung.  an  welcher  sich  die  preußische 
I.  Armee  nahezu  verbluten  sollte. 

Während  die  Batterien  von  der  Höhe  von  Langenhof  den  südlich  der 
Chaussee  Sadowa-Lipa  über  die  Bistric  vorgedrungenen  Theil  des  preußischen 
Centrums  (zwei  Infanterie-Divisionen  )  durch  mörderisches  Feuer  zum  Stillstand, 
ja  selbst  theihveise  zum  Zurückweichen  zwangen,  unterhielten  die  Batterien  des 
III.  Corps  von  der  Höhe  bei  Lipa-Chlum  zunächst  ein  lebhaftes  Feuer  gegen  die 
Colonnen  der  preußischen  S.  lnlant.erie-Divi.-ion,  welche  hinter  den  beiden  rüek- 
marschierlen  Brigaden  des  Corps  <t  chenil  der  Chaussee  Sadowa-Lipa  vordrangen. 

Die  Batterie  von  der  Groeben  speciell  beschoss  den  aus  dem  Skalka-  gegen 
den  Hola-Wald  und  dann  in  dem  letzteren  vorrückenden  linken  Flügel  der 
feindlichen  Division.  Darauf  richtete  sich  Crm-bens  Feuer  gegen  den  aus  dem 
Swiep-Wald  gegen  Cistaves  vordringenden  rechten  Flügel  der  7.  preußischen 
hhision.  im  weiteren  Verlaule  des  Kampfes  aber  im  Verein  mit  den  übrigen 
Batterien  des  III.  Corps  gegen  die  im  feindlichen  Centrum  nördlich  der  Chaussee 
Sadowa-Lipa  aufgefahrenen  acht  preußischen  Batterien. 

Der  Kampf  im  Cenlium  beschränkte  sich  von  lo  Uhr  vormittags  an  über- 
haupt größtenteils  auf  <lie  Thätigkeit  der  beiderseitigen  Artillerie.  Während  die 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


(GEFALLEN  ä 


Digitized  byTjOOQle 


Digitized  by  Google 


Ritter  d<>.*  M.  T.-O.  August  von  der  Uropbcn. 


361 


Infanterie-Divisionen  der  preußischen  1.  Armee  in  den  Dörfern  au  der  Bistric 
sowie  in  den  dazwischen  hefindlichen  Terrainsenkungen  und  Wäldern  deckende 
Zuflucht  suchten,  ffdirte  die  preußische  Artillerie  einen  erfolglosen  Kampf  gegen  die 
österreichische. 

Gegen  Mittag  zählte  die  preußische  Geschützkraft  des  Centruins  in  erster 
Linie  132,  die  österreichische  160  Geschütze.  Speeiell  nördlich  des  Hola-Waldes 
kämpften  48  preußische  Geschütze  gegen  64  österreichische  hei  Lipa  und  Chinin, 
welche  zeitweilig  ihr  Feuer  auch  in  der  Kiehtung  von  Cistaves  gegen  den  süd- 
westlichen Rand  des  Swiep-Waldes  richteten.  Die  österreichische  Artillerie 
hatte  den  Vortheil  der  Zahl  und  des  Terrains  auf  ihrer  Seite,  dabei  schoss  sie 
aber  auch  mit  solcher  Treffsicherheit,  dass  mehrere  preußische  Batterien  sich  aus 
der  Gefechtslinie  zurückziehen  mussten. 

Dies  war  der  erfolgreiche  Artillerie-Kampf  im  österreichischen  Centrum,  an 
welchem  auch  die  Batterie  von  derGroehen,  und  zwar  auf  dem  äußersten  rechten 
Flügel  der  Centrum-Stellung  theil  nahm,  —  in  welcher  Aufstellung  diese  Batterie 
eben  im  weiteren  Verlaufe  der  Schlacht  zu  ganz  besonders  hervorragendem  Ein- 
greifen berufen  war.  Dieselbe  stand  anfangs,  wie  erwähnt,  westlich  von  Chinin. 
Gegen  Mittag  rückte  Hauptmann  von  der  Groeben  des  besseren  Schussfeldes  wegen 
etwas  vor,  auf  den  Hang  nordwestlich  von  Chi  um. 

Angesichts  der  österreichischen  Artillerie -Wirkung  begann  man  zwischen 
Ih-,  bis  2  Uhr  im  preußischen  Hauptquartier  sieh  bereits  ernstlich  die  Frage  zu 
stellen,  was  weiter  zu  thun  wäre.  Länger  auszuharren  schien  unmöglich,  und  der 
Hüekzug  des  preußischen  Centrums  schien,  wie  aus  dessen  sichtlich  erlahmender 
Defensive  hervorgieng.  unvermeidlich. 

Da  führte  das  Vordringen  und  Eingreifen  der  beiden  Flügel  des  preußischen 
Heeres,  insbesondere  aber  des  feindlichen  linken  Flügels  —  der  Armee  des  Kron- 
prinzen —  eine  jähe,  unheilvolle  Wendung  der  Schlacht  herbei. 

Infolge  der  blutigen  Kämpfe  um  den  Swiep- Wald  war  der  österreichische 
rechte  Flügel  dermaßen  geschwächt  und  darauf  infolge  der  weiteren  Gefechte  und 
anderer  unglücklichen  Umstände  größtentheils  soweit  zurückgegangen,  dass  die 
Spitze  der  preußischen  Armee  —  die  1.  Garde-Division  —  völlig  unbemerkt  bis 
in  Flank*1  und  Bücken  des  österreichischen  Centrums  gelangen  konnte. 

Zwischen  2  und  2  Ys  Uhr  drangen  plötzlich  das  preußische  1.  Bataillon  des 
I.Garde-Regiments  und  eine  Garde-Jäger-Compagnie,  bald  darauf  auch  das 
Füsilier-Bataillon  dieses  Garde-Regiments  von  der  Ostseite  in  Chlum  ein  und 
überrumpelten  das  den  Ort.  besetzt  hallende  2.  Bataillon  Sach>en-Meiningen. 
während  andere  Abtheilungen  der  feindlichen  Garde-Division  sich  theils  vollständig 
Chinins  bemächtigten,  theils  unaufhaltsam  weiter  südlich  gegen  Rozbefie  vor- 
drangen. 

Die  in  Chlum  eingedrungenen  preußischen  Abtheilungen  besetzten  rasch  den 
verrammelten  und  durch  Verhaue  verstärkten  Westrand  des  Ortes  und  eröffneten 
gegen  den  Rücken  der  zwischen  Chlum  und  Lipa  —  Front  gegen  Westen  — 
aufgestellten  Truppen  und  der  in  den  Geschützdeckungen  placierten  Batterien  des 


Digitized  by  Google 


362 


fXXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion. 


—  Im  KrieRe  von  186«. 


—  Böhmen. 


III.  Corps,  sowie  gegen  das  auf  dem  Plateau  von  Chi  um  haltende  Hauptquartier 
ein  verheerendes  Schnellfeuer. 

Der  Armee-Commandant  FZM.  Ritter  von  Benedek  in  eigener  Person  lässt 
sofort  die  nachstehenden  zwei  Bataillone  von  Franz  Carl  die  Front  verkehren  und 
auf  Chluin  im  Sturm  losgehen.  Dieser  Angriff  scheitert  an  dem  verheerenden  Feuer 
des  Feindes. 

Und  schon  schicken  sich  auch  die  preußischen  Abtheilungen  an,  aus  Chi  um 
weiter  gegen  Lipa,  zunächst  in  den  Mücken  des  III.  Corps,  zu  debotiehieren. 
bevor  dasselbe  seine  Front  gegen  Chi  um  verändern  kann. 

inzwischen  hat  sich  aber  bereits  Hauptmann  von  der  Groeben  mit  seiner 
Batterie  dem  Feinde  entgegengeworfen.  Da  Groeben  in  seiner  Aufstellung  am 
rechten  Flügel  des  III.  Corps,  nordwestlich  von  Chi  um,  dem  im  Rücken  erschienenen 
Feinde  am  nächsten  stand,  bedrohte  die  Katastrophe  seine  Batterie  mit  der 
unmittelbarsten,  größten  Gefahr.  Von  der  Groeben,  die  Gefechtslage  und  deren 
Tragweite  augenblicklich  erfassend,  war  jedoch  nur  darauf  bedacht,  das  Abfahren 
der  in  den  nächsten  Geschützdeckungen  placierten  Batterien  der  Corps-Geschütz- 
Heserve,  Nr.  9/V11I  und  10/V1I1,  zu  ermöglichen,  für  die  Infanterie  Zeit  zur  Samm- 
lung, zur  Front-  und  Flügelveränderung  zu  gewinnen,  zu  diesen»  Zwecke  aber 
seine  eigene  Batterie  und  sich  selbst  zu  opfern. 

Rasch  entschlossen  fährt  er  im  Galopp  bis  auf  200  Schritte  an  den  Westrand 
von  Chluin  an  und  lässt  die  debouchierenden  preußischen  Abtheilungen  mit 
Kartätschen  beschießen. 

Das  furchtbare  Schnellfeuer  der  Preußen  macht  jedoch  die  Batterie,  kaum 
daß  sie  zu  schießen  begonnen,  wieder  verstummen.  Nur  einzelne  Geschütze 
leuern  wiederholt,  andere  gar  nicht  mehr.  Beim  zehnten  Schuss  liegt  fast  die 
ganze  Batterie  —  Mann  und  Pferd  —  gefallen  da,  auch  Hauptmann  von  der 
Groeben.*) 

Sieben  Geschütze  sind  ohne  Bedienung,  ohne  Bespannung.  Das  achte  rettet 
der  überlebende  Batterie-Üfficier,  indem  er  sich  mit  demselben  und  mit  einigen 
Munitionswägen  aus  dem  Feuer  zurückzieht. 

So  hatte  sich  Hauptmann  von  der  Groeben  mit  seiner  Batterie  in  der 
That  heldenmüthig  geopfert.  Aber  auch  sein  nächster  Zweck  war  erreicht. 

Während  seine  Batterie  das  feindliche  Feuer  aus  Chlum  auf  sich  ablenkte, 
konnten  die  beiden  anderen  Batterien  der  Cmps-Geschütz-Reserve.  Nr.  9/VII1 
und  10/VIII,  aus  dem  verheerenden  Schnellfeuer  abfahren  und  geeignetere  Stellung 
unter  entsprechender  Bedeckung  nehmen. 

Auch  dem  Hervorbrechen  der  Preußen  aus  Chluin  gegen  Lipa  wurde 
augenblicklich  und  sogar  für  längere  Zeit  halt  geboten. 

Zunächst  gewannen  zwei  Bataillone  Sokcevic  der  zwischen  Chlum  und 
Lipa  aufgestellten  Brigade  Zeit,   Front  und  Flügel  zu  verändern  und  einen 


*)  Es  fielen  von  tir<>>beni  Batterie  7/VIU  1  Hiupt  iiimt,  1  Oherlieutenant,  54  Mann  uml 
68  Pferde. 


Digitized  by  Google 


RiUer  des  M.  T.  O.  August  von  der  Oroebcn. 

■ 


■MVA 


Angiitis  versuch  auf  Chlum  zu  machon,  welchem  sich  eines  der  bei  dem  ersten 
Angriffe  geworfenen  Bataillone  von  Franz  Carl  ansehloss. 

Außerdem  vermochte  ein  anderes  Bataillon  von  Franz  Carl  den  zwischen 
Chln m  und  Lipa  besetzten  Wald  gegen  andere  preußische  Abtheilungen  noch 
einige  Zeit  zu  behaupten,  welche  von  Osten  direct  zwischen  den  beiden  Orten 
gegen  die  rechte  Flanke  des  III.  Corps  vordrangen. 

Zugleich  war  es  der  südöstlich  Chlum  aufgestellten  Brigade  Appiano  des 
III.  Corps  möglich,  sich  in  eine  günstigere  Stellung  geordnet  zurückzuziehen. 

Endlich  gewannen  die  westlich  von  Lipa  stehenden  Brigaden  Prochazka  und 
Kirchsberg  des  IM.  Corps  Zeit,  Front  gegen  Chlum  zu  nehmen,  so  dass  eine  der 
Brigade-Batterien  den  Ort  sogar  geraume  Zeit  beschießen  konnte  und  so  den  beiden 
Brigaden  ermöglicht  wurde,  sich  in  eine  Stellung  bei  Rosnitz  vollkommen 
geordnet  zurückzuziehen. 

Kurz,  die  verderblichen  Wirkungen  des  seitens  der  Spitzen  der  kronprinz- 
lichen preußischen  Armee  erfolgten  plötzlichen  Rücken-  und  Flanken- Angriffs, 
welcher  zunächst  das  k.  k.  III.  Corps  zwischen  Chlum  und  Lipa  mit  voller  Wucht 
traf,  wurden  von  diesem  Corps  durch  die  Batterie  Groeben  im  ersten  Moment 
abgewehrt  und  derart  verringert,  dass  das  Corps  außer  den  7  Geschützen  dieser 
Batterie  nur  noch  zwei,  überdies  demontierte  Geschütze  an  den  Feind  verlor  und 
bis  zum  Beginn  des  allgemeinen  Rückzuges  seine  taktische  Ordnung  bewahren 
konnte. 

Da  die  Waffenthat  des  Hauptmanns  von  der  Groeben  sowohl  hinsichtlich 
des  freien  Antriebes,  als  des  dabei  bewiesenen  Heldenmuthes,  wie  auch  in  Bezug 
auf  die  erzielte  wesentliche  Verringerung  der  sonst  unabwendbaren  noch  größeren 
Nachtheile  den  Bedingungen  der  Ordens-Statuten  des  Maria  Theresien-Ordens 
entsprach,  so  schritt  der  Artilleriechef  des  III.  Armee-Corps  auf  Grund  des  von  den 
Offirieren  der  nächstgestandenen  Batterien  und  Augenzeugen  der  That  verfassten 
Spfcies  facti  (und  zugleich  Tapferkeits-Zeugnisses)  bei  dem  Ordens-Capitel  um  die 
Zuerkennung  des  Ritterkreuzes  des  Maria  Theresien-Ordens  an  den  Gefallenen  ein, 
um  das  Andenken  des  heldenmüthigen  Kameraden  selbst  nach  dem  Tode  gebü- 
rend  zu  ehren. 

Seine  k.  k.  Hoheit  der  durchlauchtigste  Corps-Commandant  FML.  Erz- 
herzog Ernst  selbst  erklärte  dieses  Einschreiten  einer  Berücksichtigung  des  Ordens- 
Capitels  würdig. 

Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  und  Erhabener  Großmeister  des 
Maria  Theresien-Ordens  geruhte  darauf  über  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft 
Promotion  CLXVI  vorn  29.  August  18G6  den  auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallenen 
Hauptmann  August  von  der  Groeben  durch  Zuerkennung  des  Klein- 
kreuzes nach  dem  Tode  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu 
promovieren  und  so  die  Manen  dieses  Helden  zu  ehren. 


Digitized  by  Go< 


364  OLXIV.  bis  rXXVHI.  Promotion. 


Bei  der  Verteidigung  Tirols. 

Die  Verteidigung  Tirols  im  Kriege  von  1866  —  bei  der  Übermacht  der 
Italiener  schon  von  Anbeginn  militärisch  wie  politisch  hochwichtig  -•  gewann  im 
Verlauf«'  der  Kriegsereignisse  für  die  Machtstellung  der  Monarchie  im  Snden  ein«? 
geradezu  außerordentliche  Tragweite. 

Anfangs  unter  dem  Oberbefehle  Sr.  k.  k.  Hoheit  des  FM.  Erzherzogs 
Albrecht,  war  GM.  Frh.  von  Kuhn  vom  9.  Juli  an  selbständig  mit  dem  Truppen- 
Kommando  in  Tirol  betraut.  Seinem  Befehle  waren  unterstellt,  und  zwar  an  regu- 
lären Truppen:  12  Bataillone,  12*/6  Compagnien,  1  Escadron  und  C  Batterien 
mit  32  Geschützen  in  der  Stärke  von  16.485  Mann,  wovon  12.22S  streitbaren 
Standes;  —  an  Landes  -  Aufgebot :  35  Landesschützen -Compagnien  mii 
3.«>20  Mann,  wovon  3.865  streitbaren  Standes;  —  endlich  4  Freiwilligen- 
Compagnien  mit  611  Mann,  wovon  600  streitbaren  Standes.  —  Alles  in  allem 
21.026  Mann  mit  16.61)3  Streitbaren. 

Außerdem  betheiligte  sich  an  der  Vertheidigung  Tirols  die  k.  k.  Flotille 
auf  dem  Garda-See  unter  Commando  des  Corvetten-Capiläns  Manfroni  von 
Manfort  mit  6  Kanonen-Booten:  Wildfang,  Haufbold,  Wespe.  Uskoke. 
Scharfschütze,  Speiteufel,  und  mit  2  Raddampfern:  Franz  Joseph  und 
Hess;  im  ganzen  mit  8  Kriegsschiffen. 

Hie  feindlichen  Streitkräfte,  zunächst.  Freiwillige  unter  Garibaldi,  welche 
/.um  Angriffe  auf  Tirol  bestimmt  waren,  zählten  anfangs  gegen  40.000  Mann. 

Außerdem  verfügte  der  Feind  auf  dem  Garda-See  über  5  Kanonenboote. 

Die  in  vier  Vertheidiguugs-Abschnitte  eingeteilte  Südwest-Grenze  von  Tirol 
wurde  durch  je  eine  Halbbrigade,  und  zwar  nächst  des  Garda-Sees,  in  den  Judi- 
carien.  am  Sulz-  und  Noiis-Berge,  endlich  im  Vinlschgau  besetzt,  während 
zwei  Reserve -Brigaden  im  Etseh-Thale  und  in  Trienl  Aufstellung  nahmen. 

Angesichts  der  Eröffnung  der  Feindseligkeiten  wurde  überdies  der  Land- 
sturm von  Lana,  Kallern  und  Meran  in  der  Stärke  von  2600  Manu  aufgeboten, 
um  nach  Bedarf  im  Sulz-,  Kons-  und  Ulteu-Thale  verwendet  zu  werden. 

Der  erste  kleine  Zusammen!  oQ  fand  am  21.  Juni  am  Paso  di  Bruf- 
fione  statt. 

Am  2t.  Juni,  dem  Schlarhttage  von  Custozza,  kam  es  in  Tirol  nur  zu 
einem  geringfügigen  Zusammenstoße  in  der  .Nahe  des  Wurmser-Joches. 

Am  2.">.  Juni  unternahm  der  Feind  eine  Kecognos«  ierung  am  Ca  ffaro,  <lrang 
gegen  Darzo  vor.  wurde  jedoch  zurückgeworfen  und  Ins  Ponte  di  Gaffaro 
verfolgt 

Daran!  stellte  Garibaldi  infolge  des  Sieges  bei  Custozza  am  25.  die 
gegen  Tirol  eingeleitete  Offensive  ein.  zog  die  vorgeschobenen  Ahtheilimgen  zurück, 
conrcnlrierte  seine  Haupt kratl.  zwischen  Lonalo  und  Desenzano  und  ließ 
Brescia  in  Verteidigungszustand  setzen. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  ltaiicu  1866.  —  Tirol. 


365 


Dafür  ergriffen  über  Befehl  des  FM.  Erzherzogs  Albrecht  gleichzeitig  mit  der 
Süd-Armee  auch  die  k.  k.  Truppen  aus  Tirol  auf  allen  drei  Linien  »1er  Südwest- 
Grenze  über  den  Tonale-Pass,  über  das  Stil fser-Joch  sowie  zwischen  dem 
Chiese  und  dem  Garda-See  selbst  die  Offensive  nacb  der  Lombard ie.  I)a 
inzwischen  aber  aueb  Garibaldi  am  29.  wieder  die  Vorrückung  aufgenommen 
hatte,  kam  es  nun  zu  einer  Reihe  von  Zusammenstößen. 

Zunörhst  wurde  in  den  Jud i <  arien  gekämpft,  wo  Gariba Idi  selbst  mil 
einer  Colonne  von  2800  Mann  vorrückte.  Die  Österreicher  gierigen  da  in  drei 
Cnlonnen  gegen  Rocca  d'Ani'o  vor.  Die  mittlere  in  der  Stärke  von  4  Coin- 
pagnien  unter  Hauptmann  von  Gredler  warf  im  Gefechte  am  Monte  Suello  am 
Ii.  Juli,  in  welchem  Garibaldi  selbst  leicht  verwundet  wurde,  die  feindliche 
Colonne  trotz  deren  fünffacher  Übermacht  zurück.  Infolge  dessen  nahm  da  der 
Gegner  erst  nach  mehreren  Tagen  seine  Vorrückung  wieder  auf.  doch  kam  es 
dann  nur  zu  unbedeutenden  Zusammenstößen  am  7.  und  10.  Juli  bei  Lodrone. 

Die  über  den  Tonale  in  die  Val  Gamonica  vorrückende  k.  k.  Halbbrigade 
warf  den  Feind  in  dem  Gefechte  bei  Vezza  am  4.  Juli  nach  Edolo  zurück. 

Bei  der  über  das  Stilfser-Jocb  gegen  die  Valtellina  dirigierten  k.  k.  Halb- 
luigade  kam  es  erst  am  11.  Juli  zu  Gefechten  bei  Ponte  dcl  Diavolo,  Bagni 
veechi  und  Spondalunga,  wobei  dem  Feinde  jenseits  Spondalunga  Halt 
geboten  wurde. 

Durch  diese  Offensive  der  Vertheidiguiigs-Tmppen  wurde  der  erste  allgemeine 
Angriff  Garibaldis  auf  Tirol  zurückgewiesen. 

Da  inzwischen  infolge  ungünstiger  Nachrichten  vom  Kriegsschauplatze  im 
Norden  die  Süd-Armee  ihre  Offensive  hatte  einstellen  müssen,  waren  auch  die  in 
den  Judicarien  vorgerückten  k.  k.  Truppen  wieder  in  ihre  ursprünglieben  Auf- 
stellungen zurückgegangen,  um  die  nun  voraussichtlichen  verstärkten  Angriffe 
Garibaldis  um  so  gesicherter  abzuwehren. 

Die  ohnehin  ungünstigen  Verhältnisse  der  Verteidigung  Tirols  gestalteten 
sa  h  bald  noch  weit  schwieriger,  indem  infolge  der  Niederlage  der  Nord- Armee 
der  größte  Theil  der  Süd-Armee  an  die  Donau  in  Marsch  gesetzt  und  Venetien 
geräumt  wurde.  Nun  hatten  die,  in  Anlehnung  an  die  Süd-Armee,  zur  Vertei- 
digung von  Tirol  kaum  ausreichenden  Streitkräfte  allein  und  in  erster  Linie  den 
Besitzstand  und  damit  die  Machtstellung  der  Monarchie  im  Süden  gegen  die 
Wucht  eines  direeten.  übermächtigen  Angriffes  zu  behaupten.  Während  die  Ver- 
teidigung bisher  hauptsächlich  den  Landestheil  westlich  der  Etsch  und  des 
Garda-Sees  nach  der  Seite  der  Lombardie  ins  Auge  zu  fassen  hatte,  musslc 
dieselbe  nunmehr  auch  auf  die  Sicherung  der  ganzen  Süd  grenze  nach  der  Seite 
Venetiens  bedacht  sein. 

Zunächst  galt  es  jedoch,  einer  neuen  Offensive  des  Feindes  gegen  die 
Judicarien,  die  Val  Ampola  und  Valle  di  Ledro  entgegenzutreten,  durch 
welche  Garibaldi  am  10.  Juli  einen  Weg  nacliTrient  sich  zu  bahnen  beab- 
sichtigte. Zu  diesem  Zwecke  unternahmen  die  k.  k.  Truppen  in  der  nächsten 
Zeit  bis  zum  16.  Juli  wieder  auf  sämmtlichen  Linien  Offensivslöße.  Einen  derselben 


Digitized  by  Google 


36ß 


CLX1V.  bis  CLXV1II.  Prumoüon. 


machte  die  k.  k.  llalbbrigade  vom  Stüfser-Joche  bis  Spondalunga.  Einen 
anderen  unternahm  die  k.  k.  Halbbrigade  vom  Tonale  gegen  Vezza,  ohne  dass 
es  jedoch  zum  Gefechte  kam.  Den  dritten  führten  im  Chiese-Thal  von  Lardaro 
getreu  Conditio  eine  Halb-  und  eine  Reservebrigade,  welche  bei  Cimego  und 
Monte  Castello,  dann  bei  Storo  und  S.  Lorenzo  den  Feind  angriffen,  während 
eine  llalbbrigade  aus  Valle  di  Ledro  über  Monte  Giovo  und  Monte  Rango 
bei  Conditio  und  Storo  gegen  dessen  rechte  Flanke  wirkte.  Nachrichten  über 
das  Vordringen  starker  feindlicher  Kräfte  aus  Venetien  gegen  die  Val  Sugana 
und  Val  Arsa  veranlassten  den  Abbruch  des  Unternehmens.  Nachdem  sich  aber 
jene  Nachrichten  nicht  bestätigten,  rückte  am  18.  Juli  wieder  eine  Halbbrigade 
aus  Valle  di  Ledro  vor,  um  den  sowohl  aus  den  Judicarien  über  Monte 
Giovo  als  von  dem  Garda-See  über  Monte  Notta  gegen  Valle  di 
Ledro  vordringenden  Feind  anzugreifen.  Infolge  dessen  kam  es  am  18.  zu 
Kämpfen  auf  dem  Monte  Notta,  sodann  bei  Pieve  di  Ledro.  Der  Feind 
drang  mit  so  überlegeneu  Kräften  vor,  dass  sich  die  k.  k.  Truppen  aus  Valle 
di  Ledro  auf  den  Monte  Pichen  zurückziehen  mussten.  Das  seit  dem  10. 
eingeschlossene  Fort  Ampola  fiel  nach  heftiger  Beschießung  am  19.  in  die 
Hände  des  Feindes.  Garibaldi  beherrschte  infolge  dessen  sowohl  Val  Am- 
pola als  Valle  di  Ledro  und  damit  die  ganze  Verbindung  zwischen  dem  ldro- 
und  Garda-See. 

Um  die  Festsetzung  des  Feindes  im  Ledro- Thale  sowie  dessen  Fortschritte 
gegen  das  Etsch -Thal  zu  hindern,  führte  GM.  Frh.  von  Kuhn  nach  dieser  Richtung 
rasch  einen  entscheidenden  Schlag.  Am  21.  Juli,  während  in  den  Judicarien 
eine  Halb-  und  eine  Reserve-Brigade  gegen  Conditio  demonstrierte,  griff  gleich- 
zeitig eine  Brigade  aus  den  Judicarien  über  den  G000  Fuß  hohen  Monte 
Pichea  im  Verein  mit  einer  Halbbrigade  und  einer  Seiten-Colonne  die  Haupt- 
macht des  Feindes  im  Valle  di  Ledro  von  drei  Seilen,  in  der  Hauptrichtung 
gegen  Fort  Ampola,  mit  allem  Nachdruck  an.  Dieses  Unternehmen  führte  zu 
einem  vollständigen  Siege,  indem  die  Haupt-Coloniie  unter  Oberst  Baron 
Monlluisant  Bececa  und  Locca  trotz  vier-  bis  fünffacher  feindlicher  Über- 
macht erstürmte  und  dadurch  der  Offensive  Garibaldis  aus  der  Lombardie  gegen 
den  Südwesten  von  Tirol  Halt  gebot.  Der  Gegner  hatte  so  enorme  Verluste  erlitten, 
dass  Garibaldi  am  22.  sein  Hauptquartier  nach  Conditio  rückverlegte  und  sich 
fortan  auf  belanglose  Vorstöße  beschränkte. 

Der  entscheidende  Schlag  gegen  Garibaldi  war  auf  diese  Weise  eben 
geführt,  als  am  22.  abends  neuerliche,  diesmal  aber  bestimmte  Nachrichten  bei 
dem  Truppeu-Coiiimando  einlangten,  dass  die  reguläre  italienische  Truppen- 
Division  Medici  in  der  Val  Sugana  vordrang  und  die  Val  Arsa  bedrohte.  Der 
Feind  war  mit  18  Bataillonen.  2  Escadronen  und  3  Batterien  (9000  Mann. 
200  Reitern  und  18  Geschützen)  seit  dem  20.  von  Citadella  nördlich  Paduas 
gegen  den  Südosten  von  Tirol  in  forciertem  Votrücken  begriffen.  Dieser  Theil 
des  Landes  hatte  nur  mit  den  inzwischen  in  Süd -Tirol  eingetroffenen  geringen 
Verstärkungen  unzulänglich  besetzt  werden  können. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  I8ß6. 


—  Tirol. 


367 


Am  122.  hatte  der  Feind  die  von  der  k.  k.  Halbbrigade  aus  der  Val  Sugana 
jenseits  der  Tiroler  Südgrenze  gegen  Bassano  vorgeschobenen  Abtheilungen 
trotz  hartnäckigster  Gegenwehr  in  den  Gefechten  von  Cismone,  Primolano 
und  Lc  Tezze  bis  Borgo  zurfiekged rängt.  Am  23.  vertheidigten  die  k.  k.  Truppen 
gegen  fünffache  Obermacht  Borgo  aufs  äußerste,  mussten  sich  jedoch  schließlich 
bis  Levico  zurückziehen.  Dort  wurden  dieselben  von  der  inzwischen  aus  Trient 
vorgesendeten  und  gefechtsbereit  aufgestellten  Verstärkung  aufgenommen  und 
nahmen  selbst  noch  einmal  gegen  9  Uhr  abends  Stellung.  GL.  Medici  grill' 
Levico  noch  am  Abend  des  23.  gegen  iO  Uhr  von  allen  Seiten  an.  Nach 
äußerster  Gegenwehr,  welche  sich  theihveise  bis  zu  erbittertem  Handgemenge 
steigerte,  mussten  die  k.  k.  Truppen  um  11'/,  Uhr  auch  Levico.  gleichwie 
successive  die  umliegenden  Höhen  räumen  und  zogen  sich  in  der  Nacht  vom 
23.  auf  den  24.  bis  Pergin e  zurück.  Am  24.  morgens  musste,  da  die  Terrain- 
Verhältnisse  die  Behauptung  von  P ergine  gegen  den  so  sehr  überlegenen  Feind 
erschwerten,  der  Rückzug  bis  Civezzano  fortgesetzt  werden.  Dort  aber  wurde 
alles  zur  hartnäckigsten  Vertheidigung  vorbereitet.  Die  Division  Medici  brach 
erst  um  Mittag  des  24.  von  Levico  auf  und  rückte  mit  den  Vortruppen  bis 
Viarago-Vigalzano  vor,  während  das  Gros  in  Pergine  hielt. 

Zur  Zeit  dieser  Kämpfe  in  der  Val  Sugana  hatte  das  Truppen-Commando. 
gegenüber  dem  Corps  Garibaldis  im  Südwesten  Tirols  nur  circa  2000  Mann 
belassend,  alle  übrigen  Kräfte  gegen  den  Südosten  des  Landes,  zunächst  nach 
Trient  dirigiert.  Während  in  der  Nacht  vom  23.  auf  den  24.  Juli  und  an  dem 
letzteren  Tage  die  Goncentrierung  der  Truppen  bei  Trient  mit  äußerster  An- 
spannung aller  Kräfte  ausgeführt  wurde,  hatte  das  Truppen-Commando  am  23. 
überdies  2  Bataillone  aus  Verona  mittels  Eisenbahn  nach  Trient  gezogen,  welche 
—  wie  oben  erwähnt  -  schon  am  23.  abends  bei  Levico  mit  eingriffen. 

Angesichts  der  erdrückenden  Obermacht,  welche  der  Feind  nun  gegen  Süd- 
Tirol  aufbot  —  50.000  gegen  circa  14.000  Mann  —  ermächtigte  das  Ober- 
Commando  der  operierenden  Armee  an  der  Donau  am  23.  das  Truppen-Com- 
mando in  Süd-Tirol,  sich  nötigenfalls  an  die  Eisack-Linie  zurückzuziehen.  Das 
Letztere  traf  zwar  hiezu  alle  notwendigen  Einleitungen,  gleichzeitig  aber  auch 
alle  Maßregeln,  um  Trient  bis  zum  äußersten  zu  vertheidigen.  Trient  selbst 
wurde  schleunigst  in  Verteidigungszustand  gesetzt. 

Inzwischen  versammelte  sich  bei  Trient  vom  Südwesten  Tirols  der  größte 
Theilder  kaiserlichenTruppen.  Schon  am  Morgen  des  24.  Juli  besetzten  Abtheilungen 
die  südöstlichen  Höhen  bei  Vigolo.  Als  um  6  Uhr  nachmittags  des  2  k  die  Meldung 
vom  Einrücken  des  Feindes  in  Pergine  eintraf,  wurden  auch  die  nördlich  von 
Trient  liegenden  Höhen  bei  Martignano  und  Gardolo  besetzt. 

Während  auf  diese  Weise  der  äußerste  Widerstand  bei  Trient  vorbereitet 
wurde,  erhielt  das  Truppen-Commando  um  8  Uhr  abends  des  24.  die  telegraphische 
Verständigung  des  FM.  Erzherzogs  Albrecht,  dass  am  25.  Juli  Waffenstillstand 
eintreten  weide,  wobei  die  beiderseitigen  Armeespitzen  in  ihrer  eingenommenen 
Aufstellung  stehen  bleiben  sollten. 


Digitized  by  Go< 


368 


CLXIV.  bis  GLXV1II.  Promolion. 


Infolge  dessen  trachtete  das  Truppen-Commando,  die  Zeit  bis  zum  Anbruch 
des  Waffenstillstandes  noch  thunlichst  zu  benutzen,  um  nicht  nur  die  stellenweise 
verlassenen  Grenz-Rositionen  im  Südwesten,  sondern  auch  soviel  Terrain  als 
möglich  gegen  Südosten  wieder  zu  gewinnen.  Die  in  der  Vorposition  bei  Civez- 
zano  stehenden  Truppen  wurden  angewiesen,  im  Falle  eines  feindlichen  Angriffs 
hartnäckigsten  Widerstand  zu  leisten.  Die  Truppen  in  Trient  hielten  in  der 
Nacht  vorn  24.  auf  dem  25.  Juli  vollste  Gefechtsbereitschaft. 

In  der  That  leitete  GL.  Medici  am  25.  Juli  vormittags  den  Angriff  auf 
die  Stellung  bei  Trient.  zunächst  auf  Val  Sorda,  gegen  den  äußersten 
rechten  Flügel  der  vordersten  Vertheidigungs-Linie  ein.  Trotz  Überlegenheit 
und  dreimal  wiederholten  Angriffs  warfen  die  k.  k.  Truppen  den  Feind  zurück, 
verfolgten  ihn  bis  Vigolo  und  verdrängten  ihn  auch  aus  diesem  Orte.  Das 
Truppen-Commando  disponierte  Truppen  und  Geschütze  zur  Verstärkung  des 
rechten  Flügels.  Nachmittags  aber,  als  eine  Colonne  des  Gegners  gegen  das 
Centrum  bei  Roncogno  vorrückte  und  das  Gros  der  Division  Medici  behufs 
Unterstützung  ihres  linken  Flügels  von  Pergine  gegen  Vigolo  aufzubrechen 
im  Begriffe  war.  trafen  beiderseits  Weisungen  ein,  dass  Waffenruhe  auf  8  Tage 
einzutreten  habe.  Vigolo  blieb  bei  Abbruch  der  Feindseligkeiten  im  Besitz  der 
k.  k.  Truppen. 

Während  all  der  Kämpfe  zu  Lande  hatte  auch  die  k.  k.  Flotille  auf  dem 
Garda-See  au  der  Verteidigung  von  Tirol  wirksamen  Antheil  genommen. 
Ununterbrochene  Kreuzungen  entlang  der  lombardischen  Westküste  des  Garda- 
Sees  von  Desenzano  im  Süden  bis  gegen  Riva  im  Norden,  größtentheils  unter 
dem  Feuer  der  feindlichen  Strandbatterien,  verhinderten  jedwede  Landung  des 
Feindes  an  der  venetianischen  Ostküste,  sowie  jedwede  Unterbrechung  der  Ver- 
bindung Süd-Tirols  mit  Verona.  Gleichzeitig  wurden  die  Operationen  der  Frei- 
scharen  Garibaldis  nächst  des  Garda-Sees  auf  die  Judicarien  und  die  Valle 
di  Ledro  beschränkt,  indem  die  k.  k.  Kanonenboote  nicht  nur  die  feindlichen 
Schiffe  durch  wiederholte  Kämpfe  von  der  offenen  See  in  den  Hafen  von  Salo 
zurücktrieben  und  in  demselben  förmlich  blockierten,  sondern  auch  zu  Land  die 
Benützung  der  entlang  der  Westküste  des  Garda-Sees  führenden  Communa  atioiien 
seitens  feindlicher  Streitkräfte  verhinderten.  Am  20.  Juli  eroberten  die  k.  k. 
Kanonenboote  Scharfschütze  und  Wild  fang  —  unter  dem  Feuer  italienischer 
Freiwilligen  und  einer  feindlichen  Strandbatterie  bei  Gargnano  —  den  italieni- 
schen Dampfer  Benaco.  Am  25.  und  20.  Juli,  als  eine  starke  Garibaldi'sche 
Colonne  aus  der  Valle  di  Ledro  hervorzubrechen,  auf  der  l'onale-Straße  einen 
Überfall  aut  Riva  auszuführen  und  sich  dieses  wichtigsten  Küstenpunktes  Süd- 
Tirols  noch  im  allerletzten  Augenblicke  vor  Eintritt  des  Waffenstillstandes  zu 
bemächtigen  suchte,  wurde  dies  durch  die  k.  k.  Kanonenboote  Speiteufel, 
Uskoke  und  Wespe  vereitelt. 

Nach  Feststellung  der  Demarcationslinie  befand  sich  der  Feind,  und  zwar  im 
Süd-Osten  Tirols  zwei  Märsche  weit  diesseits  der  Grenze  in  der  Val  Sugana,  im 
Süd-Westen  einen  halben  Marsch  weit  diesseits  der  Grenze  in  den  Judicarien, 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  IVcußcn  und  llalie»  1806.  —  Tin..]. 


3o9 


wogegen  die  k.  k.  Truppen  am  Tonale-  und  Stilfser-Joche  jenseits  der  Grenze 
standen,  demnach  lombardisches  Gebiet  besetzt  hielten. 

Die  Waffenruhe  ward  zur  thunlichsten  Erhöhung  der  Verlheidiguiigsfähig- 
keit  Tirols  benutzt.  Zahlreiche  Stellungen  in  den  Thfdern  und  Pässen  wurden  neu 
befestigt,  die  bestehenden  Schanzen  verstärkt,  die  Communicationen  in  denSeiten- 
tbälern  ungangbar  gemacht,  endlich  Trient  durch  Anlage  von  Außenwerken  und 
deren  Armierung  mit  27  von  Verona  herangezogenen  schweren  Geschützen  zu 
einem  ansehnlichen  Waffenplatze  gestaltet.  Einem  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser 
ergangenen  Aufrufe,  den  heimatlichen  Boden  auf  das  hartnäckigste  zu  verthei- 
digen,  folgte  das  treue,  kriegerische  Gebirgsvolk  Tirols  mit  Begeisterung.  Speciell 
die  Bevölkerung  Süd-Tirols  stellte  zu  dem  aufgebotenen  Landsturm  binnen 
48  Stunden  über  2.200  Mann.  Durch  Versetzung  von  zwei  Bataillonen  mit  einer 
Batterie  aus  Verona  und  einer  Brigade  von  der  Donau  naeh  Tirol  wurden  die 
Yertheidigungs-Truppen  auf  19.000  Mann  gebracht,  ferner  die  Landesschützen- 
C.onipagnien  in  acht  Bataillone  formiert  und  diese,  gleich  den  Scharfschützen  und 
Freiwilligen,  zu  den  vorhandenen  vier  llalbbrigaden  und  vier  Brigaden  eingethcilt, 
endlich  auch  sonst  alle  Vorbereitungen  getroffen,  um  die  Division  Medici  in 
der  Val  Sugana  sofort  nach  Ablauf  der  Waffenruhe  kräftigst  anzugreifen. 

Die  Waffenruhe  wurde  jedoch  am  2.  August  auf  weitere  acht  Tage  verlängert. 

Am  10.  August  standen  gemäß  den  vom  Ober-Conimando  der  operierenden 
Armee  ergangenen  Weisungen  18.000  Mann  (ohne  Landsturm)  mit  42  Geschützen 
bereit,  die  kräftigste  Offensive  gegen  die  Division  Medici  in  der  Val  Sugana  zu 
eröffnen. 

Infolge  der  inzwischen  fortgeführten  Verhandlungen  räumte  jedoch  die 
Division  Medici  am  10.  August  die  Stellung  bei  Pergine  und  am  11.  überhaupt 
die  Val  Sugana  gänzlich;  gleichzeitig  zogen  sich  an  letzterem  Tage  auch  die 
Freiwilligen  Garibaldis  im  Südwesten  von  Tirol  zurück.  • 

Die  am  11.  August  gegen  die  Val  Sugana  vorrückenden  k.  k.  Truppen 
stießen  demzufolge  auf  keinen  Feind  mehr. 

Am  13.  August  begann,  gleichwie  am  Isonzo  und  auf  dem  Adrialisr hen 
Meere,  auch  in  Tirol  ein  vierwöchenllicher  Waffenstillstand,  während  dessen 
der  Friede  mit  Italien  zustande  kam. 

So  hatten  die  k.  k.  Truppen,  von  «1er  k.  k.  Flotille  und  der  kämpf- 
bewäluten  Bevölkerung  Tirols  unterstützt,  gegenüber  mehr  als  doppelter,  zum 
Schlüsse  sogar  dreifacher  Übermacht,  Süd-Tirol  für  Kaiser  und  Deich  tapfer 
vertheidigt  und  Besitzstand  wie  Machtstellung  der  Monarchie  im  Süden  siegreich 
behauptet. 

Infolge  der  bei  der  Vertheidigung  Tirols  geführten  Kämpfe  der  k.  k.  Truppen 
und  der  k.  k.  Flotille  wuchsen  dem  Maria  Theresien-  Orden  1  Commandeur 
und  3  Bitter  zu. 


Militiri-clicr  Muri«  Tlicrc^i-  n-OrJ.  ti. 


21 


S 


Digitized  by  Go 


370 


C.LXIV.  bi*  U.XVII1.  ho.uotiun. 


—  Im  Kriege  von  I8G0. 


—  Tirol. 


Commandeur  des  Maria  Theresieii-Ordeiis 
Franz  Freiherr  Kuhn  von  Kuhnenfeld. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1S67.) 

Sohn  eines  Majors  —  welcher  vom  Cadelen  bis  zum  Hauptmann  alle  Feldzüge 
von  1702  bis  inclusive  1813  mitgemacht  und  wegen  seiner  Tapferkeit,  namentlich 
bei  Erstürmung  der  Lauterburger  und  Weißenburger  Linien  1793  und  in  der 
Schlacht  bei  Dresden,  in  welcher  er  mit  seiner  Division  den  Rückzug  des  Regi- 
ments Kaiser-Infanterie  Nr.  1  gegen  anstürmende  feindliche  Gavallerie  deckte,  in 
der  Geschichte  des  Regiments  rühmend  genannt  wird.  Franz  von  Kuhn  wurde 
am  25.  Juni  1817  zu  Prossnitz  in  Mähren  geboren,  erhielt  militärische  Erziehung 
und  Bildung,  wurde  aus  der  k.  k.  Milit är- Akademie  zu  Wiener-Neustadt,  zu 
deren  ausgezeichnetsten  Zöglingen  er  zählte,  am  27.  September  1837  ausgemustert 
und  kam  als  Unterlieutenant  zum  1.  Infanterie-Regiment.  Im  Jahre  183'.)  dem 
Generalstabe  zugetheilt,  am  18.  December  1813  zum  Oberlieutenant  befördert 
und  definitiv  zum  General-Quartiermeister-Stab  übersetzt,  machte  er  den  Krieg 
gegen  Piemont  iti  den  Jahren  181-8/49  und  die  demselben  vorangegangenen 
Straßenkämpfe  während  der  Revolution  in  Mailand  vom  18.  bis  21.  März  mit. 

Am  19.  abends  zerstörte  Oberlieutenant  von  Kuhn  in  Mailand  mit  zwei 
Zwölfpfündern  und  einer  Division  Geppert-Infanterie  im  Kampfe  gegen  die  aus  den 
Häusern  feuernden  Aufständischen  eine  Rarricade  nächst  des  Platz-Gommandos. 
wodurch  dessen  Verbindung  mit  dem  Gastell  hergestellt  wurde.  In  der  Nacht 
dem  zur  Verteidigung  der  Piazza  d'armi  bestimmten  Detachement  zugetheilt, 
säuberte  er  am  20.  früh  mit  zwei  Raketen-Geschützen,  die  er  auf  dem  Arco  della 
Face  aufstellte,  die  bei  der  Arena  liegenden  Häuser  Rorgo  Ortolani  von  den  dort 
eingedrungenen  Schweizer-Insurgenten.  Am  20.  vormittags  zerstörte  er  mit  zwei 
C.ompagnien  Infanterie,  zwei  Zwölfpfündern  und  zwei  Raketen-Geschützen  die 
nächst  des  Ponte  vetro  errichtete  Barricade.  brachte  das  seitens  der  Aufständischen 
gegen  den  Caslell-Platz  unterhaltene  Feuer  zum  Schweigen  und  zwang  den  nächst 
der  Carmine-Kirche  liegenden  Stadttheil,  mittags  die  Feindseligkeiten  einzustellen 
und  um  Gnade  zu  bitten.  Am  21.  abends  zerstörte  er  mit  zwei  Compagnien  Infan- 
terie, zwei  Zwölfpfündern  und  zwei  Raketen-Geschützen  unter  lebhaftem  Kampfe 
mit  den  Aufständischen,  eine  stärkt;  Barricade  nächst  Ponte  S.  Marco,  wobei  er 
einen  Prellschuss  an  die  Hrust  erhielt.  Sodann  drang  er  unter  fortwährendem 
Kampfe  mit  den  aus  Häusern  und  von  Barrieaden  gegen  die  Truppen  feuernden 
Aufständischen  zum  Militär-,  und  unter  Fortsetzung  des  Gefechtes  bis  in  die  Nacht 
bis  zum  Platz-Cnmmando  vor.  Die  Besatzung  des  letzteren  war  von  den  Auf- 
ständischen bereits  tags  zuvor  aufgehoben  worden,  doch  gelang  es,  einzeln  zurück- 
gebliebene Soldaten  zu  retten.  Die  aus  einer  Infanterie-  und  einer  Grenadier- 
Gompagnie  gebildete  Besatzung  des  Militär-Gommandos  wurde  befreit  und  mit 
derselben  wie  mit  der  eigenen  Truppe  der  Rückzug  ins  Gasteil  bewirkt,  wo  Kuhn 
um  1 1  Uhr  nachts  eintraf. 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  G< 


Digitized  by  Google 


Commandern  des  M.  T.  O.  Frim/.  Freiherr  von  Kuhn. 


371 


Am  März  wurde  Oberlieutenant  Kuhn  der  Brigade  Oberst  Zobol  zuge- 
wiesen, welche  hei  der  Räumung  Mailands  und  während  des  Rückzuges  nach 
Verona  sämmtliche  Hofwägen  mitfühlte.  Bei  der  Porta  Gomasina,  wo  die; 
Passage  durch  eine  Barricade  gesperrt  war  und  die  Truppe  beschossen  wurde, 
ließ  Kuhn  durch  eine  Compagnie  Kaiserjäger  das  von  Insurgenten  Garibaldis 
hesetzte  Thor  erstürmen,  und  dasselhe  solange  hesetzt  halten,  bis  die  Brigade  mit 
dem  Convoi  der  Ilofwägen,  welche  letztere  Kuhn  im  Trabe  darauf  losfahren  ließ, 
die  gefährliche  Stelle  passiert  hatte. 

Am  23.  März  auf  dem  Rückzüge  vor  Melegnano  angelangt,  fand  man 
diesen  Ort  von  Insurgenten  besetzt.  Da  die  an  der  Tete  marschierende  Brigade 
UM.  Graf  Samuel  Gyulai  keinen  Angriff  wagte,  um  nicht  die  in  den  Ort  unvor- 
sichtig vorgegangenen  Herren,  den  Chef  des  (leneralstabs  der  Armee,  Obersten 
(trafen  Wratislaw  und  Hauptmann  (irafen  Gastiglione,  welche  von  den  Insurgenten 
gefangen  genommen  wurden,  zu  gefährden,  richtete  Oberlieutenant  von  Kuhn  die 
Haubitzen  der  Brigade-Batterie  gegen  das  an  der  Südseile  des  Ortes  gelegene 
große  HeiTschafts-(iebäude  und  ließ  das  Feuer  eröffnen.  Gleichzeitig  dirigierte  er 
je  eine  Division  Infanterie  in  die  Flanken  des  Ortes,  worauf  der  Ort  vereint  mit 
der  Brigade  (iyulai  genommen  wurde. 

Weiter  wohnte  Oberlieutenant  von  Kuhn  den  Alfa iren  von  Valeggio  und 
Monzamhano  am  '.>.  April  bei. 

Am  15.  April  zum  Hauptmann  im  General-Ouarlierincislcr-Stabe  befördert, 
machte  er  am  20.  April,  dem  Obersten  Heintzel  als  Generalstabs-OfhVier  beige- 
geben, die  Expedition  gegen  Be  vi  lac qua  mit,  um  die  dort  eingenistet en  Insurgenten 
aufzuheben.  Durch  zwei  Raketen-Geschütze,  welche  Hauptmann  von  Kuhn  sehr 
günstig  aufstellte,  wurde  sowohl  der  vom  Feinde  besetzte  Fluss  Fratta  sowie  das 
befestigte  Bevilacqua  von  den  Insurgenten  gesäubert. 

In  der  Schlacht  bei  S.  Lucia  am  (j.  Mai  trug  Hauptmann  von  Kuhn  wesent- 
lich dazu  bei,  dass  dieser  Ort  auf  das  kräftigste  vertheidigt  wurde.  Die  Brigade 
(.traf  Slrassoldo.  nur  aus  zwei  Bataillonen,  einer  Kscadron  und  sechs  Geschützen 
bestehend,  befand  sich  auf  Vorposten,  ohne  jedoch  den  Befehl  zu  haben.  S.  Lucia 
um  jeden  Breis  zu  behaupten.  Hauptmann  von  Kuhn  stellte  die  Dringlichkeit, 
den  Ort  zu  veitheidigen,  lebhaft  dar.  und  bestand,  obgleich  derselbe  von  bedeuten- 
der Übermacht  —  drei  Brigaden  und  zwei  sechzehnplündigen  Batterien  —  an- 
gegriffen wurde,  auf  der  Erhaltung  des  Ortes  als  Schlüsselpunktes  der  ganzen 
Stellung  am  Ridean  von  Verona.  Während  des  Kampfes  führte  er  im  feindlichen 
Infanterie-Feuer  die  im  Rückzug  begriffene  Batterie  wieder  vor,  wodurch  es  ermög- 
licht wurde,  den  Ort  über  drei  Stunden  gegen  solche  f  hermacht  zu  behaupten. 

Als  die  Brigade  endlich  weichen  musste,  gieng  sie  nur  bei  1500  Schrillt:  an 
das  Rideau  zurück,  wo  sie  erneuert  Stellung  nahm. 

Hauptmann  von  Kuhn  erwirkte  es,  dass  ein  Vorstoß  mit  einer  anderen  Brigade 
gegen  den  rechten  Flügel  des  Gegners  unternommen  wurde  und  dirigierte  ein 
Bataillon  dieser  Brigade  selbst  gegen  Casa  Roveggio.  Zur  eigenen  Brigade 
zurückgekehrt,  wurde  letzlere  kurz  darauf  von  einem  sehr  heftigen  Kleingcwvhr- 

2f 


Digitized  by  Google 


CLX1V.  I>is  OLXVIII.  Proinulion.  -  Int  Kriege  von  lSGfi.  —  Tiiol. 


fcuer  beschossen,  wobei  GM.  Graf  Salis  und  der  Brigade-Adjutant  verwundet 
wurden.  Während  Kuhn  wieder  vorwärts  ritt,  um  nach  der  Ursache  zu  forschen, 
kam  Rittmeister  Brähling  mit  dem  Befehle  des  Corps-Commandanten  GdC.  Grafen 
Wratislaw,  dass  die  Brigade  sich  nach  Verona  zurückziehen  solle,  da  die  Brigade 
GM.  Graf  Glam  bis  zum  Rondell  vor  Porta  nuova  zurückgeworfen  sei. 

Diesen  Befehl  überbrachte  Hauptmann  Kuhn  nicht  —  die  Brigade  blieb  in 
ihrer  Aufstellung. 

Gleichzeitig  kam  Hauptmann  Steinhauser,  vom  Corps-Commandanten  FML. 
Frh.  d'Aspre  gesendet,  um,  da  das  Corps  sich  nicht  halten  könne,  bei  dem  Mar- 
schall Grafen  Radetzky  den  Rückzugsbefehl  zu  erbitten.  Da  dies  zu  lange  gedauert 
hätte,  so  schrieb  Hauptmann  von  Kuhn  eine  Aufforderung  an  das  II.  Corps,  um 
jeden  Preis  stehen  zu  bleiben  und  womöglich  selbst  vom  rechten  Flügel  aus 
offensiv  vorzugehen.  Se.  kaiserliche  Hoheit  Erzherzog  Ernst,  welcher  anwesend 
war  und  dem  Hauptmann  von  Kuhn  auch  das  Zeugnis  über  diese  wichtige!  That 
unterschrieb,  erlaubte,  dass  Major  Graf  Stürgkh,  Dienstkämmerer  bei  Sr.  kaiser- 
lichen Hoheit,  das  Schreiben  an  d'Aspre  selbst  überbrachte. 

Major  Graf  Stürgkh  traf  die  Batterien  des  Corps  bereits  im  Rückzüge;  im 
Smne  des  Auftrages  ertheilte  er  ihnen  den  Befehl,  sogleich  in  ihre  frühere  Stellung 
zurückzumarschieren,  und  überbrachte  jene  Aufforderung  dem  Commandanten 
des  II.  Corps. 

Als  abends  ein  Grenadier-Bataillon  zur  Unterstützung  der  Brigade  anlangte, 
drang  Hauptmann  von  Kuhn  an  der  Spitze  dieses  Bataillons  in  S.  Lucia  ein, 
welcher  Ort  jedoch  bereits  vom  Feinde  verlassen  war. 

Wie  das  dem  Hauptmann  von  Kuhn  ausgestellte  Zeugnis  darthut,  hatte  der- 
selbe wesentlich  zur  Erhaltung  des  Rideau  und  der  auf  demselben  gelegenen 
Orte,  besonders  des  Schlüsselpunktes  S.  Lucia,  beigetragen,  wodurch  ein  bedeu- 
tender Umschwung  in  den  strategischen  Verhältnissen  erzielt  und  auch  auf  die 
politischen  Verhältnisse  der  Monarchie  eingewirkt  wurde,  da  mit  dem  Falle  des 
Rideau  auch  jener  Veronas,  welches  nur  auf  kurze  Zeit  verpflegt  war,  wahr- 
scheinlich bald  erfolgt  wäre. 

Obgleich  Hauptmann  von  Kuhn  für  sein  Wirken  in  der  Schlacht  bei  Mai- 
land am  1.  August  um  das  Theresienkreuz  eingekommen  war,  wurde  ihm  dasselbe 
vom  Ordens-Capilel  doch  für  die  Schlacht  von  S.  Lucia  einstimmig  zugesprochen. 

In  dem  Treffen  von  Montanara  am  29.  Mai  war  durch  die  starke  Stellung 
des  Gegners  das  Gefecht  nach  zwei  abgewiesenen  Stürmen  zum  Stillstande  gebracht. 
Es  war  ungefähr  1  Uhr  nachmittags  als  der  Brigade-Adjutant  des  Fürsten  Friedrich 
Liechtenstein  erschien  und  meldete,  dass  die  Brigade  bis  Silvestro  vorgedrungen 
sei,  ohne  auf  den  Feind  zu  stoßen,  und  erbitte  sich  weitere  Verhaltungsbefehle. 

Hauptmann  von  Kuhn  schrieb  den  Befehl,  dass  die  Brigade  Fürst  Liechten- 
stein sogleich  nach  Erhalt  dieses  Befehles  mit  drei  Bataillonen,  zwei  Escadronen 
und  der  Batterie  die  um  jene  Zeit  trockenen  Valli  übersetzen  und  Montanara 
in  Flanke  und  Rücken  angreifen  solle.  Als  nach  3  Uhr  noch  innner  nichts  vom 
Eingreifen  der  Brigade  Liechtenstein  zu  hören  w;u*,  und  Oberlieutenant  Maravich 


Digitized  by  Google 


CininuDdcur  des  M.  T.-O.  Franz  Freiherr  von  Kulm.  •  373 


aus  dem  Hauptquartier  ankam,  um  über  den  Stand  des  Gefechtes  Erkundigungen 
einzuziehen,  ersuchte  ihn  Hauptmann  Kuhn,  sogleich  zur  Brigade  des  Fürsten 
Liechtenstein  zu  reiten  und  diesen  aufzufordern,  den  Befehl,  den  der  letztere 
längstens  y22  Uhr  erhalten  haben  müsse,  sogleich  in  Vollzug  zu  setzen.  Erst  jetzt 
setzte  sich  die  Brigade  in  Bewegung,  erstürmte  Montana ra  vom  Bücken  aus 
und  nahm  sämmtliche  dort  aufgestellten  feindlichen  Geschütze. 
Am  30.  Mai  kämpfte  er  in  dem  Treffen  bei  Goito. 

Bei  Vicenza  am  10.  Juni  führte  Hauptmann  Kuhn  die  der  Brigade  Graf 
Strassoldo  beigegebene  Baketenbatterie  des  Oberlieutenanls  Biedermann  freiwillig 
auf  die  Flöhen  Monte  bella  vista,  stellte  sie  neben  der  zwölfpfündigen  Batterie 
des  Hauptmann  Schneider  auf.  Dieselbe  trug  durch  die  vortreffliche  Wirkung  der 
Baketengeschosse  wesentlich  dazu  bei,  dass  die  von  den  Schweizern  so  tapfer  ver- 
theidigte  Schanze  schließlich  genommen  werden  konnte.  Als  endlich  auch  die  Kirche 
Madonna  del  Monte  erstürmt  war,  führte  Hauptmann  von  Kuhn  eine  Haubitzr 
Batterie  auf  der  Höhe  auf,  welche  Vicenza  bis  tief  in  die  Nacht  hinein  mit  Gra- 
naten bewarf. 

In  der  Folge  nalim  Hauptmann  von  Kuhn  auch  auf  die  Kämpfe  von  Somma- 
campagna  und  Custozza  ;im  23.,  2i.  und  25.  Juli  durch  seine  besonnene  Um- 
sicht und  Tapferkeit  wesentlichen  Einfluss. 

Am  23.  Juli  abends  erhielt  die  Brigade  Strassoldo  den  Befehl,  vereint  mit 
der  Brigade  Graf  Glam  den  Monte  vento  anzugreifen,  den  definitiven  Befehl  zum 
Angriff  aber  noch  abzuwarten.  Die  Brigade  stand  in  Marsch-Colonne  bereit,  als  der 
zweite  Befehl  dahin  lautete,  dass,  auf  Nachrichten  basiert,  die  den  Berg  als  stark 
besetzt  angaben,  und  bei  dem  Umstände,  als  die  Truppen  der  Brigade  Clam  von 
dem  starken  Marsche  sehr  ermüdet  seien,  der  Angriff  am  23.  zu  unterbleiben,  die 
Brigade  Strassoldo  eine  Defensiv-Stellung  bei  Valpezzone  zu  beziehen,  und  den 
Befehl  zum  Angriff  am  nächsten  Tage  abzuwarten  habe.  Nachdem  Kuhn  diese 
Stellung  ausgesucht,  recognoscierte  er  allein  den  Monte  vento.  fand  denselben 
nicht  mit  Batterien  besetzt,  und  schloss  daraus,  dass  der  Feind  auf  dem  Berge  nicht 
sehr  stark  sein,  der  Monte  vento  also  noch  am  23.  leicht  genommen  werden 
könne.  Er  machte  seinem  Brigadier  den  Vorschlag,  diesen  Punkt  als  äußerst  wichtige, 
Valeggio  und  die  vorliegende  Ebene  des  Prabiano  dominierende  Stellung  noch 
am  23.  anzugreifen,  da  vielleicht  der  Feind  den  Berg,  eben  seiner  Wichtigkeit 
wegen,  in  der  Nacht  stark  besetzen  und  die  Erstürmung  am  kommenden  Morgen 
sehr  erschweren,  vielleicht  ganz  unmöglich  inachen  könnte.  Nach  mehrmaligen 
Vorstellungen  Kuhns  über  die  Wichtigkeil  des  Unternehmens  bewilligte  endlich 
General  Graf  Strassoldo  den  Angriff  auszuführen.  Das  10.  Jäger-Bataillon  gieng  in 
Divisions-Colonnen  in  der  Front  zum  Angriff  vor,  gefolgt  vom  1.  Bataillon  des 
17.  Infanterie-Begiruents  Hohenlohe,  während  Kuhn  das  2.  Bataillon  dieses  Begi- 
ments,  von  Major  Härtung  befehligt,  in  die  Flanke  führte.  Am  Fuße  des  Beiges 
angekommen,  erhielt  er  einen  abermaligen  Befehl,  nicht  weiter  vorzudringen,  da 
es  bereits  dunkel  zu  werden  anfieng,  und  an  diesem  Tage  keinen  Schnss  mehr  zu 
thun.  Er  versprach  das  letztere  genau  befolgen  zu  wollen,  äußerte  sich  jedoch, 


Digitized  by  Google 


371  <:LXIV.  bis  CI.XVIIl.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  ISfifi.  Tirol. 


am  Fuße  des  Berges  nirlit  stellen  bleiben  zu  können,  und  bemächtigte  sich  stür- 
mend noch  um  10  Uhr  nacht»  der  wichtigen  Höhe.  FM.  Graf  Radotzk y,  orfreut 
vlber  diese  Unternehmung,  bedankte  sich  am  folgenden  Tage  bei  General  Slrassoldo: 
dieser  erwiderte  jedoch  vor  der  ganzen  Suite:  , Nicht  mir,  sondern  dem  Haupt- 
mann Kuhn  gehurt  das  Verdienst.  • 

Infolge  dieses  glücklichen  Coups  verließ  der  Feind  auch  Valeggio,  welches 
dadurch  ohne  Schwertstreich  besetzt  und  von  Kuhn  in  der  Nacht  und  am  Morgen 
»ler  Schlacht  von  Gustozza  zu  einer  hartnäckigen  Vertheidigung  hergerichtet 
winde.  Her  feindliche  General  Bava  wollte  es  am  25.  Juli  forcieren,  um  die  Verbin- 
dung mitSonnaz,  der  beiVolta  stand,  herzustellen.  SeiueAnstrengungenscheiterlen 
jedoch  an  der  Tapferkeit  der  Besatzung. 

In  der  Schlacht  von  Gustozza  am  25.  Juli  schloss  sich  Kuhn  freiwillig  dem 
Recognoscierungs-Conunando  des  Obersten  Wyss  von  Er/herzog  Garl-Uhlanen  au, 
welches  rechts  von  der  gegen  Villafranca  führenden  Straße  aus  Valeggio 
vorrückte.  Da  Oberst  Wyss  mit  seiner  Truppe  von  Casa  Ghirla  tausend  Schritt«' 
entfernt  stehen  blieb,  unternahm  Kuhn  eine  Recognoscieruug  bis  an  das  die  Ebene 
Prabiano  einschließende  Rideau,  wo  er,  etwa  700  bis  800  Schritte  von  dem- 
selben entfernt,  eine  mehrere  Tausend  Manu  starke  feindliche  Colonne  gewahrte, 
welche  auf  der  Straße  nach  Villafranca  und  der  Wiese  sorglos  stand.  Aus  eigenem 
Antriebe  führte  Kuhn  ohne  Bedeckung  die  beiden,  dein  Detachemont  beige- 
gebenen Gavallerie-Geschütze  in  aller  Eile  bis  au  das  Rideau  vor.  und  ließ  ein  so 
schnelles  und  wohlgezieltes  Feuer  gegen  diese  Colonuc  eröffnen,  dass  sie  nach 
einer  kleinen  Stunde  im  buchstäblichen  Sinne  des  Wortes  auf  dem  Prabiano 
zerstreut,  gegen  Villafranca  flüchtete.  Der  Feind  hatte  zwar  diesem  mörderischen 
Feuer  jenes  aus  mehreren  Batterien  entgegengesetzt,  konnte  aber  der  günstigen 
Stellung  wegen  den  österreichischen  Geschützen  keinen  Schaden  zufügen.  Dies 
hatte  sich  ungefähr  um  5  Uhr  nachmittags  zu  einer  Zeit  ereignet,  als  die  Piemon- 
tesen  Gustozza  noch  besetzt  hielten.  Wie  deutlich  zu  sehen  war,  verließen  sie 
infolge  dessen  in  aller  Eile  Gustozza  und  eilten  gleichfalls  gegen  Villafranca 
zurück.  Der  von  Hauptmann  von  Kuhn  mit  großer  Umsicht  ausgeführte  über- 
raschende Artillerie-Angriff*  bewirkte  die  Zerstreuung  der  feindlichen  Reserve- 
Golonnen  und  nahm  so  auf  die  Räumung  der  Höhen  von  Gustozza  wesentlichen 
Einfluss.  Als  um  diese  Zeil  die  letzte  Brigade  des  II.  Armee-Corps  —  Brigade  Fürst 
Edmund  Schwarzenberg  —  zum  Angriffe  auf  die  Höhen  bei  Gustozza  vorgieng, 
fand  sie  keinen  Widerstand  mehr,  was  auch  daraus  erhellt,  dass  die  Brigade  mü- 
den Verlust  von  1  Todten  und  3  Verwundeten  aufzuweisen  hatte.  Der  Feind  war 
eben  infolge  der  Ereignisse  auf  dein  Prabiano  abgezogen. 

Ferner  kämpfte  Hauptmann  von  Kuhn  in  den  Gefechten  bei  Creinona  am 
30.  Juli,  bei  Basiasco  und  Turano  vor  Lorii  am  L\  August,  endlich  neuerdings 
mit  hervorragender  Umsicht  und  Tapferkeit  in  der  Schlacht  bei  Mailami  am 
4.  August. 

An  der  Spitze  der  Avantgarde  der  Brigade  GM.  Graf  Strassoldo  reitend  und 
auf  der  von  Melegnano  nach  Mailand  führenden  Straße  bei  Casa  Palma 


Digitized  by  Google 


Cummamleur  des  M.  T.O.  Fruiu  Freiherr  von  Kulm. 


375 


angelangt,  erblickte  Kulm  hinter  Laubwerk  bei  Casa  Ganibaloita  verdeckt  auf- 
gestellte feindliehe  Geschütze.  Um  sieh  hievon,  sowie  von  der  Aufstellung  des 
Feindes  naher  zu  überzeugen,  ritt  er  nueh  weiter  vor,  erstattete  sodann  dem 
Brigadier  mündlichen  Rapport,  worauf  zwei  Sechspfünder  der  Fußbatterie  Nr.  2 
vorgeführt,  drei  Compagnien  des  10.  Jäger-Bataillons  links,  3  rechts  der  Straße 
zur  Tournierung  und  Vertreibung  dieser  feindlichen  Geschütze  vorgesendet  wurden. 

An  der  Tele  der  links  der  Straße  vorrückenden  Compagnien  gieng  Kulm 
selbst  bis  ungefähr  auf  gleiche  Höhe  von  Nosedo  vor;  hier  wurde  die  Colonne 
jedoch  in  Front  und  Flanke  derart  beschossen,  dass  ein  weiteres  Vordringen 
unmöglich  ward. 

Eine  in  die  Flanke  entsendete  Patrouille  meldete,  dass  der  Feind  vor  Nosedo 
mit  zwei  Batailloneu  und  einer  Batterie  stehe.  Kuhn  ließ  nun  die  drei  Jäger- 
Compagnien  hinter  einem  Erdaufwurfe  halten,  eille  im  Laufschritte,  da  das  Beiten 
wegen  der  zu  durchwatenden  vielen  Gräben  unmöglich  war.  zurück,  führte  das 
3.  Bataillon  Warasdiner  Kreuzer  vor  und  stellte  es  links  der  inzwischen  durch  die 
Übermacht  des  Gegners  zurückgedrückten  drei  Jüger-Compagnien  im  Haken  auf, 
um  dem  Übergreifen  des  Feindes,  der  die  linke  Colonne  gegen  die  Straße  zu 
werfen  beabsichtigte,  Einhalt  zu  thun. 

Da  der  Feind  trotz  der  Statthaftigkeit  der  k.  k.  Truppen  seine  Überflügelung 
fortsetzte  und  dieselben  immer  mehr  gegen  die  Straße  drückte,  führte  nun  Kuhn 
selbst  das  -2.  Bataillon  Hohenlohe  und  zwei  Compagnien  Oguliner  in  die  feindliche 
Flanke,  ließ  eine  doppelte  Kette  formieren  und  brachte  so  das  Gefecht  für  den 
Moment  zum  Stehen. 

Die  Notwendigkeit  erkennend,  dass  der  Feind  aus  der  Flanke  der  k.  k. 
Truppen  verlrieben  werden  müsse,  damit  dieselben  wieder  die  Offensive  ergreifen 
konnten,  und  überzeugt,  dass  der  Gegner  einem  entschlossenen  Bajonnett-Augriffe 
schwerlich  widerstehen  dürfte,  ließ  Kuhn  Sturmstreich  schlagen,  den  linken  Flügel 
vornehmen  und  stürmte  sodann  gegen  den  Feind,  der  über  Nosedo  und  Betto- 
liuo  hinaus  zurückgeworfen  wurde.  Durch  dieses  entschlossene,  mit  unwider- 
stehlicher Tapferkeit  ausgeführte  Vordringen  Kuhns  wurde  die  bei  Casa  Gani- 
baloita aufgestellte  sechzehnpfündige  piemontische  Batterie  von  ihren  eigenen 
Truppen  entblößt  und  so  auch  den  drei  Jäger-Gompagnien  ermöglicht,  wieder 
vorwärts  zu  dringen  und  vereint  mit  zwei  Compagnien  des  2.  Bataillons  Hohen- 
lohe die  feindliche  Batterie  mit  sämmtlicher  Bedienungsmannschaft  und  Be- 
spannung gefangen  zu  nehmen. 

Da  die  genannten  Truppen  bei  dem  vorangegangenen  heftigen  Feuerkampfe 
sich  beinahe  ganz  verschossen  hatten,  nahmen  sie  in  der  geräumigen  Casa 
Ganibaloita  Stellung.  Einem  verheerenden  Kanonenfeuer  von  Porta  Romana 
her  ausgesetzt,  gerieth  die  Colonne  auf  dem  weit  vorgeschobenen  Punkte  in  Gefahr, 
nicht  nur  wieder  zurückweichen  zu  müssen,  sondern  auch  die  eroberten  Kanonen 
zu  verlieren,  falls  der  Feind  die  Offensive  mit  Krall  ergreifen  sollte. 

Die  dringende  Notwendigkeit  erkennend,  dass  eine  Unterstützung  heran- 
gezogen werden  müsse,  wenn  der  errungene  große  Vortheil  nicht  wieder  verloren 


Digitized  by  Google 


37G 


(XXIV.  bis  «XXVIII.  I'iomolion.  —  Im  Kriege  von  1800.  —  Tirol. 


gehen  sollte,  eilte  Kuhn  im  heftigsten  feindlichen  Gesehützfeucr  nach  Nosedo, 
führte  von  der  dort  inzwischen  angelangten  Avantgarde  des  II.  Armee-Corps  ein 
Bataillon  Erzherzog  Emst-Infanterie  vor  und  stellte  es  vor  Casa  Gambaloita 
zur  Deckung  dieser  Örtlichkeit  auf. 

Die  Brigade  Slrassoldu  war  auf  diese  Weise  bei  zwei  Stunden  allein  im  Ge- 
fechte. Sie  hatte  in  dieser  Zeit  die  Stellung  des  Feindes,  der  von  Vigentino  über 
Casa  Gambaloita  gegen  Gastegnedo  und  Golombo  gestanden  war,  ehe  noch 
«•ine  andere  Brigade  ins  Feuer  kam,  gesprengt  und  eine  sechzehnpfündige  Batterie 
von  acht  Geschützen  mit  Munitions-Karren  und  Bespannung  gefangen  genommen. 

Zu  diesem  großen  Erfolge  trug  Hauptmann  von  Kuhn  durch  rasches  Erfassen 
der  Gefechtslage,  rücksichtslose  Entschlossenheit  und  Tapferkeit,  sowie  «lurch 
rastlose  Thätigkeit  und  wiederholtes  Vorführen  frischer  Truppen  im  heftigsten 
Feuer  entscheidend  bei. 

Für  sein  Verhalten  in  diesem  Feldzuge  wurde  dem  Hauptmann  von  Kuhn 
am  26.  Mai  1848  die  Allerhöchste  Belobung,  am  30.  September  1848  überdies 
die  Auszeichnung  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone  III.  Classe  zutheil. 

Ferner  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  den  Hauptmann 
von  Kuhn,  der  sich,  wie  erwähnt,  auf  Grund  seiner  Waffenthat  in  der  Schlacht 
bei  Mailand  um  die  Aufnahme  in  den  Maria  Theresien-Orden  bewarb  und  dem 
die  Ordenswürdigkeit  schon  für  die  Schlacht  bei  S.  Lucia  durch  einstimmiges 
Votum  des  Ordens-Capitels  zugesprochen  wurde,  kraft  Promotion  CL1II.  vom 
29.  Juni  1849  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Im  Feldzuge  von  1849  machte  Hauptmann  von  Kuhn  die  Gefechte  von 
Gambolö  und  BorgoS.  Siro  am  21.  März  mit;  bei  dem  Sturmangriffe  auf  den 
letzteren  Ort  stellte  er  sich  freiwillig  mit  an  die  Spitze  einer  Compagnie  des 
10.  Jäger-Bataillons  und  feuert«'  die  stürmende  Truppe  durch  sein  todesveracli- 
tendes  Beispiel  zu  unwiderstehlichem  Vorgehen  an. 

Sodann  betheiligte  er  sich  an  der  Expedition  in  die  Romagna  und  zwar  an 
dem  Angriffe  und  der  Unterwerfung  Bolognas  vom  8.  bis  1">.  Mai,  sodann  an  «Irr 
Belagerung  Anconas  vom  24.  Mai  bis  18.  Juni.  Bei  derselben  wusslc  er  seine 
Ansicht  im  Kriegsrathe,  der  gehalten  wurde,  durchzusetzen,  «lass  man  von  der 
geplanten  Escaladierung  des  verschanzten  Lagers  von  Ancona  abgieng  und,  wie 
er  geralhen,  zwei  Drittel  der  Munition  aller  Batterien  in  einer  Nacht  in  die  Festung 
schleuderte,  worauf  am  anderen  Morgen  Ancona  <  apitulierte. 

Am  2.  September  1849  zum  Major  vorrückend,  kam  Kuhn  noch  in  dem- 
selben Jahre  nach  Ungarn,  wo  er  unter  FML.  Frh.  von  Csoriih  vor  Komorn  bis 
zur  Übergabe  dieses  Platzes  am  I.  Oclober  in  Verwendung  stand. 

Gemäß  d«'U  Statuten  des  MariaTheresien-Orilens  am  11.  Jänner  18.")3  in  «len 
Freiherrnsl  and  erhoben,  wurde  Frh.  von  Kuhn  am  18.  Juli  desselben  Jahres 
zum  Oberstlieutenant  befördert.  Nach  «'iner  Reihe  verschiedener  Dienstes- 
verwendungen im  General-Ouartiermeister-Slabe  wurde  er  im  Jahre  1850  als 
Lehrer  der  Strategie  an  die  k.k.  Kriegsschule  in  Wien  berufen,  auf  welchem 
Posten  er  am  27.  März  1857  zum  Obersten  vorrückte. 


Digitized  by  Google 


Corumaiidcui  des  M.  T.-O.  Franz  Freiln-rr  von  Kuhn. 


377 


Am  23.  März  1850  zum  Chef  des  General-Quartiermeister-Stabes 
der  II.  Armee  ernannt,  machte  Oberst  Frh.  von  Kuhn  in  dieser  Dienstesverwen- 
dung den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Fiemont  in  Italien  1859  mit.  Seine 
diesfällige  Thätigkeit  hatte  aber  schon  nach  der  zu  Neujahr  erfolgten  kriegerischen 
Ansprache  des  Kaisers  Napoleon  III.  an  den  österreichischen  Botschafter  ihren 
Anfang  genommen.  Oberst  Frh.  von  Kuhn  entwarf  in  einem  vom  10.  Jänner  185*.) 
datierten  Elaborat  den  eventuellen  Kriegsplan. 

Gemäß  den  officiellen  Publicationen  des  k.  k.  Generalstabes  hätte  der  Krieg 
auf  dem  italienischen  Kriegsschauplatze  so  bald  als  nur  möglich  mit  300.000  Mann 
eröffnet,  die  sardinische  Armee  erdrückt,  eine  Centralstellung  bei  Turin  genommen 
und  die  Colonnen  der  französischen  Armee  beim  Debouchieren  aus  den  Alpen- 
pässen  vor  deren  Vereinigung  einzeln  angegriffen  werden  sollen. 

Aus  Gründen  der  Politik,  zu  welchen  sich  später  auch  Hindernisse 
militärischer  Natur  gesellten,  wurde  der  Krieg  erst  am  20.  April  mit  1 10.000  Mann 
eröffnet. 

Der  von  dem  Armee-Commandanten  FZM.  Grafen  Gyulai  gutgeheißene  Plan, 
bei  Bassignano  und  Valenza  die  feindliche  Stellung  zu  durchbrechen,  wurde 
nicht  ausgeführt.  Ebenso  gieng  man  nicht  auf  Kuhns  Plan  ein,  am  2.  oder  3.  Juni 
den  Feind  auf  dem  Marsche  gegen  Novara  in  der  Flanke  anzugreifen,  indem  man 
es  für  zu  gewagt  hielt. 

Durch  sein  energisches  Auftreten  wusste  es  Oberst  Frh.  von  Kuhn  dahin  zu 
bringen,  dass  nicht  auch  der  Ticino  aufgegeben,  sondern  hier  der  Kampf  mit  dem 
Gegner  aufgenommen  wurde. 

Als  am  Abend  der  Schlacht  bei  Magen  la  am  i.  Juni  der  Kanonendonner 
verstummt  war,  frng  FZM.  Graf  Gyulai  den  Obersten  Frh.  von  Kuhn  um  seine  Ansicht, 
was  weiter  zu  tliun  sei.  „Fortkämpfe n*,  antwortete  letzterer,  „wir  haben  die 
Schlacht  nicht  verloren,  da  Hobecco  und  Carpen/.ago  in  unserer  Gewalt  sind; 
Magenta  selbst  ist  von  wenig  Belang." 

Dass  Oberst  Frh.  von  Kuhn  richtig  gesehen,  wurde  durch  die  späler 
erschienenen  Miltheilungen  über  das  Verhalten  des  Gegners  in  der  Nacht  vom  1. 
auf  den  5.  bezeugt.  Als  am  5.  die  Brigade  Ramming  in  der  Früh  meldete,  dass  der 
Gegin-r  in  der  Nacht  zurückgegangen  sei,  sendete  Kuhn  sogleie.li  den  Major  Neuber 
des  Generalstabs  nach  Pavia  mit  dem  Auftrage,  die  Position  bei  la  Cava  auf 
piemontesischem  Boden  zu  besetzen,  meldete  dies  dem  Armee-Commandanten, 
indem  er  ihm  die  Meldung  Rainmings  übermittelte,  schlug  vor,  bei  Pavia  wieder 
über  den  Ticino  zu  gehen  und  den  Gegner  in  der  Flanke  anzugreifen,  welcher 
Plan  jedoch  nicht  angenommen  wurde. 

Als  am  8.  die  ganze  Armee  in  dem  Dreiecke  Lodi-Pizzighettone- Pavia, 
122.000  Mann  stark,  concentriert  war,  entwarf  Oberst  Frh.  von  Kuhn  den  Plan  zu 
einem  Flankenangriff  auf  die  von  Mailand  gegen  Lodi  vordringende  franco- 
sardinische  Armee.  Dieser  Operationsplan,  den  FZM.  Graf  Gyulai  genehmigt  und 
gut  geheißen,  win  de  jedoch  um  dem  inzwischen  angekommenen  FZM.  Frh.  von  Hess 
als  zu  kühn  verworfen. 


Digitized  by  Go< 


378 


Cl.XIV.  Ins  a.XYIII.  Pmmolioii.  — 


Im  Kriege  von  IHfili. 


-  Tirol. 


Nach  der  Schlacht  von  Solferino  wurde  Oberst  Kuhn  zum  Truppen- 
Brigadier  in  Süd-Tirol  ernannt,  übernahm  die  Brigade  in  den  Judicarien  und 
versali  das  nur  von  einer  Seite  zugängliche,  für  Süd-Tirol  so  wichtige  Rocca 
d'Anfo  in  einer  stürmischen  Nacht  mit  Lebensmitteln,  an  denen  es  bereits  Mangel 
hatte,  konnte  aber  leider  dadurch  nicht  verhindern,  dass  dieser  für  die  Vertheidigung 
Süd-Tirols  so  wichtige  Punkt  beim  Friedensschlüsse  in  die  Hände  des  Gegners  fiel. 

Nach  dem  Kriege  wurde  Oberst  Frh.  von  Kuhn  —  nachdem  er  über  zwanzig 
Jahre  im  GeneralsUibe  gedient  —  zum  Commandanten  des  Infanterie-Regiments 
Nr.  17,  sodann  am  3.  Juni  1862  zum  Truppen-Brigadier  in  Tirol  ernannt  und  als 
solcher  am  29.  Oetober  1863  zum  General-Major  befördert.  Hand  in  Hand 
mit  systematischer  Schulung  der  Truppen  für  den  Gebirgskrieg  oblag  GM.  Frh.  von 
Kuhn  ununterbrochen  auch  wissenschaftlichen  Studien  und  militär-schriftstelleri- 
schen  Arbeiten.  Insbesondere  beschäftigte  er  sich  damit,  nach  Maßgabe  der 
Praxis  seine  Theorie  des  Gebirgskrieges  zu  vervollständigen,  welche  er 
bereits  während  seiner  Thätigkeit  als  Lehrer  an  der  Kriegsschule  abgefasst  hatte. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  wurde  GM.  Frh. 
von  Kuhn  mit  der  Vertheidigung  Tirols  betraut.  Anfangs  unter  Commando  Seiner 
kaiserlichen  königlichen  Hoheit  des  FM.  Erzherzogs  Albrecht  als  Commandanten 
der  k.  k.  Süd-Armee  stehend,  führte  Frh.  von  Kuhn  vom  9.  Juli  an  das  Conunando 
völlig  selbständig. 

Als  GM.  Frh.  von  Kuhn  das  Trnppen-Commando  übernahm,  fand  er  anfangs 
10.000  Mann  zur  Lösung  seiner  schwierigen  Aufgabe  verfügbar. 

Die  Notwendigkeit  einer  neuen  taktischen  Gliederung  erkennend,  vollzog  er 
dieselbe  durch  Theilung  der  Truppen  in  vier  zur  direclen  Vertheidigung  der  Grenze 
bestimmte  Halbbrigaden  und  in  zwei  Reserve -Brigaden,  welche  Organisation 
wesentlich  zur  Erleichterung  der  Vertheidigung  Süd-Tirols  beitrug. 

Von  den  mit  Instructionen  Kuhns  versehenen  Halbbrigaden  nahmen  seinem 
Befehle  gemäß  bei  Ausbruch  des  Feldzuges  die  Halbbrigade  Major  Albertini 
und  Major  Metz  die  günstigen,  bereits  auf  feindlichem  Gebiete  gelegenen  Stel- 
lungen am  Tonale  und  von  Spondalonga  ein,  in  denen  sie  sich  während  der 
Dauer  des  ganzen  Feldzuges  nicht  nur  gegen  einen  übermächtigen  Feind  behaupten, 
sondern  aus  welchem  sie  ihm  auch  in  offensiv  geführten,  erfolgreichen  Gefechten 
Abbruch  thun  konnten.  Durch  diese  Aufstellung  «1er  beiden  Halbbrigaden  in 
günstigen,  gegen  große  feindliche  Übermacht  durch  längere  Zeit  zu  haltenden 
Positionen  schuf  sich  GM.  Frh.  von  Kuhn  eine  große  Freiheit  des  Handelns  auf 
anderen  sehr  bedrohten  Punkten  und  sicherte  sich  die  Möglichkeit  einer  aus- 
giebigen Offensive. 

Solange  die  Süd-Armee  dem  Feinde  in  Italien  die  Stirne  bot,  konnte  dem- 
selben mu  h  von  den  in  erster  Linie  stehenden  Truppen  Tirols  jeder  Schritt  in  das 
Land  erfolgreich  verwehrt  werden. 

Als  die  Süd-Armee  siegreich  über  den  Mincio  vordrang,  überschritt  auf 
Befehl  seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  Erzherzogs  AI  brecht  auch  GM.  Frh.  von  Kuhn 
mit  den  ihm  luderstehenden  Truppen  auf  allen  Punkten  die  Grenze. 


Digitized  by  Google 


Coinmaiitieiir  de*  M.  T.  0.  Kranz  Freiherr  von  Kulm. 


379 


Von  den  Judicarien  und  vom  Ledro-Thale  aus  gelangten  zwei  Halb- 
hrigadeu  bis  in  den  Rücken  von  Rocca  d'Anfo.  Abllieilungen  streiften  bis 
Limoue  und  Treniosine  au  die  Ufer  des  Garda-Sees.  Vom  Tonale  und 
von  Spondalunga  waren  die  Hallihrigaden  angriffsweise  herabgestiegen,  niii 
sich  im  Valtellin  zu  vereinigen.  Gleichzeitig  hatte  Kuhn  die  beiden  Reserve- 
Brigaden  durch  rasche  Überschreitung  des  Ho<  hgebirgs-Überganges  Madonna 
di  Campiglio  am  :i.  Juli  auf  der  Einsattlung  des  Tonale  eoneentriert,  um 
einen  kräftigen  Offensiv-Stoß  in  Feindesland  zu  führen,  mit  Unigehimg  von 
Brescia  directe  gegen  Mailand  vorzudringen  und  derart  die  Flanke  der  Armee 
zu  sichern. 

Da  wurde  aber  infolge  des  Missgesehieks  der  Nord- Armee,  gleichwie  der  sieg- 
reichen Süd-Armee,  auch  den  aus  Tirol  hervorbrechenden  Truppen  Kuhns  halt 
geboten. 

Die  Süd-Armee  gieng  über  den  Mincio  zurück  und  eilte  andere  Kriegs- 
schauplätze aufzusuchen.  Infolge  dessen  drang  der  Feind  sogleich  mit  Übermacht 
gegen  die  Grenzen  Tirols  vor.  wobei  Garibaldis  Corps  auf  40.000  Mann  ver- 
stärkt wurde. 

Dem  GM.Frh.  von  Kuhn  war  es  klar,  dass  er  nun  von  der  begonnenen  Offensiv- 
Bewegung  absehen  und  die  Truppen  rasch  ihre  ursprünglichen  Verteidigungs- 
stellungen einnehmen  lassen  müsse.  Hasch  entschlossen,  leitete  er  den  Bückzug 
sämmtlicher  Colonnen  ein.  Bei  der  Vorzüglichkeit  der  befehligten  Truppen  war  es 
möglich,  dieselben  nach  angestrengten  Märschen,  zum  Theile  über  höchst  unweg- 
sames Hochgebirge  am  5.  abends  in  ihre  ursprünglichen  Vertheidigungs-Stellungeu 
—  die  beiden  Reserve-Brigaden  in  die  Reserve-Stellung  bei  Guniano  —  wieder 
rückzuversetzen. 

Der  an  allen  Funkten  nachdrängende  Feind  fand  überall  unerwarteten  kräf- 
tigen Widerstand.  Durch  Kulms  Dispositionen  wurde  das  rasche  Eindringen  Gari- 
baldis in  Tirol  vereitelt. 

Infolge  des  Abmarsches  des  größten  Theils  der  Süd-Armee  nach  Norden 
wurde  Kulms  Vertheidigungslinie  zu  einer  Ausdehnung  vom  Stilfser-Joch  bis  zur 
Grenze  Kärntens  verlängert  und  bot  dem  Feinde  neue  günstig»?  Angriffspunkte, 
die  bei  seiner  Übermacht  durch  Ya)  Arsa  und  Val  Sugana  leicht  erreichbar 
waren. 

Garibaldis  Corps,  wiewohl  durch  reguläre  Truppen,  namentlich  Artillerie, 
verstärkt,  konnte  doch  nur  schrittweise  in  den  kaum  zu  verteidigenden  Abschnitten 
des  Ledro-Thales  und  der  Judicarien  bis  Conditio  Boden  gewinnen. 

GM.  Frh.  von  Kuhn  war  genöthigt,  die  verhältnismäßig  geringe  Truppenmacht 
in  Süd-Tirol  neuerdings  zu  theilen,  da  er  Detachements  aller  Waffen  in  Val  Sugana 
und  Val  Arsa  entsenden  musste.  Er  konnte,  von  allen  Seiten  vom  Feinde  umgeben, 
diesen  nur  durch  kurze,  kräftige  Offensivschläge  von  dem  Herzen  des  Landes  und 
von  der  Haupt  Verbindung  im  Elsch-Thale  ferne  halten. 

Einen  solchen  Schlag  führte  er  mit  bestem  Erfolge  am  IG.  Juli  in  den  Judi- 
carien bei  Gimego  und  Cond  in o. 


380 


CI.XIV.  U*  CI.XVIII.  Promotion. 


Im  Kriepe  v..n  1866. 


—  Tirol. 


Leider  konnte  GM.  Frh.  von  Kulm  diesen  Sieg  nicht  weiter  verfolgen,  da  er 
während  des  Kampfes  von  dem  Festungs-Commandanten  Veronas  benachrichtigt 
wurde,  dass  General  Cialdini  im  Begriffe  stehe,  mit  50.000  Mann  in  die  Val 
Sugana  einzufallen  und  Trient  zu  nehmen.  Öl)zwar  sich  diese  Nachricht  nicht 
bewahrheitete,  sah  GM.  Frh.  von  Kuhn  dennoch  die  von  Osten  her  drohende  Gefahr 
voraus,  und  da  er  Willens  war,  dieser  eintretenden  Falls  gleichfalls  offensiv  ent- 
gegenzugehen, so  griff  er,  um  die  mächtigen  Massen  Garibaldis  einzuschüchtern 
und  auf  einige  Zeit  unthätig  zu  machen,  am  21.  abermals  an.  Indem  er  in  den 
Judicarien  mehr  demonstrierte,  ließ  er  die  Brigade  Oberst  Frh.  von  Montluisant 
den  G.0Ü0  Fuß  hohen  Monte  Picliea  übersteigen  und  den  in  das  Ledro-Tbal 
eingedrungenen  vier-  bis  fünffach  überlegenen  Feind  angreifen. 

Die  Erfolge  dieser  denkwürdigen  Waffenthat  waren  groß. 

Es  wurden  bei  Bcceca  im  Ledro-Thale  allein  1.100  Gefangene  gemacht,  bei 
350  Mann  getödtet  und  verwundet,  wie  es  die  italienischen  Gefechtsberichte  selbst 
eingestunden. 

Von  diesem  heftigen,  überraschenden  Schlage  getroffen,  war  die  ganze  Macht 
Garibaldis  bis  zur  Beendigung  der  Kriegsereignisse  wie  betäubt,  kaum  schritt- 
weise vorzugehen  wagend. 

So  kam  es,  dass,  als  ernste  Ereignisse  den  GM.  Frh.  von  Kuhn  gegen  die  Ost- 
grenze des  Landes  riefen,  er  nur  2.000  Mann  in  einer  günstigen  Flankenstellung 
f  den  40.000  Mann  Garibaldis  gegenüber  lassen  konnte,  der  Feind  aber  auch  dann 
I  nicht  über  Lardaro  vorzudringen  sich  erkühnte. 

Kaum  von  den  im  Ledro-Thale  geführten  Schlägen  zurückgekehrt-,  erhielt 
Kuhn  die  Nachricht  von  dem  Vordringen  der  Armee-Division  von  Medici  in  der 
Val  Sugana  und  von  der  Bedrohung  der  Val  Arsa. 

Trotz  der  heldenmüthigen  und  ununterbrochen  geführten  Gegenwehr  des 
unter  Comniando  des  Majors  Pichler  vom  Infanlerie-Regimente  Er/herzog  Rainer 
Nr.  59  gestellten  Detarhements  von  vier  Compagnien  Infanterie,  zwei  Compagnien 
Landesschützen  und  vier  Raketen-Geschützen,  drang  der  Feind  rasch  in  der  Rich- 
tung gegen  Trient  vor. 

Kuhn  konnte  seinen  ermüdeten  Truppen  nicht  die  wenige  Ruhe  gönnen, 
wie  er  es  beabsichtigt  hatte. 

Am  23.  nachts  11  Uhr  erreichten  ihn  die  durch  Unterbrechung  der  Tele- 
graphen-Leitung und  durch  immerwährende  Gefechte  verspäteten  Meldungen  ans 
der  Val  Sugana.  Dieselben  ließen  ihn  erkennen,  dass  der  Feind  bereits  Levico 
erreicht  hatte,  und  seiner  Übermacht  auch  nicht  durch  zwei  aus  Verona  ange- 
forderte und  in  die  Val  Suga  n  a  disponierte  Bataillone  halt  geboten  werden  konnte. 

Um  11  Uhr  nachts  wurden  die  bei  Cumano  stehenden  Truppen  alarmiert 
und  der  Befehl  ertheilt,  den  Marsch  überVezzano  mit  Benützung  des  Lauf- 
schrittes derart  auszuführen,  dass  die  Tele  der  Colonne  zuverlässig  um  10  Uhr 
vormittags  in  Trient  eintreffe. 

Dem  GM.  Kaiin  halb;  er  den  Auftrag  ertheilt.  das  Comniando  über  die  aus 
der  Val  Sugana  sieh  nach  Tri e n t  zurückziehenden  Truppen  zu  übernehmen,  bei 


Digitized  by  Google 


Coimiiniidcur  ik-*  M.  T.  O.  Franz.  Froihorr  von  Kulm. 


3SI 


Givezzano  Stellung  zu  nehmen  und  dem  Gegner  das  Vordringen  nach  Trient 
wenigstens  bis  10  Uhr  vormittags  zu  verwehren.  Der  Artillerie-Ghef  Major  Barth 
wurde  gleichfalls  dahin  gesandt,  um  dem  GM.  Frh.  von  Kuhn  von  Stunde  zu 
Stunde  Meldung  zu  erstatten. 

Letzterer  fuhr  mit  seinem  Generalstabs-Chef  Major  Dumoulin  nach  Trient, 
wo  er  4  Uhr  nachts  ankam,  zwei  Depöt-Gompagnien  des  Regiments  Sachsen 
Infanterie  auf  die  Einsattlung  von  Roneogno  disponierte  und  die  nöthigen 
Befehle  ertheilte,  um  die  Ausgänge  Trients  gegen  Per gine  in  Vertheidigungs- 
zustand  zu  versetzen. 

Als  GM.  Frh.  von  Kuhn  um  7,8  Uhr  früh  des  2-1.  Juli  die  Meldung  von 
Givezzano  erhielt,  dass  der  Feind  bei  Pergine  ruhig  verweile  und  noch  keinen 
Angriff  gewagt  habe,  sah  er  sich  der  schwereren  Sorgen,  in  welchen  er  zwischen 
1  Uhr  und  7  Uhr  geschwebt,  enthoben,  da  er  wohl  wussle,  dass  die  Stellung  bei 
Givezzano  wenigstens  vier  bis  fünf  Stunden  gehalten  werden  könne  und  um 
diese  Zeit  auch  seine  Reserven  aus  Gumano  eintreffen  würden. 

Wirklich  trafen  die  ersten  Abiheilungen  der  braven  Truppen,  vom  besten 
Geiste  beseelt,  den  21.  um  O'/j  Uhr  vormittags  in  Trient  ein,  und  nachmittags 
wurden  alle  wichtigen  Punkte  besetzt,  ohne  dass  der  Feind  zu  einem  ernsten  An- 
griffe geschritten  wäre. 

Kleine  Patrouillen-Gefechte,  sowie  die  unzweifelhaft  bestandenen  Verbin- 
dungen mit  einzelnen  Personen  der  Einwohnerschaft  mögen  ihm  von  der  neuen 
Gestaltung  der  Verhältnisse  in  und  bei  Trient  Kenntnis  gegeben  haben,  so  dass 
während  des  21.  kein  weiterer  Zusammenstoß  stattfand. 

Schon  als  das  Vordringen  des  Feindes  gegen  Tirol  von  allen  Seiten  begann, 
halte  GM.  Frh.  von  Kuhn  auf  seine  Meldung  hierüber  vom  Ober-Gommando  der 
operierenden  Armee  mit  telegraphischem  Erlass  Nr.  292/Op.  vom  23.  Juli  die 
Ermächtigung  erhallen,  Süd- Tirol  schrittweise  zu  räumen  und  seine  Streitkräfte 
zur  Verteidigung  Deutsch-Tirols  zu  concentrieren. 

Von  dieser  Ermächtigung  Gebrauch  zu  machen,  war  namentlich  unter  den  am 
23.  Juli  bestandenen  Verhältnissen  nahe  gelegen,  umsomehr  als  sich  Nachrichten 
auf  Nachrichten  häuften,  der  starke  Feind  sei  in  der  Ausführung  einer  Umgehung 
durch  das  Fleimser-Thal  begriffen. 

Eine  Deputation,  an  der  Spitze  der  Bischof  von  Trient.  Rieeabona,  der  Vice- 
Bürgenneister  Dordi  und  andere  Herren,  waren  am  21.  vormittags  beim  GM.  Frh. 
von  Kuhn  erschienen  und  hatten  ihm  die  bedenkliche  Lage  geschildert,  in  der  er 
sich  befinde,  da  nach  zuverlässigen  Nachrichten  General  Medici  eine  Umgehung  in 
das  Fleimser-Thal  und  somit  auf  die  Straße  nach  Bötzen  unternommen  habe. 
Sie  forderten  GM.  Frh.  von  Kuhn  auf.  Trient  zu  verlassen. 

Seine  Antwort  lautete,  er  werde  Trient  aufs  äußerste  vertheidigen,  womit 
er  die  Herren  entließ. 

In  Erkenntnis  der  Wichtigkeit  von  Trient  und  im  Vertrauen  auf  den  hohen 
Grad  militärischer  Tüchtigkeit  der  befehligten  Truppen  war  GM.  Frh.  von  Kuhn, 
trotz  der  erwähnten  Ermächtigung  und  der  ungünstigen  Nachrichten  am  21.  ent- 


Digrfized  by  Google 


CLXIV.  I.is  CLXVIII  IVuin..ti..n.      Im  Kriege  v.m  1*66.  -  Tirol. 


schlössen.  Trient  auf  das  äußerste  zu  halten,  und  traf  hiftiaeli  ungesäumt  seine 
Dispositionen. 

Um  jedoch  voll«*  Freiheit  der  Action  zu  haben  und  fest  entschlossen,  falls  es 
nach  hartnäckiger  Verthcidigung  nöthig  wäre,  sich  mit  der  Truppe  über  Mol  veno 
ins  Yal  di  Sole  und  sodann  entweder  über  die  Mendel  oder  über  „Unsere 
liebe  Frau  im  Walde*  ins  Etsch-Thal  zurückzuziehen,  hatte  GM.  Frh.  von  Kuhn 
die  Bagage  und  allen  unnöthigen  Tross  unter  Bedeckung  nach  Bötzen  entsendet. 

Mit  allen  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  wurde  die  Instandsetzung  Trient s 
zur  hartnäckigen  Verteidigung  und  seine  Herrichtung  zu  einem  Waffenplatze  ein- 
geleitet. Das  Fleimser-  und  Fassa-Thal,  wohin  GM.  Frh.  von  Kuhn  bereits 
Truppen  entsendet  hatte,  wurden  durch  Befestigungen  zu  einer  Vertlicidigungslinio 
geschaffen,  in  deren  Rücken  auf  den  Übergängen  nach  Bolzen  und  in  das  Eisack- 
Thal  sich  eine  zweite  befestigte  Linie  erhob. 

Um  die  Vertheidigung  von  Trient  mit  concentrierlcr  Krall  durchzufühlen, 
hatte  GM.  Frh.  von  Kuhn  Roveredo  und  den  Abschnitt  von  Riva  momentan 
aufgegeben  und  die  hiedunh  entbehrlich  gewordenen  Truppen  ebenfalls  bei 
Trient  concentriert. 

So  würde  der  Feind,  wenn  er  am  21.  einen  Angriff  gewagt  hätte,  eine  kampf- 
bereite, heldenmüthige  Truppeiimacht  in  guter,  verstärkter  Stellung,  frei  von  allen 
1  lenimnissen,  gedeckt  in  Flanke  und  Rücken,  gefunden  und  schwerlich  gesiegt  haben. 

Kr  scheint  daher  unter  solchen  Umständen  trotz  seiner  Übermacht,  am  21. 
den  Angriff  auf  Trient  gescheut  zu  haben. 

Denn,  als  GM.  Frh.  von  Kuhn  nach  den  am  Abend  des  21.  vom  Ober-Gom- 
mando  der  operierenden  Armee  erhaltenen  Andeutungen  über  die  Möglichkeit 
eines  baldigen  Eintrittes  der  Waffenruhe  und  der  hiedun  h  bedingten  Wichtigkeil 
einer  Behauptung  Trients,  die  Truppen  während  der  ganzen  Nacht  vom  21.  auf 
den  25.  in  voller  Gefechtsbereitschaft  hielt,  erkühnte  sich  der  Feind  auch  nicht  zur 
geringsten  Unternehmung. 

Erst  am  l'ö.  mittags  raffte  er  sich  zu  einem  im  Falle  des  Gelingens  entschei- 
denden Stoß  gegen  die  in  der  Val  Sorda  stehenden  Truppen  auf. 

Der  Angriff  der  Brigade  Sicilia  auf  vier  Gompagnien  des  7.  Kaiserjägcr-Batail- 
lons  und  zwei  Scharfschützcu-Gompagnieu  misslang  aber  nicht  nur,  sondern  die 
braven  k.  k.  Truppen  nahmen  die  Stellung  von  Vigolo. 

Nach  diesem  Geferhtc  theilte  t!L.  de  Medici  dem  GM.  Frh.  von  Kuhn  die 
demselben  gleichzeitig  vom  Ohcr-Gommando  der  operierenden  Armee  zugekom- 
mene Nachricht  von  dem  Abschlüsse  der  Waffenruhe  mit.  und  forderte  Kuhn  auf, 
dem  ferneren  Blutvergießen  Einhalt  zu  thun. 

So  halle  GM.  Fi  Ii.  von  Kuhn  mit  einer  an  der  ganzen  langen  Grenze  Süd- 
Tirols  vertheillen  Macht,  die  ei-t  im  letzten  Momente  etwa  1  V.000  Mann  regulärer 
Truppen  betrug,  vermocht,  einem  vielfach  überlegenen  Feind  den  Eintritt  in  das 
Herz  Süd-Tirols  zu  verwehren. 

Nicht  einen  Augenblick  war  die  Verbindung  im  Etsch-Thale  unterbrochen; 
nicht  einer  der  wichtigeren  Dunkle  im  Lande  kam  in  die  Gewalt  des  Feindes,  der 


Digitized  by  Google 


Conimundetir  des  M.  T.  U.  Franz  Freiherr  von  Kuhn. 


383 


nur  voihältnisiuäßig  geringe  Landcstheilc  betreten  konnte,  während  zwei  der  dum 
GM.  Frh.  von  Kuhn  unl erstehenden  Ilalbbrigaden  unvemn  kbar  aul  feindlichem 
Huden  standen  und  weit  in  des  Feindes  Land  streiften. 

Erst  wflhrend  der  Dauer  der  zweimal  verlängerten  Waffenruhe  kamen 
nennenswerte  Verstärkungen  nach  Tirol,  zwei  Bataillone  von  der  Besatzung 
Veronas  und  die  Brigade  Oberst  Frh.  von  Kleudgen  aus  Wien. 

Trient  bildete  sich  immer  mehr  zu  einem  ansehnlichen,  achtenswerten 
Waftenplatz  aus,  umso  mehr,  da  27  aus  Verona  entnommene,  mit  Munition 
reichlich  versehene  Geschütze  dessen  Bedeutung  vermehrten. 

Auf  einen  von  GM.  Frh.  von  Kuhn  an  das  Ober-Conunando  der  operierenden 
Armee  gestellten  Antrag,  ertheilte  Se.  Majestät  der  Kaiser  dem  Frh.  von  Kuhn 
allergnädigst  ausgedehnte  Vollmacht  zur  Errichtung  des  Landsturmes  in 
Süd-Tirol. 

In  der  Frist  von  wenigen  Tagen  nach  Erhalt  dieser  Allerhöchsten  Voll- 
macht war  es  Kuhn  gelungen,  über  2200  Mann  Landsturm,  bewaffnet  und 
vom  besten  Geiste  beseelt,  in  den  verschiedenen  Bezirken  Süd-Tirols  kampf- 
bereit aufzustellen. 

In  erhebendster,  loyalster  Weise  gab  die  gutgesinnte  Landbevölkerung  Süd- 
Tirols  ihren  Gefühlen  der  Treue  und  ihrer  Opferwilligkeit  für  Kaiser  und  Heidi 
durch  Thaten  den  schönsten  Ausdruck.  Überdies  kam  der  durch  GM.  Frh.  von  Kuhn 
aus  eigener  Initiative  ins  Leben  gerufenen  Maßregel  in  Anbetracht  der  politischen 
Rückwirkung  dauernder  Wert  zu. 

So  gerüstet  fand  der  Ablauf  der  Waffenruhe  die  Truppen  in  Tirol. 

Die  Disposition  zum  Angriffe  aul*  die  Division  Medici  war  derart  eingeleitet, 
dass  diese  Division  nur  unter  bedeutendem  Verluste  den  Rückzug  hätte  aus- 
führen können. 

Als  am  10.  August  die  Weisung  von  Wien  kam,  dass  der  Gegner  am  11. 
Tirol  geräumt  haben  müsse,  und  falls  dies  nicht  geschehen  wäre,  die  Operationen 
wieder  begonnen  werden  könnten,  ließ  GM.  Frh.  von  Kuhn  am  II.  um  4  Uhr  alle 
seine  Colonnen  concentrisch  gegen  Pergiue  und  in  die  Val  Sngana  vorrücken, 
fand  jedoch  trotz  forcierter  Märsche  die  Val  Sugana  vom  Feinde  völlig  geräumt. 

Auch  Garibaldi  war  mit  seinem  Corps  über  die  Grenze  zurückgegangen, 
vor  seiner  Truppe  laut  bekennend,  dass  er  mit  seinen  40.000  Mann  nicht,  imstande 
gewesen,  auch  nur  einen  Berg  zu  erobern. 

In  wenigen  knappen  Zügen  wurde  hier  das  persönliche  Wirken  des  GM. 
Frh.  von  Kuhn  während  des  Feldzuges  1806  in  Tirol  verzeichnet.  Es  wird  für  immer 
würdig  erachtet  werden,  einen  ehrenvollen  Platz  in  der  Geschichte  nicht  bloß  der 
k.  k.  Armee,  sondern  auch  in  der  Kriegsgeschichte  einzunehmen. 

Auf  Grund  der  durch  die  Vertheidigung  Tirols  vollbrachten  Waffenthal 
geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  J.  als  Erhabener  Großmeister  über 
Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  vom  20.  August  1800  den 
inzwischen  kurz  nach  Abschluss  des  Waffenstillstandes  am  17.  August  1800 
außer  der  Tour  zum  Feldmarschall-Lieutenant  beförderten  Frau/.  Freiherru 


Digitized  by  Google 


381  CLXIV.  l.is  CI.XVIII.  Pn.mMlion.  -  Im  Kriege  von  l»6ß.  -  Tin.!. 

Kuhn  von  Kuhnenfeld  zum  Commandern-  des  Maria  Thcresicn-Ordens 
zu  promovieren. 

Am  G.  September  18GG  zum  Commandanten  der  VIII.  Truppen-Division  in 
Innsbruck,  kurz  darauf,  am  13.  Ortober  desselben  Jahres,  zum  Landesver- 
t  heidigungs  -  Ober  -  Commandunten  in  Tirol  und  Vorarlberg,  ferner  zum 
Oberst-Inhaber  des  17.  Infanterie-Regiments  ernannt,  wendete  sich  FML. 
Frh.  von  Kuhn  neben  den  dienstlichen  Verrichtungen  auch  wieder  den  Studien, 
namentlich  aber  seiner  Theorie  des  Gebirgsk rieges  zu.  um  deren  Grundsätze 
und  Lehren  durch  die  während  des  letzten  Krieges  gesammelten  unschätzbaren 
Erfahrungen  und  Beispiele  zu  ergänzen. 

Nicht  allzulange  sollte  jedoch  FML.  Frh.  von  Kuhn  in  Tirol  verbleiben.  Die 
dualistisch  -eonst  Rationelle  Neugestaltung  der  Monarchie,  die  Mahnungen  und 
Lehren  des  letzten  Krieges,  die  einander  fiberbielenden  Rüstungen  anderer  Staaten, 
alles  dies  heischte  gebieterisch,  dass  die  gleich  nach  Beendigung  des  Krieges  von 
18GG  wohl  in  Angriff1  genommene,  aber  nicht  entfernt  abgeschlossene  Heeres-Orga- 
nisation  nach  allen  Richtungen  ausgebaut  werde.  Zur  Durchführung  dieser  Aufgabe 
wind«!  durch  Allerhöchstes  Vertrauen  Seiner  Majestät  des  Kaisers  FML.  Frh.  von 
Kuhn  berufen  und  am  18.  Jänner  18G8  zum  Reichs-Kriegsmin ister  ernannt. 

Während  seiner  Amtstätigkeit  wurde  unter  Allerhöchster  Leitung  des 
Obersten  Kriegsherrn  die  Armee,  basiert  auf  das  neue  Wehrgeselz,  reorgani- 
siert. Als  Haupt-Momente  sind  hervorzuheben:  die  Fixierung  der  Kriegsstärke  des 
stehenden  Heeres  auf  800.000  Mann  und  die  Bildung  der  Landwehr  in  beiden 
Reichshälften  —  wofür  Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte,  Frh.  von  Kuhn  Aller- 
höchst eigenhändig  das  Großkreuz  des  Leopold-Ordens  zu  verleihen  — 
ferner  die  Errichtung  der  Reserve-Regimenter  der  Infanterie,  die  Erhöhung  des 
Präsenzstandes  der  Cavallerie  auf  den  Kriegsstand,  die  Errichtung  eines  Artillerie- 
Regiments  und  13  schwerer  Batterien  im  Jahre  1875,  die  Erhöhung  des  Präsenz- 
standes der  Reserve-Regimenter  von  10  Mann  per  Compagnie  auf  ö0.  die  Erhöhung 
der  Gagen  der  Officioro  bis  inclusive  zur  Oberstens-Charge  u.  s.  w.  u.  s.  w. 

Für  diese  seine  Thäligkeit  wurde  Frh.  von  Kuhn  am  3.  April  1873  zum  Feld- 
zeugmeister außer  der  Tour  ernannt  und  ihm,  als  er  am  14.  Juni  1 874- 
seiner  Stelle  als  Kriegsminister  enthoben  wurde,  das  Großkreuz  des  Stephan- 
Ordens  Allerhöchst  verlieben,  bei  welchem  Anlasse  Seine  Majestät  der  Kaiser 
ihm  die  Allerhöchste  aufrichtige  und  dankbare  Anerkennung  seiner  Thätigkeit 
als  Minister  huldvollst  kundzugeben  geruhte. 

Gleichzeitig  mit  der  Enthebung  vom  Posten  des  Reichs-Kriegsministers 
wurde  FZM.  Frh.  von  Kuhn  am  11.  Juni  1874  zum  Commandierenden 
General  in  Graz  und  in  der  Folge  anlässlich  der  Einführung  des  Territorial  - 
Pislocations-Systems  am  1.  Jänner  1883  zugleich  zum  Commandanten  des 
III.  Corps  ernannt. 

In  demselben  Jahre,  am  2:?.  September,  feierte  FZM.  Frh.  von  Kuhn  in  körper- 
licher und  geistiger  Vollkraft  sein  durch  ein  neuerliches  huldvolles  Allerhöchstes 
Handschreiben  verl  lerrli  cht  es  fünf/,  i  gj  ä  1 1  r  i  g  e  s  M  i  1  i  t  ä  r  -  D  i  e  n  s  t  j  u  b  i  1  ä  u  m. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  H.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  Gredler. 


385 


Am  4.  November  1886  geruhte  seine  Majestät  der  Kaiser  und  Erhabene 
Großmeister  des  Maria  Theresien- Ordens  den  FZM.  Frh.  von  Kuhn  zum 
Kanzler  dieses  Ordens  zu  ernennen. 

Am  16.  Juli  1888  wurde  FZM.  Frh.  von  Kuhn  von  dem  Commando  des 
III.  Corps  und  dem  Posten  des  Comrnandierenden  Generals  in  Graz,  sowie  des 
Landwehr-Gommandanten  daselbst  enthoben  und  unter  Vorbehalt  anderweitiger 
Verwendung,  bei  voller  körperlicher  und  geistiger  Frische  in  disponiblen  Stand 
versetzt,  wobei  Seine  Majestät  der  Kaiser  mittels  eines  Allerhöchsten 
Handschreibens  dem  nach  mehr  als  fünfundfünfzigjähriger  activer  Dienst- 
leistung in  Disponibilität  Tretenden  allergnädigst  Dank  und  Anerkennung 
für  die  bis  dahin  geleisteten  Dienste  auszusprechen  geruhte. 

Die  militärischen  Wissenschaften  bereicherte  Kuhn  mit  seinem  Werke  über 
den  Gebirgskrieg,  das  beinahe  in  alle  europaischen  Sprachen  übersetzt  und  von 
allen  militärischen  Zeitschriften  sehr  vorteilhaft  beurtheilt  wurde. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Ludwig  Freiherr  von  Gredler. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1866.) 
Gredler  wurde  als  Sohn  des  Hof-  und  Gerichts-Advocaten  Andreas  Ritter 
(  nachmals  Freiherrn)  von  Gredler  in  Wien  im  Jahre  1831  geboren,  trat  am  20.  Sep- 
tember 1847  bei  dem  k.  k.  Pionnier-Corps  als  Cadet  ein  und  kam  in  die  Tullner 
Pionnier-Schulcompagnie,  mit  der  er  sich  im  Jahre  1848  an  der  Erstürmung 
Wiens  bctheiligte. 

Am  1.  Jänner  1849  zum  7.  Infanterie-Regiment  transferiert,  wurde  er  am 
16.  April  desselben  Jahres  zum  Lieutenant  im  49.  Infanterie-Regiment  befordert 
und  kämpfte  in  dem  Feldzuge  in  Ungarn  und  zwar  bei  der  Einnahme  von  Raab 
am  28.  Juni,  dann  in  den  Schlachten  bei  Komorn  am  2.  und  11.  Juli. 

Am  15.  Jänner  1852  erfolgte  seine  Transferierung  zum  4.  L'hlanen-Regiment, 
in  welchem  er  :un  26.  März  des  gleichen  Jahres  zum  Oberlieutenant  vorrückte 
und  am  26.  März  1857  zum  Rittmeister  II.  Classe  befördert  wurde.  Nachdem 
er  kurz  darauf  am  30.  September  den  Dienst  mit  Beibehalt  des  Officiers-Charakters 
quittiert  hatte,  wurde  er  am  4.  Juli  1858  wieder  zum  4.  Uhlanen-Regiment 
eingetheilt. 

Am  1.  September  1858  zum  Tiroler  Kaiser-Jäger-Regiment  transferiert, 
machte  er  mit  dem  3.  Bataillon  desselben  als  Compagnie-Commandant  den  Krieg 
gegen  Frankreich  und  Piemon  t  im  Jahre  1859  mit,  ohne  dass  es  ihm  jedoch 
vergönnt  war,  ins  Feuer  zu  kommen. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  kämpfte  er  im 
Feldzuge  gegen  Italien  und  zwar  bei  der  Vertheidigung  Tirols  als  Cornmandant 

Militärischer  Mar»  Th«ro»i«n-Oni«n.  25 


Digitized  by  Google 


3su 


CLXIV.  bis  CLXVI1I.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1 866.  —  Tirol. 


des  6.  Kaiser-Jäger-Bataillons  fast  in  allen  Gefechten  und  Treffen  in  den  Judicarien 
während  des  Monates  Juli  und  zwar  am  Monte  Suello  am  3.,  bei  Caffaro 
am  7.,  bei  Lodrone  am  10..  bei  Gondino  am  16.,  bei  Pieve  di  Ledro  am  18. 
und  bei  Bececa  am  21.  Juli. 

Im  Gefecht  am  Monte  Suello,  welches  Hauptmann  Ritter  von  Gredler 
völlig  selbständig  leitete,  vollbrachte  er  dank  seiner  ebenso  tapferen  als  klugen 
Gefechtsführung  eine  besonders  hervorragende  Waffenthat.  Der  Anlass  zu  der- 
selben ergab  sich  folgendermaßen. 

Seine  L  k.  Hoheit  FM.  Erzherzog  A  1  b  r  e  c  h  t  hatte  am  29.  Juni,  im 
Zusammenhange  mit  der  Überschreitung  des  Mincio  durch  die  k.  k.  Süd-Armee, 
auch  für  die  Truppen  an  der  Südwestgrenze  Tirols  eine  allgemeine  Vorrückung 
auf  lombardisches  Gebiet  angeordnet.  Unter  anderm  sollten  k.  k.  Streitkräfte 
auch  zwischen  dem  Ghiese  und  Garda-See  vorrücken  und  trachten,  das  italie- 
nische Fort  Rocca  d'Anfo  im  Rücken  zu  nehmen.  GM.  Frh.  von  Kuhn  setzte  dem- 
gemäß drei  Colonnen  gegen  Rocca  d'Anfo  in  Bewegung.  Eine  davon  bestand 
aus  vier  Compagnien  des  6.  Kaiser-Jäger-Bataillons  unter  Commando  des  Haupt- 
mannes Ritter  von  Gredler. 

Derselbe  erhielt  vom  Truppen-Commando  Befehl,  den  30.  Juni  über  Nago 
nach  Storo  zu  rücken  und  am  2.  Juli  von  dort  ans  den  Monte  Suello  zu  besetzen. 
An  demselben  Tage  sollte  die  Halb-Brigade  Oberstlieutenant  von  Höffern  von 
Bagolino  aus,  die  Halb-Brigade  Oberstlieutenant  von  Thour  von  Turanu  aus 
über  Idro  trachten,  dem  Fort  von  Rocca  d'Anfo  in  den  Rücken  zu  konunen 
und  dieselbe  einzuschließen.  Hauptmann  Ritter  von  Gredler  hatte  mit  seinem 
Bataillon  diese  Cernierung  am  Monte  Suello  zu  vollenden. 

Mittlerweile  hatte  aber  auch  auf  Seite  des  Feindes  Garibaldi  Befehl  erhalten, 
die  infolge  der  Schlacht  bei  Custozza  unterbrochenen  Operationen  gegen  Tirol 
wieder  aufzunehmen.  Infolge  dessen  stießen  die  Freischaren  Garibaldis  auf  ver- 
schiedenen Punkten  auf  die  österreichischen  Colonnen  und  zwar  speciell  auf 
Monte  Suello  am  3.  Juli  eine  Freischar  unter  dem  italienischen  Obersten  Corte 
in  der  Stärke  von  mehr  als  2.800  Mann  und  6  Geschützen  auf  die  Colonne 
Gredlers,  welche  nur  ungefär  600  Mann  stark  war. 

Hauptmann  Ritter  von  Gredler  hatte  gemäß  dem  erhaltenen  Befehle  auf  dem 
Monte  Suello  am  2.  Juli  folgende  Aufstellung  genommen,  und  zwar: 

Drei  Compagnien  und  ein  Zug  hielten  den  Berg  besetzt:  eine  halbe  Com- 
pagnie  stand  etliche  hundert  Schritte  auf  der  Straße  nach  Rocca  d'Anfo  vor- 
geschoben, endlich  ein  Zug  in  Ponte  Heiuieri  gegen  Bagolino. 

Der  Feind  rückte  mit  der  Haupt-Colonne  auf  der  Straße  von  Rocca  d'Anfo 
über  den  Monte  Suello  gegen  Bagolino  vor;  zwei  Barken,  jede  mit  zwei 
Geschützen  armiert,  cotoyierten  die  Colonne  auf  dein  Garda-See. 

Als  um  1  Uhr  der  Feind  von  S.  Antonio  anzurücken  begann,  sendete 
Gredler  noch  drei  Züge  auf  der  Straße  vor  und  detachierte  eine  halbe  Compagnie  in 
die  rechte  Flanke  zur  Beobachtung  des  von  Bagoli  n  o  gegen  S.  An  tonio  führenden 
Sauinweges. 


Digitized  by  Google 


zed  by  Google 


Digitized  by  GooqI 


Ritter  de»  H.  T.-O.  Ludwig  Freiherr  von  Gredler. 


387 


Die  ersten  auf  der  Straße  anrückenden  Abtheilungen  des  Feindes  wurden 
von  der  in  vorderster  Linie  aufgestellten  Halbcompagnie  mit  dem  Bajonnett 
angegriffen  und  geworfen.  Die  nachgesendeten  drei  Züge,  welche  während  ihrer  Vor- 
rückung auf  der  Straße  von  den  feindlichen  Booten  mit  einem  lebhaften  Geschütz- 
feuer empfangen  und  gleichzeitig  durch  die  zwischen  dem  See  und  der  Straße 
vorrückende  feindliche  Seiten-Colonne  in  der  linken  Flanke  bedroht  wurden, 
drängten  letztere  zurück  und  rückten  selbst  über  S.  Giacomo  gegen  S.  Antonio 
vor,  wo  sich  mittlerweile  die  früher  auf  der  Straße  zurückgeworfenen  vordersten 
Abtheilungen  des  Feindes  sammelten  und  von  wo  sie  dann  neuerdings  vor- 
rückten. 

Diesen  zweiten  Angriff  ließ  Gredler  in  der  Front  durch  eine  frisch  vorge- 
sendete Compagnie  abweisen  und  zwang  den  Gegner  überdies  durch  einen  Flanken- 
angriff der  rechts  vorgesendeten  Halbcompagnie  vollends  zum  Rückzüge. 

Der  Feind  beschoss  nun  lebhaft  jene  österreichischen  Abtheilungen,  welche 
auf  der  Straße  vorgegangen  waren  und  mittlerweile  die  Kirche  und  den  Friedhof 
von  S.  Giacomo  besetzt  hatten,  durch  zwei  im  Friedhofe  von  S.  Antonio  auf- 
geführte Geschütze  und  schickte  frische  Abtheilungen  zum  dritten  Angriffe  vor, 
welche  jedoch  trotz  anerkennenswerter  Tapferkeit  auch  diesmal  durch  das 
sichere  Feuer  der  Jäger  erschüttert  und  dann  mit  dem  Bajonnett  geworfen  wurden. 
Die  in  S.  Giacomo  kämpfenden  Abtheilungen  Gredlers  verfolgten  den  weichenden 
Gegner,  verdrängten  einige,  S.  Antonio  besetzt  haltende  Abtheilungen,  giengen 
aber  dann  wieder  nach  S.  Giacomo  zurück. 

Der  Feind  schritt  nun.  nachdem  er  noch  zwei  Geschütze  vorgenommen  hatte, 
mit  sämmtlichen  Abtheilungen  zum  vierten  Angriffe,  welcher  aber  ebenfalls  an  der 
zähen  Ausdauer  der  Jäger  scheiterte.  Die  durch  Gredler  eingeleitete  Verfolgung 
konnte,  des  heftigen  feindlichen  Geschützfeuers  wegen,  nicht  wirksam  fortgesetzt 
werden;  ermusste  vielmehr  wegen  Munitionsmangels  bei  Einbruch  der  Nacht  nach 
Lodrone  zurückgehen,  wobei  er  drei  Züge  am  Ponte  di  Caffaro  stehen  ließ. 

Der  Gegner  besetzte  in  der  Nacht  S.  Giacomo,  rückte  am  Morgen  des  4.  vor, 
zog  sich  aber  bald  wieder  nach  S.  Antonio  zurück. 

Der  Feind  hatte  an  Todten  und  Verwundeten  einen  Verlust  von  mehr  als 
300  Mann.  Unter  den  Verwundeten  befand  sich  auch  Garibaldi,  welcher  dem 
Gefechte  persönlich  angewohnt  hatte. 

Die  hartnäckige  Vertheidigung  des  Monte  Suello  durch  Hauptmann  Bitter 
von  Gredler  erleichterte  nicht  nur  den  in  den  Rücken  von  Rocca  d"Anfo  ent- 
sendeten beiden  anderen  Golonnen,  welche  ebenfalls  von  überlegenen  Kräften 
angegriffen  wurden,  den  Rückzug,  sondern  brachte  die  von  Garibaldi  ergriffene 
Offensive  für  mehrere  Tage,  bis  zum  7.  Juli,  zum  Stocken. 

Auf  Grund  der  am  Monte  Suello  am  3.  Juli  vollbrachten  Waffenthat  geruhte 
Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  über 
Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Promotion  GLXVI.  vom  29.  August  1866  den 
Hauptmann  Ludwig  Ritter  von  Gredler  mittels  Verleihung  des  Kleinkreuzes 
zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ürdens  zu  promovieren. 

25» 


Digitized  by  Google 


38S 


CLXIV.  bis  CLXVIU.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Tirol. 


Wiewohl  in  dem  Gefechte  am  Monte  Suello  durch  einen  Streifschuss  am 
Kopfe  leicht  verwundet,  machte  Hauptmann  Ritter  von  Gredler  an  der  Spitze 
seines  Bataillons  auch  alle  folgenden  Unternehmungen  und  Kämpfe  desselben 
während  dieses  Feldzuges  von  Anfang  bis  zu  Ende  mit. 

Nach  dem  Kriege  übernahm  Gredler  wieder  das  Commando  seiner  Com- 
pagnie  in  Bregenz,  wo  das  6.  Kaiserjäger-Bataillon  garnisonierte.  Er  erfreute 
sich  nicht  nur  wärmster  Liebe  und  Anhänglichkeit  seiner  Truppe,  die  er  zu  Sieg 
und  Ruhm  geführt,  sondern  stand  auch  bei  der  Bevölkerung  Tirols  in  hohem 
Ansehen.  Beides  manifestierte  sich  besonders  bei  der  Feier,  welche  das  Bataillon 
nach  Jahr  und  Tag  zu  Ehren  der  siegreichen  Tiroler  Kämpfe  von  1866  unter 
freudiger  Antheiluahme  der  Einwohner  von  Bregenz  begieng  und  die  durch 
erhebende  Erinnerung*- Telegramme  des  Commandanten  der  Tiroler  Landes- 
verteidigung von  1^60  K.ML.  Frh.  von  Kuhn,  unter  allgemeinem  begeisterten 
Jubel  von  Militär  und  Civil,  gekrönt  wurde. 

Im  Herbste  1867  stand  Hauptmann  Ritter  von  Gredler  wieder  an  der  Spitze 
des  Bataillons,  das  er  im  Jahre  1866  so  hervorragend  geführt.  Es  war  dies  bei  der 
Schützen -Concentriening  von  1867.  bei  welchem  Anlasse  sowohl  Gredlers  Bataillon 
als  er  selbst  hoher  Belobung  Iheilhaftig  wurden. 

Leider  sollte  es  das  letztemal  sein,  dass  Gredler  mit  seinen  Kaiseijägern 
erneute  Auszeichnung  errang.  Während  einer  Assentiernngsreise  erkrankt,  ver- 
mochte er  trotz  seines  gestählten  Körpers  in  der  rauhen  Gebirgsluft  dem  Siech- 
thum, in  welches  seine  Krankheit  ausartete,  nimmer  obzusiegen. 

Ein  letztos  freudiges  Aufleuchten  seines  Kriegerlebens  ward  ihm  zutheil. 
als  ihn  Seine  Majestät  der  Kaiser  auf  Grund  der  Statuten  des  Maria  Theresien- 
Ordens  am  7.  Jänner  1868  in  den  Freiherrnstand  zu  erheben  geruhte. 

Drei  Monate  später,  im  Frühjahr  am  9.  April  1868.  erlag  der  Tapfere  vom 
Monte  Suello  im  39.  Lebensjahr  dem  Tode. 

Unter  allgemeiner  Betheiligung  «1er  Revölkerung  von  Bregenz.  unter 
kameradschaftlicher  Antheilnahmo  des  bayrischen  Of fioierscorps  ans  dem 
freundnachbarlichen  Lindau,  gab  das  6.  Kaiserjager-Bataillon  seinem  so  früh 
dahingeschiedenen  Commandanten  das  letzte  Ehrengeleite.  Seine  sterblichen 
fiberroste  wurden  zur  See  nach  Lindau,  sodann  mittelst  Ei-enbahn  nach  Wien 
überführt.  Hier  erwies  eine  eigens  aus  Mauer  nach  Wien  commandierte  Kaiser- 
jäger-Compagnie,  sowie  das  OftHorsoorps  der  Wiener  Garnison,  darunter 
sämnitliche  daselbst  weilenden  Mitglieder  des  Maria  Theresien-Ordens,  mit  Seiner 
kaiserlichen  königlichen  Hoheit  dein  durchlauchtigsten  Feldrnarsrhall  Erzherzog 
AI  brecht  an  der  Spitze,  dem  Verblichenen  die  letzten  Ehren. 

Im  Ferdinandeurn  zu  Innsbruck  bewahrt  das  dankbare  Land  Tirol 
neben  anderen  Trophäen  auch  jene  vom  Monte  Suello  —  neben  anderen  Bild- 
nissen hervorragender  Vertheidigor  Tirols  auch  jenes  von  Gredler.  In  der  Familien- 
gruft auf  dem  Währinger  Friedhofe  ruhen  in  heimatlicher  Erde  der  Vaterstadt 
Wien  Cieitlcrs  sterbliche  Überreste. 


Digitized  by  Google 


Ritler  des  M.  T.-O.  Bruno  Freiherr  von  MunUuiaanL 


380 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Bruno  Freiherr  von  Montluisant. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1866.) 

Freiherr  von  Montluisant  wurde  zu  Enzersdorf  im  Gebirge  in  Österreich 
unter  der  Enns  im  Jahre  1815  als  Officierssohn  geboren,  im  Regiments- 
K nabenerziehungshause  des  49.  Infanterie-Regiments  militärisch  heran- 
gebildet und  am  16.  Decomber  1832  als  Regiments-Cadet  zum  12.  Infanterie- 
Regiment  ausgemustert.  Am  1.  November  1833  erfolgte  seine  Transferierung 
zum  Tiroler-Kaiser-Jäger-Regiment,  in  welchem  Frh.  von  Montluisant  seine  ganze 
weitere  Dienstzeit  hindurch  bis  zum  Übertritt  in  den  Ruhestand  verblieb.  Im 
zweiten  Dienstjahre,  am  1.  November  1834,  zum  Unterlieutenant,  befördert, 
war  Frh.  von  Montluisant  bereits  mit  19  Lebensjahren  Oflieier.  Am  1.  September 
1815  rückte  er  zum  Oberlieutenant  vor.  in  welch  letzterer  Charge  er  in  den 
Krieg  gegen  Piemont  im  Jahre  1848/19  zog. 

Im  Feldzuge  von  1848  kämpfte  Oberlieutenant  Frh  von  Montluisant  und 
zwar  in  den  Gefechten  bei  Pasti  engo  am  28.,  29.  und  30.  April,  in  dem  Gefechte 
bei  Gurtatone  am  29.  Mai,  bei  der  Einnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni,  in  der 
Schlacht  bei  Sona  und  Sommacampagna  am  23.  Juli,  in  dem  Gefechte  bei 
Salionze  am  24.  Juli,  in  der  Schlacht  bei  Cust <  zza  am  25.  Juli,  in  dem  Treffen 
bei  Mailand  am  4.  August,  endlich  in  dem  Gefechte  bei  Gera  und  Verceja 
am  28.  October. 

Im  Feldzuge  von  1849  ma»  hte  er  das  Scharmützel  bei  Vercelli  am  23.  März 
mit  und  wurde  am  1.  April  zum  Hauptmann  befördert. 

Am  28.  März  1855  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Major. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  ün  Jahre  1859  kämpfte 
er  in  den  Schlachten  bei  Magenta  am  4.  und  bei  Solferino  am  24.  Juni. 

Am  7.  Februar  1860  zum  Oberstlieutenant  und  am  27.  Deceiuber  1864 
zum  Obersten  befördert,  machte  Frh.  von  Montluisant  den  Krieg  gegen 
Preußen  und  Italien  im  Jahr«  1866  und  zwar  den  Feldzug  gegen  Italien  mit. 
Er  befehligte  bei  der  Vertheidigung  Tirols  eine  Brigade  und  kämpfte  in  den 
Gefechten  bei  Cirnego  am  16.  Juli  und  bei  Bececa  am  21.  Juli.  Durch  letzteres 
Gefecht  vollbrachte  er  eine  der  hervorragendsten  Waffenthaten  während  der 
Kämpfein  Tirol  von  1866. 

Infolge  Abmarsches  der  k.  k.  Süd-Armee  aus  Venetien  au  die  Donau 
mussle  die  Vertheidigung  der  Süd-Grenze  Tirols  sowohl  westlich  als  östlich  der 
Etsch  mit  größter  Energie  geführt  werden.  Zunächst  war  es  nothwendig,  die 
Festsetzung  Garibaldis  im  Westen  —  im  Ledro-Thale,  woselbst  die  Frei- 
scharen bereits  das  FortAmpola  stark  bedrängten  —  sowie  seine  Fortschritte 
gegen  das  Etsch-Thal  zu  hindern,  um  sich  dann  mit  den  Streitkräften  gegen 
Osten  —  in  die  Val  Sugana  —  zu  werfen,  gegen  welche  die  italienische  Division 


Digitized  by  Google 


300 


CLUV.  bis  CLXVIH.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Tirol. 


Mediei  im  Anmärsche  war.  Der  mit  der  Vertheidigung  Tirols  betraute  GM.  Frh. 
von  Kuhn  hatte  daher  beschlossen,  in  ersterer  Richtung  einen  Schlag  gegen 
Garibaldi  zu  führen.  Er  setzte  mehrere  Colonnen  gegen  denselben  in  Bewegung, 
um  ihn  aus  dem  Ledro-Thale  zu  vertreiben. 

Eine  dieser  Colonnen  war  die  von  dem  Obersten  Frh.  von  Montluisant  befeh- 
ligte Brigade,  welche  mit  den  übrigen  bei  dieser  Expedition  ihm  unterstellten 
Truppen  eine  Gesammtstfirke  von  2600  Mann  4  dreipfündigen  und  8  Raketen- 
Geschützen  hatte.  Oberst  Frh.  von  Montluisant  hatte  mit  diesen  Kräften,  während  die 
Brigade  Kaim  gegen  Condino  einen  Scheinangriff  bewirken  sollte,  den  Hauptschlag 
im  Ledro-Thale  zu  führen. 

Zu  diesem  Zwecke  erhielt  Oberst  Frh.  von  Montluisant  am  19.  Juli  den  Befehl, 
mit  den  ihm  unterstehenden  Truppen  seiner  Brigade  am  20.  aus  den  Judicarien 
aufzubrechen,  am  Abend  desselben  Tages  am  Passo  Pichea  zu  lagern  und  am  21. 
in  Verbindung  mit  den  verfügbaren  Truppen  der  Halb-Brigade  Major  Graf  Grünne 
gegen  das  Ledro-Thal,  und  zwar  mit  der  Hauptkraft  gegen  das  Fort  Ampola, 
vorzugehen. 

Diesem  Befehl  gemäß  am  20.  in  Gapri  angelangt,  erfuhr  Oberst  Frh.  von 
Montluisant.  dass  das  Fort  Ampola  vom  Feinde  bereits  genommen  sei.  Die 
volle  Bestätigung  dieser  Nachricht  erhielt  er  abends  am  Passo  Pichea,  wo  das 
zur  Halb-Brigade  Major  Graf  Grünne  gehörende  6.  Kaiser- Jäger-Bataillon  lagerte. 
Zwei  Mann  desselben  waren  nämlich  von  der  als  Besatzung  im  Fort  gestandenen 
und  vom  Feinde  gefangen  genommenen  33.  Compagnie  der  Kaiser-Jäger  in  Ver- 
kleidung aus  der  Gefangenschaft  entwichen  und  hatten  dem  Bataillon  die  Kunde 
vom  Falle  des  Forts,  sowie  den  starken  feindlichen  Streitkräften  überbracht. 

Der  Feind  stand  über  10.000  Mann  stark  im  Ledro-  und  Conzei-Thale  und 
verfügte  über  eine  gute  Straße  nach  Rocca  d'Anfo,  auf  welcher  er  von  dort 
Munition  und  Nachschub  in  kurzer  Zeit  erhalten  konnte. 

Oberst  Frh.  von  Montluisant  hatte  vom  Passo  Pichea  ins  Ledro-Thal  einen 
6000  Fuß  hohen  Berg  hinabzusteigen,  um  mit  dem  Gegner  in  Contact  zu 
kommen,  vermochte  seine  Munition  nicht  zu  ergänzen  und  hatte  nur  die 
beschwerliche  Rückzugslinie  über  den  Passo  Pichea.  Er  konnte  ferner  bei  der 
starken  Besetzung  des  Ledro -Thaies  auf  keine  für  sein  Gefecht  fühlbare  Unter- 
stützung der  gleichzeitig  von  Riva  aus  in  das  Ledro-Thal  gegen  Molina  vor- 
rückenden Golonne  rechnen. 

Trotz  der  mehrfachen  Übermacht  des  Feindes  bedachte  er  sich  jedoch  keinen 
Augenblick,  den  Angriff  auf  denselben  ins  Werk  zu  setzen,  erließ  am  20.  seine 
Dispositionen  und  griff  am  21.  den  Gegner  mit  ebensoviel  Unisicht  als  Energie  an. 

Gemäß  den  DispositionendesObersten  Frh.  von  Montluisant  nickte  vom  Monte 
Pichea  Major  Graf  Grünne  mit  fünf  Jäger-Compaguien  und  zwei  Compagnien 
Großherzog  von  Hessen,  den  Landesschützen -Compagnien  Kitzbüchel- Hopf- 
garten. Rattenberg,  Schwaz,  den  Raketen-Batterien  Nr.  1  und  2  auf  dem  unteren, 
—  Major  von  Krynicki  mit  dem  1.  Bataillon  Tiroler  .läger,  dem  3.  Bataillon 
Kronprinz  von  Sachsen  und  der  Gebirgs-Batterie  Nr.  2/V  auf  dem  oberen  Wege 


Digitized  by  Google 


\ 

\ 

k 

\ 

V 

M 

6* 
k< 
b. 
st 
st» 
rü 

A> 
Di 

Pi 
Gr. 
gar 


Digitized  by  Google 


'T 
•»8 
t- 

is) 
■  le. 
•*n 
ei. 

fin- 
>er- 
i  id 
tnl 
■ten 
ii  te 


Ritter  des  M.  T.-O.  Brauo  Freiherr  von  Montluisant. 


391 


gegen  Lensumo  vor.  Weiter  wurden  vier  Compagnien  Großherzog  von  Hessen, 
welche  sich  ursprünglich  der  letzteren  Colonne  als  Reserve  anzuschließen  hatten, 
gegen  den  Monte  Saval  (südlich  des  Monte  Pichea)  dirigiert,  weil  der  Feind 
starke  Abtheilungen  von  Pieve  dahin  vorschob.  Diese  letztere  Colonne  hatte 
sich  aber  nach  Zulässigkeit  auch  an  dem  allgemeinen  Angriffe  zu  betheiligen. 

Alle  Colonnen  brachen  um  4  Uhr  morgens  auf;  jene  des  Major  Graf  Grünne 
langte  zuerst  bei  Lensumo  an  und  verdrängte  mit  der  Avantgarde  den  Feind  aus 
dem  Orte.  Dieser  zog  sich  nach  Enguiso,  musste  aber,  als  die  Tete  der  Colonne 
Krynicki  eintraf,  auch  von  dort  zurückweichen. 

Die  Raketen-Batterien  wurden  nun  östlich  Enguiso,  die  Gebirgs-Batterie 
auf  der  Straße  placiert,  und  richteten  ihr  Feuer  gegen  die  starke  feindliche  Stellung, 
welche  von  der  Höhe  östlich  Locca  bis  zur  oberen  Kirche  von  Bececa  reichte. 
Die  feindliche  Reserve  stand  in  Bececa  und  auf  der  Straße  gegen  Tiarno.  Zwei 
Geschütze  waren  zunächst  der  Kirche  von  Locca,  andere  zwei  Geschütze  auf 
dem  Hügel  zwischen  Locca  und  Bececa  placiert. 

Nachdem  diese  Stellung  durch  die  Wirkung  der  österreichischen  Batterien 
erschüttert  worden  war.  rückte  Major  Graf  Grünne  mit  drei  Jäger-Compagnien, 
zwei  Compagnien  Großherzog  von  Hessen  und  den  Landesschüfzen  sowohl  auf  der 
Straße,  als  auch  oberhalb  derselben  zum  Sturme  vor,  während  eine  zur  Umgehung 
des  dominierenden  rechten  feindlichen  Flügels  entsendete  Compagnie  durch  ihr 
rechtzeitiges  Erscheinen  entscheidend  mitwirkte.  Der  Feind  räumte  die  Höhen, 
erreichte  fliehend  Locca,  ward  aber  auch  von  dort  durch  die  unaufhaltsam  nach- 
stürmenden österreichischen  Truppen  hinausgeworfen.  Während  dabei  eine  Divi- 
sion Tiroler  Jäger  von  der  Colonne  Krynicki  von  Westen  her  in  das  Dorf  eindrang, 
kam  die  früher  erwähnte,  gegen  den  rechten  feindlichen  Flügel  detachierte  Um- 
gehungs-Colonne  dem  Gegner  in  den  Rücken. 

Die  Folge  dieses  energischen  und  umfassenden  Angriffes  war,  dass  nach 
hartnäckigem  Kampfe  über  600  Freischärler  gefangen  wurden. 

Oherst  Frh.  von  Montluisant  ließ  nun  sofort  auch  Bececa  angreifen,  wo  der 
Feind,  neun  Bataillone  stark,  Stellung  genommen  hatte.  Nachdem  ein  wirksames 
Geschützfeuer  unterhalten  worden  war.  drang  Major  Graf  Grünne  gegen  die  Nord- 
seite Bececa s  vor,  während  1  Division  Tiroler  Jäger  (von  der  Colonne  Krynickis) 
gegen  den  unmittelbar  nördlich  des  Ortes  befindlichen  Felsenriss  dirigiert  wurde. 
Trotz  des  heftigen  Gewehrfeuers  seitens  des  Feindes  wurde  dieser  auf  allen  Punkten 
überwältigt;  er  verließ,  gegen  Santa  Lucia  retirierend.  Bececa  und  verlor  dabei, 
kräftig  verfolgt,  neuerdings  bei  500  Gefangene. 

Oberst  Frh.  von  Montluisant  musste  sich  auf  den  erreichten  Erfolg  beschrän- 
ken, weil  zwischen  Tiarno  und  Ampola  eine  ganz  unverhältnismäßige  Über- 
macht (12.000  bis  15.000  Mann  )  mit  Sicherheit  vorausgesetzt  werden  konnte  und 
die  eigenen  Truppen  sich  beinahe  ganz  verschossen  hatten.  Der  Kampf  ward 
sonach  um  H'/j  Uhr  abgebrochen  und  dann,  unter  Mitnahme  aller  Verwundeten 
und  Gefangenen,  völlig  unbelästigt  vom  Feinde,  der  Rückmarsch  auf  den  Monte 
Pichea  ausgeführt,  wo  abends  wieder  das  Luger  bezogen  wurde. 


Digitized  by  Google 


392  CLXIV.  bis  CLXVUI.  Promotion.  -  Im  Kriege  toi>  1866.  —  Tirol. 

Der  Gegner  verlor  beiläufig  100  Manu  Todte,  darunter  einen  Obersten,  250 
Mann  Verwundete  und  über  1.100  Gefangene,  unter  diesen  2  Stabs-  und  17  Ober- 
Oföciere. 

So  glänzend  als  diese  Waffenthat  an  sich  schon  war,  so  weittragende  Folgen 
hatte  dieselbe  für  die  Verteidigung  Tirols.  Dem  GM.  Frh.  von  Kuhn  ward  dadurch 
ermöglicht,  den  größten  Theil  seiner  Streitkräfte  aus  dem  westlich  der  Etsch 
liegenden  Abschnitte  von  Süd-Tirol  nach  dem  östlichen  Gebiete,  namentlich 
in  die  Val  Sugana,  zu  werfen.  Schon  am  22.  Juli  konnte  infolge  des  durch  den 
Obersten  Frh.  von  Montluisant  ausgeführten  niederschmetternden  Schlages  GM. 
Frh.  von  Kuhn  —  ohne  von  Garibaldis  gegen  40.000  Mann  starken  Scharen  im 
geringsten  mehr  belästigt  zu  werden  —  mit  seinen  Kräften  nach  dem  strategisch 
wichtigen  Trient  eilen  und  sich  noch  rechtzeitig  der  bereits  in  der  Val  Sugana 
bis  Pergine  vorgedrungenen  feindlichen  Division  Medici  entgegenwerfen. 

Auf  Grund  der  bei  Bececa  am  21.  Juli  1866  vollbrachten  Waffenthat 
geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister 
über  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  vom  29.  August  1S66 
den  Obersten  Bruno  Frh.  von  Montluisant  durch  Verleihung  des  Klein- 
kreuzes zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Wenige  Jahre  später,  am  1.  Jänner  1870,  trat  Frh.  von  Montluisant  nach 
vierzigjähriger  ebenso  ersprießlicher  als  hervorragend  ausgezeichneter  Dienst- 
leistung in  den  Ruhestand,  wobei  ihm  Seine  Majestät  der  Kaiser  huldvollst  den 
Charakter  eines  Generalmajors  zu  verleihen  geruhte. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Moritz  Freiherr  Manfroni  von  Manfort. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  18G0.) 

Manfroni  wurde  zu  Wien  im  Jahre  1832  geboren,  trat  im  17.  Lebensjahre, 
am  16.  September  1819.  in  die  k.  k.  Marine  als  provisorischer  Marine- 
Cadet  ein  und  begann  seine  Laufbahn  an  Bord  der  Fregatte  Venus,  wo  er  am 
15.  Februar  1850  ef fectiver  Marine-Cadet  winde. 

Am  16.  December  1851  erfolgte  seine  Beförderung  zum  Fregatten- 
Fähnrich,  am  12.  Mörz  1851  zum  Schiffs-Fähnrich,  am  1.  April  1857  zum 
Fregatten-Lieutenant  und  am  1.  December  1859  zum  Linien-Schiffs- 
Lieutenant. 

Als  solcher  Commandant  des  Kanonenbootes  Wall,  befand  sich  Manfroni 
mit  diesem  Schilfe  in  Rhodus.  als  er  mit  der  Nachrieht  über  den  Ausbruch  des 
Krieges  gegen  Dänemark  im  Jahre  1864  den  Befehl  erhielt,  sich  mit  der  nach 
der  Nord-See  bestimmten  Flotten-Abtheilung  unter  Befehl  des  Gommodore  Tegett- 
hoff  in  Malta  zu  vereinigen.  Da  dieselbe  Malta,  als  Manfroni  dort  eintraf,  schon 
verlassen  hatte,  fuhr  derselbe  über  Algier  nach  und  fand  in  Gibraltar  den 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O.  Moriti  Freiheir  von  Manfroni. 


393 


Befehl  vor,  diese  Station  zu  übernehmen.  Conüe-Admiral  Freiherr  von  Wüllers- 
torf.  welcher  mittlerweile  das  Escadre-Commando  fibernommen  hatte,  ertlieilte 
jedoch  Manfroni  den  Befehl,  das  Panzerschiff  Don  Juan  bis  zu  dessen  Vereinigung 
mit  der  Escadre  zu  begleiten.  Aber  auch  nachdem  dies  im  Hafen  von  Brest 
geschehen  war,  verblieb  der  Wall  im  Escadre- Verbände,  bis  demselben  der  Befehl 
ertheilt  wurde,  bei  der  Wegnahme  der  nordfriesischen  Inseln,  welche  der 
dänische  Gapitän  Hammer  zu  behaupten  versuchte,  mitzuwirken. 

Aus  Anlass  seiner  Leistungen  während  dieses  Unternehmens,  welches  vom 
11.  bis  19.  Juli  dauerte,  wurde  Linienschiffs-Lieutenant  Manfroni  am  8.  August 
18ü4  mit  dem  Militär- Verdienstkreuze  mit  der  Kriegs-Decoration  ausge- 
zeichnet. 

Die  durch  das  Unternehmen  von  den  Dänen  befreite  Insel  Wyck  ernannte 
Manfroni  aus  Dankbarkeit  zu  ihrem  Ehrenbürger. 

Nach  dem  Feldzuge  in  Schleswig-Holstein  wurde  Linienschiffs-Lieutenant 
Manfroni  zur  k.  k.  Flotille  auf  dem  Garda-See  versetzt  und  am  15.  April  18GG 
zum  Corvetten-Capitän  befördert. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  18G6  befehligte  Corvetten- 
Capitän  Manfroni  die  aus  6  Kanonenbooten  und  2  Raddampfern  bestehende  k.  k. 
Flotille'")  auf  dem  Garda-See.  Bei  Ausbruch  der  Feindseligkeiten  wurde  dem- 
selben die  Aufgabe  zutheil,  eine  Landung  von  Freischaren  in  Tirol  zu  verhindern, 
die  feindliche  Flotille  in  Salö  festzuhalten  und  Kiva  zu  unterstützen. 

Schon  vor  Beginn  der  Feindseligkeiten  waren  von  den  Freischärlern  bei  der 
Spitze  von  Madern o  Strand-Batterien  aufgeführt  worden  und  große  Freischaren 
hatten  sich  vom  10.  Juni  an  bei  Maderno  und  Gargnano  unter  den  dort  auf- 
gestellten Batterien  unter  persönlichem  Commando  Garibaldis  angesammelt. 

Als  am  2.3.  Juni  die  allgemeine  Vorrückung  der  italienischen  Armee  über  den 
Mincio  stattfand,  und  für  den  24.  ein  Zusammenstoß  mit  der  Süd-Armee  voraus- 
zusehen war,  griff  Manfroni  noch  am  23.  nachmittags  die  unter  Maderno  ver- 
sammelten Freischärler  an.  Es  gelang  ihm,  trotz  dem  heftigen  Feuer  der  dortigen 
Strand-Batterien,  den  Freiseharen  nicht  unerhebliche  Verluste  beizubringen  und 
sie  zu  zerstreuen.  Durch  diesen  unternommenen  Angriff  wurde  jeder  Versuch  von 
Seite  der  Garibaldianer,  durch  eine  Landung  an  der  österreichischen  Küste  der 
Süd-Armee  während  der  Schlacht  von  Custozza  in  Flanke  oder  Rücken  zu  fallen, 
vereitelt  und  speciell  der  Reserve-Division  GM.  von  Rupprecht  und  den  Ausfalls- 
Truppen  von  Peschiera  der  Rücken  freigehalten.  Manfroni  hatte  durch  dieses 
Vorgehen  zwar  auch  beabsichtigt,  die  in  dem  befestigten  Hafen  von  Salö  liegende 
feindliche  Flotille  herauszulocken  und  zum  Gefechte  zu  zwingen;  die  feindlichen 
Schiffe  ließen  jedoch  ihre  Truppen  von  der  k.k. Flotille  beschießen,  ohne  auszulaufen. 

Vom  24.  Juni  bis  1.  Juli  sammelten  sich  große  Massen  von  Garibaldianern 
in  Desenzano,  wahrscheinlich  um  gegen  Peschiera  zu  demonstrieren.  Manfroni 


*)  Die  Namen  der  Schiff«'  sind  aus  der  Darstellung  an  der  Spitze  des  Abschnitts  über  die 
Verteidigung  Tirol»,  Seite  364,  zu  ersehen. 


Digitized  by  Google 


394  CLXIY.  bis  CLIVin.  Promotion.  —  Im  KrUfe  toh  1R66.  -  Tirol. 

begab  sich  am  1.  Juli  mit  dem  Kanonenboote  Speiteufel  und  dem  Dampfer  Hess 
dahin,  griff  die  Garibaldianer  an  und  zwang  sie,  ihr  Lager  an  der  östlichen  Seite 
der  Stadt  zu  verlassen  und  sich  in  wilder  Flucht  zurückzuziehen.  Sie  räumten 
überhaupt  Desenzano  und  das  nächstliegende  Küstengebiet  gänzlich,  infolge 
dessen  die  Süd-Armee  bei  ihrer  Vorrückung  am  2.  Juli  über  den  Mincio  in  der 
Richtung  von  Desenzano  auf  keinen  Feind  stieß. 

Auf  mündlichen  Befehl  Sr.  k.  k.  Hoheit  des  Erzherzogs  Albrecht  sollte  bei 
der  weiteren  allgemeinen  Vorrückung  der  Süd-Armee,  im  Vereine  mit  den  aus 
Tirol  unter  Commando  des  GM.  Frh.  von  Kuhn  hervorbrechenden  Truppen  eine 
Landung  bei  Gargnano  bewerkstelligt  werden,  um  die  von  den  Freischärlern  auf- 
geführten Strand-Batterien  zu  nehmen.  Um  die  Landung  vorzubereiten,  wurden 
am  2.  Juli  die  bei  Gargnano  versammelten  Freischärler  in  der  Früh  sowohl  als 
auch  am  Nachmittage  von  der  Flotille  angegriffen  und  gleichzeitig  der  Ausschiffungs- 
brücke von  Gargnano  sich  versichert.  Dabei  wurden  die  Garibaldianer  aus 
unmittelbarer  Nähe  mit  Kartätschen  beschossen  und  denselben  neuerdings  erheb- 
liche Verluste  beigebracht. 

An  demselben  Abend  versuchte  zwar  ein  feindliches  Kanonenboot  von  Salu 
bis  Gargnano  vorzudringen,  wurde  aber  von  einem  österreichischen  kreuzenden 
Kanonenboot  angegriffen  und  zum  Rückzüge  nach  Salö  gezwungen. 

Obwohl  dem  Corvetten-Capitän  Manfroni  schon  am  4.  Juli  die  Nachricht 
zukam,  dass  sowohl  die  allgemeine  Vorrückung  der  Armee,  als  auch  die  Landung 
bei  Gargnano  unterbleiben  würde,  ließ  er  doch  von  neuem  die  dort  versammelten 
Freischärler  am  4.  Juli  angreifen.  Denselben  wurden  diesmal  derartige  Verluste 
beigebracht,  dass  Garibaldi,  welcher  mit  seinem  Stabe  in  Gargnano  sich  auf- 
hielt, jede  weitere  Absicht  einer  Landung  an  der  österreichischen  Küste  aufgab 
und  sich  unter  Zurücklassung  von  einigen  Abtheilungen  jüngerer  Mannschaft  mit 
dem  Gros  der  Freischärler  nach  Roccad'Anfo  zog,  um  von  dort  aus  das  Ein- 
dringen in  Tirol  zu  versuchen. 

Nachdem  Manfroni  am  6.  Juli  die  in  Gargnano  verbliebenen  Freischärler 
neuerdings  angegriffen  und  denselben  wieder  empfindliche  Verluste  beigebracht 
hatte,  kam  es  am  7.  Juli  zum  erstenmale  zu  einem  Kampfe  mit  feindlichen  Schiffen. 
Fünf  italienische  Kanonenboote  fuhren  aus  dem  Hafen  von  Salö  aus  und  wurden 
von  Manfroni  mit  drei  Kanonenbooten  angegriffen.  Er  steuerte  direct  auf  sie  los.  um 
eine  Melee  herbeizuführen.  Die  feindlichen  Kanonenboote,  obwohl  stärker,  ließen 
es  jedoch  nicht  darauf  ankommen,  sondern  zogen  sich,  sobald  sie  das  entschiedene 
Darauflosgehen  der  österreichischen  Schiffe  bemerkten,  eiligst  nach  Salö  zurück. 
Eine  Verfolgung  war  nicht  möglich,  da  sich  die  feindlichen  Schiffe  immer  im 
Schutze  der  Strand-Batterien  befanden,  einen  Vorsprung  von  10  Kabeln  hatten 
und  bei  ihrer  guten  Fahrt  bald  in  Salö  waren. 

Am  18.  Juli  erhielt  Manfroni  die  Nachricht,  dass  starke  Abtheilungen  aus 
Vene  tien  nach  Tirol  vordringen.  Es  war  vorauszusehen,  dass  GM.  Frh.  von  Kuhn, 
welcher  in  Tirol  sehr  wenig  Truppen  zur  Vorfügung  hatte,  gezwungen  sein  werde, 
seine  ganze  Macht  zu  concentrieren,  um  Trient  zu  vertheidigen.   Infolge  dessen 


Digitized  by  Google 


Ritter  de«  M.  T.-O.  Moritz  Freiherr  von  Manfroni. 


39r, 


wäre  sowohl  Riva,  als  auch  das  ganze  Sarca-Thal  den  Freischärlern  preis- 
gegeben gewesen;  auch  stand  die  auf  feindlicher  Seite  offenbar  beabsichtigte 
Vereinigung  der  Freischärler  mit  der  von  der  italienischen  Armee  nach  Tirol 
entsendeten  Division  Medici  zu  besorgen.  Manfroni  stationierte  demnach  ein 
Kanonenboot  nach  Riva,  um  diese  Stadt  möglichst  zu  schützen,  und  gab  einem 
zweiten  bei  Malcesine  kreuzenden  Kanonenboot  den  Befehl,  im  Falle  der  Noth- 
wendigkeit  sich  ohne  weiters  ebenfalls  nach  Riva  zubegeben  und  das  dortige 
Kanonenboot  zu  unterstützen. 

Am  19.  Juli  abends  kam  der  italienische  Dampfer  Benaco  aus  Salö 
heraus  und  steuerte  gegen  Gargn  an o.  Ein  im  Schlepp  steuerndes,  schwerbeladenes 
Boot  ließ  die  Absicht  des  Feindes  erkennen,  seinen  Truppen  in  Gargn  an  o 
Munition  und  Lebensmittel  zur  See  zu  überbringen,  da  der  Landweg  sehr  weit  und 
sehr  beschwerlich  war.  Benaco  wurde  vom  kreuzenden  Kanonenboot  Wild- 
fang sogleich  angegriffen  und  bis  Gargn  ano  verfolgt.  Manfroni  begab  sich  selbst 
alsogleich  mit  dem  Kanonenboot  Speiteufel  dabin.  Auf  die  vom  Commandanten 
des  Wildfang  empfangene  Meldung,  der  feindliche  Dampfer  habe  solche  Havarien 
erlitten,  dass  ein  Entkommen  desselben  nicht  möglich  sei,  beschloss  Manfroni,  das 
feindliche  Schiff  wegzunehmen.  Er  entsendete,  da  sich  das  Kanonenboot  Scharf- 
schütze ebenfalls  in  der  Nähe  befand,  den  Dampfer  Hess  nach  Maderno  zur 
Bewachung  der  Küste,  damit  dem  Benaco  von  Salö  aus  keine  Hilfe  zukomme, 
und  nahm  für  die  Nacht  seine  Aufstellung  vor  Salö,  um  ein  Auslaufen  der  feind- 
lichen Flotille  zu  verhindern.  In  der  Früh  des  20.  gegen  Tagesanbruch  nahm  der 
Scharfschütze,  vom  Wildfang  gedeckt,  in  der  That  das  feindliche  Schiff  weg, 
während  Manfroni  mit  dem  Speiteufol  unter  die  Batterie  von  Gargnano  steuerte, 
um  die  beiden  anderen  Kanonenboote  bei  dem  Unternehmen  zu  unterstützen. 
Hiebei  wurde  der  Spei  teufe  1  gleich  den  beiden  anderen  k.  k.  Schiffen  von  der 
feindlichen  Batterie  zwar  Überschossen,  musste  jedoch  dafür  im  feindlichen 
Gewehrfeuer  steuern,  so  dass  von  den  Freischärlern  zwei  Mann  an  Bord  durch 
Gewehrkugeln  verwundet  wurden.  Nach  gelungenem  Unternehmen  begab  sich 
Manfroni  mit  den  Schiffen  an  die  österreichische  Küste  unter  Casteletto,  wo  die 
Lecke  des  Benaco  nothdürftig  verstopft  wurden.  Darauf  wurde  derselbe,  an  der 
feindlichen  Batterie  von  Maderno  vorbei,  zur  Esiadre  geschleppt,  ohne  dass 
die  mittlerweile  von  Salö  ausgelaufenen  und  vor  der  Batterie  von  Maderno 
ausgestellten  fünf  feindlichen  Kanonenboote  durch  einen  Angriff  auf  die  Kanonen- 
boote Speiteufel  und  Wildfang  versuchten,  sich  des  Benaco  wieder  zu  be- 
mächtigen. 

Erst  gegen  Mittag  desselben  Tages,  nachdem  der  Benaco  bereits  nach 
Peschiera  in  Sicherheit  geschleppt  und  die  fünf  feindlichen  Kanonenboote  in  den 
Hafen  von  Salö  wieder  eingelaufen  waren,  griffen  dieselben  das  vor  Salö  kreuzende 
Kanonenboot  Raufbold  an.  Manfroni  sandte  demselben  sogleich  das  Kanonenboot 
Wespe  zur  Unterstützung  und  machte  sich  selbst  mit  dem  Spejteufel  wieder 
zum  Auslaufen  bereit.  Kaum  war  jedoch  Wespe  auf  dem  Wege  und  Speiteufel 
in  Bewegung,  als  sich  die  feindlichen  Kanonenboote  so  eilig  nach  Salö  zurück- 


Digitized  by  Google 


396 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  186«.  —  Tirol. 


zogen,  dass  Manfroni  mit  dem  Speiteufel  wieder  auf  den  Ankerplatz  zurückkehrte 
und  auch  Wespe  zurückrief. 

Am  21.  Juli  fröh  ließ  Manfroni  durch  den  Dampfer  Franz  Joseph  das  Fort 
von  Lecchi  recognoscieren ;  dasselbe  gab  einige  Schüsse  gegen  den  Dampfer, 
jedoch  ohne  Erfolg,  ab,  während  die  Schüsse  des  Franz  Joseph  das  Fort  mit 
voller  Wirkung  trafen. 

Am  21.  Juli  nachmittags  kamen  die  fünf  feindlichen  Kanonenboote  aus  Salb 
heraus,  anscheinend  behufs  Deckung  einer  geladenen  großen  Barke,  welche  nach 
Gargnano  segelte.  Manfroni  begab  sich  mit  den  Kanonenbooten  Speiteufel  und 
Wespe  alsogleich  nach  Torri  und  steuerte  auf  die  feindlichen  Schiffe  in  der 
Erwartung  los,  dass  die  fünf  feindlichen  Kanonenboote  gegen  die  zwei  österreichi- 
schen den  Nahkampf  annehmen  würden,  besonders,  da  sie  sich  in  unmittelbarer 
Nähe  der  Strand-Batterien  von  Maderno  befanden,  ihr  Rückzug  demnach  auf  alle 
Fälle  gesichert  war.  Kaum  halte  sich  jedoch  Manfroni  den  feindlichen  Schiffen 
genähert,  als  sie  sich  nach  einigen  gewechselten  Schüssen  nach  Stil 6  flüchteten. 
Trotzdem  er  sodann  bis  (>  Uhr  abends  vor  Salo  mit  seinen  zwei  Kanonenbooten 
verblieb,  wagten  dieselben  doch  keinen  Angriff. 

Am  22.  Juli  nachmittags  kamen  die  fünf  Kanonenboote  neuerdings  bis  unter 
die  Batterie  von  Maderno.  Manfroni  setzte  sich  gegen  dieselben  alsogleich  wieder 
mit  Speiteufel  und  Wespe  in  Bewegung.  Bei  Torri  stieß  noch  der  Wild  fang 
zu  ihm.  Während  letzteres  Schiff  einige  Schüsse  mit  der  Batterie  von  Gargnano 
wechselte,  steuerte  Manfroni  gegen  die  feindlichen  Kanonenboote;  diese  llüchteten 
jedoch  wieder  nach  Salo. 

Am  24.  Juli  um  Mittag  kamen  die  feindlichen  Kanonenboote  aus  Salo  heraus 
und  griffen  das  auf  Kreuzung  befindliche  Kanonenboot  Scharfschütze  an.  Das- 
selbe steuerte  sofort  auf  die  feindlichen  Schiffe  los.  um  sie  zum  Nahkanipfe  zu 
zwingen.  Manfroni  eilte  mit  dem  Speiteufel  auf  den  Kampfplatz;  auch  das 
Kanonenboot  Uskoke  kam  vom  oberen  See  zur  Unterstützung  heran.  Während  das 
letztere  von  der  Batterie  von  Gargnano  beschossen  wurde,  fuhr  Manfroni  bis  auf 
Schussweite  an  die  feindlichen  Kanonenboote  heran.  Kaum  hatte  er  jedoch  seine 
Schiffe  in  Schlachtordnung  rangiert,  um  zum  Nahkampfe  zu  schreiten,  als  die  feind- 
lichen Kanonenboote  sich  eilig-t  nach  Salö  zurückzogen,  ohne  einen  Angriff 
anzunehmen. 

An  demselben  Tage  um  7'/2  Uhr  abends  kam  dem  Corvetten-f  .'apit'm  Man- 
froni von  dem  bei  Riva  stationierten  Kanonenboote  Wespe  die  Meldung  zu,  dass 
die  k.  k.  Truppen  Riva  verlassen  hatten,  bei  dem  plötzlich  erfolgten  Abmärsche 
derselben  viel  Material  zurückgeblieben  war  und  man  das  Einrücken  der  Garibal- 
dianer  in  Riva,  sowie  deren  Vorrückung  in  das  Sarca-Thal  von  Moment  zu 
Moment  besorge.  Manfroni  fuhr  alsogleich  mit  Speiteufel  dahin  ab,  bestimmte 
zur  Deckung  von  Riva  die  Hälfte  der  Schiffe,  nämlich  die  Kanonenboote  Spei- 
teufel. Wespe.  Uskoke  und  den  Dampfer  Franz  Joseph,  während  er  vier 
andere  Schiffe  vor  Salo  zurückließ,  um  die  feindliche  Flotüle  zu  beobachten, 
sowie  einen  Durchbrach  derselben  nach  Riva  um  jeden  Preis  zu  verhindern.  Sehr 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Munt/.  Freiherr  von  Manfroui. 


397 


schlechtes  Wetter  hielt  Manfronis  Fahrt  derart  auf,  dass  er  erst  um  2  Uhr  nach 
Mitternacht  vom  24.  zum  25.  Juli  hei  Riva  ankam.  Nachdem  er  sich  mit  den 
Kanonenbooten  Wespe  und  Uskoke  vereinigt  hatte,  ließ  er  bei  Tagesanbruch 
Riva  recognoscieren.  Da  sich  kein  Feind  in  unmittelbarer  Nähe  befand,  bargMan- 
froni  alles  Material,  das  sich  in  der  Kaserne  vorfand,  auf  den  Schiffen  und  gieng 
eben  daran,  auch  die  dort  befindlichen  ärarischen  Kuhlen  einzuschiffen,  um  die- 
selben zu  retten,  als  gegen  9  Uhr  vormittags  auf  der  Ponal-Straße  Abtheilungen 
von  Garibaldianern  gegen  Riva  vorrückten. 

Manfroui  nahm  mit  den  Kanonenbooten  alsogleich  eine  Aufstellung,  um 
den  Feind  wirksam  beschießen  zu  können,  und  schickte  Franz  Joseph  mit 
dem  geretteten  Gute  nach  Malcesine.  Die  vorrückenden  Freischärler  wurden  von 
den  Schiffen  und  dem  Fort  S.  Nicolo  derart  beschossen,  dass  dieselben  sieh 
eiligst  zurückzogen,  worauf  Manfroui  wieder  die  Schiffe  vor  Riva  anlegen  ließ,  um 
das  Bergen  des  ärarischen  Gutes  fortzusetzen. 

Um  5  Uhr  nachmittags  rückten  die  Garibaldianer  wieder  auf  der  Ponal- 
Straße  vor,  wurden  jedoch  wieder  zurückgeworfen. 

Für  die  Nacht  ließ  Manfroni  die  Schiffe  bis  auf  50  Klafter  Entfernung  an  das 
Land  anfahren  und  die  Schutzmauer  der  Chaussee  theilweise  abtragen,  um  jedes 
Vorrücken  des  Feindes  unmöglich  zu  machen. 

Gegen  10  Uhr  nachts  kam  ihm  jedoch  durch  den  Dampfer  Hess  die  Ver- 
ständigung zu,  dass  inzwischen  ein  Waffenstillstand  abgeschlossen  worden  war. 
Er  stellte  infolge  dessen  die  Feindseligkeiten  ein,  ließ  aber  sofort  Riva  und  das 
Sarca-Thal  besetzen  und  durch  Patrouillen  bewachen.  Dadurch  bewahrte  er  das 
österreichisch»1  Gebiet  auch  nach  dem  Waffenstillstände  vor  einer  Überflutung 
durch  die  Freischärler,  welche  durch  den  langen  Aufenthalt  auf  den  Bergen,  Mangel 
an  Lebensmitteln  und  Strapazen  aller  Art  derart  demoralisiert  waren,  dass  sie 
trotz  Waffenstillstandes  —  zwar  unbewaffnet,  dafür  aber  in  ganzen  Trupps  —  bis 
nach  Riva  und  Arco  streiften,  um  Lebensrnittel  aufzutreiben. 

Sowohl  die  als  Parlamentäre  in  Riva  angekommenen  Officiere,  als  auch  die 
Mannschaft  der  Freiwilligen  sagten  einstimmig  aus,  ihre  Aufgabe,  nämlich  Riva  und 
das  fruchtbare  Sarca-Thal  noch  vor  Abschluss  des  Waffenstillstandes  zu  erreichen, 
um  dorl  durch  große  Contributionen  die  Erhaltung  eines  großen  Theiles  der  Gari- 
baldianer zu  erzwingen,  sei  durch  das  Vorgehen  der  Flotille  vereitelt  worden. 

Dieser  Erfolg  war  von  umso  größerer  Bedeutung,  als  er  entschieden  Einfluss 
auf  die  kurz  darauf  bestimmte  Demarkationslinie  übte,  indem  die  Waffenstillstands- 
Bedingungen  die  Bestimmung  enthielten,  dass  die  Spitzen  der  Colonnen  dort  zu 
halten  hatten,  wo  sich  dieselben  im  Zeitpunkte  der  Einstellung  der  Feindseligkeiten 
befanden. 

So  hatte  unter  der  tapferen  und  klugen  Führung  des  Corvetten-Capitäns 
Manfroni  die  Gardesee-Flotille  die  ihr  gestellte  Aufgabe  auf  das  glänzendste 
durchgeführt,  überdies  aber  dank  den  auf  eigene  Verantwortung  Manfronis  aus- 
geführten Unternehmungen  zur  Sicherung  der  Operationen  der  Süd-Armee  am 
Mincio,  sowie  zur  erfolgreichen  Verteidigung  Tirols  erheblich  beigetragen. 


Digitized  by  Google 


398 


CLXJV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  1866.  —  Tirol 


Auf  Grund  der  dadurch  vollbrachten  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät 
Kaiser  Franz  Joseph  l.  als  Erhabener  Großmeister  Ober  Votum  des  Ordens- 
Capitels  kraft  Promotion  GLXVI  vom  29.  August  1866  den  Corvetten-Capitän 
Moritz  Manfroni  von  Manfort,  nachdem  dessen  Leistungen  gleich  nach  Abschluss 
des  Waffenstillstandes  am  18.  Juli  1866  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone 
III.  Glasse  mit  der  Kriegs  -  Decoration  ausgezeichnet  worden,  durch  Ver- 
leihung des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria-Theresien-Ordens  zu 
promovieren. 

Bei  der  Übergabe  Venetiens  an  Italien  fungierte  Manfroni  als  Mitglied 
der  Liquidierungs-Commission  der  Festung  Peschiera  und  wurde  ihm  für  seine 
hiebei  entfaltete  Thätigkeit  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Anerkennung 
zutheil. 

Am  28.  October  1868  zum  Fregatten-Gapitän  befördert,  wurde  er  gleich- 
zeitig zum  Gommandanten  des  Artillerie-Schulschiffes  Adria  ernannt,  befehligte 
dasselbe  bis  13.  Jänner  1873  und  rückte  am  31.  October  1872  zum  Linien- 
schiffs-Capitän  vor. 

Am  21.  Mai  1874  wurde  ihm  auf  Grund  der  Statuten  des  Maria  Theresien- 
Ordens  der  Frei herrn stand  verliehen. 

Nachdem  er  vom  14.  Jänner  1873  durch  zwei  Jahre  am  Lande  in  Dienstes- 
verwendung gestanden,  erfolgte  am  14.  Jänner  1875  seine  Einschiffung  auf  dem 
GasemattschifT  Kaiser,  wonach  er  vom  27.  Mai  desselben  Jahres  die  Fregatte 
Radetzky  bis  28.  October  1876  befehligte. 

Als  Commandant  der  Fregatte  Radetzky  1876  vollführte  Linienschiffs- 
Gapitän  Manfroni  die  Mission,  anlässlich  der  Ermordung  des  deutschen  und  franzö- 
sischen Consuls  in  Salon ichi  die  Interessen  der  österreichisch-ungarischen  Unter- 
thanen  jenes  Emporiums  zu  schützen,  und  wurde  demselben  hiefür  von  Seite  des 
Ministeriums  des  Äußern  der  Dank  ausgesprochen. 

Nach  der  Rückkehr  aus  dem  Orient  leistete  Frh.  von  Manfroni  Dienst  zu  Lande 
durch  mehr  als  drei  Jahre,  befehligte  jedoch  dazwischen  wiederholt  kurze  Zeit  den 
Dampfer  Miramare,  und  zwar  von  Mitte  August  bis  Mitte  September  1877,  als  an 
dessen  Bord  Seine  k.  k.  Hoheit  Kronprinz  Rudolph  seine  erste  Seereise  durch 
Dalmatien  und  bis  Gorfu  unternahm,  sodann  von  Mitte  April  bis  Anfang  Juli 
1879,  während  der  Reise  Hö< hstdesselben  nach  Spanien. 

Am  15.  Mai  1881  übernahm  Linienschiffs-Capitän  Frh.  von  Manfroni  das 
Gommando  des  Casemattschiffes  Alb  recht  und  gieng  mit  demselben  nach  Tunis, 
um  dort  während  der  französischen  Occupations-Campagne  die  Interessen  der 
österreichisch-ungarischen  Unterthanen  zu  schützen. 

Von  Tunis  einberufen,  wurde  AI  brecht  anlässlich  der  militärischen  Opera- 
tionen in  Süd-Dalmatien  ge^en  den  Aufstand  von  1881  auf  1882  nach  den 
Bocche  di  Gatlaro  beordert  und  dort  bei  Risano  stationiert  Für  die  Leistungen 
des  Gasemaltschiffes  bei  Überwältigung  des  Aufstandes  wurde  LinienschifTs- 
Gapitän  Frh.  von  Manfroni  am  10.  Mai  1S82  mit  dem  Ausdrucke  der  Aller- 
höchsten Anerkennung  ausgezeichnet 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866.  —  Adriatiaches  Meer. 


390 


Am  24.  Juni  1884  wurde  Frh.  von  Manfroni  zum  Commandanten  des 
Matrosen-Corps,  sodann  am  29.  November  desselben  Jahres  zum  See-Arsenals- 
Commandanten  in  Pola  ernannt  und  auf  diesem  Dienstposten  am  1.  Mai  zum 
Contre-Admirnl  befördert.  Als  solcher  befehligte  er  —  vom  1.  Juni  bis  20.  Juli 
auf  dem  Casemattschiff  Tegetthoff  eingeschifft  —  während  der  Kaiser- 
See  manöv er  des  Jahres  1884  die  zweite  Division  der  Panzerschiffe. 

Am  24.  Jänner  1888  wurde  Gontre-Admiral  Frh.  von  Manfroni  von  dem 
Posten  des  See-Arsenals-Commandanten  in  Pola  unter  Allerhöchster  Aner- 
kennung seiner  in  dieser  Verwendung  geleisteten  ersprießlichen  Dienste  enthoben 
und  zum  Escadre-Commandanten  ernannt.  Er  schiffte  sich  am  1.  März  auf 
der  Fregatte  Laudon,  am  18.  April  auf  dem  Casemattschiffe  Gustozza  ein  und 
gieng  mit  der  unter  seinem  Commando  stehenden  Escadre  nach  Barcelona,  um 
anlässlich  der  durch  die  Anwesenheit  des  minderjährigen  Monarchen,  Seiner  Maje- 
stät des  Königs  Alphons  XIII.  und  Ihrer  Majestät  der  Königin-Regentin  von 
Spanien  Marie  Christine,  verherrlichten  Eröffnung  der  Weltausstellung 
Österreich-Ungarn  würdig  zu  repräsentieren.  Contre-Admiral  Frh.  von  Manfroni 
und  das  gesammte  Officiers-Corps  wurden  von  der  Königin-Regentin  auf  die 
huldvollste  Art  ausgezeichnet.  Ihre  Majestät  beehrte  mit  Allerhöchstihrem  Besuche 
das  Fluggenschiff  Gustozza  und  das  Panzerschiff  Tegetthoff.  worauf  die 
Königin-Regentin  mit  dem  k.  k.  Torpedoschiffe  Panther  eine  kurze  Fahrt 
unternahm.  Von  Barcelona  kehrte  die  k.  k.  Escadre  nach  Pola  behufs  Abrüstung 
zurück. 

Freiherr  von  Manfroni  trat  am  27.  August  1889  in  Ruhestand,  bei  welchem 
Anlasse  Seine  Majestät  der  Kaiser  ihm  den  Vice- Ad mirals- Charakter  ad  honores 
und  das  Ritterkreuz  des  Leopold-Ordens  zu  verleihen  geruhte. 

Vice-Admiral  Freiherr  von  Manfroni  starb  am  5.  September  1889  in  Mo n te- 
il ello  bei  Triest. 


Im  Kampfe  auf  dem  Adriatiachen  Meere  im  Jahre  1866. 

Wie  zu  Lande,  so  hatte  Österreich  im  Kriege  1866  auch  zur  See  gegen  die 
Üb  ermacht  der  italienischen  Streitmittel  zu  kämpfen,  denn  Italien  befand  sieb  im 
Besitz  einer  verhältnismäßig  mächtigen  Flotte. 

Die  Aufgabe  der  kaiserlichen  Marine,  das  österreichische  Küstengebiet  zu 
beschützen,  stellte  bei  der  großen  Ausdehnung  desselben  (480  Seemeilen  vom 
Po -Delta  bis  zur  Spitze  Dalmatiens)  außerordentliche  Anforderungen  an  die 
Thätigkeil  und  die  Kräfte  der  österreichischen  Flotte. 

Der  nördliche  Theil  des  Golfes  bot  für  die  Flotte  in  Venedig,  insbesondere 
aber  in  dem  Huuptkriegshafen  Pola  gute  Stützpunkte.  Zur  Küstenbewachung  und 
Vertheidigung  des  Hinterlandes  war  eine  Anzahl  fester  Küstenpunkte  und  die  Insel 
Lissa  in  Vertheidigungszustand  gesetzt  und  denselben  circa  15.000  Mann  als 
Besatzungen  zugewiesen.  Die  dalmatinische  Küste  aber  konnte,  obwohl  an  ver- 

*  Digitized  by  Google 


400 


CLXIV.  bis  CLXV1II.  Promotion. 


schiedenen  Punkten  befestigt,  bei  der  schwachen  Küstenbesatzung  nur  vertheidigt 
werden,  wenn  es  gelang,  Herr  zur  See  zu  bleiben. 

Am  30.  April  erfolgte  der  kaiserliche  Befehl  zur  Ausrüstung  einer  opera- 
tiven Escadro.  Der  Stand  derselben  war  ursprünglich  auf  21- Schiffe  bestimmt, 
wurde  jedoch  später  auf  30  Schiffe  erhöht.  Diese  Flotte  sollte  zusammen  11.000 
Pferdekraft,  514  Kanonen,  8200  Mann,  (50.474  Tonnengehalt  zählen.  Das  Grund- 
geschütz und  nahezu  die  Hälfte  der  ganzen  Armierung  bildete  die  glatte  dreißig- 
pfündige  Kanone;  ferner  die  glatte  achtundvierzigpföndige  Kanone  und  die 
gezogene  vierundzwanzigpfündige  Rücklad-Kanone;  endlich  war  eine  kleine  Zahl 
von  sechzigpfündigen  Granat-Kanonen  vorhanden. 

Am  9.  Mai  wurde  Contre-Adrniral  von  Tegetthoff  zum  Commandanten  der 
Escadre  ernannt.  Unter  seiner  energischen  Einwirkung  nahmen  alle  Ausrüstungs- 
und  Armierungs-Arbeiten,  sowie  die  taktische  Ausbildung  überaus  raschen  Fort- 
gang. Am  5.  Juni  formierte  er  die  bereits  auf  der  Rhede  von  Fasana  eingelaufenen 
Schiffe  der  Escadre  in  drei  Divisionen  nach  Panzerschiffen,  schweren  Holz- 
Schraubenschiffen  und  Kanonenbooten. 

Am  Tage  nach  der  Kriegserklärung  Italiens,  am  21.  Juni,  lag  die  Escadre  mit 
nachstehenden  23  Schiffen  operationsbereit  auf  der  Rhede  von  Fasana  in  vier 
Colon nen  vor  Anker: 

6  Panzerschiffe:  Prinz  Eugen,  Drache,  Kaiser  Max,  Salamander, 
Don  Juan,  Erzherzog  Ferdinand  Max; 

5  schwere  H olz  -  Schraubenschiffe :  Schwarzenberg,  Donau. 
Adria,  Radetzky,  Erzherzog  Friedrich; 

7  leichte  Holz-Schraubenschiffe:  Hum,  Dalmat.  Wall,  Vellebich. 
Reka,  Streiter,  Narenta; 

5  Raddampfer:  Elisabeth,  Greif,  Stadion,  Andreas  Hofer,  Tri  est. 

Es  fehlten  auf  den  anbefohlenen  Stand  der  Escadre  noch  7  Schifte,  von 
denen  jedoch  das  Linienschiff  Kaiser  und  das  Kanonenboot  Seehund  schon  am 
25.  Juni,  die  übrigen,  worunter  Panzerfregatte  Habsburg  und  Schrauben  fregatte 
Novara  successive  derart  einliefen,  dass  die  Escadre  am  10.  Juli  ihren  vollen  Stand 
erreichte. 

Noch  bevor  Österreich  seine  Rüstungen  zur  See  begonnen  hatte,  zählte 
Italien  schon  eine  beträchtliche  Zahl  ausgerüsteter  Kriegsschiffe.  Am  3.  Mai 
befahl  ein  königliches  Decret  die  Format  ion  einer  Operations  -  Flotte  von 
31  Schiffen;  später  wurde  die  Verstärkung  derselben  auf  den  Stand  von 
38  Schiffen  verfügt.  Diese  Flotte,  worunter  12  Panzerschiffe,  sollte  zusammen 
15.460  Pferdekraft,  859  Kanonen,  12.449  Mann.  94.193  Tonnengehalt  und  überdies 
23  Transportschiffe  zählen.  Das  Grundgeschütz  ihrer  Schiffsarmierung  bildeten  die 
gezogene  Kanone  von  16  Centimetern,  dann  die  glatte  Kanone  desselben  Kalibers 
und  glatte  Kanonen  und  Haubitzen  zu  20  Centimetern.  t'berdies  erhielten  mehrere 
Panzerschiffe  150-  und  300pfündige  (20  und  25  Centimeter-)  Armstrong-Geschütze, 
deren  bei  Kriegsausbruch  inj  ganzen  10  vorhanden  waren. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gestio  Preußen  und  Italien  186«.  —  Adriatisches  Heer. 


401 


Am  1 0.  Mai  übernahm  Admiral  Graf  Persan  o  den  Oberbefehl  der  Operations- 
Flotte,  welche  sich  in  den  Hafen  von  Tarent  und  Ancona  versammelte.  Kr  erhielt 
am  8.  Juni  Instructionen,  „das  adriatische  Meer  vom  Feinde  zu  säubern,  diesen 
anzugreifen  und  zu  blockieren,  wo  er  ihn  fände*. 

Am  20.  Juni,  dem  Tage  der  Kriegserklärung  im  Süden,  ankerten  in  Tarent 
19  und  auf  der  Rhede  von  Ancona  8,  zusammen  27  Kriegsschiffe,  worunter 
11  Panzer.  Die  italienische  Flotte  befand  sich  an  diesem  Tage  sowohl  in  Bezug 
auf  Schiffszahl  als  Ausrüstung  in  einem  Zustande,  welcher  sie  zum  sofortigen 
Ergreifen  der  Offensive  befähigte. 

Bei  dem  Mangel  jedweder  Nachricht  über  die  Bewegungen  der  feindlichen 
Flotte  hatte  Tegetthoff am  20.  Juni  den  Dampfer  Stadium  zur  Recogn  oscierung 
der  italienischen  Küste  von  Ancona  bis  Bari  entsendet.  Derselbe  kehrte  an»  23. 
mit  der  Meldung  zurück,  noch  keinerlei  größere  Ansammlungen  feindlicher  Schiffe 
wahrgenonunen  zu  haben. 

In  der  That  vollzog  sich  die  Versammlung  der  feindlichen  Flotte  in  Ancona 
in  der  Zeit  vom  22.  bis  25.  Juni. 

Am  2ti.  Juni  unternahm  Tegetthoff  selbst  mit  einem  Theile  der  Escadre 
eine  Recognoscierungsfahrt,  um  über  die  Stärke  der  feindlichen  Macht  im 
nördlichen  Golfe  Positives  zu  erfahren,  eventuell  offensiv  vorzugehen.  Er  erschien 
tun  27.  vor  Ancona  und  bot  dem  alarmierten  Gegner  die  Schlacht  an.  Da  dieser 
jedoch  nicht  auslief  und  ein  Angriff  auf  denselben  auf  der  Rhede  selbst  bei  seiner 
Übermacht  aussichtslos  war,  kehrte  Tegetthoff  wieder  nach  Fasana  zurück. 

Am  <>.  Juli  gieng  Tegetthoff  neuerdings  in  die  See  und  steuerte  bis  in  Sicht 
des  Monte  d'Ancona. 

Die  italienische  Flotte  säumte  indessen  gegen  alle  Erwartung  mit  dem  Beginne 
der  Operationen.  Am  8.  Juli  endlich  lief  Persano  von  Ancona  aus. 

Am  10.  erhielt  Tegetthoff  Meldung  von  der  Anwesenheit  einer  feindlichen 
Flotlenabtheihmg  von  circa  20  Schiffen  in  den  Gewässern  von  Isola  Grossa  und 
Lis«su.  Doch  blieb  dieses  Unternehmen  ohne  Folgen,  indem  Persano  alsbald  wieder 
auf  hohe  See  gieng  und  am  13.  nach  Ancona  zurückkehrte. 

Mitte  Juli,  um  welche  Zeit  bereits  diplomatische  Verhandlungen  ün  Zuge 
waren,  schien  es,  als  ob  es  zu  einem  Kampfe  auf  dem  Meere  überhaupt  nicht  mehr 
kommen  sollte.  In  Wirklichkeit  drängte  jedoch  in  Italien  alles  darauf  hin.  sich 
die  Überlegenheit  der  eigenen  über  die  österreichische  Flott*'  zunutze  zu  machen. 
Mit  Rücksicht  auf  den  nahenden  Waffenstillstands-Abschluss  wurde  Lissa  als  das 
geeignetste  Object  für  eine  rasche  Operation  ausersehen  und  ein  Handstreirh  auf 
diese  Insel  ins  Werk  gesetzt. 

Am  IG.  nachmittags  lief  Persano  mit  der  italienischen  Flotte  von  Ancona 
aus,  lavierte  am  17.  auf  hoher  See  und  erschien  am  18.  um  8'/,  Uhr  morgens  in 
Sicht  vor  Lissa. 

Der  Angriff  auf  die  Insel,  welche  durch  21  Werke  mit  88  Geschützen  und 
eine  Besatzung  von  1833  Mann  unter  Commando  des  Obersten  Urs  de  Margina 
vertheidigt  wurde,  erfolgte  an  drei  Punkten,  nämlich  auf  die  Bucht  von  Gomisa 

MüiUmch.r  AUn«  Tii»r«»i.o-Ord«i.  26 


Dkjitizedtiy  Google 


■102 


CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion. 


durch  3  Panzer-,  auf  den  Hafen  von  Munego  durch  6  Schraubenschiffe  und  auf 
die  Befestigungen  des  Haupthafens  von  S.  Giorgio  durch  das  Gros  der  feindlichen 
Flotte  unter  persönlicher  Oberleitung  Persanos.  Die  Kanonenboot-Flotille  hatte 
die  telegraphische  Verbindung  Lissas  mit  Lesina  zu  unterbrechen. 

Um  10  Uhr  vormittags  fielen  die  ersten  Schösse  von  österreichischer  Seite 
und  um  Mittag  tobte  der  Kampf  gegen  alle  Punkte  der  Insel.  Den  Angriff  auf 
Comisa  und  Porto  Manego  stellte  der  Feind  nach  kurzer  Zeit  ein.  Auf  dem 
Hauptangriffspunkte  dagegen  wurden  durch  das  heftige  italienische  Feuer  von 
den  Befestigungen  des  Hafens  von  S.  Giorgio  die  Batterie  Schmid  in  die 
Luft  gesprengt.  Fort  Georg  und  Batterie  Mamula  zum  Schweigen  gebracht.  Die 
hierauf  versuchte  Forcierung  des  Hafens  durch  3  Panzer  wiesen  die  inneren 
Hafenbatterien  zurück. 

Am  Abend  zog  sich  die  italienische  Flotte  gegen  Nordwest  zurück  und  gieng 
vor  Anker;  zu  derselben  stieß  auch  die  Kanonenboot-Flotille,  welche  die  Kabel- 
leitung bei  Kesina  unterbrochen  hatte. 

Am  19.  setzte  die  italienische  Flotte  die  Beschießung  Lissas  fort.  Durch  das 
heftige  Feuer  der  mächtigen  italienischen  Galiber  wurde  die  westliche  Befestigungs- 
gruppe, nämlich  Fort  Georg,  Batterie  Mamula,  Thurm  Robertson,  Bentink, 
Batterie  Zupparina  bis  auf  4  Geschütze  zum  Schweigen  gebracht.  Der  Feind  schritt 
nun  neuerdings,  wie  am  ersten  Tage,  zur  Forcierung  des  Hafens  von  S.  Giorgio- 
Die  mit  Kühnheit  und  Bravour  eingedrungenen  4  italienischen  Panzer  wurden 
aber  durch  die  inneren  Hafenbatterien  und  Infanteriefeuer  wieder  zurückgewiesen. 
Ebenso  wie  dieser  Angriff  misslang  auch  die  viel  entscheidendere  Ausschiffungs- 
Operation  feindlicher  Landungstruppen  bei  Karober. 

Um  8  Uhr  abends  gieng  die  feindliche  Flotte  wieder  auf  acht  Seemeilen  von 
Lissa  vor  Anker.  Mehrere  Schiffe  derselben  hatten  Havarien  erlitten,  insbesondere 
das  Panzerschiff  Formid ab ilc,  welches  als  gefechtsuntüchtig  am  folgenden  Tage 
nach  An co na  steuerte. 

Obzwar  die  meisten  italienischen  Schiffe  nur  mehr  für  zwei  Tage  Kohlen  an 
Bord  führten,  beabsichtigte  Persano  den  Angr-i ff  am  dritten  Tage  fortzusetzen. 

Am  20.  Juli  8  Uhr  früh  jedoch,  als  sich  die  italienischen  Panzerschiffe  zum 
erneuerten  Angriffe  anschickten  und  die  Ilolzsehiffe  beim  Hafen  Karober  neuer- 
dings Vorbereitungen  zur  Landung  trafen,  dampfte  plötzlich  der  Auslugger  von 
der  Pnnta  Planka  mit  dem  Signale  heran:  „Verdächtige  Schiffe  in  Sicht." 

Ks  war  Tegetthoff  mit  der  kaiserlichen  Flotte. 

Nachdem  er  aus  Telegrammen  des  dalmatinischen  Gouvernements  die  Über- 
zeugung gewonnen,  dass  es  sich  um  keine  bloße  Demonstration,  sondern  um 
•  -inen  ernsthaften  Augriff  der  ganzen  italienischen  Flotte  auf  Lissa  handle,  war  er 
am  l'J.  Juli  uin  2  Uhr  nachmittags  von  Fasana  mit  27  Schiffen  *)  ausgelaufen 
und  seitdem  —  Curs  auf  Lissa  —  in  Bewegung. 

•)  Unter  diesen  47  Schiften  befand  sich  auch  der  ^mietete,  nicht  armierte  Raddampfer 
Stadium;  drei  Raddampfer  waren  von  dem  30  Schifte  zählenden  Stande  der  Escadre  für  den 
Aviso-Dienst  zwischen  der  Flotte  und  dem  Ceulralhafcn  in  Pola  zurückgelassen  worden. 


Digitized  by  Google 


Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  1866.  —  Adriatisclie«  Meer. 


403 


Die  österreichische  Flotte  war  dabei  in  drei  Divisionen  formiert: 
Sieben  Panzerschiffe  bildeten  die  vorderste, 
sieben  größere  Hol/schiffe  die  zweite, 

zehn  Schrauben-Kanonenboote  und  Schooner  die  dritte  und  letzte  Division. 

Jede  der  drei  Divisionen  hatte  außerdem  einen  Raddampfer  als  Repetiteur. 

Die  einzelnen  Divisionen  waren  in  vorspringendem  Winkel  formiert  und 
folgten  einander  in  Kielwasserlinie. 

Tegetthoff  befand  sich  —  an  der  Spitze  der  Panzer- Division  und 
gesammten  Flotte  zugleich  —  auf  dem  Admiralsschiff  Ferdinand  Max. 

Am  20.  um  10  Uhr  vormittags  sah  die  österreichische  Escadre  gerade  vor 
sich  die  feindliche  Flotte,  eben  im  Begriffe,  sich  an  der  Nordküste  von  Lissa  zu 
sammeln. 

Admiral  Persano  war  auf  das  erwähnte  Signal  seiner  Auslugger-Schiffe  hin 
keinen  Augenblick  im  Zweifel,  dass  die  kaiserliche  Escadre  im  Anzüge  war.  Er  verlor 
keine  Zeit,  sich  gegen  diesen  neuen  Gegner  zu  wenden,  und  gab  der  ganzen  Flotte 
Befehl,  sich  Westnordwest  zu  entwickeln. 

Während  die  Holzflotte  das  Landungs-Materiale  beiTravna  einschiffte,  ver- 
sammelte Persano  zunächst  die  Panzer  flotte  in  Frontlinie.  Als  die  Annäherungs- 
richtung der  österreichischen  Flotte  nach  den  Rauchsäulen  ihrer  Schiffe  zu 
entnehmen  war,  fiel  er  in  Kielwasserlinie  gegen  Nordnordost  ab  und  dampfte  mit 
der  italienischen  Panzerflotte  der  kaiserlichen  Escadre  entgegen.  Die  erstere 
bestand  aus  9  (später  10)  Schiffen,  welche  in  drei  Divisionen  —  Vacca  (Tete), 
Fa  di  Bruno  (Milte)  und  Ribotti  (Queue)  —  formiert  waren. 

Admiral  Persano  selbst  befand  sich  an  der  Spitze  der  Mittel-Division  auf  dem 
Re  d'Italia,  überschiffte  sich  jedoch  auf  das  Widderschiff  Äff ondatore. 

In  den  nächsten  Augenblicken  entbrannte  die  Seeschlacht  bei  Lissa. 

Gefechtsbereit,  mit  vollem  Dampfe  steuerte  die  kaiserliche  Escadre  in  ihrer 
Keilformation.  mit  Ours  Südsüdost,  auf  die  feindliche  Panzerflotte  los.  Dieselbe 
eröffnete  um  10  Uhr  13  Minuten  das  Feuer.  Die  kaiserliche  Panzer-Division 
erwiderte  dasselbe  in  vollem  Laufe. 

Inmitten  des  dichten  Pulverrauches  rannte  das  österreichische  Admirals- 
schiff und  die  nächsten  Panzer  in  die  —  durch  die  Überschiffung  des  italieni- 
schen Admirals  erweiterte  —  Intervalle  zwischen  der  vorderen  und  mittleren 
italienischen  Panzergruppe,  wodurch  eine  Trennung  der  feindlichen  Tete  vom 
Gros  entstand. 

Während  von  der  österreichischen  Panzerflotte  die  Schiffe  des  Unken 
Flügels  backbord  (links)  gegen  die  feindliche  Tete,  jene  des  rechten  Flügels  steuer- 
bord (rechts)  gegen  die  feindliche  Mittelgruppe  abfielen,  verkehrte  das  kaiserliche 
Admiralsschiff  nach  dem  Durchbruche  der  feindlichen  Linie  den  Gurs  und  stürzte 
sich  mit  den  nächsten  Schiffen,  gleich  dem  rechten  Panzerflügel,  auf  die  italienische 
Mittelgruppe. 

Die  österreichische  zweite  (schwere  Holzsehifl-)  Division,  von  der  italienischen 
Queue-Gruppe  bedroht,  warf  sich  rasch  derselben  entgegen. 

Digitized  by  Google 


404 


CLX1V.  bis  CLXV11I.  Promotion. 


—  Im  Krieg«  von  1 S66. 


-  AdriatUche»  Meer. 


Von  der  dritten  österreichischen  Division  eilten  die  Kanonenboote  zur 
Verstärkung  der  Holzflotte. 

Es  entspann  sich  nunmehr  im  Centnun  und  auf  dem  eigenen  rechten  Flügel 
allmählich  eine  Melee,  welche  immer  gewaltigere  Dimensionen  annahm.  In  steter 
Bewegung  bekämpften  sieh  die  Schiffe,  indem  dieselben  den  Gegner  anzurennen 
suchten,  drohenden  Rammstößen  auswichen,  dabei  durch  Geschützfeuer  wirkten, 
eventuell  Breitseiten  abgaben. 

Während  sich  die  italienische  Holzflotte  in  der  Nordbucht  von  Lissa 
sammelte,  wurde  durch  das  kühne  Eingreifen  der  österreichischen  Holzflotte, 
welche  am  rechten  Flügel  der  eigenen  Panzer-Division  mit  der  italienischen  Queue- 
Panzergruppe  kämpfte,  diese  letztere  in  Schach  gehalten  und  von  der  Action 
gegen  die  österreichischen  Panzerschiffe  abgezogen.  In  diesem  Kampfe  wurde  das 
Linienschiff  Kaiser  von  mehreren  Panzerschiffen  nacheinander  heilig  angegriffen, 
rammte  eines  derselben,  erlitt  schwere  Havarien  und  gerieth  in  Brand.  Infolge 
dessen  nicht  mehr  kampffähig,  musste  sich  sodann  Kaiser,  von  der  übrigen  Holz- 
flotte  gedeckt,  aus  dem  Gefecht  und  gegen  den  Hafen  von  S.  Giorgio  zurück- 
ziehen. 

Die  österreichische  Panzer-Division  bekämpfte  mittlerweile  mit  ihrem  Gros 
die  italienische  Mitte,  von  welcher  sich  die  feindliche  Tete-Gruppe  immer  mehr 
entfernte.  Am  heiligsten  ward  dabei  die  als  italienisches  Admiralsschiff  angesehene 
Panzerfregatte  Re  d'Italia  angegriffen.  Der  ihr  zuhilfe  eilende  Palestro  wurde 
in  Brand  geschossen  und  musste  aus  dem  Gedränge  flüchten.  Dem  hartbedrängten 
Re  d'Italia  brachte  aber  das  kaiserliche  Admiralsschiff  Erzherzog  Ferdinand 
Max  einen  tödtlichen  Rammstoß  bei,  der  diese  italienische  Panzer-Fregatte  sofort 
sinken  machte  (1 1  Uhr  20  Minuten  vormittags). 

Wiewohl  der  Kampf  auch  da  erbitterten  Fortgang  nahm,  löste  sich  doch  die 
Melee  nach  und  nach  und  die  italienischen  Panzerschiffe  zogen  sich  allmählich  in 
westlicher  Richtung  aus  dem  Gefechte.  Damit  war  der  kurze  aber  heftige  Kampf 
der  Panzerflotten  im  allgemeinen  abgeschlossen. 

Indessen  wurde  die  österreichische  Holztlolte,  welche  den  Rückzug  des 
brennenden  Kaiser  deckte,  durch  zwei  Panzerschiffe  der  italienischen  Tete- 
gruppe, die  nach  kurzem  Kampfe  mit  dem  österreichischen  linken  Panzerflügel, 
in  den  Rücken  der  Holzflotte  gelangt  waren,  sodann  auch  durch  den  Affon- 
datore  angegriffen.  Diese  Angriffe  wurden,  unter  kräftiger  Unterstützung 
durch  kaiserliche  Panzer-Fregatten  des  rechten  Flügels,  von  der  Holzflotte 
abgewiesen,  worauf  Kaiser  die  Fahrt  unbelästigt  nach  dem  Hafen  S.  Giorgio 
fortsetzte,  während  die  übiigen  Holzschiffe  unter  Führung  der  Schrauben-Fregatte 
Schwarzenberg  wieder  nordwärts  dampften,  um  sich  mit  der  Panzer-Division 
zu  vereinigen. 

Tegetthoff,  welcher  nach  Abschluss  des  Kampfes  zwischen  den  Panzer- 
flotten  um  12  Uhr  10  Minuten  das  Signal  zum  Sammeln  gegeben  hatte,  steuerte 
der  Ilolzflotte  bereits  mit  der  Panzer-Division  entgegen  und  formierte  die  vereinigte 
Escadre  wieder  in  Gefechtsordnung. 


Digitized  by  Googhf 


Commandeur  des  M.  T.  O.  Wilhelm  von  Tegellhoff. 


405 


Admiral  Persano  sammelte,  nachdem  er  erfolglos  versucht  hatte,  seine 
Holzschiffe  ins  Treffen  zu  bringen,  die  italienische  Flotte  nordwestlich  von  Lissa 
und  nahm  sodann  Curs  gegen  den  Canal  zwischen  Lissa  und  Busi. 

Da  es  nicht  in  der  Absicht  des  kaiserlichen  Admirals  lag,  den  Gegner  zu 
verfolgen,  so  wurde  das  Einlaufen  in  den  Hafen  von  S.  Giorgio  befohlen.  Bei 
Beginn  dieser  Bewegung  flog  das  italienische  Panzerschiff  Palestro  in  die  Luft 
(2'/t  Uhr  nachmittags),  womit  die  Seeschlacht  bei  Lissa  ihren  Abschluss  fand. 

Am  21.  Juli  abends  gierig  die  kaiserliche  Escadre,  einschießlich  des  Linien- 
schiffs Kaiser,  von  Lissa  in  See  und  ankerte  am  Abend  des  22.  wieder  auf  der 
Rhede  von  Fasana. 

Der  am  26.  Juli  eingetretene  Waffenstillstand  ließ  es  zu  keinem  weiteren 
Kampfe  auf  dem  Adriatischen  Meere  kommen.  Bei  Wiederaufnahme  der  Feind- 
seligkeiten am  1 1.  August  wies  zwar  FM.  Erzherzog  Albrecht  die  Flotte  zur  Aus- 
führung einer  Demonstration  an,  um  durch  den  Anschein  der  Überschiffung  eines 
Arinee-dorps  von  Triest  nach  Venedig  den  Gegner  zu  starken  Detachierungen 
zu  veranlassen.  Tegetthoff  lief  infolge  dessen  mit  der  Escadre  am  11.  August 
um  ')  Uhr  morgens  von  Fasana  aus  und  gieng  abends  bei  Triest  vor  Anker. 
Doch  kam  es  infolge  definitiven  Waffenstillstandsabschlusses  zu  keinen  Feindselig- 
keiten mehr. 

Damit  fand  auch  die  Thätigkeil  der  kaiserlichen  Flotte  in  diesem  Kriege  ihren 
Abschluss,  nachdem  dieselbe  unter  den  schwierigsten  Verbältnissen  ihre  Pflicht 
in  weitestem  Umfange  erfüllt  und  den  Feind  von  den  Küsten  des  Kaiserstaates 
siegreich  zurückgeworfen  halte. 

Aus  diesem  Kampfe  Seiner  Majestät  Kriegs-Marine  auf  dem  Adriatischen 
Meere  giengen  1  Commandeur  und  2  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
hervor. 


Commandeur  des  Maria  Theresien-Ordens 
Wilhelm  von  Tegetthoff. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1866.) 

Tegetthoff  wurde  als  Sohn  eines  k.  k.  Stabsofficiers  am  28.  December 
1 827  zu  Marburg  in  Steiermark  geboren.  Nachdem  er  in  seiner  Vaterstadt  kurze 
Zeit  das  Gymnasium  besucht,  erhielt  er  in  den  Jahren  1840  bis  1845  seine 
nautische  Ausbildung  in  dem  Marine-Collegium  zu  Venedig. 

Am  I.August  1845  zum  Marine-Cadeten  in  der  k.  k.  Kriegs-Marine 
ernannt,  begann  erden  Seemannsdienst  an  Bord  der  Brigg  Montecuccoli,  wurde 
dann  auf  der  Corvette  Adria  eingeschifft  und  kreuzte  mit  diesen  Schiffen  längere 
Zeit  im  Adriatischen  und  Mittolmeere,  dann  im  griechisch-türkischen  Archipel.  An 
Bord  der  Adria  erfolgte  am  1.  Jänner  1848  seine  Beförderung  zum  Fregatten- 
Fähnrich. 

Im  März  des  Jahres  1848  nach  Venedig  zurückge kehrt,  wurde  Tegetthoff 
am  IG.  April  desselben  Jahres  zum  Schiffs-Fähnrich  ernannt.  Infolge  der 


Digitized  by  Google 


400  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Iui  Kriege  von  1866.  -  Adriatisches  Meer. 


Unruhen  kam  er  dann  nach  Triest,  machte  aber  darauf  an  Bord  der  Adria  und 
späterhin  anderer  Schiffe  die  Blockade  von  Venedig  mit.  Während  derselben  wurde 
sein  sehnlichster  Wunsch,  ins  Feuer  zu  kommen,  erfüllt.  Wahrend  des  Geschütz- 
feuers der  feindlichen  Batterie  Brondolo  vom  3.  auf  den  4.  Juli  gegen  den  im 
Schussbereiche  aufgefahrenen  Vulcano  betheiligte  sich  die  Adria  an  dessen  Flott- 
machung  im  lebhaftesten  feindlichen  Feuer,  bis  dieselbe  unter  heftigem  Geschütz- 
kampfe nach  8  Uhr  früh  gelang.  Der  (Kommandant  des  Vulcano  erwähnt  in  der 
Gefechts-Belation  unter  denen,  die  sich  bei  dieser  Affaire  besonders  ausgezeichnet, 
auch  den  Schiffs- Fähnrich  von  Tegetthoff,  „welcher  sich  sehr  gut  und  tüchtig 
benommen  hat.» 

Nach  fünfmonatlicher  Blockade  Venedigs,  welches  am  24.  August  capätulierle. 
blieb  Tegetthoff  in  den  niederen  Oflie  iersgraden  fast  ununterbrochen  eingeschifft. 
Er  wurde  am  IG.  Juni  1851  zum  Fregatten-Lieutenant,  weiterhin  am  1«.  No- 
vember 1852  zum  Schiffs- Lieutenant  befördert. 

Am  13.  Juli  1854  erhielt  Tegetthoff  sein  erstes  (Kommando,  das  der  Goelette 
Elisabeth,  mit  der  Bestimmung,  in  den  levantinischen  Gewässern  zu  kreuzen. 

Ein  Jahr  später  eommandierte  er  den  Dampfer  Taurus,  der  zum  Stations- 
dienst an  den  Donau-Mündungen  beordert  war,  um  den  bedeutenden  Handel  der 
Monarchie  zu  schützen.  Hier  bot  sich  Tegetthoff  zum  erstenmale  Gelegenheit,  seine 
Tüchtigkeit  und  Befähigung  für  schwierige  Posten  zu  beweisen.  Anlässlich  des 
Krimkrieges  war  nämlich  Sulina  von  den  Engländern  niedergebrannt  worden. 
Die  Donau-Mündungen  waren  theils  infolge  mangelhafter  Baggerung  und  niederen 
Wasserstandes  unfahrbar,  theils  durch  Maßnahmen  der  Bussen  gesperrt.  An  der 
Barre  gab  es  kaum  8  Fuß  Falirwasser,  während  in  der  unteren  Donau  bei 
800  Kauffahrer  verschiedener  Nationen  und  gegen  1200  Lichterschiffe  lagen,  mit 
dem  Auswurfe  der  Bevölkerung  des  ganzen  Mittelmeeres  bemannt.  Ohne  politische 
Behörde,  ohne  Strompolizei,  herrschte  förmliche  Anarchie.  Durch  diese  hochgradige 
Verwahrlosung  der  Sulina-Mündungen  war  eine  den  Donauhandel  arg  schädigende 
Stockung  des  Schiffsverkehrs  hervorgerufen.  Tegetthoff  brachte  durch  zielbewusstes 
energisches  Eingreifen  in  kürzester  Zeit  Ordnung  in  diese  chaotischen  Zustände, 
ohne  mit  fremden  Nationalitäten  in  (.Kollision  zu  gerathen.  Er  organisierte  das 
Pilotenwesen  und  den  Hafendienst,  richtete  die  Sigualisierung  der  ankommenden 
Schiffe  ein,  nahm  eine  gründliche  Auslolhuug  der  Barre  vor  und  traf  sonstige,  den 
Verkehr  fördernde  Maßnahmen.  Für  diese  erfolgreiche  Thätigkeit,  die  vornehmlich 
dem  österreichischen  Handel  zugute  kam.  erntete  Tegetthoff  die  Anerkennung 
sowohl  des  k.  k.  Marine-Ober-Commandanteri,  Erzherzogs  Ferdinand  Max,  wie 
auch  des  ("Kommandierenden  Generals  in  den  Donaufürstenthümern,  FZM.  Grafen 
(Koronini.  Er  lenkte  überdies  die  Aufmerksamkeit  des  Ersteren  dauernd  auf  sich, 
da  der  Erzherzog  hei  dem  kaum  neunundzwanzigjährigen  Linienschilfs-Lieutenant 
eine  das  gewöhnliche  Maß  weit  übersteigende  Begabung  erkannte  und  ihm  in  der 
Folge  eine  Reihe  wichtiger  Missionen  übertrug. 

Die  erste  derselben,  die  Tegetthoff  nach  den  persönlichen  Weisungen  des 
Erzherzogs  durchzuführen  hatte,  stellte  die  höchsten  Anforderungen  an  seine 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


LISSA. 20  JULI  1866. 


Digitized  by  Google 


Cuiiuiuindt-ur  lies  M.  T.-O.  Wilhelm  von  TeKetUioff. 


407 


geistige  wie  physische  Leistungsfähigkeit.  Es  handelte  sich  um  eine  Explorations- 
reise  in  das  Rothe  Meer  und  nach  der  Insel  Sokotora,  um  an  den  dortigen 
Küsten  einen  geeigneten  Platz  für  die  Anlage  einer  österreichischen  Kohlenstation 
ausfindig  zu  machen,  da  um  jene  Zeit  das  Suezcanal-Project  bereits  eine  greifbare 
Form  anzunehmen  begann.  Am  27.  März  1857  trat  Tegetthoff  seine  Reise  an  und 
vereinigte  sich  in  Ägypten  mit  dem  berühmten  Ornithologen  und  Afrikareisenden 
Dr.  Heuglin  behufs  Durchforschung  der  genannten  Gebiete.  Er  bereiste  zunächst 
die  Küsten  des  Rothen  Meeres  und  des  Golfes  von  Aden  bis  zur  Insel  Soko- 
tora, gieng  dann  im  Juni  1857  am  Nil  aufwärts  bis  Theben,  von  da  mit  einer 
Karawane  nach  Casseir  am  Rothen  Meere,  und  befuhr  dann  wieder  beide  Küsten 
desselben.  Diese  Reise  bildete  bei  der  trostlosen  Unwirtlicbkeit  der  durchzogenen 
Landerstriche,  dem  mörderischen  Klima  und  den  seitens  der  Eingeborenen  drohen- 
den Gefahren  eine  fast  ununterbrochene  Kette-  von  Entbehrungen  und  Wagnissen. 
An  der  Somali-Küste  in  Bender-Garn  wurden  die  Reisenden  in  der  Thiit  von 
den  Eingeborenen  überfallen  und  gefangen  genommen  und  Dr.  Heu  gl  in  dabei 
durch  einen  Wurfspieß  verwundet.  Nachdem  beide  gegen  Lösegeld  freigelassen 
worden,  setzte  Tegetthoff,  da  Dr.  Heuglin  zu  seiner  Heilung  nach  Cairo  gieng, 
seine  Forschungsreise  nun  allein  fort.  Er  kreuzte  in  einem  offenen  arabischen  Boote 
neuerdings  gegen  den  NO.  Monsoon  auf,  gelangte  über  Makollah  bis  Ras 
Färtäk  und  von  dort  nach  Sokotora.  Nach  Exploration  dieser  Insel  kehrte  er  nach 
Aden  und  nach  sechswöchentlichem  Aufenthalte  daselbst  über  Ägypten  nach 
Europa  zurück.  Als  Resultat  seiner  Forschungen  und  einschlägigen  Studien  empfahl 
Tegetthoff,  die  Insel  Sokotora  durch  Kauf  um  100.000  Thaler  zu  erwerben, 
welches  Project  jedoch,  obzwar  es  auch  von  dem  Erzherzog  Ferdinand  Max 
unterstützt  wurde,  an  politischen  Rücksichten  scheiterte. 

Noch  in  Aden  erfuhr  Tegetthoff  seine  am  2.  December  1857  erfolgte  Beför- 
derung zum  Corvetten-Capitän  und  seine  Ernennung  zum  Vorstande  der 
ersten  Abtheilung  des  Marine-Ober-Commandos  in  Triest,  in  welcher  Stellung  er 
bis  zum  October  1858  verblieb. 

Um  diese  Zeit  wurde  ihm  eine  Mission  an  die  marokkanische  Küste  zu- 
theil,  um  Nachforschungen  über  das  Schicksal  eines  dort  angeblich  im  Jahre  1852 
gestrandeten  österreichischen  Handelsschiffes  summt  dessen  Bemannung  zu 
pflegen,  aus  welchem  Anlasse  Tegetthoff  das  Commando  der  Corvette  Friedrich 
erhielt. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  des  Jahres  1859  wurde 
Tegetthoff  in  die  Heimat  zurückberufen  und  mit  seiner  Corvette  Friedrich  nach 
Venedig  disponiert,  um  in  Gemeinschaft  mit  anderen  Schiffen  zur  Verteidigung 
der  Lagunen  Venedigs  und  speciell  der  schwimmenden  Barricude  im  Hafen  von 
Spignon  mitzuwirken.  Die  feindliche  Flotte  erschien  zwar  vor  Venedig,  doch 
kam  es  zu  keinem  Kampfe. 

Nach  dem  Friedensschlüsse  erfolgte  die  Ernennung  Tegetthoffs  zum  Marine- 
Obercommando-Adjutanten.  Als  solcher  begleitete  er  den  Erzherzog  Ferdinand 
Max  an  Bord  des  Dampfers  Elisabeth  auf  der  Reise  nach  Brasilien. 


Digitized  by  Google 


408  CLXIV.  bis  CLXVIU.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  I86ß.  -  Adriatisches  Meer. 

Von  derselben  nach  Triest  zurückgekehrt  wurde  Tegetthoff  am  27.  April  1860 
zum  Fregatten -Capitän  befördert  und  übernahm  das  Commando  der  Fregatte 
Radetzky  in  der  Levante,  welches  er  durch  anderthalb  Jahre  bis  zu  deren  im 
Herbste  18G1  erfolgter  Abrüstung  führte. 

Am  3.  November  1861  zum  Linienschiffs-Capitän  befördert,  wurde  er 
ein  Jahr  spater  zum  Commandanten  der  Schrauben-Fregatte  Novara  ernannt 
und  ihm,  mit  dem  "Titel  eines  Commodore,  das  Commando  der  Flottenabtheilung 
in  den  levantinischen  Gewässern  übertragen.  In  dieser  Eigenschaft  begab  sich 
Tegetthoff  nach  dem  Pyräus.  wo  er  wfihrend  der  griechischen  Revolutions- 
Ereignisse  mit  geringen  Unterbrechungen  stationierte  und  die  Interessen  der 
österreichischen  Monarchie  verlrat,  wahrend  die  anderen  seinem  Commando 
unterstellten  Schiffe  zu  gleichem  Zwecke  in  den  griechischen  Gewässern  kreuzten. 

Im  November  1863,  nach  Ankunft  des  neuerwählten  Königs  Georg,  gieng 
Tegetthoff  mit  der  Fregatte  Schwarzenberg  behufs  Kreuzung  nach  den  Küsten 
Syriens  und  Ägyptens  und  besuchte  die  Arbeiten  am  Suez-Canal,  über 
welchen  er  einen  umfassenden  Bericht  erstattete. 

Am  26.  Februar  1864,  nach  längerer  Kreuzung  in  Rhodus  einlaufend,  erfuhr 
Tegetthoff  den  Ausbruch  des  dänischen  Krieges  und  bald  darauf,  am  28. 
Februar,  erhielt  er  den  sehnsüchtig  erwarteten  Befehl,  die  Flutten-Abtheilung  der 
Levante  in  Corfu  zu  sammeln  und  nach  der  Nordsee  abzugehen.  Am  4.  März 
gieng  Tegetthoff  mit  den  beiden  im  Augenblicke  verfügbaren  Schiffen,  Fregatte 
Schwarzenberg  und  Kanonenboot  Seehund,  in  See  und  traf  am  17.  in 
Lissabon  ein,  wo  er  den  Befehl  vorfand,  das  Gros  der  für  die  Operation  in  der 
Nordsee  bestimmten  kaiserlichen  Kscadre  unter Contre-AdmiralFrh.  von  Wüllerstorf 
abzuwarten.  Nach  Eintreffen  der  Fregatte  Radetzky  steuerte  Tegetthoff  am 
5.  April  mit  den  3  Schiffen  weiter  nach  Brest.  Da  das  andauernd  conträre  Wetter 
die  Ankunft  des  Gros  der  Flotte  verzögerte,  wurde  Tegetthoff  am  23.  April  ange- 
wiesen, selbständig  weiterzugehen  und  die  Blockade  der  deutschen  Häfen  zu 
brechen. 

Tegetthoff  verließ  am  24.  Brest  und  nahm  in  Texel  die  preußischen  Schiffe, 
u.  zw.  Dampfaviso  Adler,  die  Kanonenboote  Blitz  und  Basilisk,  unter  seine 
Befehle.  Das  österreichische  Kanonenboot  Seehund  hatte  er  behufs  Reparatur 
in  Shee nie ss  zurücklassen  müssen.  Am  4.  Mai  lief  Tegetthoff  mit  allen  fünf 
Schiffen  bei  Cuxhaven  in  der  Elbemündung  ein,  von  Schiffen  wie  Bevölkerung 
freudig  empfangen.  Von  diesem  Augenblicke  an  war  die  Elbe,  wie  sich  bald  zeigen 
sollte,  nicht  mehr  schutzlos  den  dänischen  Kreuzern  ausgesetzt. 

Auf  die  Nachricht,  dass  dänische  Kriegsschiffe  bei  Helgoland  gesehen 
worden  waren,  unternahm  Tegetthoff  am  6.  Mai  mit  dem  alliierten  Geschwader, 
welches  aus  den  kaiserlichen  Fregatten  Schwarzenberg  und  Radetzky  und  den 
preußischen  Schiffen  Adler,  Blitz  und  Basilisk  bestand,  eine  Kreuzfahrt,  von 
der  er  am  '•>.  wieder  in  Sicht  von  Cuxhaven  eintraf.  Kaum  in  der  Nähe  des 
Ankerplatzes  angelangt,  kam  jedoch  Tegetthoff  neuerdings  die  Nachricht  zu,  dass 
die  Dänen  nächst  Helgoland  gesehen  worden.  Sofort  gab  er  seinem  Geschwader 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-O.  Wilhelm  von  Tegettboff. 


409 


Befehl,  umzukehren,  steuerte  mit  demselben  gegen  Helgoland  und  bekam  gegen 
Mittag,  östlich  dieser  Insel,  die  zwei  dänischen  Fregatten  Niels  Juel  und  Jylland 
nebst  der  Corvette  Heim  dal  in  Sicht. 

Tegettboff  hisste  das  Signal  „Unsere  Armeen  haben  Siege  erfochten,  thun 
wir  das  Gleiche*,  hierauf  „ Klarschiff  zum  Gefecht"  und  griff  die  feindliche.!!  Schiffe, 
die  gegen  Helgoland  steuerten,  sogleich  an.  Gegen  2  Uhr  nachmittags  wurde 
das  Geschfitzfeuer  auf  18  Kabel  eröffnet.  Während  die  preußischen  Kanonenboote 
bei  ihrer  leichten  Verletzbarkcit  sich  auf  einen  Nahkampf  mit  Fregatten  nicht  ein- 
lassen konnten  und  auf  große  Distanzen  feuern  mussten,  manövrierte  Tegettboff  mit 
seinen  beiden  Fregatten  derart,  dass  sich  die  Distanz  bis  auf  zwei  Kabel  reducierte. 

Das  Treffen  behielt  den  Charakter  eines  Artilleriekampfes,  der  aber  beider- 
seits mit  großer  Heftigkeit  geführt  wurde.  An  Bord  des  Haggenschiffes  Schwarzen- 
berg brach  zweimal  durch  feindliche  Granaten  Feuer  aus.  doch  wurde  es  jedesmal, 
ohne  Unterbrechung  des  Kampfes,  gelöscht.  Gegen  4  Uhr,  nach  fast  zweistündigem, 
sehr  heftigem  Kampfe,  während  dessen  Schwarzenberg  von  07  Schüssen  im 
Körper  und  gegen  50  in  der  Takelage  getroffen  worden  war.  32  Todte,  44  Schwer- 
und  34  Leichtverwundete  zählte,  gerietb  das  Vormarssegel  der  Fregatte  durch  eine 
Granate  in  Brand,  der  sich  in  dem  getheerten  Tau-  und  Takelwerk  mit  rasender 
Schnelligkeit  verbreitete.  Die  Schläuche  der  Feuerspritzen  reichten  nicht  bis  in 
die  Höhe  der  Vormarsraa;  der  Schlauch  der  Maschinenpumpe  aber,  welche  das 
Wasser  auf  diese  Höhe  hätte  treiben  können,  war  durch  eine  Kugel  durchschnitten 
worden.  Ein  Löschen  des  Brandes  in  solcher  Höhe  über  Deck  war  daher  zur 
Unmöglichkeit  geworden.  Da  der  Wind  sehr  frisch  von  vorne  wehte  und  das  Feuer 
nach  rückwärts  gegen  die  übrigen  Masten  trieb,  so  musste  angesichts  der  drohenden 
Gefahr  eines  allgemeinen  Umsichgreifens  des  Brandes  der  Curs  geändert,  das  Schiff 
vor  dem  Winde  laufen  gemacht  werden. 

Tegettboff  gab  die  Signale:  „Man  falle  ohne  Zeitverlust  vom  Winde  ab-, 
hierauf:  „Man  bilde  die  Frontlinie  nach  der  natürlichen  Ordnung"  und  nahm  Curs 
gegen  Helgoland.  Nachdem  noch  einige  Schüsse  gewechselt  worden,  nahmen  die 
schwer  mitgenommenen  dänischen  Schiffe  nordöstlichen  Curs  und  entschwanden 
bald  völlig  in  dieser  Richtung.  Nach  Bewältigung  des  Brandes  steuerte  Tegettboff 
wieder  nach  der  Elbemündung  und  traf  am  10.  Mai  um  4  Uhr  morgens  auf  der 
Rhede  von  Cuxhaven  ein.  Das  zweistündige  Seetreffen  bei  Helgoland  hatte 
zur  Folge,  dass  die  dänischen  Schiffe  sich  in  der  Nordsee  nicht  mehr  blicken  ließen. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  ernannte  den  Linienscbiffs-Capitän  Tegettboff. 
dessen  Muth,  Entschlossenheit  und  kaltblütige  Besonnenheit  die  glänzendste 
Probe  bestanden  hatten,  am  Tage  nach  dem  Treffen  nun  Contre-Admiral  und 
geruhte  demselben  überdies  in  Anerkennung  besonderer  Tapferkeit  und  hervor- 
ragend verdienstlicher  Leistungen  in  dem  Seetreffen  bei  Helgoland  den  Orden 
der  Eisernen  Krone  IL  Classe  mit  der  Kriegsdecoration  zu  verleihen. 

Maximilian  I..  Kaiser  von  Mexiko,  der  einstige  Chef  Tegetthoffs,  beglückte 
denselben  mit  einem  höchst  schmeichelhaften  Handbillet,  mit  welchem  er  ihm  das 
Groß-Ol'ficiers-Kreuz  des  Guadeloupe-Ordens  verlieh. 


Digitized  by  Google 


410  GLXIV.  bis  CLXVUI.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  186(1.      Adriatiscl.es  Meer. 


Der  Name  Tegetthoffs.  der  mit  großer  Kühnheit  sich  auf  den  Feind  geworfen, 
denselben  hartnackig  bekämpft  und  seine  Schiffe,  namentlich  das  eigene,  in  Brand 
gerathene  Flaggenschiff  mit  größter  Kaltblütigkeit  und  Sachkenntnis  manövriert 
hatte,  ward  nun  weltbekannt  und  mit  Bewunderung  blickten  Laien  und  Männer 
vom  Fach  auf  den  jungen  österreichischen  Seehelden. 

Nach  dem  Gefechte  bei  Helgoland,  während  dessen  das  Gros  der  kaiserlichen 
Escadre  in  Texel  eintraf,  betheiligte  sieh  Tegetthoff  noch  an  der  Wegnahme  der 
nordfriesischen  Inseln. 

Als  Contre-Admiral  und  Escadre-Commandant  nahm  Tegetthoff  nach  Be- 
endigung des  Krieges  zu  Wien  an  den  Marine-Organisationsarbeiten  theil,  kreuzte 
dann  während  des  Sommers  mit  den  Fregatten  Schwarzenberg  und  Donau 
im  Adriatischen  Meere,  im  Herbst  in  der  Levante,  berührte  auf  der  Reise  dahin 
Corfu,  wo  er  die  persönliche  Hekanntsehalt  seines  einstigen  Gegners  von  Helgo- 
land, des  dänischen  Gommodore  Sweensen  machte,  besuchte  dann  neuerdings 
Ägypten  und  den  Suez-Canal  und  kreuzte  und  manövrierte  mit  seiner  Escadre  an 
den  Küsten  von  Syrien  und  Gypern,  bis  er  im  Jänner  18<>6  aus  Smyrna  ein- 
berufen wurde. 

Tegetthoff  hatte  nach  dem  dänischen  Kriege  sein  Augenmerk  auch  dem 
handelspolitischen  Gebiete  zugewendet  und  diesbezüglich  eine  Denkschrift  über 
die  Hebung  der  Österreichischen  Seescliiffahrt  verfasst,  in  welcher  die  nöthigen 
Maßnahmen  dargelegt  wurden,  um  der  Monarchie  jene  commerciellen  Vortheile  zu 
sichern,  auf  welche  deren  günstige  geographische  Lage  nach  der  Eröffnung  des 
Suez-Canals  Aussicht  bot.  Eine  der  angeregten  Maßnahmen  betraf  auch  die 
Anknüpfung  von  Handelsverbindungen  und  Verträgen  mit  den  asiatischen  Staaten. 
Die  Regierung  zeigte  sich  zur  Ausrüstung  einer  Expedition  bereit  und  Tegetthofl 
ward  bestimmt,  dieselbe  mit  der  Fregatte  Novara  durchzuführen. 

Inzwischen  brach  der  Krieg  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  18G6 
aus.  In  diesem  Kriege  war  es  Tegetthoff  beschieden,  eines  der  ruhmreichsten 
Blätter  in  die  Geschichte  der  kaiserlichen  Marine  einzufügen  und  seinen  Namen 
mit  unsterblichem  Ruhm  zu  bedecken. 

Nachdem  der  Befehl  zur  Ausrüstung  einer  operativen  Escadre  erfolgt  war, 
wurde  Contre-Admiral  von  Tegetthoff  am  !).  Mai  zum  Commandanten  derselben 
ernannt.  Lnter  seiner  energischen  Einwirkung  nahmen  alle  Ausrüstungs- Arbeiten 
raschesten  Fortgang.  Diese  vorbereitende  Thätigkeit  Tegetthoffs  legte  den  ersten 
Grund  zu  dem  späteren  glänzenden  Erfolge.  Einer  seiner  ersten  Schritte  bestand 
darin,  die  Verstärkung  der  Escadre  durch  Fertigstellung  der  neuen  Panzer-Fre- 
gatten Erzherzog  Ferdinand  Max  und  Habsburg,  sowie  des  als  minder  kriegs- 
tüchtig  erklärten  Schrauben-Linienschiffes  Kaiser  möglichst  rasch  durchzuführen. 
Er  setzte  alle  Kräfte  daran,  um  die  Panzerung  der  ersteren  binnen  4  Wochen  zu 
vollenden  und  sie  wenigstens  zum  Theil  provisorisch  mit  glatten  Achtundvierzig- 
pf  Andern  zu  armieren.  Aber  selbst  für  den  Fall,  dass  ihre  Ausrüstung  und 
Armierung  bis  zum  Ausbruche  der  Feindseligkeiten  nicht  hätte  vollendet  werden 
können,  versah  sich  Tegetthoff  von  ihrer  bloßen  Verwendung  als  Widderschiffe 


Commandeur  des  M.  T.-O.  Wilhelm  von  TetfelthofT. 


411 


ausgezeichneter  Dienste.  Auf  seine  Veranlassung  wurden  auch  die  für  die  dalma- 
tinische Küste  bestimmten  Schrauben-Schooner  Narenta  und  Kerka,  dann  der 
Raddampfer  Vulcan  der  Operations-Flotte  einverleibt  und  diese  Schiffe  in  den 
betreffenden  Stationen  durch  gemietete  Lloyd-Dampfer  ersetzt.  Die.se  Verstärkung 
der  Escadre  war  umso  ersprießlicher,  als  die  Schrauben-Fregatte  Novara  durch 
einen  am  3.  Mai  im  Hafen  von  Pola  an  Bord  ausgekrochenen  Brand  für  mehrere 
Wochen  kampfunfähig  geworden,  in  Reparatur  gesetzt  werden  musste. 

Um  seinen  ungepanzerten  Schiffen  die  möglichste  Widerstandskraft  zu  geben, 
ließ  Tegetthoff  in  der  ersten  Hälfte  Juni  bei  einer  größeren  Anzahl  derselben  den 
Batteriegang  mit  Ankerketten  und  die  Zwischenräume  der  Batterien  mit  Tau- 
Splitternctzen  versehen.  Da  der  Admiral  seine  Artillerie  nach  Möglichkeit  mit  der 
feindlichen  ins  Gleichgewicht  zu  bringen  strebte,  an  die  Herbeischaffung  stärkerer 
Caliber  aber  nicht  zu  denken  war,  so  ließ  er  die  Schiff»',  soweit  die  Vorräthe  reich- 
ten, mit  glatten  Achtundvierzigpfündern  armieren  und  an  Burd  derselben  Ein- 
richtungen treffen,  um  aus  den  Achtundvierzig-  und  Dreißigpfündern  glühend»1 
Kugeln  schießen  und  so  wenigstens  halbwegs  den  schweren  Spreng-Projectileti 
des  Gegners  wirksame  Geschosse  entgegensetzen  zu  können.  Um  endlich  seinem 
Gfschützmateriale,  das  sich  an  Calibern  mit  jenem  des  Feindes  nicht  messen 
konnte,  doch  eine  möglichst  verheerende  Wirkung  gegen  die  italienischen  Schiffe 
zu  sichern,  führte  Tegetthoff  bei  allen  Schiffen  die  concentrierten  Lagen  ein. 

„Pen  Feind  anrennen  und  zum  Sinken  bringen*  bildete  den  obersten  Satz 
seiner  Taktik  und  den  hauptsächlichen  Gegenstand  aller  Übungen.  Farraguts 
Parole:  .Hölzerne  Schiffe  —  eiserne  Herzen"  machte  er  zum  Gemeingute  der 
kaiserlichen  Flotte. 

Mit  den  Ausrüstungsarbeiten  Hand  in  Hand  gieng  die  taktische  Ausbildung. 
Die  einzelnen  Schiffe  waren,  sobald  sie  nach  ihrer  Ausrüstung  auf  der  Rhede  von 
Fasana  einliefen,  eifrigst  bemüht,  ihre  Bemannungen  durch  Einzelmanöver  und 
Scheibenschießen  auszubilden,  worauf  die  Übungen  einen  ausgedehnteren 
Charakter  armahmen.  Am  5.  Juni  formierte  Tegetthoff  die  Escadre  in  3  Divisionen 
nach  Panzerschiffen,  schweren  Holz-Schraubenschiffen  und  Kanonen- 
booten, von  denen  jede  einen  Raddampfer  als  Repetiteur  erhielt.  Nun  folgten 
beinahe  ununterbrochen  taktische  Exercitien  mit  größeren  Körpern,  bei  welchen 
das  concentrische  Feuer  im  Nahkampfe,  dann  das  Manöver  des  Anrennens  geübt 
und  die  Escadre  mit  den  am  4.  Juni  in  Wirksamkeit  getretenen  neuen  Flaggen- 
und  Nachtsignalen  vertraut  gemacht  wurde. 

Die  Instructionen,  welche  Contre-Admiral  von  Tegetthoff  Mitte  Mai  vom 
Kriegs-Ministerium  für  den  Fall  eines  Krieges  mit  Italien  erhalten  hatte,  lauteten 
dahin,  dass  es  die  Aufgabe  der  k.  k.  Flotte  sei.  die  Armee  im  Süden  kräftigst  zu 
unterstützen,  den  feindlichen  Streitkräften  möglichst  Schaden  zuzufügen  und  die- 
selben in  ihren  Unternehmungen  zu  hemmen.  In  Anbetracht  der  bedeutenden 
numerischen  Überlegenheit  der  italienischen  Kriegsmarine  und  bei  dem  morali- 
schen Einflüsse,  den  das  Vorhandensein  einer  österreichischen  Flotte  auf  alle  Ope- 
rationen des  Feindes  an  den  Seeküsten  üben  mussbi,  wurde  es  dem  Contre-Admiral 


Digitized  by  Google 


112  CLXIV.  bis  CLXVItl.  Promotion.  —  Im  Kriege  vou  fsfiß.  —  Adriatisches  Meer. 


jedoch  zur  Pflicht  gemacht,  keine  Unternehmungen  zu  wagen,  welche  die  Existenz 
der  Flotte  aufs  Spiel  setzen,  oder  hei  denen  die  zu  erreichenden  Vortheile  die 
voraussichtlichen  Opfer  nicht  aufwiegen  würden.  Bezüglich  der  Operationen  im 
Großen  war  der  Eseadre-Commandant  an  das  Commando  der  k.  k.  Süd-Armee 
gewiesen,  jedoch  ermächtigt,  innerhalb  der  vorgezeichneten  Grenzen  hei  sich 
darbietender  Gelegenheit,  sowie  bei  räumlicher  Trennung  und  Unterbrechung  des 
Verkehrs  mit  der  Süd-Armee,  selbständig  vorzugehen. 

Dank  der  Energie  Tegctthofls  und  des  allseitigen  Eifere  lag  bei  Ausbruch 
der  Feindseligkeiten  mit  Italien,  am  21.  Juni,  die  k.  k.  Escadre  mit  6  Panzerschiffen, 
f>  schweren  und  7  leichten  I  lolz-Schraubensehiffen  nebst  5  Raddampfern  operations- 
bereit auf  der  Rhede  von  Fasana  vor  Anker.  In  den  folgenden  Tagen  liefen  die 
noch  fehlenden  7  Schifte  successivo  ein,  so  dass  die  operative  Escadre  sich  rasch 
dem  anbefohlenen  Stand  von  7  Panzerschiffen,  7  schweren  Holzschiffen, 
9  Kanonenbooten  und  7  Raddampfern  näherte.  Obwohl  sich  einige  der 
ausgerüsteten  Schiffe  erst  wenige  Tage  bei  der  Escadre  befanden,  und  nahezu  die 
Hälfte  der  übrigen  Schiffe  kaum  4  Wochen  Ausrüstungszeit  zählte,  so  war  doch 
der  Zustand  der  Flotte  ein  befriedigender,  namentlich  aber  die  Equipagen  vom 
besten  Geiste  beseelt.  Gestärkt  durch  das  Bewusstsein  des  bisher  Geleisteten,  sahen 
sie  mit  Zuversicht  in  die  Zukunft  und  blickten  mit  grenzenlosem,  enthusiastischem 
Vertrauen  auf  ihren  Führer.  —  Bei  dem  Mangel  an  Nachrichten  über  die  feindliche 
Flotte  hatte  Tegetthoff  schon  in  der  Zeit  vom  20.  bis  23.  Juni  durch  den 
gemieteten  Lloyd-Dampfer  Stadium  eine  Recognoscierung  an  der  italienischen 
Küste  durchführen  lassen,  die  jedoch  kein  positives  Resultat  ergab. 

Uni  die  Stärke  der  feindlichen  Macht  im  nördlichen  Golfe  zu  constatieren, 
und  in  der  Hoffnung,  Theile  der  vermuthlich  noch  in  der  Versammlung  begriffenen 
italienischen  Flotte  angreifen  zu  können,  fasste  Tegetthoff  rasch  den  Entschluss, 
selbst  mit  einem  Theile  der  Escadre  gegen  Anco  na  als  den  Stützpunkt  der  feind- 
lichen Flotte  vorzugehen.  Er  lief  demgemäß  nach  telegraphisch  erfolgter  Zustim- 
mung des  FM.  Erzherzogs  Albrecht,  der  inzwischen  am  24.  Juni  den  Sieg  von 
Gustozza  errungen,  am  2f>.  abends  mit  6  Panzerschilfen,  1  schweren  Holzschiffe, 
4  Kanonenbooten  und  2  Raddampfern,  zusammen  13  Kriegsfahrzeugen,  von 
dem  Flottenlager  Fasana  aus.  Am  27.  bei  Tagesanbruch  erschien  Tegetthoff  vor 
Ancona,  zählte  die  feindliche  Flotte,  welche  mit  11  Panzerschiffen,  4  Fre- 
gatten und  2  Dampfern  unter  dem  Schutze  der  Landbatterien  größtenteils 
danipfklnr  im  Hafen  lag.  während  außerdem  hinter  der  Quai-Mauer  des  Binnen- 
hafens hoch  aufsteigende  Rauchsäulen  sichtbar  waren.  Tegetthoff  blieb  durch 
i  Stunden  schlachtbereit  auf  2'/,  Seemeilen  vor  Ancona  stehen.  Da  jedoch  der 
alarmierte  Gegner  weder  die  Schlacht  annahm,  noch  auszulaufen  Miene  machte, 
ein  Angriff  bei  der  feindlichen  Obermacht,  den  starken  Landbatterien  und  der 
Möglichkeit  von  Minen-Anlagen,  zu  ungünstige  Chancen  bot.  so  kehrte  Tegetthoff 
um  S  Uhr  wieder  nach  Fasana  zurück. 

Schon  durch  dieses  Unternehmen  hatte  Tegetthoff  den  Beweis  geliefert,  dass 
die  österreichische  Flotte,  trotz  der  Übermacht  des  Gegners,  den  Kampf  nicht 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-O.  Wilhelm  von  TegetUioff. 


113 


meide,  sondern  ihn  vielmehr  suche.  Tegetthoff  bewirkte  durch  das  Erscheinen 
kaiserlich  österreichischer  Schiffe  vor  Anco  na  angesichts  der  feindlichen  Flotte 
zunächst,  dass  die  letztere  beinahe  mich  einen  ganzen  Monat  hindurch  zögerte, 
bevor  sie  sich  zu  einer  Operation  gegen  das  österreichische  Gebiet  entschloss. 
Thatsächlicb  blieb  seit  Beginn  der  Feindseligkeiten,  vom  20.  Juni  bis  IS.  Juli,  die 
österreichische  Küste  nicht  nur  unbelästigt,  sondern  auch  der  häulige  Seeverkehr 
von  k.  k.  Kriegsdmnpfern  zwischen  Pola,  Triest,  Venedig  und  den  Häfen  Dal- 
maliens  vollkommen  unbehindert. 

Tegetthoff  lief  nach  der  Recognoscierung  gegen  Ancona  vor  Sonnenunter- 
gang des  27.  Juni  auf  «1er  Hhede  von  Fasana  ein  und  fand  dort  einen  neuen 
Zuwachs  an  der  Panzerfregalte  Habsburg  vor.  Bei  den  Gerüchten  von  einer 
demnächst  erfolgenden  Operation  der  feindlichen  Flotte  blieben  von  nun  an  alle 
Schiffe  der  Escadre  mit  stillem  Dampfe  in  der  Hälfte  der  Kessel  zum  augenblick- 
lichen Auslaufen  bereit.  Da  sich  die  italienische  Flotte  nach  den  von  Ancona 
einlaufenden  Nachrichten  noch  erheblich  verstärkte,  erwartete  Tegetthoff,  dass 
dieselbe,  auf  ihre  Überlegenheit  bauend,  in  kürzester  Zeit  die  Offensive  ergreifen 
werde. 

Tegetthoff  benützte  daher  die  ihm  gegönnte,  allem  Anscheine  nach  nur  sehr 
kurze  Frist,  um  die  Flotte  für  den  Kampf  noch  besser  vorzubereiten.  Alles 
Schifi'smaterial,  welches  im  Gefechte  nur  nutzlos  im  Wege  stehen  konnte,  wurde 
entfernt:  die  Panzer-Fregatten  schifften  ihre  Segel,  die  Holz-Fregatten  sämmtliche 
Keserve-Hundhölzer,  dann  mit  Ausnahme  eines  Marssegels  und  eines  Klüvers, 
alle  Reservesegel  und  den  vierten  Anker  aus.  Eine  willkommene  Verstärkung 
erhielt  die  Flotte  am  1.  Juli  an  der  Schrauben-Fregatte  Novara,  welche  mit 
großer  Energie  in  kürzester  Zeit  wieder  in  seetüchtigen  Stand  gesetzt,  ausgerüstet 
und  armiert  worden  war. 

Am  6.  Juli  gieng  Tegetthoff  zur  Vornahme  von  Divisions-Manövern  mit  der 
Flotte  neuerdings  in  See  und  steuerte  bis  in  Sicht  des  Monte  d'Ancona,  der  um 
2Vt  Uhr  nachmittags  Süd  zu  Ost  gepeilt  wurde;  darauf  nahm  die  Flotte  wieder 
C.urs  nach  Fasana,  wo  sie  nach  eingebrochener  Dunkelheil  vor  Anker  gieng. 

Am  10.  Juli  lief  auch  das  letzte  Schiff  der  operierenden  Escadre,  Raddampfer 
Vulcan,  auf  der  Rhede  ein.  und  hatte  dieselbe  nunmehr  ihren  vollen  Stand  von 
30  Schiffen  erreicht. 

An  demselben  Tage  kamen  Depeschen  über  die  Anwesenheit  einer  feind- 
lichen Flotte  von  20  Schiffen  in  den  Gewässern  von  Isola  Grossa  und  Lissa, 
doch  blieb  diese  Bewegung  des  Gegners  ohne  weitere  Folgen. 

So  rückte  der  18.  Juli  heran.  Um  II  Uhr  vormittags  liefen  vom  Festungs- 
Commando  zu  Zara  und  vom  Insel-Comniando  von  Lissa  Telegramme  in  Pola 
ein,  welche  das  Kreuzen  italienischer  Kriegsschiffe  bei  Lissa  meldeten.  Am  Nach- 
mittage langte  eine  Reihe  weiterer  Telegramme  ein,  welche  feindliche  Angriffe  auf 
die  Insel  an  mehreren  Punkten,  darunter  auf  den  Haupthafen  von  S.  Giorgio, 
dann  die  Besetzung  der  Westspitze  der  nächsten  großen  Insel  Lesina  durch  feind- 
liche Kanonenboote  und  die  erfolgte  Unterbrechung  der  Telegraphen-Verbindung 


Digitized  by  Google 


411  C.I.XIV  bis  CLXVUI.  Frimotion       Im  Krie*«-  » '  *66.  ■■  Adriatische^  Mwr. 

zwischen  Lissa  und  Lesina  meldeten.  Endlich  wurde  die  Ansammlung  von 
20  feindlichen  Schiffen,  die  erfolgreiche  V«-rtheidi^ruiiK  der  Insel,  sowie  der  sc  hließ- 
lich um  7  Uhr  20  Minuten  abends  erfolgt«*  Rückzug  der  italienischen  Schiffe 
aus  dem  Schußbereich  und  ihre  langsame  Entfernung  mit  Curs  Nordwest 
gemeldet. 

Tegetthoff  hielt  diese  Unternehmungen  des  Feindes  gegen  Lissa  anfangs  für 
eine  bloße  Demonstration  zu  dem  Zwecke,  um  die  k.  k.  Escadre  von  den  nördliehen 
Gewässern  des  Golfes  wegzulocken  und  dann  einen  Hauptangriff  gegen  Triest 
oder  dessen  nächstes  Gebiet  mit  größerer  Leichtigkeit  ausführen  zu  können.  Er 
meldete  diese  seine  Ansicht  dem  Kriegs-Ministerium  und  dem  Commando  der 
Süd-Armee;  sie  fand  an  beiden  Stellen  Billigung.  Tegetthoffs  Seemannsgeist 
konnte  sich  eben  unmöglich  vorstellen,  dass  eine  so  mächtige  Flotte,  wie  es  die 
italienische  war,  kein  höheres  Ziel  vor  Augen  haben  sollte,  als  die  Berennung 
einer  weit  in  See  vorgeschobenen  Insel. 

Doch  die  in  den  Morgenstunden  des  19.  Juli  vom  dalmatinischen  Gouverne- 
ment eingelaufenen  weiteren  zwei  Depeschen,  welche  die  Wiederaufnahme  des 
Kampfes  bei  Lissa  meldeten  und  die  Stärke  des  Feindes  auf  22  Schiffe  bezifferten, 
ließen  ihn  erkennen,  dass  die  feindliche  Flotte  keine  Operation  nach  einem  anderen 
Punkte  der  Küste  plane,  sondern  einen  wirklichen  ernsthaften  Angriff  mit  voller 
Kraft  und  allen  zu  Gebote  stehenden  Mitteln  auf  Lissa  unternommen  habe. 

Tegetthoff  bcsi  bloss  daher,  sofort  in  See  zu  gehen  und  Lissa  zuhilfe  zu 
eilen.  Diesen  Entschluss  meldete  er  dem  Kriegs-Ministerium  und  dem  Commando 
der  Süd-Armee  mit  folgendem  Telegramme:  »Soeben  erhalte  ich  Nachricht  von 
Zara,  dass  Kampf  bei  Lissa  heute  7  Uhr  wieder  begonnen;  '22  feindliche  Schiffe; 
gehe  mit  Escadre  ab;  lasse  Dampfer  zurück,  um  mir  Weisungen  nachzubringen ; 
bitte  beschleunigte  Antwort.* 

Darauf  berief  Tegetthoff  um  10'/,  I  hr  vormittags  sämmtliche  Schiffs-Com- 
mandanten  an  Bord  des  Admiralsschiffes,  um  sie  mit  seinen  Absichten  bekannt  zu 
machen  und  gab  um  103/^  Uhr  das  Signal:  .Alle  Kessel  heizen4  und:  , Wer  dampf- 
klar, in  Bewegung  setzen." 

Ein  großer  Theil  der  Schiffe  war  bereits  in  See  gegangen,  als  dem  Eseadre- 
Coinmaiidanteri  vom  Kriegs-Ministerium  die  telegraphische  Weisung  zukam:  „Auf 
Allerhöchsten  Befehl  nach  eigenem  Ermessen  handeln:  wegen  Demonstration 
gegen  Lissa  nicht  auslaufen.* 

Daraufhin  verließ  Tegetthoff  mit  seinem  Admiralsschiff,  der  Panzer-Fregatte 
Erzherzog  Ferdinand  Max.  um  Mittag  die  Rhede  von  Fasana,  stieß  um 
P/t  Uhr  nachmittags  zu  der  bereits  auf  einige  Meilen  in  See  gesammelten  Flotte 
und  nahm  unter  den  Klängen  der  Volkshymne  und  unter  donnernden  Hurrahs  der 
auf  Reelings  und  Wanten  aufgeenterten  Mannschallen  seinen  Posten  an  der 
Spitze  der  Aufstellung  ein. 

Um  2  Uhr  nachmittags  des  10.  Juli  war  die  Escadre  mit  27  Schiffen,  Curs 
Südost,  in  Bewegung.  Sie  war,  wie  erwähnt,  nach  Panzerschiffen,  schweren 
Ilolzschiffeii  und  Kanonenbooten  in  drei  Divisionen  eingetheilt. 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-Ü.  Wilhelm  \<in  Tegetthoff. 


415 


Die  einzelnen  Divisionen  waren  in  vorspringendem  Winkel  formiert  und 
folgten  einander  in  Kielwasserlinie.  Diese  Formation  eignete  sieh  nicht  nur  für  die 
bequeme  geschlossene  Fahrt,  bei  welcher  die  einzelnen  Schiffe  leicht  beobachtet 
und  Zusammenstöße  bei  dickem  Wetter  leicht  vermieden  werden  konnten,  sondern 
auch  vorzüglich  für  das  Gefecht,  da  sie  die  ganze  verfügbare  Macht  in  compacter 
Masse  in  die  Action  zu  bringen  erlaubte  und  den  Übergang  in  jede  andere  Forma- 
tion leicht  und  schnell  zuließ. 

Tegetthoff  hatte  den  Divisions-  und  Schiffs-Commandanten  für  den  Kampf 
folgende  Instructionen  gegeben: 

Die  Division  der  Panzerschiffe  hatte  beim  Zusammenstoße  mit  dem  Feinde 
in  dessen  Aufstellung  hineinzurennen  und  wo  möglich  feindliche  Schiffe  in  den 
Grund  zu  bohren,  jedenfalls  aber  den  Kampf  auf  kürzeste  Kntfernung  mit 
vollen  concentrierten  Lagen  zu  führen,  da  nur  bei  solcher  Kampfart  die  Über- 
legenheit des  Gegners  an  Schiffen  und  Armierung  einigermaßen  paralysiert  werden 
konnte. 

Die  Division  der  schweren  Holzschiffe  sollte  je  nach  der  Aufstellung  fies 
Feindes  entweder  vom  Finggenschiff  aus  an  einen  Flügel  der  Panzerschiffe 
disponiert,  oder  nach  dem  Ermessen  ihres  Gommandanten  verwendet  werden. 

Die  Kanonenboote  und  Schrauben-Schootier,  von  welchen  die  ersteren 
größere  Schnelligkeit  als  die  meisten  Fregatten  besaßen  und  zusammen  eine  Zahl 
von  40  Geschützen,  worunter  37  des  größten  Calibers  der  Flotte,  repräsentierten, 
waren  im  allgemeinen  angewiesen,  sieh  nach  Herbeiführung  der  Melee  in  3  Gruppen 
aufzulösen  und  gruppenweise  oder  auch  einzeln  die  größeren  Holzschiffe  durch 
Enfilierung  ihrer  jeweiligen  Gegner  zu  unterstützen. 

In  den  Abendstunden  des  19.  Juli  besprach  Tegetthoff  mit  dem  Flaggen- 
Capitan,  Liniensehiffs-Capitftn  Frh.  von  Sterneck  und  den  Officieren  seines  Stabes 
die  für  den  kommenden  Tag  zu  gewartigenden  Ereignisse  und  gedachte  auch  der 
Möglichkeit,  dass  der  Feind  bereits  im  Besitze  des  Hafens  S.  Giorgio  sei.  Es 
wurde  festgesetzt,  auch  in  diesem  Falle  mitten  in  die  feindlichen  Schiffe  hinein- 
zurennen. Für  den  Fall,  dass  er  selbst  fallen  sollte,  bestimmte  Tegetthoff.  dass 
dies  erst  in  einem  geeigneten  Momente  der  Flotte  bekannt  gemacht  werde  und 
bis  dahin  und  bis  zur  Übernahme  des  Befehles  durch  den  rangsftltesten  Unter- 
Commandanten.  das  Admiralsschiff  die  Leitung  der  Flotte  fortzuführen  habe. 

Gegen  Abend  schon  hatte  sich  eine  Südost-Brise  erhoben  und  einen  mäßigen 
Seegang  verursacht,  so  dass  die  Fahrt  auf  5:/t  Knoten  herabgemindert  werden 
nmsste,  da  einige  der  langsameren  Schiffe  Mühe  hatten,  ihre  Aufstellung  zu 
behaupten. 

Gegen  Morgen  des  20.  Juli  umwölkte  sich  der  Himmel  und  nahmen  Wind 
und  Seegang  derart  zu,  dass  die  kleineren  Panzer-Fregatten  die  Stückpforten 
schließen  mussten  und  die  Gefahr  nahe  lag,  dass  dieselben  ihre  Kanonen  nicht 
würden  gebrauchen  können. 

Um  7  Uhr  morgens  meldeten  die  als  Auslugger  vorangeeilten  Schiffe: 
„6  Dampfer  in  Sicht"  und  auch  vom  Admiralsschiffe  wurden  in  südöstlicher  Bich- 


Digitized  by  Google 


416  CLX1V.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  I8«6.  -  Adriatische  Meer. 


tung  Rauchsäulen  bemerkt.  Doch  bald  darauf  war  der  Horizont  iti  Dunst  und 
N«l»«l  gehüllt  und  schweres  Gewölk  bedeckte  den  Himmel.  Eine  jener  sturin- 
artigen  Gewitter-Böen  aus  Südwesten,  wie  sie  in  derAdria  heimisc  h  sind,  fegte  von 
dichtem  Regen  begleitet  daher.  Jede  Fernsicht  war  dadurch  benommen. 

Bei  längerer  Dauer  des  dicken  Wetters  hätte  die  Nähe  des  Landes  unbedingt 
einen  Kurswechsel  erfordert,  da  eine  Flotte  von  27  Schiffen  sich  unmöglich  in  den 
nicht  sehr  breiten  Gunal  von  Lissa  wagen,  aber  auch  nirgends  an  der  Küste  einen 
Ankerplatz  finden  konnte.  An  eine  Trennung  der  Flotte  war  bei  der  Nähe  des 
Feindes  nicht  zu  denken,  ebensowenig  als  bei  dem  geringen  Fassungsraume  für 
Brennmaterial  ein  längeres  Verbleiben  unter  Dampf  möglich  war. 

Nichts  konnte  TegettholT  ungelegener  kommen;  Wind  und  Wetter  schienen 
sich  verbündet  zu  haben,  seiue  ohnehin  so  verantwortungsvolle  und  schwierige 
Unternehmung  noch  gefährlicher  und  preeärer  zu  gestalten.  Doch  ließ  er  sich  in 
seinem  einmal  gefassten  Entschlüsse  nicht  wankend  machen.  Nur  die.  wenn  über- 
haupt mögliche,  glückliche  Lösung  seiner  Aufgabe  vor  Augen  und  fest  durch- 
drungen von  der  Überzeugung,  dass  Macht  und  Ansehen  des  Vaterlandes,  das 
Wohl  und  der  gute  Ruf  der  Flotte  in  diesem  Augenblicke  von  seinem  Entschlüsse 
abhiengen  und  alles  in  Gefahr  käme,  wenn  er  schwankte  —  steuerte  er.  vor  allem 
bauend  auf  den  vortrefflichen  Geist  seiner  Üfficiere  und  Mannschaften,  ruhigen 
und  klaren  Geistes  seinem  großen  Ziele  entgegen. 

Und  als  sollte  der  feste  Wille  des  entschlossenen  Führers  schon  da  den 
ersten  Sieg  davontragen,  begann  sich  der  Himmel  gegen  9  Uhr  aufzuheitern;  der 
Wind  setzte  nach  Nordwest  um,  die  See  legte  sich  allmählich,  wenn  auch  der  See- 
gang noch  immer  stark  genug  blieb,  um  das  Batteriedeck  der  Panzerschiffe  2.  und 
3.  Glasse  mit  Wasser  zu  überspülen  und  den  Kanonenbooten  und  Schrauben- 
schoonern  mitunter  noch  während  des  nachfolgenden  Gefechtes  die  Handhabung 
ihrer  Geschütze  nur  mit  aller  Vorsicht  und  Anstrengung  zu  gestatten. 

/Vis  sich  gegen  10  Uhr  endlich  der  Nebel  völlig  senkte,  sah  die  österreichische 
Escadre  gerade  vor  sich  die  feindliche  Flotte.  Eine  Gruppe  derselben,  die  Holz- 
schiffe, lag,  taklisch  wenig  geordnet,  nordwestlich  der  Insel  Lissa,  während  die 
in  drei  Divisionen  gruppierten  Panzerschiffe  in  Kielwasserlinie  mit  Gurs  Nord- 
nordost der  kaiserlichen  Escadre  entgegendampften. 

.Klarschiff  zum  Gefechte"  —  „Distanzen  schließen*  -  .Auslugger  auf  ihre 
Posten"  -  ^ mit  ganzer  Krall  fahren*  —  endlich  um  10 Uhr  35  Minuten:  „Panzer- 
schiffe den  Feind  anrennen  und  zum  Sinken  bringen-  —  waren  die  Signale  des 
k.  k.  Flaggenschiffes,  welche  rasch  nacheinander  gegeben  und  von  der  ganzen 
Escadre  mit  einem  begeisterten  „Hurrah*  begrüßt  wurden. 

Das  bereits  vorbereitete  Signal:  „Muss  Sieg  von  Lissa  werden»,  konnte 
wegen  der  raschen  Annäherung  an  den  Feind  nicht  mehr  gehissl  werden. 

Gefechtsbereit  und  in  raschestem  Laufe,  die  kleine  Flaggengala  im  den  Masten, 
stürzte  sich  die  kaiserliche  Escadre,  im  Keil  formiert,  das  Admiralsschiff  Erzherzog 
Ferdinand  Max  mit  TegettholT  an  der  Spitze,  mit  Gurs  Südsüdost,  auf  die 
feindliche  Panzerflolte. 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.  U.  Wilhelm  vou  Tt'Ktttlioff. 


117 


Um  10  Uhr  13  Minuten  eröffnete  die  an  der  feindlichen  Tete  steuernde 
Panzer-Corvette  Principe  Carignano  auf  einige  Kabel  Entfernung  das  Feuer, 
welches  alsbald  alle  übrigen  feindliehen  Schiffe  aufnahmen. 

Die  kaiserliche  Panzer-Division,  welche  inzwischen  ihren  linken  Flügel 
etwas  vorgenommen  hatte,  erwiderte  das  Feuer,  ohne  im  Laufe  einzuhalten. 
Dichter  Rauch  umhüllte  alsbald  beide  Flotten  und  benahm  den  Ausblick.  Doch  das 
Admiralsschiff  rannte  unaufhaltsam  vorwärts  und  stieß,  von  den  nächsten 
kaiserlichen  Panzern  gefolgt,  in  die  Intervalle  zwischen  der  vorderen  und  mittleren 
italienischen  Division,  in  den  Raum  zwischen  den  feindlichen  Panzer-Fregatten 
Ancona  und  Re  d'ltalia  hinein,  wodurch  die  italienische  Schlachtlinie  durch- 
brochen und  eine  förmliche  Trennung  der  feindlichen  Tete -Gruppe  von  dem 
italienischen  Gros  bewirkt  wurde. 

Als  sich  das  kaiserliche  Admiralsschiff  im  Rücken  der  feindlichen  Linie 
sah,  verkehrte  es  sofort  den  Curs  und  stürzte  sich,  von  den  nfichst.cn  Panzerschiffen 
gefolgt,  auf  die  italienische  Mittel-Division,  welche  mittlerweile  backbord  abgefallen 
war,  verniuthlich  in  der  Absicht,  die  österreichische  Holztlotte  anzufallen. 

Inzwischen  waren  von  der  österreichischen  Panzerflotte  die  Schiffe  des 
linken  Flügels  backbord  (links)  gegen  die  feindliche  Tete,  jene  des  rechten  Flügels 
steuerbord  (rechts)  gegen  die  feindliche  Mittelgruppe  abgefallen,  um  sich  mit  dem 
nächsten  Gegner  zu  engagieren. 

Die  österreichische  zweite  (schwere  Holzschiff-)  Division,  welche  bei 
Heginn  des  Kampfes  der  Panzer-Division,  dem  Signale  des  Admirals  folgend,  die 
Schlachtlinie  formierte  und  die  feindliche  Holztlotte  bei  Lissa  anzugreifen  beab- 
sichtigte, warf  sich,  von  der  italienischen  Queue-Panzergruppe  bedroht,  raschen 
Entschlusses  diesem  Gegner  entgegen. 

Zu  ihrer  Unterstützung  eilten  die  Kanonenboote  der  dritten  österreichischen 
Division  gruppenweise  und  einzeln  heran. 

Es  entspann  sich  nun.  namentlich  im  Centrum  und  auf  dem  österreichischen 
rechten  Flügel,  allmählich  eine  Melee.  welche  immer  gewaltigere  Dimensionen 
annahm  und  diesem,  seit  Anwendung  der  Dampfkraft  und  der  moderneu  Zerstö- 
ruugsmittel,  ersten  großen  Kampfe  auf  hoher  See  ein  eigentümlich  wildes  Gepräge 
verlieh.  Die  Schiffe,  mit  voller  Maschinenkraft  arbeitend,  bekämpften  sich,  indem 
sie  den  Gegner  anzurennen  suchten  oder  dem  drohenden  Rammstoße  auswichen 
und  durch  Geschülzfeuer  wirkten.  In  steter  Bewegung  kreuzten  sich  Freund  und 
Feind  oder  glitten  häufig  auf  Pistolenschussweite  vorbei  oder  selbst  Rord  an  Bord 
aneinander  ab,  um  sich  dann  mit  concentrierten  Breitseiten  zu  überschütten, 
deren  Gedröhne  bis  Zara  vernommen  wurde. 

Das  taktische  Bild  dieser  denkwürdigen  Seeschlacht  gestaltete  sich  derart, 
dass  der  rechte  Flügel  und  das  Gentrum  der  österreichischen  Panzerschiffe 
mit  jenen  der  feindlichen  Mitte.  —  das  Gros  der  österreichischen  Holzflotte,  die 
bald  nach  erfolgtem  Durchbruche  der  feindlichen  Linie  steuerbord  der  eigenen 
Panzer-Division  hinausfuhr,  mit  den  Panzerschiffen  der  feindlichen  Queue,  —  der 
österreichische  linke  Panzerschiff-Flügel  und  die  Queue  der  österreichischen 

Militärischer  Muri»  Thore»im-Or<li>ii.  il 


Digitized  by  Google 


118  CXXIV  bis  CLXVJII.  Proin„Ü.in.   -  Im  Kriege  v.,n  l86fi.  -  Adriatisdus  Metr. 


llolzflotte  aber  mit  dor  feindJiclien  Tete  im  Kampfe  sich  maßen,  —  wahrend  du* 
feindliche  Holzflotte  nächst  Lissa  sich  sammelte. 

Die  italienische  Mittelgruppe  war  durch  den  Umstand,  dass  die  beiden  Tete- 
Schiffe  der  vordersten  italienischen  Panzer-Division  ihren  Curs  mit  einer  Wendung 
gegen  Backbord  fortsetzten  und  sich  von  der  zurückgebliebenen  Mittelgruppe 
entfernten,  für  einige  Zeit  gewissermaßen  isoliert  und  gerieth  in  eine  bedenk- 
liche Lage. 

Insbesondere  gegen  das  Tete-Schiff  der  feindlichen  Mittelgruppe,  die  Panzer- 
Fregatte  Re  d'Italin,  östeneichischerseits  für  das  italienische  Admiralsschiff 
gehalten,*)  richteten  sich  die  heftigsten  Angriffe.  Es  war  alsbald  vom  Admirals- 
schiffe Ferdinand  Max  und  drei  anderen  Panzerschiffen  unigeben.  Der  italienische 
Panzer  Palestro.  welcher  dem  bedrängten  Schiffe  zubilfe  eilen  wollte,  wurde  in 
Brand  geschossen  und  musste  aus  dem  Gedränge  flüchten.  Das  dritte  Schiff  der 
italienischen  Mittelgruppe  endlich,  die  Panzer-Fregatte  S.  Martin o,  schlug  sich  in 
südwestlicher  Richtung  mit  Don  Juan  d'Austria.  später  auch  mit  Kaiser  Max. 
Inmitten  dieses  Kampfgewoges  lag  Re  d'ltalia  momentan  isoliert  da. 

Dem  Contre-Admiral  von  Tegetthoff,  der  von  der  Hütte  seines  Admirals- 
schiffes herab  in  einer  Haltung,  die  selbst  den  Gegner  zur  Bewunderung  hinriss, 
mit  ruhigem,  kaltem  Blick  den  Gang  des  Gefechtes  beobachtete  und  leitete,  konnte 
die  bedenkliche  Situation  des  Re  d'ltalia  nicht  entgehen. 

In  dieser  Kampfesphase  brachte  das  kaiserliche  Admiralsschiff,  vom  Linien- 
schiffs-Capitän  Frh.  von  Sterneck  manövriert  dem  Re  d'ltalia  einen  tödlichen 
Rammstoß  bei,  worauf  diese  Panzer-Fregatte  sofort  versank.  Es  war  um  1 1  Uhr 
20  Minuten  vormittags,  37  Minuten  seit  Beginn  des  Kampfes. 

Der  erste  Gedanke  des  österreichischen  Admirals  war  die  Rettung  der  Schiff- 
brüchigen, welche  sich  theils  an  Schiffst  rümmer  klammerten,  theils  durch  Schwimmen 
zu  erhalten  suchten.  Während  mit  aller  Kraft  daran  gearbeitet  wurde,  das  einzige 
noch  schwimmfähige  Boot  zu  streichen,  wurde  das  Admiralsschiff  plötzlich 
durch  ein  feindliches  Panzerschiff  (wahrscheinlich  Ancona  von  der  italienischen 
Tete-Gruppe  i  angegriffen  und  entgieng  nur  durch  eine  Wendung  dem  drohenden 
Hammstoße.  Auch  einige  andere  Schiffe  der  kaiserlichen  Escadre,  welche  dem  Ort 
der  Katastrophe  nahe  kamen  und  Anstrengungen  zur  Rettung  der  Schiflbrüchigen 
machten,  wurden  durch  feindliche  Angriffe  in  ihren  humanen  Absichten  gestört 
und  gezwungen,  auf  ihre  eigene  Sicherheit  bedacht  zu  sein.  Der  Kampf  nahm  so 
noch  eine  Zeit  hindurch  erbitterten  Fortgang.  Im  weiteren  Verlaufe  löste  sich 
jedoch  die  Melee  mehr  und  mehr  und  die  feindlichen  Panzerschiffe  zogen  sich 
allmfdich  in  westlicher  Richtung  aus  dem  Gefechte.  Hiemit  fand  der  kurze  aber 
hartnäckige  Kampf  der  Panzerilotten  im  allgemeinen  seinen  Abschluss. 

Mittlerweile  war  die  östem  i.  bische  Holzflotte  von  der  italienischen  Panzer- 
Queue,  sowie  auch  von  dem  AITondat  ore  heftig  angegriffen  worden.  Namentlich 
das"  Fla"gge"nschiff  der    österreichischen  Holz  -  Division  —  das  Linienschiff 

*)  Admiral  I'ersanu  hatte  sich  bei  Berlin  der  Sdihcht  vom  Hfdllalia  an  B«»rd  des 
Wi.idi'i-*.liiflV-  Atfondator.;  übersohilTt 


Digitized  by  Google 


Oommaodeur  dt*  M.  T.-U.  ttilhvlm  von  Togetthoff.  119 

Kaiser  —  gerieth  dadurch  in  eine  Äußerst  gefährdete  Lage  und  musste  um  jeden 
Preis  degagiert  werden.  Tegetthoff  gab  deshalb  das  Signal  ,1.  Division  dir 
Ilolzdivision  unterstützen*  und  dann  (12  Uhr  10  Minuten)  das  Signal  „Sammeln* , 
während  er  selbst  dem  bedrohten  Theile  der  k.  k.  Flotte  zusteuerte. 

Das  in  Brand  gerathene  Linienschiff  Kaiser  musste  sich,  als  nicht  mehr 
kampffähig,  von  der  übrigen  Holzflotte  gedeckt,  nach  dem  Hafen  von  S.  Giorgio 
(Lissa)  zurückziehen.  Im  Rücken  von  Schiffen  der  feindlichen  Tete  angegriffen  und 
von  dem  Affondatore  hart  bedrängt,  jedoch  von  österreichischen  Panzerschiffen 
wirksam  unterstützt,  erwehrte  sich  Kaiser  mit  den  Holzschiffen  aller  Angriffe  und 
erreichte  schließlich  auch  den  Hafen,  während  das  Gros  der  Holz-Division  dann 
wieder  der  Panzerdotte  behufs  Vereinigung  nordwärts  zusteuerte. 

Tegetthoff,  mit  der  Panzer-Division  den  Holzschiffen  entgegendampfend, 
gab  (12  Uhr  20  Minuten)  wieder  das  Signal  .Sammeln*,  darauf:  „Dem  Comman- 
dierenden  im  Kielwasser  folgen",  und  schickte  den  Raddampfer  Elisabeth,  nach- 
dem derselbe  die  Signale  repetiert  hatte,  nach  Lissa,  um  dem  Kaiser  Hilfe  zu 
leisten. 

Nachdem  sich  hierauf  die  Panzer-Division  mit  der  Holzflotte  vereinigt 
hatte,  ließ  Tegetthoff,  um  möglichst  schnell  die  taktische  Ordnung  herzustellen, 
zunächst  drei  Colonnen  in  Kiel  Wasserlinie  mit  nordöstlichem  Curs  formieren,  die 
Panzerschiffe  zunächst  dem  Feinde,  steuerbord  derselben  die  2.,  dann  die  3.  Divi- 
sion. In  dieser  Aufstellung  konnte  durch  ein  gleichzeitiges  Abfallen  nach  Backbord 
die  ursprüngliche  Angriffsordnung  gegen  den  in  West  sich  sammelnden  Feind 
rasch  wieder  angenommen  werden. 

Während  dieser  Formation  unterhielten  einige  italienische  Holzschiffe  aus 
der  Ferne  ein  lebhaftes  aber  wirkungsloses  Feuer,  worauf  sich  die  Antheilnahme 
der  italienischen  Holzflotte  und  des  feindlichen  Panzerschiffes  Terribile  an  der 
Schlacht  beschränkte. 

Tegetthoff,  welcher,  während  die  Escadre  sich  sammelte,  auf  ungefähr  drei 
Viertelmeilen  in  nordwestlicher  Richtung  den  brennenden  Palestro  in  vollem 
Laufe  der  italienischen  Holzflotte  zusteuern  sah.  gab  «beiläufig  um  1  Uhr)  dem 
Kaiser  Max  Befehl,  ihm  den  Weg  zu  verlegen.  Das  Admiralsschiff  selbst  fiel 
gegen  den  Feind  ab,  und  andere  Schiffe  folgten  diesem  Beispiele,  um  Kaiser  Max 
zu  unterstützen.  Palestro  jedoch,  der  seine  Maschine  noch  immer  gebrauchen 
konnte,  entkam  in  den  Bereich  der  italienischen  Flotte,  welche  sich  nordwestlich 
der  Insel  Lissa  vereinigt  hatte. 

Die  feindliche  Flotte  wechselte  nun  einigemale  den  Curs.  doch  herrschte 
jener  in  weslnordwestlicher  Richtung  vor.  Von  beiden  Seilen  fielen  zwar  noch 
einige  Schüsse,  aber  die  Entfernung  der  beiden  Geschwader  nahm  immer  mehr  zu. 
Der  italienische  Admiral,  welcher  den  Re  d'Italia  verloren  hatte,  die  bedenkliche 
Lage  des  Palestro  sah,  und  dem  nun  auch  S.  Martino  Kampfunfahigkeit  signali- 
sierte, gab  den  Gedanken  auf  eine  Erneuerung  des  Kampfes  auf,  und  die  italienische 
Flotte  nahm  Curs  gegen  den  Canal  zwischen  Lissa  und  Busi.  Damit  fanden  die 
Feindseligkeiten  ihr  Ende. 

27« 


Digitized  by-Coogle 


j-20  ChXIV.  ]>is  CLXVIll.  Proin<.linn.  -  Im  Kriege  von  1S66.       Adriattsclua  M«:«r. 


Tegetthoff  stand  mit  der  kaiserlichen  Escadre  bis  auf  das  Linienschiff 
Kaiser  und  ein  zweites  Schiff,  welch'  beide  .sich  im  Hafen  von  Lissa  befanden, 
in  vollkommener  Gefechtsordnung  auf  dem  Schlachtfelde.  Eine  Verfolgung  des 
retirierenden  Feindes  konnte  nicht  in  seiner  Absicht  liegen,  denn  auf  einen  Fern- 
kampf  durfte  sich  die  kaiserliche  Flotte  der  Inferiorität  ihrer  Caliher  wegen  grund- 
sätzlich nicht  einlassen,  und  der  feindlichen  Flotte  noch  einmal  mit  sämmtliclien 
Schiffen  nahe  zu  kommen,  war  bei  deren  verschiedener  Fahrgeschwindigkeit  nicht 
mehr  möglich. 

Tegetthoff  ließ,  da  alles  darauf  hindeutete,  dass  der  Feind  an  eine  Wieder- 
aufnahme des  Kampfes  nicht  denke,  mit  Contremarsch  gegen  Südost  wenden  und 
gab  um  2  Uhr  den  Befehl  zum  Einlaufen  in  den  Hafen  von  S.  Giorgio. 

Bei  Beginn  dieser  Bewegung  sah  man  in  der  Richtung  der  feindlichen  Flotte 
den  Palestro  unter  heftiger  Detonation  in  die  Luft  gehen.  Es  war  Uhr,  als 
angesichts  der  beiden  Flotten  dieser  Sehlussact  der  Seeschlacht  sich  vollzog,  der 
letzte  schwere  Verlust  für  die  italienische  Flotte  und  eine  Bürgschaft  mehr  für  den 
entschiedenen  Sieg  Tegetthoffs.  *) 

Von  der  kaiserlichen  Escadre  liefen  zuerst  die  Kanonenboote,  später  die 
Division  der  schweren  Holzschiffe,  dann  jene  der  Panzer,  endlich  das  Admirals- 
schiff kurz  vor  Sonnenuntergang  in  den  zwei  Tage  hindurch  so  hart  bedrängten 
Hafen  von  S.  Giorgio  ein,  von  Besatzung  und  Bevölkerung  mit  begeistertem 
Jubel  empfangen. 

Zwei  Panzer-Fregatten  und  zwei  Kanonenboote  kreuzten  von  Sonnen- 
untergang an  in  den  Gewässern  nächst  der  Insel. 

Am  21.  Juli  um  3'/t  Uhr  morgens  war  die  ganze  Flotte  bis  auf  das  Linien- 
schiff Kaiser,  welches  noch  die  nöthigen  Herstellungen  zu  bewirken  halle, 
dampfklar. 

Bei  Tagesanbruch  meldete  die  Signalstation  auf  dem  Monte  Hilm,  dass  der 
Feind  nicht  mehr  in  Sicht  sei. 

Um  2  Uhr  nachmittags  überbrachte  der  Lloyd-Dampfer  Vene/.ia  von  Zara 
das  Telegramm  Seiner  Majestät  des  Kaisers,  womit  der  Monarch  —  den  Oflicieren 
und  Mannschaften  der  Flotte  den  Allerhöchsten  Dank  aussprechend  —  Tegetthoff 
zum  Vicc-Admiral  ernannte. 

Die  ganze  kaiserliche  Escadre,  welcher  diese  huldvolle  Anerkennung  ihres 
Führers  durch  Hissen  der  Admiralsflagge  am  Vortopp  bekannt  gegeben  wurde, 
begrüßte  dieselbe  mit  tausendstimmigem  Hurrah. 

Nachdem  das  Linienschiff  Kaiser  mit  seinen  Ilerslellnngs-Aibeileii  fertig 
geworden  war.  die  Forts  des  Hafens  von  S.  Giorgio  ihre  Schäden  ausgebessert 
und  die  Geschütze  wieder  in  Stand  gesetzt  hatten,  gieng  Vice-Admiral  von  Tegetthoff 
mit  der  kaiserlic  hen  Flotte,  zwei  Kanonenboote  zur  Disposition  des  Insel-Comman- 
dos  zurücklassend,  um  81/,  Uhr  abends  in  der  gewohnten  Formation  mit  nord- 

*)  Am  ü.  August  gieng  auch  der  A  ffondat  ore,  wie  e«  hieß,  infolge  der  in  der  Schlacht 
erlittenen  Havarien,  vor  der  Rhede  vou  Anco  na  unier. 

\ 


Digitized  by  Google 


Commandeur  des  M.  T.-O.  Wilhelm  von  Tegetthoff. 


421 


westlichem  Curs  in  See.  Am  22.  abends  ankerte  der  Held  von  Lissa  auf  der  Rhede 
von  Fasana  mit  der  vollzähligen  Flotte,  so  wie  sie  vor  drei  Tagen  ausgelaufen  war. 

Durch  den  Sieg  über  die  an  Schiffen  und  Kanonen  numerisch  wie  qualitativ 
überlegene  italienische  Flotte  wurde  zunächst  die  hart  bedrängte  Insel  Lissa,  die 
trotz  der  heldenmütigen  Verteidigung  ihrer  Besatzung  einem  fortgesetzten 
Angriffe  hätte  unterliegen  müssen,  entsetzt,  überdies  allen  weiteren  Unternehmungen 
des  Gegners  Einhalt  gethan. 

Auf  Grund  der  durch  die  Seeschlacht  bei  Lissa  am  20.  Juli  186C 
vollbrachten  Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als 
Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens- 
Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  am  29.  August  186ft  den,  wie  erwähnt, 
unmittelbar  nach  der  Schlacht  von  Lissa  außer  der  Rangstour  zum  Viee- 
Admiral  beförderten  Wilhelm  von  Tegetthoff  zum  Commandern-  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Drei  Wochen  nach  der  Schlacht  von  Lissa  sollte  die  k.  k.  Flotte  die  Wieder- 
aufnahme der  Offensive  der  Süd-Armee  durch  eine  Demonstration  unterstützen. 
Vice-Admiral  Tegetthoff  lief  zu  diesem  Zwecke  am  11.  August  von  Fasana  au< 
und  leitete  in  Triest  die  anbefohlene  Demonstration  —  Überschiffung  eines 
Armee-Corps  nach  Venedig  —  ein.  Der  Abschluss  des  Waffenstillstandes  am 
llt.  August,  dem  der  Friedensschluss  folgte,  setzte  jedoch  dem  Unternehmen,  sowie 
überhaupt  der  weiteren  kriegerischen  Thätigkeit  Tegetthoffs  ein  Ende. 

Vice-Admiral  von  Tegetthoff.  der  durch  den  Sieg  bei  Lissa  zum  Ruhme  des 
Vaterlandes  beigetragen,  den  Glanz  der  kaiserlichen  Flagge  gemehrt  und  sich 
selbst  einen  Platz  unter  den  Seehelden  aller  Zeiten  errungen  hatte,  erntete  außer 
der  lluld  und  Gnade  des  Monarchen  noch  zahlreiche  auszeichnende  Beweise  der 
Anerkennung.  FM.  Erzherzog  Albrecht.  der  ruhmgekrönle  Sieger  von  Custozza. 
und  andere  Mitglieder  des  Allerhöchsten  Kaiserhauses  beglückwünschten 
ihn  auf  das  herzlichste.  Aus  allen  Theilcn  der  Welt  langten  Telegramme,  Adressen 
und  Festgedichte  an  ihn  ein:  die  Reichshaupt-  und  Residenzstadt  Wien,  die 
Städte  Wiener-Neustadt.  Laibach.  Triest.  Zara,  Fi u m p,  Zengg  und  Stagno 
ernannten  ihn  zum  Ehrenbürger. 

Besonders  Miete  r  war  dem  Admiralen  ein  Brief,  der  von  jenseits  desOceans 
von  seinem  kaiserlichen  Freunde  und  Gönner,  dein  Begründer  der  österr  eichischen 
Marine,  Kaiser  Max.  ihm  zukam  und  der.  ganz  dem  großherzigen  Charakter  des 
hoclisimiigen  Fürsten  entsprechend,  folgendermaßen  lautete: 

„Chapultepec,  21.  August  18GG. 

Lieber  Contre-Admiral  Freiherr  von  Tegetthoff! 
Der  ruhmvolle  Sieg,  welchen  Sie  gegen  eine  überlegene,  in  großen  mari- 
timen Traditionen  erzogene  und  tapfere  Flotte  errungen  haben,  hat  mein  Herz 
mit  der  reinsten  Freude  erfüllt.  Als  ich  die  Schicksale  der  mir  so  Iheuer  gewor- 
denen Marine  in  andere  Hände  legte  und  der  Mission  entsagte,  mein  Geburtsland 
dort  groß  und  mächtig  zu  machen,  wo  sich  die  tieschicke  hochstrebender  Nationen 


Digitized  by  Google 


422  CLXIV.  bis  CLXVIH.  Promotion.  —  Im  Kriege  von  ISfiß.  -  Adriatisches  Meer. 


erfüllen,  blickte  ich  hoffnungsvoll  auf  Sie  und  die  junge  Generation  von  Officieren 
und  Mannschaften,  die  ich  stolz  unter  meiner  Führung  wachsen  und  in  edlem 
Wetteifer  sich  entfalten  sah.  Mi  fühlte  mich  in  dem  Gedanken  gehoben,  der  Adria 
einen  Kern  von  Schiffen  zurückzulassen,  denen  ein  Stab  kenntnisreicher  und 
todesmuthiger  Officiere  und  eine  tapfere  Mannschaft  die  kriegerische  Seele  ein- 
hauchte.  Hat  mich  auch  die  Vorsehung  auf  andere  Pfade  geleitet,  so  lodert  doch 
deshalb  in  meinem  Herzen  noch  das  heilige  Feuer  maritimen  Ruhmes  und  es  war 
ein  schöner,  ein  freudiger  Tag  für  mich,  als  ich  die  heldenmüthige  Flotte,  der  ich 
meine  ganze  Jugendkraft  geweiht  hatte,  unter  Ihrer  heldenmüthigen  Führung  mit 
blutigem  Griffel  den  20.  Juli  1866  in  die  Bücher  der  Seegeschichte  verzeichnen 
sah;  denn  mit  dem  Seesiege  von  Lissa  tritt  die  von  Ihnen  befehligte  Flotte  in 
die  Reihe  jener,  deren  Flagge  das  Symbol  des  Ruhmes  ist,  Ihr  Name  in  die  der 
Seehelden  aller  Zeiten.  Ich  sende  Ihnen,  den  Officieren  und  Mannschaften 
meine  tiefgefühlten  Glückwünsche  und  verleihe  Ihnen  zur  Erinnerung  an  Ihren 
Admiral  und  Freund  und  als  Beweis  meiner  Bewunderung  das  Großkreuz 
meines  Guadelupe-Ordens. 

gez.  Maximilian  in.  p.* 

Noch  im  Jahre  1866  besuchte  VA.  von  Tegetthoff  England,  Frankreich 
und  Nord-Amerika,  um  die  dortigen  Marine-Stationen  und  Etablissements  in 
Augenschein  zu  nehmen  und  deren  Einrichtungen  zu  studieren. 

Nach  dem  (Jontinente  zurückgekehrt  und  anlässlich  der  Weltausstellung  in 
Paris  weilend,  berief  ihn  am  1.  Juli  1867  ein  telegraphischer  Befehl  nach  Wien. 
In  Salzburg  ward  ihm  von  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  der  erschütternde  Auf- 
trag, die  sterblichen  Überreste  des  inzwischen  seinem  tragischen  Geschicke 
erlegenen  Kaisers  von  Mexico  von  der  dortigen  Regierung  zu  reclamieren  und 
dann  in  die  Heimat  nach  Österreich  zu  bringen. 

Mit  unvergleichlicher  Hingebung  führte  Tegetthoff  diese  Mission  durch.  Er 
eilte  über  England,  New- York,  Washington,  Cincinnali  nach  New-Orleans,  endlich 
nach  Vera-Cruz.  Wider  Erwarten  bei  der  mexikanischen  Regierung  und  bei 
Juarez  selbst  auf  Schwierigkeiten  stoßend,  behob  er  dieselben  endlich  und  brachte 
die  Leiche,  mit  der  er  sich  auf  der  Fregatte  Novara  einschiffte,  über  Havana, 
Cadix,  Gorfu  nach  Pola  und  von  dort  nach  Wien,  wo  die  Beisetzung  in  der 
kaiserlichen  Gruft  erfolgte. 

In  Anerkennung  der  Verdienste  Tegetthoffs  bei  Durchführung  dieser  Mission 
geruhte  Seine  Majestät  der  Kaisei  demselben  am  18.  Jänner  1868  das  Großkreuz 
des  Leopold-Ordens  zu  verleihen. 

Anfangs  März  1868  wurde  Tegetthoff  zum  Chef  der  Marine-Section  des 
Kei.-|is-Krieg>!ninisleriums  und  Marine-Commandanteu  ernannt.  Damit  begann 
für  die  Kriegs-Marine  Österreich-Ungarns  eine  Ära  einschneidender  Reformen 
und  ein  nahezu  neuer  Aufbau  ihrer  organischen  Gliederung.  Trotz  der  kurzen 
Zeit.  wHhrend  welcher  es  Tegetthoff  vergönnt  war,  an  der  Spitze  der  k.  k.  Kriegs- 
Marine  zu  wirken,  zeichnete  er  die  Richtung  der  künftigen  Entwicklung  derselben 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Anb.n  Freiherr  von  Pel/. 


4-23 


in  mancher  Beziehung  vor.  Unter  ihm  wurden  die  Hills-Corps  der  Marine,  die 
Marine-Infanterie  und  -Artillerie,  aufgelöst,  dagegen  das  Matrosen-Corps  erweitert, 
um  aus  demselben  das  Personal  für  alle  Specialfächer  zu  entnehmen.  Zahlreiche 
Schulen  wurden  auf  dem  Lande  und  auf  den  Schiffen  errichtet.  Besondere  Ver- 
dienste erwarb  sich  Tegetthoff  überdies  um  das  technische  und  administrative 
Gebiet.  Bereits  ein  Jahr  nach  TegetthofTs  umfassender  organisatorischer  Thätigkeit. 
wurde  diese  anlässlich  der  Inspieierung  von  Pola  durch  Seine  Majestät  den  Kaiser 
mittels  eines  Allerhöchsten  Handbillets  in  schmeichelhafter  Weise  anerkannt. 

In  die  Zeit  dieser  organisatorischen  Berufstätigkeit  fällt  auch'der  Beginn 
der  politischen  Laufbahn  Tegetthoffs  als  lebenslängliches  Mitglied  des 
österreichischen  Herrenhauses,  in  das  er  im  April  1867  berufen  worden 
war  und  wo  er  sich  ebenfalls  bald  eine  geachtete  Stellung  zu  erringen  wussle. 

Am  21.  Juli  1868  wurde  Tegetthoff  in  Anerkennung  seiner  verdienstlichen 
Leistungen  um  die  Wissenschaft  von  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissen- 
schaften zum  Ehrenmitgliede  ernannt. 

Mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  1.  Februar  1869  geruhte  ihm  Seine 
Majestät  der  Kaiser  die  Geheime  Rathswürde  zu  verleihen. 

Inmitten  seiner  rastlosen  Thätigkeit  wurde  Vice-Admiral  von  Tegetthoff  vor- 
zeitig vom  Tode  ereilt.  Am  1.  April  1871  stellten  sich  die  ersten  Anzeichen  acuter 
Erkrankung  ein  und  am  7.  April  hauchte  Tegetthoff  um  7%  Uhr  morgens  zu  Wien 
seinen  Heldengeist  aus. 

Am  Todestage  erließ  Seine  Majestät  der  Kaiser  einen  Flotten-Befehl,  der 
das  ehrendste  und  beredteste  Gedenkblatt  des  Lebens  und  Wirkens  Tegetthoffs 
bildet.  —  „Ich  habe  in  dem  Dahingeschiedenen*  —  so  hieß  es  darin  —  .einen 
treuergebenen,  hingebungsvollen  Diener,  der  Staat  einen  seiner  ausgezeichnetsten 
Männer,  die  Marine  in  ihm  den  Helden  verloren,  der  sie  zu  Sieg  und  Ruhm  geführt, 
dessen  Name  für  immer  unzertrennlich  bleibt  von  den  glänzendsten  Momenten 
ihres  Wirkens,  dessen  Waffenthaten  den  herrlichsten  Blättern  der  Kriegsgeschichte 
angehören.  Mit  Mir  wird  die  Kriegs-Marine  ihrem  hingeschiedenen  Commandanteu 
eine  unvergänglich  dankbare  Erinnerung  bewahren  und  das  Andenken  an  ihn  stets 
zu  ehren  wissen." 

In  Pola,  in  seiner  Vaterstadt  Marburg  und  in  der  Reichshaupl-  und 
Residenzstadt  Wien  erheben  sich  durch  Munificenz  Seiner  Majestät  des  Kaisers 
und  Dankbarkeit  des  Volkes  prachtvolle  Monumente,  welche  in  Tegetthoff 
Österreich -Ungarns  See  hei  den  verewigen. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Anton  Freiherr  von  Pete. 

Anton  von  Petz  wurde  am  24.  Jänner  1819  zu  Venico  in  Siebenbürgen 
geboren.  Er  erhielt  seine  Ausbildung  im  Marine-Collegium  zu  Venedig  und 
wurde  am  25.  Juli  1837  zum  provisorischen  Murine-Corps-Cadeten  ernannt. 


Digitizetf  by  Google 


121  CLX1V.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  tsfifi.      Adriaüsches  Meer 


Am  1.  August  1842  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Fregatten-,  am  16.  August  1815 
zum  Schiffs-Fähnrich,  am  21.  April  1818  zum  Fregatten-Lieutenant. 

Nachdem  Petz  durch  längere  Zeit  als  Professor  am  Marine-C  ollegium  zu 
Venedig  gewirkt  hatte,  wurde  er  bei  Ausbruch  der  Revolution  im  Jahre  ISIS 
eingeschifft,  fungierte  kurze  Zeit  als  ad  latus  beim  Seebezirks-Commando  in  T l  iest, 
befehligte  sodann  hintereinander  mehrere  kleinere  Schiffe  und  ward  am  11.  Juni 
Gesammt-Detail-Ofßcier  auf  dem  Vulcano. 

Hei  der  Blockade  von  Venedig  wurde  ihm  Gelegenheit  zutheil.  ins  Feuer 
zu  kommen  und  sich  bei  dem  Geschntzkampf  des  Vulcano  mit  dem  vom  Feinde 
besetzten  Werk  Brondolo  besonders  hervorzuthun.  Dieses  Schiff  hatte  das  Miss- 
geschick, wahrend  einer  Fahrt  am  Abend  des  3.  Juli  im  Schussbereich  der  Batterie 
M auf rin  jenes  Werkes  aufzufahren.  Während  der  Flottmachung  wehrlos,  wurde 
das  Schiff  durch  lebhaftes  Geschützfeuer  des  Feindes  die  ganze  Nacht  auf  den  1. 
hindurch  stark  beschossen.  Nach  3  Uhr  morgens,  während  mit  Hilfe  anderer 
herbeigeeilten  k.  k.  Schiffe  an  derFlottmachung  des  Vulcano  fortgearbeitet  wurde, 
eröffnete  derselbe  dasFeuer.  Mit  zunehmendem  Tageslicht  wurde  derGeschützkampf 
immer  heftiger.  Der  Vulcano  konnte  zwar  nur  1  Geschütz,  seinen  achtern  achtund- 
vierzigpfündigen  Paixhans,  verwenden,  aber  mit  diesem  Geschütze  —  wie  es  in  der 
Gefechts-Relation  heißt  —  „that  Hauptmann  Pelz,  der  es  persönlich  leitete,  Unglaub- 
lichesk.  Kr  brachte  die  feindliche  Batterie,  in  deren  Inneres  mehrere  Granaten  des 
Vulcano  einschlugen  und  dort  explodierten,  zum  Schweigen.  Auch  sonst  ent- 
wickelt«; Petz  als  Gesamml-Detail-Officier  die  ersprießlichste  Thätigkeit,  bis  es 
nach  8  Uhr  morgens  gelang,  mit  Hilfe  der  anderen  k.  k.  Schiffe  den  Vulcano 
wieder  flott  zu  machen. 

Am  10.  April  1850  wurde  Petz  zum  Schiffs- Lieutenant,  am  11.  Juli  1853 
zum  Corvetten-  und  am  11.  December  185(5  zum  Fregat  ten  -  Capit An 
befördert. 

Soweit  die  k.  k.  Marine  im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemonl  im 
Jahre  185*.)  in  Action  trat,  hatte  audi  Petz  daran  Aiilheil,  ohne  aber,  dass  er  dabei 
zum  Kampfe  gekommen  wäre. 

Am  25.  November  1850  wurde  er  zum  Commandanlen  der  südamerikanischen 
Expedition  ernannt. 

Am  25.  August  18(31  erfolgte  seine  Krnennung  zum  Linien-Schiffs- 
Ca  pitän. 

Als  solcher  nahm  er  an  dem  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im 
Jahre  18(5(5  Ihe'tl  und  zwar  an  den  Operationen  und  dem  Kampfe  der  k.  k.  Flotte 
auf  dein  Adriatischen  Meere,  wobei  »s  ihm  be.schicdeii  war,  sich  in  der 
Seeschlacht  bei  Lissa  durch  eine  glänzend««  Waflenlhat  ganz  besonders 
heivorzuthun. 

Linienst  hitls-Capitän  Petz  befehligte  als  Commodnre  in  der  unter  Commando 
des  (;«>ntr«i-Admirals  von  T«'get  thoff  aus  drei  Divisionen  —  Panzerschiffen, 
schweren  Holzschiffen  und  Kanonenbooten  —  hcslehemlen  k.  k.  Fscadre  die 
zweite  (schwere  llolzschiff-i  Division.  Di«  .«,elbe  bestand  aus  sieben  Schiffen, 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Rittor  de.«  M.  T.  O.  Anton  Freiherr  von  Petz. 


125 


und  zwar  «lein  Linienschiff  Kaiser,  den  Fregatten  Novara,  Fürst  Schwarzen- 
berg, Graf  Radetzky,  Adria,  Donau  und  der  Gorvette  Erzherzog  Friedrich, 
überdies  ans  Hinein  Aviso-Raddampfer.  Das  Flaggenschiff  des  Gommodore 
Pelz  war  das  Linienschiff  Kaiser,  welches  5.191  Tonnengehalf.  S00  Pferdekrfifte. 
92  Kanonen*)  und  901  Köpfe  an  Bemannung  hatte. 

Die  Holzschiffe  hatten  aus  natürlichen  Gründen  die  Bestimmung,  jedem 
Gefechte  mit  feindlichen  Panzerschiffen  womöglich  auszuweichen  und  sich  nur 
mit  der  feindlichen  Holzflotte  zu  engagieren.  Demgemäß  fiel  Gommodore  Petz  bei 
Deginn  der  Schlacht,  als  die  österreichische  erste  (Panzerschiff-)  Division  den 
Kampf  mit  der  italienischen  Panzerflotte  aufnahm,  aus  der  Kielwasserlinie  hinter 
der  Panzerflotte  steuerbord  ab,  um  die  nächst  der  Nordküste  von  Lissa  sichtbare 
italienische  Holzflotte  anzugreifen.  Iiisste  zu  diesem  Heimle  das  Signal  .dem  Gom- 
mandierenden  im  Kielwasser  folgen*  und  steuerte  auf  den  Gegner  zu.  Die  im 
Winkel  formierten  Schiffe  der  Division  schlössen  sich  hierauf  gegen  die  Mitte  und 
folgten  dicht  geschlossen  dem  Kaiser.  Auch  von  der  dritten  Division  (Kanonen- 
boote), welche  die  Aufgabe  hatten,  die  schweren  Holzschiffe  in  der  Melee  gruppen- 
weise oder  auch  einzeln  durch  Enfilierung  des  Gegners  zu  unterstützen,  folgten 
einige  Kanonenboote  an  der  Queue  der  Holzschiff-Division,  während  die  übrigen 
ohne  bestimmte  Ordnung  steuerbord  (rechts),  oder  backbord  (links)  abfielen  und 
späterhin  zwischen  die  feindlichen  Panzer  gelangten. 

Während  die  österreichische  Holzschiff-Division  auf  die  italienische 
Holzflolfe  zusteuerte,  bemerkte  jedoch  Gommodore  Pelz,  dass  die  bis  dahin  an  dem 
Kampfe  der  Panzerschiffe  nicht  engagierte  Queue  der  italienischen  Panzerflotle**) 
in  einer  unregelmäßigen  Frontlinie  direct  auf  die  österreichische  Holzflofle 
losdampfte. 

Befürchtend,  dass  dieser  Gegner  die  rückwärtigen  Holzschiflfe  erreichen, 
angreifen  und  abschneiden  könnte,  fasste  Petz  den  kühnen  Entschluss,  zur  Deckung 
dieser  Schiffe,  entgegen  der  Schlacht-Disposition,  wie  auch  jeder  seemännischen 
Regel,  die  feindlichen  Panzerschiffe  selbst  mit  seineu  Holzsehiffen  anzugreifen.  Er 
fiel  sogleich  backbord  ab  und  warf  sich  ohne  Bedenken  den  italienischen  Panzern 
entgegen. 

Rasch  näherte  sich  die  Tete  der  österreichischen  Holzflotte,  mit  dem  Kaiser 
an  der  Spitze,  den  italienischen  Panzerschiffen  und  es  währte  nicht  lange,  so 
wurden  die  sieben  Holzschiffe  der  zweiten  österreichischen  Division  und 
der  Raddampfer  Elisabeth  von  vier  feindlichen  Panzerschiffen  beschossen,  näm- 
lich von  den  drei  Schiffen  der  italienischen  Queue  und  vermuthlich  auch  vom 
Schlusschitfe  der  italienischen  Mittelgruppe,  dem  S.  Martino. 

Die  österreichischen  Schilfe  nahmen  sofort  den  Feuerkampf  auf.  Der  Feind 
richtete  seinen  Angriff  hauptsächlich  gegen  das  Linienschiff  Kaiser,  welches  er 
wegen  seiner  Größe  vielleicht  für  das  Admiralsschiff  hielt. 

*)  Da.-  Linien-chilT  Kaiser  war  mit  2  vicrmuf/.waiizitfijfündigeri  Kanoimu,  Ifi  s<-clr/i|f- 
I>liin.li>'ii  tJranat-Kiinoiii'ii  >in.|  7i  <lrd>si(n>l'fiinlii,'eii  Kanonen  bestückt. 

")  Division  Uibulti  mit  iWu  Panz«rs<-liinVri  U  <•  «Ii  V  ort  o^al  I  o,  Maria  l'ia  und  Vart-Sf. 


Digitized  by  Google 


426  GLXIV.  bis  CLXVIH.  Promotion.  -  Im  Kriege  von  lSßfi.  -  Adriatisches  Meer. 

Kaiser  war  denn  auch  gleich  anfangs  auf  neiden  Borden  engagiert  und  wurde 
erst  von  vier,  dann  sogar  von  fünf  Panzerschiffen  hart  bedrängt,  indem  sich  seinen 
Gegnern  alsbald  nach  Beginn  des  Kampfes  ein  neuer  furchtbarer  Angreifer  zugesellte. 

Es  war  dies  das  italienische  Widderschiff  Affondatore*),  welches  bei 
Eintritt  der  Melee  mitten  in  das  Gewühl  der  Kanonenboote  und  Fregatten  hinein- 
gerannt war  und  nach  manchem  missglückten  Rammversuche  gegen  österreichische 
Schiffe  plötzlich  steuerbord  des  Linienschiffes  Kaiser  erschien. 

Um  sich  seiner  fünf  Bedränger  zu  entledigen,  näherte  sich  Petz  mit  dem 
Linienschiffe  sogleich  dem  Affondatore  auf  zwei  Kabel,  um  denselben  durch 
die  Wirkung  eoncentrierter  Lagen  kampfunfähig  zu  machen. 

Affondatore  stürzte  sich  auf  das  Linienschiff  und  versuchte  es  zweimal 
anzurennen,  wobei  er  gleichzeitig  einige  dreihundertpfündige  Geschosse  abfeuerte. 
Eines  derselben  war  von  verheerender  Wirkung.  Es  demontierte  ein  Deckgeschütz 
des  Kaiser  vollkommen,  setzte  6  Steuerleute  außer  Gefecht,  riss  die  Peilscheibe**), 
drei  von  der  Commandobrücke  zur  Maschine  führende  Telegraphen  und  einen 
Steuer-Compass  mit  sich  fort. 

Gommodore  Petz  wich  nicht  nur  durch  geschickte  Manöver  den  Stößen  des 
Affondatore  aus,  sondern  gab  ihm  auch  zwei  concentrierte  Breitseiten,  die  auf 
dessen  Deck  und  im  Takelwerk  Schaden  anrichteten.  Als  nach  dem  zweiten 
Rammversuche  des  Affondatore  die  beiden  Schiffe  nahe  bei  einander  vorbei- 
glitten, sendeten  sie  sich  gegenseitig  auch  Kleingewehrfeuer  zu.  Das  italienische 
Widderschiff  ward  schließlich  durch  das  Feuer  des  Kaiser  veranlasst,  sich  aus 
dem  Schussbereiche  des  Linienschiffes  zunickzuziehen. 

Kaum  hatte  sich  auf  diese  Weise  das  Linienschiff  dieses  gefährlichen 
Gegners  entledigt,  griff  eine  große  Panzer-Fregatte  den  Kaiser  an.  Es  war  der 
Re  di  Portogallo,  welcher  mittlerweile  im  Verein  mit  den  übrigen  Panzer- 
schiffen der  italienischen  Queuegruppe  die  Tete  der  österreichischen  Holzschiffe 
beschossen  hatte.  Dichthagelnd  sausten  die  Kugeln  über  Kaiser  hinweg  und 
überschütteten  Novara,  Friedrich  und  Elisabeth,  von  denen  erstere  in 
diesem  Augenblick  steuerbord, die  beiden  anderen  achter  backbord  des  Linienschiffs 
standen.  Durch  dieses  Geschützfeuer  verlor  die  Fregatte  Novara  ihren  Comman- 
dauteu;  die  Corvetle  Friedrich  wurde  unter  der  Wasserlinie  getroffen,  so  dass  sie 
19  Zoll  Wasser  per  Stunde  zog,  das  jedoch  durch  die  Dampfpumpe  bewältigt 
werden  konnte. 

Inmitten  des  dichten  Pulverrauches,  welcher  die  Kämpfenden  umballte, 
bemerkte  Gommodore  Petz  den  Re  di  Portogallo,  als  dieser  schon  auf  ganz 
kurze  Distanz  mit  voller  Kraft  auf  Kaiser  zudampfte,  in  der  unverkennbaren 
Absicht,  das  Linienschiff  zu  rammen. 

*)  Das  Widd'-rschiff  Affondatore.  an  dessen  Bord  sich  der  feindliche  commamliereudc 
Adiniral  liraf  Persan»  hefand,  hatte  70  )  Pferdekräfte,  1070  Tonncngeua.lt,  2  schwere  25  centi- 
metrige  Armstrong-Kanonen  (Dreiümiderlplütid<>r\  welche  in  je  einem  Thurine  placiert  waren,  und 
2'M)  Köpfe  Bemannung. 

**)  Vorrichtung  zum  Zielen  bei  Abgabe  de«  e.mcentrierten  Geschützfeuers. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Anton  Freiherr  von  Petz.  427 

» 

Wohl  hätte  Petz  durch  rasche.-  Abfallen  dem  gefährlichen  Angriff  ausweichen 
können,  aber  er  sah  voraus,  dass  dann  die  auf  kaum  ein  Kabel  entfernten  öster- 
reichischen Schiffe  Elisabeth  und  Friedrich  Gefahr  liefen,  von  dem  mächtigen 
Panzerschiffe  gerammt  und  in  Grund  gebohrt  zu  werden. 

In  der  Absicht,  sowohl  dem  Kaiser  als  den  anderen  Schiffen  Luft  zu  schaffen 
und  einen  so  gefährlichen  Gegner  kampfunfähig  zu  machen,  fasste  Commodore 
Petz,  im  Vertrauen  auf  die  Größe  und  Stärke  seines  Holzschiffes,  den  heroischen 
Eutsehluss,  das  feindliche  Panzerschiff  selbst  anzurennen,  trotz  der  Gefahr,  dass. 
wenn  dieses  Manöver  nicht  äußerst  correct  und  glücklich  ausgeführt  ward,  das 
Linienschiff  selbst  dabei  unrettbar  verloren  war. 

Petz  fiel  zuerst  etwas  nach  steuerbord  ab,  gab  dann  das  Ruder  backbord  an 
Bord  und  rannte,  mit  ganzer  Maschinenkraft  vorwärts  dampfend,  wobei  Kaiser 
eine  volle  Lage  des  Gegners  auszuhalten  hatte,  den  Re  di  Portogallo  ungefähr 
in  der  Höhe  der  Maschine  an. 

Er  war  Punkt  11  Uhr  vormittags,  17  Minuten,  nachdem  der  erste  Schuss 
feindlicherseits  gefallen  war. 

Der  Zusammenstoß  erfolgte  unter  dröhnendem  Gekrache.  Der  schlank- 
geformte hölzerne  Schiffsbug  des  Kaiser  wurde  an  der  feindlichen  Panzerwand  zu 
einer  Fläche  platt  gedrückt.  Backbord  an  der  gepanzerten  Bordwand  des  Gegners 
vorbeistreichend,  erlitt  Kaiser  selbst  durch  die  Wirkung  des  gewaltigen  Stoßes 
und  eine  auf  kürzeste  Distanz  abgegebene  volle  Breitseite  des  Gegners,  sehr 
bedeutende  Havarien.  Der  Bugspriet  und  das  ganze  Sc  heg  des  Linienschiffes 
wurden  herabgerissen,  so  dass  alsbald  der  schwere  Fockmast  achter  (rückwärts) 
überkippte,  dabei  den  Maschinenschlot  und  das  Dampfblasrohr  zertrümmerte 
und.  den  noch  unversehrten  Theil  des  ersteren  mit  der  Mars  zudeckend,  bald 
selbst  in  Brand  gerieth.  Ein  Theil  des  Gallions  und  die  Kaiserkrone  der  Gallions- 
lignr  fielen  auf  das  feindliche  Deck. 

Doch  auch  Re  di  Portogallo  war.  obgleich  er,  das  kühne  Manöver  des 
Linienschiffs  erkennend,  im  letzten  Augenblicke  noch  rasch  backbord  gewendet 
und  dadurch  die  Gewalt  des  Stoßes  abgeschwächt  hatte*),  wenn  auch  nicht  in 
gefährlicher  Weise,  so  doch  bedeutend  beschädigt. 

Er  neigte  sich  unter  der  Wucht  des  Stoßes  beträchtlich  nach  der  Seite  über. 
Alles  was  auf  der  Backbordseite  vom  Schiff  herausragte,  wurde  abrasiert.  Re  di 
Portogallo  verlor  zwei  Anker  und  mehrere  Boote;  von  vier  Landungskanonen, 
welche  sich  achter  befanden,  wurden  die  Lafetten  zertrümmert;  eine  fiel  ins  Meer. 
—  ebenso  11  Stück  Pfortendeckel  am  Backbord;  endlich  wurde  die  Schanzenvcr- 
kleidung  auf  eine  Länge  von  mehr  als  60  Fuß  vollständig  zertrümmert. 

Commodore  Petz  hatte  das  Linienschiff  mit  beispielloser  Kaltblütigkeit. 
Unerschrockenheit  und  Ruhe  manövriert.  Trotz  der  furchtbaren  Erschütterung  und 
der  großen  Verheerungen  am  eigenen  Schiffe  im  Momente  des  Zusammenstoßes, 

\r  LinienschilTs-Capitan  Cavaliere  Hi botti,  S  -hinVC unmaidaut  dfs  Re  di  Portogallo 
r.'turnte  in  der  Folge  selbst  ein,  dass,  wenn  der  Stoß  des  Kaiser  senkrecht  erlolgt  wäre,  dies  den 
He  di  Portogallo  wahrscheinlich  zum  Sinken  gebracht  hätte. 


Digitized  by  Google 


!2S  CLXIV.  bis  CLXVIII.  Promotion.  -  Im  Kriege  \<>u  IftfiG.  -  Adriatioches  Meer. 

ertönten  schon  unmittelbar  darauf  die  Commaridoworte  des  Comrnodore,  der  die 
Batterien  beorderte,  die  Barkbordflanke  zu  bemannen,  um  dem  Gegner  noch 
einige  Lagen  nachzusenden. 

Trotz  seiner  argen  Verletzungen  sendete  denn  auch  Kaiser  dein  Re  di 
Portogallo  von  der  vorderen  Division  der  1.  Batterie,  die  augenblicklich  Bord 
gewechselt  hatte,  eine  Lage  auf  kaum  einige  Klafter  nach,  welche  unter  der  Pan- 
zerung traf,  dann  auf  das  feindliche  Beck  ein  vierundzwanzigpfündiges  ProjecÜl, 
endlich  unmittelbar  hierauf  wiederholte  Lagen  der  ganzen  Flanke. 

Re  di  Portogallo  —  das  zweit  mächtigste  Panzerschiff  der  italienischen 
Flotte  —  entschwand  darnach,  ohne  einen  Schuss  mehr  zu  thun,  aus  dem  Gesichts- 
kreise des  Linienschiffs.  *) 

Der  Zweck  war  vollständig  erreicht.  Comrnodore  Petz  hatte  den  Kaiser 
und  mehrere  Schiffe  seiner  Division  aus  der  bedrängten,  mit  sicherem  Verderben 
drohenden  Lage  gegenüber  dem  Re  di  Portogallo  befreit. 

Doch  kaum  hatte  sich  Kaiser  auf  diese  wahrhaft  heroische  AVeise  seines 
zweiten  Gegners  entledigt,  als  sich  auf  vier  Kabel  eine  neue  feindliche  Panzer- 
Fregatte,  wahrscheinlich  Maria  Pia.  zeigte. 

Comrnodore  Petz  engagierte  sich  trotz  der  erlittenen  bedeutenden  Havarien 
und  ohschon  bereits  das  über  dem  Schlot  liegende  Holz  und  Tauwerk  heftig  zu 
brennen  begann,  sogleich  auch  mit  diesem  dritten  Gegner. 

Da  trafen  zwei  feindliche  Hohlgeschosse  da<  Linienschiff  so  unglücklich,  das- 
die /weile  Section  der  zweiten  Batterie  fast  vollkommen  außer  Gefecht  gesetzt, 
das  Dampfrohr  zerschossen,  ein  Theil  der  Achterdeck-Division  stark  verheert 
wurde  und  letztere  ihren  Gomruaudanten  durch  schwere  Verwundung  verlor, 
lautlich  wurde  die  Bordwand  haekbord  in  Brand  geschossen  und  die  Maschine 
meldete,  dass  sie  nicht  mehr  verlässlich,  überdies  des  zerschossenen  und  verdeckten 
Schlotes  wegen,  nur  mehr  mit  kleinem  Feuer  arbeilen  konnte. 

Dabei  nahm  der  Brand  über  dem  Schlot*1  immer  größere  Dimensionen  an: 
das  Steuerruder  selbst  war  durch  einen  Schuss  verletzt:  die  vorderen  Divisionen 
vom  Deck  und  von  der  zweiten  Batterie  konnten  kaum  mehr  Antheil  am  Gefecht«' 
nehmen.  Das  Schiff  war  mit  einem  Wort  nicht  mehr  kampffähig.  Comrnodore  Pelz 
•  •utschloss  sich,  um  das  Linienschiff  zu  erhalten,  dasselbe  außer  Schussbereich 
zu  bringen. 

Kaiser  nahm  Curs  gegen  den  Hafen  von  S.  Giorgio,  gefolgt  von  den 
meisten  größeren  llolzschiffen  und  auch  einigen  Kanonenbooten,  welche  schon 
wählend  des  großartigen  Zweikampfes  das  Linienschiff  durch  ihr  Feuer  auf  das 
kräftigste,  unterstützt  und  dadurch  die  Aufmerksamkeit  der  feindlichen  Panzerschiffe 
auf  sich  gezogen  halten. 

Kiu'ige  dieser  Holzschilfe  wurden  dabei  schwer  beschädigt,  so  Schwarzen- 
berg, welcher  7  Schüsse  in  die  Takelage,  einen  in  den  Fockmast  und  einen  unter 

')  Iii.-  l'aiuer-Fregatt''  He  di  r'ortujra)  I  n  hatln  SOG  l'feiil.'kiäfW»,  5700  Tr>nite»irehalt. 
.V.0  Köpfe  Heuiamiuii£.  s»8  Sdiil%.-schütz«,  nämlich  1  2~><  •.•nlimetriie'  Aiirisl.nntf-Kan.mc-n  iHn  i- 
liUmlml|.rfiu<I.T«,  Ü<;  ifi;i*nj.-ne  IlM  cutiinelrigc  Kämmen  iiiiU  ül.er.lies  G  »tezr.gene  I,an.lun;rsges.  hfilz.-. 


Digitized  by  Google 


Hilter  def  M.  T.-O.  Antun  Freiherr  von  Tetz. 


V20 


Wasser  erhielt,  worauf  alle  Pumpen  an  Bord  arbeiten  mussten,  um  das  Leck 
unschädlich  zu  maelien.  Adria  hatte  mehrfache  Beschädigungen  im  Takelwerk 
und  an  den  Booten  erlitten;  die  Flagge  war  durchschossen,  im Banjerdeck  dreimal 
Brand  entstanden,  und  6  Mann  waren  verwundet.  2  Kulfuter  (Arsenal-Civilarbeiter), 
tapfere  Männer,  welche  ein  nahe  der  Wasserlinie  durch  eine  achtzigpfündige 
Granate  entstandenes  Lorh  stopfen  wollten,  wurden  durch  eine  /.weile  Granate  in 
Stücke  zerrissen:  die  brennenden  Splitter  /.findeten  in  der  Vorkammer  des  Pulver- 
magazins, so  dass  nur  durch  die  Entschlossenheit  des  Oberstückmeisters  das  Feuer 
verhindert  wurde,  die  Pulverkammer  zu  erfassen.  Novara  verlor  in  diesem 
Kampfe  außer  dem  Commandanten  G  Todte,  20  Verwundete. 

Inzwischen  waren  von  der  Tete-Gruppe  der  italienischen  Pan/.erllotle  zwei 
Panzerschiffe,  Carignano  und  Gastclfidardo,  nach  einem  Gcschützkampfc  mit 
dem  linken  Flügel  der  östeireichisehen  Panzerschiff-Division  im  Verlaufe  der 
Schlacht  ganz  in  den  Rücken  der  kaiserlichen  Holzflolte  gelangt  als  sich  diese 
mit  ihrem  Gros  auf  dem  Wege  nach  dem  Hafen  von  Lissa  befand.  Diese  beiden 
feindlichen  Panzerschiffe  wollten  sich  durch  die  Holzflotte  Bahn  brechen,  um  sich 
mit  der  italienischen  Panzerflotte  zu  vereinigen. 

Doch  das  wohlgezielte  Feuer  der  österreichischen  Schlüsselnde  hielt  sie 
dermaßen  in  Schach,  dass  die  feindlichen  Schiffe  es  nicht  wagten,  ein  oder  das 
andere  der  Holzschiffe  zu  rammen,  und  sich  darauf  beschränkten,  dieselben  mit 
schlecht  gezielten  Schüssen  zu  enfilieren.  Von  den  kaiserlichen  Holzschiffen  bethei- 
ligten sich  an  diesem  Fernkampfe  die  Fregatten  Donau,  Radetzky  und  Schwar- 
zenberg mit  iluen  Pivotgeschützen. 

Sie  wurden  dabei  wieder  von  mehreren  Kanonenbooten  auf  das  thfitigste 
unterstützt,  obschon  diese,  des  noch  immer  unruhigen  Seeganges  wegen,  von  den 
Geschützen,  welche  oft  aus  den  Pivots  sprangen  und  aus  den  Schienen  glitten, 
nur  mit  aller  Anstrengung  Gebrauch  machen  konnten.  Von  den  Kanonenbooten 
waren  Huni,  Wall,  Streiter  und  der  Repetiteur  Hofer  dicht  au  die  Queue  der 
llolzs<  hiff-Division  angeschlossen  geblieben,  während  Reka  und  Seehund  sich 
mehr  der  Tete  der  Holzflotte  genähert  hatten,  Dalmat  und  Velebich  hingegen 
etwas  zurückgeblieben  waren. 

Das  Linienschiff  Kaiser  wurde  auf  Schussdistanz  von  Friedrich,  zunächst 
aher  von  Seehund  und  Reka  begleitet  welchen  die  Fregatten  Schwarzen- 
berg. Radetzky,  Adria.  Donau  und  die  Kanonenboote  Huni,  Wall,  Streiter, 
endlich  der  Raddampfer  Hofer  im  Kielwasser  folgten. 

Während  Kaiser  bei  seiner  Fahrt  mit  aller  Anstrengung  bemüht  war,  dem 
Brande  Einhalt  zu  thun.  fand  sich  neuerdings  und  plötzlich  an  der  Steucrbordseite 
der  österreichischen  Hol/.schiffe  der  Affondatore  ein.  Fr  hatte  nach  den  ver- 
geblichen Bammversuchen  auf  Kaiser,  einen  großen  Bogen  über  Backbord 
beschreibend,  seine  Havarien  möglichst  ausgebessert  und  drohte  nun.  längs  der 
Nordküste  der  Insel  steuernd,  dem  Linienschiffe  den  Weg  zu  verlegen. 

Dreimal  schien  er  einen  Anlauf  zu  nehmen,  um  Kaiser  zu  rammen;  doch 
das  schwer  verwundete  Linienschiff  wehrte  sich  auf  das  tapferste,  gab  trotz 


Digitized  by  Google 


130  HLXIV.  bis  GLXV111.  Promotion.  -  Im  K.riegv  von  1866.  -  Adriatiwhes  Meer. 


Brand  und  Havarien  Breitseite  auf  Breitseite  ab  und  hielt  sich  den  gefährlichen 
Gegner  vom  Leibe.  Kaiser  wurde  dabei  durch  die  nachfolgenden  Holzschifle. 
später  auch  durch  die  Panzer-Fregatten  Don  Juan  und  Prinz  Eugen  auf  das 
wackerste  unterstützt,  welche  den  Affondatore  mit  einem  waliren  Hagel  von 
Projectilen  aller  Art  überschütteten,  unbekümmert  um  mehrere  feindliche  Panzer- 
schiffe, wie:  Carignano,  Casl  elfidardo,  Re  di  Portogallo,  Ancoria  und 
Varese,  welche  aus  der  Entfernung  ein  wirkungsloses  Feuer  unterhielten. 

Beim  dritten  Versuche  stürzte  Affondatore  mit  großer  Geschwindigkeit  bis 
auf  1  Kabel  Distanz  heran,  fiel  aber  plötzlich  steuerbord  ab,  folgte  noch  eine  Zeit 
lang  dem  Linienschiffe,  das  unausgesetzt  ein  wohlgezieltes  Feuer  unterhielt,  und 
kelirte  endlich  mit  beschädigten  Ankern,  mehreren  Kugeln  durch  Deck,  deren  eine 
im  unteren  Schiffsraum  gezündet  hatte,  gegen  die  italienische  Holzflotte  urn. 
Kaiser  sandte  ihm  noch  auf  10  Kabel  den  letzten  Schuss  nach. 

Das  Linienschiff,  befreit  von  seinem  gefährlichen  Gegner,  setzte  nun 
unbelAstigt  seinen  Weg  bis  in  den  Hafen  S.  Giorgio  fort,  wo  es  um  l1  %  Uhr 
anlangte,  und  sich  mit  der  Flanke  gegen  die  Hafen-Einfahrt  aufstellte,  um  einem 
etwa  nachrückenden  Feinde  seine  Breitseiten  entgegenschicken  zu  können.  Nur 
das  Kanonenbot  Reka,  welches  auf  Kaiser  das  Signal  sah:  .Man  gibt  die 
Hoffnung  auf,  das  Feuer  zu  bewältigen8  folgte  bis  in  den  Hafen  nach. 

Die  übrigen  HolzschitTe,  welche,  nachdem  Affondatore  sich  entfernt  hatte 
alle  Gefahr  für  Kaiser  beseitigt  sahen,  nahmen  nun  unter  Fuhrung  de> 
Schwarzenberg  wieder  den  Curs  in  nördlicher  Richtung,  um  sich  mit  der 
Panzer-Division  zu  vereinigen,  die  mittlerweile  auf  die  um  12  Uhr  20  Minuten 
«•rfolgten  Signale  Tegetthoffs  .Sammeln*  und  „dem  Commandierenden  im 
Kielwasser  folgen4  herbeieilte  und  der  nordwärts  steuernden  Holzflotte  auf  halbem 
Wege  entgegenkam. 

Durch  den  Rückzug  der  italienischen  Flotte  und  den  Verlust  eines  zweiten 
Panzerschiffes,  des  Palestro,  der  um  21.,  Uhr  in  die  Luft  flog,  fand  die  See- 
schlacht bei  Lissa  ihr  Ende. 

Das  Linienschiff  Kaiser,  dessen  Schäden  nach  Bewältigung  des  Brandes 
binnen  21  Stunden  ausgebessert  wurden,  trat  schon  am  21.  Juli  abends  mit  der 
kaiserlichen  Escadre  die  Rückfahrt  in  das  Flottenlager  von  Fasana  an  und  lief 
am  22.  Juli  behufs  gründlicher  Reparatur  in  den  Hafen  von  Pola  ein. 

Das  tapfere  Linienschiff  hatte  in  der  Schlacht  850  Schuss  abgegeben,  selbst 
aber  80 Treffer  erlitten;  sein  Verlust  betrug  an  Todten  und  Verwundeten  40fficicre 
und  1)5  Mann,  also  bei  weitem  mehr,  als  die  Hälfte  des  Gesammtverlustes  der 
k.  k.  Kscadre.  welche  I8  0fficiere  und  158  Mann  verlor.  Unter  den  Verwundeten 
befand  sich  auch  Commodore  Linienschiffs-Capitän  Petz  seihst.  Von  den  übrigen 
1  lolzschiffen  hatte  Novara  die  meisten  Verluste  mit  7  Todten  und  20  Verwundeten: 
Schwarzenberg  und  Friedrich  hatten  Lecks  bekommen  und  Wasser  gezogen, 
welches  jedoch,  ohne  die  Kampffähigkeit  zu  beeinträchtigen,  durch  Anwendung 
der  Pumpen  hatte  bewältigt  werden  können.  Auf  mehreren  Schiffen  war  infolge 
der  Explosion  von  Granaten  Feuer  ausgebrochen,  das  jedoch  immer  rasch  gedämpft 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-Ü.  Anton  Freiherr  von  Petz. 


131 


wurde.  Am  meisten  war  in  dieser  Beziehung  Ad ria  gefährdet,  die  auch  ün  übrigen 
starke  Beschädigungen  davontrug. 

Commodore  Linienschiffs-Capitän  Anton  von  Petz  hatte  durch  sein  kühnes, 
für  den  Gegner  gewiss  unerwartetes  Eingreifen  mit  der  Holzflotte  und  durch  den 
heroischen  Kampf  de?  Linienschiffes  Kaiser  die  Queue  der  feindliehen  Panzer- 
flotte  in  Schach  gehalten  und  von  der  Actinn  gegen  die  österreichische  Panzer- 
Division  abgezogen,  und  so  indirect  in  hervorragendem  Maße  zum  Siege  beige- 
tragen. Er  hatte  überdies  durch  die  ausgeführten  Manöver  nicht  nur  das  seinem 
Commando  anvertraute  Scliiff  sammt  dessen  braver  Bemannung  dem  Vaterlande 
erhalten  und  die  übrigen  Schiffe  seiner  Division  vor  Angriffen  weitüberlegener 
Streitkräfte  gedeckt,  sondern  auch  den  Feind  in  seiner  Stärke  bedeutend 
geschwächt.  So  hatte  Commodore  von  Petz  den  Beweis  erbracht,  dass  die 
Parole  Farraguts  „Hölzerne  Schiffe  —  eiserne  Herzen"  in  der  Brust,  der  öster- 
reichischen Seeleute  feste  Wurzel  geschlagen.  Um  die  verdienstvolle  Leistung 
des  Linienschiffs-Capitäns  von  Pelz  aber  nach  ihrem  vollen  Werte  würdigen  zu 
können,  muss  hervorgehoben  werden,  dass  Seiner  Majestät  Linienschiff  Kaiser 
am  Tage  der  Schlacht  von  Lissa,  am  20.  Juli,  im  ganzen  nur  20  Ausrüstungstage 
zählte. 

Die  Officiere  und  Cadeten  vom  Stabe  des  Linienschiffs  unterbreiteten  noch 
in  See,  am  22.  Juli,  ihrem  Commandanten  aus  freien  Stücken  ein  Tapferkeits- 
Zeugnis,  während  der  Escadre-Commandant.  Vice-Admiral  von  Tegetthoff  die 
Waffenthat  seines  Commodore  in  der  Folge  nachstehend  charakterisierte: 

„Contre-Admiral  Petz  als  Commandant  der  2.  Division  und  des  Linien- 
schiffes Kaiser  hat  durch  das  mit  ausgezeichneter  Geschicklichkeit,  Kühnheit  und 
Aufopferung  ausgeführte  Manöver  mit  dem  seiner  Führung  anvertrauten  Schiffe, 
eine  That  vollbracht,  die  voraussichtlich  für  immer  vereinzelt  in  den  Annalen  der 
Marine  dastehen  wird,  und  durch  die  er  nicht  nur  sein  eigenes  Schiff  und  die  ihm 
untergeordnete  Abtheilung  der  Flotte  unter  den  erdenklich  schwierigsten  Umstän- 
den vor  eminenter  Gefahr  gerettet,  sondern  auch  dem  angerannten  feindlichen 
Panzerschiffe  durch  den  wuchtigen  Stoß.  —  wie  den  andern  durch  gut  gezielte 
«oncentrierte  Breitseiten  —  die  auch  nach  dem  Sturz  des  Mastes  fortgesetzt 
wurden  — ,  bedeutende  Schäden  beigebracht." 

Auf  Grund  dieser  in  der  Seeschlacht  bei  Lissa  am  20.  Juli  1806  voll- 
brachten Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als 
Erhabener  Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens- 
Capitels  kraft  Promotion  CLXVI  vom  20.  August  1860  den  unmittelbar  nach  der 
Seeschlacht  bei  Lissa,  am  22.  Juli,  außer  der  Tour  zum  Contre-Admiral 
beförderten  Commodore  Anton  von  Petz  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes 
zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Nach  dem  Kriege  wurde  Contre-Admiral  von  Petz  am  4.  September  1.S00 
zum  Commandanten  der  Marine-Akademie  in  Fiume  ernannt. 

Am  24.  December  1807  geruhte  Se.  Majestät  denselben  statutengemäß  in 
den  österreichischen  Freiherrnstand  zu  erheben. 


Digitized  by  Google 


1:12  CLX1V.  bis  CLXVIJI.  Promotion.  -  Im  Kritge  von  186ß.  -  Adriatisches  Meir. 

Im  Jahre  1808  rüstete  die  k.  k.  Regierung  aus  handelspolitischen  Gründen 
«•ine  Expedition  nach  O.stasien  aus,  da  die  Monarchie,  vermöge  ihrer  geogra- 
phischen Lage  ein  natürliche?  Mittelglied  im  Verkehre  zwischen  Kuropa  und  Asien, 
angesichts  der  damals  zu  gewärtigenden  Eröffnung  des  Sucz-Canals  nicht  länger 
zögern  konnte,  gleich  den  übrigen  großen  Staaten  Handelsverbindung  mit  jenen 
lernen  Ländern  anzuknüpfen.  Die  Aufgabe  der  Expedition  bestand  in  Abschlug? 
von  Handelsverträgen.  Einsetzung  von  Beamten  und  Agenten  und  in  Vornahme 
von  Studien  über  die  commerciellen  Verhältnisse  an  Ort  und  Stelle  durch  beigo- 
gebene  Fachmänner. 

Kür  diese  Expedition  wurden  zwei  Schilfe,  die  Fregatte  Donau  und  die 
Gorvette  Erzherzog  Friedrich  ausgerüstet,  von  welchen  erstere  auf  der  Rück- 
reise überdies  die  südamerikanischen  Häfen  anlaufen  sollte. 

Contre-Admiral  Freiherr  von  Fetz  wurde  mit  Allerhöchster  Entschließung 
vom  28.  Juli  1868  zum  Kommandanten  der  ostasiatischen  Expedition  und  gleich- 
zeitig zum  bevollmächtigten  Miuister  und  tiesandten  in  außerordentlicher 
Mission  ernannt. 

Am  18.  October  1868  verließ  Petz  an  der  Spitze  der  Expedition  die  Rhode 
von  Triest  und  segelte  über  Gibraltar  und  das  Gap  der  guten  Hoffnung 
zuvörderst  nach  Ostasien.  Nach  Berülirung  Singapores  lief  er  die  Häfen  von 
Bangkok,  Siam,  Saigon,  Hong-kong,  Sangbai  und  Yokohama  an  und 
schloss  sowohl  mit  Siam  als  mit  Ghina  und  mit  Japan  Verträge  ab,  in  welchen 
Österreich-Ungarn  die  Rechte  der  meist  begünstigten  Nationen  zugestanden 
wurden. 

Seiner  Majestät  Corvette  Friedrich  in  Ostasien  belassend,  von  wo  sie 
späterhin  durch  den  Suez-Ganal  heimkehrte,  trat  Pelz  mit  Seiner  Majestät  Schiff 
Donau  von  Yokohama  am  14.  November  1809  die  Reise  durch  den  Stillen 
Ocean  nach  Süd-Amerika  an. 

Auf  dieser  Fahrt  hatte  Fregatte  Donau  zweimal  sehr  schweres  Wetter. 
Schon  nach  dem  Auslaufen  aus  Yokohama  wurde  das  Schilf  durch  einen  mehr- 
tägigen schweien  Drehsturm  arg  mitgenommen.  Bei  2$  Segel  wurden  zerrissen, 
die  auf  beiden  Seiten  gehissten  Boote  mit  Wasser  gefüllt,  so  dass  sie  nur  durch 
Einschlagen  der  Böden  gerettet  werden  konnten.  Auch  Bemastung  und  Takelage 
wurden  schwer  beschädigt.  Am  28.  November  brach  erneuert  ein  Orkan  herein, 
welchem  Schiff  und  Bemannung  nahezu  zum  Opfer  gefallen  wären. 

Durch  die  Heftigkeit  des  Orcans  gieng  Segel  um  Segel  verloren;  die  Takelage 
wurde  immer  schadhafter  und  das  Schiff  begann  unter  den  heftigen  Erschütte- 
rungen Wasser  zu  ziehen,  so  dass  die  Maschineiipunipen  in  Thätigkeit  gesetzt 
werden  mnsslen,  um  desselben  Herr  zu  weiden.  Die  Fregatte  Donau  war  da 
1  .")(>()  Meilen  vom  nächsten  Hafen  entfernt,  als  mit  einem  mächtigen  Rucke  das 
Steuer  sowie  auch  die  Stütze  des  Propellers  abbrachen.  Den  wüthenden  Elementen 
nunmehr  hilflos  preisgegeben,  blieb  das  Schiff  durch  volle  neun  Tage  ein 
Spielball  der  Wellen.  Erst  am  8.  December  gelang  es,  ein  improvisiertes  Notli- 
steuer  zu  adaptieren,  mit  dessen  Hilfe  am  20.  December  1809  Honolulu  glücklich 


Digitized  by  Google 


Killer  iK~  M.  T.  U  Maximilian  Freiherr  von  Slenietk. 


erreicht  wurde,  wo  das  schwer  beschädigte  Schiff  einer  niehrmonallichen  Reparatur 
unterzogen  weiden  uiusste. 

Kür  diese  in  schwerer  Seenot.li  bewahrte  ausgezeichnete  Haltung  wurde 
Conti»- Adiniral  Krh.  vun  Petz  am  27.  Februar  1870  durch  die  Allerhöchste 
belobende  Anerkennung  ausgezeichnet. 

Freiherr  von  Petz  reiste  von  Honolulu  mit  einem  amerikanischen  Pakel- 
dampi'er  nach  S.  Francisco,  besuchte  von  dort  aus  Guatemala.  Panama.  Peru 
und  verhandelte  mit  den  Ministerpräsidenten  der  Vereinigten  Staaten  von  Coluni- 
bi;i,  Kcuador  und  Chili,  worauf  die  betreffenden  Verträge  geschlossen  wurden 
und  die  Aufstellung  von  k.  mal  k.  diplomatischen  Vertretungen  erfolgte. 

Am  IG.  August  1870  schiffte  sich  Freilu'ir  von  Petz  wieder  in  Honolulu 
auf  Sr.  Majestät  Schill' Donau  ein.  Um  das  Cap  Horn  steuernd,  berührte  er  die 
Laplata-Staaten,  wobei  in  Buenos-Ayres  mal  Montevideo"  die  handels- 
politischen Beziehungen  mit  der  Argentinischen  Republik  und  den  Repu- 
bliken von  Bolivia  und  Uruguay  in  gleich  befriedigender  Weise  geregelt  wurden. 

Am  13.  Deceniber  1870  trat  der  <  lontrc-Admiral  von  Montevideo  die  Heim- 
reise an  und  langte  nach  einer  nahezu  zweicinhalbjfihrigen  Abwesenheit  am 
1.  März  1871  wieder  in  Pola  ein. 

Wenige  Tage  darauf,  am  15.  März,  geruhte  Seine  Majestät  die  Verdienste  de«. 
Contre-Admirals  Frh.  von  Petz  bei  Durchführung  dieser  österreichischen  Expedition 
durch  Verleihung  des  Ordens  der  Eisernen  Krone  I.  ('.lasse  auszuzeichnen. 

Am  fi.  October  1871  wurde  Conlre-Admiral  Frh.  von  Petz  zum  Seebezirks- 
Conunandanten  in  Triest  ernannt. 

MiltelsAllerhöchsten Handschreibens  vom  25. Mai  1872  wurde  ihm  die  Würde 
eines  Geheimen  Rathes  verliehen. 

Am  0.  Mai  1S78  trat  C.ontre-Admiral  Frh.  von  Petz  nach  fast  fnnfundvierzig- 
jähriger  Dienstleistung  in  den  wohlverdienten  Ruhestund,  bei  welchem  Anlasse 
ihm  in  Anerkennung  seiner  im  Frieden  mal  im  Kriege  ausgezeichneten  Dienst- 
leistung mit  Allerhöchster  Entschließung  der  Vice-Admirals-C.harakler  ml 
Itonorcs  verliehen  wurde. 

Der  heldenmüthige  Seemann  starb  am  7.  Mai  1885  zu  Triest. 


Hilter  des  Maria,  Tlieie.sieii-Ordeiis 
Maximilian  Freiherr  Duublebsky  von  Sterneck  zu  Klirenstein. 

Freiherr  von  Sterneck  wurde  im  Jahre  1820  zu  Klagenfurt  in  Kärnten 
geboren.  Er  erhielt  seine  maritime  Erziehung  im  Marine-Coileginm  zu  Venedig, 
wurde  am  20.  September  18i7  zum  provisorischen  Marine  -  (ladeten  ernannt 
und  in  demselben  Jahre  auf  der  Fregatta  Bellona  eingeschifft. 

Am  I.Mai  ISIS  zuur  Officicrsdienst  Uiuenden  (ladeten  designiert,  machte 
Frh.  v.  Slerneck  die  Expedition  gegen  Ancona  mit.  Während  der  Beschießung 
der  Batterien  durch  den  Dampfer  Curtatone  am  2.  Juni  um  1 '/»  Uhr  nachts 

Milil3n>ch*-r  Maria  TliiTe»i«*ii-Onl«?fi. 


Digitizedby  Google 


(XXIV.  LU  CI.XVUI.  l'roiiiutiou.   -  Im  Krieg«  vuii  iMk».  —  Adrkitif c!k'>  Meer. 


wurden  auch  3  Boote  mit  Raketen-Geschützen  bestückt  und  gegen  die  Stadl  ent- 
sendet. Eines  dieser  Boote  befehligte  Frh.  von  Sterneck.  Wiewohl  seihst  vom  feind- 
lichen Geschütz-  und  Kleingewehrfeuer  lebhaft  beschossen,  näherte  sich  Stenieck 
von  Nordwesten  thunlichst  nahe  der  Stadt  und  wirkte  mit  seinem  Raketen-Geschütz 
bei  deren  Beschießung  kraft  igst  mit,  was  im  Vereine  mit  dem  Feuer  der  beiden 
anderen  Boote  wesentlich  dazu  beitrug,  das  Feuer  der  Batterien  Anconas  vom 
Gurtatone  abzulenken  und  zu  schwächen. 

In  der  Folge  nahm  Frh.  von  Sterneck  an  Bord  der  Venus  an  der  Blockade 
von  Venedig  theil. 

Er  wurde  am  25.  October  1848  zum  Fregatten-,  am  20.  September  1810 
zum  Schiffs-Fähnrich  befördert. 

Vom  Jahre  1850  bis  Ende  1858  mit  wenigen  Unterbrechungen  fast  beständig 
auf  verschiedenen  Fahrzeugen  eingeschifft ,  wurde  er  am  1.  April  1852  zum 
Fregatten-,  am  1.  April  1855  zum  Sehiffs-Eicutenant  und  am  24.  November 
1859  zum  Corvetlen-Capitän  ernannt.  Am  27.  April  lStJO  erfolgte  seine  Beför- 
derung zum  Fregatten-Capitän. 

Als  solcher  war  Sterneck  neuerdings  auf  verschiedenen  Kriegsfahrzeugen 
eingeschiffi.  Nach  der  Beförderung  des  Conunodore  Wilhelm  von  Tegetthoff  zum 
Contre-Admiral  im  Jahre  1864  infolge  des  Seetreffens  bei  Helgoland  wurde  das 
von  demselben  bis  dahin  innegehabte  Commando  Seiner  Majestät  Fregatte 
Schwarzenberg  —  dem  Flaggenschiff  Tegetthoffs  —  dem  Fregatten-Capitän 
Frh.  von  Sterneck  übertragen,  der  somit  bereits  im  Jahre  1861  Flaggen-Gapitän 
Tegetthoffs  vor  dem  Feinde  war. 

Am  4.  Mai  1866  zum  Liniensehiffs-Capitän  ernannt,  machte  Sterneck 
als  Commandaut  der  Panzerfregatte  Erzherzog  Ferdinand  Max  den  Krieg 
gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  18G6  auf  dem  Adriatischen  Meere  mit  der 
k.  k.  Flotte  mit.  Contre-Adniiral  von  Tegetthoff  wählte  auch  diesmal  Freiherrn 
von  Sterneck  zum  Flaggen-Capilän,  indem  er  auf  dem  Erzherzog  Ferdinand 
Max  als  Admiralsschiff  seine  Flagge  hisste. 

Sterneck  war  somit  berufen,  unter  unmittel  baier  Führung  Tegetthoffs  an 
allen  Operationen  der  k.  k.  Flotte  theilzunehmen  und  specieH  in  der  Schlacht 
hei  Lissa  am  20.  Julian  der  Spitze  der  Panzer-Division  mit  dem  Erzherzog 
Ferdinand  Max  als  Flaggen-Gapitän  Tegetthoffs  und  Gommandant  des  Admirals- 
schiffes zu  kämpfen.  Während  naturgemäß  Tegetthoffs  Blick  hauptsächlich  auf  die 
Überleitung  der  gesummten  Eseadre  und  daneben  auf  die  Führung  der  Panzer- 
Division  gerichtet  bleiben  rnusste,  war  es  Stenieck  als  Schiffs-Gornmandanten 
beschieden,  während  der  Melee  der  eigenen  mit  den  feindlichen  Panzerschiffen 
völlig  selbständig  eine  der  kühnsten  Waffenthalen  zu  vollbringen,  die  zur  sieg- 
reichen Entscheidung  der  denkwürdigen  Seeschlacht  wesentlich  beitragen  sollte.*) 

Um  der  Taktik  und  dem  Befehle  des  Escadre-Gommandanten:  „Panzer- 
schiffe den  Feind  anrennen  und  zum  Sinken  bringen "  Folge  zu  leisten,  legte 


*)  :riehe  vonnigeheuden  Lebenslauf  Tegel  tholTs. 


Digitized  by  Google 


Kitlu  ik  s  M.  T.  0.  Miuiiiiiliun  KieJui  r  \  on  SU-nietk. 


Steineck  im  Kampfe  nur  geringes  Gewicht,  auf  die  Wirkung  der  mangelhaften 
Artillerie  m  s  Schiffes,  welche  den  feindlichen  Panzern  zwar  Schaden  zufügen 
konnte,  aher  einen  grollen  Erfolg  nicht  erwarten  Hell.  Sterneck  richtete  vielmehr 
sein  Hauptaugenmerk  auf  das  Rammen,  um  durch  herechnele.s  Manövrieren  des 
i | im  anvertrauten  Schifte»  zu  erzielen,  was  durch  die  Artillerie  nicht  zu  erreichen 
war.  nämlich  das  feindliche.  Schiff  in  den  Grund  zu  hohren.  Dies  wurde  aher  durch 
eine  ganze  Reihe  höchst  einfiussreicher  Umstände  ungemein  erschwert.  Um  den 
eigenen  Rammstoß  in  seiner  vollen  Wucht  zur  Wirksamkeit  zubringen,  musste  das 
Schiff  möglichst  senkrecht  auf  die  feindliche  Schiffswand  auftreffen.  Eine  geringe 
Irrung  konnte  verhängnisvoll  werden  und  dem  Angreifer  das  Schicksal  bereiten, 
das  er  dein  Gegner  zugedacht,  nämlich  seihst  zum  Gerammten  zu  werden.  Der 
durch  den  Pulverrauch  gehemmte  Ausblick,  w  elcher  in  der  Melec  zeitweilig  Freund 
und  Feind  kaum  unterscheiden  ließ,  —  die;  Schnelligkeit  in  der  sich  die  gegen- 
seitigen Posit  rons  -  Änderungen  der  mit  voller  Dainpfkraft  arbeitenden  Schiffe 
vollzogen,  —  die  Möglichkeil,  infolge  des  Zusammenstoßes  selbst  eine  schwere,  da» 
eigene  Schill'  kampfunfähig  machend«'  Havarie  zu  erleiden,  —  endlich  die  große 
Gefahr,  unmittelbar  nach  geglücktem  Rammsloße  nahezu  hilflos  einem  feindlichen 
Rammbuge  preisgegeben  zu  sein,  da  das  eigene  Schiff  einige  Minuten  brauchte,  um 
wieder  manövrierfähig  zu  werden:  alle  diese  mit  dem  Manöver  des  Rammens 
mitten  in  der  Melec  verbundenen  Schwierigkeiten  und  Gefahren  waren  es,  mit 
denen  Sterneck  bei  seinem  Wagnis  unausgesetzt  und  genauestens  rechnen  musste. 

Er  hatte  seinen  Platz  auf  dem  Achtercastell  gewählt  und  manövrierte  den 
Ferdinand  Max  von  den  Kreuzwanten*)  aus  mit  sicherem  Bück  und  stählernen 
Nerven. 

Inmitten  heftigen  Kanonen-  und  Kleingewehrfeuers,  welches  der  Gegner  auf 
das  kaiserliche  Admiralsschiff  lichtete,  durchbrach  dasselbe  bei  Beginn  der 
Schlacht  die  feindliche  Linie  und  stürzte  sich  sodann,  den  Ours  verkehrend,  von 
neuem  auf  den  Feind. 

Sterneck  steuerte  sofort  gegen  ein  feindliches  Panzerschiff  und  es  gelang  ihm, 
dasselbe  vorn  zu  rammen,  jedoch  ohne  durchschlagenden  Erfolg,  da  der  Stoß  in 
schiefer  Richtung  erfolgt  war.  Jedenfalls  erlitt  es  Havarien,  die  durch  das 
wohlgezielte  Feuer  der  Batterien  noch  erhöht  wurden. 

Um  diese  Zeit  erfolgte  das  Signal  des  Admirals:  „I.  Division  die  Holzdivision 
unterstützen*,  welch'  letztere  sich  mit  heldeiimüthiger  Rravonr  auf  die  Oueue  der 
feindlichen  Panzerschiffe  geworfen  hatte,  wobei  sich  das  Linienschiff  hervorragend 
auszeichnete,  aber  auch  schwere  Havarien  erlitt. 

Bei  Ausführung  dieses  Signals  gelang  es  Sterneck.  ein  zweites  feindliches 
Panzerschiff  achter  an  Steuerbord  zu  rammen.  Durch  die  Wucht  des  Stoßes 
wurden  mehrere  Panzerplatten  des  feindlichen  Schiffes  abgerissen,  überdies  fügte 
ihm  auch  Sternecks  Batteriefeuer  schwere  Schäden  zu.  Des  Gegners  Kreuzmars- 
stange und  Besalmgaffel,  letztere  mit  einer  riesigen  Tricolore,  stürzten  auf  das 


')  Strickleitern,  welch«:  zum  Mastkorbe  führen. 


Digitized  by  Google 


MG 


ÜLX1V.  bi>  t.'LXVUl.  I'ruiiftioii.  —  Im  Kriege  vi  n  |!S<>»5.  -  Adrittlisches  Meer. 


Waden  astell  des  Ferdinand  Max.  Steuermann  Carcovich  machte  nach  einem 
vergeblichen  Versuche,  die  Leine  abzureißen,  die  Flagge  unter  heftigem  Klein- 
gewehrfeuer an  einer  Belegsklampe  fest,  und  dieselbe  blieb,  als  die  beiden  Schifte 
sich  trennten,  als  Trophäe  an  Bord  des  Ferdinand  Max  zurück.  *) 

Bei  der  Melee,  in  welcher  das  Oos  der  österreichischen  Panzerschiffe,  das 
Admiralsschiff  Ferdinand  Max  voran,  die  mittlere  Parteigruppe  des  Gegners 
bekämpfte,  war  hauptsächlich  die  öslerrcichischerseits  für  das  feindliche  Admirals- 
schiff gehaltene  Panzer-Fregatte  Be  d'Italia**)  das  Ziel  der  heftigsten  Angriffe. 
Es  war  vom  Ferdinand  Max  und  drei  anderen  kaiserlichen  Panzerschiffen  um- 
geben. Das  Panzerschiff  Palestro.  welches  dem  bedrängten  Be  d'Italia  zuhilfe  eilen 
wollte,  wurde  in  Brand  geschossen  und  flüchtete  aus  dem  Gedränge,  während 
sich  Sau  Martino  mit  Don  Juan  d'Austria  in  ziemlicher  Kntfernung  südwärts  schlug. 

Unterdessen  schien  dem  Be  d'Italia  das  Steuerruder  zerschossen  worden  zu 
sein,  denn  von  diesem  Augenblicke  lag  dieses  Schiff  isoliert  inmitten  mehrerer 
kaiserlichen  Panzerschiffe.  Die  Situation  des  Be  d'Italia  war  eine  bedenkliche, 
denn  seine  Bewegungen  waren  wegen  des  beschädigten  Steuerruders  auf  jene  nach 
vor-  und  rückwärts  beschränkt.  Das  Schiff  suchte  sich  zu  retten,  indem  es  volle 
Breitseiten  nach  rechts  und  links  abfeuerte  und  die  ganze  Equipage  auf  Deck 
berief,  um  eine  Enterung  abzuweisen.  Doch  es  war  bereits  dem  Untergang  geweiht. 

Mitten  unter  dem  Feuer  der  Schiffe  sah  Sterneck  von  der  halben  Höhe  der 
Besahnwanten  aus  plötzlich  die  mächtige  Panzer-Fregatte  Be  d'Italia  den  Curs 
des  Ferdinand  Max  kreuzen. 

.Steuerbord  an  Bord*  —  .Maschine  ganze  Kraft  vorwärts"  —  , Maschine 
hall*  —  so  folgten  rasch  hinter  einander  die  Cominandos Sternecks,  mittels  deren 
er  das  kaiserliche  Admiralsschiff  gegen  das  feindliche  Schiff  dirigierte. 

Mit  ganzer  Kraft  rannte  Ferdinand  Max  gegen  die  linke  Flanke  des 
Be  d'Italia.  Dieser  ließ  mit  aller  Anstrengung  nach  vorwärts  arbeiten,  um  womög- 
lich dem  Stoß  zu  entgehen  oder  ihn  abzuschwächen,  doch  da  verlegte  ihm  eine 
österreichische  Panzer-Fregalte  den  Weg:  er  ließ  nun  wieder  die  Maschine  mit 
voller  Kraft  nach  rückwärts  wirken.  Aber  in  dem  Augenblicke,  als  sich  die  beiden 
Bewegungen  paralysierten  und  das  Schiff  gewissermaßen  regungslos  dalag,  erhielt 


•  |  Kine  Anmerkung  aus  «Iimii  V.  Bande  de;-  Genei alslabswerkes  pag.  72,  sagt  diesbezüglich: 
.Da  n.icli  allen  italienischen  Berichten  keines  iler  aus  iler  Schlacht  zurückgekehrten  Schiffe, 
«Im  Hr  di  l'nrtogallo  ausgenommen,  welcher  vom  Kaiger  angerannt  wurde,  einen  Kaminstoß 
erhalten  hahen  will,  so  muss  wohl  angenommen  werden.  dass  die  heulen  gerammten  Schifte  der 
Ite  d'Italia  und  Palcstro  (von  denen  da*  erstere  während,  das  letalere  nach  der  Schlacht 
untergieinr)  gewesen  seien,  was  auch  der  Situation  hei  Beginn  der  Schlacht  entspricht.  Kür  die 
Annahme,  dass  Palotro  das  iweilgerammte  SehilT  sei,  spricht  auch  die  Angahe  des  Kanonen- 
bootes B.-ka.  welches  denselben  deutlich  brennen  und  ohne  Klagte  an  der  tJalTel  gesehen  hatte. 
--  llass  |{e  d'Italia  schon  anfangs  einen  Stoß  erhalten  habe,  dafür  sprechen  die  überein- 
stimmenden Aussagen  der  italienischen  Marine,  wornach  derselbe  als  vermeintliches  Haggenschiff 
v..ii  Anfang  her  das  Ziel  der  wüthendMen  Angriffe  gewesen  sei.* 

**)  Admiral  «iral  l'ersano  hatte  sich  bekanntlich  bei  Beginn  der  Seeschlacht  vom  Be 
d'Italia  auf  den  Afforidatore  «bei schifft. 


N, 


Digitized  by  Google 


Hill«  r  <kr  M.  T.  O.  Mntimiliun  Fivih-rr  v..n  Slenieck. 


■1:17 


es  den  verhängnisvollen  Stoß  in  die  Backbordseite,  etwas  achtel  seines  Fock- 
mastes, nah»?  an  der  Maschine,  senkrecht  auf  die  Bordwand. 

Unter  schwerein  Gekrach  bohrte  sich  der  scharfe  Rainmbug  des  Erzherzog 
Ferdinand  Max,  welcher  seine  gewaltige  Masse  von  51  HO  Tonnen  mit  einer 
Geschwindigkeit  von  II1/*  Knoten  bewegte,  in  die  Flanke  des  He  d'Italia,  alles 
zerschmetternd  —  Panzer  und  Fütterung,  Planken  und  Rippen  .  .  . 

Schon  war  aber  auch  wieder  das  Commando  Slernecks  ergangen:  „Ganze 
Kraft  zurück. " 

Der  Stoß,  welcher  in  den  unteren  Räumen  des  Ferdinand  Max,  wo 
niemand  darauf  vorbereitet  gewesen,  alles  zu  Boden  schleuderte,  war  kaum 
erfolgt,  als  die  Maschine  auf  ganze  Kraft  rückwärts  eingestellt  war.  Dadurch 
gelang  es.  den  Sporn,  welcher  l)1/*  Fuß  tief  eingedrungen  war,  zurückzuziehen 
und  den  Ferdinand  Max  aus  der  Flanke  des  tödlich  getroffenen  tiegners  zu 
befreien. 

Weiter  brechend,  knarrend  und  zertrümmernd  zog  sich  der  blankpolierte 
Rammbug  des  kaiserlichen  Admiralsschiffes  aus  der  feindlichen  Schiffswand, 
eine  weit  klaffende  Winnie  im  Umfange  von  l'.J7  Quadratfuß,  worunter  79  Quadrat- 
fuß unter  der  Wasserlinie,  in  dieser  zurücklassend. 

Während  der  Erzherzog  Ferdinand  Max  langsam  vom  Re  d'Italia  frei 
wurde,  neigte  sich  dieser  infolge  des  furchtbaren  Anpralles  zuerst  langsam  auf 
etwa  20  Grad  gegen  Steuerbord,  worauf  er  dann  plötzlich  nach  Backbord  über- 
rollte und  seine  klaffende  Wunde  in  die  rasch  hinein  sich  ergießende  Flut  tauchle. 
Binnen  weniger  denn  2'/,  Minuten  versank,  mit  dem  Vorschiff  voraus,  Re  d'Italia. 
der  Stolz  der  italienischen  Marine,  mit  Mann  und  Maus  in  den  Wogen,  unter  dem 
.Ilurrah!"  des  Ferdinand  Max  .  .  . 

Doch  war  es  selbst  für  den  Sieger  ein  furchtbar  großartiger  Anblick,  als  das 
ganze  Deck  des  feindlichen  Schiffes  sich  dicht  vor  seinen  Augen  aufrichtete,  die 
wackere  Bemannung,  welche  noch  in  diesem  Augenblicke  von  Deck  und  Marsen 
ihre  letzte  Salve  abgab,  allmählich  Boden  unter  sich  verlor,  Menschen  nach  Lee 
hinabglitten  und  endlich  das  schöne  Schiff  in  einen  Abgrund  von  200  Faden  Tiefe 
für  immer  verschwand. 

Während  des  Sinkens  sah  man  einige  Leute  nach  achter  eilen,  um  wie  es 
schien,  die  Flagge  an  der  Gaffel  zu  streichen,  doch  zwei  wackere  Officiere  wider- 
setzten sich  mit  Gewalt  diesem  Unternehmen  und  so  gieng  das  Schiff  mit  hoch- 
flatterudcr  Nationalflagge  in  sein  Grab. 

Es  war  1 1  Uhr  20  Minuten  vormittags.  37  Minuten  seit  dem  Beginne  des 
Kampfes. 

Lautlos  blickten  die  Sieger  auf  die  Stelle,  wo  kurz  zuvor  noch  ein  mächtiger 
Gegner  gestanden  und  wo  nunmehr  zahlreiche  Schiffbrüchige,  denen  es  gelungen 
war,  in  das  Wasser  zu  springen,  bevor  sie  von  dem  reißenden  Wirbel  ergriffen 
worden,  mit  dem  Tode  rangen. 

Bald  aber  erscholl  tausendstimmiges  Ilurrah!  von  den  übrigen  kaiser- 
lichen Schiffen,  welche  Zeugen  der  gewaltigen  Thal  ihres  Admiralsschiffes 


Dkjitized  by  Google 


138 


CLX1V.  bis  CLXVIU.  Promotion.      Im  Kriege  von  l.Hfifi.  —  Adriatisrhes  Meer. 


waren,  das  aus  diesem  Choe,  abgesehen  von  einer  Verletzung  des  Vordertheile?, 
unversehrt  hervorgieng.*) 

Unmittelbar  darauf,  als  über  persönlichen  Befehl  Tegetthoffs  eben  Vorberei- 
tungen  zur  Rettung  der  Schiffbrüchigen  getroffen  wurden,  schwebte  aber  Erz- 
herzog Ferdinand  Max  selbst  in  großer  Gefahr.  Es  erschien  plötzlich  von  ba<k- 
bord  gegen  achter  ein  feindliches  Panzerschiff,  wahrscheinlich  Ancona  von  «1er 
italienischen  Tete-Gruppe,  und  stürmte,  in  der  unverkennbaren  Absicht  zu  rammen, 
gegen  das  kaiserliche  Admiralsschiff. 

Sterneck.  rasch  gefasst,  wich  —  obwohl  das  Schiff  der  Maschine  und  dem 
Steuer  nur  langsam  gehorchte  —  durch  ein  brillantes  Manöver  dem  verderben- 
drohenden Stoße  aus.  Ferdinand  Max  glitt  so  dicht  an  dem  feindlichen  Schiffe 
vorbei,  dass  auf  erslerem  die  Bedienungsmannschaft  der  Backbord-Batterie  die 
Selzer  in  die  Geschützmündungen  nicht  einführen  konnte. 

Noch  einmal,  nämlich  nach  gänzlichem  Ahschluss  des  noch  einige  Zeit  fort- 
dauernden Kampfes  der  beiderseitigen  Panzerflotten,  als  sich  die  kaiserliche  Flotte 
über  Tegetthoffs  Befehl  sammelte,  um  wieder  Gefechtsformation  anzunehmen, 
nahm  Sterneck  die  Gelegenheit  wahr,  mit  dem  Ferdinand  Max  einzugreifen.  Der- 
selbe betheiligte  sich  gegen  1  Uhr  an  der  Jagd  mehrerer  österreichischen  Panzer- 
schiffe nach  dem  brennenden  Palestro.  welchem  es  zwar  gelang,  zu  entkommen, 
jedoch  nur.  um  später  (21/,  l'hr  nachmittags)  in  die  Luft  zu  gehen. 

Nachdem  die  Seeschlacht  ihren  völligen  Ahschluss  gefunden  hatte,  indem 
die  feindliche  Flotte  da  vondampfte,  lief  die  kaiserliche  Flotte  in  den  Hafen  von 
S.  Giorgio  der  Insel  Lissa  ein.  und  zwar  das  Admiralsschiff  mit  Tegetthoff  und 
Sterneck  kurz  vor  Sonnenunlergang  als  letztes  Schiff,  begrüßt  von  dem  begei- 
sterten Jubel  der  Besatzung  und  Bevölkerung. 

Linienschiffs-Capitän  Freiherr  von  Slerneck  hatte  durch  die  schweren 
Havarien,  welche  er  zwei  feindlichen  Panzerschiffen  zugefügt,  hauptsächlich  aber 
durch  die  Vernichtung  des  Re  d  ltalia  wesentlich  zum  Erfolge  des  Tages  bei- 
getragen. 

Um  die  verdienstvolle  Leistung  dieses  SchilTs-Commandanlen  nach  ihrem 
vollen  Weile  würdigen  zu  können,  muss  noch  hervorgehoben  werden,  dass  Seiner 
Majestät  Panzer-Fregatte  Erzherzog  Ferdinand  Max,  welche  5.1  HO  Tonnen- 
gehalt,  800  Pferdekräfle.  18  platte  Acht  iindvierzigpfündcr  und  489  Mann  Beman- 
nung hatte,  am  Tage  der  Schlacht  bei  Lissa  im  ganzen  nur  29  Ausrüslungs- 
lage  zählte.  Dagegen  war  die  Panzer-Fregatte  He  d'Italia  das  mächtigste  Schiff 
der  italienischen  Flotte  gewesen.  Sie  hatte  5.700  Tonnengehall,  800  Pferdekräfte, 
30  Geschütze,**)  mit  einer  Bemannung  von  (»00  Mann,  von  welchen  180  Manu 
geleitet  wurden. 

Uber  das  Manöver  des  Bammens  selbst  äußerte  sich  Tegetthoff:  „Die  den 
Panzerschiffen  angeordnete  Kampfweise:  „Anrennen  und  zum  Sinken  bringen»  — 

*)  Am  Vordersteven  war  eine  Platt»»  verbogen  worden. 
*V2  -20  tenlinietiige  Armstrong-.  30   lo  centiiiietrige  gezogene  Kanonen  und  1  glatte 
centinietrige  Kanonen. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  O  Maximiiiati  Freiherr  von  Sterneek. 


439 


vom  Commandanten  des  Flaggenschiffes  (Sterneck)  mit  hervorragendem  Geschick 
ausgeführt  —  wurde  auf  offener  See  zwischen,  unter  vollem  Dampf  fahrenden 
Schiffen  zum  erstenmal  mit  bestem  Erfolg  versucht  und  lieferte  den  Beweis,  dass 
ein  noch  so  mächtiges  Schiff  von  einem  weniger  großen  niedergerannt  werden 
kann,  was  bis  nun  von  vielen  Fachmännern  angezweifelt  ward." 

In  der  gcsammten  Flotte  herrschte  nur  eine  Stimme  der  Anerkennung  über 
die  Leistung  des  Ferdinand  Max. 

Die  an  Bord  des  Admiralsschiffes  eingeschifften  Officiere  stellten  aus  freien 
Stücken  schon  am  Tage  nach  der  Schlacht,  noch  zu  Lissa,  ihrem  Schiffsenmmau- 
danten  Linienschiffs-Capitän  Freihenn  von  Sterneck  ein  Tapferkeits-Zeugnis  über 
dessen  Waffenthat  aus. 

Vice-Admiral  von  Tegetthoff,  welcher  das  Verdienst  der  Waffenthal  aus- 
schließlich seinem  Flaggen-Capitän  Freiherrn  von  Sterneck  zusprach, 
charakterisierte  dieselbe  nachstehend: 

r Linienschiffs -Capitän  Baron  Sterneck  führte  mit  seinem  Schiffe  ein 
Manöver  aus  —  für  welches  zwar  von  allen  Seestaaten  in  neuester  Zeit  Schiffe  gebaut 
werden  —  welches  jedoch  zur  Stunde  —  auf  offener  See,  wo  Freund  und  Feind 
unter  voller  Dampfkraft  in  Fahrt  —  von  keiner  Marine  noch  ausgeführt  wurde." 

„Dass  Linieiischifrs-Capitän  Baron  Sterneck  -  unter  heftigem  Kanonenfeuer 
mit  bewunderungswürdiger  Kaltblütigkeit  und  Unersehroekenheit  sein  Schiff  führte 
—  bin  ich  so  glücklich  als  Augenzeuge  bestätigen  zu  können;  ihm  ist  hauptsächlich 
der  Krfolg  des  Tages  zuzuschreiben." 

Auf  Grund  dieser  in  der  Seeschlacht  bei  Lissa  am  20.  Juli  1866  vollbrach- 
ten Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens-Capitels  krall 
Promotion  CLXVl  vom  20.  August  1866  den  unmittelbar  nach  der  Schlacht  von 
Lissa,  am  22.  Juli,  mit  dem  Ritterkreuz  des  österreichischen  Leopold- 
Ordens  ausgezeichneten  Liniensehiffs-Capitän  Maximilian  Freiherrn  Daublebsky 
von  Sterneck  zu  Ehrenstein  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum 
Bitter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Nach  dem  Kriege  von  1866  wirkte  Sterneck  im  Geiste  Tegelthoffs  als 
Militär-Ilafen-Commandant  in  Pola  und  als  Leiter  sämmtiieher  Schul- 
schiffe, die  behufs  Ausbildung  von  Ofliciercn,  Unterofficieren  und  Mannschaften 
in  den  kriegsmaritimen  Disciplinen  theils  hiezu  neu  bestimmt,  theils  den  Ver- 
hältnissen entsprechend  umgestaltet  wurden.  Das  Käsern-,  das  Artillerie-  und  das 
Schiffsjungen-Schulschiff,  sowie  die  seegehenden  Matrosen-Schulschiffe,  auf  denen 
der  Nachwuchs  für  Steuer-Unlerofficiere  herangebildet  wurde,  das  reorganisierte 
Mulrosen-Corps:  dies  waren  Institutionen,  für  deren  Gedeihen  und  Emporblühen 
Sterneck  seine  vollen  Kräfte  einsetzte. 

Außer  zahlreichen  Instructionen  und  Vorschriften  für  Schulung  und 
Ausbildung  der  Mannschaften  am  Lande  und  an  Bord  der  Schulschiffe  kam  unter 
seiner  Leitung  auch  die  , Takelung  und  Ankerknnde*.  ein  Werk  von  beson- 
derer Gründlichkeit  und  Anschaulichkeit,  ferner  das  unter  seinem  Präsidium 


Digitized  by  Google 


440  C1.X1V.  bi»  HIAVIII.  Pron.r.ti..ii.       Im  Krir?   v.ii  In«;»',.       Adriatiarlie«  Meer. 


commissionell  ausgearbeitete  .Signalhuch  der  k.  k.  Kriegs-Marine-  zustande 
wodurch  wichtige  soetaktischo  Normen  codificiert  und  ein  rationelles  Signalisie- 
rungs-Svstom  eingeführt  wurde. 

Im  Jahre  1*72  führte  Slerneck.  einen  längeren  Erlaub  nehmend,  im  Vereine 
mit  dem  eifrigen  Förderer  der  Nordpol-Erforschung.  Hans  Grafen  Wilczek.  auf 
dessen  Yacht  Isbjörn,  deren  Kommando  St emeek  übernahm,  eine  Expedit  ion 
nach  den  Polar-Hegionen  durch,  um  für  die  unter  den  Hefehlen  des  Linien- 
>chitTs-Lieutenant.s  Weyprecht  unleniominene  Nordpol-Expedition  auf  Novaja- 
Semlja  ein  Lebensmittel-Depot  zu  errichten.  Nach  Durchführung  dieses  Unter- 
nehmens bewirkte  Sterneck  die  Heimreise  auf  der  Petschora  über  Russland. 

Nach  seiner  Hückkehr  wurde  Freiherr  von  Sterneck  am  Hl.  October  IH1-2 
zum  Contre-Admiral  befördert. 

Im  Jahre  1S715  wurden  sein«'  unablässigen  Bemühungen  um  das  Zustande- 
kommen eines  Marine-Casino  von  Krfolg  gekrönt.  Für  dasselbe  wurde  in  Pola 
ein  Prachtbau  hergestellt,  der  nicht  bloß  eine  Heimstätte  das  Seeoflieiers-<  lorps 
bildet,  sondern  auch  dem  Hauptkriegshafen  der  Monarchie  zur  Zierde  gereicht. 

Am  Iii.  December  1*7:5  wurde  Slerneck  zum  Escadro-Gommandantcn 
ernannt.  Gleichzeitig  geruhte  Seim*  Majestät  der  Kaiser  ihn  in  Anerkennung 
seiner  als  Militär-Hafcii-Gommandant  geleisteten  vorzüglichen  Dienste  durch  den 
Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  auszuzeichnen. 

Gleich  nach  Übernahme  des  Esradre-Commandos  wurde  Sterneck  nach  den 
spanischen  Gewässern  eidsendet,  um  angesichts  der  dort  herrschenden  Wirren 
die  Interessen  der  österreichisch-ungarischen  Fnterthanen  wahrzunehmen  und  zu 
vertreten. 

Nach  sechsmouatlic heiti  Aufenthalte  von  dort  mit  den  ihm  unterstellten 
Schiffen  in  die  heimischen  Gewässer  zurückberufen,  erhielt  er  den  Auftrag,  die 
unter  seinem  Votsitze  ausgearbeitete  Seetaktik  nunmehr  praktisch  zu  erproben 
und  eventuelle  Änderungen  oder  Zusätze  in  Antrag  zu  bringen.  Nach  mehrmonat- 
licher einschlägiger  Thätigkeit  konnte  Slerneck  das  Signal  buch  als  erprobt  zur 
Einführung  befürworten  und  galt  dasselbe  seitdem  als  ein  allen  Anforderungen  des 
Dienstes  entsprechendes  Dienstbuch,  welches  das  Verhalten  der  Schiffe  im 
taktischen  Verbände  regelte  und  deren  Manövrier-Begleinent  «Mithielt. 

Nachdem  die  Escadre  noch  eine  längere  Campagne  im  Orient  durchgemacht 
hatte,  wurde  Slerneek  am  December  IS7">  vom  Escadre-I lommando  enthoben 
und  ihm  hiebei  im  Namen  des  Allerhöchsten  Dienstes  die  vollste  Anerkennung 
ausgesprochen.  Gleichzeitig  ward  Sterneck  zum  Gommandanttwi  des  See- 
Arsenals  in  l'ola  ernannt. 

Nach  achtjährigem,  ebenso  verdienstvollen  als  ersprießlichen  Wirkon  auf 
diesem  Dieiislesposten  wurde  Sterneck  mit  Allerhöchster  Entschließung  vom 
17.  November  1S8:J  zum  Vice-Admiral  befördert,  zum  Chef  der  Marine- 
Section  des  Deich-Kriegsministeriums  und  Marine-C»)mmandanten 
ernannt. 


Digitized  by  Google 


Hilter  .Je«  St.  T.-O.  Maximilian  Freiherr  von  Slerneck. 


Ul 


Fntcr  den  kriegsmuritimen  Fragen,  welche  einer  endgilligen  Losung  bedurften, 
nahm  zu  j«;iior  Zeit  die  Fmgestaltung  und  der  Aushau  des  schwimmenden 
Floltenniateriales  den  ersten  Hang  «'in.  Die  rasche  Entwicklung  der  unter- 
seeischen Wallen  und  des  Torpedowesens  waren  hiehei  von  maßgebender  Bedeu- 
tung, denn  eine  weitgehende  Verwendung  derselben  bot  das  Mittel,  die  beimischen 
Küsten  selbst  gegen  einen  überlegenen  Gegner  erfolgreich  vertbeidigen,  überdies 
im  gegebenen  Momente  zur  Offensive  übergehen  zu  können.  Haid  nach  Übernahme 
der  Geschäfte  unterbreitete  Steineck  Seiner  Majestät  dem  K aiser  diesbezüglich 
ein  Programm,  das  die  Allerhöchste  Genehmigung  fand. 

Hiernach  wurde  die  heimische  Küste  in  einzelne  Vertheidigungsbezirke  ein- 
getheilt  und  für  jeden  derselben  eine  eigene  Torpedo-Flotille  gebaut.  Diese 
Torpedo-Flohllen  wurden,  um  ein  einheitliches  taktisches  Ganze  zu  bilden, 
aber  doch  auch  selbständig  aul  treten  zu  können,  aus  Fahrzeugen  verschiedener 
Gattung,  nämlich  Torpedobooten,  Vedetleschiffen,  Torpedokreuzern,  Torpedo- 
Hanimkreuzern  und  endlich  Torpedo-Depötschiff'cn  gebildet. 

Die  eigentliche  Schlachlflolte,  als  unerlässliche  schwimmende  und  jedei7.eit 
mobile  Operationsbasis  der  Torpedoflotillen,  wurde  ungeschmälert  erhalten,  dabei 
die  veralteten,  den  Anforderungen  der  modernen  Seekriegführung  nicht  mehr  ent- 
sprechenden schweren  Schlachtschiffe  durch  Neubauten  ersetzt. 

Aus  handelspolitischen  Hücksichten  endlich  wurdet»  auch  leichte  Cor- 
vetten  für  Fahrten  in  ferne  Meere  gebaut,  mit  der  gleichzeitigen  Bestimmung, 
als  Pflanzstätten  seemänischer  Tüchtigkeit  für  Officierc  und  Mannschaften  zu  dienen. 

Schließlich  traf  Sterneck  auch  Vorsorge  für  die  Vertheidigung  der  Donau 
durch  eine  eidsprechende  Flotille. 

Mit  verhältnismäßig  bescheidenen  Mitteln  führte  er  im  Laufe  der  Jjdue  in 
dieser  Weise  die  den  technischen  Fortschritten  entsprechende  Neugestaltung 
der  k.  k.  Flotte  durch. 

Dabei  brachte  Sterneck  den  Grundsatz  zur  Geltung,  dass  die  militärische 
um!  taktische  Verwendung  der  Schiffe  in  größerer  Anzahl,  ähnlich  den  Truppen- 
Gonceiitrieruiigen  am  Lande,  alljährlich  durch  Flotten-Manöver,  in  der  durch- 
schnittlichen Dauer  von  (1  bis  8  Wochen,  praktisch  geübt  wurde.  In  der  übrigen 
Zeit  aber  wurde,  außer  der  Schulung  auf  den  Schulschiffen,  die  seemännische  Aus- 
bildung auf  den  zu  Segelkreuzungen  bestimmten  Fahrzeugen  und  auf  Sc  hiffen  in 
transoceaiiischen  Missionen  betrieben. 

Zu  ersterem  Zwec  ke-  fand  die  alljährliche  Indienststellung  der  Übungs- 
Kscadren  aus  schweren  Sc  hlachtschiffen.  Torpedo-Fahrzeugen  und  Booten,  —  zu 
letzterem  die  Ausrüstung  von  Fregatten,  Corvetten  und  Kanonenbooten  statt, 
deren  einige  zu  einer  Sc  hiff'sdivision  vereinigt,  meist  in  den  heimisc  hen  Gewässern 
kreuzten,  während  andere-  vier,  fünf  bis  sec  hs  Fahrzeuge  alljährlic  h  in  ferne  Meere 
entsende!  wurden. 

Sterneck  übernahm  selbst  alljährlich  bei  der  Somnier-Pbungs-Escadre  die 
Leitung  der  Manöver  und  Finnigen,  welche  auf  Grundlage  des  von  ihm  entwor- 
fenen Programms  kriegsmäßig  durchgeführl  wurden. 


Digitized  by  Google 


44;»  (XXIV.  t,U  CLXVHf.  Pmm.ili..n.       Im  Kricfto  von  1  «r,f,    -  .\driati*<-li<~  Meer 


Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  wiederholt  den  Manövern  der  MtHL'S- 
Escadres  beizuwohnen  und  über  den  Verlauf  derselben  die  Allerhöchste  Zu- 
friedenheit auszusprechen,  beziehungsweise  im  Flotten-Befehle  zum  Aus- 
drucke zu  bringen. 

Über  die  durchgeführten  überseeischen  Reisen  wurden  Beschrei- 
bungen herausgegeben  und  die  mitgebrachten  Sammlungen  maritimer,  ethno- 
graphischer, natur-und  culturhistorischer  Gegenstände  theils  den  k.  k.  Hofmuseen, 
theils  dem  Marine-Museum  in  Pola  übergeben,  welch*  letzteres  Sterneck  auf 
diese  Weise  zur  vollen  Kntfaltung  brachte. 

Die  unter  Sternecks  Leitung,  zumeist  durch  seine  Initiative,  entstandenen 
Reglements,  Statute,  Vorschriften  und  Instmetionen  bilden  eine  stattliche  Samm- 
lung. Aus  der  Reihe  seiner  mannigfachen  Neuschöpfungen  in  verhältnismäßig 
kurzem  Zeiträume  ist  die  Errichtung  der  Operations-Kanzlei,  des  marine- 
technischen Gomites  und  des  Marine-Central-Archivs.  sowie  die  Aus- 
schreibung von  Preisaufgaben  zur  Lösung  wichtiger  kriegsmaritimen  Fragen 
hervorzuheben. 

Auf  humanitärem  Gebiete  baute  Sterneck  aus,  was  er  in  seinem  früheren 
Wirkungskreise  als  Militär-Hafen-  und  See-Arsenals-Gommandant  begonnen.  Der 
von  ihm  geschaffene  Marine-Kindergarten,  in  welchem  die  Kinder  eingeschiffter 
Unterofliciere  und  Arsenalsarbeiter  tagsüber  untergebracht  werden,  während  die 
Väter  dem  Dienste  obliegen  und  die  Mütter  einem  Nebenerweib  nachgehen,  erhielt, 
nachdem  diese  Institution  lange  mit  misslichen  finanziellen  Verhältnissen  zu  kämpfen 
gehabt,  eine  deren  Bestand  und  Gedeihen  für  die  Zukunft  sicherstellende  Grund- 
lage. Die  trefflich  geleiteten  Marine- Volksschulen  wurden  erweitert,  ferner 
über  Anregung  Sternecks  das  Staatsgymnasium  von  Pisino  nach  Pola  verlegt.  An 
die  über  seine  Initiative  erbauten  Wohnhäuser  für  verheiratete  Unterofficiere 
reihte  sich  bald  auch  ein  Complex  von  Arbeiterhäusern.  die  den  Arbeitern  des 
Seearsenals  eine  gesunde  und  billige  Unterkunft  bieten. 

Am  10.  Juli  18*1  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  dem  Vice-Admiral  Frh. 
vnii  Sterneck  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  zu  verleihen. 

Zufolge  Allerhöchster  Entschließung  vom  0.  .luli  1SK7  wurde  er  in  Aner- 
kennung der  in  seiner  Verwendung  als  MarineComniandant  und  Chef  der  Marine- 
Section  des  Reichs-Krieg-ministeriums  geleisteten  vorzüglichen  Dienste  mit  dem 
<h  <|en  der  Eisernen  Krone  I.  dasse  ausgezeichnet. 

Im  Jahre  ISSN  überbrachte  Vice-Admiral  Freiherr  von  Sterneck  als  außer- 
ordentlicher Gesandter  Seiner  Majestät  des  Kaisers,  in  besonderer  Mission 
nach  Alben.  Seiner  Majestät  dem  König  Georg  von  Griechenland  die  Glück- 
wünsche zu  dessen  fünfundzwanzigjährigem  Kegierungs-Jubiläutn. 

Während  dieser  Mission  wurde  Freiherr  von  Sterneck  mittels  Allerhöchster 
Entschließung  vom  •>:>.  < Mober  1 SSS  zum  Admiral  befördert. 


Digitized  by  Google 


OLXIX.  Promotion.  4  V3 

Ritter  des  M.  T.  0.  Seine  Majestät  Kaiser  Alexander  II.  von  Fus>-]:ind. 


CLXIX.  Promotion. 

Soitio  Majestät  Kaiser  Alexander  II.  von  R  nssland  hatte  als  Czesarewitsch, 
(«roßfürst  und  Thronfolger  während  der  Kämpfe  im  Kaukasus  im  Jahre  1850 
hervorragende  persönliche  Tapferkeit  bewiesen  und  war  aus  diesem  Anlasse  mit 
dem  russischen  Sanct  Georgs-Kreuze  IV.  Classe  ausgezeichnet  worden. 

Zur  Zeit,  da  Kaiser  Alexander  das  fünfundzwanzigjährige  Jubiläum  als 
Ritter  des  St.  (ieorgs-Ordens  begieng,  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  nachfolgendes  Allerhöchste  Handschreiben  an  den  Kanzler  des  Maria 
Theresien-Ordens  zu  erlassen. 

.Lieber  Graf  Beust!  Ich  verleihe  Seiner  Majestät  Alexander  II.,  Kaiser 
von  Russland,  in  Erinnerung  an  Allerhöehstdessen  vor  25  Jahren  für  eine 
Waffenthat  im  Kaukasus  erfolgte  Auszeichnung  mit  dem  St.  Georgs-Orden, 
das  Ritterkreuz  Meines  Militärischen  Maria  Theresien-Ordens. 

Gödöllö,  am  8.  December  1875. 

Franz  Joseph  ni.  p." 

Kaiser  Alexander  II.  war  schon  als  Czesarewitsch,  Großfürst  und  Thron- 
folger von  1839  bis  1849  Oberst- Inhaber  des  k.  k.  4.  Husaren-Regiments,  seit 
1849  des  k.  k.  7.  Chevaux-Iegers-,  nachmaligen  k.  k.  11.  Uhlanen-Regiments,  dessen 
Oberst-Inhaber  Er  auch  nach  Seiner  Thronbesteigung  im  Jahre  1855  verblieb. 
Sonstiges  Leben  und  Wirken  Dieses  erlauchten  Ordens-Rittera  gehört  der  all- 
gemeinen Weltgeschichte  an.  Hier  erübrigt  nur  zu  verzeichnen,  dass  Kaiser 
Alexander  II.  von  Russland  Sein  Leben  am  VA.  März  1881  in  St.  Petersburg 
auf  erschütternde  Weise  besehloss.  Bei  diesem  Anlasse  geruhte  Seine  Majestät 
Kaiser  Franz  Joseph  1.  das  nachstehende  Allerhöchste  Befehlschreiben  zu 
erlassen: 

„Um  die  innige  persönliche  Freundschaft,  welche  zwischen  Mir  und  Seiner 
Majestät  Weiland  Kaiser  Alexander  11.  von  Russland  bestanden  und  ebenso  das 
besondere  Wohlwollen,  welches  der  höchstselige  Kaiser  Meiner  Armee;  jeder- 
zeit bewiesen,  bei  dieser  in  unvergänglicher,  ehrender  Erinnerung  zu  erhalten, 
befehle  Ich.  dass  das  Uhlanen-Rcgimcnt.  Nr.  11  den  Namen  des  erlauchten 
Inhabers,  Weiland  Seiner  Majestät  des  Kaisers  Alexander  II.  von  Russland  für 
immerwährende  Zeiten  beizubehalten  habe. 

Zum  Oherst  -  Inhaber  dieses  Uhlanen-Regiments  ernenne  Ich  Seine 
Majestät  Alexander  III..  Kaiser  von  Russland. 

Das  Infanterie-Regiment  Alexander  Czesarewitsch,  Großfürst  und  Thron- 
folger von  Russland  Nr.  Ol  hat  fortan  den  Namen  Alexander  HL,  Kaiser  von 
Russland  zu  führen. 

Wien,  am  20.  März  1881. 

Franz  Joseph  in.  p." 


Digitized  by  Google 


444 


i:l,XX.  Promotion.  -  Insiirrections  Kanipfe  IS«'.»  und  IH'*>. 


CLXX.  Promotion. 

Bei  Bekämpfung  des  Aufstandes  in  Süd-Dalmatien  1869  und  bei 
der  Occupation  Bosniens  und  der  Hercegovina  1878. 

Nach  dem  gewaltigen  Doppelkriege  im  Jahre  1 800  hatte  die  Monarchie  in 
den  nächsten  Jahren  nur  verhältnismäßig  kleinere  Kämpfe  zu  fahren.  Dieselben 
wurden  durch  Niederwerfung  eines  Aufstandes  in  Sad-Dalmat ien  im  Jahre 
1 800  und  durch  Bekämpfung  des  Widerstandes  gegen  die  Occupation  von 
Bosnien  und  der  Hercegovina  1878  herbeigefahrt.  Doch  galt  es  auch  in  diesen 
Kämpfen  für  die  betreffenden  Theile  der  k.  k.  Armee  gegenüber  dem  kriegerischen 
Charakter  der  barbarischen  und  fanatischen  Gegner,  sowie  infolge  außerordent- 
licher Terrain-Schwierigkeiten  und  abnorm  ungünstiger  Witterungs- Verhältnisse 
die  höchsten  militärischen  Leistungen  zu  vollbringen.  Aus  diesen  Kämpfen  wuchsen 
dem  Maria  Theresien-Orden  1  Oomman deur  und  4  Bitter  zu. 


Bei  Bekämpfung  des  Aufstandes  in  Süd-Dalmatien  im  Jahre  1869. 

Im  Herbst  des  Jahres  1801)  waren  k.  k.  Truppen  zur  Bekämpfung  eines 
Aulstandes  in  den  Bocche  di  Cattaro  berufen.  Die  Bewohner  dieses  Gebietes 
weigerten  sich,  den  Landwehrdienst  zu  leisten,  zu  welchem  allein  sie  in  besonderer 
Berücksichtigung  der  Verhältnisse  dieses  Gebietes  herangezogen  werden  sollten, 
während  die  gesummte  übrige  Bevölkerung  der  Monarchie  die  nach  dem  Kriege  von 
1800  eingeführte  allgemeine  Wehrpflicht  vollständig  zu  erfüllen  hatte. 

Nachdem  die  Renitenten  den  behufs  Durchführung  des  Landwehrgeselzes 
seitens  der  k.  k.  Behörden  im  Monate  September  getroffenen  Conscriptions-Maß- 
nalunen  offene  Auflehnung  entgegengesetzt  hatten,  wurden  am  7.  October  die 
Feindseligkeiten  durch  den  Zusammenstoß  einer  von  Risano  nach  Dragalj 
abgesendeten  Verstärkung  mit  bewaffneten  Aufständischen  bei  Ledenice  inferiore 
eröffnet.  Im  Verlaufe  des  October  und  November  wurden  von  Insurgenten  anderer 
(Jebiete  die  Forts  Kozniac,  Stanjevie.  Gorazda  nebst  anderen  befestigten 
Objerlen  angegriffen.  Es  war  offenbar,  dass  man  es  mit  einem  organisierten  Auf- 
stande zu  thun  hatte. 

Nach  Verstärkung  der  schwachen  Besalzungstruppcn  in  den  Bocche  di 
Gattaro  wurden  vom  IV).  October  bis  -2'.\.  November  mehrere  Expeditionen  in 
die  Krivosije,  in  die  Zupa,  sowie  gegen  Braic  unternommen,  theils  um  die  ein- 


Digitized  by  Google 


Hiller  de*  M.  T  -0.  Heinmli  Fteilien  vuii  l'iltrl. 


gesc  hlossencn  Forts  zu  verproviantieren.  theil>  um  die  bewaffneten  Randen  zu 
sprengen  und  den  Aufstand  überhaupt  niederzuwerfen.  Dazwischen  hatten  die 
geringen  Besatzungen  verschiedener  befestigten  Punkte  überlegene  Angriffe  der 
Insurgenten,  zum  Theil  durch  rasch  eingreifende  Truppen  unterstützt,  zurück- 
zuweisen, anderseits  mehr  oder  minder  große  Truppen-Abtheilungen  die  Auf- 
ständischen bis  in  ihre  fast  unzugänglichen  Schlupfwinkel  zu  verfolgen  oder 
dieselben  aus  nahezu  unangreifbaren  Stellungen  im  Gebirge  zu  vertreiben. 

Den  Hauptkampf  sollten  jedoch  die  k.  k.  Truppen  nicht  gegen  die  Insur- 
genten führen,  sondern  gegen  außerordentliche  Schwierigkeiten  des  Terrains 
im  Karstgebirge,  gegen  elementare  Unbilden  der  während  des  Herbstes  in  jenen 
Gegenden  vorwaltenden  Regenzeit  und  orcanartigen  Bora-  oder  Siroe<  o-Stürmc, 
endlich  gegen  unsägliche  Entbehrungen  und  andere  zahlreiche  Frictionen,  wie  sie 
der  unter  solchen  Verhältnissen  gegen  einen  ebenso  kriegerischen  als  harbarischen 
Gegner  zu  führende  Gebirgs-Krieg  mit  sich  brachte. 

In  dem  Gefechte  bei  S.  Trinitä  und  Gorazda  am  23.  Oclobcr  erstand 
dem  Maria  Theresien-Orden  1  Ritter. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Heinrich  Freiherr  yoii  r Ittel. 

(Mit  Bildnis  aus  dorn  Jahre  1870.) 

Freiherr  von  Pittel  wurde  als  Sohn  des  k.  k.  Hauptmannes  und  Maria 
Theresien-Ordens -Ritters  Christoph  Freiherrn  von  Pittel  in  der  damaligen 
deutschen  Rundesfestung  Mainz,  wo  der  letztere  in  Garnison  stand,  am  Iii.  Fe- 
bruar 1833  geboren.  Gleich  dem  Vater  widmete  sich  auch  der  Sohn  dem  mili- 
tärischen Bernte,  und  zwar  bei  der  Genie- Waffe.  Frh.  von  Pittel  trat  seine  Militär- 
Laufbahn  am  1.  August  1851  beim  Stande  der  k.  k.  Genie-Akademie  als  Armee- 
Lieutenant  au.  Am  10.  Februar  1852  wurde  er  als  Lieutenant  II.  Glasse  zum 
18.  Feldjäger-Bataillon  finget  heilt  und  in  demselben  zeitweilig  als  Pionnier- 
Abtheilungs-Commandant  verwendet.  Am  IG.  April  1851-  erfolgte,  bei  gleichzeitiger 
Trausferiemng  zu  dem  5.  Uhlanen-Reginient,  seine  Beförderung  zum  Lieutenant 
I.  ('.lasse,  sodann  in  demselben  Regiment  am  13.  September  1854  zum  Ober- 
lieutenant. Während  seiner  Dienstleistung  bei  der  (Kavallerie  als  Divisions- 
Adjutant  verwendet,  wurde  er  am  10.  August  1858  zum  Hauptmann  II.  Classe 
befördert  und  am  31.  desselben  Monats  zum  39.  Infanterie-Regimente  transferiert, 
in  welchem  am  21.  April  1859  seine  Reförderung  zum  Hauptmann  I.  Classe 
erfolgte. 

Den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
machte  Hauptmann  Frh.  von  Pittel  als  Compagnie-Commandant  mit.  und  zwar 
das  Treffen  bei  Montebello  am  20.  Mai.  das  Gefecht  bei  Melegnano  am  S.Juni 
und  die  Schlacht  bei  Solferino  am  21.  Juni,  ohne  dass  es  ihm  jedoch  vergönnt 
war,  unmittelbar  an  den  Feind  zu  kommen. 


Digitized  by  Google 


HC,       CLXX.  rr.jiiit.tiuii.  -  IiisuireLÜ.nis  Käiui.ff  1K(VJ  uiul  IS7S.       Sü.l  Llahiuilu-ii  iSG'.t. 

Im  Kriegt;  gegen  Freußen  und  Italien  im  Jahre  1806  machte  erden 
Feldzug  in  Ilalien  mit,  und  zwar  kämpfte  er  wieder  als  Compagnie-Commandant  in 
der  Schlacht  bei  Cuslozza  am  24.  Juni.  Bei  dem  Angriff  auf  den  Monte  Croce 
seiner  Schützenkette  voraneilend,  wurde  er  im  Xahkampfe  seiner  Cumpagnie  mit 
pieinoiitesisrhen  Grenadieren  durrh  einen  feindlichen  Bnjonnetlstich  in  den  Hat-, 
verwundet.  Für  .seine  Leistungen  in  diesem  Feldzuge  wurde  dem  Hauptmann 
Feh.  von  Fittel  die  Allerhöchste  Belobung  zutheil. 

Am  23.  April  1801),  bei  gleichzeitiger  Transferierung  zum  52.  Infanterie- 
Regiment,  zum  Majoren  befördert,  machte  er  in  demselben  Jahre  die  Operationen 
behufs  Bekämpfung  des  Aufstandes  in  Süd-Dalmatien  mit. 

Zunächst  betheiligte  er  sich  an  der  ersten  Expedition  in  die  Krivosije  am 
F.).  und  20.  October,  dabei  an  letzterem  Tage  an  dem  Geplänkel  bei  Napoda. 

Am  23.  October  gegen  Mittag  griffen  mehrere  Hundert  Insurgenten  aus  der 
Zupa  das  etwa  eine  Marschstunde  südlich  von  Cattaro  an  der  Straße  nach  Budua 
liegende  Blockhaus  Trinita,  sowie  das  noch  weiter  südlich  auf  der  Höhe  von 
Gorazda  liegende  gleichnamige  Fort  an.  Die  Insurgenten  hatten  es  insbesondere 
auf  das  letztere  Werk  abgesehen,  weil  in  demselben  eine  bedeutende  Menge  von 
Miliz-Fatronen  aufbewahrt  wurde  und  es  dank  seiner  überdies  durch  die  nahe 
montenegrinische  Grenze  im  Rücken  gedeckten  Lage  die  Verbindungen  Catlaros 
mit  der  Zupa  beherrschte.  Das  Fort  war  mit  3  Geschützen  armiert  und  von 
1  Offieier  mit  21  Infanteristen  und  0  Artilleristen  besetzt.  Die  Besatzung- leistete 
den  Insurgenten  tapferste  Gegenwehr,  doch  hätte  sie  das  Werk  gegen  eine  so  große 
Überzahl  von  Angreifern  nicht  lange  halten  können. 

Bald  nach  Beginn  des  Kampfes  waren  die  Garnison  von  Cattaro  und  die  in 
den  nächstliegenden  Orten  dislocierten  Truppen  alarmiert  worden.  Zunächst 
wurde  das  in  der  Garnison  von  Cattaro  Bereitschaft  haltende  1.  Bataillon  des 
Infanterie-Regiments  Fr/herzog  Franz  Carl  unter  Major  Frh.  von  Fittel  mit 
3  Gebügs -Geschützen  zur  Unterstützung  der  beiden  angegriffenen  Werke 
entsendet. 

Major  Frh.  von  Fittel  rückte  mit  Beschleunigung  auf  der  Straße  gegen  Trinitä 
vor.  Hinter  Skaljari  sendete  er  rechts  (westlich)  auf  einem  kürzeren  Seiten-  i^dem 
sogenannten  Fandnren-)  Wege  eine  Compagnie  gegen  Trinitä  voraus,  währen»! 
er  eine  Halbcompagnie  links  (östlich)  der  Straße,  welche  sich  in  Serpentinen 
hinanwand,  durch  das  Terrain  direct  gegen  Gorazda  vorrücken  ließ. 

Die  gegen  Trinit  ä  \orgescndele  Compagnie  trieb  die  das  Blockhaus  angrei- 
fenden Insurgenten  zurück,  so  dass  die  Haupt-Colonne  ohne  weiteres  Gefecht  bis 
zu  diesem  Werke  vormarschieren  konnte. 

Von  S.  Trinitä  nahm  man  wahr,  dass  die  Insurgenten  beiderseits  der 
Buduarier  Straße  und  westwärts  so  nahestanden,  dass  ihr  Feuer  nicht  mir  die 
Entwicklung  der  Haupt-Colonne  gefährdete,  sondern  auch  den  Aufgang  auf  den 
Serpentinen  nach  Gorazda  bestrich.  Letzterer  Umstand  erforderte  besondere 
Beachtung,  da  bei  Gorazda  das  Feuer  immer  heftiger  und  aus  diesem  Grunde 
die  rasch«»  Gewinnung  der  Höhe  immer  dringender  wurde. 


Digitized  by  Google 


•  Ii  in,. 


Digitized  by  Google 


GORAZDA  BEI  CATTAHCU3.  OCTORKH  1869 

IVuckvY  Kirql 


Digitized  by  Google 


Hitk-i  iL-.-  M.  T.-ü.  Heinrich  »'reiln-n  vuii  I'ittel. 


117 


Major  Frh.  von  Pittel  beließ  die  schon  früher  gegen  Trinitä  vorausgeseiidele 
Compagnie,  sowie  dir  3  Gebirgs-Gcsehülze  als  seinen  rechten  Findel  Ihm  diesem 
Werke,  und  zwar  niil  der  Weisung,  das  Terrain  in  .seiner  rechten  Flanke  von  Insur- 
genten zu  säubern,  zugleich  seine  Vorrückung  gegen  Gorazda  zu  unlerstülzen, 
jedoch  erst  dann  selbst  nachzurücken,  bis  diese  Kräfte  bei  Trinitä  entbehrlich 
würden.  Gleichzeitig  verstärkte  Major  Frh.  von  Pittel  die  früher  gegen  Gorazda 
direcl  vorgesendete  Halbcompagnie.  welche  bereits  in  den  Kampf  verwickelt  war, 
auf  eine  ganze  Compagnie,  und  wies  dieselbe  an,  als  vorgeschobener  linker  Flügel 
gerade  auf  das  Fort  Gorazda  loszugehen. 

Während  die  beiden  Flügel  diese  Dispositionen  ausführten,  passierte  die 
Haupt-Colonne  unter  Major  Frh.  von  I'ittel  im  Lauftritt  die  von  den  Insurgenten 
bestrichene  Buduaner  Straße  bei  Trinitä  und  stieg  rasch  die  .Serpentinen  gegen 
Gorazda  hinan.  Bei  dieser  Vorrückung,  auf  der  halben  Höhe  des  Hanges,  wurde 
die  Haupt-Colonne  trotz  des  bei  Trinitä  belassenen  Rückhaltes,  in  der  rechten 
Flanke  angegriffen  und  musste  Major  Piltel  eine  weitere  Compagnie  nach 
rechts  detachieren.  Dafür  traf  er  etwa  200  Schritte  nördlich  des  Forts  Gorazda 
mit  der  früher  links  vorgeschobenen  Compagnie  zusammen,  so  dass  er  trotz  der 
Detaehienmgen  mit  2  Compagnien  unmittelbar  in  den  Kampf  des  Forts  Gorazda 
gegen  die  dasselbe  heftig  bedrängenden  Insurgenten  eingreifen  konnte. 

Bei  diesem  Kampfe  wurde  der  Gegner  durch  einen  besonderen  Umstand 
wesentlich  begünstigt.  Dem  Fort  war  auf  150  Schritte  südwärts  ein  aus  einer 
vier  Schuh  hohen  Mauer  bestehendes  Sehützen-Emplacement  vorgelegt, 
welches  wegen  der  geringen  Stärke  der  Besatzung  nicht  hatte  besetzt  werden 
können.  Infolge  dessen  kam  dieses  Emplacement  den  Insurgenten  zu  statten 
indem  es  denselben  eine  treffliche  Stellung  bot.  von  welcher  aus  sie,  selbst  bestens 
gedeckt,  ihr  Feuer  gegen  die  Verlheidiger  des  Forts  unterhalten  konnten. 

Nur  durch  Vertreibung  des  Feindes  von  jener  Mauer  konnte  das  Fort  gerettet 
weiden,  dessen  tapfere  Besatzung  bereits  nahezu  drei  Stunden  im  Kampfe  stand, 
sich  infolge  dessen  halb  verschossen  hatte,  demnach  kaum  lang«:  mehr  das  Werk 
zu  halten  vermochte,  umsomehr  als  sic  h  alle  von  Trinitä  und  vom  Westhange 
der  Gorazda-Ilöhc  verdrängten  Insurgenten  allmählich  hinter  der  Mauer  sammelten, 
so  dass  sie  einige  Hundert  Mann  stark  waren. 

Major  Frh.  von  Pittel  entwickelte  nach  und  nach  von  den  nächst  des  Forts 
befindlichen  2  Compagnien  7  Züge  in  eine  dichte  Schwarmlinie,  welche  sah  bis 
auf  circa  50  Schritte  an  die  von  den  Insurgenten  besetzte  Mauer  hinansehoss. 
Während  dem  langten  von  Trinitä  2  dei  Gcbirgs-Geschütze  auf  der  Höhe  von 
Gorazda  an  und  auch  diese  setzten  sich  ins  Feuer.  Bald  jedoch  hatten  dieselben 
den  von  dem  Kampfe  bei  Trinitä  erübrigten  Rest  ihrer  Munition  verfeuert. 
Infolge  dessen  wurde  die  Haltung  der  Insurgenten  immer  zuversichtlicher,  ihr 
Feuer  —  besonders  gegen  Punkte,  wo  Officiere  sichtbar  waren  —  immer  inten- 
siver und  nach  mehrfachen  Anzeichen  bereitete  sich  der  Gegner  sogar  zu  einem 
Offensivstoß  vor.  Hievon  hielt  Major  Frh.  von  Pittel  durch  „Bajonnetlpflanzen"  und 
verstärktes  Feuer  die  Insurgenten  zw  ar  ab,  allein  selbst  als  die  früher  bei  Trinita 

\ 

Digitized  by  Google 


\.\H       <:LXX.  rr.juroti.  m.      lii-urreclion?-KAni|.fe  1  s««.»  U1KJ  |H~*.      Süd-Halm »lii-n  1WW. 


rfu-kbelassene  Compagnie  ebenfalls  bei  Gorazda  eintraf  und  Major  Pitlel  <ii<« 
Schwarmlini«*  auf  10  Züge  verstärkt«',  wollte  sich  «las  Gefecht  nicht  günstiger 
gestalten.  Der  weitaus  zahlreichere  (treuer  stand  uneingeschüchtert  hinter  seiner 
vorzüglichen  Deckung  und  erwiderte  «las  Feuer  mit  ungeschwächter  Kraft. 

Plötzlich  sah  sich  sogar  «lie  nächst  des  Forts  in  Reserve  belassene  Halb- 
«ompagnie  von  Insurgenten,  welche  durch  das  zerklüftete  Terrain  begünstigt,  sich 
am  Osthange  der  (iorazda-Ilöhe  gedeckt  angenähert  hatten,  in  der  linken  Flanke 
angegriffen.  Diese  Insurgenten  wurden  zwar  sofort  wieder  vertrieben,  aber  unter 
solchen  Umstunden  erschien  ein  directer  Baj«muettangriff  auf  die  hinter  der  Mauer 
aufgestellten  Insurgenten  um  s«>  gewagter,  als  dessen  Misslingen  unmittelbar  auch 
den  Fall  des  Forts  selbst  nach  sieh  ziehen  konnte. 

In  dieser  fiberaus  kritischen  Gefechtslage  fasste  Major  Frh.  von  Pitlel  den 
Entschluss,  die  Entscheidung  durch  einen  Flankenangriff  herbeizuführen,  indem 
er  mit  der  während  «1er  Vorrfnkung  der  Haupt-Colonne  auf  den  Westhan};  «1er 
Gorazda-Höh««  re<-hts  d«?tnchierteu  Gompagni«»  g«*gen  die  linke  Flanke  «ler  Insur- 
genten vorzug«*h«'n  beschloss.  Er  verständigt«*  die  nächst  des  Forts  kämpfenden 
Abth«*ilnngen  von  seinem  Vorhaben,  wies  dieselben  gleichzeitig  an.  auf  das  , Hurrah!* 
der  den  Flankenangriff  ausführenden  ( lompagnie  si«h  der  Mauer  in  der  Front  zu 
bemächtigen,  begab  sich  seihst  auf  den  Westhan};  «ler  Gorazda-Höh«'  und  setzte 
den  Flankenangriff  persönlich  ins  Werk. 

Major  Frh.  von  Pittel  stellt«'  sich  a?j  «lie  Spitze  der  dazu  bestimmten  Gompagnie 
und  führte  dieselbe  südwärts  so  weit  vor,  dass  er  nicht  nur  die  linke  Flanke  der 
Insurgenten  gewann,  somlern  sogar  in  den  Rücken  «lerselben  gelangte  und  sie  mit 
S«lmcllf«*uer  von  rückwärts  überraschte.  Die  Verwirrung  des  Gegners  rasch  b«*nü- 
tzend,  ließ  er  die  Umgehungs-Golonne  den  b«*i  dein  Fort  Gorazda  in  der  Front 
belassenen  Abtheilung«-n  dun  h  weithin  hallendes  Ilurrah!  das  Signal  zum  Vor- 
hre«hen  g<*b«*n,  und  unh'r  dem  Sturmrufe  „Eljen  a  «•säszär!*  stürzten  sich  von 
beiden  Seiten  sänuntliche  Abtheilungen  seines  Bataillons  mit  dem  Hnjniiuelt  auf  die 
Insurgenten.  Von  Panik  ergriffen.  Hohen  di«'selben  in  der  Richtung  gegen  die  moii- 
teiu'grinische  Grenze,  von  dem  SchmOllener  <l«*s  Bataillons  solange  verfolgt,  bis  sie 
in  der  Schlucht  östlich  der  Gorazda-Höh«*  v»'rschwan«len. 

Damit  war  «las  Fort  Gorazda  summt  seiner  «Besatzung  und  bedeutendem 
Kri«'gsmat«'rial  geivltet.  während  «Ii«*  Insurgent«»n  über  70  Todte  am  Platze  ließ«'H. 
und  wie  später  festgestellt  wurde,  mehr  als  100  Verwundete  zählten. 

Der  durch  Major  Frh.  von  Pitlel  bei  Gorazda  gegen  die  Insurgenten  geführt«' 
Schlag  hatte  bei  «ler  ferneren  Bekämpfung  «les  Aufstund«*s  weittragende  Folgen. 
Zunächst  konnte  «lie  wegen  dringender  Verprovianlierung  unaufschiebbare  /.weile 
Expe«litiou  in  die  Krivosije  am  <  Mober  mit  allen,  darunter  auch  denjenigen 
Trupp«*n  unl«'!  iionim»  n  werdim.  welche  ohne  «lie  ras«  he  und  siegivi«  he  Enlschei- 
«hmg  bei  Gorazda  zur  Deckung  Gut  taros  hätten  zurückbleiben  müssen.  Weiter 
kam  die  moralische  Wirkung  d« ■<  Schlages  von  (iorazda  auch  «ler  spät«ir  ftdgen- 
ilen  Expedition  in  «lie  Zupa.  welche  in  iter  Zeil  vom  "2.  bis  7.  November  unh-r- 
noinineu  wurde  und  wobei  Major  Frh.  von  Pitt«  !  in  dem  Gefechte  bei  Si.sic  am 


Digitized  by  Google 


Hill  er  ilu*  M.  T.  (>.  Ikiuri.li  Freiherr  von  Pittel. 


3.  Novembi t  mitkämpfte,  wesentlich  zustatten,  indem  die  Zupancr.  «Iii*  bei 
liui  azda  so  empfindlich  geschlagen  worden  waren,  an  den  Kämpfen  in  der  eigent- 
lichen Zupa  nioraliscli  stark  erschüttert  theil  nahmen  oder  sieh  gänzlich  von 
denselben  fenie  hielten,  was  die  Niederwerfung  und  Pacifuation  des  südlich  von 
Cattaro  Hebenden  Gebietes  von  Süd-Dalniutieti  wesentlich  erleichterte. 

So  stellte  sich  das  Gefecht  von  Gorazda  alseine  auch  in  ihren  Folgen  bedeut- 
same Waffenthat  heraus. 

Major  Frh.  von  Pittel  wurde  für  dieselbe,  sowie  für  sein«'  sonstigen  tapfereu 
Leistungen  bei  den  Operationen  in  Süd-Dalmatien  mit  dem  Militär-Verdienst- 
kreuze  mit  der  Kriegs-Deeoration  ausgezeichnet. 

Außerdem  geruhte  auf  Grund  der  Waffenthat  von  Gorazda  Seine  Majestät 
Kaiser  Kranz  Joseph  I.  als  Erhabener  Großmeister  nachträglich,  nämlich  über 
Votum  des  erst  zehn  Jahre  später,  nach  den  Oecnpationskämpfen  in  Bosnien  und 
llercegovina.  zusammengetretenen  Ordenscapitels,  kraft  Promotion  CLXX  vom 
2.  Mai  1S7'.*  den  inzwischen  vom  Major  zum  Obersten  vorgerückten  Heinrich  Frei- 
herrn von  Pittel  durch  Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Kitter  des  Maria 
Theresien -Ordens  zu  promovieren. 

Am  1.  Jänner  1872  wurde  Major  Frh.  von  Pittel  dem  Generalslabe  zugetheill 
und  fungierte  als  Generalslabs-Ohef  der  XXXVI.  Infanterie-Truppen-Division.  Am 
ll.October  1874  erfolgte  seine  Transferierung  zum  7.  Infanterie-Regiment,  in 
welchem  er  am  I.Mai  1870  zum  Oberst  lieutenant  befördert  wurde,  worauf 
sodann  am  10.  April  1878  seine  Ernennung  zum  Reserve-Commandanten  im 
Regimente  zu  Klagen furt  erfolgte. 

Im  Jahre  1878  machte  Oberst  lieutenant  Frh.  von  Pittel  au  der  Spitze  des 
Reserve-Regiments  Nr.  7  die  Occupatio!!  von  Bosnien  und  der  Hercegovina 
mit,  und  zwar  eingetheilt  bei  der  im  Rosna-Tbale  unter  direeter  Führung  des 
FZM.  Frh.  von  Philippovie  gegen  Sarajevo  vorrückenden  Ilaupt-Colonne  des 
XIII.  Armee-Corps,  nämlich  bei  der  VI.  Infanterie-Truppen-! >ivision  des  FML.  von 
Tegetthoff.  in  der  3.  Gebirgs-Brigade  des  GM.  Müller. 

Nach  dem  Überfall  der  5.  Escadron  des  7.  Husaren-Regiments  durch  die 
Bewohner  von  Maglaj  rückte  Oberstlieutenant  Frh.  von  Pittel  mit  dem  Reserve- 
Regiment  Nr.  7  und  einer  halben  Gebirgsbatterie  von  Roboj  au  als  detachierte 
linke  Seiten-Colonne  des  Gros  auf  dem  rechten  (östlichen)  Ufer  der  ßosna  vor, 
während  die  Ilaupt-Colonne  auf  dem  linken  ihren  Vormarsch  fortsetzte.  Oberst- 
lieutenant Frh.  von  Pittel  hatte  dabei  nicht  bloß  die  linke  Flanke  der  Ilaupt-Colonne 
zu  sichern,  sondern  überdies  hauptsächlich  offensiv  und  umfassend  gegen  rechte 
Flanke  und  Rücken  der  quer  über  das  Bosna-Thal  vom  Feinde  genommenen 
Stellungen  zu  wirken  und  zu  diesem  Zwecke  auf  den  Kämmen  der  östlichen 
Begleithöhen  des  Bosna-Thales  vorzurücken. 

Nachdem  Oberstlieutenant  Frh.  von  Pittel  am  i.  August  bei  Kamen  nach 
Überwindung  großer  Schwierigkeiten  die  Bosna  übersetzt  hatte,  rückte  er.  die 
Haupt-Colonne  während  des  Kampfes  bei  Kosna  unterstützend,  über  die  Höhen 
von  Trbuk  bis  zwischen  die  Höhen  von  Paklanica  und  Osoinica. 

MilitUrnchor  M.iriu  Ttivri<»ioii-Or(U-u-  'l'-i 


Digftized  by  Google 


450       CLXX.  Pmmoli.ni.  -  liisurrections-Käinpfi-  IHM  und  1878.  —  Söd  Daliimlieu  186!). 

Am  5.  weiter  gegen  Maglaj  vorgebend,  beschleunigte  er  seine  Vorrfu  kung 
derart,  dass  er  sich  dieses  am  rechten  Bosna-Ufer  liegenden  Ortes  durch  einen 
kräftigen  Angriff  in  kurzer  Zeit  bemächtigte,  während  die  gegen  3  Uhr  nachmittags 
ebenfalls  zum  Gefecht  sich  entwickelnde  Haupt-  und  rechte  Seiten-Colonne  die 
Insurgenten  am  linken  Bosna-Ufer  auseinander  sprengten. 

Am  7.  August  übersetzte  Oberstlieutenant  Frh.  von  Pittel  die  Bosna  bei 
Maglaj  vom  rechten  wieder  auf  das  linke  Ufer,  rückte  über  Zavidovic  auf  äußerst 
beschwerlichen  Fußpfaden  gegen  Lupoglava  und  warf  den  rechten  Flügel  der 
Insurgenten  in  dem  Gefechte  bei  Zepce. 

Bei  dem  weiteren  Vormärsche  bis  Zeniea  kam  die  Seiten-Colonne  des 
Obersllieulenants  Frh.  von  Pittel  gleich  der  Haupt-Colonne  zu  keinem  Kampfe, 
doch  iuusste  die  ersten!  wiederholt  die  Bosna  überschreiten  und  außerordentliche 
Marschhindernisse  bewältigen.  Diese  Vorrückung  des  Oberstlieutenants  Frh.  von 
Pittel,  dessen  Seiten-  mit  der  Haupt-Colonne  meist  nur  durch  die  optische  Signal- 
Abtheilung  verkehren  konnte,  reihte  sich,  sowohl  was  Präcision  als  Ausdauer 
betrifft,  den  hervorragendsten  Marschleistungen  während  des  Occupations-Feld- 
zuges  in  Bosnien  an. 

Wählend  des  weiteren  Vormarsches  gegen  Sarajevo  war  Oberstlicutenant 
Frh.  von  Pittel  in  dem  Gros  der  Haupt-Colonne  eingetheilt  und  machte  die  Kämpfe 
derselben  bei  Han  Bjelalovac  arn  16.  mit. 

Bei  der  Einnahme  von  Sarajevo  am  19.  August  griff  Pittel,  in  der  rechten 
Flügel-Colonne  des  GM.  Kaiffel  eingetheilt,  auf  dem  äußersten  rechten  Flügel  die 
auf  dem  1.000  Meter  hohen  Debelo  Brdo  postierten  Insurgenten -Scharen 
energisch  an.  führte,  nachdem  dieselben  geworfen  waren,  gegen  die  dominierende 
Höhe  des  Trebevic,  sowie  gegen  die  Stadt  selbst  in  der  Richtung  des  Caslells 
kräftige  Vorstöße  und  bemächtigte  sich  nach  heftigem  Straßenkampfe  bis  2  Uhr 
nachmittags  der  südlichen  Stadttheile  sammt  den  nächstliegenden  Höhen, 
ließ  dabei  sofort  das  österreichisch-ungarische  Consulats-Gebäude  von  einerSchutz- 
wache  besetzen  und  schließlich  auf  dem  Pul  verthurm  im  Südwesten  des  Castells 
die  siegreiche  Fahne  seines  Reserve-Regiments  Nr.  7  aufpflanzen. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  den  Oberstlieutenant  Frh.  von  Pittel  in 
huldvollster  Anerkennung  seiner  bis  dahin  bei  der  Oecupalion  Bosniens  geleisteten 
Dienst««,  insbesondere  seiner  tapferen  Leistungen  bei  der  Einnahme  von  Sarajevo, 
am  2G.  August  1878  außer  der  Rangstour  zum  Obersten  und  Commandanten 
des  38.  Infanterie-Regiments  zu  ernennen. 

An  der  Spitze  desselben  machte  Oberst  Frh.  von  Pittel  unter  Commando  des 
FMh.  von  Tegetthoff  die  Recognoscierimg  gegeti/Mokro  (Han  na  Romanja) 
am  2.  und  3.  September  mit.  Pittel  führte  bei  diesem  Unternehmen  am  2.  die 
Vorhut  bis  Hau  Bimhasi  im  Miljac ka-Thale.  Am  3.  September  bildete  Oberst 
Frh.  von  Pittel  mit  l1/s  Bataillonen  und  einer  halben  Gebirgs-Batterie,  die  Mittel- 
Colonne  und  griff  wählend  des  umfassenden  Vordringens  der  beiden  Flügel  den 
Feind  oberhalb  Mokro  auf  den  Weslabstürzen  der  Romanja  Planina  in  einem 
hinhaltenden,  dabei  aber  heftigen  und  verlustreichen  Gefecht  wirksam  an.  Gegen 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.  0.  Heinrich  Freiherr  von  Pittel.  451 

3  Uhr  nachmittags  nahm  er  die  am  Hochrand  gelegene  Karaula  und  erbeutete  das 
dort  für  mehr  als  1.000  Insurgenten  hergerichtete  Lager  mit  allen  Zelten,  Gewehren 
und  Verpflegsvorräthen.  Die  Insurgenten  Hohen  theils  gegen  Zwornik,  theils 
gegen  Rogatica,  .so  dass  die  heiden  Flügel-Golonuen  des  FML.  von  Tegel t Ii« »IT 
ohne  Kampf  bis  Hau  na  Rom  an  ja  gelangten.  Damit  war  die  Besitznahme  des 
für  die  Deckung  Sarajevos  äußerst  wichtigen  Cebirgs-Plateaus  bewirkt. 

Während  der  nächstfolgenden  Zeit  betheiligte  sich  das  :$N.  Infanterie-Regiment 
unter  Oberst  Frh.  von  Pittel  an  der  Befestigung  und  dauernden  Besetzung  der 
Romanja  Planina. 

Vom  20.  bis  22.  September  nahm  Oberst  Frh.  von  Pittel  mit  seinem  Regiment 
an  der  Kxpedition  der  I.  Infarderie-Truppen-Division  unter  FML.  von  Vecsey 
gegen  Visegrad  und  anlässlich  dieses  Unternehmens  am  21.  an  dem  Treffen 
Senkovie-Randin  (OdSiak)  theil.  Er  befehligte  bei  dem  Letzteren  wieder  die 
Mittel-Colonne,  welche  aus  zwei  Bataillonen  seines  38.  Infanterie-Regiments, 
einem  Bataillon  des  Reserve-Regiments  Nr.  IG,  einem  Zug  des  7.  Husaren- 
Regiments  und  der  Gebirgs-Batterie  Nr.  1  nebst  einer  .Sanitäls-Abtheilung  bestand. 
Anfangs,  während  der  umfassenden  Vorrückung  der  Flügcl-Colonnen,  unterhielt 
Pittel  ein  hinhaltendes  Gefecht  gegen  die  mit  einem  Geschütz  auf  der  Höhe  bei 
Kula  Tankovic  aufgestellte  Insurgentenschar  des  feindlichen  Centrums.  Nachdem 
die  beiden  Flügel-Colonnen  die  Insurgenten  in  Flanken  und  Rücken  gefasst  hatten, 
führte  er  mit  einem  Bataillon  einen  energischen  Vorstoß  gegen  die  Kuppe  bei 
Kula  Tankovic.  Ein  von  Pittel  gegen  die  linke  Flanke  des  Feindes  auf  den 
Vitanj-Berg  dirigiertes  Bataillon  nahm  im  Verein  mit  Abtheilungen  der  rechten 
Flügel-Colonne  die  Röhe  von  Mladi  im  Sturme.  Nachdem  so  durch  das  präeise 
Zusammenwirken  der  Mittel-Colonne  Piüels  mit  den  beiden  Flügel-Colonnen  von 
den  feindlichen  Positionen  und  Lagern  bei  Tankovic  und  Mladi  Besitz  genommen 
war.  wobei  zwei  Geschütze,  Fahnen  und  massenhafte  Vorrat  he  an  Munition  und 
Proviant  erobert  wurden,  ließ  Oberst  Frh.  von  Pittel  die  im  Centrum  gestandenen 
Insurgenten  bis  zum  Sattel  von  Hau  Kapic  energisch  verfolgen,  wobei  dieselben 
durch  verheerendes  Salvenfeuer  theils  nach  allen  Richtungen  zersprengt,  theils 
zu  Boden  gestreckt  wurden. 

Arn  22.  wurde  die  Expedition  bisRogatica  fortgesetzt,  worauf  Oberst  Frh.  von 
Pittel  mit  seinem  Regiment  am  23.  auf  die  Romanja-Planiiia  zurückkehrte  und 
nach  mehrfachen  Streifungeii  zwischen  Mokro  und  Rogatica  am  5.  October 
nach  Sarajevo  einrückte. 

Für  die  während  des  Occupatiotis-Fcldzuges  vollbrachten  tapferen  Leistungen 
wurde  Oberst  Frh.  von  Pittel  mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold-Ordens  mit 
der  Kriegs-Decoiation  und  am  3.  December  LS7S  überdies  mit  der  Allerhöchst 
belobenden  Anerkennung  ausgezeichnet. 

Nach  der  Demobilisierung  kam  Oberst  Frh.  von  Pittel  mit  seinem  38.  In- 
fanterie-Regiment in  Garnison  nach  Wien.  Als  der  ersten  aus  dem  bosnisch-hen  e- 
govinischen  Feldzuge  einrückenden  siegreichen  Truppe  wurde  diesem,  gleichwie 
dem  unmittelbar  nachfolgenden  Regiment  Franz  Carl  Nr.  52  von  der  Haupt-  und 

20» 


Digffizeö  by  Google 


152        CLXX.  I'r..m..liuu.       liisuiTictk.ii-KiWii|.lV  |s<>'.>  und  1*7S.   -  Süd-Daliiuitien  lSG«>. 

Residenzstadl  ein  großartiger  Empfang  zutheil,  der  sich  zu  einem  wahren  Sieges- 
Eiuzug  gestaltete. 

Am  22.  März  188i  zum  Commandantcn  der  22.  Infanterie-Brigade  ernannt, 
wurde  Oberst  Frh.  von  Pittel  am  1.  Mai  desselben  Jahres  zum  Generalmajor 
befördert,  sodann  am  20.  April  1886  als  Commandant  zur  16.  Infanlerie-Brigad«- 
transferiert,  ferner  am  17.  April  1888  zum  Commamlanten  der  III.  Infantcrie- 
Tnippen-Divisioii  ernannt  und  auf  diesem  Dienstesposten  am  1.  Mai  188u  zum 
F e I  d  in  a  r s e  h a  1 1  - \, i e u t e n  a n  t  befördert. 

Am  11.  Mai  1800  erfolgte  Pitteis  aus  Gesundheitsrücksichten  erbetene  Ver- 
setzung in  den  Ruhestand,  und  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser,  ihm  bei 
diesem  Anlasse  in  erneuerter  Anerkennung  seiner  im  Frieden  und  Krieg  gleich 
vorzüglichen,  vor  dem  Feinde  wiederholt  ausgezeichneten  Dienstleistung  den 
Orden  der  Eisernen  Krone  II.  C lasse  zu  verleihen. 


Bei  der  Occupation  Bosniens  und  der  Hercegovina  im  Jahre  1878. 

Der  Aufsland  in  der  Hercegovina  1875,  die  Erhebung  Bosniens  und 
Bulgariens  und  die  folgenden  Kriege  Serbiens  und  Montenegros,  dann 
Russlands  gegen  die  Türkei,  legten  Österreich-Ungarn  für  die  Verpflegung 
zahlloser  Flüchtlinge  und  für  die  Aufstellung  eines  Cordons,  schwere  finanzielle 
Opfer  auf  und  bedrohten  überdies  fortwährend  seine  Ruhe  und  Sicherheit.  Sie 
legten  insbesondere  die  Gefahr  nahe,  dass  Bosnien  und  die  Hercegovina  nach 
der  neuen  Schwächung  der  Türkei  von  dieser  politisch  und  militärisch  noch  viel 
weniger  ;ds  früher  zu  halten  sein  und  dass  sie  daher  neuen  Aufständen  sowie  den 
annexionistischen  Umtrieben  der  Actionsparteien  in  den  benachbarten  Gebieten 
als  Tummelplatz  dienen  würden.  Infolge  dessen  übernahm  die  Monarchie  auf  dem 
Berliner  Gongresse,  gemäß  Artikel  XXV  des  Berliner  Vertrages  vom  \\\.  Juli 
1878,  das  Mandat,  Bosnien  und  die  Hercegovina  zu  occupieren,  selbst  zu  ver- 
walten, eventuell  auch  den  Sandsehak  von  Novibazar  zu  besetzen. 

Zur  Anbahnung  und  Durchführung  dieser  Mission  war  vor  allem  die  mili- 
tärische Occupation  von  Bosnien  und  der  Hercegovina  erforderlich.  An- 
fangs honte  man  mit  Rücksicht  auf  das  mit  der  Pforte  geschlossene  Überein- 
kommen, wonach  der  Sultan  die  Zurückziehung  seiner  Truppen  aus  Bosnien  und 
der  Hercegovina  anordnete,  die  Besetzung  auf  friedlichem  Wege  mit  einem  Auf- 
gebot von  bloß  X  bifanterie-Truppeii-Divisionen  durchzuführen.  Ks  marschierten 
am  2'.>.  Juli  187s  unter  Comniando  des  FZM.  Joseph  Freiherrn  Philippovie 
von  Philippsherg  das  XIII.  Armec-Gorps  mit  der  VI..  VII.  und  XX.  Infanterie- 
Truppen-Division  über  die  Save  in  Bosnien,  ferner  am  1 .  August  unter  Com- 
niando des  FML.  Stephan  Freiherrn  von  Jovanovic  die  XVIII.  Inläntcric-Truppen- 
Division  aus  Dalmatien  in  der  Hercegovina  ein,  wobei  letzterer  bezüglich 
gemeinsamer  Operationen  an  die  Befehle  des  FZM.  Frh.  von  Philippovie 
gewiesen  war.  sonst  aber  selbständig  vorzugehen  halte. 


Digitized  by  Google 


Bei  <kr  Occupiilioi)  Bostiirii-Hei in».«  I*7s. 


Kiiiim  war  jedoch  ilir  Grenze  überschritten,  als  die  Mohamedaner  der 
Besetzung  der  beiden  Länder  bewaffneten  Widerstand  entgegensetzten  und 
anfangs  sogar  das  reguläre  türkische  Militär  theilweisc  zu  Feindseligkeiten  gegen 
die  k.  k.  Truppen  mitrissen.  Infolge  dessen  mussten  alsbald  nach  Bosnien  die 
XXXVI.,  I.  und  IV.  Infanterie-Truppen-Division,  nach  der  Hercegovina.  respec- 
live  Dalmatien,  die  20.  Infanterie-Brigade  und  das  Infanterie-Begiment  Nr.  Vi, 
außerdem  nach  beiden  Gebieten  technische  Truppen  nachgeschoben  werden. 

Als  trotzdem  der  Widerstand  sich  fanatisch  gestaltete  und  selbst  bis  dahin  ruhig 
gebliebene  Gebiete  sich  erhoben,  musste  durch  eine  noch  größere  Machtentfaltung 
dem  weiteren  Umsichgreifen  des  Aufstandes,  und  zwar  mit  thunlichsler  Beschleu- 
nigung vor  Eintritt  der  rauhen  Jahreszeit,  vorgebeugt  werden.  Es  wurden  Jim 
21.  August  noch  die  XIII.,  XXXI.,  XXXIII.  und  XIV.  Infanterie-Truppen-Division 
und  eine  Cavallerie-Brigade  nebst  einigen  Fionnier-Compagnien  nach  Bosnien 
nachgesendet;  außerdem  erfuhren  die  Besatzung-Truppen  in  Dalmatien  eine 
a  n  ge  in  essen  e  V  e  rs  tä  r  kun  g . 

Die  sämmtlichen,  in  B  o  s  n  i  e  n  und  der  Hercegovina  einmarschierten 
Truppen  formierten  sodann  als  XIII.,  III,,  IV.  und  V.  Armee-Corps  die  II.  Armee, 
deren  Comniando  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  dem  FZM.  Frh.  von 
Fbilippovic  übertrug. 

Die  Operationen  und  Kämpfe  hatten  gleich  nach  dem  Einmärsche  der  ersten 
Truppen  ihren  Anfang  genommen. 

Das  XIII.  Armee-Corps  marschierte,  wie  erwähnt,  über  die  Save  in  Bosnien 
ein.  Um  möglichst  große  Gebiete  des  Landes  zu  occupieren,  überschritten  die  VI.. 
VII.  und  XX.  Division  die  Grenze  an  drei  weit  auseinander  liegenden  Funkten. 
Infolge  dessen  waren  die  drei  Colonnen  anfangs  durch  weite,  von  unwirtlichen 
Gebirgen  durchzogene  Gebiete  getrennt  und  jede  derselben  wegen  Mangels  an 
Querverbindungen  auf  die  eigenen  Kräfte  angewiesen. 

Der  Corps-Commandant  FZM.  Frh.  von  Fbilippovic  überschritt  mit  der 
VI.  Division  unter  FML  von  Tegetthoff  als  Mittel-  und  Ilaupt-Colonne  die 
Save  bei  Brod  am  29.  Juli  und  marschierte  am  30.  bis  Dervent.  Elementare 
Wetterunbilden  hemmten  am  1.  August  den  Weitermarsch,  daher  derselbe  erst 
am  2.  fortgesetzt  werden  konnte. 

Am  3.  wurde  eine  vorgeschobene  Escadron  des  7.  Husaren-Regiments 
zwischen  Maglaj  und  Zepce  von  bewaffneten  Schalen  zur  Umkehr  gezwungen 
und  durch  die  Einwohner  von  Maglaj  verrätherisch  überfallen.  Damit  war  der 
bewaffnete  Widerstand  gegen  die  Occupation  blutig  eingeleitet. 

Die  VI.  Infanterie-Truppen-Division  warf  die  ihrem  Vormärsche  sich  entgegen- 
stellenden, durch  Zuzüge  und  selbst  reguläre  türkische  Truppen  verstärkten  Insur- 
genten in  den  Gefechten  bei  Kosna  am  4..  bei  Maglaj  am  5.,  und  schlug  sie  bei 
Zepce  am  7.  so  nachhaltig,  dass  dieselben  unter  Freisgebung  der  wichtigen  Fass- 
sperre Vranduk  bis  nach  Visoka  flüchteten.  Neuerliche  Wetterunbilden  und 
Communications-Scliwierigkeiten,  welche  das  Aufschließen  des  Trains  verzögerten, 
nöthigten  wieder  zu  zweitägigem  Stillsland.  Am  10.  nickte  die  Ilaupt-Colonne  bis 


Digitized  by  Google 


Cl.XX.  Promotion.  —  In«urT«lion?-Kampfe  1869  uod  1878. 


vor  VranduL  am  11.  bis  Zenica  weiter  vor.  Communications-Hindernisse  und 
Verptlegsrüeksichten  zwangen  da  FZM.  Frh.  von  Dhilippovi«  neuerdings  zur 
Unterbrechung  des  Vormarsches  der  Haupt-Golonne. 

Inzwischen  waren  auch  die  beiden  anderen  Colonnen  des  Corps  auf  Wider- 
stand gestoßen. 

Die  VII.  Division  unter  FML.  Herzog  von  Württemberg  hatte  als  rechte 
Flügel-Colonne  die  Save  bei  Alt-Gradiska  und  bei  Kostajnica  am  29.  Juli 
überschritten,  üanjaluka  am  31.  besetzt  bei  Rogelje  am  5.  August  die  sich  ibr 
entgegenstellenden  Insurgenten  geschlagen,  bei  Jajee  am  7.  dieselben  auseinander 
gesprengt  und  Travnik  am  11.  besetzt. 

Die  XX.  Division  unter  FML.  Grafen  Szapary  hatte  als  linke  Flügel- 
Colonne  über  Gradacae  und  Dobrovica  mit  dem  Gros  am  5.  Gracaniea 
erreicht.  Äußerst  ungünstige  Witterungs-Verhältnisse  hatten  den  Vormarsch  ver- 
zögert. Durch  Detachierungerl  auf  die  Hälfte  der  Sollstärke  reduciert.  rückte  diese 
Golonne  bis  Dubosnica  am  7..  warf  die  ihr  entgegentretenden  Insurgenten  bei  Ilan 
Pirkovac  am  8.  und  rückte  gegen  Dolnja-Tuzla  am  9.  August  vor.  Inzwischen 
hatte  gerade  in  Ost-Bosnien  der  Aufstand  am  raschesten  und  mächtigsten  um  sich 
gegriffen  und  in  Du  In  ja  Tuzla  seinen  Herd  gefunden.  Nach  zweitägigen  hart- 
näckigen Gefechten  gegen  den  verstärkten  Gegner  bei  Dolnja  Tuzla  am  9.  und 
10.  zog  sich  die  Golonne  kämpfend  über  Dubosnica  in  eine  Stellung  nächst 
Doboj  zurück. 

Inzwischen  brach  der  Aufstand  auch  in  Bücken  und  Flanke  der  rechten 
Flügel-Colonne.  in  West-Bosnien  bei  Novi  und  Livno  aus.  Der  vun  den  Insur- 
genten am  14.  August  gegen  Banjaluka  unternommene  AngrilT  wurde  zurück- 
geschlagen. Ein  durch  die  Insurgenten  von  Livno  gegen  die  rechte  Flanke  der 
VII.  Division  unternommener  Anschlag  ward  durch  eine  von  FML.  Frh.  von 
Rod  ich  ins  Werk  gesetzte  Demonstration  der  Besatzungs-Truppen  aus  Dal  in a- 
tien  gegen  Livno  in  der  Zeit  vom  1:!.  bis  15.  August  vereitelt.  Bei  dem  täglich 
weiter  um  sich  greifenden  Aufstande  blieben  gleichwohl  sämmtliehe  Verbindungs- 
linien der  Colonnen  des  XIII.  Armee-Corps  ernstlich  gefährdet. 
»  Trotzdem  nahm  die  Haupt-Colonne  im  Hinblicke  auf  das  baldige  Ein- 

treffen der  inzwischen  aus  der  Monarchie  sueces-ive  in  Marsch  gesetzten  Verstär- 
kungen und  nachdem  sie  sieh  am  13.  durch  eine  von  der  VII.  Division  nach  Vitez 
vorgeschobene  Gebirgs-Brigade  verstärkt  hatte,  den  weiteren  Vormarsch  gegen 
Sarajevo  am  11.  August  wieder  auf. 

Eine  NYbcn-Colonne  dinks»  unter  FML.  von  'feget  thoff  —  7  Bataillone, 
1  Escadron.  l'J  Geschütze  -  rückte  weiter  die  Bosna  aufwärts  auf  der  alten 
Straße  vor.  warf  die  Insurgenten  bei  Kakanj  am  15..  bestand  ein  Vorhutgefecht 
bei  Kololic  am  Dl.  und  drängte  den  Gegner  ernennt  bei  Visoka  am  17.  zurück. 

Das  Gros  der  Haupt-Colonm  12' /t  Bataillone.  2'  2  Est  adroneli.  lO  Ge- 

M-hfi(ze  —  marschierte  unter  FZM.  I'hilippovic  auf  der  neuen  Straße  weiter, 
hrarhtr  dein  Gros  der  Insurgenten  bei  Hau  Bjelalovac  am  16.  eine  empfindliche 
Niederlage  bei,  (hang  am  17.,  ungeachtet  des  Zurückweichens  der  XX.  Division, 


Digitized  by  Google 


Bei  der  Occupatio!!  Bosnien-Hercegovinas  18*8. 


455 


bis  Blazuj  vor,  ließ  um  18.  gegen  Sarajevo  recognosciercn  und  nahm  im  Vereint' 
mit  der  Nebencolonne  Sarajevo  am  19.  August  ein. 

Damit  war  die  Occupation  Mittel-Bosniens  vollzogen. 

Während  das  XIII.  Corps  auf  diese  Weise  die  Occupation  Bosniens  einleitete, 
hatte  die  XVIII.  Division  unter  FML.  Frh.von  Jovanovic  die  Occupation  der  nörd- 
lichen und  mittleren  Hercegovina  durchgeführt.  Sie  überschritt  die  Grenze 
mit  der  Ilaupl-Colonne  bei  Vrgorac  und  mit  einer  Xeben-Colonne  bei  1  mo.sk i 
am  1.  August,  besetzte  Ljubuski  am  2.,  warf  die  Insurgenten  bei  Citluk  am  4. 
und  besetzte  Mostar  am  5.  August. 

Um  die  Haupt-Communication  von  Mostar  mit  Metkovic  zu  sichern,  rückte 
eine  Gebirgs-Brigade  am  8.  nach  Stolac,  besetzte  Stadt  und  Castell  mit  einem 
Bataillon,  marschierte  am  9.  nach  Domanovie,  um  der  seitens  des  FML.  Frh.  von 
Jovanovic  an  Ali  Pascha  gerichteten  Aufforderung  zur  Häumung  der  Herce- 
govina Nachdruck  zu  geben.  Dieser  schiffte  sich  mit  G5(X)  Mann  in  Kiek  am  10. 
ein.  worauf  die  Gebirgs-Brigade  wieder  nach  Mostar  einrückte. 

Infolge  der  alarmierenden  Xaehriehten  über  die  Kämpfe  in  Bosnien  flammte 
der  Aufstand  auch  in  der  Hercegovina  mit  verstärkter  Macht  auf.  Eine  von  der 
Besatzung  von  Stolac  behufs  Recognosciemng  entsandte  Compagnie  wurde  am 
KL  bei  Ravnica  überfallen,  Stolac  selbst  am  16.  morgens  von  starken  Insurgent en- 
scharen  vollständig  eingeschlossen  und  die  Besatzung  in  das  Castell  gedrängt. 
Infolge  dessen  kam  es  zu  einer  Reihe  von  Kämpfen  sowohl  zwischen  den  Insurgenten 
und  der  Besatzung  von  Stolac  einerseits,  als  auch  den  von  Mostar  zum  Entsätze 
entsendeten  Truppen  anderseits. 

Da  die  Entsatztruppen  nicht  durchzudringen  vermocht  hatten,  überdies  in 
Flanke  und  Rücken  vom  Gegner  umschwärmt  wurden,  rückte  FML.  Frh.  von  Jova- 
novic von  Mostar,  nach  einem  Xaehtgefechte  bei  Passie  Hau  am  19.,  nach 
Crniei  am  20.  und  entsetzte,  nach  einem  Gefechte  bei  Kremenae.  Stolac  am 
21.  August. 

Damit  war  die  Occupation  der  nördlichen  und  mittleren  Hercegovina 
bewirkt. 

Trotz  der  auf  diese  Weise  binnen  drei  Wochen  forcierten  Besetzung  der 
wichtigsten  Theile  Bosniens  wie  der  Hercegovina  sammt  den  Hauptstädten 
beider  Länder  mussteu  nunmehr  die  eingangs  erwähnten  Verstärkungen  successive 
nachrücken,  um  den  immer  weiter  um  sich  greifenden  Aufstand  niederzuwerfen 
und  die  Occupation  vollständig  durchzuführen. 

FZM.  Frh.  von  Philippovic  übernahm  das  Commando  der  am  21.  August  zur 
Aufstellung  gelangten  IL  Armee,  während  von  da  an  FZM.  Herzog  von  Württem- 
berg das  XIII..  FML.  Graf  Szapary  das  III.,  FML.  Frh.  von  Dienert  Ii  das  IV.  und 
FML.  Frh.  von  Rainberg  das  V.  Corps  befehligten,  FML.  Frh.  von  Jovanovic  aber 
das  Commando  der  verstärkten  XVIII.  Division  in  der  Hercegovina  weiter  führte. 
In  Brod  wurde  ein  Armee-Geueral-Coiumamlo  etabliert. 


Digitized  by  Google 


t:,o 


Cl.XX.  Proin.ili..ii.       liiüurrfrtions'KAinpfe  ISfi!)  und  |h7k. 


Wahrend  der  Mobilisierung  und  des  Aufmarst  lies  der  Verstärkungen  trat  zwar 
hinsichtlich  aller  größeren  Unternehmungen  ein  nichrwöchentlicher  Stillstand  ein, 
doch  nahmen  auf  einzelnen  Punkten  die  Kämpfe  ununterhrochenen  Fortgang,  bis 
nach  Maßgabe  des  Eintreffens  der  Verstärkungen  die  größeren  Operationen  wieder 
allgemein  aufgenommen  werden  konnten. 

Die  XX.  Division  schlug  in  der  Stellung,  welche  sie  behufs  Sicherung  dor 
Nachschuhslinie  der  Haupt-Colonne  im  Bosna-Thale  am  rechten  Bosna-  und 
Spreca-Ufer.  östlich  von  Dohoj,  genommen  hatte,  im  Verein  mit  den  inzwischen 
eingetroffenen  Truppen  der  I.  Division  alle  Angriffe  der  Insurgenten  in  den 
(Jefechten  am  1."».,  JG.,  1'.).,  2^1.,  20.  und  30.  August  zurück.  Vom  2.  September  an 
durch  Truppen  der  IV.  Division  verstärkt,  zwang  «las  III.  Corps  die  Insurgenten 
durch  zwei  Gefechte  am  1.,  dann  durch  drei  Gefechte  vom  f>.  bis  0.  September 
zum  Rückzüge  von  der  Stellung  bei  Dohoj. 

Die  VII.  Division  in  Travnik,  deren  Nachschubslinie  durch  das  Übergreifen 
der  Insurrection  aus  der  Krajna  nach  West-Bosnien  —  Gefecht  bei  Velecevo  am 
24.  August  —  hauptsächlich  aber  durch  das  Ansammeln  von  Iiisurgerden  in  Klj un- 
gefährdet wurde,  entsendete  eine  Brigade  auf  der  Linie  Travnik-Bihac,  welche 
sich  nach  dreitägigen  Kämpleu  vom  G.  bis  8.  September  dieses  wichtigen  Schlupf- 
winkels der  Insurrection  bemächtigte  und  die  Insurgenten  nach  der  nordwestlichen 
Krajna  zurücktrieb. 

Gleichzeitig  mit  dieser  Expedition  unternahm  von  der  XXXVI.  Division  zuerst 
die  72.  Infanterie-Brigade  aus  Croatien  von  Zavalje  am  7.  September  einen 
Angriff  auf  Bilme,  ohne  jedoch  zu  reüssieren.  Dafür  wurde  diese  Stadt  späterhin 
durch  eombinierlen  Angriff  der  72.  und  der  28.  Brigade  der  XIV.  Division  am  11». 
in  Besitz  genommen. 

Inzwischen  ließ  nach  der  Einnahme  von  Sarajevo  FZM.  Frh.  von  Philip- 
povie.  während  gleichzeitig  die  politische  Organisation  des  Occnpalions-Gebietes 
in  Angriff  genommen  wurde,  behufs  Sicherung  Sarajevos  und  aus  Verpflegsrück- 
sichten  von  dort  aus  Streifuugeu  und  Requisitionen  vornehmen. 

Durch  die  mit  stärkeren  Kräften  unter  GM.  von  Kopfinger  über  Mokro 
gegen  Glasinac  vom  21.  bis  27.  August  ausgeführte  Expedition  wurde  die  von 
der  Romauja  Planina  die  llaiiplstadt  Sarajevo  bedrohende  Insnrgentens«  bar 
ohne  Kampf  zerstreut. 

Da  dieselbe  jedoch,  »buch  frische  Zuzüge  verstärkt,  sich  neuerdings  auf  der 
Romanja  Planiua  und  zwar  in  der  Position  bei  Mokro.  nur  einen  Marsch  von 
Sarajevo  entfernt,  sammelte,  wurde  die  VI.  Division  unter  FML.  von  Tegetlhoff 
gegen  die  Insurgenten  entsendet,  welcher  sie  in  dem  Gefechte  bei  Mokro  (Hau 
u;i  Gomanja  i  am  3.  September  in  der  Richtung  gegen  Zvornik  und  Rogatica 
warf,  und  nunmehr  die  Romanja  Planina  oberhalb  Mokro  mit  einer  Brigade 
dauernd  besetzte. 

Nach  dem  um  Mitte  September  erfolgten  Eintreffen  der  I.  Division  in  Sara- 
jevo wurde  dieselbe  von  FZM.  Frh.  von  Philippovic  behufs  Niederwerfung  des 


Digitized  by  Googl 


Hri  ilt-r  OrriipalioM  IWllieli-lh'XTe.ivinas  IS*N. 


457 


Aufstandes  im  Südosten  Bosniens  durch  gleich/eilig  auszuführende  Expe- 
ditionen treten  Visegrad.  Vlasenicu  und  Kladanj  beordert.  Mit  einer  aus 
Truppen  der  I.  und  VI.  Division  roiuhinierten  Colonne  führte  FML.  von  Verse y 
gegen  die  auf  die  Hochebene  von  lilasinac  neuerdings  zurückgekehrte  und  durch 
Zuzüge  von  Amanten  ans  dem  Pasrhalik  Novibazar  verstärkte  Insurgentenschar 
in  dem  Treffen  bei  Senkovie-Bandin  (Odziak)  am  21.  September  einen  ver- 
nichtenden Schlag,  welcher  den  Aufsland  im  Südosten  Bosniens  vollends 
niederschmetterte.  Unter  dem  nachhaltigen  Eindruck  dieses  Treffens  vollzog  sich 
sodann  die  Entwaffnung  und  Pacitieation  dieses  Theiles  des  Oeciipalions-Gebietcs 
bis  gegen  die  Grenze  des  Paschaliks  Novibazar  ohne  weitere  Schwierigkeilen, 
indem  Rogatica  am  22.,  Kladanj  und  Vlasenica  am  23.  und  20.  September, 
endlich  Visegrad  und  Gorazda  am  1.  Üctober  ohne  Kampf  besetzt  wurden. 

Mittlerweile  hatten  gemäß  der  Dispositionen  des  Armee-Commandos,  und 
zwar  das  IV.  Corps  von  der  Save  bei  Samar-Nova  Brcka  und  das  III.  Corps  von 
der  Bosna  bei  Doboj  coopcrierend.  den  Aufstand  in  der  Posavina  und  Osl- 
B os ni e  n  niedergeworfen. 

Das  IV.  Corps  überschritt,  bei  gleichzeitigem  Scheinangriff  auf  Nova  Brcka. 
die  Sa  ve  bei  Samac  am  14.  September.  Die  XXXI.  Division  rückte  als  rechte 
Flügel-Colonne  unter  unbedeutenden  Gefechten  bis  Gradacae  am  lö.  und.  nach 
Fühlungnahme  mit  den  inzwischen  in  Gradacae  eingetroffenen  Vortruppen  des 
III.  Corps,  ostwärts  in  der  Richtung  gegen  Dolnja  Tuzla.  am  17.  bis  Dubrave. 
Die  XIII.  Division  als  linke  Flügel-Colonne  wandte  sich  nach  dem  Sa  ve- Übergang 
südöstlich,  nahm  nach  einem  Gefechte  am  1<>.  Gorica  an  der  Tinja,  sodann  nach 
hartnäckigem  Kampfe  am  17.  die  befestigte  Stadt  Nova  Brcka.  auf  welchen  Punkt 
sich  nunmehr  das  IV.  Corps  basierte.  Am  21.  September  überschritt  dasselbe  mit 
breiter  Front  die  Majevica  planina.  schlug  die  den  Kamm  besetzt  haltenden 
Insurgenten  in  mehreren  Gefechten  in  Flucht  und  rückte  bis  in  die  Linie  Dokanj- 
Brcska-Lipnica,  im  Halbkreise  nördlich  von  Dolnja  Tuzla. 

Das  III.  Corps  hatte  nach  der  Ziirürkuerfimg  der  Insurgenten  von  der  Stellung 
bei  Doboj  am  o.  September  durch  eine  Reihe  von  Streifimgen  und  Expeditionen 
behufs  Entwaffnung  und  Pacitication  des  im  Opcralionsbereiche  von  Doboj 
liegenden  Gebietes  vom  7.  bis  lü.  September  die  Offensive  gegen  Dolnja  Tuzla 
eingeleitet.  Unter  Festhaltung  Dobojs  durch  ein  verschanztes  Lager  rückte  sodann 
das  III.  Corps  am  17.  in  drei  Colonneti  im  Spreca-Thale  bis  Gracanica  vor. 
wahrend  eine  Colonne  behufs  Deckung  des  Bosna-Thales  über  Maglaj  und  die 
Kralica  planina  gegen  das  Turia- Thal  vorgieng.  Mit  Rücksicht  auf  die  aus- 
greifenden Bewegungen  des  IV.  gewann  das  III.  Corps  sodann  in  kurzen  Märschen 
bis  zum  21.  den  Westausgang  des  Jala-Dcfiles  am  rechten  Spreca-Ufer  in  der 
Linie  Ljubae-llan  Pirkovac-Sibic.  um  den  Hauptstoß  gegen  Dolnja  Tuzla 
von  Westen  zu  führen  und  den  Insurgenten  den  Rückzug  nach  Süden  zu  verlegen. 

So  standen  am  22.  früh  das  IV.  mal  III.  Corps  mit  H'J  Bataillonen  und 
72  Geschützen  zum  umfassenden  Angriffe  auf  Dolnja  Tuzla  bereit.  Die  Insurgenten- 


Digitized  by  Google 


458 


CLXX.  Promotion. 


—  Insuroctions-Kümpfe  1869  und  187*. 


schar  zerstreute  sich  aber  nach  allen  Richtungen  und  Unterwerfungs-Deputationen 
aus  Dolnja  Tuzia  erschienen  vor  den  beiden  Corps-Gommandanten.  Noch  am 
22.  nachmittags  wurde  diese  Stadt,  am  27.  Zvornik  besetzt  und  am  20.  über 
Kladanj,  am  29.  über  Vlascnica  die  Verbindung  mit  den  Truppen  im  Süd- 
osten Bosniens  hergestellt. 

Damit  war  unter  gleichzeitiger  Entwaffnung  und  Paeification  die  Oecupation 
Ost-Bosniens  vollzogen. 

Von  dem  an  der  Save  bei  Brod  als  «iiigemeine  Reserve  aufmarschierten 
V.  Corps  betheiligte  sich  von  Anfang  September  bis  Mitte  October  die  XIV.  Division 
mit  der  28.  Brigade  an  der  bereits  erwähnten  Einnahme  von  Bihae,  Theile  der 
27.  Brigade  an  der  Besetzung  der  nördlichen  Krajna,  wahrend  die  XXXVI.  Division 
mit  einem  Theile  Samac  und  Nova  Breka  besetzt  hielt,  mit  anderen  Theilen 
auf  der  Strecke  Brod-Doboj  echelloniert  war,  endlich  zwischen  der  Straße 
Samac-Gracaniea-Maglaj  und  der  Unna  das  nördliche  Grenzgebiet  West- 
Bosniens  durchstreifte,  entwaffnete  und  pacificierte,  ohne  dass  es  dabei  zu 
Kämpfen  kam. 

In  der  llercegovina  hatte  inzwischen  von  der  XVIII.  Division  eine  Brigade 
aus  Mostar  am  28.  August  Nevesinje  besetzt.  Zwei  größere  Detachements 
streift  eti  bis  Zimje  pol  je  am  7.  September.  An  beiden  Punkten  zerstreuten  sieh 
die  Insurgenten  ohne  Kampf. 

Aus  Dahnatien  von  Ragusa  aus  besetzte  eine  vom  FZM.  Frh.  von  Rodich 
entsendete  Brigade,  unter  kleinen  Gefechten  mit  den  Insurgenten  bei  Pridvorce, 
Mustaci  und  Gomiljani,  am  7.  September  Trebinje,  welches  gleichzeitig  von 
den  türkischen  Truppen  geräumt  wurde,  die  sich  dann  in  Ragusa  einschifften. 
Ein  Versuch  der  Insurgenten,  die  Verbindung  zwischen  Trebinje  und  Ragusa 
zu  unterbrechen,  wurde  durch  ein  Gefecht  bei  Pridvorce  am  9.  vereitelt.  Des- 
gleichen ward  ein  zweiter  Versuch  der  Insurgenten,  die  Verbindung  zwischen 
Trebinje  und  Bilek  zu  unterbrechen,  durch  das  Gefecht  von  Gorica  am  15. 
vereitelt. 

Mittlerweile  unternahm  FML.  Frh.  von  Jovanovic  mit  2  Gebirgs- 
Brigaden  eine  Expedition  in  den  eigentlichen  Herd  der  Insurrection,  in  die 
obere  llercegovina.  Die  Colonne  brach  am  11.  von  Domanovic  auf,  mar- 
schierte sodann  über  die  Hochebene  von  Da  bar,  Aber  Plana  und  Bilek  nach 
Trebinje,  wo  sie  am  18.  eintraf.  Während  dieses  Marsches  wurde  durch  ein 
Dctachement  Gacko  besetzt  und  so  linke  Flanke  und  Rücken  gedeckt.  Die 
rechte  Flanke  wurde  durch  eine  christliche  Freischar  unter  Dom  .Ivan  Mussic 
gesichert.  Die  Insurgenten  wagten  es  nur  bei  Jasen  am  18.,  sich  der  Colonne  zu 
nähern,  wurden  jedoch  durch  einige  Shrapnelschüsse  zerstreut.  Am  20.  drang  die 
Colonne  im  Verein  mit  der  aus  Ragusa  nach  Trebin  je  vorgerückten  20.  Brigade 
weiter  in  das  Korjenici-Gebiet  vor,  zerstreute  durch  einige  Shrapnelschüsse  die 
Insurgenten  bei  Necviece  am  20.  und  durch  ein  Gefecht  bei  Granearevo  am  22., 
worauf  dieselben  die  Feste  von  Klobuk  und  die  Höhen  von  Zastrm  besetzten. 
Nachdem  Klobuk   vom  21.  bis  27.  beschossen  worden  und  die  Insurgenten 


Digitized  by  Google 


Bei  der  Occupalion  Bosmen-Hercegovina.«  1878. 


459 


infolge  dessen  in  der  Nacht  vom  27.  auf  den  28.  über  die  nahe  montenegrinische 
Grenze  geflohen  waren,  wurde  die  Feste  am  28.  besetzt  und  sofort  demoliert.  . 
Da  dieselbe  bei  den  Einwohnern  stets  als  unüberwindlich  betrachtet  worden 
war,  brachte  deren  Einnahme  und  Zerstörung  einen  großen  moralischen  Eindruck 
hervor.  Damit  war  der  Aufstand  auch  in  der  oberen  Hercegovina  völlig  nieder- 
geworfen, worauf  der  ganze  Bezirk  in  den  nächsten  Tagen  ohne  weiteren  Wider- 
stand entwaffnet  wurde. 

Am  30.  September  concenlrierte  sich  hiezu  die  Golonne  wieder  in  Trebinje 
und  wurde  auch  die  Gegend  zwischen  Trebinje  und  Lubinje  paciticiert. 

Arn  5.  und  G.  October  legten  die  sieben  hereegovinischen  Bataillone,  welche 
sich  bei  dem  Aufslande  der  Hercegovina  gegen  die  Türken  im  Jahre  1875  aus 
den  christlichen  Einwohnern  gebildet  und  im  Jahre  1876  den  montenegrinischen 
Streitkräften  angeschlossen  hatten,  bei  Gradina  vordem  k.  k.  7.  Jäger-Bataillon 
die  Wallen  nieder. 

Am  8.  October  ward  der  im  Besitze  der  Montenegriner  befindliche  Bezirk  Bilek 
übernommen  und  durch  k.  k.  Truppen  besetzt,  worauf  der  Best  der  Golonne  der 
XVIII.  Division  über  Ragusa  und  Metkovic  an  die  Narenta  zurückmarsehierte. 

Inzwischen  stellte  ein  aus  Mostar  nach  Konjica  entsendetes  Detachement 
am  8.  October  in  Bacina  an  der  Narenta  die  Verbindung  mit  den  Truppen  in 
Bosnien  her,  während  Theile  der  von  Sarajevo  entsendeten  8.  Brigade  Fora 
besetzten. 

Damit  war  die  Oceupation  der  gesanunten  Hercegovina  vollzogen. 

• 

Während  dem  hatte  aus  Travnik  vom  XIII.  Gorps  die  VII.  Division  unter  FZM. 
Herzog  von  Württemberg  die  Expedition  gegen  Livno  ausgeführt.  Die  Division 
brach  mit  :i  Brigaden  am  20.  September  auf  und  bewirkte  am  25.  ihren  Aufmarsch 
an  der  Suica.  Im  Verein  mit  einer  aus  Dalmatien  von  Hau  Prolog  nächst  Sinj 
von  FZM.  Frh.  von  Rod  ich  entsendeten  Reserve-Brigade  wurde  sodann  Livno, 
welches  von  2000  Mann  regulärem  türkischen  Militär  und  3000  Insurgenten  mit 
15  Geschützen  besetzt  war,  unter  kleinen  Zusammenstößen  einzelner  Colonnen  mit 
dem  Feinde  am  2(1.,  eingeschlossen  und  von  5  Batterien  am  27.  durch  zehn  Stunden 
beschossen,  infolge  dessen  sich  die  Stadt  am  28.  früh  auf  Gnade  und  Ungnade 
unterwarf.  Während  das  Gros  der  VII.  Division  nach  Travnik  zurückmarsehierte, 
besetzte  außer  der  aus  Dalmatien  entsendeten  Reserve-Brigade  noch  die  Brigade 
des  GM.  Erzherzogs  Johann  Salvator  die  Stadt  Livno.  Letztere  bewirkte  die 
Entwaffnung  und  I'ucificierung  des  umliegenden  Gebietes  bis  Glamoc  und  Zu- 
panjac  u.  s.  w..  ohne  weiter  auf  Widerstand  zu  stoßen,  worauf  die  aus  Dalmatien 
entsendete  Reserve-Brigade  wieder  dahin  zurückkehrte. 

Damit  war  die  Occupalion  West-Bosniens  beendet. 

Endlich  bewirkten  von  dein  am  19.  September  besetzten  Bilme  aus  je  eine 
Brigade  der  XIV.  und  XXXVI.  Division  unter  GM.  Beinländer  im  Verein  mit 
anderen  Detachements  von  Kljuc.  Banjaluka  und  Kostajnica  die  völlige  Unter- 
werfung, und  zwar  zunächst  Ende  September  jene  von  Türkisch-Kroat  ien 


Digitized  by  Google 


4<10    <:LXX.  Promr.lioti.      ln»nrr. rlions ■K8t«|ij'p  isr.0  und  187».  -  IWnie»  llerrfpoviua  1*7*. 


zwischen  der  Una  und  Sana  bis  Petrovac  und  Knien  Vakuf.  sodann  im  Vorlauf 
des  Ortobers  jene  der  nördlichen  Krajna.  Trotzdem  diese  letzten?  nordwestlich» 
Spitze  des  Oeeupations-Gebietes  fast  völlig  von  dein  Territorium  der  Monarchie 
umschlossen  wird,  flammte  in  diesem  unwegsamen,  von  einer  wilden  und  rauf- 
lustigen Bevölkerung  bewohnten  Gebiete  noch  im  letzten  Augenblicke  der  Auf- 
stand neu  auf.  Eine  über  '.)000  Mann  starke  Insurgentenschar  mit  300  bis  iOO  Mann 
regulärem  türkischen  Militär  sammeile  sich  anfangs  October  bei  Reci  in  einet 
sehr  starken  Stellung,  um  den  k.  k.  Truppen  äußersten  Widerstand  zu  leisten. 
GM.  Reinländer  rückte  am  A.  October  mit  einer  Colonne  von  Zavaljc  übet 
Biliar  nach  Ostro/.ac.  am  4.  nach  Gazin,  während  rechts  eine  andere  Colonne 
am  4.  von  Krupa  über  Stjena  vorging,  daselbst  eine  Insurgentenschar  durc  h 
Geschützfeuer  vertrieb,  sodann  sich  in  Cazin  mit  der  ersten  Colonne  vereinigt«'. 
Nach  Entwaffnung  dieses  Ortes  sowie  der  Umgegend  am  ä.  wurden  die  Insurgenten 
in  zwei  Gefechten  am  6.  und  7.  bei  Feci  geschlagen  und  zersprengt,  hierauf  die 
nördliche  Krajna  durchstreift  und  entwaffnet.  Gleichzeitig  wurde  die  Feste  Velika 
Kladusa  am  9.  eingeschlossen,  bis  19.  beschossen  und  am  20.  October  besetzt. 

Damit  war  auch  das  letzte  Aufflammen  des  Widerslandes  in  der  nördlichen 
Krajna  erstickt. 

Im  Zusammenhange  mit  der  Occupation  von  Bosnien-Hcreegovina 
besetzten  k.  k.  Truppen  im  Jahre  1878  im  Süden  der  Monarchie  einerseits  das 
Gebiet  von  Spizza.  anderseits  im  Osten  nächst  Orsova  die  Donau-Insel  Ada 
Kaleh,  endlich  im  folgenden  Jahre  1879  unter  FZM.  Herzog  von  Württemberg 
den  an  Bosnien  angrenzenden  Theil  des  l'as«  haliks  Novibazar. 

Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  1.  geruhte  mit  Allerhöchstem  Armee- 
befehle vom  19.  October  1878  bei  Anordnung  der  Demobilisierung  den  Comnian- 
danlen.  Generalen.  Offizieren  und  der  Mannschaft  der  II.  Armee,  sowie  allen 
betheiligten  Angehörigen  des  Heeres,  der  Kriegs-Marine  und  beider  Landwehren 
mit  Bezugnahme  auf  die  außerordentlichen  Schwierigkeiten,  welche  bei  dieser 
Occupation  zu  bewältigen  gewesen,  u.  a.  mit  nachfolgenden  Worten  der  Aner- 
kennung den  huldvollsten  Dank  des  Obersten  Kriegsherrn  auszusprechen: 
.Den  Unbilden  außergewöhnlich  ungünstiger  Witterung,  den  Schwierig- 
keiten eines  unwegsamen  Bodens  und  unvermeidlichen  Entbehrungen  aller  Art 
Trotz  bietend,  haben  Meine  braven  Truppen  in  ruhmvollen  Kämpfen  den 
Widersland  einer  irregeleiteten,  fanatisicrlcn  Bevölkerung  gebrochen,  durch 
musterhafte  Mamiszucbt   und   ihre  altbewährte  Tapferkeit  die  Ehre  Unserer 
Fahnen  stets  hoch  zu  halten  gewusst  und  die  ihnen  gewordene  schwere  Aufgabe 
in  kurzer  Zeil  erfolgreich  gelöst 

Aus  den  Kämpfen  bei  der  Occupation  Bosniens  und  Hereegovinas 
erstanden  dem  Maria  Theresien-Ordeti  1  Commandern' und  3  Riller. 


Digitized  by  Google 


f :i>miiiiiiiik-ur  de-  M.  T.-O.  Joseph  Kicilu-ir  vun  Pliilip|K>vii;. 


1G1 


Cnmmaiuk'iir  des  Maria  Tliete.sieii-Ünlcn.s 
Joseph  Freiherr  Philippovic  Ton  Philippsberg. 

(Mit  Bil.liiis  aus  «!.m  Jahn-  IS7S.) 
Philippovic  wind»'  als  Sohn  eines  Ofliciers  von  altbosiiisehent  christlichen 
Adel  zu  Gospic  in  der  ehemaligen  Likaner  Militär-Grenze  Croalicns  am 
i*S.  April  ISIS  geboren  und  betrat  frühzeitig  die  militärische  Laufbahn,  indem  er 
im  16.  Lebensjahre,  am  1. September  1 831-,  in  das  Likaner  Grenz-Regimenl  Nr.  1  als 
(ladet  eintrat.  Am  1.  Februar  1830  zum  Regiment s-Cadcten  mutiert,  wurde  er 
am  1.  April  desselben  Jahres  zum  Pionuier-Corps  transferiert  und  genoss  in  der 
Tullner  Pionnier- Corps  -  Schule  seine  militärische  Ausbildung.  Am 
I.  April  1839  erfolgte  seine  Beförderung  zum  rnterlieutenant  II.  Classc,  am 
Mi.  Deeember  1812  zum  Unterlieutenant  I.  blasse  und  am  29.  September  1K13 
zum  Oberlieutenant,  bei  gleichzeitiger  Übersetzung  in  den  General-Ouartier- 
meister-Stab.  Am  20.  September  1 S17  zum  Hauptmann  befördert,  machte  von 
Philippovic  die  Feldzüge  von  1818  und  1819  in  Ungarn  mit. 

im  Feldzuge  1818  betheiligte  ersieh  an  der  Unterdrückung  des  Aufstandes 
in  Wien  und  zwar  speciell  an  den  Gefechten  bei  der  Sophien-Brücke  und  bei 
Schwee  hat.  Kr  wurde  bei  der  Hinnahme  von  Wien  leicht  verwundet,  machte 
sodann  das  Gefecht  bei  Parendorf  am  lti.  Deeember.  die  Einnahme  von  Alten- 
burg am  18.  Deeember  und  das  Treffen  bei  Moor  am  30.  Deeember  mit.  Wahrend 
dieses  Feldzuges,  in  welchem  von  Philippovic  als  Souschel*  der  Geiieralslabs- 
Abtheilung  des  I.  Corps  unter  dem  Banus  von  Croatien.  FML.  Frh.  von  Jellacic 
fungierte,  war  am  13.  November  1818  seine  Beförderung  zum  Majoren  bei  dem 
Warasdiner  Grenz-Begiment  erfolgt. 

Für  seine  Leistungen  in  dem  Feldzuge  von  1S18  wurde  von  Philippovic  im 
Jahre  1819  mit  dem  Militär- Verdienstkreuze  ausgezeichnet. 

Im  Feldzuge  von  1819  kämpfte  Major  von  Philippovic  in  dem  Gefechte  bei 
Teteuy  am  3.  Jänner,  in  den  Schlachten  beiKäpolna  am  20.  u.  27.  Februar,  bei 
lsaszeg  am  G.  April,  in  drei  Recognoscierungs-Gefechteii  bei  Pesth  am  11.,  IG., 
21.  April,  bei  der  Erstürmung  von  Neusatz  am  12.  Juni,  in  dem  Treffen  bei 
O-Brcse  am  25.  Juni  und  in  der  Schlacht  bei  Hegyes  am  1 1.  Juli. 

Für  seine  hervorragenden  Leistungen  bei  Hegyes  wurde  Major  von  Philip- 
povic mit  dem  Ritterkreuze  des  Leopold-Ordens  ausgezeichnet. 

Am  12.  September  1S5I  erfolgte  unter  gleichzeitiger  Ernennung  zum  General- 
Adjutanten  bei  dem  Rauns  von  Croatien.  seine  Beförderung  zum  Oberst- 
lieutcnant.  am  1.  Jänner  ls.7.5  zum  Obersten  und  Conunamhtnlen  des  Waras- 
diner-Kreuzer  .">.  Grenz-Regiments,  am  19.  April  1809  mit  Vorbehalt  des  Ranges 
für  seine  Vorderleute  zum  Generalmajor. 

Im  Kriege  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
befehligte  CM.  von  Philippovic  eine  Brigade  im  VIII.  Armee-Corps  unter  der 
Führung  des  FZM.  Ritter  von  Benedek.   Nachdem  es  ihm  in  der  ersten  Periode 


Digitized  by  Google 


4-02  ^LXX.  Promotion.  -  In5urrectious-Kftni|ife  186*J  und  1ü7h.  —  Bosnien  lkrcegovina  I X7R. 


des  Feldzuges  nicht  vergönnt  gewesen,  an  den  Feind  zu  kommen,  nahm  er  in  der 
Schlucht  hei  Solferino  um  24.  Juni  unter  Benedek  an  dem  Kampfe  bei  S.  Mai- 
tino theil. 

Philippovic!  kämpfte  mit  seiner  Brigade  durch  zwölf  Stunden  gegen  einen 
übermächtigen  Gegner,  und  zwar  wie  die  Monturen  der  Gefangenen  bewiesen, 
nacheinander  gegen  das  C,  8..  11.,  12.,  17.  und  18.  piemontesische  Regiment. 
Dabei  hatte  seine  4.545  Mann  starke  Brigade  einen  Verlust  von  23  Officieren  und 
847  Mann.  Wiewohl  selbst  während  des  heftigsten  Kampfes  von  dem  Luftdruck 
einer  Kanonenkugel  niedergeworfen,  focht  er  den  ganzen  Tag  in  den  ersten  Reihen 
seiner  Truppen  mit  und  trug  in  allen  Phasen  des  Gefechtes  zu  der  siegreichen 
Behauptung  des  VIII.  Corps  von  S.  Martino  hervorragend  bei. 

In  Anerkennung  dieser  Leistungen  in  der  Schlacht  bei  Solferino  geruhte 
Seine  Majestät  der  Kaiser  den  GM.  von  Philippovic  durch  Allerhöchste  Ent- 
schließung vom  17.  Decembcr  185!)  mit  dem  Orden  der  Eisernen  Krone 
II.  Classe  auszuzeichnen,  sodann  in  Gemäßheit  derOrdensstatuten  am 20. März  1800 
in  den  erblichen  Freiherrnstand  des  österreichischen  Kaiserstaates  zu  erheben. 

In  den  Jahren  1801,  1804  und  1805  fungierte  GM.  Frh.  von  Philippovic  als 
kaiserlicher  Coinmissär  bei  dem  serbischen  Kirchen-Congress  in  Carlowilz  und 
wurde  aus  diesem  Anlasse  nach  dem  zweiten  dieser  Congres.se,  am  24.  November 
1864,  mit  dem  Ritterkreuze  des  St.  Stephans-Ordens  ausgezeichnet. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1860  machte  Frh.  von 
Philippovic  den  Feldzug  gegen  Preußen  mit  der  Nord-Armee,  eingetheilt  bei 
dem  II.  Armee-Corps  als  Adlatus  des  Gorps-Gommuuriant.cn,  mit.  Er  wohnte  der 
Kanonade  bei  Kukus  am  30.  Juni  bei  und  betheiligle  sich  sodann  in  der  Schlacht 
bei  Königgrätz  am  3.  Juli  an  den  Kämpfen  des  II.  Armee-Corps  um  den  Swiep- 
Walri.  Während  des  Rückzuges  der  Nord-Armee  von  Olmütz  nach  Pressburg 
am  16.  Juli  zum  Feldniarschall-Lieutenant  befördert,  war  Frh.  von  Philippovic 
in  dem  wichtigen  Moment  unmittelbar  vor  Eintritt  des  WalTenstilUtanries  berufen, 
durch  seine  Umsicht  und  Thatkrufl  erheblich  dazu  beizutragen,  riass  der  wichtige 
Donau-Übergangspunkt  bei  Pressburg  im  Besitze  des  II.  Armee-Corps  verblieb. 
Es  war  dies  am  Tage  des  Treffens  von  Blumenau,  am  22.  Juli,  als  der  Feind  diesen 
wichtigen  Punkt  um  jeden  Preis  in  seine  Gewalt  zu  bringen  suchte. 

Das  an  der  Ttte  der  Nord-Armee  marschierende  II.  Armee-Corps  war  beor- 
dert, von  Tyrnau  mit  thuulichster  Beschleunigung  nach  Pressburg  zu  rücken, 
um  der  von  feindlicher  ('hermacht  bei  Blumenau  bedrohten  Brigade  Mondel  des 
N.  Corps  Rückhalt  zu  bieten  und  Pressburg  zu  sichern.  Während  die  Tete- 
Brigade  des  II.  Corps  theils  zu  Wahren,  theils  mittels  Eisenbahn  von  Tyrnau 
nach  Press  bürg  geworfen  winde  und  die  anderen  Brigaden  theils  per  Bahn,  theil.« 
zu  Fuß  dahin  nachfolgten,  eilte  über  Befehl  des  Oorps-Commaiirianlen  mit  der  Spitz»' 
des  Corps  auch  FML.  Frh.  von  Philippovic  von  Tyrnau  voraus,  recognoscierle 
am  21.  die  Stellung  bei  Blumenau  und  traf  an  Ort  und  Stelle  die  nöthigen  Dis- 
positionen, um  den  Feind  im  Falle  des  Angiitis  bi*  zum  vollständigen  Eintreffen 
des  II.  Armee-Corps  hinzuhalten. 


Digitized  by  Googhf 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


(.Viiiiii.ukIkul  des  M.  T.  <J  Joseph  Freiherr  \<>n  I'liili|>i>u\ it;. 


Am  22..  theils  vor,  theils  während  des  feindlichen  Angriffes  dirigierte  Philip- 
povic die  suecessive  in  Pressburg  eintreffenden  Brigaden  und  Batterien  des 
II.  Corps  in  die  durch  ihn  ermittelten  Aufstellungen,  in  welchen  theils  direcl  in  das 
Gefecht  offensiv  eingegriffen,  theils  die  Brigade  Mündel  aufgenommen,  unter  allen 
Umständen  aber  Pressburg  bis  zum  Eintreffen  des  nachrückenden  Gros  der  Nord- 
Armee  behauptet  werden  konnte.  Thalsächlich  blieb  auch  dieser  wichtige  Punkt, 
als  der  vereinbarte  Waffenstillstand  um  Mittag  des  22.  eintrat,  im  Besitze  der 
k.  k.  Truppen,  wozu  die  von  FML.  Frh.  von  Philippovic  getroffenen  Einleitungen 
das  ihrige  beitrugen. 

Für  die  Leistungen  in  diesem  Feldzuge  wurde  »lern  FML.  Frh.  von  Philippovic 
am  3.  October  1866  die  Allerhöchst  belobende  Anerkennung  zutheil. 

Am  6.  September  1866  wurde  FML.  Frh.  von  Philippovic  zum  Commandanten 
der  I.  Truppen-Division  in  Wien,  am  5.  December  1867  zum  Oberst-Inhaber 
des  35.  Infanterie-Regiments,  am  18.  Jänner  1870  zum  Commandanten  der 
VIII.  Truppen-Division  in  Innsbruck,  sowie  gleichzeitig  zum  Landes-Vertheidi- 
gungs-Ober-Commandanten  für  Tirol  und  Vorarlberg  ernannt. 

Am  28.  Jänner  1874  erfolgte  die  Beförderung  des  Frh.  von  Philippovic  zum 
Feldzeugmeister  unter  gleichzeitiger  Ernennung  zum  Commandierenden 
General  in  Brünn,  von  welchem  Posten  er  bald  darauf,  am  14.  Juni  1874,  zum 
Commandierenden  General  in  Prag  ernannt  wurde. 

Im  Jahre  1878  sah  sich  FZM.  Frh.  von  Philippovic  durch  das  Allerhöchste  Ver- 
trauen Seiner  Majestät  des  Kaisers  zu  einer  hochwichtigen,  ehrenvollen  Aufgabe, 
zur  Durchführung  der  Occupation  von  Bosnien,  beziehungsweise  der  Herce- 
govina  berufen.  Er  wurde  am  3.  Juli  1878  zum  Commandanten  des  zum  Ein- 
märsche in  Bosnien  bestimmten  XIII.  Armee-Corps  ernannt,  dabei  gleichzeitig  mit 
der  Oberleitung  der  zur  Besetzung  der  Hercegovina  unter  FML.  Frh.  von  Jovanovic 
bestimmten  XVIII.  Infanterie-Truppen-Division  betraut.  Die  Occupation  nahm  den 
bereits  im  allgemeinen  geschilderten  Verlauf.  Der  erfolgreiche  Ausgang  des  Unter- 
nehmens in  Bosnien  war  wesentlich  das  Werk  des  FZM.  Frh.  von  Philippovic. 

Die  zur  Occupation  bestimmten  Truppen  sammelten  sich  an  den  Grenzen 
der  Monarchie  unter  der  allgemein  verbreiteten  Annahme,  jenseits  derselben  gar 
keinen  oder  bloß  einen  kaum  ins  Gewicht  fallenden  netiven  Widerstand  zu  finden. 
FZM.  Frh.  von  Philippovic  traf  zwar  angesichts  der  ihm  von  früherher  bekannten 
inneren  Zustände  im  Occupations-Gebiete  alle  Dispositionen,  damit  das  XIII.  Armee- 
Corps  etwaigen  offenen  Feindseligkeiten  begegnen  konnte.  Gleichwohl  wirkte  es 
überraschend  und  für  die  Corps -Leitung  wesentlich  erschwerend,  als  kurz  nach 
dem  am  31.  Juli  erfolgten  Grenzübertritte  in  jeder  Marschrichtung  der  bewaffnete 
Widerstand  der  mohamedanischen  Bevölkerung  blutig  zum  Ausbruche  kam. 

Von  den  Ereignissen  bei  Maglaj  am  3.  August  an,  als  die  k.  k.  Truppen  nur 
mehr  mit  Gewalt  ihre  Aufgabe  erfüllen  konnten,  war  es  dem  FZM.  Frh.  von  Philip- 
povic vollkommen  klar,  dass  die  für  die  Occupation  zur  Disposition  gestellten  Streit- 
kräfte, im  Hinblicke  auf  die  Natur  des  Schauplatzes,  unzulänglich  waren.  Diese 
Erkenntnis  steigerte  sich  zur  vollsten  Gewissheit  noch  durch  den  Umstand,  dass 


Digitized  by  Google 


< XXX.  Promotion.       Iiimiiw  ti->ns- Kampfe  ISfi'.i  un.i  |s7x    -  lki*uieii-Huritv>\ üi;i  l^7s. 

die  einzelnen  Colonnen  unter  einander  in  keiner  dieselben  gegenseitig  sichernden 
Verbindung  zu  bleiben  vermochten,  wäbrend  die  Insurgenten  in  dein  gebirgigen 
Zwischenterrain  in  ungebindertriu  Verkehre  unter  einander  standen. 

FZM.  Frb.  von  Philippovic  sah  sieb  daher  vor  die  Alternative  gestellt,  entweder 
erst  nach  dem  Anlangen  der  Allerhöchstenorts  erbetenen  namhaften  Verstär- 
kungen die  ParifiVation  Schrill  für  .Schritt  durchzuführen,  oder  die  begonnene 
Vorrückung  entschlossen  fortzusetzen. 

Er  wählte  das  Letztere,  vertrauend  auf  den  Wert  der  Truppen  und  geleitet 
von  den  Erwägungen,  zu  welchen  ihn  die  aus  dem  Innern  des  insurgierten  Lindes 
nach  und  nach  einlaufenden  Nachrichten  bestimmten.  Letztere  lauteten  dahin, 
dass  in  Sarajevo  eine  revolutionäre  Regierung  mit  allen  erdenklichen  Mitteln  den 
Aufstand  forcierte.  Darnach  ließ  sich  ermessen,  dass  die  Macht  der  Insurrection  mit 
jedem  Tage,  der  ihr  uiibekämpft  gegönnt  würde,  wachsen  und  der  Widerstand 
bei  der  Allseitigkeit  seiner  Basis  in  kurzem  das  ganze  Ooeupalions -Gebiet 
beherrschen  musste.  Erschien  die  Bewältigung  der  Insurrection  gegen  eine 
äußerst  kriegerische  Bevölkerung  in  einem  Gebirgsland  bei  höchst  mangelhaften 
und  unzureichenden  Oouimuiiicationen  überhaupt  sehr  schwierig,  so  musste  sie 
umso  schwerere  Opfer  und  umso  mehr  Zeit  erfordern,  wenn  der  Aufstand  bei  der 
demselben  durch  das  Verhalten  der  türkischen  Behörden  und  Truppen  vielfach 
gewährten  Unterstützung  seine  Organisation  hätte  vollenden  können. 

FZM.  Frb.  von  Philippovic  erkannte,  dass  da  eine  über  alle  Bedenken  sieh 
hinwegsetzende  ununterbrochene  Offensive  von  durchschlagender  Tragweite  war. 
Sie  durfte  nach  seiner  Überzeugung  aber  auch  aus  Gründen  der  Waffen  ehre 
nicht  mehr  rückgängig  gemacht  werden,  sobald  die  k.  k.  Truppen  in  den  Bereich 
der  Insurrection  gelangt  waren. 

In  diesem  Geiste  leitete  FZM.  Frb.  von  Philippovic.  mit  der  im  Bosna-Thale 
als  Haupl-Colonne  des  XIII.  Armee-Corps  vorrückenden  VI.  Division  marschierend, 
persönlich  alle  Kämpfe  dieser  Colonne.  Mit  der  den  gegebenen  Verhältnissen 
angepassten  Taktik  schlug  er  die  ihm  sich  entgegenstellenden  Insurgenten  in 
den  Gefechten  bei  Kosna  am  4..  bei  Maglaj  am  "i.  und  bei  Zepce  am  7.  August, 
während  die  VII.  Division  im  Vrbas-Thale  vordrang. 

Nach  siegreichen  Kämpfen  überschritten  so  die  VI.  und  VII.  Infanterie- 
Truppen-Division  die  Gebirgsengen  bei  Vranduk  undRogelje,  und  schon  schien 
die  Absicht,  die  Insurreelioii  durch  Besetzung  der  Milte  des  Landes  zu  spalten  und 
deren  Kernpunkt  rasch  in  die  Gewalt  zu  bekommen,  erreicht. 

Da  trafen  in  Zetiica  am  August  die  ungünstigsten  Nachrit  hten  von  der 
XX.  hifanterie-Triippeii-Divisioii  ein.  welche  in  der  Dichtung  Sainac-Zvoruik 
vorzurücken  hatte.  Diese  Division  hatte  der  unvermulhet  starken  Erhebung  der 
Bevölkerung  in  den  Kämpfen  .im  und  10.  August  nächst.  Dolnja  Tuzla  nicht 
Herr  weiden  können  und  mussle  aus  berecbligler  Besorgnis,  ohne  Munition  und 
Verpflegung  dem  mächtigen  Autstande  zu  erliegen,  auf  Graeanica  zurückgehen. 

In  diesem  Augenblicke  traten  dem  FZM.  Frb.  von  Philippovic  alle  jene 
Bedenken  in  verstärktem  Maße  vor  die  Si  ele,  welche  die  Vorrückung  mit  unzu- 


Digitized  by  Googl 


Commamleur  des  M.  T.-O.  Joseph  Freiherr  von  Philippovid. 


405 


reichenden  Kräften  widerrathen  hatten,  umsomehr  als  nach  der  Meldung  der 
XX.  Truppen-Division  keineswegs  zu  erwarten  war,  dass  sie  bei  Graß  an  ica  stand- 
zuhalten vermögen  werde.  Diese  Meldung  lautete  folgendermaßen: 

„XX.  Infanterie-Truppen-Division,  10.  August  von   D.  Tuzla  2  Uhr 
30  Minuten.  —  An  das  k.  k.  13.  Armee-Corps-Gommando  ibi  ubi.  —  Seit 
gestern  im  heftigen  Gefechte  bei  D.  Tuzla,  die  Insurgenten  mit  Geschütz 
bewaffnet,  werde  von  allen  Seiten  heftig  angegriffen,  habe  heute  mühsam  Fort- 
schritte gemacht,  doch  ist  Verlust  besonders  von  Oflicieren  ziemlich  groß.  Kann 
mich  bei  Erschöpfung  von  Mann  und  Pferd  schwerlich  hier  behaupten,  eventueller 
Rückzug  ist  Gracanica-Doboj,  werde  alsdann  trachten  bei  Gracanie.a  mich 
zu  behaupten.  Bitte  um  Veranlassung,  dass  bei  Doboj  Verbindung  über  Bosna 
errichtet  werde.  Brauche  dringend  Verpflegsbedürfnisse  und  Munitions-Ersatz. 
Verpllegsbedarf  mit  Hinzurechnung  aller  Nachschübe  nur  mehr  für  drei  Tage.« 
FZM.  Frh.  von  Philippovic  erfasste  die  Gefahr  in  ihrem  ganzen  Umfange, 
trachtete  aber  Herr  derselben  zu  werden,  indem  er  auf  die  Fortsetzung  der  Opera- 
tionen in  der  Richtung  Zvornik  bis  zum  Eintreffen  von  Verstärkungen  verzichtete, 
dagegen  vor  allem  die  Sicherung  der  durch  die  westlichen  Colonnen  erreichten 
Vortheile  ins  Auge  fasste. 

FZM.  Frh.  von  Philippovic  erließ  noch  am  12.  August  Befehle,  die  einen  nach- 
haltigen Widerstand  bei  Doboj  zum  directen  Schutze  der  Etapenlinie  im 
Bosna-Thale  ermöglichen  sollten  und  wies  das  XX.  Divisions-Commando  auf 
jenes  Repli  hin. 

Trotz  wohlbegründeter  Besorgnis  für  die  wichtige  Operationslinie  im  Bosna- 
Thal  unterbrach  aber  FZM.  Frh.  von  Philippovic  seine  eigenen  Operationen  nicht, 
sondern  ordnete  für  den  14.  August  den  Weitermarsch  gegen  Sarajevo  an,  in  der 
Erwartung,  dass  sich  der  Haupt-Colonne  schon  bei  Han  Compagnia  eine  zweite 
Verbindung  mit  der  Basis,  jene  über  Travnik-Banjal uka-Gradiska,  eröffnen 
musste. 

Die  Haupt-Colonne  durch  eine  von  der  VII.  Division  herangezogene  Gebirgs- 
brigade  auf  vier  Gebirgsbrigaden  verstärkend,  drang  er  von  Zenica  entschlossen 
gegen  Sarajevo  weiter  vor.  Etwas  über  ein  Drittel  seiner  Streitkräfte  — 
7  Bataillone,  1  Escadron,  12  Geschütze  —  als  Nebcn-Colonne  unter  FML.  von 
Tegetthoff  auf  die  alte  Prinz  En  gen  .sehe  Straße  im  Bosna-Thale  detachierend, 
rückte  FZM.  Frh.  von  Philippovic"  selbst  mit  dem  Gros  der  Haupt-Colonne  — 
13  Bataillonen,  2  Escadronen.  40  Geschützen  —  auf  der  neuen  Straße  vor. 

Als  er  jedoch  am  15.  August  in  Busovaca  einrückte,  kamen  nun  aus 
Travnik  privative,  jedoch  völlig  glaubwürdige  Mittheilungen,  dass  Banjaluka 
von  den  Insurgenten  überfallen  worden  und  genommen  sei.  Damit  war  eine  in 
jenem  Momente  wichtige  Stütze  der  Operationen  des  Armee-Corps  verloren  oder 
doch  sehr  gefährdet  und  nach  den  Erfahrungen,  welche  bei  Dolnja  Tuzla  gemacht 
worden,  nun  eine  mächtige  Erhebung  in  der  Krajna  mehr  als  wahrscheinlich. 
Dazu  trat  die  Überzeugung,  dass  je  weiter  der  Aufstand  im  Rücken  an  Intensität 
und  Kraft  gewann,  die  Existenz  der  bereits  in  die  Mitte  des  Landes  vorgedrun- 

MiliUnnch  r  Muri«  Th«rt«icn-Orden.  30 


Digitized  by  Google 


46G  fiLXX.  Promotion.  —  Insunections-Kampfe  lK«y  und  1»7S.  -    Bosnien-Hcrcegovina  1878. 

genen  VI.  und  VII.  Truppen-Division  in  um  so  höherem  Grade,  schon  wegen 
unausbleiblicher  Störungen  im  Verpflegsnachsehube,  bedroht  war. 

Dennoch  bestand  FZM.  Frh.  von  Philippovic  auch  da  auf  der  Vorrückung  und 
traf  zu  diesem  Zwecke  nach  rückwärts  telegraphisch  folgende  Dispositionen,  welche 
sein  Verhalten  in  der  hochkritischen  Situation  des  XIII.  Armee-Corps  um  jene  Zeit 
ebenso  scharf  als  charakteristisch  beleuchten: 

„XX.  resp.  XXXVI.  Truppen- Di visions-Commando  -  Busovaea  am 
IG.  August  1878  —  Philippovic  m.  p.  —  Telegramm.  —  Die  Ereignisse  bei  der 
VII.  Division,  wornach  Banjaluka  in  die  Hände  der  Insurgenten  gefallen  sein 
soll,  bestimmen  mich,  dem  betreffenden  Herrn  Divisionär  folgende  Directiven 
zu  geben: 

Der  von  Tuzla  der  XX.  Division  nachgefolgte  Gegner  ist  scharf  zu  beob- 
achten und  es  ist  demselben,  falls  er  sich  nach  Tuzla  zurückziehen  oder  dort 
sammeln  wollte,  zu  folgen,  damit  nicht  —  was  wahrscheinlich  — ■  diese  Kräfte  sicli 
ungeschwächt  auf  Sarajevo,  wohin  ich  in  ".J  Tagen  zu  kommen  gedenke,  werfen. 

General-Gommando  Agram  im  Namen  des  Corps-Gommando  ersuchen, 
sofort  alle  verfügbaren  Kräfte  der  I.  Division  über  Gradiska  gegen  Banjaluka 
zu  werfen,  um  die  VII.  Division,  deren  Verbindung  gefährdet  erscheint,  zu 
degagieren. 

General-Gommando  wolle  ferner  GM.  Zach  mit  der  ihm  zur  Disposition 
stehenden  Kraft,  sofort  auf  der  ihm  vorgezeichneten  Linie  vorrücken  machen, 
um  hiedurch  nicht  nur  die  Flanke  der  VII.  Division  zu  sichern,  sondern  auch 
derselben  eine  neue  Verbindung  mit  dem  Inlande  zu  eroffnen. 

Der  Saumweg.  welcher  von  Do boj  über  Pernjavor  nach  Banjaluka 
führt,  ist  durch  eine  Abiheilung  zu  sichern." 

Die  speciell  an  die  XX.  Division  erlassene  Directive  war  völlig  von  dem  Geiste 
entschlossener  Offensive  des  FZM.  Frh.  von  Philippovic  beseelt.  Die  im  Spreca- 
Thale  kämpfenden  Insurgenten  konnten  nämlich  von  der  revolutionären  Regierung 
infolge  des  siegreichen  Vordringen.-,  der  Haupt-Colonne.  nach  Sarajevo  zuhilfe 
gerufen  werden.  Dieser  Eventualität  sollte  das  XX.  Truppen-Pivisions-Commando 
begegnen,  indem  es  unausgesetzte  Fühlung  mit  den  gegenüberstehenden  Insur- 
genten zu  halten  und  ihnen  im  Falle  des  Rückzuges  angriffsweise  zu  folgen  hatte. 

So  wahrte  FZM.  Frh.  von  Philippovic,  trotz  der  Gefährdung  seiner  beiden  Nach- 
schubslinien bei  Doboj  und  bei  Banjaluka,  den  k.  k.  Waffen  auch  weiterhin  die 
Initiative  und  rückte  kühn  weiter  vor. 

Die  Haupt-Colonne  jagte  am  IG.  August  die  das  Wuld-Delile  von  Hau 
Bjelalovac  besi  tzt  hallenden  ."»000  Insurgenten  mit  G  Geschützen  -  dieselben 
in  deren  linker  Flanke  vollständig  umfassend  —  trotz  heftigen  Widerstandes  in 
wilde  Flucht.  Audi  die  Neben-Colonne  FML.  Tegel thoff  trieb  die  Insurgenten 
durch  die  Gefechte  bei  Kakanj  am  lö.,  bei  Kolotic  am  IG.  und  bei  Visoka  am 
17.  siegreich  vor  sich  her. 

Während  aber  an  diesem  Tage  die  Neben-Colonne  noch  in  hartem  Kampfe 
bei  Visoka  stand,  traf  bei  dem  mit  der  Haupt-Colonne  vorrückenden  Corps- 


Digitized  by  Google 


Commaiideur  des  M.  T.-Ü.  Joseph  Freiherr  von  Philippovti. 


467 


Commando  auf  dem  Durchmärsche  in  Kiseljak  am  17.  August  aus  Doboj  nach- 
folgende erschütternde  Meldung  ein : 

„Telegramm.  —  XX.  Truppen-Division,  Gefechtsfeld  Doboj,  XIII.  Armee- 
Corps.  —  Aufgegeben  16.  August  um  \  Uhr  4-5  Min.  —  Seit  heute  morgens  in 
sehr  heftigem  Gefechte.  Halte  zwar  noch  die  Stellung,  doch  wird  der  Rückzug 
über  die  Bosna  eventuell  Kotorsko  nöthig,  mache  hierauf  Corps-Commando 
aufmerksam.  —  Szäpäry.* 

Diese  Meldung  konnte  sowohl  nach  ihrem  Inhalt  als  nach  ihrer  Form,  ins- 
besondere aber  im  Zusammenhalt  mit  den  in  jener  Richtung  vorausgegangenen 
Ereignissen  nur  im  schlimmsten  Sinne  aufgefasst  werden.  Darnach  war  die  Etapen- 
linie  von  Brod  durch  die  Räumung  des  rechten  Bosna- Ufers  dauernd  gefährdet, 
wenn  nicht  gar  schon  thatsächlieh  unterbrochen. 

FZM.  Frh.  von  Philippovic  stand  nun  einer  überaus  ernsten  Sachlage  gegen- 
über. Beide  Nachschubslinien  waren,  wie  es  schien,  in  der  Gewalt  des  Gegners 
oder  nahe  daran;  —  auf  der  eigenen  Vorrückungsfront  bestand  die  Haupt-Golonne 
eben  ein  heftiges  Gefecht,  welchem  unzweifelhiift  weitere  ernste  Kämpfe  folgen 
mussten.  Dies  war  die  Lage  des  Armee-Corps  am  17.  inmitten  eines  insurgierten 
Landes  ohne  Transversalverbindungen:  denn  noch  war  es  der  XVIII.  Truppen- 
Division  nicht  gelungen,  über  Mostar  vorzurücken,  und  voraussichtlich  würde  sie 
dies  mit  der  Unterbrechung  ihrer  eigenen  Nachschubslinie  bezahlt  haben,  wie  dies 
die  Ereignisse  bei  Stolac  vom  13.  August  an  bewiesen. 

Unter  solchen  Umständen  hätte  FZM.  Frh.  von  Philippovic  nicht  der  leiseste 
Vorwurf  treffen  können,  wenn  er  im  Vormärsche  eingehalten  hätte,  ja  selbst 
zurückgegangen  wäre,  um  eventuell  alle  Kräfte  auf  der  Broder  oder  Alt-Gradis- 
kaner  Operationslinie  zu  vereinigen.  Es  war  in  jenem  Zeitpunkte  eben  in  keiner 
Weise  verbürgt,  dass  sich  der  Widerstand  bei  Sarajevo,  wo  die  Bevölkerung  einer 
großen  Stadt  die  Insurgenten  unberechenbar  verstärken  konnte,  werde  bezwingen 
lassen. 

FZM.  Frh.  von  Philippovic  war  sich  aber  dessen  bewusst,  dass  von  seinem 
Entschlüsse  nicht  allein  der  militärische  Erfolg  abhieng,  sondern  Wichtigeres  auf  dem 
Spiel  stand:  das  politische  Prestige  des  Vaterlandes.  Kam  die  Operation 
in  eine  dauernde  Stockung,  dann  mussten  sich  alle  jene  Gegensätze  verschärfen, 
welche  die  Occupatio!!  im  In-  und  Auslande  erzeugt  hatte.  Die  Waffenehre 
würde  zudem  eine  empfindliche  Einbuße  erlitten  haben,  denn  es  hätte  einen 
geradezu  peinlichen  Eindruck  machen  müssen,  wenn  den  Nachrichten  aus  dem 
Spreca-Thale  jene  von  dem  Abbruche  der  Offensive  der  Haupt-Colonne  im 
Bosna-Thale  auf  dem  Fuße  gefolgt  wären. 

Diese  Beweggründe  ließen  FZM.  Frh.  von  Philippovic  auf  die  Eindrücke  der 
Nachrichten  von  Ranjahika  und  Doboj  nicht  weiter  achten,  ja  sie  bestärkten 
ihn  vielmehr  im  getreuen  Festhalten  an  der  ursprünglichen  Idee  entschlossenster 
Offensive.  Der  heldenmüthige  Entschluss,  weiter  vorzudringen,  wurde  auch  dank 
der  festen,  raschen  und  energischen  Ausführung  von  vollstem  Erfolge  gekrönt. 

30' 


Digitized  by  Google 


4C8  CLXX.  Promutiou.  -  InsurrecÜons- Kampfe  1869  und  1878.  -  Bosnien-Hercegovina  1»78. 

Unaufhaltsam  rückte  FZM.  Frh.  von  Plülippoviö  mit  der  auf  die  beiden 
Straßen  vertheilten  Haupt-Colonne  auf  Sarajevo  als  das  Centrum  des  Landes  los, 
um,  wie  er  sich  ausdrückte,  „der  Schlange  das  Haupt  zu  zertreten',  um  mit  einem 
mächtigen  Schlage  die  Insurrection  in  Mittel -Bosnien  völlig  niederzuschmettern. 
Fanatiker  wiegelten  nämlich  die  Hauptstadt  des  Landes  auf,  während  es  den 
Leitern  des  Aufstandes  gelang,  trotz  der  Niederlage  hei  Hau  Bjelalovac  und 
Visoka.  zahlreiche  Insurgenten-Banden  in  Sarajevo  zusammenzurotten  und 
auch  die  einheimischen  Mohamedaner  zu  weiterem  Widerstande  zu  bewegen  oder 
zu  zwingen,  infolge  dessen  5000  bis  6000  Insurgenten  mit  mehreren  Geschützen 
den  k.  k.  Truppen  die  Besetzung  der  Hauptstadt  zu  verwehren  suchten. 

FZM.  Frh.  von  Philippovic  zermalmte  auch  diesen  fanatischen  Widerstand 
durch  das  Treffen  von  Sarajevo  am  19.  August. 

Er  ließ  die  Neben-Golonne  unter  FML.  von  Tegetthoff  von  Norden  über  die 
Höhen  des  Pasin  Brdo  vorgehen,  während  er  selbst  mit  der  Hauptkraft  von 
Westen,  aus  der  Thalebene  über  die  Höhen  des  Debelo  Brdo  und  des  1000  Meter 
hohen  Trebevic  vordrang.  Tegetthoff  griff  am  rechten  Ufer  derMiljaeka  mit 
seinem  linken  Flügel  das  Castell.  mit  dem  rechten  die  größere  nördliche  Hälfte 
der  Stadt  an.  Philippovic  richtete  im  Anschluss  an  Tegetthoff  am  linken  Ufer 
der  Miljacka  einen  hinhaltenden  Angriff  des  schwächer  gehaltenen  Centrums 
auf  den  südwestlichen  Stadttheil,  wobei  er  gleichzeitig  mit  dem  am  stärksten 
gehaltenen  rechten  Flügel  unter  GM.  von  Kaiffel  den  linken  Flügel  der  Insurgenten 
kräftig  umfasste.  Während  Tegetthoff  dem  Gegner  den  Rückzug  nach  Mokro 
verlegen  sollte,  versuchte  Philippovic  ihm  denselben  noch  Gor a/. da  abzuschneiden. 

Die  Insurgenten  kämpften  mit  wahrem  Fanatismus. 

Nach  neunstündigem  erbitterten  Kampfe  bemächtigte  sich  jedoch  Tegetthoff 
des  Pasin -Brdo,  während  Philippovic,  der  um  zwei  Stunden  später  angriff,  nach 
siebenstündigem  Kampfe  die  Höhen  des  Debelo  Brdo  und  den  Trebevic  in 
seine  Gewalt  brachte.  Sodann  drangen  die  Truppen  beider  Colonnen  von  Süden 
und  Norden  unaufhaltsam  ins  Innere  Sarajevos  ein,  worauf  ein  Straßenkampf 
folgte,  dessen  Feuer  erst  um  2'/,  Uhr  nachmittags  gänzlich  verstummte. 

Nach  durchgeführter  Besetzung  der  ganzen  Stadt  samnit  Citadelle  und  Um- 
gebung, um  \  Uhr  nachmittags,  ließ  FZM.  Frh.  von  Philippovic  unter  den  Klängen 
der  Volkshymne  und  101  Salutschüssen  das  mit  dem  kaiserlichen  Doppeladler 
gezierte  Reichsbanner  auf  dem  Castell  hissen,  telegraphisch  dem  Obersten  Kriegs- 
herrn meldend: 

.Sieg  und  Kinnahme  von  Sarajevo!* 

Schon  am  nächstfolgenden  Tage  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz 
Joseph  I.  dem  FZM.  Joseph  Frh.  von  Philippovic  von  Philippsberg  „in 
Anerkennung  seiner  ausgezeichneten  Führung  während  der  Occupations-Action  in 
Bosnien*  das  Großkreuz  des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegs-Decoration 
zu  verleihen  und  ihn  gleichzeitig  zum  Commandanten  der  II.  Armee  zu 


Digitized  by  Google] 


Commandern-  des  M.  T.-O.  Joseph  Freiherr  von  Philippovitf. 


409 


Die  Einnahme  von  Sarajevo  zeigte  in  ihrer  unmittelbaren,  wie  auch  in  ihrer 
weiteren  Wirkung,  dass  die  liisurection,  trotz  des  fortgesetzten  Widerstandes  im 
Tuzlaer,  Bihacer  und  Banjalukaer  Kreise,  durch  die  Offensive  der  Haupt- 
Colonne  in  ihrem  Herzen  getroffen  war. 

Der  Anschlag  auf  Banjaluka  wurde  siegreich  abgewehrt  und  auch  die 
XX.  Division  vermochte  sich  bei  Doboj  zu  behaupten. 

Auf  die  Nachrichten,  dass  aus  dem  oberen  Vrbas-Thale  von  Gornji 
Vakul  über  Travnik,  aus  dem  Neret va-Thale  über  Konjica  und  Kalinovik, 
Dobropolje  bedeutende  Insurgentenmassen  gegen  das  Bosna-Thal  im  An- 
dringen begriffen  waren,  konnte  denselben  von  Sarajevo  aus  durch  Entsendung 
von  kleinen  Colonnen  leicht  begegnet  werden.  Diese  Haufen  verschwanden 
darauf  sofort. 

Anderseits  halten  sich  in  dem  südöstlichen  Theil  des  Kreises  Sarajevo 
durch  Zuzüge  aus  dem  Sandschak  Novibazar  thatsächlich  stärkere  Insurgenten- 
scharen  gesammelt;  auch  diese  konnte  FZM.  Frh.  von  Philippovic  durch  die  beiden 
gegen  Glasinac  und  Mokro  eingeleiteten  Expeditionen  vom  24.  bis  27.  August 
und  2.  bis  3.  September  aus  dem  Bereiche  von  Sarajevo  vertreiben  und  das 
Eintreffen  der  Verstärkungen  abwarten. 

Der  Besitz  der  beiden  Punkte  Sarajevo  und  Travnik  inmitten  Bosniens 
ermöglichte  den  ungehinderten  Aufmarsch  der  nachgesendeten  Verstärkungen  und 
FZM.  Frh.  von  Philippovic  konnte,  nach  Eintreffen  derselben,  den  Operationsplan 
von  der  gewonnenen  Basis  der  inneren  Linie  leicht  und  sicher  treffen.  Die 
feindlichen  Kräfte  waren,  von  divergierenden  Richtungen  ausgehend,  ohne  Ver- 
bindung. 

Indem  FZM.  Frh.  von  Philippovic  das  III.  Armee-Corps  von  Doboj,  das 
IV.  Armee-Corps  von  Samac  gegen  das  nordöstliche  Aufstands-Centrum  Dolnja- 
Tuzla.  respective  ins  Spreca-Thal  dirigierte,  vermochte  er  nach  beschleunigter 
Heranziehung  der  I.  Infanterie-Truppen-Division  nach  Sarajevo,  auch  die  aus  dem 
Sandschak  Novibazar  vorrückenden  Insurgenten,  welche  in  richtiger  Beurtheilung 
der  Situation  die  Verbindung  mit  Zvomik  und  Dolnja-Tuzla,  sowie  die 
Sicherung  des  Rückzuges  aus  diesen  Orten  anstrebten,  durch  den  im  Südosten 
Bosniens  auf  der  Hochebene  von  Glasinac  geführten  entscheidenden  Schlag  bei 
Senkovic- Bandin  (Odziak)  am  21.  September  zu  vernichten. 

Nachdem  die  Insurgenten  im  Südosfen  aufs  Haupt  geschlagen,  nach  allen 
Richtungen  sich  zerstreut  hatten,  ergab  sich  als  natürliche  Consequenz  davon  das 
fast  spurlose  Verschwinden  der  Aufständischen  im  Spreea-Thale  und  die  nahezu 
widerstandslose  Besetzung  des  ganzen  Tuzlaer  und  Zvorniker  Kreises  durch 
das  III.  und  IV.  Armee-Corps. 

Aus  dem  durch  die  Kinnahme  von  Travnik  und  Sarajevo  erzielten  Vor- 
theil der  inneren  Linie  Banjaluka-Travnik-Sarajevo  Kraft,  schöpfend,  konnte 
weiter  FZM.  Frh.  von  Philippovic  auch  auf  dem  westlichen  Theile  des  Kriegsschau- 
platzes die  Insurgentenlinie  Bihac-Kl  juc-Livno  zuerst  durch  Forcierung  von 
Kljuc  in  der  Mitte  trennen,  dann  zum  Angriff  auf  ihre  Endpunkte  Bihac  und 


Digitized  by  Google 


470  tXXX.  Promotion.  —  Tnsurreclion*-Kttmpfe  1860  und  1878.  —  Bosnien-Hercegovina  1S78. 

Livno  schreiten,  auf  diese  Weise  den  ganzen  Aufstand  niederwerfen  und  Bosnien 
in  den  vollständigen  Besitz  der  k.  k.  Truppen  bringen. 

FZM.  Frh.  von  Philippovic  hatte  aber  seit  der  Einnahme  von  Sarajevo  am 
19.  August  1878  außer  seiner  Thfitigkeit  als  Armee-Commandant  auch  in  poli- 
tischer Richtung  ein  umfassendes  Wirken  zu  entfalten,  indem  er  die  gesammte 
Verwaltung  des  der  Anarchie  verfallenen  Occupations-Gebietes  von  Grund  aus 
organisieren  musste.  Ein  vollständiges  Bild  dieser  Thätigkeit  können  diese  aus- 
schließlich  dem   militärischen   Lebenslaufe   der  Ordensmitglieder  gewidmeten 
Blätter  nicht  bieten.   Immerhin  muss  an  dieser  Stelle  wenigstens  die  That- 
sachc  verzeichnet  werden,  dass  FZM.  Frh.  von  Philippovic  Hand  in  Hand  mit 
der  Pacification  Bosnien-Herceguvinas  auch  bereits  die  Grundlagen  civili- 
sierter  Verwaltung  nach  allen  ihren  verschiedenen  Richtungen  geschaffen  hat.  Von 
den  dringendsten  militärischen  Bedürfnissen  ausgehend,  wurde  inmitten  der 
Kämpfe  und  Operationen  mit  der  vollständigen  Neuanlage  der  großen  Straße 
von  Brod  bis  Sarajevo  und  dem  Baue  zahlreicher  anderer  Communicationen 
begonnen,  wobei  nicht  bloß  die  technischen  Truppen,  sondern  ganze  Regimenter 
gleich  römischen  Legionen  elassischer  Vorzeit  wahre  Musterstraßen  bauten.  Bei 
dem  gänzlichen  Mangel  an  Unterkunfts-Localitäten  wurden  in  den  meisten  Haupt- 
und  Etapen-Stationen  Baracken-Lager  erbaut  und  unzählige  Baulichkeiten  für  die 
Unterkunft  der  Truppen,  Militär-  und  Civilbehörden  adaptiert.  In  den  Städten 
wurden,  ohne  den  religiösen  Gefühlen  der  Mohamedaner  Gewalt  anzuthun,  Fried- 
höfe aufgelassen,  Straßen  reguliert,  Plätze  ungelegt,  Beleuchtung  bei  Nacht  ein- 
geführt, Gemeinde-Vertretungen  aus  Christen  und  Mohamedanern.  nach  Umstän- 
den unter  Beiziehung  israelitischer  Einwohner,  gebildet  und  geregelte  Gemeinde- 
Behörden  unter  Leitung  der  Stations-Cominauden  eingesetzt.  Im  gesammten 
Occupations-Gebiet  versahen  anfangs  die  verschiedenen  Militär-Cornmanden  bis 
zu  den  Truppen-Divisions-Commanden  hinauf,  sodann  mit  fortschreitender  Paci- 
tication  theils  aus  Oflicieren.  theils  aus  Civilbeamten  gebildete  Bezirks-  und 
Kreisbehörden  den  politischen  Verwaltungsdienst.  In  Sarajevo,  wo  sich  mit  der 
militärischen  Befehlgebung   alle  Fäden   der   Civil  -  Administration  •  vereinigten, 
organisierte  FZM.  Frh.  von  Philippovic  Centraistellen  für  die  politische,  Justiz-  und 
Finanz- Verwaltung.   Zur  Wahrung  der  öffentlichen   Sicherheit  schuf  er  aus 
eingeborenen  Elementen  unter  k.  k.  Officieren  und  Unterofficieren  eine  eigene 
Landes-Gendarmeiie.  Um  mit  der  Bevölkerung  auch  unmittelbaren  geistigen  Con- 
tact  pflegen  und  so  auf  dieselbe  einwirken  zu  können,  rief  er  wenige  Tage  nach 
der  Einnahme  von  Sarajevo  eineZeitungin  der  Landessprache  —  die  „Bosansko- 
Hercegovucke  Novine"   —  ins  Lehen  und  begründete  zu  diesem  Zwecke 
eine  eigene  Landesdruckerei.  Seihst  aus  dem  altbosnischen  Adelsgeschlechte  der 
Filipovice,  deren  Stammhaus  nch  in  Glamoc  hefindet,  stammend,  übte  er  aber 
auch  persönlich  mächtigen  Eintluss  auf  die  rasche  Beruhigung  der  Gemüther. 
indem  er  bei  aller  gebotenen  Strenge  die  vor  ihm  erscheinenden  Deputationen  aller 
vier  Glaubensbekenntnisse  des  Landes,  selbst  die  Mohamedaner  und  Orthodoxen 
inbegriffen,  allmählich  mit  der  Überzeugung  erfüllte,  dass  Bosnien  und  Her«  e- 


Digitized  by  Google 


Commnndeur  de*  M.  T.-O.  Joseph  Freiherr  von  Philippovif*. 


471 


govina  unter  dorn  gerechten  Scepter  Seiner  Majestät  des  Kaisers  und  Königs 
Franz  Joseph  I.  einer  neuen  Zeit  entgegengehen,  in  welcher  Huhe  und  Ordnung, 
Wohlstand  und  Gedeihen,  sowie  gleiche  Gerechtigkeit  gegen  alle  vier  Glaubens- 
bekenntnisse in  beiden  Ländern  einkehren  werden.  Dank  dieser  directen  Einfluss- 
nahme  des  FZM.  Frh.  von  Philippovic  begab  sich  denn  auch  bereits  Ende 
November  1878  eine  große,  aus  40  Mitgliedern  bestehende  Deputation,  aus  den 
Häuptern  der  ältesten,  seit  Jahrhunderten  mohamedanisierten  Adelsgeschlechter 
Hosniens  und  der  Hercegovina.  sowie  den  hervorragendsten  Repräsentanten  der 
Katholiken,  Orthodoxen  und  Israeliten  bestehend,  unter  Füluung  des  Notablen 
und  Bürgermeisters  von  Sarajevo.  Mustafa  Beg  Fazli  Pasic,  über  Wien  nach 
Budapest,  wo  sich  um  jene  Zeit  das  Allerhöchste  Hoflager  befand,  um  Seiner 
Majestät  dem  Kaiser  und  König  Franz  Joseph  I.  ehrfurchtsvollst  zu  huldigen. 

Damit  halte  FZM.  Frh.  von  Philippovic  die  Occupation  Bosnien-Hercego- 
vinas  nicht  bloß  militärisch  durchgeführt,  sondern  auch  politisch  zu  erfolg- 
reichem Abschlüsse  gebracht. 

Speciell  auf  Grund  der  durch  die  siegreiche  Occupation  Bosniens  vollbrachten 
Waffenthat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 
meister des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Promo- 
tion CLXX  vom  2.  Mai  1871»  den  FZM.  Joseph  Freiherrn  Philippovic  von  Phi- 
lippsberg zum  Commandern-  des  Maria  Theresien-Ordens  zu  promovieren. 

Seiner  inzwischen  gestellten  Bitte  willfahrend,  geruhte  Seine  Majestät  der 
Kaiser  mit  Allerhöchstem  Handschreiben  vom  18.  November  1878  bei  Auflassung 
des  II.  Armee-Commandos  den  FZM.  Frh.  von  Philippovic  auf  seinen  ihm  vor- 
behalteneu  Posten  eines  Commandierenden  Generals  in  Prag  rückzuver- 
setzen  und  ihm  gleichzeitig  neuerdings  „den  wohlverdienten  Dank  und  die 
vollste  Anerkennung*  auszusprechen. 

Unter  großartigen  Ovationen  sowohl  seitens  der  Garnison  als  der  Einwohner 
von  Sarajevo  verließ  FZM.  Frh.  von  Philippovic  diese  Stadt  am  -1.  December  1878 
und  begab  sich  durch  die  Hercegovina  über  Mostar  zunächst  nach  Wien, 
sodann  an  das  Allerhöchste  Hollager  nach  Budapest.  Seine  Majestät  der  Kaiser 
geruhte  ihn  auf  das  huldreichste  auszuzeichnen.  Auch  die  Bevölkerung  feierte  ihn 
allenthalben  als  siegreichen  Vollbringer  der  Occupation. 

Anlässlich  seines  fünfzigjährigen  Militär-Dienst-Jubiläum?  geruhte 
Seine  Majestät  der  Kaiser  am  LNi.  October  187'J  ein  Allerhöchst  huldreiches 
Handschreiben  an  den  Jubilar  zu  erlassen. 

Am  <i.  April  1881  wurde  FZM.  Frh.  von  Philippovic  zum  Commandierenden 
General  in  Wien  ernannt,  am  S.April  1882  jedoch  auf  seine  Bitte  in  dergleichen 
Eigenschaft  nach  Prag  rückversetzt  und  anlässlich  des  zu  Ende  desselben  Jahres 
eingeführten  Territorial-Dislocations-Systems  der  Armee  überdies  zum  Gomman- 
danten  des  VIII.  Corps  ernannt. 

Auf  diesem  Posten  ereilte  den  FZM.  Frh.  von  Philippovic  in  der  Activität,  bei 
vollster  Rüstigkeit  und  Geistesfrische,  am  6.  August  1  SS'.)  jählings  der  Tod. 


Digitized  by  Google 


472       CLXX.  Promotion.  —  Insurrectious  Kauipfe  1869  und  1878.  -  Bosnien-Herccgovina. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Stephan  Freiherr  von  Jovanovic. 


(Mit  Bildnis  aus  dem  Jahre  1878.) 


Jovanovic  entstammte  einer  der  tapfersten  Militärgrenz -Familien  von 
Ottocae,  aus  welcher  drei  seiner  Vorfahren  goldene  Tapferkeits-Medaillen  sich 
erkämpft  hatten.  Er  wurde  als  Officiers-Sohn  zu  Pazariste  bei  Ottocae  am 
5.  Jänner  1828  gehören.  Im  fünfzehnten  Lebensjahre,  am  14.  September  1842, 
zu  dem  40.  Infanterie-Regiment  als  Regiments-C  adet  assentiert,  erhielt  er 
seine  militärische  Erziehung  in  der  Cadeten-Compagnie  zu  Graz,  zählte  in 
derselben  stets  zu  den  vorzüglichsten  Frequentantcn,  wurde  im  zweiten  Jahre 
k.  k.  Gadet  im  27.  Infanterie-Regiment  und  trat  in  demselben  im  September  1845 
seine  Dienstleistung  an. 

Am  7.  September  1846  zum  Lieutenant  befördert,  machte  erden  Krieg 
gegen  Piemont  in  Italien  in  den  Jahren  1848/49  mit,  und  zwar  im  Feldzuge  1848 
die  Erstürmung  von  Gastelnuovo  am  11.  April,  die  Kämpfe  bei  Pastrengo  am 
28..  29.  und  30.  April  und  die  Einnahme  von  Vieenza  am  10.  Juni. 

Am  1.  März  1849  zum  Ober  Heute  na  nt  befördert,  war  er  zuerst  Brigade- 
Ordonnanz-Officier.  wurde  sodann  im  Mai  1849  dem  General-Quartiermeister- 
Stabe  im  Hauptquartier  der  II.  Armee  zugetheilt,  darauf  als  Generalstabsoflicier 
bei  verschiedenen  Brigaden,  im  Jahre  1850  im  Hauptquartier  des  VIII.  Armee- 
Corps  verwendet  und  definitiv  zum  General-Quartiermeister-Stabe  übersetzt. 

Im  Jahre  1851  machte  er  als  Generalstabsoflicier  bei  der  mobilen  Gnlonne 
deren  Expedition  in  die  römischen  Legationen,  dann  die  Gernierung  und 
Occupation  von  S.  Marino  mit. 

Am  28.  Jänner  1852  zum  Hauptmann  II.  Glasse  befördert,  wurde  Jovanovic 
inzwischen  nach  Wien  versetzt,  im  Februar  1853  dem  mit  einer  militärisch- 
diplomatischen  Mission  betrauten  General-Adjutanten  Seiner  Majestät,  General- 
major Freiherr  Kellner  von  Köllen  st  ein  in  Gattaro  zugetheilt  und  während 
des  türkiseh-montenegrinisehen  Krieges  in  das  Hauptquartier  Omer  Paschas  bei 
Spin-,  sodann  in  jenes  des  Fürsleu  Danilo  von  Montenegro  bei  Kcevo  entsendet. 
Nach  Alilauf  dieser  Mission  zum  Landes-General-Gommando  in  Zara  übersetzt, 
fungierte  er  durch  drei  Jahre  als  Chef  der  zweiten  Section.  wurde  jedoch  während 
der  fortdauernden  türkisch-monfenogrinisehen  Verwicklungen  wiederholt  in  mili- 
tärisfh-diplomatisehen  Missionen  an  die  türkischen  Gouverneure  der  Hercegovina 
und  Albaniens,  sowie  an  den  Fürsten  Danilo  von  Montenegro  und  1855 
behufs  einer  Reeognoseierung  durch  Nord-Albanien  bis  Novibazar  entsendet. 

In  den  Jahren  185(1  und  1857  bei  der  Landes-Bcsrhreibung  in  Galizien.  in 
der  Bukowina,  in  Groatien.  Slavonien.  Dalmatien,  im  Jahre  1858  bei  der  Militär- 
Mappiernng  in  l.'ngarn  verwendet,  war  er  von  Juli  desselben  Jahres  angefangen 
Vertreter  Österreichs  bei  der  internationalen  Commission  für  die  Grenz-Regulierung 
zwischen  der  Türkei  und  Montenegro,  und  zwar  sowohl  bei  der  Grenzbegehung, 


Digitized  by  Google 


i 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Stephan  Freiherr  von  Jovanovic. 


473 


als  während  der  diesbezüglichen  Conferenzen  in  Constantinopel,  wie  endlich 
hei  den  Arbeiten  der  im  März  1859  entsendeten  internationalen  Delimitations 
Commission.  Am  22.  Mai  1859  wurde  dem  Hauptmann  Jovanovic  für  den  beson- 
deren Eifer  und  die  Umsicht,  welche  er  bis  dahin  in  dieser  Mission  bewiesen,  der 
Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  zutheil. 

Während  des  Krieges  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im 
Jahre  1859  wurde  Hauptmann  Jovanovic,  bei  Unterbrechung  seiner  Mission,  wegen 
der  genauen  Kenntnis  der  Verhältnisse  Dalmatiens  und  der  Nachbargebiete  dem 
Truppen-Commando  des  GM.  Rod  ich  in  Süd-Ralmatien  als  Generalstabschef 
zugetheilt.  In  Anerkennung  seiner  mehrseitigen,  sehr  guten  Dienstleistungen  auf 
diesem  Posten  wurde  er  in  der  Folge  am  7.  Mai  1860  mit  dem  Orden  der 
Eisernen  Krone  III.  Classe  ausgezeichnet. 

Im  Juli  1859  zum  Majoren  im  Adjutanten-Corps  befördert  und  zum  Vorstande 
der  ersten  Abtheilung  des  Landes-Gcneral-Commandos  in  Zara  ernannt,  nahm  er 
nach  Beendigung  des  Krieges  seine  Mission  bei  der  türkisch-montenegrinischen 
Grenz-Regulierung  wieder  auf  und  wurde  von  den  Commissions-Mitgliedern  zum 
Präses  erwählt.  Nach  bewirkter  Aufstellung  der  Grenzmarken  wurde  ihm  seitens 
des  Ministeriums  des  Äußeren  am  16.  September  1859  für  die  umsichtige  Rethei- 
ligung an  den  conmiissionellen  Arbeiten  die  vollste  Anerkennung  zutheil. 

Im  Juni  18*10  wurde  Jovanovic  zum  Flügel-Adjutanten  des  Banns  von 
Croatien,  FML.  Frh.  von  Sokcevie,  ernannt  und  in  demselben  Jahre  bei  Auflösung 
des  Adjutanten-Corps  in  den  Generalstab  rückversetzt. 

Im  Frühjahre  1801  war  Major  Jovanovic  Vertreter  Österreichs  bei  der 
internationalen  Commission  in  Mostar,  welche  die  Aufgabe  heilte,  einvernehmlich 
mit  dem  Serdar  Omer  Pascha  die  insurgierten  Districte  der  Hercegovina 
zu  paeificieren. 

Im  December  1861  wurde  er  unter  gleichzeitiger  Beförderung  zum  Oberst- 
lieutenant im  Broder  Grenz-Infanterie-Regiment  Nr.  7.  zum  Leiter  des  k.  k. 
General-Cousulates  für  Bosnien  in  Sarajevo  ernannt.  Auf  diesem  Posten 
leitete  er  sowohl  die  Agenden  dieses  General-Consulates  als  die  Recognoseierungen 
und  die  Landesbeschreibung  von  Bosnien  und  der  Hercegovina.  erwarb  sich 
nicht  nur  die  belobende  Anerkennung  des  Ministeriunis  des  Äußern,  sondern  auch 
jene  des  Chefs  des  Generalstabes  der  Armee  und  wurde  am  22.  October  1863  zum 
Obersten  befördert. 

Nachdem  er  im  Jahre  1865  das  Commando  seines  Broder  Grenz-Infanterie- 
Regiments  Nr.  7  übernommen,  machte  er  an  der  Spitze  desselben  während  des 
Krieges  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  den  Feldzug  gegen  Italien 
mit.  Er  befand  sich  mit  seinem  Regiment  bei  den  Besatzungs-Truppen  der  Festung 
Mantua  eingetheilt.  Um  die  vor  Mant.ua  liegenden  3  Brigaden  des  II.  italienischen 
Corps  festzuhalten,  ließ  der  Festungs-Coinmandant  am  Tage  der  Schlacht  bei 
Custozza,  am  24.  Juni,  den  Obersten  Jovanovic  mit  einem  Bataillon  seines  Regi- 
ments, zwei  Divisionen  Peterwardeiner  Grenzer,  einer  Escadron  Württemberg- 
Husaren  und  4  Raketen -Geschützen  einen  Ausfall  in  westlicher  Richtung  unter- 


Digitized  by  Google 


174       CLXX.  Promotion.  -  Insumctionu-Kanipfe  1869  und  1878.  -  Bosnieu-H.>rcegovina. 


nehmen.  Die  feindlichen  Vortruppen  wurden  überrascht  und  nach  heftigem  Feuer- 
gefecht nahm  Jovanovic  die  Gehöfte  Portinarolo  und  Terrabo.  Die  feindlichen 
Beobachtungstruppen  wurden  alarmiert,  bedeutende  Abtheilungen  derselben  ver- 
anlasst, aus  Gurtatone  und  Montanara  g<?gen  Mantua  sich  zu  entwickeln  und 
während  des  ganzen  Schlachttages  in  der  Aufstellung  zu  verbleiben.  Oberst  Jova- 
novic, bei  diesem  Ausfalle  am  linken  Arme  verwundet,  wurde  für  dieses  erfolg- 
reiche Unternehmen  in  der  Folge  mit  dem  Militär-Verdienstkreuz  mit  der 
Kriegs-Decoration  ausgezeichnet. 

Anlässlich  der  Bekämpfung  des  Aufstandes  in  Süd-D almatien  im  Jahre 

1869  wurde  Oberst  Jovanovic  am  24.  October  zum  Brigadier  bei  den  Truppen  in 
den  Bocche  di  Cattaro  ernannt.  Als  solcher  eommandierte  derselbe  die  zweite 
Expedition  behufs  Verproviautierung  des  Forts  Dragalj  in  der  Krivosije.  Nach- 
dem die  Brigade  schon  bei  Napoda  am  25.  October  ein  kurzes  aber  heftiges 
Gefecht  bestanden,  fand  dieselbe  am  26.  October  bei  dem  Defile  von  Hau 
hartnäckigen  Widerstand.  Trotzdem  wurde  dem  hartbedrängten  Fort  Dragalj 
durch  eine  detachierte  Golonne  Verstärkung  zugeführt.  Bis  zur  Bückkehr  derselben 
wurde  der  Defile -Ausgang  bei  Han  unter  fortwährendem  heftigen  Kampfe,  mit 
äußerster  Anstrengung  durch  mehrere  Stunden  festgehalten.  Oberst  Jovanovic,  bei 
diesem  Gefechte  schwer  verwundet,  wurde  für  die  tapfere,  umsichtige  und 
energische  Leitung  dieser  Expedition  mit  dem  Bitterkreuze  des  Leopold- 
Ordens  ausgezeichnet. 

Nach  Herstellung  von  seiner  Verwundung  wurde  Oberst  Jovanovic  im  Mai 

1870  mit  dem  Gommando  der  Truppen  in  Süd-Dalmatien  und  gleichzeitig  mit  den 
Befugnissen  der  gesammten  vollziehenden  Gewalt  im  Bereiche  der  politischen  und 
polizeilichen  Verwaltung  im  Gebiete  der  Bezirkshauptmannschaft  von  Gattaro 
betraut.  Bis  Ende  des  Jahres  stellte  er  die  gesetzliche  Ordnung  im  Gattareser 
Kreise  wieder  her,  so  dass  der  Ausnahms/.ustand  aufgehoben  werden  konnte. 

Im  November  1871  zum  Generalmajor  befördert,  und  im  Sommer  1874 
mit  einer  militärisch-diplomatischen  Mission,  den  Straßenzug  von  Gattaro  nach 
Gettinje  betreffend,  an  den  Fürsten  Nikolaus  von  Montenegro  betraut, 
entledigte  er  sich  derselben  zur  vollsten  Zufriedenheit  des  Ministeriums  des 
Äußern. 

Bei  Gelegenheit  der  Beise  Seiner  Majestät  des  Kaisers  in  Dalmatien  im  Mai 
1875  geruhte  der  Monarch  den  General  Jovanovic  in  den  Freiherrenstand  zu 
erheben. 

Am  5.  October  1876  wurde  GM.  Freiherr  von  Jovanovic  zum  Conunandanten 
der  XXV1I1.  Infanterie -Truppen -Division  ernannt  und  ilirn  in  Anerkennung 
der  auf  dem  bisherigen  Posten  unter  schwierigen  Verhältnissen  geleisteten  vor- 
züglichen Dienste  der  Ausdruck  der  Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt 
gegeben. 

Am  24.  October  1876  erfolgte  seine  Beförderung  zum  F^ldmarschall- 
Lieutenant.  sodann  am  22.  Juni  1S77  seine  Ernennung  zum  Gommandanten  der 
XVIII.  Infanterie-Truppen-Division  in  Spalato. 


Digitized  by  Google 


Ritler  des  M.  T.-O.  Siephan  Freiherr  von  Jovanovk. 


FML.  Frh.  von  Jovanovic  ward  sodann  im  Jahre  1878  durch  das  Allerhöchste 
Vertrauen  des  Monarchen  berufen,  bei  der  Oceupation  von  Bosnien-Herce- 
govina  mit  der  XVI11.  Division  die  Hercegovina  zu  besetzen.  Er  war  dabei 
bezüglich  gemeinsamer  Operationen  an  die  Befehle  des  FZM.  Frh.  von  Philippovie 
gewiesen,  welcher  mit  dem  XIII.  Armee-Corps  in  Bosnien  einzumarschieren 
bestimmt  war.  In  Betreff  dergesammten  Ausführung  der  Operationen  in  der  Her- 
cegovina hatte  aber  FML  Frh.  von  Jovanovic  selbständig  vorzugehen. 

Er  war  auf  Grund  seiner  langjährigen  genauen  Kenntnis  aller  einschlägigen 
Verhältnisse  der  Hercegovina  berufen  gewesen,  schon  an  allen  Vorbereitungen  zu 
dem  Unternehmen  wesentlichen  Antheil  zu  nehmen,  indem  er  in  zahlreichen 
Anträgen  und  Berichten  au  das  Militär-Oommando  in  Zara,  beziehungsweise  an 
das  Beichs-Kriegsministerium  alle  jene  Maßnahmen  entwickelte,  welche  er  sowohl 
bezüglich  der  Stärke,  Zusammensetzung  und  Ausrüstung  der  bereitzustellenden 
Truppen,  als  bezüglich  der  militärischen  Vorbereitung  im  Basisraum  durch  Her- 
stellung von  Cornmunieationen.  Anlage  von  Befestigungen  und  Etablierung  von 
Depots  als  zweckdienlich  erachtete.  Was  die  Stärke  anbelangt,  vertrat  er  den 
Gedanken,  dass  die  Division,  um  ihrer  Bestimmung  entsprechen  zu  können,  von 
drei  auf  vier  Brigaden  verstärkt  werden  müsse.  Von  ausschlaggebender  Bedeutung 
war  aber  der  Operationsplan  selbst,  welchen  FML.  Frh.  von  Jovanovic  behufs  des 
Fanmarsches  in  die  Hercegovina  von  Haus  aus  ins  Auge  fasste,  trotz  aller  ihm 
entgegentretenden  Hemmnisse  unerschütterlich  festhielt,  sowie  auch  im  Verlaufe 
der  Oceupation  mit  eiserner  Consequenz  durchführte. 

Der  Operationsplan  des  FML.  Frh.  von  Jovanovic  gieng  dahin,  mit  drei 
Gebirgs-Brigaden  aus  Ober-Dalmatien.  mit  einer  aus  Süd-Dalmatien  gegen  die 
Hercegovina  zu  operieren.  Die  erste  Gruppe  sollte  Mostar,  die  zweite  zunächst 
Trebinje  zum  Operationsziel  erhalten.  Dabei  wies  er  aber  ausdrücklich  daraufhin, 
dass  ihm  die  Möglichkeit  gewahrt  bleiben  möge,  nöthigenfalls  auch  alle  vier  Brigaden 
in  Ober-Dalmatien  zu  com  entrieren.  Nachdem  jedoch  die  XVIII.  Division  in  der 
normalen  Stärke  von  bloß  drei  Gebirgs-Brigaden  belassen  wurde,  drang  FML. 
Frh.  vor»  Jovanovic  bei  Beginn  der  Mobilisierung  umsomehr  darauf,  dass  alle  drei 
Brigaden  in  Ober-Dalmatien  vereint  werden  und  zu  diesem  Behufe  die  in  Süd- 
Dalmatien  dislocierte  Gebirgs-Brigade  nach  Ober-Dalmatien  verlegt  werde.  Er 
bestand  auf  diesem  Aufmärsche  der  XVIII.  Division,  trotzdem  sich  demselben  aus 
Besorgnis  für  Süd-Dalmatien  gewichtige  Bedenken  entgegenstellten.  Dank  seiner 
Beharrlichkeil  setzte  er  es  kurz  vor  Beginn  des  Aufmarsches  schließlich  durch, 
dass  die  1.  Brigade,  und  zwar  zur  See,  von  Bagusa  nach  Spalato  überschitlt 
und  die  XVIII.  Division  in  Ober-Dalmatien  i  oncentriert  wurde,  infolge  dessen  er 
mit  ausreichender  kraft  die  Offensive  gegen  Mostar  zu  eröffnen  vermochte. 

Er  gierig  dabei  von  der  auf  genauer  Kenntnis  der  Verhältnisse  beruhenden 
I  berzeugung  aus.  dass  trotz  der  Vereinbarungen  auf  dem  Berliner  Gongresse  ein 
hartnäckiger  Widerstand  seitens  der  Bevölkerung,  eventuell  auch  der  regulären 
türkischen  Truppen,  gegen  die  Oceupation  in  sicherer  Aussieht  stand,  und  dass  es 
unter  solchen  Verhältnissen  sehr  darauf  ankam,  sogleich  mit  imposanter  Kraft  auf- 


Digitized  by  Google 


476       CLXX.  Promotion.  --  Insurrections-Kflmpfe  1*63  und  187«.  -  Bosnien-Hercegovina. 

treten  zu  können,  umsomehr  als  die  XVIII.  Division  aller  Wahrscheinlichkeit  nach 
längere  Zeit  selbständig  zu  operieren  hatte  und  eine  eventuell  nothwendige  Ver- 
stärkung derselben  nach  Beginn  der  Operationen  schw  ierig  war.  Ein  Echee,  den 
die  Division  bei  ungenügender  Kraft  etwa  erlitten  hätte,  was  hei  einer  Theilung 
zu  besorgen  war,  sollte  sowohl  aus  Gründen  der  Waffen  ehre  als  des  Prestige 
der  k.  k.  Truppen  von  Haus  aus  vermieden  werden.  Mit  nur  drei  Brigaden  zu 
schwach,  um  zwei  Operationsziele  gleichzeitig  zu  verfolgen,  begnügte  er  sa  h  vor- 
erst mit  einem  —  dem  Haupt  -  Operationsohjecte  Mostar  und  der  Narenla- 
Linie.  Gegen  dieses  wollte  er  aber  mit  der  gesammten  verfügbaren  Kraft  vorgehen. 

Um  das  Operationsziel  zu  erreichen,  wählte  er  die  Linie  Lj ubuski-Mostar 
als  Operationslinie.  Obgleich  vielseitig  auf  das  Naren  ta-Thal  und  die  in  demselben 
führende  Chaussee  als  Vorrückungs-Linie  hingewiesen  wurde,  hielt  er  auch  an  dem 
Gedanken,  über  Ljubuski  vorzugehen,  unerschütterlich  fest,  wiewohl  diese  Linie 
große  Schwierigkeiten  für  Verpflegung  und  Nachschub  mit  sich  brachte,  überdies 
jede  Möglichkeit  ausschloss,  schweres  "Geschütz  und  Wagen  mitzuführen. 

Die  durch  FML.  Frh.  von  Jovanovic  energisch  betriebene  Befestigung  bei 
Metkovic  samrnt  den  Überbrückungen  an  der  unteren  Narenta  verfolgte  nicht 
den  Zweck,  als  Ausgangspunkt  für  Operationen  im  Narenta-Thale.  sondern  als 
Deckung  der  an  jenen  Punkten  massenhaft  aufgehäuften  Vorräthe  und  als  .Stütz- 
punkt für  weitere  Operationen  nach  Krreichung  der  Naren ta- Linie  zu  dienen. 

FML.  Frh.  von  Jovanovic  verstand  es  auch  trotz  aller  Schwierigkeiten,  seine 
wahren  Absichten  so  zu  verschleiern,  dass  die  gegen  Ljubuski  eröffnete 
Offensive  sowohl  die  hercegovinischen  Insurgenten  als  das  reguläre  türkische 
Militär  völlig  überraschte.  Die  Insurgenten  der  Ilercegovina  wurden  durch  die 
Befestigung*-  und  Brückenbauten  an  der  unteren  Narenta  getäuscht,  erwarteten 
den  Einmarsch  der  XVIII.  Division  über  Metkovic  im  Narenta-Thale  und  trafen 
dort,  namentlich  in  der  Duhrava.  alle  Anstalten  zu  heftigem  Widerstande, 
welchem  auch  die  regulären  ottomanisehen  Truppen,  welche  unter  Ali  Pasc  ha 
vor  Metkovic  standen,  zweifellos  sich  anzuschließen  bereit  waren. 

Die  von  FML.  Frh.  von  Jovanovic  gewählte  Operationslinie  umgieng  jedoch 
alle  diese  Hindernisse. 

Von  früheren  wiederholten  Reisen  und  Recognoscierungen  Weg  und  Steg 
in  der  Her«  egovina  aus  eigener  Anschauung  kennend,  ließ  er  am  1.  August  nach- 
mittags die  Division  in  zwei  Colonnen  und  zwar  2  Brigaden  bei  Vrgovac.  1 
Brigade  hei  Imoski  die  Grenze  überschreiten,  die  ersteren  in  der  Ebene  des 
Trebizat  bis  nahe  des  Klosters  Humac,  die  letztere  bis  Tihaljina  rücken.  Am 
i.  erfolgte,  zwar  unter  Prolest  des  Gommandaiiteii  von  Ljubuski,  jedoch  ohne 
irgend  welchen  thätlichen  Widerstand,  die  Besetzung  dieses  Ortes. 

Während  auf  diese  Weise  FML.  Frh.  von  Jovanovic  den  Einmarsch  in  die 
Ilercegovina  vollzog,  ward  .Mostar  zum  Schauplatze  einer  blutigen  Revolte 
gegen  die  fürkischeu  Behörden,  infolge  dessen  in  der  Hauptstadt  des  Landes 
Anarchie  ausbrach  und  der  bewaffnete  Pöbel  unter  Zuzug  von  Bewaffneten  aus 
der  Umgebung  den  k.  k.  Truppen  entgegenrückte,  tun  denselben  die  weitere 


Digitized  by  Googl 


Ritter  des  M.  T.-O.  Stephan  Freiherr  von  Jovanovic. 


Vorrückung  zu  verwehren.  Die  Aufständischen  setzten  sich  auf  den  Höhen  bei 
Citluk  fest  und  schoben  einzelne  Scharen  gegen  Ljubuski  auf  die  Höhen  von 
Cr  na  vor,  wo  die  berittenen  dalmatinischen  Landessehützeu,  welche  die  äußerste 
Spitze  der  Division  bildeten,  vom  Gegner  angeschossen  wurden. 

FML.  Frh.  von  Jovanovic,  welcher  den  Vormarsch  von  Ljubuski  am  4.  fort- 
setzt*, gab  der  2.  Gebirgsbrigade  den  Befehl,  den  Feind  energisch  anzugreifen.  Es 
entspann  sich  ein  sehr  lebhafter  Kampf,  in  welchem  die  Insurgenten  von  Auf- 
stellung zu  Aufstellung  zurückgeworfen  und  schließlich  durch  eine  Umgehung 
gegen  ihre  rechte  Flanke  zum  Bückzuge  nach  Mostar  gezwungen  wurden. 

Am  ö.  rückte  FMK.  Frh.  von  Jovanovic  gegen  Mostar  selbst  vor.  Er  traf  alle 
Dispositionen,  um  dort  jedweden  etwaigen  Widerstand  zu  zermalmen.  Die  Insur- 
genten gaben  jedoch,  von  dem  blitzartigen  Erscheinen  der  k.  k.  Truppen  im  Herzen 
des  Landes  aus  völlig  unerwarteter  Richtung  überrascht,  jeden  Gedanken  eines 
Widerstandes  in  Mostar  auf. 

So  hatte  FML.  Frh.  von  Jovanovic  mit  relativ  sehr  geringem  Verluste  Mostar 
und  die  Narenta- Linie  gewonnen  und  in  dem  von  der  XVI11.  Division  betretenen 
Landestheile  westlich  der  Narenta  gleichzeitig  festen  Boden  gefasst. 

Neben  der  militärischen  Thätigkeit  hatte  FML.  Frh.  von  Jovanovic  in  Mostar. 
wo  infolge  der  vorangegangenen  Revolution  die  Landesregierung  vollkonunen  zu 
funetionieren  aufgehört  hatte,  dieselbe  unmittelbar  nach  seinem  Einzüge  in  diese 
Stadt  von  Grund  aus  neu  organisiert  und  anfänglich  ohne  weitere  Unterstützung 
als  jene  seines  Generalstabes  und  des  der  Division  zugeteilten  Civil-Commissärs 
sofort  Ordnung  in  das  Chaos  zu  bringen  und  Sicherheit  herzustellen  begonnen. 

Gebunden  durch  die  vom  Commando  des  XIII.  Armee-Corps  erhaltene, 
durch  die  damalige  Sachlage  gebotene  Direetive,  sich  auf  die  Festhaltung  der 
Narenta-Linie  vorläufig  zu  beschränken,  war  FML.  Frh.  von  Jovanovic  trotz 
des  Umstanden,  dass  starke  Massen  von  Insurgenten  nördlich  von  Mostar  standen, 
darauf  bedacht,  die  Zugänge,  welche  aus  dem  Narenta-Thale  gegen  Osten  und 
Süden  in  die  Hercegovina  führten,  zu  gewinnen  und  die  Verbindung  mit  dem 
natürlichen  Basispunkte  Metkovic  zu  eröffnen. 

Noch  am  6.  August  nachmittags  ließ  er  durch  das  19.  Jäger-Bataillon  und 
2  Geschütze  südlich  von  Mostar  die  das  Mostarko  polje  beherrschende  Stel- 
lung am  Nordrande  des  D ubra va-Blateau  nächst  der  Mündung  der  Buna  in  die 
Narenta,  sowie  die  über  ersteren  Fluss  führende  Brücke  besetzen.  Am  7.  ließ  FML. 
Frh.  von  Jovanovic  durch  Theile  der  3.  Gebirgs-Brigade  Tasovic  an  der  Straße 
Mostar-Metkovic  sichern,  dann  das  Gros  dieser  Brigade  am  8.  über  Domanovic' 
nach  Stolac  rücken,  dort  die  türkische  Besatzung  entwaffnen,  Stolac  sammt 
dem  Castell  selbst  besetzen,  am  9.  wieder  nach  Domanovic  zurückkehren 
und  am  10.  bis  an  die  Krupa  vorrücken.  Er  veranlasste  dann  den  dort  mit 
«000  Mann  türkischer  Truppen  stehenden  Ali  Pascha  durch  die  Drohung,  even- 
tuell Gewalt  anzuwenden,  zun»  sofortigen  Verlassen  der  Hercegovina,  respective 
zur  Einschiffung  in  Kiek,  wodurch  die  Verbindung  Mostars  mit  Metkovic  voll- 
ständig freigemacht  und  hergestellt  war. 


Digitized  by  Google 


478       (XXX.  Promotion.  —  Ingurrectu.ns-Kampfe  lH(i*i  und  1*78.    -  Bosnien-Hercegovina. 


Als  am  13.  August  die  zur  Besatzung  von  Stolar  gehörige  8.  Cornpagnic 
des  Infanterie-Regiments  Nr.  H2  bei  Zegulj-Karaula  (Kavnica)  überfallen  und 
Stolar  selbst  von  Insurgenten  eingeschlossen  wurde,  entsendete  FML.  Frh.  von 
.lovanovic  successive  bis  zum  18.  August  die  auf  5  Bataillone  und  1 '/,  Batterie  ver- 
stärkte :i  Gebirgs-Brigade  zum  Entsalze.  Trotz  der  glücklichen  Gefechte  zwischen 
Domanovie  und  Krcmenac  vom  10.  bis  UJ.  August  vermochte  aber  diese  Brigade 
den  Entsatz  nicht  zu  bewirken,  da  die  Masse  der  Insurgenten  auf  4000  Mann  ange- 
wachsen und  weitere  Scharen  derselben  im  Anzüge  waren.  Der  Gommandant  der 
U.  Gebirgs-Brigade  bat  infolge  dessen  dringend  um  weitere  Verstärkung. 

Die  Lage  der  Division  war  ohnedem  schon  kritisch  genug.  Mostar  an  und 
für  sich  erforderte  eine  Garnison  von  vier  bis  fünf  Bataillonen  infolge  der  ausge- 
dehnten Sicherung,  welche  die  militärisch  ungünstige  Lage  der  Stadt  erheischte. 
Nördlich  von  Mostar  zwischen  Zimlje  und  Konjica  standen  mehrere  Tausend 
Insurgenten  bereit.  Mostar  anzugreifen,  sobald  ihnen  die  Gelegenheit  hiezu  günstig 
erschien;  bei  Nevesinje,  in  der  Bisina -Schlucht  und  bei  Rotimje  befanden  sich 
ebenfalls  Insurgentenbanden.  Diese  Umstände  erforderten  eine  starke  Besetzung 
von  Mostar  und  die  Kesthaltung  der  Punkte  Blagaj.  Buna  und  der  Linie 
Suehidö,  wozu  die  Kräfte  der  Division,  von  der  auch  ein  Bataillon  zur  Sicherung 
der  Linie  Mostar-Ljubuski  verwendet  werden  musste,  kaum  ausreichten. 

Die  Festhaltung  von  Mostar  und  der  Narenta-Linie,  welche  vorläufig 
Hauptaufgabe  der  Division  blieb,  unter  solchen  Umständen  an  und  für  sich 
schwierig,  konnte  umsomehr  bei  erheblicher  .Schwächung  der  bei  Mostar  stehen- 
den Truppen  in  Frage  gestellt  werden. 

Aber  erkennend,  dass  zur  Freihaltung  des  Narenta  -Thaies  die  Gewinnung 
und  Behauptung  von  Stola«'  und  Umgebung  nothwendig  sei  un«l  dass  der 
Brigade  «1er  Impuls  zu  en«;rgischer  Offensive  geg»*ben  w«Tdcn  musste.  sollte 
nicht  «Ii«-  Insurrection  «lurch  S«hwank«'n  un«I  Zei«hen  von  Schwäche  neu  angefacht 
wer«lcn,  enlschloss  sich  FML.  Frh.  von  J«»vanovi«'  »l<>nn«>ch,  Mostar  und  dessen 
Umgebung  der  t.  Brigade  zu  überlassen  und  mit  ix't  Bataillonen  und  l  '/t  Batterien 
der  -1.  Brigade  nach  Crnici  zu  eilen.  Unmittelbar  nach  seinem  Einlangen  bei  der 
:\.  Brigade  onlnete  er  di<>  sol'orlig«-  Aufnahme  «1er  Offensive  au.  wel«  he  zum  Ent- 
salze von  Stolar  führte. 

Von»  U.>.  bis  21.  August  führt««  er  «liese  Operationen  durch.  Nach  dem 
Narhtgefi'i-hti'  in  der  Buhrava  wurden  «Ii«-  Insurgenten  durch  die  Gefechte  bei 
K  renieiiac-Stolac  am  21.  August  theils  vernichtet  th«>ils  zersprengt  und  nach 
«-ehr  l»e«leuten«len  Verlusten  —  bei  ÖOO  Manu  —  in  wild«'  Fhn-ht  gejagt,  so  dass 
ein  panischer  Schrecken  sich  weit  im  Lande  wibn-itete  und  ganze  Schuren  der 
Insurgenten  nach  Montenegi«)  Hohen. 

Nachdem  FML.  Frh.  von  Juvanovic  <lie  Bezirke  Stola«-  und  Pocitelj 
pa.-i!ici«>rt  um!  entwaffnet  hatte,  kehrte  er  nach  Mostar  zurück,  um  die  Säuberung 
lies  Bisina-Detiles  und  die  Besetzung  von  Nevesinje  einzuleiten.  Unter  dem 
Eindrucke,  den  «lie  bei  Stola«-  geführten  kräftigen  Schläge  übten,  wurde  die 
Besetzung  beider  Punkte  ohne  Kampf  am  2'.>.  August  dun-hgeführi. 


Digitized  by  Googl 


Ritter  des  M.  T  -U.  Stephan  Freiherr  von  Jovanovic. 


470 


Dafür  sammelten  sich  die  Insurgenten  im  Südosten  der  Hercegovina  nächst 
Trebinje  und  im  Gebiete  der  Korjenici  an.  Nachdem  FML.  Frli.  von  Jovanovic 
über  seine  erneuerte  Bitte  durch  eine  vierte  Gebirgs-Brigade  verstärkt  worden, 
unternahm  er  am  10.  September  mit  der  2.  und  3..  sowie  einem  Theile  der 

I.  Gebirgs-Brigade.  welch  letzteren  er  von  Nevesinje  directe  nach  Da  bar  zog, 
den  Marsch  über  Stolac.  Plana.  Bilek  nach  Trebinje. 

Von  Biela  Hudina  aus  leitete  er  die  Besetzung  des  Districts  von  Gaeko 
und  des  gleichnamigen  Ortes  ein  und  erschien  am  17.  September  vor  dem 
inzwischen  von  der  20.  Infanterie-Brigade  bereits  besetzten  Trebinje. 

Am  19.  leitete  er  die  Operationen  zur  Bezwingung  des  Bezirkes  von  Korjenici 
ein,  welche  mit  dem  Falle  von  Klobuk  am  28.  September  ihren  Abschluss  landen. 

Enorme  Terrainhindernisse.  Schwierigkeiten  der  Verpflegung.  Ungunst  der 
Witterung  überwindend,  forcierte  er  es,  den  ganzen  Süden  der  Hercegovina  zu 
durchziehen  und  überall  mit  solcher  Kraft  zu  erscheinen,  dass  seitens  der  Insur- 
genten, welche  bei  Predni,  dann  bei  Mosko  vor  Trebinje  und  bei  Grancarevo 
Widerstand  zu  leisten  beabsichtigt  hatten,  jeder  Versuch  eines  solchen  aufgegeben 
wurde. 

Nach  Ordnung  der  Verhältnisse  im  östlichen  und  südlichen  Theile  des  Landes, 
während  welcher  Zeit  die  Besetzung  von  Konjica  und  Foca  durch  Truppen  der 

II.  Armee  aus  Bosnien  erfolgte,  übernahm  er  in  Trebinje  die  bisher  in  Montenegro 
gewesenen  hereegovinischen  Bataillone,  führte  deren,  sowie  die  Entwaffnung  der 
Scharen  des  Dom  Jvan  Music  durch  und  schuf  aus  den  Elementen  der  Letzteren 
das  Serezaner-Gorps,  welches  fortan  im  Lande  die  Sicherheit  aufrecht  erhielt. 

Der  Commaudant  der  II.  Armee,  FZM.  Frh.  von  Philippovic  charakterisierte 
speciell  die  militärsehe  Thätigkeit  des  FML.  Frh.  von  Jovanovic  in  dem  ihm  hierüber 
gegebenen  Zeugnisse  folgendermaßen: 

.Feldmarschall- Lieutenant  Br.  von  Jovanovic  erhielt  als  Gommandant 
der  XVIII.  Infanteric-Truppen-Division.  obschon  im  allgemeinen  im  Verbände 
des  XIII.  Armee-Gorps,  später  der  IL  Armee  unterstehend,  zur  Aufgabe,  die 
Hercegovina  zu  o<  t  upieren.  Ihm  wurden,  als  auf  ganz  getrenntem  Kriegs- 
schauplatze agierend,  von  mir  nur  die  Ziele,  dann  allgemein  zu  beobachtende 
Directiven  gegeben,  und  weiteres  naturgemäß  nichts! 

Er  hat  unzweifelhaft  ebensosehr  durch  selbständig  gelässte  kluge  Ent- 
schlüsse, wie  durch  thatkräftiges  Handeln  die  Hercegovina  occupiert,  die  in  der 
Versammlung  begriffenen  Insurgenten-Banden  geschlagen  und  zerstreut,  die 
Bildung  neuer  durch  gut  gedachtes  Dazwisehenfahren  verhindert,  im  ganzen: 
höchst  verdienstvolle  Thaten  vollbracht,  welche  den  Anspruch  auf  den  entspre- 
chenden Grad  des  militärischen  Maria Theresien-Ordens  ganz  begründen  dürften." 
Auf  Grund  der  durch  die  Occupation  der  Hercegovina  vollbrachten 
Waffenlhat  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 
meister des  Maria  Theresien-Ordens  den  FML.  Stephan  Freiherrn  von  Jovanovic 
nachdem  derselbe  schon  während  des  Feldzuges  mit  dem  Orden  der  Eisernen 
Krone  1.  Glasse  ausgezeichnet  worden  war.  über  Volum  des  Ordens-Gapitels, 


Digitized  by  Google 


480 


CLXX.  Promotion. 


-  Insurrections  Kampfe  1869  und  1878. 


-  Bosnien-Hercegovina. 


kraft  Promotion  CLXX  vom  2.  Mai  1879  durch  Verleihung  des  KlfMnkre117.es  zum 
Ritter  des  Maria  Thcresien-Ordens  zu  promovieren. 

FML.  Frh.  von  Jovanovie  entfaltete  während  des  Oceupations-Feldzuges  außer 
der  militärischen  auch  eine  intensive  politische  Thätigkeit  durch  die  Paciücation 
und  politische  Organisation  der  Hercegovina.  Was  in  dieser  Beziehung  FZM. 
Frh.  von  Philippovic  in  Bosnien  gethan  hatte,  vollhrachte  FML.  Frh.  von  Jovanovie 
in  der  Hercegovina. 

Am  1 2.  December  1878  mit  der  Würde  eines  Geheimen  Käthes  bekleidet, 
wurde  FML.  Frh.  von  Jovanovie  zum  Stellvertreter  des  Militär-Gouverneurs 
und  Chefs  der  Landesregierung  von  Bosnien  und  der  Hercegovina  in  Sarajevo 
ernannt,  Auf  diesem  Posten  verblieb  er  jedoch  nur  kurze  Zeit,  indem  er  im  Jahre 
1879  zum  Commandan len  der  II.  Infanterie-Truppen-Division  in  Wien  ernannt 
wurde.  Als  solcher  war  er  auch  Conlmandant  des  Stabsoffieiers-Curses. 

Zu  Ende  des  Jahres  1881  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  FML. 
Frh.  von  Jovanovie  zum  Militär-Commandanten  in  Zara  und  Statthalter 
von  Dalmatien  zu  ernennen.  Seine  nächste  Aufgabe  auf  diesem  Posten  war  es, 
den  nach  zwölfjähriger  Buhe  in  Süd-Dalmatien  anlässlich  tl  eilweiser  Unruhen  in 
der  Hercegovina  gegen  Ende  des  Jahres  1881  auch  in  ersterem  Gebiete  wieder 
ausgebrochenen  Aufstand  der  Krivosijaner  niederzuwerfen.  Durch  eine  von  der 
Küste  aus  den  Bocche  di  Cattaro  und  gleichzeitig  aus  der  Hercegovina  über 
den  Orion  ausgeführte  Operation,  dann  durch  die  Gefechte  in  der  Krivosije  am 
8.,  9.  und  10.  März  1882  warf  FML.  Frh.  von  Jovanovie  .den  Aufstand  in  Süd- 
Dalmatien  und  in  der  Folge  auch  in  der  Hercegovina  nieder,  führte  das  Land- 
wehrgesetz in  Süd-Dahnalien,  gegen  welches  sich  der  Aufstand  der  Krivosijaner 
neuerdings  gerichtet  hatte,  nunmehr  mit  eiserner  Strenge  durch  und  stellte  über- 
haupt in  jenen  Gebieten  nicht  allein  die  volle  Autorität  des  Gesetzes  her,  sondern 
bewirkte  auch  die  bedingungslose  Unterwerfung  der  Bewohner  unter  die  Staats- 
hoheit der  Monarchie  für  alle  Zeiten. 

Seine  Majestät  der  Kaiser  geruhte  dem  FML.  Frh.  von  Jovanovie  für  die 
hiodureh  vollbrachte  Leistung  am  29.  Juni  1882  das  Großkreuz  des  Leopold- 
Ordens  mit  der  Kriegsdecoration  zu  verleihen  und  ihn  am  28.  December  des- 
selben Jahres  zum  Oberst-Inhaber  des  13.  Infanterie-Regiments  zu  ernennen. 

Das  weitere  Wirken  des  FML.  Frh.  von  Jovanovie  in  den  Jahren  1882  bis  1885 
galt  neben  seiner  Thätigkeit  als  Militär-Commandant  hauptsächlich  der  Civil- 
Administration  von  Dalmatien.  In  dieser  Wirkungssphäre,  welche  in  dem  knappen 
Rahmen  dieses  Werkes  keinen  Raum  finden  kann,  begann  FML.  Frh.  von  Jovanovie 
auch  auf  politischem  Gebiete  »««in  groß  angelegtes  Wesen  im  Dienste  der  gesammt- 
staatlicheri  Ideen  der  Monarchie  zu  erdfalten,  als  ihn  am  8.  December  1885 
jählings  der  Tod  ereilte.  Vorzeitig  verlor  in  ihm  das  Heer  einen  seiner  hervor- 
ragend befähigten  Generale,  überdies  Thron  und  Vaterland  nicht  nur  den  Eroberer 
der  Hercegovina  und  Bezwinger  der  Krivosije,  sondern  auch  einen  durch  seine 
ganze  Individualität  insbesondere  für  die  wichtigen  Gebiete  im  Südosten  der 
Monarchie  berufenen  Heerführer. 


Digitized  by  Google 


Ritler  des  M.  T.-O.  Ladislaus  C.raf  Siap.-iry. 


481 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Ladislaus  Graf  Szäpäry. 

(Mit  Bildnis  aus  dem  "Jahre  1878.) 

Graf  Szäpäry  wurde  zu  Pesth  am  22.  November  1831  geboren  und 
trat  am  13.  April  1848  in  die  k.  k.  Armee  ein.  Er  wurde  Lieutenant  bei  dem 
Husaren-Regiment  Nr.  7  und  rückte  in  demselben  zum  Ober  lieutenant,  sodann 
im  Husaren-Regimente  Nr.  12  zum  Rittmeister  II.  und  I.  Glasse  vor.  In  letzterer 
Charge  diente  Graf  Szäpäry  einige  Zeit  im  Adjutanten-Corps.  Darauf  ward  er 
Major  im  Uhlanen-Regiment  Nr.  1  und  kam  in  der  Folge  als  Oberstlieutenant 
zum  Husaren-Regiment  Nr.  13.  Als  Rittmeister  war  Graf  Szäpäry  durch  länger  als 
anderthalb  Jahre,  als  Oberstlieutenant  durch  ein  Jahr  und  vier  Monate  Flügel- 
Adjutant  Seiner  Majestät  des  Kaisers.  Darauf  ward  er  Oberst  und  Regiments- 
Commandant  des  13.  Husaren-Regiments. 

Graf  Szäpäry  hat  alle  österreichischen  Feldzüge  in  Italien  seit  dem  Jahre  1848 
mitgemacht 

Im  Kriege  gegen  Piemont  1848/49  kämpfte  er  in  dem  Feldzuge  1848 
mit  dem  7.  Husaren-Regiment  als  Lieutenant  bei  dem  Angriff  auf  Montanara 
und  Curtatoneam29.  Mai,  bei  der  Einnahme  von  Vicenza  am  10.  Juni,  in  den 
Kämpfen  bei  Sona  und  Sommacampagna  am  23.  Juli,  in  der  Schlacht  bei 
Custozza  am  25.  Juli,  in  dem  Nachtgefechte  bei  Volta  am  26.  und  27.  Juli,  in 
dem  Gefechte  bei  Gremona  am  30.  Juli  und  in  den  Gefechten  bei  Mailand  am 
4.  und  5.  August. 

Im  Feldzuge  1849  nahm  Graf  Szäpäry  theil  an  dem  Gefechte  am  Gravellone 
am  20.  März,  an  den  Schlachten  bei  Mortara  am  21.  März,  bei  Novara  am 

23.  März,  an  der  Cemierung  und  dem  Angriffe  Livornos  vom  9.  bis  11.  Mai,  an 
der  Verfolgung  der  Garibaldischen  Freischaren  bis  Urbino  und  während  dieser 
Expedition  an  dem  Gefechte  bei  Monterchi  am  12.  Juni. 

Den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Italien  im  Jahre  1859 
machte  Graf  Szäpäry  als  Major  mit  dem  1.  Uhlanen-Regiment  mit  und  kämpfte 
bei  mehreren  Vorpostengefechten  an  der  Sesia  vom  9.  bis  22.  Mai,  in  den  Treffen 
hei  Palestro  am  30.  und  31.  Mai,  in  der  Affaire  bei  Vespolate  und  Olengo  am 
2.  Juni  und  in  den  Schlachten  b*>i  Magenta  am  4.  Juni  und  bei  Solferino  am 

24.  Juni.  Für  seine  Leistungen  in  diesem  Kriege  wurde  dem  Major  Grafen  Szäpäry 
die  Allerhöchste  belobende  Anerkennung  zutheil. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  1866  machte  Graf 
Szäpäry  den  Feldzug  in  Italien  als  Oberst  und  Regiments-Commandant  des 
13.  Husaren-Kegiments  mit.  Er  leitete  in  Flanke  und  Rücken  der  Süd-Armee  die 
Überwachung  der  Po-Linie  vom  22.  bis  28.  Juni,  betheiligte  sich  sodann  an  der 
Streifung  der  Reserve-Cavallerie  unter  GM.  Pulz  auf  dem  rechten  Mine io- Ufer 
und  kämpfte  dabei  in  dem  Reiter-Gefechte  bei  Med ole  am  2.  Juli.  Bei  dem  Rück- 
züge der  Süd-Armee  aus  Italien  befehligte  Oberst  Graf  Szäpäry  die  aus  seinem 

Milit&mcfa.r  Mtrü  Th.>re»ien-Or.l«ii.  31 


Digitized  by  Google 


4-82        CLXX.  Promotion.       Insurrections-K&tnpfe  1869  uud  1«7«.  —  Bosnien-Hercegovina. 

13.  Husaren-Regiment  und  dem  10.  Feldjäger-Bataillon  bestehende  Arrierejranle 
vom  Mincio  bis  hinter  die  Piave.  Für  die  vorzüglichen  und  verdienstvollen 
Leistungen  in  diesem  Feldzuge  wurde  Oberst  Graf  Szäpäry  mit  dem  Milttär- 
Verdienstkreuze  mit  der  Kriegs-Deeoration  ausgezeichnet. 

Seit  dem  23.  April  1809  Generalmajor  und  Cavallerie-Bi  igadier.  seit 
dem  11.  November  1874  Feldmarschall-Lieutenant  und  Oommandant  der 
XX.  Infanterie-Truppen-Division,  wurde  FML.  Graf  Szäpäry  im  Jahre  1876  lYu 
hervorragende  Leistungen  während  der  Überschwemmung  zu  Budapest  mit  dem 
Orden  der  Eisernen  Krone  IL  Classe  ausgezeichnet. 

Bei  der  Oecupation  von  Bosnien  und  der  Hercego  vina  im  Jahre  1S7S 
machte  FML.  Graf  Szäpäry,  anfangs  mit  seiner  XX.  Infanterie-Truppen-Division  in 
das  XIII.  Armee-Corps  eingetheilt.  den  Feldzug  in  Bosnien  mit.  Gemäß  den  Dispo- 
sitionen lies  Corps-Comniandanten  FZM.  Frh.  von  Philippovic  halte  FML.  Graf 
Szäpäry  mit  der  40.  Infanterie-Brigade  und  den  Divisions-Reserven  die  Save  bei 
Samac  zu  übersetzen,  den  Kreis  Zvornik  zu  pacilicieren.  über  Dolnja  Tuzla  auf 
Zvornik  vorzurücken,  dann  bei  dieser  Stadt  eine  beobachtende  Stellung  gegen 
Serbien  einzunehmen  und  mit  einem  entsprechenden  Truppentheile  über  Vluse- 
nica  die  Verbindung  mit  der  von  Brod  über  Sarajevo  vorrückenden  Haupt- 
Colonne  herzustellen. 

FML.  Graf  Szäpäry  überschritt  am  31.  Juli  bei  Samac  die  Save.  Elementare 
Wetternnbilden  und  äußerst  schlechte  C.ommunications-Verhällnisse  setzten  jedo«  Ii 
seinem  Vormärsche  um  so  größere  Hindernisse  entgegen,  als  der  Train  an  1 1 00 
Wagen  zählte  und  streckenweise  ganze  Bataillone  aufgeboten  werden  niussten. 
um  denselben  vorwärts  zu  bringen.  Infolge  dessen  waren  Truppen  wie  Bespan- 
nungen bald  so  erschöpft,  dass  FML.  Graf  Szäpäry  bis  zum  0.  August  nicht  über 
Gracanica  hinaus  vorzurücken  vermochte.  Ein  in  diesem  Orte  am  1.  August  mit 
starker  Hand  niedergeworfener  Aufstandsversuch.  Nachrichten  von  der  Haupl- 
Golonne  im  Bosna-Thale.  sowie  Feindseligkeiten  der  Bevölkerung  gegen  die  von 
FML.  Grafen  Szäpäry  ausgesendeten  Cavallerie-Patrouillen  ließen  ihn  erkennen, 
dass  auch  er  mit  der  XX.  Division  auf  einen  desto  heftigeren  Widerstand  stoßen 
werde,  je  mehr  sich  seine  Vorrückung  verzögerte.  Trotzdem  der  Zustand  der 
Truppen  und  Bespannungen  eine  Erholung  für  dieselben  dringend  noth wendig 
erscheinen  ließ,  setzte  er  dennoch  ohne  Rücksicht  darauf  seine  Vorrückung  fort. 

Am  7.  August  kam  die  Division  nach  Dubosniea,  am  8-  bis  über  Man 
Pirkovac.  wo  ein  Scharmützel  gegen  Insurgenten  stattfand.  Erst  am  \).  gelangte 
sie  unter  fortwährendem  Geplänkel  vor  Dolnja  Tuzla.  und  zwar  mit  zusammen 
.V/j  Bataillonen,  1  Escadron  und  21  Geschützen. 

Vor  Tuzla  entspann  sieh  gegen  I  Uhr  mittags  ein  heftiges  Gefecht,  welches 
bis  zum  Abend  andauerte.  Die  Insurgenten  erschienen  sehr  zahlreich  auf  den  Thal- 
begleitungen, daher  fast  alle  Truppen  engagiert  wurden.  Das  Resultat  des  Kampfes 
war,  dass  der  Feind  vom  rei  hten  Flügel  des  FML.  Grafen  Szäpäry  zurückgedrängt 
wurde,  während  sich  sein  linker  Flügel  gegen  die  Übermacht  der  Insurgenten 
behauptete. 


Digitized  by  Google 


^    Digitized  by  Google 


Digitized  by  Googl 


485 


iLf.. 


\\  ii  kung,  dass  die  Insurgenten, 
"i.  liiert  wurden,  ihren  ünter- 
j-tindlichen  Verlusten  bis  nach 

I i  n  Situation  trafen  den  FML. 
nmiandos,  welche  auf  eine 
'  ups  gegen  Dolnja-Tuzla 

riien  mit  einem  Vernichtungs- 

.V     ~  . 

mit  den  bei  Doboj  verfüg- 

G: 

;'••■'•-'->_  . 
ii'j  : 


•-  -. 

ll.it'.-  j 


Wü- 
hl di. 
die  V. 


interie-Brigade  —  den  Vor- 
iv, »r  noch  durch  das  in  der 
1 1  Kecognoscierungsgefecht 
-urgenten  gegenüber  den 
:  ;im  17.  jedoch  hatte  sich 
^  Tages  Gracanica  von 


■iiia  statt,  wie  denn  das 

•i  Szdpäry  in  steter  Füh- 

-  I  izla  knapp  gegenüber 

fahr:  _•  . 

dem  IV.  Armee-Corps 
i  festgesetzt. 
Insurgenten  jedoch 
dank  den  wohl- 

'<!^"'u  ^  ( ■  j  »tember  zur  selben 

(,r;tc;i'  i  -erische  Tliätigkeit 

frwilc,J.i  -  mdant  FML.  Graf 

Nc  :  —  urrection  im  nord- 

1 1 .  Au;; .  •-  • 

rnit  d,':  .-fSft  Verluste  ge- 

^:  -  -  und  Kampfes- 


geschilderten 


Ort  und  -  -  .  LToßen  Theile 

•  -  Kräfte,  dann 

eeWl^&-  :,  :  III.  Armee- 
lang^  \\r_ henNach- 

in  den  F.«u..-  .  i  luptkraft 
Verbinde _ren  das 
worden     :  ^  . 

Doboj  sta-.v^.  ^  .  "                                                                      -  die 

FML      r^  ;ber 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T  U.  Ladislaus  Graf  Szäpäry. 


183 


Der  Kampf  an  diesem  Tage  führte  zur  Erkenntnis,  das«?  FML.  Graf  Szäpärv 
es  mit  einem  der  Zahl  nach  starken  Gegner  zu  thun  hatte,  der  durch  das  Terrain 
begünstigt,  hartnäckigen  Widerstand  leistete.  Aus  der  Art  der  Verteidigung,  dem 
correeten  .Schießen  der  Artillerie  gieng  unzweifelhaft  hervor,  dass  nicht  allein 
Insurgenten,  sondern  auch  reguläres  türkisches  Militär  auf  Seite  des  Gegners 
fochten.  Dies  alles  erwägend,  wollte  FML.  Graf  Szäpäry  dennoch  die  ihm 
gestellte  Aufgabe  lösen  und  beschloss.  den  K;impf  am  nächsten  Tage  fortzu- 
setzen. Das  Gefecht  am  10.  August  währte  von  Tagesanbruch  bis  in  die  sinkende 
Nacht.  Am  linken  Flügel,  der  bis  vor  Dolnja  Tuzla  gelangte,  wurden  die  Insur- 
genten geworfen,  während  sie  durch  ihre  Übermacht  den  rechten  Flügel  zurück- 
drängten und  dadurch  erkennen  ließen,  dass  sie  der  Division  den  Rückzug  auf 
Gracanica  verlegen  wollten. 

Die  Insurgenten  erschienen  an  diesem  Tage  zahlreicher  als  am  vorher- 
gehenden. Es  war  vorauszusehen,  dass  sie  sich  im  Verlaufe  des  nächsten  Tages 
noch  verstärken  würden.  Längs  der  ganzen  Linie,  welche  der  Train  einnahm, 
wurden  Angriffe  der  Insurgenten  gemeldet. 

Es  war  nun  of renbar,  dass  der  ganze  Landstrich,  in  welchem  sich  die  Division 
befand,  insurgiert  war.  Wenn  es  auch  gelungen  wäre,  Tuzla  zu  nehmen,  so 
hätte  doch  die  Etapenlinie  über  Brcka  erst  erkämpft  werden  müssen,  was  mit 
den  wenigen  Bataillonen,  die  FML.  Graf  Szäpäry  zur  Verfügung  hatte,  nicht  durch- 
führbar war. 

Er  beschloss  demnach  den  Rückzug  und  zwar  über  Gracanica  nach  Doboj, 
was  er  noch  im  Laufe  des  10.  August  telegraphisch  dem  Corps-Commando  meldete. 
In  dieser  Richtung  zurückzugehen,  bestimmte  ihn  der  Umstand,  dass  nur  dadurch 
die  Verbindungslinie  der  im  Bosna-Thale  bereits  über  Doboj  hinaus  vorgedrun- 
genen Haupt-Colonne  mit  Brod  gesichert  werden  konnte,  das  Rückweichen  von 
Gracanica  nach  Samac  aber  die  Nachschubslinie  der  Haupt-Colonne  den  Insur- 
genten vollkommen  preisgegeben  haben  würde« 

Nach  einem  sehr  beschwerlichen  Nachtmarsche  gelangte  die  Division  am 
1 1.  August  nach  Dubosnica.  am  12.  unter  fortgesetztem  Gefecht  der  Nachhut 
mit  den  Insurgenten,  nach  Gracanica. 

Der  12.  August  verlief  ruhig.  FML.  Gral  Szdpär>  hatte  die  Absicht,  »»so- 
lange bei  Gracanica  zu  verbleiben,  als  sich  die  Insurrektion  nicht  über  diesen 
Ort  und  im  Rücken  der  Division  ausbreitete. 

Der  von  den  Insurgenten  am  13.  unternommene  Angriff  wurde  zwar  zurück- 
gewiesen, doch  ließ  derselbe  die  Gefahr  erkennen,  welche  der  Division  durch  ein 
längeres  Verharren  bei  Gracanica  drohte,  indem  die  Insurgenten  Zeit  gewannen, 
in  den  Flanken  und  Rücken  hinreichende  Kräfte  zu  sammeln.  Dadurch  wären  die 
Verbindungen  des  FML.  Grafen  Szäpäry  nach  allen  Richtungen  unterbrochen 
worden  und  hätte  auf  einen  geregelten  Verpilegs-Naehschub,  der  nur  mehr  von 
Doboj  stattfinden  konnte,  nicht  gerechnet  werden  können. 

FML.  Graf  Szäpäry  setzte  dalier,  nachdem  er  den  Train  am  13.  nachmittags 
vorausgesendet  hatte,  am  14.  den  Rückzug  nach  Doboj  fort.  Am  15.  August 

3f 


Digitized  by  Google 


484      CLXX.  Promotion.      Insurrectiong-Klmpfe  1*69  und  1S78.  -  Bosnien- Uercegovina. 

nachmittags  passierte  der  letzte  Wagen  des  ungeheueren  Trains  die  inzwischen 
über  die  Bosna  geschlagene  Brücke,  ohne  dass  ein  Wagen  verloren  gegangen  war. 
Da  dem  FML.  Grafen  Szdpdry  nur  zwei  Bataillone  auf  dem  Friedensstande  als  erste 
Verstärkung  zudisponiert  werden  konnten,  so  reichten  zur  Besetzung  der  Stellung 
auf  dem  rechten  Bosna-Ufer  die  ihm  zur  Disposition  gestellten  Truppen  nicht  hin. 

Trotz  der  Ungunst  des  Terrains,  der  großen  Ausdehnung  der  Stellung, 
mit  einem  Flusse  im  Rücken,  über  welchen  nur  eine  Nothbrücke  führte,  die  durch 
jedes  Hochwasser  weggeschwemmt  werden  konnte  —  dieselbe  wurde  auch  Ende 
September  durch  plötzlich  eingetretenes  Hochwasser  thatsachlich  weggeschwemmt 
—  beschloss  FML.  Graf  Szdpdry,  auf  dem  rechten  Ufer  zu  verbleiben,  weil  ein 
Aufgeben  desselben  als  gleichbedeutend  mit  dem  Preisgeben  der  Linie  Brood- 
Sarajevo  anzusehen  war.  Vom  rechten  Ufer  konnte  nämlich  die  Straße 
Kotorsko-Doboj-Maglaj,  die  dort  im  Gewehrertrage  längs  des  linken  Ufers 
hinzieht,  derart  unter  Feuer  genommen  werden,  dass  eine  Bewegung  mit  Truppen 
und  Trains  auf  derselben  nach  keiner  Richtung  möglich  gewesen  wäre. 

In  der  Aufstellung  am  rechten  Bosna-Ufer,  welche  nach  und  nach  von  den 
Truppen  durch  Jägergräben  und  sonst  flüchtig  befestigt  worden,  wurden  am 
15.,  16.,  19.,  20.,  23.,  20.,  30.  August,  dann  am  1.  und  2.  September  wiederholte 
Angriffe  der  Insurgenten  blutig  zurückgewiesen. 

Da  Kundschaftsnachrichten  eine  Ansammlung  von  Insurgenten  im  oberen 
Usora-Thule  avisierten,  so  musste  FML.  Graf  Szdpdry  auch  auf  dem  linken  Ufer 
Vorkehrungen  treffen,  um  einem  etwaigen  Angriffe  begegnen  zu  können.  Er  ließ 
dort  zu  diesem  Zwecke  flüchtige  Werke  aufführen  und  diese  mit  1  Bataillon  besetzen. 

Bis  zum  Eintreffen  der  in  Aussicht  gestellten  Verstärkung  der  Division  war 
aber  ;in  ein  Ergreifen  der  Offensive  nicht  zu  denken.  Das  Corps-Commando  wies 
den  FML.  Grafen  Szdpdry  an,  sich  bis  zum  Eintreffen  der  Verstärkungen  defensiv 
zu  verhalten. 

Ende  August  begannen  die  Insurgenten  den  Bau  von  Batterien. 

Anfangs  September  war  eine  feindliche  Bewegung  auf  der  Straße  gegen 
Maglaj  wahrzunehmen.  Der  Zweck  derselben  war  offenbar  die  Unterbrechung  der 
Verbindung  zwischen  Doboj  und  Maglaj. 

Am  20.  August  war  inzwischen  FML.  Graf  Szdpdry  mit  dem  Gommando  des 

III.  Armee-Corps  betraut  worden,  welches  sich  aus  der  XX.,  I.  und  IV.  Infanterie- 
Truppen-Divi<i«.ii  bei  Doboj  zu  bilden  hatte.  Am  3.  September  traf  nun  die  zur 

IV.  Infanterie-Truppen-Division  gehörige  8.  Infanterie-Brigade,  am  4.  September 
der  Rest  dieser  Division  bei  Doboj  ein. 

Hiedurch  war  FML.  Graf  Szdpdry  in  die  Lage  gesetzt,  dem  Feinde  in  seiner 
neuen  Unternehmung  zu  begegnen. 

Am  4.  und  5.  September  wurde  derselbe  energisch  und  erfolgreich 
angegriffen. 

Die  vom  FML.  Grafen  Szdpdry  eingeleiteten  und  mit  allem  Nachdrucke,  haupt- 
sächlich «regen  den  entscheidenden  Punkt,  gegen  den  feindlichen  linken  Flügel, 
gerichteten  und  für  den  Feind  außergewöhnlich  verlustreichen  Offensivstöße 


Digitized  by  Googl 


V 


Ritter  des  M.  T.-O.  Ladislaus  Graf  S2iipary. 


485 


waren  von  so  entscheidender  und  nachhaltiger  Wirkung,  dass  die  Insurgenten, 
obwohl  stark  an  Zahl,  in  hohem  Grade  eingeschüchtert  wurden,  ihren  Unter- 
nehmungsgeist völlig  einbüßten  und  sich  nach  empfindlichen  Verlusten  bis  nach 
Gracanica  zurückzogen. 

In  dieser,  weiteren  sicheren  Erfolg  verheißenden  Situation  trafen  den  FML. 
Grafen  Szäpäry  die  Weisrungen  des  II.  Armee  -  Gommandos.  welche  auf  eine 
gemeinsame  kräftige  Action  des  III.  und  IV.  Armee-Corps  gegen  Dolnja -Tuzla 
abzielten,  um  so  der  Insurrection  im  nordöstlichen  Bosnien  mit  einem  Vernichtungs- 
schlage das  Ende  zu  bereiten. 

Am  17.  September  begann  FML.  Graf  Szäpary  mit  den  bei  Doboj  verfüg- 
baren Kräften  -  IV.  Division  und  Theile  der  10.  Infanterie-Brigade  —  den  Vor- 
marsch im  Spreea-Thale.  Am  15.  September  war  zuvor  noch  durch  das  in  der 
Stellung  bei  Doboj  befindliche  1.  Feldjäger-Bataillon  ein  Recognoscierungsgefecht 
durchgeführt  worden,  welches  die  Anwesenheit  der  Insurgenten  gegenüber  den 
Truppen  des  III.  Armee-Corps  noch  blutig  constatierte;  am  17.  jedoch  hatte  sich 
der  Gegner  zurückgezogen,  und  wurde  am  Abende  dieses  Tages  Gracanica  von 
2  Bataillonen  besetzt. 

Am  18.  fand  ein  Gefecht  der  Vortruppen  bei  Gluhina  statt,  wie  denn  das 
am  21.  bis  Han  Pirkovac  gelangte  Gros  des  FML  Grafen  Szäpary  in  steter  Füh- 
lung mit  dem  Feinde  blieb  und  sich  westlich  Dolnja  Tu'zla  knapp  gegenüber 
dieser  Stadt  befand. 

Wegen  der  anbefohlenen  gleichzeitigen  Action  mit  dem  IV.  Armee-Corps 
wurde  der  Angriff  auf  Dolnja  Tuzla  für  den  2*3.  September  festgesetzt. 

In  der  Nacht  vom  21.  zum  22.  September  räumten  die  Insurgenten  jedoch 
ihre  Stellung  westlich  Tuzla  und  beide  Armee-Corps  rückten  —  dank  den  wohl- 
t  ombinierten  Bewegungen  des  III.  Armee-Corps  —  am  23.  September  zur  selben 
Stunde,  II  Uhr  vormittags,  in  Dolnja  Tuzla  ein,  womit  die  kriegerische  Thätigkeit 
jenes  Theiles  des  III.  Armee-Corps,  welchen  der  Corps-Commandant  FML.  Graf 
Szäpäry  persönlich  leitete,  ebenso  ihr  Ende  erreichte,  wie  die  Insurrection  im  nord- 
östlichen Bosnien. 

Dass  dies  in  letzter  Linie  ohne  hartnäckige  Kämpfe  und  große  Verluste  ge- 
schehen konnte,  dass  überhaupt  die  Insurrection  rasch  an  Thatkraft  und  Kampfes- 
lust nachließ,  dass  der  Occupationszweck  im  letzten  Stadium  der  geschilderten 
Action  fast  unblutig  und  dennoch  sicher  erreicht  wurde,  muss  zum  großen  Theile 
auf  den  hartnäckigen  Widerstand  der  XX.  Division  gegen  überlegene  Kräfte,  dann 
auf  die  physische  und  moralische  Wirkung  der  siegreichen  Kämpfe  des  III.  Armee- 
Corps  am  4.  und  5.  September  zurückgeführt  werden,  denn  alle  verlässlichen  Nach- 
richten stimmten  darin  überein,  dass  sich  im  nordöstlichen  Bosnien  die  Hauptkraft 
der  Insurgenten  gegen  Ende  August  und  in  der  ersten  Hälfte  September  gegen  das 
III.  Armee-Corps  gewendet  hatte. 

Der  Armee-Commandant  FZM.  Frh.  von  Philippovie  charakterisierte  die 
vom  FML.  Grafen  Szäpäry  entwickelte  Thätigkeit  in  dem.  dem  letzteren  hierüber 
ausgestellten  Zeugnisse  folgendermaßen: 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


Digitized  by  Google 


|8f>      CLXX.  Promotion.  -  rnsurrec»ioin=-K&mprp  JSf.O  und  187*.  BosnietiHercogevina. 

„Ich  bestätige  das  vom  Herrn  Feldmarschall-Lieutenant  Grafen  Szäpäry 
verfasste  Species  facti,  der  aufhabenden  Pflicht  gemäß  in  allen  Theilen  und  füge 
insbesondere  bei,  dass  das  Festhalten  des  rechten  Bnsna-Ufers  bei  Dobuj  eiiiH 
sehr  verdienstvolle  Handlung  war,  welche  zum  Gesammterfolg  wesentlichst 
beitrug  und  selben  kräftigst  förderte." 

Auf  Grund  der  durch  die  hartnäckige  Vertheidiguug  Dobojs  vollbrachten 
Wallenthal  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener  Groß- 
meister des  Maria  Theresien-Ordens  über  Votum  des  Ordens-Capitels  kraft  Pro- 
motion CLXX  vom  2.  Mai  1879  den  FML.  Ladislaus  Grafen  Szäpäry  durch  Ver- 
leihung des  Kleinkreuzes  zum  Kitter  des  Maria  Theresien-Ordens  zu 
promovieren. 

Für  die  während  des  Oecupations-Feldzuges  vollbrachten  hervorragenden 
Leistungen  war  FML.  Graf  Szäpäry  schon  zuvor  am  20.  (Jetober  1S7S  mit  dem 
Commandeurkreuz  des  Leopold-Ordens  mit  der  Kriegsdecorat ion  aus- 
gezeichnet worden. 

Nach  dem  Oecupations-Feldzuge  wurde  FML.  Graf  Szäpäry  am  19.  Odober 
1878  zum  Militär-Commandanten  '.n  Teniesvär,  am  S.  November  1878  zum  Militär- 
Conunandant.cn  in  Kaschau  ernannt.  Im  Jahre  1881  ward  er  mit  der  Geheimen 
Raths  würde  bekleidet. 

Am  21.  April  1882  geruhte  ihm  Seine  Majestät  der  Kaiser  den  Charakter 
eines  Generals  der  Cavallerie  <ul  honores  zu  verleihen  und  am  28.  December 
1882  ihn  zum  Oberst-Inhaber  des  40.  Infanterie-Regiments  zu  ernennen. 

Kurze  Zeit  darauf  —  28.  September  1883  starb  GdC.  Graf  Szäpäry 
frühzeitigen  Todes  in  Press  bürg. 


Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
Joseph  Freiherr  Veesey  de  Vecse  et  Böröllyö-Isagfa. 

(Mit  Bildnis  ans  .l.-in  .lahn-  1878.) 
Joseph  von  Versey  wurde  zu  Koinorii  am  22.  Mai  1822  geboren  und  betrat 
frühzeitig  die  Militär-Lauf  bahn,  indem  er  am  10.  Ortober  1837  bei  dem  21.  Infan- 
terie-Regiment als  Regiment  s-Cadet  eintrat.  Nachdem  er  die  Cadet en-Com- 
pagnie  in  Graz  absolviert  hatte,  wurde  er  am  1 .  September  18:19  zum  14.  Infanterie- 
Regiment  transferiert,  in  demselben  am  I.Jänner  lSl-1  zum  Lieutenant  II.  Classe. 
im  :!<>.  .Irmnei  Isli;  zum  Lieutenant  1.  Classe  befördert,  in  welcher  Charge  er 
den  Dienst  bei  der  ( lompagnie  und  im  Jahre  ISIS  als  Bataillons-Adjutant  ver- 
richtete. 

Fr  machte  den  Krieg  geg.  u  Pieinont  in  Italien  1S18/19  mit,  und  zwar  im 
Feldzuge  '181-8:  Rie  Gefechte  hei  Pontafel  am  19.  und  23.  April,  dann  die  Cer- 
nierung  vonOsoppo  vorn  27.  April  bis  9.  0<  tober.  Während  dieses  Feldzuges 
am  1.  August  1818  zum  () hei  l ie utenaii t  befördert,  betheiligte  er  sich  im  Feld- 
zuge iSR.t  an  der  Blockade  von  Venedig  vom  18.  Juli  bis  lö.  August. 


Digitized  by  Googl 


I 


Digitized  by  Google 


SENKOVIC -BANDIN  t ODZIAK )  21.SKPTEMBEK  1878 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Jost^th  Fn-iherr  Vecsey  de  Wcse  et  HüröllyO-IstiKfa. 


487 


Am  S.  Juni  1850  zum  foneral-Quartiermeister-Sfabe  transferiert,  erfolgte 
noch  in  demselben  Jahre  am  18.  November  seine  Beförderung  zum  Hauptmann 
II.  ('.lasse,  am  20.  Juli  185Ö  zum  Hauptmann  I.  Classe. 

Den  Krieg  gegen  Frankreich  und  Piemont  in  Midien  im  Jahre  1859 
machte  von  Vecsey  anfangs  als  Hauptmann  und  nach  seiner  am  22.  Mai  1859 
erfolgten  Beförderung  als  Major  im  General-Quartiermeister-Stabe,  und  zwar  zuerst 
im  Hauptquartier  des  IX.  Armee-Corps,  sodann  in  jenem  der  I.  Armee  mit.  Auf 
letzterem  Dienstposten  Ihat.  er  sich  durch  seine  Leistungen  in  der  Schlacht  bei 
So! ferino  am  21.  Juni  hervor  und  wurde  hiefür  am  15.  August  1859  mit  der 
Allerhöchsten  belobenden  Anerkennung  ausgezeichnet. 

Am  7.  Jänner  1865  rückte  von  Vecsev  zum  Oberstlieutenant,  am 
1 1.  Juni  1866  zum  Obersten  empor. 

Im  Kriege  gegen  Preußen  und  Italien  im  Jahre  18CC  machte  er  den 
Feld/.ug  in  Italien  im  (ieneralslabe  des  Armee-Hauptquartiers  und  in  dieserDienstes- 
verwendung  am  h  die  Schlacht  bei  Cnstozza  am  21.  Juni  mit  und  wurde  für  seine 
Leistungen  am  18.  Juli  durch  das  Militär-Verdienstkreuz  mit  der  Kriegs- 
Dei  oration  ausgezeichnet. 

Mit  der  Süd-Armee  von  Italien  an  die  Donau  versetzt,  hetheiligte  sich 
Obersl  von  Vecsey  in  diesem  Kriege  auch  an  dem  Feldzuge  gegen  Preußen,  ohne 
dass  er  jedoch  mehr  ins  Gefecht  kam. 

Am  Lt.  November  1866  wurde  er  zum  Generalstabschef  bei  dem  Ceneral- 
Commamio  in  Wien  ernannt,  am  23.  April  1869  zum  8.  Infanlerie-Kegiment 
übersetzt.  Am  28.  April  folgte  seine  Ernennung  zum  Heserve-Commandanten.  Am 
15.  September  1869  als  Regiments-*  iommandant  zum  13.  Infanterie-Regiment 
übersetzt,  wurde  er  am  31.  October  1872  zum  Commandanten  der  1.  Infanterie- 
Brigade  ernannt  und  auf  diesem  Dienstesposlen  am  29.  Od  ober  1873  zum 
Generalmajor  befördert.  Am  21.  August  1878  erfolgte  seine  Ernennung  zum 
Commandanten  der  I.  Infanterie-Truppen-Division. 

Während  der  Occupation  in  Bosnien  und  der  Hercegovina  im 
Jahre  1878  machte  von  Vecsey  an  der  Spitze  dieser  Division  —  am  15.  Sep- 
tember 1878  zum  Feldmarsehai I-Lieutenaiit  befördert  —  den  Feldzug  in 
Bus uien  mit. 

Die  I.  Truppen  -  Division,  welche  zu  den  behufs  Verstärkung  des 
XIII.  Armee-Corps  nach  Bosnien  nachrückenden  Truppen  zählte,  erhielt  vom 
II.  Armee-Cornmando  die  Bestimmung,  den  Aufstand  im  Südosten  Bosniens 
niederzuwerfen.  Nachdem  die  Division  um  Mitte  September  in  Sarajevo  voll- 
ständig eingetroffen  war,  brach  FML.  von  Vecsey  von  dort  am  19.  auf,  ver- 
einigte sich  in  Mokro  mit  Theilen  der  VI.  Division  und  marschierte  noch  an  dem- 
selben Tage  auf  der  Born  an  ja  Planina  weiter,  wo  die  Truppen  vorwärts  der  an» 
Westramie  dieses  Gebirgsstoekes  angelegten  Befestigungen,  bei  Hau  na  Romauja 
das  Bivouac  bezogen. 

FML.  von  Vecsey  vereinigte  unter  seinem  Befehle  11  Bataillone,  eine 
halbe  Escadron.  12  Gebirgsgesdiütze  mit  einem  Gefechtsstande  von  7700  Mann. 


Digitized  by  Google 


488       CLXX.  Promotion.  —  Iiisurrections-Kflmpfe  1869  und  1878.  -  Bosnien-Hercegovina. 


Am  20.  stellten  die  von  dem  Generalstabe  der  I.  Division  vorgenommenen 
Recognoscierungen,  sowie  die  persönlichen  Beobachtungen  des  FML.  von  Vecsey 
in  Bestätigung  der  bereits  von  dem  Annee-Commando  gesammelten  Kundsehafts- 
nachrichten  fest,  dass  die  Insurgenten  in  mehreren,  durch  zahlreiche  Zelte  —  am 
Abend  durch  Wachl'euer  —  markierten  Lagern  bei  Bandin  (Odziak)  standen  und 
«  cheral  der  nach  Rogatica  fülu  enden  Straße  die  Abfalle  jener  Höhen  besetzt 
hielten,  welche  im  Südosten  der  Hochebene  von  Glasinac  anstiegen.  Die  Insur- 
genten standen  in  einer  durch  die  Natur  ganz  besonders  begünstigten,  überdies 
durch  Verschanzungen  verstärkten  Stellung  zum  Kampfe  bereit. 

Kundschafter  und  Landbewohner  sagten  übereinstimmend  aus,  dass  diese 
verschanzten  und  mit  Geschützen  armierten  Höhen  von  mindestens  7000  Insur- 
genten besetzt  waren,  außerdem  in  der  Gegend  von  Senkovid,  welches  als  zu 
weit  abliegend  nicht  recognosciert  werden  konnte,  gleichfalls  ein  Insurgentenlager 
sich  befand. 

In  Übereinstimmung  mit  den  Directiven  des  Armee-Commandos  erkannte 
FML.  von  Vecsey,  dass  die  infolge  der  Terraingestaltung  geradezu  formidable 
Position  der  Insurgenten  nur  durch  Umgehung,  beziehungsweise  durch  Flanken- 
angriffe genommen  werden  konnte.  Der  Schlüsselpunkt  der  gegnerischen  Stellung 
war  deren  rechter  Flügel  nächst  Bandin  (Odziak  i,  indem  derselbe  auf  einer 
Höhe  stand,  welche  einen  weiten  Unfkreis,  sowie  auch  die  Milte  der  feindlichen 
Aulstellung  dominierte.  Außerdem  lag  dieser  Flügel  der  natürlichen  Rückzugslinie 
der  Insurgenten  —  Rogatica  und  Visegrad  —  so  nahe,  dass  ein  umfassender 
kräftiger  Angriff  auf  diesen  Flügel  möglicherweise  dem  Gegner  den  Rückzug  in 
jener  Richtung  verlegen,  eventuell  demselben  eine  Katastrophe  bereiten  konnte. 
Nachdem  jedoch  die  Bewegungen  jener  Truppen,  welche  nächst  Hau  pod 
Romanja  auf  die  Visocina  oder  Hochebene  von  Glasinac  debouchiert  wären, 
von  den  Insurgenten  gänzlich  hätten  eingesehen  werden  können,  erschien  es  dein 
FML.  von  Vecsey  als  eine  Milbeuingung  des  Gelingens  seiner  Aufgabe,  die  Vor- 
rückung seiner  Division  in  eine  gedeckte  Aufstellung  unmittelbar  vor  der  feind- 
lichen Position,  während  der  Nacht  durchzuführen.  Ks  konnte  dies  gegenüber  den 
Insurgenten  umso  eher  unternommen  werden,  als  dieselben  erfahrungsgemäß  bei 
Nacht  niemals  Patrouillen  aussandten,  und  überdies  die  Voraussetzung  berechtigt 
erschien,  selbst  den  Gegner  am  anderen  Morgen  überraschend  angreifen  zu 
können. 

Auf  Grund  vorstehender  Wahrnehmungen  und  Erwägungen  beschloss  FML. 
von  Vecsey,  den  Angriff  am  21.  in  drei  Colonnen  auszuführen,  dieselben  aber 
schon  am  Nachmittag  des  20.  und  in  der  Nacht  auf  den  21.  thunlichst  nahe  gegen 
den  Feind  vorzuschieben. 

Demgemäß  ließ  er  als  linke  Flügel-Colonne  ~>  Bataillone  mit  einer  Gebirgs- 
Balterie  unter  Obersten  König  um  4  Uhr  nachmittag;  von  Ilan  na  Romanja  mit 
der  Weisung  aufbrechen,  von  der  Straße  abbiegend,  auf  einem  Waldwege  bis 
nächst  Baltiei  zu  marschieren,  dort  bis  1  Uhr  nachts  zu  ruhen,  zu  dieser  Stunde  — 
es  war  um  diese  Zeit  auf  Mondschein  zu  rechnen  —  die  Vorwärtsbewegung  auf 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M.  T.-O.  Joseph  Freiherr  Vecsey  de  Vecse  et  BörflUyClsAgfa. 


ISO 


Bandin  (OdZiak)  und  um  7  Uhr  früh  das  Gefecht  selbst  zu  beginnen.  Als  Auf- 
gabe wurde  der  Colonne  König  gestellt,  die  dominierende  Höbe  zu  gewinnen, 
hauptsächlich  aber  zwischen  Bandin  (Odziaki  und  Senkovic  einzudringen  und 
so  die  Insurgenten  zum  Verlassen  der  besetzten  Höhe  (Oitluci  Mladi)  zu 
zwingen.  Gleichzeitig  wurde  dem  Obersten  König  niitgetheilt,  dass  die  Mittel 
colonne  sich  a  cheral  der  Straße  Han  na  Romanja -Rogatica  entwickeln  und 
durch  ein  hinhaltendes  Gefecht  in  der  Front  den  Angriff  seiner  Colonne 
erleichtern  werde. 

Als  rechte  Flügel-(  '.olonne,  entsendete  FML.  von  Vecsey  3  Bataillone. 
0  Husaren  und  eine  Gebirgs-Batterie  unter  Obersten  Rakasovic  um  3  Uhr  nach- 
mittags mit  dem  Befehle,  über  Mrvise.  in  die  Gegend  von  Bjelosavic  zu  mar- 
schieren, dort  Nachtruhe  zu  halten,  gleichfalls  um  1  Uhr  nachts  aufzubrechen, 
über  Han  Kapic  den  dort,  von  der  Straße  Han  na  Romanja-Rogatica  gegen 
Senkovi6  abbiegenden  Weg  zu  gewinnen  und  festzuhalten,  um  die  sich  eventuell 
auf  Visegrad  zurückziehenden  Insurgenten  aufzureiben,  oder  aber  nach  Umstanden 
mit  einem  Theile  der  Kraft,  ä  cheral  der  Straße  Rogatica-Han  na  Romanja,  dem 
Kanonendonner  nach,  gegen  den  Rücken  der  Insurgenten  vorzurücken  und 
durch  geschicktes  Eingreifen  an  Ort  und  Stelle,  je  nach  der  Lage  des  Gefechtes, 
deren  Rückzug  zu  vereiteln  oder  doch  thunlichst  zu  erschweren. 

Endlich  schob  FMK.  von  Vecsey  als  Mittel-Colonne  3  Bataillone,  einen 
Zug  Husaren  und  eine  Gebirgs-Batterie  unter  Obersten  Frh.  von  Pittel  um  0  Uhr 
abends  aus  dem  Bivoauc  bei  Han  na  Romanja  auf  der  Straße  vor  und  ließ  diese 
Colonne  vor  dem  Debouche  östlich  Han  pod  Ramanja  Nachtruhe  halten. 
Dieselbe  hatte  um  3  Uhr  morgens  aufzubrechen,  längs  der  Straße  weiter  vorzu- 
rücken und  auf  den  seitens  des  FML.  von  Vecsey  erfolgenden  Befehl  sich 
beiderseits  derselben  zum  Gefecht  zu  entwickeln. 

Dank  diesen  wohlcombinierten  Dispositionen  des  FML.  von  Vecsey  vollzogen 
sich  bei  sämmtlichen  Colonnen.  trotz  des  Nachtmarsches  der  Flügel-Colonrien 
in  schwierigem  Karst-  und  Waldterrain,  sowohl  die  einleitende  Bewegung  vom 
20.  auf  den  21.,  als  der  Angriff  selbst  am  21.  mit  musterhafter  Präcisipn. 

Die  linke  Flügel-Colonne,  mit  welcher  FML.  von  Vecsey  von  der  Mitte  aus 
um  5  Uhr  30  Minuten  früh  die  Verbindung  herstellte,  eröffnete  um  7  Uhr  20  Mi- 
nuten das  Gefecht,  gewann  langsam  aber  unaufhaltsam  Terrain  und  hatte  um 
10  Uhr  vormittags  die  verschanzte  Höhe  am  rechten  Flügel  der  Insurgenten 
deren  Schlüsselpunkt  —  genommen. 

Die  Mittel-Colonne  ließ  FML.  von  Vecsey  mit  2  Bataillonen  —  ein  Bataillon 
als  Reserve  zu  seiner  Disposition  behaltend  —  derart  vorrücken,  dass  dieselben 
um  8  Uhr  das  hinhaltende  Gefecht  gegen  das  Centrum  des  Gegners,  gleichfalls 
eine  verschanzte  Höhe  —  bei  Kula  Tankovic  —  begannen. 

Gegen  1 1  Uhr  vormittags  besetzte  eine  Abtheilung  dieser  Colonne  das  um 
jene  Zeit  vom  Gegner  geräumte  verschanzte  Lager  im  Centrum. 

Die  rechte  Flügel-Colonne  hatte,  nachdem  sie  ungeachtet  weit  ausgreifender 
Umgehung  schon  nach  5  Uhr  früh  auf  Golo  Brdo  westlich  von  Han  Kapic,  in 


Digitized  by  Google 


400       CLXX.  Promolion.       InsurrectionsKfimjdV  tRfif»  und  1S7S.  -    Bosnien  Herceguvina. 


den  Bücken  dos  feindlichen  linken  Flügels  auf  dem  Vit .inj -Berge,  gelangt  war. 
nach  zweistündigem  Zuwarten  ihre  Action  begonnen  und  um  8  Uhr  30  Minuten 
ä  cheml  der  Straße  gegen  den  Vitanj-Borg  und  das  Hahar  Brdo  das  Gefecht 
eröffnet.  Diese  Golonne  beherrschte  die  Straße  nach  Bogatica  und  that,  nach 
Zurückweisung  eines  Gegenangriffes  seitens  eines  der  Insurgentenhaufen,  zunächst 
den  übrigen  vor  der  linken  Flügel-Golonno  fliehenden  Haufen  großen  Abbruch. 

Einige  detachierte  Abiheilungen  der  rechten  Flügel -dolonne  traten  mit 
Abiheilungen  der  Mittel-Golonnc.  als  diese  den  Vitanj-Berg  angriffen,  in  Ver- 
bindung. Dorthin  halte  sich  eine  mehrere  Hundert  Insurgenten  starke  Schar 
in  ein.  den  zurückgezogenen  linken  Flügel  der  feindlichen  Position  verstärkendes, 
verschanztes  Lager  zurückgezogen  und  leistete  verzweifelten  Widerstand.  Diese 
Insurgentenschar  wurde  fast  gänzlich  aufgerieben. 

Bei  der  Verfolgung  der  von  der  Mitte  und  dein  rechten  Flügel  des  Gegners 
zwischen  Scnkovic  und  Hau  Kapic  fliehenden I laufen  wurden  durch  die  Abthei- 
lungen  aller  drei  Golonuen  gleichfalls  sehr  viele  Insurgenten  niedergestreckt. 

Bei  den  nachträglichen  Erhebungen  wurde  folgende  Stärke  und  Vertheilung 
der  Streitkräfte  der  Insurgenten  in  «lein  Treffen  bei  Senkovie-Bandin  (Odziakt 
constaliort :  *i 

Bechter  Flügel  gegenüber  der  Golonne  Oberst  König  2Ü00  bis  :tOOO  Mann 
und  I  Geschütz:  Gommandant  llad/.i  Hassan  Kffeudi  Krticic  aus  Zvornik  itiel  im 
Gefecht  .  Sein  Nachfolger  war  Muhamed  Beg  Besic  aus  Visegrad. 

Gentium  gegenüber  den  Golonuen  der  Obersten  König  und  Frh.  von  Pittel 
|.">00  bis  2000  Mann  und  1  Geschütz,  meistentheils  Amanten  ans  Plevlje  und 
Kolasin:  Gonimandant  Ibraja  Semsikadic,  Bruder  des  Mufti  von  Taslidza. 
Melienied  Nureddin  Seinsihadie. 

Linker  Flügel  gegenüber  den  Golounen  der  Oberste  Frh.  von  Pittel  und  von 
Bakasovie.  2000  bis  :$O00  Mann:  Gommandaiit  Mohamed  Brankovic  Beg  aus 
Kovanj.  unterstützt  von  Omer  Beg  Sircic  ans  Gorazda.  Letzterer  hatte  in  dem 
Kampfe  den  Tod  gefunden.  Auch  auf  diesem  Theile  des  Gefechtsfeldes  kämpften 
Arnaiiten  unter  Führung  des  Nazif  Fflondi,  jüngeren  Bruders  des  Mufti  von 
Taslidza. 

Reserve:  südöstlich  Vitanj  am  Babar  Brdo  bei  Habar  gornji  Obrtic  4-00  bis 
r.oo  Mann,  zum  großen  Theile  Arnaiiten  unter  Mohamed  Beg  Brankovic  aus 
Brankovic. 

Das  Ober-Commando  über  die  sämmtlichen  Streitkräfte  der  Insurgenten  bei 
Bandin  führte  Ismail  Beg  Sei m;i novic  aus  IMevlje.  Schwiegersohn  des  Mufti 
Pascha  aus  Sarajevo;  dessen  Stellvertreter  war  llad/.i  Adein  Vaisovic:  beide 
flüchteten  sich  über  Gorazda  nach  Novibazar. 

Die  Gesammtstärke  der  Insurgenten  belief  sich  somit  auf Ö500  bis  9000  Mann, 
2  Geschütze. 

*;  .!»i<!  '  upulio: i  Uo-ninis  und  d«?r  H«:n'«v>viii:i  durch  k.  und  k.  Tiupecn  im  Jahr«;  187$. * 
l)niv.  sl«  flt  durch  die  Ahllieilun^r  für  Krie^-^es«  liic-h'e  dos  k.  k  Kri«'gs-Archivs.  Wii-n  1879.  Verlag 
de~  k.  k.  lier.cr.ilstahes. 


Digitized  by  Google 


Ritter  des  M  T.-0.  Joseph  Freiherr  Verse)  <te  Vticse  et  BöröllyA  lsagfA. 


491 


Die  Verluste  der  k.  k.  Truppen  beliefen  sich  auf  1-78  Mann  und  zwar 
3  Officiere  81  Mann  todt.  10  Offieiere  3ü5  Mann  verwundet  und  UJ  Mann 
vermisst. 

Von  den  Insurgenten  waren  rirra  300  auf  dem  Flatze  geblieben  und  gegen 
300  Verwundete  sollen,  wie  bei  der  am  Tage  nach  dem  Gefechte  erfolgten  weiteren 
Vorrüekung  der  Division  in  Krfahrung  gebracht  wurde,  durch  Rogatica  allein  bei 
dem  Rückzüge  der  Insurgenten  durchgezogen  sein. 

In  dem  Treffen  bei  Senkt) vic-Rand in  (Odziak:  hatten  sieb  zum  ersten- 
male  die  durch  reguläre  kaiscrlieh-ottomanische  Bataillone  al  bau  es  ist- hei 
Nationalität  (Amanten)  verstärkten  Insurgenten  des  Sandschaks  Novibazar 
mit  den  k.  k.  Truppen  gemessen.  Wie  bei  früheren  Gelegenheiten  kämpften  die 
hr-urgenten  auch  an  diesem  Tage  mit  fanatischer  Tapferkeit  bis  zu  dem  Momente, 
in  welchem  die  Truppen,  voll  begeisterten  Muthes  und  Todesverachtung,  die 
verschanzten  Höben  mit  der  blanken  Walle  eroberten.  In  diesem  Gefechte  wurden 
die  beiden  feindlichen  (Bogenzug-)  Geschütze,  welche  sehr  günstig  placiert  waren, 
durch  reguläre  türkische  Artilleristen  mit  anerkennenswerter  Fräcision  bedien!. 
Auch  wurde  auf  Seilen  der  Insurgenten  im  Vergleich  mit  der  Munilionsver- 
schwendung  in  früheren  Gefechten  eine  unverkennbare  Feuerdiseiplin  beobachtet. 

Der  Krfolg  des  Tages  sprach  sieh  außer  durch  die  verhältnismäßig  großen 
Verluste,  des  Feindes  auch  noch  durch  die  eroberten  Trophäen  aus,  welche  aus 
zwei  Geschützen,  drei  Fahnen,  viel  Artillerie-  und  Kleingewehr-Munition.  Zelten 
nebst  einer  großen  Menge  Froviant  bestanden. 

Dieser  materielle  Krfolg  wurde  durch  die  moralische  Nachwirkung  des  ver- 
nichtenden Schlages  von  Senkovic-Bandin  (Odziak)  auf  den  ganzen  südöst- 
lichen Theil  von  Bosnien  und  die  dort  sioh  herumtreibenden  übrigen  Insurgenten- 
Banden  wesentlich  erhöht.  Dieselben  stoben  nach  allen  Bichtungen  auseinander, 
so  dass  die  k.  k.  Truppen  in  diesem  Theile  des  Oceupations-Gebietes  nirgends 
mehr  auf  Widerstand  stießen  und  sowohl  dessen  Entwaffnung  als  Facilieatmn 
anstandslos  durchführen  konnten. 

Zugleich  wurde  nicht  nur  der  Anschlag  der  Insurgenten  auf  die  k.  k.  Truppen, 
welche  die  Romanja  Flanina  besetzt  hielten,  sondern  auch  ihre  Absichten  auf 
Sarajevo  selbst  vereitelt,  überdies  auf  die  kampflustige  Bevölkerung  des  Sand- 
schaks  von  Novibazar.  ja  sogar  auf  die  kriegerischen  und  fanatischen  Stämme 
Albaniens  eine  heilsame  Wirkung  geübt.  So  war  denn  dieses  Treffen  ebenso  von 
militärischer  als  politischer  Bedeutung;  überdies  wurde  durch  den  dabei  errungenen 
Sieg  der  Glanz  der  k.  k.  Waffen,  sowie  deren  ruhmvoller  Ruf  weithin  nach  dem 
Osten  verbreitet. 

FML.  von  Vecsey  erntete  noch  am  Tage  des  Gefechtes  von  Senkovic- 
Bandin  (Odziak)  mit  seiner  ganzen  Division  seitens  des  Armee-Commandanten 
im  Namen  des  Allerhöchsten  Dienstes  vollste  Anerkennung. 

Tags  darauf  geruhte  Seine  Majestät  der  Kaiser  telegraphisch  dem  FML. 
von  Vecsey  und  seinen  Truppen  für  den  tapfer  erkämpften  Sieg  die  Allerhöchste 
Anerkennung  auszud rücken. 


Digitized  by  Google 


492       GLXX.  Promoli<iii.  —  InsurrectionsK&mpfe  1869  uod  187R.  Busoien-Hercegovina. 


In  der  Folge  geruhte  Seine  Majestät  Kaiser  Franz  Joseph  I.  als  Erhabener 
Großmeister  des  Maria  Theresien-Ordens  kraft  der  Promotion  CLXX  vom  2.  Mai 
1879  den  FML.  Joseph  Vecsey  de  Vecse  et  Böröllyö-Isägf'a  für  die  Umsicht, 
mit  welcher  er  als  selbständiger  Commandant  der  I.  Infanterie-Truppen-Division 
das  wichtige  Gefecht  von  Senkovic-Bandin  (Odziak)  geleitet  hatte,  durch 
Verleihung  des  Kleinkreuzes  zum  Ritter  des  Maria  Theresien-Ordens 
zu  promovieren  und  ihn  am  27.  August  1879  statutengemäß  in  den  Frei  her  rn- 
stand  zu  erheben. 

Am  27.  September  1S82  wurde  FML.  Frh.  von  Vecsey  dem  General-Com- 
mando  in  Graz  zugetheilt. 

Anlässlich  der  Vollendung  seines  fünfzigsten  Dienstjahres  am  11.  Oc- 
tober  1882  geruhte  ihn  Seine  Majestät  der  Kaiser  in  Anerkennung  seiner  im 
Frieden  wie  im  Kriege  ausgezeichneten  Dienstleistung  mit  dem  Commandeur- 
Kreuze  des  Leopold-Ordens  auszuzeichnen. 

Mit  Allerhöchster  Entschließung  vom  28.  December  desselben  Jahres  wurde 
FML.  Frh.  von  Vecsey  zum  Oberst-Inhaber  des  Infanterie-Regiments 
Nr.  41  ernannt. 

Am  1.  Jänner  1883  erfolgte  seine  Ernennung  zum  Stellverteter  des 
Commandierenden  Generalen  in  Graz  und  am  (i.  Juni  desselben  Jahres  geruhte 
ihm  Seine  Majestät  die  Würde  eines  Geheimen  Rathes  zu  verleihen,  worauf 
am  17.  December  1887  seine  Übersetzung  als  Stellvertreter  des  Comman- 
dierenden  Generalen  nach  Budapest  erfolgte. 

Am  1.  August  1888  wurde  er  über  sein  Ansuchen  in  den  Ruhestand  ver- 
setzt, und  ihm  bei  diesem  Anlasse  der  Feldze  ugmeister-Ch arakter  ad  honore* 
verliehen,  sowie  weiter  in  Anerkennung  seiner  mehr  als  fünfzigjährigen  effectiven, 
im  Frieden  und  im  Kriege  ausgezeichneten  Dienstleistung  der  Ausdruck  der 
Allerhöchsten  Zufriedenheit  bekannt  gegeben. 

FZM.  Frh.  von  Vecsey  starb  am  3.  März  1890  zu  Graz. 


Digitized  by  Google 


Schlussbemerkungen. 


493 


Schlussbemerkungen. 


Über  Entstehen,  Zweck  und  Ziel  dieses  Werkes  gibt  das  «Vorwort"  Ausschluss. 
Dadurch  erscheinen  auch  in  der  Hauptsache  Inhalt  wie  Form  bestimmt.  Ober  einige 
Details  der  inneren  Anordnung  mögen  nachfolgende  Bemerkungen  orientieren. 

Für  patriotisches  Fühlen  bedarf  es  keiner  Erklärung,  keiner  Begründung,  warum  in 
der  einleitenden  Übersicht  der  Geschichte  des  Maria  Theresien-Ordens  die  Ordensfeste, 
sowie  auch  jene  Feierlichkeiten,  an  denen  der  Orden  als  Ganzes  theilnahm,  ausführlich 
geschildert  wurden.  Für  unsere  heranwachsende  Jugend,  insbesondere  jene  der  Militär- 
Bildungsanstalten,  wird  das  den  Orden  verherrlichende  Festspiel  mit  des  Dichters  Wort 
stets  eine  Quelle  edler  Anregungen  bilden.  Darum  möge  das  Poe"  m  Friedrich  Halm's  den 
Bildnern  der  Jugend  warm  ans  Herz  gelegt  sein. 

Den  Promotionen  jeder  Kriegs-  und  Kampfperiode  sind  kriegsgeschichtliche 
Skizzen  vorausgeschickt.  Dieselben  bilden  nicht  allein  den  äußeren  Rahmen  für  die 
Waffenthaten,  sondern  haben  auch  eine  sachliche  Bestimmung.  Sie  sollen  die  wechsel- 
seitige Causalität  der  Geschichte,  insbesondere  der  kriegsgeschichtlichen  Begebenheiten 
einerseits,  der  einzelnen  Waffenthaten  sowie  der  Summe  derselben  anderseits,  erfassen 
helfen.  Der  Gang  der  Geschichte,  die  Entwicklung  der  Kriegsereignisse  führen  zu  Maria 
Theresien-Ritterthaten  hin;  diese  hinwieder  wirken  mehr  oder  minder  wesentlich  auf  Verlauf 
des  Krieges  und  dadurch  bis  zu  gewissem  Grade  mittelbar  auf  die  Gestaltung  der  Geschichte 
nach.  Diese  Wirkung  ist  sogar  —  neben  Spontaneität,  hervorragender  Tapferkeit  und 
Klugheit  —  ein  Haupterfordernis  für  die  Ordenswürdigkeit  der  Waffenthaten  der  Maria 
Theresien-Ritter.  »Ihre  Leistungen  oder  Rathschläge  müssen  für  den  Glanz  der  Waffen 
und  das  Beste  Unseres  Dienstes  von  wesentlicher  Wirkung  sein."  So  schreiben  es 
die  Ordens-Statuten  vor.  Diese  wesentliche  Wirkung  der  Waffenthaten  kann  aber  nur  dann 
vollständig  zum  Ausdruck  gebracht  werden,  wenn  deren  Darstellung  in  dem  in  sich 
abgeschlossenen  Lebenslaufe  jedes  Maria  Thercsien-Ritters  auch  mit  dem  großen  Gang  der 
Kriegscrcignisso  in  Zusammenhang  gebracht  wird.  Eben  dies  bezwecken  die  kriegs- 
geschichtlichen Skizzen.  Wiewohl  in  denselben  die  Maria  Theresien-Ritterthaten  als  solche 
nicht  zur  Darstellung  gebracht  werden  konnten,  vermag  der  Leser  doch  unschwer  heraus 
zu  finden,  wenn  er  Waffenthat  und  kriegsgeschichtliche  Skizze  im  Geiste  zusammen  hält, 
in  welchem  Moment  und  in  welchem  Grade  die  Waffenthaten,  einzeln  sowie  in  ilirer 
Gesammtheit,  wesentliche  Wirkung  geübt  haben.  Erst  darnach  kann  der  Leser  das 
eigentliche  Verdienst  jedes  Maria  Theresien-Ritters  um  Thron  und  Vaterland  vollständig 
erfassen  und  würdigen.  Aus  diesem  Grunde  mögen  die  einen  integrierenden  Bestandtheil 
der  Darstellung  bildenden  kriegsgeschichtlichen  Skizzen  dem  Leser  empfohlen  sein. 


Digitized  k?y  Google 


494 


Schlussbeoierkuogen. 


Di  r  Lebenslauf  der  inländischen  Ordensmitglieder.  welcher  auf  deren  militärisches 
Wirken  beschränkt  werden  musste,  findet  in  den  Bildnissen  seine  Ergänzung.  Aus 
denselben  ist  die  Persönlichkeit  der  Maria  Theresien-Hitter  zur  Zeit  der  vollbrachten 
Wallenthal*  n  zu  entnehmen.  Dadurch  erscheinen  gleichzeitig  die  hervorragendsten  Momente 
der  vaterländischen  Kriegsgeschichte  aus  der  Zeit  von  1850  bis  1878  gleichsam  personi- 
fiziert. Da  die  Iiildnis.se  zudem  nach  den  im  Ordens-Archiv  verwahrten  SjwcUs  facti  der 
Maria  Theresien-Hitter  mit  deren  Autographen  versehen  und  überhaupt  durchwegs  nach 
Original-Porträts  der  Abgebildeten  aus  der  Zeit  ihrer  Maria  Thcresien-Ritterthat  lebensgetreu 
von  Künstlerhand  ausgeführt  wurden,  so  dürfte  nicht  nur  den  Bildnissen  erhöhter  krkgs- 
geschichtlicher,  sondern  dein  Werke  im  allgemeinen  wohl  auch  künstlerischer  Wert 
zuerkannt  werden. 

Um  ein  vollständiges  Gesaiumlbild  des  Maria  Theresieu-Ordetis  seit  seiner  Stiftung 
bis  auf  die  Gegenwart  zu  bieten,  wurde  die  vorliegende  neue  Folge  der  Ordens-Geschichte 
durch  einen  „Anhang*  erweitert.  Zu  den  darin  außer  dem  .Status*  des  Ordens  in 
der  Gegenwart  wiedergegebeiien  „Promotionen*  von  1757  bis  1879  ist  zu  bemerken, 
dass  Namen,  Stand,  Charge  und  Truppenkörper  der  Promovierten  gegenüber  der  im 
Jahre  1857  erschienenen  Ordens-Gescbichte  vielfach  berichtigt  sind.  Dadurch  erklären 
sich  die  Abweichungen  dieses  Werkes  von  dem  früheren.  Dabei  wurden  in  allen  Fällen, 
in  denen  die  gegenwärtige  Schreibweise  des  Namens  von  der  früheren  abweicht,  beide 
Lesarten  in  das  „Alphabetische  Namens-Register*  aufgenommen  und  auf  ein- 
ander bezogen,  so  dass  die  Identität  der  davon  betroffenen  Ordensmitglieder  gewahrt  und 
den  n  Auflindbarkeit  gesichert  bleibt.  So  bieten  die  „Promotionen*  im  Zusammenhange 
mit  der  „Statistischen  Übersicht"  ein  ebenso  verlässliches  als  erschöpfendes 
Gesammlbild  des  Ordens.  Durch  die  Hcldeuuatnen  von  nahezu  tausend  Maria  Theresien- 
Ritlern  finden  alle  die  Waffcnthaten  von  besonders  hervorragender  Tapferkeit  und 
Klugheit  lapidaren  Ausdruck,  welche  das  k.  k.  Heer  und  Seiner  Majestät  Kriegs-Mariin» 
seit  dem  Ik'steheu  des  Maria  Tberesieii  -  Ordens  vollbracht  haben.  Es  umfasst  die 
vorliegende  neue  Folge  der  Ordens- Geschichte  nicht  bloß  in  ausführlicher  Darstellung 
den  Zeitabschnitt  von  1850  bis  lS'M).  sondern  auch  in  prägnanter  Zusammenfassung  die 
ganze  Zeit  von  1757  bis  hS'.H).  seit  dein  siebenjährigen  Kriege  bis  auf  die  Gegenwart. 
So  bildet  denn  dieses  Werk  ein  Ehrenbuch  für  Heer  und  Marine  Österreich- 
Ungarns  und  damit  einen  Nationalsehatz  kriegerischer  Thaten  für  unser 
Gesamintvalerlaiid  seit  Maria  Theresia  bis  auf  Franz  Joseph  I. 


Digitized  by  Google 


ANHAN  Gr. 


STATUS 

DES  MII.lTÄlilSCHKN  MAKIA  THERESIEN-ORDENS  BEI  DER  FEIEK  DER  ENTHÜLLUNG 
DES  MAKIA  THEKESIEN-DENKMALS  13.  MAI  1SHS  -  BEZIEHUNGSWEISE  BEI 
ABSCHLUSS  DER  VORLIEGENDEN  III.  ABTHEILUNG   DER  ORDENS-GESCHICHTE 

<0CT0BER 


PROMOTIONEN 

DES  MILITÄRISCHEN  MARIA  THERESIEN-ORDENS  SEIT  DER  STIFTUNG  BIS  AUF  DIE 

GEGENWART  -  I  BIS  CLXX. 

STATISTISCHE  ÜBERSICHT 

DER  PROMOTIONEN  DES  MILITÄRISCHEN  MARIA  THERESIEN-ORDENS  UND  DES 
STATUS  DESSELBEN  IN  DEN  PROMOTIONS-JAHREN  SEIT  DER  STIFTUNG  IM  JAHRE 

1757  BIS  1879,  BEZIEHUNGSWEISE  18U0. 


ALPHA  BETISCHES  NAMENS-  REGISTER 

ZUR  VORLIEGENDEN  III.  ABTHEILUNG  DER  ORDENS-GESCHICHTE  UND  ZU  DEN 

PROMOTIONEN  I  BIS  CLXX. 


Digitized  by  Google 


SUtus  de»  Orden»  1888,90. 


U>7 


Status 

des 

Militärischen  Maria  Theresien- Ordens 

bei  der  Feier  der 

Enthüllung  des  Maria  Theresien-Denkmals 

13.  Mai  1888 

beziehungsweise  bei  Abschluss  der  vorliegenden  III.  Abtheilung  der  Ordensgeschichte 

(October  1890). 


Die  Ordentmiitglicder.  welche  der  Enthüllung  des  Maria  Theresien  Denkmals  in 
Person  anwohnten,  erscheinen  mit  einem  *  bezeichnet:  bei  denjenigen,  welche  seitdem  vor 
Abschluss  dieses  Werkes  starben,  ist  der  Todestag  beigesetzt. 


Inländische  Ordensmitglieder. 

GROSZMEISTER. 

Seine  kaiserliche  und  königliche  Apostolische  Majestät  Kaiser  und  König 

Franz  Joseph  I. 

GROSZKREUZ. 

*  ALBRECHT,  Seine  kaiserliche  und  königliche  Hoheit,  Erzherzog.  FM.,  #  C.  1849, 

#  GK.  1866. 

KOMMANDEURE. 

*  KUHN  VON  KUIINENFELl),  Franz  Freiherr,  FZM.,  t&  1848,  «t  C.  1866  (zugleich 

Kanzler  des  Maria  Theresien-Ordens). 

*  PHILIPPOVIC  VON  PHILIPPSBERG,  Joseph  Freiherr,  FZM.,  tgt  C.  1878.  - 

t  6.  August  1889. 

Militärischer  Maria  Thvresien-OnluD. 

Digitized  by  Google 


408 


.Militärischer  Maria  Theresien-Orden." 


—  Anhang. 


RITTER. 

CLAMGaLLAS,  Eduard  Graf,  GdC,  igt  1848. 
HAUSER,  Heinrich  Freiherr  von,  GM.,  #  1848. 

PACKENJ  VON  KiLSTÄDTEN,  Friedrich  Freiherr,  FZM.,   tgt    1849.  - 
f  30.  Jänner  1889. 

MONTENUOVO,  Wilhelm  Fürst  von.  GdC,  igt  1849. 

*  STURSBERG,  Leopold  Graf,  GdC,  tgt  1849. 

*  NOSTITZ-RlENECK.  Hermann  Graf,  FML.,  tgt  1849. 

*  SCHERTON  VON  KRONENSTERN,  Joseph  Freiherr.  Major,  igt  1849. 

*  EDELSHEIM-GYULAI,  Leopold  Freiherr  von,  GdC,  cgi  1859. 

D0RMÜ8  VON  KILIANSHAUSEN,  Joseph  Freiherr,   FZM.,  tgt   1859,  — 
f  17.  Juni  1890. 

*  WÜRTTEMBERG,  Wilhelm  Herzog  von,  königliche  Hoheit,  FZM.,  #  1859. 

*  DÖPFNER,  Joseph  Freiherr  von.  FZM..  igt  1859. 

*  HESSEN  UND  BEI  RHEIN,  Alexander  Prinz  von,  großherzogliche  Hoheit  GdC, 

tgt  1859,  —  f  15.  Docember  1888. 

*  CATTY,  Adolph  Freiherr  von,  FZM.,  tgt  1859. 

*  APPEL,  Johann  Freiherr  von,  GdC,  tgt  1859. 

URS  DE  MARGINA,  David  Freiherr,  Oberst,  tgt  1859. 

NEUBAUER,  Gustav  Adolph  Freiherr  von,  GM.,  tgt  1859,  -  f  21.  Juli  1888. 

*  FEJERVARY  DE  KOMLÖS  KERESZTES,  Geza  Freiherr,  FML.  (FZM.),  tgt  1859. 
(tONDRECOURT,  Leopold  Graf,  FML.,  tgt  1864,  -  f  22.  Mai  1888. 

*  RODICH,  Gabriel  Freiherr  von.  FZM.,  tgt  1806.  -  f  21.  Mai  1890. 

*  PI  RET  DE  Hill  A  IN,  Eugen  Freiherr,  GdC,  tgt  1866. 

*  FIELSTICK  ER,  Ludwig  Freiherr  von,  FML..  tgt  1806  (zugleich  Sehatzmeister  des 

Maria  Theresien-Orden). 

*  BECHTOLSHEIM.  Anton  Freiherr  von,  FML.,  tgt  1866. 

*  KNEBEL  VON  TREUENSCHWERT.  Albert  Freiherr,  FZM.,  tgt  1866. 

*  Wagner  von  Wehrborn,  Rudolph  Freiherr,  gm.,  %  i*66. 

*  DAVBLEBSKY  VON  STERNECK  zu  Ehrenstcin,  Maximilian  Freiherr,  Vice-Admiral 

(Ad.niral).  igt  1866. 

*  MONTM'ISANT.  Bruno  Freiherr  von,  GM.,  tgt  1866. 

MAN1RONI  VON  MANFORT .  Moritz  Freiherr,  Contre  - Admira),  tgt   1866.  - 
f  5.  August  1889. 

*  PlTTEl,  Heinrich  Freiherr  von.  FML.,  tgt  1869. 

*VECSEY  DE  VECSE  ET  P,ÖROLYÖ  lSA01-A.  Joseph  Freiherr,  FZM..  tgt  1878  - 
f  3.  März  1890. 


Digitized  by  Goo 


Status  de*  Ordens  1888/W. 


499 


Ausländische  Ordensmitglieder. 

RITTER. 

CONSTA NTrN  Nikolajewitsch,  Großfürst  von  Russland,  kaiserliche  Hoheit.  Oberst- 
Inhaher  des  Infanterie-Regiments  Nr.  18,  tgt  1849. 

Seine  Majestät  FRANZ  II.  König  beider  Sicilien,  Oberst-Inhaber  des  Uhlanen- 
Regiments  Nr.  12,  tgt  1860. 

CASERTA,  Alphons  Graf  von,  Prinz  beider  Sicilien,  königliche  Hoheit,  tgt  1800. 

TRAPANI.  Franz  de  Paula,  Prinz  beider  Sicilien,  königliche  Hoheit,  tgt  1860, 

Seine  Majestät  FRIEDRICH  III.,  Deutscher  Kaiser  und  König  von  Preußen,  Oberst- 
Inhaber  des  Infanterie- Regiments  Nr.  20,  als  Kronprinz  Friedrich  Wilhelm 
tgt  1864,  -  t  lä.  Juni  1888. 

*  ERNST  AUGUST,  Herzog  von  Cumberland,  Herzog  zu  Braunschweig  und  Lüneburg, 
königliche  Hoheit,  Oberst-Inhaber  des  42.  Infanterie-Regiments,  jgi  1866. 

Seine  Majestät  ALBERT,  König  von  Sachsen,  Oberst -Inhaber  des  Dragoner- 
Regiments  Nr.  3,  tgt  1866  (als  Kronprinz). 

• 

Ordens-Kanzlei. 

ORDENS- KANZLER. 

KUHN  VON  KUHNENFELD,  Franz  Freiherr  von,  FZM.,  (Ordens-Commandeur). 

ORDENS  -  SCHATZMEISTER. 
PlELSTICKER,  Ludwig  Freiherr  von,  FML.,  (Ordens-Ritter). 

ORDENS  -  GREFHER. 

ASCHER,  Adolph  Ritter  von,  Ritter  des  Ordens  der  Eisernen  Krone  II.  Classe. 
Comthur  des  Franz  Joseph-Ordens  mit  dem  Sterne,  Tit.-Hofrath. 

ORDENS -KANZLIST. 

VAVRIK  VON  HEVES,  Gabriel,  Ritter  des  österreichischen  Leopold -Ordens.  Ritter 
des  Ordens  der  Eisernen  Krone  III.  ('.lasse,  Ritter  des  Franz  Joseph-Ordens, 
Hof-  und  Ministerial-Rath  im  Ministerium  des  kaiserlichen  Hauses  und  des 
Äußern. 

ORDENS- ZAHLMEISTER. 
PREGER,  Friedrich  von,  Ritter  des  Franz  Joseph-Ordens,   Zahlmeister  beim 
Ministerium  des  kaiserlichen  Hauses  und  des  Äußern. 


32' 


Digitized  by  Google 


500 


„Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  —  Anhang. 


Promotionen 

des 

Militärischen  Maria  Theresien-  Ordens  seit  der  Stiftung  bis  auf  die  Gegenwart, 

I  bis  OLXX. 

Nanien,  Stand,  Charge  etc.  der  nachfolgend  verzeichneten  Ürdensroitglieder 
entsprechen  der  Zeit  ihrer  Promot  io  u. 

Der  Orden s rang  ist  bei  den  inländischen  Mitgliedern  gemäß  S.  M4  der  Ordens- 
Statuten  durch  den  Zeitpunkt  ihrer  Waffe nt hat  bestimmt,  wahrend  die  ausländischen 
Mitglieder  nach  jenem  der  Promotion  | Verleihung»  rangieren. 

Die  Waffenthaten  (Lebenslauf)  der  Mitglieder  finden  »ich  aufgezeichnet,  und  zwar 
aus  den  Promotionen: 

I  bis  I.XVIH  (Jahr  1757  bis  1402)  in  der  Abtheilung  I  (Seite  1  bis  748): 
LXIX  „     C.LVH  (Jahr  1805  bis  1HÄ0)  in  der  Ablheilung  II  (Seite  749  bis  17it>): 

CLVIH  ,  CLXX  (Jahr  185'J  bis  1879)  in  der  als  Abtheilung  in  vorliegenden 
selbständigen  neuen  Folge  der  Ordensgeschkhte. 

I.  Promotion  vom  7.  März  1758. 
GROSZKKEUZE. 

Lo  thringen,  Herzog  Carl,  FM.  I  N  id  a  »dy  auf  Fogaraa,  Graf  Fr»ni,  GdC. 

Daun.  Graf  Leopold  Joseph  Maria.  FM.  |   Kadik  von  Futak,  Graf  Andrea»,  FML. 

KLEINKREUZE. 


S niedre.  Freiherr  Claudios,  FML.  (ward  b.  d.  III.  l'rom. 

Groltkreuz). 
E»torhi7Y  de  Galantha.  Grnf  Nikolaus.  FML.  (ward 

b.  d.  X.  l'rorn.  Com  m  a  nd  e  tir). 
Wmd-Runkel,  Graf  Friodri. h  Georg.  FML.  (ward  b.  d. 

VI.  l'rom.  Gr..Rkr.Mir). 
Sturhembcrg.  (iraf  Johann  Ludwig,  FML. 
London  ,  Freiherr  Gideon  Ermsl,  Ober*!  vom  LikkuniT 

Creni-Reg  (wird  )..  d.  III.  l'rom.  G  r  oßkr  e  n  i). 
JahnuH  von  Kb«?r>tsdt,  Freiherr  Franz  Maximilian.  GM. 
Los  Rio»,  Marquis  Fruiu.  Oberst  von  Los  Rio»-Inf. 
Kir.aky.  FOist  Franz  l  lrich,   CM.  (ward  1>.  d.  X- l'rom. 

Commaiidtf  ur>. 


Elmendorf,  Freiherr  Friedrieb  Kaapar,  Oberst  Ton 
Botta-lnf. 

I»  'Ayas  ■>»,  Graf  Joseph  Carl.  Oberst  von  I>annstadt- 

Urag.  (ward  b.  d.  X-  Prorn.  Com  m  audeur). 
Bojano«»ky.  Silvius  Alezander,  Oberst  von  Serbel- 

loni-KOr. 

Amadol.  Freiherr  Carl,  Oberst  von  .Nikolaus  Ester- 
hniy-Iuf. 

Saint  Ignon.  Graf  Joseph,  Oberst  von  WOrttetnbcrg- 
Prng. 

l'unintnwski,  Graf  Andre»».  Oberst  •Lieutenant  bei 
Miohaol  \Valli»-lur«ut.  r*e  (ward  b.  d.  X.  Prom,  Com- 

m .in  de  ui). 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I  bis  CLXX. 


501 


II.  Promotion  vom  1.  August  1758. 
KLEINKREUZ. 

Siskovii  s.  Frh  Joseph.  Oberst  von  Haller-Int.  (ward  b.  d.  X.  Proin.  Co  m  in  .in  d  e  u  r). 

III.  Promotion  vom  4.  December  1758. 
GROSZKREÜZE. 

Sine  »re.  Fr)).  Claudius,  FML.  und  Ordenitritter.  M  »rech all  von  Biboralein.  Freiherr  Ernst  Dietrich. 

I.audon,  Frh.  Gideon  Krn»t,  FML.  und  Ordensritter.  FZM. 

Arunberg.  Herzo>  Csrl  Leopold.  F/.M.  Lacy  .  Ural  Praot  Muritz  F*L 


KLEINK 

IMunkott.  Frh.  Thum»«.  UM. 
Rebbach.  Frh.  Max.  Oboist  vou  Birkenfeld-KOr. 
Saint  Ignon,  Graf  Johann,  Oberst  von  Kalkr.ulli-Ko> . 
Sal  m-Salm,  Prinz  Max.  Major  von  Salm-Inf. 
Hott  ad'  Adorno.  Marquis  Jakob.  Oburst  -  Lieutenant 
von  Butta-Inf. 

Soro.  Graf  Jolianu,  Oberst-Lieutenant  von  Deutseh- 
meislor-Inf. 

Do  Pastoel,  Johann  Joseph.  Oberst-Lioutenant  von 
Los-Rios-Inf. 

Biettagh,  Froiherr  Franz  Thomas.  Hauptmann  von 

Savoyen-Drag. 
Francque,  Emanuet  Alexander  von,  Cap. -Lieut.  von 

Savoyen-Drag. 
Norm ann.  Frh.  Ernst,  Major  von  Harrach-laf. 
Bauer,  Elias  von.  Major  vom  Warasdiner  Grenz-Reg. 
Dombasle,  Graf  Carl  Frani,  GM. 

Kranialer  von  Obereck,  Adam  Ferdinand,  Oberst  von 
Salm-lnl. 

Wallher  von  Waldenau.  Iguaz.  Oberst  bei  der  Feld- 
Art. 

Zorn  von  Plobsheim,  Freiherr  Maximilian  August, 

Oberst-Lieut«nant  von  Leop.  Daun-lnf. 
Rummel  zu  Waldau.  Frh.  Jo«uph.  Hauptmann  von 

Heinrich  Daun-Iuf. 
ÜeVins,  Frh.  Joseph.  Grendr.-Hauptm.  von  Leopold 

PalfTylnf.  (Ward  b.  d.  XXIII.  Prom.  Gro«kreuz>. 


R  E  U  Z  E. 

D'Arberg,  Graf  v.  Valentin.  Carl.  FML. 
Pellugriui,   Graf  Carl  Clemens.  Oberst  von  Loop. 

Daun-lnf.  iward  b.  d.  X.  Prom.  Commandour). 
Sonhay.  Iliilipp  >.,  Oberst  Lieutenant  von  Nikolaus 

Eati'rhazy-lnf. 
BQlow,  Frh.  Ferdinand  Friedrich,  GM. 
De  Ville  de  Canon.  Marquis  Carl,  FML. 
Draskovich.  Graf  Josoph.  FML.  (ward  b.  d.  X.  Prom. 

Comniandcur). 
Giannini,  Graf  Ernst  Friedrich,  Genie-Oberst  (ward 

b.  d.  VIII.  Prom.  GroBkrouzl. 
Alfson,  Adolph  von.  Oberst-Lieutenant  bei  der  Artil 

lerie. 

Mittorstitlor,  Simon,  Tranchee-Major. 

Rouvroy.  Johann  Theodor  v..  Hauptmann  bei  der 

Artillerie  (ward  b.  d.  X.  Prom.  Commandour). 
Tillier,  Johann  Anton  v..  GM. 

Gemmingon  auf  Homberg  und  Trcschklingen  ,  Frh. 

Reinhardt .  GM. 
Brentano,  Joseph  v.,  GM.  (ward  b.  d.  IX.  Prom  Grol» 

kreuzt. 

Brockhausen.  Freiherr  Jakob.  Oberst  von  O'Donoll- 
KOr. 

Ferraris.  Graf  Joseph  Johann,  Oberst  von  Carl  Lothrin- 
gen-lnf.  (ward  b.  d.  XXVII.  Prom.  Com  m  andeur). 

Bosfort.  Frh- Franz.  Oberst-Lieutenant  von  Erzherzog 
Ferdinand-Kur. 


IV.  Promotion  vom  9.  Jänner  1759. 

KLEINKREUZE. 

Karolyi     von    Nagy- Karoly,    Graf    Franz    Anton,   j   Caldwoll .  Chov.  Thums.  Major  von  AU-WolfenbOttel 
GM.  Inf. 

V.  Promotion  vom  23.  Jänner  1760. 

G  R  0  S  Z  K  R  E  U  Z  E. 

L  wcibrOcken-Birkenfeld,  Prinz  Friedrich  Michael.   ;   Maquire,  Graf  Johann  Sigismund.  FML. 
FM.  |   Beck.  Frh.  Philipp  I^vin,  FML. 


Digitized  by  Google 


502  »Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  -  Anhang. 


K  L  E  I  N  K  R  E  U  Z  E. 


Guaseo.  Graf  Franz,  FML.  (ward  b.  d.  VIII.  Prora. 
GroBkreuz.) 

Pugnetti,  Frh.  Rudolph  ,  Oberst  von  He»en  -  Darm- 
stadt-Drag. 

Pahlowaky  von  Rosenfeld .  Wenzel.  Oberst-Lieu- 
tenant iiD  Ingen. -Corp«. 

Kerekes,  Sigmund  v.,  Oberst-Lieutenant  von  H.iller- 
Inf. 

Berukopp.  Johann  Wenzel  v..  Major  in  der  Artillerie. 
OKelly,  Graf  Wilhelm.  FML.  (ward  b.  d.  X.  Prom. 

Commandeur). 
Murray  de  Melgum,  Frcih.  Joseph  Jakob.  Ol  t  rat  Ton 

Loa  Rios-Inf. 

H  um  bracht.  Frh.  Alexander.  Hauptmann  von  Thor- 
heim-lnf. 

Rhedey.  Graf  Johann.  Oberst  von  Huller-Inf. 
Caracciolodt  S.  Kratno,  (iraf  Ludwig,  GM. 
Bechardt.  Johann  von.  Giondr. -Hauptmann  von  Simb- 

Bchon-Iuf. 
Caramalli.  Graf  Carl.  CM. 

Riese.  Freiherr  Franz  Carl,  Oberst  vom  St.  Georger- 

Grenz-Reg. 
Browne,  Graf  Philipp  Georg.  GM. 

Treys.  Freiherr  K.ispar,  Oberst  bei  Hildburghauscn-InL 
Koch,  Frh.  Johann  Bupt.,  Ober*!  bei  t  Ii  ich  Klnsky-tnf. 
De  Rosin.  Frh.  Igoaz  Sigismund,  Obeml-Lientenaut 

von  Adolf  Batthyanyi-Inf. 
Ravizzu,  Frh.  Anton,  Major  vm  O  Douell-Kllr. 
»  Alton,  Chov.  Richard,  Oberst  bei  I.oudou-Inf.  ward 

b.  d.  XI.  Prom.  C'Miimuiideur). 


Strasser  von  Xeudegg,  Frh.  Wolfgang  Felix  Wib 

heim,  Oberst-Lientenant  von  Baden-Baden-Icf. 
R  o  I  k  e  ,  Carl  von.  Major  von  Badan-Baden-lnf. 
Lobkowitz.  FOrst  Joseph,  GM. 

Gabeikoven,  Frh.  Sigmund.  Obemt  \on  Schmer- 
zing-KOr. 

Leihelfing,  Friedrieh  Christian  von.  Oberst  bei  Mar 
sehaU-Inf. 

Worbeer.   Frh.    Sigmund,  Grendr.-  Hauptmann  bei 

Marschall-Inf. 
Gemroihgen  auf  Homberg  und  Treaehkliugen,  Freili 

Sigmund.  Oberst  von  Wied-Inf. 
Roth  «eh  Ott.  Georg  Sigmund  von.  Oberst  und  FlOjcl- 

Adjutaut. 

Tomiotti  de  Fabri*.  Dominik,  Ober*l-Lieutenaut  na 
GeneraUt.it>*. 

Ko^orzowa.  GrafFrani,  Hauptmann  von  Sineere-hif. 

Pureell.  Frh.  Juli.  Bapi.,  Rittmeister  v.  Modena-Pr-iff. 

Zedtwitz.  Frh.  Johann  Franz,  Oberst  vom  I.  Bsnal- 
Grenz-Keg. 

Ouasco.  Graf  Peter  Alexander,  GM. 

Beaulieu  de  Uarrounay ,  Kr  Ii.  Johann  Peter,  Majur 
im  GenernUtabe  (ward  b.  d.  XXIII.  Prom.  Comman- 
deur). 

Torfik,  Johann  Andreas  von,  Oberst  der  Jazygier  und 

Kuiuanier  Husaren. 
Oeisalcr,  Ignaz  von.  Rittmeister  von  Niidasdy-Hu*. 
Binder  von   K  ri  ege  I  s  lein,   Christian.  Hauptmann 

von  Arenherg-luf. 
Ripko,  Ludwig  Rudolph  von  ,  Majm  im  Gcueralstauc. 


VI.  Promotion  vom  -2-2.  Üecember  17dl. 
ÜKUSZKREUZ  E. 

Wied  Kinikel,  Graf  Friedrich  Georg,  FZM.  und  Or-   J   O'Doncll.  Graf  Carl.  GdC. 
densritter.  |    Buren*,  Frh.  Adolf,  GdC. 


KLEIN 

Preis«,  Johann  von.  GM. 
Slampa.  Graf  Cajctan.  FML. 

Lockhart,  von,  Jakob,  Major  von  Waldcck-lnf. 
Kautsch,  lgnar. \<>n.  Major  von  Stumpa-KOr. 
Se  r  i  man  ii ,  Graf  l'uul  Anton.  Oberst  bvi  Harrach-Inf. 
Zienosar.  Frh.  Carl  Wilhelm,  Obern!   bei  Benedict 
D.um-KOi. 

Sotff  r,  Johann  Toliiu-.,  Major  im  Ceii.r;il«t;ibe. 
Itotta  d  '  A  domo  .  M;iri|iiis  Joseph.  Ober*t-Liuutciinrit 

von  Benedict  D.iuu-K0r. 
Thci  llie  r  eü  .  Frh  Kranz,  Ob.  i -t  von  Toscana  Inf. 


;  R  E  U  Z  E. 

Dönhoff.  Graf  Friedrich  Ludwig,  Obernt-Lieutenan 

v>m  Brooder  Grenz -Heg. 
Krün)  an,  Cr.it  Kourad.  Oberst  dos  slavnn.  Husaren 

HeK- 

Bethleu,  Gr^f  Adam  Joseph,  GM. 
Ried,  Joseph  Freiherr  von  ,  GM. 
Hurruch.  Giuf  Franz  Xav..  Oberst  bei  Puebla-Inf. 
De  V  (i  »  ,  Fr.uu.  Iutrunicur-Oherüt-Lifutenatit. 
B.ireo,  Vniceliz,  Oberst  hei  Uetlilen-Hu*. 
Ny  lius.  Anton  Llrich  v..  Lieutenant  von  Michael  Wallie- 
Inf 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I  bis  CLXX. 


503 


Dijrm  und  Slritett.  Graf  Johann  <al.  Joachim)  Wentel, 

Rittmeister  von  Serbelloni-KOr. 
HO  dt  von  Gollenberg.  F reih.  Franz.  Hittnieialer  von 

Schuierxing-KOr. 
Slain.  Frb.  Carl  Uopold,  Oberst  bei  Merey  Inf. 


Hocke.  Carl  von,  Oberst  bei  Kolowrat-Drag. 

Höh  e  ulohe  -  K  i  r  c  bbe  rg .  (traf  Friedrich,  Major  von 

Loudon-Inf.  (ward  b.  d.XVH.  Prom.  Conimande  url. 
Schorletnmor .  Freih.  Carl  Maximilian,  Oberst-Lieu- 

touant  von  Carl  Lothringou-Inf. 


VII.  Promotion  vom  30.  April  1762. 
KLEINKREUZE. 


Wal  Ii».  Baron  Patricia  Olivier.  Oberst  von  Loudon- 
Inf. 

Pelrovsky.  Franz  von.  Oberst  von  Sxöchenyi-Hiift. 
O  Donneil,  Graf  Heinrich.  Major  von  Angern- Inf. 
Siociujici  von  Heldenfold.  Arseniux,  Major  vom 

Gradiskancr  Grenz-Reg. 
Kinsky,  Graf  Joseph.  Oberst  bei  Lowonstein-Chevaux- 

legers. 

Greffens  tein,  Joseph  von.  Major  bei  Niidasdy-Hus. 
Terzi.  Frb.  Ludwig,  Oberst-Lieutenant  von  Audbm-Inf. 

(ward  b.  d.  XIII.  Prom.  Commandeur). 
Loox  -  Cor«  wäre  m  de  Nyel,    Graf  Wilhelm  Joiioph. 

Rittmeister  von  Kolowral-Drag. 


Elmpt.  Frh.  Philipp.  Major  im  Generalstabe. 
Linbibralich  von  Trebinia.  Hieronymus,  Oberst 

vom  Gradiskaner  Grenz-Reg. 
Tkalcaevich,   Johann  v. .    Hauptm.iin   vou  Mercy- 

Inf. 

Knesevich  von  St.  Helena,  Martin.  Oberst  vou  Carl- 
«Udler  Hu«. 

Dimich  von  Papilla.    Paul,  Oberst-Lieutenant  vom 

Gradiskaner  Grenz-Reg. 
N  angle,  Frh.  Franz.  Hauptmann  bii  He»»en-D.irm- 

stadt-Drag. 

Ki»s.   Franz  von.    Ober»!  -  Lieutenant  vou  Kai««r 
Hu*. 


Guasco.  Graf  Franz.  FML.  und  Ordensritter 
De  Griboauval .  Johann  Bapt.  GM, 


VIII.  Promotion  vom  21.  October  1762. 
GKOSZKREUZE. 

Giannini,  Graf  Emst,  GM.  und 


KLEINKREUZE. 


Freyenfel».  Frh.  Johann  Hubert,  Oberst  von  Starhem- 
berg-lnf. 

Hasp.  Graf  Loren*  August.  Oberst  von  Kolowrat-Inf. 
O'Mulriau,   Jakob  Patricias,  Oberst  -  Lieutenant  von 
Baireuth-lnf. 

.S  t  h  i  n  nie t x ,  Nikolaus  von  ,  Major  im  Ingenieur-Corps. 
Fr i r en be rge r ,  Joseph  von,  Major  bei  der  Artillerie. 
Gier  her  iui,  Nikolaus  vou.  Major  von  Battbyanyi-Inf. 
Butan  l,  Graf  Johann.  Hauptmann  bei  Do  Ligne-Inf. 
Brady.  Chev.  Jakob  Bernhard  Mac,  Hauptmann  von 
Sincere-Inf. 

Schräder,  Frh.  Gottfried  Johann.  Hauptmann  von 
Ncipperg-lnf. 

Pablicxuk,  Joseph  von,  Hauptmann  im  Mineur-Corps. 


WaldbOtter  von  Minenburg.  Michael,  Hauptmann  von 

Erzherzog  Ferdiuand-Inf. 
Lod  ron.  Graf  Dominik  Anton,  Rittmeister  von  Savoyen- 

Dra«. 

D'Aubleux.  Anton.  Hauptmann  von  Arborg-Inf. 
Sterndahl.   Freiherr   Carl  Joseph.   Hauptmann  von 
PlaU-lnf. 

Tioinar,    Joseph    Von,    Lieutenant    von  KöDigsegp- 
Inf 

Egehls,  Frb.  Jakob,  Suppeur-Hauptmaun. 

Mohr,  Carl  Christoph  Gottlob  von.  Hauptmann  von 

SUrhemberg-lnf. 
Graffwn,  Johann  Anton  von,  Oberlieulenaut  von  Wort. 

temberg-Drag. 


IX.  Promotion  vom  11.  November  1763. 
GROS  Z  KREUZE. 

llrentano.  Joseph  von,  FML.  und  Ordensritier.  |   Lo  w  e  n  » toiu- W  er  the  im ,  FOrst  Christian  ,  G.  d.  C. 


Digitized  by  Google 


oOi 


„Militärischer  Mari«  Theresien-Orden."  -  Anhang. 


KLEINKREUZE. 


O' Do  u  n«ll.  Graf  Johann,  FML. 

Sauer,  Carl  von,  Oberst-Lieutenant  von  LBwenatein- 
Drag. 

Tillior.  Freiherr  Joseph  Max,  Oberst  boi  Bethlen-Inf. 
Erbach.  Graf  Carl,  Major  von  Braunschweig-Wolfeii- 

büttel-Inf. 
Nugent,  Graf  Jakob  Robert.  GM. 

Neugebauer,  Franz  vnu.  Major  und  Flügel-Adjutant. 
Kleefeld  von  Hnogok,  Weuzel,  GM. 
Hoff,  Carl  v..  Major  und  FlOgel-AdjutanL 
Nassau-Usingen.  Prinz  Friedrich.  Oberst  von  Zwei- 
brocken-Orag. 

Lassgallner.  Johann  Carl  von,  Oberst  vou  Anhalt - 

Zerbst-KOr. 
Haag,  Nikolaus  von.  Oberst-Lieutenant  vou 

Leopold-Kur. 


Gyulai,  Graf  Samuel.  Oberst  von  Franz  Gjrulai-lof. 
(i  o  n i  m  i ,  Claudius  von,  Major  von  Neipperg-Iuf. 
Uhry,  Graf  Wilhelm.  Hauptmann  von  Loudon-lnf 
Fizo,  PeUr  Franz  von.  Major  von  Wied-Inf. 
Ham,  Chevalier  Johann  Wilhelm.  Major  bei  Arlwrt- 
Inf. 

Lanjus  von  Wellenburg,  Graf  Carl,  Oberst  rott 

Peterwardeiner  Grenz-Reg. 
Wal  lisch.  Christoph,  Hauptmann  vom  Szluiaer  Gr*Di- 

Rog. 

Winkelhoffer  von  Winkelspurg.  Mathias, 


Ungar,  Johann  von, 
Inf. 

De  Fassignies 


,  Uopold 
von  Wied-Inf. 


X.  Promotion  vom  15.  October  1765. 


GROSZKREUZ. 

königl.  Hoheit  Erzherzog  Leopold,  Grollherzog  von  Toacana,  FM. 


Kaiser  Leopold  II.» 


Esterhazy,  Für»!  Nikolaus ,  FZM. 
Kiusky.  Fürst  Franz  Ulrich.  FML. 
D'Ayasasa.  Graf  Joseph,  FML. 
Poniatowaki,  Graf  Andreas,  GM. 
Siskovics,  Graf  Joseph,  FML. 


GOMMANDEURE. 

I   R  o  u  v  r  o  y ,  Frh.  Johann  Theodor,  GM 


Ordens- 
ritter. 


Pollegrini,  Graf  Carl,    FML.  (ward  | 

b.  d.  XVIII.  l'rom.  Grottkreuz). 
Draskovich,  Graf  Joseph,  FZM. 
OKelly,  Graf  Wilhelm.  FZM. 


Ordeu»- 
ritter. 


XI.  Promotion  vom  21.  October  1778, 

COMMANDEURE. 

D' Alton,  Graf  Richard,  FML.  und  Ordensritter.  W  n  r  ra  s  o  r  .  (iraf  Dagobert  Sigmuud,  FML.  tward  b.  d. 

XXX1L  Prom.  Grottkreuz). 

XII.  Promotion  vom  15.  Februar  1779. 

COMMANDEUR. 

Elrich  sbausen.  Freiherr  Curl  Reinhard.  FZM. 

KLEINKKEUZ  E. 


PalUviririi-Cenluri'itii.  Murcjiiis  Carl.  GM. 
Alvintz) ■  d«  lierbervk,  Freiherr  Joseph,  GM.  i ward 
Ii.  d.  XXVII.  l'rom.  Com  man  d  v  u  r}. 


Leveneur  (auch  Levenehr)  von  Gr On wall.  Freiherr 

Fran-.  Jus..  GM. 
Klebeck,  Williolm  von,  Oberst  vom  Kreuzer  Grenz- 

Heg.  (ward  b.  d.  XIX.  Trum.  Commaudcur). 


Digitized  by  Google 


Promolionen  I  bis  CLXX. 


505 


Ko  u  h  1 ,  Frh.  Carl,  Oberat  von  Ulrich  Kini.ky-Inf. 
Puttet,  Carl  von.  Major  von  Emmerich  Eatrrhazy- 
Hm.. 

Staader,  Josi-ph  von.  Oberst  von  Migaizi-lnf.  (ward 

b.  <i.  XXXIX.  Prom.  Comniandeur). 
Borctyezky,  Franz  Ignai  von .  Oberst  von  Wurmsrr- 

Hu«. 


Buceow.  Frh.  Goorg.  Oberel-Lient.  von  Barco-Hus. 
Belli  von  Bellenau,  Johann.  Major  vom  Ogutiner- 
Grenr.-Reg. 

Hurichvou  Poiinmy.  Franz.  Majoi  vom  Potocki'gclivn 


von.  Müjor  vom  Szluim-r  Grenz- 


O  reak  o  v  ic  Ii. 
Ri'S. 


XIII.  Promotion  vom  19.  Mai  1779. 


COMMANDE  U  K. 

T.-rti.  Bnron  Ludwig.  OM.  und  Ordensritter. 


KLKINKKKUZE. 


Davidovich,  Paul  von.  Major  von  d'Alton-Inf. 
Porzina,  Anton  v.,  Oberlieutenaut  von  der  Artillerie. 
Nauendorf.  Frh.  Friedrich.  Major  von  Wunnser-Hu*. 
(ward  b.  d.  XLI.  Prüm.  tomratnJeur). 


Quosdanovich,  Vitus  von.  Obcmt  drr  Slavonirr-1 
ward  b.  d.  XXXV.  Prom.  Co  in  m  an  de  u  rl. 

Hutten,  Frh.  Philipp  Ferdinand,  Obemt   von  Ant. 
Colloredo-lnf. 


XIV 


vom  24.  April  1788. 


KLEIN  KREUZ. 

De  Ligne.  Füret  Carl,  Oberetlieutenanl  im  logenieur-Corps. 


XV.  Promotion  vom  15.  November  1788. 
KLEIN  KREUZE. 


Schlaun  von  Linden,  MoriU  Gebhart.  GM. 
Sokolovich,  Paul  v.,  Haupün.  beim  «erb.  Freicoips. 
Wukanaovieh.  Joseph  Philipp  von,  Oborbeutenant 

vom  Likkaner  Gr*n*-R«>g. 
Voith,  Johann.  Artillerie-Oherlieut«nant. 
Hiller.  Johann  von.  Oberst-Lieutenant  vom  Kräuter 

Grenz-Hegim.  (ward  1HO0  Commandeur). 


Cerrini,  Joseph  von.  Major  im  1 

Brady.  Frh.  Thomas.  Hauptmann  im  GeneraUtabe. 

Noalingcr  von  und  zu  Seh  eigengrabe  n,  Wentel, 
Hauptmann  von  Stein-Inf. 

Lipthay,  Anton  von,  Oberst-Lieutenant  vom  Palla- 
schen Froicorp». 


XVI.  Promotion  vom  13.  August  1789. 
GROSZKREUZ. 

Sachsen  -  Coburg.  Prinz  Friedrich  Josias,  GdC. 


XVII.  Promotion  vom  9.  October  1789. 
COMMANDEUR  E. 

Clerfayt,  Graf  Franz  Sebastian  Carl.  F7.M.  {ward  b.  d.  XXIII.  Prüm.  Gro»kreuz). 
Hohen)  ohe- Kirchberg,  FOrbt  Friedrich  Wilhelm,  FML.  u.  Ordennr.  ward  b.  d.  XXV.  I'roni.  GroBkreuz). 

Browne.  Graf  Johann  Georg,  FML. 


Digitized  by  Google 


500 


Militärischer  Maria  TheresienOrden."  -  Anhang. 


XVIII.  Promotion  vom  12  October  17*9. 

GROSZKHEUZ. 

P  e  1 1  c  g  r  i  u  i .  Graf  Carl  Clemens,  FM.  und  Ordena-Comtuandeur. 

COMMANDEUR. 

D«  Ligno  ,  FOrst  Carl  Joseph.  FZM. 

XIX.  Promotion  vom  21.  December  1780. 

COMMANDEUR. 

Kleb  eck,  Freiherr  Wilhelm.  FML.  und  Ordenar.tter. 

K  L  B  I  N  K  R  E  ü  Z  E. 


Borwilz,  Franz  von,  Hauptm.  von  KhevmhOller-Inf. 
Neaxniery.  Fraui.  Huii|itmann  von  Erzh.  Ferdinand-Inf. 
Oeskay  von  Öcska,  Joseph  von.  Oberst  von  Enh.  Fer- 
dinand-Inf. 

De  Vau x.  Chevalier  Thiery.  Major  im  logen  -Corps 
(ward  b.  d.  XLVI.  Prom.  Cotnmaudeur). 

Feozol,  Ferdinand  von.  Hauptmann  vou  Langlois-Inf. 

Dedovicg,  Martin,  Capt.-Lieut.  im  lugen. -Corps. 

Firquelniont.  Graf  Joseph,  Hauptmann  von  Kleheck- 
Inf. 

Pia«  sek,  Carl  Christoph,  Major  von  Krdödy-Hus. 
Spleny  i.  Freiherr  Gabriel,  FML.  (wardb.  d.  XXIII. Proiii. 

Conimand  vur). 
Kruy.  Paul  von.  Oberst  vom  1.  Walarhen-Grenz-Heg. 

(ward  b.  d.  XXXIV.  Prom.  Co  m  in  and  e  ur). 
Kulnek,  Audrcaa  von.  GM. 
D'Aruat ,  Johann.  Oberst  im  Ingen. -Corps. 
Kuraiezay.  Frh.  Andreas,  GM.  (ward  b.  d.  XXIII  Prom. 

C  o  ni  in  a  n  d  p  ti  r) 


I. iude  Chev.  Joseph,  Oherat  von  Kaunitz-!  Iii. 
Kionmayer,  Freiherr  Michael.  Oberst  von  Lcveneur- 

Chevaux-Iegers  (ward  1809  Command  eu  r). 
Vecscy.  Freiherr  Siegbert.  GM. 

KosztoUny.  Lndialautf  von,  Oberst  von  Erdfidy-Hu* 
Fischer  vou  Eh  r«  nbac  h  .  Wilhelm,  Oberst  im  Generul- 
atahe. 

Sztarny,  Graf  Anl.-n,  GM.  iward  b.  d.  XLV.  Pn>m. 
Com  man  de  ii  r). 

Lauer.  Freiherr  Franz,  GM.  (ward  b.  d.  XL.  Prom.  Com- 
mand e  ur). 

Mack  Carl.  Oberst  im  GeueraUtahe. 

Esterhazy.  FOrst  Anton.  Major  von  Anton  EMerbaxy- 
Inf. 

Pellati  de  Ii  Tour,  Graf  Franz,  Hauptmann  von 
Pcllegrini-lnf. 

V  e  r  e  b  vi  y  i ,  Sigmund  von,  Hauptmann  im  lugen. -Corps, 
(ij  ulai,  Graf  Albert,  Grendr.-Haiiptmann  von  Gyulai. 
Inf. 


XX.  Promotion  vom  23.  Jänner  1790. 

K  Ij  E  1  N  K  R  E  U  Z. 

Surv.nn)  ,  Joseph  von,  Rittmeister  von  Krdftdy-Husaleii. 

XXI.  Promotion  vom  "2-2.  April  1  790. 

COMMANDEUR. 

Warten  sieben.  Graf  Ludwig  Wilhelm,  FML. 

K  L  E  I  N  K  R  E  II  Z. 
Auerberg,  Graf  Ctrl.  Oberst  von  Hadeu-Diirlach-luf. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I.  bis  CLXX. 


507 


XXII.  Promotion  vom  28.  Juli  1790. 
K  L  E  I  X  K  H  E  U  Z. 

W  ir  h  y  ,  Carl,  Major  vom  Krouzer  Grenz-Re f. 


XXIII.  Promotion  vom  19.  December  1790. 
UKÜSZKREÜZE. 


Sein*  konigl.  Hoheit  Erzherzog  Franz,   (ward  1792 

Kaiser  Franz  II.) 
Clerfayt.  Graf  Fr.  Seh.  Carl,  FZM.  und  Ordensr.tter. 


De  V  i  n  s ,  Freiherr  Joseph 
ritt  er. 

Heilder.  Freiherr  BIomup 


.  FZM.  und  Orden« 
FM. 


COMMAXDEURE. 

Bcaulieu.  Frh.  Juhann  Peter,  FMI..  und  Ordensritter   I   Spl«  nyi  ,  Frh.  Ualiriel,  FML.  und  Ordensritter, 
(ward  b  d.  XXXIV.  Prom.  C.  rnB  k  reu  zt.  \   Karaiczay,  Fih.  Andrea«.  GM.  und  Ordensritter. 


KLEINKREUZE. 


Ai^helbiirg.  Graf  Curl .  Rittmeister  von  Savoyen- 
Drag. 

Wenk  ho  im.  Freiherr  Franz.  GM. 

O rsi n  i  und  Rodenberg.  Gruf  Franz, Oberst-Lieutenant 
von  Jatquerain-Knr.  b.  d.  XI.VI.  Prom.  Commuii- 
deur). 

Berjc.  Carl  Gu»!av  von.  Oberlieutenanl  von  Wurmser- 
Hu«. 

Featenberg,  Johann  von.  Oberst  von  Württemberg- 
Drag. 

Wodniansky,  Frh.  Johann.  Major  von  WOrllemberg- 
»rag. 

Horv uth .  Casiniir  Freih..  UM. 

Froon    von  Kirrhrath,  Joseph,    Oberst  im  Ingen.- 

Corp«  (ward  b.  .1.  XXIX.  Pn.ni.  Cumnundcur). 
Gomez  de  Parientns,  Otto,  Oberst  Lieutenant  von 

Erzh.  CarMuf. 
Hayd,  Carl,  Oberwt-Lieutenanl  von  Loudon-Inf. 
Piringor,  Mathias.  Oberlieutenant  de«  Pioiinier-Cnrp-. 
Harrach.  Graf  Ferdinand,  FML. 
Ziggan,  Joseph.  Major  von  Nikolaus  Et  terhazy-Inf. 
Vajna.  Gabriel  von.  Major  von  Enterich  EsterhiUy-Hus. 
Chatte]  er,  Marii.  Johann  Gabriel.  Major  im  Ingen.. 

Corps  (ward  b.  d.  1.VII.  Prüm.  Co  in  ra  an  d  e  u  r). 
Revay.    Freiherr    Emerich.   Obersl-Livutenant  von 

ErdodyHue. 

Pejaeacvich,  Graf  Anton.  Oberst  vom  I.  Banai-Reg. 
Hering.  Ferdinand.  Major  von  der  Feld- Artillerie. 
Mahouy.  Graf  Wilhelm,   Major   vom   i.  Kronpruii. 
Enh.  Franz-Carabinier-Reg. 


Wolfskeel.  Freiherr  Sigmund.  Rittmeister  von  l.eve 

neur-Chevaux  legere. 
I.anfrey,  Anton.  Hauptmann  im  Sappeur-Corp-j. 
Brentano-Cimurolli.  Frh..  Joseph  Anton.  GM. 
Mikowiny  Ludwig  von,  GM. 
T  0  r  k  h  e  i  m ,  Carl  von.  GM. 
Lichtenberg,  Graf  Ca  je  tan.  GM. 
Wemcek,  Frh.  Franz.  GM.  (ward  I.   d.  XLV.  Prom. 

Com  mandeur). 
F  u  n  k  von  S  e  n  f  t  e  n  a  u,  Carl.  Oberst  vom  3.Artillerie  Hex. 
Souel,  Jobann  von,  Oberst  von  Kaiser-Inf. 
Bolza.  Freiherr  Peter  Au  ton,   Obcrst-I.ieatcnanl  von 

K«i<vr-Chevaui-leger^. 
Bydeskuly  von  Ipp,  Freiherr  Sigmund.   Major  v;»n 

Anton  Eslcrhuzy-Inf. 
K  o  1 1  o  n  1 1  z ,  Graf  Max,  Major  von  Wurmser-Hus. 
Fabry.  Michuel  von.  GM. 

Latour.  Baillet   de,  Graf  Max.  FML.  (ward  b.  d. 

XXXIV.  Prom.  Coro  mandeur). 
Co rl  i .  Marquis  Cflaar,  GM. 

Pforzheim.  Frh.  Phili|>p  Carl,  Oberst  von  l.atoui -Dra/. 
Vogolsang,  Frh.  Ludwig,  Oberatl.  von  Clerfayt-Inl. 
Lusignan,  Marquis  Franz  Joseph,  Oberet-Lieuten.m 

vou  Bender-Inf. 
Vincent.  Carl  von.  Rittmeister  von  Latour-Drag,  (ward 

b.  d.  LXX1.  Prom.  Commandeur). 
Koos.  Andrea»  von,  Oberst-Lieutenant  vom  «.Artillerie- 

Heg. 

(iavassini,  GrafAloys,  Hauptmann  von  Pellegnn.- Inf. 
Gr  landin  i.  Graf  Franz,  Hauptmann  im  Ingenieur-Corps. 


Digitized  by  Google 


508 


Militärischer  Maria  Theresen  Orden."  —  Anhang. 


Rirhler.  Leopold  von.  Ohrrlieutenant  von  Pellegrini- 
Inf 

Prtigglaeh .  Freiherr  Carl.  GM. 

Spindler.  Krh.  Johann  Joseph,  Oberst  von  HrUky-lnf. 
Ott  von  Batork ez.  Carl  IVter.  Ob* r*i  von  Er/h.  Leo 

IkiIiI-Hu«.  (ward  h.  «I.  I.VIII.  Proin.  Commnndcur). 
K  o  I  o  w  rn  t  - 1.  ie  hg  t«  in  »  k  y  ,  Graf  Vinconz  ,  Ober«:!  von 

Jordis-IliC  (b.  d.  LXY'l.  Proin.  Comiunndeurl. 
H  e  •  se  Ii  -  Ho  m  hu  r  g ,   F.rbprinr  Friedricli.   Major  von 

I.evrneur  -  Ch  vaux-legcr»  (ward  1813  Comniiii- 

Juur). 

Älbell.  Ludwig  von.  Hauptmann  von  Jordis-Inf. 


Peharnik  von  Hotkovich.  Frh.  Daniel.  GM 
Liechtenstein,  FOrst  Johann.  Oberst  von  Kiusky- 

Chevaux-Iegers  (b.  d.  XL  VI.  Prom.  Co  mm  and  e  11  ri. 
Aiikenbrand.  Philipp  Jakob  von.  Oberst-Lieutenant 

von  dar  Arlilloric. 
Martoiiitx,  Andreas  von,  Mitieur-Hiniptmann. 
Onllot,  Johann  von.  Obcrlieutenant  von  der  Artillerie. 
Ta  rtler,  Bartholomaus  von,  Oherlieutenaut  von  Wilhelm 

.Schröder-Inf. 

D'Asprv  von  Hoobreuck,  Constantm.  Hauplmann  von 
Ligno-Inf. 

Jouve,  Antou  von,  llitlmmster  von  Latour-Drag 


XXIV.  Promotion  vom  19.  November  1  792. 

KLEINE  II  EU  Z. 

Keim,  Konrad  von,  Oberst  von  Bender-Inf 

XXV.  Promotion  vom  31.  December  1792. 

GROSZKREUZ. 

Hohenlohe-Kirchberg,  FOrst  Friedrich  Wilhelm,  F7.M.  und  Ordens-Corumaudeur. 


XXVI.  Promotion  vom  1 .  April  1 793. 

GROSZKREUZ. 

Sein«  kaiserliche  Hoheit  Erzherzog  Carl  Ludwig.  UM. 

XXVII.  Promotion  vom  28.  Mai  1 793. 

COMMASDEÜR  E. 


Ferrari»,  Graf  Johann  Joseph ,  F/M.  und  Ordensritter 

(ward  b.  iL  XXXI.  Proin.  GroBkreiiz). 
Colloredo,  Graf  Weuzel.  F/.M. 


Alvintzy  do  Bcrberek.    Frh.  Joseph.    FML.  und 
Ordensritter  (ward  h.  d.XXXIV  Prom.  (iro»kr*u,t. 


XXVIII.  Promotion  vom  23.  Juli  1 793. 
COMMANDEUR. 

WOrttombei  jr.  Prinz  Ferdinand  Friedrich  August,  FML.  (wurd  b.  d.  XXXIV.  Prom.  GroBkreux). 

XXIX.  Promotion  vom  19.  August  1793. 
COMMANDEUR. 

Froon  von  Kirchrath,  Frh.  Joseph.  Ob.  rst  im  In«.  n.-<trps  und  Orden»nlt«ir. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I  bis  CLXX. 


KLEINKREUZE. 


Unterbergar,  Leopold  von,  GM.  (ward  b.  d.  XL.  Ptom. 

Commandern-). 
Dietrich«  tein,  Graf  Fraux  Joseph.  Oberst  -  Lieutenant 

im  Ingen. -Corp». 


Hackenborger.  Fran*  vou 
Corp». 

Thierry,  Ludwig  von,  Hauptmann 
Inf. 


im  Mineur- 
von  Wartenaleben- 


XXX.  Promotion  vom  22.  September  1793. 
KLEINKREUZ. 

Salie,  Frh.  Paul,  Oberet  von  Stuart-lnf. 

XXXI.  Promotion  vom  20.  October  1793. 
ÜROSZKREUZ. 

Ferraris,  Graf  Joseph  Johann,  FZM.  und  Ordens-Coinmandeur. 


XXXII.  Promotion  vom  25.  October  1793. 
GROSZKREÜZ. 

Wurmeer,  Graf  Dagobert,  GdC.  und  Ordcns-Coinmandour. 

COMMANDEUR. 

Waldeck,  Prin*  Chrisuan,  FML. 

KL  EINKREUZE. 

Mesiaro»,  Johann  von,  GM.  (ward  b.  d.  XL1I.  Prom.  i   Hotte,   Friedrich  von.    GM.  (ward  b.  d.  LI.  Prom. 
Commandeur).  Commandeor). 


XXXIII.  Promotion  vom  25.  Mai  1794. 
KLEINKREUZE. 


Otto,  Ghev.  Rudolph,  FML. 

Schwanenberg.  Forst  Carl.  Oberst  von  Zeschwiti- 
KOr.  (ward  b.  d.  I.XXI.  Prom.  Commander) 


Beltegarde.  Graf  Heinrich .   GM.  (ward  b  d.  LXIX. 
Prom.  C  o  in  m  a  n  d  o  n  r>. 


XXXIV.  Promotion  vom  7.  Juli  1794. 


GROSZKREUZE. 


Württemberg,  Prin»  Ferdinand   Fnedrich  Augunt. 

FML.  und  Ordcns-Commandeur. 
Uo  au  Ii  eu.  Frh.  Joh.  Pot.,  FML.  u.  Ordfns-Commandenr. 


Alvintzy  de  Derbere k  ,  Frh.  Joseph.    r/M.  und 


COMMANDEURE. 


Latour.  Ba  illet  d.i.  Graf  Max,  FML.  und  Ordensritter 
(ward  b.  d.  XLII.  Prom.  «iruHkmun. 


Kray  de  Krajova.  Frh.  Paul,  GM.  und  Ordensi 
Ponxen«ter  von  Penzenstcin,  Frh.  Johann 


»bigitized  by  Google 


510  „Militärischer  Moria  Theresien-Orden."  —  Anhang. 

KLEINKREUZE. 


Goulroeul.  Graf  Carl,  Oberst  bei  Wnrttemberg-Iuf. 

(wardb.  d.  XLIX.  Prora.  Com m and e  u r). 
Ghislain  Beaumonl  de  Saint  Quontin,  Che». 

F.manuel.  Oberlieutenantvon  Latour-Chevaux-legers. 
Dnvay.  Paul  von.  GM. 

Stephaie».  Kran*  von,  Oberst-Lieutenant  vou  Erxh. 

Ferdinand- Hua. 
Smola,  Joseph,  Oberlieutenant  vom  1.  Artilloric-Reg. 

(ward  1809  Commaudeur). 
Rouvroy,  Freiherr  Carl,  Oberst  beim  3.  Artillerie-Reg. 
HartelmQIIer,  Simon,  Oberst  Lieutenant  von  Zeseh- 

wiU-KOr. 

Stipsicz,  Joseph  von,  Ob«r»t  bei  Kinsky-Chevaux- 
legers. 

Merveldt,  Graf  Max,  Oberst  im  GeneralsUbe. 
Duka,  Peter.  Oberst-Lieutenant  im  Generalstabe. 
EotvOs,  Carl  von,  Major  von  Barco-Hu». 
Geringer  von  ödenberg,  Gabriel,  Major  und  FiOgel- 
Adjalant. 

Wilson.  Chev.  Johann,  Hauptmann  boi  den  Tiroler 

Scharfschützen. 
Warnsdorf,  Freiherr  Gottfried,  Oberst  und  Gsnenü- 

Adjutant. 

Baum,  Johann  von,  Oberlieutenant  vunKinsky-Chevaux- 
legers. 


Rogovsky,  Christoph  vun,  Hauptmann  von  Splenyi-Inf. 
Nobili,  Graf  Johann.  Major  im  Ingen-Corps. 
Triangi,  Graf  Anton.  Hauptmann  im  Ingen. -Corp*. 
Du   Blaisel,  Marquis  Camill.  Oberlieutenant  von  Lc 
Loup-Jagern. 

Bechard.  Freiherr  Joseph.  Hauptmann  von  «yulai-Inl 
Bechthold.  Philipp  Christoph.  Rittmeister  von  Kava- 
nagh-Kor. 

Speth  von  Zwiefalten.  Freiherr  Sebastian,  Oberst- 

Lieotenunt  vom  Rnyal-Allemand-Reg. 
Nesslinger  von  und  zu  S ehelg nn gr abe n ,  Freiherr 

Joseph  Aoton,   Oberlieutenant  vom    4.  Artillerie- 

Reg. 

Schuhay,  Franz,  Major  vom  Rombardicr-Corp». 

Sc  h  abix.  Heinrich.  Oberlieutenant  vom  2.  Artülerit>-Reg. 

Gyulai.  Graf  Ignax.  Oberst  •  Lieutenant  vom  Gynlai- 

•chen  Freicorps  (b.  d.  LXlll.  Prom.  Commaudeur». 
Thiel,  Wentel.  Oberlieutenant  von  der  Artillerie. 
Barco,  Felix  von.  Oberst-Lieuteuant  von  Barco-Htis. 
Pesler,  lgnar  von.  Major  vou  Latour-Cli<i*aui-leg.r*. 
Hadik.  Graf  Carl.  GM.  (ward  b.  <L  LI.  Prom.  Co  mm  an 

denr). 

Sxcreday,  Anton  von,  Oberst-Lieut,  im  Ingen. -Corps 

(ward  b.  d.  LXVI.  Prom.  Commandeur). 
Lat>chanvk,  Johann,  Rittmeister  von  Mack-Kür. 


XXXV.  Promotion  vom  2.  October  1 795. 
COMMAKUEUK. 

guosdanovich,  Freiherr  Vitus,  FML.  und  Ordensritter. 

XXXVI.  Promotion  vom  1  1.  Uctober  1795. 
KLEINKREUZE. 

Bajalic«,  Freiherr  Adara.  GM.  \   Oreskovich.  Pelor,  Oberlieutenant  und  Adjutant. 


XXXVII.  Promotion  vom  30.  Octobcr  1795. 

KLEINKUEIZ. 

Klenau,  Graf  Johutin.  Oberst  bei  Wurm  »er  Husaren  »ward  IKO'J  Com  man  den  1. 

XXXVIII.  Promotion  vom  7.  November  1795. 

KLEINKHEUZ. 
Boroa ,  Adam  vun,  GM. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I  bis  CLXJL 


511 


XXXIX.  Promotion  vom  11.  November  1795. 
COMMANDEUR. 
Staader,  Freiherr  Joseph.  FML.  und  Ordensritter. 

K  L  E  I  N  K  R  K  U  Z. 

Neu.  Andrea*  von,  GM. 


XL.  Promotion  vom  27.  November  1795. 
COMMANDEURE. 

Liunr.  Freiherr  Franc.  GM.  und  Ordensritter.  |    Unterberger,  Freiherr  Leopold,  GM.  und  Ordensritter. 

K  L  E  I  N  K  R  E  U  Z  E. 


Ebner.  Wenzel  von.  Major  im  Ingen. -Corps. 
Lauer.  Frh.  Joseph.  Hauptmann  im  Ingen. -Corp». 


Perezel  von  Bouy  had  .  Carl.  Hauptmarin  iraBombai- 
dicr-Corps. 


XLI.  Promotion  vom  18.  Decenmcr  1795. 
COMMANDEUR. 

Nauendorff.  Graf  Friedrich  August.  GM.  und  Ordensritter. 

XLII.  Promotion  vom  11.  Mai  1796. 
GROSZKREUZ. 

Latour.  Baillet  de,  Graf  Max,  FZM.  und  Ordenscommandeur. 

COMMANDEURE. 

Mem.irondoSzoho.ilo.Joh.,  GM.  und  Ordensritter.   |   Lothringen,  Prinx  Carl  Eugen.  GM. 


KLEINE 

Schustekh,  Emanuel,  Major  von  Karaiczay-Chovaux- 
logers. 

Spindler.  Graf   Leopold.  Rittmeister  von  Waldeck  - 
Drag. 

Voga,  Georg,  Major  im  Bombardicr-Corps. 
Lopper.  Franx  von.  Major  von  Erih.  Ferdinand-Hn». 
Pulsxky.  Ferdinand  von.  Hauptmann  im  Ingen. -Corp». 
Nagy,  Franz,  Oberst  von  Kaiser-Hu». 
Gottesheim,  Frh  Friedrich,  Oberst  von  Snxe-Hti». 
Mecsöry .  Daniel  von,  Rittmeister  von  Er/Ii .  Ferdinand- 

Hus.  (ward  b.  d.  LXXII.  Prom.  (Kommandeur). 
Prochaska  .Johann  von.  Major  im  GeueraJslabe. 
ächwarzinger.  Johann.  Oberst-Lieutenant  vom  3.  Ar- 

tillerie-Re.g. 

Sinzend  ort,  Graf  Rudolph.  Major  von  Le  Luup-Jageni. 
Morzin,  Graf  Ferdinand,  Oberst  von  Ant.  Esterhizy-liif. 
Bayer  werk  Joseph  von,  Rittmeister  von  Nassau-Kar. 
Kinsky,  Graf  Carl,  Major  von  Kineky-Chcvaux-lvgurs. 
Moller,  Johann  Erhard  von,  Rittmeister  von  Saxe- 
Hus. 


R  E  U  Z  E. 

L'Aisne.  Anton.  Major  von  Erzherzog  Carl-Inf. 
Buday,  Ignaz.  Rittmeister  von  Wurm««r-Hu». 
.Spiegelberg,  Joseph  von.  Oberst  von  Vocsey  Hu». 
R os  «ich,  Georg,  Oberlieutenant  vom  Sxluiner  Gronz- 
Reg. 

I  v  i c  h  i e  h ,  Simon.  Hauptmann  von  Lacy-Inf. 
Brochowski,  Thaddäus  von,  Rittmeister  von  Meszaros- 
Chi. 

Argentvau,  Graf  En  en.  GM. 

Hardegg.  Graflgua*.  Rittmeister  von  Hobonzollern 

Kflr.  (ward  1809  Co m  m and  eil  ri. 
Zuehmeister,  Thovphil,  Hauptmann  im  Genvralet*l>e. 
Sehellenbnrg,  Frh.  Joseph,  Oberst  (Qua- Brigadier». 
Williams,  James  Ernest.  Major  bei  der  Rhoiu-Flolille. 
Weyrother,  Franz  von.  Major  im  Gencralstabc. 
C  o  1 1  e  n  h  a  c  h  ,  Frh.  Gabriel.  Oberlieiitenant  von  Clerfayt- 

Inf. 

Frimont,  Johann  von,  Rittmeister  vn 

'  (ward  1809  Commandeur). 
Plexger,  Adam.  Rittmeister  von  Mack-KQr 


Digitized  by  Google 


2  „ Militärischer  Murin  TheresienOrden."  -  Anhang. 

XLIII.  Promotion  vom  10.  August  1796. 
COMMANDEUR. 

Canlo  DYrles.  Graf  Joseph,  FML. 

KLEINKREUZ. 

Rokavina,  Mathias ,  GM. 

XLIV.  Promotion  vom  7.  September  1796. 
K  L  E I  N  K  K  K  U  Z. 

Weydonfeld.  Carl  von.  Oberst  von  Prems  Inj. 

XLV.  Promotion  vom  18.  September  1796. 
COMMANDEURE. 

Uray,  Gral  Anton.  FML.  und  Ordensritter.  |  Werncek,  Freiherr  Franz,  FML.  und  Ordensritter. 

XLVI.  Promotion  vom  26.  September  1796. 
COMMANDEUR. 

Liechtenstein.  Fürst  Johann.  GM.  und  Ordensritter  (ward  b.  d.  LXVX  Prora.  Großkreuz). 

XLVII.  Promotion  vom  26.  October  1796. 
KLEINKREUZ. 

Sachter,  Johann,  Oberst  im  Generalstabo. 

XLVIII.  Promotion  vom  30.  Jänner  1797. 
KLEINKREUZE. 

outen  und  Naseau-Dict z.  Priuz  Friedrich  Wil-   I   Zopi)    Johann,  GM. 

heim  Georg,  GM.  |   Muuk.te«y,  Joseph  von.  Hauptmann  von  SzUray-tuf. 

XLIX.  Promotion  vom  15.  April  1797. 
COMMANDEUR. 

Gontroenl,  Graf  Carl.  GM.  und  Ordensritter. 

L.  Promotion  vom  18.  April  1797. 
KLEINKREUZ. 

(Hin,  Freiherr  Josnph,  Oberst  vom  Wenkhcim-Inf.-RvK. 

Digitized  by  Google 


Promotionen  1.  bi«  <;LXX. 

LI.  Promotion  vom  29.  April  1?  1*7. 
C  UMMANDEU  R  E. 

HM/*,  Ch.  v.  Friedrich,  FML.  und  Ordi-nsrittt-r.  I   üadik.  Graf  Carl.  FML.  »lud  Urdeiisritler. 

KT.  EINKREUZ. 

Huhniizollern-Hi  chingen.  Graf  Frani  Xaver,  GM.  (ward  I80U  Com  ni  u  nd  o  u  r). 

LH.  Promotion  vom  15.  Mai  17!*7. 
COMMANÜEUR. 

Kulowral-Krukowiky,  Graf  Johann  Curl  F.MI, 

LIII.  Promotion  vom  8.  Juli  171*7. 
K  L  K  I  N  K  R  K  U  Z. 

London.  Freiherr  Alexander.  GM 

LIV.  Promotion  vom  h.  April  W.»'.* 
KLE1NKHEÜZ. 

J-  Ilachicli.  Franz  von,  GM 

LV.  Promotion  vorn  7.  April  1  7V»«-* 
KLEIXK  HEUZ. 

latt  ermann,  Freiherr  <hri»t<i|ih  GM 


LVI.  Promotion  vom  17  April  1 71*0. 


K  L  E  I  N  K  R  E  U  /.  E. 

■m>  imiiriva,  V.inpiis  llimnihal . "  )l"  ist  von  l,..bkowllz-    ]    Huinwaldt  Adrian 
Drap. 


Joa«idi,  Major  von  W 


LVII.  Promotion  vom  15.  Ma.  17«*«.* 


M. ■las.  Mirhaid  von.  GdG. 


CO  MM  AND  KUR  K. 

I    Gluslol    r.  Marquih  Joh  GhIhioJ.  GM 

KLE1NKREUZ. 

K.i  .jaontli.  Viiicniu  von,  Oberst  n.u  Lrili oriop  Joriuh-Husareii 
Mjlilan-chor  Maria  Thert>*ioii-Orden,  33 


514  .Militärischer  Moria  Thcresien-Ürden,"  —  Anhang. 

LVIII.  Promotion  vom  13.  October  1709. 

COMMANDEÜll. 
Ott  von  Batork« z.  Carl  Peter,  FML.  und  Ordensritter. 

KLEIN  KREUZE. 

Zach.  Anlnn  von.  UM.  ]  Gillat.  Antoo.  Major  im  1.  Artillerie  R**- 

Olivier  de  la  'frobia,  Ludw.,  Major  von  Clerfayi-Jnf.  | 

LIX.  Promotion  rora  14.  October  1799. 
K  L  E  I  N  K  H  E  U  Z. 

Salm.  Rhoiograf  Carl  Augttal  von.  Reich»-General-l,ietiU'nant 

LX.  Promotion  vom  21.  November  1799. 
K  L  E  1  N  K  H  E  U  Z  E. 

Hohenlohe  - 1  n  p  r  1  f  i  ti     n .  F0r»t  Friedrich  Carl.  FML.  |  Ktcs,  Bernhard  von.  Major  von  Kaiaer-Drag. 

LXI.  Promotion  vom  15.  Deccmber  1799. 
KLEIN  KREUZE. 

Hanno,  Jo»«ph  von.  Ohcrsl  im  Ingen, -Corps.  |  Reisner,  Anton.  Oberst  dea  5.  Artillerio-R«»-  (war« 

1813  Co  mm  and  cur). 

LXII.  Promotion  vom  31.  Decen.ber  1799. 
fiROSZKREUZE. 

r.nnatantin  Paulo«  itach,  UrutfOrat  von  Rusalaud.  j  Suworow-Hyinnik*k  i  .GrafAIciander.FOrat  Italiek». 

russischer  Generalissimus. 

COMMANDEUR. 

ßagratinn.  Forst  Peter,  russischer  Genoral-Lieuteuant. 


KLEINE 

Gortschakow.  FOrst  Aldi;-,  nigrischer  Geiiernl-I.ieu- 
t<  nant. 

Gf>rlj>rhaKiiw,    F0r»l  Andren-.    rU"iHclur  General- 
Major. 

Sil  »  «. r  o  »  ■  H  j  in  n  i  k  s  k  i .  (irn(.  Fflr-t  ltali?ki,  rn»^i«.  Iii  r 
Ueiipral-Miijnr.   Giriieral-Adjnlant   St.    kai«.  Maje- 

«tat. 


R  E  U  Z  E. 

kuscluuküW,  von,  Obcrs-t  und  Adjutant  des  GeneraJis- 
sirau*. 

Roi.rn.  Frh.  Gregor.  M.»j»r  und  Adjutant  de-  «ienara- 
1  ia  -  ■  in  ti  - . 

SUwrakow.    Mm,    Stal^-Gupilain  und  Adjutant  de» 

i;.'i>emlifMtou». 
R  «  m  a  n  Grif.  Major  n.  Adjutant  des  Generalissimus. 


LXIII.  Promotion  vom  11.  Octolur  1800. 
COM  MANUEL' R. 

Gy  ulai ,  (.raf  I^naf.  GM.  und  Ordensritter. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  1.  bis  CLXX. 


515 


LXIV.  Promotion  vom  7.  November  1800. 
K  L  E I N  K  H  E  U  Z  K. 


Aylelt,  William.  Oberst  -  Lieutenant  im  kAnigl.  grott- 

l.ntann.  15.  Chevain-lepcrs-Rog. 
Poch  ling  ton.  Rodert.  Major  im  kAnigl.  grollhritann. 

15.  Chevaux-Iegers-Reg. 
lty.in.   tdward.  Major    im  königl.  groabritannisclien 

15.  Chovaux-legurs-Reg. 
Galcraft.  Granl.y,   Major    im    königl.  gntbritaaD. 

15.  Chevaux-legers-fUg 


Klar,    William,    Major   im    könig'.  groBbriUnmschca 

15.  Chevaux-Iegcrs-Reg. 
Butler.  Edward.   Major  im  königl.  groSbriUnnischcn 

15.  Chcviuu-legers-Reg, 
Wilsou.  Rol»rt,  Sir,  Major  im  königl.  gioßbritannMChon 

15.  Chevaux-iegers-Hg.  (ward  I Hl*  C  o  m  m a  n  d  o  u  n 
Blount.  Charles.  Capitain  im  königl.  großbritannisihen 

15.  Chevaux-lefera  Heg. 


LXV.  Promotion  vom  6.  Decembcr  1800. 
KLEIN  KREUZ. 

Jünger,  Vincent. Rittmeister  von  Veesey-Hu». 


LXVI.  Promotion  vom  1 1.  Juli  1801. 
GROSZKHEUZ. 

Liechtenstein,  FOrst  Johajui.  FML.  und  Ordern» 


nOMMANDEl'R  K. 


Kolowr  at-l.ieh  stoinsky.  Graf  Vincen*.  FML.  und 
Ordensritier. 

De  Vau*.  Freiherr  Thiery,  CM.  im  Ingen  -Corps  und 
Ordensritter. 


Szereday.  Freiherr  Anton.  GM.  im  Ingen. -Corp» 

Ordensritter. 
Orsini   und  Holenberg,    Kur.-.t    Fran*.  FML 

Ordensritter 


K  L  E  I  N  K  R  E  U  Z  E. 


.Hchmiedl,  Joseph  von,  Oberst-l.t«utteoanl  von  Neu- 
gebauer-lnf. 

Hranaky,  Johann  v<.n.  Hauptmann  von  SzUray-Inf. 
M.iuroy  von  Morville.  Franz,  Obcrst-Liauteuant  von 

Gcmmingen-Inf.  | ward  1811  Commandeur'. 
Domokos.  Frh.  Joseph,  Rittmeister  von  McrveMt-lhl. 
Vecaey,  Peter  von,  Oberst-Lieutenant  von  Liechtcn- 

stein-Hus. 

S/enlkeres/ti,    Freiherr    .Sigmund.  Feldmarsehall- 

Lientenant. 
Wolf  de  Lamarselle,  Ludwig.  GM. 
Salamon,    Michael  von,    Rittmeister  von  Kavanagh- 

KOr. 

Scharfenberg  ,    Graf  Friedrich,    Hauptmann  von 
Reisky-lnf. 

Drechscl,  Frh,  Anton.  Oberst -Lieutenant  von  Er/h. 
Carl-Inf. 

l'laehl.  Anton  von,  Oborlieutenant  von  Kin-ky  Drag 


Fasching.  Johann  von,  Hauptmann  vom  1.  Artillerie- 
Reg. 

Loy,    Mathias  von.  Riltmei.-lor  von  Krrh.  Johann-Dra- 
goner. 

Prochaska,   Joseph  von".  Oberst  von  ttl.itikriislein- 


Lnti.  Peter  von,  Oberst  im  Generalstab 
Mayer  von  Heidensfeld.  Anton.  Oberst  im  General 
Stabe. 

Levachich,  Joseph  von.  pens.  Oberst 
Wolfskeel.  Frh.  Christian.  GM. 
Revay,  Frh.  Anton.  GM. 

Mnrberth,  Johann  von.  Oberst-Lieutenant  von  Szekler- 
Hus. 

Köky.  Sigismund,  Rittmeialer von  ■tetiroa-Hn 
Rairaoudi,  I.oreni,  prns.  Oberst-Lienlenant. 
Gr  äff,  Johann  von.  Hauptmann  bei  den  Tiroler  Landes 
-chOUen 

33' 


by  Google 


.Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  —  Aiihanp. 


I'o d z t r e !io wsk y  \nn  Millenburg,  Franz,  GM. 

Oberdorf,  Ernst,  Major  von  Gcmmingen-Inf. 

Mier.  Graf  Adam.  Oberst  Lieutenant  bei  Erzh.  Carl- 

DU. 

Tegelthoff.  Josoph  von,  Oberst  Lit-iiU-naut  vou  Oliv. 
Wallislnf. 

Du  Corron.  Nikolaus  von.  Major  im  Ingenieur- 
Corps. 

/.  a  t  u  r  e  1 1 1 ;  y ,  Ladislaus  vuu  ,  Rittmeister  von  El  dndy 
Hu». 

Trauttenberg,  Frh.  Leopold,  Oborst  von  Auersperg 
Inf. 

Schuster,  Joseph  von,  Rittmeister  von  Enh.  Joliauii 
Drf.p. 

Fcdak,  Michael  von,  Oberst  und  Commundaut  zu  Carls 
bürg. 

Neipperg.  üruf  Adam.  Major  bei  Ott  Husaren  (ward 
1815  Commundeur). 

O  IU-illy.  Graf  Andreas,  FML.  (ward  b.  d.  LXX1.  l'rom. 
Comniandeur). 

Diese h.  Graf  Johann  Sigismund,  FML. 

Fichtl,  Franz  von,  Rittmeister  von  Erzh.  Ferdinand- 
Drag. 

l'aar,  Graf  Johann  Carl.  Oberst  von  Luttermann  Inf. 
Montfleiiry,    Ludwig  von.  Oborliriitenant  von  De 
Ligne-Inf. 

Pestiaux,  Johann  von,  Hauptmann  von  De  Lignc-Inf. 
Ouosdanovich,  Carl  von,  Major  im  Pioiinier-Corp» 

(ward  1814  Comniandeur). 
G  ii  v  e  n  d  »  ,  Mainaus,  Rittmeister  vou  Ott  Um. 
Hcrtrlendi,  Gabriel  von,  Oberst  von  l'alatinal-Hus. 
Rohan.  Prini  Carl,  GM. 
I.ippa,  Guido  Ferdinand,  GM. 
Nimptsch,  Graf  Joseph,  (»M. 

Schimpf,  Friedrich  von ,  Major  \oni  i.  Artillerte-Rug. 
lUdet/ky,  r.i  .f  Joseph.  Uberst  bei  Herzog  Albert- 

Kßtassieren  (ward  ISOD  Commandcur). 
Rnkovsky,  Martin  von.  Major  von  Erzherzog  Joseph 

Hu-, 

Dogenfeld  <  Sclmnburg  ,  Graf  Friedrich,  Oberst- 
I  ieiltenant  von  Kai-er  Drag. 


Fulda,  Wilhelm  von,  Oberst-Lieutenant  von  Enlody 
Hu«. 

De  Best,  Albert  Johann.  Oberst  bei  Kaiser-Dragonern. 
Gordon,  Anton.  Oberlicutunaut  von  Enh.  Johaun- 
Drug. 

LQtzow,  Frh.  Friedrich,  Rittmeister  von  Nauendorf! 
Hu«. 

Scheibler,  Frh.  Carl,  Rittmeister  von  Merveldt-t'hl. 
Fisson  du  Moutet,    Frh.  Joseph,  Hauptmann  von 

M-iriansy  Jag. 
De  Baut,  Franz,  Oberst  von  DehVgardc  Inf. 
Mei<ko,  Joseph  von,  Oberst  Lieutenant  bei  Liechten- 

stein-Hu*.  (waid  1 8<)tl  Comm  an  de  ur). 
•irppert,  Meura. 1  von,  Hauptmann  im  Gcneralntabe 
Nu geiil,  GrafLaval,  Major  im  Generalstabe  (ward  1814 

Com  munden  r). 
Andrassy,  Johuuu  von.  Oberst  von  Erzh.  Ferdinand 

Hu«. 

Le  Brom,  Michael  von.  Hauptmaun  von  Teni  Inf. 
Jugenitz,  Anton  von,  Oberlieutenant  von  Splenyi  Im*. 
Papp,  Ludwig  von,  Oberst-Lieutenant  von  Benjuwsky- 
Inf. 

Wartonsieben.  Graf  Ferdinand  .  Major  von  Blanken 

stoin-Hns. 

Se.  kfinigl.  Hoheit.  Erzh.  Ferdinand  D'Este,  FML. 
Liechtenstein,  FOrst  Moritz ,  Oberst  bei  Sehwarzen 

berg-Uhl. 
GrOnne,  Graf  Philipp,  GM. 

Stokart  von  Barnkopf,  Joseph,  Hauptmann  von  Franz 
Kinsky-Inf. 

Cazan   zu  Griossfold,  Frh.   Dominik,   Major  der 

Tiroler  LandesschOtzen. 
Liechtenstein,  Fürst  Aloy*,  Oberst-Lieutenant  von 

Manfredini  Inf.  (ward  1800  Comniandeur). 
Horvath,  Anton  von,  HittmeUte  von  Kaiser  Hus. 
Crossard,  Ludwig  von,  Oberlieutenant  im  General 

stabe. 

Dali  Aglio,  Vincenz  vou,  FML. 

Bussy  de  Miguot,  Graf  Anton,  GM, 

Hundt,    Freiherr   Frauz  ,  Hauptmaun    im  Goncral- 


LXVII.  Promotion  voni  5.  November  1801, 
K  I<  E  l  N  K  H  K  U  Z. 

Lindenau,  Carl  Friedrich  von,  FML. 


LXVIII.  Promotion  vom  30.  April  1802. 
K ;  L  E  I N  K  R  E  U  7.  E. 


Ii  ru    c  Ii -N  •  n  be  m  .  RH  Irr  Franz  ,    Ober-I  I.ii-uteiinnl 
von  Vida-dy-lnf. 


.Maroni    Michael  v..n.  Oberst  Lieutenant  von  Sztaray 
Int. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I.  bis  CLXX. 


517 


Sudan.  Georg,  Hauptmann  von  F.rxb.  Cart-Inf. 
Sardagna.  Simon  Ton,  Rittmeister  von  Lobkowitz- 
Drag. 

Bochard,  Frh.  Johann,  Oberstim  Ingenieur-Corps. 
De  Lopez,  l'hilipp.  Oberst-Lieutenant  im  Ingen.  Corp*. 
Stwrtnik,  Augustin.  Major  im  Bombardier  Corps. 
Bogdan,  Joseph  von.  Major  von  Mcrveldt-Uhl. 
Auersperg.  Graf  Franr  Xaver,  GM. 
Hromada,  Joseph.  Oberlieutenant  bei  Stuart-Inf. 
Häszthory,  Melchior,  Hauptmann  im  Kreuzer  Grenz 
Regiment. 

Toaasnieh.  Franz  von.  Oberst  Lieutenant  im  General 
stabe  (ward  181.!  C  o  m  nu  nd  our). 


Vetler  von  Lilienberg,  Wenzel,  Major  vou  Jordis- 
Inf. 

Csorieh.  Franz.  Hauptmann  von  Erzh.  Ferdinand-Inf. 
Gasser.  Peter  von.  Rittmeister  von  Kaiser  Chevaux 
Ugw 

Simonyi.  Joseph  von,  Oberlieutenant  vou  Blankenstein 
Hua. 

Henne<iuin  De  Frenel,  Graf  Johann.  GM. 
Banniza.  Franz  von,  Hauptmann  von  Freiich- Inf. 
Lnszonsky,  Frh.  Franz.  Rittmeister  von  Kienmayer 
Hus. 

Seheither,  Frh.  Heinrich  Georg.  Major  bei  Lobkowit/ 
Chevaux-Iegers  (ward  1813  Co  mm  an  den  r). 


LXIX.  Promotion  vom  6.  November  1 805. 
COMMANDEUR. 

Bellegarde.  Graf  Heinrich.  GdC.  und  Ordensritter. 

LXX.  Promotion  vom  22.  Jänner  1806. 
G  R  0  S  Z  K  U  E  U  Z. 

GolonitschefT-Kutuao»  ,  Michael  v..u.  kai»erl.  russ.  General  der  Infanterie. 


COMMANDEUR. 

Se.  kais.  Hoheit  Erzherzog  J o h an n  Baptist.  GdC  (ward  I80B  Grottkreuz). 

KLEIN  KREUZE. 

Moh  ,  ffh.  Johann  Friedrich.  Oberst  von  He-<Bun-Hoiii-   :   Tio  s  e  n  h  au  s  e  n,  Graf  Nikolaus.  kai*erl,  ms».  Capitata 
bürg  Hu «.  und  Flügel-Adjutant. 


LXXI.  Promotion  vom  28.  Mai  1800. 

C  O  M  M  A  N  DE  Uli  I.. 

Schwarzenberg,  FOrst  Curl.  FML.  und  Ordensritter,  j  Vincent.  Frh.  Carl,  GM.  und  Ordensritter. 
O  '  R  eilly  ,  Graf  Andreas,  FML.  und  Ordensritter. 


KLEINERE  UZE. 


Roussol,  Kran/.  \         Oberst-Lieutenant  bei  Latour- 

Chevaiix-Iegers  iward  I80S»  C  o  m  m  a  n  de  u  r). 

Civalart,  Graf  Curl.  Ob«-rst  von  Roseuberg-Chevaux- 
Ieg.T». 

tjiick.  Jakob  von,  Rittmeister  bei  Rosenberg-Chevaux- 
leger». 

Tettenborn,  Freiherr  Carl,  Rittmeister  bei  Klenau- 

Chevaux-legers. 
Sloyrer.  Carl,  Oberst  -  Lieutenant  bei  Erzh.  Curl- 


Leitung,  a  zu  Westerburg,  Graf  August,  " 

Erzh.  Rainer-Inf. 
S  i  ra  Ii  s  c  Ii  e  n  ,  Frh.  Joseph  Anton.  FML. 
H  a  r  d  e  g  g  .  Graf  Autou,  Oberst  bei  LeveOMU 
Xovak.  Joseph,  Major  von  AuffeuLerg  Inf. 
Collorcdo  -  M  annsf  e  Id.  Graf  H  •  r  mymiis. 

1 S09  C  o  m  m  a  n  d  e  u  r). 
N  o  r  d  ra  a  n  n .  Armand  \  on.  GM. 
Hilmer,  Joseph.  Rittmeister  von  Hohe 

leger*. 


lenzolleru-G 

A 


„Militärischer  Maria  Theresien-Orden." 


-  Anhang. 


V»esoy  deHamaeskeo,  Freih.  August.  Oberst-Lieu- 
tenant von  Hesnen-Huinburir-Hus. 

Swinburne.  Robert,  Ober»t-Lieutouanl  von  £rzh. 
Ludwig-Inf. 

ßt'fiin,  Carl  von.  Ritttneititir  von  Krzb.  Ferdin.ind-Hu*. 
Montluisanl,    Chev.    Joliunn,    Oberlieutenant  bei 
Düutkchm«i«tnr-Iuf. 


K  a  k  o  n  y  i ,  Franz.  Rittmeister  von  Ott-Hus. 

H  oh  an  .  I'rinz,  Ludwig  Victor,  GM. 

Del  Rio,  Joseph,  Hauptmann  von  Duka-Inf. 

Wimpffen.  Froih.  Max,  Oberst  von  (lyulai-Inr.  wart 

180Ö  Commandeor), 
Fnrenberger,  Wenzel,  Major  im  Bonibardii-r-Corp». 
Zocehi,  Johann.  Hauptmann  vom  1.  Artillerie -R«-* 


LXXII.  Promotion  vom  1.  März  1808 
COMMANDEUR. 

Meesery,  Freiherr  Daniel.  GM.  und  Ordensritter. 


KLEINKREUZE. 

to«cu.  Franz  von.  ÜMl.  vom  Tiroler  Ja*er- Reg.  Mengen.  Freiherr  Wilhelm ,  Rittmemter  von  Merv-Idt- 

Karove,  Luilinlaui«  von,  Capitän-I.ieut,  von  SpWnyi-lot.  l'hl. 

My  Ii  us  .  Freiherr  Friedrich,  Oberlieutenant  von  F.rzh.       Schneider,    Carl    von.   Major    vom   Tiroler  Jkret 
Carl-lnf.  Reg. 


LXXIII.  bis  LXXXVII.  Promotion  in  den  Jahren  1809-1810-1811. 

Von  uai  hfolgeuden  15  Promotionen  wurden  im  Jahre  1809  wahrend  des  Krieges 
ü  unmittelbar  durch  Allerhöchste  Handbilicte  (Armeebefehle!  Seiner  Majestät  des  G  roß- 
meist  er*  und  7  durch  Verleihungen  des  hie/.u  mit  unbeschränkter  Vollmacht  ausge- 
statteten Generalissimus  Erzherzog  Carl  vollzogen:  außerdem  erfolgten  i  nach  sLututen- 
niat%  abgehaltenen  O  rd  v  ti  s  -  <:  a  pi  U 1  n  m  deu  Jahren  1S10  und  1811.  Es  bilden  jedoch 
die  aus  diesen  Klimmt  liehen  l.">  Promotionen  hervorgegangenen  Ordensmilglieder  einen 
einheitlichen  Rang-Status  aus  dem  Kriege  von  1809. 

GROSZKREUZ. 

Se.  kais.  Hoheit  Erzherzog  Johann  Baptist,  GdC.  und  Ordeu»-Commaudeur. 


COMMANDLURE. 


Hohenrollern-Iiechingen,  FOrst 

Frani  Sav.,  GdC. 
1.  i  e  c  h  t  e  n  -i  t  e  i  n  ,  FQr.-t  Aloy...  G  M . 
Hilter.  Freiherr  Johann,  FZM. 
Hailnt/.ky,  Graf  Joseph,  FML.  iwardb.d. 

CXI, IV.  l*i um.  Crotikrenzk 
F  r  i  in  o  u  1 .  Fr.  lh-rr  Johann,  FMI.. 
Collore  do- Mann«  f»  Iii.   (iraf  Uo-rou., 

FML. 


1 


Ord.n«. 
rilt-r. 


Smola,  Joseph  von.  Oberst  im  Bombard.- 
Corps. 

Wiiupffan.  Freiherr  Max,  GM. 
Rondel,  Chev.  Frau».  GM. 
Mesko    du   Fels  ö  -  Ku  1.  i  n  y  i ,  Freiherr 

Joseph.  GM. 
Kionraoyer,  Freiherr  Michael,  GdC. 
Ha-degg,  Graflgnaz,  GM. 
Kl  enau,  Graf  Johann.  FMI.. 


Ordens- 
ritter. 


K  L  E  I  X  K  R  E  U  Z  E. 


Wintzingerode,  Freiherr  Fe  r  dm  and.  FMI.. 
Stfffanini  d-  Monte  Ano  n  e  .  Joseph.  Oberst  und 
Conmaudant  .Ii  s  7.  Jager -Rataillou*. 


V  o  1  k  m  a  u  u  ,  Anton  von.  Ober«!  von  Joh.  Jellachicb-Inf. 
Favergn,   Graf  H.iurirh.  Hauptmann  bei  Krzherzuf 
Franz  Carl-lnf. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I.  bis  CLXX. 


519 


Teimcr.  Martin.  Major  dir  Tiroler  Landesschotzen. 
Men  »dar  ff,   Graf  Eraanuel ,  Oberst-Lieutenant  ron 
Merveldt-Uhl. 

Hol  Di  «eh,  Ignaz  von.  Oberst-Lieutenant  im  Geoeral- 


Mirljn,  Chev.  Mm,  Rittmeister  bei  Hohcnzollern- 

Chevaux-Icgers. 
Csivich  von  Rohr,  Ignaz  Oberst  de«  Oguliner  Grenz- 

Reg. 

0»t,  Joseph.  Hauptmann  von  St.  Julien-lnf. 
La  kos.  J«h.  Bap».,  Hauptmann  im  GeneraUtabe. 
Wal  per.  Mathias,  l'nterlieulenant  im  Bomb. -Corp«. 
Bogst«.  Johann  von,  Hauptmann  von  Siiubscheii-Ini. 
B  e  r  «  i  n  a  von  S  i  e  ge  n  t  h  al .  Heinrich.  GM. 
Leiningen,  Graf  Christian.  Oberst  von  Hnhenlohe-Irif. 
Sachsen  -  Co I.  u  rg.  Prinz  Ferd..  Oberst  von  Erzherzog- 

Ferdinand-HuN.  iward  1813  Co m m a nd e u n. 
Cöldlin  von  Tieffenau.  Frh.  Carl.  Ohersl-Lieut.  de« 

9.  Jag  T-Hataillnn«. 
Kr. Iniann  von  Kappler,  Garl,  Oberst  -  Lieutenant  m 

CcneiaUIal  e. 
B  ak  on  y  i,  Emench  von.  Oberst  von  Duka-Inf. 
U  E  * <\  ii  i  1 1  -  s,  Marqu»  Joseph,  Hauptmann  von  Lusiguan 

Inf. 

Fasln  er,  Georg.  Obrrlieutonant  von  Klebcck-Inf. 
D'Andrais.    Graf  Julius,    Hauptmann  im  Ingenieur- 
Corp». 

Lenk   von    Wolfsberg,   Jakob,    Oberlieulenalit  im 

V  Artilleric-Heg. 
Rossel  von  Ehrenfeld,  Joseph,  Oberlieulenalit  im 

I.ikkaner  Grenz  Reg. 
S  t  ein  d  I .  Carl  von,  Lieutenant  von  Schwarzenberg-Till. 
Latour,  Graf  Janus.  Hauptmann  im  GeneraUtabe . 
Paumgartten,    Johann  von.  Oberst-Lieutenant  nnd 

Corps-Adjutant. 
Sigler.  Ileinrirli  von,  Hauptmann  von  WOr/burg-lnf. 
Klopstein,    Clinv.  Joseph   (al.  Anton),    Oberst  von 

Deutsehmeister-Inl. 
Geramb.Frh.  Leopold,  Ober«)  von  Erzherzog  Joseph- 

Hu. 

«:b  i  in  a  ni  tun  Manusberg,  Anton.  Major  von  Smib- 
sthen-luf. 

Itartholeiny,  Peter,  Hauptmann  bei  Alvintz) -Inf. 
Veyder  von  .Malberg.   Frh.  Carl,  Obcrst-Lieut.  bei 

Erzherzog  Carl  Inf. 
O'Hrien  .  Frh.  Johann,  Oberst-Lieutenant  von  Kerpen- 

Inf. 

G  soll  ich,  Frh.  Martin.  Oberstim  Generalstabe. 
Fleischer     von     Eichenkrauz.    Frh.  Ferdinand. 

Ohrr»t-l.ieutenarit  im  GeneraUtabe. 
Hack  her  zu  Hart.  Franz.  Major  im  lugen. -Corps. 
Koller,  Franz  ton.  CM 


Frelieh.  Fih.  Franz.  GM. 

Gollner.  Alnyv  Oberst  im  GeneraUtabe. 

Magdeburg.  Frh.  Friedrieh.  Hauptmann  im  Ceneral- 


Bnresch  von  G  r e i  f  f e  nb ac  Ii .  Wenzel.  PUL. 
Wacquanl  »on  Geozelles,  Theodor.  FML. 
Wied- Runkel,  Prinz  Friedrich  Ludwig.  GM. 
Andra-s}  ,  David  von.  Oberst  von  Froon-Inf. 
FBI  sei«,    Joseph  von,   Oberst  von    Erzherzog  Carl- 
Inf. 

Meesery,    Frh.    Job.    Carl.     Oberst     von    Frei  ich 
Inf. 

Fasching,  Carl  von.  Oberst  de«  *.  Artillerie- 
Reg. 

Seovaud.  Heinrich".  Oberst  Lieutenant    von  Haillet- 

Merlemont  Inf. 
Wieland.  Georg  von ,  Oberst  Lieutenant  von  Blanken- 

stein  Hus. 

Renss  Kostritr.  Forst  Heinrich  L\IV\,  Major  und 
Flügel  Adjutant. 

K  i  n  ■  k  >  .  Fdrsl  Ferdinand.  Major  bei  .ler  Landwehr. 

Murmann,  Frh.  Georg.  Major  hei  der  Land  wahr. 

Poruhsky.  David.  Major  von  Hieron.  Colloredo-Iuf. 

Vernholz.  Stephan  (a).  Cri-toph).  Hauptmann  bei  Erz- 
herzog Hainer  Inf. 

Bienefeld.  Wilhelm.  Hauptmann  von  Kolowrat  Inf. 

Dietrich  von  Htrm.i  Husberg.  Ernanuel.  Hauptmann 
im  I.  Artilleric-Reg. 

Moriz.  Johann.  Oberlieulenant  im  Bomb. -Corps. 

Christ  .  Josppli,  Oberiieutenam  im  M.  Artillnric-Reg. 

Khrnatain,  Joseph  von,  Oberlieuteiianl  im  Geueral- 
sUbe. 

Hümmel,  Ludwig.  OberMt-Lieutenaul  beim  Cordon. 
Bianchi.  Friedrich  von,  FML.  iward  IM3  Co  in  m  a  n- 
deur). 

Haas  von  Martvny,   Stephan.  Hauptmann  vo 

Jellacliich-Inf. 
Wielow  ieyski.  Ladislaus.  Lieutenant  im  2.  Art 

Reg. 

Szily  von  Nagy  Sa  iget.  Anton,  Major  in  der 

risihen  Insiirreclion. 
Schmelzern  v<oi  V  i  ld  in  a  Ii  aeg  g  ,  Johann.  GM 
Galterburg,  Graf  Joseph.  Major  von  Kaiser-H 
Kinaky  .  (iraf  Christian,  Major  im  GeneraUtabe 
Voilh,  Frh.  Wenzel.  Major  im  GeneraUtabe. 
Ulgyay,  Balthasar  von,  Rillniei-ter  m  der  ung 

lnturreetiou. 
t-t.  rhaty,    Graf  Job.  Xep.  .   Oberst   in  4« 

rischen  liwurrrction. 
Maroevich,    Johann,    Hauptmann     des  Wi 

Kreuzer  Greuz-Heg. 

Hessen-  Ii  o  in  b  u  r  g .  Prinz  Philipp.  GM, 

» 


•t.lUrie-^-J  pp^^ 
•r  ung*J| 

ii 


am 

... 


ized  by  Google 


„Milit.1ri*cher  Marin  Thcrcien-Orden.*'   -  Anhang 


520 

Bentheim-Steinfurt.  Graf  Friedrich  (kl.  Wilhelm). 

Oberst  von  Vog«lsang-Inf. 
Maurich,  Franz  von,  Hauptmann  im  Generalstub«. 
l*it  t  mayer ,  Mathias,  Oherlieutcuant  bei  Argcnteau- 

Inf. 

Wal  I  m  ii .1  o  n  - G  i in bor  n .  Graf  Ludwig.  FML 
S tut ter heim  .  Freiherr  Carl.  GM. 
Mayer,  Joseph,  GM. 

Flachcufcld.  Carl  von.  Oberst  von  Liechtenstein  - 
KQr. 

Rousseau  (»1.  Rurs o).  Joseph  von ,  Oberst  in  der  Arüll . 
Portner,  Frh.  Leopold.  Obsr*l-L»«ul#n anl  von  Batla- 
garde-lnf. 

Ilaberoin,  Franz  von.    Hauptmann   von  Kolowr.it- 
lnf. 

Kurz,   Laurenz.   Hauptmann   von  Hieron.  Colloredo- 
Inf. 


Mariadsy  von  Marentfalva.  Andreas,  GM. 
Senitzcr,  l'aul  von,  Oberst  von  Beujowsky -Inf. 
Gries«.  Franz.  Major  von  Stras-i,|do-Inf- 
Ruober  von  Rueb-rsburg,  Heinrich.  H-itiptiuanr 

bei  den  Jägern. 
Nedotzky,  Anton  von,  Rittmeister  bei  Blankenstein 

Hu.. 

Rouss  -  Plauen.  Forst  Heinrich  XV..  FZM. 
Kleboliborg,  Graf  Johann.  GM. 

Hardegg,  Graf  Heinrich.  Oberst  von  Erzbcr/njc  Carl- 
I  hl. 

Sali».  Graf  Rudolph.  Oberst-Lieutenant  der  Land wejn 
Rosiner,  Johann  v<  n .  Oherst-I.ieuten.ini  im  fleneraJ- 
stabe. 

Altraann.  Joseph.  Oberlieuten.mt  von  Hohon/.olli'rn- 

Chevaux-leger*. 
Hrabovsky.  Johann  von.  Major  im  GeneraULabc. 


LXXXVIII.  bis  CXLIV.  Promotion  in  den  Jahren  1813  bis  1816. 

Voll  nachfolgenden  57  lVi»ui"!  innen  wurden  wahrend  der  Kriege  von  181:!.  daun  voii 
18 13,  IS  14  und  1815  54  durch  Ulerhöchslr  Haudsfhreibou  Seiuer  Majestät  des  ü  roß- 
meisters  vollzogen:  außerdem  fanden  :(  nach  statutenmäßig  abgehalten««  Urdm- 
Uapilchi  stall.  Die  aus  diesen  s.iniiuUichei)  57  Promotionen  hcrvorgi-^.m^'-iii  ii  Dnleiis- 
Mitglieder  hildeu  Wiedel  einen  einheitlichen  Rang  Status  aus  deu  Kriegen  1812, 
1819,  1814  und  1815. 


<}  R  ü  S  Z  K  R  K  U  Z  E. 


Kronprinz    von  Schweden    <B  e  i  n  a  d  <>  1 1 o .  nachmals 

König  Carl  Johann  XIV.). 
Schwarzenberg.  Fllrsl  Carl.  FM.  und  Ordens-Com- 

maudeur. 


BlOcher,  Gebhard  Lebrecht  von.  kon.  premsisiliet 
F.M.  und  Ordens-Commandeur  (s.  Comruandeure». 

Wellington.  Marq.  Arthur,  kön.  engl.  FM. 

York.  Herzog  Friedrich  .  Prinz  von  Großbritannien, 
englischer,  auch  k-  k.  FM. 


COM MAN 

Neippcrg,  Graf  Adam.  FML.  un'l  Ordensritter. 
.Sachsen  -Coburg,  Prinz  Fer  linand.  (iM  un'l  Ordens- 
ritter. 

Os  t  o  rmann -Toi  s  to  y  .  Graf  Alexander  ,  kais.  russi- 
scher GL. 

Barclay  de  T«lly,  tiraf.  kais.  ru>s.  Generalen  Chef. 

Bin  eher.  Gebhard  Lebrecht  von,  kon.  preußischer 
General  der  Cavalleue  (ward  bald  nachher  Groß- 
kreuz; s.  Großkrouze). 

Nugent,  Graf  l.aval.  GM.  und  Ordensritter 

S^heilher,  Frh.  Heinrich  Georg,  Gen. -Major  und 
Or<len«ntter. 

Hessen-Homburg  ,  F.rhprin/  Friedrich.  GdC.  und 
l  Irdeusrilter. 

Bianrhi,  Freiherr  Friedrich.  FML.  und  Ordensritter 
N...lilz.  Graf  Johann.  FML 


DEURE. 

Reisner,  Freiherr  Anton.  FML.  und  Ordensritter. 

Wittgenstein.  Graf  Ludwig,  kais.  russischer  General 
i  D  Chef  und  Ordensritter  (s.  Kleinkreuze). 

Bennigsen.  Graf,  kais.  russ.  GdC. 

Gnciseuau.  Graf  August,  kon.  preußischer  GL. 

Kleist,   Graf  Friedrich,    kon.  preußischer  GL-  und 
Ordensritter  is.  Kleinkreuze). 

Wrede,  Frh.  Carl  Philipp,  kon.  bayerischer  Genera 
der  Cavallene. 

Ti.m.msich,  Freiherr  Franz,  GM.  und  Ordensritter. 

Wilson,  Sir  Robert,  englischer  General  und  Ordens- 
ritter. 

Freeuiautle,  Sir  Thomas,  kon.  engl.  Admiral. 

W  0  r  t  te  in  b  e  rg  ,     Kronprinz    von    (nachmals  König 

Wilh.lmH,  —  Ordensritter  (s.  Kleinkreuze). 
Sacken,  Freiherr,  kais:  ru~«.  GL. 


Promotionen  I.  bis  CLXX. 


521 


York,  Graf  Haus  David  Ludwig  von,  kön.  preuO.  (iL. 
.M  n  ii  roy  de  M  er  v  i  II»',  Frll.Fr.in/.  FML  und  Ordensritter, 
n  <i<.  s.l  an>>  v  ic  h  .  Carl  von,  UM.  im«)  Ordensritter. 
Mil.radowitsch.  von,  kai».  russischer  Ol.. 
PrcuÜtn,  Prinz  Wilhelm  von.  Ordensritter  (s.  Klem- 
V  reute). 

HO  low.  Frh.,  kön.  preußischer  (ii, 


Adlerkreutz.  Graf,  kön,  schwedischer  GL. 

Uranien,  l'riu/.  von  (nachmals  König  Wilhelm  II, 
der  Niederlande). 

Anglesea.  Mariinis.  kön.  englUcher  GL. 

Hill.  SirRowland.  kön.  englischer  (iL. 

Tauentxieu  von  W  i  1 1  o  ti  b  e  r  g,  firaf.  kirn,  preußi- 
scher GL. 


KLEINKREUZE. 


Wittgenstein.  Graf  Ludwig,  kais.  russischer  GdO. 

(ward  bald  darauf  Cn  m  m  a  u  d  e  u  r.  s.  oben). 
Pirquet  ,  Peter  von.  Capitan-I.ieulenanl  im*.  Jag.r- 

Butaillou. 

Pauüuy ,  Michii.'l  von.  Major  vou  Kais. -Hu». 
Ilessen-Homliurg,  Prinz  Gustav.  Oberst  vr.u  Hessen- 

Homhurg-Hus. 
Baillct  de  Latour,  Graf  Theodur,  Oberst  im  General 

«Uhu. 

Pfistor,  Joseph,  Rittmeister  bei  Riesch-Drag. 
I  rjtliot  von  Crenneville.  Graf  Carl.  FML. 
Laudenau.  Ferdinand  von,  GM. 

Feld  eng,  Ritter  von  Christoph.  Hauptmann  im  0.  Jitger- 
Kataillon. 

l'liilippi.  Johann,  pens.  Capitaii-Licutetiaiit. 
Moll,  Frh.  Anton.  Hauptmann  im  «.  .IJtger-RaUillou. 
Hi  th.  Joseph  von.  Oberst-Lieutenant  von  Duka-Inf. 
Do  Vaulx,  Chevalier  Carl.  Major  bui  Erzh.  Toscana 

Ura,:. 

Sem«  Majestät  Alex  a  u  d  e  r  I.,  Kaiser  von  Hussland. 
>e  Maj.  Friedrich  Wilhelm  III  ,  König  von  PiciiKen. 
Klei  st,  liraf  Friedlich,  köm^l.  preuft.  GL.  (ward  bald 

darauf  Co  m  m  au  d  e  u  i  ,  s.  oben). 
Württemberg,  Kronprinz  Wilhelm  von.  (ward  bald 

darauf  Coinmandour,  t.  oben). 

Y e r mo  1  off.  von.  i 

>    kais.  niss.  Gencral-Lieuten.iut*. 
K  u  o  r  ri  ti  g  ,  von.  ) 

I.azaric  !i.  Joseph  von.  Ma,"»r,  Kommandant  des  Ut  Hauer 

Landw.  hr  liataitlons. 
Miliitmovich,  Theodor  von.  Oberst  de.-  Grad.  Lauer 

Grenz. -Reg. 
Kehruvich,  Mathias  von,  GM. 

Esterha/y ,  Graf  Vincenz.  Major  von  R  id.  t/ky -Hu». 
Hodiczk  y,  Carl  von.  Hauptmann  im  GcneraUtaho. 
Ii  .".ry  von  J  oh  bahazj.  Joseph.  Rittmeister  bei  Hessen 

Homburg  Hus. 
Kirr»,  Johann  von.  Killmusler  bei  Fl  uiiout-Hus. 
.tetzer.  August  vou.  Oberlieutenaut  im  (ieueraislabe. 
1' HC  Huer,   Anton,  Major  bei  Lothringen -KQras»it<ren 

(wird  b.  d.  (XIII.  Proin.  Com  in  a  n  d  e  u  n. 
l'Utuw,  Graf  von,  kais.  russischer  General  .-n  Chef, 

Ib-lman  der  Kosaken. 


FQll  er  Maximilian.  Unterlieutenant  bei  Erzherzog  Franz 
Carl-Inf. 

F  e  n  n  e  r  von  Fe  n  n  e  b  o  rg ,  Franz.  FML. 
Huher.  Paul.  Hauptmanu  bei  Erzherzug  Cml-Inf. 
Horn.  Kaspar,  Hauptmann  hei  Erzherzog  Carl  Inf. 
Gallois,  Frauz  von,  Oberst  von  Viuceul-Chevaux-Iegei  s. 
Haugn  itz,  Graf  Eugen,  GM. 
Desfours.  Graf  Franz,  GM. 
Auen  per  g.  Graf  Max,  GM. 

Heesen- Homburg,    f'rmz    Ferdinand,   Oberst  von 

Lothriugen-KQr. 
Slutterheiin,  Franz  von,  Oberst  vou  Hossen-H  

burg-luf. 

Rotsey.  Adam  vou,  Ob.'i  it  von  Hier.  Colloredo-lnf. 

Dressory,  Wilhelm.  Oberst  von  Simbschen-Inf. 

W  i  n  d  i  s  c  h  -  G  r  k  1 1 .  Fürst  Alfrod.  Ob  rst  von  lirottf.  Oou 

stantiu-KOr   ward  h.  d.  CLVII.  l'rom.  (i  r  o  Ii  k  r  e  u  ri . 
C  all.  Carl.  Oberst-Lieutenant  von  Argenteau  Inf. 
Volny,  Johann.  Major  von  Stranch-Iuf. 
Sterubach,  Frh.  Eduard,  Hauptm.  im  2.  Jäger-Rat. 
We  i  -  se  ii  wolf,  Graf  .Vilolan  FML. 
Bubua,  Graf  Ferdinand.  FML. 
Stein,  Emerich,  Oberst  de»  2.  Artillerio-Reg. 
Ho  th  ki  rch,  Frh.  Leonhard,  Oberst  inj  Generals  Übe.  . 
Simbschcn.  Frh.   Joseph,   Oberst   de»  Gradiskanei 

Grenz-Rcg. 

"jlietka,  Maximilian.  Rittmeister  bei  Riesch-Dr.ig. 
Weiss.  Johann.  Oberiieutenanl  bei  Hossen-Homhurg 
Hin. 

W  Q  r  1 1  e  m  Ii  e  r  g.I'rinz  Eugen  von. 

I)  i  e  b  1 1 »  c  Ii ,  Frh.,  I       kais.  russische 

Pa  h  Ion  .  Graf.  (  General-Lieutenant-.. 

Hajew-ky .  mn,  ' 

Pi  euUen,  Prinz  August  von,  kön.  prent.  General. 

Zielen  ,  liraf  von,  .  ,  ,  „.  . 

/  kön.  preußisch. 
KlOcks  (aha,  Glnck-     oder  auch  • 

l  (»euerale. 

K l Q x'i.  von 
(ioltz.Graf  von,  k.'.n.  pr  liKischer  Oberst, 
Eckhardt.  Ludwig,  ti.M. 

Urettschu  eider.  Friedrich  von,  Oberst  von  Fnmoiit 
Hu* 

Schön.  Antun  von.  Hauptmann  im  Getieralstah«. 


Digitized  by  Google 


">2H  ..Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  —  Anhang. 


General-Adjutanten 
des  Kaisers 
von  Russlaud. 


Via» sito.  Franz  von,  GM. 

Ulagoevich.  F.merich.  Major  im  Generalstabe. 
Weis  »,  Bernhard,  Grenadier-Hauptmann  bei  Reisky-lnf. 
Wolkonsky.  Fürst  Polor,  kais. 

russischerGenerul  derCaval- 

lerie, 

Ouvaroff.  von.  kais.  russ.  GL, 
Osaroffsky,  Graf,  kai«.  niss. 
GL. 

Orlow.  Graf  Fedor,  kais.  ras...  \ 
GL. 

Becker:',  Graf,  köni;rl.  bayerischer  GL. 

De  la  Motte,  Frh.,  königl.  bayerischer  GL- 

Pappenheim,  Graf,  königl.  bayerischer  GM. 

Paar  zu  Traut,  Joseph  von,  Obstlt.  bei  Kottulinsky-Inf. 

Preußen,  Prinz  Willn  Im  von.  i  ward,  bald  darauf  Com* 

ma  ndeur,  h.  oben». 
Murrt  ich.  Gideon,  Oberst-Lieutenant  im  Generalstabe. 
W  i  d  m  a  y  c  r ,  Aloy  «.  Oberst  des  Likkniicr  Greuz-Reg. 
Kropfreiter,  Johann.  Lieutenant  1n-i  der  Artillerie. 
Starhctoberg,  Graf  Gundaker,  GM. 
Proehasku,  Adolph.  Oberst  von  Hadeizky-Hu«. 
Cadoga  u.  Georg,  königl.  englischer  See-Copitfln, 
Mass  in  a(ul.  M  e  «  t  e.  n  »).  Juhann,  Oberl.imö.  Hu*. -Reg. 
W  i  1 1  m  a  n  n  .  Joseph,  Major  von  Erzherzog  Franz  Carl-Inf, 
Pflüg  er  von  L  i  n  de  n  f  e  1  *  .  Philipp.  GM. 
Mengen,  Frh.  Carl,  Oberst  von  Schwarzcnberg-l'hl. 
Paar,  Graf.  Joh.  Bapl..  Oberst  und  General- Adjutant. 
St.  F.nnoy,  Desire  von,  .Major  im  :\.  .läger-Bataillon. 
Hoste.  - 

Itovloy.  ,  konigl.  engl.  See-C.ipitane. 

Mores  b  y -  Fairfax,  ) 

S  c  h  ö  Ii  n  e  r  m  a  r  k ,  Carl  Ludwig.  Major  im  Generalslabe. 
•  Voll,  Frh.  Carl,  kais.  russischer  (iL. 

MOfriing,  von,  königl.  preußischer  <iM. 

Prinz  Carl  von  Ray  e r n. 

Stutterheim ,  Joseph  von,  GM. 

Eberl.  Raimund.  Oberst  vnn  St.  Julien-Inl. 

Muy er.  Johann.  Major  im  Grneralstabr. 

Horvath,  Nikolaus,  Rittmeister  bei  Er/h.  Joseph-Mus. 
(rusky,  Jakob.  Oberlieolcnant  im  'i.  Artillcne-Rep. 
Rinder,  Wilhelm.  Hauptmann  \ on  Toscaus-Inf. 
Berg er,  Johann  n,n,  Oberst  von  Wcn/el-Colloredo- Inf. 
Potier,  Chcv.  I.enp.,  Hauptmann  im  (Jeneral-lube. 
(jer'Uckcr,  Wenzel,  Haupliuann  im  0.  Jager- Rat  aillon. 


Franquemont.  Grf., 
Döring,  von. 


k.  wOrtlcmbergisehe  Generale. 


Lederer,  Frh.  Igua*.  FML. 

äzent-iväny,  Carl  von,  Oberst  von  Hessen-Hoiuburg- 
Inf. 

Kelenier.   Stephan  von,  Rittmeister  vou  Erzherzog- 
Joseph  Hus. 


GM. 


Werohardt.  Paul  von.  Oberst  hei  GrolfOrst  Con- 

stanlin-KOr. 
Gall ,  Frh.,  großb»rzoglich  hessischer  GM. 
We  i$  1  von  LOwenwarlli  Joseph.  GM. 
Bourguignon.   Freiherr  von     Bnuinlirrg,  Antun 

Oberst -Lieutenant  von  Lusignan-Inf. 
Zn Horn.  von.  königlich  bayerischer  Divisions-Geueral 
Mecklonburg-Slrelitz,  Prinz  Carl,  königl.  prrii» 

General -Lieutenant. 
Worouzoff,  Graf,  1 
D'Auvray,  Graf.  •  kais.  russische  Ul. 

De  Pre  r ad  n  w i  t  s c h,  Graf.  < 
G  u  r  i  e  w ,  liraf  von,  \ 
T  xcher  nit  scheff,  von, 
Langeron.  Graf, 
Soukhozanett,  von, 
G  aly  ezin  ,  Fürst, 
Kaiserof f.  von. 
Seslavine.  von. 
Roth,  von, 

Wasailtschikow,  von, 
Trubelzkoi,  Fürst, 
Hake,  xon.  j 

Airsnsieben,  von.     '  kön.  preutt.  General. 

Roeder.von,  > 

Block,  von.  königl.  preußischer  Obers». 

Rechberg,  Graf,  konifil.  bayerischer  GM. 

Besserer,  von,  königl.  bayerischer  Mi«j>'r. 

Blake,  königl.  englischer  See-Capitan. 

BlOchor.  Graf.  Friedr.  Gebhard,  köni).'!.  preuB.  Ubers! 

JohnFane,  genannt  ß  u  r  g  h  e  r  s  h  ,  Lord,  {spiller  Graf 

Westmoreland),  königl.  englischer  Oberst. 
Diez,  von,  königl.  bayerischer  GM. 

C  Ii  r  I  a  n  d .  Prinz  Biron  von,  königl.  preußischer  General 
Sachsen-Coburg,   Prinz  Leopold    nachmals  Köuig 

der  Belgien,  kaiserlich  russischer  (Jener  «t-l.ieul. 

nant. 

Liechtenstein.   Fürst  Wenzel,   Oberst  und  FlOgel- 
Adjutant. 

Sipiagin,  von.  kaiserl.  russischer  General-Major. 
Putelnkin,  FQrst,  kaiserlieh  russischer  Gsneral-Lieu 

tenant. 
Bergen  s  l  rill  e  .  Gustav. 
Oller,  Freiherr, 
H  o  s  s  e  n  -  H  o  in  b  u  r  g  .  Prinz  Lu<lwig.  königl.  preußischer 

General-Lieutenant. 
Thum  vonValle  Sassiua,  Graf  Georg.  Hauptmann 

Ii.  Kaiser-J.lgero,  (b.  d.  CLIII.  Prom.  C  oouiuiidcui 
D'Aspre,  Frh.  Constantin,  Major  im  S.  Jlger-Batailloti 

iward  b.  d.  CLIII.  Prom.  Co  m  tn  a  n  deu  r). 
Weldeu,  Frh.  Ludwig,  Oberst  im  Generalslabe  iward 

b.  d.  CLL  Prom.  Co  in  m  a  n  d  e  0  r) 


lav.  1 

\  königl.  ? 


sehwed.  Oberste. 


Digitized  by  Google 


Pmmotionen  I.  bis  t;LXX. 


Hessen-Darmstadt,  Prinz  Emil. 
Pit  tel.  Christoph,  Hauptmann  im  Ingun.-Curp*. 
Wetzlar.  Ki Ii.  Ignui. Oberlieutenant  t"  i  Fonncr-Jagerii. 
Schaff  er,   von.   (frolM.erzoglirh   budi'cher  General- 
Lieutenant. 

Clinton.  Sir  Heory,  königl.  englischer  General  -  Lieu- 
tenant. 

kempt,  Sir  Jame..,  j 

Somerset,  Lord  Edward.  >  kün. engl.  General-Majore. 
Barne»,  Sir  Edward.  > 
Elley ,  Sir  John. 
R  ey.nell,  Thomas. 
Uarnard,  Sir  Andrew, 
Abercrombie.  Alexander, 
rable, 

Campbell,  Sir  Colin. 
Wuod.  Sir  Georpe. 
C  o  I  b  o  t  n  e .  Sir  John,  »plter  Lord 

Seaton\ 
Woodford.  Alexander. 


kflmgl.  englische 
Ohe.  ,4,. 


königl.  englische 
Oberste. 


königl.  englische  Oberst- 
Lieutenaiilx. 


l'onnoDby,  Frederik.  Honorable. 

Hervey,  Felton  Bathhur*t, 

S  mit  Ii ,  Carinx  liuol, 

Filz-Roy  Somerset,  Lord  Hein- 
rich spater  Lr.rd  Raglan). 

H.II.  Sir  Hubert 

S 11 1 1 o  u  n  .  Lord,  f 

Macdonneil.  Sir  J«mer>, 

Dyk.  Robert, 

Douglas".  Neil,  ' 

Grollmann,  von,  kOn.  preuB.  GM. 

Noslitj,  Graf  August,  kouigl.  preu».  Major  und  FlOgol- 
Adjntant. 

Bing.  John  (später  Lord  \ 

Strafford).  >  k.  «ngl.  General-Majore. 

Ada  10.  Sir  Fredrrik,  ) 

Hepburn.  kouigl.  engl.  Oberst  hei  der  Garde. 

Clifton,  Sir  Arthur,  kfinigl.  englischer  Ob'-rst-Liru- 
tenant  bei  Dragonern. 

Lowenhjelm,  Graf  Gustav,  k.  schwedischer  General. 


CXLV.  Promotion  vom  5.  December  1823. 
GROSZKREUZ. 

Angrtuteme.  Ludwig  Anton  Herzog  von,  königl.  französischer  Generalissimus. 

CXLVI.  Promotion  vom  5.  Jänner  1 828. 
KLEINKREUZ. 

Savoyen-Carignan.  Priui  von.  nachmals  Konig  Carl  Alh«rt  von  Sardinien. 

CXLVII.  Promotion  vom  25.  Octol.t  r  1*40. 
K  I,  E  I  N  K  R  E  l'  Z. 

Sein*  kai».  Hoheit  Erzherzog  Friedrich.  Oberst  and  CupiUn  der  Fregatte  Guerriwra. 

CXLVIII.  Promotion  vom  18.  Jänner  1841. 
KOMMANDEUR. 

Stopford.  Sir  Robert,  königl.  englischer  Admiral. 

K  L  E  1  N  K  R  K  U  Z. 

>  a  pi  •  r.  Sir  Charles,  kfinigl.  englischer  C-imnodore. 


CXLIX.  Promotion  vom  30.  Juli  1848. 

GROSZKREUZ. 

Radetzk  y.  Graf  Joseph.  YM.  und  Ordens-Commandeur. 


Digitized  by  Google 


524 


.Militärischer  Maria  Theresien-Ordon."  —  Anhau«. 


CL.  Promotion  vom  19.  August  1848. 
K  L  E  I  X  K  R  E  U  Z  E. 


Hess.  Heinrich.  Hitler  von.  FML.  (ward  b.  d.  CLVII. 
l'rom.  ComiBinili' u r). 


SchOn hals  Carl  von.  FML. 
Stwrtnik.  Fih.  Anglist,  GM. 


CLL  Promotion  vom  27.  November  1848. 
COMMANDE  U  R. 

Weiden.  Freiherr  Ludwig.  FML.  und  Ordensritter. 

K  L  E  I  X  K  R  E  U  Z  E. 


Itossharh,  Heinrich  Ritter  Ton.  fiM, 

■je h neiiler,  Franz,  Hauptmann  im  i.  Artillerie-Reg. 

Wohlgemuth,  Ludwig  von.  GM.  (ward  b.  d.  CLVII. 

l'rom.  Co  mm  and  nur). 
Gorzkowaki,  Carl  von,  GdC. 

I'irquet,  Frli.  Aut<m  .  Hauptmann  vou  Kaiser-Jauern. 

Zobel,  Frh.  Thomas,  Oberst  von  Kaiser-Jagern. 

Wralislaw.  Gruf  Eugen.  FML. 

C I  a  in  -  G  a  1 1  a  ü  .  Graf  Eduard.  GM. 

Liechtenstein,  Fürst  Friedrich,  GM. 

Henedek,    Ludwin  von.  Obersl  von  Cyulai-Inf.  (ward 

b.  d.  CLVIU.  l'rom.  C  » in  in  a  n  d  e  ur.) 
He  ist- hoch.    Frh.    Sigmund.  Oberst  von  IVnchaska- 

Itif. 


Doli.  Carl  von.  Oberst  von  I'aumgartten-Inf. 
Culoz,  Carl  von.  FML. 

Kopal,  Carl  Ton.  Oberst,  Commandatit  de*  10.  Jager 
Bataillons. 

Jablonsky,  Joseph.  Hauptmann  im  10.  Jtger-Batuillr'ti . 
Weiss.  Franz  von,  Oberst,  Commandant  dos  ö.  Jäger 
Bataillon*. 

Feldogg,  Frh.  Carl,  Oberliculonant  bei  Wocher-Inf. 

Fröhlich.  Johann,  Unterlieuleuant  hei  Wochcr-Inf. 

Mayer  von  Low  ensehwerdt,  Franz,  Major  Lei  Erz- 
herzog Franz  Carl-Inf. 

Wimpffeu,  Graf  Franz,  FML.  (ward  b.  d.  CLVII.  Prom. 
Commandeur). 

Hauser,  Heinrich,  Hauptmann  bei  den  Kaiser-Jägern. 


CLII.  Promotion  vom  31.  Mai  1849. 
COMMANDE  ü  R. 

Fi  I  an  £  ie  r  i.  Carl,  Duca  di  S.itriano,  königl.  neapolitanischer  GL.  und  General-Adjiitaiil. 

CLIN.  Promotion  vom  29.  Juni  1  849. 
CüMMANDKl'RE. 


h'Aspre,  Frh.  Constantiii,  FZM.  und  Ordensritter. 
Haynau,  Frh.  Julius.  FZM.  iward  b.  d.  CLVII.  l'rom 

GroUkrcuzl. 
Jellaci.  ,  Frh.  Joneph  FZM. 


Thum    von  Valle  Sassina.  Graf  Gcorf.  FML.  und 
Ordensritter. 

Seine  kais.  Hoheit  Erzherzog  AI  brecht,  FML  (ward  b. 

<t.  CLXV'I.  l'rom.  G  r  o  »  k  re  u  i.) 
Tuchner,  Frh.  Anton.  GdC.  und  Ordensritter. 


KLEIN  KREUZ  F.. 


>:nola,  Frh.  Carl.  Oberst  im  Genei  .ilst.iW . 
->  t  r  a  s  s  o  I  d  o ,  Graf  Julius,  GM . 

Kuhn.  Fruu^  von,  Hauptmann  im  Generals!. ib.- \w,u  •  !  b. 

d.  CLXV1.  Fron».  C  iiamlfiir.) 

-.chwarzeub.  rg,  FGr>t  Felix,  FML. 

Maititlich,  Franz  von.  Obers!  Lieutenant  \  ,,n  Ka.-ir- 
Jugern. 

MaruicU.  Joseph  icii.  Major  im  Geiicralst  abu  (ward  b. 

d.  CLXVI.  l'rom.  Cuuiin  jiuleu  r.l 
lV  r„  eu,  Graf  Ludwig.  GM. 


Cnstiglioue.  (iraf  Johann.  Major  bei  Kaiser-Jagern. 
Sunateuan.    Fi  Ii.  Friedrich,  Obor.it-Lieutenanl  von 

Prinz  Lnul-Inf. 
Becsoy,  Stephan  von.  Major  von  GroCh.  Baden-luf. 
Streicher,  Heinrieh,  Hauptmann  von  Kai-er-JAgciu. 
Schwarzenberg,  Fürst  Edmund,  FML. 
Martini,  Joseph  von,  Oberst  von  Kaiser  Inf. 
Kiikavina,  Frh.  Georg.  FML. 
Zui.sberg,  Carl  von,  GM. 
Hart  lieb  ,  Carl  von,  FML. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  1.  bis  (XXX. 


525 


Simnnleh,  Balthasar  von,  FML. 
Ottinger,  Franz  von,  FML. 
Mayrhofer,  Ferdinand  von.  GM. 

Schlik,  Graf  Franz,  FML.  (wurd  b.  «I.  CLVIL  Prüm. 

Commandenr). 
Üablenz,  Freih.  Ludwig,  Major  im  Generat.Ube  (ward 

b.  d.  CLXl.  Prom.  Com  m  a  nd  o  u  r). 
Oollery.  Eduard  von,  GM. 

Urban.  Carl  von,  Oberst  des  l.  Rom  Grenz-Reg 
Kolowrat-Krakowsky  .  Graf  Leopold.  GM. 
Bar co,  Freiherr  Joseph.  GM. 
Bianehi,  Freiherr  Friedrich,  GM. 


Kislmanseggc,  Graf  Alelander.  Oberst  von  Paum- 
gartten-lnf. 

KQIinK,  Josif  von,  0b<  rst-Liautenatit,  Commandant 

di'R  i.  Wiener  Freiwilligen-Bataillon*. 
Hu  bei,  Christian,  Major  von  Kaiser  Jl»g»rn. 
Zhehovini,  Andreas,  Lieutenant  von  der  Artillerie. 
Mamula,  Lazarus  von,  Oberst  im  Ingenieur-Corps. 
Bcrnay  »OB  Fuvancourt,  Graf  Juliu*,  Oberst  von 

GroUhorzog  Badcn-Inf. 
K  a  I  e  h  1-  e  r  g,  Wilhelm  von,  Hauptmann  bei  Pruchaska-Iuf . 
Rastich,  Daniel,  GM. 

Jurku  v  \t,  Paul,  Lieutenant  beim Ottuchaner  Grenz-Reg. 


CLIV.  Promotion  vom  12.  August  1841). 
KLEINKREUZ, 

Konstantin  Nikolaj«  witsch,  GroüfQrst  von  Russland. 

CLV.  Promotion  vom  22.  August  1819. 
GROSZKREUZ. 

Warschau.  Fürst  von,  Graf  Paskewitsch  von  Erivan,  kais.  russ.  Feldmarschall. 

COMMANDEUR. 

I.Oders  ,  Alezander  von,  kais.  russischer  General  dsr  Infanterie. 
KLEINKREUZ. 

P a  n  i n  t  i  n  e ,  Nikolaus  \  on,  kais.  russi ,cher  (! I.. 


CLVI.  Promotion  vom  2.  September  1840. 
K  L  E  I  N  K  R  E  1/  /.. 

Kniranin,  Stephan  von,  serbischer  General. 

CLVII.  Promotion  vom  26.  März  1850. 
GROS  Z  K  R  E  U  Z  E. 

Windiseh-GrAtz,  Fürst  Alfred,  FM.  und  Ordensritter.    |  Haynau,  Fi h.  Julius.  FZM.  und  Ordios-Conim.tndeiir. 

COMMANDEURE. 


W  n  1, 1  g  «  in  u  t  h .  Ludwig  von,  FML.  und  Ordensritter. 
Hess,  Freiherr  Heinrich,  FZM.  und  Ordensritter. 


Wiropffen,  Graf  l'ratiz.  FML.  und  Ordensritter 
Schlik    GrafFranz,  GdC.  und  Ordonsritter. 


KLEINKREUZE. 


John,  Franz.  Hauptmann  im  Genvralstabe  (ward  b.  d. 

CLXVI.  Prom.  Commandenr). 
Ramberg,  Georg  TOD,  FMI.. 
Csorich,  Freiherr  Anton.  FML 


Lnukic,  Georg,  Hauptmann  bei  SlnwtoUb-Iaf. 
Herls.  Johann,  Hauptmann  im  5.  Arlillerie-Ri-u 
V,  vi,  Carl,  Hauptmann  bei  Bianchi-Inf. 
üegenfeld,  Graf  Augu»t,  FML. 


Digiti^ 


loogle 


„Militärischer  Maria  Theresier»  Orden  *  —  Anhang. 


Packen.),  Friedrich  von.  Major  im  General »tabe. 

Monte  nuovo.  Graf  Wilhelm.  GM. 

Wildburg,  Krh.  Adolph,  Rittmeister  von  Kaiser  Niko- 

laus-KOr. 
Hentzi,  Heinrich  von,  GM. 

Scherpon,  Oswald  von,  Obe rst-Lieutenant  de*  l.  Ar- 
tillerie-Ri-g 

Stirnburg,  Graf  Leopold,    Oberst  von  Kaiser  Kran/ 

Joseph-Drag. 
I'ott,  Gustav  von.  GM. 
Uurits,  Freiherr  Anton.  FML. 
Simbschcn,'  Freiherr  Curl,  GM. 


Mcnndorff  Graf  Alexander,  Oberst  von  Liecbt«o«t«tc 

Chovauxl.-g.-r-. 
Sostitz,  Graf  Hermann,  Oberst  von  Ovalart  Uni. 
Scherpon,  Joseph  von,  Oborhout.  im  1.  ArtüJcric-Rc(r. 
Haus  lab,  Franz  von,  FML. 

Kam  ming,  Wilhelm  von.  Oberst  im  GcneralsUbc 
Liechtenstein.  Fürst  Franz,  FML. 
Szlaukovics.  Ludwig  von.  Oberst  von  Ciiloz-ltif. 
August,   Georg   von,  Oberst  und  Fesluugs-Comm.ui  - 
danl. 

Sehaaffgotscho,  Graf  Franz,  FML. 


Grotenhjelm,  von.  kais. 


GL 


CLVIH.  bis  CLIX.  Promotion  vom  17.  October  1859  und  21.  Mai  1860. 

C  0  M  M  A  X  D  E  U  R. 

Bencdek,  Ludwig,  Ritter  von,  FML.  and  Ordeosritter. 

K  L  E  1  X  K  R  E  U  Z  E. 


P  r  o  r  k  o  s  c  h.  Atiton.  Obrrlulitenant  im  H.  Artülerie-Reg. 
F.du  I  s heim  .  Leopold.  Freiherr  von,  Oberst  und  ft.-g  - 

Cmn.  von  Preiiden-Hu».  Nr.  10. 
Do  rinu  ».Joseph  v  ,  Oberst  v.  Culoz-Inf.  Nr.::i  iBngadierl. 
Württemberg,  Wilhelm  Hrr/op  von,    Oberst  und 

Reg. -Com.  von  B'lgien-Inf.  Nr.  37. 
Pö  pfne  r,  Jos  j. Ii  um,  Ohersllieutenant  im  GeuoraUtahe. 
Kl  ein  er  t,  Friedrich,  Üborlioutenant  im  2.  Artillene-Reg. 
S I  a d i on- W  a  r t  Ii a u s  e n  u  nd  T h a  n  n h au  *e  ti,  Philipp 

Graf  von,  FML. 
Hessen  uud  bei  Rheni.  Alexander  Prinz,  FML. 


Dobrienskv'  von  Dobrzonitz,  Anton  Freiherr.  GM. 
Lilzelhofsn.  tduard.  Ritter  von  .  Oberst-Lieutenant 

im  Gencralatabc. 
Catty  ,  Adolph.  Obersl-I.ieiitrnanl  im  (ioneralstabt 
Appel.  Johann,  Freiherr  von.  Major  de»  15.  Ulli. -Heg. 
Urs  de  Margina,  David,  Major  von  F.riherzog  Franr 

Carl-Inf.  Nr.  lt. 
Neubauer,  Gustav  Adolph,  Hauptmann  im  3.  Arlit- 

l.r.e-R.g. 

Fi  jervary  de  Komlos  K.  resztes,  Grza.  Haupt 
manu  im  Ganeralstabe. 


CLX.  Promotion  vom  24.  Jänner  1861. 
K  L  E 1  X  K  R  E  T  Z  E. 


Sr.  MajestAl  Franz  IL,  König  beider  Sicilien,  Obcrst- 

Inh.  des  12.  Uhl.-Rop 
>e.  konigl.  Hoheit  Ludwig  (iraf  von  Tum,  Prinz  beider 

Sinlien. 


S.  .  konigl.  Hoheit  Alphorn«  Graf  von  Gas  e  r  t  a  ,  Pnnz 

beob  r  Stallen. 
*e.  konigl.  Hoheit  Kram  de  Paula   T.raf  von  Trapatn. 

Prinz  beider  Siciliuu. 


CLXI.  Promotion  vom  15.  März  1864. 
0OMMANDE  U  R. 

G  a  h  I  •  n  z ,  Ludwig  Freiherr  von,  FML."  «lud  Ordensritter. 

K  L  E  I  X  K  R  E  U  Z. 

Gondrocourt,  Leopold  Graf,  GM. 


CLXII.  Promotion  vom  1 0.  April  1 864. 
KOMMANDEURE. 


Wrangel.  Friedrich  Fr.  iherr  von,  konigl.  preuftierher 
G<vn»ral-F«ldoiarschall. 


Se.  kTmi^l.  Hoheit  Friedrieh  Carl.  Pnnz  v.  PrenaVn 
konigl.  preußischer  GdC. 


Digitized  by  Google 


Promotionen  I.  bis  CLXX. 


527 


KLEINKREUZ. 


Se.  konigl.  Höhnt  Friedrich  Wilhelm,  Krooprini  von  rrruten  (nachmals  Friedrich  III  ,  Peutscher  Kaiser 

König  von  Prcu»cn). 


CLXIII.  Promotion  vom  8.  August  18G4. 
KLEINKREUZE. 

Herwarth  von  Rittenfeld,  Carl  Eberhard,  königl,   I    M a n s t ein .  Alhrcrht  Ehrcnreich  Gustav  von.  königl. 
prent.  GL.  preu».  GL. 


CLXIV.  Promotion  vom  3.  Juli  1 866. 
COMM  ANDEUR. 

Se.  Majestät  Georg  V.,  Konig  von  Hannover,  Oberst-lnh.  de»  42.  Inf.-Reg. 

K  L  E  I  X  K  R  K  U  Z. 

Se.  konigl.   Hoheit  Ernst   August.  Kronprinz  von   Hannover  (nachmals  Herzog  von  Cumherland,  Herzog  r« 

Braunschweig  und  Lüneburg). 

CLXV.  Promotion  vom  18.  Juli  1866. 
KLEIN  KREUZ. 

Se.  konigl.  Hoheit  Albert,  Kronprinz  von  Sachsen,  Oberst-Inh.  de»  11.  Inf.-Reg.  (nachmals  Konig  von  Sachsen) 


CLXVI.  bis  CLXVIII.  Promotion  vom  29.  Aupust,  t.  October  1866  und  10.  Februar  1870. 

UROSZKKEUZ. 

Sc.  kaiserliche  Höh.  Erzherzog  A 1  b  r  e c  h  t .  FM.  und  I 

COM  M  ANDE  ü  R  K. 


Marinrir  diM.idoniiu  del  Münte.  Joseph  Freiherr. 

FML.  und  Ordensritter. 
John  .  Franz  Freiherr  v..  FML.  und  Ordensritter. 


Tegetthoff.  Wilhelm  von.  Vice-Adtuiral , 
Kuhn  von  Kuhucnfeld,  Franz   Freiherr.  FML.  und 
Orden*rilter. 


K  Ii  K  I  N  K  R  K  U  /,  K. 


Härtung.  Ernst.  FML. 
Hodu  h.  Gabriel,  Freilu  ir  von.  FML. 
Pirelde  Bihain,  Eugen  Freiherr.  GM. 
Pul*.  Ludwig.  GM. 

Piclsticker.  Ludwig  Ritter  v..  Oberst-Lieutenant  im 
tieuerulülalie. 

Bechtolsheim.  Anton  Frriherr  von.  Rittmeister  des 

Ii.  Uhl.-Heg. 
Knebel  von  T  r  e  o  ense  h  w  e  r  t  .  Albert.  Ritter,  GM. 
Wagner  von  Wehrborn.  Rudolph.  O  i  r-t  Lieutenant 

den  6.  KOr.  Reg. 


7  Lehmann.  Moritz,  Ritter  v  .  Rittmeister  d*S  l.lhl.- 
Heg. 

tirodler.  Ludwig  Ritter  von,  Hauptmann  im  Tiroler 

Kaiser  Jager  Reg. 
-  Grocben,  August  von  dor,  Hauptiii  im  .V  Art. -Heg. 
Petz,  Anton  von,  Contre-Admira!. 

Uaublehsky  v.  Sterneck  »u  Eh  reu* Irin,  Maxi» 

nlliU  Freiherr.  LinicnschiBVOpitan. 
Montluisanl,    Bruno  Frcih.  v..   Oberst   irr.  Tiroler 

Kais  T-Jager-Heg.  uU  Brigadier). 
V.iofron  i  von  Manfort,  Moritz,  Corv«Ucn-Capitta. 


ioogle 


528  „Mililiiri*«  Ih  i  Maria  Thfresicn Unli-n."   -  Anhang. 

CLXIX.  Promotion  vom  S.  Lhei-mlni  1S75. 
KLKINKKEÜ  Z. 

S*.  Mnjo-ISt  Kaiser  Alcxaud-jr  II.  vou  Hus--lanil,  Obersl-Inh.  dei  i.Iuf.-lUj;.  und  dus  II.  Ulil.-KdR. 

CLXX.  Promotion  vum  2.  Mai  1870. 
C  (I  M  MAND  K  ü  R. 

i'hilippovi«'  von  Vh  i  1 1  |>p  ab  e  r* .  .loseph  Freiherr,  FZM. 

KLEINKREUZE. 


I'ittul.  Heinrich,  Kreilurr  von.  OI.it»!  und  Coniiniiu- 
l  <k>^  HH.  lul.-Kog. 
fit,  Stoplian  Freiherr  v.,  KML. 


S.-.üpäry.  Ladi*Uu?  Graf.  KMJ.. 

Vochc)    du  Vvcnv   vi   ßni  ü!  lyft- I  .^agfa  ,  Joseph. 
FML. 


I 

Digitized  by  Google 


Statistische  Übersicht 

der 

Promotionen  des  Militärischen  Maria  Theresien-Ordens  und  des  Status 
desselben  in  den  Promotions- Jahren  seit  der  Stiftung  im  Jahre  1757 

bis  1879  (1890). 


530 


Statistische  Übersicht  der  I'romntiojieu  des  Militärischen  Maria  Theresien-Ordens 


■  I  1  UIIJUlll'll 

Vom  Ordens-Capitel 

Vom  Allerhöchsten 
Großmeister  aus  eigener 
Machtvollkommenheit 
in  den  Orden  aufge- 
nommen 

l 

X 
L- 

ix 

1  Intimi 

L'U  l'J  III 

geprüfte  Canilidaten 

zur  Aufnahme  vorge- 
schlagen und  Allerhöchst 
bestätigt 

Inländer 

* 

0) 
N 

«ä  * 

1  t 

3  ^ 



3T 

w 

Summe 

o. 

O  u 

i 

c 

lt 

3  3 
C 

©  'S 

u 

Z> 

V 

3 

1  Gründung 

22.  Juni  1757 

• 

■ 

- 

2 

2 

2 

1  1 

7.  März  1758 

77 

2 

14 

16 

• 

• 

16 

2 

1.  August  1758 

1 

• 

1 

1 

• 

1 

3 

4.  Dec.  1758 

110 

5 

33 

38 

• 

38 

4 

9.  Jänner  1 759 

1 

2 

o 
i 

• 

2l 

5 

23.  Jänner  1760 

1 14 

3 

37 

40 

* 

40 

6 

-2.  Dec.  1761 

196 

3 

23 

'26 

• 

* 

• 

26 

7 

30.  April  1762 

92 

15 

15 

15 

8 

21.  Ottober  1762 

22 

3 

18 

21 

21 

<> 

11.  Nov.  1763 

126 

t) 

- 1 

23 

• 

23 

10 

15.  October  1765 

i 

1 

«1 

10 

10 

11 

21.  October  1778 

• 

• 

* 

2 

2 

12 

15.  Februar  1779 

• 

• 

1 

12 

13 

13 

13 

19.  Mai  177H 

117 

i 

6 

• 

* 

* 

6 

14 

24.  April  1788 

• 

■ 

• 

* 

* 

1 

1 

■ 

15 

15.  Nov.  1788 

34 

9 

9 

■ 

16  ).is  IS 

1789 

• 

2 

t 

4 

6 

0 

19 

21.  Dec.  1789't 

? 

i 

25 

26 

26 

j  20  Iiis  22 

1790 

1 

3 

4 

t 

4  1 

23 

19.  Dec.  17911 

71 

56 

56 

4 

3 

7 

63' 

!  24  und  25 

17!»2 

• 

• 

1 

1 

2 

2  1 

1  26  bis  32 

1793 

• 

• 

3 

6 

7 

16 

16 

33 

25.  Mai  1794 

• 

3 

3 

3 

34 

7.  Juli  17'.'+ 

247 

3 

3 

31 

37 

• 

37 

35  bis  41 

Oil.-n.c  1795 

5 

8 

13 

13 

42 

11.  Mai  1796 

215 

1 

2 

29 

32 

1 

1 

33 

13  l.is  H5 

1796-1800 

• 

12 

23 

35 

Digitized  by  Google 


und  des  Status  desselben  in  den  Prumotious  Jahren 


■ 


Vi»in  AlM'liO. -listen 
»"iiTißnifiriter  in  den 
<  »i-itcn  ;uif^f't)onitncTi 

e 

Zahl  iUt  l.'bi-wUMi  Uni,-iis-MOgIi.',l.M-1' 

Aiiin.'i-kim- 

A  H  s  !  ;'i  n  (1  <■  f 

i 

! 

Ii  ]  a 

n  d  t1 

r 

4 

A 

U  S  1  ii  1)  i\  • 

1  r 

i_i 

£i 
- 

*-> 

— 

u 
h 

7\ 

- 

- 

7. 

*_j 

d  V 

w    •  1 

-. 
7. 

■T. 

■J 

IG 

1 

■ 

♦ 
• 

* 

I  M.  IL  rv.,c  i 
vi  n  l.i>!  Iir  iiji.nii  ' 
uir!  f'M  .  <w;»l 
1  >;mi  n  . 

:ts' 

1 7,7o 

:t 

■ 

• 

4H 

07 

07 

10 

170D 

1 1 

Si  i 

Ol 

01 

20 

1701 

n 

:u 

in.") 

In.") 

!;"> 
21 

• 

1  702 

l:t 

l  i;i 

126 

■ 

■ 

120 

•j:s 

1  Till 

1  7 

• 

li:. 

102 

102 

lo 

1  7n.'i 

1  ~  7  H 

1  ,'i 
i 

s 

1  1  7 

1  ,;j 
1  K 

• 

• 

• 

■ 

102 
'  '.  s 

Kr;:,-|,tiiM;  .). T 
f.,         •!•  r  ! 

'  ■  .14  1 1  1  . [  1.    1  '    III'  - 

i:j 

■ 

* 

0 

l 

;i 

Ii 

i  ;t.> 

t> 

:u 

112 

12s 

* 

1 2t< 

1  7  .v> 

. 

7 

IM 

10:; 

• 

lit2, 

"J  l  > 
i 

i  ;sm 

1  v 

IIS 

1  10 

i :'.") 

Ii;  •  1.  .n.iuLi'.i  ii- 
1   -1,  .Ii 

*  .'  .1 1 1 1 1  • '  1     1  - '.  1  1 1  V  .  -  - 

iii^I      r  =■  1  Ii  -  -  ii 

0!'. 
■  i 

1  700 

]  7;i2 

< 

7 

1  ; 
M 

hm; 

,,„ 

101 

120 
LH  l 

10 

170  t 

M 

147 

1  17 

i  . 

1 

L 

;;s 

l:t 

;« 

1701 

1  70.") 
1700 

in 

io 
i:i 

9 
11 
KS 

127 
1.70 
1f>4 

140 

1SJ 

I 
1 
I 

1 
1 
1 

1  17 

t  ^  1 

2 

1 

].S 

isOi) 

s 

21 

io:< 

102 

1 

1 

s 

10 

2U2 

Digitized  by  Google 


I 

532  Statistische  Übersicht  .1er  Promotionen  des  Militärischen  Maria  Theresien  Ordens 


Vom  OrdensCapitel 

Vorn  Allerhöchsten 
Großmeister  aus  eigener 
Machtvollkommenheit 
in  den  Orden  aufge- 
nommen 

Promotion 

Datum 

zur  Aufnahme  vorge- 
schlagen und  Allerhöchst 
bestätigt 

1  ! 

c 

Inländer 

geprüfte  Ge 

tu 

•  3 

—  0, 

•3" 

Comman- 
dern-» 

Ritter 

c 

s 

as 

M 

eä  $ 

• 

c 

Ritter 

i 

Summe 

£ 

3 

•Ji 

1 

66 

11.  Juli  1801 

308 

1 

4 

75 

80 

• 

80 

67 

5.  November  1801 

• 

• 

1 

1 

1 

68 

30.  April  1802 

111 

• 

20 

20 

• 

• 

• 

20 

6?)  und  (0 

«  OA'            4  CmJ  .fr 

180o — 1806 

■ 

• 

• 

• 

2 

1 

3 

3 

71 

28.  Mai  1806 

81 

3 

22 

25 

• 

• 

25 

72 

1.  Män  180H 

66 

1 

5 

6 

• 

• 

0  I 

1  7H  bis  79 

Mai-Nov.  1809 

• 

. 

• 

1 

28 

32 

32 

80 

10.  Marz  1810 

321 

1 

35 

36 

• 

• 

3'. 

81 

8.  April  1810') 

? 

2 

13 

15 

• 

• 

15 

82  bis  86 

1809— 1810 

. 

7 

12 

19 

19 

87 

17.  April  1811 

(54 

8 

88 

2.  Sept.  1813 

17 

1 

4 

4 

:•  89  bis  124 

1813  und  1814  i 

1 

u 

50 

50 

125 

9.  Mai  1815 

297 

2 

30 

32 

32 

126  bis  134 

1814  und  1815 

2 

2 

2 

135 

27.  Juh  1816  \ 

28 

6 

136  bis  144 

1 813-1816 

* 

1 

1 

2 

2 

145 

5.  riec.  1823 

• 

* 

• 

146 

5.  Janner  1828 

. 

147 

25.  Oct.  1840 

• 

1 

1 

1 

148 

18.  Jänner  1841 

• 

149 

30.  JuU  1848 

1 

1 

1 

150 

Ii».  Aug.  1848 

• 

3 

3 

3 

151 

27.  Nov.  1848 

21» 

1 

21 

22 

152 

31.  Mai  1849 

: 

1*3 

29.  Juni  1849 

Hl 

6 

35 

41 

41 

> 

1 

! 

Digitized  by  Google 


und  des  Status  desselben  in  den  Promotions-Jahren. 


533 


Vom  Al]<>rh(Vhstf'ii 
(IrofitiieisttT  in  i\i?ft 
Unlt'n  aulVeiioinni'-ii 

Zahl  der  ]rl>t>ndi')i  <  »Rleny-Mit-Ii^kr1.1 

\  1 1  in i't  kunt* 

A  ii  s  1  ü 

II  (1  *' 

r 

rr 

I 

n  1  ;t  n  (1  c  r 

A  uslii 

iL  (1  *' 

p 

1 

.  i 

— 

rs: 

■z 

«  t. 

7. 

H 

7 

— ? 

- 

— 

1 

-  7 

-  ! 

- 

1  ? 

■— ■ 

7. 

E 
•/. 

N) 

1 

s 

21 

l.v' 

IM 

1 

I 

]f) 

)  7 

■ 

■ 

2<l 

1S02 

s 

•21 

2C.S 

1 

1 

lf) 

17 

2«:> 

• 

I 

1 

■ 

•2.) 

■  '-> 

22s 

•2.">> 

1 

!  4 

1  7 

277) 

I 

■ 

ö 

7 

21 

21" 

217 

*  > 

1 

1 1 

17 

201 

■ 

• 

:5ti 

i;. 

1  8'  ■'. 1 

_ 

2S 

22'.« 

L!t,4 

1 

i 

11 

17 

2M 

Uli  < :.i!i-i.<j..i i-n - 

LlSl.    dl  —  , -r-  C.l- 

in'Vl-,  i-t  1:1  Wr- 
.u.-l  ^.T.itln  r:. 

■ 

r.) 

1S]|. 

8 

■  J  1 

M 

2 .  2 

Hl 

-  ' 

1 

11 

1  7 

:J2* 

W.-.lir.  n.>.  nr,  1 
11:, ..Ii  ■  1  •  ■  rr:  J  1- 

. .  1 1 1- 7 ■    1            V.  :. 

s 

1 

IM  1 

1  s  l : ; 

7 

S 

*' 

27;, 
2i> 

M2 

:;u:i 

> 

:; 

l 

7 

12, 

2:t 

Mi 

:',2S 
:!12 

S.  nu  r  U,o--t..t 
t  1  r  i- 1  1 1  .*■  1 1  !  *  ■ '  1  1  •  ■  _ 

!»   1    I  -  «  1  >  »  I  |                     *.    1  1 

i-'iien. 

. 

i;> 

IV' 

1  III 
:»■_> 

IM  4 

::t. 

2,")t, 

2'.n 

:< 

; 

21* 

:','• 

:v.s 

M,i  A  II.  M.,-,.1 
-,  1 1  r .  it.. 
i-  rli.  'i.-n. 

a 

. 

H 

' !  i 

!  r.  ) 
Ii 

im:. 

<> 

2! '7 

:U<> 

:> 

r.« 

in:; 

127 

h.7 

V.i,    *.,.(..r  M.>- 
•h.-.U  ,. Lii.-    \  Ii. 

II  „nU.  'i:  ■  .i  .Mi 

•> 

1 

IL' 

1 

17 
1 
1 

l:i 
l 

1 

1M<> 

im::; 

1>2> 

■1 
4 

22 
['.« 

2:  ü 

; 

IM 

:::;t 

2  1  7 

1 

4 

!:i 

1  7 
12 

Ir.'i 
','»' 

H2 

1  IV 

IMS 

l»i:l 

.  ',S'  ' 

::2f> 

mm  Ii.  .,  11. 
\  1       ^-  ii, .'l    M  i- 
1.-  -'.'1-  L.iiL  :i  ■■■  l>- 
!i.i^"i-:-n  :  l..l|.- 
I'"n(f  enfonl 
.1  ■  \  ,  1  1.I...1 

1 

1 

IM" 

•j 

1  L2 

12-> 

:< 

r,s 

7:i 

2i  i2 

1 

1 

> 

•  J 

l 

IM  1 

2 

m:; 

1 1.; 

7s 

IM 

I.Ms 

1 

71 

1 

< 

;>] 

1 
1 

122 

1 

1 

1 

1 

* 

• 

• 

Digitized  by  Google 


534  Statistische  Übersicht  der  Promotionen  de«  Militärischen  Maria  TheresienOrdens 


Vom  Ordens  Capitel 

Vom  Allerhöchsten 
Großmeister  aus  eigener 
Machtvollkommenheit 
in  den  Orden  aufge- 
nommen 

Promotion 

Datum 

laten 

zur  Aufnahme  vorge- 
schlagen  und  Allerhöchst 
bestätigt 

Ander 

geprüfte  Candi« 

Inländer 

i 

Groß- 
kreuze 

es 

c  '■ 
c  «- 

p  3 

o  r~ 

Ritter 

Summe 

Groß- 
kreuze 

s  e 
i  s 

Ritter 

Summe 

-a 
E 

•T 

154 

12.  Aug.  11J49 

.  1 

loo 

Ä  . ...     1  ü  IQ 

aa.  Aug.  ltv*y 

i 

156 

2.  Sept.  1849 

1 

157 

26.  Marz  IsoO 

134 

2 

t 

24 

30 

1 

1 

31  , 

1 

10Ö 

1  #.  Uctober  löoy 

50 

1 

12 

13 

13  i 

Nachtrag  lDf 

ä1-  Mai  lobU 

2 

1 

1 

2 

2 

3 

lbO 

24.  Juinirr  1861 

. 

1 

161 

In.  Marz  1864 

2 

1 

1 

o 

• 

162 

19.  April  1864 

• 

• 

loo 

o.  August  Ioo4 

* 

• 

164 

3.  Juli  1866 

» 

• 

• 

I  Iba 

1 1>    t..i:  iql'i1 

18.  Juli  lr>bb 

• 

• 

• 

166 

29.  August  1866 

35 

1 

4 

12 

17 

17 

Nachtrag  167 

4.  October  18K6 

21 

• 

a 

'> 

2 

168 

10.  Februar  1870 

7 

i 

1 

1 

169 

8.  Dec.  1875 

• 

170 

2.  Mai  1*79 

50 

• 

• 

1 

3 

1 

1 

1 

5 

1  , 

3128 

26 

;J8 

6iy 

713 

16 

64 

153 

238 

*-) 

946 

1 

1 

i 

Anmerkungen:  Zur  Hirhtigwtellung        Zahl  der  in  den  Ordens-Capiloln  geprOflen  Caudidaten  und  der  wirk - 

liehen  Ord.  riMnilgli.Ml.-r  kommt  iu  beuchten: 
'l  Die  Candida  trn  der  l'.t.  und  M.  I'ioniotinn  konnten  nicht  aufgefohrt  wurden,  da  die  betreffenden  Listen 
in  Wrlii-t  (tc-nethen.  Wenn  diese  I" ni.  n  Prctiedioucn  carui'  ht  l.ernci-icl.ti^t  »erden  «»betrugt  da»  Verhältnis  aller 
t.'undi  i.itcii  zu  den  «uf  «trund  ein-  *  Captte!*  rrc.inu  werten  I<mi  :  -J  1  ■  l .  Nach  die-er  Scala  berechnet.  *ind  daher  in 
den  au-gewn-Minntn  3t  ib  Caudidaten  in>ch  weiiu/edcn«  lt»i  /uni»chl.igen,  *v  da»s  die  Zahl  der  in  den  Capilelu 
geprüfte»  CMjdidateti  zum  mindesten  .'J.iio  betragt. 

;)  Die  l'ro:iii. vierten  wurden  auf  llnmd  der  r'r^metinn-iirten.  <>lin<t  Htkksichl  daraul,  ob  »ie  !<chon  früher 
Mitglieder  einer  im-der-n  C:.i-*o  de*  Or  ein  waren,  in  die  (bei-icbt  aufge»,rinl»e».  t" Itter  <len  I  109  l'rontoviert en 
Ii  nden  uch  y  liillmter.  w  elf  lr  dreimal  i  hihi  Ritter.  Cum  in  nie  lein  und  tiiel>kreii/.i.  und  H'.\  Inländer,  ilauu  3  Au«- 
länder.  welche  zweimal  priuiiuvicrt  wurden.  Ks  sii  d  daher  1  s  +  Mi  ich  der  lier-amtut*  ahl  der  Proinmierteii  ahiu- 
iei  liiien  «odiir«  Ii  .-ich  «Ii"  /.  ihl  der  wirklichen  Orden- niituheder  .»eit  dem  Jahre  1  ;»T  mit  KXJ")  herausstellt. 

Cber  die  l'rmn. dienen  de:  Jahre  UMdbi-  IM»  herrschte  h.shcr  .•rr.üe  Verwirrung,  llicaelhe  entstand 
dadurch,  da-*  <lie  win  Seiner  Muj.»ut  dem  Kai-er  franz.  welcher  »ich  ISI.i  und  ISI  t  hei  der  Armee  un  leide 
licland.  -..uiy  prui   ^  in  ^rolSer  Zahl  iimrkanntei)  und  ult  oitrouhiiidig  Qbert/.  henen  Decoraüonon  de«  OrdeD». 


Digitized  by  Google 


und  des  SUtus  desselben  in  den  Promotions-.Iahmi. 


535 


Vnm  AII.'i-Ik'h  hsti'ii 
GrulonHster  in  dvM 
Onlon  jiufjjciionniK'i 


A  u  s  I  :"i  n  d  >■  r 


■ - 


5  : 


- 

- 


'/.»Iii  .Ivr  k-beml'Ti  Unlivis-Mit-litirlci-''' 


1  Ii  I  ;i  II  <1  r 


I 


- 


, 

] 

• 

• 

4 

:>, 

• 

• 

■ 

1 

1 

■> 

7 

1  7 

n 

;>i 

I  u 

; 

i 

lH,':t> 

4 

ll 

Mi 

i.",:s 

2 

ti 

ii. 

:>i 

1>7 

- 

!:'. 

[Söll 

1 

7 

M 

.<  •> 

■ 

3 

-y  j 

1 1  ö 

* 

iMin 

1 

7 

S.i 

MI 

!'.' 

IJ<> 

4 

1 

•> 

■  w  j  -  r 
.  IM  1  1 

i 
i 

7 

.  i 

:i 

■>■•> 

— 

1 1  * 

■ 

■ 

•j 

1  Ml  1 

Ii 

cm 

i  ■  l 

5 

Ii  h  I 

i 

■> 

i 

1 

1 

- 

17 

;  s  i  >i  > 

,s 

7  ( 

;  i 

J7 

;u-i 

i 

1*7" 

1 

.v_> 

1 

4 

1  i 

1,- 

7!i 

i 

1 

1 

l*|.'l 

i 

! 

v- 

1 

1  ( 

i:> 

t,;< 

K-7'.i 

1 

1 

w 

i" 

1 

in 

i ; 

1 

'> 
-- 

_!ti 

r, 

ti 

1  S', 11 1 

1 

] 

Iii 

f  t 

1 1 

n,:i 

A  II  s  1  ;i  n  ll  I 


.2  -     -  r 

iL-       -  -_ 


- 


An'iifci-Lnn/ 


inabasoadetu  aii  die  (![«■•:  Au4*oichnnn|r  sehr  anittrhcuih-n  rViislandvr  im  irroJton  Hdu|>(<)ua'tii»r« 
«■vidvol  gullilteli  und  div  OrdtfiiCkonzlri  I"  k  ;>niit  atpvriKtl  »  ur  j.ju  Pi>-  Fvlgv  w.iron  imnllich«  I*"  <'  ■  " 
l»iiKW!i>riKi'  trb^lmn ([<•!• .  welfdi*  kh-r  l'in  m  «in»  Jahr  lältt  t-r*lrvrklcp.  In  <l«r  ,Ci>nchitlit<-  d?s  Mar 
Ordm*"  von  Dr.  HirtonfHd  vom  Jahn»  lMai  sind  dletir  I'tmiioUihm!»  -  Nr.  Hh  ttn  IU  -  nur  C 
««tragen.  Nach  sorgfältiger  Sichtung  der  AcLvll  nind  dicselbt-n  luiumelir  in  diu  'Iure  Ii  €>[»!- 1 1><  *'  Kl' 
fworuntur  i  Hilti'r  fOr  doi  Kriu^sjuiir  IMii  und  in  jene  Promoviert*'!!  KVBChi«>nVn.  waldwn  Sein! 
kaimtr  und  GroUnx-riaU-r  dtü  Ordi-n  Itaeil»  mit.  tkieil*  ohne  AllerhGrh-t.im  r|jind*elire.:lien  verlieh, 

lj  Die&ihl  der  lv'h<Mid'-i«  Or(trii«mit)$H>'<l''r  wurd«  vom  i»hr«  it.Vj  hin  1 74» i  aus  dem  vollzählig  im  0['j"*itj!4 

>;  Ii  v  erli«geoden  Jahresi-uchnii4igi>n  «uln  »•■  i:    V.tm  Jahr«    IV'.o  u,    :i     .  !•  ':-m  J.ikrc  d 

Almanach  »rschifln.  wurdu  ujch  dtu^dr  i-ur  CuTitrot*  fOr  ji  nn  l'oriadon  (N.nQt/.t  Di«1  alteren  Sc' 
jedoi  I  :  ii  hl  .:  .n  > .  i :.. -tiich,  sowohl  bezD/.'  Ii  Ii  n  iudtschi-a,  ula  taabwundere  d«r  ausl.tndl^ 
dfrr«o  TodasfUtu  oft  «rat  Bach  Jahren  rur  Kennlnis  gi-lainfifn  und  in  d«n»«l3ji?p  Lt?rQc)i  »ichtuft  wurden.  I 

■■tr«^  u<  d  /in  ro  dal  '  »I  lODamilflieder  boiiahen  »ich  .lahar  im  vuri(j*n  Jahrhuudort  auf  i<rn  Ahaehl«**.  in  di^aai» 

-l.i.-lii:.i.  Ii  ['.  .■u::i.-i-l  -i.-li    \uf  iu    b  -    •   ' :  ■  Ii  !•  h ,  :    Jal.«  -       r.  i     j>  il.^  .    .:   I-.    :»   b-n  n*!     •  V..    ..r  ; 

ji  di-n  J.ili-.  h  i ■  r - 1  k..          ii.  ii  *i  'ii* 


ntiv  cii 
rii-iunlcn 
<^Ut  dar 


r-.U.  Mililir 
itinman  «nid 
Mi'  JieA 


Digitized  by  Google 


536 


Statistische  Übersicht  —  Rekapitulation. 


Recapitulation. 


Zahl  aller  in  13^2  Jahren  abgehaltenen  Ordens-Capiteln   35 

„  aller  in  35  Ordens-Capiteln  geprüften  Gandidalen  (vide  Anmerkung  1,  S.  531)  3320 
,  der  von  einem  Ord<*ns-Capitel  vorgeschlagenen  und  A.  h.  bestätigten  Mitglieder  .  713 
,   der  vom  A.  h.  Ordens- Großmeister  motu  proprio  Promovierten:  Inländer  .833) 

Ausländer  .  163  f 

,   aller  Ordensniitglieder  in  132  Jahren  (vide  Anmerkung  2,  S.  534-)   lOOö 

,   aller  inländischen  Promovierten  in  132  Jahren   946)  1109 

„   aller  ausländischen         .         ,  132      ,      163 ' 

Verhältnis  aller  Candidateu  zu  den  auf  Grund  eines  Capitels  Promovierten  (ohne  Prom. 

19  und  81)  100:211 

Verhältnis  aller  inländischen  Mitglieder  zu  den  auf  Grund  eines  Capitels  Promovierten    100:  75 
Verhältnis  aller  inländischen  Mitglieder  zu  den  durch  den  A.  h.  Großmeister  motu 

proprio  Promovierten  100 :  25 

Verhältnis  der  inländischen  Großkreuze  zu  allen  inländischen  Mitgliedern   4  :  100 

Verhältnis  der  inländischen  Commandeure  zu  allen  inländischen  Mitgliedern   ....     10 : 100 
Verhältnis  der  inländischen  Großkreuze  und  Commandeure  zu  allen  inländischen  Mit- 
gliedern   15:100. 


Wien,  im  September  1890. 


Pielsticker  FML., 

Ordens-Schatzmeister. 


Digitized  by  Google 


AlaMiscta  Namens-Reoister 

zur 

vorliegenden  III.  Abtheilung  der  Ordens-Geschichte  und  zu  den 

Promotionen  I  bis  CLXX. 


Digitized  by  Google 


538 


„Mililarischer  Maria  Theresien-Orden."  —  Anhang. 


In  diesem  Namens-Register  erscheinen  die  Namen  inlandischer  Ordensmitglieder 
in  gewöhnlicher,  stellender.  die  Samen  ausländischer  Ordensmitglieder  in  liegender 
Schrift. 

Weiter  sind  in  dem  Register  mit  romischen  /.iifern  die  Promotionen  der 
betreffenden  Ordensmitglieder  bezeichnet.  Bei  denjenigen,  welche  fDr  mehrere  Ordens- 
rlussen  promoviert  wurden,  sind  zwei,  beziehungsweise  alle  drei  Promotionen  angeführt. 

Mit  arabischen  Ziffern  sind  die  Zahlen  der  Seiten  in  dieser  vorliegenden 
III.  Abtheilung  bezeichnet,  auf  welchen  der  Ordensmitglieder  aus  den  Promotionen 
I  •  CLVII  (1757  —  18501  gedacht  wird,  oder  auf  welchen  die  Darstellung  'ier  Waffcnthatcn 
(des  Lebenslaufes)  der  Ordeusmilglieder  ans  den  Promotionen  CI.VI1I  bis  (XXX 
(1859-  1*7*»  anhebt. 

Es  wird  hier  neuerdings  bemerkt,  dass  sich  die  Aufzeichnung  der  WafTenthuten 
sammtlicher  Ordensmitglieder  nachfolgend  vertheilt,  und  zwur  aus  den  Promotionen: 
I  bis  LXV1II  (Jahr  1757  bis  180*1  auf  die  Abtheilung  I  (Seite  1  bis  7*8): 

LXIX  bis  CLVII  (Jahr  1805  bis  18501  auf  die  Abtheilung  Ii  (Seite  74'J  bis  17*«); 

CLVIll  bis  CLXX  (Jahr  1850  bis  1879)  auf  die  al-  selbständige  neue  Folge  der 
Ordenxgeschichtc  vorliegende  Abtheilung  III. 


Alphabetische«  Namens-Register. 


r»39 


A. 

Abercrombie,  Alexander.  LXXXVIII-CXLIV. 
533. 

Adam,  Sir  Frederik.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 

Adlerkreutz,  Graf.  LXXXVIII-CXLIV.  631. 

Aichelburg,  Carl.  XXjII.  507. 

AI  bell.  Ludwig.  XXIII.  508. 

Atbrrt,  Kronprinz,  nachm.  Kor.ig  von  Sachsen 

CLXV.  350.  +99.  537. 
Albrecht,  Erzherzog.  CLUI.,  CLXVI.  33.  3:*4- 

497.  534.  537. 
Alexander,  Prinz  von  Hessen  u.  b.  Rhein. 

CLVIII.  135.  536. 
Alexander  L,  Kaiser  von  Russland.  LXXXVIII- 
CXLIV.  521. 
Alexander  IL,  Kaiser  von  Russland.  CLX1X. 

4*3,  53*. 
AI  fron.  Adolph.  III.  501. 
Altmann,  Joseph.  LXXIULXXXVII.  530. 
D'Alton,  Richard.  V.,  XI.  503.  604. 
AlctnsUbe»,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  533. 
Alvintzy,  Joseph.  XII  .  XXVII  ,  XXXIV.  504. 

508.  509. 
Amadei,  Carl.  I.  500. 
Andrassy,  David.  LXXIULXXXVII.  519. 
And  ras sy,  Johann.  LXVI.  51«. 
D'Andreis,  Julius.  LXXI11-LXXXV1I.  43.519. 
Anylesea,   Marq.   Henry.  LXXXVIII-CXLIV. 

531. 

Ant/ ou  lerne,  Herzog.'  von.  CXLV.  533. 
An  ken bi  and,  Phil.  Jak.  XXJII.  508. 
Appel,  Frt'ih.,  Johann  von.  CLIX.  145.  498.  53«. 
D  Arberg,  Carl.  III.  501. 
Arenberg,  Carl.  III.  501. 
Argenteau,  Eugen.  XL1I.  511. 
D'Arnal,  Johann.  XIX.  50«. 
Asciier,  Adolph  Ritt.  v.  4W. 
D'Aspre  von  Hoobreuck,  Conataiitin.  XXIII. 
508. 

D  Aspre,  ConsLuitin.  LXXXVIII-CXLIV.,  CLUI. 

."»23.  534. 
DAuMeux.  Anton.  VIII.  501!. 
Auersperg,  Kranz  Xav.  LXVII1.  517. 


A  uersperg,  Carl.  XXI.  606. 
Auersperg.  Max.  LXXXVIII-CXLIV.  531. 
August,  Georg.  CLVH.  536. 
DAuvray,  Graf.  LXXXV1II  CXLIV.  533. 
D'Ayasasa,  Josepli.  I.,  X.  500.  504. 
Ayeu,  recte  Ryan.  Edward  LXIV.  515. 
Aylett,  William.  LXIV.  515. 


B. 

liagralion,  Peter.  LX1I.  511. 

Baillet  de  Latour,  Max.  XXIII.  XXXIV.. 
XLII.  507.  509.  511. 

Baillet   de   Latour,    Theodor.  LXXXVIII- 
CXLIV.  531. 

BajalicB,  Adam.  XXXVI.  510. 

Bakonyi,  Ernerich.  LXXIULXXXVII.  519. 

Balcraft,  recte  Calcraft,  Grnnhy.  LXIV.  515. 

Banniza,  Franz.  LXVII1.  517. 

Barclay  de  Tally.  LXXXVIII-CXLIV.  .V20. 

Barco,  Felix.  XXXIV.  510. 

Barco,  Joseph.  CLUI.  35.  535. 

Barco,  Vincenz.  VI.  503. 

Barnard,  Andrew.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 

Bat  nm,  Edward.  LXXXVIII-CXLIV.  533. 

Bärnkopp,  recte  Bernkopp,  Johann.  V.  503. 

Barthol emy,  Peter.  LXXIII  LXXXV1I.  519. 

Bastcel,  recte  Pasteel  De,  Johann  Joseph.  III.  • 
501. 

Batorkez,  8.  Ott.  XXIII.,  LVIII.  508.  514. 
Bauer,  Elias.  III.  501. 
Raum.  Johann  XXXIV.  510. 
De  Baut,  Franz.  LXVI.  516. 
Bayer,,,   Prinz  Carl  von.  LXXXVIII-CXLIV. 
13.  522. 

Bayerweck,  Joseph.  XLII.  51 1. 

Reaulieu,  Johann  Peter.  V.,  XXIII.,  XXXIV. 

502.  507.  509. 
Reautuont  de  St.  Qnenlin.  Emamul.  XXXIV. 

."»10. 

Bechard,  Johann.  LXVIU.  517. 
Bechardt  Johann.  V.  502. 


Digitized  by  Google 


»40 


.Militari acher  Mari»  Theresien-Orden."  -  Anhang. 


Becbard,  Joseph.  XXXIV.  510. 
Bechtold,  Philipp.  XXXIV.  ölü. 
Bechtolsheim.  Freib.  Anton  von.  CLXVIII. 

316.  498.  527. 
Beck,  Phüipp  Lewin.  V.  501. 
Beekers,  Graf.  LXXXVm-CXLIV.  522. 
Becsey,  Stephan.  CLI1L  32.  52t. 
Belgien,  König  v.,  s.  Leopold  von  Coburg. 

LXXXVHI.GXLIV.  44.  522. 
Bellegarde,  Heinrich.  XXXIII.,   LXIX.  509. 

517. 

Belli  von  BeHenau,  Johann.  XII.  505. 
Bender,  Blasius.  XXIII.  507. 
Benedek,  Ludwig.  CLL,  CLVIII.  28.  64.  524. 
526. 

Bennigsen,  Graf.  LXXXVIU-CXLIV.  520. 
Bentheim  Friedrich  (alias  Wilhelm),  LXXIII- 

LXXXVII.  520. 
Berg,  Carl  Gustav.  XXIII.  507. 
Bergenstrdle, von.  LXXXVM-CXLIV.  522. 
Berger,  Johann  LXXXV1II-CXLIV.  26.  522. 
Bernay,  s.  Favancour».  CLIIl.  37.  525. 
Bernkopp  (alias  Barnkopp),  Johann  V.  502. 
Bersina  von  Siegental.   Heinrich.  LXXIII 

LXXXV11.  519. 
Besän,  Carl.  LXXI.  518. 
Besserer.  LXXXVIU.CXLIV.  522. 
De  Best,  Albert  Johann.  LXVI.  51«, 
Bethlen,  Adam.  VI.  5o2. 
Beu.t,  Graf.  49. 

Bianchi.  Friedrich  (Vater).  LXXI II-LXXX VII 

LXXXVUI-CXLIV.  519.  520. 
Bianchi,  Friedrich  (Sohn).  CLIN.  3»;.  525. 
Bienefeld,  Wilhelm.  LXXUMXXXVII.  519. 
Bi et tagh,  Franz  Thomas.  DI.  501. 
Binder,  Wilhelm.  LXXXVIU.CXLIV.  522. 
Binder  von  Kriegelstein,  Christian.  V.  502. 
Bing  (alias  Byng)  John,  später  Lord  Strafford. 

LXXXVUI-CXLIV.  45.  523. 
Biro,  Johann.  LXXXVIIl-CXLIV.  521. 
liironvon  Curlund,  Prinz.  LXXXVUI-CXLIV 

522. 

Blake.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Blagoevich,  Em.rich.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Blaisel,  siehe  Du  Blaisel.  XXXIV.  510. 
Block,  von.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Blount,  Charles.  LX1V.  515. 
Macher,  Gebhard  Lebrecht.  LXXXVIIl-CXLIV. 

(als  Commandeur  und  Grollkreuz)  520. 
Blücher,  Friedrich  Gebhard. LXXXVUI-CXLIV.  i 

522. 


Bogdan,  Joseph.  LXVUI.  517. 
Bojanowsky,  SUvius.  I.  500. 
Bolza.  Peter  Anton.  XXUL  507. 
Borczyczky,  Franz  Ignaz.  XU.  505. 
Boros,  Adam  von  XXXVIII.  510. 
Borwttz  (alias  Borvitz),  Franz.  XIX.  50«. 
Bosfort,  Franz.  III.  501. 
Botta  d'Adorno,  Jakob.  III.  501. 
Botta  d'Adorno.  Joseph.  VI.  5<>2. 
Bourguiguon,  Anton.  LXXXVUI-CXLIV.  hii. 
Brady,  Jakoh  Bernhard.  VIU.  503. 
Brady,  Thomas.  XV.  505. 
Brentano-Cimarolli,  Anton.  XXIU.  507. 
Brentano,  Joseph.  HL.  IX.  501.  503. 
Brenner,  von  19. 

Bretts,  hneider.  Friedrich.  LXXXVIU-CXLIV 
521. 

Brochowski,  Thaddäus.  XLU.  511. 

Brockhausen,  Jakob.  III.  501. 

Browne,  Philipp  Georg.  V.  502. 

Browne,  Johann  Georg.  XVU.  505. 

Brun) an,  Konrad.  VI.  502. 

Brüse h.  Franz.  LXVHI.  51«. 

Bubna,  Ferdinand.  LXXXVUI-CXLIV.  5*1. 

Buccow,  Adolph  Nikolaus.  VI.  50-J. 

Buccow.  G.  org.  XU.  505. 

Buday,  Iguaz.  XLU.  511. 

Bü low.  Ferdinand.  III.  501. 

lUilow  (von  Dennewitz),  Friedrich  Wilhelm. 

LXXXVIU-CXLIV.  521. 
Bure  eil  (recte  Purcell),  Johann  Bapt.  V.  502. 
Buresch,  Wenzel.  LXXIII  LXXXVII.  519. 
Burgherth,  (John  Fane)  Lord,  später  Graf 

Westmoreland.  LXXXVIU-CXLIV.  ».  522. 
Burich,  Franz.  XII.  505. 
Burits,  Anton.  CLVII.  39.  526. 
Bussy.  Anton.  LXVI.  516. 
liutler,  Edward.  LXIV.  515. 
Bydeskuty,  Sigmund.  XXUI.  507. 
Byng,  recte  Bing,  John,  später  Lord  SlraObrd 

LXXXVIU-CXLIV.  15.  523. 


C. 


Cudogan,  Georg.  LXXXVUI-CXLIV.  43.  522. 
Calcrajt  (alias  Balcraft),  Granby.  LXIV.  515. 
C  a  I  d  w  e  1 1 ,  Thuine.  IV.  501. 
Call,  Carl.  LXXXVIU-CXLIV.  521. 
Call ott,  Johann.  XXIII.  5t W. 
j  Cumpbcll.  Colin.  LXXXVUI-CXLIV.  523. 
I  Canto  d'Yrles,  Joseph.  XLIU.  512. 


Digitized  by  Google 


Alphabetisches  Namens-Register. 


541 


Caracciolo,  Ludwig.  V.  502. 

Caramelli.  Carl.  V.  502. 

Cnriynan,  Herzog  von  Savoyen-,  (nachmals 

König  Carl  Albert  von  Sardinien).  CXLVI. 

b-l'i. 

llarl  Ludwig,  Erzherzog.  XXVI.  7.  508. 

Car/,  Prinz,  v.  Rayern.  siehe  Bayern.  LXXXVIll- 

CXUV.  43.  522. 
Cnserta,  Graf,  Prinz  beid.  Sicilien.  CLX.  161). 

199.  526. 

Castiglione,  Johann.  CIJH.  30.  524. 
Catty.  Freih.  Adolph  von.  CLVllI.  III.  198.  526. 
Cazan,  Dominik.  LXVI.  516. 
Cerrini,  Joseph.  XV.  505. 
Chasteler,  Johann  Gabriel.  XXIII.,  I/VII.  507. 
513. 

Chimani,  Anton.  LXXIIILXXXVII.  519. 
Christ.  Joseph.  LXXIIILXXXVIL  519. 
Civalnrt.Carl.  LXXI.  2».  517. 
Clam-Gallas.  Eduard.  CM.  27.  198.  521. 
Clerfayt,  Carl.  XVII..  XXIII.  505.  507. 
Clifton,  Arthur.  LXXXVU1  CXMV.  15.  523. 
Clinton   (alias   Klinton),   Henry.  LXXXVIII- 

CXMV.  523. 
Coburg,  Ferdinand  Prinz.  LXXIIILXXXVII; 

IAXXVHl-CXLIV.  519.  520. 
Coburg.  Friedrich  .losias  Prinz.  XVI.  50.5. 
Coburg,  Leopold  Prinz  (nachmals  König  der 

Belgier).  LXXXVI1I-CXLIV.  14.  522. 
Culbornr,     John     (später     Lord  Seaton^ 

LXXXVIII-CXLIV.  14.  523. 
Collenbach,  Gabriel.  XLII.  511. 
Cottenbach,  Freiherr.  49. 
Collery,  Eduard.  CLIII.  52:.. 
Colloredo,    Hieronymus.     LXXL,  LXXIII- 
LXXXVII. 517.  518. 
Colloredo,  Wenzel.  XXVII.  50i>. 
Vonstuntin     A i k  olajew  it  sc/« ,  Großfürst. 

s.  Russland.  CLIV.  15.  499.  525. 
Con.ttantin    Paulowitseh,    Großfürst,  s. 

Russland.  LXII.  514. 
Corti,  Cäsar.  XXIII.  507. 
Corron,  s.  Du  Corron.  LXVI.  516. 
Crenneville,  Car).  LXXXVIII-CXLIV.  531. 
Ciossard,  Ludwig.  LXVI.  516. 
Csivich.  Ignaz.  LXXIIl  LXXXV1I.  51!». 
Csollith  Murtin.  LXXIII  LXXXVII.  519. 
Csorich.  Anton.  CLVI1.  33.  525. 
Csorich,  Kranz.  LXVI1I.  517. 
Culoz,  Carl.  CLL  29.  524. 


Cumherland,  Herzog  von.  vordem  Kronprinz 
Ernst  August  von  Hannover.  CLXIV.  219. 
499.  527. 

Curland,  s.  iiiron.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Czecheriny,  Nikolaus.  VIII.  503. 


I). 

Dali'  Aglio.  Vincenz.  LXVI.  516. 

Hanno,  Joseph.  I.XI.  514. 

Daublebsky,  s.  Sterneck,  Freih.  von.  CLXVI. 

433.  498.  527. 
Daun,  Leopold.  I.  500. 
Davidovich,  Paul.  XIII.  505. 
De  Ligne,  9.  Ligne  (Sohn  und  Vater). 
De  Vaulx.  8.  Vaulx.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
De  Vaux.  s.  Vaux.  XIX.,  LXVI.  506.  515. 
Devny  (alias  Vay  de  Vaya)  Paul  von.  XXXIV. 

510. 

De  Villc,  s.  Ville.  III.  5<>L 
De  Vins,  s.  Vins.  III..  XX11I.  501.  507. 
De  V os,  s.  Vos  (alias  De  Voss).  VI.  502. 
Dedovics  (alias  Dedovich).  Martin.  XIX.  506. 
De ge Ilfeld,  August  CLVII.  35.  525. 
Degenfeld,  Friedrich.  LXVI.  516. 
Del  Rio,  Joseph.  LXXI.  518. 
De  l'rrradou  iuch.  Graf.  LXXXVIII-CXLIV. 
522. 

Desfours,  Franz.  LXXXVIII  CXMV.  521. 
Deym,  Johann  (alias  Joachim).  VI.  503. 
Diel,  (rede  Dyk).  Robert.  LXXXVIII-CXLIV. 
523. 

Diebitsrh,  Freih.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Dietrich.  Emanuel.  LXXIII  LXXXVII.  25.519. 
Dietrichstein,  Franz  Joseph.  XXIX.  509. 
Diez  (alias  Dietz),  Carl.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Di  mich.  s.  Papilla.  VII.  503. 
Dittmayer.  Mathias.  LXXIIl  LXXXV1I.  520. 
Dobrzensky.  Freiherr,  Anton  von.  CLV11I. 

132.  526. 
Döll,  Carl.  CLL  524. 
Dombasic,  Carl  Franz.  III.  501. 
Domo  kos,  Joseph.  LXVI.  515. 
Dönhoff,  Friedr.  Ludw.  VI.  502. 
Döpfner,  Freiherr,  Joseph  von.  CLVII1. 104.526. 
Döring,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Dorums.  Freiherr.  Joseph  von.  CLV1I1.  88.498. 

526. 

Döry,  Joseph.  LXXXVIII-CXLIV.  621. 
Douglau,  Neil.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 


Digitized  by  Google 


542 


„Militärischer  Maria  Theresien-Ürden  "  —  Anhang 


Draskovich,  Joseph.  III..  X.  501.  501. 

Drechsel,  Anton.  LXVI.  515. 

Drewer,  Friedrich  von.  199. 

Dressery,  Wilhelm.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 

Du  Blaisel,  Kamill.  XXXIV.  510. 

Du  Corron,  Nikolaus.  LXVI.  516. 

Duka,  Peter.  XXXIV.  510. 

Du  Montct,  s.  Fisson.  LXVI.  5 IG. 

Dyk  (alias  Dick).  LXXXVIII-CXLIV.  5*1. 

E. 

Eberl.  Raimund.  LXXXVIII-CXLIV.  5*2. 
Ebner,  Wenzel.  XL.  511. 
Eckhardt,  Ludwig  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Edelsheim  -  Gyulai,     Freiherr,  Leopold. 

CLVIII.  80.  498.  526. 
Egehls,  Jakob.  VIII.  503. 
Ehrnstcin  (alias  Ehrensteiii),  Joseph.  LXXIII- 

LXXXVII.  519. 
Elley,  John.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 
Elmendorf,  Fried  ich.  I.  500. 
Elmpt,  Philipp.  VII.  503. 
Elrichshausen,  Carl  Reinli.  XII.  504. 
Ensch,  Franz.  LXXII.  2t,  518. 
Eölvös  (alias  Eöttves),  Carl.  XXXIV.  51u. 
Urbach.  Carl.  IX.  50*. 

Erdmann    von    Kappler.     Carl.  LXXIII 
LXXXVII.  519. 

Ernst  August,  Kronprinz  von  Hannover, 
nachm.  Herzog  von  Cumberland  etc. 
Cl  XIV.  219.  498.  527. 

DEsq Hilles,  Joseph.  LXXIII  LXXXVII.  43. 519. 

Esterhäzy,  Anton.  XIX.  506. 

Esterhäzy,  Johann  Nepoinuk.  LXXU1- 
LXXXVII.  519. 

Esterhäzy,  Nikolaus.  I.,X.  500.  504. 

Esterhäzy,  Vincenz.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 

Eugen,  Prinz  von,  s.  Württemberg.  LXXXVIII- 
CXLIV.  43.  521. 


F. 


Fabris,  Dominik,  s.  Tomiotti.  V.  502. 
F.ibry  (alias  Fabrii,  Michael.  XXIII.  5<>7. 
Fasching,  Johann.  LXVI.  ."•  1 5. 
Fasching,  Carl.  IAX1II-LXXXVII.  519. 
Fassignies,  De,  Emanuel.  IX.  501. 
Fastner,  Georg.  LXXIII  LXXXVII.  519. 
F.i vancourl,  Julius.  CL11I.  37.  525. 
Favcrge,  Heinrich.  LXX1II-LXXXVII.  51*». 


Fedäk,  Michael.  LXVI.  516. 
Fejervary,  Geza  de.  Freiherr.  CLVIII.  1«3. 
498.  526. 

Feldegg.  Christoph.  LXXXVIII-CXLIV.  531. 
Fcldegg,  Carl.  CLL  31.  52 V. 
Fenner,  Franz.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Fenzt-I    Ferdinand    (alias    Joseph  Leopold 

Jobann).  XIX.  506. 
Ferdinand  I.,  Kaiser.  51. 
Ferdinand  d'Este,  Erzherzog.  LXVI.  516. 
Ferraris,  Joseph  Johann.  III.,  XXVII..  XXXI. 

501.  508.  509. 
Festenberg,  Johann.  XXIII.  507. 
Fichtl,  Franz.  LXVI  516. 
Ficquelmont,  Joseph.  XIX.  5<>6. 
Filangieri,  Satriano,  Carl.  CLII.  42.  52  t. 
Fischer,  Wilhelm.  XIX.  506. 
Fi s so n  du  Monte t,  Joseph.  LXVI.  516. 
Fitz-Roy  Somerset   Heinrich,  spater  Lord 

Raglan  LXXXVIII  CXLIV.  523. 
Flachenfeld,  Carl.  LXXIU-LXXXVII.  52t). 
Fleischer,  Ferdinand.  LXXIU-LXXXVII.  519. 
Föky.  Sigismund  (alias  Joseph).  LXVI.  515. 
Folseis,  Joseph.  LXXIU-LXXXVII.  519. 
Francque  alias  Franquet  Eman.  Alex.  III.  501. 
Franquemunt,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Franz,  Kaiser.  2.  3. 

Franz,  Erzherzog  (1792  Kaiser.)  XXIU.  51.  507. 
Franz  Joseph  I.,  Kaiser.  19.  17.  48.  19.  497. 
Franz  IL,  König  beider  Sicilien.  CLX.  168.  499. 
526. 

Freemautle,  Admiral.  LXXXVIII-CXLIV.  520. 
Frei  ch.    (alias    Freldich),    Franz.  LXXIII- 

LXXXVU.  519. 
Freue!,  (alias  Fresnel)  s.  Henncquin.  LXVII1. 

517. 

F  r  e  y  t>  n  I  e  I  s,  Johann.  VIII.  503. 
Friedrich,  Erzherzog.  CXLVH.  523. 
Friedrich  C<irl,  Prinz  von  Preußen.  CLX11. 
198.  526. 

Friedrich  Wilhelm,  Kronprinz  von  Preußen, 
nachm.  Kaiser  Friedrich  UI.  —  CLXII. 
203.  199.  527. 

Frirenberger,  Joseph.  VIII.  503. 

Frircnberuer,  Wenzel.  LXXI.  518. 

Frimont.  Joh.XLIL.LXXIU-LXXXVll.  511.518 

Fröhlich.  Johann.  CLL  31.  52L 

Froon,  Joseph.  XXIII.,  XXIX.  507.  508. 

Fulda.  Wilhelm.  LXVI.  516. 

Füller,  Max.  LXXXVIII-CXLIV.  25.  521. 

Funk,  Carl.  XXIII.  507. 


Digitized  by  Google 


Alphabetisches  Numenp-Register. 


543 


G. 

Gabelkoven.  Sigmund.  V.  502. 
GabLnz.  Ludwig.  CLIII.,  CLXI.  34.  1K2.  525. 
526. 

Gaisler  (alias  Geissler).  Ipiaz.  V.  502. 

Freih.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 
Gallois,  Franz.  LXXXVHICXLIV.  521. 
Galyczi».  Fürst.  LXXXVIII -CXLIV.  522. 
Gasser,  Pet.  r.  LXVIII.  ".17. 
Gatteiburg,  Joseph.  LXXIH-LXXXVII  51!). 
Gavassini  Aloys.  XXIII.  507. 
Gavenda.  Mathäus.  LXVI.  51«. 
Geissler  (recte  Gaisler),  Ijfiia/..  V.  502. 
Gemminge»,  Heinhardt.  III.  501. 
Gemmingen.  Sigmund.  V.  502. 
Genimi,  Claudius.  LX.  5(4. 
Georg  F.,  König  von  Hannover.  CLXIV.  210. 
5-27. 

Geppert,  Menrad.  LXVI.  51«. 
Geramb,  Leopold.  LXXIII-LXXXVH.  519. 
Geringer,  Gabriel.  XXXIV.  510. 
Gerstäcker.  Wenzel.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 
Gh  isla  in,  s.  Beaumonl.  XXXIV.  510. 
Giannini.  Ernst.  III.,  VIII.  501.  503. 
Gillet.  Anton.  LVHI.  öl*. 
Gntisenau,  August.    LXXXVHICXLIV.  520. 
Goldlin,  Carl.  LXXIIl  LXXXVI1.  51«.i. 
GolenifHChe/f .  s.  Kutusovv.  LXX.  517. 
Gollner,  Aloy>.  LXXHI  LXXXVII.  519. 
Goltz,  Graf.  LXXXVHICXLIV.  521. 
Gomez  de  Parientos,  Otto.  XXIII.  507. 
Gondiecouit.  Graf,  Leopold.  CLXI.  191.  408. 
52«. 

Gontroeul,  s.  Viuchant.  XXXIV.,  XLIX.  510. 
512. 

Gordon,  Anton.  LXVI.  51«. 
Gorttchakow,  Alexis.  LXII.  514. 
G  ort&chakuw,  Andreas.  LXII.  514. 
Gorikow ski,  Carl.  CLL  2«.  524. 
Gottes  heim.  Friedrich.  XLII.  511. 
(Jraff,  Johann.  LXVI.  515. 
Graffen,  Johann  Anton.  VIII.  5o3. 
Gratfenstein.  Joseph.  VII.  503. 
Gl  edler,  Ludwig,  Frh.  von.  CLXV1.  ;tH5.  527. 
De  Gribeauval.  Johann  Baptist.  VIII.  503. 
Griess  (alias  Gries),  Franz.  LXXUI-LXXXVIJ. 
520. 

Groeben,  August,  von  der.  CLXVI.  359.527. 
Grollmann,  von.  LXXXVHICXLIV.  523. 
Grotenhjelm,  von.  CLVII.  45.526. 


Grünne,  Philipp.  LXVI.  51«. 

(Suasco,  Franz.  V.,  VIII.  502.  5n3. 

Guas'-o,  Peter  Alexander.  V.  502. 

(für  irr,  Gral.  LXXXVIH-CXLI V.  44.  522. 

Gyulai,  Albert.  XLX.  50«. 

Gyulai,  Igi.az.  XXXIV..  LXIII.  510.  514. 

(iyulai,  Samuel.  IX.  T.04. 


H. 

Haag,  Nikolaus.  IX.  50  L 

Haas,  Stephan.  LXXHI  LXXXVII.  519. 

Haberein,  Franz.  LXXIH-LXXXVII.  520. 

Hackenberger,  Franz.  XXIX.  509. 

Hack  her,  Franz.  LXXIII-LXXXVH.  519. 

Hadik.  Andreas.  I.  500. 

Hadik,  Carl.  XXXIV..  LI.  510.  513. 

Hake,  von.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 

Harn,  Johann  Wilhelm.  IX.  5(4. 

Hannover,  s.  Emst  August,  Kronprinz  v.,  oder 

s.  Ciimberland.  Herzog  v.  CLXIV.  219.  49S. 

527. 

Hu ii ho r er,  s.  Geor^r  V.  Konig  von.  CLXIV. 

219.  527. 
H ardegg,  Anton.  LXXI.  517. 
Hardegg,  Heinrich.  LXXHI  LXXXVII.  520. 
Hardegg.  Ignaz.  XLII.,  LXXIH-LXXXVII.  511. 

518. 

Ilaring,  Ferdinand:  XXIII.  507. 

Harr  ach,  Ferdinand.  XXIII.  507. 

Harr  ach,  Franz  Xaver.  VI.  502. 

Hartelm  All  er.  Simon.  XXXIV.  510. 

Hartlieb.  Carl.  CLIII.  33.  524. 

Härtung,  Ernst.  CLXVI.  270.  527. 

Hau g witz.  Eugen.  LXXXV1IICXLIV.  25.521. 

Hau? er,  Heinrich.  CLL  3t.  498.  524. 

Hauslnb.  Franz.  CLVII.  40.  526. 

Hayd,  Carl.  XXIII.  507. 

Haynau,  Julius.  CL1I1.,  CLVII.  524.  525. 

H e n  n e q u  i n  de  F r e n e  I  (alias  Fresnel),  Johann . 

LXVIII.  517. 
Hentzi,  Heinrich.  CLVII.  526. 
Htpburn.  LXXXVHI  CXLIV.  523. 
Herle,  Johann.  CLVII.  34.  525. 
Hertelcndy,  Gabriel.  IJCVI.  51«. 
Utrtty,  BathursL  LXXXVHI  CXLIV.  523. 
Iltrwarth  von  Bittenfeld   Carl.  CLXI11.  204. 

527. 

Hess,  Heinrich  CL.,  CLVII.  23.  524.  525. 
Hessen-Darmatadt,  Prinz  Emil  v  on .  I AXX  VI  H  - 
CXLIV.  523. 


Digitized  by  Google 


544  „Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  —  Anhang 


Hessen,  u.  b.  Rhein,  s.  Alexander  Prinz  von. 

CLVIII.  125.  498.  526. 
Hessen- Homburg,    Ferdinand.  LXXXVIII- 

CXLIV.  25.  521. 
Hessen-Homburg,    Friedrich.  XXJII., 

LXXXVIII-CXLIV.  508.  520. 
Hessen -Horn  bürg,  Gustav.  LXXXV1U  CXLIV. 

521. 

Hessen-Homburg,  Ludwig.  UtXXVIIICXUV. 

522. 

Hessen- Homburg,  Philipp.  LXXIIILXXXVH. 
519. 

//•//,  Sir  Rowland.  LXXXVIII  CXLIV.  521. 
Hill,  Sir  Robert  LXXXVIII  CXLIV.  52.?. 
Hiller.  Johann.  XV..  LXXHI-LXXXVIL  505.518. 
Hilmer,  Joseph.  LXXI.  517. 
Hocke,  Carl.  VL  503. 

H  o  h  e  n  1  o  h  e  - 1  n  g  e  I  f  i  n  g  e  n ,  Friedrich  Carl. LX. 
."»Ii. 

Hohenlohe-Kirchberg,  Friedrich  Wilhelm. 

VI.,  XVII.,  XXV.  503.  505.  508. 
Hohcnzollern-Hechingen,  Franz  Xav.  LI., 

UCXHI  LXXXVU.  513.  518. 
Horn,  Kaspar.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Horvath.  Anton.  LXVI.  516. 
II orvath,  Casimir.  XXIII.  507. 
Horvath.  Nikolaus.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Rössel.  Joseph.  LXXUI -LXXXVU.  5I9. 
Hoste.  LXXXVIII-CXLIV.  52-2. 
Hotze,  Friedrich.  XXXU.,  LI.  r»09.  513. 
Hrabovsky,  Johann.  LXXIII  LXXXVU.  5-20. 
Hranaky,  Johann.  LXVI.  515. 
Hromada,  Joseph.  LXVTU.  517. 
Hu  bei,  Christiati.  CLIII.  .{6.  525. 
Hub  er,  Paul.  LXXXVIII  CXLIV.  621. 
H  u  d  e  1  i  s  t ,  Freiherr.  49. 
Huff,  Carl.  IX.  504. 
H  umbracht,  Alexander.  V.  50-2. 
Hummel,  Ludwig.  LXXIII  LXXXVH.  519. 
Hundt,  Franz.  IJtVI.  516. 
Hutten,  Philipp  Ferdinand.  XIII.  505. 


J. 

Jablonsky,  Joseph.  CLL  29.  524. 
Jahn  ii s,  Franz  Max.  I.  500. 
Jollachich,  Franz.  UV.  513. 
Jellatic,  Joseph.  CLIII.  22.  524. 
Jetzer.  August.  IJtXXVIU-CXLIV.  25.  521. 
Johann   Baptist,  Erzherzog.    LXX..  LXXIII- 
LXXXVH. 19.  517.  518. 


John  Fane,  genannt  Burghersh  (siehe  Burgh- 
ersh). LXXXVm-CXLIV.  44.  522. 

John,  Franz.  Freih.  von.  CLVU.,  CLXVI.  32. 
260.  525.  527. 

Joseph  U.,  Kaiser.  5.  51. 

Jouve,  Anton.  XXDX  508. 

Jovanovic,  Stephan  Freih.  von.  CLXX.  472. 
528. 

Irasky,  Jakob.  LXXXVIH-CXLIV.  522. 
Jugenitz,  Anton.  LXVL  516. 
Jünger,  Vincenz.  LXV.  515. 
Jurkovid,  Paul.  CUU.  38.  525. 
Ivichich,  Simon.  XLII.  511. 

K. 

Kaisero//,  von.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 

Kakonyi,  Franz.  LXXI.  518. 

Kalchberg,  Wilhelm.  CUU.  37.  525. 

Kappler,  s.  Erdmann.  LXXHI-LXXXVIL  519. 

Karaiczay,  Andreas.  XIX.,  XX1U.  506.  507. 

Kärolyi,  Franz  Anton.  IV.  501. 

Karove,  Ladislaus.  LXXII.  518. 
'  Kaunitz-Rietberg,  Fürst.  3.  49. 
•  Kautsch,  Ignaz.  VI.  502. 
I  Kees,  Bernhard  LX.  514. 

Keim,  Konrad.  XXIV.  508. 

Keir  (rette  Kier),  LXIV.  515. 

Kelemer,  Stephan.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 

Kcmpt,  James.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 

Kerekes.  Sigmund.  V.  502. 

Keuhl,  Carl.  XII.  505. 

Kielmannsegge,  Alexander.  CLIU.  525. 

Kier  (alias  Keir),  William.  LXIV.  515. 

Kienmayer,  Mi.hael.  XIX.  LXXIII-LXXX VII. 
506.  518. 

Kinsky,  Christian.  LXXHI-LXXXVU.  519. 
Kinsky.  Ferdinand.  LXXHI-LXXXVIL  519. 
Kinsky,  Joseph.  VU.  503. 
Kinsky,  Carl.  XLU.  511. 
Kinsky,  Franz  Ulrich.  L,  X.  500.  504. 
Kiss,  Franz.  VII.  503. 
Klebeck.  Wilhelm.  XH.  XIX.  504.  506. 
Klcbelsberg,  Johann.  LXXHI-LXXXVH.  540. 
!  Kleefeld.  Wenzel.  IX.  504. 
Klcinert,  Friedrich  Freih.  von.  CLVUI.  110. 
526. 

Kleixt,  Friedrich.  LXXXVUI-CXLIV  (als  Ritter 
und  Commandeur  l.  520.  521. 
!  Kien  au,  Johann.  XXXVU..  LXXHI-LXXXVU. 
510.  518. 


Digitized  by  Google 


Alphabetisches  NuraensRegister. 


54r, 


Klinton  frecte  Clinton),  Henry.  LXXXVIII- 

CXLIV.  523. 
KlopsUin.   Joseph    (alias   Anton).  LXXIII- 

LXXXVII.  519. 
Klücks  (aliasGlÜcks  oder  Klus),  von.  LXXXVIH- 

CXLIV.  521. 
Knebel,  Albert  Freih.,  von.  CLXVI.   336.  t'JS. 

527. 

Kn ose vieh,  Martin.  VII.  503. 
Knesevich,   Vincenz   (alias  Johann).  LVII. 
513. 

Knicunin,  Stephan.  CLVI.  525. 
h'norrüig,  Carl  von.  LXXXVHJ-CXLIV.  521. 
Koch,  Johann  Baptist.  V.  502. 
Knkorzowa,  Franz.  V.  502. 
Koller,  Franz.  LXXHI-LXXXVH.  519. 
Kollonilz.  Max.  XXIII.  507. 
Kolowrat-Krakowslcy,  Johann  Carl.  LH. 
513. 

Kolowrat-Krakowsky.  Leopol.l.  CLIH.  35. 
525. 

Kolowrat-Liebsteinsky,  Vincenz.  XXIII.. 

LXVI.  508.  515. 
Kopal,  Carl.  CLL  521. 
Kosztolanyi,  Ladislaus.  XIX.  506. 
K rammer,  Adam.  III.  501. 
Kray,  Paul.  XIX.,  XXXIV.  506.  609 
Kropfreiter,  Johann.  LXXXVII1-CXL1V.  25 

522. 

Kuhn,  Franz  Frh.  von.  CLIH..  CLXVI.  27.  370. 

497.  524.  527. 
K u In ek,  Andreas.  XIX.  506. 
Kurz,  Laurenz.  LXXHI-LXXXVH.  520 
Kuschnikou.  LXIL  514. 
Kutusow,  Michael.  LXX.  517. 


I, 

Lacy,  Morilz.  III.  501. 

Lacy,  W'ilh.  L\.  5u|. 

L'Aisne,  Anton.  XLII.  511. 

Lakos,  Johann.  LXXIII-LXXXVII.  51!». 

Lamarselle,  s.  Wolf.  LXVI.  515. 

La  Motte,  De,  s.  Motte.  LXXXVIII-CXLIV.  :.-_>2. 

Lanfrey,  Anton.  XXIII.  507. 

Langenau,     Ferdinand     (alias     Friedrich  i. 

LXXXVIU-CXLIV.  521. 
Lanyeron,  Graf.  IAXXVUI-CXL1V.  .Vj-J. 
Lanjus,  Carl.  LX.  501. 
Las chan eck,  Johann.  XXXIV.  510. 

MüiUriMher  11  «na  Th.r..ieu-Orden. 


Lassgallner,  Johann  Carl.  IX.  5iH. 
La  Tour,  Franz.  s.  Fellati.  XIX.  506. 
Latour,  Janus.  LXXHI-LXXXVH.  511». 
Latour,  Maximilian,  s.  Baillet.  XXIU.,  XXXIV., 
XLII.  507.  509.  511. 

Latour,  Theodor,  s.  Uaillet.  LXXXVIII-CXLIV. 
521. 

La  tt  er  mann,  Christoph.  LV.  513. 
Lauer,  Franz.  XIX.,  XL.  506.  511. 
Lauer,  Joseph.  XL.  511. 

Lazar ich,  Joseph.  LXXX VIII-CXLI V.  25.  521. 

Le  Breux,  Michael.  LXVI.  516. 

Lederer,  Ignaz.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 

Lehmann,  Moritz  Ritter  von.  CLXVI.  315.  527. 

Leibe Iting  (alias  Leubelfink).  Friedrich  Chri- 
stian. V.  502. 

Leiningen,  August.  LXXI.  517. 

Lei  n  in  gen,  Christian.  LXXJII-LXXXVII.  519. 

Lenk,  Jakob.  LXXHI-LXXXVH.  519. 

Leopold,  Prinz,  nachmals  König  v.  Relgien, 
s.  Coburg.  LXXXVIII-CXLIV.  44.  522. 

Leopold,  Großherzog  von  Toscana,  nach- 
mals Kaiser.  —  X.  51.  50L 

Lcvachich,  Joseph.  LXVI.  515. 

Leveneur  (alias  Levenehr),  Franz.  XII.  504. 

Liechtenberg,  Cajetan.  XXHI.  507. 

Liechtenstein,  Aloys.  LXVI,  LXXHI-LXXXVH. 
516.  518. 

Liechtenstein,  Franz.  CLVU.  41.  526. 
Liechtenstein,  Friedrich.  CLL  28.  524. 
Liechtenstein,  Johann.  XXIII.,  XLVL,  LXVI. 

508.  512.  515. 
Liechtenstein,  Moritz.  LXVI.  ölfi. 

Liechtenstein,  Wenzel.  LXXXVIII-CXLIV 

522. 

De  Ligne,  Carl  (Sohn).  XIV.  505. 
De  Ligne,  Carl  Joseph  (Vater).  XV111.  506. 
Lilienberg,  s.  Vetter.  LXVHL  517. 
Linde.  Joseph.  XIX.  506. 
Lindenau,  Carl.  LXVII.  516. 
Lij.pa,  Guido.  LXVI.  516. 
Lipthay,  Anton.  XV.  505. 
Litzelhofen,   Eduard   Freih.,  von.  CLVIIL 
137.  526. 

Liuhibratich,  Hieronymus.  VII.  503. 
Loh kowitz,  Joseph.  V.  502. 
Lock  hart  Jakob.  VI.  502. 
Lodron,  Dominik.  VIII.  503. 
Looz-Corswarem,  Wilhelm  Joseph.  VII.  5o.'{. 
De  Lopez,  Philipp.  LXVHL  517. 
Löpper,  Franz.  XLII.  511. 

35 


Digitized  by  Google 


54G 


.Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  —  Anhang. 


Los  Rios,  Franz.  I.  500. 

Lothringen,  Herzog  Carl.  I.  MO. 

Lothringen,  Prinz  Carl  Eugen.  XL1I.  511. 

Loudon,  Alexander.  LUI.  513. 

Loudon,  Giileon.  I.,  III.  500. 501. 

Löwenhjdm,  Gustav.  LXXXVÜI-CXL1V.  523. 

Löwen  stein,  Christian.  IX.  503. 

Loy,  Mathias.  LXVI.  515. 

Laders,  Alex.  Nikolaus.  CLV.  43.  525. 

Lusignau,  Franz.  XXIII.  507. 

Luszensky,  Franz.  LXVIII.  517. 

Lutz,  Peter.  LXVI.  515. 

Lützow,  Friedrich.  LXVI.  51G. 

M. 

Macdonnel,  James.  LXXXVHI-CXLIV.  523. 
Mack,  Carl.  XIX.  506. 

Magdeburg,  Friedrich.  LXXUI-LXXXVIL  51». 
Mahony,  Wilhelm.  XXIII.  51)7. 
M  amula,  Lazarus.  CL1II.  37.  525. 
Miiiifroni,  Moritz  Freih.  von.  CLXVI.  392.  198. 
527. 

Man»ttin,  Albredit  Ehrcnreich  Gustav  von. 

CLXIII.  208.  527. 
Maquire,  Johann  Sigismund.  V.  501. 
Marcant,  Michael.  LXVIII.  51  ß. 
Maretich,  Gideon.  LXXXVM-CXLIV.  522. 
Maria-Theresia,  Kaiserin-Königin.  2.  4».  51. 
Mariassy,  Andreas.  LXX111-LXXXVH.  520. 
Maroevich,  Johann.  LXXIIILXXXVH.  51». 
Maroicic,  Joseph,  CL11I .,  CLXVI.  29.  252.  524. 

527. 

Marschall,  Ernst.  III.  50 1. 

Martini,  Joseph.  CL1I1.  32.  524. 

Martiuich,  Franz.  CLUI.  29.  521, 

Martonilz.  Andreas.  XXIII.  508. 

Martyn,  Feter.  LXXIH-LXXXVII.  519. 

Maurich,  Franz  (alias  Friedrich).  LXXIH- 
LXXXVII.  520. 

Mauroy  von  Merville,  Franz.  LXVI., 
IjXXXVM-CXLIV.  515.  521. 

Mayer  von  Heidensfeld,  Anton.  LXVI.  515. 

Mayer  von  Löweuschwerdt,  Kranz.  CLL 
31.  524. 

Mayer.  Johann.  LXXXVHI-CXLIV.  522. 

Mayer.  Joseph.  LXXIH-LXXXVII.  520. 

Muyrhofer  (alias  Heyerhöfen,  Ferdinand. 
CLII1.  31.  525. 

Mccklenhut  y  -  Strelit ; ,  Carl.  LXXXVHI- 
CXLIV.  522. 


Mecsery,  Daniel.  XL1L.  LXXIL  511.  518. 
Mecsery,  Johann  Carl.  LXXUI-LXXXVIL  519. 
Melas,  Michael.  LVII.  513. 
Mengen,  Carl.  LXXXVHI-CXLIV.  522. 
Mengen,  Wilhelm.  LXXIL  518. 
Mensdorff,  Alexander.  CLV11.  39.  52«. 
Mensdorff,  Emanuel.  LXXUI-LXXXVIL  51  ;t. 
Mensshongen.  Fieiherr.  49. 
Mervcldt,  Maximilian.  XXXIV.  510. 
Merville.  8.  Mauroy.  LXVI.,  LXXXVHI-CXLIV. 
515.  521. 

Mefiko  (alia*  Mesco),  Joseph.  LXVL,  LXXIH- 
LXXXVII.  516.  518. 

M  e  s  s  i  n  a  (alias  M  e  s  z  e  n  a),  Johann.  LXXX  VI11- 
CXLIV.  522. 

Meszaroe,  Johann.  XXXII.,  XLH.  509.  511. 

Metternich,  Fürst,  Clemens.  S.  49. 

Mier,  Adam.  LXVI.  516. 

Mikowiny,  Ludwig.  XXIII.  507. 

Miluradou-itseh,  von.  LXXXVHI-CXLIV. 
521. 

Milutinovic!!,  Theodor.  LXXXVHI-CXLIV. 
521. 

Mitterstiller,  Simon.  III.  501. 
Mohr,  Johann  Friedrich.  LXX.  517. 
Mohr,  Carl  Christoph.  VUI.  503. 
Moll,  Anton.  LXXXVHI-CXLIV.  521. 
Montenuovo,  Wilhelm.  CLVU.  38.  498.526. 
Montlleury.  Ludwig.  LXVI.  516. 
Montluisant,  Bruno  Freih.  von. CLXVI.  3*9. 
498.  527. 

Montluisant.  Johann.  LXX1.  518. 
Mürber th,  Johann.  LXVI.  515. 
.V« resb y-Fairfax.  LXXXVHI-CXLIV.  43.  522. 
Moriz  (alias  Moritz).  Johann.  LXXUI-LXXXVIL 
51». 

M orzin,  Ferdinand.  XLH.  511. 
Motte,  Dt  ta.  LXXXVHI-CXLIV.  522. 
Müffling,  von.  LXXXVHI-CXLIV.  522. 
Müller,  Johanu  Erhard.  XLH.  511. 
Munkäcsy,  Joseph.  XLV1II.  512. 
Murmann,  Georg.  LXXUI-LXXXVIL  519. 
Murray,  Joseph.  V.  502. 
Mylius,  Anton  Ulrich.  VI.  502. 
Mylius,  Friedrich.  LXXIL  518. 


N. 

!  Naclasdy,  Franz.  I.  500. 
Nagy,  Franz.  XLH.  51 1. 
\angle.  Franz.  VII.  503. 


I 

i 

i 

Digitized  by  Googlp 


Alphabetisches  NiuuensRegister. 


r>47 


Napier,  Sir  Charles.  CXLVHI.  45.  523. 
Nassau-Usingen,  Prinz  Friedrich.  IX.  50*. 
Nauendorff,  Friedrich.  XIII.,  XLI.  5&5.  511. 
Nedetzky  (alias  Nedeozky),  Anton.  LXXIll- 

LXXXVII.  540. 
N.-ipperg,  Adam.  LXVI..  LXXXVIIICXLIV. 

51«.  520. 

Nesslinger,  Joseph  Anton.  XXXIV.  510. 

N  v  s  1  i  n  g  e  r,  Wenzel.  XV.  505. 

Neszmery,  Franz.  XIX.  506. 

Neu,  Andreas.  XXXIX.  511. 

Neubauer,  Gustav  Adolph  Freih.  von.  CLVIII. 

157.  498.  526. 
Neudegg,  s.  Strasser.  V.  504. 
Neugebauer,  Franz.  IX.  50t. 
Niederlande,  König  Wilhelm   II.  der,  s. 

Orauien.  LXXXVUI-CXL1V.  521. 
Nimptsch,  Joseph.  LXVI.  516. 
Nobili,  Johann.  XXXIV.  510. 
Nordmann,  Armand.  LXXI.  517. 
Normann,  Emst.  III.  501. 
Sostitz,  August.  LXXXVIII-CXLIV.  +5.  523. 
Nostitz.  Hennann.  CLV1I.  40.  *98.  526. 
Nostitz,  Johann.  LXXXVIII  CXLIV.  540. 
Xovak,  Joseph.  LXXI.  24.  517. 
Nugent.  Jakob  Hoheit.  IX.  SO*. 
Nugeut,  Laval.  LXVI.,  LXXXVIII  CXLIV.  22. 

51«.  520. 


O. 


Oberdorf.  Ernst.  LXVI.  516. 

ü  Brien.  Johann.  LXXIII-LXXXV1I.  510. 

Öoskay.  Joseph.  XIX.  506. 

0' Don  eil.  Heinrich.  VII.  50:4. 

U' Don  eil,  Johann.  IX.  50*. 

«»'Doneil,  Carl.  VI.  502. 

O' Kelly,  Wilhelm.  V..  X.  502.  501. 

Olgyay,  Balthasar.  LXXHI-LXXXVH. 

Olivier,  Ludwig.  LVI1I.  514. 

OMulrian,  Jak.  Patrkius.  VIII.  503. 

Uranien.  Prinz  Friedr.  Willi.  XLVIII.  512. 

Oraniett,  Prinz  (nachmals  König  Wil- 
helm II.  der  Niederlande).  LXXXVIII- 
CXLIV. 541. 

O  Heilly,  Andrejs.  LXVI..  LXXI.  516.  517. 

Oreskovich,  Peter.  XXXVI.  510. 

Oreskovich,  Thomas.  XII.  505. 

Orlandini,  Franz.  XXIII.  507. 

Orlow,  Fedor.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 


Orsini  u.  Rosenberg,  Franz  Graf.  XXIH., 

LXVI.  507.  515. 
Ottaroffsky,  Graf.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 
Ost  Joseph.  LXX1U-LXXXVII.  519. 
Ostermann-Tolstoy,  Graf.  LXXXVIII  CXLIV. 

520. 

Ott  von  Bätorkez,  Carl  Peter.  XXIII.  LV1II. 
508.  514. 

Otter,  von.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 
Ottinger,  Franz.  CLIII.  33.  525. 
Otto,  Rudolph.  XXXIII.  509. 
Ouvaroff,  von.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 


P. 


Paar,  Johann  Hupt.  LXXXVIII  CXLIV.  522. 
Paar,  Johann  Carl.  LXVI.  51«. 
Pabliczek,  Joseph.  VIII.  503. 
Pablowsky    (alias  Pawlowsky),   Wenzel.  V. 
502. 

Packenj,  Friedrich.  CLVII.  36.  *!>S.  526. 
Fahlen,  Graf.  LXXXVIII  CXLIV.  13.  521. 
Pallavicini,  Carl.  XII.  50*. 
Paniutine,  Nikolaus.  CLV.  45.  525. 
Papilla,  Dimich  v.,  Paul.  VU.  503. 
Papp,  Ludwig.  LXVI.  51«. 
Pappen  heim,  Carl.  LXXXVIU-CXLIV.  522. 
Paskewit  sch%  s.  Warschau.  CLV.  525. 
Pasteel,  De.  (alias  Basteel),  Johann  Joseph.  III. 
501. 

Paszlhory.  Melchior.  LXVIH.  517. 
Pauliny,  Michael.  LXXXVIII  CXLIV.  521. 
Paumgartten,    Johann.  LXXHI-LXXXVH. 
511». 

Paur  zu  Traut. Joseph.  LXXXVIIICXLIV.  522. 
Pawlowsky  (rede  Pablowsky),   Wenzel.  V. 
502. 

Peharnik,  Daniel.  XX111.  508. 
I'ejäcsevich,  Anton.  XXIH.  507. 
Pellati  de  la  Tour,  Franz.  XIX.  506. 
Pellegrini,  Carl.  III.,  X..  XVIII.  501.  50*.  506. 
Penzcneter    von    Penzenslein,  Johann. 

XXXIV.  509. 
Perczel.  Carl.  XL.  51 1. 
Pergen,  Ludwig.  CLIII.  52*. 
Pcrzina,  Anlon.  XIII.  505. 
Pesler.  Ignaz.  XXXIV.  510. 
Pestiaux.  Johann  (alias  Joachim).  LXVI.  516. 
Petrovsky,  Franz.  VII.  503. 
Petz,  Anton  Freih.  von.  CLXVI.  *23.  527. 

35» 


Digitized  by  Google 


54S 


„Militftrischer  Maria  There&ien-Ordeii."  —  Anhang. 


Pfister  Joseph.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
PflQger,  Philipp.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Pforzheim  Philipp  Carl.  XXm.  5(17. 
Phil ippi,  Johann.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Philippovid,  Joseph  Freih.  von.  CLXX.  161. 

497.  528. 

Piacsek  (alias  Piacseck),  Carl  Christoph.  XIX. 
506. 

Pielsticker,  Ludwig  Freih.  von.  CLXVI.  306. 

498.  527. 

Pirct,  Eugen  Freih.  CLXVI.  292.  498.  527. 
Pi  ring  er,  Mathias.  XXIII.  507. 
Pirquet,  Anton.  CLL  52 L 
Pirquet,  Peter.  LXXXVIII-CXLIV.  äi.  521. 
Pittel,  Christoph.  LXXXVU1-CXLIV.  26.523. 
Pittel,  Heinrich  Freih.  von.  CLXX.  415.  198. 
528. 

Piza,  Peter.  IX.  50t. 

Plächl  (alias  Hüchel),  Anton.  LXVI.  515. 
Plutou;  Graf.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Plezger  (alias  Pietzger).  A.l:un.  XLII.  511. 
Plunkett,  Thomas.  III.  5ol. 
Pochlinyton,  Robert.  LXIV.  515. 
Poniatowski,  Andreas.  I.,  X.  500.  50L 
Ponsouby,  Frederik.  LXXXVIII-CXLIV.  523 
Portner.  Leopold.  LXXI1ILXXXVII.  520. 
Porubsky,  David.  LXXIU-LXXX  VU.  519. 
Posztrchowsky,  Kran/.  LXVI.  516. 
Pvttmkin,  Für*t.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Polier,  Leopold.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Pott,  Gustav.  CLVII.  526. 
Preis?,  Johann.  VI.  5o2. 

PrtHastn,  Prinz  August  von.LXXXVIll-CXLIY. 
521. 

I'mtsmn.  s.  Friedrirli  Carl,  Prinz  von.  CLXII. 
198.  526. 

P,iut>ntn,  K''niii  Friedrich  Wilhelm  III. 
LXXXVIII-CXLIV.  521. 

Preussen,  s.  Friedrich  Willn-lm,  Kronprinz  von, 
(nachm.  Kaiser  Friedrich  III  i  —  CLXII. 
203.  199.  527. 

/Vm/ss,,/,  Prinz  Wilhelm  von.  LXXXVIII- 
CXLIV  (als  Hitler  un<l  Commandeur^.  521. 
522. 

Prochaska,  Adolph. LXXXVIII-CXLIV.  26.522. 
Prochaska,  Johann.  XLII.  511. 
Pro chaska,  Joseph.  LXVI.  515. 
Prockosch.  Anton  Hilter  von.  CLVIII.  71.526. 
I'rupt-'lach.  Carl.  XXIII.  5'»s. 
Puchner,   Anton.  LXXXVIII-CXLIV.,  CLIU. 
521.  52  v. 


I  Pugnetti,  Rudolph.  V.  502. 
Pulszky,  Ferdinand.  XLII.  511. 
Pulz,  Ludwig  Freih.  von.  CLXVI.  298.  527. 
Purcell  (alias  Bureein,  Joh.  Rapt.  V.  502. 
Pnttet,  Carl.  XII.  505. 


Q. 

Quosdanovich,    Carl.    LXVI.,  LXXXVIII- 
CXLIV.  516.  521. 
Quosdanovich,  Vitus.  XIII.,  XXXV.  505.  510. 


K, 

Radetzky,  Joseph.  LXVI..  LXXIU-LXXX VII.. 

CXL1X.  20.  516.  518.  523. 
Raglan,  Lord  Heinrich,  s.  Fitz-Roy  SuHierst-t. 

LXXXVIII-CXLIV.  523. 
Raimond i  (alias  Raymundii.  Lorenz.  LXVI. 

515. 

Rujeirskg,  von.  LXXXVUI-CXLIV.  521. 

Rakovsky,  Marlin.  LXVI.  516. 

Hamberg,  Georg.  CLVII.  525. 

Ra  nun  in  g.  Wilhelm.  CLVII.  4L  526. 

Hasp,  Lorenz.  VIII.  503. 

Haslich.  Daniel.  CLIII.  525. 

Rath,  Joseph.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 

Ravizza,  Anton.  V.  502. 

Kaymundi  (recte  R.iimondi),  Lorenz.  LXVI. 
515. 

Rel.rovich,  Mathias.  LXXXVIU-CXJJV.  521. 
Ra  hberg,  Anton.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Hehl. ach,  Max.  HL  501. 
R  einisch,  Ignaz.  LXXIU-LXXXVn.  519. 
Heinwal  dt,  Adrian  Joseph.  LVI.  513. 
Heischach,  Sigmund.  CLL  28.  52*. 
Rcisner,    Anton.    LXI.,  LXXXVIII-CXLIV. 
514.  520. 

Hetsey,  Adam.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Reuss-Köstritz,  Heinrich.  LXXHI-LXXXVIL 
519. 

Heu ss-Plauen,  Heinrich.  LXXIII-LXXXVII. 

520. 

Revay,  Anton.  LXVI.  515. 

Revay,  Emcrich.  XXIII.  507. 

Reunett,  Thomas.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 

Ilhedey  (alias  Rheday),  Johann.  V.  502. 

R ichler,  Leopold,  XXIII.  508. 

Ried,  Joseph.  VI.  502. 


Digitized  by  Google 


Alphabetisches  Namens-Register. 


54U 


R  i esch,  Johann.  LXVI.  516. 
Riese  (alias  Ries.se),  Franz.  V.  502. 
R  i  p  k  e,  Ludwig.  V.  502. 
Röder,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Rod  ich,  Gabriel  Freih.  von.  GLXVI.  280.  498. 
527. 

Rodiczky,  Carl.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 
Rogats,  Johann.  LXXIU  LXXXVH.  51«.». 
Rogovsky,  Christoph.  XXXIV.  510. 
Rühan.  Carl.  LXVI.  516. 
Roh  an,  Ludwig  Victor.  LXXI.  518. 
Rolke,  Carl.  V.  502. 
Romanzow,  Graf.  LXII.  511. 
R oos  Andreas.  XXIII.  507. 
Rosen,  Gregor.  LXII.  51*. 
Rosenberg  (Orsini  u.),  Franz  Graf.  XXIII.. 
LXVI.  507.  515. 

De  Kos  in,  Ignaz.  V.  502. 

Rossbach,  Heinrich.  CLL  26.  524. 

Boss  ich,  Georg.  XL1I.  511. 

Roszner,    Johann    (alias   Joseph).  LXX11I- 
LXXXV1I.  520. 

Roth,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 

Rolhkirch.  Leonhard.  LXXXVIII-CXLIV.  521. 

Rothschütz,  Georg  Sigmund.  V.  502. 

Rousseau  (alias   Russo).  Joseph.  LXXI II- 
LXXXVU.  520. 

Rou b sei,  Franz.  LXXI.,  LXXIU-LXXXVII.  517. 
518. 

Rouvroy,  Johann  Theodor.  LH.,  X.  501.  501. 
Rouvroy,  Carl.  XXXIV.  510. 
Rovleg.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Rueber.    Heinrich.    LXX1II  -  LXXXVH.  25. 
520. 

Rüdt,  Franz.  VI.  503. 

R üling.  Joseph.  CL1II.  36.  525. 

Rukavina,  Georg.  CLIII.  524. 

Rukavina,  Mathias.  XLIH.  512. 

R  um  ine],  Joseph.  III.  501. 

Husslu/t  d,  Alexander  I.,  Kaisei  von.  LXXXVIII- 
CXLIV.  521. 

Hunsland,  Alexander  IL.  Kaiser  von.  CLXIX. 
443.  528. 

Rustlond,    Grotilürst    Constantin  Nikolaje- 

witsch.  CLIV.  45.  4U9.  525. 
Hussland,  Großfürst  Constantin  Paulowitsth. 

LXII.  511. 

Russo,   recte   Rousseau,   Joseph.  LXX11I- 

LXXXVII.  520. 
Kulant  (alias  Ruttaut),  Johann.  VIII.  503. 
ffyo«  (alias  Ayen),  Edward.  LX1V.  515. 


s. 

Sachsen,  s.  Albert,  Kronprinz,  nachm.  König 

von.  CLXV.  350.  499.  527. 
Sachsen-Coburg,  s.  Coburg. 
Sacken,  Freih.  LXXXVUI-CXLIV.  520. 
Saintenoy,     recte     St.     Ennoy,  Desire. 

LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Saint  Ignon,  Johann.  III.  501. 
Saint  Ignon,  Joseph.  I.  500. 
Saint-Quentin,  s.  Reaumont.  XXXIV.  510. 
Salamon,  Michael.  LXVI.  515. 
Salis,  Paul.  XXX.  509. 
Salis,  Rudolph.  LXXHI-LXXXVH.  520. 
Salm  (alias  Salm-Grumbach),  Carl  August.  LIX. 
514. 

Salm-Salm,  Maximilian,  ni.  501. 
Saltoun,  Lord.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 
Sardagna,  Simon.  LXVIII.  517. 
Sardinien,  König  von,  s.  Carignan.  CXLVI. 
523. 

Sntriano,  Carl,  s.  Wam/uri.  CLII.  12.  524. 
Sauer,  Carl.  IX.  504. 
Schaaffgotsche,  Franz.  CLVII.  30.  526. 
Schubiz,  Heinrich.  XXXIV.  510. 
Sch  äff  er,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  523. 
Schärffenberg.  Friedrich.  LXVI.  515. 
Scheibler,  Carl.  LXVI.  516. 
Scheither,  Heinrich  Ge->rg.  LXVIII.,  LXXXVIII- 
CXLIV.  517.  520. 
Schell enberg,  Joseph.  XL1I.  511. 
Scherpon,  Joseph.  CLVII.  40.  498.  526. 
Scherpon,  Oswald.  CLVII.  38.  526. 
Schimpf,  Friedrich.  LXVI.  516. 
Sc  blau n,  Moritz.  XV.  5< »5. 
Schiit.  Franz.  CLII1..  CLVII.  24.  (Als  Ritter 

und  Commandern:.)  525. 
Schmelzern,  Johann.  LXXlll -LXXXVH.  519. 
Schmiedt  (alias  Schmidt),  Joseph  LXVI.  515. 
Schneider,  Franz.  CLL  521. 
Schneider,  Carl.  LXXII.  51\ 
Schön.  Anton.  LXXXVHI-CXLIV.  521. 
Schonnermark    (alias    Schöneniark),  Carl 

Ludwig.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Schönhals.  Carl.  CL.  521. 
Schorlemmer,  Carl.  VI.  503. 
Schröder.  Gottfried.  VIR.  503. 
Schuhay,  Franz.  XXXIV.  510. 
Sc  hustekh,  Emanuel,  XL1L  511. 
Schuster.  Joseph.  LXVI.  516. 
I  Schwarzenberg,  Edmund.  CLUI.  32.  521. 


Digitized  by  Google 


550 


.Militärischer  Maria  Theresien-Ürden."  —  Anhang. 


Sc!) warzenbcrg,  Felix.  (XIII.  oäi-. 
Schwarzenberg'.    Carl.    XXXIII.,  LXXI. 

LXXXVIU-CXLIV.  509.  517.  520. 
Seh warzinger,  Johann.  XLII.  511. 
Schweden,  Kronprinz  v.  (nachmals  König  Carl 

Johann  XIV.).  -  LXXXVIU-CXLIV.  520. 
Scovaud,  Heinrich  (alias  Franz  Friedrich) 

IAXU1-LXXXVII.  519. 
Seuton,  Lord,  8.  Colborne.  LXXXVIU-CXLIV. 

41.  52H. 
Sachter,  Johann.  XLV1I.  51-2. 
Seeger.  Johann  Tobias.  VI.  502. 
Senitzer,  Paul.  LXXIII-LXXXVII.  520. 
Seriinann,  Paul.  VI.  502. 
Seslavine,  von.  LXXXVIU-CXLIV.  522. 
Sicilien,  s.  Caserta,  Graf,  kön.  Prinz  beid.  CIA. 

169.  499.  520. 
Sicilien,   s.  Franz  II.,  König  beider.  (XX. 

168.  199.  526. 
Sicilien,  s.  Trani,  Graf,  kön.  Prinz  beid.  CIA. 

109.  520. 

Sicilien.  s.  Trapani,  Graf.  kön.  Prinz  beid. 

CIA.  169.  199.  52(J. 
Sie  Ren  thal,    s.   Bersina.  LXXIII-LXXXVII. 

519. 

S i g  1  e r (alias  Sieglet Heim  i.  h.  I AX I Ii  i AXX VII. 
21.  519 

Simbschen,  Carl.  CLVII.  39.  520. 
Siiubseben.  Joseph  Anton.  LXXI.  517. 
Simbschen.  Joseph.  LXXXVIU-CXLIV.  521. 
Simon  vi.  Joseph.  LXVI.  517. 
Simunich,  Balthasar.  CLI1I.  33.  525. 
Sint  ere.  Claudius.  1..  III.  500.  501. 
Sinzendorf,  Itudolph.  XLII.  511. 
Sipiagi»,  von.  LXXXVIU-CXLIV.  522. 
Siskovirs,  Joseph.  IL,  X.  501.  501, 
Smith,  Cannicltael.  LXXXVHI-CXLIV.  523. 
Smola.    Joseph.   XXXIV.,  LXXIII-LXXXVII. 

510.  5 IN. 
Smola,  Carl.  CLI1I.  20.  521. 
S  o  k  o  I  o  v  i  c  h.  Paul.  XV.  505. 
Somerset,  Lord  Edward,  LXXXVIU-CXLIV.  523. 
Sommariva,  Hanuibal.  LVI.  5i:t. 
Soro.  Johann.  III.  501. 
Souel.  Johann.  XX III.  507. 
Souhay,  Philipp.  III.  501. 
Souhhosanctt,  von.  LXXXVIU-CXLIV.  1  1.522. 
Speth,  Sebastian.  XXXIV.  510. 
Spiegelberv'.  Joseph.  XLII.  511. 
Spie  Im  an  ii.  Freiherr,  4!*. 
Spin  dl  er,  Johann  Joseph.  XXIU.  50,>. 


Spindler,  Leopold.  XLII.  511. 
Splenyi,  Gabriel.  XIX.,  XXIII.  506.  Ö07. 
Staad  er,  Joseph.  XIL.  XXXIX.  505.  öl  1. 
Stadion.  Philipp  Graf.  CLIX.  115.  52«. 
Stain,  Carl  Leopold.  VI.  503. 
Stampa,  Cajetan.  VI.  .502. 

Starhemberg,  Gundaker.  LXXX  VllI-CIXLIV. 

522. 

Starhemberg,  Johann  Ludwig.  I.  5t  K). 

Slawrakotc,  von.  LXII.  514. 

S teffa ni ni,  Joseph.  LXXIII-LXXXVII.  518. 

Stein,  Eiiierich.  LXXXVHI-CXLIV.  521. 

Steindl,  Carl.  IAX1II-IAXXVU.  519. 

Steinmetz,  Nikolaus.  VIII.  503. 

St.  Ei. uo y  (alias  Saintenoy),  Desire.  LXXX  VII J- 

CXL1V.  522. 
Stephaics,  Franz.  XXXIV.  510. 
Sternbach,  Eduard.  LXXXVIU-CXLIV.  5*1. 
Sternberg,  Leopold.  CLVII.  39.  498.  520. 
St  er  u  da  hl,  Carl  Joseph.  VIII.  503. 
Sterneck,  Freih.  Max  Uaublebsky  von.  CL.XVI. 

433.  498.  527. 
Steyrer,  Carl.  LXXI.  517. 

Stietka,  Maximilian.  lAXXVUI-CXLiV.  521. 

Stipsicz.  Joseph.  XXXIV.  510. 

Stokart  von  Bärnkopf,  Joseph.  LXVI.  51t». 

Stop  find,  Hoben.  CXLV1II.  523. 

Strafford,  Lord,  s.  Bing  (ol.  Hy,,g>.  LXXXVIU- 
CXLIV.  15.  523. 

Strasser  von  Xeudegg,  Wolfg.  Felix  Willi.  V. 
502. 

Strassoldo,  Julius.  CLIII.  524. 
Streicher.  Heinrich.  CLIII.  32.  521. 
Stu  Her  heim.  Franz.  LXXXVIU-CXLIV.  521. 
St  ii  Her  heim.     Joseph.  LXXXVIU-CXLIV. 

522. 

Stulterheim,  Carl.  LXXIII-LXXXVII.  52(1. 
Stwrtuik.  Augustin  (Vater).  IAVIll.  517. 
Stwrtuik,  August  (Sohn).  CL.  20.  521. 
Suck  (alias  Stick),  Jakob.  LXXI.  517. 
Süden,  Georg.  LXVIII.  517. 
Sunstenau,  Friedrich.  CLIII.  524. 
Suu  ormc,  Alexander  (alias  Peter  Alexei.  Ge- 
neralissimus1). LXII.  514. 
Sutvorotr,  Sohn  (GM.).  LXII.  514. 
Swinbume,  Hitbert.  LXXI.  5IS. 
Szäpary,  Ladislaus  Graf.  CLXX.  4SI.  528. 
Szarvassy,  Joseph.  XX.  506. 
Szerzujaez,  Arsenius.  VII.  503. 
Szent  lvany,  Carl.  LXXXVIU-CXLIV.  522. 
Szentkeresz  Ii,  Sigmund.  LXVI.  515. 


Digitized  by  G( 


Alphabetische*  Namens-Regi«ter. 


551 


Szereday.  Anton.  XXXIV.,  LXVI.  510.  515. 
Szily,  Anton.  LXXIII-LXXXVII.  519. 
Sztankovics,  Ludwig.  CLVII.  42.  52«. 
Szläray,  Anton.  XIX..  XLV.  500.  512. 

T. 

Tartier,  Bartholomaus.  XXIII.  508. 
Tuuentzien    von    Wittenberg.  LXXXVIII- 

CXL1V.  521. 
Tegetthoff,  Joseph  von.  LXVI.  51«. 
Tegetthoff,  Wilhelm  von.  CLXVI.  505.  527. 
Te  im  er,  Martin.  LXXIII-LXXXVII.  519. 
Terzi,  Ludwig.  VII..  XIII.  503.  5(»5. 
Tettenborn.  Carl.  LXXI.  517. 
Theillieres,  (alias  ThelHers).  Franz.  VI.  5<hJ. 
Thiel,  Wenzel.  XXXIV.  510. 
Thierry.  Ludwig.  XXIX.  509. 
Thum,  Georg.  LXXXVIII-CXLIV.,  CLIIL  23. 

522.  52  t. 
Tie  mar,  Joseph.  VI  II.  503. 
TiesenhuuftH,  Nikolaus.  LXX.  517. 
Ti  Iiier,  Johann  Anton.  III.  501. 
Tillier,  Joseph  Max.  IX.  50t. 
Tkalcse vich.  Johann.  VII.  503. 
Tod,  Carl.  LXXXVIU-CXLIV.  522. 
To massich. Franz.  LXVHI.,  LXXXVIU-CXLIV. 

517.  520. 
To  in  i  o  t  ti,  s.  Fabris.  V.  502. 
Török,  Johann  Andreas.  V.  502. 
Trais,  recte  Treys.  Kaspar.  V.  502. 
Trani,  Graf.  Prinz  beider  Sicilie...  CLX.  109. 

52«. 

Tiapani,  Graf,  Prinz  heider  Sicilien.  CLX. 
169.  499.  52«. 

Tra.ittenborg.  Leopold.  LXVI.  51«. 

Treys  (alias  Trais!,  Kaspar.  V.  502. 

Triangi,  Atiton.  XXXIV.  510. 

Trübet g koi,  Füret.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 

Tsehernitaeheff,  Alexander.  LXXXVIU- 
CXLIV.  14.  522. 

Türkheim.  Carl.  XXIII.  507. 


u. 

Ulm,  Joseph.  L.  512. 

Ungar,  Johann  von.  IX.  50t. 

Unter  her  gor,  Leopold.  XXIX.,  XL.  509.  511. 

L  nukir,  Ceoiy.  CLVII.  33.  525. 

Urban,  Carl.  CLIIL  34.  525. 

Urs  de  Margina,  David.  CLVIIL  152.  t98.  52G. 


V. 

Vajna,  Gabriel.  XXIII.  507. 

Vavrik  von  Heves.  Gabriel.  499. 

De  Vaulx,  Carl.  LXXXVIU-CXLIV.  521. 
,  De  Vaux,  Thiery.  XIX.,  LXVI.  50«.  515. 
I  Vay  de  Vaya,  recte  Dovay.  Paul.  XXXIV.  510. 
|  Veesey.  August.  LXXI.  518. 
!  Vecsey,  Joseph  Freih.  v.  CLXX.  486.  4SS.  528. 

I  Vecsey,  Peter  IjXVI.  515. 

i 

Vecsey,  Siegherl.  XIX.  50«. 

Vcga,  Georg.  XLIL  511. 

Verebelyi,  Sigmund.  XIX.  50«. 

Vernholz,  Stephan  (alias  Christoph i.  LXXlll- 

LXXXVII.  519. 
Vetter  v.  Lilienberj?,  Wenzel.  LXVIII.  517. 
Vever.  Carl.  CLVII.  31.  525. 
Veyder,  Carl.  LXXIII-LXXXVII.  519. 
De  Ville,  Carl.  III.  501. 
Vincent,  Carl.  XX1IL,  LXXI.  507.  517. 
Vinchant    de  Gontroeul,   reite  Contreul, 

Carl  Grar.  XXXIV.,  XLLX.  510.  512. 
De  Vins,  Joseph.  III.,  XX111.  501.  5i>7. 
Vlassits.  Kranz.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 
Vogelsang,  Ludwig.  XXIII.  507. 
Voit h,  Johann.  XV.  505. 

Voith,    Wenzel    (alias   Ferdinand).   LXX  III- 
LXXXVll.  519. 
.  Volkmann.  Antuu.  LXX11I-LXXXVI1.  518. 
V  o  1  ii  y  ulias  Woi u y j.  Johann.  LXXX V 1 1 1  CX LI V. 
521. 

Do  Vos  (alias  De  Voss»  Franz.  VI.  502. 

w. 

Wacquant,  Theodor.  LXXIII-LXXXVII.  519. 
Wagner.  Rudolph  Freih.  CLXV1I.  311. 49s. 527. 
Waldeck,  Prinz  Christian.  XXXII.  5otf. 
W ald hü tt er.  M  chael.  VIII.  503. 
'  Wallis,  Palricius  Olivier.  VII.  503. 
Wal  lisch,  Christoph.  IX.  504. 
Wallmoden,  Ludwig.  LXXIII-LXXXVII.  25. 
520. 

W  alper,  Mathias.  LXXIII-LXXXVII.  519. 
Walt  her,  Ignaz.  III.  501. 
Warnsdorf,  Gottfried.  XXXIV.  510. 
Warschau,  s.  Paskewitsch,  Fürst,  von.  CLV. 
525. 

Wartenslehen.  Ferdinand.  LXVI.  51«. 
:  Wartensleben,  Ludwig  Wilhelm.  XXI.  50«. 
I   \\'u».iilt*rhikoff,  von.  LXXXVIII-CXLIV.  522. 

Weidenfeld,  recte  Weydenfeld,  Carl.  XLIV. 
512. 


Digitized  by  Google 


552 


„  Militärischer  Maria  Theresien-Orden."  -  Anhang.  —  Namens-Reirister. 


Weigl,  Joseph.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Weiss,  Bernhard.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Weiss,  Kranz.  CLL  30.  524. 
Weiss,  Johann.  LXXXVUI-CXLIV.  521. 
Weissenwolf,  Nikolaus.  LXXXVUI-CXLIV. 
521. 

Weiden.  Ludwig.  LXXXVUI-CXLIV.,  CLL 
522.  5:24. 

Wellington,  Herzog  Arthur.  LXXXVUI-CXLIV. 
520. 

Wenkheim,  Kranz.  XXUI.  507. 

Werneck,  Kranz.  XXIII.,  XLV.  507.  512. 

Wernhardt,  Paul.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 

Westmoreland,  Lord.  s.  Burghersh.  LXXXVUI- 
CXLIV.  44.  522. 

Wetzlar,  Ignaz.  LXXXVUI-CXLIV.  523. 

Weydenfeld  (alias  Weidenfeld)  Carl.  XLIV. 
512. 

Weyrother.  Kranz.  XLII.  511. 
Widmaycr,  Aloys.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Wied-Runkel,  Kriedrich  Georg. L, VI. 500. 502. 
Wied-Runkel,    Kriedrich   Ludwig.  LXXIII- 

LXXXV1I.  519. 
Wieland,  Georg.  LXXUI-LXXXVII.  519. 
Wielowieyski,  Ladislaus.  LXXUI-LXXXVII. 

519. 

Wiesy,  Carl.  XXII.  507. 

Wildburg,  Adolph.  CLVU.  38.  52«. 

Wilhelm,  Kronprinz,  nachmals  Konig.  s. 
Württemberg.  LXXXVUI-CXLIV  (als 
Kitter  und  Commandeur).  42.  520.  521. 

Williams,  James  Ernst.  XLII.  511. 

Wilson,  Johann.  XXXIV.  510. 

Wilson,  Sir  Robert.  LXIV.,  LXXXVUI-CXLIV. 
515.  520. 

Wimpl'fen,  Kranz.  CLL,  CLVU.  23.  524.  525. 
Wimpffen,    Max.   LXXL,  LXXUI-LXXXVII 

(als  Ritter  und  Commandeur).  518. 
Windis.  h-Grätz,  AlfreJ.  LXXXVUI-CXLIV., 

CLVU.,  21.  521.  525. 
Winkclh«»ffer,  Mathias.  IX.  504. 
Wintzingerode,  Kerdinand.  LXXUI-LXXXVII. 

5  LS. 

Wittgenstein,  Ludwig.  LXXXVUI-CXUV  ia)s 

Ritter  und  Commandeur).  520.  521. 
Wittmann,  Joseph.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Wodniansky,  Johann.  XXJII.  507. 
Wohlgemut!!,  Ludwig.  CLL,  CLVU.  524  525. 
W..|fik*  Lamarselle,  Ludwig.  LXVI.  515. 


Wolfskeel  (alias  Wolfskehn,  Christian.  LXVI. 
515. 

Wolfskeel  (alias  Wolfskehl),  Sigmund.  XXUI. 
507. 

Wolkonskg,  Peter.  LXXXVUI-CXLIV.  522. 
Wolny,  recte  Volny,  Johann.  LXXXVUI-CXLIV. 
521. 

Wood,  George.  LXXXVIU-CXLIV.  523. 
Woodford,  Alezander.  LXXXVUI-CXLIV.  45. 

52:. 

Worbeer,  Sigmund.  V.  502. 

Woronzoff,  Michael.  LXXXVIU-CXLIV.  522. 

Wränget,  Kriedrich  Graf.  CLXIl.  107.  526. 

Wratislaw.  Eugen.  CLL  27.  524. 

Wrede,  Carl  Philipp.  LXXXVIU-CXLIV.  520. 

Wukassovich,  Joseph  Philipp.  XV.  505. 

Wurmser,  Dagobert.  XL,  XXX IL  504.  509. 

Württemberg ,  Eugen,  Prinz  von.  LXXXVUI- 
CXLIV.  43.  521. 

Wfirttem berg,  Ferdinand,  Prinz  von.  XXVHL 
XXXIV.  508.  509. 

Württemberg,  Kronprinz  von  inachmais  Könw 
Wilhelm  L).  LXXXVIU-CXLIV  (als  Ritter 
und  Commandeur).  42.  520.  521. 

Württemberg,  Wilhelm  Herzog  von.  CL1X. 
94.  498.  526. 

Y. 

Ytrmoloff,  von.  LXXXVUI-CXLIV.  521. 
York-,  Graf  Hans.  LXXXVUI-CXUV.  5a  1. 
York,    Herzog  Kriedrich.  LXXXVUI-CXLIV 

520. 

z. 

Zach,  Anton.  LVIU.  514. 

Zaturetzky,  Ladislaus.  LXVI.  510. 

Zechmeister,  Theophil.  LXII.  511. 

Zedtwitz,  Johann.  V.  502. 

Zeisberg.  Carl.  CLIII.  33.  524. 

Zhehovini.  Andreas.  CLIII.  525. 

Ziegesar,  Carl.  VI.  502. 

Zieten,  Graf.  LXXXVIU-CXLIV.  521. 

Zig  Ran,  Joseph.  XX1U.  507. 

Zobel,  Thomas.  CLL  27.  524. 

Zoe chi,  Johann.  LXXL  518. 

Zollern,  von  LXXXVUI-CXLIV.  522. 

Zorn,  Max  August.  III.  501. 

Zoph,  Johann.  XLVIII.  512. 

Zwei I» rücken,  Kriedrich  Michael.  V.  501. 


Digitized  by  Google 


CR  4979  18 
Militärischer  Mari« 

Stanford  Unh 


iSii 


3  6105  041  338  265 


III 


Stanford  University  Libraries 
Stanford,  California 


Return  this  book  od  or  before  date  due. 


I 


Digitized  by  Coogl 


Digitized  by  Google